Brings Sachsen-Anhalt online as the second supported Bundesland after
NRW. Closes the gap that issue #2 left open: with the PortalaAdapter
already in place from c7242f8, this commit adds the reference data and
flips the activation switch.
Wahlprogramme (LTW Sachsen-Anhalt 06.06.2021)
- Six PDFs added under app/static/referenzen/{cdu,spd,gruene,fdp,afd,
linke}-lsa-2021.pdf, plus paged plain-text extractions under
app/kontext/*.txt for the keyword fallback search.
- Sources verified by hand:
- CDU "Unsere Heimat. Unsere Verantwortung." (cdulsa.de, 82 pages)
- SPD "Zusammenhalt und neue Chancen" (FES library, 77 pages)
- GRÜNE "Verlässlich für Sachsen-Anhalt" (gruene-lsa.de, 164 pages)
- FDP "Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021" (Naumann-Stiftung, 76 pages)
- AfD "Alles für unsere Heimat!" (klimawahlen.de mirror, 64 pages)
- LINKE "Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021" (dielinke-sachsen-anhalt.de,
88 pages)
- The CDU PDF was the trickiest: KAS blocks bot downloads via
Cloudflare; the cdulsa.de copy was located by an autonomous web
search and verified to be byte-identical with the official document.
Embeddings indexed (in production container, OpenAI-compatible
DashScope embeddings via the existing index_programm pipeline):
- CDU 134, SPD 145, GRÜNE 183, FDP 100, AfD 64, LINKE 143 chunks
- Total LSA: 769 new chunks alongside the existing 775 NRW chunks
and 335 federal Grundsatzprogramm chunks.
wahlprogramme.py
- WAHLPROGRAMME["LSA"] populated with all six parties (canonical fraction
codes, original titles, page counts).
embeddings.py
- PROGRAMME extended with the six new "<partei>-lsa-2021" entries that
the indexer pipeline expects.
bundeslaender.py
- LSA flipped to aktiv=True. The frontend dropdown will now offer
Sachsen-Anhalt as a selectable bundesland and analyzer.get_bundesland_
context() will produce a real LSA prompt block (CDU/SPD/FDP as
governing fractions, all six landtagsfraktionen).
End-to-end smoke test (live in production container before commit)
- Adapter: PortalaAdapter.search() returned current Anträge of März 2026
(LINKE + GRÜNE) with correct titles and PDF URLs.
- Semantic search for an LSA "ÖPNV in der Altmark" sample antrag
matched LINKE S.53, SPD S.68, FDP S.52 — all three with similarity
> 0.6 and topical hits (Regionalisierungsmittel, ÖPNV-Förderprogramm,
Wasserstoffnetz).
Resolves issue #2.
Co-Authored-By: Claude Sonnet 4.6 <noreply@anthropic.com>
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247 KiB
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||
1
|
||
Wahlprogramm für die Landtagswahl
|
||
Solidarität
|
||
statt
|
||
Ellenbogen.
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||
Besser
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||
in Sachsen-Anhalt am 6. Juni 2021
|
||
Wahlprogramm für die Landtagswahl
|
||
in Sachsen-Anhalt am 6. Juni 2021
|
||
Besser
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||
|
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|
||
Inhalt
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||
Präambel...........................................................................................................3
|
||
I.
|
||
Gerechtigkeit, die wir meinen.....................................................................6
|
||
II.
|
||
Fortschritt, den wir meinen......................................................................20
|
||
III. Bildungsgerechtigkeit, die wir meinen......................................................39
|
||
IV. Zusammenhalt, den wir meinen................................................................50
|
||
V.
|
||
Vielfalt braucht Solidarität........................................................................60
|
||
VI. Demokratie, die wir meinen......................................................................65
|
||
VII. Wer bezahlt die Rechnung für die Krise?...................................................81
|
||
VIII. Ohne Frieden ist alles andere nichts:
|
||
|
||
Nein zum Krieg! Nein zur Rüstung!............................................................83
|
||
Das Landtagswahlprogramm 2021
|
||
wurde vom Landesparteitag der
|
||
Partei DIE LINKE. Sachsen-Anhalt
|
||
am 19. März 2021 beschlossen.
