1 00:00:02,040 --> 00:00:06,220 Wenn wir über Freiheit sprechen, dann kommt in westlichen Gesellschaften schnell der Begriff 2 00:00:06,640 --> 00:00:12,240 Individualismus auf. Gerade in Demokratien geht es dabei auch um den Schutz von Minderheiten, 3 00:00:13,120 --> 00:00:17,420 genauso aber auch um die Frage, mit welchen Regeln des Zusammenlebens wir dafür sorgen 4 00:00:17,640 --> 00:00:21,780 können, dass sich Menschen möglichst individuell und frei entfalten können, 5 00:00:22,270 --> 00:00:28,240 um im gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und damit unserem Verständnis von Zivilisation zu 6 00:00:28,260 --> 00:00:33,820 entsprechen. Die Suche nach guten Regeln des Zusammenlebens ist deshalb ein Dauerbrenner in 7 00:00:33,920 --> 00:00:39,480 Demokratien. Manchmal geht es darum, neue Standards für das Miteinander zu schaffen und andere Male 8 00:00:39,700 --> 00:00:43,920 darum, sich von aus der Zeit gefallenen Regeln zu trennen. Und die Herausforderung dabei: 9 00:00:44,820 --> 00:00:50,900 Solche Regelveränderungen werden nie einheitlich befürwortet. Denn dazu sind wir alle zu individuell 10 00:00:51,160 --> 00:00:56,379 verschieden. Es geht also um die Kunst des guten Aushandelns zum einen, aber zum anderen auch um 11 00:00:56,340 --> 00:01:01,600 um die Möglichkeit von Individuen, sich bei einer Nicht-Berücksichtigung der Regeln zu Wort melden zu können, 12 00:01:02,140 --> 00:01:05,580 ihre Rechte auf diskriminierungsfreie Umsetzung einzufordern. 13 00:01:06,580 --> 00:01:13,400 Und in Deutschland gibt es eine Person, die diesen Blick auf individuelle Chancengerechtigkeit ganz offiziell als Amtsträgerin bekleidet. 14 00:01:14,100 --> 00:01:21,140 Ferda Attermann ist die vom Bundestag berufene und dann unabhängig arbeitende Beauftragte für Antidiskriminierungsfragen. 15 00:01:21,800 --> 00:01:26,280 Und heute erzählt sie uns, mit welchen Maßstäben Diskriminierung festgestellt wird und warum 16 00:01:27,479 --> 00:01:31,440 Antidiskriminierungsarbeit in einer Diskussion zu Individualismus nicht fehlen darf. 17 00:01:32,560 --> 00:01:37,480 Mein Name ist Maja Göpel, ihr hört Neudenken, den Podcast von Mission Wertvoll, heute zum 18 00:01:37,640 --> 00:01:39,100 Thema Individualismus. 19 00:01:40,120 --> 00:01:43,780 Wenn ihr Neudenken gerne hört, dann unterstützt das Projekt doch gerne auch finanziell. 20 00:01:44,920 --> 00:01:46,960 Informationen dazu findet ihr in den Shownotes. 21 00:01:55,760 --> 00:01:56,920 Herzlich willkommen, Ferda. 22 00:01:57,760 --> 00:02:00,720 Hallo, ich freue mich sehr, hier zu sein. Vielen Dank für die Einladung. 23 00:02:01,600 --> 00:02:08,539 Du hast ja einen heißen Job. Also gerade haben wir wieder die Studie zur Diskriminierungserfahrung 24 00:02:08,539 --> 00:02:14,700 in Deutschland gehabt. Was machst du als Antidiskriminierungsbeauftragte denn so den 25 00:02:14,560 --> 00:02:19,340 ganzen Tag? Also du guckst dir die Veränderungen der Gesellschaft an und machst darauf aufmerksam. 26 00:02:19,580 --> 00:02:22,900 Mit wem redest du? Wie stellt man sich deinen Tag so vor? 27 00:02:24,840 --> 00:02:29,560 Speaker 2: Also ich muss vielleicht erst mal sagen, ich habe, finde ich, den großartigsten Job der Welt, 28 00:02:29,780 --> 00:02:37,300 Speaker 2: weil der gerade total sich sinnvoll anfühlt und erfüllend ist. Mein Job besteht zum einen Teil 29 00:02:37,580 --> 00:02:42,860 Speaker 2: darin, eine kleine, ich darf es nicht Behörde nennen, weil wir keine eigenständige Behörde sind, 30 00:02:42,880 --> 00:02:46,540 Speaker 2: aber es ist de facto eine klitzekleine Behörde. Ich leite eine kleine Behörde. Das heißt, 31 00:02:46,590 --> 00:02:51,760 Speaker 2: ich habe Verwaltungsaufgaben. Ich spreche mit Menschen, ich zeichne Haushaltsvorlagen und 32 00:02:51,860 --> 00:02:59,780 Speaker 2: Leitungsvorlagen und muss ganz viel lesen und bin in Jou-Fixen mit unseren Referaten und muss 33 00:02:59,960 --> 00:03:04,180 Speaker 2: Entscheidungen treffen, damit die Verantwortung am Ende bei mir liegt für das, was wir tun. Das ist 34 00:03:04,260 --> 00:03:10,880 Speaker 2: noch sehr abstrakt und ich treffe mich sehr viel mit Vertretenden von Vereinen und Organisationen, 35 00:03:10,900 --> 00:03:15,720 Speaker 2: die eben Menschen vertreten, die Diskriminierung erleben. Und die erzählen mir, was sie gerade 36 00:03:16,020 --> 00:03:24,260 Speaker 2: beschäftigt. Das kann angefangen vom Bundesverband Trans, dem Deutschen Frauenrat, dem Juristinnenbund, 37 00:03:24,820 --> 00:03:30,920 Speaker 2: aber auch Organisationen von Menschen mit Behinderungen, Jugendorganisationen und so 38 00:03:31,040 --> 00:03:35,280 Speaker 2: weiter. Also ich habe so ein bisschen den Puls oder ich bin am Puls sozusagen der gesellschaftlichen 39 00:03:35,440 --> 00:03:40,040 Entwicklung und da im Gespräch mit Leuten. Das heißt, du bist quasi so die Stimme innerhalb 40 00:03:40,060 --> 00:03:44,300 innerhalb der Institutionen, aber versuchst möglichst viel in der Gesellschaft zu hören. 41 00:03:44,920 --> 00:03:49,720 Speaker 2: Genau, und das gebe ich dann aber weiter, jetzt kommt der dritte Baustein, das gebe ich dann weiter an PolitikerInnen. 42 00:03:49,880 --> 00:03:55,840 Speaker 2: Also mein Job ist es, viel im Gespräch zu sein mit Bundestagsabgeordneten, aber auch mit StaatssekretärInnen 43 00:03:55,980 --> 00:04:03,100 Speaker 2: oder wenn sie mich anhören und treffen wollen, auch gerne mit MinisterInnen, sowohl im Bund als auch auf Länderebene. 44 00:04:03,600 --> 00:04:06,780 Speaker 2: Ich werbe zum Beispiel für Landes-Antidiskriminierungsgesetze in den Ländern. 45 00:04:06,980 --> 00:04:11,740 Speaker 2: Da haben erst zwei Bundesländer so ein Gesetz. Die anderen sind da blank, muss man sagen. 46 00:04:12,330 --> 00:04:18,019 Speaker 2: Und auf Bundesebene merke ich, dass ich oft erst erklären muss, was Antidiskriminierung überhaupt heißt. 47 00:04:18,320 --> 00:04:20,340 Speaker 2: Und auch da erklären muss, was ist eigentlich mein Job. 48 00:04:22,040 --> 00:04:23,880 Ja, das wollen wir in dieser Folge ja so ein bisschen mal angucken. 49 00:04:24,780 --> 00:04:29,440 Individualismus ist ja so ein hehres Ziel von Demokratien, zu sagen, möglichst viele Freiheiten zu schützen. 50 00:04:30,120 --> 00:04:35,120 Auch für alle Menschen gleiche Chancen einzuräumen, diese Freiheiten leben zu können. 51 00:04:35,860 --> 00:04:39,940 Und dann bist du ja im Grunde genommen so ein bisschen beauftragt, zu zeigen, wo uns das nicht gelingt. 52 00:04:40,640 --> 00:04:52,540 Und trotzdem hat man ja das Gefühl, dass die Verantwortung dafür, dass wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass das wirklich ähnlich verteilt ist, nicht unbedingt immer gesucht wird, oder? 53 00:04:53,080 --> 00:04:57,940 Also du musst schon manchmal klopfen und sagen, Leute, wir sind noch ein bisschen weit entfernt davon, dass wir diese Ziele erreichen. 54 00:04:58,220 --> 00:05:02,060 Oder ist das so, dass man einfach erinnern muss, guck mal, ihr habt da eine blinde Stelle, da sieht man das nicht. 55 00:05:02,200 --> 00:05:03,480 Also wie erfährst du das? 56 00:05:04,320 --> 00:05:12,320 Also ich finde es super interessant, dass du den Begriff Individualismus als Ziel und als Gegenstand der Verhandlungen benennst. 57 00:05:12,410 --> 00:05:20,340 Speaker 2: Weil wenn ich im Alltag unterwegs bin und zum Beispiel mit PolitikerInnen rede, egal welcher Partei, denken viele eigentlich, 58 00:05:20,980 --> 00:05:27,300 Speaker 2: ich sage ihnen jetzt, ob man noch Indianerkostüme tragen darf, also politisch korrekt, ja oder nein, 59 00:05:28,300 --> 00:05:33,500 Speaker 2: ob man noch das und das sagen darf, welche Begriffe und wie wichtig das denn jetzt ist, 60 00:05:33,590 --> 00:05:39,280 Speaker 2: ob sie jetzt gendern müssen und zwar inklusiv, also genderinklusiv sprechen müssen oder nicht. 61 00:05:40,060 --> 00:05:45,120 Speaker 2: Und all das ist ja gar nicht mein Job, sondern genau das, was du gerade auf den Punkt gebracht hast, 62 00:05:45,300 --> 00:05:51,380 Speaker 2: nämlich haben alle Menschen in unserer Gesellschaft, egal wie ihre Ausgangsbedingung ist, 63 00:05:52,080 --> 00:05:54,620 Speaker 2: die gleichen Teilhabemöglichkeiten. Und wie kommen wir da hin? 64 00:05:55,440 --> 00:06:02,020 Speaker 2: Und es gibt ja immer dieses wunderbare Bild, wo man sieht eben Menschen unterschiedlicher Größe und die sollen aber alle irgendwie über die Mauer gucken. 65 00:06:02,190 --> 00:06:09,540 Speaker 2: Und dann braucht der eine halt einen Bierkasten, der nächste braucht eine Leiter und der dritte braucht einen ganzen Baum, auf den er draufklettert. 66 00:06:09,540 --> 00:06:11,860 Speaker 2: Und dann können alle drei rüber gucken oder so oder alle vier. 67 00:06:13,800 --> 00:06:16,820 Speaker 2: Das ist tatsächlich das, was wir machen wollen und müssen. 68 00:06:17,340 --> 00:06:23,920 Speaker 2: Nämlich dafür zu sorgen, dass keine Ausschlüsse stattfinden, die pauschal aufgrund von bestimmten Merkmalen sind. 69 00:06:24,060 --> 00:06:32,020 Speaker 2: Das klingt alles so furchtbar abstrakt, aber de facto heißt es, wenn jemand ungerechtfertigterweise ungleich behandelt wird aufgrund des Alters. 70 00:06:32,800 --> 00:06:41,060 Speaker 2: Es ist völlig okay zu sagen, unter 16 oder 18 verkaufen wir keinen Alkohol im Supermarkt an Jugendliche aufgrund des Jugendschutzes. 71 00:06:41,120 --> 00:06:50,040 Speaker 2: Das ist gerechtfertigt, weil es einen Sachgrund hat. Es gibt aber keinen Grund zu sagen, du bist 35, hast rote Haare, dir habe ich keine Lust. 72 00:06:50,260 --> 00:06:53,660 Speaker 2: Genau, dir verkaufe ich das nicht. Oder du darfst nicht reinkommen. 73 00:06:53,760 --> 00:06:57,140 Speaker 2: Oder wir bedienen keine blauäugigen Menschen oder so in unserem Laden. 74 00:06:58,120 --> 00:06:58,960 Speaker 2: Das alles geht nicht. 75 00:06:59,920 --> 00:07:03,060 Speaker 2: Und sich da nochmal anzugucken, was sind eigentlich die ganz konkreten Fälle? 76 00:07:03,320 --> 00:07:04,020 Speaker 2: Das ist unser Job. 77 00:07:04,220 --> 00:07:08,200 Speaker 2: Also Menschen können sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden 78 00:07:09,320 --> 00:07:12,180 Speaker 2: und ihren Fall schildern, das, was sie erlebt haben, 79 00:07:12,260 --> 00:07:15,220 Speaker 2: das, was sie als Diskriminierung gefühlt oder wahrgenommen haben 80 00:07:15,920 --> 00:07:18,360 Speaker 2: und fragen, ob ihnen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, 81 00:07:18,620 --> 00:07:20,540 Speaker 2: das deutsche Antidiskriminierungsrecht hilft. 82 00:07:21,020 --> 00:07:23,040 Und das gucken wir uns jetzt mal in Ruhe an. 83 00:07:23,350 --> 00:07:28,980 Also auch mit Referenz auf den Bericht dazu: Gelingt uns das und gelingt uns das nicht? 84 00:07:29,060 --> 00:07:30,120 Ich fand das sehr interessant. 85 00:07:30,270 --> 00:07:33,680 Ihr habt da mit dem sozial-ökonomischen Panel zusammengearbeitet. 86 00:07:34,200 --> 00:07:37,140 Jetzt muss ich ganz kurz ausbrechen und meinen Hut aussetzen. 87 00:07:37,320 --> 00:07:39,640 Ich habe ja viel zu Wohlstand und Lebensqualität auch geforscht. 88 00:07:39,640 --> 00:07:45,340 Und das sozial-ökonomische Panel ist so eine deutsche Superfundstelle, weil wir da über 89 00:07:45,340 --> 00:07:51,620 wirklich seit 1984 komplette Zeitreihen haben, wo in 20.000 Haushalten 30.000 Menschen immer 90 00:07:51,820 --> 00:07:56,560 wieder befragt werden und tatsächlich zu ihren Lebensverhältnissen, also von Arbeit, Gesundheit, 91 00:07:56,820 --> 00:08:01,680 Wohnraum, Einkommen, sodass wir da viel differenziertere Informationen darüber haben, wie das Leben 92 00:08:01,740 --> 00:08:06,020 in Deutschland sich für die Menschen anfühlt. Und das ist auch noch repräsentativ. Also kurz ein 93 00:08:06,140 --> 00:08:10,820 Werbeblock für diese Datensätze. Da kann man wirklich toll mit zusammenarbeiten. Da werden wir 94 00:08:10,820 --> 00:08:15,080 auch international beneidet von all denjenigen, die Wohlstands- und Lebensqualitätsforschung machen. 95 00:08:15,900 --> 00:08:21,360 Und da hat deine Regierung, bevor du die besetzt hast, ja gesagt: "Lasst uns doch mal die 96 00:08:22,220 --> 00:08:25,260 Diskriminierungserfahrung mit abbilden." Das heißt, es ist ja jetzt schon, ich glaube, 97 00:08:26,000 --> 00:08:30,300 die zweite Erhebung gewesen. Das heißt, man hat auch schon Veränderungen sehen können. Und es 98 00:08:30,300 --> 00:08:34,159 gibt da diese unterschiedlichen Bemühungen zu sagen: Welches sind typische Kategorien, 99 00:08:34,919 --> 00:08:39,400 entlang derer Diskriminierung stattfindet? Kannst du uns die einmal nennen? Also, 100 00:08:39,440 --> 00:08:41,800 Also ich glaube, die schnellen Alter hattest du gerade schon. 101 00:08:42,580 --> 00:08:44,780 Männer, Frauen, Migration nicht. 102 00:08:45,130 --> 00:08:50,240 Aber das ist ja die Suche danach, wo sind die typischen Nicht-Gleichheits-Stellschrauben? 103 00:08:50,320 --> 00:08:51,140 Das ist ja schon wichtig. 104 00:08:52,360 --> 00:08:53,660 Welche müssten wir da im Kopf haben? 105 00:08:53,980 --> 00:08:57,360 Speaker 2: Darf ich kurz auch noch zum sozioökonomischen Panel noch was sagen? 106 00:08:57,390 --> 00:09:03,460 Speaker 2: Und zwar finde ich, ich wünschte, du wärst bei der Pressekonferenz dabei gewesen, weil 107 00:09:04,120 --> 00:09:09,400 Speaker 2: es tatsächlich gar nicht so leicht war zu transportieren, warum das so krass ist, dass 108 00:09:09,400 --> 00:09:15,180 Speaker 2: mal diese Art von breiten, repräsentativen Daten zur Diskriminierung haben. Tatsächlich, 109 00:09:15,700 --> 00:09:21,020 Speaker 2: seit 1984 hast du gesagt, wird das gemacht, waren Fragen zur Diskriminierung gar nicht drin. Und 110 00:09:21,020 --> 00:09:25,780 Speaker 2: das zeigt aber auch, wo wir in Deutschland stehen bei dem Thema. Also wir sehen das nicht als 111 00:09:27,680 --> 00:09:31,960 Speaker 2: alltagsrelevant oder haben das bisher nicht so gesehen. Es wurde nicht grundsätzlich abgefragt, 112 00:09:32,180 --> 00:09:38,840 Speaker 2: für ein gutes Leben, wie gut ist eigentlich deine Teilhabemöglichkeit. Und Deutschland wurde immer 113 00:09:38,860 --> 00:09:42,720 Speaker 2: wieder unter anderem von der Europäischen Kommission, aber auch von internationalen 114 00:09:42,840 --> 00:09:48,080 Speaker 2: Gremien dafür gerügt, dass es keine Equality-Data hat, also keine Gleichstellungs- oder 115 00:09:50,380 --> 00:09:56,200 Speaker 2: Gleichbehandlungsdaten. Und wir haben die so punktuell. Also es gibt mal eine Rassismus-Studie, 116 00:09:56,240 --> 00:10:01,380 Speaker 2: mal eine Antisemitismus-Studie, vielleicht gibt es auch mal eine repräsentative Studie zu Frauen 117 00:10:01,380 --> 00:10:04,080 Speaker 2: und Diskriminierung. Aber so in der Breite wirklich noch mal zu gucken, was erlebt ihr eigentlich und 118 00:10:04,100 --> 00:10:07,860 Speaker 2: in welchen Lebensbereichen und so weiter. Das wurde so noch nie gemacht. 