1 00:00:01,900 --> 00:00:07,740 Speaker 1: Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. So heißt es doch immer. Doch gerade scheint es, 2 00:00:07,940 --> 00:00:12,520 Speaker 1: dass Herrschaftsansprüche sich doch wieder sehr auf einige wenige Männer beschränken, 3 00:00:12,930 --> 00:00:16,700 Speaker 1: die ihrer Machtausübung auch keinerlei Grenzen mehr setzen lassen wollen. 4 00:00:17,850 --> 00:00:22,660 Speaker 1: Nicht selten bekommen sie auch noch Rückenwind. Und zwar, weil sich in Demokratien anscheinend 5 00:00:22,960 --> 00:00:29,980 Speaker 1: nichts mehr bewegt. Zahnlose Tiger. Nur Gerede. Keine Durchsetzungskraft oder zumindest 6 00:00:30,000 --> 00:00:36,180 Speaker 1: scheint es so. Was also macht demokratische Macht aus? Warum geht es dabei nicht nur 7 00:00:36,240 --> 00:00:42,880 Speaker 1: um Regelsetzung, sondern um Gestaltenkönnen und das eben gerne in Kooperation? Und wie 8 00:00:42,930 --> 00:00:46,640 Speaker 1: kann die Macht vom Volke ausgehen, wenn wir doch anscheinend gar nichts mehr gemeinsam 9 00:00:46,890 --> 00:00:51,780 Speaker 1: haben? Stimmt das überhaupt? Diese Fragen haben wir in dieser Folge mit Gesine Schwan 10 00:00:51,800 --> 00:00:56,440 Speaker 1: diskutiert. Sie ist seit Jahrzehnten eine der einflussreichsten Politikwissenschaftlerinnen 11 00:00:56,460 --> 00:01:01,980 Speaker 1: in Deutschland. Und das mit klarem Kompass für die Demokratie. Und einer Vision, in 12 00:01:01,980 --> 00:01:06,840 Speaker 1: der die sinnvolle Verteilung von Gestaltungsmacht zu richtig guten Ergebnissen führen kann. 13 00:01:07,940 --> 00:01:12,020 Speaker 1: Dabei hat sie auch nie ein Problem damit, Wahrheiten auszusprechen, selbst wenn sie 14 00:01:12,220 --> 00:01:13,780 Speaker 1: machtvollen Menschen missfallen. 15 00:01:14,660 --> 00:01:19,920 Speaker 1: Mein Name ist Maja Göpel, ihr hört Neudenken, den Podcast von Mission Wertvoll. Heute zum 16 00:01:20,040 --> 00:01:25,720 Speaker 1: Thema Macht in Demokratien. Und warum das Streben nach einem machtvollen Amt kein Zeichen 17 00:01:25,780 --> 00:01:29,540 Speaker 1: von EgoTrip sein muss, sondern durchaus dem Gemeinwohl dienen kann. 18 00:01:38,360 --> 00:01:39,320 Speaker 1: Herzlich willkommen. 19 00:01:39,860 --> 00:01:40,840 Speaker 1: Einen schönen guten Tag. 20 00:01:42,380 --> 00:01:46,440 Speaker 1: Gesine, ich bin schon ganz lange Fan von dir, muss ich gleich von vornherein sagen. 21 00:01:46,490 --> 00:01:51,960 Speaker 1: Ich finde es so spannend, wie viele Fragestellungen du mit so einem klaren Kompass immer angegangen 22 00:01:52,160 --> 00:01:52,240 Speaker 1: bist. 23 00:01:52,380 --> 00:01:57,260 Speaker 1: Also du bist so Politikwissenschaftlerin durch und durch, aber hast links und rechts ja immer geschaut. 24 00:01:57,470 --> 00:02:00,000 Speaker 1: Richtung Psychologie, Kultur hast du jetzt stark gemacht. 25 00:02:00,100 --> 00:02:05,000 Speaker 1: Du hast dich aber auch mit politischer Ökonomie und Karl Marx und den Produktionsbedingungen beschäftigt. 26 00:02:05,060 --> 00:02:10,940 Speaker 1: Immer wieder würde ich denken mit der Frage, wo kommt denn sowas wie Gestaltungsmacht her, oder? 27 00:02:11,080 --> 00:02:13,760 Speaker 1: Was hat dich denn da fasziniert? Wie bist du da reingeschlittert? 28 00:02:14,220 --> 00:02:18,440 Also ich habe ja Politikwissenschaft studiert und dann auch unterrichtet an der Universität 29 00:02:18,460 --> 00:02:25,700 und immer mit dem Ziel, dadurch besser ausgestattet zu sein mental, um politisch gestalten zu helfen. 30 00:02:25,790 --> 00:02:29,560 Denn die politische Gestaltung war für mich das A und O. 31 00:02:30,280 --> 00:02:33,900 Das kommt aus meiner Herkunft, 43 geboren. 32 00:02:33,970 --> 00:02:37,580 Ich habe den Nationalsozialismus nicht erlebt, aber meine Eltern waren im Widerstand 33 00:02:37,800 --> 00:02:42,900 und haben ganz stark meinem älteren Bruder und mir aufgegeben, für Demokratie zu sorgen, 34 00:02:43,260 --> 00:02:46,220 gegen Willkür zu arbeiten, mich zu engagieren in Europa. 35 00:02:46,260 --> 00:02:55,220 Aber das ist sozusagen der Auftrag gleichsam oder man kann auch psychoanalytisch sagen, die Delegation, die wir gekriegt haben. 36 00:02:56,040 --> 00:03:00,240 Und das hat mich also mein Leben lang bewegt. 37 00:03:00,850 --> 00:03:08,640 Aber ich war auch immer, mein Hauptfach war ja Philosophie, ich war auch immer daran interessiert, tiefer zu gehen. 38 00:03:09,860 --> 00:03:12,000 Und zwar auf der Ebene der Begründung. 39 00:03:12,070 --> 00:03:14,580 Ich wusste nichts von Habermasens Deliberation. 40 00:03:15,120 --> 00:03:22,340 Aber dieser Gedanke, dass man seine Position begründen muss und dass man, wenn man das versucht, immer tiefer geht. 41 00:03:22,440 --> 00:03:27,920 Man kann ja nicht einfach sagen, das ist meine Begründung Feierabend, dann kommt die nächste Frage, ja, wie begründest du die Begründung? 42 00:03:28,280 --> 00:03:35,400 Und so geht es weiter. Das heißt, ich war immer auch sehr stark an philosophischen, grundsätzlichen Fragen interessiert. 43 00:03:36,500 --> 00:03:42,959 Und das hat sich auch für mich bewährt, weil ich glaube, dass diese grundsätzlichen Fragen helfen, eine gute Praxis vorauszudenken. 44 00:03:43,860 --> 00:03:47,980 wenn man nicht tief genug schürft, wenn man nicht tief genug guckt, 45 00:03:48,000 --> 00:03:52,240 wie begründet man das auch gegen Einwände, was man da gerade unternimmt, 46 00:03:52,720 --> 00:03:57,620 dann ist man sehr schnell irgendwie bei einem Geplapper, das nicht weiterhilft. 47 00:03:57,620 --> 00:04:02,780 Und umgekehrt habe ich das sowohl, als ich damals kandidiert habe für die Bundespräsidentschaft, 48 00:04:03,060 --> 00:04:08,200 gemerkt, als auch später, dass es sehr hilft, die Dinge grundsätzlich durchdacht zu haben. 49 00:04:08,680 --> 00:04:12,860 Und es ist auch nicht so, dass Menschen sich nicht dafür interessieren oder das nicht verstehen. 50 00:04:13,340 --> 00:04:16,940 Die Menschen sind viel klüger und verständiger, als wir oft denken. 51 00:04:17,200 --> 00:04:21,519 Wir müssen natürlich einigermaßen so sprechen, wie die Alltagssprache ist. 52 00:04:21,650 --> 00:04:23,980 Das kann man aber, wenn man die Dinge wirklich verstanden hat. 53 00:04:23,980 --> 00:04:32,980 Und in diesem Sinne hat mich also Politik, Politikwissenschaft und natürlich auch das Thema Macht sehr interessiert, 54 00:04:33,160 --> 00:04:35,660 weil das spielt einfach in der Politik eine große Rolle. 55 00:04:36,200 --> 00:04:43,520 Einer meiner, vielleicht nicht mal akademischen Lehrer, aber Vorbilder als Public Intellectual war Richard Löwenthal. 56 00:04:43,790 --> 00:04:48,460 Nicht Gerhard Löwenthal, sondern Richard Löwenthal. Das ist für meine Generation ein großer Unterschied. 57 00:04:49,200 --> 00:04:57,580 Und Richard Löwenthal hat immer großen Wert darauf gelegt, dass ich nicht zu geistesgeschichtlich und ideell und philosophisch argumentiere, 58 00:04:57,710 --> 00:05:01,600 sondern dass ich weiß, Macht spielt in der Politik eine große Rolle. 59 00:05:02,240 --> 00:05:10,140 Und das muss man auch. Man sieht es ja an der Gegenwart. Es hat keinen Sinn, irgendwelche Hirngespinste auszubuchstabieren, 60 00:05:10,320 --> 00:05:22,700 sondern man muss mit Macht rechnen und man muss sich selbst eine gute Strategie überlegen, wie man etwas wirkmächtig gestaltet. Das ist sehr wichtig. 61 00:05:23,560 --> 00:05:36,200 Speaker 1: Das ist ja schon spannend. Also das Deliberative von Habermas, was du angesprochen hast, hat ja sehr viel genau mit diesem, ich nehme mir den Raum, aber auch ich mache das Angebot und nehme damit das Gegenüber ernst, dass ich mich erkläre. 62 00:05:36,620 --> 00:05:41,200 Speaker 1: Und dass wir gemeinsam suchen, was dann im Idealfall auch ein gutes Ergebnis sein kann. 63 00:05:41,220 --> 00:05:45,300 Speaker 1: Er hat ja auch so eine ideale Sprechsituation, wie wir diese Räume kuratieren könnten. 64 00:05:46,000 --> 00:05:51,000 Speaker 1: Und wir verbinden aber ganz viel ja mit Macht erst mal so dieses, basta, ich hau auf den Tisch. 65 00:05:51,440 --> 00:05:55,840 Speaker 1: Und das Spektrum ist ja sehr groß. Und wie beobachtest du das? 66 00:05:56,110 --> 00:06:03,440 Speaker 1: Also hast du das Gefühl, es gibt bestimmte Zeiträume, wo dieses wir kommen gemeinsam zu einem ganz guten Ergebnis, 67 00:06:03,600 --> 00:06:08,640 Speaker 1: was dann auch getragen wird, das Deliberative mehr wirken kann? Oder sind das eher bestimmte Räume? 68 00:06:09,440 --> 00:06:15,740 Speaker 1: Und dann würde ich dich danach nochmal fragen, wo du im Moment natürlich besonders diesen Wunsch nach durchregieren, wo der herkommt. 69 00:06:17,220 --> 00:06:29,660 Also es ist, glaube ich, nicht eine Abfolge, dass wir jetzt mehr nachdenken oder mehr reflektiv Macht ausüben, 70 00:06:29,820 --> 00:06:35,760 sondern wir haben in einer Gesellschaft gleichzeitig den Versuch durchzuregieren mit einer Macht, 71 00:06:35,940 --> 00:06:43,760 die in die Basta-Richtung geht und auf der anderen Seite eine Macht als Gestaltungsmacht und als gemeinsamen Impetus zu haben. 72 00:06:44,060 --> 00:06:49,820 Im Gegenteil, ich leite ja jetzt mit anderen eine NGO, die Berlin Governance Plattform, 73 00:06:49,910 --> 00:06:53,260 und wir machen sehr viele Arbeit vor Ort in Kommunen. 74 00:06:53,840 --> 00:06:57,900 Und da merke ich ganz deutlich, dass eine große Bereitschaft besteht, 75 00:06:58,900 --> 00:07:04,000 die gemeinsamen längerfristigen Fragen, sei es eine neue Mobilitätsanordnung 76 00:07:04,190 --> 00:07:09,820 oder sei es eine Gestaltung der Innenstadt oder jetzt die Wärmewende oder Wärmeplanung, 77 00:07:10,300 --> 00:07:11,840 dass man das gemeinsam macht. 78 00:07:12,020 --> 00:07:20,060 Es gibt viele, die das Bedürfnis haben, mit anderen zu sprechen, sie zu verstehen, aber auch die eigene Position darzubringen. 79 00:07:20,840 --> 00:07:34,180 Und das alles ist etwas, was gleichzeitig passiert, wenn auch im Spektakulären in den Zeitungen, wenn wir jetzt an Trump oder Putin oder Xi Jinping denken, 80 00:07:35,259 --> 00:07:50,480 Da ist ja sozusagen eine Primitivität und eine Verachtung von gemeinsamen Gesprächen, von Gemeinsamkeit und von gemeinsamen Finden oder auch Tun zu spüren. 81 00:07:50,640 --> 00:07:59,100 Also bloß, ich meine, es hat immer in der Welt solche Gegensätze gegeben. Die Welt war nie gut, sie war nie einfach böse, sie war immer beides. 82 00:07:59,200 --> 00:08:03,940 Und deswegen müssen wir uns engagieren, dass das, was positiv läuft, auch gestärkt wird. 83 00:08:04,080 --> 00:08:13,960 Und das, denke ich, kann man machen. Mit der Macht, natürlich, wenn man so, sagen wir mal, christlich aufwächst, die andere Wange hinhalten, 84 00:08:16,980 --> 00:08:25,460 dann meint man, man solle nicht Macht ausüben, sondern sozusagen aufgeben oder verzichten. 85 00:08:25,490 --> 00:08:31,660 Das ist aber gar nicht der Sinn, sondern die Frage ist, mit welcher Gegenmacht man Macht beantwortet. 86 00:08:32,520 --> 00:08:42,180 Die spontane Idee ist mit der ähnlichen Art von Macht, was da macht, Militär, Stärke, draufhauen, wie man selbst behandelt wird. 87 00:08:42,680 --> 00:08:48,580 Das ist vielleicht im Moment wirksam, wenn man gestoppt werden soll oder wenn man selbst jemanden stoppen will. 88 00:08:48,600 --> 00:08:54,120 Es ist aber nicht wirksam, wenn man selbst etwas besser gestalten will. 89 00:08:54,340 --> 00:09:01,780 dann ist einfach eine Art subversive Macht, die überraschend freundlich ist zum Beispiel 90 00:09:02,080 --> 00:09:07,380 und nicht draufhaut, so wie das das Gegenüber erwartet, oft viel wirksamer. 