Brings Sachsen-Anhalt online as the second supported Bundesland after
NRW. Closes the gap that issue #2 left open: with the PortalaAdapter
already in place from c7242f8, this commit adds the reference data and
flips the activation switch.
Wahlprogramme (LTW Sachsen-Anhalt 06.06.2021)
- Six PDFs added under app/static/referenzen/{cdu,spd,gruene,fdp,afd,
linke}-lsa-2021.pdf, plus paged plain-text extractions under
app/kontext/*.txt for the keyword fallback search.
- Sources verified by hand:
- CDU "Unsere Heimat. Unsere Verantwortung." (cdulsa.de, 82 pages)
- SPD "Zusammenhalt und neue Chancen" (FES library, 77 pages)
- GRÜNE "Verlässlich für Sachsen-Anhalt" (gruene-lsa.de, 164 pages)
- FDP "Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021" (Naumann-Stiftung, 76 pages)
- AfD "Alles für unsere Heimat!" (klimawahlen.de mirror, 64 pages)
- LINKE "Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021" (dielinke-sachsen-anhalt.de,
88 pages)
- The CDU PDF was the trickiest: KAS blocks bot downloads via
Cloudflare; the cdulsa.de copy was located by an autonomous web
search and verified to be byte-identical with the official document.
Embeddings indexed (in production container, OpenAI-compatible
DashScope embeddings via the existing index_programm pipeline):
- CDU 134, SPD 145, GRÜNE 183, FDP 100, AfD 64, LINKE 143 chunks
- Total LSA: 769 new chunks alongside the existing 775 NRW chunks
and 335 federal Grundsatzprogramm chunks.
wahlprogramme.py
- WAHLPROGRAMME["LSA"] populated with all six parties (canonical fraction
codes, original titles, page counts).
embeddings.py
- PROGRAMME extended with the six new "<partei>-lsa-2021" entries that
the indexer pipeline expects.
bundeslaender.py
- LSA flipped to aktiv=True. The frontend dropdown will now offer
Sachsen-Anhalt as a selectable bundesland and analyzer.get_bundesland_
context() will produce a real LSA prompt block (CDU/SPD/FDP as
governing fractions, all six landtagsfraktionen).
End-to-end smoke test (live in production container before commit)
- Adapter: PortalaAdapter.search() returned current Anträge of März 2026
(LINKE + GRÜNE) with correct titles and PDF URLs.
- Semantic search for an LSA "ÖPNV in der Altmark" sample antrag
matched LINKE S.53, SPD S.68, FDP S.52 — all three with similarity
> 0.6 and topical hits (Regionalisierungsmittel, ÖPNV-Förderprogramm,
Wasserstoffnetz).
Resolves issue #2.
Co-Authored-By: Claude Sonnet 4.6 <noreply@anthropic.com>
7009 lines
264 KiB
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7009 lines
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||
beschlossen vom Landesparteitag am 23. Januar 2021
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Zusam-
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menhalt
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und neue
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Chancen.
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Politik
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||
fürs ganze
|
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Land.
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Wahlprogramm der SPD Sachsen-Anhalt
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zur Landtagswahl 2021
|
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2
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Vorwort
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4
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||
Wie wir unser Land stärker
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6
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und gerechter machen:
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innovative Wirtschaft & gute Arbeit.
|
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Wirtschaft
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||
6
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Gute Arbeit
|
||
10
|
||
Zuwanderung und Integration
|
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13
|
||
Land- und Forstwirtschaft
|
||
15
|
||
Wie wir es schaffen, dass niemand
|
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19
|
||
zurückbleibt:
|
||
starker Sozialstaat & solidarisches Miteinander.
|
||
Gesundheit und Pflege
|
||
19
|
||
Verbraucher*innenschutz
|
||
22
|
||
Kinder, Jugend und Familie
|
||
23
|
||
Wie unser Land die Zukunft meistert:
|
||
27
|
||
Bildung für alle & digitaler Aufbruch.
|
||
Schulpolitik
|
||
27
|
||
Digitale Bildung
|
||
31
|
||
Berufliche Bildung
|
||
33
|
||
Hochschulen und Universitätsmedizin
|
||
34
|
||
Lebenslanges Lernen
|
||
36
|
||
Wie wir unser Land zusammenhalten:
|
||
38
|
||
gleiche Rechte & wehrhafte Demokratie.
|
||
Demokratie und Engagement
|
||
38
|
||
Gleichstellung
|
||
40
|
||
Inklusion
|
||
42
|
||
Antidiskriminierung
|
||
43
|
||
Innere Sicherheit
|
||
44
|
||
Bevölkerungsschutz
|
||
46
|
||
Justiz und Rechtsstaat
|
||
48
|
||
Inhalt
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||
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||
3
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||
Wie unser Land das Klima schützt:
|
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51
|
||
neue Energie & bewahrte Natur.
|
||
Energie und Klimaschutz
|
||
51
|
||
Umwelt-, Natur- und Tierschutz
|
||
53
|
||
Was unser Land lebenswert macht:
|
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55
|
||
kulturelles Erbe & moderne Gesellschaft.
|
||
Kultur
|
||
55
|
||
Medien
|
||
57
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Sport
|
||
58
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||
Wie wir Stadt und Land
|
||
61
|
||
zusammenbringen:
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||
schnelles Netz & ein Bus in jedes Dorf.
|
||
Digitalisierung
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||
61
|
||
Ländlicher Raum
|
||
65
|
||
Verkehr
|
||
67
|
||
Wohnen
|
||
69
|
||
Wie wir neue Grundlagen legen:
|
||
71
|
||
Investitionen gegen die Krise &
|
||
handlungsfähige Kommunen.
|
||
Kommunale Selbstverwaltung und Kommunalfinanzen
|
||
71
|
||
Finanzen und Landesverwaltung
|
||
73
|
||
Bundes- und Europapolitik
|
||
74
|
||
|
||
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|
||
4
|
||
Vorwort
|
||
Sachsen-Anhalt hat viele starke Seiten – und
|
||
muss gleichzeitig Probleme bewältigen, die
|
||
nicht liegenbleiben dürfen. Unser Land ist in
|
||
den letzten Jahren ein großes Stück vorange-
|
||
kommen, doch viele Menschen müssen in ih-
|
||
rem Leben täglich große Herausforderungen
|
||
meistern. Sachsen-Anhalt ist ein lebens- und
|
||
liebenswertes Land, steckt aber mitten in der
|
||
Realität von Strukturumbrüchen und Klima-
|
||
wandel.
|
||
Diese Gegensätze und Widersprüche prägen
|
||
unser Land.
|
||
Auf der einen Seite:
|
||
• Ein Land, das dank des besonnenen Ver-
|
||
haltens seiner Bürger*innen und dank ei-
|
||
nes klugen Krisenmanagements die Coro-
|
||
na-Krise meistert.
|
||
• Ein Land, das schon vor der Pandemie eine
|
||
flächendeckende Gesundheitsversorgung
|
||
sichergestellt hat.
|
||
• Ein Land, das wieder attraktiv geworden
|
||
ist für industrielle Investitionen und für in-
|
||
novative Existenzgründungen.
|
||
• Ein Land, das bei Kinderbetreuung und
|
||
frühkindlicher Bildung mehr für seine
|
||
jüngsten Bürger*innen tut als jedes andere
|
||
und in dem sich Beruf und Familie verein-
|
||
baren lassen.
|
||
• Ein Land, das Arbeitslosigkeit erfolgreich
|
||
bekämpft hat und niemanden ohne Teil-
|
||
habemöglichkeit zurücklässt.
|
||
• Ein Land, das mit seinen landschaft-
|
||
lichen
|
||
Schönheiten,
|
||
seinen
|
||
histo-
|
||
rischen
|
||
Städten
|
||
und
|
||
seinem
|
||
Welt-
|
||
kulturerbe gerade jüngst von vielen
|
||
Menschen als Reiseziel entdeckt wird.
|
||
• Ein Land, das mit modernen Hochschulen
|
||
junge Menschen und qualifizierte Wissen-
|
||
schaftler*innen anzieht.
|
||
Auf der anderen Seite:
|
||
• Ein Land, in dem für dieselbe Arbeit oft
|
||
weniger bezahlt wird als anderswo und in
|
||
dem sich viele Unternehmen vor Tarifbin-
|
||
dung und sozialer Verantwortung drücken.
|
||
• Ein Land, das viele Menschen durch Ab-
|
||
wanderung verloren hat und das die Trend-
|
||
wende noch nicht geschafft hat.
|
||
• Ein Land, in dem viele Menschen in länd-
|
||
lichen Regionen den Eindruck haben, dass
|
||
ihre Heimat „abgehängt“ ist von moderner
|
||
Infrastruktur und Entwicklungschancen.
|
||
• Ein Land, in dem manche Dörfer während
|
||
der Ferien wochenlang von keinem Bus
|
||
angefahren werden und in dem das „Um-
|
||
steigen“ gegen den Klimawandel oft den
|
||
Wohlhabenden vorbehalten ist.
|
||
• Ein Land, in dem viele Menschen in ihrem
|
||
Alltag sozialen Zusammenhalt und Ge-
|
||
meinsinn vermissen.
|
||
• Ein Land, das es nicht schafft, genug Lehr-
|
||
kräfte für seine Schulen zu gewinnen und
|
||
in dem bildungspolitische Fortschritte der
|
||
Vergangenheit auf der Kippe stehen.
|
||
Weil wir dieses Land lieben, wissen wir, dass
|
||
es sich keinen Stillstand leisten darf.
|
||
Deshalb machen wir Politik mit dem Mut zur
|
||
Veränderung.
|
||
Unter sozialdemokratischer Regierungsver-
|
||
antwortung machen wir Sachsen-Anhalt zu
|
||
einem Land für alle.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Stabiles, schnelles Internet an jedem Kü-
|
||
chentisch, in jeder Schule und Firma.
|
||
|
||
Gleichwertige Lebensbedingungen sind
|
||
keine politische Floskel, sondern ein ver-
|
||
bindlicher Verfassungsauftrag. Politik in
|
||
Sachsen-Anhalt muss der Entwicklung
|
||
der großen Städte und der ländlichen Re-
|
||
gionen gleichermaßen dienen. Wer Wirt-
|
||
schaftsförderung auf Ballungsräume kon-
|
||
zentrieren und ganze Regionen sich selbst
|
||
überlassen will, gefährdet unsere Zukunft.
|
||
SPD-Politik ist Politik fürs ganze Land.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Daseinsvorsorge in öffentlicher Hand.
|
||
|
||
|
||
|
||
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|
||
5
|
||
Corona hat den Wert des Gesundheits-
|
||
systems für unsere Gesellschaft sichtbar
|
||
gemacht. Die Probleme mit privatisierten
|
||
Krankenhäusern haben gezeigt, dass wie
|
||
in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge
|
||
ein aktiver Staat gefragt ist, der flächen-
|
||
deckend eine hochwertige, moderne
|
||
Gesundheitsversorgung sicherstellt. SPD-
|
||
Politik sorgt für ambulante und stationäre
|
||
Gesundheitsversorgung in allen Regionen.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Gute Arbeit ist unser gutes Recht.
|
||
|
||
Arbeit schafft Wohlstand – aber nicht für
|
||
alle. Ausbeutung wie in der Fleischindus-
|
||
trie ist nur ein besonders krasses Beispiel
|
||
für unzumutbare Arbeitsverhältnisse. Aber
|
||
auch in besser aufgestellten Branchen be-
|
||
nachteiligen Tarifflucht und ein anhalten-
|
||
des Einkommensgefälle zwischen West
|
||
und Ost unsere Arbeitnehmer*innen. SPD-
|
||
Politik setzt bei Vergaben Tariftreue durch
|
||
und sorgt dafür, dass die Zukunft der Ar-
|
||
beit sozial gestaltet wird.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Kein Kind bleibt zurück.
|
||
|
||
Bildung muss kostenfrei sein – das fängt
|
||
in der Kita an. Die Bildungszukunft durch
|
||
Digitalisierung hat längst begonnen und
|
||
durch Corona einen kräftigen Schub be-
|
||
kommen. Jetzt kommt es darauf an, dass
|
||
jedes Kind an dieser Entwicklung teilhat.
|
||
Das mobile Endgerät und die Vermittlung
|
||
digitaler Kompetenz gehören für jedes
|
||
Kind dazu, unabhängig vom Einkommen
|
||
der Eltern. SPD-Politik setzt auf längeres
|
||
gemeinsames Lernen und macht flächen-
|
||
deckend Gemeinschaftsschulen möglich.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Klimafreundliche, sozial verträgliche Mo-
|
||
bilität für alle Regionen.
|
||
|
||
Der Klimawandel gefährdet Zukunft und
|
||
Wohlstand für alle. Deshalb müssen auch
|
||
alle die Chance bekommen, durch ihr Ver-
|
||
halten zum Klimaschutz beizutragen. Da-
|
||
für brauchen wir bezahlbare regenerative
|
||
Energien – und ein ÖPNV-Angebot, das
|
||
alle Regionen und Orte erschließt und
|
||
Menschen unabhängig von Einkommen
|
||
und Alter mobil macht. SPD-Politik sorgt
|
||
dafür, dass Klimaschutz überall ankommt.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Ein Zusammenleben in Vielfalt und ohne
|
||
Rassismus.
|
||
|
||
In Sachsen-Anhalt gibt es keine Bürger*in-
|
||
nen zweiter Klasse. Für unsere Gesellschaft
|
||
sind alle Menschen, die hier leben, gleich
|
||
viel wert, unabhängig von ihrer Herkunft,
|
||
ihrem Rechtsstatus und ihrer Religion. Wir
|
||
setzen auf lebendige interkulturelle Be-
|
||
gegnung und wirksame Integration. SPD-
|
||
Politik sorgt für ein gleichberechtigtes
|
||
Miteinander und tritt Rassismus, Anti-
|
||
semitismus und Rechtsextremismus ent-
|
||
schieden entgegen.
|
||
• Ein Land für alle, das heißt:
|
||
Teilhabe und Chancengleichheit statt
|
||
Diskriminierung und Ausgrenzung.
|
||
|
||
In Sachsen-Anhalt haben wir in der Ver-
|
||
fassung verankert, dass niemand wegen
|
||
seiner sexuellen Identität diskriminiert
|
||
werden darf. Genauso wie die Gleich-
|
||
berechtigung von Frauen und Männern
|
||
und die Teilhaberechte von Menschen mit
|
||
Behinderungen müssen wir diese Rechte
|
||
im Alltag, in Politik und Wirtschaft durch-
|
||
setzen und mit Leben füllen. SPD-Politik
|
||
sorgt dafür, dass aus gleichen Rechten
|
||
gleiche Chancen werden und Diskrimi-
|
||
nierung zurückgedrängt wird.
|
||
Ein Land für alle zu gestalten, geht nur mit ei-
|
||
ner starken Sozialdemokratie. Und: mit kons-
|
||
truktiven Partner*innen.
|
||
Für die „Kenia“-Koalition haben wir uns 2016
|
||
bewusst entschieden, weil das nach dem Ein-
|
||
zug der AfD in den Landtag die einzige Mög-
|
||
lichkeit zur demokratischen Mehrheitsbildung
|
||
war. In dieser Koalition konnten wir wichtige
|
||
Erfolge in vielen Bereichen durchsetzen. In an-
|
||
deren Bereichen bedeutete sie Stillstand.
|
||
Sachsen-Anhalt braucht Aufbruch statt Still-
|
||
stand. Deshalb bekräftigen wir:
|
||
Unser Ziel ist es, dass in einem neu gewählten
|
||
Landtag mit großen demokratischen Mehr-
|
||
heiten wieder Koalitionsbildungen nach poli-
|
||
tischen Übereinstimmungen möglich werden.
|
||
Wir streben eine progressive Mehrheit anstatt
|
||
erzwungener Bündnisse an.
|
||
|
||
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|
||
6
|
||
Wie wir unser
|
||
Land stärker
|
||
und gerechter
|
||
machen:
|
||
innovative Wirtschaft
|
||
& gute Arbeit.
|
||
Wirtschaft
|
||
S
|
||
ozialdemokratische Wirtschaftspolitik
|
||
hat Sachsen-Anhalt seit 2016 gutgetan.
|
||
Wir haben unser Land in den vergange-
|
||
nen Jahren zu einem attraktiven Investitions-
|
||
standort gemacht, die Wirtschaftsförderung
|
||
auf kleinere und mittlere Unternehmen aus-
|
||
gerichtet, Existenzgründungen insbesondere
|
||
im Handwerk gefördert sowie Wirtschaft und
|
||
Wissenschaft stärker miteinander verzahnt.
|
||
So konnten wir in Sachsen-Anhalt die Zahl
|
||
gut bezahlter Arbeitsplätze ebenso wie die
|
||
wirtschaftsnahe Innovationsfähigkeit steigern.
|
||
Dies spiegelt sich nicht zuletzt auch in großen
|
||
Investitionen wie dem Presswerk von Porsche
|
||
und Schuler in Halle, der Akkufabrik von Fara-
|
||
sis in Bitterfeld-Wolfen oder dem Forschungs-
|
||
flughafen Cochstedt wider.
|
||
Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen.
|
||
Gerade in den Bereichen, in denen wir heute
|
||
schon erfolgreich sind, wollen wir in den kom-
|
||
menden Jahren besser werden. Wir wollen
|
||
weiter dafür Sorge tragen, dass Sachsen-An-
|
||
halt noch stärker als Land der Zukunftstech-
|
||
nologie wahrgenommen wird. Wir sehen die
|
||
Digitalisierung und den Strukturwandel der
|
||
Kohleregion nicht als notwendige Übel, son-
|
||
dern werden beide Herausforderungen nut-
|
||
zen, um die Unternehmen in unserem Land zu
|
||
stärken und ein attraktiver Standort für Neu-
|
||
ansiedlungen ebenso wie für Erweiterungsin-
|
||
vestitionen zu bleiben. So wollen wir auch in
|
||
Zukunft die Zahl gut bezahlter und zukunfts-
|
||
sicherer Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt stei-
|
||
gern. Für einen langfristig gelingenden Struk-
|
||
turwandel braucht es darüber hinaus aber
|
||
zugleich auch die volle Akzeptanz der lokalen
|
||
Bevölkerung und die aktive Mitwirkung aller
|
||
zivilgesellschaftlicher Gruppen.
|
||
Sachsen-Anhalt ist schon längst keine „ver-
|
||
längerte Werkbank“ mehr. Industrielle Clus-
|
||
ter und regionale Wertschöpfungsketten
|
||
sind stärker geworden. Prägend für die Wirt-
|
||
schaftsstruktur unseres Landes sind aber wei-
|
||
terhin eine insgesamt schwach ausgeprägte
|
||
industrielle Basis, kleinteilige Unternehmens-
|
||
strukturen und ein starkes regionales Gefälle
|
||
bei der Wirtschaftskraft. Wir müssen alles da-
|
||
ransetzen, dass diese wirtschaftlichen Struk-
|
||
turen unter dem Druck der Corona-Krise nicht
|
||
beschädigt werden. Wichtigstes Ziel unserer
|
||
Wirtschaftspolitik ist es, dass der konjunktu-
|
||
relle Einbruch überwunden wird, ohne dass es
|
||
für große Bevölkerungsgruppen zu anhalten-
|
||
der Arbeitslosigkeit kommt. Wir werden daran
|
||
arbeiten, dass Sachsen-Anhalt nach der Krise
|
||
von einem konjunkturellen Wiederaufschwung
|
||
profitiert, neues, nachhaltiges Wachstum ent-
|
||
wickelt und langfristig weiter gestärkt wird.
|
||
Dabei setzen wir auf Unternehmen, die die
|
||
Voraussetzungen für gute Arbeit bieten.
|
||
Billiglöhne und Unterbietungswettbewerbe
|
||
schaden dem Standort Sachsen-Anhalt, er-
|
||
schweren die Fachkräftesicherung und schwä-
|
||
chen die regionale Kaufkraft. Das gilt auch in
|
||
Zeiten der konjunkturellen Krise.
|
||
Die Vielfalt unserer Regionen ist eine Stärke
|
||
Sachsen-Anhalts. Auch in dünnbesiedelten
|
||
Regionen und kleinen Städten bieten krea-
|
||
tives Potential und gut qualifizierte Arbeits-
|
||
kräfte die Voraussetzung, erfolgreich in die
|
||
Zukunft zu investieren. Wir lassen niemanden
|
||
zurück und setzen darauf, alle Teile unseres
|
||
Landes zu entwickeln.
|
||
Szenarien, die der Politik nahelegen, ganze
|
||
Regionen in Ostdeutschland „aufzugeben“
|
||
und Wirtschaftsförderung und Infrastruktur-
|
||
entwicklung nur noch auf Ballungsräume zu
|
||
konzentrieren, treffen auf unseren entschie-
|
||
denen Widerstand. Sie widersprechen dem
|
||
Verfassungsauftrag zur Sicherstellung gleich-
|
||
wertiger Lebensverhältnisse. Vor allem aber
|
||
widersprechen sie unserem Verständnis von
|
||
Solidarität und von wirtschaftlicher Vernunft.
|
||
Wir lassen niemanden zurück, weil Sachsen-
|
||
Anhalt nur gemeinsam vorankommt.
|
||
Die drängenden Zukunftsfragen, die mit der
|
||
Klimakrise und den ökologischen Folgelasten
|
||
|
||
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|
||
7
|
||
industriellen Wirtschaftens der letzten 150
|
||
Jahre verbunden sind, stellen sich von Jahr
|
||
zu Jahr dringlicher. Wir wissen, dass die öko-
|
||
logischen Folgelasten nicht nur die Grundla-
|
||
gen unseres Wohlstandes, sondern auch die
|
||
Grundlagen menschlichen Lebens auf dieser
|
||
Erde gefährden. Die Wirtschaft zukunftsfähig
|
||
zu machen, heißt deshalb beispielsweise auch,
|
||
die Klimaziele des Pariser Abkommens einzu-
|
||
halten. Zugleich wissen wir, dass der dafür nö-
|
||
tige Umbau der Wirtschaft nur gelingen kann,
|
||
wenn er gesamtgesellschaftlich getragen ist,
|
||
wenn er nicht einige ungleich belastet oder zu
|
||
Belastungen führt, die einige Gruppen über-
|
||
fordern oder ausgrenzen, und wenn niemand
|
||
dabei zurückbleibt oder ausgegrenzt wird.
|
||
Deshalb muss der ökologische Umbau der
|
||
Wirtschaft ein solidarischer sein.
|
||
Folgen der Corona-Krise überwinden
|
||
Die Folgen der Einschränkungen des Wirt-
|
||
schaftslebens aufgrund der Maßnahmen zur
|
||
Pandemiebekämpfung und des weltweiten
|
||
Konjunktureinbruchs werden noch lange
|
||
spürbar sein. Für uns in Sachsen-Anhalt wird
|
||
es besonders darauf ankommen, dass Selb-
|
||
ständige und Start-ups, die trotz der Sofort-
|
||
hilfen von Bund und Land durch die Krise in
|
||
Insolvenz geraten sind, die Chance zu einem
|
||
zweiten Anlauf bekommen. Wir können auf
|
||
das Potential von Menschen mit Kreativität
|
||
und dem Mut zur Existenzgründung nicht ver-
|
||
zichten.
|
||
Wo die Einnahmeausfälle aus der Zeit der
|
||
Pandemie dazu führen, dass über die un-
|
||
mittelbare Krise hinaus das Kapital für not-
|
||
wendige Erneuerungsinvestitionen fehlt, wie
|
||
beispielsweise im Tourismussektor, sind staat-
|
||
liche Investitionshilfen erforderlich.
|
||
Nach den Erfahrungen in der Corona-Krise
|
||
muss es im Rahmen dieser Programme auch
|
||
darum gehen, die Wirtschaft Sachsen-Anhalts
|
||
in die bundesweiten Bemühungen um eine
|
||
Stärkung der Herstellung medizinischer und
|
||
pharmazeutischer Produkte im Lande einzu-
|
||
binden. Als Standort mit langer Tradition in
|
||
der chemischen und pharmazeutischen Indus-
|
||
trie sowie beim Maschinen- und Anlagenbau
|
||
bestehen hierfür erstklassige Voraussetzun-
|
||
gen, die durch entsprechende Entwicklungs-
|
||
projekte an den Hochschulen des Landes flan-
|
||
kiert werden müssen.
|
||
Bestandsunternehmen unterstützen
|
||
Gute Wirtschaftspolitik hat nicht nur neue An-
|
||
siedlungen im Blick, sondern unterstützt auch
|
||
bereits bestehende Unternehmen bei den an-
|
||
stehenden Herausforderungen. Der große Teil
|
||
der Unternehmenslandschaft in Sachsen-An-
|
||
halt besteht aus kleinen und mittelständischen
|
||
Unternehmen. Gerade diesen Unternehmen
|
||
wollen wir dabei helfen, wettbewerbsfähig zu
|
||
bleiben, die jetzt existierenden Arbeitsplätze zu
|
||
sichern und neue Beschäftigung zu schaffen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• Finanz- und Förderangebote in Form von
|
||
zinsgünstigen Darlehen oder Bürgschaf-
|
||
ten, um Investitionen für kleine und mitt-
|
||
lere Unternehmen zu erleichtern
|
||
• gezielte Unterstützungsangebote, um klei-
|
||
ne und mittlere Unternehmen vor Ort lang-
|
||
fristig und nachhaltig zu sichern
|
||
• Unterstützung der bereits stark aufgestell-
|
||
ten Wirtschaftszweige in den Bereichen
|
||
Chemie, Pharmazie und Ernährungswirt-
|
||
schaft
|
||
• Regionalbudgets zur Stärkung der regio-
|
||
nalen Wirtschaftsförderung
|
||
• Förderung von Digitalisierungsprojekten
|
||
in Unternehmen verschiedener Branchen
|
||
• Unterstützung für die Unternehmen bei
|
||
der Digitalisierung der industriellen Pro-
|
||
duktion (Industrie 4.0)
|
||
• die Umsetzung der Fachkräftestrategie
|
||
des Landes gemeinsam mit den gewerbli-
|
||
chen Kammern, den Hochschulen und den
|
||
Unternehmen
|
||
• den Einsatz von mindestens zehn Prozent
|
||
der Forschungsförderung für Unterneh-
|
||
men
|
||
• besondere Förderung von genossen-
|
||
schaftlichen und gemeinwohlorientierten
|
||
wirtschaftlichen Vorhaben
|
||
|
||
--- PAGE 8 ---
|
||
8
|
||
Zukunftstechnologien fördern,
|
||
Strukturwandel gestalten
|
||
Klimawandel und Ressourcenverbrauch for-
|
||
dern uns ständig dazu auf, Ökologie, Wirt-
|
||
schaft und Gesellschaft zusammenzudenken.
|
||
Die Aufgaben des Strukturwandels werden
|
||
uns in den kommenden Jahren beschäftigen.
|
||
Im Mitteldeutschen Revier und den unmit-
|
||
telbar betroffenen Kommunen im südlichen
|
||
Sachsen-Anhalt stehen wir vor der Frage,
|
||
wie eine neue industrielle Basis aufgebaut,
|
||
Arbeitsplätze erhalten und neue, gut bezahl-
|
||
te Arbeitsplätze geschaffen werden können.
|
||
Neben dem durch den Kohleausstieg notwen-
|
||
digen Strukturwandel stehen wir aber auch
|
||
vor den Herausforderungen, die der Umstieg
|
||
auf Elektro- und Wasserstoffmobilität mit sich
|
||
bringt. Beiden Facetten des Strukturwandels
|
||
können wir nur mit einem Bekenntnis zu Zu-
|
||
kunftstechnologien in Sachsen-Anhalt ge-
|
||
recht werden.
|
||
Wettbewerbsfähigkeit
|
||
im
|
||
internationalen
|
||
Maßstab setzt in immer stärkerem Maße den
|
||
Einsatz erneuerbarer Energien, eine ressour-
|
||
censchonende und emissionsarme Produk-
|
||
tion, hohe Recyclingquoten und den Einsatz
|
||
nachwachsender Rohstoffe voraus.
|
||
Automobil-Zulieferindustrie und chemische
|
||
Industrie als Schlüsselindustrien unseres Lan-
|
||
des sind dabei in besonderer Weise gefordert.
|
||
Und Sachsen-Anhalt hat mit seiner hohen
|
||
Quote der Erzeugung erneuerbare Energie,
|
||
dem technologischen Know-how in Solarener-
|
||
gie und Windkraft sowie den aufwachsenden
|
||
Kapazitäten in der Batterieproduktion gute
|
||
Voraussetzungen, diesen technologischen
|
||
Wandel mitzugestalten. Wir wollen einen Spit-
|
||
zenplatz bei der Realisierung umwelt- und kli-
|
||
mafreundlicher Produktionstechnologien er-
|
||
langen. Wir wollen keine Resterampe für den
|
||
Einsatz fossiler Energien und verbrauchsin-
|
||
tensiver Produktionstechnik sein.
|
||
Unser Ziel ist eine nachhaltig und verantwort-
|
||
lich wirtschaftende Industriegesellschaft. Des-
|
||
halb wollen wir Wirtschaftsförderung darauf
|
||
ausrichten, die Ansiedlung von Betrieben zu
|
||
unterstützen, die dieses Ziel in Sachsen-An-
|
||
halt voranbringen. Dasselbe Ziel unterstützen
|
||
wir bei der Markteinführung von innovativen
|
||
Start-ups. Die Förderung von Investitionen in
|
||
Bestandsanlagen muss der ökologischen Ver-
|
||
träglichkeit und energetischen Effizienz dienen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein Bündnis für die Industrie der Zukunft,
|
||
um die Überleitung in das CO2-neutrale
|
||
Zeitalter zu gestalten
|
||
• Innovation und moderne Technologien als
|
||
Schwerpunkte der industriepolitischen An-
|
||
siedlungsstrategie des Landes
|
||
• die Schaffung geschlossener Stoffkreisläu-
|
||
fe, die Herstellung klimaneutraler Produk-
|
||
te und die Digitalisierung als Investitions-
|
||
schwerpunkte
|
||
• Unterstützung bei der Weiterentwicklung
|
||
von Gewerbegebieten und bei Investitio-
|
||
nen in verkehrliche und digitale Infrastruk-
|
||
tur, um ausreichend Platz für Zukunfts-
|
||
technologien zu schaffen
|
||
• eine Forschungsstarthilfe für Unterneh-
|
||
men in den Bereichen Klimaneutralität und
|
||
CO2-Reduzierung
|
||
• die Einrichtung vom Land kofinanzierter
|
||
Kompetenzzentren zur Förderung der Er-
|
||
forschung von autonomer Steuerung und
|
||
alternativer Antriebstechnologien
|
||
• eine verlässliche Umsetzung des Verspre-
|
||
chens, dass kein Kumpel ins Bergfreie fällt,
|
||
wozu Ersatzarbeitsplätze genauso gehören
|
||
wie die soziale Absicherung durch das zu-
|
||
gesagte Anpassungsgeld für ältere Beschäf-
|
||
tigte in Tagebauen und Kraftwerken. Ohne
|
||
die Kommunen wird es keinen erfolgreichen
|
||
Strukturwandel geben. Die Kommunalpoli-
|
||
tiker*innen wissen, was richtig für ihre Ge-
|
||
meinden und Landkreise ist. Deshalb müssen
|
||
sie wesentlich mitentscheiden können, wel-
|
||
che Maßnahmen aus den Mitteln des Struk-
|
||
turstärkungsgesetzes gefördert werden
|
||
• einen Förderungsschwerpunkt bei Exis-
|
||
tenzgründungen technologieorientierter
|
||
Unternehmen im Mitteldeutschen Revier
|
||
• die Möglichkeit für die vom Strukturwan-
|
||
del betroffenen Kommunen, mit Mitteln
|
||
aus dem Strukturstärkungsgesetz auch in
|
||
ihre Bildungsinfrastruktur zu investieren
|
||
• eine Wirtschaftsförderung, die sich an be-
|
||
trieblicher Mitbestimmung und Tarifbin-
|
||
dung orientiert
|
||
|
||
--- PAGE 9 ---
|
||
9
|
||
Tourismus weiterentwickeln
|
||
Wir haben durch kluge Investitionen die kul-
|
||
turellen und natürlichen Reichtümer unseres
|
||
Landes für touristische Zwecke entwickelt.
|
||
Der Tourismus ist in Sachsen-Anhalt ein rele-
|
||
vanter Wirtschaftsfaktor geworden. Arbeits-
|
||
plätze in der Gastronomie, im Hotel- und Be-
|
||
herbergungsgewerbe und in touristischen
|
||
Einrichtungen konnten gesichert oder neu
|
||
geschaffen werden. Wir sind mit unseren
|
||
UNESCO-Welterbestätten das Kulturland
|
||
in Deutschland. Wir wollen die Attraktivität
|
||
Sachsen-Anhalts für in- und ausländische Gäs-
|
||
te weiterentwickeln. Kulturtourismus, Fahrrad-
|
||
tourimus, Tages- und Städtereisen gehören zu
|
||
den Bereichen, die wir stärken wollen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine breite Unterstützung von Investitio-
|
||
nen in die touristische Infrastruktur
|
||
• eine touristische Infrastrukturförderung, in
|
||
der Bahnanbindung, gastronomische An-
|
||
gebote und Übernachtungsmöglichkeiten
|
||
Hand in Hand mit ÖPNV und ausgeschil-
|
||
derten Fahrradstrecken koordiniert wer-
|
||
den
|
||
• eine zentrale Vermarktung der touristi-
|
||
schen Landesthemen durch eine starke
|
||
Investitions- und Marketinggesellschaft
|
||
IMG, die die Themen Digitalisierung, Nach-
|
||
haltigkeit und Mobilität weiterentwickelt
|
||
sowie Investitionsprojekte des Tourismus
|
||
initiiert, fördert und begleitet
|
||
• eine gelebte Partner*innenschaft aller im
|
||
Tourismus engagierten Institutionen und
|
||
Verbände, insbesondere von IMG und
|
||
Landestourismusverband Sachsen-Anhalt
|
||
e. V. als Interessenvertretung der touristi-
|
||
schen Akteur*innen auf Landesebene
|
||
• Förderung der Verzahnung von Kultur-
|
||
und Naturtourismus mit dem ÖPNV im
|
||
ländlichen Raum
|
||
• Förderung des Ausbaus der Infrastruktur
|
||
von Rad-, Wasser- und Wanderwegen
|
||
• eine finanzielle Basisausstattung der re-
|
||
gionalen Tourismusverbände zur Stärkung
|
||
regionaler Angebote
|
||
• eine zentrale Steuerung des Tourismusbe-
|
||
reichs durch das Wirtschaftsressort
|
||
• eine Förderung von barrierefreien touristi-
|
||
schen Angeboten
|
||
Kreativität fördern, aus Ideen Arbeitsplätze
|
||
machen, Gründer*innen stärken
|
||
Nicht erst das Bauhaus-Jahr 2019 hat uns wie-
|
||
der ins Gedächtnis gerufen, dass Sachsen-An-
|
||
halt ein Land der neuen Ideen ist. Die Unter-
|
||
nehmen, Gründer*innen und die Hochschulen
|
||
unseres Landes zeigen uns immer wieder, wel-
|
||
che Kraft in neuen Ideen steckt. Die Aufgabe
|
||
der Wirtschaftspolitik ist es, diese Ideen zu
|
||
begleiten und dazu beizutragen, dass aus gu-
|
||
ten Ideen in der Folge Innovationen und neue
|
||
Arbeitsplätze entstehen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Beratung und verstärkte Unterstüt-
|
||
zung von Gründer*innen
|
||
• ein Umfeld, das Gründer*innen auch nach
|
||
der Anfangsphase in unserem Lande hält
|
||
• die Fortsetzung der Förderung von Unter-
|
||
nehmen in der Kreativ- und IT-Wirtschaft
|
||
• die Förderung von Netzwerken und Ko-
|
||
operationen von Unternehmen aus der
|
||
Kreativ- und IT-Branche mit Unternehmen
|
||
aus anderen Bereichen der Wirtschaft
|
||
• die Unterstützung von Coworking-Ange-
|
||
boten für Kreative
|
||
• einen engen Wissensaustausch zwischen
|
||
Unternehmen, Hochschulen und For-
|
||
schungseinrichtungen
|
||
• ein Landesförderprogramm für Start-ups
|
||
Wirtschaft und Wissenschaft vernetzen,
|
||
Innovationskraft weiter steigern
|
||
Selbstverständlich: Die Hochschulen unseres
|
||
Landes sind in allererster Linie leistungsfähige
|
||
Zentren für Forschung und Lehre. Sie sichern
|
||
durch ihre Studienangebote den Bedarf hoch-
|
||
qualifizierter Fachkräfte im Lande, tragen mit
|
||
ihrer Forschung zur Entwicklung von Wirt-
|
||
|
||
--- PAGE 10 ---
|
||
10
|
||
schaft und Gesellschaft bei und strahlen mit
|
||
ihren vielfältigen Angeboten auf Städte und
|
||
Regionen aus.
|
||
Wir konnten in den letzten Jahren die klein-
|
||
und mittelständische Struktur unserer Wirt-
|
||
schaft durch gezielte Verzahnung mit den
|
||
Wissenschaftseinrichtungen im Lande stär-
|
||
ken. Wo eigene Forschungs- und Entwick-
|
||
lungskapazitäten nicht vorhanden sind, hel-
|
||
fen Kooperationen mit den Hochschulen des
|
||
Landes, um Produkte oder Dienstleistungen
|
||
zu entwickeln. Nach dem Motto „Von der Idee
|
||
bis zur Marktreife“ wirkt sich eine gestärkte
|
||
Kooperationsfähigkeit von Unternehmen und
|
||
Wissenschaftseinrichtungen nachhaltig auf
|
||
den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt aus.
|
||
Daher müssen wir weiterhin die großen Poten-
|
||
tiale unserer Wissenschaftseinrichtungen für
|
||
die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen
|
||
nutzen – dies gilt in besonderer Weise für die
|
||
MINT-Wissenschaften.
|
||
Mit der durchgreifenden Novelle des Hoch-
|
||
schulgesetzes 2020 haben wir die Vorausset-
|
||
zungen für eine verstärkte Gründungskultur
|
||
an unseren Hochschulen geschaffen. Um die-
|
||
se auszubauen, kreative Ausgründungen zu
|
||
ermöglichen und eine echte Start-up-Kultur
|
||
zu etablieren, bedarf es neben des geöffneten
|
||
Rechtsrahmens nun flankierender Maßnah-
|
||
men durch Bund und Land, die sich gleicher-
|
||
maßen positiv auf den Wirtschafts- wie den
|
||
Wissenschaftsstandort auswirken.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• weitere Freiräume für die Ausgestaltung
|
||
der Zusammenarbeit von Wissenschaft
|
||
und Wirtschaft
|
||
• einen Ausbau der Verbundforschung
|
||
durch gezielte Förderprogramme für Un-
|
||
ternehmen und Hochschulen
|
||
• die nachhaltige Etablierung einer Grün-
|
||
dungskultur aus den Hochschulen heraus
|
||
durch ein gezieltes Förderprogramm für
|
||
junge Unternehmen, Start-ups und Spin-offs
|
||
Tariftreue- und Vergabegesetz durchsetzen
|
||
Niedriglöhne sind immer noch ein Standort-
|
||
nachteil für Sachsen-Anhalt. Sie erschweren
|
||
die Fachkräftegewinnung, fördern die Abwan-
|
||
derung und behindern Qualifizierungsprozes-
|
||
se. Der von der SPD durchgesetzte Mindest-
|
||
lohn hat extremes Lohndumping verhindert,
|
||
aber ohne die Erweiterung tarifgebundener
|
||
Beschäftigung ist das Grundproblem nicht zu
|
||
lösen. Unser Ziel muss sein: Wer arbeitet, soll
|
||
so viel Lohn erhalten, dass er*sie ohne staat-
|
||
liche Zuschüsse gut leben und einen men-
|
||
schenwürdigen Rentenanspruch ohne Angst
|
||
vor Armut erwerben kann.
|
||
Es bleibt Aufgabe von Staat, Kommunen, öf-
|
||
fentlichen und öffentlich geförderten Unter-
|
||
nehmen, mit gutem Beispiel voranzugehen.
|
||
Deshalb halten wir am Ziel eines Tariftreue-
|
||
und Vergabegesetzes fest, das bisher von
|
||
der CDU verhindert worden ist. Auch die An-
|
||
siedlungs- und sonstige Investitionsförderung
|
||
muss sich verstärkt am Ziel der Tarifbindung
|
||
ausrichten. Wer mit öffentlichen Geldern Auf-
|
||
träge vergibt, muss sicherstellen, dass Tarif-
|
||
löhne gezahlt werden und Equal Pay berück-
|
||
sichtigt wird.
|
||
Gute Arbeit
|
||
G
|
||
ute Arbeitsbedingungen sorgen neben
|
||
familienfreundlichen Angeboten der
|
||
Kinderbetreuung und einem attrakti-
|
||
ven Lebensumfeld dafür, dass sich Menschen
|
||
entscheiden, ihre Zukunft in Sachsen-Anhalt
|
||
aufzubauen. Dies gilt für Landeskinder genau-
|
||
so wie für Menschen aus anderen Bundeslän-
|
||
dern oder Ländern außerhalb Deutschlands.
|
||
Gute Arbeit kann einen Standort lebenswert,
|
||
ein Unternehmen attraktiv und den Wirt-
|
||
schaftsstandort nachhaltig erfolgreich ma-
|
||
chen. Dabei geht es nicht nur um „gutes Geld
|
||
für gute Arbeit“, sondern auch um gute und
|
||
gesunde Arbeitsbedingungen, Aufstiegschan-
|
||
cen und Weiterbildungsmöglichkeiten, be-
|
||
triebliche Mitbestimmung und die Vereinbar-
|
||
keit von Beruf und Familie.
|
||
In den zurückliegenden Jahren haben sich
|
||
die Arbeitsbedingungen im Land Sachsen-
|
||
Anhalt verbessert. Die Arbeitslosigkeit hat
|
||
sich deutlich reduziert, und auch die Zahl der
|
||
Langzeitarbeitslosen ist rückläufig. Auch die
|
||
Einkommenssituation hat sich verbessert.
|
||
|
||
--- PAGE 11 ---
|
||
11
|
||
Insbesondere durch die Einführung des Min-
|
||
destlohns haben in Sachsen-Anhalt viele Be-
|
||
schäftigte mit kleinen Einkommen ein Plus
|
||
im Portemonnaie. Mit unseren Arbeitsmarkt-
|
||
programmen konnten vielen Menschen neue
|
||
Chancen zum Wiedereinstieg in den Arbeits-
|
||
markt eröffnet werden. Neben den ESF-ge-
|
||
förderten Programmen haben wir mit dem
|
||
Programm „Stabilisierung durch Teilhabe“ in
|
||
der laufenden Wahlperiode Landesgeld in die
|
||
Hand genommen, um Menschen, die lange
|
||
keinen Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden
|
||
hatten, neue Teilhabe- und Beschäftigungs-
|
||
chancen zu eröffnen. Über 2.000 Menschen
|
||
konnten so aktiviert und unterstützt werden.
|
||
Inzwischen wird dieses Angebot durch das
|
||
Teilhabechancengesetz des Bundes ergänzt.
|
||
In der Corona-Krise hat sich die Zahl der
|
||
Arbeitslosen wieder erhöht. Viele Menschen
|
||
konnten jedoch mit dem erweiterten Kurz-
|
||
arbeitergeld vor einer Kündigung bewahrt
|
||
werden. Mit dem Konjunkturpaket des Bun-
|
||
des soll ein längerfristiger Einbruch vermie-
|
||
den werden. Auch das Land Sachsen-Anhalt
|
||
wird mit Investitionen, Kaufkraftstärkung und
|
||
Überbrückungshilfen dazu beitragen, dass aus
|
||
der Corona-Krise keine tiefe Wirtschaftskrise
|
||
wird. Eine Fortsetzung und Weiterentwick-
|
||
lung der arbeitsmarktpolitischen Programme
|
||
ist vor diesem Hintergrund erforderlich.
|
||
Sachsen-Anhalts Unternehmen sind in den
|
||
letzten Jahren zunehmend auf der Suche
|
||
nach Fachkräften. Insbesondere im Handwerk
|
||
werden händeringend Fachkräfte und Auszu-
|
||
bildende gesucht. Eine wachsende Zahl an
|
||
Betrieben ist inzwischen bereit, in diese Fach-
|
||
kräfte zu investieren durch Ausbildung, Quali-
|
||
fizierung, Verbesserung der Arbeitsbedingun-
|
||
gen und der Einkommen. Fachkräftesicherung
|
||
ist vorrangig eine Aufgabe der Unternehmen
|
||
selbst. Wir wollen sie dabei aber bestmöglich
|
||
unterstützen. In der laufenden Wahlperiode
|
||
haben wir den Fachkräftesicherungspakt mit
|
||
den Sozialpartner*innen und weiteren Ak-
|
||
teur*innen des Arbeitslebens neu aufgestellt
|
||
und zu einer Plattform für Abstimmung und
|
||
Zusammenarbeit gemacht.
|
||
Um das Image des Billiglohnlandes Sachsen-
|
||
Anhalt endlich hinter uns lassen, brauchen wir
|
||
eine Erhöhung der Tarifbindung. Derzeit ist
|
||
nur jeder zweite Arbeitsplatz tarifgebunden.
|
||
Wo Tarifverträge abgeschlossen werden, stei-
|
||
gen die Einkommen, und die Rahmenbedin-
|
||
gungen verbessern sich. Tarifbindung rechnet
|
||
sich aber auch aus Unternehmenssicht: durch
|
||
geringe Fluktuation, höhere Betriebsbindung
|
||
und Motivation. Wir werden auch weiterhin
|
||
intensiv für die Tarifbindung werben.
|
||
Demokratie endet nicht am Werkstor. Orga-
|
||
nisierte Mitbestimmung ist eine wesentliche
|
||
Voraussetzung für gute Arbeitsbedingungen.
|
||
Dafür braucht es starke Betriebsräte. Unter-
|
||
nehmen mit Betriebsräten sind in Sachsen-
|
||
Anhalt jedoch immer noch in der Minderheit.
|
||
Das muss sich ändern. Wir werden die Ge-
|
||
werkschaften weiterhin dabei unterstützen,
|
||
Betriebsräte zu gründen und so zur Verbes-
|
||
serung der Arbeitsbedingungen beizutragen.
|
||
Die Chancen der Digitalisierung in der Ar-
|
||
beitswelt wollen wir gemeinsam nutzen und
|
||
im Sinne der Beschäftigten gestalten. Digitali-
|
||
sierung darf dabei nicht zur Verschärfung der
|
||
Ausbeutung und zur Rundum-Verfügbarkeit
|
||
von Beschäftigten führen. Es geht vielmehr
|
||
darum, technologische Innovation so zu nut-
|
||
zen, dass ein Mehr an Selbstbestimmung und
|
||
Kommunikation möglich wird und eine Er-
|
||
leichterung der Arbeit und der Kooperation
|
||
von Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten
|
||
erreicht wird. Die Forderung nach dem Recht
|
||
auf Homeoffice wird von uns unterstützt. Die
|
||
Corona-Krise hat die Potentiale aufgezeigt.