|
||
|
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|
||
3
|
||
Nur ein starker Sozialstaat
|
||
schützt uns vor der Krise
|
||
Die Wucht der andauernden Corona-
|
||
Pandemie hat Sachsen-Anhalt,
|
||
Deutschland und die ganze Welt
|
||
hart getroffen. Wir sind am Anfang
|
||
der schwersten Wirtschaftskrise seit
|
||
Jahrzehnten. Ihre Folgen werden uns
|
||
weit über die nächsten Landtags- und
|
||
Bundestagswahlen hinaus beschäfti-
|
||
gen. Das Corona-Management des
|
||
Bundes und des Landes hat bei der
|
||
Eindämmung der zweiten Welle der
|
||
Pandemie versagt.
|
||
Unter der Krise leiden vor allem
|
||
diejenigen, die ohnehin schon zu
|
||
wenig Geld für sich und ihre Familien
|
||
haben. Den deutschen Milliardären
|
||
geht es dagegen immer besser.
|
||
Ihr Vermögen ist seit einem Jahr um
|
||
knapp 100 Milliarden gewachsen.
|
||
Dies ist ein Sinnbild für die herrschende
|
||
Politik, die das Auseinanderdriften
|
||
der Gesellschaft hinnimmt.
|
||
Wer DIE LINKE wählt, wählt soziale
|
||
Sicherheit und stärkt eine Kraft
|
||
gegen die Abwälzung der Krisenlasten
|
||
auf Beschäftigte, Versicherte,
|
||
Rentner:innen und Patient:innen.
|
||
Wer DIE LINKE wählt, stärkt eine
|
||
Kraft, die sich gegen sinnlose
|
||
Rüstungsausgaben wendet und die
|
||
Gelder für eine Bildungsoffensive
|
||
einsetzen wird. Schulen und Kitas
|
||
statt Panzer und Kriegsschiffe!
|
||
Und fast zwei Drittel der Bürger:innen
|
||
Sachsen-Anhalts, darunter auch viele
|
||
CDU-Anhänger:innen, wollen eine
|
||
Vermögensabgabe zur Bewältigung
|
||
der Krisenlasten, wie sie DIE LINKE
|
||
fordert.
|
||
Die wirklichen Leistungsträger dieser
|
||
Gesellschaft, die durch ihre tägliche
|
||
Arbeit den Reichtum schaffen, müssen
|
||
endlich bessere Löhne erhalten. Das
|
||
gilt vor allem für die »systemrelevanten
|
||
Berufe«, die mehrheitlich von Frauen
|
||
ausgeübt werden. Gerade während des
|
||
Lockdowns konnten wir sehen, wie sehr
|
||
Frauen unsere Gesellschaft mit ihrer
|
||
Arbeit zusammenhalten. Genau diese
|
||
Tätigkeiten werden aber schlecht oder
|
||
gar nicht bezahlt. Gesellschaftlich
|
||
notwendige Arbeit muss jetzt und für
|
||
die Zukunft neu bewertet werden.
|
||
Auch hier hat der Markt versagt.
|
||
Nur ein starker Sozialstaat mit einem
|
||
hohen Anteil an kommunalem und
|
||
gesellschaftlichem Eigentum wird
|
||
dafür sorgen können, dass wirkliche
|
||
Leistungen, wie sie gerade unter
|
||
Coronabedingungen vor allem von
|
||
Frauen in der Pflege und in den
|
||
Krankenhäusern erbracht werden,
|
||
aber auch andere Arbeiten mit hohem
|
||
körperlichen Einsatz, so bezahlt und
|
||
wertgeschätzt werden, wie sie es
|
||
verdienen. Nur ein solcher Sozialstaat
|
||
kann zum Rettungsanker für Selbststän-
|
||
dige und kleine Unternehmen werden.
|
||
Die Stärke der LINKEN wird mit darüber
|
||
entscheiden, ob die enormen Möglich-
|
||
keiten der öffentlichen Hand in
|
||
Sachsen-Anhalt endlich zu einer wirk-
|
||
samen Krisenbekämpfung eingesetzt
|
||
werden, ob Massenarbeitslosigkeit und
|
||
neue Privatisierungen abgewendet
|
||
werden können, ob wir künftig bessere
|
||
Krankenhäuser und bessere Pflege-
|
||
dienste in Sachsen-Anhalt haben
|
||
werden, ob der Mangel an den Schulen
|
||
beendet wird. Ohne uns wird es keine
|
||
Entschuldung der Kommunen geben.
|
||
Präambel
|
||
|
||
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|
||
4
|
||
Unsere Stärke ist unser Antifaschismus.
|
||
Wir kämpfen auf allen Ebenen gegen
|
||
Rassismus, Rechtsextremismus,
|
||
Antisemitismus, Menschenfeindlich-
|
||
keit und Antifeminismus.
