1 00:00:01,900 --> 00:00:06,880 Speaker 1: In freien Gesellschaften sind es die Bürgerinnen und Bürger, die durch ihre Ideen und Aktivitäten 2 00:00:07,140 --> 00:00:13,400 Speaker 1: neue Realitäten schaffen. Genau deshalb ist gute Bildung für alle so wahnsinnig entscheidend. Ob 3 00:00:13,520 --> 00:00:18,080 Speaker 1: nun Naturschutz, neue Industrien, nachhaltige Städte oder friedenssichernde Institutionen, 4 00:00:18,860 --> 00:00:23,860 Speaker 1: all diese Ergebnisse werden dann möglich, wenn Menschen mit den dafür notwendigen Wissensschätzens 5 00:00:23,920 --> 00:00:29,160 Speaker 1: und Fähigkeiten ausgestattet sind. Die Freiheit Zukunft zu gestalten steht also in einem direkten 6 00:00:29,180 --> 00:00:32,740 Speaker 1: im Verhältnis dazu, welche Bildung eine Gesellschaft sich leistet und für wen. 7 00:00:33,680 --> 00:00:36,060 Speaker 1: Besonders wichtig dabei ist Zukunftskompetenz. 8 00:00:36,450 --> 00:00:39,480 Speaker 1: Denn es geht nicht einfach nur um ein mehr oder weniger Bildung, 9 00:00:40,010 --> 00:00:42,940 Speaker 1: sondern auch um die passende Bildung für die heutige Zeit. 10 00:00:43,900 --> 00:00:46,620 Speaker 1: Welche Inhalte und Lernformen helfen Menschen also dabei, 11 00:00:46,970 --> 00:00:49,860 Speaker 1: sich heute gestaltend einzubringen? 12 00:00:50,340 --> 00:00:55,199 Speaker 1: Hartwin Maas ist Zukunftsforscher und Co-Gründer des Instituts für Generationenfragen 13 00:00:55,540 --> 00:01:00,320 Speaker 1: und er gründet dort nicht nur wo und wie Alterskohorten unterschiedlich auf die Welt schauen, 14 00:01:00,780 --> 00:01:07,060 Speaker 1: sondern verfolgt auch, wie digitale Medien und Lerninstrumente die Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit von Menschen verändern. 15 00:01:08,000 --> 00:01:14,180 Speaker 1: Er wird uns erklären, warum wir nicht weniger als ein umfassendes Update unseres Bildungssystems gebrauchen können. 16 00:01:15,460 --> 00:01:21,400 Speaker 1: Mein Name ist Maja Göpel, ihr hört Neudenken, den Podcast von Mission Wertvoll, heute zum Thema Bildung. 17 00:01:22,120 --> 00:01:26,460 Speaker 1: Wenn ihr dieses Podcast-Projekt gut findet, dann unterstützt ihr uns doch gerne auch finanziell, 18 00:01:26,650 --> 00:01:29,020 Speaker 1: damit wir gemeinsam dieses Projekt weiterentwickeln können. 19 00:01:38,020 --> 00:01:38,860 Speaker 1: Herzlich willkommen. 20 00:01:39,460 --> 00:01:40,640 Vielen Dank für die Einladung. 21 00:01:41,960 --> 00:01:43,660 Speaker 1: Lieber Hartwin, ich finde das spannend. 22 00:01:44,680 --> 00:01:47,400 Speaker 1: Zukunftsforscher, ich werde immer gefragt, was ist eine Transformationsforscherin? 23 00:01:47,460 --> 00:01:49,360 Speaker 1: Was macht ein Zukunftsforscher? 24 00:01:50,720 --> 00:02:05,360 Also er befasst sich mit Gestaltungsmöglichkeiten oder Zukunften. In der Zukunftsforschung sprechen wir nicht von der Zukunft, weil das können wir nicht, sondern wir können Zukunfte skizzieren, Zukunftsbilder kreieren und das eben auf wissenschaftlicher Basis. 25 00:02:05,440 --> 00:02:12,280 Das heißt, wir schauen nach wünschenswerten, wahrscheinlichen oder möglichen Zukunftsgestaltungsmöglichkeiten, 26 00:02:12,840 --> 00:02:17,840 aber immer in der Voraussetzung: Wie war es in der Vergangenheit, wie ist es in der Gegenwart, 27 00:02:17,940 --> 00:02:23,060 wie kamen wir überhaupt zu dem Punkt? Und diese Daten nutzen wir und transferieren die in die Zukunft. 28 00:02:24,280 --> 00:02:29,980 Speaker 1: Das ist ja schon spannend, also dieses Normative, das Wünschenswerte, darf man da mitdenken. 29 00:02:30,180 --> 00:02:34,800 Speaker 1: Und dann hat man dieses Wahrscheinliche, wenn wir die Trends weiterlaufen, wie es her ist, 30 00:02:34,880 --> 00:02:38,580 Speaker 1: dann wird es sich wahrscheinlich in dieser und jener Richtung entwickeln. Damit ist man da in 31 00:02:38,620 --> 00:02:42,920 Speaker 1: so Szenarien, denke auch viel drin und kann sich fragen: Wie komme ich aus einem wahrscheinlichen 32 00:02:43,060 --> 00:02:47,560 Speaker 1: Szenario in ein wünschenswertes rüber? Also damit sind wir bei der Transformationsforschung halt 33 00:02:47,560 --> 00:02:54,040 Speaker 1: auch ständig bemüht. Ja, wichtiger Punkt ist auch da einen ziemlich breiten Radar zu haben, 34 00:02:54,200 --> 00:03:01,119 also in vielen Bereichen sich auch gut auszukennen und eben auch Experten hinzuzunehmen, die sich 35 00:03:01,140 --> 00:03:05,080 sehr gut auf diesen Gebieten auskennen und eben auch die Schlüsselfaktoren heraus zu 36 00:03:05,240 --> 00:03:09,840 kristallisieren. Was sind die Variablen, die sich wohl ändern und inwiefern sind die auch 37 00:03:10,060 --> 00:03:14,240 miteinander abhängig, um da tatsächlich auch ein gutes Szenario kreieren zu können. 38 00:03:15,380 --> 00:03:19,840 Speaker 1: Und dabei geht es ja in den Sozialwissenschaften, wir machen ja so Sozialwissenschaften-Podcast, 39 00:03:20,680 --> 00:03:24,600 Speaker 1: nie darum zu sagen, das sind Naturgesetze, aber es sind eben Wahrscheinlichkeiten, es sind 40 00:03:26,060 --> 00:03:31,080 Speaker 1: Konstellationen, es sind manchmal Kausalitäten, ist schwieriger festzusetzen als Korrelationen, 41 00:03:31,120 --> 00:03:36,060 Speaker 1: Aber so Mustererkennung, dass man sagen kann, das ist sehr viel wahrscheinlicher, dass das eintreten wird als etwas anderes. 42 00:03:37,140 --> 00:03:44,180 Speaker 1: Und welche Disziplinen habt ihr da zusammengebracht, um zu sagen, damit kriegen wir ein ganz gutes Bild auf gesellschaftliche Veränderungen? 43 00:03:45,220 --> 00:03:51,940 Zum einen die Soziologie und die Psychologie, die wir betrachten und natürlich auch die technischen Möglichkeiten, die wir involvieren. 44 00:03:52,030 --> 00:03:57,920 Und das genauso, wie du es gesagt hast, wir versuchen ja ein Muster der Realität abzubilden. 45 00:03:57,930 --> 00:04:00,180 Aber es ist ja nie eins zu eins in den Stunden. 46 00:04:00,360 --> 00:04:02,640 aber wir versuchen, das dementsprechend näher zu gehen. 47 00:04:02,800 --> 00:04:08,020 Und bei uns ist eben ganz entscheidend, dass jede Wissenschaft für sich auch, 48 00:04:08,760 --> 00:04:11,260 also wir haben keine Rangordnung, sondern die sind ebenbürtig. 49 00:04:11,300 --> 00:04:16,359 Und das ist auch entscheidend, um das Reflexionsniveau der einzelnen Wissenschaft hochzuhalten. 50 00:04:17,220 --> 00:04:21,700 Also sowohl die Soziologie, die eben über die Gesellschaft auf die Themen blickt, 51 00:04:21,780 --> 00:04:24,480 und auch die Psychologie, die stellen ja ganz unterschiedliche Fragen, 52 00:04:24,640 --> 00:04:27,180 das eher auf das Individuum schaut zum Beispiel. 53 00:04:27,460 --> 00:04:37,660 Und dann eben die technologische Komponente, die oft weit weg ist vom Markt, also schon ein paar Jahre vorzeitig mit Technologien kommt, aber die Gesellschaft noch nicht so weit ist. 54 00:04:37,840 --> 00:04:46,400 Und genau die Diskrepanz, insbesondere in der Zukunftsforschung, hochspannend, wenn wir junge Menschen befragen, wie nehmen die Dinge wahr. 55 00:04:46,640 --> 00:04:56,860 Und da sehen wir oft in der Herangehensweise auch mit älteren Personen, dass die immer von ihrer Perspektive auf die Themen blicken, wie sie geprägt wurden, wie sie aufgewachsen sind. 56 00:04:57,840 --> 00:05:04,140 wie sie damals eben Dinge gelöst haben, aber die Rahmenbedingungen haben sich so immens geändert, 57 00:05:04,560 --> 00:05:08,500 dass das gar nicht mehr sinnführend ist, sondern ich muss die jungen Menschen fragen, 58 00:05:08,530 --> 00:05:15,240 wie nehmen sie momentan Technologien oder die Gesellschaft wahr, wie gehen sie mit den Techniken um 59 00:05:16,160 --> 00:05:22,580 und auch welches Denkmuster entsteht dadurch, welches Verhaltensmuster entsteht dadurch. 60 00:05:23,120 --> 00:05:27,500 Und das ist oft sehr konträr, wie es die älteren Generationen denken. 61 00:05:27,610 --> 00:05:29,780 Also wir sprechen da auch von Inkommensurabilität. 62 00:05:29,950 --> 00:05:32,680 Also man spricht gar nicht mehr auf der gleichen Ebene. 63 00:05:33,060 --> 00:05:36,100 In der Mathematik kennt man das, dass zwei Mengen nicht mehr vereinbar sind. 64 00:05:36,310 --> 00:05:40,540 Oder aus der Wissenstheorie, dass man eigentlich aneinander vorbeiredet. 65 00:05:40,600 --> 00:05:43,160 Das Puzzlestück passt nicht mehr in das Gesamtpuzzle. 66 00:05:44,540 --> 00:05:50,040 Und das passiert eben mittlerweile sehr oft in der Kommunikation, dass wir aneinander vorbeireden. 67 00:05:50,540 --> 00:05:55,440 Und gerade durch unsere Studien erfahren wir, warum das eigentlich so ist. 68 00:05:56,140 --> 00:05:58,680 Warum nehmen Jüngere das anders wahr als die Älteren? 69 00:05:58,680 --> 00:06:03,480 Und was bei uns ganz wichtig ist im Institut, das auch auf dem Methodenmix anzuwenden. 70 00:06:03,640 --> 00:06:06,040 Also wir gehen zunächst mal qualitativ vor. 71 00:06:06,080 --> 00:06:10,820 Wir fragen die Menschen aus unterschiedlichen Schichten, unterschiedlichen Altersstufen, 72 00:06:11,380 --> 00:06:12,860 wie nehmt ihr Dinge wahr? 73 00:06:13,700 --> 00:06:19,720 Dann darauf kreieren wir eben einen quantitativen Fragebogen, den wir sehr breit streuen. 74 00:06:20,180 --> 00:06:25,960 Und die Ergebnisse, wo wir uns schwer tun, die auch zu interpretieren, die interpretieren wir nicht, 75 00:06:26,170 --> 00:06:30,100 sondern wir gehen dann auch wieder, ich sage es jetzt mal platt, auf die Straße und fragen die jungen Menschen, 76 00:06:30,270 --> 00:06:31,780 wie versteht ihr die Ergebnisse? 77 00:06:32,420 --> 00:06:38,420 Und da kommen teilweise ganz andere Interpretationen raus, als hätten wir jetzt nur einen quantitativen Fragebogen gestreut 78 00:06:39,320 --> 00:06:40,880 und dann Ergebnisse bekommen. 79 00:06:42,160 --> 00:06:46,520 Speaker 1: Deshalb, ihr habt ja Generationenforschung ins Zentrum von eurem Institut gepackt. 80 00:06:46,620 --> 00:06:52,280 Speaker 1: Aus dieser Erkenntnis heraus, dass ihr sagt, man kann es ja fast mentale Infrastruktur nennen, 81 00:06:52,520 --> 00:06:57,680 Speaker 1: dass wir uns eine gewisse Art angewöhnt haben, ein Weltbild, so haben wir das schon gemacht 82 00:06:57,740 --> 00:06:59,720 Speaker 1: und vieles von dem ist uns ja gar nicht so bewusst. 83 00:07:00,560 --> 00:07:04,800 Speaker 1: Und dann zu überlegen, wenn die Generationen mit so unterschiedlichen Blicken starten, 84 00:07:04,940 --> 00:07:08,180 Speaker 1: war das der Ursprung, weshalb ihr gesagt habt, da müsste man mal hinschauen, 85 00:07:08,340 --> 00:07:10,880 Speaker 1: um Verständigung vielleicht auch nach vorne zu bringen? 86 00:07:11,360 --> 00:07:16,040 Genau, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, auch das Generation Thinking Thema, 87 00:07:16,280 --> 00:07:21,400 auch tatsächlich in unterschiedlichen Generationen denken, mit unterschiedlichen Perspektiven auch zu denken. 88 00:07:22,839 --> 00:07:25,940 Und das macht das Ganze unglaublich kreativ. 89 00:07:26,680 --> 00:07:32,020 Und auch ist es fortschrittlich, anstatt immer in dem alten Denkmuster haften zu bleiben, 90 00:07:32,280 --> 00:07:36,840 da tatsächlich ganz andere Perspektiven einzunehmen und auch zu hinterfragen, ist das eigentlich gut so? 91 00:07:37,420 --> 00:07:42,100 Gehen wir da in die richtige Richtung? Und da dockt auch wieder die Zukunftsforschung an. 92 00:07:42,340 --> 00:07:50,100 die Ergebnisse, was wir bei jungen Menschen bekommen, wie wirkt sich das denn in Zukunft aus? Welche Trends 93 00:07:50,180 --> 00:07:54,100 gehen wir denn nach? Ist das eigentlich gut, wie wir jetzt zum Beispiel mit künstlicher Intelligenz 94 00:07:54,280 --> 00:08:01,920 umgehen? Ist das jetzt eigentlich gut, dass 75 Prozent der Zehnjährigen schon ein eigenes Smartphone 95 00:08:02,100 --> 00:08:06,780 haben? Was sind da die Konsequenzen? Und da können wir dementsprechend schon Szenarien aufzeichnen. 96 00:08:07,940 --> 00:08:12,380 Speaker 1: Also diese Multiperspektivität, nicht nur zwischen Disziplinen, das ist ja auch wichtig, 97 00:08:12,540 --> 00:08:15,260 Speaker 1: was kann ich sehen, wenn ich dich die Brille aufgesetzt habe, sondern tatsächlich auch, 98 00:08:15,400 --> 00:08:20,100 Speaker 1: was bin ich gewohnt zu sehen und wo brauche ich einen Schubser, damit ich vielleicht nochmal 99 00:08:20,300 --> 00:08:24,540 Speaker 1: gucken kann, was aus meinem typischen Wahrnehmungsspektrum rausgefallen ist. 100 00:08:24,570 --> 00:08:27,380 Speaker 1: Das ist ja Thema Bildung eben auch mit drin. 101 00:08:27,570 --> 00:08:32,200 Speaker 1: Wie kann ich mich immer wieder irritieren lassen, um zu sagen: Ah, gibt es da vielleicht ein 102 00:08:32,340 --> 00:08:35,700 Speaker 1: mehr von dem, was ich bisher wahrgenommen habe oder für möglich gehalten habe? 103 00:08:36,599 --> 00:08:41,539 Das ist ja ein Punkt, wo wir sehr stark auch in Schulen, im Bildungsbereich angefragt werden, 104 00:08:42,370 --> 00:08:47,060 wo Lehrkräfte sich fragen, ich verstehe gar nicht mehr, wie die Jungen so drauf sind, 105 00:08:47,210 --> 00:08:51,540 warum die so denken, warum die das nicht mehr haben, wie wir eigentlich groß geworden sind und dergleichen. 106 00:08:52,240 --> 00:08:56,720 Es geht nicht nur um die Schülerschaft, sondern es geht auch um junge Lehrkräfte, 107 00:08:57,020 --> 00:09:02,880 die dann kommen, die jetzt auch Mitte 20 sind, dass das teilweise so weit auseinander ist von den Denkmustern, 108 00:09:03,160 --> 00:09:06,060 dass sie fragen, okay, ich kapiere das gar nicht mehr. 109 00:09:07,820 --> 00:09:12,260 Ich versuche das zumindest mal anzunehmen, aber ich verstehe es nicht. 110 00:09:12,900 --> 00:09:13,980 Speaker 1: Kannst du mal ein Beispiel machen? 111 00:09:14,270 --> 00:09:16,780 Speaker 1: Also bei Technik sagt man immer, die Jungen sind digital affin, 112 00:09:16,790 --> 00:09:18,340 Speaker 1: aber das geht wahrscheinlich viel weiter, oder? 113 00:09:19,120 --> 00:09:20,780 Ja, das geht viel weiter. 