|
||
Wir wollen sie jetzt zupackend gestalten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Stärkung der Tarifbindung, um end-
|
||
lich die Angleichung der Löhne und Ge-
|
||
hälter an das Westniveau durchsetzen zu
|
||
können
|
||
• die Unterstützung der Gründung und Ar-
|
||
beit von Betriebsräten. Fortsetzung der
|
||
regelmäßigen Betriebsrätekonferenz des
|
||
Landes, um Betriebsräte zu ermutigen und
|
||
zu stärken
|
||
• eine Landeskampagne zur Gründung von
|
||
Betriebsräten
|
||
• einen Förderausschluss für Unternehmen,
|
||
die nachweislich betriebliche Mitbestim-
|
||
mung behindern. Wir werden uns für einen
|
||
besseren Schutz für Betriebs- und Personal-
|
||
räte bei willkürlichen Kündigungen stark ma-
|
||
chen. Auch der Zugang der Gewerkschaften
|
||
in die Berufsschulen soll erleichtert werden
|
||
|
||
--- PAGE 12 ---
|
||
12
|
||
• das lange von der CDU blockierte mo-
|
||
derne Tariftreue- und Vergabegesetz. Es
|
||
muss sicherstellen, dass öffentliche Aufträ-
|
||
ge nur an Unternehmen vergeben werden,
|
||
die sich an Tarifverträge halten. Wo noch
|
||
keine Tarifverträge verhandelt wurden, soll
|
||
ein Vergabemindestlohn von 13 Euro die
|
||
Untergrenze bilden. Die Entgeltgleichheit
|
||
von Mann und Frau soll als ein Vergabe-
|
||
kriterium in das Landesvergabegesetz auf-
|
||
genommen werden
|
||
• die Unterstützung von Initiativen für eine
|
||
gleichberechtigte Aufteilung von Erzie-
|
||
hungs- und Pflegezeiten. Frauenförderung,
|
||
Entgeltgleichheit und familienfreundliche
|
||
Arbeitszeitmodelle sind wichtige Indikato-
|
||
ren guter Arbeit. Wir wollen Arbeitsmarkt-
|
||
programme wie „Familien stärken“ fortset-
|
||
zen, die jungen Frauen den Wiedereinstieg
|
||
in Arbeit ermöglichen
|
||
• eine bessere Durchsetzung des Arbeits-
|
||
schutzes durch engmaschige Kontrollen. In
|
||
der Corona-Krise hat sich erneut gezeigt,
|
||
welch starken Gesundheitsgefährdungen
|
||
Beschäftigte ausgesetzt sein können,
|
||
wenn der Arbeitsschutz nicht beachtet
|
||
wird. Wir werden das Landesamt für Ver-
|
||
braucherschutz dafür personell stärken
|
||
• die Bekämpfung der Ausbeutung von Sai-
|
||
sonarbeitskräften durch Werkverträge,
|
||
miese Arbeitsbedingungen und Unterbrin-
|
||
gung in Massenunterkünften. Gemeinsam
|
||
mit Zoll, Landesamt für Verbraucherschutz
|
||
und Kommunen wollen wir Verfehlungen
|
||
konsequent ahnden und die Arbeitsbedin-
|
||
gungen verbessern. Die Beratungsstelle
|
||
BemA, die mobile Beschäftigte berät, leis-
|
||
tet wichtige Aufklärungsarbeit. Wir wer-
|
||
den ihre Förderung verstetigen
|
||
• eine Weiterentwicklung des Fachkräftesi-
|
||
cherungspakts als Plattform für Austausch
|
||
und Abstimmung über Maßnahmen der
|
||
Fachkräftesicherung mit allen Arbeits- und
|
||
Wirtschaftsakteur*innen. Zentrale Hand-
|
||
lungsansätze der Fachkräftesicherung
|
||
sind: Verbesserung der Arbeitsbedingun-
|
||
gen, Gestaltung der Zuwanderung, Ausbil-
|
||
dung und Qualifizierung, neue Chancen für
|
||
Arbeitslose, frühzeitige Bindung von Ab-
|
||
solventen, Mobilität für Ausbildungs- und
|
||
Freizeitverkehre. Unser Ziel ist es, dass im
|
||
Fachkräftesicherungspakt alle Partner*in-
|
||
nen Verantwortung übernehmen und ver-
|
||
bindliche Maßnahmen in ihrer Verantwor-
|
||
tung umsetzen
|
||
• die Fortsetzung der Fachkraftinitiative des
|
||
Landes „Fachkraft im Fokus“ als Angebot
|
||
für suchende Fachkräfte ebenso wie für
|
||
suchende Betriebe. Ergänzend zum Qua-
|
||
lifizierungschancengesetz wollen wir auch
|
||
künftig mit unseren Förderprogrammen
|
||
das individuelle Weiterbildungsengage-
|
||
ment von Beschäftigten ebenso finanziell
|
||
fördern wie das betriebliche
|
||
• Schulgeldfreiheit für alle Ausbildungen.
|
||
Dafür wollen wir überall, wo das Land Ver-
|
||
antwortung trägt, schnell und dauerhaft
|
||
sorgen. Jede*r Auszubildende sollte eine
|
||
angemessene Ausbildungsvergütung er-
|
||
halten. Erzieher*innen- und Gesundheits-
|
||
berufe müssen den dualen Ausbildungsbe-
|
||
rufen gleichgestellt und vergütet werden
|
||
• auch für Freiwilligendienstleistende die
|
||
Möglichkeit, das zum 1.1.2021 gestartete
|
||
Azubi-Ticket zu nutzen
|
||
• die Fortsetzung der Programme für einen
|
||
sozialen Arbeitsmarkt. Auf absehbare Zeit
|
||
werden wir eine gezielte Unterstützung
|
||
von Menschen benötigen, die alleine nicht
|
||
wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.
|
||
Ergänzend und abgestimmt mit den Maß-
|
||
nahmen der Bundesagentur für Arbeit
|
||
werden wir daher weiterhin Angebote zur
|
||
Teilhabe von benachteiligten Menschen
|
||
am Arbeitsmarkt entwickeln. Unser Ziel ist
|
||
es, diese frühzeitig mit betrieblichen Be-
|
||
mühungen zur Gewinnung von Fachkräf-
|
||
ten zu verknüpfen
|
||
• die frühzeitige Berufsorientierung junger
|
||
Menschen, damit sie realistisch an die Be-
|
||
rufswahl herangehen und Enttäuschungen
|
||
vermieden werden können. Wir werden
|
||
daher sicherstellen, dass das Landespro-
|
||
gramm BRAFO zur Berufsorientierung ver-
|
||
stetigt und flächendeckend an allen weiter-
|
||
führenden Schulen – auch an Gymnasien
|
||
– durchgeführt wird. BRAFO soll mit be-
|
||
trieblichen Praktika verknüpft werden und
|
||
eine frühzeitige Kontaktaufnahme zwischen
|
||
Betrieben und Jugendlichen ermöglichen.
|
||
BRAFO soll noch stärker geschlechtersen-
|
||
sibel ausgerichtet werden und alle über die
|
||
ganze Breite der Berufe informieren
|
||
|
||
--- PAGE 13 ---
|
||
13
|
||
• die Fortsetzung des Landesprogramms
|
||
RÜMSA, das an die Schule anschließt und
|
||
einen guten Übergang von Schule in Aus-
|
||
bildung und Beruf ermöglicht. RÜMSA
|
||
findet im Rahmen der regionalisierten
|
||
Arbeitsmarktpolitik in Landkreisen und
|
||
kreisfreien Städten statt und ermöglicht
|
||
so, dass die Akteur*innen vor Ort ein best-
|
||
mögliches Matching von jungen Menschen
|
||
und regional tätigen Unternehmen realisie-
|
||
ren. Diesen Ansatz wollen wir fortsetzen
|
||
• die Bezahlung von Praktika. Praktika sind
|
||
ein wichtiges Instrument der beruflichen
|
||
Orientierung und zum Gewinnen betriebli-
|
||
cher Erfahrungen. Praktikant*innen dürfen
|
||
aber nicht als billige Arbeitskräfte miss-
|
||
braucht werden. In Landesverantwortung
|
||
soll es keine längeren unbezahlten Praktika
|
||
mehr geben
|
||
Zuwanderung
|
||
und Integration
|
||
D
|
||
ie SPD Sachsen-Anhalt bekennt sich zu
|
||
einem vielfältigen Land, das die freie
|
||
Ausübung von Religion, Kultur und Le-
|
||
bensweise ermöglicht. Wir setzen uns ein für
|
||
eine solidarische Gesellschaft, in der sich Men-
|
||
schen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem
|
||
Aussehen oder ihrem ökonomischen Status
|
||
willkommen fühlen.
|
||
Sachsen-Anhalt braucht mehr Zuwanderung,
|
||
um wirtschaftlich leistungsfähig und kulturell
|
||
attraktiv zu bleiben. Mit einer Strategie für Zu-
|
||
wanderung und internationale Zusammenar-
|
||
beit wollen wir dazu beitragen, den Bevölke-
|
||
rungsrückgang zu lindern, lebenswerte Dörfer
|
||
und Städte zu erhalten, Arbeits- und Fach-
|
||
kräfte sowie Unternehmensnachfolger zu ge-
|
||
winnen und die kommunale Daseinsvorsorge
|
||
zu sichern. Damit die Steuerung von Zuwan-
|
||
derung, Migration und Integration effizienter
|
||
als bislang erfolgen kann, sprechen wir uns
|
||
für die Bündelung der migrationsbezogenen
|
||
Zuständigkeiten in einem Ressort aus.
|
||
Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG)
|
||
des Bundes eröffnet neue Chancen der Zu-
|
||
wanderung nach Sachsen-Anhalt.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• Pilotvorhaben zur Anwerbung von Fach-
|
||
und Arbeitskräften im Rahmen des FEG
|
||
• die Etablierung eines zentralen Welcome-
|
||
Centers, das Informationen und Unterstüt-
|
||
zungsangebote für Zuwanderungsinter-
|
||
essierte, internationale Fachkräfte sowie
|
||
Unternehmen anbieten soll. Das Welcome-
|
||
Center dient als Erstanlaufstelle, die Zuwan-
|
||
derungsinteressierte über Chancen und An-
|
||
gebote in Sachsen-Anhalt informieren und
|
||
nach Ankunft auf ihrem Weg in den sachsen-
|
||
anhaltischen Arbeitsmarkt unterstützen soll
|
||
• eine Fortführung des Zentrums für Migra-
|
||
tion und Arbeitsmarkt, das als Kompetenz-
|
||
netzwerk für Unternehmen, Beratungs-
|
||
dienste und Fachkräfte zur Verfügung steht
|
||
• die Nutzung der Potentiale der bereits in
|
||
Sachsen-Anhalt lebenden Migrant*innen.
|
||
Die Angebote zur Berufsorientierung,
|
||
Qualifizierung,
|
||
berufsvorbereitenden
|
||
und -begleitenden Sprachförderung sowie
|
||
die Unterstützungsangebote zur langfris-
|
||
tigen Integration in den Ausbildungs- und
|
||
Arbeitsmarkt wollen wir besser als bislang
|
||
aufeinander abstimmen
|
||
Integration in Bildung, Ausbildung und Arbeit
|
||
Bildung und deutsche Sprachkenntnisse sind
|
||
die Schlüssel zu erfolgreicher Integration von
|
||
Zugewanderten. Daher stehen die Bemühun-
|
||
gen um Bildungs- und Ausbildungsintegration
|
||
im Mittelpunkt unserer Integrationspolitik.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• verstärkten Zugang zu den Kindertages-
|
||
stätten. Als häufig erstem von Kindern in
|
||
Anspruch genommenen institutionellen
|
||
Bildungsangebot kommt der Kinderta-
|
||
geseinrichtung eine wichtige Funktion für
|
||
die Integration, Bildung und Teilhabe an
|
||
der Gesellschaft und die Förderung des
|
||
Spracherwerbs zu
|
||
• Zugang zur Schule für Kinder und Jugend-
|
||
liche im schulpflichtigen Alter spätestens
|
||
drei Monate nach ihrer Ankunft. Dies gilt
|
||
explizit auch in den Erstaufnahmeeinrich-
|
||
tungen des Landes
|
||
|
||
--- PAGE 14 ---
|
||
14
|
||
• Sprachförderangebote in allen Schulstufen
|
||
und Schulformen
|
||
• Zugang zu Sprachkursen für alle Zuge-
|
||
wanderten und Geflüchteten mit der Mög-
|
||
lichkeit, mindestens das Sprachniveau B1
|
||
erreichen zu können
|
||
• Unterstützung von Unternehmen, die aus-
|
||
ländische Beschäftigte oder Auszubilden-
|
||
de einstellen, durch die Förderung von
|
||
„Integrations-Coachs“, um bürokratische
|
||
Hürden abzubauen, Sprachförderangebo-
|
||
te bestmöglich zu nutzen und eine nach-
|
||
haltige Integration in das Unternehmen zu
|
||
ermöglichen
|
||
• den Ausbau der Beratung und Qualifizie-
|
||
rung zur Anerkennung ausländischer Bil-
|
||
dungsabschlüsse in Abstimmung mit den
|
||
bundesgeförderten Angeboten des IQ-
|
||
Netzwerkes und den Kammern, um das
|
||
Anerkennungsverfahren zu beschleunigen,
|
||
die zuständigen Stellen zu entlasten und
|
||
die beruflichen Potentiale der Zugewan-
|
||
derten bestmöglich zu nutzen
|
||
• die Fortführung der Beratungsangebote
|
||
für zugewanderte Frauen, um ihnen den
|
||
Weg in den Ausbildungs- und Arbeits-
|
||
markt zu erleichtern
|
||
• den Aufbau von Beratungsangeboten für
|
||
queere Migrant*innen, um ihnen den Weg
|
||
in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu
|
||
erleichtern
|
||
Flucht und Asyl
|
||
Auch wenn künftig die gesteuerte Arbeits-
|
||
marktzuwanderung eine größere Rolle spielen
|
||
wird, werden weiterhin Menschen in Deutsch-
|
||
land Schutz vor Verfolgung, Gewalt und Krieg
|
||
suchen. Wir stehen zum Recht auf Asyl und
|
||
zur humanitären Aufnahme in Deutschland.
|
||
Menschen, die in unserem Land Schutz su-
|
||
chen, wollen wir offen begegnen und ihnen
|
||
frühestmöglich Angebote zur Integration in
|
||
das gesellschaftliche Leben, aber auch in Bil-
|
||
dung, Ausbildung und Arbeit geben.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Verkürzung des Aufenthaltes in den
|
||
Erstaufnahmeeinrichtungen. Die Coro-
|
||
na-Krise hat gezeigt, welche Gefahren
|
||
Massenunterkünfte bergen. In der Erst-
|
||
aufnahme werden kleine, abgeschlossene
|
||
Wohneinheiten mit Zugang zu eigenem
|
||
Bad und Küche gebraucht. Eine frühzeitige
|
||
Verteilung auf Wohnungen in den Kommu-
|
||
nen wird angestrebt
|
||
• die Fortsetzung der unabhängigen und
|
||
nichtstaatlichen Asylverfahrensberatung
|
||
in der Erstaufnahme
|
||
• den Zugang zu Angeboten der psychoso-
|
||
zialen Versorgung unabhängig vom Auf-
|
||
enthaltsstatus. Notwendige Sprachmitt-
|
||
lungsangebote müssen unkompliziert zur
|
||
Verfügung gestellt werden
|
||
• die Vermeidung von Abschiebungen in
|
||
Länder, in denen Gefahr für Leib und Le-
|
||
ben droht. Abschiebungen insbesondere
|
||
in Länder wie Afghanistan lehnen wir auf
|
||
absehbare Zeit ab
|
||
• einen sicheren Hafen für Menschen in Not.
|
||
Wir wollen, dass sich unser Bundesland an
|
||
der Aufnahme von aus Seenot geretteten
|
||
Menschen beteiligt. Im Sinne der euro-
|
||
päischen Solidarität bekennen wir uns zu
|
||
unserer humanitären Verantwortung und
|
||
sprechen uns für die Aufnahme von Ge-
|
||
flüchteten aus den Aufnahmelagern in
|
||
Griechenland aus. Dafür wollen wir ein
|
||
Landesaufnahmeprogramm auflegen
|
||
• die Rückkehr zum Rechtsanspruch auf
|
||
Familiennachzug. Familien gehören zu-
|
||
sammen. Wer sich täglich Sorgen um sei-
|
||
ne Angehörigen machen muss, kann sich
|
||
nur mit halbem Herzen der Integration in
|
||
Deutschland widmen
|
||
• eine landesweit einheitlichere Praxis der
|
||
Ausländerbehörden bei der Erteilung der
|
||
Ausbildungsduldung
|
||
• die regelmäßige Aufklärung der Unterneh-
|
||
men und (Amts-)Vormünder zum Instru-
|
||
ment der Ausbildungsduldung
|
||
• Abschiebehaft nur für Straftäter*innen
|
||
|
||
|
||
|
||
--- PAGE 15 ---
|
||
15
|
||
Zusammenleben in einem vielfältigen
|
||
Sachsen-Anhalt
|
||
Integration endet nicht mit dem Abschluss
|
||
eines Sprachkurses. Vielmehr braucht es da-
|
||
für vielfältige Formen der Begegnung und des
|
||
Kennenlernens. Integration bedeutet Teilhabe.
|
||
Damit Zuwanderung zur Bewältigung unse-
|
||
rer demographischen Herausforderungen bei-
|
||
tragen kann, unterstützen wir auch weiterhin
|
||
Maßnahmen zur interkulturellen Sensibilisie-
|
||
rung und Öffnung von Behörden, Ämtern und
|
||
Diensten und den Abbau von Zugangsbarrie-
|
||
ren für Menschen mit Migrationsgeschichte.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• interkulturelle Öffnung durch kompetente
|
||
Beratungs- und Bildungsangebote. Damit
|
||
öffentliche Institutionen, aber auch Unter-
|
||
nehmen und Organisationen sich für die
|
||
zunehmende Internationalisierung und
|
||
Vielfalt öffnen, sollen sie bestmöglich un-
|
||
terstützt werden
|
||
• ein Pilotprojekt für anonymisierte Bewer-
|
||
bungsverfahren, das bei positivem Ergeb-
|
||
nis in der Einstellungspraxis übernommen
|
||
werden kann
|
||
• den bedarfsgerechten Ausbau von Sprach-
|
||
mittlungsangeboten insbesondere zur
|
||
Unterstützung der Kommunikation mit Be-
|
||
hörden sowie im Gesundheitswesen
|
||
• die Verankerung interkultureller Bildung
|
||
in allen relevanten Ausbildungs- und Stu-
|
||
diengängen sowie der Weiterbildung
|
||
• eine Förderung des ehrenamtlichen Enga-
|
||
gements durch Lotsen- und Patenschafts-
|
||
projekte, Engagementfonds und andere
|
||
Formate niedrigschwelliger Unterstützung
|
||
• eine Vermeidung der Konzentration von
|
||
Zuwanderungsgruppen in bestimmten
|
||
Stadtteilen sowie ein verstärktes Quar-
|
||
tiersmanagement
|
||
• die Umsetzung des 2020 nach einem
|
||
breiten Dialogprozess erstellten Landes-
|
||
integrationskonzepts. Dazu gehört die
|
||
Einführung eines ombudschaftlichen Be-
|
||
schwerdemanagements für Geflüchtete
|
||
• die Aufwertung der Ansprechperson für
|
||
jüdisches Leben zu einer*einem Beauf-
|
||
tragten gegen Antisemitismus und für
|
||
jüdisches Leben. Wir setzen uns für lan-
|
||
desweite jüdische Kulturtage ein, um die
|
||
Vielfalt der jüdischen Kultur zu bewerben
|
||
• bessere Rahmenbedingungen für Sport-
|
||
vereine, Wohlfahrtsverbände, Kultur und
|
||
gesellschaftliche Akteure, die aktiv um Ein-
|
||
gewanderte werben
|
||
• die Förderung und Beteiligung von Mig-
|
||
rant*innenorganisationen als Interessen-
|
||
vertretung und Brückenbauer*innen. Wir
|
||
setzen uns für eine langfristige Unterstüt-
|
||
zung in Form einer institutionellen Förde-
|
||
rung des Landesnetzwerks der Migranten-
|
||
selbstorganisationen (LAMSA) ein
|
||
• das kommunale Wahlrecht für alle dauer-
|
||
haft hier lebenden Menschen. Die politi-
|
||
sche Teilhabe würde ein starkes Signal der
|
||
Zusammengehörigkeit senden
|
||
• die Verankerung der Migrationsbeiräte im
|
||
Kommunalverfassungsrecht
|
||
• die Unterstützung von Angeboten der in-
|
||
terreligiösen Begegnungsarbeit der christ-
|
||
lichen, jüdischen, islamischen und anderen
|
||
Gemeinden
|
||
• die Unterstützung der islamischen Ge-
|
||
meinden bei ihrer Gemeinwesenarbeit und
|
||
in ihrer Orientierungsfunktion für neuan-
|
||
kommende Muslim*innen. Die Gemeinden
|
||
erleichtern die Orientierung in Deutsch-
|
||
land und bringen sich in das gesellschaft-
|
||
liche Leben in Sachsen-Anhalt ein
|
||
• ein Unterrichtsangebot zur islamischen
|
||
Religion für muslimische Schüler*innen
|
||
Land- und
|
||
Forstwirtschaft
|
||
L
|
||
and- und Ernährungswirtschaft müssen
|
||
die Versorgung der Bevölkerung mit
|
||
hochwertigen und sicheren Lebensmit-
|
||
teln gewährleisten. Bei der Erzeugung dieser
|
||
Produkte kommt es mehr denn je darauf an, die
|
||
|
||
--- PAGE 16 ---
|
||
16
|
||
natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen.
|
||
Hierzu gehören der Erhalt der Bodenfrucht-
|
||
barkeit und der Qualität des Trinkwassers, der
|
||
Artenvielfalt bei Flora und Fauna ebenso wie
|
||
der Klimaschutz und das Wohl der Nutztiere.
|
||
Dafür brauchen wir Leitlinien einer nachhal-
|
||
tigen Landnutzung, die Klima- und Umwelt-
|
||
schutz berücksichtigt und die im europäischen
|
||
Konsens zu entwickeln ist, um die Chancen-
|
||
gleichheit der deutschen Landwirt*innen im
|
||
Wettbewerb zu gewährleisten. Hierzu ist eine
|
||
Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der
|
||
Europäischen Union erforderlich.
|
||
Ein wesentliches Element soll hierbei die kon-
|
||
sequente Verfolgung des Prinzips „öffent-
|
||
liches Geld für öffentliche Leistungen“ sein.
|
||
Die regionalen Gestaltungsspielräume sind in
|
||
diesem Prozess zu stärken.
|
||
Die Betriebe und alle Beschäftigten in der
|
||
Land- und Forstwirtschaft müssen auskömm-
|
||
liche Rahmenbedingungen für ihre Tätigkeit
|
||
vorfinden, die ihnen eine Teilhabe am wirt-
|
||
schaftlichen Wohlergehen der Gesamtgesell-
|
||
schaft sichern.
|
||
Die Landwirtschaft prägt in weiten Teilen die
|
||
Kulturlandschaft und ist ein wesentlicher, vie-
|
||
lerorts der dominierende Wirtschaftsfaktor im
|
||
ländlichen Raum. Sie bietet die Grundlage für
|
||
eine starke Ernährungswirtschaft und sichert
|
||
Arbeitsplätze.
|
||
Wir setzen auf ein wirkungsvolles Agrarstruk-
|
||
turgesetz, das eine breite Eigentumsstreuung
|
||
bei landwirtschaftlichem Grundbesitz sichert,
|
||
den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen
|
||
durch außerlandwirtschaftliche Investoren ver-
|
||
hindert und die Konzentration von Eigentum
|
||
und Besitz an Agrarland in Händen einzelner
|
||
Großunternehmen begrenzt. Das Gesetz muss
|
||
darüber hinaus den bisher unkontrollierten
|
||
mittelbaren Erwerb von landwirtschaftlichen
|
||
Flächen über die Beteiligungen an Agrarunter-
|
||
nehmen regulieren. Die bisherige Vielfalt bei
|
||
den saatgutproduzierenden Unternehmen soll
|
||
erhalten bleiben. Monopolstellungen einzelner
|
||
Unternehmen lehnen wir ab. Das Gleiche gilt
|
||
für Waldflächen. Auch dafür wollen wir eine
|
||
gesetzliche Grundlage schaffen.
|
||
Eine besondere Förderung soll die regionale
|
||
Vermarktung der landwirtschaftlichen Pro-
|
||
dukte erfahren, um den nachhaltigen und vor
|
||
allem den regionalen Konsum zu stärken. Da-
|
||
bei werden der konventionelle und der öko-
|
||
logische Landbau sowie die Nebenerwerbs-
|
||
landwirtschaft marktgerecht gefördert, um
|
||
die Nachfrage nach hochwertigen, regiona-
|
||
len Lebensmitteln zu bedienen und die Wert-
|
||
schöpfung im Lande zu sichern.
|
||
Der Beitrag des Waldes und der Land- und
|
||
Forstwirtschaft für Erhalt und Stärkung der
|
||
biologischen Vielfalt wird mit Landesmitteln
|
||
besonders unterstützt.
|
||
Der Verlust an land- und forstwirtschaftlichen
|
||
Flächen durch Versiegelung ist zu stoppen
|
||
bzw. nur möglich, wenn anderer Stelle Aus-
|
||
gleichsflächen gewonnen werden. Dabei ist
|
||
der Innenentwicklung der Vorzug vor dem
|
||
Neubau „auf der grünen Wiese“ zu geben.
|
||
Eingriffe in die Natur sollen vor allem durch
|
||
qualitativ hochwertige, produktionsintegrier-
|
||
te, agrarflächenschonende Maßnahmen aus-
|
||
geglichen werden. Dazu ist eine Evaluierung
|
||
des Bewertungsmodells des Landes eine drin-
|
||
gende Voraussetzung.
|
||
Die Wiedervernässung geeigneter Moorstand-
|
||
orte aus Gründen des Natur-, Gewässer- oder
|
||
Klimaschutzes wird finanziell abgesichert.
|
||
Über den Anbau von Pflanzen (Paludikultur)
|
||
kann ein Beitrag zur Klimaneutralität geleis-
|
||
tet und kostendeckend etabliert werden. Die
|
||
sehr positive Klimabilanz ergibt sich aus den
|
||
Emissionsminderungen durch Wiedervernäs-
|
||
sung und dem Ersatz fossiler Energieträger
|
||
durch Biomasse aus nassen Mooren.
|
||
Die Nutztierhaltung ist ein bedeutender
|
||
Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Auch
|
||
wenn Sachsen-Anhalt derzeit eines der vieh-
|
||
ärmsten Flächenländer ist, kommt es auf der
|
||
Basis von „Altanlagen“ aus Zeiten der DDR
|
||
zu regionalen Hotspots, an denen die Tier-
|
||
haltung industrielle Ausmaße angenommen
|
||
hat. Die Akzeptanz dieser Anlagen bei der
|
||
Bevölkerung ist gering. Die finanziellen Erträ-
|
||
ge bleiben oft nicht im Dorf, sondern werden
|
||
andernorts versteuert.
|
||
Bei der Umgestaltung zu einer tiergerechte-
|
||
ren und umweltfreundlicheren Produktion gilt
|
||
es verschiedene Aspekte zu beachten. Die
|
||
Tierhaltung soll flächenbezogen die Chance
|
||
auf einen Umbau zu mehr Tierwohl erhalten.
|
||
Dabei muss der Ausgleich der Interessen zwi-
|
||
|
||
--- PAGE 17 ---
|
||
17
|
||
schen Emissionsminderung und Tierwohl ziel-
|
||
führend geschaffen werden.
|
||
Die verschiedenen Initiativen zur Verbes-
|
||
serung des Tierwohls auf Landes- und Bun-
|
||
desebene müssen gebündelt werden, um für
|
||
Sachsen-Anhalt einen Masterplan aufzustellen,
|
||
der die unmittelbar betroffenen Landwirt*in-
|
||
nen von der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen
|
||
überzeugt. Es ist ausreichend Fachpersonal
|
||
zur Kontrolle des Tierwohls einzustellen.
|
||
Der Neubau des Tierwohlkompetenzzentrums
|
||
in Iden mit modernen Ställen zur Rinder- und
|
||
Schweinehaltung bietet die Chance, bei der
|
||
Ausbildung der künftigen Landwirte den As-
|
||
pekt des Tierwohls stärker zu verankern.
|
||
Zudem brauchen wir stärkere Anreize für
|
||
mehr Investitionen ins Tierwohl. Dazu werden
|
||
wir die Förderprogramme weiterentwickeln.
|
||
Die verschiedenen Initiativen zur Herkunfts-
|
||
kennzeichnung müssen mit Aufklärung der
|
||
Verbraucher*innen einhergehen, um Akzep-
|
||
tanz für einen gemäßigten Preisanstieg zu
|
||
erreichen. Den Kund*innen mag es gut er-
|
||
scheinen, wenn Lebensmittel billig sind, einen
|
||
ethischen Anspruch erfüllt es jedoch nicht.
|
||
Billige Lebensmittel bedeuten, dass exter-
|
||
ne Kosten zum Erhalt von Artenvielfalt, rei-
|
||
ner Luft und reinem Trinkwasser über andere
|
||
Quellen finanziert werden müssen.
|
||
Der Ökolandbau bietet Chancen für den Na-
|
||
turschutz und stellt eine Einnahmequelle dar.
|
||
Neue Anträge zur Umstellung auf ökologi-
|
||
schen Landbau sowie die auf Bundesebene
|
||
beschlossene Nutztier- und Ackerbaustrate-
|
||
gie sind in einem Masterplan für Sachsen-An-
|
||
halt umzusetzen und werden mit EU-, Bun-
|
||
des- und Landesmitteln finanziell unterstützt.
|
||
Dauergrünland liefert hochwertiges, eiweißrei-
|
||
ches Futtermaterial, ist wichtig für die Humus-
|
||
bildung und stellt einen unverwechselbaren
|
||
Landschaftsbestandteil dar. Dauergrünland
|
||
bindet wie auch Moore in besonderem Maß
|
||
Kohlendioxid. Im Rahmen einer Grünfutter-
|
||
strategie wollen wir die Grünlandbewirtschaf-
|
||
tung stärken.
|
||
Durch Marktstrukturprogramme wollen wir
|
||
die Weiterverarbeitung stärken. Wir setzen
|
||
auf regionale Wertschöpfungsketten, eine
|
||
bessere Vernetzung von Land- und Ernäh-
|
||
rungswirtschaft und eine intensivere Regio-
|
||
nal- und Direktvermarktung. Dafür muss die
|
||
Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt
|
||
deutlich gestärkt und solide finanziert wer-
|
||
den.
|
||
Die Beratung landwirtschaftlicher Betriebe hin-
|
||
sichtlich der Bewältigung der gesellschaftlichen
|
||
Herausforderungen muss neu aufgestellt werden.
|
||
Dazu wollen wir Konzepte entwickeln.
|
||
Wir werden zur Automatisierung arbeitsin-
|
||
tensiver Vorgänge, zur Stärkung der betrieb-
|
||
lichen Leistungsfähigkeit und zur Verbesse-
|
||
rung der Bedingungen von Menschen, Tieren
|
||
und Pflanzen die Digitalisierung bedarfsge-
|
||
recht fördern und so die Innovationskraft und
|
||
die regionale Wertschöpfung im ländlichen
|
||
Raum voranbringen.
|
||
Die Digitalisierung der Landwirtschaft (Smart
|
||
Farming) bietet Möglichkeiten für mehr nach-
|
||
haltiges und umweltgerechtes Wirtschaften.
|
||
Durch den Einsatz IT-unterstützter Techniken
|
||
können Dünge- und Pflanzenschutzmittel ge-
|
||
zielter, effizienter und somit umweltverträg-
|
||
licher ausgebracht werden. Dies kann auch
|
||
die gesellschaftliche Akzeptanz moderner
|
||
Landwirtschaft steigern. Gleichzeitig muss
|
||
die Unabhängigkeit der Landwirt*innen ge-
|
||
wahrt werden, die digitale Technologien ver-
|
||
wenden. Ein umfangreicher Datenschutz und
|
||
das damit einhergehende Recht auf die Daten
|
||
ist für die Digitalisierung der Landwirtschaft
|
||
eine grundlegende Voraussetzung.
|
||
Waldbesitzer*innen, die in ihren Wäldern Gu-
|
||
tes für die Gesellschaft oder die Umwelt tun,
|
||
sollen künftig entsprechende finanzielle Un-
|
||
terstützung erhalten. Die finanziellen Anreize
|
||
sollen helfen, die gestiegenen gesellschaftli-
|
||
chen Anforderungen an den Wald und des-
|
||
sen Nutzung besser abzugelten, für die Be-
|
||
schäftigten tarifgerechte Arbeitsverhältnisse
|
||
zu ermöglichen und den Erhalt der Wälder
|
||
langfristig zu sichern.
|
||
Die Ökosystemleistungen des Waldes sind
|
||
künftig stärker anzuerkennen und zu vergü-
|
||
ten. Neben der Holzproduktion sind dies vor
|
||
allem der Arten- und Biotopschutz, die Sauer-
|
||
stoffproduktion, der Klimaschutz, der Lärm-
|
||
schutz, der Erosionsschutz, der Küsten- und
|
||
Hochwasserschutz, der Trinkwasserschutz so-
|
||
wie der Naherholungswert und das Speichern
|
||
von CO2. Für die Anerkennung dieser Leistun-
|
||
|
||
--- PAGE 18 ---
|
||
18
|
||
gen ist es zielführend, den Wert auf wissen-
|
||
schaftlicher Grundlage zu ermitteln und die
|
||
Ökosystemleistungen zu definieren und zu
|
||
bewerten. Auf Basis dieser Inwertsetzung
|
||
soll eine breite öffentliche Diskussion über
|
||
die
|
||
angemessene
|
||
Honorierung
|
||
dieser
|
||
Ökosystemleistungen
|
||
stattfinden.
|
||
Im
|
||
Naturschutz kann es auf der Grundlage des zu
|
||
evaluierenden Bewertungsmodells erfolgen,
|
||
in anderen Bereichen müssen neue Modelle
|
||
geschaffen werden.
|
||
Die SPD Sachsen-Anhalt steht für einen ge-
|
||
sunden Einklang von aktiven Lebensräumen
|
||
für die Menschen und der Natur. Die Politik
|
||
für die Landwirtschaft und den ländlichen
|
||
Raum mit seiner Artenvielfalt, Biodiversität
|
||
und lebendigen Natur muss wieder so ausge-
|
||
richtet werden, dass das gegenwärtige offen-
|
||
sichtliche Gegeneinander von Ökologie und
|
||
Ökonomie wieder zu einem Miteinander und
|
||
damit zu einer Bereicherung unserer Kultur-
|
||
landschaft entwickelt wird.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• Leitlinien einer nachhaltigen Landnutzung
|
||
• auskömmliche Bedingungen für die Be-
|
||
schäftigten in landwirtschaftlichen Betrie-
|
||
ben
|
||
• ein wirkungsvolles Agrarstrukturgesetz,
|
||
das eine breite Eigentumsstreuung bei
|
||
landwirtschaftlichem Grundbesitz sichert
|
||
und die Konzentration von Eigentum und
|
||
Besitz an Agrarland in Händen einzelner
|
||
Großunternehmen begrenzt
|
||
• den Erhalt der bisherigen Vielfalt bei den
|
||
saatgutproduzierenden Unternehmen. Mo-
|
||
nopolstellungen einzelner Unternehmen
|
||
lehnen wir ab
|
||
• weniger Verlust landwirtschaftlicher Flä-
|
||
chen durch Versiegelung
|
||
• eine finanzielle Absicherung der Wieder-
|
||
vernässung geeigneter Moorstandorte aus
|
||
Gründen des Natur-, Gewässer- und Klima-
|
||
schutzes
|
||
• eine weitere Stärkung des Tierwohlkompe-
|
||
tenzzentrums in Iden
|
||
• eine solide Finanzierung der Agrarmarke-
|
||
tinggesellschaft Sachsen-Anhalt, um die
|
||
Regional- und Direktvermarktung weiter
|
||
zu stärken
|
||
• eine zeitnahe Anerkennung und Honorie-
|
||
rung der Ökosystemleistungen der Wälder
|
||
• eine gezielte Anpflanzung von trocken-
|
||
heitsresistenten Baumarten bei Wieder-
|
||
aufforstungen
|
||
• eine Überarbeitung der bestehenden Kon-
|
||
zepte für die Waldbrandprävention, um
|
||
der durch die Trockenheit der letzten Jah-
|
||
re entstandenen Wasserknappheit Rech-
|
||
nung zu tragen
|
||
• eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwi-
|
||
schen Landesregierung und Verbänden
|
||
der Waldwirtschaft, insbesondere dem
|
||
Bündnis für den Wald
|
||
• eine Aufstockung der Landesforstverwal-
|
||
tung auf 1.000 Stellen
|
||
• die Konzentration der Aufgaben der Forst-
|
||
verwaltung in einer Anstalt öffentlichen
|
||
Rechts
|
||
• die Rückführung der Flächenhoheit auf die
|
||
zuständigen Reviere bzw. Förster*innen
|
||
• eine zeitnahe Überarbeitung der Förder-
|
||
richtlinien für alle Waldflächen
|
||
• das Anlegen eines Notfallfonds für Katas-
|
||
trophen
|
||
• die dauerhafte Einrichtung von Notfallstä-
|
||
ben
|
||
• die Unterstützung der Besitzer*innen von
|
||
kleinen Waldflächen zur nachhaltigen Be-
|
||
wirtschaftung
|
||
• die Behandlung unseres Waldes als sys-
|
||
temrelevant
|
||
• die Einführung eines Zuschusses für den
|
||
Landesangelverbandes und die gemein-
|
||
nützigen Angelvereine mit eigenen Ge-
|
||
wässern, um deren Pflege und artgerech-
|
||
ten Fischbesatz zu verbessern
|
||
|
||
--- PAGE 19 ---
|
||
19
|
||
Wie wir es
|
||
schaffen,
|
||
dass niemand
|
||
zurückbleibt:
|
||
starker Sozialstaat
|
||
& solidarisches
|
||
Miteinander.
|
||
Gesundheit und
|
||
Pflege
|
||
|
||
Solidarisches Gesundheitswesen für alle und
|
||
von allen getragen
|
||
G
|
||
esundheit ist unser höchstes Gut. Das
|
||
gesundheitliche Wohl der Patient*in-
|
||
nen steht deshalb im Mittelpunkt unse-
|
||
rer Politik. Die Corona-Pandemie hat gezeigt,
|
||
wie sehr wir auf ein gut funktionierendes und
|
||
bestmöglich ausgestattetes Gesundheits-
|
||
system angewiesen sind. Eine hochwertige
|
||
Gesundheitsversorgung ist zentral für die öf-
|
||
fentliche Daseinsvorsorge und Grundlage für
|
||
die Lebensqualität in den Regionen unseres
|
||
Landes. Wir streben eine bestmögliche medi-
|
||
zinische und pflegerische Versorgung in unse-
|
||
rem Land an.
|
||
Unser Ziel sind gleichwertige Lebensverhält-
|
||
nisse auch bei der gesundheitlichen Versor-
|
||
gung in allen Regionen, in Stadt und Land,
|
||
in Nord und Süd. Alle Menschen in unserem
|
||
Land brauchen einen Zugang zu gut erreich-
|
||
barer und hochwertiger Gesundheitsversor-
|
||
gung. Deshalb haben wir in der laufenden
|
||
Legislaturperiode die Landarztquote einge-
|
||
führt, die Krankenhausplanung in Sachsen-
|
||
Anhalt weiterentwickelt und das Gesetz über
|
||
Hilfen und Schutzmaßnahmen für Personen
|
||
mit einer psychischen Erkrankung des Landes
|
||
Sachsen-Anhalt modernisiert.
|
||
Wir werden uns in der bundesweiten gesund-
|
||
heitspolitischen Debatte dafür einsetzen, dass
|
||
die solidarische, paritätische Krankenver-
|
||
sicherung gestärkt und zu einer Bürgerver-
|
||
sicherung weiterentwickelt wird, zu der alle
|
||
beitragen und zu der alle Zugang haben, auch
|
||
Selbständige und Beamte. Auch die Pflege
|
||
muss ausreichend und gerecht finanziert wer-
|
||
den. Deshalb unterstützen wir die Forderung
|
||
nach einer Pflegevollversicherung, um Pfle-
|
||
geleistungen bedarfsgerecht zugänglich zu
|
||
machen, bessere Arbeits- und Entlohnungs-
|
||
bedingungen für Pflegekräfte zu schaffen
|
||
und eine Überlastung der Angehörigen zu
|
||
verhindern.
|
||
Die SPD steht für eine Sicherung der ambu-
|
||
lanten und stationären medizinischen Versor-
|
||
gung besonders auch in ländlichen Regionen.
|
||
Wir setzen uns für eine deutliche Stärkung der
|
||
ambulanten Versorgung im haus- und fach-
|
||
ärztlichen Bereich ein. Dazu gehören auch
|
||
Modelle, die sich an das Konzept der Polikli-
|
||
niken anlehnen.
|
||
Damit ältere Menschen lange aktiv sein kön-
|
||
nen, unterstützen wir flächendeckende und
|
||
miteinander vernetzte Angebote für Gesund-
|
||
heit, Pflege und haushaltsnahe Dienstleistun-
|
||
gen – für alle zugänglich und bezahlbar. Dafür
|
||
ist eine gemeinsame Anstrengung von Bund,
|
||
Ländern, Kommunen und Sozialversicherun-
|
||
gen notwendig.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine integrierte Bedarfsplanung der ge-
|
||
samten medizinischen Versorgung (ambu-
|
||
lant und stationär). Die Vorbeugung von
|
||
Krankheiten und die Rehabilitation bei-
|
||
spielsweise nach einer schweren Erkran-
|
||
kung müssen im Rahmen dieser Planung
|
||
gestärkt und auch die Pflege muss einbe-
|
||
zogen werden. Dafür müssen die bundes-
|
||
rechtlichen Voraussetzungen so geändert
|
||
werden, dass eine sektorenübergreifende
|
||
Versorgung finanziell abgebildet wird
|
||
• mehr Ärzt*innen, da diese zukünftig ver-
|
||
mehrt altersbedingt aus dem Beruf aus-
|
||
scheiden werden. Hierzu bedarf es konkre-
|
||
ter Anreize, um die ärztliche Versorgung
|
||
im ländlichen Raum auch weiterhin zu ge-
|
||
währleisten. Die Kompetenz der Apothe-
|
||
ker*innen sowie der Zahnärzt*innen muss
|
||
in die Versorgungsstrukturen effizient ein-
|
||
gebunden werden
|
||
|
||
--- PAGE 20 ---
|
||
20
|
||
• mehr Medizinstudierende, um den Bedarf
|
||
zu decken. Dafür fordern wir ein Bundes-
|
||
programm
|
||
• rechtliche Rahmenbedingungen, um mehr
|
||
Berufsgruppen eigenverantwortlich mit in
|
||
die Gesundheitsversorgung einzubeziehen
|
||
– Stichwort „Gemeindeschwester“
|
||
• eine barrierefreie medizinische Versorgung
|
||
im ambulanten und stationären Bereich
|
||
sowie in der psychosozialen Versorgung.
|
||
Dies gilt auch für Geflüchtete unabhängig
|
||
vom Aufenthaltsstatus
|
||
• eine optimierte Notfallversorgung, die in
|
||
Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst
|
||
eine schnelle gesundheitliche Versorgung
|
||
auch in ländlichen Regionen sicherstellt.
|
||
Dazu gehört für uns auch ein weiterer
|
||
Hubschrauber für den Norden des Landes
|
||
• Projekte zur Prävention von Suchtmittel-
|
||
missbrauch und -abhängigkeit und Ange-
|
||
bote der Suchtberatung
|
||
• Gesundheitsprävention in Kitas und Schu-
|
||
len sowie Angebote zur Gesundheitsför-
|
||
derung für junge Familien, zum Beispiel in
|
||
den Familienbegegnungsstätten und im
|
||
Rahmen der Familienhilfe
|
||
• ein Modellprojekt zur Einführung von
|
||
Schulgesundheitsfachkräften an unseren
|
||
Schulen
|
||
• einen unbürokratischen Zugang zu Prä-
|
||
ventionsangeboten
|
||
und
|
||
Gesundheits-
|
||
leistungen auch für Menschen mit Be-
|
||
einträchtigungen zum Beispiel durch
|
||
Gebärdendolmetschende oder Transport-
|
||
dienste
|
||
• die Einführung von Erste-Hilfe-Unterricht
|
||
an unseren Schulen zur Stärkung der Re-
|
||
animation durch Laien
|
||
• den weiteren Ausbau der ambulanten psy-
|
||
chiatrischen Versorgung
|
||
• die Fortsetzung des Programms „Pflege
|
||
im Quartier“, damit Menschen mit ambu-
|
||
lanten Pflegeangeboten auch im Alter in
|
||
ihrer vertrauten Umgebung gepflegt wer-
|
||
den können. Wir werden uns auch weiter-
|
||
hin für neue Versorgungsformen einsetzen,
|
||
die beispielsweise die technische Innova-
|
||
tion für eine Verbesserung der Situation
|
||
der Pflegenden nutzen
|
||
• die Novellierung der Gesundheitsziele des
|
||
Landes, die möglichst konkrete Folgemaß-
|
||
nahmen auslösen. Dazu gehört auch die
|
||
Übernahme des nationalen Gesundheits-
|
||
ziels „Rund um die Geburt“
|
||
• die Verankerung der Frauengesundheit in
|
||
den Landesgesundheitszielen und Maß-
|
||
nahmen zur Stärkung einer geschlech-
|
||
ter- und diversitätsgerechten Gesund-
|
||
heitsversorgung sowie entsprechende
|
||
Ausbildungsinhalte in den Gesundheits-
|
||
berufen
|
||
• die vollständige Kostenübernahme für Ver-
|
||
hütungsmittel. Dafür setzen wir uns wei-
|
||
terhin auf Bundesebene ein
|
||
• wohnortnahe Unterstützung und Beratung
|
||
von Frauen, die ungewollt schwanger sind.
|
||
Sicherstellung einer wohnortnahen Bera-
|
||
tung auch im ländlichen Raum
|
||
• eine Bundesratsinitiative zur ersatzlosen
|
||
Abschaffung des § 219a aus dem Strafge-
|
||
setzbuch
|
||
• eine landesweite Präventionskampagne
|
||
zur Vorbeugung von psychosozialen Er-
|
||
krankungen, welche auch an Schulen an-
|
||
geboten werden soll
|
||
Krankenhäuser
|
||
Sachsen-Anhalt braucht auch in Zukunft eine
|
||
flächendeckende, gut erreichbare, verlässliche
|
||
und leistungsfähige Krankenhauslandschaft,
|
||
die das Wohl der Patient*innen in den Mittel-
|
||
punkt stellt und bundesweite Qualitätsstan-
|
||
dards einhält.