91 00:09:07,410 --> 00:09:11,080 Sie muss aber, weil sie oft die Situation plötzlich entspannt. 92 00:09:11,190 --> 00:09:16,620 Die Menschen sind überrascht, dass wenn sie einen anpöbeln, dass man nicht zurückpöbelt, 93 00:09:16,910 --> 00:09:23,200 sondern sagt, ich glaube, sie sind zurzeit sehr verärgert, kann nicht verstehen, woher das kommt oder sowas. 94 00:09:23,200 --> 00:09:24,180 Das erwarten sie nicht. 95 00:09:24,660 --> 00:09:50,340 Aber in diesem Kampf gegenwärtig auf der Weltbühne zwischen Skrupellosigkeit und Ruchlosigkeit, wie Trump sie darstellt und genauso Putin, in dem Kampf zwischen dieser Verhaltensweise und dem Versuch dennoch Kurs zu halten und Menschlichkeit zu wahren und längerfristig zu denken und nicht nur für den kurzfristigen Erfolg auf den Tisch zu hauen, 96 00:09:51,020 --> 00:09:58,940 In dem Kampf ist die Endaussage nicht gefallen. Das ist ein Dauerkampf in unserer Geschichte, aber auch jetzt. 97 00:09:59,220 --> 00:10:09,480 Ich könnte gar nicht anders, als mich auf die Seite derer zu schlagen, die Menschlichkeit hochhalten und die auch daran glauben, dass es wirkt. 98 00:10:09,620 --> 00:10:12,860 Und im Kleinen kann ich das jeden Tag beobachten. 99 00:10:13,120 --> 00:10:23,840 Es ist nicht so, dass Menschen generell gerne haben, dass feindselig agiert wird, aggressiv agiert wird, unterdrückt wird, gekränkt wird. 100 00:10:24,340 --> 00:10:32,040 Das ist etwas, was psychisch labile Menschen gerne mit anderen tun, aber die, die Opfer einer solchen Behandlung sind, mögen das nicht. 101 00:10:32,780 --> 00:10:39,100 Und das ist auch in unseren Erfahrungen einer gut durchdachten Partizipation so. 102 00:10:39,760 --> 00:10:46,260 Da haben wir zehn sogenannte kommunale Entwicklungsbeiräte für langfristige politische Projekte aufgebaut. 103 00:10:46,420 --> 00:10:52,060 Fünf in Ostdeutschland, fünf in Westdeutschland, die nach dem Multi-Stakeholder-Prinzip arbeiten. 104 00:10:52,180 --> 00:10:57,819 Also die Interessengruppen oder die Gruppen aus Politik, Wirtschaft und organisierter Zivilgesellschaft 105 00:10:57,840 --> 00:11:06,140 kommen zusammen an einen Tisch und besprechen, wie sie zum Beispiel einen Innenplatz, einen Cottbus, 106 00:11:06,360 --> 00:11:14,320 der ein sehr frequentierter Innenplatz bis 1989 war, also ein Zentrum, dann verfallen ist und jetzt eine 107 00:11:14,680 --> 00:11:21,520 provozierende Ruinlandschaft war, wie das wieder aufgebaut werden soll. Und da spürt man, wir haben 108 00:11:21,460 --> 00:11:28,720 geradezu als Regel, dass wer daran teilnimmt, wertschätzend auftreten muss, in der Art 109 00:11:28,880 --> 00:11:34,480 des Gesprächs anknüpfen muss an dem, was vorher gesagt wird. Das ist so handwerklich, 110 00:11:34,610 --> 00:11:40,480 aber es ist wichtig, denn wenn man anknüpft an etwas anderem, ist da immer eine latente 111 00:11:40,640 --> 00:11:47,979 Bestätigung des anderen drin. Und diese Art des Umgangs, das sagt übrigens auch Habermas 112 00:11:48,020 --> 00:11:54,460 an einer Stelle. Diese Art des Umgangs ist zum Teil viel wichtiger und wirksamer und überzeugender 113 00:11:55,040 --> 00:12:00,420 als jetzt ein klasse Argument. Das ist auch wichtig. Aber der Umgang ist sehr wichtig. 114 00:12:00,540 --> 00:12:11,300 Und wir dürfen nicht aufgeben, daran zu glauben, darauf zu hoffen, dass Menschen auf positive 115 00:12:11,360 --> 00:12:19,560 ansprache ihrerseits positiv reagieren es gibt sehr psychisch beschädigte menschen so sehe ich 116 00:12:19,740 --> 00:12:26,600 dass sie nicht einfach aus bösem willen oder so reagieren ich glaube auch trump ist einfach 117 00:12:26,880 --> 00:12:32,540 schwer geschädigt und überhaupt gar nicht in der lage eine konstruktive beziehung aufzubauen das kann 118 00:12:32,620 --> 00:12:37,380 der gar nicht das ist das fatale der kann eigentlich sich nur ins spiel bringen durch 119 00:12:37,360 --> 00:12:42,100 Speaker 1: zerstörung und das macht er auch pausenlos das wirkt ja so ein bisschen wie ich spüre macht 120 00:12:42,270 --> 00:12:48,460 Speaker 1: indem ich nein sage ich fühle mich dadurch dass ich allen anderen so vom kopf schlage dass ich 121 00:12:48,460 --> 00:12:54,540 Speaker 1: die aufmerksamkeit bündel ja aber das ist der kern des narzissmus mit er das ist es gibt sehr gute 122 00:12:54,680 --> 00:13:02,219 abhandlungen von dem psychoanalytiker erich fromm der gerade jetzt noch mal ein bändchen im vorigen 123 00:13:02,240 --> 00:13:07,300 herausgegeben hat, wo er so verschieden, also nicht er, sondern die Erich-Fraum-Gesellschaft, 124 00:13:09,600 --> 00:13:16,760 diese Psychologie des Narzissmus sozioökonomisch als auch psychoanalytisch beleuchtet. Und das 125 00:13:17,120 --> 00:13:25,000 ist einfach sozusagen gespuckt, das Modell. Und der Kern ist, dass jemand, der nicht in der Lage ist, 126 00:13:25,140 --> 00:13:29,680 uns auch nicht erfahren hat, geliebt zu werden und auf diese Weise eine Beziehung herzustellen, 127 00:13:30,620 --> 00:13:34,560 aber eine Beziehung haben will. Und diese Beziehung geht nur über das Destruktive. 128 00:13:34,890 --> 00:13:40,420 Und das ist natürlich fatal, wenn so einer dann auch noch so viel Macht hat im Sinne von Militär 129 00:13:40,540 --> 00:13:45,340 und Anordnungsvermögen und so weiter. Aber das ist verheerend. Und wir merken in diesen 130 00:13:46,580 --> 00:13:52,880 kommunalen Entwicklungsbeiräten, wie Menschen, wenn diese Regel praktiziert wird, dass man sich 131 00:13:53,120 --> 00:13:57,919 freundlich begegnet, dass man sich mit Wertschätzung begegnet, dass man hinhört, dass man interessiert 132 00:13:57,940 --> 00:14:05,200 es an einem Argument, sich wandeln. Und das Ergebnis ist jetzt zehnmal gewesen, dass wir 133 00:14:05,290 --> 00:14:10,440 am Ende Empfehlungen gemacht haben, die alle einstimmig waren, obwohl es von ganz unterschiedlichen 134 00:14:10,700 --> 00:14:16,860 Positionen her argumentiert wurde. Also mich bestätigt die Arbeit im Kleinen sehr daran, 135 00:14:17,440 --> 00:14:21,780 dass ein Menschenbild, das nicht total vom Schlechten ausgeht, auch nicht vom Guten, 136 00:14:21,940 --> 00:14:44,820 Das ist klar, wir haben beide Potenziale. Aber dass von beiden Potenzialen ausgeht, das Richtige ist. Und bei der Macht ist dann das Problem, also ich habe ja mal kandidiert für die Bundespräsidentschaft und da gab es ein paar Journalisten, die mir nicht so sehr wohlgesonnen waren bei der zweiten Kandidatur. 137 00:14:44,820 --> 00:14:45,900 Die erste, die ist einfach gleich gesagt. 138 00:14:45,900 --> 00:14:48,020 Speaker 1: Die eine war 2004 und die andere war 2008. 139 00:14:48,440 --> 00:14:50,240 Ja, neun ist dann gewählt worden. 140 00:14:51,260 --> 00:14:56,540 Und da hat mich dann so ein Journalist, bei dem ich merkte, der wollte, der konnte mich nicht ausstehen, 141 00:14:57,040 --> 00:15:02,660 hat mich gefragt, warum sind Sie eigentlich so auf Macht gierig, dass ich für so eine Position kandidiere. 142 00:15:02,680 --> 00:15:05,640 Speaker 1: Ernsthaft, das fragt er ausgerechnet, die erste Frau, die für das Amt läuft. 143 00:15:05,840 --> 00:15:08,660 Ja, als Frau ist das auch noch wenig passend. 144 00:15:08,760 --> 00:15:11,600 Der hat sich ein bisschen geniert, das direkt auf die Frau zu schieben. 145 00:15:11,800 --> 00:15:15,080 Das geht sozusagen im öffentlichen Diskurs nicht mehr so ohne weiteres. 146 00:15:15,480 --> 00:15:18,980 Aber man hörte es mit. Sie als Frau, warum wollen Sie so viel Macht? 147 00:15:20,000 --> 00:15:24,120 Und da habe ich gesagt, ja, ich will sehr gerne Macht, aber es gibt verschiedene Machtverständnisse. 148 00:15:24,720 --> 00:15:32,600 Grob gesagt, eine Macht, die sich durchsetzt gegen andere und eine Macht, die zustande kommt, dass man mit anderen zusammen agiert und gestaltet. 149 00:15:33,259 --> 00:15:37,660 Oft kulturelle Macht. Und die will ich, wenn ich möchte, gerne politisch gestalten. 150 00:15:38,100 --> 00:15:42,580 Und er war so perplex, er hatte diese Unterscheidung nicht gehört bis dahin. 151 00:15:42,580 --> 00:15:45,620 Er dachte, er hätte mich zur Strecke gebracht, aber es war nicht so. 152 00:15:46,280 --> 00:15:48,640 Und ich fand, konnte ihm auch nicht mal böse sein. 153 00:15:48,690 --> 00:15:50,260 Er war einfach nicht gebildet genug. 154 00:15:50,450 --> 00:15:52,440 Er hatte sich nicht genügend Alternativen überlegt. 155 00:15:52,440 --> 00:15:54,980 Speaker 1: Aber kannst du uns das, weil ich glaube, das ist relevant, noch mal beschreiben. 156 00:15:55,120 --> 00:15:56,720 Speaker 1: Ich hatte das in einem Interview von dir auch gelesen. 157 00:15:56,840 --> 00:15:59,920 Speaker 1: Da ging es eher darum, das Amt mit weniger Macht, 158 00:16:00,130 --> 00:16:02,000 Speaker 1: warum du die Bundespräsidentin hättest werden wollen, 159 00:16:02,110 --> 00:16:02,980 Speaker 1: das hätte doch weniger Macht. 160 00:16:03,740 --> 00:16:05,880 Speaker 1: Regierungsmacht ist doch das eigentlich, wo ich die Regeln setze. 161 00:16:06,320 --> 00:16:07,820 Speaker 1: Und da hast du das nämlich geantwortet. 162 00:16:07,840 --> 00:16:09,520 Speaker 1: Du hast gesagt, nee, es geht ja auch um eine politische Kultur, 163 00:16:10,200 --> 00:16:14,420 Speaker 1: um Räume gestalten, um Dialoge zu öffnen, um Positionen zu sortieren. 164 00:16:15,040 --> 00:16:17,120 Speaker 1: Vielleicht kannst du da nochmal genau dieses Durchschild. 165 00:16:17,440 --> 00:16:21,760 Man kann sich ja immer fragen, wenn man jetzt Basta sagt, 166 00:16:22,020 --> 00:16:24,860 dann hört vielleicht im Moment irgendeine Diskussion auf. 167 00:16:24,880 --> 00:16:27,040 Aber es hört ja überhaupt nicht der Widerstand auf. 168 00:16:27,380 --> 00:16:33,540 Der kann ja nur überwunden werden, wenn man selbst die andere Position überzeugt hat, 169 00:16:34,040 --> 00:16:37,340 dass es gemeinsam das Bessere ist. Nicht, dass ich siegen will. 170 00:16:37,500 --> 00:16:42,900 Das Problem ist, in unserem Politikverstand, das haben wir fast immer, ein Nullsummenverständnis. 171 00:16:43,040 --> 00:16:47,220 Wir denken, wer gewinnt, hat auf der anderen Seite jemanden, der verliert. 172 00:16:47,500 --> 00:16:53,400 Win-Win-Situationen lassen sich die Menschen nicht so schnell vorstellen. 173 00:16:53,600 --> 00:16:56,000 Also sie können das nicht. Sie denken immer, einer muss verlieren. 174 00:16:57,940 --> 00:17:01,900 Dabei ist es nicht so. Man kann ganz klar Win-Win-Situationen schaffen. 175 00:17:01,980 --> 00:17:05,280 Man könnte auch mit der Migration lauter Win-Win-Situationen schaffen. 176 00:17:05,860 --> 00:17:11,939 Und stattdessen wird es zu einem Zankapfel und zu einer schrecklichen Hasspolitik. 177 00:17:12,579 --> 00:17:20,459 Aber nochmal, was interessiert mich wirklich an Macht? 178 00:17:20,459 --> 00:17:33,140 Mich interessiert an der Macht, es zu schaffen, dass Menschen nach eigenem Nachdenken und Überlegen freiwillig gemeinsam handeln. 179 00:17:33,620 --> 00:17:36,560 Also mich interessiert natürlich gar nicht Demagogie. 