114 00:09:22,000 --> 00:09:24,600 Wobei ich das auch ein Stück weit ein Vorurteil, 115 00:09:24,760 --> 00:09:30,180 dass man sagt, die Jungen sind so technikaffin oder digital affin. 116 00:09:30,820 --> 00:09:39,300 Wir sagen da eher, sie sind digital intuitiv, weil die Technologie mittlerweile so ausgereift ist, dass sie eher intuitiv gestaltet ist. 117 00:09:40,620 --> 00:09:45,420 Wischen oder zu liken heißt es nicht, dass ich die Technikhintergründe kenne. 118 00:09:46,020 --> 00:09:51,460 Und deswegen sprechen wir, dass die älteren Generationen eher technikaffin sind oder einzelne bei den jungen Menschen. 119 00:09:51,560 --> 00:09:55,459 Aber man kann nicht pauschal sagen, die Jungen sind alle digitalaffin oder technikaffin. 120 00:09:56,320 --> 00:09:58,200 Die würden sogar das Gegenteil eher behaupten. 121 00:09:58,380 --> 00:10:05,220 Und das sieht man auch von internationalen Studien, dass die Digitalkompetenz bei jungen Menschen weniger ausgereift ist als bei älteren Menschen. 122 00:10:06,020 --> 00:10:09,100 Speaker 1: Oh, da musst du, glaube ich, gleich mal den Kompetenzbegriff einmal unterscheiden. 123 00:10:09,160 --> 00:10:14,080 Speaker 1: Weil diese Digital Native ist ja so dieses, die sind digital großgebernd, ist für die selbstverständlich. 124 00:10:14,400 --> 00:10:18,980 Speaker 1: Aber dass selbstverständlich nicht unbedingt kompetent ist, das ist ja dann der wichtige Moment, oder? 125 00:10:19,240 --> 00:10:22,500 Genau, richtig. Also tatsächlich die Hintergründe auch zu kennen. 126 00:10:24,760 --> 00:10:30,680 Man spricht ja auch von Digital Literacy oder AI Literacy letztendlich, Dinge auch zu hinterfragen. 127 00:10:31,150 --> 00:10:33,180 Genau was ja auch Bildung letztendlich auch macht. 128 00:10:33,330 --> 00:10:46,380 Das kritische Denken, wie betreibt man tatsächlich eine Quellenexegese, wie detektiere ich Fake News, wie ist eine Plattform aufgebaut, wie ist Social Media aufgebaut, welche Addictive Design Elemente stecken dahinter. 129 00:10:47,160 --> 00:10:55,580 Also das ist tatsächlich, das macht ja Kompetenz auch aus, mehrere Fähigkeiten dementsprechend anzuwenden, zu hinterfragen, einen Transfer zu leisten. 130 00:10:56,360 --> 00:11:02,340 Anstatt jetzt, das ist ja der Unterschied zu einer Fähigkeit, dass ja nur ein Können darstellt, ich kann die Programmiersprache. 131 00:11:02,400 --> 00:11:08,800 Und viele Fähigkeiten, wenn man die hat, heißt ja nicht gleich, dass man kompetent ist, sondern da gehört dann dementsprechend schon mehr dahinter. 132 00:11:08,940 --> 00:11:14,160 Also die einzelnen Fähigkeiten auch vernünftig anwenden zu können, um ein Problem zum Beispiel zu lösen. 133 00:11:14,460 --> 00:11:16,740 Dann sprechen wir von einer gewissen Kompetenz. 134 00:11:18,100 --> 00:11:32,560 Zurückzukommen zu den Digital Natives, die es ja oft genannt wird, das ist ja genau das Thema, dass wir wieder etwas hineinprojizieren, weil wir denken, die werden doch mit der digitalen Welt groß, aber hauptsächlich ist es ja Social Media auf den Kanälen. 135 00:11:33,080 --> 00:11:37,800 Diesmal auch das Smartphone, das hat ja Apple perfektioniert, dass es intuitiv gestaltet ist. 136 00:11:37,860 --> 00:11:39,760 Ich muss gar nicht mehr so viel nachdenken. 137 00:11:39,860 --> 00:11:42,960 Auch der Algorithmus gibt mir vor, was ich zu sehen habe. 138 00:11:44,080 --> 00:11:50,140 Und das ist ja genau der Punkt, wo wir sagen, okay, technisch affin ist das nicht unbedingt. 139 00:11:50,320 --> 00:11:52,760 Ich bringe da oft gern das Beispiel der Fernbedienung. 140 00:11:53,760 --> 00:11:58,680 Das heißt, als wir damals in unserem Jugendalter sehr viel ferngeschaut haben, hat ja auch keiner gesagt, 141 00:11:59,240 --> 00:12:02,480 wenn wir mit der Fernbedienung gut umgehen konnten, sei technisch versiert. 142 00:12:02,560 --> 00:12:06,140 Und so muss man sich das ungefähr mit dem Smartphone vorstellen. 143 00:12:06,330 --> 00:12:11,300 Zu wischen, zu liken, heißt eigentlich erst mal keine große Kompetenz. 144 00:12:12,800 --> 00:12:18,860 Speaker 1: Und dazu, du hast ja eben gesagt, Addictive Design, also das ist ja suchtmachend, dass 145 00:12:18,930 --> 00:12:20,760 Speaker 1: man wirklich auch da stecken bleiben soll. 146 00:12:20,990 --> 00:12:24,800 Speaker 1: Also mit meinen Kindern habe ich das aber eben auch gesagt: Ich kann euch nicht verbieten 147 00:12:25,470 --> 00:12:29,659 Speaker 1: oder einfach sagen, das ist schlecht, lasst das, sondern ich weiß ja, dass alles darauf 148 00:12:29,740 --> 00:12:34,500 Speaker 1: aufgelegt ist, dass ihr daran festkleben sollt, also eure ganze Aufmerksamkeit gebunden werden 149 00:12:34,660 --> 00:12:39,620 Speaker 1: soll. Deshalb müssen wir gemeinsam irgendeine Form finden, wie kann ich euch dabei unterstützen 150 00:12:39,900 --> 00:12:43,780 Speaker 1: und wir überlegen, wie wir uns alle, geht mir ja genauso, weil auch alles auf dieses 151 00:12:43,980 --> 00:12:49,660 Speaker 1: Endgerät inzwischen fokussiert wird, wie wir alle einen Umgang, einen bewussten Umgang und 152 00:12:49,660 --> 00:12:53,660 Speaker 1: auch Stoppknöpfe für uns bauen können. Vielleicht bei uns sind die auch von außen kommen. 153 00:12:55,120 --> 00:12:59,160 Richtig, das macht ja genau die Kompetenz auch, sich damit auseinanderzusetzen, 154 00:12:59,180 --> 00:13:04,420 das zu hinterfragen, sehe ich denn überhaupt für mein Leben einen Mehrwert, wenn man sieht, 155 00:13:04,440 --> 00:13:10,060 wie viel Zeit da auch verplempert wird auf den sozialen Kanälen. Bei TikTok ist es jetzt im 156 00:13:10,180 --> 00:13:14,060 Durchschnitt eines Jugendlichen 90 Minuten pro Tag und das nur eine Plattform. 157 00:13:14,460 --> 00:13:17,180 Speaker 1: Ist das in Deutsch? Weil in anderen Ländern ist es glaube ich noch schlimmer, oder? 158 00:13:20,140 --> 00:13:25,760 Also in Deutschland sind wir immer so im Mittelfeld, also nicht im Extremen oder auch 159 00:13:25,760 --> 00:13:29,900 nicht zu wenig, aber immer so im Mittelfeld. Aber wir sprechen mittlerweile von vier bis 160 00:13:30,020 --> 00:13:35,340 sechs Stunden täglich in sozialen Kanälen unterwegs zu sein. Und wenn man dann schaut, 161 00:13:35,460 --> 00:13:40,420 okay, sechs bis acht Stunden ist man in der Schule, acht Stunden in der Regel ist so ein 162 00:13:40,540 --> 00:13:44,860 durchschnittlicher Schlaf, dann bleibt nicht mehr viel Zeit, die analoge Welt zu trainieren. 163 00:13:46,320 --> 00:13:50,940 Und da sprechen wir eben ja, und so sind ja die Plattformen aufgebaut mit Addictive Design, 164 00:13:51,080 --> 00:13:56,320 ein Dark Pattern ist zwar in der EU verboten, aber man sieht die immer wieder, dementsprechend 165 00:13:56,560 --> 00:14:01,300 möglichst lang auf der Plattform zu bleiben. Und das hat ja mittlerweile solche Auswüchse, 166 00:14:01,400 --> 00:14:06,620 dass bei TikTok zum Beispiel reicht eine Sekunde als ausreichender View für diese Plattform, 167 00:14:06,800 --> 00:14:08,800 um 600 Datenpunkte abzugreifen. 168 00:14:09,060 --> 00:14:11,200 Speaker 1: Eine Sekunde 600 Datenpunkte. 169 00:14:11,220 --> 00:14:17,560 Genau. Und dann sieht man schon die immense Geschwindigkeit. Und wir sind ja nicht multitaskingfähig. 170 00:14:17,820 --> 00:14:23,440 Und man wischt ständig weiter, man kriegt ständig dementsprechend auch neue Inhalte. 171 00:14:24,160 --> 00:14:31,540 Und nach 90 Minuten ist man eher, ja, das Wohlsein sinkt nach unten anstatt nach oben 172 00:14:31,720 --> 00:14:34,600 und denkt sich, was habe ich jetzt überhaupt gemacht in 90 Minuten? 173 00:14:35,580 --> 00:14:39,800 Speaker 1: So einige Aussteiger aus den großen Tech-Konzernen wie Tristan Harris und andere, 174 00:14:39,800 --> 00:14:44,140 Speaker 1: die auch dieses Social Dilemma als Film gemacht haben, der mal so zeigt, was das mit uns macht. 175 00:14:44,420 --> 00:14:51,680 Speaker 1: wenn wir uns sehr stark dort informieren, da auch absorbiert werden und dann natürlich auch mit den Negativalgorithmen. 176 00:14:51,750 --> 00:14:54,880 Speaker 1: Im Grunde genommen eigentlich eher dieses Doomscrolling heißt es ja inzwischen auch, 177 00:14:54,980 --> 00:15:01,640 Speaker 1: dass man eher so diese ganzen negativen oder sehr vergleichenden, hoch inszenierten Singe die ganze Zeit auf einen einprasseln und was das eben macht. 178 00:15:02,240 --> 00:15:08,060 Speaker 1: Und die haben ja eine Initiative dann Time Well Spent, also Zeit gut verwendet, reingenehm, 179 00:15:08,200 --> 00:15:10,720 Speaker 1: sodass man wirklich bewusst damit umgehen soll. 180 00:15:11,320 --> 00:15:16,960 Speaker 1: Und dieses bewusst umgehen, das ist, glaube ich, so ein zentraler Moment in den Kompetenzforschungen, die ihr macht. 181 00:15:17,960 --> 00:15:20,980 Speaker 1: Wie kann ich mich selbst beobachten? Wie sehe ich, was passiert? 182 00:15:22,540 --> 00:15:29,360 Speaker 1: Welche Fähigkeiten brauche ich dafür, um Freiheit in Dinge von Entscheidungsfindung 183 00:15:29,520 --> 00:15:32,740 Speaker 1: und auch gut begründete Entscheidungsfindung zu entwickeln? 184 00:15:34,400 --> 00:15:53,380 Das ein wichtiges Ergebnis, das wir in der Jugendtrendstudie in der Schweiz festgestellt haben, Personen, die acht Stunden auf Social Media sind, versus Personen, die fünf Stunden auf Social Media sind, dass das Wohlbefinden sich um 50 Prozent reduziert, die eben acht Stunden sind. 185 00:15:53,480 --> 00:16:03,320 Und das sind ja nur drei Stunden Unterschied, nur in Anführungsstrichen. Aber letztendlich hat das so einen unglaublichen negativen Effekt auf das Wohlbefinden. 186 00:16:04,180 --> 00:16:20,600 Ich finde Matthew Crawford ganz interessant, der Philosoph aus den USA, der genau das auch gemacht hat, dass er sich von seinem hochbezahlten Job im Think Tank verabschiedet hat, weil er gar nicht wusste, für was wird er eigentlich bezahlt. 187 00:16:20,820 --> 00:16:27,220 hat das eher als Schmerzensgeld wahrgenommen, hat den gekündigt und eine Motorradwerkstatt aufgemacht. 188 00:16:27,360 --> 00:16:31,920 Und er jetzt vier Tage arbeitet die Woche und einen Tag doziert er an der Virginia University. 189 00:16:32,230 --> 00:16:36,840 Und der hat das auch gesagt, dass ihm das gar nichts gebracht hat. 190 00:16:37,010 --> 00:16:41,660 Und das ist ähnlich wie in Social Media. Wir verbringen da unglaublich viel Zeit, 191 00:16:41,870 --> 00:16:44,460 aber was ist tatsächlich der Mehrwert im Endeffekt? 192 00:16:45,160 --> 00:16:49,080 Ich kenne das sehr stark, weil ich mich früher mit der Gaming-Industrie sehr stark beschäftigt habe, 193 00:16:50,320 --> 00:16:52,420 dass man auch sehr viel Zeit verplempert. 194 00:16:52,590 --> 00:16:54,580 Wenn ich Geige spielen will, braucht man drei Jahre, 195 00:16:54,760 --> 00:16:56,260 dass es ungefähr ein bisschen gut klingt. 196 00:16:56,460 --> 00:16:58,460 Nach neun Jahren kann man es dann ganz gut. 197 00:16:59,280 --> 00:17:00,380 Aber dann kann ich etwas. 198 00:17:01,000 --> 00:17:04,160 Wenn ich jetzt die gleiche Zeit in Social Media verbringe, 199 00:17:04,310 --> 00:17:06,100 dann kann ich nach neun Jahren eigentlich nichts. 200 00:17:06,720 --> 00:17:08,319 Ich habe die Zeit verplempert. 201 00:17:08,370 --> 00:17:10,980 Also das bewusste Umgehen damit ist ganz interessant. 202 00:17:11,209 --> 00:17:15,380 Und was Crawford ja auch sagt, ist, 203 00:17:15,980 --> 00:17:22,939 Wenn ich das nicht bewusst wahrnehme, was ich denn überhaupt mache, um auch Resultate zu sehen, 204 00:17:23,060 --> 00:17:27,180 also ich vergleiche das auch mit dem Elektriker, wenn der Elektriker jetzt das Haus falsch verkabelt, 205 00:17:28,660 --> 00:17:29,760 dann brennt das vielleicht ab. 206 00:17:30,130 --> 00:17:35,200 Also ich habe den direkten Bezug mit meinem Handeln und einem Ergebnis. 207 00:17:35,680 --> 00:17:40,020 Also mein Handeln hat eine physische Auswirkung auf die Umgebung. 208 00:17:40,880 --> 00:17:43,680 Und bei vielen Berufen ist es ja heutzutage auch nicht mehr. 209 00:17:43,700 --> 00:17:47,900 Auch wenn ich sehr viel digital mache, sehe ich ja nicht mehr unbedingt das Ergebnis. 210 00:17:48,360 --> 00:17:49,880 Muss man dann für sich selbst definieren. 211 00:17:50,500 --> 00:17:53,780 Und er vergleicht das dann auch, dass ich, wenn ich das nicht fühle, 212 00:17:54,480 --> 00:17:56,980 habe ich auch weniger Gefühl für Verantwortung. 213 00:17:59,120 --> 00:18:01,720 Und das finde ich eigentlich ein ganz schönes Beispiel, 214 00:18:01,940 --> 00:18:03,940 dass wir immer mehr Verantwortung abgeben. 215 00:18:04,900 --> 00:18:08,020 Dadurch, dass wir die Zeit eigentlich nicht bewusst nutzen 216 00:18:08,380 --> 00:18:12,380 und nicht unser Handeln reflektieren, was ja eigentlich auch wieder Bildung ausmacht. 217 00:18:12,400 --> 00:18:13,040 Speaker 1: Ja, ja, genau. 218 00:18:13,780 --> 00:18:28,520 Speaker 1: In die Richtung, also ich habe mit Alfred Borgmann, das ist ein Technikphilosoph, das fand ich ganz schön, da hat eine Unterscheidung gemacht zwischen einem Fokus-Paradigm, also wo wir Technologieentwicklung eigentlich dafür nutzen, dass wir tatsächlich in den Fokus bekommen, worum es eigentlich geht. 219 00:18:29,180 --> 00:18:43,300 Speaker 1: Oder eben es tatsächlich menschliche Fähigkeiten unterstützt. Und dass eigentlich jetzt sich bahnbricht ein sogenanntes Device Paradigm, also diese Endgeräte-Logik, wo du auf einem kleinen Bildschirm vermeintlich alles siehst, aber das meiste, was passiert, ja völlig unsichtbar wird. 220 00:18:43,820 --> 00:18:49,560 Speaker 1: Und deshalb auch eben, wie viele Rechnerparks beispielsweise und damit Energieverbrauch hinter einer Anfrage sind. 221 00:18:49,640 --> 00:18:53,640 Speaker 1: Oder jetzt Wasserverbrauch kommt ja auch nach oben, um die Nachhaltigkeitsthemen mal mitzudenken. 