|
||
Das gesellschaftliche Problem des
|
||
rassistischen, menschenfeindlichen
|
||
Hasses muss konsequent gelöst wer-
|
||
den! Unsere Stärke ist entscheidend,
|
||
wenn es um die Bekämpfung alter
|
||
und neuer Nazis geht.
|
||
Nicht Sachsen-Anhalt ist schwach,
|
||
sondern sein Ministerpräsident, seine
|
||
Regierung und seine zerstrittene und
|
||
verzagte KENIA-Koalition sind es.
|
||
Diese Regierung regiert nicht und
|
||
diese Koalition gestaltet nicht,
|
||
sondern verwaltet den Mangel.
|
||
Während andere Landesregierungen
|
||
die historisch einmalige Niedrigzins-
|
||
phase sowohl für den Ausgleich der
|
||
besorgniserregenden Steuerausfälle
|
||
nutzen als auch eigene zusätzliche
|
||
Hilfs- und Konjunkturprogramme
|
||
auflegen, versagt das Kabinett
|
||
Haseloff in diesen beiden Punkten.
|
||
So werden mitten in der Krise die
|
||
Landesfinanzen gegen die Wand
|
||
gefahren. Wie sehr wir in Sachsen-
|
||
Anhalt eine neue Politik brauchen,
|
||
zeigt sich vor allem im ländlichen
|
||
Raum. Über viele Jahre hinweg – zuerst
|
||
unter Böhmer & Bullerjahn, jetzt unter
|
||
Haseloff – zieht sich der Staat aus
|
||
der Fläche zurück. Mit dieser Politik
|
||
der stillgelegten Bus- und
|
||
Bahnverbindungen, der verkauften
|
||
Krankenhäuser muss Schluss sein.
|
||
Mit unserem Landtagswahlprogramm
|
||
reden wir Klartext über Missstände
|
||
und sagen konkret, was sich ändern
|
||
muss. Wir sind überzeugt davon, dass
|
||
Sachsen-Anhalt gestärkt aus der Krise
|
||
hervorgehen kann. Ein Konjunktur-
|
||
und Investitionspaket, gezielte Hilfen
|
||
für Solo-Selbstständige, die Erhöhung
|
||
des Mindestlohnes und die Auswei-
|
||
tung der Tarifbindung sind dabei
|
||
Punkte, auf die es ankommt.
|
||
Im Gesundheitswesen wollen wir neue
|
||
Wege gehen: Mit einem Krankenhaus-
|
||
verbund wollen wir nicht nur einen
|
||
Schutzschirm gegen die Privatisierung
|
||
kommunaler Krankenhäuser schaffen,
|
||
sondern ein leistungsfähiges, öffent-
|
||
liches Krankenhausunternehmen,
|
||
das schrittweise Häuser von Privaten
|
||
übernehmen kann.
|
||
Privaten Krankenhausbetreibern,
|
||
die ihren Versorgungsauftrag nicht
|
||
erfüllen, muss die Betriebserlaubnis
|
||
entzogen werden und die
|
||
Krankenhäuser sind in öffentliche
|
||
Hand zu überführen.
|
||
Der Klimawandel stellt auch Sachsen-
|
||
Anhalts Wirtschaft vor enorme
|
||
Herausforderungen. Das betrifft
|
||
keineswegs nur den Kohleausstieg im
|
||
Süden unseres Landes, sondern
|
||
ebenso die Automobilzulieferer sowie
|
||
die Land- und Forstwirtschaft.
|
||
Dass eine Wirtschaft, die auf dem
|
||
Verbrennen fossiler Rohstoffe basiert,
|
||
keine sicheren Perspektiven mehr
|
||
bieten kann, sehen immer mehr
|
||
Menschen ein. Deswegen gibt es in
|
||
unserem Programm keine wichtige
|
||
wirtschaftliche Frage, die nicht auch
|
||
einen Klimaschutzaspekt hat.
|
||
Wir richten unsere wirtschafts-,
|
||
energie- und agrarpolitischen
|
||
Konzepte an der Achse des ökologi-
|
||
schen Strukturwandels aus.
|
||
Doch das, was ökologisch vernünftig
|
||
ist, ist deswegen nicht automatisch
|
||
sozial gerecht. Grüne Politik erscheint
|
||
innovativ, vor allem aber gibt sie
|
||
denen, die schon haben, immer noch
|
||
etwas mehr dazu. Aber der ökologi-
|
||
sche Umbau muss auch im Interesse
|
||
derer erfolgen und ausgestaltet
|
||
werden, die mit weniger finanziellen
|
||
Möglichkeiten ausgestattet sind, hier
|
||
|
||
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|
||
5
|
||
in Sachsen-Anhalt und weltweit.