180 00:17:36,980 --> 00:17:40,840 Also jemanden zu verführen oder emotional auf irgendein Glatteis zu führen, 181 00:17:41,320 --> 00:17:44,460 Das finde ich geradezu schmerzhaft, das finde ich furchtbar. 182 00:17:44,620 --> 00:17:49,600 Also die Vorstellung, dass ein Mensch in eigener Verantwortung, Kompetenz und frei 183 00:17:50,740 --> 00:17:56,100 die eigene Position bedenkt und dann auch gestaltet, ist für mich essentiell. 184 00:17:56,170 --> 00:18:00,680 Also da werde ich ganz verrückt, wenn ich merke, dass da Erpressung oder alles das, 185 00:18:00,840 --> 00:18:02,400 wofür der Tram steht, furchtbar. 186 00:18:03,720 --> 00:18:09,160 Und dann ist eben die Frage, wie kommen wir nicht nur im persönlichen Dialog, 187 00:18:09,280 --> 00:18:11,800 Das ist noch einigermaßen gut strukturell durchschaubar. 188 00:18:11,860 --> 00:18:17,020 Aber wie kommen wir in einer Gesellschaft, mit der viele zusammen sind, 189 00:18:17,060 --> 00:18:20,720 mit sehr unterschiedlichen Positionen, mit sehr unterschiedlichen Absichten, 190 00:18:20,860 --> 00:18:24,580 vor allen Dingen mit sehr unterschiedlichen Machtpotenzialen. 191 00:18:24,620 --> 00:18:28,819 Also diese pluralistische Gesellschaft ist nicht eine Spielgesellschaft, 192 00:18:29,520 --> 00:18:31,720 wo alle so ein bisschen ihre Schachzüge machen, 193 00:18:31,920 --> 00:18:34,860 sondern da gibt es welche, die konzentrieren die Macht 194 00:18:34,920 --> 00:18:38,020 und da gehen die anderen mit ihren Argumenten gar nicht mehr gegen an. 195 00:18:38,120 --> 00:18:49,200 weil das eben Erpressung ist, was dann geschieht. Wie kommt man in einer solchen Situation doch dazu, zu einer wirklich demokratischen Gestaltung, 196 00:18:49,860 --> 00:18:59,920 heißt von der Freiheit des Individuums ausgehend und diese Freiheit des Individuums im Kontext und in Solidarität und mit Verständigung mit den anderen ausübend. 197 00:19:00,300 --> 00:19:07,939 Also wie kommt man dazu? Und ich glaube, das geht nie von heute auf morgen, sondern das hat viele Voraussetzungen. 198 00:19:08,600 --> 00:19:16,460 Und als Bundespräsidentin hätte ich verschiedene Haltungen praktizieren können. 199 00:19:16,600 --> 00:19:25,760 Ich hätte bestimmte Symbolhandlungen, die sehr wichtig sind für so eine Politik, die sind nicht schwach oder unwichtig, üben können. 200 00:19:25,820 --> 00:19:34,520 Ich hätte sehr strategisch schwache Positionen ins Licht heben können, weil sie sonst leicht untergehen und so weiter. 201 00:19:34,990 --> 00:19:38,020 Und ich hätte versuchen können, für Sympathie zu sorgen. 202 00:19:38,200 --> 00:19:42,740 Das ist auch nicht unwichtig, dass man Menschen gefühlsmäßig anspricht. 203 00:19:42,900 --> 00:19:48,160 Dass sie den Eindruck haben, ja, die will jetzt nicht sich mit aller Gewalt durchsetzen. 204 00:19:48,620 --> 00:19:54,720 Diese Sorge, dass man als Frau Angst hat, sich durchzusetzen, das war vielleicht vor 20 Jahren noch eine große Sorge. 205 00:19:54,760 --> 00:20:13,180 Die habe ich jetzt nicht mehr. Erstens bin ich so alt, dass es keinen mehr ängstigt. Ich kann niemanden mehr wirklich im Wege stehen. Das ist ein großer Vorteil. Das sehe ich strategisch sehr positiv. Denn ich kann natürlich ganz anders die Menschen erreichen, wenn ich sie nicht ängstige. Sonst als Frau, wenn man alleine denkt, ist man ja für manche beängstigend. 206 00:20:13,260 --> 00:20:17,440 Und diese Erfahrung hast du gemacht, die habe ich gemacht, die haben wir öfter gemacht. 207 00:20:17,840 --> 00:20:19,040 Das ist jetzt nicht mehr der Fall. 208 00:20:19,140 --> 00:20:21,380 Also wenn du noch älter bist, du bist so jung. 209 00:20:22,000 --> 00:20:26,180 Du bist so jung, aber wenn du älter bist, wird dich das entlasten. 210 00:20:26,320 --> 00:20:28,500 Sonst hast du damit immer ein bisschen zu kämpfen. 211 00:20:29,120 --> 00:20:31,240 Und diesen Kampf kenne ich. 212 00:20:31,980 --> 00:20:35,440 Und diese langfristige kulturelle Macht ist wichtig. 213 00:20:35,620 --> 00:20:38,980 Wir sehen das jetzt auch zum Beispiel in Amerika. 214 00:20:39,880 --> 00:20:50,040 Also was vor diesem schrecklichen Trump uns bewahren kann, ist eigentlich ein kulturell verankerter Widerstand in der breiten Bevölkerung 215 00:20:50,170 --> 00:20:58,880 gegen diese Form von Inhumanität und Willkür und Skrupellosigkeit, die er präsentiert. 216 00:20:59,290 --> 00:21:05,040 Und es sind ja auch interessanterweise nicht so sehr die Eliten, sondern vor allen Dingen die einfacheren Menschen, 217 00:21:05,280 --> 00:21:11,860 jetzt zum Beispiel mit dem IC dagegen kämpfen und clever dagegen kämpfen und auch handwerklich gut, 218 00:21:12,080 --> 00:21:14,260 dass sie sagen, hier hast du schnell eine Hilfe und so weiter. 219 00:21:15,530 --> 00:21:25,260 Und nur das, was da tief drin ist, bietet letztlich die Garantie dafür, dass diese Demokratie nicht kaputt geht. 220 00:21:25,480 --> 00:21:29,760 Speaker 1: Da sprechen wir so ein bisschen über diese Substanz. Du hast den Begriff der Solidarität ja stark gemacht. 221 00:21:30,460 --> 00:21:36,080 Speaker 1: Das ist ja der Momentum, wo ich mich bewege, weil ich merke, da rutscht prinzipiell etwas. 222 00:21:36,450 --> 00:21:42,500 Speaker 1: Also entweder wird die Ungleichheit zu groß oder die Möglichkeit zu agieren ist sehr ungleich verteilt in einer Situation. 223 00:21:42,540 --> 00:21:43,120 Speaker 1: Beides zusammen. 224 00:21:43,640 --> 00:21:48,640 Speaker 1: Oder eben wir brauchen mehrere, um eine Gegenmacht irgendwo entweder austricksen, 225 00:21:48,640 --> 00:21:53,680 Speaker 1: indem ich Leute verstecke oder eben ihnen raushelfe oder sie verteidige, zu parieren. 226 00:21:54,120 --> 00:21:57,140 Speaker 1: Das ist ja so die große Frage, wo kommt diese Solidarität her? 227 00:21:58,880 --> 00:22:07,540 Speaker 1: Ich habe verstanden, also bei euren kommunalen Projekten, das finde ich total relevant, weil viele von Bürgerräten auch sprechen, eine Beteiligungsform beim Regeln definieren. 228 00:22:07,650 --> 00:22:16,660 Speaker 1: Und ihr geht ja in die Umsetzungsplanung, also dass man sagt, wenn wir uns das hier vornehmen, und das ist unser gemeinsamer, geteilter Raum, in dem wir in Zukunft leben werden, 229 00:22:16,840 --> 00:22:22,180 Speaker 1: welches sind die Akteure, die davon betroffen sind und wie mache ich die zu Beteiligten in der Planung? 230 00:22:22,340 --> 00:22:26,860 Ja, die Umsetzung ist ganz wichtig, denn sonst ermutigt sie die Menschen. 231 00:22:26,990 --> 00:22:33,000 Wenn die Zeit investieren in Gespräche und Partizipation und dann landet das in der Schublade, ist das schlecht. 232 00:22:33,170 --> 00:22:42,640 Deswegen haben wir großen Wert darauf gelegt, dass unsere kommunalen Entwicklungsbeiräte integriert sind in den Willensbildungs- und Entscheidungsprozess der Kommune. 233 00:22:42,640 --> 00:22:46,600 Das kann auch auf Landes- und nationaler Ebene auch geschehen. 234 00:22:46,600 --> 00:22:52,040 Aber dass sie integriert sind, das heißt, dass sie die Legitimation durch den Stadtrat bekommen, der setzt sie ein. 235 00:22:52,480 --> 00:22:59,280 und sagt, welches das Thema ist, das Problem, also Gestaltung der Stadtpromenade nochmal in Cottbus 236 00:22:59,370 --> 00:23:06,240 oder eines Platzes in Frankfurt oder auch Gründung eines Gesundheitszentrums in Kaletal, 237 00:23:06,240 --> 00:23:11,960 ein kleiner Ort in Nordrhein-Westfalen, gibt den Auftrag an diesen Kommunalen Entwicklungsbeirat. 238 00:23:12,140 --> 00:23:13,940 Man kann darüber sprechen, wie er entsteht. 239 00:23:13,940 --> 00:23:18,440 Er wird also über ein Mapping zustande gebracht von einer Gruppe, 240 00:23:18,520 --> 00:23:22,880 die ihrerseits schon mit Politik, Unternehmenssektor, organisierten Zivilgesellschaft zusammengesetzt ist. 241 00:23:23,540 --> 00:23:29,940 Und dieser wird gegründet mit der Legitimation des Stadtrats, des gewählten Stadtrats. 242 00:23:30,440 --> 00:23:35,780 Der soll Empfehlungen zu einem Thema geben und dann das wieder zurückgeben in den Stadtraten. 243 00:23:35,880 --> 00:23:38,740 Der Stadtrat entscheidet, ob er das zur Grundlage der Politik macht. 244 00:23:39,240 --> 00:23:44,140 Und zehnmal waren die Empfehlungen einstimmig und zehnmal hat er es zur Grundlage, 245 00:23:44,220 --> 00:23:49,320 nach manchmal heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen zur Grundlage der weiteren Politik gemacht. 246 00:23:49,500 --> 00:23:55,480 Das heißt, die intensive Arbeit, vier Tage lang, also nicht als an einem Stück, 247 00:23:55,930 --> 00:24:00,480 vier Tage lang intensiv sitzen und mit den anderen darüber sprechen, 248 00:24:00,880 --> 00:24:04,800 was wollen wir in so einem Common Place repräsentiert haben, was wollen wir da machen. 249 00:24:04,990 --> 00:24:07,400 Die meisten wollen jetzt Räume der Begegnung. 250 00:24:07,800 --> 00:24:13,020 Räume, wo sie nicht ökonomisch gefordert sind, was auszugeben, 251 00:24:13,120 --> 00:24:19,540 sondern wo sie hin können, wo sie kultureller Verschiedenheit begegnen können, also Frank-Wut-Oder zum Beispiel auch Deutsch-Polnisch. 252 00:24:20,030 --> 00:24:31,820 Und das wollen sie machen, miteinander besprechen und damit wird sozusagen das Wertefundament der Entscheidung, die im Stadtrat läuft 253 00:24:31,820 --> 00:24:40,700 und die sonst einfach als Verwaltungsvorlage in den Stadtrat ginge, ohne die Schleife eines kommunalen Entwicklungsbeirats, wo dann deliberiert wird. 254 00:24:40,900 --> 00:24:43,680 Genau, das ist ja die Verbindung von Deliberation mit Aktivität. 255 00:24:43,680 --> 00:24:50,040 So ist es. Das war das Entscheidende. Ich konnte es nie ohne Aktivität. Ich wollte nicht nur deliberieren. 256 00:24:50,680 --> 00:24:57,000 Und das geht dann zurück und damit wird ein Fundament gelegt. Das ist eine große Erfahrung. 257 00:24:57,340 --> 00:25:05,060 Die Leute berichten dann immer in dem, was wir hinterher erfragen. Das war das Anstrengendste, was wir gemacht haben, aber es hat sich gelohnt. 258 00:25:05,640 --> 00:25:16,560 Und für mich ist immer die Sache geschafft, wenn sie gemeinsam lachen. Das ist eine ganz wichtige Sache. Lachen macht Freude, aber sie lachen erst, wenn sie nicht mehr angespannt sind. 259 00:25:16,560 --> 00:25:17,760 Ja, es ist nur ein Release-Button. 260 00:25:17,800 --> 00:25:26,240 Wenn Sie nicht mehr denken, Sie müssen jetzt was durchboxen, sondern wenn plötzlich so ein Gemeingeist entstanden ist, wir wollen diese Sache gut lösen. 261 00:25:26,740 --> 00:25:31,920 Und wenn Sie es dann auch noch geschafft haben in der vierten Sitzung, meistens denken Sie vorher, dass Sie es nicht schaffen. 262 00:25:32,320 --> 00:25:40,100 Aber Sie wissen in der vierten Sitzung, Sie müssen jetzt möglichst einstimmig sein, weil sonst der Stadtrat sich nicht so kümmert. 263 00:25:40,380 --> 00:25:45,700 Da kommt Macht rein. Es ist nicht eine reine intellektuelle Angelegenheit. 264 00:25:46,000 --> 00:25:54,060 Sie kalkulieren, nur wenn wir da einstimmig auftreten, sind wir ein Machtfaktor für die Stadtversorgung. 265 00:25:54,060 --> 00:25:56,920 Speaker 1: Hier bewegt sich was und hier habe ich eine Stimme, die groß geworden ist. 266 00:25:56,920 --> 00:26:02,620 Ja und hinterher, wenn Sie merken, es wird zum Grundlage der Politik, das wird natürlich nicht eins zu eins umgesetzt. 267 00:26:02,660 --> 00:26:05,660 Es ist auch gar nicht so detailliert, aber es hat sich gelohnt. 