222 00:18:54,300 --> 00:18:58,900 Speaker 1: Weil ich denke nur, ja, ich stecke das Handy zum Aufladen und dann ist es das Akku. 223 00:18:59,360 --> 00:19:04,920 Speaker 1: Aber dahinter passiert ja wahnsinnig viel, damit bei mir diese Anzeigetafel eine bestimmte Information abbildet. 224 00:19:05,480 --> 00:19:07,100 Speaker 1: Und da hat er eben gesagt, wir müssen aufpassen. 225 00:19:07,340 --> 00:19:11,880 Speaker 1: Dieses Device Paradigm lässt uns eigentlich immer weniger verstehen, wie die Dinge zusammenhängen. 226 00:19:11,920 --> 00:19:14,640 Speaker 1: Jetzt habe ich dich da auch so ein bisschen ähnlich verstanden, oder? 227 00:19:15,180 --> 00:19:21,940 Ja, genau das ist der Punkt. Das, was wir nicht sehen, damit beschäftigen wir uns auch viel zu 228 00:19:22,180 --> 00:19:27,800 wenig, weil auch das Verständnis vielleicht fehlt. Und das ist genau ein entscheidender Punkt, um das 229 00:19:28,050 --> 00:19:35,659 zu verbildlichen, als ein Roboterarm versucht hat, einen Zauberwürfel zu lösen, braucht das ungefähr 230 00:19:35,680 --> 00:19:41,480 drei Gigawatt, also drei Atomkraftwerke für jeweils eine Stunde, die dafür angezapft werden. 231 00:19:41,940 --> 00:19:45,860 Und das ist natürlich ein unglaublicher Verbrauch, aber wir sehen es nicht direkt. Deswegen gehen 232 00:19:45,980 --> 00:19:51,660 wir anders damit um. Also das ist, und das nimmt ja extrem zu und gerade auch in der Bildung, 233 00:19:51,700 --> 00:19:56,880 wo wir auch die Studien gemacht haben, wie viel KI wird denn angewandt beim Studium, wie viel Schüler 234 00:19:56,940 --> 00:20:02,119 und Schülerinnen verwenden denn KI zum Lösen von Hausaufgaben, sind wir jetzt schon ziemlich 235 00:20:02,140 --> 00:20:07,800 hoch mittlerweile bei 70 Prozent, die das tatsächlich machen, wo man das natürlich komplett hinterfragen 236 00:20:08,020 --> 00:20:13,360 muss. Und das nimmt erschreckend zu. Und da kommen wir natürlich durch die unglaubliche Geschwindigkeit, 237 00:20:13,370 --> 00:20:17,940 ja ich konsumiere das in Kurzvideos, ich nehme das auf und denke dann, dass ich ein Wissen habe, 238 00:20:18,240 --> 00:20:23,000 aber letztendlich ist es ja nur ein Halbwissen, ein gefährliches Halbwissen, so wie Adorno auch 239 00:20:23,220 --> 00:20:31,300 sagt, mit der Halbbildung im Endeffekt, wo er definiert, er halb erfahren ist oder halb verstanden ist, 240 00:20:31,320 --> 00:20:36,720 ist ja nicht die Vorstufe von Bildung, sondern eigentlich ihr Todfeind. Und genau in dieser 241 00:20:36,980 --> 00:20:43,240 Sphäre bewegen wir uns mit der Digitalisierung, mit der naiven Digitalisierung eben im Konsumieren 242 00:20:43,420 --> 00:20:48,140 von Kurzvideos, aber das führt nur zu Halbbildung letztendlich. 243 00:20:48,660 --> 00:20:53,120 Speaker 1: Kannst du da die Effekte noch mal erklären, weil das ist ja richtig neuroplastisch. Also 244 00:20:53,400 --> 00:20:57,880 Speaker 1: Neuroplastik sagt ja, dass wir tatsächlich Thema Infrastrukturen auch im Gehirn, einfach 245 00:20:57,840 --> 00:21:01,640 Speaker 1: Synapsen, die sich verdrahten oder nicht mehr verdrahten. Die Auswirkungen sind ja wirklich 246 00:21:01,840 --> 00:21:07,300 Speaker 1: rasant, also bei einer überbordenden KI-Nutzung. Kannst du das einmal zusammenfassen? Weil mich 247 00:21:07,400 --> 00:21:11,340 hat das richtig umgehauen. Also das Fatale ist, dass wir das Kognitive 248 00:21:12,320 --> 00:21:18,180 outsourcen an die KI. Und das sollten wir tunlichst vermeiden. Also KI als Helferlein, 249 00:21:18,600 --> 00:21:23,860 vollkommen in Ordnung, aber auch die Hintergründe zu wissen, aber komplett die kognitiven Prozesse 250 00:21:23,880 --> 00:21:31,660 auszusourcen, ist natürlich fatal. Und das war auch in einer Studie, wo ich mal das in 251 00:21:32,220 --> 00:21:36,060 verschiedenen Quellen angeschaut habe. Also zunächst mal, wie wichtig ist dir die KI von 252 00:21:36,220 --> 00:21:42,040 jungen Menschen jetzt von 16 bis 29 Jahren, wie wichtig ist dir die KI-Nutzung im Alltag in 253 00:21:42,270 --> 00:21:48,460 Zukunft? 80 Prozent haben gesagt, ich kann es mir ohne gar nicht mehr vorstellen. Dann sehen wir noch 254 00:21:48,480 --> 00:21:56,360 die, wie viel wird denn an Universitäten, an Hochschulen genutzt an KI? Es ist einstelliger 255 00:21:56,500 --> 00:22:01,360 Prozentbereich, die noch nie KI in ihrem Studium verwendet haben, bis hin zu, ich habe noch nie 256 00:22:01,360 --> 00:22:09,620 eine Hausarbeit selbst geschrieben, bis hin, wo uns Professoren berichten, kenntnisfrei verfasste 257 00:22:09,700 --> 00:22:14,140 Abschlussarbeiten sind mittlerweile die Norm und wir haben die Problematik, wir können das nicht 258 00:22:14,100 --> 00:22:21,220 alles als Plagiat, weil wir sind auch darauf angewiesen, so ist eben unser System aufgebaut 259 00:22:21,310 --> 00:22:24,560 mit den Mittelzuschüssen, Quantität vor Qualität. 260 00:22:26,200 --> 00:22:29,940 Die können die Leute nicht durchfallen lassen oder was steckt dahinter? 261 00:22:30,230 --> 00:22:35,320 Ja genau, sie brauchen ja die Studierenden, sie brauchen die Abschlüsse, Quantität zählt 262 00:22:35,480 --> 00:22:36,160 vor Qualität. 263 00:22:36,420 --> 00:22:38,640 Speaker 1: Auch in unserem öffentlichen Bildungssystem ist das so? 264 00:22:38,990 --> 00:22:42,340 Ja, also im Hochschulwesen, ja genau. 265 00:22:43,260 --> 00:22:54,500 Speaker 1: Ach, das ist ja rasant. Da bin ich aber als Dozierende anders angewiesen gewesen. Das war jetzt "Collège de Rob", aber da mussten wir immer gucken, dass wir auch wirklich durchlaufen lassen. 266 00:22:55,560 --> 00:23:01,780 Speaker 1: Meistens merkt man es ja, weil der Schreibstil sich an bestimmten Passagen verändert oder der Ton einfach nicht zu der Person passt oder solche Dinge. 267 00:23:02,640 --> 00:23:07,220 Speaker 1: Aber da waren natürlich wir aufgefordert zu sagen: Nein, das geht so nicht. 268 00:23:07,800 --> 00:23:25,040 Ja, aber mittlerweile ist es die Masse. Also die meisten, die das nutzen, da ist natürlich die Schwierigkeit, es wird ja immer besser. Klar erkennt man das dann. Manche sind dann froh, weil sie endlich Hausarbeiten mit der vernünftigen Einleitung bekommen. Das ist halt auch so das Thema. Aber es wird zunehmend schwieriger. Wie gehen wir damit um? 269 00:23:25,140 --> 00:23:31,220 und ich hatte auch mit einigen gesprochen, wie macht ihr das eigentlich mit der KI an der Universität? 270 00:23:31,940 --> 00:23:36,140 Die technischen Universitäten, die sind ein Stück weiter, das liegt ja auch in der Natur der Sache, 271 00:23:36,340 --> 00:23:38,640 dass sie vielleicht auch ihren eigenen Bot kreiert haben. 272 00:23:38,940 --> 00:23:42,160 In der Studienordnung ist es vermerkt, wie genau umzugehen ist. 273 00:23:42,260 --> 00:23:47,560 Wir haben das in der Geisteswissenschaften eher so, wir wissen nicht, wie wir da umgehen sollen. 274 00:23:47,740 --> 00:23:53,260 Also Hausarbeiten schaffen wir jetzt erstmal ab und schauen mal, wie wir das in Zukunft lösen. 275 00:23:53,640 --> 00:23:55,740 Also der Fokus ist dann mehr auf das Mündliche. 276 00:23:56,590 --> 00:24:00,320 Aber es ist eben sehr unterschiedlich, wie die Universitäten damit umgehen. 277 00:24:00,620 --> 00:24:03,160 Manche machen es gut, manche sind dann noch ratlos tatsächlich. 278 00:24:04,080 --> 00:24:07,720 Speaker 1: Und was passiert dann im Gehirn, wenn ich eigentlich alles outsource? 279 00:24:07,900 --> 00:24:10,580 Speaker 1: Cognitive offloading heißt der Begriff ja in der Forschung. 280 00:24:10,650 --> 00:24:15,260 Speaker 1: So dieses, alles was mich anstrengen würde, in meinen Synapsen packe ich mal woanders hin. 281 00:24:15,600 --> 00:24:17,780 Genau, das ist ein kompletter Rückschritt. 282 00:24:17,930 --> 00:24:22,640 Also viel weniger Synapsen bilden sich und das macht ja das Denken letztendlich aus. 283 00:24:24,419 --> 00:24:29,460 Wenn ich ein Beispiel eines Taschenrechners nehmen darf: Also jemand, der gut in Mathematik 284 00:24:29,640 --> 00:24:33,540 ist, der nimmt das als Helfelein und wird dann noch besser. Aber jemand, der nicht so gut 285 00:24:33,680 --> 00:24:38,360 in Mathematik ist, dem hilft ein Taschenrechner auch nicht. Und deswegen sehen wir, dass die 286 00:24:38,460 --> 00:24:43,780 Schere weiter auseinander geht. Das heißt, die kognitiven Denkprozesse, die Kreativität 287 00:24:43,780 --> 00:24:49,220 kann dadurch auch abnehmen. Also die Synapsenbildung nimmt dadurch ab und das wird natürlich 288 00:24:49,240 --> 00:24:54,580 problematisch. Natürlich gibt es auch Apps und KIs, die das versuchen zu fördern, aber 289 00:24:54,700 --> 00:25:00,620 mal ehrlich, wer nutzt das tatsächlich? Wir sehen gerade, wir gehen in die Richtung des 290 00:25:00,800 --> 00:25:05,860 sehr bequemen Weges und das wird uns auf die Füße fallen, insofern wir jetzt nicht reagieren. 291 00:25:06,440 --> 00:25:11,220 Speaker 1: Hat das auch mit so einem komischen Produktivitätsverständnis zu tun, dass man möglichst viel Output 292 00:25:11,280 --> 00:25:15,260 Speaker 1: in einer kurzen Zeit haben soll, egal wie der jetzt zustande gekommen ist? Also ich kenne 293 00:25:15,280 --> 00:25:19,640 Speaker 1: tatsächlich aus der Schule meine Tochter: "Ja, wieso, lass uns doch mal Chattie-Biti nehmen und 294 00:25:19,760 --> 00:25:22,820 Speaker 1: dann können wir noch eine halbe Stunde Videogames spielen, das wird doch viel schneller." 295 00:25:24,060 --> 00:25:30,340 Es verschiebt sich ja. Also mittlerweile hat die Freizeit einen ziemlich hohen Stellenwert gegenüber 296 00:25:30,760 --> 00:25:37,120 Schule oder Arbeit an sich. Es verschiebt sich ja. Und ich denke schon, es gibt ja die Mittel und die 297 00:25:37,280 --> 00:25:42,880 Tools, warum denn nicht anwenden? Und da lassen wir teilweise Schüler und auch Studierende allein 298 00:25:42,900 --> 00:25:51,160 damit, weil wir das nicht klar regeln. Und wir sehen das bei vielen Studierenden, dass das auch 299 00:25:51,590 --> 00:25:57,760 selbst angeeignetes Wissen ist: Welche KI nutze ich, wie nutze ich das? Es ist nicht vorgegeben von 300 00:25:58,340 --> 00:26:03,460 Älteren oder vom Professor oder dergleichen. Und da sehen wir, dass es dann schwierig wird. Viele 301 00:26:04,240 --> 00:26:09,539 Lehrkräfte, manche nutzen das intensiv, aber viele nutzen das eben kaum und sind damit dann auch 302 00:26:09,540 --> 00:26:17,980 Speaker 1: überfordert. Also wieder die Frage des "Wie". Vor allem diese Effekte, wenn ich weniger 303 00:26:18,420 --> 00:26:23,020 Speaker 1: Querverbindungen habe, hat es ja mehrere. Vor allem das kritische Denken wird ja sehr stark in den 304 00:26:23,160 --> 00:26:28,060 Speaker 1: Schwerpunkt genommen, dass das verloren geht. Dafür muss ich mich ja selbst orientieren können, 305 00:26:28,120 --> 00:26:31,380 Speaker 1: selber überlegt haben, wie bin ich zu diesen Schlussfolgerungen gekommen, überlegt haben, 306 00:26:31,680 --> 00:26:36,980 Speaker 1: was habe ich mir für einen Informationsraum geschaffen. Aber tatsächlich auch Entscheidungsfindung, 307 00:26:37,400 --> 00:26:41,540 Speaker 1: Also wirklich dann zu sagen, ich entscheide jetzt mal auf einem guten Gefühl heraus, 308 00:26:41,940 --> 00:26:46,720 Speaker 1: weil ich ja auch gewisse Lerneffekte, so verinnerlichtes Wissen, was dann eher so intuitiv 309 00:26:46,860 --> 00:26:51,480 Speaker 1: kommt, dieses "Ich kann dann etwas spielen", also ein Instrument, oder das kommt mit einer 310 00:26:51,600 --> 00:26:55,640 Speaker 1: gewissen Wiederholung, einer gewissen Anstrengung erst in uns rein, weil erst dann die Synapsen 311 00:26:55,740 --> 00:27:00,700 Speaker 1: gebaut werden. Das hat ja wirklich wie so ein, ja wie so eine, also Bildung wird gebildet, 312 00:27:00,740 --> 00:27:05,860 Speaker 1: das wird etwas im Gehirn ja abgebildet. Und dieses Faul halt, wenn ich das nicht mache, 313 00:27:05,880 --> 00:27:10,440 Speaker 1: dann habe ich es ja auch nicht in mir, dann kann ich es auch nicht anspielen. Das heißt, was geht 314 00:27:10,470 --> 00:27:16,000 Speaker 1: da als erstes eigentlich verlustig und warum ist das aus der Future Skills, also Thematik, also was 315 00:27:16,220 --> 00:27:20,420 Speaker 1: bräuchten wir heute in dieser sich schnell verändernden Welt eigentlich für Kompetenzen? 316 00:27:20,660 --> 00:27:25,640 Speaker 1: Wie sind da die Zusammenhänge? Das habt ihr ja auch in Studien jetzt eben für die Bildung 317 00:27:26,200 --> 00:27:31,000 herausgearbeitet. Also insbesondere in den Metastudien, die ich gemacht habe zu Kompetenzen, 318 00:27:31,820 --> 00:27:52,540 Es ist ganz interessant, herauskam, was sind eigentlich wichtige Zukunftskompetenzen. Das ist zum einen das kritische Denken, das hinterfragen. Es ist aber auch die Adaptionsfähigkeit, sich schnell anpassen zu können, kann ich aber nur, wenn ich auch die Erfahrung habe, wenn ich das Wissen habe, letztendlich Kommunikation ein ganz entscheidender Punkt. 319 00:27:52,720 --> 00:28:02,500 Also trotz Digitalisierung werden wir zunehmend auch mehr kommunizieren müssen über Bereich hinaus, also nicht nur in meinem eigenen Bereich, sondern über sämtliche Bereiche hinaus. 320 00:28:03,400 --> 00:28:09,040 Und auch das Projektmanagement tatsächlich nimmt im Arbeitskontext sehr stark zu. 321 00:28:09,740 --> 00:28:18,820 Das kann man sich in etwa so vorstellen, wenn man mal einen, ich nehme jetzt mal einen Konstrukteur als Beispiel, die Tätigkeit vor 20 Jahren war sehr sequentiell. 322 00:28:18,920 --> 00:28:43,900 Er macht seine Zeichnung, gibt das dann ab in die Produktion, die machen dann und bekommt das vielleicht zurück und dann macht er den Nächsten. Das hat sich komplett verändert, das ist viel paralleler geworden. Es sind viele verschiedene Projekte drin, er muss bereichsübergreifend kommunizieren können, die Dokumentation nimmt zu, die Kommunikation nimmt daher zu, Projektmanagement nimmt zu und was wir sehr stark sehen, dass auch Führung zunimmt. 