# S2E2: Ökologische Sicherheit NEU DENKEN -- mit Jennifer Morgan **Staffel 2: Sicherheit** | Folge 2 | 25.11.2025 **YouTube:** https://www.youtube.com/watch?v=WIyHpAXJ1A4 ## Zusammenfassung Maja Göpel spricht mit Jennifer Morgan über ökologische Sicherheit und die Frage, warum Klimaschutz kein Nischenthema ist, sondern ein zentraler Baustein nationaler und internationaler Sicherheitspolitik. Morgan bringt eine seltene Doppelperspektive mit: Sie hat als Greenpeace-Chefin und beim World Resources Institute die Zivilgesellschaftsseite vertreten und war anschließend als Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt tätig. Im Gespräch wird deutlich, dass die Trennung von Klimapolitik und Sicherheitspolitik künstlich ist. Der Bundesnachrichtendienst benennt den Klimawandel als eines der fünf größten Risiken für Deutschland. Ressourcenkonflikte, Energieabhängigkeiten und klimabedingte Migration sind längst Themen der Sicherheitsbehörden und der NATO. Morgan beschreibt, wie sie eine Klimaaußenpolitik-Strategie entwickelte, die Klimaziele in alle Ministerien integrierte -- von Handel über Gesundheit bis Verteidigung. Ein zentrales Thema ist Chinas Rolle: Das Land dominiert den globalen Markt für erneuerbare Energien, kontrolliert über 90 Prozent der kritischen Rohstoffe und hat 51 Prozent Elektrofahrzeug-Anteil am nationalen Markt erreicht. Morgan argumentiert, dass Europa neue Partnerschaften mit Ländern in Afrika, Südamerika und Asien schmieden muss -- nicht im alten extraktivistischen Modell, sondern mit lokaler Wertschöpfung und beidseitigem Nutzen. Göpel und Morgan widersprechen dem Narrativ, Klimapolitik treibe den Populismus. Die Populismusforschung zeige klar, dass der gemeinsame Nenner das Antistaatliche sei -- und Klimaschutz nur eines von vielen Themen, das instrumentalisiert werde, weil er staatliches Handeln erfordere. Die fossile Lobby habe Milliarden investiert, um Zweifel an der Wissenschaft zu säen und politische Bewegungen zu finanzieren. Das Gespräch schließt mit dem Appell, die Evidenzbasis der Klimawissenschaft zu schützen und gleichzeitig denjenigen Sichtbarkeit zu verschaffen, die sich weltweit für Klimaschutz einsetzen -- weil das Wissen, nicht allein zu sein, eine Voraussetzung für Handlungsmut ist. ## Kernthesen - Klimaschutz ist kein Gegensatz zu Sicherheitspolitik, sondern ein wesentlicher Bestandteil davon -- der BND zählt den Klimawandel zu den fünf größten Risiken für Deutschland. - Erneuerbare Energien sind ein Sicherheitsgewinn: Sie reduzieren Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern und autoritären Lieferanten. - Nicht Klimapolitik treibt den Populismus, sondern Populismus instrumentalisiert das Klimathema als Vehikel für antistaatliche Agenden -- finanziert von der fossilen Lobby. - China hat in erneuerbaren Energien und Elektromobilität eine industriepolitische Revolution vollzogen, die Europa noch nicht angemessen versteht. - Europa braucht neue Partnerschaften auf Augenhöhe -- mit lokaler Wertschöpfung statt extraktivistischem Zugriff auf Rohstoffe anderer Länder. - Die Energiewende muss als Jobs-, Wohlstands- und Sicherheitsthema kommuniziert werden -- nicht nur als Klimathema. - Die Trump-Administration geht über den bloßen Ausstieg aus dem Pariser Abkommen hinaus: Sie erpresst andere Staaten aktiv, fossile Energieträger zu kaufen, und blockiert erneuerbare Projekte. ## Kraftvolle Zitate > „Klima ist eine von den fünf größten Risiken für Deutschland." -- Jennifer Morgan (paraphrasiert nach BND-Einschätzung) > „Nicht Klimapolitik treibt den Populismus. Die Populismen suchen sich ein nach dem anderen die Themen raus, wo sie wissen, dass sie diese Anti-Staat, Anti-Eliten -- die wollen euch was wegnehmen -- am besten durchdrücken können." -- Maja Göpel > „Erneuerbare Energie ist so billig geworden. [...] Aber wir reden über erneuerbar als Klimaschutz, nicht als Maßnahme für leistbare Energie." -- Jennifer Morgan > „In China sind 51 Prozent des nationalen Marktes E-Autos. [...] Das ist kein Billigschrott, das ist Hochtechnik." -- Jennifer Morgan > „Wollen wir wirklich abhängig von Trump sein für Gas?" -- Jennifer Morgan > „Die größte Sorge, die Menschen gerade umtreibt, ist der wachsende Egoismus. Wir fühlen uns sicher bei dem Gedanken, dass die anderen auch Lust haben, links und rechts zu gucken und nicht nur sich selbst zu sehen." -- Maja Göpel > „Jede Community muss ihre eigene Sprache sprechen dürfen. [...] Wenn eine Person, die nichts mit Klima zu tun hat, plötzlich das versteht -- das ist das Wirksamste." -- Jennifer Morgan > „Es gibt wirklich eine Mehrheit von Menschen weltweit, die das verstehen und wollen und würden was tun -- sogar mehr bezahlen." -- Jennifer Morgan ## Offene Fragen & Weiterdenken - Wie können europäische Partnerschaften mit Ländern des Globalen Südens so gestaltet werden, dass sie nicht alte extraktivistische Muster reproduzieren? - Wie lässt sich die gesellschaftliche Unterstützung für Klimaschutz, die in Umfragen stabil auf Platz vier rangiert, in politische Handlungsfähigkeit übersetzen? - Braucht der neue Nationale Sicherheitsrat Deutschlands eine feste Vertretung für ökologische Sicherheit -- und was würde deren Fehlen signalisieren? --- *Transcript-Quelle: YouTube Auto-Generated Captions*