|
||
Krankenhäuser sind zentral für die Daseins-
|
||
vorsorge. Ihre Existenz darf nicht von privaten
|
||
Gewinninteressen abhängig sein. Der Zwang
|
||
zu Gewinnabfuhr und Profitmaximierung ge-
|
||
fährdet den öffentlichen Versorgungsauftrag.
|
||
Die Übertragung kommunaler Krankenhäuser
|
||
an private, gewinnorientierte Unternehmen, zu
|
||
der sich viele Kommunen in der Vergangenheit
|
||
gezwungen sahen, war aus heutiger Sicht ein
|
||
Fehler. Die Krankenhausversorgung muss wei-
|
||
|
||
--- PAGE 21 ---
|
||
21
|
||
terhin vor allem durch öffentliche und gemein-
|
||
nützige Träger abgesichert werden. Weitere
|
||
Privatisierungen wollen wir verhindern. Wenn
|
||
ein privater Krankenhausbetreiber die Gesund-
|
||
heitsversorgung nicht mehr sicherstellt, soll
|
||
das Krankenhaus rekommunalisiert werden.
|
||
Dass Krankenhäuser aufgrund mangelnder
|
||
Investitionsmittel in eine Schieflage geraten,
|
||
muss verhindert werden.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Auflösung des Investitionsstaus in den
|
||
Krankenhäusern. Für die kommende Legis-
|
||
laturperiode ist zusätzlich zu den bereits
|
||
begonnenen und beschlossenen Investi-
|
||
tionen ein Investitionsprogramm in Höhe
|
||
von rund 600 Millionen Euro zur Moder-
|
||
nisierung der Krankenhäuser erforderlich,
|
||
um unsere Krankenhäuser leistungsfähig
|
||
zu halten. Eine Privatisierung oder Teilpri-
|
||
vatisierung der Unikliniken sowie der Salus
|
||
gGmbH lehnen wir ab. Wir werden beide
|
||
Unikliniken als eigenständige Einrichtun-
|
||
gen sichern
|
||
• eine bundesweite Neuausrichtung des Ver-
|
||
gütungssystems für Krankenhäuser. Denn
|
||
das bestehende DRG-System (Wettbe-
|
||
werb um Fälle) führt zu Fehlanreizen und
|
||
wirtschaftlichen Problemen in der Kran-
|
||
kenhauslandschaft
|
||
• finanzielle Unterstützung für Kommunen
|
||
bei erforderlichen Rekommunalisierungen
|
||
Pflege- und Gesundheitsfachberufe
|
||
Spätestens in der Corona-Krise ist für alle
|
||
sichtbar geworden, welch existentielle Be-
|
||
deutung die Arbeit in Pflege und Gesund-
|
||
heitswesen für uns alle hat. Arbeitsbedin-
|
||
gungen und Entlohnung von Pflegekräften
|
||
stehen dazu in keinem Verhältnis. Das muss
|
||
sich ändern. Wir setzen uns dafür ein, dass
|
||
gute Arbeit auch gut entlohnt wird. Der
|
||
Wettbewerb um Fachkräfte im Gesundheits-
|
||
wesen wird sich weiter verschärfen. Sachsen-
|
||
Anhalts Gesundheitseinrichtungen werden
|
||
sowohl bei den Arbeitsbedingungen als auch
|
||
bei der Entlohnung nachlegen müssen. Bund,
|
||
Länder und Kommunen sind hier ebenso in
|
||
der Verantwortung wie die Träger der Ein-
|
||
richtungen und Dienste.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• einen allgemeinverbindlichen Branchenta-
|
||
rifvertrag Soziales, um der Zersplitterung
|
||
der arbeitsrechtlichen Vereinbarungen
|
||
und der Tarifabschlüsse zu begegnen. Wir
|
||
unterstützen die Gewerkschaften in ihrem
|
||
Kampf um eine höhere Tarifbindung. Ziel
|
||
müssen Flächentarifverträge sein. Wo die
|
||
Möglichkeit besteht, sind diese für allge-
|
||
meinverbindlich zu erklären
|
||
• eine Aufwertung der Gesundheitsberu-
|
||
fe. Mit der Pflegeberufereform wurden
|
||
wichtige Schritte getan: Die generalisti-
|
||
sche Ausbildung soll die Qualität sichern,
|
||
Schulgeldfreiheit konnte erreicht werden,
|
||
Ausbildungsfonds sichern die Vergütung.
|
||
Weitere Schritte werden nötig sein. Wir
|
||
wollen, dass der Pflegeberuf attraktiv
|
||
bleibt, so dass sich viele junge Menschen
|
||
dafür entscheiden. Gute Ausbildungsquali-
|
||
tät, vernünftige Ausbildungsbedingungen
|
||
und eine angemessene Ausbildungsver-
|
||
gütung sind dafür erforderlich. Das gilt
|
||
auch für die anderen Gesundheitsberufe
|
||
wie Physiotherapie und Logopädie. Stu-
|
||
diengängen, die ergänzend zu klassischen
|
||
Berufsausbildungen im Gesundheitswesen
|
||
entstehen, stehen wir positiv gegenüber
|
||
• Schulgeldfreiheit für alle Gesundheitsbe-
|
||
rufe und eine angemessene Vergütung für
|
||
die Auszubildenden im Gesundheitswesen.
|
||
Beide Punkte sind für uns zentrale Schritte
|
||
in Richtung Nachwuchs- und Fachkräfte-
|
||
sicherung.
|
||
• den Ausbau von Ausbildungskapazitä-
|
||
ten in den Gesundheitsberufen. Durch die
|
||
Verbesserung der Ausbildungsbedingun-
|
||
gen wollen wir die Gesundheitsberufe so
|
||
attraktiv machen, dass mehr junge Men-
|
||
schen eine Ausbildung aufnehmen. Ein gut
|
||
ausgebautes Netz an Schulen für Gesund-
|
||
heitsberufe ist dafür erforderlich
|
||
• ein bedarfsgerechtes und hochwertiges
|
||
Netz der Geburtshilfe mit einer verbesser-
|
||
ten Hebammenversorgung. Wir wollen das
|
||
Modellprojekt zum hebammengeleiteten
|
||
Kreißsaal ausbauen und die Arbeitsbedin-
|
||
gungen von Hebammen verbessern
|
||
|
||
--- PAGE 22 ---
|
||
22
|
||
Das Gesundheitswesen
|
||
zukunftssicher machen
|
||
Der Fortschritt in der Medizin ist gewaltig;
|
||
die Möglichkeiten, Krankheiten zu behandeln
|
||
und Gesundheit zu erhalten, haben zugenom-
|
||
men. Die Digitalisierung eröffnet zudem neue
|
||
Chancen für einen schnellen und barrierefrei-
|
||
en Zugang zu Gesundheitsleistungen, gerade
|
||
im ländlichen Raum. Um diesen Fortschritt al-
|
||
len Menschen zugänglich zu machen, bedarf
|
||
es erheblicher Anstrengungen. Hierfür wollen
|
||
wir ein Zentrum für Digitalisierung im Gesund-
|
||
heitswesen innerhalb des Gesundheitsminis-
|
||
teriums etablieren. Dafür setzt sich die SPD
|
||
in Sachsen-Anhalt ein.
|
||
Ein starker öffentlicher Gesundheitsdienst mit
|
||
gut ausgebildeten Fachkräften in Krankenhäu-
|
||
sern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen sowie in
|
||
allen Gesundheitsberufen bildet die Grundlage
|
||
für eine hochwertige Gesundheitsversorgung
|
||
in unserem Land. Die grundlegende praktische
|
||
Arbeit in der Corona-Pandemie haben die Ge-
|
||
sundheitsämter geleistet. Wir werden deshalb
|
||
alle Möglichkeiten nutzen, um den Fachkräfte-
|
||
mangel zu lindern. Wir stehen für eine Allianz
|
||
für Pflege, eine schnelle Prüfung der Anerken-
|
||
nung ausländischer Bildungsabschlüsse, für
|
||
Schulgeldfreiheit sowie für eine Modernisie-
|
||
rung der Berufsausbildung und Weiterbildung.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine personelle Stärkung der Gesund-
|
||
heitsämter. Dafür braucht es eine attrak-
|
||
tive Vergütung, damit überhaupt Personal
|
||
eingeworben werden kann. Ein weiterer
|
||
Schritt zur Stärkung des Öffentlichen Ge-
|
||
sundheitsdienstes ist die Schaffung eines
|
||
einschlägigen Lehrstuhls in Sachsen-An-
|
||
halt, damit auch hierüber gut ausgebilde-
|
||
tes Personal eingeworben und die Fach-
|
||
richtung beworben werden kann
|
||
• einen Bachelor-Studiengang „Gesund-
|
||
heitsförderung und -management“ mit
|
||
einem Schwerpunkt auf Infektiologie als
|
||
neuen Abschluss
|
||
• eine frühzeitige Förderung zukunftswei-
|
||
sender Technologien, um die Chancen der
|
||
Telemedizin zu nutzen.
|
||
• den Ausbau der Forschungsförderung zur
|
||
Verbesserung der Gesundheitsförderung
|
||
• schnelles Internet für jede Gesundheitsein-
|
||
richtung
|
||
• ein Förderprogramm zur Unterstützung
|
||
der Digitalisierung im Gesundheitswesen,
|
||
um die Zusammenarbeit aller Gesund-
|
||
heitsakteur*innen zu verbessern
|
||
• die Etablierung eines landesweiten digita-
|
||
len Erste-Hilfe-Alarmierungssystems
|
||
• ein Gesetz zur Patient*innenbeteiligung,
|
||
um unter anderem eine Patient*innenver-
|
||
tretung des Landes einzuführen
|
||
Verbraucher*
|
||
innenschutz
|
||
D
|
||
er Verbraucher*innenschutz ist ein
|
||
wichtiges Politikfeld. Er hat als Quer-
|
||
schnittsaufgabe Bezug zu verschiede-
|
||
nen Ressorts. Wir haben in den letzten Jah-
|
||
ren die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt
|
||
als anerkannte und bewährte Einrichtung in
|
||
allen Belangen des Verbraucherschutzes ge-
|
||
sichert und gefördert, um eine flächendecken-
|
||
de, qualitätsgesicherte und fachlich versierte
|
||
persönliche Beratung in Sachsen-Anhalt gera-
|
||
de auch für ältere Menschen zu ermöglichen.
|
||
Wir haben in Kooperation mit den Kommunen
|
||
die Schuldner*innenberatungsstellen ebenso
|
||
unterstützt wie die vom Land finanzierten
|
||
Insolvenzberatungsstellen, denen wir durch
|
||
mehrjährige Förderverträge Planungssicher-
|
||
heit gegeben haben. Das Landesamt für Ver-
|
||
braucherschutz als leistungsfähige, inter-
|
||
disziplinäre Behörde haben wir durch eine
|
||
angemessene Sach- und Personalausstattung
|
||
gestärkt.
|
||
Unser Leitbild in der Verbraucher*innenpolitik
|
||
sind selbstbestimmte und eigenverantwortlich
|
||
handelnde Verbraucher*innen. Ihre Chancen
|
||
auf umfassende und vor allem neutrale Infor-
|
||
mation, unabhängige Beratung und Durchset-
|
||
zung ihrer Rechte werden wir stärken.
|
||
Dabei bleibt die Verbraucherzentrale Sach-
|
||
sen-Anhalt eine wichtige Partnerin. Eine lang-
|
||
fristige und stabile Finanzierung der Landes-
|
||
geschäftsstelle und der Beratungsstellen
|
||
werden wir auch künftig sicherstellen, um
|
||
|
||
--- PAGE 23 ---
|
||
23
|
||
Planungssicherheit und qualifiziertes Perso-
|
||
nal zu erhalten.
|
||
In einer Welt, in der immer mehr Prozesse
|
||
elektronisch ablaufen, ergeben sich ganz neue
|
||
Fragestellungen im Bereich des Vertrags-
|
||
schlusses und der Haftung. Wir setzen uns da-
|
||
her dafür ein, das „Internet der Dinge“ siche-
|
||
rer zu machen und dem Thema Datenschutz
|
||
in Fragen des digitalen Verbraucher*innen-
|
||
schutzes eine hohe Priorität einräumen.
|
||
Das Landesamt für Verbraucherschutz ist ne-
|
||
ben vielen privatwirtschaftlichen Laboren eine
|
||
wichtige Einrichtung des Landes für den ge-
|
||
sundheitlichen Verbraucher*innenschutz. Es
|
||
braucht insbesondere den Ausbau moderner
|
||
Analyseverfahren, die Etablierung weiterer
|
||
Untersuchungsverfahren und eine gesicherte
|
||
personelle Ausstattung, um die Aufklärung
|
||
von Lebensmittelskandalen, die Bekämpfung
|
||
von Tierseuchen und Dienstleistungen für
|
||
vorsorgliche Untersuchungen der eigenver-
|
||
antwortlich handelnden, produzierenden und
|
||
verarbeitenden Betriebe besser bewältigen zu
|
||
können.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Weiterentwicklung des Verbrau-
|
||
cher*innenschutzes bei den Themen
|
||
Energiewende,
|
||
Finanzdienstleistungen
|
||
und Altersvorsorge, bei den Rechten von
|
||
Patient*innen und ihrer unabhängigen Be-
|
||
ratung, für Transparenz bei der Lebensmit-
|
||
telkennzeichnung und den Schutz persön-
|
||
licher Daten beim Online-Einkauf
|
||
• ein sicheres „Internet der Dinge“ und eine
|
||
Haftung der Verantwortlichen für Produk-
|
||
te künstlicher Intelligenz. Wenn hieraus
|
||
Rechtsverstöße resultieren, werden diese
|
||
geahndet
|
||
• weitere Verbesserungen des gesundheit-
|
||
lichen Verbraucher*innenschutzes und des
|
||
Schutzes der Verbraucher*innen vor Täu-
|
||
schung beim Lebensmitteleinkauf („food
|
||
fraud“)
|
||
• eine verstärkte Unterstützung der Arbeit
|
||
der Landkreise und kreisfreien Städte
|
||
durch interdisziplinäre Kontrollteams, um
|
||
die Unternehmen der Lebensmittelverar-
|
||
beitung und die Lebensmittelketten ein-
|
||
heitlich im Land kontrollieren zu können
|
||
• einen Neu- und Ausbau der landeseigenen
|
||
Labore
|
||
• eine ausreichende Personalausstattung in
|
||
den Landkreisen und kreisfreien Städten,
|
||
dem Landesverwaltungsamt, dem Landes-
|
||
amt für Verbraucherschutz und der zu-
|
||
ständigen obersten Landesbehörde
|
||
Kinder, Jugend
|
||
und Familie
|
||
D
|
||
ie Lebenssituation für Familien, Kinder,
|
||
Jugendliche und ältere Menschen zu
|
||
verbessern ist ein vorrangiges Ziel so-
|
||
zialdemokratischer Politik. Dies umso mehr,
|
||
weil Familien und Ältere immer noch ein hö-
|
||
heres Armutsrisiko haben. Sie zu unterstützen
|
||
und ihre Teilhabe zu fördern ist uns daher be-
|
||
sonders wichtig.
|
||
Frühkindliche Bildung fördern – Vereinbarkeit
|
||
sichern – Familien entlasten
|
||
Menschen, die sich für Kinder entscheiden, wol-
|
||
len und brauchen gute Rahmenbedingungen
|
||
für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die
|
||
Schließung der Kindertageseinrichtungen wäh-
|
||
rend der Corona-Pandemie hat noch einmal ein-
|
||
drücklich gezeigt, wie wichtig eine professionel-
|
||
le und verlässliche Kinderbetreuung dafür ist.
|
||
Mit dem in der laufenden Legislaturperiode
|
||
erneuerten Kinderförderungsgesetz haben
|
||
wir Familien bei den Beiträgen stark entlastet
|
||
und mehr Fachkräfte in die Kitas gebracht.
|
||
Wer mehrere Kinder in Kindergarten und/oder
|
||
Krippe hat, zahlt nur für das älteste Kind. Seit
|
||
Jahresbeginn 2020 sorgen wir zudem mit
|
||
Hilfe des Gute-Kita-Gesetzes dafür, dass die
|
||
Beiträge für alle Geschwisterkinder, die Krippe
|
||
oder Kindergarten besuchen, entfallen, wenn
|
||
ein Geschwisterkind im Hort betreut wird.
|
||
Wir wollen, dass frühkindliche Bildung und
|
||
Betreuung genau wie Schule künftig bei-
|
||
tragsfrei wird. Die Beitragsfreiheit ist eines
|
||
unserer großen Vorhaben für die kommende
|
||
Wahlperiode. Damit werden Eltern finanziell
|
||
entlastet, und Kommunen und Träger sparen
|
||
Verwaltungsaufwand.
|
||
|
||
--- PAGE 24 ---
|
||
24
|
||
Der Bund unterstützt Länder und Kommunen
|
||
mit dem Gute-Kita-Gesetz bei Qualitätsent-
|
||
wicklung, Fachkräftesicherung und Beitrags-
|
||
entlastung. Diese Unterstützung muss verste-
|
||
tigt werden. Geplant ist zudem die finanzielle
|
||
Förderung von Ganztagsangeboten in der
|
||
Grundschulzeit. Mit dem Corona-Konjunktur-
|
||
paket sollen auch Investitionen in Kitas geför-
|
||
dert werden.
|
||
Wir wollen außerdem die Grundschule näher
|
||
an die Kita heranrücken. Beim Übergang in
|
||
die Schule müssen Grundschullehrkräfte auf
|
||
das Wissen der Erzieher*innen aufbauen dür-
|
||
fen. Eine enge Kooperation zwischen beiden
|
||
Bildungseinrichtungen wird deshalb immer
|
||
wichtiger und von uns unterstützt.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• Beitragsfreiheit für den Ganztagsanspruch
|
||
auf Bildung und Betreuung. Frühkindliche
|
||
Bildung und die Vereinbarkeit von Familie
|
||
und Beruf sind Zukunftsinvestitionen für
|
||
unsere Gesellschaft und wichtige Kriterien
|
||
für die Attraktivität des Standortes Sach-
|
||
sen-Anhalt. Die Beitragsfreiheit wollen wir
|
||
deshalb in der kommenden Legislaturpe-
|
||
riode erreichen
|
||
• eine bedarfsgerechte Randzeitenbetreu-
|
||
ung in Kindertageseinrichtungen zur bes-
|
||
seren Vereinbarkeit von Familie und Beruf
|
||
• genügend Fachkräfte, um die Qualität der
|
||
Bildung und Betreuung zu sichern
|
||
• die Grundlagen dafür, dass der Erzie-
|
||
her*innenberuf attraktiv bleibt und sich
|
||
möglichst viele junge Menschen dafür ent-
|
||
scheiden. Die Ausbildung muss dauerhaft
|
||
schulgeldfrei sein. Unser Ziel ist, dass alle
|
||
Auszubildenden eine praxisintegrierte und
|
||
vergütete Ausbildung erhalten
|
||
• eine gesicherte Finanzierung derjenigen,
|
||
die die Ausbildung von neuen Erzieher*in-
|
||
nen in ihren Einrichtungen unterstützen
|
||
• die Förderung des Quereinstiegs in den
|
||
Erzieher*innenberuf, um auch Menschen
|
||
mit anderweitiger Berufsausbildung als
|
||
Fachkräfte in den Kitas zu gewinnen. So
|
||
hoffen wir auch mehr Männer für den Be-
|
||
ruf begeistern zu können
|
||
• die regelmäßige Teilnahme von Erzie-
|
||
her*innen an Fort- und Weiterbildungen,
|
||
damit sie die hohen Qualitätsanforderun-
|
||
gen an unsere Fachkräfte weiterhin er-
|
||
füllen können. Nur so wird das Bildungs-
|
||
programm „Bildung elementar“ in unseren
|
||
Einrichtungen lebendig umgesetzt
|
||
• eine Verbesserung des Mindestpersonal-
|
||
schlüssels, um die Fachkräfte zu entlasten,
|
||
beginnend in den Kitas mit besonderen
|
||
Bedarfen
|
||
• die Verstetigung des Kompetenzzentrums
|
||
Frühe Bildung an der Hochschule Magde-
|
||
burg-Stendal, um die wissenschaftliche
|
||
Kompetenz in Kindheitswissenschaften
|
||
und frühkindlicher Pädagogik zu sichern
|
||
und zu nutzen
|
||
• einen besseren und verpflichtenden Infor-
|
||
mationsaustausch beim Übergang von der
|
||
Kita in die Schule
|
||
• die Wiedereinführung der verpflichtenden
|
||
Diagnostik in der Schuleingangsphase
|
||
• in allen öffentlichen Gebäuden frei zu-
|
||
gängliche Wickeltische in den Sanitärbe-
|
||
reichen
|
||
Teilhabe von Kindern und Jugendlichen
|
||
Kinder und Jugendliche sind eigene Persön-
|
||
lichkeiten und haben eigene Rechte. In der
|
||
Jugendpolitik war es uns in den letzten Jah-
|
||
ren besonders wichtig, die Erwartungen und
|
||
Forderungen junger Menschen zu erfahren
|
||
und Jugendpolitik beteiligungsorientiert mit
|
||
Jugendlichen gemeinsam zu entwickeln. Des-
|
||
halb wurde der Kinder- und Jugendbericht
|
||
des Landes erstmals mit einer großen Be-
|
||
fragung verbunden. Das kinder- und jugend-
|
||
politische Programm wird darauf aufbauend
|
||
beteiligungsorientiert erarbeitet und nimmt
|
||
die Sichtweisen junger Menschen in Sachsen-
|
||
Anhalt auf. Es wird daher Grundlage unseres
|
||
Regierungshandelns in der kommenden Le-
|
||
gislaturperiode sein.
|
||
Jugendpolitik heißt vor allem: jungen Men-
|
||
schen Teilhabechancen zu eröffnen und sie
|
||
zu motivieren, sich an der Gestaltung ihres
|
||
Lebensumfeldes und unserer Gesellschaft ak-
|
||
tiv zu beteiligen. Die aktive Mitwirkung junger
|
||
|
||
--- PAGE 25 ---
|
||
25
|
||
Menschen wird – auch aufgrund des demogra-
|
||
phischen Wandels – zu einer Zukunftsfrage für
|
||
unsere Gesellschaft. Das beginnt in der Kom-
|
||
mune. Mit der Verankerung von Jugendbetei-
|
||
ligung im Kommunalverfassungsgesetz (§ 80)
|
||
haben wir dafür eine wichtige Voraussetzung
|
||
geschaffen. Wir wollen Jugendbeiräte in je-
|
||
dem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt und
|
||
diese mit Fördermitteln unterstützen.
|
||
Die Kinder- und Jugendarbeit in den Kommu-
|
||
nen hat in den letzten Jahren gelitten. Vie-
|
||
lerorts fehlte es an Mitteln. Häufig konnten
|
||
die Jugendclubs aber auch mit den Verände-
|
||
rungen im Freizeitverhalten von Kindern und
|
||
Jugendlichen nicht mithalten und haben an
|
||
Attraktivität gegenüber den sozialen Medien
|
||
verloren. Ein neuer Impuls für die Kinder- und
|
||
Jugendarbeit ist nötig.
|
||
Die Jugendverbände sind eine wichtige Lob-
|
||
by der Kinder- und Jugendinteressen. Ihre
|
||
Jugendbildungsarbeit trägt dazu bei, dass
|
||
in jeder neuen Generation engagierte und
|
||
aktive junge Menschen in unserem Land mit-
|
||
gestalten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Stärkung der Angebote der kommuna-
|
||
len Kinder- und Jugendarbeit. Wir werden
|
||
dafür sorgen, dass es gerade in ländlichen
|
||
Regionen nachhaltige Angebote der Kin-
|
||
der- und Jugendarbeit gibt. Die Landes-
|
||
förderung soll weiterhin dynamisch an die
|
||
Tarifentwicklung angepasst werden. Dem
|
||
höheren Aufwand aufgrund der großen
|
||
Entfernungen in ländlichen Regionen wol-
|
||
len wir mit einem Mobilitätsfaktor in der
|
||
Landesförderung gerecht werden
|
||
• attraktive Jugendclubs und Angebote der
|
||
Kinder- und Jugendarbeit. Deshalb wollen
|
||
wir einen neuen starken Impuls setzen: Wir
|
||
werden ein Investitionsprogramm für Ju-
|
||
gendclubs auflegen, mit dem Clubs mo-
|
||
dernisiert und mit digitalen Angeboten
|
||
ausgestattet werden können. Dabei be-
|
||
fürworten wir eine zusätzliche Etablierung
|
||
von mobilen Jugendclubs
|
||
• eine Verstetigung des Landeszentrums Ju-
|
||
gend + Kommune, um die Umsetzung der
|
||
Jugendbeteiligung in den Kommunen zu be-
|
||
gleiten und Ideen für die Beteiligung junger
|
||
Menschen in den Kommunen zu entwickeln
|
||
• die Beratung und kritische Begleitung der
|
||
Landesregierung durch engagierte Kinder
|
||
und Jugendliche. Dafür wollen wir nach-
|
||
haltige Beteiligungsstrukturen aufbauen
|
||
• eine Unterstützung der Jugendverbände
|
||
sowie angemessene und tarifgerechte Be-
|
||
zahlung der Mitarbeitenden
|
||
• eine personell verbesserte Aufstellung des
|
||
Landesjugendamtes als nachgeordnete
|
||
Behörde des für Kinder und Jugend zu-
|
||
ständigen Ministeriums, um die fachliche
|
||
Unterstützung der Jugendämter zu ver-
|
||
bessern und die Umsetzung der geplan-
|
||
ten Reform des SGB VIII in Sachsen-Anhalt
|
||
kompetent zu begleiten
|
||
• mehr Hilfe bei der Erstattung und Beglei-
|
||
tung durch Familiensozialarbeit, um so die
|
||
Situation der Pflegefamilien zu verbessern
|
||
Beratungs- und Unterstützungsangebote
|
||
sicherstellen
|
||
Menschen brauchen in verschiedenen Le-
|
||
benssituationen Orientierung, Rat und Hilfe.
|
||
Oft handelt es sich um komplexe Probleme
|
||
aus verschiedenen Bereichen, die in einer ge-
|
||
bündelten Beratung gemeinsam mit Koopera-
|
||
tionspartner*innen gelöst werden kann.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• weiterhin eine gut ausgebaute Beratungs-
|
||
landschaft mit Ehe-, Familien-, Lebens- und
|
||
Erziehungsberatung, Schwangerschafts-
|
||
beratung, Sucht- und Schuldner*innen-
|
||
beratung
|
||
• eine Stärkung des Kinderschutzes in Zu-
|
||
sammenarbeit mit dem Zentrum „Frühe
|
||
Hilfen“, den Jugendämtern, den integrier-
|
||
ten Beratungsstellen, den Gesundheits-
|
||
ämtern, Schulen und Polizeidienststellen.
|
||
Die Prävention von Kindesmissbrauch soll
|
||
weiter gestärkt werden
|
||
• verlässliche und nachhaltige Rahmenbedin-
|
||
gungen in der Kinder- und Jugendhilfe, auf
|
||
die sich alle Beteiligten verlassen können
|
||
• eine Verstetigung und Ausweitung der
|
||
Schulsozialarbeit auf alle Schulformen und
|
||
Kindergärten, die zur Unterstützung des
|
||
|
||
--- PAGE 26 ---
|
||
26
|
||
Bildungswegs von benachteiligten Kindern
|
||
und Jugendlichen unverzichtbar geworden
|
||
ist. Wenn die ESF-Förderung nicht mehr
|
||
fortgesetzt werden kann, sind dafür Lan-
|
||
desmittel einzusetzen
|
||
• eine Unterstützung von Initiativen, die
|
||
sich für Lebensmittelrettung und die Lin-
|
||
derung von Armut einsetzen wie zum Bei-
|
||
spiel die Tafeln
|
||
Für ein gutes Leben von Senior*innen
|
||
Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil der Sach-
|
||
sen-Anhalter*innen, die älter als 55 Jahre
|
||
sind, voraussichtlich noch einmal von 43 auf
|
||
47 Prozent steigen. Menschen werden nicht
|
||
nur älter, sondern sie bleiben auch länger ak-
|
||
tiv und engagiert. Senior*innenpolitik spielt in
|
||
nahezu allen Politikfeldern eine wichtige Rol-
|
||
le: Es geht um Mobilität, um Gesundheit, um
|
||
Bildung, barrierefreie Gestaltung des öffentli-
|
||
chen Raumes – es geht um niedrigschwellige
|
||
Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
|
||
Ältere Menschen engagieren sich zuneh-
|
||
mend im gesellschaftlichen Leben. Wir wol-
|
||
len die Rahmenbedingungen so verbessern,
|
||
dass dieses Engagement verstetigt wird.
|
||
Die Senior*innenbeiräte in den Kommunen
|
||
brauchen Unterstützung und Austausch. Mit
|
||
der Novelle über die Senior*innenbeiräte im
|
||
Kommunalverfassungsrecht 2018 konnte die
|
||
aktive Mitgestaltung durch Ältere gefördert
|
||
werden.
|
||
Das senior*innenpolitische Programm ist in
|
||
engem Austausch mit der Landesseniorenver-
|
||
tretung (LSV) erarbeitet worden. Die Landes-
|
||
seniorenvertretung braucht die Möglichkeit,
|
||
sich in alle ältere Menschen berührenden Ge-
|
||
setzentwürfe und politischen Initiativen ein-
|
||
bringen zu können.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Förderung von altersgerechtem Umbau
|
||
von Wohnungen und Wohngebäuden sowie
|
||
eine altersgerechte Gestaltung des unmit-
|
||
telbaren Lebensumfeldes und des ÖPNV
|
||
• die Evaluation und Fortschreibung des seni-
|
||
or*innenpolitischen Programms des Landes
|
||
in enger Abstimmung mit der Landessenio-
|
||
renvertretung und anderen Akteur*innen
|
||
• eine Stärkung der Landesseniorenvertre-
|
||
tung durch regelhafte Beteiligung bei allen
|
||
Senior*innen betreffenden Initiativen
|
||
• die institutionelle Förderung der LSV mit
|
||
dem Ziel, dass sie die Senior*innenbeiräte
|
||
in den Kommunen unterstützen und die
|
||
Beteiligungsverfahren auf Landesebene
|
||
nutzen kann
|
||
|
||
--- PAGE 27 ---
|
||
27
|
||
Wie unser Land
|
||
die Zukunft
|
||
meistert:
|
||
Bildung für alle &
|
||
digitaler Aufbruch.
|
||
Die Sozialdemokratie steht seit über 155 Jah-
|
||
ren für den Aufstieg durch Bildung und für ei-
|
||
nen Bildungsbegriff, der weit über das Thema
|
||
Schule hinausgeht. Deshalb haben sich viele
|
||
Sozialdemokrat*innen in den letzten 30 Jah-
|
||
ren auch immer für eine gute frühkindliche Bil-
|
||
dung eingesetzt. Sachsen-Anhalt hat mit einer
|
||
Betreuungsquote von 94 Prozent der Kinder
|
||
im Alter von drei bis sechs Jahren einen bun-
|
||
desweiten Spitzenplatz. Bildung beginnt für
|
||
uns nicht mit der Einschulung, sondern weit
|
||
vorher. Auf unser Angebot an Kindertages-
|
||
stätten und Horten wie auf unseren Rechts-
|
||
anspruch für jedes Kind ab Geburt können wir
|
||
stolz sein. Aber auch hier sind weitere Verbes-
|
||
serungen notwendig.
|
||
Wir streben eine inklusive Schullandschaft an,
|
||
die soziales Miteinander und Gemeinschafts-
|
||
sinn fördert statt frühzeitig die heranwach-
|
||
sende Generation in Kategorien einzuteilen
|
||
und damit gesellschaftlicher Aufspaltung und
|
||
Gruppenegoismen Vorschub zu leisten. Dies
|
||
setzt längeres gemeinsames Lernen voraus,
|
||
wie es an den Gemeinschafts- und Gesamt-
|
||
schulen erfolgreich praktiziert wird!
|
||
Der Bildungspolitik wird aktuell in der Lan-
|
||
desregierung nicht genügend Aufmerksam-
|
||
keit geschenkt, und viele Aufgaben bleiben
|
||
liegen. Die Unterrichtsversorgung für Grund-,
|
||
Gemeinschafts- und Sekundarschulen sinkt
|
||
weiter, und das Land stellt nicht genügend
|
||
Lehrkräfte ein.
|
||
Wir müssen ebenfalls feststellen, dass unse-
|
||
re Schulen bei weitem nicht so ausgestattet
|
||
sind, dass Lehrpläne erfüllt werden können
|
||
und ein gutes Lernen an allen Schulen mög-
|
||
lich ist. Das Engagement von Lehrer*innen
|
||
und pädagogischen Mitarbeiter*innen kann
|
||
die oftmals notwendige Ausstattung nur be-
|
||
grenzt ersetzen. Die Qualität der Schulen lei-
|
||
det ebenfalls unter der großen Zahl der nicht
|
||
besetzten Stellen für Lehrkräfte. Sachsen-An-
|
||
halt muss sich im Wettbewerb um junge Lehr-
|
||
kräfte besser aufstellen, damit die gut ausge-
|
||
bildeten Studierenden unserer Hochschulen
|
||
nach ihrem Studium bei uns bleiben und nicht
|
||
in andere Bundesländer abwandern. Wir müs-
|
||
sen durch eine aktiv gelebte Ankommenskul-
|
||
tur und durch eine gute Qualifizierung dafür
|
||
sorgen, dass Lehrkräfte im Seiteneinstieg
|
||
schnell ihren Platz in den Schulen finden. Sie
|
||
ermöglichen ein breites Bildungsangebot und
|
||
helfen Unterrichtsausfall zu senken. Wir tra-
|
||
gen dafür Verantwortung, dass die Kolleg*in-
|
||
nen an unseren Schulen Anerkennung und
|
||
Wertschätzung erfahren.
|
||
Bildung ist eine Lebensaufgabe! Deshalb muss
|
||
Sachsen-Anhalt alles dafür tun, dass lebens-
|
||
begleitendes Lernen ermöglicht und nicht als
|
||
Belastung erlebt wird. Denn die Menschen
|
||
in Sachsen-Anhalt sind unser wichtigstes
|
||
und größtes Gut. Deshalb braucht Fort- und
|
||
Weiterbildung die Unterstützung der Arbeit-
|
||
geber*innen wie der öffentlichen Hand. Es
|
||
braucht Zeit, Raum und Möglichkeiten für jede
|
||
und jeden, sich zu bilden: gezielt in Kursen
|
||
und Seminaren, aber auch im Vorübergehen in
|
||
Jugendtreffs, Vereinen, Bibliotheken, Museen,
|
||
Theatern und in der freien Kulturszene.
|
||
Schulpolitik
|
||
Schulbildung im 21. Jahrhundert ist mehr als
|
||
Auswendiglernen
|
||
D
|
||
ie Erfahrung mit der Covid-19-Pande-
|
||
mie hat uns die große Verantwortung,
|
||
die der Staat im Bildungsbereich hat,
|
||
wieder vor Augen geführt. Der notwendige
|
||
Wechsel von Distanz- und Präsenzlernen an
|
||
unseren Schulen hat uns gezeigt, an welchen
|
||
Stellen das Bildungssystem in Sachsen-Anhalt
|
||
Nachholbedarf hat und wo Innovationen mög-
|
||
lich sind.
|
||
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Schu-
|
||
len mehr sind als Orte der Wissensvermittlung.
|
||
Für Kinder und Jugendliche sind Schulen ein
|
||
Lebensmittelpunkt. Hier erwerben sie Wissen,
|
||
und es werden wichtige Kompetenzen vermit-
|
||
telt; sie lernen Techniken zum selbständigen
|
||
|
||
--- PAGE 28 ---
|
||
28
|
||
Wissenserwerb. Schüler*innen erleben und
|
||
gestalten hier gutes soziales und demokrati-
|
||
sches Miteinander, Gemeinschaft und Rück-
|
||
sicht. Die Herausforderungen und die Erwar-
|
||
tungen an Schule verändern sich laufend und
|
||
steigen weiter an. Es ist notwendig, unsere
|
||
Schulen und ihre Lehrkräfte für die neuen He-
|
||
rausforderungen zu rüsten, aber sie auch vor
|
||
übersteigerten Erwartungsansprüchen an das
|
||
Leistbare in Schulen zu schützen.
|
||
Die coronabedingte Umstellung auf digitale
|
||
Unterrichtsangebote hat aber auch gezeigt,
|
||
welcher Fortbildungsbedarf an unseren Schu-
|
||
len besteht. Die Professionalisierung der Lehr-
|
||
kräfte durch Fortbildung muss einen höheren
|
||
Stellenwert bekommen. Diese Fortbildungs-
|
||
bedarfe müssen im Rahmen der Qualitätsfest-
|
||
stellung an Schulen gezielter erhoben werden
|
||
und in eine Neujustierung münden.
|
||
Eine wichtige Erkenntnis aus der Zeit der
|
||
Schulschließungen und des Heimunterrichts,
|
||
von Distanz- und Präsenzlernen der Schü-
|
||
ler*innen ist, dass unsere Kinder mit sehr
|
||
unterschiedlichen Voraussetzungen in den
|
||
geregelten Schulalltag zurückkehrten. Wir
|
||
müssen alle Anstrengungen unternehmen, da-
|
||
mit in unserem Bildungssystem allen Kindern
|
||
und Jugendlichen unabhängig von ihrer so-
|
||
zialen Herkunft die bestmöglichen Lern- und
|
||
Bildungserfolge ermöglicht werden, sie in
|
||
ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt wertge-
|
||
schätzt werden. Sachsen-Anhalt braucht ein
|
||
Bildungssystem der Chancengleichheit und
|
||
der Bildungsgerechtigkeit.
|
||
Unsere Antwort auf diese Herausforderung
|
||
ist die Gemeinschaftsschule, die sich als leis-
|
||
tungsstarke und vor allem sozial gerechte
|
||
Schulform etabliert hat. Um ein erfolgreiches
|
||
längeres gemeinsames Lernen zu ermögli-
|
||
chen, werden wir alle Entwicklungshemmnis-
|
||
se beseitigen, die die Weiterentwicklung der
|
||
Gemeinschaftsschulen verzögern oder auf-
|
||
halten. Längeres gemeinsames Lernen ist ein
|
||
Erfolgsmodell, und es muss mit Modellen der
|
||
Ganztagsschule zusammen gedacht und ent-
|
||
wickelt werden. Wir schaffen so passgenaue
|
||
schulische Angebote, die der Vielfalt des länd-
|
||
lichen und des städtischen Raumes gerecht
|
||
werden. Dabei müssen wir bessere Lösungen
|
||
für Schüler*innenbeförderung und die Organi-
|
||
sation von Schulwegen finden, um schulische
|
||
und außerschulische Angebote besser aufei-
|
||
nander abzustimmen. Unser Ziel muss es sein,
|
||
die Fahrten zur Schule nicht künstlich zu ver-
|
||
längern, sondern vielmehr den kürzesten und
|
||
direktesten Weg zu ermöglichen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• mehr Ganztagsschulen von Jahr zu Jahr,
|
||
denn Lernen braucht Zeit und Gemein-
|
||
schaft. In einem ersten Schritt wollen wir
|
||
deshalb Grundschulen und Hort zu Ganz-
|
||
tagsschulen zusammenführen
|
||
• mehr Gemeinschaftsschulen, die insbeson-
|
||
dere im ländlichen Raum die wohnortnahe
|
||
Beschulung für alle Schulabschlüsse bis
|
||
zum Abitur möglich machen
|
||
• Sekundarschulen, die ein breites Bildungs-
|
||
angebot anbieten und durch das etablierte
|
||
System der Berufsorientierung (BRAFO)
|
||
den Wechsel in die Berufsausbildung vor-
|
||
bereiten
|
||
• eine Entlastung der Lehrkräfte und Schul-
|
||
leitungen von Verwaltungsaufgaben durch
|
||
den dauerhaften Einsatz von Schulverwal-
|
||
tungsassistent*innen an mittleren und gro-
|
||
ßen Schulen
|
||
• eine gerechte Bezahlung aller Lehrkräfte
|
||
an allen Schulformen durch eine gleiche
|
||
Vergütung ab der Entgelt-/Besoldungs-
|
||
gruppe E13/A13
|
||
• eine berufliche Perspektive für Lehrkräfte
|
||
im Seiteneinstieg, denen durch Fort- und
|
||
Weiterbildung der Erwerb der Lehrbefähi-
|
||
gung ermöglicht und damit eine langfristi-
|
||
ge Beschäftigung gesichert wird
|
||
• Wertschätzung für diejenigen, die mehr
|
||
tun, als ihre Pflichtstunden zu leisten. Wir
|
||
werden zum System der Abminderungs-
|
||
stunden für besondere Tatbestände zu-
|
||
rückkehren
|
||
• eine angemessene Vergütung für Lehr-
|
||
kräfte, die trotz begonnenen Ruhestandes
|
||
an ihrer Schule weiter unterrichten wollen
|
||
und Lehrkräfte im Seiten- und Querein-
|
||
stieg betreuen
|
||
• eine Verbesserung der Situation für schu-
|
||
lische Führungskräfte durch den Aufbau
|
||
eines Anreiz- und Qualifizierungssystems
|
||
|
||
--- PAGE 29 ---
|
||
29
|
||
• eine Überarbeitung der Schulentwick-
|
||
lungsplanung, um sie an die Bedürfnisse
|
||
des ländlichen Raums anzupassen. Eine
|
||
Anhebung der Mindestschüler*innenzah-
|
||
len oder anderer Vorgaben, die zur Schlie-
|
||
ßung von Standorten führen, wird es mit
|
||
uns nicht geben
|
||
• eine größere Ausbildungskapazität für
|
||
Lehrämter an unseren Hochschulen, die
|
||
sich an den unterrichtsfachbezogenen Be-
|
||
darfen ausrichtet
|
||
• eine weiterhin ausreichende Aufstockung
|
||
der finanziellen Mittel für die Lehramtsaus-
|
||
bildung an den Universitäten des Landes,
|
||
um genügend Personal für größere Aus-
|
||
bildungskapazitäten und ein Ausbildungs-
|
||
angebot in angemessener Qualität zu ge-
|
||
währleisten
|
||
• die Einführung von verpflichtenden früh-
|
||
zeitigen Schulpraktika mit Beginn des
|
||
Lehramtsstudiums
|
||
• eine verstärkte Beratung über Fächer-
|
||
kombinationen an den Hochschulen für
|
||
Studienanfänger*innen im Lehramt, über
|
||
Beschäftigungsmöglichkeiten sowie über
|
||
die sich anschließende zweite Phase der
|
||
Lehramtsausbildung (Vorbereitungsdienst
|
||
an den Schulen im Land)
|
||
• die Umstellung auf das Modell des Stufen-
|
||
lehramtes mit einer durchweg auf das Be-
|
||
rufsbild einer Lehrkraft zugeschnittenen
|
||
Ausbildung sowie Pflichtpraktika in allen
|
||
Schulformen in den ersten Semestern.
|
||
Eine Ausbildung dieser Art berücksichtigt
|
||
schulformübergreifend die Bedarfe der
|
||
Schüler*innen und erlaubt ein flexibles
|
||
Personalmanagement
|
||
• mehr Durchlässigkeit und flexibleren Ein-
|
||
satz von Lehrkräften an allen Schulformen
|
||
• verlässliche Daten zur Schüler*innenzahl-
|
||
entwicklung und eine langfristige Perso-
|
||
nalplanung zum Lehrkräftebedarf in Ab-
|
||
stimmung zwischen den Ressorts Soziales
|
||
(Kita), Bildung (Schule) und Wissenschaft
|
||
(Hochschule)
|
||
• ein professionelles und modernes Ein-
|
||
stellungsmanagement und mehr Per-
|
||
sonal beim Landesschulamt, sofortige
|
||
Ausschreibung von offenen Stellen nach
|
||
Bekanntwerden, Zahlung von Zulagen
|
||
bei „schwer vermittelbaren“ Stellen, eine
|
||
Ausweitung des Projektes des „Gardeleh-
|
||
rer*innen“ in weiteren ländlichen Regio-
|
||
nen, mehr Mitspracherecht der Schulen bei
|
||
der Besetzung. Allen Lehrkräften im Vor-
|
||
bereitungsdienst soll ein Angebot unter-
|
||
breitet werden
|
||
• die Rücknahme aller Kürzungen der
|
||
Stundenzuweisungen seit dem Schuljahr
|
||
2017/2018 wie beispielsweise der „effizi-
|
||
enzsteigernden Maßnahmen“ für die Se-
|
||
kundar- und Gemeinschaftsschulen
|
||
• eine an allen Schulformen agierende Quali-
|
||
tätsfeststellung durch externe Evaluation,
|
||
die Entwicklungen des schulischen Lebens
|
||
einschätzt und Impulse setzt
|
||
• ausreichend Referendariatsplätze für Lehr-
|
||
amtsabsolvent*innen in Sachsen-Anhalt,
|
||
so dass es eine Garantie auf einen Refe-
|
||
rendariatsplatz gibt
|
||
Schule in der Demokratie
|
||
Schule vermittelt neben dem Fachwissen
|
||
auch Kenntnisse über unsere Gesellschaft und
|
||
unser Zusammenleben. Respekt, Toleranz und
|
||
Demokratie müssen deshalb im Schulalltag
|
||
gelebt werden. In Zeiten von Fake News und
|
||
Verschwörungsmythen müssen junge Men-
|
||
schen stark dafür gemacht werden, für die
|
||
eigenen Meinung einzutreten, Informationen
|
||
kritisch zu hinterfragen und mit Respekt ande-
|
||
ren gegenüberzutreten. Partizipation und De-
|
||
mokratie leben in der Schule vom Mitmachen.