268 00:26:05,920 --> 00:26:12,400 Sie haben da sozusagen Pflöcke eingeschlagen für das, was gemeinsam verständigt für richtig gehalten wird. 269 00:26:12,900 --> 00:26:22,280 Und dann engagieren sie sich auch ganz klar danach und auch die Befragung sagen, dass sie sich dafür engagieren wollen, weil sie sich ja sozusagen damit identifizieren können. 270 00:26:22,610 --> 00:26:30,700 Aber das Wichtige ist die Integration in den Entscheidungs- und Willensbildungsprozess dieser Demokratie. 271 00:26:30,700 --> 00:26:33,300 Das ist innerhalb eines Landes sowieso kein Problem. 272 00:26:34,080 --> 00:26:39,620 Es ist aber auch wichtig, grenzüberschreitend, denn wir haben eine globalisierte Politik, 273 00:26:39,880 --> 00:26:43,340 auch wenn Globalisierung etwas ökonomisch zurückgeschraubt wird. 274 00:26:43,380 --> 00:26:47,400 Aber wir haben eine Politik, die grenzüberschreitend wirkt und muss. 275 00:26:47,560 --> 00:26:51,320 Wir können das gar nicht anders machen. Wir brauchen das auch in Europa. 276 00:26:51,420 --> 00:26:57,360 Und dabei wäre es auch wichtig, da kann man auch anknüpfen, wieder die Stakeholder zu holen. 277 00:26:57,420 --> 00:27:02,460 Also zum Thema Macht ist dabei für mich ganz entscheidend die Fiktion, 278 00:27:02,660 --> 00:27:07,600 dass wir da als einzelne Bürger sitzen und gut nachdenken und unsere Vernunft sprechen lassen, 279 00:27:08,860 --> 00:27:10,620 entspricht nicht unserer Wirklichkeit. 280 00:27:10,760 --> 00:27:14,700 In unserer Wirklichkeit sind wir nicht einzelne atomisierte Individuen, 281 00:27:15,200 --> 00:27:17,780 sondern wir tun uns zusammen, wenn wir etwas durchsetzen wollen. 282 00:27:17,940 --> 00:27:20,680 Wir sind eine pluralistische Gesellschaft, wir haben Vereinigungen 283 00:27:21,420 --> 00:27:26,040 und die müssen sich irgendwie verständigen darüber, was das Gemeinwohl, 284 00:27:26,200 --> 00:27:31,840 was für uns eine große Rolle spielt, das Gemeinwohl wäre und wie wir da gemeinsam weiterkommen. 285 00:27:32,360 --> 00:27:42,980 Und was bei den Bürgerinnen nicht bedacht wird, ist, es geht nicht um Bürger, die sich gegenseitig achten, das ist immer gut, 286 00:27:43,440 --> 00:27:48,660 sondern es geht in dieser pluralistischen Gesellschaft um sehr unterschiedliche Machtpotenziale. 287 00:27:49,200 --> 00:27:56,460 Das fordert uns heraus. Wenn die nicht so unterschiedlich wären, die Machtpotenziale, dann könnten wir ja einfach sozusagen deliberieren. 288 00:27:56,480 --> 00:28:15,700 Sie sind aber unverständlich. Und dieser Gedanke des Liberalismus, dass Macht die Versuchung ausübt, Missbrauch zu treiben und willkürlich zu handeln, diejenigen, die diese Macht ausüben, das ist eine Hauptgefahr, das ist eine Verführbarkeit von Menschen. Man wird faul auch, wenn man Macht hat. 289 00:28:16,020 --> 00:28:36,220 Speaker 1: Ja, das ist ganz spannend. Auf so oberen Führungsetagen hört man ganz häufig, dem traut niemand mehr was zu sagen. Oder die traut sich niemand mehr ein ehrliches Feedback ranzutragen, weil sie eben so mächtig geworden ist. Damit geht ja aber genau diese Rückkopplungsschleife verloren. Also es ist egal, ob man das jetzt in Verwaltung hört oder in Parteien oder in Unternehmen. Das Muster gibt es überall. 290 00:28:37,580 --> 00:28:49,560 Speaker 1: Und deshalb für mich die Frage bei Demokratien, haben wir deshalb ja auch unterschiedliche Institutionen geschaffen, die so ein bisschen diese Checks and Balances, also ein Korrigieren des Bündelns von Macht oder des eben ungefilterten Auslebens von Macht. 291 00:28:50,140 --> 00:29:19,480 Speaker 1: Und deshalb finde ich das in deinem Werdegang so spannend, dass du immer angeguckt hast, was eben dieses Wertegerüst, dieses Kulturelle ist. Also auch unsere Agency nennt sich das dann ja in der Forschung. Also tatsächlich menschliche Entscheidungen und wie sie sich einbringen in Situationen, wie sie dort wirken, ist genauso wichtig wie dann bestimmte Abläufe, Routinen, Strukturen, sei es Gerichte, unabhängige Medien oder eben Amtseid etc., die auch ein Stück weit schützen, dass eben diese Orientierung auf das Gemeinwohl, was ja so ein Korrektiv dann auch ist, als ich benutze die Ämter nur für mich. 292 00:29:21,060 --> 00:29:26,420 Speaker 1: tatsächlich im Fokus liegt. Dieses Wirken von Politik, das hast du ja auch oft stark gemacht 293 00:29:26,510 --> 00:29:31,020 Speaker 1: in deinen Interviews. Politik muss auch wirken, das hast du jetzt lokal beschrieben. Warum fällt uns 294 00:29:31,200 --> 00:29:35,800 das national gerade so wahnsinnig schwer? Nicht nur uns national, es fällt unseren Gesellschaften 295 00:29:35,870 --> 00:29:41,460 schwer. Politikwissenschaftlich gehe ich davon aus, dass politische Institutionen sehr von den 296 00:29:41,960 --> 00:29:45,700 Gesellschaften und dann auch den Individuen abhängen, aber auch von der Struktur der Gesellschaft. 297 00:29:46,440 --> 00:29:57,879 Und Ernst Frenkel, einer der Nestoren der pluralistischen Demokratie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg war, hat immer gesagt, diese pluralistische Gesellschaft braucht einen Grundkonsens. 298 00:29:58,570 --> 00:30:05,520 Und zwar einen Verfassungskonsens und über die Regeln, die wir beachten wollen, nicht nur müssen, sondern wollen. 299 00:30:05,910 --> 00:30:07,940 Also nicht durchbrechen, wenn wir nur irgend können. 300 00:30:08,780 --> 00:30:12,080 Und auch werten über die Art unseres Zusammenlebens. 301 00:30:11,880 --> 00:30:30,060 Also grob gesagt, Freiheit ist ein Grundwert und was wir beschließen, muss unsere Freiheit stärken. Aber natürlich in Rücksicht auf alle anderen Ansprüche auf Freiheit, also Gerechtigkeit. Und schließlich ist das nur zu verbinden, wenn wir eine Grundsolidarität haben. 302 00:30:30,120 --> 00:30:41,500 Und dieser Grundkonsens, dachte Ernst Wrenkel, der wird in der pluralistischen Gesellschaft durch die Auseinandersetzung der verschiedenen Gruppen immer wieder hergestellt, wenn man eine Lösung findet. 303 00:30:42,260 --> 00:30:50,380 Da hat er wahrscheinlich, er war ja bis 1938, dann musste er fliehen vor den Nazis, Syndikus der Gewerkschaften. 304 00:30:50,800 --> 00:31:06,200 Und das hat er aus den Gewerkschaften, weil die, wenn sie ihre Auseinandersetzung haben, ihre Tarifverhandlungen haben, dann immer eigentlich im Kopf haben, wir haben ein Unternehmen, das muss auch weitergehen. 305 00:31:06,360 --> 00:31:24,320 Die haben also einen Konsens als Basis oder auch das Wirtschaftssystem. Dagegen in den Auseinandersetzungen jenseits dieser Wirtschaftsphäre zwischen Gewerkschaften und Unternehmen haben wir diese gemeinsame Basis nicht. Unsere Gesellschaft hat keinen Grundkonsens, davon bin ich überzeugt. 306 00:31:24,360 --> 00:31:24,880 Jetzt neu. 307 00:31:24,920 --> 00:31:30,740 Jetzt. Sie hat ihn nicht und sie hatte ihn früher vielleicht auch gar nicht sehr reflektiert, aber der Gewohnheit nach. 308 00:31:31,110 --> 00:31:38,540 Und auch der bestehenden Machtwelt. Aber es gab auch in der Gesellschaft der 15er, 16er Jahre, an die du dich nicht erinnerst, weil du ein Küken bist. 309 00:31:39,000 --> 00:31:48,000 Also diese Zeit hat viel, viel Unterdrückung und Unmenschlichkeit gehabt, auch innenpolitisch, das muss man sagen. 310 00:31:48,140 --> 00:31:50,560 Jetzt wird es ja als das Wirtschaftswunder kodiert. 311 00:31:50,960 --> 00:31:57,020 Aber das Wirtschaftswunder war ja ganz individuell und es war natürlich ein dolles Schmieröl, damit die Demokratie ans Laufen kommt. 312 00:31:57,550 --> 00:32:03,100 Aber wenn es nicht so aufwärts gegangen wäre, so wie es in der DDR nicht aufwärts gegangen ist nach der Wende, 313 00:32:03,610 --> 00:32:06,300 dann wäre das bei weitem nicht so positiv gewesen. 314 00:32:06,430 --> 00:32:15,800 Also die ganze politische Kulturforschung zeigt ja das Nachwirken und das Weiterwirken von nationalsozialistischen Mentalitäten in der deutschen Gesellschaft. 315 00:32:16,380 --> 00:32:22,140 Aber alle unsere Gesellschaften sind sehr stark atomistisch geworden. 316 00:32:22,840 --> 00:32:28,560 Und die Räume und die Kontexte, Solidarität zu erfahren und zu praktizieren, 317 00:32:31,060 --> 00:32:32,380 haben sich immer mehr aufgelöst. 318 00:32:32,590 --> 00:32:37,480 Die Vereine, Sportvereine, Kunstvereine, Musikvereine, 319 00:32:37,480 --> 00:32:41,620 das sind alles Orte und Räume der Nahbegegnung, 320 00:32:41,620 --> 00:32:45,520 wo man am ehesten Solidarität braucht, verlangt, 321 00:32:46,360 --> 00:32:47,800 auch zu geben bereit ist. 322 00:32:47,840 --> 00:32:49,180 Aber auch dann ja gemeinsam was erreicht. 323 00:32:49,480 --> 00:32:52,060 Ja, natürlich. Das ist auch eine alte Idee, 324 00:32:52,360 --> 00:32:56,280 schon von den Griechen, zu sagen, das gemeinsame Werk verbindet. 325 00:32:56,500 --> 00:32:59,540 Wenn du etwas gemeinsam schaffst, auch gegen Widerstände, 326 00:32:59,920 --> 00:33:03,000 mit Anstrengungen, mit Schwierigkeiten, dann verbindet dich das. 327 00:33:03,540 --> 00:33:05,080 Nicht, wenn du Ansprüche stellst. 328 00:33:05,220 --> 00:33:07,160 Gemeinsame Ansprüche verbinden gar nicht. 329 00:33:07,540 --> 00:33:11,159 Sie führen letztlich zurück auf ein ganz egoistisches Verständnis, 330 00:33:11,920 --> 00:33:14,159 was die Menschen nicht zusammenbringt, sondern auseinanderbringt. 331 00:33:15,080 --> 00:33:24,980 Aber dieses gemeinsam etwas hinbekommen und sich dann daran freuen und sogar auch sich selbst dann karikieren, 332 00:33:25,780 --> 00:33:30,360 weil man sich ja noch erinnert, wie man an der ersten Sitzung unbedingt was durchsetzen wollte. 333 00:33:30,770 --> 00:33:33,160 Und das hat man dann natürlich auch mitgekriegt, alle anderen. 334 00:33:33,780 --> 00:33:37,900 Und dann vergaggert man sich selbst und auch die anderen. 335 00:33:37,950 --> 00:33:39,880 Das ist eine wunderbare Entspannung. 336 00:33:40,620 --> 00:33:45,160 Und es führt dazu, dass man sich selbstverständlich an die Stelle der anderen setzt. 337 00:33:46,260 --> 00:33:49,060 Dieser Maxime von Kant aus der Kritik der Urteilskraft, 338 00:33:49,210 --> 00:33:51,000 der hatte ja drei Maximen, Selbstdenken, 339 00:33:51,700 --> 00:33:55,320 jederzeit mit sich einstimmig denken, also nicht heute das sagen und morgen was anderes, 340 00:33:56,020 --> 00:33:58,020 und jederzeit an der Stelle der anderen denken. 341 00:33:58,200 --> 00:34:00,100 Und sich an die Stelle der anderen zu setzen, 342 00:34:00,300 --> 00:34:03,140 und sich mit den Augen des anderen zu setzen, 343 00:34:03,840 --> 00:34:10,780 ist die Grundregel für Solidarität und ist auch für gemeinsames Denken. 344 00:34:10,899 --> 00:34:13,820 Wobei Hannah Arendt in ihren Kommentaren zu Kant gesagt hat, 345 00:34:14,520 --> 00:34:19,620 es reicht nicht nur das Denken, aber sie war auch nicht eine Frau der Empathie. 346 00:34:19,760 --> 00:34:22,659 Sie war weder eine Feministin noch eine Frau der Empathie. 347 00:34:23,020 --> 00:34:27,360 Sie war eine tolle Frau und ich lerne von ihr immer wieder, wenn ich sie lese. 348 00:34:27,940 --> 00:34:36,860 Aber dieses Mitdenken mit anderen ist eine wichtige Sache, aber es muss auch ein bisschen übers Gefühl gehen, glaube ich, 349 00:34:36,980 --> 00:34:41,100 weil das sogar gerade interkulturell dasjenige ist, was verbindet. 