119 00:10:08,460 --> 00:10:14,380 Speaker 2: Und wir hatten das zweimal getestet. Meine Kolleginnen aus dem Forschungsreferat sind da sehr drangeblieben, 120 00:10:14,440 --> 00:10:19,500 Speaker 2: haben gesagt, okay, jetzt haben wir diesen Auftrag, wir reden mit dem sozioökonomischen Panel, SÖB. 121 00:10:20,200 --> 00:10:25,200 Speaker 2: Und die Kollegen haben mitgemacht und zweimal getestet. Und jetzt war das erste Mal, 122 00:10:25,340 --> 00:10:29,220 Speaker 2: dass wir wirklich einen richtigen, also nicht Testlauf, sondern richtige Daten hatten. 123 00:10:29,400 --> 00:10:33,560 Speaker 2: Deswegen dürfen wir das eigentlich seriös nicht vergleichen mit den Testdaten. 124 00:10:34,540 --> 00:10:40,580 Speaker 2: Das heißt auch andererseits, wir haben jetzt noch keine Entwicklung, die ich schildern kann. 125 00:10:41,160 --> 00:10:44,900 Speaker 2: Was ich aber sagen kann, ist: Wir haben zum ersten Mal wirklich Schwarz auf Weiß. 126 00:10:45,660 --> 00:10:49,920 Speaker 2: Diskriminierungen sind keine Einzelfälle. Das ist leider etwas, wie es oft gesehen wird. 127 00:10:50,240 --> 00:10:53,860 Speaker 2: Ja, da hat mal jemand vielleicht mit böser Absicht etwas Gemeines gemacht, 128 00:10:54,400 --> 00:10:56,360 Speaker 2: aber das ist ja kein strukturelles Problem. 129 00:10:57,040 --> 00:11:02,980 Speaker 2: Und strukturell heißt gar nicht nur, dass das jetzt in den Institutionen und in den Gesetzen und Regeln drin ist, 130 00:11:03,020 --> 00:11:06,680 Speaker 2: sondern strukturell würde heißen, passiert immer wieder, relativ oft. 131 00:11:07,800 --> 00:11:13,000 Speaker 2: Und jetzt haben wir das eben schwarz auf weiß, dass doch, weil binnen eines Jahres, 132 00:11:13,210 --> 00:11:16,740 Speaker 2: also in den letzten zwölf Monaten war die Frage, haben sie Diskriminierung erlebt? 133 00:11:17,040 --> 00:11:21,840 Speaker 2: Und da sagten 13 Prozent ja. Das ist für diesen kurzen Zeitraum richtig viel. 134 00:11:22,620 --> 00:11:25,640 Speaker 2: Und Menschen tun sich auch schwer zu sagen, ich wurde diskriminiert. 135 00:11:25,710 --> 00:11:28,300 Speaker 2: Der Begriff ist also krass belegt in Deutschland. 136 00:11:30,100 --> 00:11:32,760 Speaker 2: Und dann sind sie reingegangen und haben gefragt, ja wo denn? 137 00:11:32,840 --> 00:11:37,080 Speaker 2: und welche Form von Diskriminierung, also aufgrund welches Merkmals und wo. 138 00:11:38,040 --> 00:11:45,660 Speaker 2: Und ich finde es sehr interessant zu sehen, wir haben leider sehr hohe Ausschläge beim Thema Rassismus. 139 00:11:46,000 --> 00:11:50,500 Speaker 2: Also über 40 Prozent der Diskriminierungserfahrungen betrafen Rassismus. 140 00:11:51,780 --> 00:11:55,360 Speaker 2: Da haben Menschen auch so etwas gesagt wie aufgrund des Aussehens zum Beispiel 141 00:11:55,800 --> 00:11:59,740 Speaker 2: oder aufgrund ihrer Sprache oder Staatsangehörigkeit, das fällt dann da auch rein. 142 00:12:00,720 --> 00:12:05,300 Speaker 2: Und dann gibt es ziemlich hohe Ausschläge beim Thema Geschlecht. 143 00:12:05,350 --> 00:12:11,300 Speaker 2: Also das sind dann meistens tatsächlich Frauen, die Diskriminierung zum Beispiel im Arbeitsmarkt erleben. 144 00:12:11,880 --> 00:12:17,680 Speaker 2: Das sind aber auch nicht-binäre Menschen, Trans-Personen, sozusagen die diversgeschlechtlichen Menschen. 145 00:12:18,960 --> 00:12:23,180 Speaker 2: Vielleicht waren da auch einige Männer drunter, die die Fälle hatten oder das Gefühl hatten, 146 00:12:23,380 --> 00:12:26,360 Speaker 2: aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert worden zu sein, aber das waren nicht viele. 147 00:12:28,300 --> 00:12:42,140 Speaker 2: Genau. Und dann haben wir Menschen mit Behinderung. Ich glaube, bei der Gruppe verstehen am meisten die Leute noch, ja klar, die haben es ja auch schwer. Also man kommt nicht überall rein, wenn man eine Mobilitätshilfe, also einen Rollstuhl hat. 148 00:12:43,130 --> 00:12:55,180 Speaker 2: Man kann online oft keine, das finde ich total krass, was heißt das im Alltag? Man kann zum Beispiel in den meisten Kinos keine Sitzplätze online buchen für die Kinovorstellung, für die Filmvorstellung, die barrierefrei sind. 149 00:12:55,460 --> 00:12:59,000 Speaker 2: Die sind einfach nicht eingezeichnet. Und man soll sich aber festlegen auf einem Platz. 150 00:12:59,740 --> 00:13:04,300 Speaker 2: Und dann weiß man nicht, ob es dann dort vor Ort überhaupt einen Platz gibt, in dem man sich hinstellen kann. 151 00:13:04,460 --> 00:13:10,820 Speaker 2: Und das wird dann nicht angepasst online, weil man sagt, das ist zu aufwendig oder das kriegen wir nicht hin oder kein Interesse. 152 00:13:11,180 --> 00:13:16,360 Speaker 2: Und dann haben wir aber, Barrierefreiheit wird ja oft reflexhaft auch mit dem Thema Rollstuhl verknüpft. 153 00:13:16,920 --> 00:13:20,780 Speaker 2: Aber eigentlich geht es ja auch darum, ist diese Online-Seite überhaupt barrierefrei? 154 00:13:22,120 --> 00:13:23,700 Speaker 2: Kann man es auch anders machen? 155 00:13:23,840 --> 00:13:27,620 Speaker 2: Also wenn man zum Beispiel nicht sieht, könnte man auch anrufen oder vor Ort Tickets kaufen. 156 00:13:28,040 --> 00:13:31,520 Speaker 2: Oder umgekehrt gibt es eine Vorlesesoftware und so weiter. 157 00:13:31,560 --> 00:13:32,720 Speaker 2: Also es gibt ja so viele Sachen. 158 00:13:33,060 --> 00:13:38,920 Speaker 2: Und eben auch, wenn ich nicht mehr gut gehen kann, aber noch keinen Rollstuhl habe, komme ich dann die Treppe hoch. 159 00:13:39,700 --> 00:13:44,020 Speaker 2: Ganz viele Aspekte, die auch viele Menschen, die gar keine Behinderung haben, 160 00:13:44,180 --> 00:13:49,280 sondern einfach nicht mehr gut gehen, nicht mehr gut sehen, nicht mehr gut hören, für die ja auch relevant sind. 161 00:13:49,360 --> 00:13:54,400 Ja, auch die Streifen an der Seite, die weißen Ribbelstreifen, dass ich spüren kann, wo ist der Gehsteig zu Ende. 162 00:13:55,720 --> 00:13:58,260 Ich finde das wichtig, dass du gesagt hast, es kam immer aus der EU. 163 00:13:58,460 --> 00:14:02,460 Es gab da ja auch so Wellen von dem, was müsste da aufgenommen werden. 164 00:14:02,780 --> 00:14:10,080 Also die Richtlinien, heißt das dann so schön, wo dann die Nationalstaaten aufgefordert sind, das in ihre Gesetze jeweils zu übertragen, 165 00:14:10,360 --> 00:14:17,400 sodass wir EU-weit ähnliche Grundbedingungen versuchen auch zu schaffen und auch die Ziele gemeinsam zu verfolgen. 166 00:14:18,060 --> 00:14:21,540 Und die ersten Richtlinien waren schon 2000 mit dem Antirassismus. 167 00:14:22,839 --> 00:14:25,540 Dann Rahmenrichtlinie Beschäftigung, Genderrichtlinie, 168 00:14:25,930 --> 00:14:27,900 zur Gleichstellung der Geschlechter, die gab es schon. 169 00:14:28,060 --> 00:14:31,300 Und später nachgekommen ist dann für Fürsorgende Erwerbstätige. 170 00:14:32,000 --> 00:14:35,080 Also wirklich auch klar zu machen, wenn ich zu Hause kleine Kinder 171 00:14:35,270 --> 00:14:38,880 oder ältere Menschen versorge, dann habe ich nicht mehr das gleiche Zeitkontingent, 172 00:14:38,890 --> 00:14:42,200 um auch noch im Arbeitsmarkt mich einzubringen. 173 00:14:42,560 --> 00:14:47,900 Da ist ja auch die Geschlechterverteilung immer noch rasant zugunsten der Frauen. 174 00:14:48,000 --> 00:14:52,320 sie dieser wirklich wichtigen Kehrarbeit nachgehen, aber natürlich zu Lasten der Frauen, wenn es um 175 00:14:52,480 --> 00:14:59,780 Einkommen und Reputation geht. Insgesamt geht es natürlich auch darum, zu sagen, da müssen Väter 176 00:14:59,840 --> 00:15:04,100 freigestellt werden können. Das ist ja auch so wichtig, dass wir wieder denkend an den Individualismus 177 00:15:04,160 --> 00:15:09,560 sagen, es muss für alle gleich leicht sein, diese Entscheidung zu treffen. Auch da der Druck, ich 178 00:15:09,560 --> 00:15:15,720 habe das viel von befreundeten Paaren mitbekommen, als bei uns diese Kleinkinderphasen waren, da war 179 00:15:15,720 --> 00:15:19,600 den männern gegenüber die ansage viel krasser also wenn du meinst du musst die elternzeit machen dann 180 00:15:19,740 --> 00:15:23,520 kannst du das mit dem chef hat es aber vergessen also deswegen das scheint mir auch so wichtig 181 00:15:23,680 --> 00:15:30,920 wirklich klar zu machen leute es geht nicht darum rollen zu ändern in einem system was in sich noch 182 00:15:31,040 --> 00:15:35,260 nicht gleiche chancen einräumen sondern es geht darum tatsächlich die strukturen so anzupassen 183 00:15:35,540 --> 00:15:42,540 dass das system für alle diesen platz möglich macht und ich finde das spannend weil ihr du redest ja 184 00:15:42,480 --> 00:15:46,300 auch darüber, dass wir nachbessern müssten in diesem Gleichstellungsgesetz. 185 00:15:46,900 --> 00:15:48,280 Welche Punkte fehlen dir da noch? 186 00:15:50,580 --> 00:15:55,540 Speaker 2: Tatsächlich erst mal die Vereinbarkeitsrichtlinie, so heißt sie, die ist relativ neu und die 187 00:15:55,760 --> 00:15:59,760 Speaker 2: vergesse ich immer, weil das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, also das deutsche 188 00:16:01,560 --> 00:16:03,620 Speaker 2: Antidiskriminierungsrecht fußt auf vier EU-Richtlinien. 189 00:16:03,620 --> 00:16:05,900 Speaker 2: Du hast sie, glaube ich, alle genannt oder die meisten. 190 00:16:06,740 --> 00:16:11,859 Speaker 2: Und dann wurde vor, also erst seit ich, ich bin seit dreieinhalb Jahren im Amt, ich glaube 191 00:16:11,880 --> 00:16:15,040 Speaker 2: In meinem ersten Jahr wurde die Vereinbarkeitsrichtlinie umgesetzt in Deutschland. 192 00:16:15,340 --> 00:16:19,640 Speaker 2: Und die sagt eben genau das: Männer und Frauen sollen beim Erwerbstätigsein 193 00:16:22,040 --> 00:16:24,600 Speaker 2: Familie gut und diskriminierungsfrei integrieren können. 194 00:16:25,480 --> 00:16:29,680 Speaker 2: Fun Fact im Rande: Das läuft dann so ab, dass man sich einfach anguckt. 195 00:16:30,340 --> 00:16:34,040 Speaker 2: Das finde ich super interessant, wie europäische Gesetze und Vorgaben umgesetzt werden. 196 00:16:34,440 --> 00:16:37,280 Speaker 2: Man hat sich einfach angeguckt: Wir haben in den, den, den und den Gesetzen. 197 00:16:37,540 --> 00:16:39,940 Speaker 2: Da steht schon einiges drin. Das müssen wir alles nicht mehr machen. 198 00:16:40,800 --> 00:16:44,500 Speaker 2: Und dann hat man im AGG, glaube ich, zwei Wörter oder so noch ergänzt. 199 00:16:44,550 --> 00:16:48,500 Speaker 2: Und wir haben eine Stelle oder zwei bekommen, wobei ich glaube, es war eine. 200 00:16:50,900 --> 00:16:53,560 Speaker 2: Und wenn man sich aber anguckt, wie groß ist das Vereinbarkeitsthema? 201 00:16:53,650 --> 00:16:59,800 Speaker 2: Also wie viele Menschen in Deutschland haben Kinder, um die sie sich kümmern müssen und Familie, die sie integrieren müssen? 202 00:17:00,070 --> 00:17:02,579 Speaker 2: Oder andersrum, die Arbeit integrieren in ihren Lebensalltag? 203 00:17:03,460 --> 00:17:05,000 Speaker 2: Und ich glaube, es fühlt sich eben oft andersrum an. 204 00:17:05,250 --> 00:17:07,160 Speaker 2: Man hat den Arbeitsalltag, man integriert sozusagen. 205 00:17:07,959 --> 00:17:09,760 Speaker 2: Der Rest muss da irgendwie zwischengequetscht werden. 206 00:17:09,839 --> 00:17:15,300 Speaker 2: Haushalte und Familie und Kinderbetreuung und abholen und was da alles mit zu tun hat, da rein. 207 00:17:15,680 --> 00:17:22,720 Speaker 2: Und du hast recht, das ist ein Aspekt, wo wir auch merken, dass Männer noch stärker betroffen sind als Frauen. 208 00:17:22,920 --> 00:17:31,880 Speaker 2: Also wenn ein Mann sagt, ich mache Elternzeit, dann gibt es Branchen, in denen Diskriminierung eingepreist ist, 209 00:17:32,060 --> 00:17:38,960 Speaker 2: also in denen wirklich die Person dann teilweise gemobbt wird und irgendwie als, ich benutze zwar nicht so abfällige Worte, 210 00:17:39,140 --> 00:17:45,180 Speaker 2: aber wo man dann auch so ein bisschen als Lusche oder Warmduscher, sage ich jetzt mal etwas vorsichtig, bezeichnet wird. 211 00:17:45,450 --> 00:17:48,220 Speaker 2: Und wo auch keine Rücksicht drauf genommen wird, vor allem. 212 00:17:49,440 --> 00:17:51,160 Speaker 2: Und die dann Nachteile haben. 213 00:17:51,230 --> 00:17:53,460 Speaker 2: Also es wirkt dann als Entscheidung gegen eine Karriere. 214 00:17:53,810 --> 00:17:54,740 Speaker 2: Das erleben Frauen auch. 215 00:17:55,260 --> 00:18:00,160 Speaker 2: Sobald Kinder im Spiel sind, sobald sie schwanger werden, haben sie sich ja offensichtlich gegen Karriere entschieden. 216 00:18:01,320 --> 00:18:02,900 Speaker 2: Und das erleben dann Männer auch so. 217 00:18:04,000 --> 00:18:08,680 Speaker 2: Interessant ist, dass Männer, wenn sie das hören, dann manchmal noch besser verstehen, was Diskriminierung ist. 218 00:18:08,960 --> 00:18:12,360 Speaker 2: Also eigene Betroffenheit macht tatsächlich was mit Menschen bei dem Thema. 219 00:18:14,740 --> 00:18:19,360 Speaker 2: Und jetzt habe ich, während ich dir zugehört habe, die ganze Zeit gedacht: Stimmt, wenn 220 00:18:19,400 --> 00:18:24,240 Speaker 2: wir von Individualismus sprechen, also eigentlich ist ja damit gemeint, die freie Entfaltung 221 00:18:24,300 --> 00:18:31,580 Speaker 2: der Persönlichkeit, dann denke ich tatsächlich eher an so Themen wie Gender und gar nicht 222 00:18:31,580 --> 00:18:38,340 Speaker 2: so sehr an, wie kriege ich meinen Alltag, meinen ganz normalen Alltag durchdekliniert, der 223 00:18:38,240 --> 00:18:40,060 Speaker 2: der möglichst diskriminierungsarm gestaltet ist. 224 00:18:42,110 --> 00:18:43,660 Speaker 2: Und ich meine, warum sage ich Gender? 225 00:18:43,830 --> 00:18:50,160 Speaker 2: Weil ich zum Beispiel beobachte, dass gerade unter jungen Leuten das Thema binäres Geschlechtermodell, 226 00:18:50,190 --> 00:18:55,100 Speaker 2: also bist du Mann oder Frau, bist du Junge oder Mädchen, das wird ja ziemlich revolutionär 227 00:18:55,150 --> 00:18:56,720 Speaker 2: gerade auf den Kopf gestellt von vielen. 228 00:18:57,470 --> 00:19:04,100 Speaker 2: Das mag vielleicht ein urbanes Thema sein, das kann sein, aber tatsächlich kenne ich 229 00:19:04,000 --> 00:19:10,020 Speaker 2: auch Leute, die eher so im ländlichen Raum auf die Schule gehen und die auch sagen, 230 00:19:10,410 --> 00:19:16,300 Speaker 2: also ich finde mich da in diesem Modell nicht wieder. Also es gibt ja alles Mögliche. 231 00:19:16,460 --> 00:19:21,920 Speaker 2: Ich lerne die Begriffe auch noch. Genderfluid, mal so, mal so. Oder dass man eben auch, 232 00:19:22,020 --> 00:19:25,700 Speaker 2: was die Sexualität angeht, erst mal testet. Also woher weiß ich denn vorher schon, 233 00:19:25,860 --> 00:19:28,980 Speaker 2: dass ich heterosexuell bin, wenn ich noch nicht alles ausprobiert habe? 234 00:19:30,620 --> 00:19:34,620 Speaker 2: Also ganz viele junge Menschen sagen, sie sind Bi und nicht Cis. 235 00:19:35,700 --> 00:19:38,560 Speaker 2: Diese neuen Vokabeln, die fordern viele heraus. 