|
||
An den Schulen sollen die Mitsprache- und
|
||
Mitwirkungsmöglichkeiten von Schüler*innen
|
||
sowie deren Eltern schrittweise ausgebaut
|
||
werden, damit sie verstärkt Verantwortung für
|
||
ihre Schule übernehmen können. Eine zentrale
|
||
Aufgabe von Schule liegt in der politischen
|
||
Bildung für Kinder und Jugendliche, um sie
|
||
auf ihre Rolle in einer demokratischen Gesell-
|
||
schaft vorzubereiten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• multiprofessionelle Teams für das Gelingen
|
||
der schulischen Arbeit. So wie der Einsatz
|
||
der pädagogischen Mitarbeiter*innen ist
|
||
dafür auch die Schulsozialarbeit unver-
|
||
zichtbar
|
||
|
||
--- PAGE 30 ---
|
||
30
|
||
• Stärkung der politischen Bildung in der
|
||
Schule
|
||
• Förderung gezielter Fortbildungsmaßnah-
|
||
men, um didaktische Kompetenz bei der
|
||
Bearbeitung gesellschaftlicher und politi-
|
||
scher Konflikte im Unterricht zu stärken
|
||
• Schulsozialarbeit als festen Bestandteil der
|
||
schulischen Erziehungsarbeit
|
||
• gestärkte Rechte der Gesamtkonferenz,
|
||
mit einem paritätischen Stimmverhältnis
|
||
zwischen Schüler*innenvertretung, Eltern-
|
||
vertretung und Lehrkräften, denn Demo-
|
||
kratie lebt vom Mitentscheiden
|
||
• mehr Demokratiebildung an unseren Schu-
|
||
len schon ab Klasse 5, auch um die ver-
|
||
schiedenen Arten von gruppenbezogener
|
||
Menschenfeindlichkeit zu erkennen und
|
||
sich damit auseinanderzusetzen
|
||
• konsequente Aufklärungs- und Respekt-
|
||
arbeit an Schulen und die Erarbeitung von
|
||
speziellen Konzepten zur Prävention unter
|
||
anderem von sexueller Gewalt, Mobbing
|
||
und Hate Speech
|
||
• einen kritischen Blick auf das Bild von
|
||
Jungen und Mädchen, das an Schulen ver-
|
||
mittelt wird. Wir setzen auf die Weiterent-
|
||
wicklung einer geschlechtersensiblen Pä-
|
||
dagogik über ausreichende Weiterbildung
|
||
aller Lehrkräfte und geschlechtersensibles
|
||
Lernmaterial
|
||
• den weiteren Ausbau des Schulnetzwerkes
|
||
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Cou-
|
||
rage“ mit einer landesweiten Koordination
|
||
und Evaluation. Die Regionalstruktur und
|
||
die Projektförderung in den Schulen wol-
|
||
len wir stärken
|
||
• eine Stärkung der Erinnerungskultur und
|
||
des Gedenkens, im Kontext einer historisch
|
||
sensiblen politischen Bildung. Die Unter-
|
||
stützung von Gedenkstättenfahrten im In-
|
||
und Ausland und von Jugendbegegnun-
|
||
gen ist für uns selbstverständlich. Jede*r
|
||
Schüler*in soll in der Schulzeit eine Ge-
|
||
denkstätte besucht haben. Die Bildungs-
|
||
arbeit und die Begegnung mit jüdischer
|
||
Geschichte und Kultur in Sachsen-Anhalt
|
||
muss ausgebaut werden
|
||
• eine bessere Finanzierung und personelle
|
||
Ausstattung der Arbeit der Landeszentrale
|
||
für politische Bildung
|
||
• eine personell und finanziell besser aufge-
|
||
stellte europapolitische Bildung und Wei-
|
||
terbildung, die auch in die Lehrpläne aller
|
||
Schulen integriert werden muss
|
||
• finanzielle Förderung und Unterstützung
|
||
des nationalen wie internationalen Schü-
|
||
ler*innenaustauschs, insbesondere für Kin-
|
||
der und Jugendliche aus sozial schwachen
|
||
Verhältnissen und deshalb auch an allen
|
||
Schulformen
|
||
Umweltbildung
|
||
Die Eindämmung der fortschreitenden Um-
|
||
weltzerstörung ist zu einer Überlebensfrage
|
||
der Menschheit geworden. Deshalb ist es er-
|
||
forderlich, der heranwachsenden Generation
|
||
die Notwendigkeit dieser unausweichlichen
|
||
Aufgabe durch altersgerechte Sensibilisie-
|
||
rung bewusst zu machen und gleichzeitig die
|
||
Bereitschaft und die Fähigkeiten zur Analyse,
|
||
Planung und Realisierung möglicher Lösun-
|
||
gen zu vermitteln.
|
||
Deshalb brauchen wir eine Umwelterziehung
|
||
und -bildung, die sich wie ein roter Faden
|
||
durch alle Bildungseinrichtungen vom Klein-
|
||
kind- bis zum Erwachsenenalter, durch alle
|
||
Bildungsbereiche, Schulfächer usw. erstreckt.
|
||
|
||
--- PAGE 31 ---
|
||
31
|
||
Digitale Bildung
|
||
Digitales und chancengerechtes Lernen
|
||
jetzt und zukünftig
|
||
S
|
||
eit Jahren besteht die Forderung der
|
||
Bildungswissenschaft, digitale Angebo-
|
||
te besser und dauerhaft in den Unter-
|
||
richt zu integrieren. Die Pandemie hat uns nun
|
||
einem unfreiwilligen Praxistest unterzogen.
|
||
Sie hat gezeigt, dass wir unzureichend im Be-
|
||
reich des digitalen Lernens vorbereitet waren,
|
||
und zwar sowohl in den Schulen wie auch zu
|
||
Hause. Das betrifft die didaktische Aufarbei-
|
||
tung von Lerninhalten, die Sicherheit von
|
||
Lehrkräften im Umgang mit digitalen Lehr-
|
||
methoden, die Ausstattung mit Hardware und
|
||
deren Wartung, die Anbindung an schnelles
|
||
Internet und die Verfügbarkeit gut nutzbarer
|
||
Lernplattformen.
|
||
Für einen verstärkten regelhaften Einsatz digi-
|
||
taler Medien im Unterricht bedarf es deshalb
|
||
zukünftig einer großen digitalen Bildungsof-
|
||
fensive, die wir aber meistern können.
|
||
Denn trotz der schwierigen Ausgangsbedin-
|
||
gungen ist der Schub, den die Pandemie an
|
||
dieser Stelle geben hat, unübersehbar. Wir
|
||
brauchen jetzt seitens der Bildungsadminis-
|
||
tration und der Schulträger eine progressive
|
||
Grundhaltung. Das betrifft die Ausstattung
|
||
mit Hardware insbesondere in Form von un-
|
||
terrichtsgeeigneten Endgeräten, die Anbin-
|
||
dung an schnelles Internet, aber gerade auch
|
||
die Erweiterung von Kapazitäten für unsere
|
||
bereits vorhanden, gut nutzbaren webbasier-
|
||
ten Lern- und Lehrinhalte wie emuCLOUD und
|
||
emuTUBE. Dann kann eine Aufarbeitung und
|
||
Bereitstellung gut nutzbarer digitaler Inhalte
|
||
durch Lehrkräfte erfolgreich sein.
|
||
Die Corona-Krise hat gezeigt, was in diesem
|
||
Bereich möglich ist. Neu entstandene Schul-
|
||
blogs für die Kommunikation von Lehrenden
|
||
und Lernenden, Plattformen und Lernsoftware
|
||
sind für viele keine Fremdworte mehr und
|
||
werden von immer mehr Lehrkräften verstärkt
|
||
genutzt. Es sind gute Lösungen entstanden,
|
||
vor allem aber eine große Motivation, hier in-
|
||
tensiv weiter zu arbeiten. Wir wollen zusam-
|
||
men mit der Bildungsverwaltung die Dynamik
|
||
dieser Entwicklung aufnehmen und bessere
|
||
Rahmenbedingungen für digital gestütztes
|
||
Lernen schaffen.
|
||
Wir müssen viel schneller als bisher geplant die
|
||
Ausstattung der Schulen verbessern. Es muss
|
||
sichergestellt werden, dass die bestehende
|
||
Lernplattform „Moodle“ hinsichtlich ihrer rech-
|
||
nergestützten Kapazität erweitert wird. Gute
|
||
Inhalte und Werkzeuge müssen zusammen
|
||
mit Bildungspraktikern entwickelt und einge-
|
||
stellt werden. Schulen müssen die für sie ge-
|
||
eigneten Lernplattformen kennen und nutzen
|
||
können. Wir müssen Unterstützung geben,
|
||
damit alle Schüler*innen ein unterrichtsge-
|
||
eignetes Endgerät wie einen Laptop oder ein
|
||
Tablet zu Hause haben, um digitale Angebote
|
||
überhaupt nutzen zu können. Die Ausstattung
|
||
damit darf nicht davon abhängen, in welcher
|
||
Familie mit welchen finanziellen Möglichkei-
|
||
ten man als Kind lebt. Wir sorgen für gleiche
|
||
Rahmenbedingungen im Sinne von Chancen-
|
||
gleichheit für Schüler*innen.
|
||
Die Nutzung von digitalen Angeboten zur
|
||
Vertiefung und Wiederholung von Lernstoff
|
||
für Schüler*innen bringt große Vorteile. Schu-
|
||
le kommt damit auch der wichtigen Aufgabe
|
||
nach, Kindern zu vermitteln, wie man in der
|
||
Flut angebotenen Wissens die zielführenden
|
||
und richtigen Inhalte findet. Deshalb ist heu-
|
||
te die Vermittlung von Medien- und digitaler
|
||
Kompetenz eine Schlüsselqualifikation.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Bündelung aller verfügbaren Mittel
|
||
von Bund und Land, um damit für den
|
||
Unterricht geeignete Endgeräte für jedes
|
||
Kind zu beschaffen. Wir wollen, dass je-
|
||
des Kind ein mobiles Endgerät zur Ver-
|
||
fügung hat
|
||
• Lehrkräfte, die gezielt und verpflichtend
|
||
ortsnah medienpädagogisch aus- und fort-
|
||
gebildet werden, um digitale Lerninhalte
|
||
auch didaktisch aufbereiten zu können
|
||
• eine Entlastung der Lehrkräfte, die sich
|
||
bisher um die Hardware an den Schulen
|
||
gekümmert haben. Wir müssen die Pro-
|
||
fessionalisierung der digitalen Schule ein-
|
||
leiten. Dazu wollen wir Digitalmentor*in-
|
||
nen an unseren Schulen ausbilden und
|
||
anstellen
|
||
• einschließlich Sicherstellen eines weiter-
|
||
gehenden Supports bei technischen Fra-
|
||
gen für Pädagog*innen auch während der
|
||
Unterrichtsvorbereitung zu Hause
|
||
|
||
--- PAGE 32 ---
|
||
32
|
||
• Ausbau und Erweiterung der Kapazitäten
|
||
für die IT-Infrastruktur von Moodle und
|
||
weiteren webbasierten Lern- und Lehrin-
|
||
halten wie emuCLOUD und emuTUBE
|
||
• eine aktive Unterstützung von Seiten des
|
||
Landes für die Aufarbeitung von Lernin-
|
||
halten, auch von freien und Open-Source
|
||
Lösungen
|
||
Für gut ausgestattete Schulen
|
||
Die Möglichkeiten eines digital gestützten
|
||
Unterrichts sind natürlich an eine ganz spe-
|
||
zielle Ausstattung unserer Schulen gebunden.
|
||
Sachsen-Anhalt hat beim Ausbau der digita-
|
||
len Infrastruktur in den letzten fünf Jahren
|
||
einen großen Schritt nach vorn getan. Es ist
|
||
noch nicht gelungen, alle geplanten Vorhaben
|
||
umzusetzen, und in vielen Regionen des Lan-
|
||
des warten die Menschen noch auf eine An-
|
||
bindung ans schnelle Internet.
|
||
Aber der Breitbandanschluss für die Schule
|
||
ist nicht alles, was Lehrkräfte und Schüler*in-
|
||
nen für einen guten Unterricht brauchen. Wir
|
||
dürfen in unserer Diskussion über die Tablets
|
||
und Laptops den immer noch dringenden
|
||
Sanierungsbedarf von Schultoiletten und
|
||
Sporthallen nicht aus dem Blick verlieren. Gu-
|
||
ter Unterricht setzt gut ausgestattete Schu-
|
||
len voraus. Erfolgreiches Lernen hängt eben-
|
||
so davon ab, in welchem baulichen Zustand
|
||
sich Schulgebäude befinden und über welche
|
||
Raum- und zeitgemäße Sachausstattung sie
|
||
verfügen. Anregende Lernumgebung und
|
||
Arbeitsbedingungen müssen an den Schulen
|
||
in Sachsen-Anhalt selbstverständlich werden.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein Investitionsprogramm zur Schulsanie-
|
||
rung für die Schulen, die nicht in den Ge-
|
||
nuss des STARK-III-Programms gekommen
|
||
sind. Hierbei müssen auch Investitionen in
|
||
Sportstätten und Schulhöfe ermöglicht
|
||
werden
|
||
• eine neue Schulbaurichtlinie, die ein Um-
|
||
setzen der rechtlichen Rahmenbedingun-
|
||
gen für inklusives Lernen ermöglicht
|
||
• eine grundsätzliche Lernmittelfreiheit –
|
||
sowohl für digitale wie auch für analoge
|
||
Lernmittel
|
||
• eine solide und rechtssichere Finanzierung
|
||
der freien Schulen
|
||
• eine größere Budgethoheit in Eigenverant-
|
||
wortung der Schule
|
||
Inklusive Bildung
|
||
Mit einer entsprechenden Ausstattung der
|
||
Schulen wird es gelingen, Schüler*innen
|
||
mit sehr unterschiedlichen Voraussetzun-
|
||
gen gerechte Bildungschancen zu eröffnen
|
||
und ihnen einen guten Schulabschluss zu
|
||
ermöglichen. Deshalb stellt Integration und
|
||
Inklusion eine Querschnittsaufgabe dar. Die-
|
||
se bezieht sich jedoch nicht nur auf Kinder
|
||
und Jugendliche mit besonderen Bedarfen
|
||
oder Einschränkungen. Inklusion bedeutet
|
||
vielmehr Chancengleichheit und Diskrimi-
|
||
nierungsfreiheit für alle. Wir streben eine
|
||
schrittweise und regional differenzierte
|
||
Entwicklungsplanung an. Schulen benöti-
|
||
gen hierfür umfangreiche personelle und
|
||
materielle Ressourcen und müssen in ihrer
|
||
Schulinfrastruktur angepasst und verbessert
|
||
werden. Die pädagogische Arbeit verdient
|
||
Rückhalt und Anerkennung.
|
||
Inklusion gehört zum Selbstverständnis so-
|
||
zialdemokratischer Bildungspolitik, und jeder
|
||
Versuch der Rückentwicklung wird von uns
|
||
verhindert, da nur mit Inklusion eine tatsäch-
|
||
lich gerechtere Welt möglich ist.
|
||
Deshalb muss Bildung durchlässig gestaltet
|
||
werden. Denn wenn wir niemanden auf einen
|
||
bestimmten Bildungsweg festlegen wollen,
|
||
müssen wir Übergänge zwischen Schulformen
|
||
möglich machen und jede*n in allen Schulfor-
|
||
men bestmöglich fördern.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Verstetigung des Projekts Inklusive Bil-
|
||
dung Sachsen-Anhalt an der Hochschule
|
||
Magdeburg-Stendal, das für die Sensibili-
|
||
sierung und Schulung von (angehenden)
|
||
Lehr-, Fach- und Führungskräften zum
|
||
Thema Inklusion zuständig ist
|
||
• ein neues Förderschulkonzept, das inklusi-
|
||
ve Bildung vom Kind her denkt und nicht
|
||
von den Strukturen
|
||
• für jedes Kind ein Schulzeugnis, das die
|
||
erworbenen Kompetenzen beschreibt
|
||
|
||
--- PAGE 33 ---
|
||
33
|
||
und den Einstieg in ein selbstbestimmtes
|
||
Arbeitsleben ermöglicht
|
||
• eine Lehramtsausbildung, die die verschie-
|
||
denen Bereiche von Inklusion den Studie-
|
||
renden nahebringt
|
||
• mehr Ressourcen für Fortbildungsangebo-
|
||
te, damit den Lehrkräften weitere themen-
|
||
bezogene Formen des inklusiven Lernens
|
||
vermittelt werden können
|
||
• Angebote an den Schulen, die Eltern zum
|
||
Thema Inklusion aktiv informieren und be-
|
||
raten, damit Sorgen um das eigene Kind
|
||
– egal ob mit einer Beeinträchtigung oder
|
||
ohne – aufgenommen und zerstreut wer-
|
||
den können
|
||
• qualitätssichernde Maßnahmen in den
|
||
Schulen. Im Rahmen der Schulprogramm-
|
||
arbeit soll an allen Schulen ein eigenes in-
|
||
klusives Schulkonzept mit konkreten Maß-
|
||
nahmen entstehen
|
||
• an allen Schulformen Sprachförderange-
|
||
bote für die Kinder und Jugendlichen, die
|
||
aus anderen Ländern zu uns kommen
|
||
• einen guten und schnellen Übergang der
|
||
Kinder an unsere Schulen, die mit ihren
|
||
Eltern nach Sachsen-Anhalt gekommen
|
||
sind, um hier Asyl zu beantragen. Zur Um-
|
||
setzung der UN-Kinderrechtskonvention
|
||
müssen sie spätestens drei Monate nach
|
||
ihrer Ankunft Zugang zur Schule erhalten
|
||
Berufliche Bildung
|
||
Jugendlichen helfen, den eigenen Weg zu
|
||
finden – Berufsorientierung ernst nehmen
|
||
J
|
||
ugendliche haben heute ungeahnte
|
||
Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten.
|
||
Die Frage nach dem richtigen Beruf ist
|
||
deshalb für viele zu einer großen Herausforde-
|
||
rung geworden. Und auch Eltern können ihren
|
||
Kindern nicht immer mit Rat und Tat zur Seite
|
||
stehen.
|
||
Deshalb gibt es in Sachsen-Anhalt verschie-
|
||
dene Angebote, die den Schüler*innen eine
|
||
Orientierungshilfe bei der Berufswahl bieten.
|
||
Diese Programme helfen beim Finden des ge-
|
||
eigneten Berufs auf Grundlage vorhandener
|
||
Fähigkeiten und Interessen und müssen auch
|
||
weiterhin in allen Schulformen fester Bestand-
|
||
teil der Beratungskultur sein. Daher ist es
|
||
wichtig, anhand erwerbbarer Schulabschlüs-
|
||
se unterschiedliche berufliche Perspektiven
|
||
aufzuzeigen. So kann es gelingen, die duale
|
||
Ausbildung oder das duale Studium als Alter-
|
||
native zum Studium vorzustellen.
|
||
Gerade die duale Ausbildung ist ein Grund-
|
||
pfeiler unserer Wirtschaft und gilt in vielen Re-
|
||
gionen der Welt als vorbildhaft. Doch scheint
|
||
sie in der Wahrnehmung vieler Menschen an
|
||
Wertschätzung verloren zu haben. Aber ge-
|
||
rade unsere mittelständische Wirtschaft mit
|
||
vielen Handwerksbetrieben sucht junge Men-
|
||
schen, die einen Beruf erlernen wollen. Wir
|
||
brauchen außerdem Menschen, die sich gera-
|
||
de in den Sozialberufen um andere kümmern
|
||
wollen und damit einen wichtigen Beitrag für
|
||
unsere Gesellschaft leisten. Damit die Ent-
|
||
scheidung für diese Berufe getroffen werden
|
||
kann, müssen wir jedoch die Ausbildung an
|
||
vielen Punkten attraktiver machen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine vergütete Ausbildung in allen Ge-
|
||
sundheits-, Pflege- und Sozialberufen. Bei
|
||
den Erzieher*innen haben wir den Einstieg
|
||
in die Schulgeldfreiheit geschafft, die Pfle-
|
||
geausbildung wurde reformiert
|
||
• die Ausbildungsgarantie für Sachsen-An-
|
||
halt! Jeder ausbildungsinteressierte jun-
|
||
ge Mensch muss einen regulären Ausbil-
|
||
dungsplatz erhalten können
|
||
• einen Berufsschulpakt für Sachsen-Anhalt
|
||
und regional verortete berufsbildende
|
||
Schulen, die wohnortnah zukunftssichere
|
||
Ausbildungsberufe und Bildungsgänge
|
||
vorhalten
|
||
• die Weiterentwicklung der Leitlinien zur
|
||
Studien- und Berufsorientierung an allen
|
||
Schulformen mit den Praktiker*innen aus
|
||
Schulen und Betrieben sowie den Wirt-
|
||
schafts- und Sozialpartner*innen
|
||
• die Integration von berufspraktischer Bil-
|
||
dung in den Schulalltag oder praxisorien-
|
||
tierte Lernphasen innerhalb des jeweiligen
|
||
Fachunterrichts
|
||
|
||
--- PAGE 34 ---
|
||
34
|
||
• eine Fortführung und Ausdehnung des
|
||
BRAFO-Programms und dessen Auswei-
|
||
tung auf alle Schulformen
|
||
• eine eigene Jugendberufsagentur, die ver-
|
||
schiedene Fördermöglichkeiten für den
|
||
Übergang Schule-Ausbildung-Beruf aus
|
||
einer Hand aufzeigen kann.
|
||
|
||
Auch Berufsschulen sind Lernorte der Vielfalt
|
||
Vieles, was für unsere allgemeinbildenden
|
||
Schulen gilt, gilt natürlich auch für die berufs-
|
||
bildenden Schulen. Manchmal gerät es aber
|
||
aus dem Blick, dass wir auch hier jungen Men-
|
||
schen mehr vermitteln als ganz spezifisches
|
||
Wissen. Die Wertschätzung für die duale Aus-
|
||
bildung und die dort erlernbaren Berufe muss
|
||
sich auch in der Ausstattung der Berufsschu-
|
||
len und in der Qualität der Ausbildungsberufe
|
||
ausdrücken.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• mehr Investitionen in alle berufsbildenden
|
||
Schulen
|
||
• eine unabhängige Beschwerdestelle bei
|
||
den Industrie- und Handelskammern sowie
|
||
den Handwerkskammern, damit Auszubil-
|
||
dende eine Anlaufstelle bei Problemen in
|
||
der berufsbildenden Schule oder im Aus-
|
||
bildungsbetrieb haben
|
||
• ungehinderten Zugang der Gewerkschaf-
|
||
ten in die berufsbildenden Schulen
|
||
• die Unterstützung von Unternehmen, die
|
||
ausländische Auszubildende oder Be-
|
||
schäftigte einstellen, durch die Bereitstel-
|
||
lung von „Integrationscoachs“
|
||
• verstärkte Initiativen für Akzeptanz und
|
||
Aufklärung an den Berufsbildenden Schu-
|
||
len zu gruppenbezogener Menschenfeind-
|
||
lichkeit
|
||
• ein festes Modul zur interkulturellen Bil-
|
||
dung in den Rahmen- und Lehrplänen der
|
||
Berufsbildenden Schulen
|
||
Hochschulen und
|
||
Universitätsmedizin
|
||
Unsere Hochschulen und wissenschaftlichen
|
||
Einrichtungen als Motoren des stetigen Wan-
|
||
dels stärken
|
||
Die Hochschulen und wissenschaftlichen Ein-
|
||
richtungen in Sachsen-Anhalt genießen hohe
|
||
Anerkennung im In- wie Ausland. Sie dienen
|
||
dem Interesse der Menschen an Erkennt-
|
||
nis und Wahrheit und sollen dies uneinge-
|
||
schränkt und unabhängig verfolgen können.
|
||
In den letzten fünf Jahren haben wir viel dafür
|
||
getan, dass sie sich gut entwickeln konnten.
|
||
Nach Jahren der wiederkehrenden Spardis-
|
||
kussionen haben Sozialdemokrat*innen für ein
|
||
Umsteuern in der Hochschulpolitik gesorgt.
|
||
Wir wollen die Autonomie der Hochschulen
|
||
achten und ihnen finanzielle Sicherheit geben,
|
||
damit sie sich weiterentwickeln, ihre Vielfalt
|
||
bewahren und im internationalen Wettbewerb
|
||
bestehen können.
|
||
Jungen Menschen, die in Sachsen-Anhalt
|
||
studieren, wollen wir gute Studien- und Le-
|
||
bensbedingungen bieten. Sie sollen hier ihre
|
||
Chance auf ein gutes Leben auch nach dem
|
||
Studium entdecken können. Nur wenn viele
|
||
Studierende hierbleiben und ihren Lebens-
|
||
mittelpunkt bei uns behalten oder eben neu
|
||
finden, bleibt Sachsen-Anhalt wirtschaftlich
|
||
stark, innovativ und für uns alle lebenswert.
|
||
Um das zu erreichen, müssen wir unsere Hoch-
|
||
schulen zu attraktiven Lern- und Forschungs-
|
||
standorten sowie zu attraktiven Arbeitge-
|
||
ber*innen machen. Es braucht außerdem
|
||
Kooperationen mit kulturellen, sozialen und
|
||
politischen Institutionen, die die Studieren-
|
||
den auch außerhalb der Arbeit in die Gesell-
|
||
schaft mit einbinden. In unserem neuen Hoch-
|
||
schulgesetz haben wir schon vieles auf den
|
||
Weg gebracht. Hochschulen sind verpflichtet,
|
||
einen eigenen Kodex für gute Arbeit zu erstel-
|
||
len, damit Kurzbefristungen und Kleinststellen
|
||
der Vergangenheit angehören. Wir haben eine
|
||
Promovierendenvertretung eingeführt, damit
|
||
der wissenschaftliche Nachwuchs an unseren
|
||
Hochschulen eine Vertretung hat, um eigene
|
||
Vorstellungen und Rechte durchzusetzen. Wir
|
||
haben die Finanzierung der Hochschulen ste-
|
||
tig gesteigert und sogar für einen Inflations-
|
||
ausgleich in den Budgets gesorgt.
|
||
|
||
--- PAGE 35 ---
|
||
35
|
||
Aber wir sehen auch die zusätzlichen Bedar-
|
||
fe, die sich an unseren Hochschulen durch
|
||
Digitalisierung, „Third Mission“ und einen ver-
|
||
stärkten Wettbewerb um Drittmittel ergeben.
|
||
Damit unsere Hochschulen in diesem Wett-
|
||
bewerb mithalten können, muss das Land
|
||
seiner Verpflichtung zu einer angemessenen
|
||
Ausstattung nachkommen. Diskussionen über
|
||
Kürzungen, Zusammenlegungen von Ein-
|
||
richtungen oder unnötige Studienangebote
|
||
stellen wir uns klar entgegen. Wir sehen In-
|
||
vestitionen in unsere wissenschaftlichen Ein-
|
||
richtungen und in den akademischen Nach-
|
||
wuchs als Investitionen, die sich vielfach
|
||
auszahlen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine eigenständige Landesforschungs-
|
||
förderung, die in zukunftsweisenden For-
|
||
schungsschwerpunkte wie zum Beispiel
|
||
den erneuerbaren Energien, aber auch im
|
||
Bereich der Gesundheitswirtschaft eigene
|
||
Impulse setzt
|
||
• eine stärkere Verzahnung von Wissen-
|
||
schaft und Wirtschaft insbesondere in den
|
||
sachsen-anhaltischen Leitmärkten. Ein-
|
||
richtungen wie das Kompetenzzentrum
|
||
Mittelstand 4.0 werden von uns dabei als
|
||
Scharnier für den Wissenstransfer unter-
|
||
stützt und gefördert
|
||
• die Anerkennung der Lehre als wichti-
|
||
gen Bestandteil der Hochschule. Deshalb
|
||
werden wir Lehraufträge deutlich besser
|
||
bezahlen. Honorarkräften soll durch ver-
|
||
tragliche Mindestlaufzeiten eine planbare
|
||
Zukunftsperspektive ermöglicht werden
|
||
• eine Anstellung von Doktorand*innen an
|
||
Lehrstühlen in Sachsen-Anhalt zu mindes-
|
||
tens 65 Prozent, um wissenschaftlichen
|
||
Nachwuchs durch anerkennende Bezah-
|
||
lung zu fördern
|
||
• mehr Personal für die Arbeit mit den Stu-
|
||
dierenden, auch in Form von weiteren Te-
|
||
nure-Track-Professuren
|
||
• die Unterstützung der außeruniversitären
|
||
Forschungseinrichtungen durch eine gute
|
||
Infrastruktur. Auch hier setzen wir auf eine
|
||
noch bessere Verzahnung zwischen Wis-
|
||
senschaft und Wirtschaft, die durch das
|
||
Land begleitet wird
|
||
• einen Vernetzungsfonds zur Förderung
|
||
der stärkeren Vernetzung zwischen allen
|
||
Forschungsinstitutionen
|
||
• mehr Kooperationen der Hochschulen
|
||
im Bereich der zentralen Aufgaben. Wir
|
||
werden die Entwicklung gemeinsamer
|
||
Strategien im Bereich der IT, der Verwal-
|
||
tungsaufgaben und der Mitarbeiter*innen-
|
||
fortbildung unterstützen und einfordern
|
||
• ein klares Bekenntnis zu den kleinen Fä-
|
||
chern an unseren Hochschulen, die durch
|
||
den Bund ebenfalls unterstützt werden
|
||
müssen
|
||
• eine Lehrer*innenausbildung für alle Fä-
|
||
cher und Schulformen in Sachsen-Anhalt
|
||
• eine Reformierung des Studentenwerksge-
|
||
setzes mit dem Ziel, dass es komplett ge-
|
||
gendert wird, eine Aufstockung der Stellen
|
||
verankert wird und eine Umstrukturierung
|
||
der Abteilungen erfolgt
|
||
• Förderprogramme und Kampagnen, die
|
||
Frauen in technischen Studiengängen un-
|
||
terstützen
|
||
Eine gut aufgestellte Universitätsmedizin an
|
||
zwei Standorten
|
||
Die allgemeine Diskussion über die flächen-
|
||
deckende Gesundheitsversorgung in unserem
|
||
Land vor und in der Pandemie hat allen deut-
|
||
lich gemacht, dass Gesundheit ein hohes Gut
|
||
ist, das man nicht dem Markt überlassen darf.
|
||
Krankenversorgung muss effizient organisiert
|
||
werden, damit das Geld der Versicherten nicht
|
||
verschleudert wird. Aber Krankenversorgung
|
||
darf keine Leistung sein, die sich rechnen muss.
|
||
Sie gehört zur Daseinsvorsorge, für die der
|
||
Staat verantwortlich ist. Gewinnmaximierung
|
||
und betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind
|
||
in diesem Bereich nicht das Maß der Dinge.
|
||
Wir können in Sachsen-Anhalt sehr froh sein,
|
||
dass wir zwei leistungsstarke Universitäts-
|
||
medizin-Standorte haben, die unseren me-
|
||
dizinischen Nachwuchs gut ausbilden, neue
|
||
Behandlungsmethoden erforschen und die
|
||
Krankenversorgung auch von schweren Fäl-
|
||
len übernehmen können. Nicht ohne Grund
|
||
wurden hier in der Covid-19-Pandemie auch
|
||
Patient*innen aus stark betroffenen europäi-
|
||
|
||
--- PAGE 36 ---
|
||
36
|
||
schen Nachbarländern versorgt. Aber unsere
|
||
beiden Kliniken brauchen ein starkes und an-
|
||
haltendes Engagement des Landes für aufge-
|
||
schobene Investitionen und Baumaßnahmen.
|
||
Wir stehen für beide Standorte ein und wollen
|
||
sie auf lange Zeit sichern.
|
||
Dazu brauchen wir:
|
||
• zwei starke Universitätskliniken in Magde-
|
||
burg und Halle, die auf jeweils eigenstän-
|
||
digen Feldern Spitzenpositionen im natio-
|
||
nalen Vergleich einnehmen. Beide Kliniken
|
||
müssen aber enger mit den Krankenhäu-
|
||
sern im Land kooperieren, um die Gesund-
|
||
heitsversorgung in Sachsen-Anhalt noch
|
||
besser zu machen. Die Verzahnung der
|
||
beiden Universitätskliniken mit den Unter-
|
||
nehmen der Medizinprodukteherstellung
|
||
und der Gesundheitswirtschaft werden wir
|
||
besonders fördern
|
||
• eine verstärkte Investitionsförderung in
|
||
diesem Bereich durch den Bund. Zudem
|
||
müssen Extremkostenfälle, die häufig in
|
||
den Universitätskliniken anfallen, durch
|
||
die Krankenkassen kostendeckend finan-
|
||
ziert werden
|
||
|
||
Die Situation von Studierenden in den
|
||
Blick nehmen
|
||
Noch nie haben so viele Abiturient*innen nach
|
||
ihrem Schulabschluss ihre Ausbildung an ei-
|
||
ner Hochschule absolviert. Und dennoch sind
|
||
Kinder aus bestimmten sozialen Schichten
|
||
seltener an unseren Hochschulen zu finden
|
||
als andere. Mit diesem Umstand darf sich So-
|
||
zialdemokratie nicht zufriedengeben. Wer ein
|
||
Studium beginnt, darf letztlich nur von der ei-
|
||
genen Leistung abhängig sein und nicht vom
|
||
Bildungsstand oder den finanziellen Möglich-
|
||
keiten der Eltern. Deshalb hat die SPD vor 40
|
||
Jahren das BAföG beschlossen und damit
|
||
den akademischen Bildungsweg für viele ge-
|
||
öffnet. Aber auch hier gibt es noch einiges zu
|
||
tun. Auch wenn es sich hierbei um ein Gesetz
|
||
auf Bundesebene handelt, werden wir uns für
|
||
notwendige Reformen einsetzen. Und im Land
|
||
werden wir ebenfalls Maßnahmen zur Unter-
|
||
stützung der Studierenden ergreifen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine ausreichende Zahl öffentlich geför-
|
||
derter Wohnheimplätze für Studierende,
|
||
damit steigende Mietkosten in den Groß-
|
||
städten nicht zum Verzicht auf ein Studi-
|
||
um führen
|
||
• die Umsetzung von Inklusion an unseren
|
||
Hochschulen, mit barrierefreien Angebo-
|
||
ten und besonderen Unterstützungsange-
|
||
boten für Studierende mit Behinderungen
|
||
und chronischen Erkrankungen und einer
|
||
Inklusionsstrategie mit Handlungsoptio-
|
||
nen, Maßnahmen, Kosten, Umsetzungs-
|
||
schritten und Informationsmaterialien für
|
||
alle Hochschulen in Sachsen-Anhalt
|
||
• eine Erstorientierung zum Beispiel durch
|
||
ein „Schnupperstudium“ an der Hochschu-
|
||
le als Teil der Berufsorientierung. Diese
|
||
darf nicht durch eine Anrechnung auf die
|
||
BAföG-Förderdauer bestraft werden
|
||
• eine grundlegende BAfÖG-Reform, die auf
|
||
eine Rückzahlung der empfangenen Leis-
|
||
tung verzichtet
|
||
• ein Nothilfeprogramm für jene Studieren-
|
||
den, deren Einkünfte aus Nebenjobs aus
|
||
Gründen einer Pandemie wegbrechen und
|
||
denen alternative Finanzierungsmöglich-
|
||
keiten zur Fortsetzung ihres Studiums feh-
|
||
len
|
||
• ein spezielles Mentoring- oder Pat*innen-
|
||
programm an Schulen und universitären
|
||
Einrichtungen für Kinder aus sozial be-
|
||
nachteiligten Elternhäusern zur nachhalti-
|
||
gen Erhöhung ihres Anteils an Hochschul-
|
||
absolvent*innen
|
||
Lebenslanges Lernen
|
||
L
|
||
ebenslanges Lernen sorgt dafür, dass
|
||
die Menschen ihre Chancen auf gute
|
||
Arbeit und ein gelungenes Berufsleben
|
||
auch in Zeiten einer sich wandelnden Arbeits-
|
||
welt wahren. Wir erkennen die Unterschied-
|
||
lichkeit und Umbrüche sowie Neuorientie-
|
||
rungen in Lebensläufen an. Um Fachkräfte
|
||
in der Region zu halten, müssen künstliche
|
||
Hürden bei der Umorientierung abgebaut
|
||
|
||
--- PAGE 37 ---
|
||
37
|
||
werden. Daher setzen wir uns dafür ein, dass
|
||
Zweitstudiengebühren abgeschafft werden.
|
||
Die Herausforderungen im Zusammenhang
|
||
mit gesellschaftlichen Veränderungen in der
|
||
digitalen Welt haben auch die Anforderungen
|
||
an Arbeitnehmer*innen stark verändert. Auch
|
||
die Folgen von Krisenerscheinungen zeigen
|
||
uns, dass unsere Wirtschaft nur stark bleibt,
|
||
wenn wir die Herausforderung des stetigen
|
||
Wandels gemeinsam angehen. Der Bund hat
|
||
schon viele gesetzliche Regelungen erlassen,
|
||
die den Einzelnen bei der Wahrnehmung des
|
||
eigenen Rechts auf Weiterbildung unterstüt-
|
||
zen. Wir sind hier gefordert, die Bedingungen
|
||
dafür zu schaffen, dass dieses Recht auch
|
||
wahrgenommen werden kann.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• vielseitige und hochwertige Bildungs-
|
||
angebote für Erwachsene, die wir in den
|
||
nächsten Jahren durch eine Landesför-
|
||
derung kontinuierlich ausbauen werden,
|
||
damit sich die Menschen in der digitalen
|
||
Welt den neuen Herausforderungen stellen
|
||
können
|
||
• eine zielgerichtete Stärkung der Angebo-
|
||
te zur Grundbildung (Alphabetisierung,
|
||
Nachholen von Schulabschlüssen)
|
||
• eine Novellierung des Bildungsfreistel-
|
||
lungsgesetzes und eine Erhöhung der
|
||
Bekanntheit des Gesetzes. Gleichzeitig
|
||
müssen Verwaltungshürden für Bildungs-
|
||
institute abgebaut werden, um so ein
|
||
breiteres und qualitativ hochwertiges Bil-
|
||
dungsangebot sicherzustellen
|
||
• mehr Angebote für berufsbegleitende und
|
||
nicht berufsbegleitende Weiterbildung
|
||
• Abschaffung von Zweitstudiengebühren.
|
||
Für die finanziellen Einbußen der Hoch-
|
||
schulen und Universitäten soll das Land
|
||
aufkommen
|
||
|
||
--- PAGE 38 ---
|
||
38
|
||
Wie wir unser
|
||
Land zusammen-
|
||
halten:
|
||
gleiche Rechte
|
||
& wehrhafte
|
||
Demokratie.
|
||
Demokratie und
|
||
Engagement
|
||
U
|
||
nsere Demokratie steht vor neuen He-
|
||
rausforderungen. Rechtspopulistische
|
||
und rechtsextreme Positionen werden
|
||
zunehmend offen vertreten. Eine immer stär-
|
||
ker im Rechtsextremismus verankerte Partei
|
||
gewinnt bis zu einem Viertel der Stimmen, in
|
||
der Folge werden völkisch-rassistische Inter-
|
||
ventionen zum Alltag im Landtag. Hass und
|
||
Hetze werden millionenfach im Netz geteilt,
|
||
und rechte und rassistische Gewalt nimmt
|
||
ebenso zu wie alltägliche Diskriminierung und
|
||
Ausgrenzung. Hinzu treten Verschwörungs-
|
||
theorien, die die Proteste gegen die Coro-
|
||
na-Maßnahmen mit ihren irrationalen, stark
|
||
antisemitisch und rassistisch aufgeladenen
|
||
Untergangsszenarien instrumentalisieren.
|
||
Dieser Bedrohung stellen wir uns mit ganzer
|
||
Kraft entgegen. Unsere Demokratie braucht
|
||
einen Staat, der uns vor Übergriffen schützt.
|
||
Unsere Demokratie braucht eine starke Bür-
|
||
ger*innengesellschaft, die sich präventiv und
|
||
aufklärend engagiert. Eine demokratische Zi-
|
||
vilgesellschaft ist und bleibt der beste Verfas-
|
||
sungsschutz.
|
||
Unser Ziel ist es, rechtsextreme und ausgren-
|
||
zende Positionen zurückzudrängen und den
|
||
Werten der Solidarität, des Zusammenhalts
|
||
und der Gleichheit an Würde und Rechten
|
||
zur Geltung zu verhelfen. Es gilt, mehr Raum
|
||
zu schaffen für zivilisierte und rationale ge-
|
||
sellschaftliche Debatte und so den Verschwö-
|
||
rungsideologen die Basis zu entziehen. Unser
|
||
Ziel ist es, bereits bei der kommenden Land-
|
||
tagswahl die AfD wieder deutlich zu reduzie-
|
||
ren und dazu beizutragen, dass sie sich mit
|
||
ihrem Hass nicht strukturell in der Gesellschaft
|
||
festsetzen kann.
|
||
|
||
Bildung und Beratung für eine starke
|
||
Demokratie
|
||
Demokratieförderung ist eine gesellschaft-
|
||
liche Daueraufgabe. Wir haben deshalb in
|
||
der Regierung dafür gesorgt, dass die viel-
|
||
fältigen
|
||
zivilgesellschaftlichen
|
||
Initiativen,
|
||
Projekte und Organisationen, die sich für die
|
||
Demokratie und gegen Rechtsextremismus
|
||
engagieren, vom Land finanziell unterstützt
|
||
werden und Rückenstärkung erhalten. Das
|
||
Landesprogramm für Demokratie, Vielfalt und
|
||
Weltoffenheit hat dafür jetzt bereits in zwei
|
||
Wahlperioden einen verlässlichen, aber auch
|
||
innovativen Rahmen geboten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• weiterhin das Landesprogramm für Demo-
|
||
kratie, Vielfalt und Weltoffenheit als zentra-
|
||
les Instrument der Bündelung, Förderung
|
||
und Qualitätssicherung des Engagements
|
||
für Demokratie und gegen Ausgrenzung in
|
||
Sachsen-Anhalt. Es wird als Querschnitts-
|
||
vorhaben der gesamten Landesregierung
|
||
fortgesetzt, finanziell gestärkt und sowohl
|
||
ressortübergreifend als auch zivilgesell-
|
||
schaftlich begleitet
|
||
• das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsex-
|
||
tremismus und die im Netzwerk arbeiten-
|
||
den Träger als wichtiges Serviceangebot
|
||
für Kommunen, Vereine, Schulen und Be-
|
||
troffene von Gewalt und Diskriminierung.
|
||
Die regionalen Beratungsteams unterstüt-
|
||
zen Bündnisse, Initiativen und Kommunen
|
||
im Umgang mit rechtsextremen Mobili-
|
||
sierungen. Die Beratungsstellen für Opfer
|
||
rechter Gewalt geben den von rechter Ge-
|
||
walt Betroffenen Hilfestellung zur Bewäl-
|
||
tigung der Folgen von Gewalttaten. Die
|
||
finanzielle Unterstützung und Qualitäts-
|
||
entwicklung dieser Arbeit wird langfristig
|
||
sichergestellt
|
||
• die Kofinanzierung der Bundesprogramme
|
||
„Demokratie leben!“ und „Zusammenhalt
|
||
durch Teilhabe“, mit denen wichtige An-
|
||
gebote der Demokratiestärkung gefördert
|
||
werden. Auch die Präventionsarbeit gegen
|
||
|
||
--- PAGE 39 ---
|
||
39
|
||
islamistische Radikalisierung wird in die-
|
||
sem Rahmen gefördert
|
||
• die Stärkung der Landeszentrale für politi-
|
||
sche Bildung ebenso wie die Arbeit freier
|
||
Träger politischer Bildung, auch durch fi-
|
||
nanziell bessere Unterstützung
|
||
• die Vernetzung der Akteure der Zivilge-
|
||
sellschaft im Netzwerk für Demokratie und
|
||
Toleranz, das lokale Initiativen unterstützt
|
||
und Bildungsangebote auch in ländlichen
|
||
Räumen ermöglicht
|
||
• den fortgesetzten Ausbau des Schulnetz-
|
||
werks „Schule ohne Rassismus – Schule
|
||
mit Courage“ als größte Plattform demo-
|
||
kratischen Engagements in Schulen. Es
|
||
umfasst inzwischen mehr als 145 Schulen
|
||
in Sachsen-Anhalt. Die landesweite Koor-
|
||
dination und Evaluation ebenso wie die
|
||
Regionalstruktur und die Projektförderung
|
||
in den Schulen werden gestärkt
|
||
• die verbindliche Verankerung der Demo-
|
||
kratiebildung sowie interkulturellen Bil-
|
||
dung in den Lehrplänen der allgemeinbil-
|
||
denden und berufsbildenden Schulen, in
|
||
allen relevanten Ausbildungs- und Studi-
|
||
engängen sowie der Weiterbildung
|
||
• die Stärkung der Medienkompetenz und
|
||
der Zivilcourage im Internet. Pädagogi-
|
||
sche Fachkräfte, Lehrkräfte, aber auch
|
||
Schüler*innen müssen in die Lage ver-
|
||
setzt werden, gegen menschenfeindliche
|
||
Positionen im Internet einzutreten. Me-
|
||
dienkompetenz muss fester Bestandteil
|
||
des Ausbildungskanons und der Weiter-
|
||
bildungsangebote für Lehrkräfte sowie
|
||
für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe
|
||
und der offenen Jugendarbeit werden. Wir
|
||
wollen eine Aufklärungsoffensive in Horten
|
||
und Grundschulen ermöglichen, die Gefah-
|
||
ren im Netz thematisiert. Betroffenen von
|
||
Hass im Netz stellen wir eine professionelle
|
||
Beratung an die Seite
|
||
• eine vollumfängliche Anerkennung der
|
||
Maßnahmen der Demokratiebildung als
|
||
Bildungsurlaub. Auch Maßnahmen, die
|
||
weniger als fünf Tage dauern, werden an-
|
||
erkannt
|
||
• eine Stärkung der historischen Bildung,
|
||
der Erinnerungskultur und des Gedenkens
|
||
sowohl für die Gedenkorte in Sachsen-An-
|
||
halt als auch im Hinblick auf internationale
|
||
Gedenkstättenfahrten und Jugendbegeg-
|
||
nungen im Kontext historischen Lernens.
|
||
Angebote dazu richten sich an Schulen,
|
||
Jugendeinrichtungen sowie Vereine und
|
||
Verbände
|
||
• internationale Jugendbegegnungen als
|
||
wirksame Angebote, um Begegnung zu
|
||
fördern sowie Rassismus entgegenzutre-
|
||
ten. Sie sind daher stärker als bisher zu
|
||
fördern. Unser Ziel ist, dass deutlich mehr
|
||
junge Menschen an internationalen Ju-
|
||
gendbegegnungen teilnehmen
|
||
• eine konsequente Förderung der Bildungs-
|
||
arbeit und Begegnung mit jüdischer Ge-
|
||
schichte und Kultur in Sachsen-Anhalt, um
|
||
Antisemitismus zu begegnen und vorzu-
|
||
beugen. Dazu gehört die Umsetzung des
|
||
Aktionsprogramms gegen Antisemitismus
|
||
in Sachsen-Anhalt und eine auskömmliche
|
||
finanzielle Ausstattung
|
||
• die Stärkung von gesellschaftlichen Min-
|
||
derheiten und potentiell von Diskriminie-
|
||
rung Betroffenen in der Wahrnehmung
|
||
ihrer Rechte und die Bereitstellung nach-
|
||
haltiger Unterstützungsangebote. Dazu
|
||
gehört die Absicherung einer Antidiskri-
|
||
minierungsstelle
|
||
Engagement fördern
|
||
Unsere Demokratie lebt vom bürgerschaft-
|
||
lichen Engagement, ob in Wohlfahrtsver-
|
||
bänden, Verbänden, Vereinen, Religionsge-
|
||
meinschaften, Gewerkschaften, Parteien und
|
||
kommunalen Vertretungen: Die aktive Über-
|
||
nahme von Verantwortung ist ein Garant für
|
||
Zusammenhalt und Teilhabe. Dabei stellen
|
||
wir fest, dass Engagement häufig kürzer und
|
||
sporadischer stattfindet und seltener an feste
|
||
Strukturen gebunden ist. Für uns ist die För-
|
||
derung des bürgerschaftlichen Engagements
|
||
ein zentraler Bestandteil für ein gelingendes
|
||
Zusammenleben in unserem Land.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine landesweite Engagementstrategie, mit
|
||
der das Engagement in den verschiedenen
|
||
Handlungsfeldern und von den verschie-
|
||
denen Bevölkerungsgruppen nachhaltig
|
||
|
||
--- PAGE 40 ---
|
||
40
|
||
gefördert werden kann. Diese Strategie
|
||
ist mit Fördermöglichkeiten zu unterset-
|
||
zen, um kurzfristiges Engagement zu ver-
|
||
stetigen, bisher zu wenig angesprochene
|
||
Gruppen wie Ältere oder Zugewanderte
|
||
einzubeziehen und die Rahmenbedingun-
|
||
gen für das Engagement in Sachsen-An-
|
||
halt insgesamt zu verbessern
|
||
• eine Stärkung der Engagementförderung
|
||
als Querschnittsaufgabe
|
||
• die Freiwilligenagenturen und Engage-
|
||
mentzentren, die bürgerschaftliches Enga-
|
||
gement unterschiedlichster Art initiieren,
|
||
unterstützen und verstetigen. Dies braucht
|
||
verlässliche und strukturelle Förderung
|
||
• die Erweiterung des Engagementfonds
|
||
Willkommenskultur auf das bürgerschaft-
|
||
liche Engagement für den Zusammenhalt.