323 00:28:44,500 --> 00:29:01,320 Also die Führungsaufgaben nehmen extrem zu, wo wir auch schon sehen, dass viele damit überfordert sind. Insbesondere auch mit den altersdiversen Teams, die zu leiten, weil die komplett unterschiedliche Denkweisen und Verhaltensweisen haben, damit zurechtzukommen. 324 00:29:01,460 --> 00:29:22,300 Also das sind Punkte, wo wir jetzt schon sehen, wenn man allein 20 Jahre zurückgehen hierher und das wird sich ja noch potenzieren, aber insbesondere das kritische Denken oder die Kommunikation sehen wir eigentlich eine Abnahme momentan. Wir haben das in unserer Generation Alpha-Studie sehr stark festgestellt. 325 00:29:22,680 --> 00:29:25,820 Speaker 1: Welche ist die Generation Alpha? Welche Geburtsjahrengänge? 326 00:29:26,080 --> 00:29:41,280 Ja, das ist ab 2010. Wobei die Einteilung XY, das ist der populärwissenschaftlichen Einteilung zu beurteilen oder zu orientieren. 327 00:29:41,830 --> 00:29:45,900 Und die Generation Alpha, wo kam der Begriff eigentlich her? Von Mac MacRindle in Australien. 328 00:29:45,900 --> 00:29:50,940 Der meinte ja, Generation Z ist so vorurteilsbehaftet, er möchte ja ganz eine bessere Note geben. 329 00:29:51,620 --> 00:29:56,880 Das lateinische Alphabet ist zu Ende, das griechische ist sowieso höherwertiger, also fangen wir mit Alpha an. 330 00:29:57,280 --> 00:30:05,160 Sieht man jetzt schon die Banalität an der Sache, wenn man dann weitergeht, dann wird das nächste Jahr die Beta-Generation sein. 331 00:30:05,420 --> 00:30:09,120 Und dann, wenn man ein bisschen EDV-Kenntnisse hat, die Beta-Version möchte ja auch keiner sein. 332 00:30:09,270 --> 00:30:15,000 Also da mal hingestellt, da waren wir nicht wirklich kreativ und haben das auch die Generation Alpha-Studie genannt. 333 00:30:15,160 --> 00:30:21,480 In der Tat, also der Fokus war an Kindern im elementarpädagogischen Bereich. 334 00:30:22,180 --> 00:30:25,020 Und da haben wir 22.000 Kinder beurteilen lassen. 335 00:30:25,200 --> 00:30:28,680 Wir haben die nicht selbst befragt, sonst wäre das wissenschaftlich sehr diffus geworden, 336 00:30:29,100 --> 00:30:32,460 sondern wir haben diejenigen gefragt, die sich sehr viel mit den Kindern beschäftigen, 337 00:30:32,540 --> 00:30:35,800 also Pädagogen, Pädagoginnen und auch Eltern als Vergleich. 338 00:30:36,700 --> 00:30:39,560 Also über 1.000 Pädagogen, Pädagoginnen haben wir befragt. 339 00:30:40,820 --> 00:30:44,080 Und wichtig war uns, dass die schon zehn Jahre in ihrem Beruf tätig sind, 340 00:30:44,340 --> 00:30:46,320 um auch einen gewissen Trend abbilden zu können. 341 00:30:47,420 --> 00:30:54,060 Und haben dann die Wünsche, was die Eltern in der Entwicklung ihrer Kinder haben möchten, gegenübergestellt. 342 00:30:54,900 --> 00:30:58,900 Und ganz hoch war eben sprachliche und soziale Entwicklung. 343 00:30:59,020 --> 00:31:00,160 Das ist den Eltern sehr wichtig. 344 00:31:00,900 --> 00:31:02,420 Motorische Entwicklung ist weiter unten. 345 00:31:02,680 --> 00:31:05,020 Das hat den Olympischen Deutschen Sportbund gar nicht gefallen. 346 00:31:05,080 --> 00:31:09,160 Weil wenn den Eltern schon der Sport nicht wichtig ist, was heißt das für den Spitzensport in Deutschland? 347 00:31:09,580 --> 00:31:10,980 Aber das ist ein anderes Thema. 348 00:31:12,240 --> 00:31:20,840 Interessant war, dass die Pädagogen und Pädagoginnen gesagt haben, also die Präferenzraten in der sozialen und sprachlichen Entwicklung ist am höchsten. 349 00:31:21,140 --> 00:31:26,500 Also meist defizitär ist tatsächlich die sprachliche Entwicklung und die soziale Entwicklung. 350 00:31:26,860 --> 00:31:31,600 Und das sehen wir gerade im Schulbereich, dass die ESE-Entwicklung eher rückständig ist. 351 00:31:31,600 --> 00:31:37,600 Also die emotionale und soziale Entwicklung zunehmend Verhaltensauffälligkeiten auftreten. 352 00:31:37,880 --> 00:31:42,600 sagen auch die Lehrkräfte, dass das einer der größten Belastungspunkte ist, die Verhaltensaufweisung, 353 00:31:42,620 --> 00:31:48,420 die Heterogenität. Mittlerweile auch die Eltern ist sogar belastender als die Digitalisierung für die 354 00:31:48,560 --> 00:31:52,980 Speaker 1: meisten Lehrkräfte. Die Eltern haben manchmal ganz schön harte Meinungen, was eigentlich stattfinden 355 00:31:53,100 --> 00:32:00,840 müsste. Ja, genau. Das sind immer die besten Lehrer, Lehrerinnen. Das ist mittlerweile auch sehr schwierig 356 00:32:01,160 --> 00:32:08,420 geworden. Was wir auch in der Notengebung sehen, dass bevor ich eine Klage wieder bekomme, dann 357 00:32:08,840 --> 00:32:16,220 kriegt die Person eben eine bessere Note. So weit sind wir mittlerweile, dass nicht das Kind den, 358 00:32:16,380 --> 00:32:20,400 ich sag's jetzt mal, Rüffel bekommt, wenn es eine schlechte Note bekommt, sondern die Lehrerin oder 359 00:32:20,500 --> 00:32:24,980 Speaker 1: die Rektorin. Das muss ja an Ihnen liegen, dass mein Genius-Kind hier nicht so performt ist. 360 00:32:25,000 --> 00:32:37,260 Genau, richtig. Das sind eben die Entwicklungen. Und in der Studie war das ganz klar, dass die Wünsche, also die Erwartungen von den Eltern nicht erfüllt werden. 361 00:32:37,560 --> 00:32:41,760 Speaker 1: Aber die Eltern haben ja jetzt auch nicht unbedingt Sozialkompetenz, wenn die sich so verhalten. 362 00:32:42,020 --> 00:32:58,720 Richtig. Das nimmt ja sehr stark, also wenn man die OECD-Studien anschaut, wie viel Zeit die Eltern mit ihren Kindern verbringen, also es wird da Erziehungszeit genannt, aber ob es tatsächlich Erziehungszeit ist, lässt man da hingestellt sein, das nimmt linear zu. 363 00:32:58,940 --> 00:33:04,460 Da ist Deutschland auch wieder im Mittelfeld. Es gibt welche, die verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern und es gibt auch weniger. 364 00:33:04,960 --> 00:33:12,700 Aber der Punkt ist, trotz dass die Eltern mehr Zeit mit den Kindern verbringen, müssen wir uns hinterfragen, was ist das tatsächlich für Zeit? 365 00:33:13,500 --> 00:33:24,760 Gehen wir dann auch kritisch mit den Kindern um? Reflektieren wir? Wie bringen wir das eben ihnen bei, dass Social Media nicht unbedingt eine sinnvolle Zeitvertreib ist und dergleichen? 366 00:33:26,520 --> 00:33:44,120 Und da haben wir auch mit der Pädagogischen Hochschule in Zürich festgestellt, dass 90 Prozent der Eltern heutzutage Unwirksamkeiten ihrer Kinder ergoogeln. 90 Prozent. Und wiederum von den 90 Prozent wissen 90 Prozent, dass das Ergebnis eigentlich nicht immer unbedingt stimmig ist. 367 00:33:45,380 --> 00:33:48,720 Was ich damit sagen will, das hast du ja vorhin auch angesprochen, 368 00:33:49,010 --> 00:33:54,480 früher haben wir auf einen gesunden Menschenverstand gehört oder auf das Bauchgefühl, auf die Intuition und dergleichen. 369 00:33:55,180 --> 00:33:59,020 Heutzutage vertrauen wir auf Google, wohl wissend ja, das ist nicht unbedingt richtig, 370 00:33:59,280 --> 00:34:05,760 weil ja wirklich alles dargestellt wird und man die Unsicherheit dadurch erhöht. 371 00:34:07,060 --> 00:34:09,899 Das potenziert sich und wird auch weitergetragen an die Kinder. 372 00:34:11,700 --> 00:34:16,840 Und das heißt, heutzutage in der Gesellschaft bewegen wir uns mittlerweile, insbesondere die Eltern, sehr unsicher. 373 00:34:17,919 --> 00:34:41,200 Speaker 1: Was ja eigentlich auch verrückt ist, wenn wir uns überlegen, dass das Bildungsideal sollte ja sein, dass wir die Kompetenzen bekommen, uns auch Räume und auch neue Wege und dieses Intuitivere zu erwirken, anstatt die ganze Zeit, das wirkt ja eher so, als würde man gucken, wie sollten sie performen, also was sollten sie eigentlich für Kompetenzen mitbringen, um in der Gesellschaft mit reinzupassen, also eher wie so ein paar Zahnrädchen. 374 00:34:41,220 --> 00:34:43,740 Speaker 1: Und wie stelle ich sicher, dass das in mein Kind reinkommt? 375 00:34:43,840 --> 00:34:45,060 Speaker 1: Also so hört sich das für mich gerade an. 376 00:34:45,139 --> 00:34:48,419 Speaker 1: Vielleicht bin ich ein bisschen zu doll in der Übersetzungsleistung. 377 00:34:48,960 --> 00:34:54,580 Speaker 1: Aber eigentlich geht es doch bei Freiheit Gedanken darum, dass ich genau erst mal okay 378 00:34:54,860 --> 00:34:55,419 Speaker 1: bin, wie ich bin. 379 00:34:56,399 --> 00:35:01,560 Speaker 1: Und dann natürlich in Resonanz mit anderen und dem Aushandeln, ob die das auch okay finden, 380 00:35:01,640 --> 00:35:05,180 Speaker 1: wie ich gerade bin, Wege sich neu bahnen, oder? 381 00:35:07,040 --> 00:35:14,680 Jain. Also wir sehen eine Zunahme von erlernte Hilflosigkeit, auch bei jungen Menschen und 382 00:35:14,680 --> 00:35:22,040 auch bei Älteren übrigens. Ich finde das Beispiel von Seligmann, Psychologe Martin Seligmann 383 00:35:22,120 --> 00:35:27,700 und Meyers haben das gemacht, wenn ich da ein bisschen aushol, um das zu verstehen. Und 384 00:35:27,760 --> 00:35:31,440 zwar haben die einen Versuch gemacht in den 60ern, das ist nicht ganz so schön, die hatten 385 00:35:31,460 --> 00:35:36,840 sogenannte Shutterboxen, also so Käfige aufgestellt und das Experiment an Hunden gemacht. 386 00:35:38,160 --> 00:35:47,220 Ein Käfig wurde dann eben die Plattform mit Strom durchlaufen und die Hunde haben eben die Stromschläge gespürt. 387 00:35:47,250 --> 00:35:53,000 Die eine Gruppe wurde trainiert, eben einen Knopf zu betätigen, damit der Strom aus ist. 388 00:35:53,250 --> 00:35:55,260 Die andere Gruppe wurde nicht trainiert. 389 00:35:56,240 --> 00:36:00,380 Und dann, als man den Strom angemacht hat, haben die Hunde, die trainiert wurden, sofort reagiert. 390 00:36:00,420 --> 00:36:03,760 Die anderen haben sich zusammengekauert und sind in die Ecke geblieben. 391 00:36:04,080 --> 00:36:05,020 Also ticken auch wir. 392 00:36:05,180 --> 00:36:11,660 Wenn wir keine Lösung finden, keine Möglichkeiten sehen, dann versuchen wir, den Schmerz auszuhalten. 393 00:36:12,300 --> 00:36:16,700 Dann hat er den Versuch aber erweitert und den Käfig auf einer Seite offen gemacht. 394 00:36:17,820 --> 00:36:20,160 Und hat dann eine dritte Versuchsgruppe hinzugezogen. 395 00:36:20,380 --> 00:36:24,360 Also diejenigen, den Knopf gab es dann nicht mehr, aber es war offen. 396 00:36:24,800 --> 00:36:27,700 Die Hunde, die trainiert waren, die sprangen dann heraus. 397 00:36:28,520 --> 00:36:33,760 Die Hunde, die nicht trainiert waren, die blieben tatsächlich auch wieder in der Ecke 398 00:36:33,760 --> 00:36:37,440 und haben sich zusammengehauen. Also gingen nicht durch die Öffnung. Und die dritte Gruppe, 399 00:36:37,800 --> 00:36:41,840 die nicht trainiert war, aber auch das Gefühl vorher nicht kannte, auch die sprang heraus. 400 00:36:43,080 --> 00:36:50,060 Und das sehen wir in vielen Bereichen. Mitunter nannte er das dann erlernte Hilflosigkeit. Und 401 00:36:50,400 --> 00:36:55,320 das sehen wir mittlerweile auch an vielen Kindern tatsächlich, dass die nicht mehr das Bewusstsein 402 00:36:55,340 --> 00:37:01,060 haben oder die Problemlösekompetenz, wenn ich vor einem Problem ist, dann kann ich selbst 403 00:37:01,420 --> 00:37:07,500 den Rahmen mitgestalten. Überlassen Sie es? Nein, der Rahmen muss sich ändern. Aber ich 404 00:37:07,760 --> 00:37:13,020 bin jetzt gar nicht in der Verantwortung, den zu verändern. Man sieht das an einigen Beispielen, 405 00:37:13,020 --> 00:37:18,040 um das zu nennen. In Deutschland werden 20 Prozent zur Schule gefahren, in manchen Regionen 80 Prozent. 406 00:37:19,260 --> 00:37:23,520 Und wie war das dann früher, als man zu spät zur Schule kam, als man noch nicht zur Schule 407 00:37:23,540 --> 00:37:29,580 gefahren wurde. Man hatte so sein Ausredenregister parat und ging dann eben in den Konflikt mit 408 00:37:29,640 --> 00:37:33,520 der Lehrkraft, hat die Konsequenz getragen. Heutzutage ist es eher, wenn die Lehrkraft 409 00:37:33,660 --> 00:37:37,600 fragt: Warum kommst du zu spät? Ja, meine Eltern haben mich zu spät gefahren. Das heißt, 410 00:37:37,690 --> 00:37:42,320 es wird ausgeschlossen. Die Verantwortung ist gar nicht da. Oder ein anderes Thema. 411 00:37:42,450 --> 00:37:46,380 Ich habe mal selbst einen Feldversuch gemacht und bin in eine Eltern-WhatsApp-Gruppe eingetreten. 412 00:37:47,040 --> 00:37:50,380 Ich kann das keinem Menschen empfehlen, aber habe es trotzdem gemacht für die Wissenschaft. 413 00:37:51,560 --> 00:37:56,280 Es ist unglaublich, wie viel die Kinder an Hausaufgaben vergessen und sofort die Eltern 414 00:37:56,770 --> 00:38:01,580 in die Bresche springen, um das Problem zu lösen. Und die Kinder werden schon so erzogen 415 00:38:01,800 --> 00:38:06,500 letztendlich. Du kriegst gar kein Problem, ich löse das für dich. Also dass die Kinder 416 00:38:06,600 --> 00:38:10,800 auch sagen: Kannst du bitte in die WhatsApp-Gruppe schreiben, weil ich habe das und das vergessen. 417 00:38:12,070 --> 00:38:17,220 Also die Fähigkeit, das Problem selbst zu lösen, kreativ zu sein, vielleicht am nächsten 418 00:38:17,240 --> 00:38:21,860 abzuschreiben oder das Buch noch selbst zu besorgen oder anzurufen oder dergleichen. 419 00:38:22,430 --> 00:38:28,380 Das nimmt tatsächlich ab, nicht in allen Bereichen, also nicht bei, ich möchte das jetzt auch nicht 420 00:38:28,540 --> 00:38:34,620 stigmatisieren, aber wir sehen den starken Trend, dass es zunimmt, die erlernte Hilflosigkeit auf 421 00:38:34,760 --> 00:38:38,920 Speaker 1: diesem Gebiet. Und ist das bei Erwachsenen auch so? Also ich habe so manchmal das Gefühl, dass in 422 00:38:38,930 --> 00:38:44,460 Speaker 1: den unsicheren Zeiten das Zurückziehen auf "Ich habe doch Dienst nach Vorschrift gemacht" auch 423 00:38:44,480 --> 00:38:48,400 Speaker 1: so ein bisschen so was ist. Also ich habe doch die Regeln eingehalten, deshalb konnte ich 424 00:38:48,400 --> 00:38:53,000 Speaker 1: ja gar nichts tun. Dabei hätte ich ja vielleicht mit ein bisschen Kreativität und Abweichung 425 00:38:53,100 --> 00:38:55,840 Speaker 1: tatsächlich eine Lösung finden können, hätte sie aber auch verantworten müssen. 