|
||
DIE LINKE steht wie keine andere
|
||
Partei für einen sozial-ökologischen
|
||
Wandel.
|
||
Vor allem in der Krise wollen die
|
||
Menschen Sicherheit und eine
|
||
Perspektive für ein besseres Leben
|
||
in Gerechtigkeit und Würde.
|
||
Diese Hoffnung wird nicht nur durch
|
||
wirtschaftliche Verwerfungen
|
||
bedroht, sondern auch durch alte
|
||
und neue Nazis, Reichsbürger und
|
||
andere Feinde einer demokratischen
|
||
Gesellschaft. Der antisemitische,
|
||
rassistische und frauenfeindliche
|
||
Terroranschlag auf die Synagoge in
|
||
Halle vom 09. Oktober 2019, der in
|
||
einer Reihe mit den Morden des
|
||
»NSU«, mit denen an Walter Lübcke,
|
||
in Hanau oder in Christchurch steht,
|
||
ist Folge der gewaltvollen Ideologie
|
||
der völkischen Rechten.
|
||
In der gesamten Bundesrepublik
|
||
sind verfestigte extrem rechte,
|
||
neonazistische und faschistische
|
||
Strukturen aktiv, von denen eine
|
||
konkrete Gefahr für das Leben und
|
||
die Freiheit der Menschen in
|
||
Deutschland ausgeht. Wir brauchen
|
||
eine Regierung, die endlich
|
||
konsequent dagegen vorgeht, mit
|
||
Schwerpunktstaatsanwaltschaften,
|
||
mit einer konsequenten Entwaffnung,
|
||
mit konsequenter Anwendung der
|
||
Gesetze. Die AfD ist der parlamentari-
|
||
sche Arm des Rechtsextremismus.
|
||
Trotzdem sind Teile der CDU nicht
|
||
bereit, sich von einer Zusammenarbeit
|
||
mit ihr zu distanzieren. DIE LINKE
|
||
kämpft gegen jeden Einfluss der
|
||
extremen Rechten auf die Regierungs-
|
||
politik in Sachsen-Anhalt.
|
||
DIE LINKE ist die Partei, die im Bund,
|
||
im Land und in den Kommunen auf
|
||
einen starken Sozialstaat setzt.
|
||
DIE LINKE ist die einzige Partei, die
|
||
die Interessen der Menschen in
|
||
Ostdeutschland konsequent vertritt.
|
||
DIE LINKE ist ihrem sozialistischen
|
||
Erbe verpflichtet. Sie steht für den
|
||
Bruch mit der SED-Herrschaft.
|
||
Die ostdeutsche Revolution von
|
||
1989 war ebenso auch
|
||
mutige Reformbewegung eines
|
||
demokratischen und ökologischen
|
||
Sozialismus. Wir wollen die
|
||
Gesellschaft demokratisch, sozial und
|
||
ökologisch verändern. Wir wollen ein
|
||
demokratisch-sozialistisches Ideal,
|
||
das das Privateigentum nicht über
|
||
alles hebt, das wichtige Bereiche des
|
||
öffentlichen Lebens nicht dem Markt
|
||
überlassen will. Gleichheit und
|
||
Solidarität, Freiheit und Frieden sind
|
||
für uns die Vision einer besseren
|
||
Gesellschaft.
|
||
|
||
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|
||
6
|
||
Gute Arbeit: Sachsen-Anhalt
|
||
verdient Besseres
|
||
DIE LINKE kämpft für ein neues
|
||
Normalarbeitsverhältnis, das für
|
||
alle Menschen soziale Sicherheit
|
||
ermöglicht und auf individuelle
|
||
Lebenslagen Rücksicht nimmt: Arbeit
|
||
muss für alle Menschen sicher und
|
||
unbefristet, tariflich bezahlt, sozial
|
||
abgesichert und demokratisch
|
||
mitgestaltet sein. Das gilt, ganz gleich
|
||
ob die Arbeit mit Laptop oder Wisch-
|
||
mopp, im Pflegekittel oder Blaumann
|
||
geleistet wird. In einem reichen
|
||
Land wie Deutschland fängt sozial
|
||
gerechte Politik damit an, dass Armut
|
||
trotz Arbeit, sozialer Abstieg und
|
||
permanente Unsicherheit in prekären
|
||
Jobs sofort gestoppt werden.