|
||
So können wir unbürokratische und nied-
|
||
rigschwellige Förderung ehrenamtlicher
|
||
Vorhaben ermöglichen
|
||
• den Ausbau der Anerkennungskultur für
|
||
bürgerschaftliches Engagement. Dazu ge-
|
||
hört die Einführung einer Ehrenamtskarte
|
||
in Kooperation mit Kommunen, Wirtschaft
|
||
und Verbänden
|
||
• die Herabsenkung des Mindestalters bei
|
||
Landtagswahlen auf 16 Jahre
|
||
Gleichstellung
|
||
W
|
||
ir setzen uns für ein offenes und so-
|
||
zial gerechtes Sachsen-Anhalt ein,
|
||
das jeder Person Chancen auf eine
|
||
gleichberechtigte Teilhabe eröffnet. Sexismus,
|
||
frauenverachtendes Verhalten und Gewalt ge-
|
||
gen Frauen werden wir weiterhin entschieden
|
||
bekämpfen.
|
||
In den letzten Jahrzehnten ist maßgeblich
|
||
durch die Sozialdemokratie viel für die Gleich-
|
||
stellung der Geschlechter erreicht worden.
|
||
Dennoch liegen noch viele Aufgaben vor uns:
|
||
Frauen verdienen für die gleiche Arbeit weni-
|
||
ger als Männer, arbeiten häufiger ungewollt in
|
||
Teilzeit, sind überdurchschnittlich oft prekär
|
||
beschäftigt und in Führungspositionen unter-
|
||
repräsentiert.
|
||
Die zukünftige Ausgestaltung der Gleichstel-
|
||
lungs- und Antidiskriminierungspolitik grün-
|
||
det sich auf die erfolgreich durchgesetzte
|
||
Änderung der Landesverfassung: „Niemand
|
||
darf aus Gründen des Geschlechts, der sexu-
|
||
ellen Identität, der Abstammung oder wegen
|
||
seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft,
|
||
seines Glaubens oder seiner religiösen oder
|
||
politischen Anschauungen oder aus rassisti-
|
||
schen Gründen benachteiligt oder bevorzugt
|
||
werden.“
|
||
Gleichstellungspolitik muss stärker als bis-
|
||
her als Querschnittsaufgabe etabliert wer-
|
||
den, die alle Handlungsfelder durchzieht.
|
||
Hierfür braucht es mehr Ressourcen, starke
|
||
Netzwerke und einen Ausbau der gleichstel-
|
||
lungspolitischen Maßnahmen sowie eine ge-
|
||
schlechtergerechte Sprache, denn bereits in
|
||
der Alltagskommunikation verfestigen wir alte
|
||
Rollenmuster.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Weiterentwicklung des Frauenförder-
|
||
gesetzes zu einem modernen Gleichstel-
|
||
lungsgesetz. Das Amt der Gleichstellungs-
|
||
beauftragten soll auch künftig Frauen
|
||
vorbehalten bleiben
|
||
• ein Paritätsgesetz für Wahlen im Land
|
||
Sachsen-Anhalt, das die paritätische Ver-
|
||
tretung von Frauen und Männern auf Lan-
|
||
desebene herstellt
|
||
• auf Bundesebene die Einführung von
|
||
Gleichstellungsbeauftragten auch in der
|
||
Privatwirtschaft
|
||
• eine Evaluierung und Weiterentwicklung
|
||
des Landesprogramms für ein geschlech-
|
||
tergerechtes Sachsen-Anhalt mit verbind-
|
||
lichen Maßnahmen und Zielen in allen poli-
|
||
tischen Handlungsfeldern. Darin soll auch
|
||
die verbindliche paritätische Gremienbe-
|
||
setzung in allen Institutionen mit Landes-
|
||
beteiligung geregelt werden
|
||
• eine Verbesserung der Aufstiegschancen
|
||
von Frauen im öffentlichen Dienst: Sicher-
|
||
stellung der gleichberechtigten Vertretung
|
||
in den Leitungsfunktionen von öffentlicher
|
||
Verwaltung, Landesbeteiligungen und
|
||
Hochschulen, unter anderem durch ge-
|
||
zielte Nachwuchsförderung und die Etab-
|
||
lierung vielfältiger Karrierewege
|
||
|
||
--- PAGE 41 ---
|
||
41
|
||
• die Stärkung einer geschlechtersensiblen
|
||
Berufsorientierung, um Mädchen und Jun-
|
||
gen das ganze Spektrum an Berufswahl-
|
||
möglichkeiten zu vermitteln
|
||
• die Unterstützung von Initiativen für eine
|
||
gleichberechtigte Aufteilung von Erzie-
|
||
hungs- und Pflegezeiten, für familien-
|
||
freundliche Arbeitszeitmodelle und für
|
||
das Recht auf Homeoffice. Gut ausgebau-
|
||
te Kinderbetreuung, auch in Randzeiten,
|
||
ist eine wichtige Voraussetzung dafür,
|
||
Doppelbelastungen zu mindern. Frauen-
|
||
förderung, Entgeltgleichheit und familien-
|
||
freundliche Arbeitszeitmodelle sind wich-
|
||
tige Indikatoren guter Arbeit. Dafür wollen
|
||
wir auch die Arbeitsmarktprogramme wie
|
||
„Familien stärken“ fortsetzen, die jungen
|
||
Frauen den Wiedereinstieg in Arbeit er-
|
||
möglichen. All diese Maßnahmen, die dazu
|
||
dienen, Frauen gleiche Chancen auf dem
|
||
Arbeitsmarkt zu sichern, sind auch ent-
|
||
scheidend, um Frauenarmut – insbeson-
|
||
dere Armut von Alleinerziehenden und
|
||
Armut im Alter – zu verhindern
|
||
• eine Würdigung des langen Kampfes für
|
||
Gleichberechtigung. Aus diesem Grund
|
||
wollen wir den 8. März als gesetzlichen
|
||
Feiertag im Land Sachsen-Anhalt einführen
|
||
Schutz vor Gewalt
|
||
Jede dritte Frau in Deutschland ist mindes-
|
||
tens einmal im Leben von physischer und/
|
||
oder sexualisierter Gewalt betroffen, auch in
|
||
Sachsen-Anhalt. Fast die Hälfte davon sind
|
||
Fälle häuslicher Gewalt. In Sachsen-Anhalt
|
||
verfügen wir seit vielen Jahren über ein gu-
|
||
tes Netz von Frauenschutzeinrichtungen und
|
||
Beratungsstellen. Wir wollen ihre Arbeit noch
|
||
besser unterstützen und die frühzeitige Prä-
|
||
vention stärken.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine angemessene, verlässliche und lang-
|
||
fristige Ausfinanzierung des Hilfesystems
|
||
mit Personal- und Sachmitteln. Die tarif-
|
||
gerechte Bezahlung und angemessene
|
||
Eingruppierung der Mitarbeiterinnen der
|
||
Frauenhäuser, Beratungs- und Interven-
|
||
tionsstellen wird kurzfristig angestrebt.
|
||
Auf Bundesebene setzen wir uns für eine
|
||
bundesweit einheitliche einzelfall- und ta-
|
||
gessatzunabhängige und bedarfsgerechte
|
||
Finanzierung der Frauenhäuser durch den
|
||
Bund ein
|
||
• einen bedarfsgerechten Ausbau des Hil-
|
||
fesystems, der den gestiegenen Bedar-
|
||
fen der Frauenhäuser, Interventions- und
|
||
Beratungsstellen ausreichend Rechnung
|
||
trägt. Insoweit streben wir eine Erhöhung
|
||
der Personalstellen und des Fachkräfte-
|
||
anteils, unter anderem auch für den haus-
|
||
wirtschaftlichen und technischen Bereich
|
||
in den Frauenschutzhäusern, sowie die
|
||
Förderung von Instandhaltungskosten an
|
||
• die Einführung eines eigenständigen Akti-
|
||
onsplans zur Umsetzung der Istanbul-Kon-
|
||
vention des Europarats mit besonderem
|
||
Blick für die Belange von Frauen und Mäd-
|
||
chen mit Behinderung sowie barrierefreie
|
||
Zugänge zum Hilfesystem. Dafür brauchen
|
||
wir eine Koordinierungsstelle, um die not-
|
||
wendigen Maßnahmen zwischen den ein-
|
||
zelnen Ressorts und den Trägern von Bera-
|
||
tungsstellen und ähnlichen Einrichtungen
|
||
zu koordinieren und weiterzuentwickeln
|
||
• verbindliche interdisziplinäre Handlungs-
|
||
leitfäden zu Sorge- und Umgangsrecht
|
||
bei häuslicher Gewalt und Stalking unter
|
||
Beteiligung der Jugendämter, Familienge-
|
||
richte und relevanter NGOs
|
||
• den Ausbau der Gewaltschutzambulanzen
|
||
auch in der Fläche in Sachsen-Anhalt und
|
||
die Schaffung mobiler und mehrsprachiger
|
||
Zugänge zu Hilfesystemen
|
||
• die Anerkennung der Kinder aus Familien
|
||
mit häuslicher Gewalt als eigene Opfer-
|
||
gruppe. Wir werden die notwendigen fi-
|
||
nanziellen Mittel für ein elternunabhän-
|
||
giges Beratungs- und Schutzangebot für
|
||
Kinder und Jugendliche sowie eine quali-
|
||
tativ hochwertige Kinderbetreuung in den
|
||
Frauenhäusern sicherstellen
|
||
• Gewaltschutz für Menschen, die in sozialen
|
||
Einrichtungen leben oder betreut werden.
|
||
Das gilt für Pflegeeinrichtungen und Ein-
|
||
richtungen der Behindertenhilfe, für Ein-
|
||
richtungen der Kinder- und Jugendhilfe
|
||
ebenso wie für Flüchtlingseinrichtungen.
|
||
Wir werden die Einrichtungsträger noch
|
||
intensiver bei der Ausarbeitung von Ge-
|
||
waltschutzkonzepten unterstützen, aber
|
||
|
||
--- PAGE 42 ---
|
||
42
|
||
auch die Aufsicht intensivieren, um sicher-
|
||
zustellen, dass Gewaltschutz gelebte Rea-
|
||
lität in den Einrichtungen ist
|
||
• eine verbesserte Beratung zum Ausstieg
|
||
aus der Prostitution und einen verbesser-
|
||
ten Schutz vor Zwangsprostitution
|
||
• eine Bundesratsinitiative zur besseren
|
||
statistischen Erfassung digitaler Gewalt
|
||
und die Weiterentwicklung des Netzwerk-
|
||
durchsetzungsgesetzes, um insbesonde-
|
||
re Frauen besser vor Hasskriminalität zu
|
||
schützen
|
||
• die Verankerung der Thematik als ver-
|
||
pflichtender Bestandteil der Aus- und Wei-
|
||
terbildung von Polizei und Justiz
|
||
• Sensibilisierung von Mitarbeiter*innen in
|
||
Frauenhäusern auf interkulturelle Belange,
|
||
Sicherstellung der sozialpädagogischen
|
||
Begleitung und Unterstützung der Frauen
|
||
ohne deutschen Pass und Bereitstellung
|
||
der hierzu erforderlichen finanziellen Mittel
|
||
Inklusion
|
||
U
|
||
nser Ziel ist es, dass jede und jeder in
|
||
unserem Land, unabhängig von Alter,
|
||
Geschlecht, Herkunft, ob mit oder ohne
|
||
Behinderungen, an der Gesellschaft teilhaben
|
||
kann und dass ein gleichberechtigtes, selbst-
|
||
bestimmtes Zusammenleben ermöglicht wird.
|
||
Dafür müssen Barrieren aller Arten abgebaut
|
||
werden und muss in jedem Handlungsfeld mit-
|
||
gedacht werden, dass Angebote und Dienst-
|
||
leistungen jeder*jedem offenstehen. Die Um-
|
||
setzung der UN-Behindertenkonvention ist
|
||
hierbei zentrale gesellschaftliche Aufgabe
|
||
und Herausforderung, an der wir fortlaufend
|
||
arbeiten werden.
|
||
Wir setzen dabei ganz besonders auf die Vor-
|
||
schläge der Selbstvertretungs- und Selbst-
|
||
hilfeorganisationen von Menschen mit Be-
|
||
hinderungen. Landesbehindertenbeirat und
|
||
Behindertenbeauftragte*r sind zentrale An-
|
||
sprechpartner*innen und wichtige Interes-
|
||
senvertretungen, die die Erwartungen und
|
||
Vorschläge von Menschen mit Behinderun-
|
||
gen einbringen. Wir werden ihre Beteiligung
|
||
weiter stärken.
|
||
Das Behindertengleichstellungsgesetz Sach-
|
||
sen-Anhalt stellt einen wichtigen Meilenstein
|
||
für mehr Gleichstellung und Barrierefreiheit
|
||
für Menschen mit Behinderungen dar. Zudem
|
||
ist es uns in der letzten Legislaturperiode ge-
|
||
lungen, die Landesfachstelle für Barrierefrei-
|
||
heit aufzubauen, die zentrale Anlaufstelle für
|
||
Fragen der Barrierefreiheit ist und Wirtschaft
|
||
und Verbände berät.
|
||
Barrierefreiheit
|
||
Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen
|
||
am gesellschaftlichen Leben gelingt, wenn
|
||
Barrieren abgebaut werden. Barrierefreiheit
|
||
beschränkt sich nicht nur auf bauliche Maß-
|
||
nahmen wie barrierefreie Wohnungen und
|
||
Haltestellen oder abgesenkte Bordsteine. Sie
|
||
betrifft alle Lebensbereiche und ist getragen
|
||
von dem Willen, allen Menschen volle und
|
||
wirksame Teilhabe zu ermöglichen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• konsequent inklusive Information, Kom-
|
||
munikation und öffentlichen Diskurs: Alle
|
||
Bürger*inneninformationen des Landes
|
||
sind in leichter Sprache vorzuhalten. Land-
|
||
tagssitzungen wie auch Medienauftritte
|
||
sind grundsätzlich durch Gebärdendol-
|
||
metschende zu unterstützen. Insbesonde-
|
||
re die digitalen Informationen müssen um-
|
||
fassend für Menschen mit Behinderungen
|
||
zugänglich gemacht werden
|
||
• die Förderung von Aus- und Weiterbil-
|
||
dungen von Mitarbeitenden zu Gebärden-
|
||
sprache in öffentlichen Verwaltungen mit
|
||
Publikumsverkehr
|
||
• ein flächendeckend barrierefreies ÖPNV-
|
||
Netz und Haltestellen mit digitalen Ab-
|
||
fahrts- und Informationsanzeigen. Barrie-
|
||
refrei gestaltete Verkehrswege, vor allem
|
||
für Menschen mit Rollatoren und Rollstüh-
|
||
len sowie Eltern mit Kinderwagen, müssen
|
||
selbstverständlich werden
|
||
• ein bedarfsgerechtes und bezahlbares
|
||
Wohnungsangebot ohne Barrieren. Auch
|
||
das jeweilige Wohnumfeld muss barriere-
|
||
frei entwickelt werden, um Menschen mit
|
||
Behinderungen die Teilhabe am öffentli-
|
||
chen Leben zu gewährleisten
|
||
|
||
--- PAGE 43 ---
|
||
43
|
||
• barrierefreien Zugang zu Sportanlagen
|
||
und Freizeitaktivitäten. Die Förderung von
|
||
Investitionen ist verbindlich an Barriere-
|
||
freiheit zu binden. Sport- und Freizeitan-
|
||
gebote für Menschen mit Behinderungen
|
||
sind stärker als bisher zu fördern
|
||
• die Sicherstellung des barrierefreien Zu-
|
||
gangs zu medizinischer Versorgung im
|
||
ambulanten und stationären Bereich
|
||
• eine personell und finanziell gut aufge-
|
||
stellte Landesfachstelle für Barrierefrei-
|
||
heit, damit sie uns auf dem Weg zu einer
|
||
inklusiven Gesellschaft mit Beratung und
|
||
Vorschlägen begleiten kann
|
||
|
||
Teilhabe am Arbeitsmarkt und in
|
||
Bildungseinrichtungen
|
||
Ob in der Schule oder später im Beruf: Die
|
||
erfolgreiche Integration in Bildung, Ausbil-
|
||
dung und Arbeit ist zentral für gesellschaft-
|
||
liche Teilhabe.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein sozial durchlässiges, inklusives und
|
||
qualitativ hochwertiges Bildungssystem,
|
||
in dem jede*jeder individuelle Förderung
|
||
nach ihren*seinen Entwicklungsmöglich-
|
||
keiten erhält. Dafür brauchen wir baulich
|
||
und pädagogisch barrierefreie Schulen, in
|
||
denen multiprofessionelle Teams Kinder
|
||
individuell fördern. Inklusion muss zum
|
||
Bestandteil jedes Schulkonzepts werden
|
||
• kompetente Lehrkräfte für inklusive Bil-
|
||
dung. Entsprechende Weiterbildungen
|
||
sollen daher regulär und verbindlich für
|
||
alle Lehrkräfte sein
|
||
• inklusive Bildungsangebote für jedes Kind
|
||
mit Behinderungen, damit möglichst vie-
|
||
le die Chance bekommen, einen Schulab-
|
||
schluss zu erreichen
|
||
• die konsequente Unterstützung für Men-
|
||
schen mit Behinderungen bei ihrem Weg
|
||
auf dem Arbeitsmarkt. Wir wollen den
|
||
Übergang aus den Werkstätten für be-
|
||
hinderte Menschen auf den allgemeinen
|
||
Arbeitsmarkt noch stärker unterstützen.
|
||
Eine wichtige Rolle dabei spielen Inklu-
|
||
sionsbetriebe. Auch das im Bundesteil-
|
||
habegesetz verankerte Budget für Arbeit
|
||
werden wir als Förderinstrument trans-
|
||
parent in die Öffentlichkeit tragen. Wir
|
||
werden mehr Anreize zur Beschäftigung
|
||
von Menschen mit Behinderungen schaf-
|
||
fen und gute Beispiele verstärkt würdi-
|
||
gen. Unser Ziel ist die Schaffung von so-
|
||
zialversicherungspflichtigen inklusiven
|
||
Arbeitsplätzen
|
||
Antidiskriminierung
|
||
D
|
||
iskriminierungserfahrungen und damit
|
||
verbundene
|
||
Ausgrenzungsprozesse
|
||
sind in einer demokratischen Gesell-
|
||
schaft, die die Werte der Gleichberechtigung
|
||
und Solidarität repräsentiert, nicht hinnehm-
|
||
bar. Das neu in der Landesverfassung veran-
|
||
kerte Diskriminierungsverbot werden wir mit
|
||
entsprechenden Maßnahmen umsetzen. Ins-
|
||
besondere Homo- und Transphobie werden
|
||
wir entschieden entgegentreten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein Landesantidiskriminierungsgesetz, mit
|
||
dem Betroffene in der Wahrnehmung ihrer
|
||
Rechte gestärkt werden und Beratung und
|
||
Information sichergestellt werden sowie
|
||
eine*n vom Parlament gewählte*n Anti-
|
||
diskriminierungsbeauftragte*n
|
||
• eine Verstetigung der bislang ESF-geför-
|
||
derten Beratungs- und Coachingangebote
|
||
zum Allgemeinen Gleichbehandlungsge-
|
||
setz (AGG) und ihre Überführung in Lan-
|
||
desförderung
|
||
• den Ausbau von Bildungsprozessen in Kita
|
||
und Schule, die dazu beitragen, dass Men-
|
||
schen in ihrer Unterschiedlichkeit akzep-
|
||
tiert werden. Der Medienkoffer für Kita und
|
||
Schule soll ausgeweitet werden
|
||
• Angebote zum Kompetenzerwerb in ge-
|
||
schlechtersensibler und diskriminierungs-
|
||
freier Pädagogik in Aus-, Fort- und Weiter-
|
||
bildung für alle Fachkräfte der Kinder- und
|
||
Jugendhilfe sowie Lehrkräfte. Lernmateri-
|
||
alien sollen auf Geschlechterklischees und
|
||
Diskriminierung überprüft und überarbei-
|
||
tet werden.
|
||
|
||
--- PAGE 44 ---
|
||
44
|
||
• eine Evaluation und Weiterentwicklung
|
||
des Aktionsprogramms gegen Homo- und
|
||
Transphobie sowie die stärkere Berück-
|
||
sichtigung von Homo- und Transphobie
|
||
bei Programmen zur Gewaltprävention
|
||
und zur Opferhilfe
|
||
• die Verbesserung des selbstbestimmten
|
||
Zugangs von Transpersonen zum Gesund-
|
||
heitswesen sowie die Qualifizierung und
|
||
Sensibilisierung von Ärzt*innen für deren
|
||
Situation und Bedürfnisse
|
||
• die Anwendung diskriminierungsfreier und
|
||
geschlechtersensibler Sprache in allen öf-
|
||
fentlichen Dokumenten
|
||
• eine personelle und finanzielle Stärkung
|
||
der Beratungs- und Unterstützungs-
|
||
strukturen für queere Menschen und ihrer
|
||
Selbstorganisationen unter besonderer
|
||
Berücksichtigung der spezifischen Bedürf-
|
||
nisse von LSBTTI- Jugendlichen, jungen
|
||
Erwachsenen und Menschen mit Migra-
|
||
tionshintergrund
|
||
• die Ergänzung von Artikel 3 des Grund-
|
||
gesetzes um das Verbot der Ungleichbe-
|
||
handlung aufgrund der sexuellen Identität.
|
||
Wir unterstützen eine Bundesratsinitiative
|
||
zur Novelle des Abstammungsrechts, um
|
||
die Benachteiligung gleichgeschlechtli-
|
||
cher Elternpaare abzuschaffen
|
||
Innere Sicherheit
|
||
I
|
||
n unserer offenen und freiheitlichen Gesell-
|
||
schaft soll jeder Mensch frei und sicher le-
|
||
ben. Die Freiheit der Bürger*innen zu schüt-
|
||
zen ist dabei oberste Pflicht des Staates. Dazu
|
||
ist ihm das Gewaltmonopol übertragen. Si-
|
||
cherheit ist ein Grundbedürfnis der Menschen
|
||
und dient maßgeblich dem Erhalt der Lebens-
|
||
qualität in unserem Land. Wir verstehen es als
|
||
Pflicht der Politik, die entsprechenden Rah-
|
||
menbedingungen für die Sicherheitsbehörden
|
||
zu schaffen, geltendes Recht konsequent um-
|
||
zusetzen und durchzusetzen sowie erkannte
|
||
Vollzugsdefizite in polizeilichen Aufgabenfel-
|
||
dern unverzüglich abzustellen.
|
||
In den vergangenen Jahren wurde mit gro-
|
||
ßen Einstellungskorridoren dazu beigetra-
|
||
gen, die Personalstärke unserer Polizei auf
|
||
6.400 Polizeivollzugsbeamte zu bringen. Mit
|
||
einer abschließenden Polizeistrukturreform,
|
||
einer weiteren Einsatzhundertschaft der Be-
|
||
reitschaftspolizei in Halle, der Schaffung von
|
||
polizeilichen Opferbeauftragten, der Inter-
|
||
netwache, den Möglichkeiten für Quereinstie-
|
||
ge in spezialisierten Bereichen polizeilicher
|
||
Arbeit (IT- und Wirtschaftskriminalität) und
|
||
einer in vielen Belangen verbesserten Aus-
|
||
rüstung der Polizei wurde in Sachsen-Anhalt
|
||
eine grundsätzlich zukunftsfähige Sicher-
|
||
heitsarchitektur aufgebaut.
|
||
In diesem Zusammenhang sehen wir mit Sor-
|
||
ge auf die Berichte über rechtsextremistische
|
||
Vorkommnisse in der Polizei. Wir unterstützen
|
||
alle Bemühungen, solche Vorfälle aufzuklären
|
||
und in Zukunft auszuschließen. An der Verfas-
|
||
sungstreue aller Polizist*innen darf nicht der
|
||
geringste Zweifel bestehen. Wir setzen uns für
|
||
verpflichtende Weiterbildungen und Schulun-
|
||
gen zu den Themen Reichsbürger*innen, Anti-
|
||
semitismus und Rechtsextremismus ein.
|
||
Die Menschen in Sachsen-Anhalt sollen nicht
|
||
nur statistisch sicher sein, sie sollen sich auch
|
||
sicher fühlen. Der Erhalt und die Stärkung
|
||
dieser Sicherheitsarchitektur, die sich an der
|
||
realen Gefahrenlage orientiert, aber auch das
|
||
subjektive Sicherheitsempfinden der Bür-
|
||
ger*innen ernst nimmt, ist für uns oberste
|
||
Aufgabe in einer Zeit, in der die Anforderun-
|
||
gen an unsere Polizei- und Sicherheitsbehör-
|
||
den ständig weiter steigen. Wir wollen nicht
|
||
abwarten, bis kriminelle Strukturen – seien sie
|
||
klassisch oder digital – entstehen oder sich
|
||
verfestigen können. Prävention steht dabei für
|
||
uns stets am Beginn unserer sicherheitspoliti-
|
||
schen Ausrichtung. Durch innovative Technik,
|
||
gezielte Beratung und eine präsente und bür-
|
||
ger*innennahe Polizei treten wir Kriminalität
|
||
und Unsicherheit bereits im Ansatz entgegen.
|
||
Auch bei Hetze und Gewalt darf es keine
|
||
Kompromisse geben. Wir treten Extremismus
|
||
in jeder Form und in aller Deutlichkeit mit al-
|
||
len rechtsstaatlichen Mitteln entgegen, um
|
||
den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu
|
||
stärken und unsere Demokratie zu schützen.
|
||
In Zeiten großer Herausforderungen müssen
|
||
unsere Sicherheitsbehörden über moderne
|
||
Strukturen und ausreichende Ressourcen ver-
|
||
fügen, um die Menschen in Sachsen-Anhalt zu
|
||
schützen. Diese Aufgabe können sie nur er-
|
||
füllen, wenn sie über hinreichendes Personal,
|
||
|
||
--- PAGE 45 ---
|
||
45
|
||
die notwendigen technischen und sächlichen
|
||
Ausstattungen und die erforderlichen recht-
|
||
lichen Befugnisse verfügen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• zusätzliches Personal, moderne und in-
|
||
novative Ausstattung, wirksame Ermitt-
|
||
lungsmethoden und angemessene recht-
|
||
liche Rahmenbedingungen für Sicherheit
|
||
im Alltag und vor Ort. Dazu erhöhen wir
|
||
die Zahl der Polizeivollzugsbeamten auf
|
||
7.000. Eine eigene Pferdestaffel in Sach-
|
||
sen-Anhalt lehnen wir weiterhin ab
|
||
• Polizist*innen, die sich intensiv ihrer Kern-
|
||
aufgabe – dem Schutz der Bürger*innen
|
||
– widmen können. Deswegen werden wir
|
||
die Polizist*innen von Verwaltungsaufga-
|
||
ben entlasten. Dafür werden wir 75 zusätz-
|
||
liche Verwaltungsfachkräfte im Polizeibe-
|
||
reich einstellen
|
||
• für den größtmöglichen Schutz der Poli-
|
||
zist*innen vor Gewalt eine verbesserte
|
||
psychologische Nachsorge, die Gewäh-
|
||
rung dienstlichen Rechtsschutzes bei An-
|
||
griffen auf Polizist*innen und die Übernah-
|
||
me von Schmerzensgeldforderungen von
|
||
Bediensteten durch die Dienstbehörde,
|
||
wenn sich abzeichnet, dass die Eintreibung
|
||
für die*den Beamtin*Beamten langwierig
|
||
oder aussichtslos ist
|
||
• endlich die Auflösung des seit Jahren be-
|
||
stehenden Beförderungsstaus bei den Po-
|
||
lizist*innen. Wir werden für Polizist*innen
|
||
ein verlässliches und schlüssiges Beförde-
|
||
rungs- und Personalentwicklungssystem
|
||
ebenso dauerhaft etablieren. Wie im Ta-
|
||
rif- und Verwaltungsbeamtenbereich der
|
||
Polizei benötigen wir ebenso schlüssige
|
||
Beförderungs- und Personalentwicklungs-
|
||
konzepte, um die Gewinnung notwendiger
|
||
Spezialist*innen zu verbessern
|
||
• die Überprüfung, ob die Einführung ei-
|
||
ner zweigeteilten Polizeiausbildung für
|
||
Schutz- und Kriminalpolizist*innen den
|
||
spezialisierten Anforderungen an den Poli-
|
||
zeiberuf besser gerecht wird und die At-
|
||
traktivität der Polizeiausbildung und damit
|
||
die Zahl der Bewerber*innen erhöhen kann
|
||
• eine Anhebung der Polizeizulage auf das
|
||
bundesweite Niveau mit einer ruhegehalts-
|
||
fähigen Ausgestaltung. Die Berücksichti-
|
||
gung besonders belastender Dienste wol-
|
||
len wir weiter ausbauen. Deshalb werden
|
||
wir die Erschwerniszulage für den Dienst
|
||
zu ungünstigen Zeiten, insbesondere an
|
||
Sonn- und Feiertagen, weiterentwickeln
|
||
und schrittweise erhöhen
|
||
• in enger Abstimmung mit den Polizist*in-
|
||
nen moderne und gesundheitsschonende
|
||
Schichtdienstmodelle
|
||
• konsequente Personalentwicklung auch
|
||
für die Förderung von Frauen in Füh-
|
||
rungspositionen, insbesondere auf Ebe-
|
||
ne der Hundertschaftsführer*innen, Zug-
|
||
führer*innen, Zugtruppführer*innen und
|
||
Gruppenführer*innen bei der Landesbe-
|
||
reitschaftspolizei
|
||
• eine verbesserte Regionalisierung der Poli-
|
||
zeiarbeit. Dazu werden wir die bestehen-
|
||
den kriminalpräventiven Räte im Land aus-
|
||
bauen und vor Ort verlässliche Strukturen
|
||
der Zusammenarbeit in Form von lokalen
|
||
Bündnissen für Sicherheit schaffen
|
||
• weiterhin eine stetige und ganzheitliche
|
||
Weiterentwicklung der inneren Sicherheit
|
||
in Sachsen-Anhalt. Dazu werden wir einen
|
||
Sicherheitsbeirat beim Innenministerium
|
||
mit renommierten Expert*innen aus Sicher-
|
||
heitsbehörden, Verwaltung, Politik, Justiz,
|
||
Gesellschaft und Wissenschaft einrichten
|
||
• zur intelligenten Bekämpfung neuer De-
|
||
liktfelder im Bereich der organisierten Kri-
|
||
minalität und von Cybercrime eine Über-
|
||
prüfung neuer möglicher Berufsbilder und
|
||
die weitere Öffnung der Polizei für Seiten-
|
||
einsteiger*innen
|
||
• im Bereich der Cyberkriminalität den Aus-
|
||
bau personeller und sächlicher Kapazitäten,
|
||
um Straftaten gegenüber Unternehmen,
|
||
Privatpersonen und öffentlichen Einrich-
|
||
tungen konsequent verfolgen zu können
|
||
• ein Kompetenzzentrum digitale Spuren im
|
||
Landeskriminalamt (LKA), da im Hinblick auf
|
||
die zunehmende Digitalisierung aller Wohn-
|
||
und Lebensbereiche die Spurensicherung in
|
||
der digitalen Welt eine immer größere Be-
|
||
deutung einnimmt. Dieses Kompetenzzent-
|
||
rum steht bei Bedarf Polizeidienststellen im
|
||
Land mit Rat und Tat zur Seite
|
||
|
||
--- PAGE 46 ---
|
||
46
|
||
• zusätzlich im LKA eine schnelle Notfall-
|
||
Eingreiftruppe (Computer Emergency
|
||
Response Team), um bei digitalen Sicher-
|
||
heitsvorfällen schnell reagieren zu können
|
||
• im Bereich der organisierten Kriminalität
|
||
eine stärkere Zusammenarbeit des zu-
|
||
ständigen LKA mit anderen Landeskri-
|
||
minalämtern, Staatsanwaltschaften und
|
||
Finanzbehörden
|
||
• neben der jährlichen Präsentation der poli-
|
||
zeilichen Kriminalstatistik für Sachsen-An-
|
||
halt aussagekräftigere Sicherheitsberich-
|
||
te mit regionalem Bezug. Dazu wollen wir
|
||
wissenschaftlich ergründen lassen, wie viel
|
||
Kriminalität sich im Dunkelfeld abspielt
|
||
• ein Landes-IT-Sicherheitsgesetz, in wel-
|
||
chem wir die rechtlichen Grundlagen für
|
||
eine effiziente Cybersicherheit schaffen.
|
||
Wir wollen sicherstellen, dass alle Kompe-
|
||
tenzen hierfür in einem Ressort federfüh-
|
||
rend zusammenlaufen
|
||
• den erklärten Willen zum Kampf gegen
|
||
Hate Speech. Hier wollen wir Vorreiter sein
|
||
und einen Maßnahmenkatalog zur effekti-
|
||
ven Strafverfolgung ebenso erarbeiten wie
|
||
Einrichtungen und Projekte fördern und
|
||
stärken, die durch Beratung, Aufklärung
|
||
und Opferhilfe einen Beitrag im Kampf
|
||
gegen Diskriminierung leisten
|
||
• die Möglichkeit, dass bedeutende Ermitt-
|
||
lungsverfahren wegen Hasskriminalität im
|
||
Cyberraum landesweit durch das Cyber-
|
||
Crime Competence Center 4C des LKA
|
||
bearbeitet werden können. Dieses werden
|
||
wir zu diesem Zweck personell und mate-
|
||
riell aufstocken
|
||
• einen konsequent hohen Überwachungs-
|
||
druck mit spezialisierten Observations-
|
||
und Ermittlungsgruppen von Polizei und
|
||
Verfassungsschutz, um dem Rechtsextre-
|
||
mismus und rassistischem Gedankengut
|
||
zu begegnen
|
||
• eine*n unabhängige*n Polizeibeauftrag-
|
||
te*n als zentrale Anlaufstelle für Bürger*in-
|
||
nen und Polizeibeamt*innen. Die Polizei
|
||
leistet ihre Arbeit unter schweren Bedin-
|
||
gungen. Sie trägt die Verantwortung dafür,
|
||
das staatliche Gewaltmonopol auszuüben.
|
||
Bei polizeilichem Fehlverhalten besteht die
|
||
Gefahr, dass das Vertrauen in die Sicher-
|
||
heitsbehörden erschüttert wird
|
||
• die Aufnahme einer Wahlmöglichkeit be-
|
||
züglich des Geschlechts der eine Durch-
|
||
suchung
|
||
durchführenden
|
||
Polizeivoll-
|
||
zugsbeamt*innen in das Gesetz über die
|
||
öffentliche Sicherheit und Ordnung des
|
||
Landes Sachsen-Anhalt zur Angleichung
|
||
an § 81d (1) Satz 2 der Strafprozessordnung
|
||
• den Verfassungsschutz als eine bleibend
|
||
wichtige Säule unserer Sicherheitsarchi-
|
||
tektur. Wir stärken den Verfassungsschutz
|
||
personell und sorgen für die Fortbildung
|
||
der Mitarbeiter*innen in interkultureller
|
||
Kompetenz und im Bereich sozialer Medien
|
||
• ein zivilgesellschaftliches Recherche- und
|
||
Informationssystem, mit dem Vorfälle in
|
||
Zusammenhang mit gruppenbezogener
|
||
Menschenfeindlichkeit – unabhängig von
|
||
einer strafrechtlichen Bewertung – doku-
|
||
mentiert werden
|
||
• keine Verschärfung des Gesetzes über die
|
||
öffentliche Sicherheit und Ordnung (SOG)
|
||
• die Einrichtung eines operativen Opfer-
|
||
schutzes in der Polizei im Land Sachsen-
|
||
Anhalt und dessen bedarfsgerechte, siche-
|
||
re Finanzierung
|
||
• eine Heraufsetzung der „geringen Menge“
|
||
von Cannabis in Sachsen-Anhalt, um eine
|
||
Entlastung der Polizei und Justiz zu erwir-
|
||
ken. In einem zweiten Schritt wollen wir
|
||
die Initiative der SPD-Bundestagsfraktion
|
||
aufgreifen und in Sachsen-Anhalt Modell-
|
||
projekte zur regulierten Freigabe von Can-
|
||
nabis an Erwachsene ermöglichen
|
||
Bevölkerungsschutz
|
||
B
|
||
rand- und Katastrophenschutz in Sach-
|
||
sen-Anhalt stellen elementar wichtige
|
||
staatliche Aufgaben dar, die maßgeb-
|
||
lich durch das ehrenamtliche Engagement
|
||
von tausenden Bürger*innen gewährleistet
|
||
werden. Wir wollen unsere ehrenamtlichen
|
||
Kräfte bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen
|
||
und ihnen bestmögliche Arbeitsbedingungen
|
||
schaffen.
|
||
|
||
--- PAGE 47 ---
|
||
47
|
||
Die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft
|
||
und ihrer Infrastrukturen in Krisensituationen,
|
||
seien es Naturereignisse oder jüngst Pande-
|
||
mien, ist eine bedeutende Frage der öffentli-
|
||
chen Sicherheit.
|
||
Mit einer umfassenden Reform des Brand-
|
||
schutzgesetzes Sachsen-Anhalt wurde bereits
|
||
auf aktuelle und künftige Herausforderungen
|
||
reagiert, unter anderem mit der Erhöhung
|
||
des Gemeindeanteils an der Feuerschutz-
|
||
steuer, einem neuen Bußgeldtatbestand bei
|
||
Behinderung der Feuerwehr, der Zulässigkeit
|
||
eines Fonds für einen verbesserten Unfallver-
|
||
sicherungsschutz für ehrenamtliche Feuer-
|
||
wehrangehörige, der Anrechnung der Rege-
|
||
nerationszeit als Einsatzzeit, der Möglichkeit
|
||
der Bildung unselbständiger Standorte, einer
|
||
Erhöhung der Altersgrenze für Mitglieder frei-
|
||
williger Feuerwehren im Einsatzdienst, einer
|
||
bevorzugten Berücksichtigung bei Einstellun-
|
||
gen in der Gemeinde und mit der Kinderfeu-
|
||
erwehr als eigener Abteilung der freiwilligen
|
||
Feuerwehr. Wir haben für die Kommunen die
|
||
rechtliche Möglichkeit geschaffen, den ehren-
|
||
amtlichen Feuerwehren höhere Aufwandsent-
|
||
schädigungen zu zahlen.
|
||
Wir werden unsere Feuerwehren ebenso wie
|
||
Katastrophen- und Zivilschutz für die Zukunft
|
||
voll handlungsfähig halten. Gerade die Verzah-
|
||
nung von haupt- und ehrenamtlichen Struktu-
|
||
ren leistet dabei einen unverzichtbaren Beitrag.
|
||
Die Planung und Koordinierung zwischen allen
|
||
relevanten Akteur*innen wollen wir verbessern.
|
||
Insbesondere die Alarmierung und damit ver-
|
||
bunden die Finanzierung in Großschadensla-
|
||
gen unterhalb der Katastrophenschwelle wol-
|
||
len wir im Gesetz gesondert regeln.
|
||
Einschneidende Ereignisse für die Sicherheit
|
||
der Menschen in unserem Land haben ge-
|
||
zeigt, dass man sich nicht auf dem Bestehen-
|
||
den ausruhen darf, sondern alle bisherigen
|
||
Vorkehrungen stets auf den Prüfstand gestellt
|
||
werden und neue Maßnahmen getroffen wer-
|
||
den müssen. Für jeden augenfällig war das
|
||
nach den großen Hochwasserkatastrophen
|
||
in den Jahren 2002 und 2013. Aktuell zeigt
|
||
sich, dass die Betreiber der kritischen Infra-
|
||
strukturen, zum Beispiel die in der Energie-
|
||
und Wasserversorgung, sogar vorbildlich auf
|
||
Pandemielagen vorbereitet waren. Sie haben
|
||
auch materiell vorgesorgt, im Unterschied zu
|
||
vielen staatlichen und kommunalen Stellen,
|
||
die nur Papier beschrieben haben. Wir wissen,
|
||
dass alte Bedrohungen nicht verschwunden
|
||
sind und neue Bedrohungen, ob durch welt-
|
||
weite Pandemien oder wegen der Klimaver-
|
||
änderungen, hinzugekommen sind. Es reicht
|
||
nicht, hierauf planerisch vorbereitet zu sein.
|
||
Es besteht Handlungs- und Vorsorgebedarf.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die bestmögliche technische Ausstattung
|
||
aller Feuerwehren. Dafür werden wir die
|
||
derzeitige Fördermittelhöhe für Zwecke
|
||
des Brandschutzes zur zielgerichteten För-
|
||
derung von notwendigen Ersatzbeschaf-
|
||
fungen von Einsatzfahrzeugen sowie zum
|
||
Neu- und Umbau von Feuerwehrhäusern
|
||
verstetigen, um die Zukunftsfähigkeit des
|
||
ehrenamtlichen Systems der Feuerwehren
|
||
zu sichern
|
||
• die Überprüfung des Brandschutzgesetzes
|
||
und gegebenenfalls seine Änderung, um
|
||
die Möglichkeit zu schaffen, dass Wehr-
|
||
leiter*innen in Orten mit (fast) täglichen
|
||
Einsätzen für ihre Amtszeit diese Tätigkeit
|
||
hauptamtlich, vergleichbar mit dem Amt
|
||
eines Wahlbeamten, ausüben können
|
||
• die Weiterentwicklung der zentralen Be-
|
||
schaffung von Feuerwehrfahrzeugen, die
|
||
sich nicht darauf beschränkt, Kosten zu re-
|
||
duzieren, sondern den örtlichen Erforder-
|
||
nissen besser gerecht wird. Im ländlichen
|
||
Raum ist oft nicht einmal der Grundschutz
|
||
bei der Löschwasserversorgung gewähr-
|
||
leistet. Das Trinkwasserversorgungsnetz
|
||
kann diesen nicht leisten, sondern es
|
||
müssen andere technische Lösungen ge-
|
||
schaffen werden. Wir werden deshalb ein
|
||
Förderprogramm zum Neubau von Lösch-
|
||
wasserzisternen und Löschwasserentnah-
|
||
mestellen auflegen
|
||
• qualifizierten Nachwuchs sowohl für die
|
||
Berufsfeuerwehren als auch die freiwilligen
|
||
Feuerwehren und Hilfsorganisationen. Wir
|
||
werden die Jugendfeuerwehren deshalb
|
||
nachhaltig fördern, um bereits frühzeitig
|
||
eine Bindung junger Menschen zu erreichen
|
||
• das Ende des seit Jahren stattfindenden
|
||
Abbaus am Institut für Brand- und Katast-
|
||
rophenschutz Heyrothsberge
|
||
• Investitionen in die digitale Struktur des In-
|
||
stituts für Brand- und Katastrophenschutz
|
||
|
||
--- PAGE 48 ---
|
||
48
|
||
in Heyrothsberge. Das über Jahrzehnte als
|
||
ein Vorzeigeobjekt bekannte Institut muss
|
||
wieder das Flaggschiff unter den Feuer-
|
||
wehrschulen in Deutschland werden, was
|
||
es bis vor acht Jahren war
|
||
• ein gemeinsames Vorgehen mit den Feu-
|
||
erwehren und den Hilfsorganisationen mit
|
||
dem Ziel, verstärkt Menschen mit Migrati-
|
||
onshintergrund für den haupt- und ehren-
|
||
amtlichen Dienst in unseren Wehren und
|
||
Hilfsorganisationen zu begeistern. Dabei
|
||
setzen wir auf neue, landesweite Konzepte
|
||
auch in Zusammenarbeit mit den Schulen
|
||
und Kindertagesstätten
|
||
• in der Ausbildung die Nutzung von Chan-
|
||
cen durch die Digitalisierung und der Mög-
|
||
lichkeiten von E-Learning und dezentralen
|
||
Kursangeboten in den Landkreisen
|
||
• eine Kampagne, die insbesondere bei Ar-
|
||
beitgeber*innen für die Vereinbarkeit des
|
||
ehrenamtlichen Dienstes und der Arbeit
|
||
wirbt. Wir wollen als Arbeitgeber*innen
|
||
im öffentlichen Dienst dabei vorangehen
|
||
• gemeindeübergreifende Brandschutzkon-
|
||
zepte im ländlichen Raum. Das bedeutet,
|
||
eine besser koordinierte und nach Mög-
|
||
lichkeit gemeinsame Nutzung technischer
|
||
und personeller Ressourcen und ihre Ver-
|
||
fügbarkeit zu gewährleisten
|
||
• die schrittweise erhöhte und später vollstän-
|
||
dige Weiterleitung der Feuerschutzsteuer
|
||
an die Kommunen zur Finanzierung ihrer
|
||
Aufgaben im Bereich des Brandschutzes
|
||
• den Aufbau einer Landesreserve für den
|
||
Katastrophenschutz. Diese soll nach dem
|
||
Vorbild anderer Bundesländer vom DRK
|
||
verwaltet werden. Dort ist alles zu bevor-
|
||
raten, was in einer länger anhaltenden Kri-
|
||
senlage für die Durchhaltefähigkeit erfor-
|
||
derlich ist
|
||
• ein Programm für Investitionen in die Tech-
|
||
nik der Katastrophenschutzbehörden, um
|
||
dem zunehmenden Klimawandel und der
|
||
damit verbundenen Gefahr von immer häu-
|
||
figeren und immer intensiveren Naturkatas-
|
||
trophen (Hochwasser, Unwetter, Waldbrand
|
||
und Dürre) sowie dem Anstieg der Ver-
|
||
wundbarkeit der Gesellschaft beim Ausfall
|
||
kritischer Infrastrukturen zu begegnen
|
||
• die Ausstattung aller Landkreise und kreis-
|
||
freien Städte mit leistungsfähigen Netzer-
|
||
satzanlagen zur Notstromversorgung
|
||
Justiz und
|
||
Rechtsstaat
|
||
E
|
||
in freiheitlicher, demokratischer Rechts-
|
||
staat braucht als eine seiner tragenden
|
||
Säulen eine leistungsfähige und unab-
|
||
hängige Justiz. Der Zugang der Menschen zu
|
||
den Gerichten muss unkompliziert und orts-
|
||
nah möglich sein. Staatsanwaltschaften und
|
||
Gerichte brauchen eine personelle und säch-
|
||
liche Ausstattung, die dieser Rolle im Rechts-
|
||
staat und den wachsenden Herausforderun-
|
||
gen gerecht wird. Nur auf diese Weise wird
|
||
gewährleistet, dass das Vertrauen der Men-
|
||
schen in die Justiz nicht nur dauerhaft erhal-
|
||
ten, sondern noch gestärkt wird.