426 00:38:56,540 --> 00:39:00,940 Genau das ist ja der Punkt. Also tatsächlich für mein Handeln Verantwortung zu übernehmen. 427 00:39:01,220 --> 00:39:06,100 Und es gibt ja mittlerweile, das sagt ja Crawford, auch viele Jobs, wo ich das gar nicht mehr 428 00:39:06,340 --> 00:39:10,339 sehe. Ich sehe gar keinen Abschluss mehr, ich sehe gar kein Ergebnis meiner Tätigkeit 429 00:39:10,360 --> 00:39:14,480 mehr und wenn ich das auch nicht fühle, mein Handeln, was dann im Ergebnis rauskommt, 430 00:39:14,730 --> 00:39:20,480 so seine Annahme, nimmt er auch an, dass die Verantwortung abnimmt für das. Und wir werden 431 00:39:21,999 --> 00:39:26,440 gesamtgesellschaftlich zunehmend bequemer. Das ist auch dann noch ein Punkt, der da hinzukommt. 432 00:39:26,600 --> 00:39:31,740 Das haben wir ganz schön festgestellt in der Thematik, wo wir auch die Vorurteile ein bisschen 433 00:39:31,980 --> 00:39:35,260 aufbrechen wollten, wie es so heißt, die Jungen, die sind alle faul, die wollen nicht mehr 434 00:39:35,280 --> 00:39:41,440 arbeiten, dann haben wir das untersucht. Interessant und deswegen ist es so wichtig, 435 00:39:42,180 --> 00:39:47,500 quantitativ, qualitativ zu arbeiten in den Konstellationen, weil die meisten haben quantitativ 436 00:39:47,620 --> 00:39:53,100 tatsächlich beantwortet, auch die Jüngeren, ja das stimmt, die Jüngeren werden zunehmend fauler. 437 00:39:55,400 --> 00:39:59,820 Denen ist zunehmend ein angenehmes Arbeitsklima wichtig. Das kann man jetzt so interpretieren, 438 00:39:59,820 --> 00:40:04,060 wenn ich das ständig höre, die Zeitung aufschlage, Talkshows, dementsprechend höre, dass es die 439 00:40:04,000 --> 00:40:06,080 Coach-Potatoes sind, die Jungen werden alle faul. 440 00:40:06,360 --> 00:40:09,100 Ja, irgendwann nehme ich das auch an, selbst erfüllende Prophezeiung. 441 00:40:09,980 --> 00:40:13,560 Wir haben das Ergebnis dann mal genommen und tatsächlich: Was ist denn die 442 00:40:13,700 --> 00:40:18,020 Definition eines angenehmen Arbeitsklimas? Und haben das jungen Menschen 443 00:40:18,260 --> 00:40:23,320 vorgelegt und älteren, also in sogenannten Fokusgruppen. Und die Jüngeren haben 444 00:40:23,360 --> 00:40:27,620 gesagt: Ja, ich möchte aus Augenhöhe behandelt werden. Ich möchte dementsprechend 445 00:40:28,420 --> 00:40:32,900 auch, dass die Führungskraft mir rechtzeitig die Informationen gibt und 446 00:40:32,960 --> 00:40:37,780 dass man sich dann letztendlich auch gut steht. Also wichtig war eben, dass auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, 447 00:40:38,170 --> 00:40:43,960 bei Entscheidungen auch gefragt zu werden. Bei den Älteren war das eher, dass wenn ich mal nicht da bin, 448 00:40:44,140 --> 00:40:47,680 nicht hinter meinen Rücken gelästert wird, also ich kumuliere das Ganze jetzt, 449 00:40:48,120 --> 00:40:52,180 dass ich die richtigen, wichtigen Informationen rechtzeitig von meinem Vorgesetzten bekomme 450 00:40:52,250 --> 00:40:54,640 und dass man vielleicht nach Feierabend noch was zusammen macht. 451 00:40:54,870 --> 00:40:58,960 Also eher im Kollektiv gedacht, die Jüngeren eher individuell gedacht. 452 00:40:59,240 --> 00:41:18,520 Das ist schon mal eine ganz interessante Entwicklung. Das Ergebnis haben wir dann jeweils den unterschiedlichen Generationen zugespielt. Die Älteren kamen dann gleich, ja, auf Augenhöhe wahrgenommen werden, ja, alles soll vor. Wenn es mal problematisch wird, dann soll das Team herhalten, eine typisch junge Generation. So wurde dann gleich pauschalisiert. 453 00:41:19,100 --> 00:41:25,300 Bei den Jüngeren war das so, die richtigen, wichtigen Informationen rechtzeitig zu bekommen, das ist doch logisch. 454 00:41:26,000 --> 00:41:29,880 Sonst kann ich doch gar nicht vernünftig arbeiten. Was habt ihr denn für eine Vorstellung von Arbeit? 455 00:41:30,780 --> 00:41:34,140 Da sieht man die Verschiebung, auch wieder das aneinander vorbeiregen. 456 00:41:34,300 --> 00:41:36,620 Mittlerweile wollen wir alle ein angenehmes Arbeitsklima. 457 00:41:36,880 --> 00:41:41,520 Tatsächlich, da sehen wir gar keinen Generationeneffekt, aber die Definition dahinter ist eine andere. 458 00:41:42,240 --> 00:41:43,340 Und das ist oft gar nicht so bewusst. 459 00:41:43,340 --> 00:41:44,960 Speaker 1: Ich hätte gedacht, Augenhöhe hat ganz viel mit. 460 00:41:45,000 --> 00:41:48,940 Speaker 1: Ich denke darüber nach, welche Informationen braucht die Gegenseite, damit es überhaupt funktionieren kann. 461 00:41:49,340 --> 00:41:51,800 Speaker 1: Also ich hätte die gar nicht als zwei unterschiedliche Themen gesehen. 462 00:41:52,460 --> 00:41:54,980 Ja, aber da sieht man auch wieder die unterschiedliche Herangehensweise. 463 00:41:55,250 --> 00:41:59,140 Ich möchte einfach, weil ich es gewohnt bin auf Augenhöhe, muss ich das so vorstellen. 464 00:42:00,980 --> 00:42:04,680 20 Jahre werde ich immer in wichtigen Entscheidungen involviert in meinem Elternhaus. 465 00:42:05,340 --> 00:42:07,840 Dann komme ich in die Arbeit und plötzlich werde ich da nicht mehr involviert, 466 00:42:07,960 --> 00:42:11,560 werde plötzlich nicht nach meiner Meinung gefragt. Das ist dann erst mal irritierend. 467 00:42:11,940 --> 00:42:18,400 Das heißt nicht, dass man das schnell lernen kann, aber ich muss heutzutage anders abholen, als es früher der Fall war. 468 00:42:20,840 --> 00:42:33,740 Speaker 1: Und wenn wir nochmal überlegen, welche Bildung beides ermöglicht, also im Grunde genommen, da sieht man ja die beiden unterschiedlichen Perspektiven, die wir ja im Weltbild eben auch hatten, 469 00:42:33,820 --> 00:42:38,580 Speaker 1: Also so etwas voraussehen zu können, dass es eben anders wird, dass ich mit unterschiedlichen 470 00:42:39,099 --> 00:42:44,760 Speaker 1: Persönlichkeiten und unterschiedlichen Umgangsformen konfrontiert werde, dass ich das aushalte. 471 00:42:44,930 --> 00:42:50,360 Speaker 1: Weil das ist ja so ein bisschen auch dieses Gefühl, also fies wird dann ja Snowflake 472 00:42:50,390 --> 00:42:50,880 Speaker 1: oder sowas genannt. 473 00:42:51,190 --> 00:42:54,840 Speaker 1: Man hält Gegendruck nicht mehr aus und die Reibung nicht mehr aus, weil man es auch nicht 474 00:42:54,920 --> 00:42:59,120 Speaker 1: mehr gewöhnt ist, auch zum Teil als soziale Medien-Effekt, wo ich mich dann natürlich 475 00:42:59,380 --> 00:43:01,340 Speaker 1: auch aus den negativen Sachen rausklicken kann. 476 00:43:01,600 --> 00:43:06,220 Speaker 1: immer nur in die Sachen, wo ich besonders doll unterstützt werde und hochgejubelt werde. 477 00:43:06,710 --> 00:43:10,680 Speaker 1: Und dass man so diese reale Reibung, wenn man sich sonst so seine Gruppen, Untergruppen 478 00:43:10,840 --> 00:43:16,060 Speaker 1: sucht, kaum mehr aushält. Das ist so ein bisschen auch die Studienlage momentan zu jungen Männern, 479 00:43:16,480 --> 00:43:19,740 Speaker 1: die sich einerseits relativ einsam fühlen und andererseits dann gut bedient werden im 480 00:43:19,820 --> 00:43:23,660 Speaker 1: Social-Media-Raum und in der realen Reibung sich dann so abgelehnt fühlen, dass sie auch 481 00:43:24,740 --> 00:43:31,560 Speaker 1: gerne die Schuld bei anderen suchen und eine Anrechtsthematik auch gegenüber Frauen jetzt 482 00:43:32,920 --> 00:43:36,900 Speaker 1: die sie vielleicht gar nicht sich mit ihrem eigenen Verhalten holen oder verdienen, sondern einfach sagen: 483 00:43:37,020 --> 00:43:42,260 Speaker 1: "Das steht mir zu." Also dieses Reibung und dieses sich anstrengen und auch das Motorische hat für mich 484 00:43:42,300 --> 00:43:48,420 Speaker 1: dieses Embodiment, also diese ganze Seinsform und deshalb eben auch unterschiedliche Ideen haben: 485 00:43:49,340 --> 00:43:53,620 Speaker 1: Wie kann ich mit mir und das, was mit mir passiert, umgehen? Also bis hin zu, dass ich lerne zu atmen, 486 00:43:54,180 --> 00:43:58,660 Speaker 1: um zu merken, dass mein Puls wieder runterkommt und ich damit eine andere Ruhe habe. Also dieses 487 00:43:58,680 --> 00:44:04,480 Speaker 1: Ganzheitliche in dieser Bildung und dadurch eben auch diese Stresssituation und Reibungssituation 488 00:44:04,700 --> 00:44:08,660 Speaker 1: so auszuhalten, dass ich nicht sofort explodiere oder Schuld zuweise, sondern erstmal in ihnen 489 00:44:08,720 --> 00:44:13,160 Speaker 1: vielleicht auch so lange verweilen kann, bis ich eine Option des Handelns identifiziere. 490 00:44:13,860 --> 00:44:19,900 Ja, also da finde ich das Konzept der Philosophie mit Kindern oder für Kinder 491 00:44:20,140 --> 00:44:25,320 hochinteressant. Aber um da noch darauf einzugehen auf die Ängste, das haben wir in der Tat auch 492 00:44:25,320 --> 00:44:33,120 untersucht und haben das verglichen von 2009 bis eben 2025 letztes Jahr, haben die Ängste 493 00:44:33,280 --> 00:44:39,580 tatsächlich stark zugenommen bei jungen Menschen. Wir haben das auch intergenerationell angeschaut, 494 00:44:39,630 --> 00:44:44,340 also welche Generation hat denn tatsächlich eine Zunahme und das sehen wir bei den Jüngsten am 495 00:44:44,480 --> 00:44:50,560 meisten, also auch Ängste in der Entscheidung zu fällen, auch der Zweifel, ist die Entscheidung 496 00:44:50,580 --> 00:44:57,760 überhaupt richtig auch sich umorientieren, wenn nicht Angst vor Scheitern, aber tatsächlich 497 00:44:58,030 --> 00:45:03,260 auch Stressfaktoren haben zugenommen bei jungen Menschen, obwohl es statistisch gesehen uns 498 00:45:03,380 --> 00:45:08,480 noch nie so gut ging wie jetzt, die Möglichkeiten noch nie so viel waren wie jetzt, haben wir 499 00:45:08,600 --> 00:45:15,340 da tatsächlich eine Zunahme auch an Ängsten, an Stressfaktoren und dergleichen. Und das 500 00:45:15,360 --> 00:45:22,520 verstehen oft Ältere weniger, warum das tatsächlich so ist, weil euch wird ja jetzt mal zugespitzt 501 00:45:22,630 --> 00:45:28,960 alles auf dem Silbertablett serviert und dennoch, hier hat es ja auch angesprochen, mit der Reibung, 502 00:45:29,060 --> 00:45:36,180 sobald es zu Reibungen, zu Konflikten kommt, wird er zusammengebrochen. Und man muss das berücksichtigen, 503 00:45:36,280 --> 00:45:44,060 wie wachsen die denn auf? Also das ist ja genau der Punkt, dass ja alles weggemacht wird oder 504 00:45:43,920 --> 00:45:46,300 oder klein gemacht wird, sobald es zu Konflikten kommt. 505 00:45:47,720 --> 00:45:49,280 Also wir trainieren ja junge Menschen, 506 00:45:49,360 --> 00:45:51,100 gar nicht mehr in den Konflikt zu gehen, 507 00:45:51,340 --> 00:45:54,580 zu diskutieren, Amoritäten auszuhalten. 508 00:45:54,760 --> 00:45:56,120 Entweder bist du dafür oder dagegen. 509 00:45:56,520 --> 00:46:02,920 Also Mehrdeutigkeit wird da auch gar nicht mehr als erstrebenswert erachtet, 510 00:46:03,180 --> 00:46:05,480 obwohl das extrem wichtig ist. 511 00:46:07,140 --> 00:46:08,680 Wir nehmen, Pädagogen berichten, 512 00:46:08,800 --> 00:46:12,120 von einer starke Zunahme von Helikoptereltern oder Rasenmähereltern. 513 00:46:12,320 --> 00:46:15,500 Also sinnbildlich kann man den Grashalm zum Beispiel als Konflikt darstellen, 514 00:46:15,620 --> 00:46:18,880 der wird aus dem Weg gemäht, dass das Kind erst gar nicht hinfallen kann. 515 00:46:19,130 --> 00:46:23,900 Und wenn ich das ständig erlebe, dass ich mit Konfrontationen nichts zu tun habe, 516 00:46:23,910 --> 00:46:27,160 weil sonst sofort meine Eltern da sind, vorhin hatten wir das Beispiel mit der Schule, 517 00:46:27,490 --> 00:46:31,220 dann machen meine Eltern das schon mit dem Anwalt oder der Lehrkraft oder dergleichen. 518 00:46:31,380 --> 00:46:34,200 Also ich muss nicht mehr in den Konflikt gehen. 519 00:46:35,020 --> 00:46:36,340 Das hat natürlich Folgen. 520 00:46:37,180 --> 00:46:47,480 Insbesondere bei Themen, wo ich selbst mit mir dann den Konflikt ausbaden muss, wie zum Beispiel bei Liebeskummer. 521 00:46:47,560 --> 00:46:54,840 Da kann mir keiner helfen. Und da brechen dann die jungen Leute teilweise komplett zusammen, weil sie eben dahin nicht trainiert wurde. 522 00:46:55,360 --> 00:47:01,280 Und da finde ich das Konzept Philosophie mit oder für Kindern eben ganz schön, weil das genau das trainiert. 523 00:47:01,300 --> 00:47:06,140 Schon im Kindergarten kann man damit beginnen, im Grundschulalter. 524 00:47:06,740 --> 00:47:12,700 Selbst mal im Projekt sind andere Länder weiter, ob es Kolumbien, Japan, USA oder dergleichen sind. 525 00:47:13,360 --> 00:47:16,720 In Deutschland sind wir da noch sehr zurückhaltend zu dem Konzept. 526 00:47:16,760 --> 00:47:21,720 Ich finde es aber ganz schön, hat er ein Projekt in einer Kita tatsächlich, wo auch Eltern gesagt haben, 527 00:47:21,740 --> 00:47:25,160 was soll das, junge Menschen, die sollen doch was anderes machen. 528 00:47:25,900 --> 00:47:30,280 Das sind dann die Eltern, die auch sagen, die Tablets in den Kindergärten austeilen. 529 00:47:30,880 --> 00:47:35,920 Aber was fördert das dann? Das fördert das Demokratiebewusstsein. 530 00:47:36,080 --> 00:47:42,180 das fördert, mit Konflikten vernünftig umgehen zu können, Ambiguitätstoleranzen zu entwickeln, 531 00:47:42,530 --> 00:47:50,340 auch Ambivalenzen auszuhalten, dementsprechend auch gut zu argumentieren, auch andere Urteile 532 00:47:50,350 --> 00:47:55,200 zu akzeptieren oder auch zu hinterfragen: Wie komme ich eigentlich zu meinem Urteil? 