350 00:34:41,300 --> 00:34:45,820 Weil das Denken verbindet Menschen aus unterschiedlichen Kulturen nicht so leicht, 351 00:34:46,280 --> 00:34:50,720 wie wenn sie zum Beispiel einen Gesichtsausdruck sehen und merken, da leidet eine Person. 352 00:34:51,020 --> 00:34:52,340 Speaker 1: Die Spiegelneuronen. 353 00:34:52,480 --> 00:34:55,780 Das geht sofort über und dann hat man diese Empathie. 354 00:34:56,240 --> 00:35:07,480 Also wenn ich das zusammenbinde, Macht, ich bringe mal was Persönliches. 355 00:35:07,760 --> 00:35:11,740 Ich wurde immer als eine sehr machtvolle Frau beschrieben. 356 00:35:12,580 --> 00:35:15,080 Ich bin altmodisch genug, dass ich das nicht mag. 357 00:35:16,120 --> 00:35:20,840 Aber wenn ich das Gefühl hätte, ich wäre machtlos, würde mir das gar nicht passen. 358 00:35:21,400 --> 00:35:27,600 Das heißt, es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich davon ausgehe, ich habe Macht und ich habe Einfluss. 359 00:35:27,750 --> 00:35:34,220 Also ich gehe selbstverständlich davon aus, sogar auch von der Gefahr, dass ich, wenn ich irgendwo hinkomme, 360 00:35:34,620 --> 00:35:39,560 früher als Kind, als Jugendliche, dann sofort irgendwo im Mittelpunkt stand. 361 00:35:39,720 --> 00:35:44,460 Was ja heißt, dass ich die anderen verdränge. Und das ist eine ganz schreckliche Sache. 362 00:35:44,840 --> 00:35:50,900 Das darf man nicht. Ich hatte mal auf dem Zeugnis, Gesine hat sich zum Mittelpunkt der Klasse gemacht. 363 00:35:51,280 --> 00:36:01,260 Da war ich todunglücklich darüber. Und meine Mutter, die darauf immer sehr geachtet hat, hat gesagt, ja, das ist nicht gut, da musst du aufpassen, ob du irgendjemanden an den Rand gedrückt hast. 364 00:36:01,420 --> 00:36:07,580 Speaker 1: Aber das ist doch das Wichtige, oder? Weil wie? Du kannst ja auch einfach interessant gewesen sein, also wenn da Platz für alle entstanden ist. 365 00:36:07,920 --> 00:36:16,380 Ja, das kann sein, aber meine Befürchtung war, ich weiß das gar nicht mehr genau, meine Befürchtung war, dass es nicht Platz für alle geschaffen hat, 366 00:36:16,460 --> 00:36:25,200 sondern dass, obwohl ich die Rückmeldung hatte später aus der Schulzeit von Leuten, die ich wieder getroffen habe, dass ich doch Räume für andere geschaffen habe. 367 00:36:25,590 --> 00:36:37,980 Also zum Beispiel mal eine Schülerin, die sehr viel später in unsere Klasse kam und die ich gemäß der Devise meiner Mutter, die Fürsorgerin war, also Sozialarbeiterin und sehr stark uns beeinflusste, 368 00:36:39,340 --> 00:36:42,520 sofort versucht habe, sie in die Klasse reinzubringen. 369 00:36:42,740 --> 00:36:46,340 Das war dann ihr einen Raum geben in der Klasse. 370 00:36:46,430 --> 00:36:47,600 Das habe ich schon auch gemacht. 371 00:36:48,110 --> 00:36:50,220 Aber du kannst natürlich auch, ohne es zu wollen, 372 00:36:50,900 --> 00:36:55,840 wenn du da einfach bist und ungeniert redest, 373 00:36:55,940 --> 00:36:58,120 schon das ist für eine Frau aus meiner Generation 374 00:36:58,250 --> 00:36:59,320 ja gar nicht üblich gewesen. 375 00:36:59,400 --> 00:37:00,120 So nicht vorgesehen. 376 00:37:01,620 --> 00:37:03,880 Ja, und da muss man dann auch aufpassen, 377 00:37:04,060 --> 00:37:07,380 dass man andere nicht irgendwie beeinträchtigt oder einengt. 378 00:37:08,860 --> 00:37:17,080 Aber das ist ein Lernprozess, muss man ganz handwerklich auch machen. Jetzt kann ich hier die ganze Zeit reden mit dir, aber in anderen Kontexten sollte ich das nicht. Das ist ganz klar. 379 00:37:17,260 --> 00:37:38,760 Speaker 1: Aber das ist ja total spannend, weil im Prinzip, wenn man überlegt, diese Kant'sche Perspektive ist ja so ein Verhaltenskodex. Und John Rawls hat ja mal versucht, das strukturell zu beschreiben mit dem Schleier der Unwissenheit, dass wir uns eine Gesellschaft vorstellen, wie wir Positionen verteilen würden, Regeln, Institutionen bauen, wenn wir vorher nicht wüssten, an welcher dieser Positionen wir selber landeten. 380 00:37:39,480 --> 00:38:00,060 Speaker 1: Weil dann weiß ich ja, aha, ich möchte eigentlich gerne, dass das veränderbar bleibt, dynamisch bleibt. Und das ist ja auch die Idee von einer liberalen Demokratie. Da fällt natürlich momentan arg auf, dass wieder Abgeben überhaupt nicht mehr angesprochen wird. Also alles, was mit Gerechtigkeit zu tun hat, kriegt automatisch ein stark linkes Label aufgedrückt. 381 00:38:00,280 --> 00:38:19,600 Speaker 1: Dabei wäre ja eigentlich logisch zu überlegen, wenn wir gemeinwohlorientiert agieren und sagen, es soll Gestaltungsmacht auch verteilt bleiben und wir bestimmte Pfade eingeschlagen haben, die wir zu spät korrigiert haben, die zu sehr viel Machtkonzentration auch geführt haben, sei es die Bevorteilung von Finanzkapital steuerlich versus Einkommenssteuern beispielsweise. 382 00:38:20,060 --> 00:38:39,980 Speaker 1: Da muss ich ja korrigieren dürfen, ohne dass alle gleich schreien, das ist total links. Da scheint doch ein bisschen was verlustig gegangen zu sein, zumindest in dem Willen zu sagen, aber in einigen Punkten bedeutet Macht wieder abgeben, eigentlich das zu erhalten, was wir Demokratie nennen, wenn wir sagen, andere dürfen dann diesen Raum betreten oder einnehmen. 383 00:38:40,380 --> 00:38:50,820 Ja, aber wir haben es ja jetzt so weit in den harten Exemplaren wie bei dem Thiel in Kalifornien, in Silicon Valley, dass die sich auch gar nicht mehr dafür interessieren, ob sie für Demokratie sind. 384 00:38:51,040 --> 00:38:51,300 Das ist ja nicht... 385 00:38:51,320 --> 00:38:53,980 Speaker 1: Ja, der lehnt das ja ab, weil seine Freiheit da nicht mehr mit zusammenhängt. 386 00:38:54,020 --> 00:38:57,980 Seine Freiheit und er überhöht es auch und das machen andere auch. 387 00:38:58,700 --> 00:39:03,280 Weil es ist vielleicht, der Trump, der kann natürlich sagen, mich interessiert nur, was ich mache. 388 00:39:03,740 --> 00:39:09,600 Der Thiel ist vielleicht ein Zahnintelligenter oder nicht so geschädigt, aber er ist auch geschädigt. 389 00:39:09,600 --> 00:39:17,080 Denn seine ganze Theorie durchzustarten und die Demokratie abzuschaffen, das will er ja, das stört ja, 390 00:39:17,740 --> 00:39:25,420 ist ja aus einer Angst getrieben, dass sonst Kräfte die Oberhand gewinnen, die er für gefährlich hält. 391 00:39:25,790 --> 00:39:29,720 Das heißt, mir scheint der sehr angstgetrieben zu sein, der Thiel. 392 00:39:30,120 --> 00:39:40,080 Während wenn du eine Demokratie aufbauen willst, musst du eigentlich dicke Portionen Vertrauensfähigkeit und Zuversicht haben, auch in andere Leute. 393 00:39:40,580 --> 00:39:46,840 Und das ist, glaube ich, eine Sache, die viele verloren haben. 394 00:39:47,320 --> 00:40:02,640 Die Frage ist, warum ist so viel Sicherheit und Vertrauen und Zuversicht verloren gegangen? Das ist natürlich sehr weit. Es geht los mit dem Aufwachsen und Kindern, die auch nicht mehr so sichere Häfen haben mit ihren Familien. 395 00:40:03,180 --> 00:40:24,200 Aber es geht dann weiter in eine Berufswelt, die ziemlich rabiat ist und wo man sehr schnell, hier nicht in Deutschland, aber in Amerika, sehr schnell von heute auf morgen seinen Job verlieren kann. Das ist gerade einigen Kindern von meinem Mann, der in Amerika lange war und seine Familie dort gegründet hat, passiert. 396 00:40:24,580 --> 00:40:28,500 Das ist im Moment in Amerika eine ganz massive Gefahr. 397 00:40:28,700 --> 00:40:32,880 Und wenn Menschen unter Bedrohung stehen und kein Sicherheitsgefühl haben, 398 00:40:33,410 --> 00:40:37,940 dann werden sie sehr leicht, grausam, aggressiv attackieren. 399 00:40:38,290 --> 00:40:41,100 Und selbst solche mächtigen Leute wie der Thiel, 400 00:40:41,880 --> 00:40:47,440 weil sie ja völlig absurde Vorstellungen von ihrer eigenen Sicherheit haben, 401 00:40:47,680 --> 00:40:50,860 bis hin zu ihrer Überlebensfähigkeit auf dem Mars, 402 00:40:51,680 --> 00:40:56,280 können gar nicht anders als Angst haben, weil das gibt die Wirklichkeit nicht her, 403 00:40:56,540 --> 00:40:59,100 was sie sich vorstellen, wenn sie sicher wären. 404 00:41:00,100 --> 00:41:04,060 Das ist so absurd, hat mit Lebensweisheit nichts zu tun. 405 00:41:04,620 --> 00:41:07,260 Und wenn dann jemand auch noch so viele Milliarden hat, 406 00:41:07,480 --> 00:41:11,020 diese absurde Idee mit aller Gewalt durchsetzen zu wollen, 407 00:41:11,460 --> 00:41:13,500 ist das natürlich ganz gefährlich. 408 00:41:13,560 --> 00:41:17,520 Aber ich komme nochmal auf diese Amerikaner zurück. 409 00:41:19,940 --> 00:41:23,300 Die Tätigkeit in der Politikwissenschaft war ja Ideengeschichte. 410 00:41:23,920 --> 00:41:29,040 Und da habe ich unter anderem auch mal sehr durchstudiert die sogenannten Federalist Papers. 411 00:41:29,100 --> 00:41:38,180 Das sind die Papiere, also die Schriften, die in der Vorbereitung der amerikanischen Verfassung von drei Journalisten verfasst worden sind. 412 00:41:38,720 --> 00:41:43,540 Und ihnen geht es immer darum, Machtmissbrauch zu vermeiden. 413 00:41:43,960 --> 00:41:46,000 Das ist immer deren Punkt. 414 00:41:46,720 --> 00:41:48,840 Und sie wollen es institutionell schaffen. 415 00:41:49,700 --> 00:42:01,240 Und sie schaffen es nicht. Sie merken immer wieder, alle institutionellen Vorkehrungen gegen Machtmissbrauch können ihrerseits missbraucht werden, zerfallen, schlecht organisiert werden. 416 00:42:02,060 --> 00:42:13,200 Und dann kommt, ich glaube, das ist Madison, der das sagt, was schützt es allein, the manly spirit of the American people. 417 00:42:13,780 --> 00:42:18,600 Natürlich sagt er manly, das finde ich aber ist okay, geschenkt, das war 18. Jahrhundert. 418 00:42:19,240 --> 00:42:24,440 Und es sind ja viel die Frauen jetzt, wie wir sehen, die sich da aufbäumen, auch in der Zivilgesellschaft. 419 00:42:25,060 --> 00:42:28,160 Aber es ist the spirit of the American people. 420 00:42:28,160 --> 00:42:30,420 Speaker 1: Das sagt Hegel ja auch, the spirit around the law. 421 00:42:31,600 --> 00:42:34,880 Speaker 1: Also wir hatten das mit Claudia Major zu einem Podcast auch Sicherheit. 422 00:42:35,320 --> 00:42:41,340 Speaker 1: Diese innere Führung, besonders wenn ich Machtinstrumente wie Militär oder eben Entscheidungspositionen inne habe, 423 00:42:42,100 --> 00:42:43,300 Speaker 1: die darf nicht verloren gehen. 424 00:42:43,560 --> 00:42:47,520 Speaker 1: Also das ist ja diese Rückkopplung eigentlich an die Grundwerte oder eben Gemeindeorientierung, 425 00:42:48,140 --> 00:42:56,680 die rolle des amtes in dem größeren ganzen ja ja also diese die sie die inneren hemmungen die man 426 00:42:56,900 --> 00:43:03,400 entwickelt wenn man sich mit werten auseinandergesetzt hat dass man sich einfach drauflos handeln kann 427 00:43:04,200 --> 00:43:09,760 der kurd schumacher hat mal gesagt der ganze nationalsozialismus ist ein einziger appell an 428 00:43:09,760 --> 00:43:15,600 den inneren schweinehund des menschen und ich finde sowas passiert bei uns auch es ist ein appell 429 00:43:15,620 --> 00:43:21,500 an den was trump macht man an den inneren schweinehund des menschen der da sagt ich nehme 430 00:43:21,840 --> 00:43:27,820 keine kulturellen normativen fesseln mehr ich einfach drauf los solange meine macht mir das 431 00:43:28,060 --> 00:43:31,500 erlaubt er spricht zwar auch dass seine moral hätte aber die habe ich noch nicht erkannt ist 432 00:43:31,600 --> 00:43:35,060 Speaker 1: das spannend jetzt in dem new york times unter die auch dachte gesagt hat internationales recht 433 00:43:35,160 --> 00:43:39,180 Speaker 1: hat für mich keine bedeutung das ist nur meine eigene moral ich dachte okay dann gibt es gar 434 00:43:39,120 --> 00:43:46,200 nichts mehr also dass er spricht das alles ungehemmt aus und ich glaube das hat lange zeit auf viele 435 00:43:46,320 --> 00:43:53,080 menschen wie eine art menschliches oder persönlicher souveränität gewirkt der bricht einfach alle 436 00:43:53,240 --> 00:43:58,660 konventionen der bricht alle tabus der haut einfach rein das wird ja das macht voll und 437 00:43:58,740 --> 00:44:06,220 es macht vor ihnen und schie die sich auch nicht aber ich glaube wenn jetzt immer mehr merken dass 438 00:44:06,240 --> 00:44:13,000 er damit auch wirklich viel Grausamkeit verbindet und vor allen Dingen, dass er auch von den 439 00:44:13,160 --> 00:44:17,880 Menschen, die seine Anhänger sind und seine Wähler, eigentlich eine Blindheit verlangt. 