236 00:19:39,440 --> 00:19:41,420 Speaker 2: Und für mich ist das so ein bisschen interessant, 237 00:19:41,640 --> 00:19:44,900 Speaker 2: dass dieses Thema nicht als Individualitätsthema gesehen wird. 238 00:19:44,960 --> 00:19:47,260 Speaker 2: Weil da kommen ja junge Menschen und sagen, 239 00:19:47,340 --> 00:19:50,560 Speaker 2: passt auf, das, was ihr mir hier vorgebt, an Möglichkeiten kreuze an. 240 00:19:50,560 --> 00:19:51,020 Speaker 2: Das sind zu eng. 241 00:19:51,100 --> 00:19:51,960 Speaker 2: A oder B, genau. 242 00:19:52,160 --> 00:19:55,540 Speaker 2: Ich nehme C, aber C möchte ich selber ausfüllen, was da drin steht. 243 00:19:56,900 --> 00:19:58,340 Speaker 2: Finde ich total spannend. 244 00:19:58,420 --> 00:20:02,160 Speaker 2: Und das ist ja auch das, was gerade so in Kulturkämpfen total verhandelt wird. 245 00:20:02,340 --> 00:20:07,560 Ja, also vielleicht sage ich nochmal die typischen, also die Kategorien, die unterschieden wurden, 246 00:20:08,300 --> 00:20:10,300 also die wir schon abgedeckt haben mit dem Gesetz. 247 00:20:10,520 --> 00:20:14,360 Aktuell ist diese ethnische Herkunft und dann rassistische Gründe, 248 00:20:15,070 --> 00:20:19,800 dann eben Geschlecht oder Geschlechteridentität, Religion oder Weltanschauung, 249 00:20:21,340 --> 00:20:22,340 dann eben Lebensalter. 250 00:20:24,640 --> 00:20:28,220 Mal kann es berechtigt sein, aber natürlich fragen wir uns im Moment auch so, 251 00:20:28,320 --> 00:20:32,940 wäre es noch leistungsfähig in diesem KI-Zeitalter, aber Behinderung oder chronische Krankheit 252 00:20:33,300 --> 00:20:34,560 und sexuelle Orientierung. 253 00:20:35,380 --> 00:20:41,140 Und dann erfahren viele, das fand ich auch wirklich relevant, vor allem im Alltag des Aussehens 254 00:20:42,120 --> 00:20:46,320 Diskriminierung, 26 Prozent von den 13, die gesagt haben, sie haben diese Erfahrung gemacht, 255 00:20:47,040 --> 00:20:50,800 aber eben auch sozioökonomischer Status, auch 20 Prozent. 256 00:20:50,920 --> 00:20:58,020 Und das sind ja alles so Momente, die zusammengespielt dafür sorgen, bekomme ich Zugang zu Wohnraum, 257 00:20:58,280 --> 00:21:02,400 zu einem Job, zu damit eben auch Grundversorgungsmöglichkeiten, zu Freiheit. 258 00:21:02,850 --> 00:21:07,000 Weil das sind ja eigentlich die Daseinsvorsorge, Grundlagen, die ich brauche, 259 00:21:07,050 --> 00:21:11,320 um mich dann in einer Gesellschaft auch einbringen zu können und teilhaben zu können. 260 00:21:11,750 --> 00:21:15,700 Und deshalb ist mir das so wichtig, dass da immer wieder klargemacht wird, 261 00:21:15,810 --> 00:21:20,000 sich da zu bemühen, dass diese Chancengerechtigkeit erhalten wird. 262 00:21:20,400 --> 00:21:23,380 Muss ja der Anspruch sein von einer liberalen Gesellschaft, 263 00:21:23,860 --> 00:21:26,620 vor allem wenn sie sagt, Individualismus ist uns wichtig. 264 00:21:27,620 --> 00:21:31,840 Und deshalb fand ich das so spannend, auch Beobachtungen zu machen. 265 00:21:31,860 --> 00:21:35,020 Also in Berlin ist es ja ganz viel, dieses, wem gebe ich überhaupt noch meinen Wohnraum? 266 00:21:35,660 --> 00:21:37,120 Die müssen alle feste Verträge haben. 267 00:21:38,120 --> 00:21:41,300 Ich damals hatte sogar eine Freistellung von einem Arbeitgeber, 268 00:21:41,400 --> 00:21:45,380 dann sollte der nochmal bestätigen, dass ich wirklich in den Job zurückkommen kann, 269 00:21:45,520 --> 00:21:47,320 damit ich überhaupt kreditwürdig sei. 270 00:21:48,220 --> 00:21:49,960 Und irgendwann sollte meine Mutter noch bürgen. 271 00:21:49,960 --> 00:21:54,560 Und ich habe gesagt, Leute, habt ihr eine Meise? Ich bin irgendwie jetzt 34, 35 Jahre alt. 272 00:21:55,520 --> 00:22:00,800 Nein, mein Individualismus, mein Stolz sagt mir, dann suche ich mir eine andere Bank. 273 00:22:01,240 --> 00:22:08,080 Also das ging in dem Fall zum Glück, aber das sind ja so Erfahrungen, wo man sich wirklich auch rasant in Frage gestellt fühlt. 274 00:22:08,120 --> 00:22:19,700 Und dann ist da vielleicht eine Sicherheitsorientierung, die aber eigentlich genau dieser gleichen Entfaltungsmöglichkeit für unterschiedliche Lebensentwürfe komplett entgegensteht. 275 00:22:20,540 --> 00:22:27,880 Speaker 2: Ich muss mich einmal kurz entschuldigen. Ich habe selten so freie Formate, wo man die Option hat zu mehr anderen. 276 00:22:28,030 --> 00:22:34,000 Speaker 2: Mehr anderen ist mein Lieblingswort, weil ich so glücklich war, irgendwann mal zu verstehen, was ich manchmal mache, was mein Gehirn macht. 277 00:22:34,660 --> 00:22:41,880 Speaker 2: Du hast mich ja vorhin gefragt, sind diese Merkmale, die im allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geschützt sind, reichen die aus? 278 00:22:42,090 --> 00:22:46,540 Speaker 2: Oder hast du nicht Forderungen oder habt ihr nicht Forderungen, die das noch ausweiten? 279 00:22:46,680 --> 00:22:50,200 Speaker 2: Und dann habe ich angefangen, über Genderfluid und so weiter zu sprechen. 280 00:22:50,260 --> 00:22:53,520 Speaker 2: Das ist das, was das Gehirn manchmal macht, wenn es sich mal frei bewegen darf. 281 00:22:53,600 --> 00:22:54,380 Speaker 2: Das ist total schön. 282 00:22:55,640 --> 00:22:57,740 Speaker 2: Wir sind in der Staffel zur Freiheit. Hier ist alles drin. 283 00:22:58,000 --> 00:23:01,320 Speaker 2: Ich muss trotzdem noch einmal antworten, glaube ich, auf deine Frage. 284 00:23:04,000 --> 00:23:05,260 Speaker 2: Du hast sie genannt. 285 00:23:05,280 --> 00:23:09,420 Speaker 2: Es gibt im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das ja definiert, 286 00:23:09,620 --> 00:23:12,200 Speaker 2: was in Deutschland rechtlich eine Diskriminierung ist. 287 00:23:12,660 --> 00:23:18,040 Speaker 2: Da ist genannt, aufgrund von welchen Gründen man nicht diskriminiert werden darf. 288 00:23:18,520 --> 00:23:28,920 Speaker 2: So, ich darf nicht wegen des Alters diskriminiert werden, aber ich darf wegen der Fürsorgeverantwortung für ein Kind oder weil ich Angehörige pflegen muss, diskriminiert werden. 289 00:23:29,980 --> 00:23:32,580 Speaker 2: Das ist sozusagen keine dieser Kategorien, die geschützt ist. 290 00:23:32,740 --> 00:23:36,940 Speaker 2: Aber wir wissen, dass viele Menschen in Deutschland, wenn sie ihren Alltag bestreiten, eben genau das machen müssen. 291 00:23:36,940 --> 00:23:45,100 Speaker 2: Die müssen sagen, sorry, um drei muss ich mein Kind abholen oder meine Mutter kann das jetzt nicht mehr alleine machen, die braucht jetzt meine Unterstützung und ich muss mit der zum Arzt. 292 00:23:45,400 --> 00:24:10,520 Speaker 2: Um elf. Das ist ein bisschen blöd, aber dann komme ich irgendwie um zwölf oder um eins ins Büro rein. Wenn Leute so etwas sagen, erleben sie deswegen Benachteiligung am Arbeitsplatz. Und zwar zuhauf. Wir haben eine Umfrage gemacht, eine Studie, die das gezeigt hat. Fürsorge, Verantwortung, familiäre, führt in Deutschland dazu und wahrscheinlich überall, dass Diskriminierung stattfindet. Also warum nicht davor schützen? Warum nicht das verbieten? 293 00:24:12,660 --> 00:24:19,840 Speaker 2: Und wir schlagen das vor, wenn das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz reformiert wird, dann sollte das Merkmal Fürsorgeverantwortung mit reingenommen werden. 294 00:24:20,360 --> 00:24:26,080 Speaker 2: Nicht nur wegen Kindern, die man betreut, sondern eben auch, weil man zum Beispiel Angehörige pflegen muss oder betreuen muss. 295 00:24:26,080 --> 00:24:29,640 Speaker 2: Und das passiert ja auch gerade. Wir haben ja einen Pflegenotstand in Deutschland. 296 00:24:29,900 --> 00:24:32,700 Speaker 2: 90 Prozent der Menschen werden ja zu Hause erstmal versorgt. 297 00:24:32,810 --> 00:24:41,640 Speaker 2: Genau. Und dann haben wir noch zum Beispiel den Vorschlag, sozialer Status auch als Schutzkategorie aufzunehmen ins AGG. 298 00:24:42,240 --> 00:24:46,960 Speaker 2: Weil wir wissen seit vielen, vielen Jahren, seit 20 Jahren gibt es das Gesetz, dass Menschen 299 00:24:47,440 --> 00:24:49,040 Speaker 2: wirklich benachteiligt werden. 300 00:24:49,240 --> 00:24:54,200 Speaker 2: Also benachteiligt heißt, ihnen wird etwas verweigert aufgrund dieses sozialen Status. 301 00:24:54,920 --> 00:25:00,260 Speaker 2: Das kann sein bei Sozialleistungsbezug, kann man das sehr gut nachvollziehen oder sehr plastisch 302 00:25:00,420 --> 00:25:00,480 Speaker 2: machen. 303 00:25:01,180 --> 00:25:04,780 Speaker 2: Es gibt Leute, die sich um Wohnungen bewerben, so wie du es auch versucht hast, und die eben 304 00:25:04,940 --> 00:25:08,840 Speaker 2: nicht nur sagen können, ich will nicht, dass meine Mutter für mich bürgen muss und mein 305 00:25:08,860 --> 00:25:13,160 Speaker 2: Arbeitgeber mir das aufschreibt und die sagen: "Ich beziehe Sozialleistungen, aber ich habe hier ein 306 00:25:13,220 --> 00:25:18,780 Speaker 2: Schreiben vom Amt." Und kriegen dann die Antwort: "Sorry, pardon, ich sage es: Sozialschmarotzer wie 307 00:25:18,890 --> 00:25:24,060 Speaker 2: euch wollen wir hier im Haus nicht haben." Das darf ein Vermieter oder ein Makler einer Person 308 00:25:24,440 --> 00:25:30,840 Speaker 2: schreiben. Ernsthaft? Das ist völlig in Ordnung. Also ich wüsste nicht, wo es verboten sein sollte. 309 00:25:31,210 --> 00:25:36,660 Speaker 2: Das wird rechtlich nicht. Sozialer Status ist kein geschütztes Merkmal. Man dürfte aber nicht sagen: 310 00:25:36,680 --> 00:25:44,580 Speaker 2: Ich will keine Ausländer bei mir wohnen haben. Ich will keine Schimpfwort, Schimpfwort, Frauen zum Beispiel. 311 00:25:44,870 --> 00:25:47,880 Speaker 2: Genau, sowas nicht. Aber eben in dem Fall schon. 312 00:25:48,530 --> 00:25:57,120 Speaker 2: Mir wird dann gerne mal gesagt, jetzt lass mal die Kirche im Dorf. Wir haben das AGG, da stehen diese sechs Gründe drin aus europarechtlichen Vorgaben. 313 00:25:58,200 --> 00:26:05,340 Speaker 2: Und das ist jetzt dann auch mal genug. Also da braucht man jetzt nicht noch frei spinnen, welche Merkmale man da noch reinschreiben könnte. 314 00:26:05,980 --> 00:26:10,000 Speaker 2: Und dann hilft immer sehr gut, finde ich, ins Ausland zu gucken, wie machen denn andere Länder das. 315 00:26:11,340 --> 00:26:14,340 Speaker 2: Und diese sechs Merkmale sind überhaupt nicht in Stein gemeißelt. 316 00:26:15,760 --> 00:26:21,260 Speaker 2: Alter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Identität, Religion und Weltanschauung, Rasse und Ethnie. 317 00:26:21,560 --> 00:26:22,860 Speaker 2: Das sind die sechs Merkmale. 318 00:26:23,540 --> 00:26:27,500 Speaker 2: Es gibt Länder, in denen sind 22 Merkmale im AGG geschützt. 319 00:26:28,140 --> 00:26:32,400 Speaker 2: Oder es gibt Länder, in denen wird gesagt, es ist so ein offener Merkmalskatalog, 320 00:26:32,820 --> 00:26:39,500 Speaker 2: Alles, was als Diskriminierung erkannt wird, kann vor Gericht sozusagen als Diskriminierung behandelt werden. 321 00:26:39,670 --> 00:26:44,260 Speaker 2: Und dann muss die Gegenseite beweisen, dass sie halt nicht aufgrund dieses Merkmals diskriminiert hat. 322 00:26:44,800 --> 00:26:49,520 Speaker 2: Es gibt eine Organisation, die sagt, dass Gewichtsdiskriminierung ganz wichtig ist, 323 00:26:49,610 --> 00:26:54,160 Speaker 2: weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass, und ich glaube, das kennen wir alle, 324 00:26:54,730 --> 00:26:59,780 Speaker 2: dass übergewichtige Menschen hier und da tatsächlich auf Barrieren stoßen 325 00:26:59,780 --> 00:27:01,800 Speaker 2: und vor allem auch schlecht behandelt werden. 326 00:27:02,660 --> 00:27:08,360 Speaker 2: Arbeitgeber, die sagen: Nehmen Sie zehn Kilo ab und kommen Sie dann wieder. Also nicht Arbeitgeber, 327 00:27:08,480 --> 00:27:13,400 Speaker 2: sondern im Bewerbungsgespräch. Also jemand, der potenziell Arbeitgeber werden könnte und so was 328 00:27:13,600 --> 00:27:19,340 Speaker 2: sagt. Das sind alles Fälle, die uns auch bekannt sind. Jetzt gehört Gewichtsdiskriminierung bei 329 00:27:19,340 --> 00:27:23,460 Speaker 2: uns nur deswegen nicht in die Vorschläge, weil es ziemlich schwierig ist, das zu definieren. 330 00:27:23,880 --> 00:27:30,180 Speaker 2: Man muss am Ende ja wirklich für Gerichte auch so greifbare Kriterien haben. Und wo fängt 331 00:27:30,200 --> 00:27:36,580 Speaker 2: das Gewichtsdiskriminierung an? Wo hört sie auf? Ist es auch zu dünn? Ist es zu dick? Was wäre zu 332 00:27:36,780 --> 00:27:43,480 dick? Das ist ganz schön schwierig. Ja, und kann ich was dran verändern oder nicht? Da kommt ja auch 333 00:27:43,680 --> 00:27:51,820 immer wieder, wenn du zehn Kilo abgenommen hast. Das ist ja gar nicht so leicht. Genau, aber das würde 334 00:27:51,850 --> 00:27:55,460 Speaker 2: für mich eher dafür sprechen, das sogar als Merkmal zu nehmen. Also dass es veränderlich ist, 335 00:27:55,520 --> 00:28:00,080 Speaker 2: Das ist, finde ich, kein Grund zu sagen, es ist ja nicht so, dass das selbst gewählt ist immer. 336 00:28:00,580 --> 00:28:06,760 Nein, und vor allem Thema Freiheit, also Individualismus-Schutzbeauftragte müsstest du ja eigentlich heißen, oder? 337 00:28:07,460 --> 00:28:09,820 Also ich meine, damit kommen wir vielleicht schon mal raus. 338 00:28:10,030 --> 00:28:13,420 Also weil wir wollen ja eine offene und freiheitsorientierte Gesellschaft haben. 339 00:28:14,170 --> 00:28:18,340 Und dann kann ich ja nicht jemandem sagen, erstens, du musst das schaffen und zweitens, ich setze die Norm, 340 00:28:20,060 --> 00:28:23,600 was eben im Arbeitsmarkt Teilnehmende, 341 00:28:24,640 --> 00:28:27,380 also wenn es nicht direkt mit der Qualifikation zu tun hat für diesen Job. 342 00:28:28,000 --> 00:28:29,760 Da geht ja wirklich vieles durcheinander. 343 00:28:30,260 --> 00:28:31,780 Ich habe ja ein Handicap. 344 00:28:33,380 --> 00:28:36,960 Speaker 2: Ich denke, wenn du Individualismus-Schutzbeauftragte sagst, 345 00:28:37,080 --> 00:28:43,220 Speaker 2: schon direkt die rechtsextreme oder antivoke Diskussion mit. 346 00:28:43,800 --> 00:28:47,340 Speaker 2: Und dann würde man ja, Individualismus wäre ja dann gar nicht etwas, 347 00:28:47,420 --> 00:28:49,600 Speaker 2: was mit Freiheit und Positiv verwendet wird, 348 00:28:49,740 --> 00:28:52,280 Speaker 2: sondern sofort als Identitätspolitik beauftragt. 349 00:28:52,280 --> 00:28:53,440 Ja, und du hast mir gar nichts zu sagen. 350 00:28:54,050 --> 00:28:55,000 Deshalb will ich da auch rein. 351 00:28:55,090 --> 00:28:59,800 Und wir sagen, guck mal, wie einseitig dieser Freiheit- und Individualismusbegriff genannt ist. 352 00:28:59,800 --> 00:29:02,140 Weil da würden die sagen, ich als Vermieter kann machen, was ich will. 353 00:29:02,140 --> 00:29:04,220 Ich als Arbeitgeber kann machen, was ich will. 354 00:29:04,220 --> 00:29:08,580 Also deshalb ist ja dieses gesellschaftliche Aushandeln von Teilhabe 355 00:29:08,580 --> 00:29:12,460 und dann auch die Möglichkeit haben, Normen zu verschieben. 