|
||
Seitdem in Deutschland, auch auf
|
||
Druck der LINKEN, der Mindestlohn
|
||
eingeführt wurde, war er vor allem für
|
||
viele Geringverdienende in Sachsen-
|
||
Anhalt ein Erfolgsmodell. Er führte zu
|
||
einer überdurchschnittlichen
|
||
Erhöhung des Lohnniveaus und zu
|
||
einer erhöhten Binnennachfrage.
|
||
Der Mindestlohn ist jedoch kein Ersatz
|
||
für gute Löhne, die erst eine aus-
|
||
kömmliche Rente ermöglichen.
|
||
Und gute Löhne gibt es vor allem dort,
|
||
wo nach Tarif bezahlt wird.
|
||
Doch nur die Hälfte der Beschäftigten
|
||
in Sachsen-Anhalt ist durch einen
|
||
Tarifvertrag geschützt. Deswegen
|
||
unterstützen wir die Gewerkschaften
|
||
in ihrem Kampf um gute Tarifverträge.
|
||
In Streiks können Gewerkschaftsmit-
|
||
glieder höhere Löhne und bessere
|
||
Arbeitsbedingungen erkämpfen.
|
||
Und wir haben eine klare und einfache
|
||
Botschaft: Öffentliche Aufträge soll
|
||
nur bekommen, wer sich an Tarif-
|
||
verträge hält bzw. einen Vergabe-
|
||
mindestlohn von 13 Euro brutto pro
|
||
Stunde bezahlt. Wir setzen uns für ein
|
||
Vergabegesetz mit verbindlichen
|
||
sozial-ökologischen Kriterien ein.
|
||
DIE LINKE tritt dafür ein, Tarifverträge
|
||
für allgemeinverbindlich zu erklären,
|
||
insbesondere für die Bereiche Handel,
|
||
Reinigung und Pflege. Das Vetorecht
|
||
der Arbeitgeber bei Allgemeinverbind-
|
||
licherklärungen von Tarifverträgen
|
||
gehört abgeschafft. Wir unterstützen
|
||
die Forderung des DGB nach einem
|
||
Kompetenzzentrum für Gute Arbeit.
|
||
Geht es nach Ministerpräsident
|
||
Haseloff (CDU), bleibt Sachsen-Anhalt
|
||
ein Niedriglohnland. Die Menschen
|
||
arbeiten länger, verdienen dafür
|
||
weniger und haben nicht so
|
||
viel Urlaub wie in den alten Bundes-
|
||
ländern. Denn die CDU führt in
|
||
Sachsen-Anhalt einen rückwärts-
|
||
gewandten Kampf gegen den
|
||
Mindestlohn, die Tarifbindung und
|
||
die Erweiterung von Rechten der
|
||
Arbeitnehmer:innen. Das muss sich
|
||
ändern. Nicht in 10 oder 20 Jahren,
|
||
sondern jetzt.
|
||
Existenzsicherung in der
|
||
Wirtschaftskrise
|
||
Viele Beschäftigte müssen aufgrund
|
||
von Kurzarbeit Lohneinbußen hinneh-
|
||
men. Das bedeutet, später auch
|
||
weniger Rente zu bekommen.
|
||
Das Kurzarbeitergeld muss auf
|
||
90 Prozent erhöht werden.
|
||
Jeglichen Forderungen, den Mindest-
|
||
lohn zu senken, erteilt DIE LINKE.
|
||
Sachsen-Anhalt eine scharfe Absage.
|
||
Wir fordern ein Grundeinkommen für
|
||
I. Gerechtigkeit, die wir meinen
|
||
|
||
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|
||
7
|
||
Solo-Selbstständige, Künstler:innen
|
||
und Dienstleister:innen der
|
||
Veranstaltungsbranche von
|
||
1.200 Euro im Monat bis zum Ende
|
||
der Beschränkungen für ihre Arbeit.
|
||
Das Land Sachsen-Anhalt muss
|
||
als Arbeitgeber vorbildlich sein
|
||
Galt ein Job im öffentlichen Dienst vor
|
||
Jahren als sicher bis zur Rente, ist
|
||
jetzt dieser Sektor vor allem durch
|
||
Überalterung und Befristung geprägt.