440 00:44:17,920 --> 00:44:23,020 Denn ein Kern jetzt ist ja die Frage der Preissteigerung. Er tut ja so, als ob die 441 00:44:23,220 --> 00:44:27,800 Lebensmittelpreise runtergegangen wären. Sie sind aber nicht runtergegangen, sondern draufgegangen. 442 00:44:28,270 --> 00:44:33,980 Und das merkt eine breite Gesellschaft. Das ist jetzt interessant, wie die von Hannah Arendt als 443 00:44:34,000 --> 00:44:40,800 wichtige tatsachen über wahrheit und lüge in der politik wichtige tatsachen geforderten sind wie 444 00:44:40,900 --> 00:44:48,640 dass der trump immer versuchte wegzudrängen und jetzt plötzlich seine eigenen anhänger doch das 445 00:44:48,860 --> 00:44:55,060 interesse haben dass sie noch ihren lebensunterhalt verdienen können und er nicht mehr durchkommt 446 00:44:55,360 --> 00:45:01,600 indem er einfach sagt das ist das schönste gesetz und das beste und großartig und es wird es wird 447 00:45:01,660 --> 00:45:06,320 Speaker 1: nicht es sind ganz viel langer der noch schuld zuweisen weil er hat ja ganz lange gesagt es 448 00:45:06,380 --> 00:45:10,300 Speaker 1: braucht ein bisschen das ist immer noch die beiden administration gewesen es sind immer noch die ja 449 00:45:10,300 --> 00:45:15,640 Speaker 1: immer noch gehen also ich muss noch mehr durch regieren dann endlich haben wir ja wie lange kommt 450 00:45:15,650 --> 00:45:21,680 Speaker 1: er dadurch mit dieser also lüge der nächsten natürlich wenn ich die letzten wahlen nehmen 451 00:45:21,900 --> 00:45:29,560 auch new york das doch eine new york ist natürlich ein sonderfall aber auch die wahlen also in florida 452 00:45:29,580 --> 00:45:36,580 und die abstimmung in kalifornien ist auch noch was besonders aber dann gab es ja noch in new jersey 453 00:45:37,740 --> 00:45:45,660 und in indianer also da sind überall jetzt doch bewegungen wo die leute sich sagen das kann nicht 454 00:45:45,740 --> 00:45:51,000 gut gehen das ist vielleicht noch die fuß aber so viel lebenserfahrung haben sie wenn wir uns so 455 00:45:51,260 --> 00:45:59,540 über alle moral und alle rücksichtnahme auf andere und so hinweg setzen das kann auch für uns nicht 456 00:45:59,560 --> 00:46:05,400 gut gehen. Ich glaube, dass es bei den Midterms deutliche Zeichen geben wird. Und dann wird 457 00:46:05,400 --> 00:46:10,440 er wahrscheinlich versuchen, institutionell die Wahlen irgendwie zu beeinträchtigen oder 458 00:46:10,480 --> 00:46:15,740 zu manipulieren. Da müssen sich die Demokraten schnell wirklich, aber ich glaube, die sind 459 00:46:15,860 --> 00:46:21,380 da auch inzwischen auf dem Kiviv. Also die wollen das auch verändern. Aber die Frage 460 00:46:21,540 --> 00:46:30,480 ist ja immer: Wo ist das Machtpotenzial gegen einen Missbrauch der Macht? Und das Machtpotenzial, 461 00:46:30,750 --> 00:46:35,160 da habe ich auch oft mit einer befreundeten Politikwissenschaftlerin gestritten, liegt 462 00:46:35,190 --> 00:46:42,100 nicht in den Institutionen. Wenn die Kultur okay ist, dann sind die Institutionen eine große Hilfe. 463 00:46:42,880 --> 00:46:49,680 Wenn aber "the spirit" verloren geht, dann helfen auch die Institutionen nicht mehr. Das heißt, 464 00:46:49,800 --> 00:47:01,240 Das muss immer beides beachtet werden. Aber ohne Institution geht natürlich auch nicht Demokratie. Das muss schon sein. Sie müssen miteinander kohärent verbunden werden. 465 00:47:01,740 --> 00:47:23,580 Und für mich ist, auch wenn wir jetzt an die Demokratie bei uns denken und wie wir sie bewahren können und ausbauen können, entwickeln können, angesichts der Infragestellung durch die AfD, ist es ganz wichtig, dass Menschen positive, sinnliche Erlebnisse mit Demokratie haben. 466 00:47:23,660 --> 00:47:34,820 Das ist für mich wichtig. Es geht nicht nur über den Kopf. Es geht auch über den Kopf, wenn man sozusagen das Leben nicht mehr schaffen kann und das Kalkül zeigt, dass wir nicht genug Geld haben. 467 00:47:35,480 --> 00:47:46,280 Aber es müssen Menschen in ihrer Lebensweise, in dem was sinnstiftend ist für sie, von der Demokratie positiv berührt werden. Davon bin ich überzeugt. 468 00:47:46,620 --> 00:48:03,480 Und deswegen müssen wir es ganz viel an der Basis machen, damit viele Menschen, die gerade nicht gewohnt sind, das gedanklich zu trainieren, diese Erfahrung machen. Das bringt uns zusammen und die Erfahrung, zusammenzukommen und etwas zusammen zu bewirken, ist schön. 469 00:48:04,660 --> 00:48:19,040 Speaker 1: Das ist ja die kommunale Ebene gerade sehr wichtig und sehr fokussiert. Was ich viel zurückgespiegelt bekomme, ist, dass eine gewisse Stringenz, also eine Klarheit darüber, wie sieht denn eine erfolgreiche Politik aus, ganz dringend ist. 470 00:48:19,160 --> 00:48:36,440 Speaker 1: Also dass man es lebensweltlich auch beschreibt, wo wollen wir hin, wann sagen wir, dass Politik wirksam gewesen ist, wofür setzen wir uns ein, auch gegenüber der Sonntagsfrage und den Umfragewerten, wo kämpfe ich mal für bestimmte Ergebnisse, anstatt nur den Umfragewerten hinterherzulaufen oder zu gucken, wie kriegen wir vielleicht wieder welche von der AfD weg. 471 00:48:36,460 --> 00:48:52,860 Das ist das Schlimmste, das Hinterherlaufen hinter den Umfragewerten. Das schafft Misstrauen, das ist klar. Ich glaube, zu sagen, wann ist eine Politik erfolgreich, verlangt, dass man den politischen Prozess etwas kennt. 472 00:48:53,640 --> 00:48:56,320 Denn man hat ja sonst oft ganz falsche Erwartungen. 473 00:48:56,380 --> 00:48:59,780 Man denkt, das ist jetzt das Konzept, das ist aufgeschrieben, 474 00:48:59,900 --> 00:49:02,760 die haben ein Gesetz gemacht und jetzt muss das auch laufen. 475 00:49:03,500 --> 00:49:07,620 Und nur wenn man den politischen Prozess und die Unterschiedlichkeiten 476 00:49:07,840 --> 00:49:10,480 und die Blockaden und sonst was kennt, 477 00:49:10,740 --> 00:49:13,420 und dafür ist diese kommunale Ebene durchaus wichtig, 478 00:49:13,940 --> 00:49:16,900 dass man den Politikprozess aus eigener Erfahrung kennt, 479 00:49:17,280 --> 00:49:20,560 kriegt man realistische Erwartungen und auch Einschätzungen, 480 00:49:20,840 --> 00:49:22,320 was jetzt geklappt hat oder nicht. 481 00:49:22,800 --> 00:49:27,020 Wenn du mit Politikern sprichst, die sich wirklich sehr engagieren für etwas, 482 00:49:27,620 --> 00:49:31,960 dann freuen die sich über irgendeine Entscheidung, wo die breite Masse sagt, 483 00:49:31,990 --> 00:49:33,520 na und, interessiert uns gar nicht. 484 00:49:33,880 --> 00:49:36,600 Und wenn sie positiv war, dann weiß ich nicht mal mehr Nachrichten wert. 485 00:49:37,040 --> 00:49:38,920 Speaker 1: Sondern es ist ja keiner aufgeregt. 486 00:49:38,920 --> 00:49:42,740 Die kennen den Kampf gar nicht, der dafür nötig war, um etwas hinzukriegen. 487 00:49:43,120 --> 00:49:47,260 Das muss man auch finden. Das heißt, Kommunikation ist eben Sender und Empfänger. 488 00:49:47,720 --> 00:49:52,740 Also der Politik wird immer vorgehalten, dass sie nicht vertrauenswürdig genug ist. 489 00:49:52,760 --> 00:49:57,720 Natürlich gibt es viele, die opportunistisch sind und korrupt und sonst was. 490 00:49:58,360 --> 00:50:05,900 Aber zu vermitteln, was man, wenn man sehr engagiert ist, alles einsetzen muss, 491 00:50:05,960 --> 00:50:11,940 um auch nur kleine Fortschritte in der Abstimmung mit so vielen zu bekommen, ist nicht leicht. 492 00:50:12,160 --> 00:50:16,400 Und deswegen muss das ganze Bürgerverständnis sich ändern. 493 00:50:16,920 --> 00:50:19,280 Bürger sein, was bedeutet das eigentlich? 494 00:50:19,360 --> 00:50:32,000 Ja, Bürger ist nicht Käufer. Also das ging in den 15er Jahren los, dass man das Ganze transaktional gesehen hat, dass man gesagt hat, hier sind ein paar Schuhe, ich biete ein Parteiprogramm an, Rente bis so und so und ihr wählt mich dafür. 495 00:50:32,760 --> 00:50:42,780 Das ist nicht die Aufgabe von Bürger, müssen auch als Wähler und Wählerinnen eigenverantwortlich für die Folgen ihrer Wahl sein. 496 00:50:42,860 --> 00:51:08,000 Sie sind keine Käufer, sie sind keine Kunden. Der Staat ist kein Serviceunternehmen. Der Staat ist ein Gegenstand unserer aller Verantwortung. Und dazu gehört auch die Erfahrung, dass es eben bei den Ideen durchzuregieren sehr kurzsichtig zugeht. Denn einmal durchregiert und dagegen mich regiert, da habe ich aber die Nase voll davon. Also das muss man mit ein bisschen Fantasie sich vorstellen. 497 00:51:08,180 --> 00:51:20,200 Speaker 1: Ja, also dieses Mitmachen wollen, zu sagen, ich akzeptiere bestimmte Regeln, weil ich verstanden habe, wo es hingeht, ist ja dann eigentlich auch das Starke oder Machtvolle einer Demokratie, das sich nicht so schnell wieder auflösen lässt. 498 00:51:20,280 --> 00:51:37,840 Genau. Wenn diese Fundierung gelingt, und sie ist auch in Westdeutschland in den letzten Jahrzehnten in bestimmten Bereichen der Zivilgesellschaft gelungen, würde ich sagen, aber in weiten Teilen der Gesellschaft nicht, weil sie einfach geliefert bekommen haben. 499 00:51:37,960 --> 00:51:50,080 Es ging uns gut, es gab keinen Streit. Unter Angela Merkel gab es ja überhaupt keine Herausforderungen. Wir waren immer die Besten, haben wir behauptet in Europa und so. Das war nicht besonders taktvoll und auch nicht richtig, aber trotzdem. 500 00:51:50,140 --> 00:51:58,020 Also es gibt, wir sind nicht wirklich mit den Schwierigkeiten konfrontiert worden. 501 00:51:59,320 --> 00:52:05,420 Die politische Kulturforschung in Deutschland, in Westdeutschland, ging ja davon aus, 502 00:52:06,000 --> 00:52:09,700 dass der ganze Begriff, den gab es der Sache nach schon seit Aristoteles, 503 00:52:09,800 --> 00:52:14,020 aber der Begriff kam in Mode, weil man festgestellt hat, 504 00:52:14,020 --> 00:52:19,580 in der Zeit des Nationalsozialismus und des Faschismus gab es überall Wirtschaftskrisen, 505 00:52:19,640 --> 00:52:24,020 aber manche Systeme haben sie demokratisch gelöst und manche wurden faschistisch. 506 00:52:24,560 --> 00:52:26,480 Und da war die Frage, woran liegt das denn? 507 00:52:26,940 --> 00:52:30,540 Und die Idee war, die, die es demokratisch gelöst hatten, 508 00:52:30,800 --> 00:52:38,080 hatten genügend kulturelle Sedimente, die eben ihnen geholfen haben 509 00:52:38,200 --> 00:52:42,060 und an die auch appelliert werden konnte, um eine Sache demokratisch zu lösen. 510 00:52:42,380 --> 00:52:45,760 Und der Ruzelt ist da sozusagen das Beispiel. 511 00:52:47,020 --> 00:52:50,120 Während wir in Deutschland, Mitteleuropa das nicht hatten. 