356 00:29:12,460 --> 00:29:13,680 Wer hat die eigentlich? 357 00:29:13,680 --> 00:29:17,560 Und darüber findet eigentlich dieser Kulturkampf ja gerade statt. 358 00:29:17,560 --> 00:29:19,100 Und dann heißt das, ihr habt das zu weit getrieben. 359 00:29:19,660 --> 00:29:23,820 In einigen Punkten kann man da vielleicht mitgehen, wenn es zu offensiv oder aggressiv gewesen ist. 360 00:29:24,150 --> 00:29:29,800 Aber eigentlich ist das ja eine Zivilisation, die ihres Verständnis von Freiheit und Idealismus aushandelt, 361 00:29:30,360 --> 00:29:33,280 muss ja das Aushandeln für möglichst viele möglich machen. 362 00:29:33,480 --> 00:29:39,440 Und da empfinde ich schon eine Seite gerade sehr viel aggressiver in der Form zu benennen, 363 00:29:39,580 --> 00:29:45,560 was ist dieser Korridor dessen, was normal ist oder dem entspricht, was sich hier gehört, 364 00:29:45,800 --> 00:29:49,280 inklusive dem Zivilisationsdefinitionsanspruch jetzt einer Trump-Regierung. 365 00:29:49,500 --> 00:29:52,400 Die westliche Zivilisation, die definieren wir jetzt mal wieder. 366 00:29:53,960 --> 00:29:57,640 Ich glaube, da geht Freiheit ganz schön in einen Korridor, der sehr eng ist, wieder zusammen. 367 00:29:57,760 --> 00:30:03,900 Ich habe in der NZZ mal gelesen, dass die Vertragsfreiheit, 368 00:30:03,960 --> 00:30:08,900 Speaker 2: die wird dann nämlich zum Beispiel bei Wohnungsvermietungen immer gerne angeführt, 369 00:30:08,960 --> 00:30:14,300 Speaker 2: dass die Vertragsfreiheit ein hohes zivilisatorisches Gut ist, das es zu bewahren gilt. 370 00:30:15,060 --> 00:30:19,760 Speaker 2: Und in diesem Zusammenhang eben das Recht auf Diskriminierung ja schon festgeschrieben ist. 371 00:30:20,120 --> 00:30:26,280 Speaker 2: Also genau das. Sobald du Diskriminierung verbietest, würdest du angeblich Menschen die Möglichkeit verwehren, 372 00:30:27,260 --> 00:30:30,380 Speaker 2: freie Verträge mit gegenüber, mit Individuen zu schließen. 373 00:30:31,660 --> 00:30:37,180 Speaker 2: Das ist auch so ein Thema. Also es geht oft bei Wohnungen darum, wer darf in meiner Wohnung wohnen? 374 00:30:37,540 --> 00:30:41,440 Speaker 2: Jetzt muss man aber dazu sagen, das Antidiskriminierungsrecht ist in der Regel so gestaltet, 375 00:30:41,600 --> 00:30:44,080 Speaker 2: dass man sagt, wenn es die eine eigene Wohnung ist, 376 00:30:45,310 --> 00:30:48,220 Speaker 2: dann darfst du sogar theoretisch machen, was du willst. 377 00:30:48,680 --> 00:30:52,960 Speaker 2: Wenn du aber, in Deutschland ist es geregelt bei ab 50 Wohnungen, 378 00:30:53,050 --> 00:30:56,320 Speaker 2: ich weiß nicht, warum Menschen mit 49 Wohnungen noch Privatvermieter sind, 379 00:30:56,960 --> 00:31:00,020 Speaker 2: aber das ist jetzt so, ab 50 Wohnungen ist es nicht mehr privat 380 00:31:00,390 --> 00:31:03,160 Speaker 2: und dann hast du eben kein Recht zu diskriminieren. 381 00:31:03,920 --> 00:31:07,160 Speaker 2: Der Witz ist aber, dass die Vertragsfreiheit ja immer gegeben ist. 382 00:31:07,220 --> 00:31:11,080 Speaker 2: Es geht nicht darum, dass alle das Recht haben, jede Wohnung zu beziehen. 383 00:31:11,400 --> 00:31:17,100 Speaker 2: Also ich habe nicht das Recht, dich per se abzulehnen, wenn du dich auf meine Wohnung bewirbst und sagst, ich möchte da gerne einziehen. 384 00:31:17,220 --> 00:31:18,540 Speaker 2: Du hast gesagt, du vermietest sie. 385 00:31:19,120 --> 00:31:26,300 Speaker 2: Sondern ich darf dir beim Absagen nicht sagen, sorry, dein Geschlecht passt mir nicht, deine Herkunft. 386 00:31:26,340 --> 00:31:31,360 Speaker 2: Ich vermiete nicht an Menschen mit deinen Merkmalen sozusagen. 387 00:31:31,680 --> 00:31:35,460 Speaker 2: Das darf man eben nicht mehr sagen und man darf es auch nicht mehr systematisch machen. 388 00:31:35,680 --> 00:31:41,560 Speaker 2: Eine Wohngenossenschaft, eine Baugenossenschaft kann nicht einfach sagen, wir vermieten nicht an Türken. 389 00:31:43,240 --> 00:31:47,180 Speaker 2: Oder wir vermieten nicht an Menschen mit Behinderung. Ist uns zu kompliziert. 390 00:31:48,120 --> 00:31:53,160 Speaker 2: Oder was leider auch manchmal passiert, es gibt Fälle, da sagen Leute, ich vermiete nicht an Juden. 391 00:31:53,760 --> 00:31:58,320 Speaker 2: Sorry, ich bin nicht antisemitisch, aber dann malt mir noch jemand ein Hakenkreuz an die Wand. 392 00:31:59,360 --> 00:32:04,880 Speaker 2: Und was macht das aber mit der Person, die erstens eh schon damit lebt, 393 00:32:04,980 --> 00:32:08,620 Speaker 2: dass möglicherweise antisemitische Krakeleien irgendwo hinkommen 394 00:32:08,800 --> 00:32:13,520 Speaker 2: oder ihr Leben sozusagen davon geprägt ist, antisemitisch diskriminiert zu werden. 395 00:32:13,680 --> 00:32:16,880 Speaker 2: Und dann noch gesagt wird, ja, aber weil dann bringst du mir das Problem mit ins Haus, 396 00:32:17,360 --> 00:32:19,720 Speaker 2: deswegen möchte ich dich nicht haben, sorry, ist nicht persönlich gemeint. 397 00:32:20,500 --> 00:32:26,339 Speaker 2: Das nicht zuzulassen ist in der Tat, finde ich, auch ein Schritt in Richtung Freiheit für alle 398 00:32:26,500 --> 00:32:31,720 Speaker 2: und Schutz von Grundrechten und eben nicht Einschränkung der Vertragsfreiheit. 399 00:32:31,740 --> 00:32:38,540 Speaker 2: Und damit ist dir jetzt vorgegeben, du musst jetzt aber einen 30-jährigen Mann mit Behinderung, 400 00:32:39,180 --> 00:32:43,400 Speaker 2: der aber nicht binär ist und schwul, den musst du jetzt in die Wohnung nehmen. 401 00:32:43,500 --> 00:32:47,440 Speaker 2: So etwas gibt es ja nicht. Das ist so ein bisschen Fantasterei. 402 00:32:47,960 --> 00:32:51,520 Ja, eben. Also das ist, glaube ich, warum dieser Suchprozess so schwierig ist. 403 00:32:51,680 --> 00:32:56,480 Also einmal ist ja der eine Punkt total relevant, ist das jetzt wirklich eine Sache? 404 00:32:57,230 --> 00:33:02,000 Bin ich ganz direkt als Privatperson im Austausch über etwas oder ist das ein Gewerbe? 405 00:33:02,940 --> 00:33:08,940 Da haben wir ja auch immer Arbeitsschutzmaßnahmen und so weiter, sind da ja anders, als wenn ich zum Beispiel freiberuflich zusammenarbeite. 406 00:33:09,660 --> 00:33:11,900 Und das, glaube ich, ist ja ein wichtiger Schritt. 407 00:33:11,990 --> 00:33:17,860 Und wenn ihr dann noch irgendwo staatlich unterstützt unterwegs bist, ja klar, dann ist natürlich der Auftrag dazu beizutragen, 408 00:33:18,100 --> 00:33:20,880 dass die gesellschaftlichen Ziele erreicht werden, auch nochmal anders. 409 00:33:21,000 --> 00:33:25,580 wenn das öffentliche Wohnungsbaugesellschaften oder öffentlich subventionierte sind. 410 00:33:26,410 --> 00:33:32,060 Deswegen diese Kaskade von Verantwortungsübernahme, besonders für die Fälle, die es schwer haben, 411 00:33:32,440 --> 00:33:35,580 um Inklusion wieder zu normalisieren und Teilhabe zu garantieren. 412 00:33:36,260 --> 00:33:39,300 Das ist auch etwas, wo ich finde, das fällt komplett immer hinten runter. 413 00:33:39,760 --> 00:33:43,460 Und dann werden gleich die drastischen Maximalforderungen wieder als das, 414 00:33:43,680 --> 00:33:46,300 was man als Mensch, als Individuum nicht leisten kann. 415 00:33:46,420 --> 00:33:49,540 Das Individualistische wird dann wieder aus ich als Privatperson gedacht. 416 00:33:50,140 --> 00:33:51,800 Dabei haben wir ja unterschiedliche Zwischenstufen. 417 00:33:52,800 --> 00:33:56,180 Und der zweite Punkt, den du gemacht hast, der ist ja auch so wahnsinnig wichtig. 418 00:33:56,310 --> 00:33:58,740 Na klar kann ich Entscheidungen treffen, machen wir alle. 419 00:34:00,220 --> 00:34:03,640 Aber jemandem anders ins Gesicht zu drücken, dass du mir nicht passt, 420 00:34:04,100 --> 00:34:08,540 weil das ist ja genau diese erfahrene Diskriminierung aufgrund von Eigenschaften, 421 00:34:08,790 --> 00:34:11,320 die ich entweder nicht mal gewählt habe, weil ich eben so geboren bin, 422 00:34:12,419 --> 00:34:16,679 oder wo die Frage ist, warum darfst du sagen, dass das eine negative Eigenschaft ist? 423 00:34:17,480 --> 00:34:21,740 Und da ist ja genau auch wieder dieses Ausringen von Freiheitsbekundungen. 424 00:34:22,000 --> 00:34:27,840 Und wo ich finde, wo der Diskurs halt sehr einseitig tatsächlich auch ist, 425 00:34:27,870 --> 00:34:30,340 so in Richtung Mimimi und jetzt stellt euch nicht so an, 426 00:34:30,540 --> 00:34:37,879 bis hin zu Frauen, die in der Politik sich viel öfter auch Cyberaggression etc. ausgesetzt fühlen 427 00:34:37,960 --> 00:34:41,620 und viel öfter darüber auch nachdenken, einfach das Amt nicht mehr anzustreben, 428 00:34:41,720 --> 00:34:43,600 weil sie sagen, ich kann mir das nicht geben. 429 00:34:43,720 --> 00:34:49,100 Und auch viel öfter ja Gewaltandrohungen bekommen, auch körperlicher Art und sexueller Art. 430 00:34:50,389 --> 00:34:54,179 Und dann zu sagen, ja, aber wenn ihr euch jetzt da hinstellt und diese Person anzeigt, 431 00:34:54,230 --> 00:34:56,879 dann ist das eine Unterdrückung der Meinungsfreiheit und stellt euch mal nicht so an. 432 00:34:57,720 --> 00:35:00,240 Die Hitze in der Küche muss man auch aushalten, so Sprüche. 433 00:35:00,660 --> 00:35:04,220 Wo ich denke, naja, aber wer die Hitze wie hoch schaltet, das sollte schon auch etwas sein, 434 00:35:04,340 --> 00:35:06,880 wo wir in der Gesellschaft sagen, da gibt es Stoppknöpfe. 435 00:35:07,420 --> 00:35:09,780 Weil sonst bleiben halt ein paar wenige Hartgesottene übrig. 436 00:35:10,080 --> 00:35:16,560 Und das sind meistens nicht besonders teilhabeorientierte Zusammensetzungen dann eben von Menschen, 437 00:35:17,170 --> 00:35:20,320 die Entscheidungen treffen, die für alle anderen dann eben auch gelten. 438 00:35:20,350 --> 00:35:25,820 Und dann diese Stimmen, weil es du ja bist, ich bin die abgesandte Stimme für Diskriminierungserfahrung, 439 00:35:25,830 --> 00:35:29,280 ich kenne das ja von dem Umwelt, kommt man immer rein und sagt, die können nicht selber reden 440 00:35:29,570 --> 00:35:31,920 oder sie haben nicht die gleichen Mittel, sich einzubringen. 441 00:35:32,720 --> 00:35:35,860 Wir müssen diese Veränderungen halt sichtbar machen oder zukünftige Generationen, 442 00:35:35,860 --> 00:35:36,940 das ist ja wie die Anwaltschaft. 443 00:35:37,280 --> 00:35:42,000 Und wenn wir dann sehen, wie es momentan zurückgeht in der Diversität der Zusammensetzung derjenigen, 444 00:35:42,040 --> 00:35:48,240 die auch Perspektiven einbringen können in Entscheidungsstrukturen, dann ist das ja genau diese strukturelle Thematik. 445 00:35:48,260 --> 00:35:54,460 Und deshalb finde ich das spannend, nochmal von dir zu hören, vielleicht A, wie bist du bei dem Thema gelandet und was wünschst du dir? 446 00:35:54,840 --> 00:35:58,160 Also wie könnte man das normalisieren und so ein bisschen entgiften wieder? 447 00:35:58,460 --> 00:36:02,540 Weil ich habe das Gefühl, das ist unnötig giftig geworden. Du sprachst von diesem Kulturkampf. 448 00:36:03,060 --> 00:36:09,060 Speaker 2: Wie bin ich zu dem Thema gekommen? Ich will jetzt gar nicht biografisch alles nochmal aufarbeiten, 449 00:36:09,180 --> 00:36:15,780 Speaker 2: aber ich habe Politikwissenschaften studiert und gesellschaftspolitische Entwicklungen sind so mein 450 00:36:16,120 --> 00:36:24,060 Speaker 2: Thema. Und eigentlich, würde ich sagen, habe ich für das, was ich jetzt mache, nämlich die Leitung 451 00:36:24,060 --> 00:36:31,719 Speaker 2: der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, vorher gute andere Jobs gemacht und dasselbe Thema von 452 00:36:31,740 --> 00:36:38,960 Speaker 2: anderen Seiten beleuchtet. Ich war Journalistin und habe darüber berichtet, hauptsächlich auch 453 00:36:39,080 --> 00:36:45,540 Speaker 2: über das Thema Rassismus, also Diskriminierung aufgrund der Herkunft. Ich benutze das Wort 454 00:36:45,720 --> 00:36:49,400 Speaker 2: "Rasse" nicht so gerne, auch wenn es bei uns in Gesetzen steht, weil ich nicht an menschliche 455 00:36:49,700 --> 00:36:56,419 Speaker 2: Rassen glaube, beziehungsweise der Wissenschaft glaube, die sagt, die gibt es nicht. Aber was 456 00:36:56,440 --> 00:37:02,200 Speaker 2: immer das eben meint mit Herkunft und Ethnie. Und dann habe ich aber mich immer wieder auch 457 00:37:02,240 --> 00:37:07,800 Speaker 2: mit den anderen Merkmalen beschäftigt, weil das im Grunde immer, eigentlich ist es das 458 00:37:07,980 --> 00:37:14,300 Speaker 2: Gleiche. Also die Klischees über ältere Menschen, die Fotos, die verwendet werden in Medienberichten, 459 00:37:14,320 --> 00:37:19,140 Speaker 2: wenn man ältere Menschen sagt, sind ähnlich wie die, also ähnlich stigmatisierend und 460 00:37:19,320 --> 00:37:22,880 Speaker 2: einseitig wie die, die man verwendet, wenn man Migration sagt. Wenn man Migration sagt, 461 00:37:22,960 --> 00:37:27,640 Speaker 2: wurde früher immer eine Frau mit Kopftuch von hinten gezeigt, die am besten noch Tüten, 462 00:37:27,800 --> 00:37:35,280 Speaker 2: Einkaufstüten in der Hand hat. Also passiv, gesichtslos und indem man eine muslimische Frau 463 00:37:35,460 --> 00:37:40,260 Speaker 2: zeigt, ja auch noch mal so eine Gruppe, die so ganz als besonders fremd wahrgenommen wird, 464 00:37:40,420 --> 00:37:44,820 Speaker 2: stigmatisiert. Man hat nicht blonde, blauäugige Menschen gesehen, die es ja auch gibt unter der 465 00:37:44,980 --> 00:37:49,859 Speaker 2: Gruppe Migrationshintergrund. Und bei älteren Menschen ist es so, dass man eben passive Rentnerinnen 466 00:37:49,880 --> 00:37:53,360 Speaker 2: auf einer Bank sieht. Die sind eigentlich immer grauhaarig, kurze Haare in der Regel, 467 00:37:53,740 --> 00:37:57,260 Speaker 2: und die gucken so ein bisschen ins Leere oder genießen die Sonne auf einer Parkbank. 468 00:37:59,320 --> 00:38:07,800 Speaker 2: Auch wieder passiv, manchmal mit Gesicht, manchmal auch relativ ausdruckslos. 469 00:38:08,680 --> 00:38:12,100 Speaker 2: Und sich da anzugucken, welche Parallelen es gibt, das habe ich immer gerne gemacht. 470 00:38:12,210 --> 00:38:17,240 Speaker 2: Also wie bin ich dazu gekommen? Ich habe danach eine Organisation gegründet als Journalistin, 471 00:38:17,260 --> 00:38:22,480 Speaker 2: weil ich gemerkt habe, es fehlt an Diversität in der Berichterstattung. Das haben viele von uns 472 00:38:22,640 --> 00:38:28,160 Speaker 2: gemerkt. Es gab auch Kolleginnen, ich komme noch aus einer Zeit, wenn man mit einem türkischen Namen 473 00:38:28,220 --> 00:38:33,940 Speaker 2: Journalistin wurde, dann wurde einer Kollegin auch gesagt: "Oh, sorry, wir haben schon eine ÖZLEM, 474 00:38:34,420 --> 00:38:38,960 Speaker 2: da können wir jetzt keine zweite einstellen." Das verwechseln ja die Leser*innen oder die Leserschaft. 475 00:38:39,120 --> 00:38:41,620 Aber Christians, Stephans und Ralfs? War kein Problem. 