533 00:47:55,200 --> 00:47:57,160 Wie komme ich da überhaupt hin? 534 00:47:57,410 --> 00:48:06,040 Speaker 1: Also insbesondere die epistemische Resilienz in Bezug auf die KI und Informationsflut tatsächlich… 535 00:48:06,060 --> 00:48:12,660 Speaker 1: epistemische Resilienz. Ja, dass ich da dementsprechend auch gut mit umgehen kann, mit der Informationsflut, 536 00:48:12,820 --> 00:48:21,200 mit der KI-Flut. Dementsprechend muss man auch gut kritikfähig sein. Allein was für Kritik auf einen einprasseln kann, 537 00:48:22,800 --> 00:48:31,140 durch eben die Informationstechnologie. Ich fand das von einem Sinnbeispiel ganz interessant von Michael Kapoor, 538 00:48:31,220 --> 00:48:35,480 der ein Tabellenkalkulationsprogramm mal programmiert hat, Lotus, 539 00:48:37,880 --> 00:48:40,140 heutzutage Informationen aus dem Internet zu bekommen, 540 00:48:40,460 --> 00:48:45,280 ist, als würde ich ein Glas Wasser von einem Wasserhydranten nehmen wollen. 541 00:48:45,460 --> 00:48:48,580 Also das Glas Wasser wird weggeschossen, so viel Druck ist dahinter. 542 00:48:48,660 --> 00:48:55,140 Und das ist ja genau auch die Thematik mit der KI und auch mit JGPT oder weiteren LMMs. 543 00:48:55,220 --> 00:48:58,520 Wenn ich da nicht vernünftig das Wissen habe oder den Umgang damit, 544 00:48:59,760 --> 00:49:03,280 Dann kriege ich alles Mögliche und kriege aber keine vernünftigen Ergebnisse. 545 00:49:05,600 --> 00:49:07,840 Oder ein anderes Beispiel ist der Umgang mit Google. 546 00:49:08,800 --> 00:49:14,440 Damals musste ich ja, um ein vernünftiges Ergebnis zu bekommen, eine gute Frage stellen können. 547 00:49:14,900 --> 00:49:18,160 Eine gute Frage zu stellen, muss ich ein gewisses Allgemeinwissen haben. 548 00:49:18,720 --> 00:49:24,900 Dann fing 2004 Google Select an oder Suggest. 2009 kam es dann nach Deutschland. 549 00:49:25,300 --> 00:49:28,120 Das heißt, ich gebe die Frage ein und Google weiß schon, was ich fragen will. 550 00:49:28,260 --> 00:49:33,000 2010 kam dann Google Instant, das heißt, da wurden dann parallel schon Ergebnisse geliefert. 551 00:49:33,020 --> 00:49:38,120 Das heißt, ich muss gar nicht mehr nachdenken. Das sagen auch viele, ich brauche gar kein Allgemeinwissen, das ist in meiner Hosentasche. 552 00:49:38,540 --> 00:49:44,880 Und das ist eben fatal. Ich muss zumindest nicht beantworten, wie komme ich denn dahin, wie komme ich zu meinem Urteil, 553 00:49:45,560 --> 00:49:51,500 warum gerade das und das auch argumentieren können. Und das spielt ja auch wieder zu den Studienergebnissen, 554 00:49:51,540 --> 00:49:58,820 Also wir hatten zur sprachlichen Kompetenz und auch zur sozialen Kompetenz, da tatsächlich mit umgehen zu können, 555 00:49:59,360 --> 00:50:00,860 Mehrdeutigkeiten auch zu akzeptieren. 556 00:50:02,080 --> 00:50:08,280 In Social Media sehen wir sehr stark, dass Mehrdeutigkeiten nicht gern gesehen wird vom Algorithmus. 557 00:50:08,320 --> 00:50:09,780 Ich sage es jetzt mal einfach plakativ. 558 00:50:10,960 --> 00:50:12,580 Da ist es, entweder bist du dafür oder dagegen. 559 00:50:12,920 --> 00:50:15,520 Eine Zwischenmeinung wird kaum akzeptiert. 560 00:50:15,820 --> 00:50:31,360 Und wir sehen auch, dass der Mainstream, also die Sinnhaftigkeit außerhalb des Mainstreams zu sein, wird gar nicht akzeptiert bei jungen Menschen heute, sondern das Ziel ist es, im Mainstream zu sein. 561 00:50:31,500 --> 00:50:31,640 Speaker 1: Okay. 562 00:50:33,100 --> 00:50:39,600 In den 70er, 80er Jahren weiß er genau, Mainstream ist ein No-Go, genau außerhalb. 563 00:50:39,760 --> 00:50:46,680 Mittlerweile haben wir sehr stark im Mainstream, wobei man dazu sagen muss, der Mainstream ist auch wesentlich breiter geworden als damals. 564 00:50:47,170 --> 00:51:01,500 Wenn man mal anschaut, wie Social Media tickt und 40 Prozent der großen Player, also jetzt Meta, Alpha, Amazon und Apple, verbrauchen das weltweite Marketing-Budget. 565 00:51:03,140 --> 00:51:06,860 Also 40 Prozent des weltweiten Marketing-Budget von den großen. 566 00:51:07,560 --> 00:51:21,620 Wenn man dann anschaut, wie die hauptsächlich ihre Umsätze generieren, ist das über Werbung. Facebook ist dann noch der Umsatztreiber hauptsächlich. Ja, und wie schalte ich denn Werbung am besten? Im Mainstream. 567 00:51:22,340 --> 00:51:39,720 Und man kann das mal versuchen, diejenigen, die einen Instagram-Account haben, mal tatsächlich anders zu argumentieren und sieht dann die Follower nach unten. Also es ist nicht gewünscht, sagen wir es mal so. Und das ist dann das Ergebnis. Vier bis sechs Stunden bin ich auf Social Media und folge eigentlich den Mainstream. 568 00:51:39,820 --> 00:51:45,700 Da werde ich gar nicht … Und ein wichtiger Punkt ist noch, dass die meisten ja passiv auf Social Media sind. 569 00:51:45,860 --> 00:51:51,700 Ich lasse mich berieseln. Und das haben wir auch, und da ziehe ich jetzt die Parallele zur Bildung, haben wir ja auch sehr stark. 570 00:51:52,080 --> 00:51:58,640 Die Passivität, also die Passivhaltung, ich konsumiere, ich bin hier zu konsumieren und nicht zu kreieren. 571 00:51:59,620 --> 00:52:08,820 Speaker 1: Ja, das habe ich auch gehört, eben so ein Frustgefühl, was mal sein kann, wenn ich so in Versuch und Fehlerhaftigkeit mir etwas erarbeite. 572 00:52:08,880 --> 00:52:11,860 Speaker 1: ich gehe einen Weg, da funktioniert nicht, ich versuche einen anderen Weg, dass das so 573 00:52:12,070 --> 00:52:15,540 Speaker 1: total abgenommen hat, sondern es geht darum: Sag mir, wo ich hin soll und dann bin ich 574 00:52:15,540 --> 00:52:18,700 Speaker 1: die Schnellste und ich kriege auch die besten Noten dabei. Dass das so ein bisschen die 575 00:52:18,900 --> 00:52:24,820 Speaker 1: Art ist, wie jetzt konditioniert wurde oder trainiert wurde oder die Idee von guter Leistung 576 00:52:24,820 --> 00:52:29,680 Speaker 1: in der Schule auch orientiert wurde. Und dieses ganze erst mal wursteln, erst mal sortieren 577 00:52:29,960 --> 00:52:33,100 Speaker 1: und auch mal einen falschen Weg gegangen sein, aber dabei auch etwas gelernt zu haben, dass 578 00:52:33,130 --> 00:52:37,520 Speaker 1: das gar keine Wertschätzung mehr erfährt und dass das aber umgekehrt in einem Arbeitskontext, 579 00:52:38,200 --> 00:52:43,780 Speaker 1: es sehr unübersichtlich wird, natürlich eigentlich überhaupt die Grundlage ist, um mich da einigermaßen 580 00:52:43,960 --> 00:52:46,140 Speaker 1: souverän bewegen zu können und mir das auch zuzutrauen. 581 00:52:47,300 --> 00:52:52,360 Absolut. Also die Geschwindigkeit spielt eine große Rolle, aber das heißt nicht, dass ich 582 00:52:52,370 --> 00:52:56,680 in die Tiefe gehe. Und das sehen wir insbesondere in Arbeit. Also ich führe selbst sehr viele 583 00:52:57,560 --> 00:53:02,239 Vorstellungsgespräche auch für andere Unternehmen und da ist es dann oft ein Ergebnis: Erzähl 584 00:53:02,260 --> 00:53:08,040 mir mal was über deine Bachelorarbeit oder deine Masterarbeit. Und dann fängt es schon 585 00:53:08,260 --> 00:53:14,080 an. Ja, du hast sie doch erst vor zwei Monaten geschrieben, ein halbes Jahr damit beschäftigt 586 00:53:14,660 --> 00:53:19,880 und da kommt nichts. Oder so rudimentär. Und dann kommt dann raus, ja, eigentlich war 587 00:53:20,060 --> 00:53:24,880 das der Wunsch vom Professor. Also sich tatsächlich, wie du gesagt hast, da auseinanderzusetzen, 588 00:53:25,140 --> 00:53:32,100 die Tiefe zu gehen, zu reflektieren, es zählt eher die Geschwindigkeit. Und das ist dann 589 00:53:32,110 --> 00:53:36,960 im Arbeitskontext fatal, wenn junge Menschen nicht mal wissen, wie man vernünftig recherchiert. 590 00:53:37,430 --> 00:53:42,420 Wenn man die erste Google-Trefferseite nimmt oder das, was JGPT ausspuckt, dann sagt man: 591 00:53:43,000 --> 00:53:50,040 Stimmt das überhaupt? Kannst du das verifizieren oder falsifizieren? Nö, die Hoheit des Internets. 592 00:53:50,790 --> 00:53:55,100 Und das ist dann natürlich ein Problem im Arbeitskontext. Das heißt, man muss das den 593 00:53:55,120 --> 00:53:59,460 Menschen erstmal beibringen. Und da sehen wir sowohl in der Bildung, also sei es jetzt 594 00:53:59,600 --> 00:54:07,560 Schule, Studium oder auch in Arbeit, gehen wir sehr naiv mit der künstlichen Intelligenz 595 00:54:07,760 --> 00:54:12,700 um. Das heißt, so Arbeitnehmer, Arbeitnehmerinnen oder auch Studierende bringen sich das selbst 596 00:54:13,120 --> 00:54:21,860 bei. Und das sehe ich insbesondere im Umgang mit Daten oder Prozessen tun sich im Arbeitskontext 597 00:54:21,880 --> 00:54:26,080 viele schwer, auch wenn sie jetzt in der künstlichen Intelligenz sind, auch wenn sie einen digitalen 598 00:54:26,240 --> 00:54:31,700 Zwilling in der Produktion haben, Daten zu lesen, zu hinterfragen, das analytische Vorgehen, 599 00:54:32,160 --> 00:54:34,120 tun sich Menschen zunehmend schwerer. 600 00:54:34,440 --> 00:54:41,900 Speaker 1: Aber das heißt ja, wir arbeiten eigentlich an der Pillepalisierung der Menschen und trainieren 601 00:54:42,110 --> 00:54:45,300 Speaker 1: damit die Maschinen und dann sind wir nicht mal mehr in der Lage, das hat ja auch so einen 602 00:54:45,380 --> 00:54:49,859 Speaker 1: Rattenschwanz da dran, wenn jetzt die KI mehr noch zusammenfasst, aber gar nicht mehr die 603 00:54:49,860 --> 00:54:53,600 Speaker 1: Primärquellen nennt, was jetzt die neuste bequemste Entwicklung ist bei den Suchmaschinen, 604 00:54:54,260 --> 00:54:58,200 Speaker 1: dann werden ja auch die ursprünglichen Quellen immer schwerer zu finden und damit die journalistisch 605 00:54:58,520 --> 00:55:02,640 Speaker 1: wirklich mit Handwerk aufbereiteten Sachen oder eben die ursprünglichen wissenschaftlichen 606 00:55:02,820 --> 00:55:03,040 Speaker 1: Studien. 607 00:55:03,560 --> 00:55:08,440 Speaker 1: Das wird ja alles einmal zusammengefasst und ich bin überhaupt nicht mehr eingeladen, an 608 00:55:08,560 --> 00:55:11,760 Speaker 1: diese ersten Quellen ranzugehen und natürlich auch gar nicht mehr gewohnt, mir dann, da 609 00:55:11,760 --> 00:55:15,020 Speaker 1: ist es ja ein bisschen komplizierter mit der Sprache häuslich, mir das dann tatsächlich 610 00:55:15,140 --> 00:55:15,980 Speaker 1: auch mal anzueignen. 611 00:55:16,940 --> 00:55:23,740 Speaker 1: Also was machen wir denn da in dem Bildungssystem und was habt ihr deshalb in so einer Future-Skills-Studie eigentlich nach vorne gebracht? Wo müsste es hingehen? 612 00:55:25,700 --> 00:55:37,120 Also letztendlich, dass wir, also diejenigen, die ausbilden, die Lehrkräfte, die Professoren, ein Stück weiter sind als die Studierende, auch mit der Thematik künstliche Intelligenz. 613 00:55:37,760 --> 00:55:42,860 Und das fehlt. Momentan hat sich das gedreht, wo viele junge Menschen auch denken, sie sind besser im Prompten. 614 00:55:43,260 --> 00:55:49,040 Also wie ich die KI fühlte, damit ich ein gutes, oder die LMMs bei JGBT um ein gutes Ergebnis bekomme. 615 00:55:49,880 --> 00:55:53,080 Das ist aber eine Überschätzung. Tatsächlich ist es gar nicht so. 616 00:55:53,740 --> 00:55:57,320 Das ist so, wie viele Männer immer behaupten, sie sind die besten Autofahrer. 617 00:55:57,940 --> 00:56:01,340 Letztendlich behaupten das so viele, dass man letztendlich wieder im Durchschnitt landet. 618 00:56:01,480 --> 00:56:05,800 Und genauso sehen wir das eben im Prompten auch, wo viele junge Menschen meinen, sie sind besser. 619 00:56:06,360 --> 00:56:25,820 Ich habe das mal unterschaut, wie gehen denn Ältere vor, wie gehen Jüngere vor. Jüngere gehen mit rudimentären Sätzen schrittweise vor und Ältere formulieren komplett, was, ich möchte jetzt nicht sagen, was vernünftiger ist oder nicht, beides führt letztendlich zum Ziel, aber es ist eine ganz andere Herangehensweise. 620 00:56:25,880 --> 00:56:44,040 Früher oder später sehe ich die Fähigkeit, gut prompten zu kennen, sowieso obsolet, weil die Technik sowieso macht es, ähnlich wie bei Google. Aber es verwässert alles. Und ältere Menschen haben das auch noch anders gelernt, haben ein anderes Trainingsset als eben Jüngere. 621 00:56:45,040 --> 00:56:52,480 Ein Beispiel zu nennen: eine Musikkassette mit dem Magnetband. 622 00:56:52,580 --> 00:56:56,120 Da sagen viele, die Jüngeren kennen das gar nicht mehr, aber da will ich gar nicht hinaus. 623 00:56:56,860 --> 00:56:59,300 Wenn das Magnetband gerissen ist, wussten wir uns zu helfen. 624 00:57:01,780 --> 00:57:03,420 Die Jüngeren sagen: Was ist das denn überhaupt? 625 00:57:04,300 --> 00:57:05,340 Und das ist genau der Punkt. 626 00:57:05,560 --> 00:57:08,760 Das heißt, ich brauche das Wissen eigentlich gar nicht mehr. 627 00:57:08,940 --> 00:57:14,260 auch wenn wir einen Blackout haben, brauche ich das Wissen, wie ich eine Kassette oder was eine Kassette ist, 628 00:57:14,390 --> 00:57:19,940 eigentlich nicht mehr für die Zukunft meines Lebens. Das heißt, es ist ein ganz anderes Trainingsset. 629 00:57:21,380 --> 00:57:29,960 Oder ein anderes Beispiel, was es vielleicht näher bringt, in der deutschen Bahn war der Anschlag auf die Glasfasern, 630 00:57:30,030 --> 00:57:33,140 wo das dann gekappt wurde und in Norddeutschland standen die Züge still. 631 00:57:34,960 --> 00:57:48,020 Und ein Kollege von mir war an einem Bahnhof und hat davon erzählt, dass es zunehmend mehr Menschen kamen letztendlich und jeder fragte sich, was los. Die Deutsche Bahn App war überfordert, also es ist zusammengebrochen, weil zu viele darauf zugegriffen haben. 632 00:57:48,440 --> 00:57:58,560 Kamen die traube junger Menschen auf ihn zu und fragten, ob sie mal sein Handy nutzen können. Warum das denn? Ja, bei ihnen funktioniert die Bahn App nicht. Vielleicht funktioniert ja bei ihm. 633 00:57:59,020 --> 00:58:03,360 Also da fehlt auch schon wieder der Transfer, aber darauf wollte ich gar nicht hinaus, sondern 634 00:58:03,560 --> 00:58:09,400 eher das, er hat ihnen dann gezeigt: Kommt mal mit, in jedem deutschen Bahnhof ist so 635 00:58:09,580 --> 00:58:11,400 ein Ankunfts- und Abfahrtsplan damals. 