512 00:52:50,660 --> 00:52:53,280 Wir hatten nicht diese demokratischen Erfahrungen. 513 00:52:53,380 --> 00:52:54,440 Das ist ja ganz offensichtlich. 514 00:52:55,060 --> 00:52:56,540 Aber es reicht offenbar. 515 00:52:58,540 --> 00:53:06,180 Die Frage ist, ob diese USA es schaffen, das wieder loszuwerden. 516 00:53:06,260 --> 00:53:09,920 Ob die Gesellschaft es schafft, das, was da eingetreten ist 517 00:53:09,920 --> 00:53:13,660 und was mit Hilfe breiter Teile der Gesellschaft eingetreten ist. 518 00:53:13,740 --> 00:53:15,500 Sonst Trump alleine hätte das ja nicht gefunden. 519 00:53:16,500 --> 00:53:22,400 ob sie es schaffen, in ihren Strukturen, in ihren geistigen Potenzialen, 520 00:53:22,400 --> 00:53:26,480 in ihren kulturellen Traditionen, auch in ihren juristischen, 521 00:53:26,620 --> 00:53:31,420 vor allen Dingen, da ist ja viel Sachverstand in den USA, das loszuwerden. 522 00:53:31,420 --> 00:53:33,780 Wenn man es mal vergleicht, Russland, USA, 523 00:53:34,170 --> 00:53:38,860 wir haben an der Spitze jedes Mal eine Person, die völlig ruchlos ist. 524 00:53:39,020 --> 00:53:40,580 Beide sind sie völlig ruchlos. 525 00:53:41,100 --> 00:53:45,660 Und beiden macht es nichts aus, jetzt einfach ein Land haben zu wollen oder sowas. 526 00:53:46,280 --> 00:53:51,680 Aber die Gesellschaften sind natürlich total anders und die Institutionen sind total anders. 527 00:53:52,660 --> 00:53:58,520 Ob die lange Erfahrung von Demokratie im Einzelnen, auch die zivilgesellschaftliche, 528 00:53:58,680 --> 00:54:09,900 es schafft, diese Demokratie, die Minderheitenschutz, Sicherheit, Menschenrechte als unverzichtbare Elemente versteht 529 00:54:09,900 --> 00:54:14,020 und nicht einfach Mehrheitsbeschlüsse oder gar homogene Volksverständnisse, 530 00:54:14,640 --> 00:54:17,820 Ob sie das schafft, ist die große Wette dieser Zeit. 531 00:54:18,300 --> 00:54:21,900 Ich bin da doch auch, versuche das zu verfolgen, wo ich kann. 532 00:54:22,540 --> 00:54:26,440 Ich habe den Eindruck, dass die amerikanische Gesellschaft das schaffen wird. 533 00:54:27,880 --> 00:54:29,060 Speaker 1: Wie können wir ihr helfen? 534 00:54:30,240 --> 00:54:34,220 Speaker 1: Also weil die Zusammenarbeit ist ja vor allem auch, du hast ja auch Produktionsverhältnisse, 535 00:54:34,820 --> 00:54:35,860 Speaker 1: mit Marx dich beschäftigt. 536 00:54:35,860 --> 00:54:39,360 Speaker 1: Ich habe das Gefühl, momentan spielen die ganz oft eine negative Rolle. 537 00:54:39,500 --> 00:54:43,200 Speaker 1: Gerade so Aktien, Finanzkapital, wo investiere ich? 538 00:54:43,320 --> 00:54:49,140 Speaker 1: damit treibe ich ja im Grunde genommen die eh schon machtvollen Konzerne in schwindelerregende Höhen von dem, 539 00:54:49,340 --> 00:54:51,120 Speaker 1: was sie an Bewertungen mitnehmen können. 540 00:54:51,320 --> 00:54:56,220 Speaker 1: Gerade je enger sie an auch die Trump-Administration ranrücken, umso eher haben ja alle das Gefühl, 541 00:54:56,550 --> 00:54:58,820 Speaker 1: die Aktien sind sicher, die wird er nie fallen lassen. 542 00:54:59,050 --> 00:55:01,560 Speaker 1: Also es wirkt da staatskapitalistisch da drüben jetzt gerade. 543 00:55:02,400 --> 00:55:06,500 Speaker 1: Das heißt, die Frage für mich oder dieses, wenn man so bei uns in die Unternehmenslandschaft so reinhört, 544 00:55:06,580 --> 00:55:09,540 Speaker 1: wenn das mit den Zöllen so bleibt, dann müssen wir vielleicht doch einen Produktionsstandort. 545 00:55:10,020 --> 00:55:34,140 Speaker 1: Das ist ja genau die Wette jetzt gerade. Schafft er das mit dieser Erpressung und mit diesem, entweder ihr spielt halt zu meinen Regeln mit uns oder ihr kriegt es halt ab. Wie schaffen wir da die Gegenmacht und gerne in einer Form, wie du beschrieben hast, nicht dagegen zu metzeln, sondern ich hatte immer das Gefühl, es braucht so ein Nein und, so ein ganz klares Nein, wir lassen uns da nicht mit runterziehen und eigentlich war der Weg davor der bessere. 546 00:55:34,400 --> 00:55:56,680 Speaker 1: Wir hätten Lust, da eben gemeinsam weiterzugehen. Kanada war da für mich eigentlich der stärkste Player bisher. Jetzt haben die natürlich auch wirklich Manschetten, weil natürlich das Machtungleichgewicht relativ groß ist. Aber diese Klarheit darüber, nee. Also bis hierhin und nicht weiter. Und wir würden aber gerne, dass das nicht in Aversion und Eskalation landet, sondern dass wir eben wieder beidrehen. 547 00:55:58,840 --> 00:56:09,300 Ja, also eine Detailsache wird ja sein, wie der Supreme Court über die Zollpolitik urteilt. 548 00:56:09,970 --> 00:56:18,140 Denn da lese ich, dass diese Mitglieder der Supreme Court, die ja mehrheitlich auf der Trump-Seite stehen, 549 00:56:19,140 --> 00:56:22,280 zu erkennen geben, dass sie die Zollpolitik für nicht richtig halten. 550 00:56:23,130 --> 00:56:25,860 Und zwar vom Institutionengefüge her. 551 00:56:27,980 --> 00:56:38,080 Sie haben ja so die historische Interpretation, sie wollen ja möglichst die Verfassung so interpretieren, wie sie zurzeit ihrer Entstehung interpretiert wurde. 552 00:56:40,080 --> 00:56:50,900 Und sie wollen jetzt nicht irre Innovationen in Bezug auf Zollpolitik, wo plötzlich eigentlich ja das Repräsentantenhaus oder der Kongress was zu sagen hat, wo der plötzlich nichts mehr zu sagen hat. 553 00:56:51,000 --> 00:57:01,660 Also wenn allein der Supreme Court, der noch nicht darüber geurteilt hat, wenn er da einen Stopp setzt, wäre das schon eine große Hilfe. 554 00:57:02,480 --> 00:57:13,680 Aber darüber hinaus, verrückterweise, könnte es sein, dass rein ökonomische Grenzen gesetzt werden. 555 00:57:13,780 --> 00:57:34,600 Da bist du natürlich viel besser, kennst das viel besser. Aber nehmen wir jetzt mal Venezuela. Da scheint es ja so zu sein, dass Trump die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat und die Ölfirmen da gar nicht gerne investieren wollen, weil das ihr Kalkül gar nicht befördert. 556 00:57:35,720 --> 00:57:42,600 Und dann will er plötzlich Steuerzahler da reinbringen in Venezuela, in diese Ölförderung. 557 00:57:44,840 --> 00:57:57,340 Da wird er plötzlich, also er tut ja so, als ob er alles könnte, aber da ist er plötzlich angewiesen, wo er wirklich nichts weiter weiß, ist ja die Geschäftswelt, deren Regeln er völlig richtig findet und die Regeln sagen, nee, Trump will ich nicht. 558 00:58:00,780 --> 00:58:04,600 Ich würde von allen Seiten einsammeln. Wo können wir das machen? 559 00:58:04,670 --> 00:58:11,740 Ich glaube, beharrlich darauf zu bestehen, dass unsere Lebensweise der Demokratie, 560 00:58:11,900 --> 00:58:17,380 des Rechtsstaats, des Sozialstaats, der Gleichheit im Sinne des gleichen Anspruchs 561 00:58:17,510 --> 00:58:24,120 auf Würde und Lebenswelt und so weiter, dass das unser Wert ist, dass wir das wollen. 562 00:58:25,000 --> 00:58:32,140 Und ich fürchte, dass wir in absehbarer Zeit, was die militärische Sicherheit angeht, 563 00:58:32,840 --> 00:58:39,660 dem ins Auge sehen müssen, dass wir, solange Trump da dran ist, von denen keine Unterstützung bekommen. 564 00:58:39,800 --> 00:58:43,080 Das ist vorbei. Das sieht man ja, dass er sogar Dänemark angreifen will. 565 00:58:44,060 --> 00:58:54,920 Also Beharren aus Überzeugung, Standfestigkeit haben und natürlich auch in Europa eine interne Solidarität. 566 00:58:54,940 --> 00:59:05,140 Da sind zwei, drei, die werden wir jetzt nicht bekommen, aber die anderen, dass man die zusammenhält und auf alle Extratouren verzichtet, das ist wichtig. 567 00:59:05,440 --> 00:59:08,800 In Mercosur ist das ja ein bisschen gelungen nach langer Zeit. 568 00:59:09,320 --> 00:59:10,460 Speaker 1: Nach 25 Jahren. 569 00:59:10,940 --> 00:59:14,640 Ja, langer Zeit. Aber ich meine, es hat lange Zeit auch einfach geruht. 570 00:59:14,640 --> 00:59:17,540 Und jetzt wird deutlich, hier müssen wir jetzt was machen. 571 00:59:17,660 --> 00:59:36,360 Also manchmal hilft auch der Druck. Dass wir wirklich ganz auf ethische Überzeugung bauen können, das glaube ich nicht. Es müssen auch Unterstützungen aus der harten Wirklichkeit kommen, sowohl Grenzen für Trump als auch Unterstützungen für uns. 572 00:59:36,940 --> 00:59:51,320 Also meine Lebenserfahrung, das ist gar nicht wissenschaftlich, was ich da sage, ist, wir gucken immer, wo sind Türen offen, wo können wir was machen, welche Wege können wir finden und die müssen wir die Instrumente parat haben. 573 00:59:53,460 --> 00:59:58,300 Aber sehr oft sieht man überhaupt nicht Wege, die dann später doch gefunden werden. 574 00:59:58,520 --> 01:00:13,980 Speaker 1: Oder traut sich den Sprung nicht zu machen? Ich habe das Gefühl, was jetzt gerade auch Thema Demokratien so schwierig ist, keine demokratische Regierung möchte kurzfristig wirklich tough was ändern müssen, was viele Einschnitte bedeutet, selbst wenn sie wüsste, mittelfristig ginge es dann besser. 575 01:00:14,040 --> 01:00:23,740 Speaker 1: Das kennen wir aus der Transformationsforschung, dieses Delta of Doom. Wenn das kurzfristig unangenehm ist, lasse ich es wieder. Und jetzt habe ich das Gefühl, wir rücken damit immer mehr nach hinten und lassen uns immer mehr wegnehmen. 576 01:00:24,280 --> 01:00:33,560 Speaker 1: Den Digital Services Act, da wird jetzt angegriffen, die Unternehmen kommen richtig in Bredouille durch die Zelle. Dann als nächstes die Frage, ja, NATO oder nicht NATO. 577 01:00:33,700 --> 01:00:41,100 Speaker 1: Das heißt, wir kriegen nie den Absprung zu sagen, wir machen es jetzt selbst, selbst wenn es kurzfristig einmal scheppert, kriegt man wieder eine Gestaltungsmacht zurück. 578 01:00:41,370 --> 01:00:47,540 Speaker 1: Weil momentan ist alles sehr reaktiv und immer so ein bisschen hoffend darauf, dass es sich vielleicht wieder in die alte Normalität zurückdrängelt. 579 01:00:48,060 --> 01:00:55,040 Speaker 1: Da haue ich gerade so rum. Also wann ist der Moment, und da habe ich das Gefühl, Trump jetzt wirklich super Vorleistung geliefert im Januar, 580 01:00:55,640 --> 01:01:00,740 Speaker 1: nochmal drauf gesattelt nach der Nationalen Sicherheitsstrategie zu sagen, okay, das wird kurzfristig auch was kosten, 581 01:01:01,420 --> 01:01:05,240 Speaker 1: Aber dann haben wir auch wieder Gestaltungsmacht. Wir müssen das an einigen Dingen halt einfach lösen. 582 01:01:05,780 --> 01:01:13,600 Also wenn das so sicher wäre, dass wir dann Gestaltungsmacht hätten, also gerade in dem harten Gebiet der Verteidigungspolitik, 583 01:01:14,220 --> 01:01:17,740 dann wäre das vielleicht eine sichere Fährte. 584 01:01:17,740 --> 01:01:21,700 Und dann würde man sozusagen nur den Mut brauchen, den Absprung zu schaffen und das zu machen. 585 01:01:22,180 --> 01:01:26,960 Und dann entsprechende Persönlichkeiten, die das stimulieren und die dazu einladen. 586 01:01:27,700 --> 01:01:34,020 Es ist aber noch komplizierter und auch das ist typisch fürs Leben, sage ich dir jetzt mit 82 Jahren. 587 01:01:35,460 --> 01:01:40,340 Oft muss man den Absprung machen, ohne sicher zu sein, dass es nachher wirklich besser wird. 588 01:01:41,050 --> 01:01:43,360 Das ist gleichsam Glaube hoch drei. 589 01:01:44,150 --> 01:01:52,000 Du musst darauf bauen, dass das, was du aus Wertüberzeugungen und Glaubens- oder sonstigen Fragen für richtig hältst, 590 01:01:52,000 --> 01:01:54,140 dass das nachher eine Chance hat. 591 01:01:54,140 --> 01:01:56,240 Es ist aber nicht sicher, dass es eine Chance hat. 592 01:01:56,980 --> 01:02:03,440 Aber ich stimme dir zu, also ich glaube auch für Europa ist es notwendig, 593 01:02:03,620 --> 01:02:06,940 trotz der inneren Widersacher, das ist ja auch noch ein besonderes Problem, 594 01:02:07,060 --> 01:02:09,760 aber okay, das weiß man jetzt, die sind innere Widersacher. 