476 00:38:45,360 --> 00:38:51,380 Speaker 2: Und deswegen hatten wir den Verein Neue Deutsche Medienmacher*innen, damals auch Medienmacher, gegründet und gesagt: 477 00:38:51,600 --> 00:38:57,280 Speaker 2: "Wir setzen uns ein für mehr Vielfalt in den Medien." Das war zu einer Zeit, als allein dieser Claim: 478 00:38:57,640 --> 00:39:04,080 Speaker 2: "Mehr Vielfalt in den Medien" als krasser Vorwurf verstanden wurde von vielen, auch von öffentlich-rechtlichen Rundfunkhäusern, 479 00:39:04,080 --> 00:39:09,840 Speaker 2: die gesagt haben: "Wollt ihr uns sagen, wir diskriminieren? Wir stellen natürlich nur nach Qualifikation ein. 480 00:39:10,560 --> 00:39:13,620 Speaker 2: Das sei infam, was wir da machen, das sei eine Frechheit. 481 00:39:15,200 --> 00:39:19,760 Speaker 2: Und trotzdem war es aber damals so, vor ungefähr 20, 25 Jahren, kann man sich heute nicht mehr 482 00:39:19,880 --> 00:39:24,080 Speaker 2: vorstellen, aber es war so, es gab eigentlich im Fernsehen, in den Hauptnachrichten immer 483 00:39:25,190 --> 00:39:30,160 Speaker 2: nur Menschen mit typisch deutschen Namen, die auch so aussahen, wie man sich eben Deutsche 484 00:39:30,260 --> 00:39:31,500 Speaker 2: typisch Deutsche vorstellt. 485 00:39:32,720 --> 00:39:36,820 Speaker 2: Und dass sich das so geändert hat, dass die Vielfalt in der Gesellschaft jetzt sichtbarer 486 00:39:36,920 --> 00:39:38,120 Speaker 2: geworden ist, das ist toll. 487 00:39:38,500 --> 00:39:44,600 Speaker 2: Aber wir haben irgendwann unterwegs auch gemerkt, dass Migrationshintergrund nicht das einzige Merkmal fehlt, wenn wir von Vielfalt sprechen. 488 00:39:45,600 --> 00:39:50,420 Speaker 2: Frauen sind auch oft unterrepräsentiert, insbesondere wenn es um Expertinnen geht. 489 00:39:50,720 --> 00:39:53,980 Speaker 2: Das zeigt die Malisa Stiftung immer wieder mit ihren Untersuchungen. 490 00:39:54,580 --> 00:39:58,640 Speaker 2: Menschen mit Behinderung fanden früher praktisch gar nicht statt. 491 00:39:58,800 --> 00:40:03,020 Speaker 2: Dann hatte die Lindenstraße, die es jetzt auch nicht mehr gibt, irgendwann mal eine Person im Rollstuhl. 492 00:40:03,820 --> 00:40:05,040 Speaker 2: Das war quasi eine Sensation. 493 00:40:06,700 --> 00:40:08,680 Speaker 2: Und das sich so anzugucken war gut. 494 00:40:08,770 --> 00:40:10,900 Speaker 2: Das heißt, ich habe jetzt noch mal zurück zum Thema. 495 00:40:11,020 --> 00:40:15,480 Speaker 2: Ich habe das erst als Journalistin bearbeitet, dann aus der Sicht der 496 00:40:15,920 --> 00:40:18,620 Speaker 2: Zivilgesellschaft noch mal mich engagiert und gemerkt, wie schwierig das ist 497 00:40:18,670 --> 00:40:20,060 Speaker 2: oder welche Herausforderungen man hat. 498 00:40:20,570 --> 00:40:23,080 Speaker 2: Dann hatte ich schon mal im öffentlichen Dienst gearbeitet auch tatsächlich. 499 00:40:24,200 --> 00:40:27,660 Speaker 2: Und als dieser Job dann kam, habe ich gedacht: Okay, ich bin jetzt ziemlich gut 500 00:40:28,039 --> 00:40:30,680 Speaker 2: vorbereitet. Das einzige, was mir fehlt, ist ein Jurastudium. 501 00:40:31,880 --> 00:40:35,119 Speaker 2: Weil natürlich, wenn ich jetzt von Vertragsfreiheit spreche und so, da 502 00:40:35,140 --> 00:40:41,280 Speaker 2: Da gucken Juristinnen ja nochmal ganz anders drauf und können vielleicht auch nochmal pointierter argumentieren. 503 00:40:41,510 --> 00:40:44,280 Speaker 2: Aber denen fehlt dann oft vielleicht auch wieder dieser diskursive Blick. 504 00:40:44,450 --> 00:40:47,680 Speaker 2: Was wird dann aus dem, was man sagt, gemacht? Wie wird das kommuniziert? 505 00:40:47,810 --> 00:40:52,260 Speaker 2: Wie kriegt man Menschen überzeugt? Und das bringe ich ein. Das macht mir total Spaß. 506 00:40:52,450 --> 00:40:58,280 Speaker 2: Und was ist mein Ziel? Also ich würde mir sehr wünschen, dass man versteht in Deutschland, 507 00:40:58,390 --> 00:41:04,340 Speaker 2: dass Diskriminierung kein Minderheitenthema ist. Es ist auch ein Minderheitenthema. 508 00:41:04,420 --> 00:41:12,400 Speaker 2: und ich finde auch wichtig, immer wieder zu sagen, Minderheiten vor Diskriminierung zu schützen, ist die DNA der Bundesrepublik Deutschland. 509 00:41:12,840 --> 00:41:21,640 Speaker 2: Darauf fußt unser Grundgesetz, darauf fußt alles, was nach 1945 oder 1947 passiert ist und wie diese Republik gegründet wurde. 510 00:41:23,099 --> 00:41:28,660 Speaker 2: Aber diskriminiert werden zum Beispiel, du hast es wunderbarerweise angesprochen, Kredite. 511 00:41:28,820 --> 00:41:30,800 Speaker 2: Du wolltest dir einen Kredit von der Bank holen. 512 00:41:31,400 --> 00:41:34,560 Speaker 2: Wir haben eine Studie gemacht und untersucht oder machen lassen. 513 00:41:36,100 --> 00:41:39,900 Speaker 2: Es werden Menschen altersdiskriminiert bei der Kreditvergabe. 514 00:41:40,020 --> 00:41:41,160 Speaker 2: Und das betrifft wirklich alle. 515 00:41:41,300 --> 00:41:46,140 Speaker 2: Also da ist dann der Michael Müller oder, also ich muss immer aufpassen mit Namen, 516 00:41:46,220 --> 00:41:49,040 Speaker 2: weil danach beschweren sich dann genau diese genannten Namen. 517 00:41:50,120 --> 00:41:52,900 Speaker 2: Menschen mit diesen Namen bei mir und das sollen sie bitte nicht. 518 00:41:53,060 --> 00:41:54,400 Speaker 2: Das ist jetzt nur ein Platzhalter. 519 00:41:54,420 --> 00:42:00,220 Speaker 2: Aber auch dem kann das passieren, dass eher altersdiskriminiert wird bei einer Kreditvergabe, 520 00:42:00,440 --> 00:42:06,900 Speaker 2: weil viele Online-Systeme, die mit algorithmenbasierten, automatisierten Entscheidungen arbeiten, 521 00:42:07,640 --> 00:42:12,400 Speaker 2: eingegeben haben, zum Beispiel teilweise schon ab 60 keine Kredite mehr zu vergeben. 522 00:42:12,720 --> 00:42:16,940 Speaker 2: Und das heißt, das ist ohne Ansehen der eigentlichen Person. 523 00:42:18,080 --> 00:42:20,360 Speaker 2: Und genau da kommen wir zum Thema Individualismus. 524 00:42:20,520 --> 00:42:25,600 Speaker 2: Wenn Verträge gemacht werden mit Menschen und man pauschal ganze Gruppen rausschneidet, 525 00:42:25,750 --> 00:42:30,180 Speaker 2: sozusagen raussortiert, dann fängt Diskriminierung in der Fläche an. 526 00:42:30,330 --> 00:42:32,600 Speaker 2: Und das betrifft alle möglichen Menschen. 527 00:42:33,090 --> 00:42:38,620 Speaker 2: Das kann eben sein, dass man irgendwann keine online, also selbst die reichen, wohlhabenden 528 00:42:38,800 --> 00:42:42,460 Speaker 2: Menschen, die dann plötzlich in der Rente sind, denken: Jetzt habe ich Zeit, jetzt gehe ich ins 529 00:42:42,560 --> 00:42:45,620 Speaker 2: Theater, jetzt gehe ich in die Oper und sie wissen aber nicht, wie sie mit dieser App, 530 00:42:45,690 --> 00:42:49,680 Speaker 2: sie kommen einfach nicht klar und mit ihrem Handy und mit ihrer Software können sie diese blöde 531 00:42:50,540 --> 00:42:55,780 Speaker 2: Opernkarte nicht kaufen. Selbst das kann ein Thema von Diskriminierung sein, weil warum wird es nur 532 00:42:55,880 --> 00:43:02,740 Speaker 2: noch online angeboten? Oder eben, warum werden Menschen ab bestimmten Alter aussortiert, wenn es 533 00:43:02,820 --> 00:43:08,980 Speaker 2: um Wohnungssuche geht, wenn es um Jobsuche geht, aber auch um Kredite? Vielleicht will man ja aufs 534 00:43:09,020 --> 00:43:14,040 Speaker 2: Dach des Eigenheims eine Solaranlage bauen und dann sucht man sich dafür einen passenden Kredit, 535 00:43:14,260 --> 00:43:19,660 Speaker 2: aber der wird ab 65 tatsächlich ganz oft eben nicht mehr gegeben, weil das den Banken zu wackelig 536 00:43:19,680 --> 00:43:24,120 Speaker 2: ist, wie lange die Person noch gesund ist und zahlungsfähig. Ohne, dass man einmal reinguckt, 537 00:43:24,300 --> 00:43:28,000 Speaker 2: wie fit ist die Person, wie viel Geld hat die auf dem Konto, weil der Algorithmus das halt 538 00:43:28,120 --> 00:43:31,820 Speaker 2: schneller macht und automatisch macht. Das sind Themen von Diskriminierung. Ich will sagen, 539 00:43:32,010 --> 00:43:38,780 Speaker 2: es betrifft theoretisch alle, dass wir einen guten Schutz vor Diskriminierung haben. Aber 540 00:43:39,020 --> 00:43:43,940 Speaker 2: natürlich gibt es Gruppen, die besonders betroffen sind. Und das sind Frauen, das sind Menschen mit 541 00:43:44,020 --> 00:43:48,940 Speaker 2: Behinderung, das sind ganz besonders in Deutschland Migrantinnen und ihre Nachkommen. Vor allem, 542 00:43:49,060 --> 00:43:56,280 Speaker 2: Je sichtbarer, je erkennbarer das nicht typisch Deutsche, desto höher die Wahrscheinlichkeit. 543 00:43:56,360 --> 00:44:00,420 Also dass man es einfach an Hautfarbe etc. sofort in die Kategorie schubst. 544 00:44:00,500 --> 00:44:00,620 Genau. 545 00:44:01,220 --> 00:44:02,140 Aber eben auch alle Menschen. 546 00:44:02,140 --> 00:44:05,320 Speaker 2: Selbst wenn Menschen hier geboren sind, zweite, dritte Generation. 547 00:44:05,920 --> 00:44:07,680 Speaker 2: Aber auch Queerfeindlichkeit hat zugenommen. 548 00:44:08,160 --> 00:44:11,300 Speaker 2: Und wir haben auch schon, der Begriff Queer wird gerade ja so politisiert, 549 00:44:11,760 --> 00:44:16,040 Speaker 2: der sollte ja eigentlich mal so ein bisschen übergreifend sein für sowohl geschlechterdiverse 550 00:44:16,060 --> 00:44:22,880 Speaker 2: als auch sexuelle Identitätsdiverse, also Menschen, die bisexuell sind, lesbisch-schwul 551 00:44:23,540 --> 00:44:29,260 Speaker 2: und eben auch Trans-Personen, nicht cis, nicht cisgeschlechtlich heißt. Ja, wie erkläre ich das? 552 00:44:29,300 --> 00:44:33,460 Speaker 2: Da bin ich jetzt zum Beispiel auch gar nicht so gut darin, das zu erklären. Aber dieser Begriff 553 00:44:33,760 --> 00:44:38,060 Speaker 2: queer sollte ja sagen, alle, die nicht so ins ganz klassische Bild von Mann, Frau, Vater, Mutter, 554 00:44:38,300 --> 00:44:42,960 Speaker 2: Kind passen, die sind queer. Und der Begriff wird aber jetzt auch schon wieder als politischer 555 00:44:43,000 --> 00:44:49,340 Speaker 2: Kampfbegriff ausgehend von den USA jetzt auch in Deutschland bei Konservativen wirklich versucht 556 00:44:49,360 --> 00:44:54,500 Speaker 2: zu vermeiden und Organisationen, die mit dem Begriff arbeiten, zivilgesellschaftliche, werden 557 00:44:54,520 --> 00:44:57,660 Speaker 2: in Frage gestellt, ob die noch staatlich unterstützt werden können und so weiter. 558 00:44:58,500 --> 00:45:08,000 Und das ist ja so ein bisschen die Suche. Also erstmal ist es ja das andere. Also wenn man sich 559 00:45:07,960 --> 00:45:12,960 umguckt, wo ist Fremdenfeindlichkeit oder die Aussage, Ausländer nehmen uns zu viel weg, 560 00:45:13,320 --> 00:45:18,060 besonders verbreitet. Es ist ja klassisch an Orten, wo gar nicht viele Ausländische oder mit Migration 561 00:45:18,240 --> 00:45:22,480 oder auch Asylsuchend sind. Das heißt, es ist gar nicht eine abgeleitete Alltagserfahrung, 562 00:45:22,980 --> 00:45:27,860 sondern eigentlich ist die Abwesenheit von Umgang mit Andersaussehenden, von anderen Kulturräumen 563 00:45:28,040 --> 00:45:33,700 kommenden, vielleicht nur temporär bei uns mitlebenden Personen, lässt sich mehr aufbauschen 564 00:45:33,760 --> 00:45:37,360 in so eine Anstrhetorik, als wenn ich denen mal begegnet bin und sage, 565 00:45:37,430 --> 00:45:40,220 ja, guck mal, eigentlich teilen wir als Menschen ja auch eine ganze Menge. 566 00:45:41,760 --> 00:45:46,860 Hast du das Gefühl, dass das mit diesem Populismus, mit dieser aggressiveren Schuldsuche, 567 00:45:47,540 --> 00:45:52,120 wo dann immer Gruppen gerne entlang einer dieser Kategorien auch ausgemacht werden, 568 00:45:52,340 --> 00:45:55,960 dann hast du eben die sozialschmarotzenden, vermeintlichen rausgenommen, 569 00:45:57,320 --> 00:46:00,780 hat das zugenommen, seitdem in der Gesellschaft so die Sorge ist, 570 00:46:00,900 --> 00:46:05,500 wie geht es eigentlich weiter, dass diese Schuldsuche das anbietet, entlang dieser Kategorien wieder 571 00:46:05,780 --> 00:46:10,300 irgendwo zuzuteilen. Die Frauen, die jetzt kategorisch alle diejenigen sind, die in der Teilzeit so ein 572 00:46:10,300 --> 00:46:15,120 bisschen nicht so leisten für den Wirtschaftsstandort. Da habe ich auch gedacht: Leute, allen Ernstes, 573 00:46:15,240 --> 00:46:19,560 diese stille Reserve, wisst ihr, wie die sich krummlegen mit ihren 30 Wochenstunden von Care-Arbeit 574 00:46:19,570 --> 00:46:26,300 im Zusatz? Also das ist ja häufig dann nicht sehen, man hat es eben schon mal so schön gesagt, sich 575 00:46:26,280 --> 00:46:31,620 nicht vorstellen können wie es in diesen fußstapfen sich dann anfühlt in dieser gesellschaft zu sein 576 00:46:32,880 --> 00:46:39,280 und trotzdem scheint das so mechanismus zu sein um die eigene unsicherheit oder angst gerade zu 577 00:46:39,340 --> 00:46:47,080 kanalisieren also ich suche so doll warum warum ist das so leicht das anzuspielen also mir hat 578 00:46:47,100 --> 00:46:55,840 Speaker 2: mal eine sehr kluge psychotherapeutin oder psychiaterin die politische analysen macht 579 00:46:56,960 --> 00:47:04,180 Speaker 2: erklärt dass unter anderem die heritage von nation und andere narrative testen also die 580 00:47:04,240 --> 00:47:09,680 Speaker 2: gucken einfach was sind so die core values die grundwerte die menschen brauchen um im alltag mit 581 00:47:09,680 --> 00:47:14,800 Speaker 2: ihren koordinaten durch den tag zu kommen ohne dass der kopf dauernd noch mal alles sortieren 582 00:47:14,820 --> 00:47:19,220 Speaker 2: muss. Und einer davon ist zum Beispiel diese Familie ist Vater, Mutter, Kind. Ich, Frau, 583 00:47:19,400 --> 00:47:26,840 Speaker 2: du Frau in unserem Fall oder eben ich, Frau, du Mann, mein Gegenüber. Und deswegen ist alles, 584 00:47:26,980 --> 00:47:32,200 Speaker 2: was in diese Kerbereien schlägt und das auf den Kopf stellt, das verunsichert so stark, 585 00:47:32,360 --> 00:47:38,280 Speaker 2: dass man die Leute darüber abholen kann und sagen kann: "Also entschuldige, ich nehme jetzt mal das 586 00:47:38,420 --> 00:47:44,040 Speaker 2: Beispiel Transfeindlichkeit. Die funktioniert total gut. Warum?" Ich habe mich das die ganze Zeit 587 00:47:43,980 --> 00:47:49,180 Speaker 2: gefragt. Es geht um eine relativ, egal in welcher Gesellschaft, um eine relativ kleine Gruppe. Nicht 588 00:47:49,360 --> 00:47:55,220 Speaker 2: jeder Mensch hat in seinem Alltag Kontakt zu vielen Transpersonen. Es macht auch keinen Unterschied, 589 00:47:55,540 --> 00:48:01,200 Speaker 2: ob jetzt das Selbstbestimmungsgesetz sagt, die Menschen dürfen in ihrem Pass oder in dem Ausweis 590 00:48:01,300 --> 00:48:06,760 Speaker 2: eintragen lassen, dass sie jetzt ab jetzt nicht mehr Mann, sondern Frau sind. Eigentlich waren sie es 591 00:48:06,760 --> 00:48:10,260 Speaker 2: auch vorher schon, aber sie dürfen es jetzt eintragen lassen und das relativ unkompliziert, 592 00:48:10,660 --> 00:48:17,200 Speaker 2: ohne psychologische Gutachten, ohne Operationen und so weiter, wie das früher vorausgesetzt wurde. 