636 00:58:11,400 --> 00:58:12,340 Das gelbe Ding. 637 00:58:12,480 --> 00:58:13,780 Genau, das gelbe Ding. 638 00:58:13,780 --> 00:58:15,860 Kommt dir sofort in den Sinn, richtig. 639 00:58:15,860 --> 00:58:19,220 Für die war das völlig neu, das kannten die nicht. 640 00:58:19,220 --> 00:58:24,100 Ja und zu Recht, die sind ja mit der Bahn-App groß geworden, ist ja auch viel aktueller, 641 00:58:24,100 --> 00:58:27,960 was will ich da so einen Zettel, wenn die Züge sowieso nie pünktlich sind. 642 00:58:28,400 --> 00:58:32,240 bringt mir ja in dem Endeffekt nichts. Was ich damit sagen will, dass ein ganz anderes 643 00:58:32,460 --> 00:58:39,160 Trainingsset vorherrscht, dass die Älteren eher analog denken, ins Digitale gehen, wenn 644 00:58:39,200 --> 00:58:44,140 das Digitale nicht funktioniert, sofort wieder in ihr Trainingsset zurückgehen können und 645 00:58:44,200 --> 00:58:49,000 Jüngere eben nicht. Ja, das Digitale funktioniert nicht, ja dann weiß ich nicht, wie ich das 646 00:58:49,180 --> 00:58:55,319 sonst lösen kann. Und das ist eben ein wichtiger Punkt in der Problemlösekonfetenz, das eben 647 00:58:55,340 --> 00:59:00,580 auch zu fühlen, das zu kritisch hinterfragen. Wie löse ich denn Dinge dann anders? Das kann man 648 00:59:00,960 --> 00:59:04,320 niemandem eigentlich vorwerfen, weil das so die Entwicklung ist. Die Technik ist ja da, 649 00:59:04,500 --> 00:59:08,480 wir nutzen das, wir nutzen das mittlerweile alle, nur haben wir unterschiedliche Trainingssets. 650 00:59:09,519 --> 00:59:13,360 Speaker 1: Ja, es ist ja spannend, also wenn wir noch mal so ein bisschen durchgehen, 651 00:59:13,430 --> 00:59:17,040 Speaker 1: durch die unterschiedlichen Kompetenzen, die auch stark gemacht werden, sind ja neben dem 652 00:59:17,280 --> 00:59:22,020 Speaker 1: kritischen Denken und den unterschiedlichen Perspektiven auch einnehmen können, fand ich 653 00:59:22,040 --> 00:59:26,680 Speaker 1: auch stark, zumindest wie der Stifterverband es zusammengefasst hat in der Studie, diese 654 00:59:27,520 --> 00:59:30,720 Speaker 1: also tatsächlich Gemeinschaftsorientierung, Gemeinwohlorientierung, also tatsächlich 655 00:59:30,830 --> 00:59:34,700 Speaker 1: diesen Gesamtzusammenhang auch verstehen und mich selber darin verorten, aber als einen 656 00:59:34,980 --> 00:59:40,140 Speaker 1: Bestandteil auch sehen. Und Demokratiebildung wurde ja auch sehr stark gemacht, was ja diese 657 00:59:40,300 --> 00:59:43,540 Speaker 1: Komponenten auch beinhaltet, also Aushalten von unterschiedlichen Perspektiven, damit 658 00:59:43,740 --> 00:59:48,060 Speaker 1: konstruktiv kritisch umzugehen, aber eben tatsächlich auch die Bereitschaft, an das 659 00:59:48,020 --> 00:59:55,180 Speaker 1: gemeinsame zu denken anstatt nur das individuelle. Ich fand das wichtig, weil Sie auch gesagt haben, 660 00:59:55,260 --> 00:59:59,300 Speaker 1: es ist explizit normativ so gerahmt, wenn wir jetzt zum Beispiel sehen, was schon passiert, 661 00:59:59,440 --> 01:00:04,220 Speaker 1: Thema Bildungspolitik von einer Partei wie der AfD, die sagt, wir haben insgesamt ein 662 01:00:04,440 --> 01:00:09,680 Speaker 1: Melderegister in einigen Bundesländern schon aufgemacht, wo Schülerinnen und Eltern melden 663 01:00:09,860 --> 01:00:15,200 Speaker 1: dürfen, wenn Lehrer und Lehrerinnen vermeintlich nicht mehr neutral über Politik oder andere 664 01:00:15,220 --> 01:00:19,240 Speaker 1: Themen in der Gesellschaft sprechen, sondern eben tatsächlich mit diesen normativen Orientierungen 665 01:00:19,320 --> 01:00:22,780 Speaker 1: an Verfassung, an Demokratie etc. auch Wertungen einfahren. 666 01:00:24,560 --> 01:00:27,940 Speaker 1: Das ist ja etwas, wo wir uns glaube ich auch sehr stark Gedanken darüber machen müssen. 667 01:00:28,040 --> 01:00:32,500 Speaker 1: Also wo rutscht uns die Idee von dem, was sollte Bildung beinhalten, weg, aber wo werden auch 668 01:00:32,620 --> 01:00:36,680 Speaker 1: Akteure und Akteurinnen, die sehr bewusst eigentlich den Raum offen halten wollen und 669 01:00:36,680 --> 01:00:41,960 Speaker 1: die Kompetenzen erweitern wollen, von denen die gar keine Lust mehr haben, dass Menschen 670 01:00:41,980 --> 01:00:47,380 Speaker 1: sehr aufgeklärt und klar auch argumentieren und sortieren können, direkt politisch angegangen. 671 01:00:47,790 --> 01:00:51,920 Speaker 1: Also gehört das zusammen, wenn man sich auch überlegt, was die Techbros drüben in den 672 01:00:52,080 --> 01:00:57,440 Speaker 1: USA gerade machen oder sind das nochmal zwei parallele Prozesse? Und wie vor allem können 673 01:00:58,360 --> 01:01:01,680 Speaker 1: Bildungsinstitutionen und Akteure sich jetzt darauf vorbereiten, dass das tatsächlich 674 01:01:01,980 --> 01:01:03,280 Speaker 1: sehr politisch ja jetzt auch wird? 675 01:01:03,820 --> 01:01:07,960 Es ist gefährlich, in der Tat. Und da sehen wir ja gerade die Entwicklung dahin. Es ist 676 01:01:07,980 --> 01:01:13,000 auch ein proprietärer, die Plattform ist ja auch ein proprietärer Markt. Es sind wenige, 677 01:01:13,140 --> 01:01:20,020 die bestimmen, wie was zu tun ist, Anführungszeichen, oder was letztendlich auch dargeboten wird 678 01:01:20,020 --> 01:01:24,240 an Informationen. Wir haben in der Jugendwahlstudie OST, die wir gemacht haben, festgestellt, 679 01:01:24,880 --> 01:01:29,700 dass viele gerade der jungen Menschen über das politische Geschehen sich hauptsächlich 680 01:01:29,770 --> 01:01:35,660 über TikTok informieren. Nicht nur, aber hauptsächlich. Und da wissen wir genau, welche Parteien da 681 01:01:35,540 --> 01:01:36,600 eigentlich sehr stark sind. 682 01:01:36,780 --> 01:01:38,760 Speaker 1: SIGRID RÖSELER: Und ja auch algorithmisch unterstützt wurden. 683 01:01:38,860 --> 01:01:45,220 JED RÖSELER: Genau, richtig. Und dann auch ihre Befürworter in den diversen, in den USA 684 01:01:45,440 --> 01:01:50,360 haben. Also das ist tatsächlich ein großes Problem, wo wir zu lange zugeschaut haben. 685 01:01:50,640 --> 01:01:57,620 Das Thema auch, wo wir junge Menschen auch nicht geschützt haben. Also da sage ich, gesamtgesellschaftlich 686 01:01:57,620 --> 01:02:02,320 haben wir die Verantwortung nicht übernommen oder die Gefahren nicht gesehen. Was bringt 687 01:02:02,360 --> 01:02:08,200 denn eigentlich Social Media in diesem Kontext? Auch da haben wir erfahren, wo junge Menschen 688 01:02:08,340 --> 01:02:13,120 gesagt haben in den qualitativen Interviews: Ich wünschte, TikTok wäre nie erfunden worden. 689 01:02:14,690 --> 01:02:18,740 Die meisten der jungen Menschen sagen: Ich bin für ein Verbot von Social Media. 690 01:02:19,080 --> 01:02:21,340 Speaker 1: Ehrlich? Weil das ist ja jetzt die wichtige Debatte gerade. 691 01:02:21,980 --> 01:02:25,660 Aber das ist ja auch wieder das Thema: Wir hören den Jungen ja gar nicht zu im Endeffekt. 692 01:02:26,100 --> 01:02:31,720 Wenn die meisten jungen Menschen das tatsächlich fordern, 70 bis 80 Prozent, 693 01:02:32,550 --> 01:02:39,960 wenn man 16, manche 18, manche sogar erst ab 21, wenn man das kumuliert, 694 01:02:40,040 --> 01:02:43,080 sagen die meisten jungen Menschen, ja, bitte macht ein Verbot. 695 01:02:44,500 --> 01:02:48,380 Speaker 1: Das ist ja eigentlich strukturell total aufgeklärt, weil sie genau wissen, 696 01:02:48,520 --> 01:02:50,160 Speaker 1: dass sie individuell überfordert sein werden. 697 01:02:50,610 --> 01:02:55,800 Speaker 1: Wenn der große Schub weiter in die Richtung geht, dann muss ich auschecken aus dem Mainstream. 698 01:02:56,300 --> 01:03:00,420 Speaker 1: Das ist ja eigentlich sehr klug, zu sagen: "Helft uns doch Schutzräume zu gestalten." 699 01:03:01,000 --> 01:03:04,540 Speaker 1: Und was mich dann in der Debatte so nervt, ist: "Wir werden es nicht mit dem Verbot hinkriegen, 700 01:03:04,660 --> 01:03:07,700 Speaker 1: lass es sein." Es sagt doch niemand, dass es nur verboten wird. Gleichzeitig müssen 701 01:03:07,820 --> 01:03:11,100 Speaker 1: wir eben die Kompetenzen, die vorbereiten, die digitale Resilienz aufklären. 702 01:03:11,100 --> 01:03:11,540 Speaker 1: Aber machen wir ja auch nicht. 703 01:03:13,580 --> 01:03:18,820 Genau. Deswegen lassen wir junge Menschen alleine. 75 Prozent der Zehnjährigen haben 704 01:03:18,940 --> 01:03:22,519 schon ein eigenes Smartphone und haben Zugriff auf sämtlichen. Man weiß, dass knapp die 705 01:03:22,540 --> 01:03:26,920 Die Hälfte der 14-Jährigen sind Mittäter beim Teilen von Gewaltvideos. 706 01:03:27,050 --> 01:03:30,560 Die haben schon Dinge gesehen, die sie eigentlich noch gar nicht verarbeiten können. 707 01:03:31,310 --> 01:03:38,260 Man nimmt auch eine starke Abnahme der Empathie wahr, im Endeffekt bei jungen Menschen, was 708 01:03:38,420 --> 01:03:39,820 natürlich auch problematisch ist. 709 01:03:43,580 --> 01:03:50,060 Und das ist, wo wir als gesamtgesellschaftlich mehr Verantwortung übernehmen müssen und 710 01:03:50,140 --> 01:03:51,080 sagen: Okay, wir machen… 711 01:03:51,100 --> 01:03:57,180 Sogar der Meta-Chef hat gesagt von Europa, ja, aber dann macht das für alle Social-Media-Plattformen ab 16. 712 01:03:57,540 --> 01:03:59,540 Macht jetzt nicht eine einzelne Lösung in Europa. 713 01:03:59,710 --> 01:04:09,300 Also wenn die es schon selbst sagen, gab es ja auch die Studie, dass es dementsprechend, ja gerade die auch depressive Züge haben, 714 01:04:09,420 --> 01:04:16,920 dass es eher noch verschlimmert wird letztendlich, wenn ich mich sehr viel auf Social Media bewege. 715 01:04:17,140 --> 01:04:32,640 Oder die White Tiger, wo eine Pressekonferenz in Hamburg war, die eben junge Menschen, die depressiv waren, dazu geführt haben, dass sie Suizid machen und dergleichen. 716 01:04:32,650 --> 01:04:36,420 Also es ist ja alles da, was wir wissen. Und trotzdem handeln wir nicht. 717 01:04:36,820 --> 01:04:38,460 Speaker 1: Wieso ist das so? Was machen wir jetzt? 718 01:04:40,500 --> 01:04:44,380 Es wird diskutiert, das ist schon mal gut. Es gibt jetzt diverse Vorstoße. 719 01:04:44,880 --> 01:04:49,440 EU, Spanien, Frankreich fängt damit an. In Deutschland diskutieren wir das auch. 720 01:04:49,560 --> 01:04:53,960 Und das wird auch kommen. Australien hat damit angefangen, weil es einfach nur Sinn macht. 721 01:04:54,260 --> 01:04:57,520 Die jungen Menschen wollen das selbst, nun können sie es ja nicht verdienen. 722 01:04:57,760 --> 01:04:59,960 Nimmt uns das weg, dann gibt es auch gar keine Rechte. 723 01:05:00,140 --> 01:05:03,100 Es ist eine unglaubliche Entlastung auch für Eltern und Lehrkräfte. 724 01:05:05,660 --> 01:05:11,680 Das wäre, und wir wissen noch gar nicht, was das für einen Schaden für zukünftige Generationen 725 01:05:11,780 --> 01:05:14,320 entwickelt, das ist uns auch noch gar nicht so bewusst. 726 01:05:15,180 --> 01:05:19,600 Speaker 1: Ja, also ich habe von Freundinnen, die Lehrerinnen sind, einfach auch von den Effekten gehört, 727 01:05:19,650 --> 01:05:22,820 Speaker 1: wenn man innerhalb der Schule sagt: "Nee, also hier gibt es halt keine Handys." 728 01:05:23,080 --> 01:05:27,620 Speaker 1: Das auf dem Schulhof, am Anfang, war richtig was los, also mussten sie neue Pausenaufsichten 729 01:05:27,820 --> 01:05:32,720 Speaker 1: reinbringen, weil erst mal dieses Reibung-Wieder-Aushalten nicht unbedingt immer konstruktiv verlaufen 730 01:05:32,740 --> 01:05:43,360 Speaker 1: Aber dann wurde endlich wieder Lebendigkeit wahrgenommen und eben dieses Miteinander sich auch anders, Thema auch motorisch sich bewegen und nochmal andere Ideen auch bekommen, wie man da umgehen kann. 731 01:05:44,180 --> 01:05:55,420 Speaker 1: Also im Prinzip haben wir ja damit ganz wichtig, wieder die Debatte zu sagen, also welche Bildung brauchen wir denn heute, bevor wir sagen, wir geben 3,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. 732 01:05:55,440 --> 01:06:03,880 Speaker 1: Das ist ja immer so, die Politik hat es geleistet, wenn sie 3,5 Prozent Verbot für Inhalts, ich glaube, das ist ungefähr der Vergleichswert der OECD, für Bildung ausgegeben hat, dann ist doch alles gut, Strich drunter. 733 01:06:04,520 --> 01:06:21,220 Speaker 1: Und aus der Nachhaltigkeitsbildung wissen wir, wie lange, eigentlich 30 Jahre, man an so Curriculumsveränderungen irgendwie arbeitet, um zu sagen, es wäre vielleicht sinnvoll, das ökologisches Verständnis, also auch wieder ein systemisches, worin sind wir Menschen eingebettet, in Lehrpläne reinkommen sollte. 734 01:06:21,880 --> 01:06:35,440 Speaker 1: Oder sowas wie Ethik. Gerade, was wir machen jetzt ist, Wirtschaft müssen alle lernen. Ja, aber Wirtschaft hat zwei integrale Bestandteile, das sind Menschen und das ist das Umwelt, also das, was wir an Lebensbedingungen dafür brauchen und Ressourcen haben. 735 01:06:36,440 --> 01:06:50,400 Speaker 1: Immer wieder zu fragen, wie kann das sein, dass wir Einzelstücke nur angucken, anstatt zu überlegen, was ist das Wissensspektrum, aber dann auch das Aneignungspotenzial, die Dinge auch zusammen sehen zu können. Wie kriegen wir denn da mal so einen richtigen Bums rein? 736 01:06:50,580 --> 01:06:59,480 Speaker 1: Also das ist doch eigentlich so die Grundlage für eine freie, lernende Gesellschaft, dass man sagt, Menschen bekommen die Weltaneignungskompetenz, die ist heute in diesem Kontext. 737 01:07:00,460 --> 01:07:06,560 Speaker 1: Das fand ich so wichtig, dass du es am Anfang stark gemacht hast, weil dann kann man auch raus aus diesem, wir haben das schon immer so gemacht, wer bist du, dass du mir sagst, jetzt will ich es anders machen. 738 01:07:07,000 --> 01:07:09,320 Speaker 1: Leute, einen Schritt zurück, die Welt hat sich total verändert. 739 01:07:09,780 --> 01:07:18,540 Speaker 1: Was brauchen wir heute, um wirklich sehen zu können, was die wichtigen Entwicklungen sind und uns darauf vorzubereiten, mit ihnen konstruktiv umgehen zu können. 