595 01:02:10,440 --> 01:02:19,420 Ist es notwendig, dass sich genügend Personen finden, die auch im Rampenlicht stehen, 596 01:02:20,220 --> 01:02:26,280 aber dann auch in der Gesellschaft, in der Zivilgesellschaft, die sagen, das wollen wir jetzt. 597 01:02:26,540 --> 01:02:29,980 Das sind unsere Überzeugungen. Für die kämpfen wir jetzt. 598 01:02:31,420 --> 01:02:38,400 Und mein Eindruck ist, dass die Gesellschaft jetzt gar nicht verlangt, dass alles sofort klappt. 599 01:02:38,840 --> 01:02:41,740 Aber sie möchte spüren, dass die Leute sich einsetzen. 600 01:02:42,120 --> 01:02:44,900 Speaker 1: Das glaube ich nämlich auch. Und dass sie etwas Bestimmtes hochhalten. 601 01:02:45,200 --> 01:02:48,160 Speaker 1: So etwas wie ein Menschenbild, was nicht Grausamkeit normalisiert. 602 01:02:48,700 --> 01:02:53,600 Speaker 1: Wie eine Wirklichkeitsorientierung, wo ich mir weiter Mühe gebe, bestmöglich zu beschreiben, was stattfindet. 603 01:02:53,700 --> 01:02:58,120 Speaker 1: mich auch rechenschaftspflichtig dafür mache wenn ich ämter bekleide weil das wird da ja auch 604 01:02:58,560 --> 01:03:03,920 Speaker 1: systematisch abgeräumt und daneben zu gucken wo funktioniert was weil wir begeistert immer uns die 605 01:03:03,960 --> 01:03:09,380 Speaker 1: köpfe einschlagen wo wieder irgendwas schiefgegangen aber das wären ja so ein dreiklang und dann ich 606 01:03:09,440 --> 01:03:13,120 Speaker 1: glaube schon also wenn man so an robert schumann denkt an so die gründungsutopie hinter der 607 01:03:13,300 --> 01:03:17,899 Speaker 1: europäischen union der zerrüttete kontinent hat sich immer mit kriegen eigentlich auseinandergesetzt 608 01:03:17,920 --> 01:03:24,140 Speaker 1: und zu sagen wir vergemeinschaften jetzt stahl kohle atom und gucken mal ob wir das nicht hinkriegen 609 01:03:24,580 --> 01:03:30,500 Speaker 1: daraus mehr zu bauen also und dieses da stehen und diesen raum halten das ist eine form von 610 01:03:30,600 --> 01:03:36,460 Speaker 1: gestaltungs macht die ja erstmal viel tatsächlich aus einem ich sehe etwas und ich möchte dass etwas 611 01:03:37,040 --> 01:03:42,660 realisiert wird auch gefördert dieses ich möchte kommt entweder aus der eigenen substanz weil man 612 01:03:42,580 --> 01:03:48,100 lang genug darüber nachgedacht hat und da emotional dran hängt oder dadurch dass sich 613 01:03:48,300 --> 01:03:53,740 keiner mehr illusionen machen kann in der europäischen union dass er bei wegkommt wenn 614 01:03:53,740 --> 01:04:00,120 es so weitergeht und ich glaube diese letzten 14 tage noch mal und auch das was er mit grönland 615 01:04:00,260 --> 01:04:08,420 macht abgesehen von der unsäglichen grausamkeit von putin in der ukraine der zeigt dass wir es 616 01:04:08,320 --> 01:04:16,800 müssen. Sonst würde es eine Unterwerfung sehenden Auges unter etwas sein, vor dem, glaube ich, 617 01:04:16,820 --> 01:04:21,740 doch viele auch Angst haben. Also sie sind vielleicht nicht alle aus ethischer Überzeugung 618 01:04:21,760 --> 01:04:27,600 für die Demokratie und den Wohlstand und das Gemeinwohl und sowas alles, aber völlig der 619 01:04:27,780 --> 01:04:34,039 Willkür ausgeliefert zu sein, völlig einem Menschen, der einfach sagt, ich bremse nur mich 620 01:04:34,060 --> 01:04:39,340 alleine, sonst gibt es nichts, was mich bremst. Ich meine, so verrückt sind die Menschen ja nicht. 621 01:04:39,490 --> 01:04:44,980 Und ich glaube auch, dass auch die Rechenschaftspflicht gegenüber ihrer eigenen Wählerschaft in den 622 01:04:45,280 --> 01:04:53,620 Nationalstaaten, den europäischen, sie dazu bringen kann. Und es muss dazu eben sehr hart zugehen. 623 01:04:53,670 --> 01:04:59,320 Sie können keine Schlüpffläche. Also die erste Anfrage, sie durften keine Schlüpffläche mehr sehen. 624 01:04:59,900 --> 01:05:10,660 Am Anfang ging es ja damit los, dass auch von der Frau von der Leyen, also immer so sanft und möglichst so ihm die Ecken und Kanten wegnehmen und das dann machen. 625 01:05:11,180 --> 01:05:17,440 Aber jetzt ist es so klar, dass, ich würde sagen, das ist das Krankheitsbild des Narzissmus. 626 01:05:17,510 --> 01:05:24,960 Er kann gar nicht anders als immer noch einen draufsetzen, weil er nur dann spürt, dass er gespürt wird. 627 01:05:25,460 --> 01:05:32,520 Speaker 1: Ja, und dass ja alle Aufmerksamkeit bündelt. Also es ist ja dieses Besoffensein durch Aufmerksamkeit binden, das ist ja auch ein typisches Phänomen. 628 01:05:32,610 --> 01:05:42,780 Speaker 1: Und das Schlimme ist ja, er wird ja nicht zurücktreten. Also das haben wir ja so bei Putin, das haben wir bei Trump, das haben wir ja bei Netanjahu, sehen wir das genauso. 629 01:05:42,850 --> 01:05:49,940 Speaker 1: Die sind so weit gefahren. Ich glaube Elon Musk gehört auch dazu als Unternehmer, wenn man mal so ein bisschen dahinter guckt, wie viel da eigentlich passiert ist. 630 01:05:50,640 --> 01:05:54,120 Speaker 1: Er hat das ja auch mal gesagt, wenn ihr wüsstet, wenn die Demokraten an die Macht kommen, 631 01:05:54,560 --> 01:06:00,580 Speaker 1: then I'm fucked war, glaube ich, sein Originalton, weil er mit seinen ganzen Unternehmen ja in Investigationsmomenten war, 632 01:06:01,420 --> 01:06:06,620 Speaker 1: wie stark er da eben auch Insider Trading und so weiter eben so weiter oder andere Dinge vorangetrieben hat. 633 01:06:06,680 --> 01:06:10,760 Speaker 1: Das heißt, die wissen ja, wenn das aufhört, was sie gerade nach vorne treiben, 634 01:06:10,810 --> 01:06:12,620 Speaker 1: dann werden sie nicht mehr besonders viel Macht haben. 635 01:06:12,920 --> 01:06:17,420 Speaker 1: Und das ist ja dieser Vertrag der Eskalationsspirale, in der wir jetzt gerade eben stecken. 636 01:06:18,400 --> 01:06:23,980 Ja, die wissen das und wir müssen wissen, wenn wir sie weitermachen lassen, wird es für uns auch immer schlimmer. 637 01:06:24,210 --> 01:06:45,060 Speaker 1: Ja, die Eskalation geht weiter und aus der systemischen Theorie gibt es dann eben die Möglichkeit zu sagen, eine dritte Instanz kommt rein, die haben jetzt verloren, weil die Vereinten Nationen oder irgendetwas, der Sicherheitsrat funktioniert nicht mehr, der reinkommt oder die reinkommt als Instanz und sagt, stopp, diese Eskalation ist in sich so verlustreich oder eine Seite implodiert, darauf hofft jetzt natürlich die andere. 638 01:06:45,660 --> 01:07:03,020 Speaker 1: Ja, und die dritte ist so ein bisschen, läuft es sich irgendwann hohl oder wird es irgendwann nicht mehr gestützt, dass Biden die Luft rausgenommen wird. Und das ist ja eher das, wo wir als Bevölkerung versuchen können mitzuwirken. Nicht mehr dort zu investieren, wo wir wissen, das treibt die Aktien von denjenigen. Nicht mehr dort zu kaufen, wo wir wissen, die WhatsApp sind. 639 01:07:03,160 --> 01:07:04,880 Speaker 1: Was ja mit Musk gelungen ist. 640 01:07:05,000 --> 01:07:27,840 Speaker 1: Ja, zum Teil, ja. Mit Tesla. Aber jetzt SpaceX sieht ja aus wie das höchst dotierte Unternehmen demnächst und er ist der reichste Mann der Welt mit Abstand inzwischen. Also die Frage, wo findet für uns Bürgersein auch statt, wo habe ich ein bisschen macht, war ja mit dem Boykotten gegen Disney zum Beispiel, als die einfach die Kimmelshow abgesetzt haben, solche Dinge. Dass wir das nicht unterschätzen, dass das auch eine Form ist. 641 01:07:27,940 --> 01:07:39,700 Speaker 1: Jetzt gab es ja den Aufruf vom Chaos Computer Club zu sagen, wir helfen euch einmal im Monat beraten, aber ich weiß gar nicht, ob es der erste letzte Samstag war, euch aus den digitalen Fallen im Grunde genommen zu befreien, der Tech-Konzerne aus den USA. 642 01:07:39,910 --> 01:07:43,720 Speaker 1: Weil es gibt eben Alternativen wie Signal oder Vero statt Paypal oder andere. 643 01:07:43,980 --> 01:07:51,360 Speaker 1: Und erst wenn genügend mitmachen, können sie so groß werden, dass sie dann die machtvolle Alternative darstellen, wo es einfach dann ja auch wird, wenn viele Teile. 644 01:07:51,960 --> 01:08:09,320 Speaker 1: Also ich glaube, dieses Zusammenspiel von, wie können wir als Bürgerinnen und Bürger neben dem Wählen eben auch in der Alltagsentscheidung tatsächlich weiter signalisieren, dass wir für etwas anderes stehen, auch bereit sind, den Unternehmen oder den AkteurInnen unter die Flügel zu greifen oder sie zu unterstützen, die sich da hinstellen in den Wind. 645 01:08:09,960 --> 01:08:24,720 Speaker 1: Das ist ja ein ganz zentraler Anteil unserer Gestaltungswirkung zumindest, die dann in der Summe auch Macht entfalten kann. Und wenn wir es nicht tun, ja dann können die, die sich vorne hinstellen und sagen, wir zeugen euch Alternativen natürlich auch niemals durchbrechen. 646 01:08:29,140 --> 01:08:55,400 Und das verlangt eine Generation, das ist deine und die frühere und die nachfolgende, die in der Lage sind, solche Sachen zu organisieren. Das merke ich, während du mir das sagst, es ist mir völlig plausibel, was du sagst. Aber es gehört dazu, die systemische Einsicht und die Fähigkeit, das systemisch zu organisieren mit den Menschen, also den Bokot zum Beispiel und solche Sachen. Da müsst ihr dann ran. 647 01:08:56,700 --> 01:09:12,140 Speaker 1: Okay, dann machen wir das doch in Arbeitsteilung. Liebe Gesine, ich danke dir für diese große Reise durch unterschiedlichste Abteilungen von Gestaltungsmacht, von Entwicklungen, die wir, glaube ich, alle dann als Machtmissbraucher auch klar erkennen. 648 01:09:13,040 --> 01:09:37,819 Speaker 1: Die Flint ins Kornzwald. Ich habe von dir ein ganz tolles Zitat gefunden in einem Interview aus dem Dezember. Für andere da zu sein, ist die beste Selbsterfüllung. Und vor allem, und das finde ich so schön, weil du von Altersweisheit sprachst, als alter Mensch weiß man, es wird auch wieder etwas anderes kommen. Man entwickelt eine gewisse Gelassenheit und kann dadurch anderen Ruhe und Sicherheit geben. 649 01:09:38,359 --> 01:09:46,460 Speaker 1: Und das ist doch eigentlich das schöne Zusammenspiel zwischen den Generationen, die Heißdüsen, die da jetzt nachkommen und die, die es so ein bisschen für uns groß einordnen. 650 01:09:48,520 --> 01:09:54,240 Speaker 1: Kritisch, konstruktiv, dafür stehst du für mich immer und immer wieder. Benennen und zusammenbringen. Vielen lieben Dank. 651 01:10:01,160 --> 01:10:11,240 Speaker 1: So, vielen herzlichen Dank fürs Zuhören. Neu Denken ist ein Projekt von Mission Wertvoll, einem Science Society Netzwerk, das sich den Chancen und Wegen in eine nachhaltige Zukunft verschrieben hat. 652 01:10:11,550 --> 01:10:24,000 Speaker 1: Wie wir dahin kommen, das werden wir gemeinsam herausfinden und deshalb freuen wir uns über eure Aufmerksamkeit, aber auch über Feedback oder Wünsche, welche Themen ihr mal neu denken möchtet oder welche Gäste ihr dafür besonders prädestiniert findet. 653 01:10:24,230 --> 01:10:30,059 Wir haben dafür eine E-Mail-Adresse eingerichtet, die heißt neudenken-at-mission-wertvoll.org. 654 01:10:30,940 --> 01:10:32,800 Hoffentlich bis auf ein nächstes Mal.