593 00:48:18,040 --> 00:48:23,520 Speaker 2: Was hat das mit meinem Alltag zu tun? Und warum kriegt man darüber so viele Menschen mobilisiert? 594 00:48:23,560 --> 00:48:28,360 Speaker 2: Und da ist die Erklärung: Naja, weil es die Grundwerte angreift. Die Erzählung ist in den 595 00:48:28,620 --> 00:48:33,960 Speaker 2: sozialen Medien: Wenn du nach Hause kommst, kann es passieren, dass dein Kind sagt: 596 00:48:34,220 --> 00:48:40,320 Speaker 2: "Du Mama, ich bin ab heute nicht mehr dein Sohn. Ich bin jetzt eine Tochter. Ich lasse mich umoperieren. 597 00:48:40,320 --> 00:48:44,940 Speaker 2: oder ich schlucke Hormone. Und wenn du dagegen bist, dann kommt das Jugendamt und holt dich ab. 598 00:48:46,000 --> 00:48:52,720 Speaker 2: Er holt mich ab. Also nimmt mich dir weg. Das ist die Angst. Das ist die, kann man ja sagen, 599 00:48:52,820 --> 00:48:58,440 Speaker 2: fast Horrorfantasie. Das Kind wird einem weggenommen. Auch die Sichtweise aufs Kind. 600 00:48:58,480 --> 00:49:04,120 Speaker 2: Man darf es jetzt nicht mehr meine Tochter oder meinen Sohn nennen. Und ob das passiert oder nicht, 601 00:49:04,120 --> 00:49:08,400 Speaker 2: ist dann gar nicht so wichtig, sondern man arbeitet damit. Und deswegen haben wir gerade 602 00:49:08,420 --> 00:49:15,340 Speaker 2: auch so starke Resonanzen oder es funktioniert gerade auch sehr gut mit dem Frauenthema. Warum 603 00:49:15,510 --> 00:49:19,940 Speaker 2: wird die Rolle der Frau gerade so hart diskutiert? Weil sich seit den 80er Jahren bis jetzt einfach 604 00:49:20,120 --> 00:49:24,960 Speaker 2: wirklich viel verändert hat und das Ding auf den Kopf stellt, also diese Grundgewohnheiten auf den 605 00:49:25,060 --> 00:49:31,440 Speaker 2: Kopf gestellt hat. Man denkt ja immer so an ganz große internationale Unternehmen, aber die meisten 606 00:49:31,620 --> 00:49:35,520 Speaker 2: Unternehmen in Deutschland sind ja mittelständische und da geht man ja normalerweise ins Büro und da 607 00:49:35,360 --> 00:49:39,160 Speaker 2: Da macht man halt mit dem Michael und dem Hannes die Sachen, die man halt immer macht. 608 00:49:39,280 --> 00:49:43,960 Speaker 2: Und dann plötzlich haben viele gemerkt, ich soll jetzt auch mal eine Frau irgendwie da befördern 609 00:49:44,140 --> 00:49:48,040 Speaker 2: oder mit einstellen in die Chefetage holen. 610 00:49:49,400 --> 00:49:51,820 Speaker 2: Und dann plötzlich kann man bestimmte Sprüche nicht mehr sagen. 611 00:49:51,880 --> 00:49:56,440 Speaker 2: Oder man sagt sie und merkt, das findet sie jetzt aber doof, wenn ich über Frauenfußball lästere. 612 00:49:57,220 --> 00:50:00,160 Speaker 2: Also die Kampfortzone hat sich geändert. Das macht was mit Menschen. 613 00:50:01,380 --> 00:50:04,540 Speaker 2: Und auf diesen Veränderungen, also man kann ja zwei Sachen machen. 614 00:50:04,740 --> 00:50:09,920 Speaker 2: Entweder man sagt: "Das ist jetzt halt so. Frauenfußball darüber zu lästern war früher 615 00:50:10,080 --> 00:50:13,080 Speaker 2: auch nicht so cool, aber ja, dann kannst du es halt jetzt nicht mehr machen. Komm damit 616 00:50:13,380 --> 00:50:17,240 Speaker 2: klar." Oder man sagt dem: "Boah, das ist ja echt fies. Du darfst jetzt noch nicht mal 617 00:50:17,340 --> 00:50:20,740 Speaker 2: mehr über Frauenfußball lästern. Boah, ist das fies. Dir wird gar nichts mehr erlaubt. 618 00:50:20,900 --> 00:50:23,820 Speaker 2: Jetzt sagst du irgendwas und jemand kommt und sagt: "Du würdest diskriminieren. Du 619 00:50:23,920 --> 00:50:28,360 Speaker 2: seist Rassist. Du seist Sexist. Du würdest Frauen sexuell belästigen. Dabei hast du nur 620 00:50:28,440 --> 00:50:33,420 Speaker 2: gesagt, sie hat eine hübsche Bluse. Und es ist schön, dass sie nicht alle Knöpfe zumacht. 621 00:50:33,540 --> 00:50:35,020 Speaker 2: war ja nicht so gemeint, war doch nett gemeint. 622 00:50:36,540 --> 00:50:38,620 Speaker 2: Dieses sich selbstständig reflektieren zu müssen, 623 00:50:39,110 --> 00:50:43,400 Speaker 2: dass, also wenn der Diskurs uns begleiten würde, 624 00:50:43,580 --> 00:50:46,180 Speaker 2: dahin zu sagen, ja, ist jetzt halt so, 625 00:50:46,450 --> 00:50:48,100 Speaker 2: dann glaube ich, kommen mehr Menschen damit klar. 626 00:50:48,430 --> 00:50:51,000 Speaker 2: Wir haben aber eben diesen, ja, ich würde es gar nicht backlash, 627 00:50:51,160 --> 00:50:54,880 Speaker 2: ich würde es vor allem harten Gegenwind, also Anti. 628 00:50:55,500 --> 00:50:58,600 Speaker 2: Ich halte das für eine Anti-Bewegung, eine Anti-Voke, 629 00:50:59,200 --> 00:51:00,860 Speaker 2: wie sie sich ja teilweise selber nennen, 630 00:51:01,900 --> 00:51:06,520 Speaker 2: Was ja im Grunde wog im Sinne von Achtsamkeit, also eine "Wir haben keinen Bock auf Achtsamkeit", 631 00:51:06,520 --> 00:51:08,320 Speaker 2: wir haben keinen Bock auf Rücksicht-Bewegung. 632 00:51:08,920 --> 00:51:13,960 Speaker 2: Und diese Bewegung fordert ein, dass es so bleibt, wie es war, weil früher alles besser war. 633 00:51:14,680 --> 00:51:18,580 Speaker 2: Und da gibt es auch Frauen, die sagen, ja, also so ein bisschen vielleicht auch romantisierend 634 00:51:18,640 --> 00:51:23,660 Speaker 2: oder weil sie sich auch irgendwie nicht wohlfühlen in der jetzigen Zeit, die sich danach zurücksehen. 635 00:51:24,220 --> 00:51:26,580 Speaker 2: Und deine Frage: Ist das jetzt besser geworden oder schlechter? 636 00:51:27,160 --> 00:51:28,800 Speaker 2: Das ist ja immer eine Frage des Zeitpunkts. 637 00:51:29,060 --> 00:51:33,300 Speaker 2: Also ich glaube, Migrantinnen in Deutschland würden sagen, heute ist es viel besser als in den 80er Jahren. 638 00:51:34,120 --> 00:51:37,640 Speaker 2: Weil damals Ausländer zu sein war noch härter als heute. 639 00:51:38,700 --> 00:51:41,520 Speaker 2: Aber wir sind gerade eher trotzdem wieder auf dem Rückschritt. 640 00:51:41,590 --> 00:51:42,360 Speaker 2: Es war auch schon besser. 641 00:51:43,720 --> 00:51:53,280 Speaker 2: Also wenn man sich den Zeitpunkt aussucht und sagt, von den 2000er Jahren bis heute haben wir erst Fortschritte gemacht und machen jetzt gerade wieder Rückschritte. 642 00:51:53,520 --> 00:51:57,040 Speaker 2: Also Fortschritt war zum Beispiel gesellschaftspolitisch das Staatsangehörigkeitsrecht. 643 00:51:57,840 --> 00:52:04,540 Speaker 2: Zu sagen, es ist nicht mehr nur deutsch, wer von Deutschen abstammt nach Blut, sondern auch das sogenannte Bodenrecht. 644 00:52:04,710 --> 00:52:07,840 Speaker 2: Also es ist auch deutscher, wer auf deutschem Boden geboren wird. 645 00:52:09,820 --> 00:52:13,660 Speaker 2: Das war eine kleine Revolution. Das muss aber begleitet werden mit einem Mindset. 646 00:52:14,250 --> 00:52:22,520 Speaker 2: Weil sonst passiert das, was passiert, dass man sagt, ja, aber egal, was der Cem macht, am Ende bleibt er halt doch ein Muselmane. 647 00:52:23,520 --> 00:52:27,880 Speaker 2: Es gab jetzt auch noch mal eine Diskussion kurz vor dem Wahltag, dass man ihn reduziert 648 00:52:27,980 --> 00:52:33,040 Speaker 2: hat auf die Religion seiner Eltern, muss man auch noch sagen, in seinem Fall bei Jim Öztemir. 649 00:52:36,220 --> 00:52:39,500 Speaker 2: Diese Diskussion brauchen wir halt, dass es dieser Verhandlungsort, an dem wir sind. 650 00:52:41,380 --> 00:52:42,480 Wie kriegen wir das denn? 651 00:52:45,900 --> 00:52:47,460 Du sagst uns, wie wir das hängen. 652 00:52:47,820 --> 00:52:59,920 Ja, okay. Ich glaube, was wichtig ist, und da habe ich so reingehört, also ich nehme jetzt nochmal den Begriff Privilegien in die Mitte, weil ich glaube, daran kann man das ganz gut festmachen. 653 00:52:59,980 --> 00:53:08,200 Der ist so eigentlich sehr strukturell und beschreibt so Dinge, wo per Gesetz, wenn man in die Vergangenheit guckt, Privilegien verteilt wurden. 654 00:53:08,680 --> 00:53:13,880 Also darfst du ein Unternehmen gründen, darfst du wählen, darfst du hier mit an den Tisch. 655 00:53:14,020 --> 00:53:17,340 Und das war ja entgegen dem, was wir dann in Demokratien gesagt haben, 656 00:53:17,460 --> 00:53:19,980 vor dem Recht soll erst mal jede Person gleich sein, 657 00:53:20,180 --> 00:53:23,280 wenn sie eben die Voraussetzungen mitbringt, ein Unternehmen zu gründen. 658 00:53:23,920 --> 00:53:27,660 Aber nicht den Gusto von den Herrschenden braucht, zu sagen, ja, dir gebe ich das, dir nicht. 659 00:53:28,460 --> 00:53:31,940 Und da sind wir ja ganz deutlich, wie das in den USA zurückgedreht wird, 660 00:53:32,200 --> 00:53:39,540 unter dem Mantel, dass gediskriminiert worden sei gegen dann häufig eben weiße, gut situierte Männer. 661 00:53:40,820 --> 00:53:42,720 Und da ist natürlich genau der Suchprozess. 662 00:53:43,440 --> 00:53:48,100 Also Privilegien abzugeben, verunsichert ja auch. 663 00:53:48,510 --> 00:53:56,480 Also sehr aufgeklärte wissenschaftliche Kontexte, wenn dann bis zu 30 Prozent der Stellen an Frauen gegeben werden sollen, 664 00:53:56,770 --> 00:54:04,000 macht das Druck bei Männern, die es gewohnt waren, besser durchzukommen, obwohl sie immer noch 70 Prozent der Stellen bekleiden. 665 00:54:04,460 --> 00:54:11,280 Das heißt, diese Erfahrung von, wenn andere mehr Zugang bekommen, macht es für mich den Zugang prekärer. 666 00:54:11,700 --> 00:54:13,820 die ist ja erst mal total nachzuvollziehen. 667 00:54:13,960 --> 00:54:15,500 Aber natürlich ist es dann wichtig zu sagen, 668 00:54:16,340 --> 00:54:19,940 warum war das nicht gleichberechtigt in den Zugangsmöglichkeiten 669 00:54:19,960 --> 00:54:23,200 und warum ist es eigentlich, wenn wir Individualismus und Freiheit 670 00:54:23,360 --> 00:54:26,700 und libertäre, nicht liberale Gesellschaften ernst nehmen, 671 00:54:27,540 --> 00:54:30,960 warum ist das dann eben ein zivilisatorischer Entwicklungsprozess, 672 00:54:31,740 --> 00:54:32,800 dass wir kontinuierlich suchen, 673 00:54:32,960 --> 00:54:36,420 wie können wir die Zugangsmöglichkeiten gleicher verteilen. 674 00:54:37,740 --> 00:54:40,000 Und was machen wir dann aber mit den Sorgen, die das auslöst? 675 00:54:40,500 --> 00:54:46,440 Und da glaube ich schon, wenn man sich überlegt, dieses Check your Privilege und so, das ging ja auch sehr schnell und sehr brutal. 676 00:54:46,770 --> 00:54:50,200 Oder ihr habt es immer noch nicht geschnallt, wie man jetzt reden muss, damit man wirklich inklusiv ist. 677 00:54:50,740 --> 00:54:57,220 Frauen untereinander, Halleluja, was habe ich abgekriegt, wenn ich was nicht perfekt abgekürzt habe oder sonst irgendwas. 678 00:54:57,330 --> 00:54:59,380 Ich sei nicht mehr intersektoral und nicht mehr Teil. 679 00:55:00,560 --> 00:55:05,860 Also da war ja auch die progressive Seite untereinander wirklich beinhart und nicht mehr öffnend. 680 00:55:06,720 --> 00:55:14,600 Und das finde ich so wichtig, dass wir überlegen, das Individuelle, das Freiheitlich Orientierte bedeutet ja eigentlich, dass ich suche, wo ist es nicht offen genug. 681 00:55:14,970 --> 00:55:27,500 Und wenn ich dann aber selber sehr rigide werde und einen neuen Standard setze, wie es zu sein hat, dann mache ich es natürlich auch denjenigen, die sich verändern wollen oder sollen, sehr schwer, sich in dem, wo wir hinwollen, selber wenigstens auch noch zu sehen. 682 00:55:28,140 --> 00:55:31,520 Und ich glaube, das ist etwas, wo wir auf beiden Seiten suchen können. 683 00:55:31,780 --> 00:55:35,520 Und deshalb habe ich manchmal das Gefühl, dieses Sozioökonomische ist so wichtig. 684 00:55:35,760 --> 00:55:40,380 Wirklich zu sagen, ganz strukturell betrachtet, objektiv, haben wir überhaupt die gleichen Zugangsmöglichkeiten. 685 00:55:40,420 --> 00:55:42,880 Und wenn nicht, und deshalb finde ich deine Arbeit so wahnsinnig relevant, 686 00:55:43,380 --> 00:55:48,280 lasst uns darüber sprechen, wie das Öffnen besser gelingt und wie wir dazu beitragen können. 687 00:55:48,340 --> 00:55:53,960 Aber nicht trakronisch bei irgendwem, der oder die, das noch nicht 100 Prozent richtig macht, 688 00:55:54,080 --> 00:55:59,340 dann draufschlagen und sagen, du bist Teil von rechts oder reaktionär. 689 00:55:59,780 --> 00:56:04,700 Sondern das braucht einen Moment des Spielerischen, aber es geht um eine Umverteilung von Macht. 690 00:56:05,800 --> 00:56:07,760 Und das kann man auch nicht kleinreden. 691 00:56:08,540 --> 00:56:11,660 Und deshalb finde ich es wichtig, die Harris Foundation, die du angesprochen hattest, 692 00:56:12,420 --> 00:56:16,440 ist ja das Epizentrum sozusagen des Project 2025, 693 00:56:17,100 --> 00:56:19,980 was im Grunde genommen die Trump-Administration vorbereitet hat 694 00:56:20,480 --> 00:56:24,460 und ja klipp und klar gesagt hat, wer jetzt mehr Rechte und weniger Rechte 695 00:56:24,970 --> 00:56:27,500 in der zukünftigen Zivilisation bekommen soll. 696 00:56:28,380 --> 00:56:34,620 Und deshalb eben auch klar zu überlegen, wo kommen die Diskussionen her, wer führt sie. 697 00:56:34,690 --> 00:56:39,100 Ich fand das wichtig, dass du auch darauf anmerksam gemacht hast, dass KI diskriminierend wirken kann, 698 00:56:39,100 --> 00:56:43,940 weil wir einfach fortschreiben, was Status war, ohne darauf zu kommen, 699 00:56:44,600 --> 00:56:49,880 dass eine maschinelle Fortschreibung, eine Status quo natürlich auch alles, was dort diskriminierend war, fortschreibt. 700 00:56:50,580 --> 00:56:55,220 Aber eben tatsächlich auch die Umgangsform, um das aushandeln zu können, zu schützen. 701 00:56:56,220 --> 00:57:01,940 Und deshalb fand ich auch dein Petitum unfassbar unterstützenswert, dass jetzt die Thema Wer hat mehr Verantwortung, 702 00:57:02,720 --> 00:57:08,780 Bundesregierung und Ministerien endlich dieses wirklich fürchterlich verzerrte X als Diskursraum verlassen müssen. 703 00:57:09,240 --> 00:57:14,860 Weil das nachweislich ist, vom Algorithmus zu dem Besitz, zu dem Welches ist der Superspreader-Account, 704 00:57:14,980 --> 00:57:20,280 zu dem wie Grock Anti-Woke jetzt sortiert, was diese KI uns noch anbietet. 705 00:57:21,060 --> 00:57:24,580 Also das wäre ja ein wichtiges Signal. Die Frage ist ein bisschen, wohin? 706 00:57:25,820 --> 00:57:26,980 Was ist eine alternative Plattform? 707 00:57:27,250 --> 00:57:33,040 Aber diese Diskursräume zu verlassen, die nachweislich nicht auf Verständigung, 708 00:57:33,520 --> 00:57:38,640 auf Inklusion, auf Verständnis für die Personen, die in einer anderen Situation sind, ausgelegt sind, 709 00:57:38,780 --> 00:57:41,940 sondern einfach das Recht des stärkeren, brutaleren, lauter Brüllenden 710 00:57:43,560 --> 00:57:46,760 vermeintlich als Freiheit beschreiben, um das Thema nochmal aufzugreifen. 