|
||
In den vergangenen Jahren wurden die be-
|
||
stehenden Justizstandorte in der Fläche ge-
|
||
sichert. Mit einem Feinkonzept zur Perso-
|
||
nalstrategie in der Justiz wurde zumindest
|
||
der ernsthafte Versuch unternommen, mit
|
||
Neueinstellungen
|
||
den
|
||
altersstrukturellen
|
||
und demographischen Wandel in der Justiz
|
||
aufzufangen. Für die Bürger*innen wurde
|
||
die Möglichkeit zur Individualverfassungs-
|
||
beschwerde beim Landesverfassungsgericht
|
||
eingeräumt. Der Täter-Opfer-Ausgleich für
|
||
Jugendliche wird jetzt verlässlich aus dem
|
||
Justizhaushalt finanziert.
|
||
Offen geblieben sind die Konzentration des
|
||
Justizvollzuges an drei Standorten, ein Resozi-
|
||
alisierungsgesetz, die Einführung eines Opfer-
|
||
hilfefonds, der weitere dringend notwendige
|
||
Digitalisierungsfortschritt und eine hinreichen-
|
||
de personelle Ausstattung in der Justiz.
|
||
Die Leistungsfähigkeit unserer Justiz fußt auch
|
||
in Zukunft auf einer angemessenen personel-
|
||
len und sächlichen Ausstattung der Gerichte,
|
||
Staatsanwaltschaften und Justizvollzugsein-
|
||
richtungen. Damit der in den nächsten Jah-
|
||
ren weiter stattfindende demographische
|
||
und altersstrukturelle Wandel in der Justiz
|
||
bewältigt und damit deren Leistungsfähigkeit
|
||
wiederhergestellt beziehungsweise gesichert
|
||
werden kann, aber auch damit neue Herausfor-
|
||
|
||
--- PAGE 49 ---
|
||
49
|
||
derungen zum Beispiel in der Strafverfolgung
|
||
gemeistert werden können, ist es bereits jetzt
|
||
erforderlich, mit Neueinstellungen nicht nur
|
||
vorhandenes Personal mittelfristig zu ersetzen,
|
||
sondern zusätzliches Personal zu gewinnen.
|
||
Die Justiz ist neben der Gesetzgebung und
|
||
der Exekutive die dritte Gewalt im Staat und
|
||
eine besondere öffentliche Aufgabe. Deshalb
|
||
dürfen Justizangelegenheiten nicht in den pri-
|
||
vaten Sektor vergeben werden
|
||
Im Bereich der Strafverfolgung wollen wir die
|
||
erfolgreiche Arbeit der Staatsanwaltschaften
|
||
im Land weiter vorantreiben. Wir sehen ein
|
||
Defizit in der Personalstärke der Staatsan-
|
||
waltschaften, das wir abbauen wollen. Ferner
|
||
müssen wir die Generalstaatsanwaltschaft
|
||
und bei den Staatsanwaltschaften die Son-
|
||
derdezernate stärken, die sich spezialisiert mit
|
||
Delikten aus den Bereichen der organisierten
|
||
Kriminalität, der Wirtschafts- und der Inter-
|
||
netkriminalität sowie mit der Verfolgung von
|
||
Delikten mit terroristischem, extremistischem
|
||
oder rassistischem Bezug befassen. Für diese
|
||
Straftäter*innen sind auch im Strafvollzug De-
|
||
radikalisierungs- und Ausstiegsprogramme
|
||
zur Vermeidung von Rückfälligkeit nach Haft-
|
||
entlastung aufzubauen.
|
||
Neben der Einstellung neuen und zusätzlichen
|
||
Personals ist dringend die Digitalisierung der
|
||
Justiz voranzutreiben, die eine der großen He-
|
||
rausforderungen der neuen Legislaturperiode
|
||
darstellt. Spätestens die Corona-Pandemie
|
||
hat gezeigt, dass unsere Justiz technologisch
|
||
nicht auf der Höhe der Zeit ist und sie end-
|
||
lich auf den aktuellen Digitalisierungsstand zu
|
||
bringen ist. Die Einführung des elektronischen
|
||
Rechtsverkehrs und der elektronischen Akte
|
||
muss umgesetzt werden, wobei bei aller Effi-
|
||
zienzsteigerung immer auch der Aspekt einer
|
||
bürger*innennahen und vertrauensbildenden
|
||
Rechtsprechungspraxis im Blick behalten wer-
|
||
den muss.
|
||
Die Funktion der*des Landesopferbeauf-
|
||
tragten muss für alle Kriminalitätsopfer of-
|
||
fenstehen, und im Justizvollzug muss die
|
||
Drei-Standorte-Lösung mit modernen, an der
|
||
Resozialisierung orientierten Justizvollzugs-
|
||
anstalten vollendet werden.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Einstellungsoffensive für Justizbe-
|
||
dienstete mit modernen Werbe- und Ein-
|
||
stellungsverfahren
|
||
• eine Weiterentwicklung des bestehenden
|
||
Personalkonzepts für die Justiz mit einer
|
||
Aufstockung von zehn Prozent über dem
|
||
Personalschlüssel für Richter*innen und
|
||
Staatsanwält*innen; die Personalverstär-
|
||
kungen bei der Polizei müssen korrespon-
|
||
dierend auf die Justiz übertragen werden
|
||
• eine Stärkung der Attraktivität des Diens-
|
||
tes in der Justiz durch moderne Arbeits-
|
||
zeitmodelle, die Einführung von Le-
|
||
bensarbeitszeitkonten und verbesserte
|
||
Altersteilzeitregelungen, durch den ver-
|
||
stärkten, flächendeckenden Einsatz des
|
||
mobilen Arbeitens und durch ein umfas-
|
||
sendes Beförderungs- und Personalent-
|
||
wicklungskonzept sowie die Anhebung
|
||
der Mitbestimmungsrechte aller Justizbe-
|
||
schäftigten auf ein einheitliches Niveau
|
||
• die Wiedereinführung der Verbeamtung
|
||
der Rechtsreferendar*innen und eine pra-
|
||
xisnähere Ausbildung, die auch im länd-
|
||
lichen Raum stattfinden kann. Das Justiz-
|
||
prüfungsamt sollte mit mindestens einem
|
||
Nachbarland gemeinsam betrieben werden
|
||
• den Erhalt der Justiz mit allen ihren Ge-
|
||
richten und Staatsanwaltschaften sowie
|
||
dem sozialen Dienst der Justiz für die Bür-
|
||
ger*innen in der Fläche
|
||
• eine Staatsschutzabteilung bei der Gene-
|
||
ralstaatsanwaltschaft und den Ausbau der
|
||
Sonderdezernate der Staatsanwaltschaf-
|
||
ten für organisierte, Wirtschafts-, Internet-
|
||
und Staatsschutzkriminalität
|
||
• die Intensivierung der Vermögensab-
|
||
schöpfung für kriminell erlangte Gewinne
|
||
• eine Digitalisierungsoffensive, um die Jus-
|
||
tizbehörden technisch auf den aktuellen
|
||
Stand zu bringen. Mitarbeiter*innen sind
|
||
technisch mit modernen Arbeitsmitteln
|
||
auch zum mobilen Arbeiten auszustat-
|
||
ten, Rechtsanwält*innen sind Zugänge
|
||
zu IT-Infrastruktur in Justizgebäuden zu
|
||
gewährleisten
|
||
|
||
--- PAGE 50 ---
|
||
50
|
||
• die Umsetzung des elektronischen Rechts-
|
||
verkehrs bis 2026 und die technische Er-
|
||
möglichung
|
||
flächendeckender
|
||
Video-
|
||
vernehmungen, Videokonferenzen und
|
||
Videoanhörungen
|
||
• die Erweiterung der Funktion der*des Lan-
|
||
desopferbeauftragten als Ansprechpart-
|
||
ner*in für alle Kriminalitätsopfer und die
|
||
Gründung eines Opferhilfefonds, um Maß-
|
||
nahmen der Opferhilfe noch zielgerichte-
|
||
ter realisieren zu können sowie Härtefalle
|
||
besser aufzufangen
|
||
• den Neubau der JVA Halle, um das Drei-
|
||
Standorte-Prinzip des Justizvollzuges zu
|
||
vollenden
|
||
• eine Optimierung der nachhaltigen Einglie-
|
||
derung in die Gesellschaft, um die nahtlose
|
||
Umsetzung der Resozialisierungsmaßnah-
|
||
men vom Vollzug bis zur sozialen Wieder-
|
||
eingliederung zu gewährleisten. Dies muss
|
||
durch ein Resozialisierungsgesetz beför-
|
||
dert werden
|
||
|
||
--- PAGE 51 ---
|
||
51
|
||
Wie unser
|
||
Land das Klima
|
||
schützt:
|
||
neue Energie &
|
||
bewahrte Natur.
|
||
Energie und
|
||
Klimaschutz
|
||
E
|
||
in zentrales Problem unserer Zeit ist der
|
||
Klimawandel! Er bedroht die biologische
|
||
Vielfalt, den Boden, das Wasser und die
|
||
Luft und damit die Zukunft unserer Gesell-
|
||
schaft als Ganzes.
|
||
Der Klimawandel entzieht uns allen die Lebens-
|
||
grundlage. Die SPD Sachsen-Anhalt will eine le-
|
||
benswerte Umwelt, ein intaktes Klima und einen
|
||
nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen.
|
||
Eine wirksame Klimaschutzpolitik ist eine
|
||
Querschnittsaufgabe, die alle Politikfelder
|
||
betrifft. Die wirtschaftlichen Chancen einer
|
||
nachhaltigen Klimaschutzpolitik sind ebenso
|
||
enorm wie die Risiken bei weiterhin halbher-
|
||
zigem Handeln oder gar Untätigkeit.
|
||
Die SPD Sachsen-Anhalt unterstützt die klima-
|
||
politischen Ziele der Europäischen Union und
|
||
der Bundesregierung. Die vereinbarten Klima-
|
||
schutzziele von Paris müssen Wirklichkeit wer-
|
||
den. Die Klimaveränderung der vergangenen
|
||
Jahrzehnte braucht heute das Umdenken und
|
||
Umstellen gewohnter Abläufe, damit Nachhal-
|
||
tigkeit als Lebensqualität für alle Generationen
|
||
entdeckt und gelebt werden kann.
|
||
Dabei ist es notwendig, beim Umstieg auf eine
|
||
klimaneutrale Energieversorgung dem Indus-
|
||
trieland Sachsen-Anhalt wirtschaftlich sinn-
|
||
volle Alternativen zu bieten. Mit dem hohen
|
||
Anteil erneuerbarer Energien bei der Strom-
|
||
erzeugung haben wir bereits im Länderver-
|
||
gleich in den vergangenen Jahren Zeichen
|
||
gesetzt. Eine rückläufige Entwicklung wird es
|
||
mit uns nicht geben.
|
||
Energiewende findet in der Kommune statt.
|
||
Regionale und dezentrale Energieversorgung
|
||
stehen für uns im Mittelpunkt, dabei spielen
|
||
auch die Stadtwerke in unserem Land eine
|
||
zentrale Rolle. Wir wollen auch, dass Kommu-
|
||
nen endlich zugunsten einer regionalen und
|
||
umweltfreundlichen Energieversorgung wirt-
|
||
schaftlich tätig sein dürfen. Dazu werden wir
|
||
die Kommunalverfassung anpassen. Klima-
|
||
schutz ist für viele Kommunen zwangsläufig
|
||
leider immer noch ein Randthema, da es eine
|
||
freiwillige Aufgabe ist. Wir werden ein Klima-
|
||
schutzgesetz auf den Weg bringen, in dem
|
||
insbesondere zu regeln ist, welche vordring-
|
||
lichen Aufgaben die Kommunen zum Schutz
|
||
des Klimas erfüllen sollen. So werden wir
|
||
wichtige Investitionen und Weichenstellungen
|
||
in Energieeffizienz, Ressourcenschonung und
|
||
erneuerbare Energien vor Ort voranbringen,
|
||
aktiven Klimaschutz in den Kommunen betrei-
|
||
ben und Betriebskosten in den kommunalen
|
||
Gebietskörperschaften einsparen.
|
||
Energiewende und Energieeffizienz müssen
|
||
zuallererst von der öffentlichen Hand vorge-
|
||
lebt werden. Energiewende geht nur durch
|
||
Vorbildwirkungen und mit Anreizsystemen.
|
||
Das Klima- und Energiekonzept (KEK) des
|
||
Landes Sachsen-Anhalt ist dabei ein wichtiger
|
||
erster Schritt gewesen. Nun müssen weitere
|
||
Schritte und Konkretisierungen folgen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine mittel- und langfristige Strategie für
|
||
eine klimafreundliche und sichere Energie-
|
||
versorgung
|
||
• eine klare Strategie, wie die Kommunen
|
||
und die Bürger*innen in unserem Land
|
||
zukünftig mehr vom Ausbau der erneuer-
|
||
baren Energien profitieren
|
||
• einen Fahrplan für eine sinnvolle energeti-
|
||
sche Sanierung der Landesliegenschaften.
|
||
Wir streben an, dass die Landesverwaltun-
|
||
gen in Sachsen-Anhalt bis 2035 klimaneu-
|
||
tral werden
|
||
• die Brennstoffzellenherstellung in Sach-
|
||
sen-Anhalt
|
||
• dass bei jeder Sanierung und jedem Neu-
|
||
bau öffentlicher Gebäude erneuerbare
|
||
Energien (zum Beispiel Photovoltaik) zur
|
||
Anwendung kommen
|
||
|
||
--- PAGE 52 ---
|
||
52
|
||
• Ökostrom in allen Landeseinrichtungen
|
||
• eine Umstellung des Fuhrparks der Lan-
|
||
desregierung und ihrer Ministerien auf mit
|
||
nicht fossilen Energieträgern betriebene
|
||
Dienstfahrzeuge
|
||
• die weitere Verhinderung der unkonven-
|
||
tionellen Erdgassuche (Fracking) in Sach-
|
||
sen-Anhalt
|
||
Klimafreundliche Mobilität
|
||
Sachsen-Anhalt benötigt klimafreundliche
|
||
Antriebe. Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge
|
||
und Tankinfrastruktur für Wasserstofffahrzeu-
|
||
ge sind noch immer unterentwickelt.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Innovationsstrategie für die Erfor-
|
||
schung klimaneutraler Energieträger und
|
||
regional anwendbare Ideen, die wir ge-
|
||
meinsam mit den Hochschulen im Land
|
||
suchen und umsetzen werden
|
||
• eine länderübergreifende grünen Was-
|
||
serstoffstrategie und die Vernetzung der
|
||
vorhandenen wissenschaftlichen Kom-
|
||
petenzen. Wir werden uns auch auf der
|
||
Bundesebene für sinnvolle Brückentech-
|
||
nologien wie zum Beispiel Care-Diesel
|
||
einsetzen
|
||
• eine sehr schnelle Verbesserung der Lade-
|
||
infrastruktur durch veränderte Förderop-
|
||
tionen des Landes
|
||
Nachhaltig wirtschaften
|
||
Nicht nur die Steigerung der Energieeffizi-
|
||
enz, sondern auch die Umstellung auf klima-
|
||
neutrale Produktionsprozesse machen Un-
|
||
ternehmen in unserem Land zukunfts- und
|
||
wettbewerbsfähig.
|
||
Mit einem professionellen Energiemanage-
|
||
ment können alle kommunalen Gebietskör-
|
||
perschaften bis zu zwanzig Prozent Betriebs-
|
||
kosten sparen. Das ist nicht nur eine echte
|
||
Chance für die zahlreichen finanzschwachen
|
||
Kommunen im Land, sondern auch ein wich-
|
||
tiger Beitrag für den Klimaschutz. Aus diesem
|
||
Grund wollen wir das anerkannte und bundes-
|
||
weit ausgezeichnete kostenfreie Kommunale
|
||
Energiemanagementsystem Kom.EMS mög-
|
||
lichst in allen Kommunen des Landes zur An-
|
||
wendung bringen. Zudem ist die Umrüstung
|
||
der kommunalen Straßenbeleuchtung auf
|
||
energieeffiziente Technologien aus unserer
|
||
Sicht unverzichtbar.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ausreichend Flächen für erneuerbare Ener-
|
||
gien. Die Modernisierung vorhandener
|
||
Windkraftanlagen (Repowering) in Vor-
|
||
ranggebieten muss konsequent umgesetzt
|
||
werden. Dabei müssen die jeweiligen Kom-
|
||
munen und die Bürger*innen vor Ort einen
|
||
direkten Mehrwert von den regionalen und
|
||
umweltfreundlichen Energiequellen gene-
|
||
rieren können
|
||
• für die Bürger*innen, Kommunen und
|
||
Projektierungsbüros zielgruppenspezifi-
|
||
sche Angebote der Unterstützung. Dafür
|
||
soll es eine Servicestelle „Energiewende“
|
||
als „Kümmerer vor Ort“ bei der Landes-
|
||
energieagentur Sachsen-Anhalt GmbH
|
||
(LENA) sowie eine bedarfsgerechte Aus-
|
||
stattung der regionalen Planungsgemein-
|
||
schaften geben
|
||
• keine Windkraft im Wald und in direkten
|
||
touristischen Hotspots des Landes
|
||
• zur Sicherstellung der Energieversorgung
|
||
der Unternehmen im bisherigen Braun-
|
||
kohlerevier wirtschaftlich tragbare und
|
||
nachhaltige Alternativen zur Energiever-
|
||
sorgung
|
||
• ein tragfähiges Konzept für eine industriel-
|
||
le Grünstromproduktion
|
||
Transparenz, regionale Wertschöpfung und
|
||
Beteiligung aller Interessengruppen bei der Er-
|
||
richtung von Anlagen zur Nutzung der erneuer-
|
||
baren Energien stehen dabei für uns im Mittel-
|
||
punkt. Energieimporte müssen auch im Sinne
|
||
der regionalen Wertschöpfung verhindert wer-
|
||
den. Wir unterstützten einen sachorientierten
|
||
und sachkundigen Dialog vor Ort und werden
|
||
dazu beitragen, dass Bürger*innen, Kommunen
|
||
und Unternehmen vom Ausbau der erneuerba-
|
||
ren Energien profitieren und die Wertschöp-
|
||
fung vor allem in Sachsen-Anhalt stattfinden
|
||
wird. Bürger*innenbeteiligung und Bürger*in-
|
||
nenenergie spielen dabei eine zentrale Rolle.
|
||
|
||
--- PAGE 53 ---
|
||
53
|
||
Der Klimawandel ist real. Deshalb rückt das
|
||
Thema Klimaanpassung zunehmend in den
|
||
Vordergrund. Wir werden gemeinsam mit
|
||
den Kommunen daran arbeiten, dass sie mehr
|
||
Grünflächen, Fassaden- und Dachbegrünun-
|
||
gen ermöglichen, aber auch die Integration
|
||
der Nutzung natürlicher Sonnenenergie bei
|
||
Sanierung und Neubau voranbringen.
|
||
Umwelt-, Natur-
|
||
und Tierschutz
|
||
U
|
||
mwelt- und Naturschutz bestimmen
|
||
maßgeblich über die Zukunft unseres
|
||
Landes. Wir stehen für die Bewahrung
|
||
der vielfältigen wertvollen Landschaften in
|
||
unserem Bundesland, den Schutz heimischer
|
||
Pflanzen- und Tierbestände und die Wieder-
|
||
herstellung von Lebensräumen bedrohter
|
||
Tier- und Pflanzenarten.
|
||
Wir wollen ein ökologisches Flächenmanage-
|
||
ment etablieren, das die Aufforstung, Rena-
|
||
turierung und Rekultivierung von industriell
|
||
oder baulich genutzten Flächen betreibt. Ziel
|
||
dieser Initiative soll die Rückkehr zu möglichst
|
||
vielen intakten Ökosystemen im Land sein.
|
||
Damit einher geht die Umsetzung von Biotop-
|
||
verbünden, der Schutz von urbanen Lebens-
|
||
räumen für Tiere (Alleen, Hecken, Flussläufe,
|
||
Bahndämme) sowie viele weitere Maßnahmen,
|
||
um das weitere Artensterben zu verhindern.
|
||
Um dem bereits seit langem zu beobachten-
|
||
den Insektenrückgang effektiv und nachhal-
|
||
tig entgegenzuwirken, ist eine insektenver-
|
||
trägliche Landbewirtschaftung besonders
|
||
wichtig. Wir werden die Anlage und Pflege
|
||
von Streuobstwiesen und mehrjährigen Blüh-
|
||
streifen unterstützen. Damit wollen wir den
|
||
Lebensraum der Wildbienen und anderer Be-
|
||
stäuber aktiv schützen. Für den Artenschutz
|
||
und den Erhalt der Artenvielfalt werden wir
|
||
das Biodiversitätskonzept weiter umsetzen
|
||
und konkretisieren. Der besonders gravieren-
|
||
de Rückgang von Vögeln und Insekten in der
|
||
Agrarlandschaft ist aufzuhalten und umzukeh-
|
||
ren. Auch die Aufklärung der Bevölkerung zur
|
||
Förderung insektenfreundlicher Gärten sollte
|
||
verstärkt werden.
|
||
Das Land Sachsen-Anhalt hat das Netz Natura
|
||
2000 ausgewiesen. Wir werden die Umset-
|
||
zung der notwendigen Maßnahmen voran-
|
||
treiben.
|
||
Der Lückenschluss des Grünen Bandes als ein-
|
||
malige Möglichkeit, Biotope zu erhalten und
|
||
zu vernetzen, soll weiter gefördert werden.
|
||
Wir unterstützen die Schaffung von Biotop-
|
||
verbundsystemen und eine nachhaltige Bio-
|
||
topvernetzung zum Schutze und zum Erhalt
|
||
natürlicher Populationen.
|
||
Das Netz der Großschutzgebiete, bestehend
|
||
aus dem Nationalpark Harz, den UNESCO-
|
||
Biosphärenreservaten Mittelelbe, Karstland-
|
||
schaft Südharz und Drömling sowie den Na-
|
||
turparken, bleibt in der Verantwortung des
|
||
Landes. Sie bilden Zentren der Biodiversität,
|
||
sind aber auch attraktive Orte für nachhalti-
|
||
gen Tourismus. Wir werden die Natur Sach-
|
||
sen-Anhalts für unsere Bürger*innen erlebbar
|
||
gestalten. Bedeutende Sekundärbiotope sind
|
||
in den Naturschutz mit einzubeziehen.
|
||
Die nachhaltige Sicherung von sauberem
|
||
Grundwasser als Grundlage der Versorgung
|
||
der Bevölkerung mit hochwertigem Trinkwas-
|
||
ser, frei von Schadstoffen und Mikroverunreini-
|
||
gungen, ist eine der wichtigsten strategischen
|
||
Umweltaufgaben. Die Düngeverordnung ist
|
||
sachgerecht im Sinne einer Binnendifferenzie-
|
||
rung weiterzuentwickeln. Mit einer Grundwas-
|
||
sersicherungsstrategie sollen die Grundwas-
|
||
serqualität und die Kontrolle der Nutzung von
|
||
Flächen in Trinkwassersicherungs- und Was-
|
||
serschutzgebieten weiter ausgebaut werden.
|
||
Der Hochwasserschutz bleibt für uns nach den
|
||
Erfahrungen der letzten Jahre ein Schwer-
|
||
punkt. Auch wenn die Hochwasserschutz-
|
||
maßnahmen an Elbe, Mulde und Saale in den
|
||
nächsten Jahren abgeschlossen werden, sind
|
||
weitere Maßnahmen an den Nebenflüssen
|
||
deutlich zu verstärken. Das Projekt „Mehr
|
||
Raum für Flüsse“ ist dabei ein guter Ansatz,
|
||
um technischen und ökologischen Hochwas-
|
||
serschutz zusammenzuführen und zu verstär-
|
||
ken. Um eine hohe Akzeptanz der Maßnah-
|
||
men zu erreichen, sollen die Menschen in die
|
||
Planung einbezogen werden.
|
||
Das Wohlergehen zukünftiger Generationen
|
||
hängt davon ab, wie sorgsam wir mit den öko-
|
||
logischen Grundlagen umgehen. Das Leitprin-
|
||
zip einer nachhaltigen Entwicklung muss sich
|
||
|
||
--- PAGE 54 ---
|
||
54
|
||
auch im tatsächlichen Handeln erweisen. Dabei
|
||
gilt es, ökonomische, ökologische und soziale
|
||
Aspekte gleichermaßen zu beachten und die
|
||
konjunkturpolitischen Maßnahmen, die eine
|
||
wegweisende Wirkung haben können, ökolo-
|
||
gisch und sozialverträglich auszugestalten.
|
||
Wir setzen uns für eine Abfallwirtschaft ein,
|
||
die sozialverträgliche Abfallgebühren erhält,
|
||
zur Abfallvermeidung beiträgt und die Res-
|
||
sourceneffizienz und den Klimaschutz bei al-
|
||
len abfallwirtschaftlichen Aktivitäten fördert.
|
||
Zudem beteiligen wir uns an einem Bundes-
|
||
programm zur Vermeidung von Plastikmüll.
|
||
Wir wollen Ressourcen schonen und Müll ver-
|
||
meiden. Das heißt auch, weitgehend auf Ein-
|
||
wegverpackungen und Einweggegenstände
|
||
zu verzichten. Die Entscheidung der EU für
|
||
ein Verbot von Einwegplastik begrüßen wir als
|
||
richtigen Schritt in diese Richtung. Darüber
|
||
hinaus werden wir uns für wirkungsvolle Maß-
|
||
nahmen zur Eindämmung von Mikroplastik
|
||
einsetzen. Im Sinne eines verantwortungsvol-
|
||
len Umgangs mit Ressourcen setzen wir uns
|
||
auch für eine Kennzeichnungspflicht der Le-
|
||
bensdauer von elektrischen Geräten und die
|
||
Erhöhung der Reparatur- und Updatefähigkeit
|
||
von Produkten ein.
|
||
Wir wollen einen energetischen Sanierungs-
|
||
fahrplan für die Landesliegenschaften er-
|
||
stellen sowie die öffentliche Beschaffung am
|
||
Leitprinzip einer nachhaltigen Entwicklung
|
||
ausrichten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• den Schutz einheimischer Tier- und Pflan-
|
||
zenbestände und die Förderung der Ar-
|
||
tenvielfalt
|
||
• ein effektives und nachhaltiges Vorgehen
|
||
gegen den Insektenrückgang
|
||
• die Umsetzung und Konkretisierung des
|
||
Biodiversitätskonzeptes
|
||
• eine weitere Umsetzung notwendiger Na-
|
||
tura-2000-Maßnahmen
|
||
• den weiteren Lückenschluss am Grünen
|
||
Band
|
||
• eine nachhaltige Sicherung von sauberem
|
||
Trinkwasser
|
||
• den verstärkten Schutz der Gewässer
|
||
• den weiteren Ausbau von Hochwasser-
|
||
schutzmaßnahmen
|
||
• eine stärkere Berücksichtigung des Prin-
|
||
zips der Nachhaltigkeit
|
||
• die Verwendung von Recyclingpapier in
|
||
der Landesverwaltung und in den Kom-
|
||
munen
|
||
• die Nutzung der Chancen von Digitalisie-
|
||
rung in der Landwirtschaft und für den
|
||
Umweltschutz
|
||
• ein perspektivisches Verbot von Glyphosat
|
||
und Neonicotinoid
|
||
• eine klimaresistente Aufforstung des Lan-
|
||
deswaldes zu Mischwald sowie mehr Wald-
|
||
brandschutzstreifen
|
||
Tierschutz
|
||
Auch Tierschutz ist für unser Land ein wichti-
|
||
ges Thema und Bestandteil verantwortungs-
|
||
voller Ernährungs-, Landwirtschafts-, Ver-
|
||
braucher*innen- und Umweltpolitik. Natur-,
|
||
Arten- und Tierschutz gehen Hand in Hand.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine verpflichtende Kastration von Frei-
|
||
gängerkatzen in Sachsen-Anhalt
|
||
• eine auskömmliche Finanzierung der Tier-
|
||
heime
|
||
• eine Registrierungspflicht für Heimtiere
|
||
• einen verpflichtenden Hundeführerschein
|
||
für alle Hundehalter*innen in Sachsen-An-
|
||
halt, der kostenlos vom Land angeboten
|
||
wird
|
||
• ein grundsätzliches Abschussverbot für
|
||
Wölfe
|
||
• ein landesweites Wildtierverbot in Zirkus-
|
||
sen und für Privatpersonen
|
||
• eine Neuklassifizierung von Tauben, so dass
|
||
diese nicht mehr als Schädlinge gelten, sowie
|
||
ein landesweites Taubenschutzprogramm
|
||
|
||
--- PAGE 55 ---
|
||
55
|
||
Was unser Land
|
||
lebenswert
|
||
macht:
|
||
kulturelles Erbe
|
||
& moderne
|
||
Gesellschaft.
|
||
Kultur
|
||
F
|
||
ür uns ist Kulturpolitik weit mehr als
|
||
Kunstgenuss und Unterhaltung, es geht
|
||
um die aktive kulturelle Beteiligung aller
|
||
Bürger*innen, um kulturelle Bildung, um den
|
||
Anspruch einer kulturellen Grundversorgung,
|
||
um den kritischen Diskurs mit Künstler*innen
|
||
und darum, Kunst und Kultur auch dort zu er-
|
||
möglichen, wo sie nicht wirtschaftlich erfolg-
|
||
reich ist oder sich – zivilgesellschaftlich beför-
|
||
dert – von alleine realisiert. Kulturpolitik stärkt
|
||
Orte des gesellschaftlichen Selbstgesprächs
|
||
neben und jenseits von Kunstmarkt und Kultur-
|
||
industrie. Kultur schafft Zugehörigkeit, Behei-
|
||
matung und repräsentiert Werte und Normen.
|
||
Kunst und Kultur sind für uns die elementa-
|
||
re Basis von Demokratie, denn sie haben als
|
||
Werte- und Zielverständigung zentrale Be-
|
||
deutung. Unsere Demokratie kann nur funkti-
|
||
onieren, wenn sie diese Werte lebt und jedem
|
||
Einzelnen die Freiheit und Möglichkeit eröff-
|
||
net, an ihr teilzuhaben, Positionen und Werte
|
||
zu reflektieren und Orientierung zu geben.
|
||
Unsere Kulturpolitik findet sich nicht mit der
|
||
Ausdifferenzierung von Gesellschaft in politi-
|
||
sche und soziale Milieus ab und wirkt neuen
|
||
gesellschaftlichen Spaltungen und Ausgren-
|
||
zungen entgegen. Unsere Kulturpolitik wird
|
||
sich dagegen wehren, wenn Kultur auf eine
|
||
Identitäts- und Eventkultur mit Rentabilität re-
|
||
duziert und Kulturförderung per se in Frage
|
||
gestellt wird.
|
||
Es bereitet uns Sorge, dass es politische Kräf-
|
||
te in unserer Gesellschaft gibt, welche die ver-
|
||
fassungsgemäße Freiheit von Kunst und Kul-
|
||
tur in Frage stellen, Zensur befürworten, in die
|
||
Spielpläne von Theatern eingreifen wollen und
|
||
Druck ausüben, um Konzerte abzusagen. Wir
|
||
stehen für ein kulturell offenes Land und wer-
|
||
den uns allen ideologischen Eingriffen, Beein-
|
||
flussungen und Angriffen auf die Kunst- und
|
||
Kulturfreiheit entgegenstellen.
|
||
Der Staat darf sich aus der bestehenden Ver-
|
||
antwortung für Kunst und Kultur weder zu-
|
||
rückziehen noch die Kulturförderung als reine
|
||
Dienstleistung organisieren. Wir setzen uns
|
||
für eine nachhaltige, soziale und geschlech-
|
||
tergerechte Kulturförderung ein.
|
||
Wir stehen auch im Kulturbereich für soziale
|
||
Gerechtigkeit. Künstlerische Autonomie und
|
||
freischaffende Tätigkeiten bedeuten häufig
|
||
finanzielle und soziale Unsicherheit. Dort wo
|
||
der Staat Fördermittel vergibt, soll es ver-
|
||
pflichtende soziale Mindeststandards und
|
||
Mindesthonorare, insbesondere in der freien
|
||
Kultur- und Projektförderung geben. Es darf
|
||
keine öffentlichen Mittel für Vorhaben geben,
|
||
die auf Selbstausbeutung setzen.
|
||
Die Theater und Orchester sind das kulturel-
|
||
le Herz in Stadt und Land. Die Theater- und
|
||
Orchesterverträge sollen mehrjährig verläss-
|
||
lich fortgeschrieben werden. Im Land gibt es
|
||
zahlreiche Kulturhäuser – ohne eigene Ensem-
|
||
bles oder Orchester –, die das Kulturangebot
|
||
sichern. Sie sollen stärker gefördert werden.
|
||
Trotz des vielfältigen öffentlichen Kulturan-
|
||
gebots hat die kulturelle Partizipation in den
|
||
letzten Jahren kaum zugenommen. Noch im-
|
||
mer gilt, wer in frühen Jahren nicht ins Thea-
|
||
ter, in die Oper oder in Ausstellungen geht, tut
|
||
dies meist auch später nicht. Die soziale Spal-
|
||
tung der Gesellschaft äußert sich auch in der
|
||
kulturellen Teilhabe. Die Integrationsgeschich-
|
||
te zugewanderter Bürger*innen, die Anerken-
|
||
nung kultureller Vielfalt sowie interkulturelle
|
||
Aspekte sollen stärker berücksichtigt werden.
|
||
Sachsen-Anhalt ist ein Land voller Kulturreich-
|
||
tümer. Es ist unsere Verantwortung, dieses
|
||
einzigartige kulturelle Erbe in seiner Vielfalt
|
||
zu erhalten und zu pflegen. Unsere Stiftungen
|
||
leisten dazu einen erheblichen Beitrag.
|
||
Die zahlreichen kleinen und großen Museen
|
||
im Land bewahren und erforschen unser kul-
|
||
turelles Erbe. Sie sind Lernort für uns alle, aber
|
||
|
||
--- PAGE 56 ---
|
||
56
|
||
auch Wissenschaftsstandorte und touristische
|
||
Anziehungspunkte. Wir wollen die Museums-
|
||
landschaft weiterentwickeln. Mit der Indust-
|
||
riekultur haben wir einen noch ungehobenen
|
||
Schatz, der einer langfristigen Strategie bedarf.
|
||
Zu unserem reichen kulturellen Erbe gehört
|
||
auch die Musik. Die zahlreichen Musikfeste,
|
||
die sich in der Nachwuchsarbeit engagieren
|
||
und zu touristischen Anziehungspunkten ge-
|
||
worden sind, sollen sich weiter entfalten. Zu
|
||
den Musikfestivals gehört auch die Neue Mu-
|
||
sik, deren erfolgreiche Arbeit fortgesetzt wer-
|
||
den soll. Die kommunalen und privaten Musik-
|
||
schulen sind wichtige Orte der kulturellen und
|
||
musischen Bildung, und wir sind der Überzeu-
|
||
gung, dass jedes Kind die Möglichkeit haben
|
||
soll, ein Instrument zu erlernen. Wir setzen
|
||
uns für eine gleichberechtigte Förderung von
|
||
privaten und kommunalen Musikschulen ein.
|
||
Um kulturelle Teilhabe für alle zu gewährleis-
|
||
ten, setzen wir uns für Barrierefreiheit in den
|
||
Einrichtungen und bei Veranstaltungen ein.
|
||
Barrierefreiheit bedeutet nicht nur den un-
|
||
mittelbaren Zugang, sondern umfasst auch
|
||
den digitalen Bereich, Hilfen zum Hören und
|
||
Sehen, Mobilität und Sprache.
|
||
Kulturelle Angebote sollen auch im ländlichen
|
||
Raum erhalten bleiben. Wir wollen ehrenamt-
|
||
liche Initiativen fördern. Die Nutzung von Or-
|
||
ten im ländlichen Raum („Dritte Orte“) soll mit
|
||
einem Landesprogramm gefördert werden.
|
||
Wir wollen die freie Szene für den ländlichen
|
||
Raum ertüchtigen und setzen uns für einen
|
||
Mobilitätsfonds in Höhe von 100.000 Euro ein.
|
||
Soziokultur ist eine genre-, generationen- und
|
||
altersübergreifende, anerkannte kulturelle
|
||
Praxis in den Städten und vor allem im länd-
|
||
lichen Raum. Die soziokulturellen Zentren sind
|
||
Orte des einfachen Zugangs zu Kultur und
|
||
kultureller Bildung, Orte der Begegnung, des
|
||
Kennenlernens und somit wichtig für die Mei-
|
||
nungsbildung. Sie können so einen wichtigen
|
||
Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten.
|
||
Insbesondere in einer sich immer diffuser
|
||
differenzierenden Gesellschaft braucht es
|
||
eine strukturierte Heranführung und Vermitt-
|
||
lung von Kunst und Kultur der Kinder- und
|
||
Jugendlichen durch kulturelle Bildung. Sie
|
||
unterstützt die Toleranz und Weltoffenheit
|
||
in der Kulturproduktion, Lebensführung und
|
||
Denkweisen zu akzeptieren und ermöglicht
|
||
somit auch eine aktive Teilnahme an kultu-
|
||
rellen Prozessen. Insbesondere die Lese- und
|
||
Schreibförderung wird hierbei die Orientie-
|
||
rung in einer sich digitalisierenden Welt er-
|
||
leichtern. Wir wollen noch mehr Kinder aus
|
||
sozial benachteiligten Schichten mit kulturel-
|
||
ler Bildung erreichen.
|
||
Kulturpolitik muss ihre Konzepte, Instru-
|
||
mente, Mechanismen und Wirkungsweisen
|
||
immer wieder vor dem Hintergrund von ge-
|
||
sellschaftlichen Veränderungen wie dem de-
|
||
mographischen und kulturellen Wandel in
|
||
Stadt und Land und veränderten Interessen-
|
||
lagen sowie mit Bezug auf die Querschnitts-
|
||
felder Kulturtourismus und Kulturwirtschaft
|
||
reflektieren. Die SPD will daher die partizi-
|
||
pative Kulturentwicklungsplanung voran-
|
||
bringen. Es sollen Potential- und Netzwerk-
|
||
analysen für eine bessere Kooperation in den
|
||
Regionen erstellt werden.
|
||
Die Landeshauptstadt Magdeburg hat mit
|
||
der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas
|
||
einen vielfältigen Kulturentwicklungsprozess
|
||
in der Stadt angestoßen, der unterstützt und
|
||
fortgeführt werden sollte. Die wertvollen Er-
|
||
fahrungen aus dem Bewerbungsprozess, die
|
||
Vernetzung der Akteur*innen und Einrichtun-
|
||
gen dürfen nicht verloren gehen.
|
||
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf
|
||
den Kulturbereich waren und sind verheerend.
|
||
Über Monate waren Einrichtungen geschlos-
|
||
sen, fanden keine Aufführungen statt, und
|
||
viele Künstler*innen sind aufgrund fehlender
|
||
Einnahmen in finanzielle Existenznot geraten.
|
||
Die zahlreichen Hilfsprogramme von Bund
|
||
und Land konnten ein Sicherheitsnetz span-
|
||
nen, welches das Schlimmste verhindert hat.
|
||
Trotzdem sind die langfristigen Auswirkungen
|
||
nicht zu übersehen. Wir werden uns weiterhin
|
||
dafür einsetzen, dass Einnahmeausfälle und
|
||
Defizite der Einrichtungen kompensiert wer-
|
||
den. Dabei fordern wir eine besondere Unter-
|
||
stützung von Soloselbständigen in der Kultur-
|
||
und Kreativwirtschaft.
|
||
Die Pandemie hat die digitale Entwicklung,
|
||
Präsentation, Ausdrucksweise und Kompe-
|
||
tenz von Kultureinrichtungen beschleunigt.
|
||
Wir wollen das unterstützen und ein Förder-
|
||
programm zur Entwicklung von digitalen Kul-
|
||
turformaten auflegen. Digitale Vermittlungs-
|
||
formate und digitale Kultur sollen zukünftig
|
||
selbstverständlich dazugehören.
|
||
|
||
--- PAGE 57 ---
|
||
57
|
||
Die Kultur- und Kreativwirtschaft gehört zu den
|
||
umsatzstärksten Wirtschaftszweigen im Land
|
||
und soll sich auch weiterhin gut entwickeln.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• verpflichtende soziale Mindeststandards
|
||
und Mindesthonorare beim Einsatz öf-
|
||
fentlicher Mittel, insbesondere in der freien
|
||
Kultur- und Projektförderung. Nötig sind
|
||
die tarifliche Bezahlung an allen Einrich-
|
||
tungen, die Abschaffung von Haustarifen
|
||
und verpflichtende Teilzeitvereinbarungen
|
||
• Geschlechtergerechtigkeit in öffentlichen
|
||
Gremien und Beiräten und mehr Familien-
|
||
stipendien zur Vereinbarkeit von Familie
|
||
und Beruf
|
||
• eine Modernisierung der Förderinstrumen-
|
||
te und der Zuwendungspraxis mit Nach-
|
||
haltigkeitskriterien, eine Vereinfachung
|
||
der Antrags- und Abrechnungsverfahren
|
||
sowie mehr über- und mehrjährige Verträ-
|
||
ge bei langjährig geförderten Projekten. Es
|
||
soll Kulturförderberichte geben
|
||
• einen kommunalen Kulturlastenausgleich
|
||
für Kommunen, die sich (finanziell) beson-
|
||
ders stark in der Kulturförderung engagie-
|
||
ren. Sie sollen einen Zuschuss erhalten
|
||
• eine Fortschreibung der mehrjährigen
|
||
Theater- und Orchesterverträge sowie
|
||
eine Überprüfung der Trägerstruktur der
|
||
Theater. Es soll eine Gastspielhäuserförde-
|
||
rung von 350.000 Euro pro Jahr geben,
|
||
die Angebote im ländlichen Raum sichert.
|
||
Theaterpädagogische Projekte für Kinder
|
||
und Jugendliche sind Formen der kultu-
|
||
rellen und demokratischen Bildung und
|
||
sollen im ganzen Land gefördert werden
|
||
• eine Publikumsforschung, Ideen für eine
|
||
stärkere Kulturnutzung sowie eine stärkere
|
||
Beachtung interkultureller Aspekte
|
||
• mehr Barrierefreiheit in den Kultureinrich-
|
||
tungen und bei Veranstaltungen
|
||
• eine deutliche Anhebung der Landesmittel
|
||
für die Musikschulen, um mehr Kindern das
|
||
Erlernen eines Instruments zu ermöglichen
|
||
• eine konzeptionelle Weiterentwicklung der
|
||
Museumslandschaft und der Industriekultur
|
||
• eine Absicherung und Weiterentwicklung
|
||
der kommunalen öffentlichen Bibliotheken
|
||
• ein Depot für das Kunstmuseum Moritz-
|
||
burg und eine stärkere finanzielle Betei-
|
||
ligung des Bundes an der Kulturstiftung
|
||
Dessau-Wörlitz
|
||
• ein Förderprogramm für digitale Vermitt-
|
||
lungsformate und Digitalisierung in den
|
||
Kultureinrichtungen
|
||
• ein Landesprogramm Soziokultur
|
||
• eine Kulturentwicklungsplanung in Modell-
|
||
regionen und eine partizipative Fortschrei-
|
||
bung des Landeskulturkonzepts
|
||
• mehr Schutz für das jüdische Erbe in Sach-
|
||
sen-Anhalt und Erschließung des Zugangs
|
||
für die Öffentlichkeit
|
||
Medien
|
||
F
|
||
reie und unabhängige Medien sind ein
|
||
unverzichtbarer Baustein unserer Demo-
|
||
kratie. Zu dieser Medienvielfalt gehören
|
||
neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk
|
||
die privaten Radio- und Fernsehsender, die
|
||
Bürger*innenmedien, die Lokalsender und
|
||
offenen Kanäle. Zu freien und unabhängigen
|
||
Medien gehören aber auch Medienkompetenz,
|
||
Medienbildung und Kinder- und Jugendmedi-
|
||
enschutz. Wir stehen dafür, dass diese wichti-
|
||
ge Arbeit auch zukünftig finanziell gesichert
|
||
ist. Sachsen-Anhalt hat sich als leistungsfähi-
|
||
ger und kreativer Medienstandort entwickelt,
|
||
hier gilt es anzuknüpfen. Zusätzlich ist die
|
||
Digitalisierung auch für Medienschaffende in
|
||
Sachsen-Anhalt eine stete Herausforderung.
|
||
Moderne Medien kommen ohne parallele On-
|
||
lineangebote nicht aus.
|
||
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk nimmt
|
||
für uns eine besondere Stellung in der Me-
|
||
dienlandschaft ein. Als von allen Bürger*in-
|
||
nen sowie Unternehmen beitragsfinanziertes
|
||
Rundfunk- und Fernsehangebot ist der breite
|
||
Versorgungsauftrag mit allen Dienstleistungen
|
||
und Angeboten sicherzustellen. Hierzu bedarf
|
||
es der stetigen Weiterentwicklung der Staats-
|
||
verträge, verbunden mit den notwendigen
|
||
|
||
--- PAGE 58 ---
|
||
58
|
||
Anpassungen an neue technische und recht-
|
||
liche Entwicklungen. Öffentlich-rechtliche Me-
|
||
dienangebote sollen allen Nutzer*innen weiter
|
||
frei zugänglich sein. Hierzu gehören auch die
|
||
Onlineangebote und Mediatheken.