740 01:07:19,700 --> 01:07:21,900 Speaker 1: Wer muss da jetzt anladen kommen und wie? 741 01:07:22,880 --> 01:07:26,580 Ich sehe das, also man kann das jetzt nicht nur einer Seite zuschieben. 742 01:07:27,020 --> 01:07:32,200 Die Lehrkräfte müssen besser ausgebildet werden oder wir müssen die Schulen digitalisieren. 743 01:07:32,720 --> 01:07:39,260 Das ist viel zu kurz, dass wir auch, ich habe gesagt, wir gehen bei der Digitalisierung sowieso sehr naiv ran. 744 01:07:40,400 --> 01:07:42,780 Pädagogische Vernunft ist ein wichtiges Thema. 745 01:07:43,570 --> 01:07:47,320 Und nicht nur an die Lehrkräfte, nicht nur Schulen, nicht nur Unis, sondern auch die Eltern. 746 01:07:47,860 --> 01:07:56,140 Also Gesamtgeschäft, was tut denn uns gut? Wo sehen wir tatsächlich einen Mehrwert bei der Anwendung der Digitalisierung, bei der Infrastruktur? 747 01:07:56,970 --> 01:08:02,380 Wo bringt es uns tatsächlich ein Stück weiter, um wieder innovativer zu sein, um kreativer zu sein? 748 01:08:02,840 --> 01:08:09,420 Das hast du vorhin auch angesprochen, die Kollaboration ist hier auch ganz wichtig, das Zusammenarbeiten, Zusammenhänge auch zu ergehen. 749 01:08:09,620 --> 01:08:17,040 Und wir können jetzt nicht nur das auf einen Bereich fokussieren, sondern müssen das tatsächlich gesamtheitlich denken. 750 01:08:17,580 --> 01:08:23,240 Und ein Hindernis ist tatsächlich auch der Föderalismus, dass jedes Bundesland für sich ebenliche Unterschiede macht. 751 01:08:23,759 --> 01:08:29,160 Auch die Abiturs sind ja unterschiedlich. Wir haben mittlerweile eine Noteninflation. 752 01:08:29,270 --> 01:08:36,220 Gut, da wird jetzt dagegen vorgegangen. Es gibt eine Vereinbarung für die gymnasiale Oberstufe, dass das angeglichen wird, dass wir einen besseren Vergleich haben. 753 01:08:36,859 --> 01:08:39,880 Momentan ist es eher eine Entwertung auch der Noten. 754 01:08:39,880 --> 01:08:44,120 Wenn jeder ein Einzelabitur hat, dann ist ein Einzelabitur eigentlich nichts mehr wert. 755 01:08:44,279 --> 01:08:48,400 Und da tun wir uns in der Arbeit dann schwer, hier den zu differenzieren. 756 01:08:49,839 --> 01:08:52,240 Und das ist ein gesamtgesellschaftliches Konstrukt. 757 01:08:52,339 --> 01:08:55,759 Also was tut unsere Gesellschaft tatsächlich gut und warum handeln wir nicht? 758 01:08:56,060 --> 01:08:58,100 Und da tatsächlich auch Verantwortung zu übernehmen. 759 01:08:59,380 --> 01:09:03,680 Und die Thematik ist, auch wenn man die Demografie anschaut, 760 01:09:04,580 --> 01:09:11,960 Man spricht jetzt sehr stark von Lehrermangel, den wir haben in Deutschland, aber das wird sich auch wieder ändern, 2035 circa. 761 01:09:12,750 --> 01:09:16,540 Also ich sehe immer oft sehr stark die Ad-Hoc-Aktion. 762 01:09:16,970 --> 01:09:26,740 Wir müssen jetzt die Gehälter erhöhen, wir müssen jetzt die Schulen digital machen, jeder bekommt ein Tablet, weil das eben agil klingt. 763 01:09:26,859 --> 01:09:32,339 aber das ist naiv und zu kurz gedacht, sondern gesamtheitlich zu denken auch, 764 01:09:32,770 --> 01:09:38,440 und das ist wichtig, Eltern auch abzuholen. Ich hatte ein Projekt bei Aschaffenburg, 765 01:09:38,569 --> 01:09:44,839 da ging es um Digitalisierung einer Schule, nur mal ein Beispiel zu nennen, wie wir manchmal vorgehen. 766 01:09:45,250 --> 01:09:49,440 Die waren schon weit vor Corona komplett digital, Tablet-Klassen. Dann kam Corona, 767 01:09:49,480 --> 01:09:58,060 wunderbar, konnten sie gleich durchfahren. Nach Corona kam die Diskussion, kam es zu Streitgesprächen 768 01:09:58,280 --> 01:10:03,000 mit den Eltern in einer Versammlung und letztendlich kam heraus, dass die Eltern damit überfordert 769 01:10:03,140 --> 01:10:08,720 sind mit der Digitalisierung. Das heißt, man hat die wohl nicht vernünftig abgeholt. Es gab 770 01:10:09,420 --> 01:10:19,440 Schulungen, es gab Anleitungen, aber letztendlich fühlten die sich überfordert mit dem. Deswegen 771 01:10:20,320 --> 01:10:26,340 Packen nur für einen Bereich. Und da haben wir noch sehr, sehr viel nachzuholen. 772 01:10:27,980 --> 01:10:31,300 Speaker 1: Ja, also in Schweden sind wir ja schon dabei, wieder ein bisschen zu korrigieren und zu 773 01:10:31,300 --> 01:10:36,080 Speaker 1: sagen: Nicht alles digital, sondern kalligrafisch schreiben, auch wieder andere Synapsen. Und 774 01:10:36,090 --> 01:10:39,820 Speaker 1: dann das Thema Bildungsgerechtigkeit. Also wie kriegen wir das wirklich hin, dass das 775 01:10:40,010 --> 01:10:45,239 Speaker 1: ja in einer freien Gesellschaft die Grundlage sein muss, dass jedes Kind ähnliche Bedingungen 776 01:10:45,260 --> 01:10:49,860 Speaker 1: bekommt, um sich für dieses Leben vorbereiten zu können und auch selbst dann in die Gestaltung 777 01:10:49,860 --> 01:10:52,640 Speaker 1: von der Gesellschaft eben bestmöglich eingreifen zu können. 778 01:10:53,140 --> 01:10:54,960 Speaker 1: Möglichst konstruktiv, aber nicht unkritisch. 779 01:10:55,140 --> 01:10:56,920 Da gehen wir gerade in die andere Richtung. 780 01:10:57,130 --> 01:11:02,080 Also die Schere geht auseinander und wenn man dann, Stichwort PISA-Studie anschaut, wo 781 01:11:02,270 --> 01:11:03,460 sind denn die Überflieger? 782 01:11:03,540 --> 01:11:10,180 Das ist zum Beispiel Estland, was oft als Koryphäe auf der Bildung dargestellt wird. 783 01:11:10,340 --> 01:11:15,220 Jetzt ist PISA nicht immer eins zu eins vergleichbar, aber die Chancengleichheit ist ja hier ganz 784 01:11:15,760 --> 01:11:20,600 Das heißt, ich gehe nicht ab der vierten Klasse auseinander, sondern erst nach der sechsten. 785 01:11:20,750 --> 01:11:26,140 Und auch wenn man andere Schulsysteme anschaut, gehen die später auseinander. 786 01:11:26,840 --> 01:11:30,400 Und das ist mal ein ganz spannender Punkt, auch bezüglich Chancengleichheit. 787 01:11:30,410 --> 01:11:35,400 Auch wenn man sieht, die meisten Schülerinnen und Schüler vor der ersten Klasse sind hoch 788 01:11:35,640 --> 01:11:36,740 motiviert auf die Schule. 789 01:11:37,970 --> 01:11:40,200 Bei jedem Übertritt senkt es massiv. 790 01:11:41,220 --> 01:11:45,560 Ab der vierten Klasse sinkt das massiv, ab der zehnten Klasse sinkt das massiv. 791 01:11:45,860 --> 01:11:49,420 Warum machen wir das eigentlich, wenn wir das wissen? 792 01:11:50,320 --> 01:11:53,900 Die meisten Eltern nach Bildungsbarometer sind auch tatsächlich dafür, 793 01:11:55,200 --> 01:11:57,880 dass die Klassen bis zur sechsten Klasse zusammenbleiben. 794 01:11:58,300 --> 01:12:02,860 Also da hätten wir schon mal die eine Seite auf der richtigen Seite. 795 01:12:02,920 --> 01:12:24,480 Also das wäre, glaube ich, eine Riesenchance, wenn wir den Cut nicht bei der vierten Klasse machen, sondern erst ab der sechsten. Ein Thema, was sehr gut fruchtet, aber teilweise auch in der Diskussion eine sehr große Spaltung auftut, ist die Gesamtschulen. Das heißt, hier auch eine Chancengleichheit zu wahren. 796 01:12:25,900 --> 01:12:46,140 Ich kann nachvollziehen, dass Personen, die es anders erlebt haben, das schwer nachvollziehen können, wie eine Gesamtschule tatsächlich funktioniert. Aber die Ergebnisse sprechen ja für sich. Es fruchtet, es werden Personen bekommen plötzlich Abschluss, die es sonst nie geschafft hätten, ohne zum Nachteil derjenigen, die dann hier einen weiteren Weg gehen. 797 01:12:46,880 --> 01:13:10,640 Speaker 1: Also ich war auf Gesamtschulen und auch auf einer Reformschule und ich hatte das Gefühl, auch in Hamburg war ich vor Ort, als die Stadtteilschule diskutiert wurde, politisch, dann später, als ich berufstätig war, wer da saß und dagegen agitiert hat. Das war im Grunde genommen das sogenannte Bildungsbürgertum, das sich selber humanistisch nannte, aber eigentlich sehr gerne wollte, dass ihre Kinder auf den Schulen alleine für sich lernen, wo sie genau wissen, dass dann die Arbeitgeber schon da hinten dran stehen. 798 01:13:10,680 --> 01:13:31,900 Speaker 1: Das haben wir ja bei den Unis die Diskussion auch, bei den Ivy League Unis, bei den Cambridge, bei den Oxbridge, bei Harvard, wo man dann quasi das Ticket direkt bis zum gut dotierten Job gekauft hat zum Teil. Und wenn man vorher schon Abgänger gewesen ist, auch wahrscheinlicher wieder draufkommt. Also da ist ja ganz, ganz viel strukturell eigentlich im Argen, was komplett der Chancengerechtigkeit entgegenspricht. 799 01:13:32,000 --> 01:13:59,940 Genau, das ist genau das Punkt. Wobei der Königsweg jetzt hier, das Abitur und das Studium, das Narrativ ändert sich mittlerweile. Es wird pluralistischer. Es ist jetzt nicht nur so monolithisch hier nur den einen Weg, sondern es gibt mehrere Möglichkeiten. Und von der Studienanzahl kann man das nicht sagen, dass das da jetzt abnimmt oder so, das nimmt weiter zu, aber es wird zunehmend da diskutiert. 800 01:14:01,100 --> 01:14:06,040 Speaker 1: Ja, und das ist ja auch total wichtig, Thema Bildung, also wie funktioniert Bildung, wenn 801 01:14:06,050 --> 01:14:09,500 Speaker 1: wir gesehen haben, also alles wurde jetzt ja, ich muss für alles jetzt ein Studium, zumindest 802 01:14:09,550 --> 01:14:14,360 Speaker 1: ein Bachelor machen und viele sind dadurch sehr viel ferner von der Realität des Arbeitens 803 01:14:14,410 --> 01:14:15,860 Speaker 1: bis zu dem Zeitpunkt, wo sie eintreten. 804 01:14:15,950 --> 01:14:19,240 Speaker 1: Und deshalb war ja Deutschland eigentlich immer lange dafür gelobt worden, diese dualen 805 01:14:20,020 --> 01:14:23,060 Speaker 1: Ausbildungswege zu machen, Thema Berufsschule, also Praxis und Schule gleichzeitig. 806 01:14:23,930 --> 01:14:27,300 Speaker 1: Und eigentlich auch ich dann sehr viel besser vorbereitet in den Beruf komme oder sehr viel 807 01:14:27,540 --> 01:14:28,900 Speaker 1: früher auch merke, ist ja was für mich. 808 01:14:29,540 --> 01:14:55,220 Speaker 1: Also all das bis hin zu, das habt ihr ja auch stark gemacht, vielleicht als letzten Punkt nochmal, um auch aus diesem Kognitiven nochmal rauszukommen, was sind wir Menschen denn eigentlich? Das Handwerkliche habt ihr ja auch gezeigt, dass man ein direkteres Ergebnis auch wieder hat, dass man wieder rauskommt aus diesem ganzen, alles wabert so ein bisschen im Informationszeitalter vor sich hin, sondern ich bin direkt beteiligt, ich sehe Ergebnisse, ich darf was anderes von mir benutzen als nur die Augen und vielleicht noch einen Finger. 809 01:14:58,060 --> 01:15:03,380 Genau, also wir Menschen ticken eigentlich so oder wir sind zufriedener, wenn wir einen 810 01:15:03,700 --> 01:15:07,620 Abschluss sehen. Das hat man im Handwerk, da habe ich den Tisch gemacht, sehe den Abschluss, 811 01:15:07,840 --> 01:15:11,120 ob der gut ist oder nicht, jetzt mal dahin, aber ich sehe einen Abschluss. Und bei vielen 812 01:15:11,340 --> 01:15:16,140 Tätigkeiten heutzutage sehe ich keinen Abschluss mehr. Ich gehe davon aus, dass im Handwerk 813 01:15:16,260 --> 01:15:21,300 ist man dann letztendlich zufriedener, weil wir ticken eben so, dass wir gerne einen Abschluss 814 01:15:21,340 --> 01:15:26,420 sehen möchten. Und wenn ich nie einen Abschluss habe, dann frustriert mich das irgendwann oder 815 01:15:26,440 --> 01:15:29,560 ich übernehme gar nicht mehr die Verantwortung für mein Handeln. 816 01:15:31,980 --> 01:15:37,900 Speaker 1: Also ich nehme mit, ganzheitlich, nicht einzeln Flick schustern, sondern wirklich einmal überlegen, 817 01:15:38,020 --> 01:15:42,860 Speaker 1: was wäre jetzt wirklich ein Update, damit wir im 21. Jahrhundert landen mit dem, was wir anbieten. 818 01:15:43,040 --> 01:15:47,200 Speaker 1: Dann auch wirklich, also in der Systemforschung sagen wir: Bring the system in the room. Also alle 819 01:15:47,400 --> 01:15:52,920 Speaker 1: Beteiligten mit reinbringen, anstatt an Einzelnen das abladen, das richten zu müssen. Aber natürlich 820 01:15:52,960 --> 01:15:57,360 Speaker 1: aufwerten, oder? Also in der Gesellschaft will ich sagen, das ist jetzt ein Zukunftsthema, 821 01:15:58,100 --> 01:16:03,740 Speaker 1: damit diese Gesellschaften frei und möglichst lebendig und lernend eben in einer sehr volatilen 822 01:16:03,900 --> 01:16:08,220 Speaker 1: Zeit die Probleme auch anpacken können, anstatt vor ihnen den Kopf in den Sand zu stecken. 823 01:16:09,360 --> 01:16:13,280 Richtig. Es geht jetzt nicht um die Optimierung des Bildungssystems, sondern wir müssen das 824 01:16:13,900 --> 01:16:15,780 gesamtheitlich komplett neu denken. 825 01:16:17,080 --> 01:16:21,620 Speaker 1: Das ist doch ein wunderbares Stichwort für unseren Podcast hier heute. Vielen lieben Dank. 826 01:16:22,540 --> 01:16:32,660 Speaker 1: Für diesen spannenden Ritt. Und ich denke auch, gerade in Krisenzeiten dürfen wir uns das erlauben, anstatt hier und da noch ein bisschen nachzubressen und sagen, okay, vielleicht ist es auch einfach Zeit für einen größeren Sprung. 827 01:16:33,300 --> 01:16:33,580 Absolut. 828 01:16:41,460 --> 01:16:52,260 Speaker 1: So, vielen herzlichen Dank fürs Zuhören. Neu Denken ist ein Projekt von Mission Wertvoll. Ein Science Society Netzwerk, das sich den Chancen und Wegen in eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat. 829 01:16:52,860 --> 01:16:57,260 Speaker 1: Wie wir dahin kommen, das werden wir nur gemeinsam herausfinden und deshalb freuen wir uns über 830 01:16:57,360 --> 01:16:59,180 Speaker 1: eure Aufmerksamkeit und euer Feedback. 831 01:16:59,820 --> 01:17:04,180 Speaker 1: Besonders dankbar sind wir all denjenigen, die durch einen finanziellen Beitrag unsere 832 01:17:04,260 --> 01:17:05,480 Speaker 1: Arbeit hier möglich machen. 833 01:17:06,120 --> 01:17:10,620 Speaker 1: Wenn auch du Lust hast, neu denken zu fördern und aktiv mitzugestalten, dann schau gerne 834 01:17:10,720 --> 01:17:12,440 Speaker 1: einmal in die Shownotes, wie das geht. 835 01:17:13,360 --> 01:17:14,900 Speaker 1: Hoffentlich bis zum nächsten Mal.