711 00:57:46,980 --> 00:57:48,740 Also da bin ich so dran. 712 00:57:48,930 --> 00:57:52,480 Also wie schaffen wir das gut klarzumachen darüber, 713 00:57:53,500 --> 00:57:57,000 dass eine gewisse Formgebung für ein Aushandeln von Standards 714 00:57:57,360 --> 00:57:59,900 und dass sie eben möglichst offen sein sollten danach, 715 00:58:01,400 --> 00:58:04,120 mit Verständnis dafür, dass Abgeben echt nicht leicht ist. 716 00:58:04,630 --> 00:58:07,180 Und je angstbesetzter eine Situation gerade, 717 00:58:07,340 --> 00:58:09,720 und das spüren wir ja alle, umso weniger leicht ist es, 718 00:58:09,880 --> 00:58:10,540 großzügig zu sein. 719 00:58:11,760 --> 00:58:15,140 Und deshalb ist das, wir sind in einer Schicksalsgemeinschaft 720 00:58:15,250 --> 00:58:17,720 eigentlich so wichtig, anstatt diese die ganze Zeit aufzutütteln 721 00:58:17,860 --> 00:58:20,300 und zu suchen, wer hat eigentlich vielleicht mehr oder weniger 722 00:58:20,370 --> 00:58:22,880 und ist das überhaupt noch rechts oder so oder nicht. 723 00:58:23,980 --> 00:58:37,560 Also da bin ich gerade sehr dran, dass ich wirklich das Gefühl habe, gerade demokratische Parteien und Ministerien einer Demokratie und die Institutionen, die sie repräsentieren, sollten für diese Umgangsformen vor allem auch wirklich eintreten. 724 00:58:40,320 --> 00:58:43,280 Speaker 2: Du hast jetzt so viele wichtige, spannende Sachen genannt. 725 00:58:43,460 --> 00:58:47,440 Speaker 2: Ich würde einmal noch mal zu diesem Thema Privilegien und Diskurs darüber sprechen. 726 00:58:48,520 --> 00:58:52,520 Speaker 2: Der Begriff ist ja inzwischen auch schon so im Kämpf, dass da ganz viele Reflexe hochkommen. 727 00:58:52,570 --> 00:58:57,040 Speaker 2: Aber ich finde auch wichtig, noch mal zu sagen, wenn man jetzt sagt, 728 00:58:57,110 --> 00:59:02,020 Speaker 2: wir führen in Deutschland eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten ein, 729 00:59:02,500 --> 00:59:04,160 Speaker 2: ab einer bestimmten Größe von Unternehmen. 730 00:59:05,540 --> 00:59:07,160 Speaker 2: Und das war wahnsinnig umkämpft damals. 731 00:59:07,420 --> 00:59:11,440 Speaker 2: Und dann hat eine Frauenministerin das durchgezogen und hat das gemacht. 732 00:59:13,760 --> 00:59:19,800 Speaker 2: Und es hatte den Effekt, dass plötzlich Frauen eingestellt wurden, da wo sie über Jahrzehnte eben nicht eingestellt wurden. 733 00:59:19,880 --> 00:59:25,060 Speaker 2: Obwohl man ja immer gesagt hat, wir machen das freiwillig, wir sind natürlich offen, wir stellen nur die Besten ein. 734 00:59:25,200 --> 00:59:27,560 Speaker 2: Aber irgendwie waren die Besten halt immer zu 90 Prozent Männer. 735 00:59:28,860 --> 00:59:32,260 Speaker 2: Und jetzt hat man halt, weil man musste, irgendwie 30 Prozent Frauen eingestellt. 736 00:59:32,920 --> 00:59:38,580 Speaker 2: Bei 30 Prozent heißt es ja wirklich, dass eben auch mehr als nur ein Mann Platz machen mussten. 737 00:59:41,000 --> 00:59:47,560 Speaker 2: Dass das doof ist für die Männer in dem Moment, dass sich das irgendwie anfühlt, verstehe ich natürlich. 738 00:59:47,820 --> 00:59:49,040 Speaker 2: Ich glaube, das versteht jeder Mensch. 739 00:59:49,560 --> 00:59:55,860 Speaker 2: Aber der ehrliche Diskurs wäre ja nicht zu sagen, das ist jetzt ungerecht, sondern einfach zu sagen, das finde ich doof. 740 00:59:56,100 --> 00:59:57,360 Speaker 2: Das möchte ich nicht von mir aus auch. 741 00:59:58,800 --> 00:59:59,640 Speaker 2: Sehe ich nicht ein. 742 01:00:00,680 --> 01:00:01,940 Speaker 2: Soll sie sich doch durchsetzen? 743 01:00:02,060 --> 01:00:03,060 Speaker 2: Ich setze mich ja auch durch. 744 01:00:03,840 --> 01:00:07,140 Speaker 2: Jetzt wissen wir aber, dass es eben keine Frage der Qualifikation war. 745 01:00:07,320 --> 01:00:10,600 Speaker 2: Wenn man die hätte sich einklagen lassen können, dann hätten wahrscheinlich viele Frauen auch 746 01:00:10,640 --> 01:00:13,280 Speaker 2: sich einklagen können aufgrund allein der Qualifikation. 747 01:00:13,660 --> 01:00:17,960 Speaker 2: Das heißt anzuerkennen, da passieren Ungleichbehandlungen allein aufgrund des Geschlechts. 748 01:00:18,580 --> 01:00:21,100 Speaker 2: Habe ich ein bestimmtes Geschlechtsteil oder nicht? 749 01:00:21,180 --> 01:00:23,380 Speaker 2: Also wenn man das so ausspricht, dann wird es ja richtig absurd. 750 01:00:23,940 --> 01:00:25,140 Speaker 2: Aber de facto ist es ja das. 751 01:00:27,580 --> 01:00:29,520 Speaker 2: Darüber müssen wir in der Tat einfach ehrlicher reden. 752 01:00:29,740 --> 01:00:38,100 Speaker 2: Also bei diesem Privilegien-Verteilungsthema finde ich okay, wenn Männer sagen, finde ich nicht in Ordnung, Platz machen müssen für Frauen. 753 01:00:38,420 --> 01:00:40,340 Speaker 2: Sagt aber keiner, die sagen das ungerecht, wenn überhaupt. 754 01:00:40,920 --> 01:00:44,140 Speaker 2: Oder sie sagen es nicht und murren dann in sich rein und werden dann irgendwie wütend. 755 01:00:45,500 --> 01:00:48,480 Speaker 2: Natürlich muss man darüber reden können, aber eben ehrlich. 756 01:00:50,220 --> 01:00:52,020 Speaker 2: Weil dann kann man eben auch sagen, was du gesagt hast. 757 01:00:52,060 --> 01:00:57,960 Speaker 2: Das sind halt ja, aber es ist nun mal so, dass über Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende Frauen ungerecht behandelt wurden. 758 01:00:58,280 --> 01:01:05,240 Speaker 2: Und irgendwie zivilisatorisch, wenn wir vorankommen können, heißt ja auch, dass Männerbilder sich ändern können, dass Männer andere Sachen machen können. 759 01:01:06,040 --> 01:01:08,020 Speaker 2: Geh doch den Schritt mit, versuch das doch mal. 760 01:01:09,430 --> 01:01:19,340 Speaker 2: Das Zweite ist, dass du sagtest, deswegen magst du diesen Ansatz, dass man eher so über sozioökonomische Verteilung spricht oder ökonomische Verteilung. 761 01:01:20,320 --> 01:01:30,760 Speaker 2: Das Spannende am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und am Thema Diskriminierung ist, dass es wirklich nicht darum geht, wie spreche ich, wie kleide ich mich, wie verkleide ich mich. 762 01:01:30,990 --> 01:01:40,160 Speaker 2: Also was ist diese, ich würde es mal nennen, phötonistischen Gerechtigkeitsthemen. Ist das freundlich gewesen? War das eine empathische Sprache? 763 01:01:40,240 --> 01:01:59,560 Speaker 2: Das ist auch wichtig. Aber aus meiner Sicht haben sich viele zivilgesellschaftlich engagierte Menschen, also viele Influencerinnen, Persönlichkeiten, die sich im Diskurs einbringen, sehr stark an diesen, wer hat was gesagt, war das nett, ach das war jetzt aber eine rassistische Äußerung, sexistische Äußerung. 764 01:02:00,280 --> 01:02:14,460 Speaker 2: Das ist wichtig, darüber zu verhandeln, aber man darf darüber nicht die eigentlichen Themen, nämlich Zugänge und vor allem auch Benachteiligungen im konkreten Sinn, wann wird mir etwas verweigert, vergessen. 765 01:02:14,570 --> 01:02:22,160 Speaker 2: Und dafür ist das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ein nicht hinreichender, aber sehr guter Einstieg für das Thema. 766 01:02:22,260 --> 01:02:25,960 Speaker 2: Also verboten ist Diskriminierung am Arbeitsplatz, weil da wird es existenziell. 767 01:02:27,480 --> 01:02:30,460 Speaker 2: Bei der Wohnungssuche, weil auch da wird es existenziell. 768 01:02:30,740 --> 01:02:32,720 Speaker 2: Und beim Zugang zu Dienstleistungen und Gütern. 769 01:02:32,910 --> 01:02:37,800 Speaker 2: Wenn ich in ein Restaurant gehe, wenn ich Bahn fahre, wenn ich zum Friseur, zur Friseurin gehe, 770 01:02:38,210 --> 01:02:46,580 Speaker 2: dann darf man nicht draußen hinschreiben, weil sie keine Frisur für Muslime oder eben Juden müssen draußen bleiben. 771 01:02:46,620 --> 01:03:00,420 Speaker 2: Das gab es jetzt auch tatsächlich nach dem 7. Oktober, dass manche irgendwie einen vermeintlichen Israel-Hass, der eigentlich offenbar antisemitisch war, hingeschrieben haben, also Juden bitte oder Israelis bitte draußen bleiben. 772 01:03:02,660 --> 01:03:07,260 Speaker 2: Das geht gar nicht. Das leuchtet einem auch ein, aber dass das die Ebene ist, über die wir verhandeln müssen. 773 01:03:07,360 --> 01:03:10,780 Speaker 2: Und das ist ja nicht immer nur ein Schild, sondern es sind ja auch oft eben so Ausschlüsse. 774 01:03:10,980 --> 01:03:31,580 Speaker 2: Es gab in einer Stadt in Deutschland eine Wohnungsbaugenossenschaft, die systematisch Menschen mit Migrationshintergrund mit so einem X versehen hat, damit sie sehen können, dass der Anteil nicht mehr als 10 oder 20 Prozent in einem Haus ist oder in ihren Gegenden. 775 01:03:32,180 --> 01:03:37,500 Speaker 2: Und dieses X ist datenschutzrechtlich, aber auch sonst nicht nur rassistisch, sondern auch verboten. 776 01:03:38,040 --> 01:03:43,440 Speaker 2: Weil da hat man ja auch nicht geguckt: Was ist das für eine Familie? Was ist ihr sozioökonomischer Hintergrund? 777 01:03:43,480 --> 01:03:45,720 Speaker 2: Da könnte man ja noch finden, man möchte vielleicht… 778 01:03:45,800 --> 01:03:46,360 Speaker 2: Mehr Sicherheit. 779 01:03:47,200 --> 01:03:53,020 Speaker 2: Genau, ja. Also wäre natürlich auch schon schwierig. Aber es ging wirklich tatsächlich dann nur um Rasse und Ethnie, 780 01:03:53,560 --> 01:03:58,080 Speaker 2: wenn man so will, nach Gesetz. Und diese Dinge muss man sich angucken. 781 01:03:58,220 --> 01:04:07,060 Speaker 2: Und ich glaube, wenn man versteht, was zum Beispiel das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland gesellschaftspolitisch normativ geschaffen hat. 782 01:04:07,540 --> 01:04:13,120 Speaker 2: Das ist ein Gesetz, das verboten hat, dass Stellenausschreibungen diskriminierend sind. 783 01:04:14,260 --> 01:04:19,080 Speaker 2: Früher konnte man in der Zeitung lesen, junge, hübsche Sekretärin gesucht. 784 01:04:20,090 --> 01:04:24,540 Speaker 2: Das hübsch dürfte man theoretisch heute auch noch, weil Aussehensdiskriminierung nicht verboten ist. 785 01:04:24,980 --> 01:04:29,840 Speaker 2: Aber junge Sekretärin gesucht ist schon, also schon diese zwei Aspekte nach Geschlecht und 786 01:04:29,960 --> 01:04:32,420 Speaker 2: nach Alter zu sortieren, ist nicht mehr erlaubt. 787 01:04:32,420 --> 01:04:36,700 Speaker 2: Und heute würde das auch kaum noch jemand machen und sofort verstehen, wie absurd das 788 01:04:36,820 --> 01:04:36,940 Speaker 2: ist. 789 01:04:38,000 --> 01:04:40,400 Speaker 2: Aber das war lange Zeit üblich. 790 01:04:40,870 --> 01:04:42,440 Speaker 2: Und man braucht solche Gesetze. 791 01:04:42,700 --> 01:04:44,440 Speaker 2: In den Apps dann ist es immer noch üblich. 792 01:04:44,550 --> 01:04:44,660 Speaker 2: Genau. 793 01:04:45,990 --> 01:04:47,860 Speaker 2: Wo Jung ja auch noch kindlich heißt. 794 01:04:48,430 --> 01:04:52,259 Speaker 2: Die Charta der Vielfalt, die sich irgendwann mal gegründet hat, bei der deutsche Unternehmen 795 01:04:52,280 --> 01:04:56,380 Speaker 2: gesagt haben: "Hey, wir stehen selber für Vielfalt, wir brauchen keine Verbote, wir 796 01:04:56,540 --> 01:05:01,420 Speaker 2: machen das, wir leben das." Das war eine Reaktion auf die Einführung des AGG. Das muss man 797 01:05:01,430 --> 01:05:05,840 Speaker 2: auch noch mal wissen. Also das ist nicht so, dass von selbst irgendwann Leute gemerkt haben, 798 01:05:05,980 --> 01:05:10,660 Speaker 2: Mensch, Platz machen, diverser werden, offener werden, freundlicher werden, empathischer werden. 799 01:05:11,020 --> 01:05:15,900 Speaker 2: Das gehört zu unserer Firmenkultur. Also es gibt garantiert auch Firmen, die haben das 800 01:05:15,910 --> 01:05:21,219 Speaker 2: in ihrer Firmenkultur auch schon vor 50 Jahren gehabt. Aber dass das sozusagen systemisch 801 01:05:21,240 --> 01:05:26,780 Speaker 2: geworden ist, dass es so erwartet wurde, dass Unternehmen sich da "Fabe" bekennen und 802 01:05:26,810 --> 01:05:31,520 Speaker 2: sich dafür aussprechen. Das hat alles erst damit angefangen, dass man gesagt hat, Diskriminierung 803 01:05:31,620 --> 01:05:35,960 Speaker 2: muss verboten sein. Und das hat quasi in Deutschland tatsächlich erst damit angefangen, 804 01:05:36,060 --> 01:05:41,180 Speaker 2: dass die EU das vorgegeben hat und dann ein Vertragsverletzungsverfahren brote. Wir sind 805 01:05:41,300 --> 01:05:45,700 Speaker 2: das Land, das als letztes ein Antidiskriminierungsrecht eingeführt hat. Und viele hatten das auch 806 01:05:45,710 --> 01:05:50,679 Speaker 2: schon lange vor den EU-Richtlinien. Das ist nicht so, dass alle erst warten, bis irgendein 807 01:05:50,700 --> 01:05:53,980 Speaker 2: europäischer Staatenverbund ihnen vorschreibt, dass sie nicht mehr diskriminieren dürfen, 808 01:05:54,160 --> 01:05:59,360 Speaker 2: sondern manche Länder hatten es schon in den 80er Jahren oder in den USA sogar schon noch 809 01:05:59,680 --> 01:05:59,780 Speaker 2: früher. 810 01:06:00,020 --> 01:06:04,500 Speaker 2: Aber da sehen wir jetzt leider, also auf die USA zu zeigen bei dem Thema fällt mir gerade 811 01:06:04,780 --> 01:06:06,020 Speaker 2: leider sehr, sehr schwer natürlich. 812 01:06:06,920 --> 01:06:11,000 Und das Spannende ist ja, dass wir dann die ganzen Erfahrungswerte dazu hatten, dass diverse 813 01:06:11,260 --> 01:06:15,360 Teams, so heißt es dann ja immer, tatsächlich besser performen. 814 01:06:15,560 --> 01:06:15,680 Ja. 815 01:06:16,420 --> 01:06:19,680 Und dann ist natürlich auch die Frage, wie definierst du Performance? 816 01:06:20,380 --> 01:06:23,180 Und da sind wir natürlich auch jetzt gerade wieder im Aushandeln darüber. 817 01:06:23,970 --> 01:06:26,980 Wenn Elon Musk und andere von den Tech Bros sagen, 818 01:06:26,990 --> 01:06:29,220 wir brauchen jetzt wieder richtig effiziente Männer-Teams, jetzt reicht es mal, 819 01:06:29,620 --> 01:06:32,800 dann ist das natürlich auch eine Idee von Erfolg, die sehr, 820 01:06:33,040 --> 01:06:35,640 da bin ich noch einmal bei den Libertären, gesellschaftsvergessen ist. 821 01:06:36,600 --> 01:06:39,200 Und da geht es nur noch wirklich darum, das maximal rauszuholen. 822 01:06:39,340 --> 01:06:41,320 Und na klar, wenn ich keine Fürsorgearbeit machen muss, 823 01:06:41,460 --> 01:06:46,140 sondern 70 bis 80 Stunden genötigt werden kann, dort zu performen, 824 01:06:46,560 --> 01:06:50,640 dann wird das für das Unternehmen sicherlich eindrucksvolle Werte mit sich bringen. 825 01:06:50,790 --> 01:06:53,620 Aber die Frage ist natürlich, wer sind wir eigentlich? 826 01:06:54,460 --> 01:07:00,360 Speaker 2: Denen kann es aber ja auch egal sein, weil diese Tech-Giganten sind ja auch gegen den freien Markt, 827 01:07:00,430 --> 01:07:04,260 Speaker 2: in dem Konkurrenz herrscht. Und wenn du Konkurrenz abschaffst, dann kannst du natürlich auch sagen, 828 01:07:04,340 --> 01:07:08,320 Speaker 2: dann ist es mir auch wurscht, ob jetzt ein diverses Team besser performen würde oder nicht, 829 01:07:08,600 --> 01:07:11,260 Speaker 2: weil ich bestimme einfach, was gemacht wird und dann wird es gemacht. 830 01:07:12,920 --> 01:07:14,540 Das ist ja eigentlich das, wo sie wieder hinwollen. 831 01:07:14,720 --> 01:07:18,920 Sie wollen ja jetzt auch Staatenverbund irgendwie privat die Regeln wieder definieren. 832 01:07:18,920 --> 01:07:23,640 Also sie wollen eigentlich dahin zurück, dass sie als Voldarherren definieren dürfen, wer mitmachen kann oder nicht. 