|
||
Besonderes Augenmerk legen wir auf unse-
|
||
re Drei-Länder-Anstalt, den Mitteldeutschen
|
||
Rundfunk. Er soll zukünftig stärker die re-
|
||
gionalen Informationsangebote bereitstellen
|
||
und die Identifikation mit dem Land Sachsen-
|
||
Anhalt als wesentlichem Teil des Sendege-
|
||
bietes stärken. Dabei sollen durch moderne
|
||
Programmformate und Inhalte auch jünge-
|
||
re Generationen angesprochen werden. Wir
|
||
brauchen deshalb einen modernen und zu-
|
||
kunftsfähigen MDR-Staatsvertrag, der neben
|
||
der staatsfernen Gremienbesetzung auch
|
||
eine wirtschaftliche und effiziente Mittelver-
|
||
wendung sicherstellt, zum Beispiel durch die
|
||
Begrenzung der Intendanten- und Direktoren-
|
||
gehälter sowie den Abbau von Doppelstruktu-
|
||
ren. Dabei werden wir darauf achten, dass die
|
||
Interessen Sachsen-Anhalts gesichert sind.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine grundlegende Rückendeckung für
|
||
die plurale und an demokratischen Werten
|
||
ausgerichtete Medienlandschaft in Sach-
|
||
sen-Anhalt. Wir stellen uns Diffamierungen
|
||
von rechts entschieden entgegen
|
||
• eine Stärkung der Medienbildung und der
|
||
Entwicklung von Medienkompetenz als
|
||
Kernanliegen von der frühkindlichen Bil-
|
||
dung bis zur Erwachsenenbildung
|
||
• mehr Einsatz für einen wirksamen Kinder-
|
||
und Jugendmedienschutz, insbesondere
|
||
im virtuellen Raum
|
||
• eine ausreichende finanzielle Basis für die
|
||
Landesmedienanstalt durch einen gesi-
|
||
cherten Anteil an den Beitragseinnahmen
|
||
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
|
||
• einen weiterhin kritischen, aber konst-
|
||
ruktiven Dialog mit den öffentlich-recht-
|
||
lichen Rundfunkanstalten, der bei weiterer
|
||
Erfüllung des Programmauftrags und der
|
||
Sicherung journalistischer Unabhängigkeit
|
||
zu Einsparpotentialen führt
|
||
• eine stärkere Verbreitung moderner Über-
|
||
tragungstechnologien. Dabei muss sicher-
|
||
gestellt sein, dass die Medienangebote für
|
||
alle Nutzer*innen verfügbar sind
|
||
• die weitere Unterstützung lokaler und re-
|
||
gionaler privater Rundfunkveranstalter für
|
||
Medienvielfalt in unserem Land und für die
|
||
Präsenz regionaler Themenschwerpunkte
|
||
• die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller
|
||
Mittel bei Wahrung der Programmfreiheit
|
||
für die Arbeit der Bürger*innenmedien,
|
||
der offenen Kanäle und der nicht kommer-
|
||
ziellen Lokalradios
|
||
• die weitere Stärkung des Dreh- und Pro-
|
||
duktionsstandorts Sachsen-Anhalt. Wir
|
||
wollen hierzu die Mitteldeutsche Medien-
|
||
förderung auch künftig entsprechend aus-
|
||
statten. Dabei sollen nachhaltige Effekte für
|
||
unser Land stärker berücksichtigt werden
|
||
Sport
|
||
Sportland Sachsen-Anhalt
|
||
S
|
||
achsen-Anhalt ist ein Sportland. Über
|
||
350.000 Mitglieder sind in über 3.000
|
||
Vereinen organisiert. Dort geht es natür-
|
||
lich um die Jagd nach Punkten, Toren, Sekun-
|
||
den und Medaillen, es geht aber auch um das
|
||
Miteinander im Verein, um Sportsgeist, Mensch-
|
||
lichkeit, Fairness und den Respekt vor dem
|
||
sportlichen Gegner, denn Sport ist mehr als
|
||
Bewegung, mehr als körperliche Ertüchtigung.
|
||
Der Sport hat in uns glühende Partner*innen
|
||
und Unterstützer*innen. Wir wollen die best-
|
||
möglichen Rahmenbedingungen für den Leis-
|
||
tungssport und den Breiten-, Freizeit-, Behin-
|
||
derten- und Gesundheitssport schaffen. Das
|
||
umfasst auch die Förderung des Ehrenamts,
|
||
des Engagements gegen Rassismus und Ge-
|
||
walt, des Engagements für Gleichstellung so-
|
||
wie die Stärkung der Inklusion durch Sport.
|
||
Vom Kindes- bis zum Senior*innenalter müs-
|
||
sen daher vermehrt Angebote vorgehalten
|
||
werden, die körperliche Aktivitäten und regel-
|
||
mäßige Bewegung ermöglichen.
|
||
Das ehrenamtliche Engagement in den Ver-
|
||
einen ist einer der Grundpfeiler des Sports.
|
||
Seine Bedeutung für alle Bereiche des Sports
|
||
|
||
--- PAGE 59 ---
|
||
59
|
||
kann gar nicht hoch genug gewürdigt wer-
|
||
den. Die vielen ehrenamtlichen Übungslei-
|
||
ter*innen sind das Rückgrat der Vereine. Gro-
|
||
ßer Dank gilt aber auch den Eltern, die sich
|
||
in den Vereinen ihrer Kinder mit einbringen.
|
||
Sport ist ein Kitt der Gesellschaft. Wir wollen,
|
||
dass er das bleibt.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine verlässliche Finanzierung des Sports.
|
||
Wir werden die vereinfachte Sportförde-
|
||
rung für Vereine, Kreis- und Stadtsport-
|
||
bünde sowie die Landesfachverbände
|
||
fortführen. Träger dieser autonomen
|
||
Sportförderung bleibt der Landessport-
|
||
bund. Dabei darf die Förderung nur an
|
||
Vereine ausgeben, die sich nicht diskrimi-
|
||
nierend oder rassistisch verhalten und Be-
|
||
mühungen anstrengen, solchen Tendenzen
|
||
entgegenzuwirken
|
||
• eine gesicherte Förderung des Olympia-
|
||
stützpunktes Sachsen-Anhalt, der Bun-
|
||
desstützpunkte und Leistungszentren,
|
||
Sportinternate und Mensen und der Lan-
|
||
dessportschule Osterburg. Dabei ist uns
|
||
die tarifgerechte Entlohnung der Beschäf-
|
||
tigten wichtig
|
||
• auch in Zukunft notwendige Investitionen
|
||
in bestehende oder neue Sportstätten.
|
||
Dabei werden wir ein besonderes Augen-
|
||
merk auf die Schwimmhallen legen. Sie
|
||
sind eine unverzichtbare Voraussetzung
|
||
dafür, dass möglichst alle Kinder und Ju-
|
||
gendlichen schwimmen lernen. Vor dem
|
||
Hintergrund des Klimawandels wollen wir
|
||
einen Platzpflegezuschuss für Vereine
|
||
ohne Kunstrasenplatz
|
||
• eine Unterstützung der Vereine bei der
|
||
Digitalisierung ihrer Vereinsarbeit. Zu-
|
||
dem wollen wir den Sport bei wichtigen
|
||
Themen wie der Aufarbeitung von Fällen
|
||
sexuellen Missbrauchs sowie Inklusion, In-
|
||
tegration und Gleichstellung unterstützen.
|
||
Dafür soll der Landessportbund drei zu-
|
||
sätzliche Stellen bekommen
|
||
• verbesserte Bedingungen für die jun-
|
||
gen Athlet*innen an den Eliteschulen des
|
||
Sports. Sie sollen nicht nur sportliche
|
||
Höchstleistungen bringen, sondern auch
|
||
eine hervorragende Schulbildung genießen.
|
||
Dafür brauchen sie optimale Bedingun-
|
||
gen. Dazu gehören zum Beispiel der Weg-
|
||
fall von allgemeinem Sportunterricht für
|
||
L-Schüler*innen, optimale Klassengrößen,
|
||
flexible Grenzen für die Bildung von Kurs-
|
||
stufen und eine bessere Vereinbarkeit der
|
||
Tätigkeit als Lehrer*in und Trainer*in. Hier-
|
||
zu bedarf es der Prüfung der Überführung
|
||
der Eliteschulen des Sports in die Träger-
|
||
schaft des Landes Sachsen-Anhalt
|
||
• duale Karrieremöglichkeiten für Spitzen-
|
||
sportler*innen, damit Training, Wettbe-
|
||
werbe und Berufsleben unter einen Hut
|
||
passen. Um den Zugang zum Studium zu
|
||
erleichtern, haben wir eine Spitzensport-
|
||
Profilquote eingeführt
|
||
• die Zusammenarbeit von Kindertagesstät-
|
||
ten, Schulen und Vereinen. Trainer*innen
|
||
und Lehrkräfte brauchen gute Möglichkei-
|
||
ten der Zusammenarbeit. Die „Arbeitsge-
|
||
meinschaften Sport in Schule und Verein“
|
||
und die Organisation von Sportangeboten
|
||
in den Ganztagsschulen sind dafür eine
|
||
gute Grundlage
|
||
• die Jugendleiter*in-Card (Juleica), die als
|
||
bundesweit einheitlicher Ausweis ein wich-
|
||
tiger Baustein für qualifiziertes ehrenamt-
|
||
liches Engagement in der Kinder- und Ju-
|
||
gendarbeit bleibt
|
||
• uneingeschränkt dopingfreien Spitzen-
|
||
sport in Sachsen-Anhalt. Junge Sport-
|
||
ler*innen und ihre Eltern müssen darauf
|
||
vertrauen können, dass sie ihre Leistungen
|
||
allein durch hartes Training erreichen kön-
|
||
nen. Wir unterstützen den Landessport-
|
||
bund und die Landesfachverbände bei
|
||
ihren Anti-Doping-Aktivitäten
|
||
• das Engagement im Sportehrenamt. Um
|
||
es zu würdigen, wollen wir die Ehrungsver-
|
||
anstaltungen des Landes Sachsen-Anhalt
|
||
verstetigen. Wir setzen uns für die Verab-
|
||
schiedung eines Ehrenamtsgesetzes ein,
|
||
welches die Belange und Bedarfe ehren-
|
||
amtlicher Betätigung anerkennt und an-
|
||
gemessen würdigt
|
||
• ein Haus des Sports in Halle, das den or-
|
||
ganisierten Sport in seiner ganzen Vielfalt
|
||
repräsentiert und den Vereinsservice des
|
||
Landessportbundes Sachsen-Anhalt für
|
||
die Sportvereine auf eine nachhaltige in-
|
||
stitutionelle Grundlage stellt
|
||
|
||
--- PAGE 60 ---
|
||
60
|
||
E-Sport
|
||
E-Sport ist ein wachsender gesellschaftlicher
|
||
Trend, der auch in Sachsen-Anhalt an Bedeu-
|
||
tung gewinnt. Es gründen sich neue Vereine,
|
||
in denen sich viele Menschen ehrenamtlich
|
||
engagieren. Sie sind nicht nur der Ort für den
|
||
Wettkampf in Computerspielen, sie sind auch
|
||
der Ort für Präventionsarbeit, Diskussionskul-
|
||
tur, Jugendfreizeitgestaltung und die Vermitt-
|
||
lung von Medienkompetenz.
|
||
Unabhängig davon, ob E-Sport als Sportart
|
||
anerkannt wird, werden wir das ehrenamtliche
|
||
Engagement in diesem Bereich unterstützen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Änderung der Abgabenordnung, mit
|
||
der E-Sport als gemeinnützig anerkannt
|
||
wird
|
||
• eine Förderung der Akzeptanz des E-
|
||
Sports, indem wir ihn als Bereich der Ju-
|
||
gendarbeit anerkennen
|
||
• Leitlinien für eine Förderung von E-Sport,
|
||
die wir mit dem E-Sport-Verband erarbei-
|
||
ten werden. Sie sollen die Trainer*innen-
|
||
ausbildung, Aufwandsentschädigungen,
|
||
die Vermittlung von Medienkompetenz,
|
||
Prävention gegen Spielsucht und Förde-
|
||
rung eines fairen Miteinanders beinhalten
|
||
• einen Dialog zwischen traditionellem Sport
|
||
und E-Sport. Wir unterstützen einen sol-
|
||
chen Dialog, ohne in die Autonomie des
|
||
Sports einzugreifen
|
||
• die Förderung einer E-Sport Trainer*innen-
|
||
ausbildung
|
||
|
||
--- PAGE 61 ---
|
||
61
|
||
Wie wir Stadt und
|
||
Land zusammen-
|
||
bringen:
|
||
schnelles Netz & ein
|
||
Bus in jedes Dorf.
|
||
Digitalisierung
|
||
D
|
||
ie digitale Transformation ist einer der
|
||
Megatrends unserer Zeit. Praktisch je-
|
||
der Lebensbereich wird von ihr erfasst.
|
||
Das schafft eine Lebens-, Arbeits- und Lern-
|
||
welt im ständigen Wandel. Es ist uns wichtig,
|
||
dass die Bürger*innen unseres Landes frei und
|
||
selbstbestimmt an dieser digitalen Zukunft teil-
|
||
haben können. Das bedeutet auch lebenslan-
|
||
ges Lernen – im privaten Bereich ebenso wie
|
||
im Berufsleben. Als SPD wollen wir allen die
|
||
Chancen der Digitalisierung zugänglich ma-
|
||
chen – für ein zukunftsfestes Sachsen-Anhalt.
|
||
Die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell
|
||
auch in kleinen Unternehmen, aber auch in
|
||
der Verwaltung Digitalisierungsschritte ergrif-
|
||
fen werden, wenn die dringende Notwendig-
|
||
keit besteht. Wir wollen den Schwung dieser
|
||
Entwicklung mitnehmen und als Land den
|
||
digitalen Fortschritt in allen Bereichen des
|
||
Wirtschaftens und Arbeitens noch aktiver be-
|
||
gleiten und gezielter unterstützen.
|
||
Für die SPD ist klar: Digitalisierung als Chance
|
||
bedeutet auch, alle Facetten der Entwicklun-
|
||
gen genau im Auge zu behalten und bei Be-
|
||
darf gegenzusteuern. In der digitalen Arbeits-
|
||
welt muss der Mensch im Mittelpunkt stehen.
|
||
Die Aushöhlung von Arbeitnehmer*innen-
|
||
rechten durch die Hintertür ist mit uns nicht
|
||
zu machen.
|
||
Damit Frauen ihr Potential im digitalen Zeit-
|
||
alter voll entfalten können, darf der Zugang
|
||
zur Infrastruktur und zu Angeboten im Netz
|
||
nicht vom Geschlecht abhängen. Bei der
|
||
Anwendung von Algorithmen muss die ge-
|
||
schlechterneutrale Programmierung sicher-
|
||
gestellt werden.
|
||
Gleichzeitig muss der Staat auf allen Ebenen
|
||
offener und digitaler werden. Digitale Dienst-
|
||
leistungen und offene Informationszugänge
|
||
müssen der Standard sein, nicht die Ausnah-
|
||
me. Das wollen wir als Land gemeinsam mit
|
||
unseren kommunalen Partner*innen anpacken.
|
||
Beim Infrastrukturausbau hat Sachsen-An-
|
||
halt in der letzten Legislaturperiode das Tem-
|
||
po deutlich beschleunigt, aber es gibt noch
|
||
viel zu tun. Waren vor einigen Jahren noch
|
||
50 Mbit-Anschlüsse ausreichend, steigen
|
||
jetzt längst die Ansprüche von Unternehmen,
|
||
Hochschulen, aber auch von Privatpersonen.
|
||
Wir wollen Sachsen-Anhalt schnell und flä-
|
||
chendeckend in das Gigabit-Zeitalter führen.
|
||
Auch beim Mobilfunk müssen Funklöcher der
|
||
Vergangenheit angehören. Indem 5G flächen-
|
||
deckend möglich wird, sorgen wir in Zukunft
|
||
dafür, dass der Fortschritt nicht an den Stadt-
|
||
grenzen endet, sondern der ländliche Raum
|
||
digitale Chancen gleichberechtigt nutzen
|
||
kann. Die Grundlage dafür schaffen wir zu-
|
||
nächst mit dem Lückenschluss im LTE-Netz
|
||
und bei der Breitbandversorgung.
|
||
Die Modernisierung der Infrastruktur ist aber
|
||
nur die technische Grundlage des digitalen
|
||
Wandels. Mit der Digitalen Agenda hat unser
|
||
Land einen wesentlichen Schritt unternom-
|
||
men und den Handlungsbedarf für den digi-
|
||
talen Wandel in vielen Bereichen definiert und
|
||
den damit einhergehenden Transformations-
|
||
prozess gestaltet. Wir wollen auf positiven
|
||
Beispielen aufbauen, aber Digitalisierung und
|
||
den damit verbundenen Kulturwandel noch
|
||
stärker als Querschnittsaufgabe verstehen.
|
||
Bisher innerhalb der Landesregierung ge-
|
||
trennte Kompetenzen für digitalen Wandel
|
||
und IT-Infrastruktur müssen in einer Hand,
|
||
zum Beispiel einem eigenständigen Digitalmi-
|
||
nisterium, zusammengeführt werden. Mit der
|
||
Weiterentwicklung der Digitalen Agenda und
|
||
dem Aufbau einer Digitalagentur des Landes
|
||
zeigen wir zusätzlich, dass wir den digitalen
|
||
Wandel als zentrale Aufgabe und große Chan-
|
||
ce für Sachsen-Anhalt wahrnehmen.
|
||
Den Netzausbau auf die nächste Stufe heben
|
||
Für gleichwertige Lebens- und Wettbewerbs-
|
||
bedingungen in Stadt und Land, in der Klein-
|
||
stadt wie in der Großstadt braucht es eine
|
||
flächendeckende Netzinfrastruktur auf der
|
||
Höhe der Zeit. Menschen wohnen dort, wo
|
||
|
||
--- PAGE 62 ---
|
||
62
|
||
es Infrastrukturen gibt! Dabei ist es nicht ak-
|
||
zeptabel, dass es durch die Versteigerungs-
|
||
bedingungen des Bundes derzeit noch weiße
|
||
Flecken und damit jede Menge Funklöcher in
|
||
dünner besiedelten Regionen oder an wichti-
|
||
gen Verkehrstrassen gibt. Ein Lückenschluss
|
||
mit Mobilfunksendemasten und ein flächende-
|
||
ckendes Glasfasernetz entsprechend den Zie-
|
||
len der Gigabit-Strategie des Landes – auch
|
||
als Grundlage für die Zukunftstechnik 5G – ist
|
||
dafür die richtige Antwort. Neben den Mobil-
|
||
funkbetreibern muss auch das Land dafür sor-
|
||
gen, dass keine Lücken im Netz bleiben. Für
|
||
die digitale Teilhabe einer*eines jeden Einzel-
|
||
nen bieten freies WLAN und Freifunk ein Netz
|
||
ergänzender Zugänge, von dem auch der Tou-
|
||
rismus im Land profitiert.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Versorgung mit einem breitbandigen
|
||
Internetanschluss – kabelgebunden oder
|
||
mobilfunkgestützt – für alle Bürger*innen
|
||
so schnell wie möglich, spätestens jedoch
|
||
bis 2025. Hierfür werden wir Mittel in drei-
|
||
stelliger Millionenhöhe bereitstellen
|
||
• ein flächendeckendes Glasfasernetz (ent-
|
||
sprechend der Gigabit-Strategie)
|
||
• kommunale Auffanglösungen: Verweigern
|
||
die großen Provider den örtlichen Ausbau,
|
||
muss die Kommune in die Lage versetzt
|
||
werden, dies in eigener Regie mit Unter-
|
||
stützung des Landes vorzunehmen. Für
|
||
solche Fälle muss das nachträgliche Ver-
|
||
legen paralleler Netze durch andere Pro-
|
||
vider untersagt sein
|
||
• das Schließen der Funklöcher im 4G-Netz
|
||
auch auf dem Land
|
||
• den Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes als
|
||
Grundlage für die Nutzung wissenschaft-
|
||
licher und wirtschaftlicher Innovationen
|
||
sowie autonomer Mobilitätskonzepte für
|
||
Straße, Schiene und Wasserweg
|
||
• eine Initiative, die sich öffentlichkeitswirk-
|
||
sam und mit neutralen Informationen den
|
||
Sorgen und Bedenken der Menschen be-
|
||
züglich neuer Digitaltechniken widmet
|
||
• die Aufstockung des WLAN-Programms
|
||
und der Freifunkförderung
|
||
• die Bereitstellung eines für moderne An-
|
||
wendungen ausreichenden Uploads bei
|
||
allen Ausbau- und Fördermaßnahmen
|
||
Die Verwaltung auf allen Ebenen digitaler
|
||
und damit bürger*innennäher aufstellen
|
||
Noch sind zu wenige Dienstleistungen von
|
||
Land und Kommunen digitalisiert. Niemandem
|
||
kann man erklären, warum man für die Anmel-
|
||
dung des Haustiers persönlich den Weg zum
|
||
Amt antreten muss. Gerade in ländlichen Re-
|
||
gionen summiert sich schnell der Zeitverlust
|
||
durch Behördengänge. Im Fall von Unterneh-
|
||
men ist das ein echter Wettbewerbsnachteil.
|
||
Damit Bürger*innen, aber auch Unternehmen
|
||
Zeit und Geld sparen, lautet unsere Maxime:
|
||
wenige Klicks statt lange Fahrten. Unsere
|
||
Maßstäbe für die digitale Verwaltung sind da-
|
||
bei Nutzerfreundlichkeit und die Absicherung
|
||
von Datenschutz, Persönlichkeitsrechten und
|
||
allgemeiner digitaler Souveränität. Länder wie
|
||
Estland machen es uns vor: Sie wagen digita-
|
||
le Innovationen, schaffen aber zugleich Ver-
|
||
trauen in die Sicherheit der neuen Angebote.
|
||
Wir wollen beim E-Government den nächsten
|
||
Schritt gehen, und zwar zusammen mit den
|
||
Städten und Gemeinden unseres Landes.
|
||
Dabei unterstützen wir aktiv die „Open“-Be-
|
||
wegungen, insbesondere Open Data und
|
||
Open Source. Wir treten ein für eine offene
|
||
Verwaltung, eine offene Wissenschaft, offene
|
||
Kulturgüter und die Freie-Software-Bewe-
|
||
gung. Insbesondere der IT-Bereich wird do-
|
||
miniert von wenigen Monopolen. Open Source
|
||
könnte wieder einen Markt beleben sowie die
|
||
digitale Souveränität fördern.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die digitale Verwaltung, in der bis 2022
|
||
alle Verwaltungsdiensteistungen von den
|
||
Kommunen bis zum Land digital angebo-
|
||
ten werden. Deswegen werden wir eine
|
||
umfassende E-Government-Strategie für
|
||
Sachsen-Anhalt etablieren und umsetzen
|
||
• die Unterstützung von Kommunen, die in
|
||
Kooperation mit IT-Unternehmen digitale
|
||
Modellkommunen werden wollen, durch
|
||
das Land
|
||
• die Einführung datenschutzkonformer
|
||
Lösungen durch digitale Identitäten und
|
||
|
||
--- PAGE 63 ---
|
||
63
|
||
elektronische Signaturen, um den vollstän-
|
||
dig digitalen Austausch mit den Verwal-
|
||
tungen zu ermöglichen
|
||
• den Open-Data-Hub für unser Land, damit
|
||
die freie Verwendung, Nachnutzung und
|
||
Verbreitung von öffentlich frei zugängli-
|
||
chen, von Behörden erhobenen Daten er-
|
||
möglicht werden kann
|
||
• eine hohe Datensicherheit für die steigen-
|
||
de Zahl der Anwendungen und Daten.
|
||
Datenmissbrauch muss mit empfindlichen
|
||
Strafen geahndet werden
|
||
• Veröffentlichung aller aus Landesmittel fi-
|
||
nanzierter Software-Entwicklungen
|
||
• eine bessere Unterstützung der Free Soft-
|
||
ware Foundation und der Open-Source-
|
||
Bewegung
|
||
• bevorzugt europäische IT-Lösungen
|
||
Den digitalen Wandel im ganzen Land aktiv
|
||
gestalten
|
||
Die digitale Transformation bietet neue Chan-
|
||
cen für eine Belebung des ländlichen Raums.
|
||
Dafür gilt es parallel zum weiteren Netzausbau
|
||
Akteure und Strukturen vor Ort zu stärken.
|
||
Wo bereits intelligente Lösungen umgesetzt
|
||
werden, soll deren Übertragbarkeit auf andere
|
||
Regionen ermöglicht werden. Wir setzen auf
|
||
digitale Innovationen aus Sachsen-Anhalt, die
|
||
auch hier intensiv gefördert werden müssen.
|
||
Im Gigabit-Zeitalter ist auch das Dorf poten-
|
||
tiell nah am Weltmarkt. Der Ausbau der Infra-
|
||
struktur im ländlichen Raum ist damit auch
|
||
eine Investition in die wirtschaftliche und ge-
|
||
sellschaftliche Zukunft Sachsen-Anhalts. Mit
|
||
der Verbreitung der 5G-Technik kann unsere
|
||
Landwirtschaft ressourcenschonender und ef-
|
||
fektiver arbeiten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• einen Breitband- und 5G-Ausbau unab-
|
||
hängig von der Einwohnerzahl, um Innova-
|
||
tionen der Landwirtschaft 4.0 zu ermög-
|
||
lichen. Die Agrarunternehmen des Landes
|
||
werden wir bei entsprechenden Digitalisie-
|
||
rungsschritten beraten und unterstützen
|
||
• insbesondere im ländlichen Raum die Ein-
|
||
richtung von Co-Working- und Co-Living-
|
||
Spaces sowie die Arbeit der regionalen
|
||
Digitalisierungszentren
|
||
• smarte Modellregionen, in denen in beson-
|
||
derem und beispielhaftem Maße aktuelle
|
||
Probleme wie Mobilität, Bildung, Gesund-
|
||
heitsversorgung, Energie mit digitalen Ins-
|
||
trumenten gelöst werden. Diese Modellre-
|
||
gionen werden wir finden oder initiieren
|
||
Die digitale Kultur und die Digitalisierung der
|
||
Kultur stärken
|
||
Die Digitalisierung verändert nicht nur die Art,
|
||
wie wir arbeiten, sondern auch wie wir unsere
|
||
Freizeit gestalten und uns kreativ ausdrücken.
|
||
Mit den „Digital Natives“ ist eine Generation
|
||
in der Phase von Ausbildung und Berufsle-
|
||
ben, die vor allem digital kommuniziert und
|
||
konsumiert. Als junge Menschen sind sie in
|
||
ihrer Freizeit in Bereichen aktiv, die sich noch
|
||
außerhalb klassischer Kultur- und Sportför-
|
||
derung bewegen. Spieledesign gibt es aber
|
||
längst „made in Saxony-Anhalt“, und auch
|
||
die E-Sport-Szene des Landes stellt sich dem
|
||
professionellen Wettbewerb. Wir wollen, dass
|
||
das digitale Leben kein blinder Fleck in der
|
||
Förderlandschaft bleibt.
|
||
Andere Bürger*innen sind nicht in einer digi-
|
||
talen Umgebung aufgewachsen und wollen
|
||
diese Welt noch stärker für sich entdecken.
|
||
Wir unterstützen sie dabei, sich die entspre-
|
||
chenden Kompetenzen anzueignen und sich
|
||
im Sinne lebenslangen Lernens selbst die ge-
|
||
sellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
|
||
Die Corona-Krise war ein schwerer Schlag für
|
||
viele Schaffende in der Kultur- und Kreativ-
|
||
szene des Landes, einem Wirtschaftsbereich,
|
||
der schon immer nah am digitalen Wandel
|
||
war. Wir wollen dessen Innovationspotential
|
||
durch die verstärkte Förderung auch zukünf-
|
||
tig erhalten. Zugleich gilt es die kulturellen
|
||
Schätze Sachsen-Anhalts aus der Vergangen-
|
||
heit für die Zukunft zu sichern.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Förderung des sich gut entwickelnden
|
||
E-Sports im Land durch bessere Rahmen-
|
||
bedingungen und die Anerkennung seiner
|
||
Gemeinnützigkeit
|
||
|
||
--- PAGE 64 ---
|
||
64
|
||
• die stärkere Förderung digitaler Projekte
|
||
und Vernetzungsansätze der Kultur- und
|
||
Kreativwirtschaft
|
||
• eine Forcierung der Digitalisierung von
|
||
Kunst- und Kulturgut und den freien Zu-
|
||
gang dazu
|
||
• eine Stärkung des Kulturtourismus und der
|
||
kulturellen Bildung durch digitale, frei zu-
|
||
gängliche Kunst- und Kulturangebote des
|
||
Landes zum Beispiel in Form von beglei-
|
||
tenden Apps
|
||
• ein breit gefächertes Bildungsangebot,
|
||
um die digitalen Kompetenzen aller Bür-
|
||
ger*innen weiterzuentwickeln und damit
|
||
für eine digitale Souveränität und ver-
|
||
stärkte digitale Teilhabe jeder und jedes
|
||
Einzelnen zu sorgen
|
||
• ein Programm für die digitale Teilhabe äl-
|
||
terer Menschen: zur Vernetzung von Se-
|
||
nior*innentreffs, zur Unterstützung bei
|
||
Beschaffung und Bedienung geeigneter
|
||
Endgeräte, für mehr barrierefreie Angebo-
|
||
te im Netz, für den Support eigener Social-
|
||
Media-Accounts
|
||
Digital pflegen und heilen – Chancen der Di-
|
||
gitalisierung im Gesundheitswesen nutzen
|
||
Das Gesundheitswesen ist bereits vorn dabei,
|
||
wenn es darum geht, Arbeitsprozesse und Da-
|
||
ten zu digitalisieren. Für Patient*innen bedeu-
|
||
tet das schnellere und barrierefreie Zugänge
|
||
zu Gesundheitsleitungen. Besonders mit Mit-
|
||
teln der Telemedizin können lange Strecken
|
||
überwunden werden, um auch dezentral die
|
||
schnellste und bestmögliche Diagnose zu er-
|
||
möglichen. Wir werden uns dafür einsetzen,
|
||
dass die Akteure im Gesundheitswesen die
|
||
Rahmenbedingungen haben, um die best-
|
||
mögliche Versorgung für die Bürger*innen
|
||
Sachsen-Anhalts zu gewährleisten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Unterstützung des Gesundheitswesens
|
||
beim Ausbau der Telemedizin im Land, um
|
||
ortsunabhängig einen erleichterten Zu-
|
||
gang zu Diagnostik und damit zur best-
|
||
möglichen Behandlung zu ermöglichen
|
||
• den Ausbau digitaler Assistenz- und Un-
|
||
terstützungssysteme, die Pflegende unter-
|
||
stützen und etwa von Dokumentations-
|
||
pflichten entlasten
|
||
• die Förderung weiterer Online-Beratungs-
|
||
systeme, zum Beispiel in der Suchtberatung
|
||
Digitales Lernen an Schule und Hochschule
|
||
verbessern
|
||
Wissenschaft und Forschung sind sowohl Vor-
|
||
reiter als auch Treiber der Digitalisierung in
|
||
unserem Land, benötigen dafür aber auch die
|
||
modernste Infrastruktur und neueste Technik.
|
||
Auch Lehre und Studium sind bereits vorn da-
|
||
bei: Schon das erste Sommersemester nach
|
||
Corona wurde von den Hochschulen im Land
|
||
erfolgreich digital organisiert. Bei der weite-
|
||
ren Modernisierung werden wir sie aktiv un-
|
||
terstützen. Im Bereich der allgemeinbildenden
|
||
Schulen besteht viel Nachholbedarf – das hat
|
||
auch die Corona-Krise gezeigt. Die Infrastruk-
|
||
tur der Schulen, die technische Ausstattung
|
||
der Schüler*innen sowie die Medienkompe-
|
||
tenz und das didaktische Rüstzeug des Lehr-
|
||
personals müssen für die digitalen Möglichkei-
|
||
ten des 21. Jahrhunderts fitgemacht werden.
|
||
Insbesondere unsere Lehrkräfte müssen die
|
||
individuellen, sozialen und gesellschaftlichen
|
||
Folgen
|
||
der
|
||
aktuellen
|
||
technischen
|
||
und
|
||
kulturellen Entwicklungen, von Medienphä-
|
||
nomenen und -diensten einschätzen können.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Anschaffung von Schulgeräten durch
|
||
Mittel des Bundes und des Landes
|
||
• die gezielte Verankerung digitaler Unter-
|
||
richtskonzepte und der Medienbildung in
|
||
der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräf-
|
||
ten sowie ihre Entlastung bei Beschaffung
|
||
und Pflege der Hard- und Software in den
|
||
Schulen
|
||
• eine aktive Unterstützung von Seiten des
|
||
Landes für den Einsatz von freien und
|
||
Open-Source-Lösungen in unseren Bil-
|
||
dungseinrichtungen sowie die Schaffung
|
||
klarer rechtlicher Leitfäden für Lehr- und
|
||
Lernmittel und zu den Themen Daten-
|
||
schutz und Urheberrecht
|
||
• die zusätzliche finanzielle Förderung der
|
||
Digitalisierung an den Hochschulen und
|
||
|
||
--- PAGE 65 ---
|
||
65
|
||
Universitäten durch die Einrichtung eines
|
||
Digitalfonds zur Finanzierung von Perso-
|
||
nalstellen und Infrastrukturmaßnahmen
|
||
• den Ausbau eines leistungsfähigen Hoch-
|
||
schulnetzes in Zusammenarbeit mit dem
|
||
Deutschen Forschungsnetz als essentielle
|
||
Voraussetzung für die – nicht nur – lan-
|
||
desweite zukünftige Vernetzung unserer
|
||
Hochschulen und Universitäten
|
||
• weiter eine aktive Rolle des Landes bei der
|
||
Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes
|
||
nach dem BAföG
|
||
• einrichtungsübergreifende
|
||
Plattformen
|
||
und Register, die die Hochschulen und Uni-
|
||
versitäten für ihre vernetzte Arbeit unter-
|
||
einander nutzen
|
||
Digitale Wirtschafts- und Arbeitswelt stärken
|
||
Die Digitalisierung schafft neue Dienstleistun-
|
||
gen und Industrien, sie ändert aber auch die
|
||
Art und Weise, wie wir arbeiten. Gerade bei
|
||
vielen kleinen und mittleren Unternehmen in
|
||
Sachsen-Anhalt ist das Potential der Digitali-
|
||
sierung noch nicht ausgeschöpft. Hier setzen
|
||
wir weiter auf intensive Förderung und Beglei-
|
||
tung. Gleichzeitig darf die digitale Flexibilisie-
|
||
rung nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen oder
|
||
zur Entgrenzung der Arbeitszeit führen. Durch
|
||
die Corona-Krise ist für viele Arbeitnehmer*in-
|
||
nen Homeoffice plötzlich zum selbstverständ-
|
||
lichen Teil des Arbeitslebens geworden. Wer
|
||
arbeitet, hat aber auch ein Recht auf Freizeit
|
||
und Erholung – ohne den Stress ständiger Er-
|
||
reichbarkeit. Die digitalen Anforderungen und
|
||
Chancen des Arbeitslebens müssen in Ausbil-
|
||
dungsprogrammen eine zentrale Rolle einneh-
|
||
men, um digitale Kompetenzen zu stärken.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Fortsetzung der Förderung von Digi-
|
||
talisierungsprojekten in Unternehmen ver-
|
||
schiedener Branchen sowie Unterstützung
|
||
bei der Gewinnung von Fachkräften mit di-
|
||
gitalen Kompetenzen
|
||
• eine Verstetigung und den Ausbau von
|
||
Förder- und Kooperationsstrukturen wie
|
||
dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0
|
||
Magdeburg und dem Partnernetzwerk
|
||
Wirtschaft 4.0
|
||
• die Unterstützung von Unternehmen bei
|
||
der Digitalisierung der industriellen Pro-
|
||
duktion (Industrie 4.0)
|
||
• Unterstützung bei der Weiterentwicklung
|
||
von Gewerbegebieten und bei Investitio-
|
||
nen in verkehrliche und digitale Infrastruk-
|
||
tur
|
||
• digitale Wirtschaftsräume und insbeson-
|
||
dere die Treiber der Digitalisierung in die-
|
||
sem Bereich, die wir durch Fortsetzung
|
||
der Programme „Digital Creativity“ und
|
||
„Digital Innovation“ sowie mit einem eige-
|
||
nen IT-Wirtschaftscampus unterstützen
|
||
• die Umsetzung von guter Arbeit auch in
|
||
Form digitalen Arbeitens. Wir unterstüt-
|
||
zen deshalb den weiteren Ausbau des Zu-
|
||
kunftszentrums Digitale Arbeit, die Lan-
|
||
desinitiative Fachkraft im Fokus sowie die
|
||
Qualifikationsprogramme für Mitarbei-
|
||
ter*innen und Programme zur unterneh-
|
||
mensinternen Organisationsentwicklung
|
||
• einen Standard für gute Arbeit in der digi-
|
||
talen Welt, für den wir uns auf Bundesebe-
|
||
ne einsetzen werden. Er soll für Arbeitneh-
|
||
mer*innen sowohl Homeoffice zu einem
|
||
Standard machen als auch die Souveräni-
|
||
tät über ihre Freizeit garantieren
|
||
• die weitere Anpassung und Fortentwick-
|
||
lung von Aus- und Fortbildungsordnungen
|
||
an die aktuellen Bedürfnisse und Anforde-
|
||
rungen digitaler Arbeit
|
||
Ländlicher Raum
|
||
S
|
||
achsen-Anhalt ist ein Bundesland des
|
||
ländlichen Raums. Die größte Fläche ist
|
||
der ländliche Raum, der von stadtnahem
|
||
Umland mit „Verdichtungsansätzen“ bis zu
|
||
stark peripherisierten Räumen alle denkbaren
|
||
Varianten aufweist. Da es den einen ländlichen
|
||
Raum auch in Sachsen-Anhalt nicht gibt,
|
||
muss eine zukunftsorientierte Landespolitik
|
||
Ungleichheiten würdigen und durch ihre Rah-
|
||
mengebungen individualisierte Lösungen er-
|
||
möglichen.
|
||
Dörfer und ländliche Städte haben mit einem
|
||
Bündel an Herausforderungen zu kämpfen.
|
||
|
||
--- PAGE 66 ---
|
||
66
|
||
Der demographische Wandel mit einem zu-
|
||
nehmend älteren Bevölkerungsquerschnitt
|
||
ist einer der relevanteren Aspekte dieser
|
||
Entwicklung. In dessen Folge kommen Woh-
|
||
nungsleerstände zum Teil bis hin zum ange-
|
||
deuteten „Leerzug“ ganzer Ortschaften, ein
|
||
Mangel einerseits an Arbeitsplätzen und an-
|
||
dererseits an qualifizierten Arbeitskräften,
|
||
Schulden in den öffentlichen Haushalten,
|
||
schwindende Mitgliedschaften in Vereinen
|
||
und Verbänden und mit ihnen zurückgehen-
|
||
des zivilgesellschaftliches Engagement und
|
||
Lebensvielfalt in der Bandbreite zwischen
|
||
Sport, Feuerwehr und Kultur.
|
||
Wo keine Autobahn die ländliche Region
|
||
streift, wo der Mobilfunkempfang schlecht
|
||
ist und das Internet langsam, wo der tägli-
|
||
che ÖPNV ausgedünnt ist, wo Schulformen
|
||
nicht in ihrer Gänze auf kurzem Weg erreich-
|
||
bar sind, wo attraktive Arbeitsplätze rar sind
|
||
– überall dort ist es schwierig, gesellschaft-
|
||
liches Leben zu gestalten. Das ist nicht nur
|
||
schwierig für die einzelnen Menschen und ihre
|
||
Familien, es ist auch eine Herausforderung für
|
||
eine demokratische Gesellschaft. Denn Teilha-
|
||
ben und Teilgeben braucht ein Mindestmaß an
|
||
funktionierenden Angeboten für die alltägli-
|
||
chen Notwendigkeiten, ein Mindestmaß an
|
||
einer Daseinsfürsorge und Daseinsvorsorge,
|
||
braucht Menschen, die sich engagieren kön-
|
||
nen, wenn sie das wollen.
|
||
Wir geben keine Region verloren. Deshalb
|
||
müssen die sehr unterschiedlichen ländlichen
|
||
Regionen auch unterschiedlich ertüchtigt
|
||
werden, um annähernd gleichwertige Lebens-
|
||
verhältnisse bieten zu können. Differenzie-
|
||
rung in der Ertüchtigung und Förderung der
|
||
ländlichen Räume führt zu mehr Gerechtigkeit
|
||
in einem sehr ungleich strukturierten Flächen-
|
||
land, wie es Sachsen-Anhalt ist.
|
||
Die ländlichen Räume brauchen eine eigene
|
||
positive, an den Ressourcen orientierte Be-
|
||
trachtungsweise. Das Potential auch sach-
|
||
sen-anhaltischer ländlicher Räume liegt unter
|
||
anderem in ihrer Funktion für die Erholung
|
||
städtisch lebender Menschen, diverse öko-
|
||
logische Leistungen (Luftreinhaltung, Trink-
|
||
wasserversorgung, Möglichkeiten zur grünen
|
||
Energiegewinnung), den Wohnraum für Pend-
|
||
ler, den sanften Tourismus, eine ausgewoge-
|
||
ne Kombination zwischen konventioneller und
|
||
ökologischer Landwirtschaft.
|
||
In den ländlichen Räumen liegen verschie-
|
||
dene Innovationspotentiale. Sie sind zu the-
|
||
men- und anlassbezogenen Kooperationen
|
||
und einer stärkeren Eigenverantwortung für
|
||
ihre Belange viel deutlicher herausgefordert
|
||
als urbane Räume und können dabei beispiel-
|
||
gebend wirken. Denn der ländliche Raum ist
|
||
das Feld, an dem sich schon zeigt, dass an
|
||
einer Zukunft orientierte Politik Veränderung
|
||
als Chance gestalten kann.
|
||
Zukunft zu gestalten bedeutet auch für die
|
||
ländlichen Räume in Achtung ihrer Ressour-
|
||
cen und Möglichkeiten, dass sie nicht einer
|
||
eindimensionalen Wachstumserzählung fol-
|
||
gen müssen, sondern eine ermutigende Um-
|
||
baugeschichte möglich ist. Wie ländliche Räu-
|
||
me im Umgang mit Verlusten zugleich eine
|
||
Zukunft haben, wird entscheidend in den
|
||
nächsten Jahren zu beweisen sein.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• stabile und verlässliche Kommunalfinan-
|
||
zen, in denen ein Flächenfaktor eingear-
|
||
beitet ist
|
||
• eher weniger (Einzel-)Förderprogramme,
|
||
die oft an einer leistbaren Gegenfinanzie-
|
||
rung scheitern, dafür aber erhöhte kom-
|
||
munale Sockel-und Pauschalbeträge für
|
||
mehr Spielraum einer regionalen Selbst-
|
||
steuerung.
|
||
• Anreize zu regionaler Selbststeuerung,
|
||
zum Beispiel zur aktiven Ausgestaltung
|
||
von anlass- und themenbezogenen Gestal-
|
||
tungsräumen; eher fluide regionale Koope-
|
||
rationsräume, die Landkreisgrenzen und
|
||
gegebenenfalls auch Bundeslandgrenzen
|
||
überschreiten. Programme wie LEADER
|
||
müssen dabei begleitend daraufhin evalu-
|
||
iert werden, welchen nachhaltigen Mehr-
|
||
wert sie für die jeweiligen Regionen haben
|
||
• ein Weniger an Territorialprinzip, ein Mehr
|
||
an Funktionalprinzip. Das führt nicht zu ei-
|
||
ner Auflösung von Gebietskörperschaften
|
||
wie Landkreisen, stützt aber die Ressour-
|
||
cen und Potentiale ganzer Regionen (die
|
||
oft ungleich der Größe und des Zuschnit-
|
||
tes eines Landkreises sind)
|
||
• Unterstützung für Engagierte in den Kom-
|
||
munen, zum Beispiel frei verfügbare Bud-
|
||
gets und Entscheidungskompetenzen für
|
||
|
||
--- PAGE 67 ---
|
||
67
|
||
Ortschaftsräte oder vergleichbare Lösun-
|
||
gen für Ortsteile ohne Ortschaftsverfassung
|
||
• moderne und flexible Modelle von Verwal-
|
||
tungsdienstleistungen der Kommunen und
|
||
des Landes, die Menschen ohne digitalen
|
||
Anschluss oder Anschlusswillen nicht aus-
|
||
schließen
|
||
• einen flächendeckenden Breitbandausbau,
|
||
der endlich als staatliche Daseinsvorsorge
|
||
verstanden wird und dies nicht nur privat-
|
||
wirtschaftlichen Interessen überlässt
|
||
• die forcierte Etablierung von digitalen
|
||
Lehr- und Lernmöglichkeiten mit einer
|
||
Koordination und Beratung durch die
|
||
Landkreise (damit möglichst homogene
|
||
und durch alle Schularten nutzbare und
|
||
so miteinander kooperierende Hard- und
|
||
Software vorhanden ist und gewartet wer-
|
||
den kann)
|
||
• Schulverbünde unterschiedlicher Schul-
|
||
formen
|
||
• eine umfassende Stärkung der öffentlichen
|
||
Daseinsvorsorge
|
||
• vier ÖPNV-Modellregionen (Norden, Os-
|
||
ten, Süden, Westen) für eine abgestimmte
|
||
Projektphase zwischen Bus, Bahn und Taxi
|
||
• Unterstützungsangebote für den Auf- und
|
||
Ausbau einer regionalen, autonomen Ener-
|
||
gieversorgung unter der Mitwirkung der
|
||
LENA
|
||
• Etablierung eines Energiescouts je Land-
|
||
kreis zur Beratung der Kommunen
|
||
• Programme – etwa in der Qualität von
|
||
Wettbewerben – für die Nutzung und Um-
|
||
widmung von Leerstandsgebäuden
|
||
• den Erhalt der einzigartigen Kulturdenk-
|
||
mallandschaft in Sachsen-Anhalt
|
||
• eine Modellnutzung von Leerstandsgebäu-
|
||
den als Co-Working-Spaces für regionale
|
||
Kleinbetriebe und Dienstleister*innen
|
||
Verkehr
|
||
M
|
||
obilität ist ein Grundbedürfnis. Jede*r
|
||
will möglichst einfach, schnell und
|
||
sicher von A nach B kommen. Dabei
|
||
sind die Bedingungen in den verschiedenen
|
||
Teilen des Landes sehr unterschiedlich. Wäh-
|
||
rend in den Städten ÖPNV und Rad zuneh-
|
||
mend eine Alternative zum Auto sind, ist man
|
||
im ländlichen Raum ohne eigenen PKW oft
|
||
stark eingeschränkt. Das darf nicht so bleiben.
|
||
Mobilität muss für alle verfügbar, bezahlbar
|
||
und ökologisch nachhaltig sein.
|
||
Wir wollen passgerechte Verkehrslösungen
|
||
und die Verfügbarkeit von öffentlichen Ver-
|
||
kehrsmitteln für alle Regionen in Sachsen-
|
||
Anhalt.
|
||
Vor dem Hintergrund des Klimawandels setzen
|
||
wir auf eine schrittweise Umstellung von fos-
|
||
silen auf andere Energieträger, um aktiv eine
|
||
Verkehrswende zu gestalten, die von den Men-
|
||
schen im Land getragen wird. Dafür wollen wir
|
||
das notwendige Geld in die Hand nehmen.
|
||
Flächendeckend Bus und Bahn
|
||
Wer seinen Alltag ohne Auto meistern will
|
||
oder meistern muss, braucht eine Alternative.
|
||
Das kann in vielen Fällen nur ein flächende-
|
||
ckender, barrierefreier, bezahlbarer und um-
|
||
weltgerechter öffentlicher Personennahver-
|
||
kehr sein. In Sachsen-Anhalt soll der ÖPNV
|
||
überall zur vollwertigen Alternative werden.
|
||
Zudem setzen wir auf intelligente und nutzer-
|
||
freundliche Car-Sharing-Modelle.
|
||
Dazu gehört auch ein flächendeckender Bahn-
|
||
verkehr. Mit dem Kahlschlag der Vergangen-
|
||
heit muss Schluss sein. Wir dürfen keine Bahn-
|
||
strecken mehr stilllegen, sondern müssen die
|
||
Reaktivierung alter Bahnstrecken prüfen und
|
||
so das Mobilitätsangebot im ländlichen Raum
|
||
erhöhen. Zudem brauchen wir perspektivisch
|
||
eine Umstellung auf E-Antrieb. In Städten mit
|
||
Buslinienverkehr ist dieser perspektivisch auf
|
||
alternative Antriebsarten umzustellen.
|
||
Zu einem zukunftsorientierten ÖPNV gehö-
|
||
ren auch faire Beschäftigungsverhältnisse.
|
||
Wir setzen uns dafür ein, dass Beschäftigung
|
||
im ÖPNV in Sachsen-Anhalt nur entsprechend
|
||
der einschlägigen Tarifverträge erfolgt.
|
||
|
||
--- PAGE 68 ---
|
||
68
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein Förderprogramm für flächendecken-
|
||
den ÖPNV im ländlichen Raum
|
||
• die Sicherstellung der bestehenden Stra-
|
||
ßenbahnnetze sowie die Förderung der
|
||
Neuanschaffung von Straßenbahnen in
|
||
den betreffenden Städten
|
||
• die Unterstützung der Städte und Kreise
|
||
bei der Schaffung barrierefreier Haltestel-
|
||
len. In spätestens zehn Jahren soll jede Hal-
|
||
testelle in Sachsen-Anhalt barrierefrei sein
|
||
• ein Landesprogramm für direkten Schü-
|
||
ler*innenverkehr
|
||
• kostenlosen Schüler*innenverkehr auch für
|
||
die Sekundarstufe II
|
||
• Modellprojekte für ein 365-Euro-Ticket im
|
||
städtischen und ländlichen Raum mit ver-
|
||
schiedenen Ratenzahlungsoptionen
|
||
• die Förderung von Elektro- und Wasser-
|
||
stoffbussen
|
||
• ein Landesgesetz zur Vereinfachung von
|
||
Investitionen in den ÖPNV
|
||
• ein Verbot der Stilllegung von Bahnstre-
|
||
cken und die Prüfung der Reaktivierung al-
|
||
ter Bahnstrecken und von Halten an (noch)
|
||
betriebenen Strecken, insbesondere wenn
|
||
diese Mittelzentren an Oberzentren an-
|
||
schließen bzw. neue Strecken über Lan-
|
||
desgrenzen hinweg entstehen
|
||
• bessere Anbindungen im Fernverkehrsan-
|
||
gebot auf der Schiene. Die Wiederanbin-
|
||
dung der Landeshauptstadt Magdeburg
|
||
an den ICE-Fernverkehr und von Dessau-
|
||
Roßlau (Verlängerung des IC 61) sowie
|
||
der Mittelzentren an den IC-Fernverkehr
|
||
bleibt unser Ziel
|
||
• die Unterstützung der HSB als wichtiges
|
||
regionales Verkehrsmittel
|
||
• eine Fortsetzung des Schnittstellenpro-
|
||
gramms zur Verbesserung der Umsteige-
|
||
beziehungen und zur Sanierung von Bahn-
|
||
hofsgebäuden
|
||
• Betriebsübergang bei Verkehrsdienstleis-
|
||
tungsvergaben. Dies bedeutet: Arbeits-
|
||
plätze bleiben erhalten und gehen auf den
|
||
neuen Verkehrsbetrieb mit den bisherigen
|
||
Bedingungen über
|
||
• die
|
||
perspektivische
|
||
Umstellung
|
||
des
|
||
Schienenverkehrs in Sachsen-Anhalt auf
|
||
E-Antrieb
|
||
• ein kostenloses Schüler*innen Ticket in
|
||
ganz Sachsen-Anhalt
|
||
Radverkehr
|
||
Die Hälfte der Strecken, die heute mit dem
|
||
Auto zurückgelegt werden, sind weniger als
|
||
fünf Kilometer lang. Dafür ist das Fahrrad eine
|
||
gesunde und umweltfreundliche Alternative.
|
||
Damit das Rad für Groß und Klein, für Jung
|
||
und Alt eine sichere Alternative ist, braucht
|
||
es eine bessere Infrastruktur.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein flächendeckendes Radwegenetz an
|
||
Landes- und Bundesstraßen, eine Moder-
|
||
nisierung der vorhandenen Wege und die
|
||
Umsetzung des Landesradverkehrsplans.
|
||
Bei jedem Ausbau einer Straße außerorts
|
||
mit überörtlicher Bedeutung wird ein Rad-
|
||
weg gebaut! Acht Prozent der Straßenbau-
|
||
mittel sind für Radverkehr aufzuwenden.
|
||
Wir wollen eine konsequente Anwendung
|
||
der ERA2010
|
||
• eine Landeskampagne „Sachsen-Anhalt
|
||
steigt auf!“
|
||
• die Förderung von modernen und diebstahl-
|
||
sicheren Fahrradabstellanlagen an Bahnhö-
|
||
fen, Bus- und Straßenbahnhaltestellen
|
||
• ein Radschnellwegeprogramm zur Unter-
|
||
stützung des Baus von Radschnellwegen
|
||
• den Ausbau von Radschnellwegen auch
|
||
abseits von Hauptstraßen
|
||
• die Unterstützung der Arbeitsgemein-
|
||
schaft Fahrradfreundliche Kommunen
|
||
• eine Aufwertung der*des Radverkehrsko-
|
||
ordinator*in im Verkehrsministerium. Akti-
|
||
ves Einwerben der Bundesmittel aus dem
|
||
Klimapaket für Projekte in Sachsen-Anhalt
|
||
|
||
--- PAGE 69 ---
|
||
69
|
||
• ein Pilotprojekt zur Verlagerung von inner-
|
||
städtischem Lieferverkehr auf Lastenräder
|
||
• die Förderung des Radtourismus
|
||
• Modellprojekte zur Weiterentwicklung des
|
||
Radverkehrs (Protected Bike Lane, Fahr-
|
||
radbrücken, Anbindung von Schulen oder
|
||
Kitas)
|
||
Straßenverkehr
|
||
Im Straßenbau liegt die Priorität der nächsten
|
||
Jahre im Erhalt der Infrastruktur. Die großen
|
||
Verkehrsbauprojekte sind fast vollständig ab-
|
||
geschlossen. Hier fehlen die noch ausstehen-
|
||
den Lückenschlüsse. In den kommenden Jah-
|
||
ren muss der Investitionsstau abgebaut und
|
||
ein größeres Augenmerk auf die Sicherheit
|
||
im Straßenverkehr gelegt werden. Die Vision
|
||
Zero, also das Ziel, dass es keine Verkehrs-
|
||
toten gibt, muss auch ein Ziel der Verkehrs-
|
||
politik in Sachsen-Anhalt sein.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein Förderprogramm für Straßenbau in
|
||
Kommunen, damit Straßen und Brücken
|
||
saniert werden können
|
||
• die Umsetzung der wichtigen Bundesstra-
|
||
ßenbauprojekte. Dazu zählen die Nordver-
|
||
längerung der A 14, die Verbindung der A
|
||
38 und der A1 4 durch die A 143
|
||
• die Unterstützung von Ortsumfahrungen
|
||
und Beseitigung von Unfallschwerpunkten
|
||
• eine Unterstützung der Arbeit der Ver-
|
||
kehrswachten, denn Verkehrserziehung ist
|
||
ein wichtiger Baustein für die Verkehrssi-
|
||
cherheit
|
||
• den Ausbau des Netzes von E-Ladestatio-
|
||
nen für E-Autos
|
||
Logistikstandort
|
||
Aufgrund der zentralen Lage in Europa ist
|
||
Sachsen-Anhalt ein wichtiger Verkehrs- und
|
||
Logistikstandort. Wir setzen uns für eine opti-
|
||
male Verknüpfung aller Verkehrsmittel ein, um
|
||
einen umweltgerechten und sozial verträgli-
|
||
chen Logistikverkehr zu ermöglichen. Dazu
|
||
fordern wir vom Bund die Schaffung einer
|
||
Eisenbahntrasse, die parallel zur A 2 verläuft
|
||
und auf der Lkw-Züge fahren.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Verlagerung der Logistikverkehre so-
|
||
weit wie möglich von der Straße auf die
|
||
Schiene; Realisierung des Projekts Lkw-
|
||
Züge Frankfurt/O.-Dortmund durch den
|
||
Bund
|
||
• die Vertretung der Landesinteressen in
|
||
der Mitteldeutschen Flughafen AG, insbe-
|
||
sondere im Hinblick auf die weitere Ent-
|
||
wicklung des Flughafens Leipzig/Halle als
|
||
internationales Frachtdrehkreuz für Mit-
|
||
teldeutschland sowie für den Linien- und
|
||
Charterverkehr. Durchsetzung geeigneter
|
||
Maßnahmen zur Reduzierung des Flug-
|
||
lärms und der CO2-Emissionen
|
||
• den Erhalt der Binnenschifffahrt durch den
|
||
Erhalt der Wasserstraßen. Dies soll nach
|
||
modernsten ökologisch verträglichen Me-
|
||
thoden erfolgen
|
||
• den Erhalt der landesbedeutsamen Fähren
|
||
• ein Förderprogramm für die (temporäre)
|
||
Errichtung von Lkw-Stellplätzen auf der-
|
||
zeit nicht genutzten Flächen in autobahn-
|
||
nahen Gewerbegebieten
|
||
• die Ausweitung der Lkw-Maut auf betrof-
|
||
fene Straßen, um Maut-Ausweichverkehre
|
||
unattraktiver zu machen und den Kommu-
|
||
nen und Landkreisen eine gerechte, nut-
|
||
zerbezogene und dem Verursacherprinzip
|
||
entsprechende Finanzierung für den Erhalt
|
||
der Straßen zur Verfügung zu stellen
|
||
Wohnen
|
||
Bezahlbar wohnen in Stadt und Land
|
||
W
|
||
ohnen ist ein Grundbedürfnis jedes
|
||
Menschen. Dabei ist die demogra-
|
||
phische Entwicklung in Sachsen-
|
||
Anhalt eine große Herausforderung. Zum ei-
|
||
nen gibt es in verschiedenen Regionen einen
|
||
hohen Leerstand bei Wohnungen, zum an-
|
||
deren fehlt altengerechter und barrierefreier
|
||
|
||
--- PAGE 70 ---
|
||
70
|
||
Wohnraum oder Wohnraum für große Fami-
|
||
lien. Hier wollen wir Abhilfe schaffen.
|
||
Wichtige Partner*innen dabei sind und bleiben
|
||
die kommunalen Wohnungsbauunternehmen
|
||
und Genossenschaften. Das gilt auch für
|
||
private Vermieter, solange sie Mieter*innen zu
|
||
fairen Bedingungen ein Zuhause bieten. Gro-
|
||
ße Wohnungskonzerne, die Mieter*innen we-
|
||
gen unlauterer Renditeerwartungen ausplün-
|
||
dern, sind für uns keine Partner*innen.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• die Schaffung von altersgerechtem und
|
||
barrierefreiem Wohnraum und von Wohn-
|
||
raum für junge Familien. Das schließt auch
|
||
ein familienfreundliches, barrierefreies und
|
||
altersgerechtes Wohnumfeld ein
|
||
• sozialen Wohnungsbau, um der sozialen
|
||
Entmischung vor allem in Plattenbauge-
|
||
bieten entgegenzuwirken. Zudem sind die
|
||
Wohnbauförderungsmittel für die Herstel-
|
||
lung von bezahlbarem Wohnraum durch
|
||
Bestandssanierungen zu verwenden
|
||
• eine Fortsetzung des erfolgreichen Auf-
|
||
zugsprogramms. Damit sollen weiter al-
|
||
tengerechte und barrierefreie/-arme Woh-
|
||
nungen geschaffen werden
|
||
• ein Programm für den Kauf oder die Ver-
|
||
längerung von Belegungsrechten von So-
|
||
zialwohnungen für den Erhalt von sozia-
|
||
lem Wohnraum
|
||
• den Erhalt der kommunalen Wohnungs-
|
||
unternehmen und ein Verbot des zwangs-
|
||
weisen Verkaufs kommunaler Wohnungs-
|
||
unternehmen zur Haushaltskonsolidierung.
|
||
Kommunale Wohnungsunternehmen sol-
|
||
len als Teil der öffentlichen Daseinsvorsor-
|
||
ge in kommunaler Hand bleiben
|
||
• die Möglichkeit, dass kommunale Woh-
|
||
nungsunternehmen auch über Gemeinde-
|
||
grenzen hinweg tätig werden können
|
||
• die Unterstützung kommunaler und ge-
|
||
nossenschaftlicher Wohnungsunterneh-
|
||
men gerade im ländlichen Bereich bei der
|
||
Beseitigung von Leerstand
|
||
• eine Unterstützung des seriellen Bauens
|
||
zur Dämpfung von Baukosten
|
||
Entwicklung von Städten und Dörfern
|
||
Für die SPD stehen eine bürger*innenfreund-
|
||
liche Stadtentwicklung und eine nachhaltige
|
||
Dorferneuerung im Mittelpunkt. Dabei haben
|
||
wir es mit einer unterschiedlichen demogra-
|
||
phischen Entwicklung im ländlichen Raum
|
||
und in den Städten zu tun. Wir brauchen da-
|
||
her unterschiedliche Antworten für das glei-
|
||
che Grundbedürfnis, nämlich ein lebenswertes
|
||
Gemeinwesen zu schaffen oder zu erhalten.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein Förderprogramm „Wachsende Städte
|
||
und Dörfer“
|
||
• eine Flexibilisierung der Förderbedingun-
|
||
gen zur passgenauen Innenentwicklung in
|
||
Städten und Dörfern
|
||
• die konsequente Nutzung der Städtebau-
|
||
förderung des Bundes durch Bereitstel-
|
||
lung der notwendigen Kofinanzierung
|
||
• die flächendeckende Erarbeitung inte-
|
||
grierter Stadt- und Gemeindeentwick-
|
||
lungskonzepte. Sie sind ein wichtiges Ins-
|
||
trument, um vor Ort gemeinsam mit den
|
||
Bürger*innen die Zukunft ihrer Gemeinde
|
||
zu entwickeln
|
||
• ein Förderprogramm, das Kleingartenspar-
|
||
ten beim selbstbestimmten leerstandsbe-
|
||
dingten Rückbau unterstützt
|
||
• den Erhalt der Förderung von Multifunk-
|
||
tionshäusern
|
||
• eine Unterstützung des Quartiers- und
|
||
LEADER-Managements
|
||
• eine Handhabung des Denkmalschutzes
|
||
mit dem Grundsatz „Nutzung vor Verfall“.
|
||
Ferner streben wir eine Überprüfung der
|
||
denkmalschutzrechtlichen Praxis vor dem
|
||
Hintergrund der Barrierefreiheit, klimage-
|
||
rechten Nutzung und demographischen
|
||
Entwicklung im ländlichen Raum an
|
||
• eine Verbesserung der Lebensqualität in
|
||
Städten und Gemeinden durch innovative
|
||
Baukultur. Der Wettbewerb zum Landes-
|
||
architekturpreis wird daher fortgeführt
|
||
|
||
--- PAGE 71 ---
|
||
71
|
||
Wie wir neue
|
||
Grundlagen legen:
|
||
Investitionen gegen
|
||
die Krise &
|
||
handlungsfähige
|
||
Kommunen.
|
||
Kommunale Selbst-
|
||
verwaltung und
|
||
Kommunalfinanzen
|
||
U
|
||
nsere Gemeinden, Städte und Land-
|
||
kreise sind mehr als nur die Heimat der
|
||
dort lebenden Menschen. Denn hier
|
||
erfahren die Bürger*innen direkt, ob unser
|
||
Gemeinwesen funktioniert und die Aufgaben
|
||
der öffentlichen Daseinsvorsorge gewähr-
|
||
leistet werden. Es stellen sich die wichtigen
|
||
Fragen von Mobilität, Sicherheit, Daseinsvor-
|
||
sorge oder Bildungsinfrastruktur – gerade
|
||
vor dem Hintergrund des demographischen
|
||
Wandels, aber auch in Krisenlagen wie der Co-
|
||
vid-19-Pandemie. Auf lokaler Ebene zeigt sich
|
||
aber auch, wie transparent, leistungsfähig und
|
||
bürger*innennah die Verwaltung organisiert
|
||
ist und welchen Handlungs- und politischen
|
||
Gestaltungsspielraum die kommunalen Finan-
|
||
zen zulassen.
|
||
Unser Land braucht leistungsstarke Kommu-
|
||
nen. Wir setzen auf eine faire Partner*innen-
|
||
schaft mit den Kommunen, auf eigenverant-
|
||
wortliche kommunale Selbstverwaltung und
|
||
auf eine für die zu erfüllenden Aufgaben an-
|
||
gemessene finanzielle Ausstattung.
|
||
Wir achten die kommunale Selbstverwaltung
|
||
auch in der kommunalen Gebietshoheit. Ko-
|
||
operationen zwischen Gemeinden und ihren
|
||
Verwaltungen und auch freiwillige Fusionen
|
||
unterstützen wir. Eine gesetzliche Gebietsre-
|
||
form auf Gemeinde- oder Kreisebene werden
|
||
wir nicht vornehmen.
|
||
Kommunale Selbstverwaltung braucht wei-
|
||
terhin freie Gestaltungsräume. Die gewählten
|
||
kommunalen Vertretungen stellen ein wich-
|
||
tiges Element bürgerschaftlichen Engage-
|
||
ments in der Demokratie dar. Eine Kommune
|
||
lebt auch vom bürgerschaftlichen Engage-
|
||
ment und der Beteiligung der Bürger*innen
|
||
an Entscheidungen der Kommunalvertretun-
|
||
gen. Deshalb sehen wir es als wichtig an, die
|
||
Bürger*innen frühzeitig bei anstehenden Ent-
|
||
scheidungen einzubinden, um ihre Anregun-
|
||
gen aufzunehmen und gegebenenfalls auch
|
||
um die Akzeptanz von Entscheidungen zu
|
||
erhöhen.
|
||
Angesichts des demographischen Wandels
|
||
stellt sich die Frage, auf welche Weise auch
|
||
künftig die Daseinsvorsorge im ländlichen
|
||
Raum sichergestellt werden kann. Hierzu
|
||
muss auch über neue innovative Organisati-
|
||
onsformen für entsprechende Einrichtungen
|
||
nachgedacht werden.
|
||
Die Digitalisierung berührt alle Lebensberei-
|
||
che und wird auch zu wesentlichen Verände-
|
||
rungen der öffentlichen Verwaltungen führen.
|
||
Bund, Land und Kommunen müssen diesen
|
||
Prozess in enger Kooperation gestalten. Wir
|
||
werden die Kommunen auf diesem Weg aktiv
|
||
unterstützen.
|
||
Entscheidend ist das Ziel, den Menschen in
|
||
der digitalen Welt moderne, bürgernahe Ver-
|
||
waltungsdienstleistungen anbieten zu können.
|
||
Nicht die Verwaltung, sondern die Bürger*in-
|
||
nen als Nutzer stehen im Mittelpunkt dieses
|
||
digitalen Veränderungsprozesses.
|
||
Solide kommunale Finanzen sind die Grund-
|
||
lage für nachhaltige Investitionen und Dienst-
|
||
leistungen im Interesse der Bürger*innen.
|
||
Ohne eine auskömmliche Finanzausstattung
|
||
können die Kommunen diese Aufgabe nicht
|
||
erfüllen.
|
||
Schließlich hat die Covid-19-Pandemie deut-
|
||
lich gemacht, wie sensibel die Systeme in
|
||
unserem Land miteinander verzahnt sind.
|
||
Eine Schlüsselrolle nehmen hierbei die Städte
|
||
und Gemeinden wie auch die Landkreise ein.
|
||
Einerseits müssen alle Maßnahmen zur Pan-
|
||
demieeindämmung in den Gemeinden vor Ort
|
||
umgesetzt und durchgesetzt werden. Ande-
|
||
rerseits tragen soziale Gemeinschaftspro-
|
||
jekte der Bürgerschaft wiederum direkt zur
|
||
Aufrechterhaltung von sozialer Teilhabe bei.
|
||
|
||
--- PAGE 72 ---
|
||
72
|
||
Hier sehen sich die Kommunen einer multiplen
|
||
Herausforderung gegenüber: massive Einnah-
|
||
meverluste in der Steuerkraft bei gleichzeitig
|
||
wachsenden Auf- und Ausgaben, gepaart
|
||
mit der Forderung nach zusätzlichen Inves-
|
||
titionen, eingebunden in Entschuldungs- und
|
||
Haushaltskonsolidierungsprogramme.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• den kontinuierlichen Einsatz auf der Bun-
|
||
desebene dafür, dass der kommunale An-
|
||
teil an den Gesamtsteuereinnahmen in der
|
||
Bundesrepublik unter Beibehaltung des
|
||
bisherigen Länderanteils erhöht wird
|
||
• weiterhin eine ehrliche Weitergabe von
|
||
Bundesmitteln, die für die Kommunen ge-
|
||
dacht sind, im Rahmen der vom Bund fest-
|
||
gelegten Verteilkriterien
|
||
• eine Aufstockung der Finanzausgleichs-
|
||
masse noch für 2021 pauschal auf 1,7 Mil-
|
||
liarden Euro
|
||
• jährlich eine Anpassung entsprechend der
|
||
Tarif- und Besoldungsentwicklung, da die
|
||
Personalkosten der bestimmende Faktor
|
||
für die Ausgabenentwicklung der Kom-
|
||
munen sind
|
||
• die Berücksichtigung der Abschreibungen
|
||
in der doppischen Haushaltsführung bei
|
||
der Ausgestaltung des FAG
|
||
• die regelmäßige Anpassung des pauscha-
|
||
len Mehrbelastungsausgleichs für die Ein-
|
||
nahmeausfälle der Kommunen wegen der
|
||
Abschaffung der Straßenausbaubeiträge
|
||
unter Beachtung der Baukostenentwick-
|
||
lung
|
||
• die Prüfung einer allgemeinen „Steuer-
|
||
schwankungsreserve“ in Gestalt eines
|
||
Steuerschwankungsfonds, um unvorher-
|
||
sehbare Steuerausfälle der Kommunen
|
||
auch infolge weltweiter Krisen zu kom-
|
||
pensieren
|
||
• ein kommunales Infrastrukturprogramm
|
||
und eine Erhöhung der kommunalen Inves-
|
||
titionspauschale zur Bewältigung der Covid-
|
||
19-Pandemie-Folgen bei den Kommunen
|
||
• Kommunen, die in der Krisenbewältigung
|
||
Handlungsspielräume jenseits von Rest-
|
||
riktionen und Haushaltskennziffern haben.
|
||
Dazu werden wir aufsichtsrechtliche Stan-
|
||
dards überprüfen
|
||
• die Einführung eines von möglichen auf-
|
||
sichtlichen Genehmigungs- und Konsoli-
|
||
dierungsauflagen freigestellten Mindest-
|
||
betrages für die Bereithaltung freiwilliger
|
||
sozialer Infrastruktur zur Erhaltung identi-
|
||
tätsstiftender örtlicher kultureller und so-
|
||
zialer Einrichtungen
|
||
• für die Städte und Gemeinden je Bürger*in
|
||
ein lokales Bürgergeld in Höhe von 20
|
||
Euro, welches unter Beteiligung der Ein-
|
||
wohner*innen ebenfalls zur Finanzierung
|
||
von freiwilligen Aufgaben verwendet wer-
|
||
den kann
|
||
• die Stärkung der interkommunalen Zusam-
|
||
menarbeit und die Beseitigung rechtlicher
|
||
Hindernisse, durch die die Kooperationen
|
||
von Gemeinden erschwert wird. Dazu ent-
|
||
wickeln wir praxistauglich das Gesetz über
|
||
die kommunale Gemeinschaftsarbeit weiter
|
||
• das Modell der sogenannten „öffentlich-
|
||
rechtlichen Genossenschaft“, die es ein-
|
||
zelnen Gemeinden und den Bürger*innen
|
||
gleichermaßen ermöglicht, Teilhaberin
|
||
oder Teilhaber einer auf einen gemein-
|
||
nützigen Zweck ausgerichteten Genos-
|
||
senschaft zu werden. Damit besteht etwa
|
||
die Möglichkeit für gemeinsam von Kom-
|
||
munen, Krankenkassen, Ärzt*innen sowie
|
||
Bürger*innen getragene Einrichtungen der
|
||
medizinischen Daseinsvorsorge
|
||
• die Überprüfung des geltenden Kommu-
|
||
nalwirtschaftsrechts auf seine Zukunftsfä-
|
||
higkeit auch zur Daseinsfürsorge und eine
|
||
Erweiterung der Möglichkeiten der Kom-
|
||
munen. Die Ausnahmen vom Örtlichkeits-
|
||
grundsatz im Gemeindewirtschaftsrecht
|
||
werden dergestalt erweitert, dass mit
|
||
Zustimmung der betroffenen Gemeinde
|
||
kommunale Unternehmen einer anderen
|
||
Gemeinde sich im Bereich der Wohnungs-
|
||
wirtschaft und der Altenpflege betätigen
|
||
dürfen
|
||
• gemeinsam mit den kommunalen Spitzen-
|
||
verbänden die Definition von Bedingungen
|
||
für die Kommunen bei der Schaffung, Er-
|
||
haltung und dem Rückerwerb von öffent-
|
||
licher Daseinsvorsorge
|
||
|
||
--- PAGE 73 ---
|
||
73
|
||
• die Überprüfung, inwieweit digitale Ele-
|
||
mente zur Vereinfachung und Erleichte-
|
||
rung von Gremiensitzungen möglich sind
|
||
und welche rechtlichen Voraussetzungen
|
||
dafür geschaffen werden müssen
|
||
• neue Möglichkeiten, das Verfahren zur Er-
|
||
stellung, Beratung und Beschlussfassung
|
||
kommunaler Haushalte transparenter zu ge-
|
||
stalten. Die Beteiligung von Einwohner*in-
|
||
nen zum Beispiel durch Beteiligungshaus-
|
||
halte wird in geeigneter Weise unterstützt
|
||
• die Prüfung von Möglichkeiten, die Wahr-
|
||
nehmung von kommunalen Mandaten bes-
|
||
ser mit Mutterschaft, Elternschaft, Studi-
|
||
um, einer körperlichen Behinderung oder
|
||
ähnlichem zu verbinden
|
||
• die Evaluation, inwieweit eine Steigerung
|
||
des Frauenanteils in kommunalen Vertretun-
|
||
gen durch Wahlrechtsänderung möglich ist
|
||
Finanzen un
|
||
Landesverwaltung
|
||
D
|
||
ie sozialdemokratische Finanz- und
|
||
Haushaltpolitik zurückliegender Jahre
|
||
war solide und sorgte dafür, dass der
|
||
Landeshaushalt in allen Jahren nach Einnah-
|
||
men und Ausgaben ausgeglichen war. Die
|
||
Rücklagen des Landes wurden weiter ausge-
|
||
baut und die Verschuldung zurückgefahren.
|
||
Das erfolgte nicht zum Selbstzweck, sondern
|
||
schaffte finanzielle Freiräume für die Gestal-
|
||
tung in den ganz wesentlichen Interessenbe-
|
||
reichen der Bevölkerung. Gleichzeitig sank in
|
||
einigen Bereichen des öffentlichen Dienstes
|
||
der Personalbestand unter die für ein Flä-
|
||
chenland kritische Grenze, und es wurde nicht
|
||
ausreichende Vorsorge durch Neueinstellun-
|
||
gen getroffen. Das sorgte für Probleme ins-
|
||
besondere bei der Polizei und in den Schulen.
|
||
Gleichzeitig gab es Kürzungen im Kulturleben
|
||
und an den Hochschulen, bei denen der Ein-
|
||
spareffekt in keinem Verhältnis zum angerich-
|
||
teten Schaden stand.
|
||
Die Wahlniederlage der SPD 2016 hatte auch
|
||
mit solchen Fehlentwicklungen zu tun. Nach
|
||
der Landtagswahl haben wir klare Schlussfol-
|
||
gerungen gezogen, unsere Politik neu ausge-
|
||
richtet und die erforderlichen Neueinstellun-
|
||
gen ermöglicht. Wir haben konsequent dafür
|
||
gesorgt, dass alle, die für das Land oder mit
|
||
Förderung des Landes arbeiten, tarifgerecht
|
||
bezahlt werden können. An den Hochschulen,
|
||
in der Kultur und bei den Kommunalfinanzen
|
||
gab es wieder kräftige Aufwüchse.
|
||
Ob soziale und innere Sicherheit, Gesund-
|
||
heitsversorgung, Bildung und Kultur, Stär-
|
||
kung des Wirtschaftsstandorts und der Inf-
|
||
rastruktur, die Haushaltspolitik spielt in diese
|
||
Felder des täglichen Lebens einer*eines jeden
|
||
Sachsen-Anhalter*in hinein. Die Corona-Pan-
|
||
demie hat uns gezeigt, wie wichtig eine solide
|
||
Haushaltspolitik in guten Zeiten zur Vorsor-
|
||
ge für die Krise ist. In dieser Situation kann
|
||
das Land Rücklagen, wie zum Beispiel die
|
||
Steuerschwankungsreserve, einsetzen, um
|
||
konjunkturelle Einbrüche im Landeshaushalt
|
||
auszugleichen und zusätzliche Unterstützung
|
||
zur Abmilderung der Folgen der Pandemie zu
|
||
leisten. Das Land hat zudem Möglichkeiten,
|
||
nach den Ersthilfen wichtige Impulse für die
|
||
schnelle Bewältigung der Krise zu setzen. Da-
|
||
bei ist es uns besonders wichtig, die Kommu-
|
||
nen stärker als bislang zu unterstützen.
|
||
Die Bewältigung der wirtschaftlichen und
|
||
sozialen Krise durch Corona wird die Finanz-
|
||
politik der kommenden Jahre ganz wesentlich
|
||
bestimmen. Eine schnelle wirtschaftliche Er-
|
||
holung wird sich nicht im Selbstlauf ergeben.
|
||
Das Land muss sowohl Nachfrageimpulse set-
|
||
zen als auch Insolvenzen und eine mögliche
|
||
Kreditklemme verhindern.
|
||
Unsere Finanzpolitik setzt darauf, den lang-
|
||
fristigen Kurs eines verantwortungsvollen Um-
|
||
gangs mit den Landesfinanzen zu verbinden
|
||
mit einem entschlossenen Handeln in der Krise.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• ein investives, teilweise kreditfinanziertes
|
||
Anti-Krisen-Paket im Umfang von zwei Mil-
|
||
liarden Euro:
|
||
• ein Investitionsprogramm für die Kran-
|
||
kenhauslandschaft in Höhe von 150
|
||
Millionen Euro für die Jahre 2021 und
|
||
2022 und 450 Millionen Euro 2023 bis
|
||
2025, zusätzlich zum bereits geplantem
|
||
Niveau von 150 Millionen Euro, um den
|
||
Investitionsstau von 700 Millionen Euro
|
||
abzuarbeiten
|
||
|
||
--- PAGE 74 ---
|
||
74
|
||
• eine Erhöhung der Investitionspauscha-
|
||
le für die Kommunen auf jeweils 300
|
||
Millionen Euro in den Jahren 2021, 2022
|
||
und 2023. Damit decken wir auch den
|
||
kommunalen Investitionsbedarf ab, der
|
||
mit den bisherigen Förderprogrammen
|
||
nicht erfasst wurde
|
||
• ein Investitionsprogramm für zusätzli-
|
||
che Investitionen in landeseigene Infra-
|
||
struktur in Höhe von 200 Millionen Euro
|
||
für 2021 und 2022
|
||
• ein Investitionsprogramm in Höhe von
|
||
300 Millionen Euro für Schulen und Kin-
|
||
dertagesstätten für die Jahre 2023 bis
|
||
2025 – mit dem Ziel, überall dort, wo
|
||
STARK III nicht gegriffen hat oder die
|
||
Mittel erschöpft waren, den Abbau des
|
||
fortwährend bestehenden Investitions-
|
||
staus in diesem Bereich voranzutreiben
|
||
• eine Investitionszulage – eventuell aus
|
||
GRW-Mitteln gestaltet – für Investitio-
|
||
nen im Beherbergungsgewerbe zur Mo-
|
||
dernisierung touristischer Unterkünfte
|
||
in Höhe von 40 Millionen Euro
|
||
• eine Landesbürgschaft in Höhe von
|
||
zehn Millionen Euro für den Landestou-
|
||
rismusverband
|
||
• die Konzentration von Anlagen des Pen-
|
||
sionsfonds auf den Ankauf von für die Nut-
|
||
zung der Landesverwaltung notwendigen
|
||
Immobilien in Sachsen-Anhalt
|
||
• die vollständige Kreditfähigkeit der Unikli-
|
||
nika, um schnell durch Nutzung der derzeit
|
||
günstigen Kreditzinsen zu modernen Klini-
|
||
ken zu kommen
|
||
• Wahlfreiheit für Beamt*innen zwischen
|
||
gesetzlicher und privater Krankenversi-
|
||
cherung
|
||
• für familienfreundliche Arbeitsbedingun-
|
||
gen und zur Einsparung bei den Landes-
|
||
liegenschaften die Möglichkeit für Heim-
|
||
arbeit statt Büroarbeit
|
||
• die Einführung des Gender Budgeting im
|
||
Landeshaushalt, damit öffentliche Mittel
|
||
Frauen und Männern gleichermaßen zu-
|
||
gutekommen
|
||
Bundes- und
|
||
Europapolitik
|
||
Bundespolitik
|
||
S
|
||
achsen-Anhalt wirkt über den Bundes-
|
||
rat aktiv an der Gesetzgebung des Bun-
|
||
des mit und vertritt seine – und über-
|
||
greifende ostdeutsche – Interessen in den
|
||
Konferenzen der Ministerpräsident*innen,
|
||
der Fachministerien und in Kooperation mit
|
||
den sachsen-anhaltischen Abgeordneten des
|
||
Deutschen Bundestages. Wir setzen uns dafür
|
||
ein, dass im Zusammenwirken zwischen Bund
|
||
und Ländern eine angemessene Finanzierung
|
||
der öffentlichen Haushalte sichergestellt wird.
|
||
Eine kluge Gestaltung von Steuern und Sub-
|
||
ventionen im Interesse der Öffentlichkeit ist
|
||
wesentlich – auf allen Ebenen, von Kommune,
|
||
Land und Bund bis hin zur Europapolitik und
|
||
internationalen Politik.
|
||
Dabei ist die Vertretung der Landesinteressen
|
||
im Rahmen der Bundespolitik geprägt durch
|
||
• eine strukturelle Schwäche der ostdeut-
|
||
schen Länder, die auch 30 Jahre nach der
|
||
Wiedervereinigung im gesamtdeutschen
|
||
Gefüge selbst gemeinsam nicht so viel po-
|
||
litisches Gewicht aufbringen, wie es ihrem
|
||
Anteil an der Bevölkerung und am Bundes-
|
||
gebiet entsprechen würde;
|
||
• eine Einordnung Sachsen-Anhalts ins Ge-
|
||
leit der CDU-geführten Länder im Plenum
|
||
des Bundesrates und der Ministerpräsi-
|
||
dent*innenkonferenz. Die Mitwirkung an
|
||
und Unterstützung von progressiven Ini-
|
||
tiativen aus anderen Bundesländern wird
|
||
so blockiert.
|
||
Das wollen wir ändern. Sachsen-Anhalt wird
|
||
im Konzert der Länder und im Bund ge-
|
||
braucht, als Stimme für eine soziale, gerechte
|
||
und nachhaltige Politik.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• eine Reform des Grundgesetzes, bei der
|
||
die Änderung der Landesverfassung Sach-
|
||
sen-Anhalts als Vorbild wirken kann: mit
|
||
einer Klausel gegen Rassismus, Antisemi-
|
||
|
||
--- PAGE 75 ---
|
||
75
|
||
tismus und Nationalsozialismus, mit dem
|
||
Verbot der Diskriminierung aufgrund der
|
||
sexuellen Identität und vielen anderen
|
||
fortschrittlichen Regelungen
|
||
• den aktiven Einsatz der Landesregierung
|
||
für eine faire Verteilung von Bundesbe-
|
||
hörden, auch in Ostdeutschland und Sach-
|
||
sen-Anhalt. Zur Vollendung der deutschen
|
||
Einheit gehört auch die schnellstmögliche
|
||
vollständige Verlagerung aller Bundesmi-
|
||
nisterien von Bonn nach Berlin
|
||
• eine Finanzpolitik des Bundes, die den
|
||
anhaltenden Nachholbedarf Ostdeutsch-
|
||
lands bei industrieller Wertschöpfung und
|
||
Steueraufkommen berücksichtigt und den
|
||
ostdeutschen Ländern und Kommunen bei
|
||
der Bewältigung von Altschulden und Ver-
|
||
pflichtungen aus DDR-Zeiten hilft
|
||
• kurzfristig eine Bundesratsinitiative für die
|
||
Einrichtung eines Härtefallfonds, um Be-
|
||
nachteiligungen von Rentner*innen mit
|
||
DDR-Erwerbsbiographien auszugleichen
|
||
• Rückhalt für eine internationale Politik
|
||
der Bundesregierung, die auf Frieden,
|
||
Verständigung,
|
||
Ausgleich,
|
||
Abrüstung
|
||
und gegenseitige Sicherheit setzt, auch
|
||
über die Grenzen der EU hinaus. Es liegt
|
||
im politischen und wirtschaftlichen Inter-
|
||
esse Sachsen-Anhalts, dass Deutschland
|
||
gute und verlässliche Beziehungen zu al-
|
||
len Staaten Europas unterhält. Vorausset-
|
||
zung dafür ist auch die Überwindung von
|
||
Gräben gegenüber dem heutigen Russ-
|
||
land und dessen Rückkehr zum Respekt
|
||
gegenüber Völkerrecht und Menschen-
|
||
rechten, so dass perspektivisch auch die
|
||
Sanktionen entfallen können
|
||
• in diesem Zusammenhang ein Verbot jeder
|
||
Form von Rüstungsexporten aus Deutsch-
|
||
land
|
||
• eine aktive Mitwirkung Sachsen-Anhalts
|
||
an einer humanen Flüchtlings-, Zuwande-
|
||
rungs- und Integrationspolitik
|
||
• eine Bundesratsinitiative für die Legalisie-
|
||
rung von Cannabis
|
||
Europa
|
||
Sachsen-Anhalt liegt im Herzen Europas mit
|
||
engen wirtschaftlichen, politischen und kultu-
|
||
rellen Verflechtungen zu vielen anderen Re-
|
||
gionen der Europäischen Union. Die vergan-
|
||
genen zwei Jahrzehnte haben uns gezeigt:
|
||
Europa hat uns nicht schwächer, sondern
|
||
stärker gemacht. Die europäische Integration
|
||
sichert den Frieden, fördert den Austausch
|
||
und stärkt uns bei der Bewältigung von Zu-
|
||
kunftsaufgaben wie ökologischer Wandel,
|
||
Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze und
|
||
Digitalisierung. Zugleich haben insbesondere
|
||
die Strukturfonds dazu beigetragen, soziale
|
||
Ungleichgewichte abzubauen und eine le-
|
||
benswerte Umwelt zu schaffen. Gerade weil
|
||
wir Europa brauchen, wird sich die SPD Sach-
|
||
sen-Anhalts für eine starke, zugleich aber auch
|
||
sozial gerechte Europäische Union einsetzen.
|
||
Der globale Kapitalismus darf nicht dazu füh-
|
||
ren, dass die Schere zwischen Arm und Reich
|
||
weiter auseinandergeht, nicht zwischen den
|
||
europäischen Regionen und auch nicht zwi-
|
||
schen Kapitaleigentümer*innen und abhän-
|
||
gig Beschäftigten. Nationale Reflexe wie das
|
||
Schließen von Grenzen müssen ein für alle Mal
|
||
der Vergangenheit angehören. Die Begegnun-
|
||
gen zwischen Europäer*innen und die euro-
|
||
päischen Städte- und Landespartnerschaften
|
||
müssen stattdessen verstärkt werden. Wir set-
|
||
zen auch in Zukunft auf Investitionen mit Hilfe
|
||
der EU in moderne Infrastrukturen, in Bildung,
|
||
Forschung und Entwicklung. Die europäischen
|
||
Institutionen und die Europapolitik müssen in
|
||
unserem Bundesland besser erklärt werden.
|
||
Wir stellen gute Arbeit, soziale Leitplanken
|
||
und eine nachhaltige Wirtschaft ins Zentrum
|
||
unserer europapolitischen Initiativen und un-
|
||
serer öffentlichen Beschaffung. Dabei sind die
|
||
17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen
|
||
auch für Sachsen-Anhalt unsere Richtschnur.
|
||
Deshalb brauchen wir:
|
||
• starke Arbeitnehmer*innenrechte, hand-
|
||
lungsfähige Gewerkschaften und durch-
|
||
setzungsfähige Betriebsräte, um die Inter-
|
||
essen der arbeitenden Menschen in Europa
|
||
effektiv zu vertreten. Dem Lohndumping
|
||
sagen wir den Kampf an
|
||
• eine Kampfansage an ausbeuterische
|
||
Werkverträge, die Extraprofite sichern,
|
||
aber zu Lasten der Beschäftigten aus an-
|
||
|
||
--- PAGE 76 ---
|
||
76
|
||
deren europäischen Ländern und von Um-
|
||
welt und Gesundheit gehen
|
||
• einen starken Mittelstand, der europaweit
|
||
gut vernetzt ist und die Grundfreiheiten
|
||
des europäischen Binnenmarktes zu nut-
|
||
zen vermag
|
||
• eine verbesserte digitale Infrastruktur im
|
||
Land mit einer verstärkten Breitbandförde-
|
||
rung über europäische Fonds und europäi-
|
||
sche Mittel für den WLAN- und 5G-Ausbau
|
||
• die soziale Absicherung des Strukturwan-
|
||
dels hin zu einer kohlenstofffreien und di-
|
||
gitalisierten Wirtschaft mit der Schaffung
|
||
innovativer Arbeitsplätze. Niemand darf
|
||
bei diesen gesellschaftlichen Herausforde-
|
||
rungen zurückbleiben. Die EU-Förderpe-
|
||
riode 2021 bis 2027 und der Corona-Wie-
|
||
deraufbau-Fonds müssen dazu genutzt
|
||
werden
|
||
• eine stärkere Sichtbarkeit der sachsen-an-
|
||
haltischen Chemieindustrie im Netzwerk der
|
||
europäischen Chemieregionen in Brüssel
|
||
• auch von Sachsen-Anhalt die Unterstüt-
|
||
zung einer zielgerichteten Strategie zur
|
||
Gleichstellung der Geschlechter, für Chan-
|
||
cengleichheit und für die Ratifizierung der
|
||
Istanbul-Konvention durch die EU und ihre
|
||
Mitgliedsstaaten
|
||
• europäische Förderprogramme im Bereich
|
||
Kultur und Medien, die in zukünftigen EU-
|
||
Haushalten und bei Extraprogrammen ver-
|
||
stärkte Berücksichtigung finden müssen
|
||
• die von der EU eingeführte European
|
||
Disability Card. Sie muss aufgegriffen
|
||
werden und zu einem verbindlichen eu-
|
||
ropäischen Behindertenausweis weiter-
|
||
entwickelt werden
|
||
• eine starke Vertretung in Brüssel und in
|
||
Berlin, im Ausschuss der Regionen und
|
||
im Bundesrat, um Initiativen hin zu einem
|
||
wirtschaftlich starken, sozialeren und eini-
|
||
gen Europa zu unterstützen. Insbesonde-
|
||
re setzen wir uns für einen europäischen
|
||
Mindestlohn und eine europäische Steuer-
|
||
politik ein, die Steuerschlupflöcher schließt
|
||
• ein möglichst hohes Niveau der Förde-
|
||
rung auch in der nächsten Förderperiode.
|
||
Gleichzeitig stellen wir mit den sachsen-
|
||
anhaltischen Akteur*innen die Weichen,
|
||
um die europäischen Fördermöglichkei-
|
||
ten jenseits der Strukturfonds noch bes-
|
||
ser für Sachsen-Anhalt zu nutzen. Wir wer-
|
||
den vereinfachte Förderverfahren für die
|
||
europäischen Strukturfonds auf den Weg
|
||
bringen. Hier kann Sachsen-Anhalt von an-
|
||
deren Bundesländern lernen
|
||
• eine institutionelle Infrastruktur zum Ab-
|
||
rufen von EU-Forschungsmitteln
|
||
• Projektentwickler*innen im Kohlerevier, die
|
||
innovative Infrastruktur-, Energie-, Klima-
|
||
schutz- und Industrieprojekte entwickeln
|
||
und im Sinne des Green Deals und des EU-
|
||
Kohleausstiegsfonds umsetzen. Das Koh-
|
||
leausstiegs- und das Strukturstärkungs-
|
||
gesetz und deren Umsetzung sollen die
|
||
Grundlage für den Austausch mit anderen
|
||
ehemaligen Kohleregionen Europas sein
|
||
• niedrigschwellige Breitenförderung bei der
|
||
Vergabe von EU-Fördermitteln für ener-
|
||
gieeffizienzsteigernde und CO2-mindern-
|
||
de Maßnahmen
|
||
• den Ausbau der politischen Bildung und
|
||
Schulbildung in Bezug auf europäische
|
||
Themen. Wir wenden uns mit aller Ent-
|
||
schiedenheit gegen jene politischen Kräf-
|
||
te, die das europäische Projekt durch
|
||
Rechtspopulismus oder Nationalegoismus
|
||
zu zerstören drohen
|
||
• die Ausweitung der Bürger*innendialoge
|
||
in allen Teilen Sachsen-Anhalts
|
||
• finanzielle Unterstützung für die Menschen
|
||
und Kommunen im Land, um sich mit Bür-
|
||
ger*innen sowie mit Kommunen aus ande-
|
||
ren Regionen der EU auszutauschen
|
||
• eine ökologische Landwirtschaft, die un-
|
||
abhängig von der Unternehmensform
|
||
auch auf europäischer Ebene wettbe-
|
||
werbsfähig ist
|
||
• eine europaweit einheitliche Besteuerung
|
||
von Digitalunternehmen und eine EU-wei-
|
||
te Finanztransaktionssteuer
|
||
|
||
--- PAGE 77 ---
|
||
77
|
||
SPD Sachsen-Anhalt | Bürgelstraße 1 | 39104 Magdeburg | spd-sachsen-anhalt.de
|