833 01:07:23,900 --> 01:07:30,660 Speaker 2: Und weil du das vorhin mit X erwähnt hattest, das fand ich, also mich wundert immer wieder, 834 01:07:30,840 --> 01:07:38,640 Speaker 2: dass Dinge, die im digitalen Kontext passieren, also im Internet passieren, nicht als real wahrgenommen werden. 835 01:07:40,720 --> 01:07:47,680 Speaker 2: Kein Vizekanzler, und das war Robert Habeck zum Beispiel die letzten Jahre in der Ampelregierung, 836 01:07:48,380 --> 01:07:53,340 Speaker 2: würde eine Regierungserklärung in einer, Entschuldigung, Nazi-Kneipe machen. 837 01:07:53,840 --> 01:07:57,940 Speaker 2: Und dann sagen, spread the news. Die anderen können es ja irgendwie sich auch angucken und anhören. 838 01:07:58,500 --> 01:08:02,420 Speaker 2: Und wenn die Nazis da aufschreien, dann kann man ja in den Diskurs kommen und so. 839 01:08:03,160 --> 01:08:08,960 Speaker 2: Aber bei X wurde das gemacht, sogar in der letzten Zeit, wo dann wirklich eindeutig war, 840 01:08:09,530 --> 01:08:16,920 Speaker 2: es werden auch Reaktionen unterhalb eines Kommentars, die gemäßigter sind, runtergerankt. 841 01:08:17,000 --> 01:08:21,779 Speaker 2: Das heißt, man las eigentlich nur erstmal alles, was dagegen war, und zwar alles, was sich so auskotzte. 842 01:08:22,600 --> 01:08:29,520 Speaker 2: Ich würde sagen, auch jenseits von Kommunikationsregeln und Höflichkeiten, teilweise mit Desinformation und so versehen. 843 01:08:29,700 --> 01:08:34,920 Ad hominem. Also ich bin da weggegangen, weil es hatte nichts mehr mit meinen Inhalten zu tun, sondern als Person. 844 01:08:36,100 --> 01:08:39,600 Passiert wohl immer noch. Ich sehe es jetzt nicht, aber ich merke es, weil Menschen mich ansprechen. 845 01:08:39,700 --> 01:08:43,359 Wie hältst du das alles aus? Und ich denke so, ach, Instagram und LinkedIn geht ganz gut. 846 01:08:43,839 --> 01:08:47,100 Und dann weiß ich, ach, guck mal, auf X tobt der Kampf gegen mich wahrscheinlich. 847 01:08:47,520 --> 01:08:51,040 Ich merke es nur nicht, ich habe den Shitstorm verpasst. Aber es lebt sich leichter. 848 01:08:51,240 --> 01:08:55,160 Aber es ist natürlich Thema, wo halten sich Hauptstadtjournalisten und Politiker auf? 849 01:08:56,240 --> 01:08:57,759 Dann wirst du da weiter zerpflückt. 850 01:08:58,069 --> 01:09:02,580 Selbst wenn du es nicht in dein persönliches Feld gerade reinlässt, findet es ja trotzdem statt. 851 01:09:03,140 --> 01:09:06,720 Und ich finde die Kraft des Normativen total wichtig. 852 01:09:07,049 --> 01:09:10,799 Speaker 2: Also ich habe ja vorhin gesagt, das AGG ist ein Gesetz, das regelt manche Dinge. 853 01:09:10,810 --> 01:09:13,279 Speaker 2: Es hat aber darüber hinaus ganz viel klargestellt. 854 01:09:13,380 --> 01:09:14,380 Speaker 2: Diskriminierung ist verboten. 855 01:09:14,980 --> 01:09:18,500 Speaker 2: Nicht nur aufgrund von Rassismus und Antisemitismus, sondern auch so. 856 01:09:18,589 --> 01:09:20,100 Speaker 2: Das war ganz wichtig für Deutschland. 857 01:09:20,920 --> 01:09:25,120 Speaker 2: Und bei X ist es so, wenn ich den Kanzler habe, der dort ist, 858 01:09:25,580 --> 01:09:29,180 Speaker 2: wie soll ich denn dann, oder TikTok, das war nämlich auch mein Punkt damals, 859 01:09:29,700 --> 01:09:32,480 Speaker 2: dann macht der Kanzler einen TikTok-Kanal auf. 860 01:09:32,790 --> 01:09:37,400 Speaker 2: Wie soll ich denn meinem Kind sagen, geh da nicht hin, ich finde das schwierig. 861 01:09:38,140 --> 01:09:40,619 Speaker 2: Da tummeln sich ganz viele Rechtsextreme. 862 01:09:41,480 --> 01:09:44,140 Speaker 2: Natürlich tanzen auch ganz viele Leute und ganz viele lustige Dinge passieren, 863 01:09:44,480 --> 01:09:47,540 Speaker 2: aber es sind halt auch wirklich viele Rechtsextreme unterwegs. 864 01:09:48,560 --> 01:09:51,580 Speaker 2: Wie kann ich meinem Kind sagen, geh da nicht hin, wenn da zum Beispiel der Kanzler 865 01:09:51,680 --> 01:09:55,180 Speaker 2: und alle Ministerien und alle Staatsapparate da auch reingehen. 866 01:09:55,260 --> 01:10:02,740 Speaker 2: Das macht ja einen enormen Seriositätswert, wenn die Bundesregierung mit ihren einzelnen Ministerien irgendwo präsent ist. 867 01:10:03,160 --> 01:10:04,860 Speaker 2: Das adelt einen Ort. 868 01:10:05,540 --> 01:10:10,720 Speaker 2: Und ich weiß, wie in einem Ministerium ausgewählt wird, wenn Einladungen kommen, 869 01:10:10,880 --> 01:10:13,360 Speaker 2: ob die Ministerin oder der Minister irgendwo hingeht. 870 01:10:13,900 --> 01:10:21,160 Speaker 2: Wie krass, nach welchen Kriterien wird da geguckt, ob man sozusagen mit der Anwesenheit der Ministerin das aufwertet. 871 01:10:21,160 --> 01:10:23,480 Speaker 2: Ja, genau, ob man das sozusagen tragen kann. 872 01:10:23,700 --> 01:10:26,020 Speaker 2: Weil man steht dann ja auch dafür, was dieser Ort macht. 873 01:10:26,800 --> 01:10:29,660 Speaker 2: Und das kann man sich doch bei X eigentlich gar nicht mehr vorstellen. 874 01:10:30,340 --> 01:10:34,200 Speaker 2: Und mir geht es gar nicht darum, dass da keine Politikerin oder Journalistinnen sein sollen. 875 01:10:34,780 --> 01:10:39,700 Speaker 2: Ich würde mir schwer tun damit, wenn sie das Gefühl haben, sie nehmen eine Stimmung aus dem Volk wahr, 876 01:10:39,860 --> 01:10:42,800 Speaker 2: weil wir einfach nachweislich wissen, da sind viele Trolle unterwegs. 877 01:10:43,320 --> 01:10:48,760 Speaker 2: Also beruflich Aktivismus betreibende Menschen, die Meinungen versuchen zu beeinflussen. 878 01:10:49,660 --> 01:10:51,660 Speaker 2: Wir wissen, dass da ganz viele Bots unterwegs sind. 879 01:10:52,420 --> 01:10:53,980 Speaker 2: Und dass die Algorithmen noch mitspielen. 880 01:10:55,660 --> 01:10:57,860 Speaker 2: Du sprichst rein, dein Mikrofon ist super leise, 881 01:10:58,200 --> 01:10:59,780 Speaker 2: zufällig versteht dich das Publikum nicht 882 01:10:59,960 --> 01:11:02,220 Speaker 2: und jemand anderes spricht rein und ist super überdreht 883 01:11:02,220 --> 01:11:05,160 Speaker 2: und alle hören es, auch wenn sie noch selber mit Reden beschäftigt sind. 884 01:11:05,940 --> 01:11:07,860 Speaker 2: Das sind natürlich Dinge, die kannst du nicht beeinflussen. 885 01:11:08,040 --> 01:11:11,280 Speaker 2: Also ich finde, staatliche Stellen sollten da nicht rein, 886 01:11:12,120 --> 01:11:15,800 Speaker 2: weil sie eine gewisse Verantwortung tragen, 887 01:11:16,080 --> 01:11:19,260 Speaker 2: eben nicht in extremistischen Räumen unterwegs zu sein. 888 01:11:21,260 --> 01:11:49,860 Dann gebe ich dir jetzt zum Schluss die Wünsch, die Liste. Also das wäre der erste Wunsch, den ich wahrgenommen habe, den ich teile. Was würdest du uns noch mitgeben? Also vielleicht von wie wir selbst diese Balance zwischen Individualismus und sich bei Diskriminierung, also das wahrzunehmen und dann eben auch konstruktiv einzumischen oder tatsächlich was du dir auf dem politischen, also du darfst jetzt so deine Wünsch dir was, damit wir damit nach vorne kommen, mit der Agenda, einmal noch uns mitgeben. 889 01:11:53,480 --> 01:11:58,300 Speaker 2: Jetzt im Gespräch mit dir habe ich auch nochmal gemerkt, dass ich glaube, das Thema Empathie, 890 01:11:58,820 --> 01:12:04,840 Speaker 2: also verstehe ich die Lebenswirklichkeit von anderen, total entscheidend ist beim gesellschaftlichen 891 01:12:05,060 --> 01:12:11,280 Speaker 2: Zusammenleben. Ich mache das jetzt nochmal an einem Beispiel, nämlich der Lifestyle-Debatte, klar. 892 01:12:11,420 --> 01:12:16,919 Speaker 2: Ich glaube, dass diejenigen, die das eingeführt haben bei der Union, bei der CDU, gar nicht 893 01:12:16,940 --> 01:12:22,240 Speaker 2: so gemeint haben im Sinne von: Alle Menschen, die in Teilzeit leben, empfinden das als Lifestyle 894 01:12:23,010 --> 01:12:26,440 Speaker 2: oder machen das für einen schöneren Lifestyle, weil sie keinen Bock haben, so richtig viel 895 01:12:26,440 --> 01:12:33,060 Speaker 2: zu arbeiten. Aber die Realität, nämlich dass die Masse der Menschen, die in Teilzeit arbeiten, 896 01:12:33,240 --> 01:12:39,220 Speaker 2: Frauen sind, die wiederum wirklich doppelt und dreifach arbeiten und eigentlich in Wochenarbeitsstunden 897 01:12:39,220 --> 01:12:44,059 Speaker 2: hier deutlich drüber sind, die wird offenbar nicht gesehen, weil das eigene Umfeld das 898 01:12:44,020 --> 01:12:48,300 Speaker 2: nicht hergibt. Also anders kann ich es mir nicht erklären, weil so der nochmal erklärt: 899 01:12:48,300 --> 01:12:52,640 Speaker 2: Nein, mit Lifestyle sind die gemeint, die dann aber das wirklich nur machen, weil sie eben 900 01:12:52,700 --> 01:12:56,480 Speaker 2: mehr Freizeit haben wollen. Und das ist doch eine krasse Belastung für die Arbeitgebenden. 901 01:12:56,620 --> 01:13:04,820 Speaker 2: Aber das ist ein Bruchteil der Menschen in Teilzeit. Das heißt, wenn wir, ich würde mir 902 01:13:05,020 --> 01:13:10,240 Speaker 2: sehr wünschen, dass zum Beispiel Politiker in den Bahn fahren, öffentliche Verkehrsmittel, 903 01:13:10,300 --> 01:13:17,640 Speaker 2: Also vor allem auch öffentlichen Nahverkehr nutzen und die Lebenswirklichkeit und die Realität von Menschen sehen. 904 01:13:18,780 --> 01:13:26,860 Speaker 2: Und selber, also bestimmt gehen da auch viele einkaufen, aber je näher man dran ist an den Menschen, für die man arbeitet, desto besser. 905 01:13:26,950 --> 01:13:30,680 Speaker 2: Und ich glaube, diese PolitikerInnen-Termine, die man vor Ort hat, die geben das nicht her. 906 01:13:30,910 --> 01:13:36,840 Speaker 2: Da wird man mit dem Fahrdienst abgesetzt, dann wird man geleitet, dann kommt der Vorsitzende des Vereins, der begrüßt einen dann herzlich, 907 01:13:36,920 --> 01:13:40,420 Speaker 2: dann darf man ein paar Sätze sagen, dann hört man noch ein bisschen das Stimmungsbild und geht wieder. 908 01:13:40,990 --> 01:13:42,360 Speaker 2: Das ist nicht real life. 909 01:13:44,000 --> 01:13:49,700 Speaker 2: Und ich habe das Gefühl, dass vielen Menschen, und damit sind tatsächlich auch die anderen gemeint, 910 01:13:49,760 --> 01:13:53,280 Speaker 2: auch die, die einen dann vielleicht beschimpfen, wenn man mal das falsche Wort benutzt hat, 911 01:13:53,440 --> 01:13:55,520 Speaker 2: und sich aufregen und sagen: "Wie kannst du das noch nicht wissen? 912 01:13:55,610 --> 01:14:00,620 Speaker 2: Du bist doch eine Frauenrechtlerin, du musst die und die Begriffe kennen und intersektional arbeiten und dies, das." 913 01:14:01,060 --> 01:14:02,760 Speaker 2: Dass auch da noch mal Empathie kommt. 914 01:14:02,920 --> 01:14:06,400 Speaker 2: Also es gibt verschiedene Annäherungsweisen an Themen. 915 01:14:06,410 --> 01:14:11,240 Speaker 2: Es gibt verschiedene Motivationen und auch ein bisschen diese Balance aus Empathie und Toleranz. 916 01:14:11,290 --> 01:14:19,780 Speaker 2: Ich glaube, wenn mehr Menschen in der Gesellschaft, aber auch in der Politik viel Empathie und viel Toleranz mitbringen, 917 01:14:20,740 --> 01:14:24,160 Speaker 2: dann wäre da schon extrem geholfen im Moment. 918 01:14:24,990 --> 01:14:29,240 Speaker 2: Dann würden die Nerven nicht so blank liegen, dann würden Diskurse anders geführt werden. 919 01:14:30,020 --> 01:14:34,700 Speaker 2: Aber wenn ich mir mein Stimmungsbild abhole bei X, dann liegen die Nerven blank und dann 920 01:14:34,860 --> 01:14:38,360 Speaker 2: habe ich das Gefühl, die Bevölkerung, also die Leute laufen mit Fackeln durch die Straßen 921 01:14:38,410 --> 01:14:41,660 Speaker 2: und brüllen gerade: "Das geht alles so gar nicht mehr, ich will Wechsel!" 922 01:14:42,020 --> 01:14:44,080 Speaker 2: Und dann sagen sie Menschen: "Wir müssen die Menschen abholen." 923 01:14:44,840 --> 01:14:50,360 Speaker 2: Und dann macht man halt solche Versprechungen und Vorschläge, wie sie manchmal kommen. 924 01:14:52,200 --> 01:14:56,320 Ich finde da vielleicht zum Schluss, wenn jemand das noch von den Hörenden sich angucken 925 01:14:56,340 --> 01:15:01,780 möchte, PolySphere, die arbeiten das immer sehr gut auf, wie eine auch tatsächlich ja 926 01:15:01,960 --> 01:15:09,800 wirklich Angriffswelle gegen jemanden wie zum Beispiel die Bewerberin für das Verfassungsgericht 927 01:15:10,160 --> 01:15:14,500 Frau Kobosius-Gersdorf oder gegen Dunja Hayali oder also wie das wirklich orchestriert wird, 928 01:15:14,620 --> 01:15:20,020 es sind meistens fünf Absender, sogenannte Alternativmedien, also einfach Online-Plattformen, 929 01:15:20,180 --> 01:15:24,159 die sich auch nicht unbedingt damit rühmen, Journalisten zwischen Standards zu entsprechen 930 01:15:24,180 --> 01:15:37,120 Und die das dann durch X. Also X ist immer die Amplifizierung, also der Moment, wo diese Deutung, es gibt auch wenige sehr aggressiv arbeitende Accounts, die das sehr setzen und dann die Deutungshoheit besetzen. 931 01:15:37,230 --> 01:15:42,680 Und dann wird es aufgenommen im normalen medialen Raum und dann ist eine gesellschaftliche Wattachdaraus geworden. 932 01:15:43,430 --> 01:15:48,740 Und ich meine, AfD-Kreise haben schon auch gesagt, Gott sei Dank gibt es X, sehen wir doch wieder, wie wichtig das ist. 933 01:15:49,320 --> 01:15:54,300 Und zumindest das Gewahr zu haben, wie Agenda-Setting funktioniert, wo es herkommt. 934 01:15:54,450 --> 01:16:00,140 Und vor allem dieses aggressive Agenda-Setting, was nichts mit strukturellen Themen beleuchten, 935 01:16:00,340 --> 01:16:03,260 Verständnis generieren, sondern wirklich mit Fertigmachen zu tun hat. 936 01:16:03,900 --> 01:16:08,820 Und das ist nicht Individualismus oder Freiheit schützend, wenn wir systematisch die Stimmen reduzieren, 937 01:16:09,040 --> 01:16:11,440 die sich noch trauen, in der öffentlichen Debatte teilzunehmen. 938 01:16:12,760 --> 01:16:15,880 Deshalb danke, dass du heute das mit uns gemacht hast. 939 01:16:16,240 --> 01:16:23,540 Speaker 2: Sehr, sehr gerne. Danke, dass du diese Reihe machst und auf Themen hinweist, über die wir mal vertieft sprechen können. Ich freue mich total. 940 01:16:25,020 --> 01:16:25,220 Speaker 2: Danke. 941 01:16:32,020 --> 01:16:38,160 So, vielen herzlichen Dank fürs Zuhören. Neu Denken ist ein Projekt von Mission Wertvoll. 942 01:16:38,720 --> 01:16:43,500 Ein Science Society Netzwerk, das sich den Chancen und Wegen in eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat. 943 01:16:44,080 --> 01:16:50,420 Wie wir dahin kommen, das werden wir nur gemeinsam herausfinden und deshalb freuen wir uns über eure Aufmerksamkeit und euer Feedback. 944 01:16:51,060 --> 01:16:56,720 Besonders dankbar sind wir all denjenigen, die durch einen finanziellen Beitrag unsere Arbeit hier möglich machen. 945 01:16:57,380 --> 01:17:03,680 Wenn auch du Lust hast, neu denken zu fördern und aktiv mitzugestalten, dann schau gerne einmal in die Shownotes, wie das geht. 946 01:17:04,620 --> 01:17:06,180 Hoffentlich bis zum nächsten Mal. 947 01:17:35,340 --> 01:17:35,360 Untertitelung des ZDF für funk, 2017