|
||
Fast die Hälfte der zurzeit im öffent-
|
||
lichen Dienst Beschäftigten erreicht
|
||
in den kommenden zehn Jahren das
|
||
Rentenalter. Dennoch erfolgt mehr als
|
||
die Hälfte der Neueinstellungen nur
|
||
befristet und nur jede:r vierte befristet
|
||
Beschäftigte wird in ein unbefristetes
|
||
Arbeitsverhältnis übernommen.
|
||
So gewinnt man keinen Nachwuchs,
|
||
sondern verprellt ihn. DIE LINKE wird
|
||
den öffentlichen Dienst wieder zum
|
||
attraktiven Arbeitgeber machen.
|
||
Sachgrundlose Befristungen wollen
|
||
wir abschaffen, den Nachwuchs
|
||
besser ausbilden und durchlässige
|
||
Aufstiegskorridore schaffen. Insbe-
|
||
sondere für mittlere und gehobene
|
||
Laufbahnen wollen wir mehr Entwick-
|
||
lungsmöglichkeiten aus dem eigenen
|
||
Personalbestand schaffen.
|
||
Mehr Frauen in Führungspositionen
|
||
fordert DIE LINKE und wird sie aktiv
|
||
fördern. Außerdem werden wir uns
|
||
für flache Hierarchien und partizipa-
|
||
tive Führung einsetzen, sodass alte
|
||
Machtstrukturen auch im öffentlichen
|
||
Dienst aufgebrochen werden.
|
||
Was wir für die Rechte von
|
||
Arbeitnehmer:innen tun wollen
|
||
Der Aushöhlung von Arbeitsschutz-
|
||
rechten unter dem Vorwand der
|
||
Digitalisierung oder der Corona-
|
||
Pandemie sagen wir den Kampf an.
|
||
Arbeit muss flexibler werden, aber für
|
||
die Beschäftigten, nicht die Konzerne.
|
||
Die Bestimmungen zu Sonn- und
|
||
Feiertagsarbeit dürfen nicht aufge-
|
||
weicht werden. Dauerhaftes Arbeiten
|
||
von zu Hause aus, ob Homeoffice
|
||
oder mobiles Arbeiten, kann zu
|
||
sozialer Vereinsamung führen und
|
||
die ständige Erreichbarkeit durch den
|
||
Arbeitgeber belastet die Psyche weiter.
|
||
Die Kosten, welche durch mobiles
|
||
Arbeiten entstehen, dürfen nicht auf
|
||
die Beschäftigten abgewälzt werden.
|
||
Wo Gewerkschaftsarbeit behindert
|
||
(union busting) und Gewerk-
|
||
schafter:innen gemobbt werden,
|
||
muss der Staat eingreifen.
|
||
Wer die Bildung eines Betriebsrates
|
||
oder dessen Arbeit behindert,
|
||
macht sich strafbar. Aber nur in
|
||
seltenen Fällen kommt es zur Anklage.
|
||
Hier muss bei der Ahndung und
|
||
Verfolgung von solchen Straftaten
|
||
mehr getan, aber auch der öffentliche
|
||
Druck auf solche Unternehmen erhöht
|
||
werden, auch mittels Einschränkungen
|
||
bei der Fördermittelvergabe des
|
||
Landes. DIE LINKE fordert die Ein-
|
||
führung eines Verbandsklagerechtes
|
||
für Gewerkschaften. Wir wollen,
|
||
dass gegen Mobbing von Beschäftigten
|
||
und Betriebsräten, bei Verstößen
|
||
gegen Tarifverträge und Arbeitsrechte
|
||
auch die Gewerkschaften Klage
|
||
erheben können.
|
||
Ausbeuterische Werkverträge
|
||
und Leiharbeit abschaffen
|
||
Skandalöse Arbeitsbedingungen in
|
||
der Fleischindustrie, auf dem Bau
|
||
und in der Landwirtschaft gefährden
|
||
die öffentliche Gesundheit.
|
||
Hohe Infektionszahlen sind dort
|
||
deswegen kein Zufall, sondern
|
||
Ergebnis unerträglicher Ausbeutungs-
|
||
verhältnisse auf der Basis von
|
||
Werkverträgen und Leiharbeit.
|
||
|
||
--- PAGE 8 ---
|
||
8
|
||
So ziehen sich Unternehmen aus der
|
||
Verantwortung für den Schutz von
|
||
Arbeitnehmer:innen, kassieren aber
|
||
hohe Gewinne durch die Dumping-
|
||
angebote von Subunternehmen.
|
||
DIE LINKE fordert die Bekämpfung
|
||
von Scheinselbstständigkeit, illegaler
|
||
Arbeitnehmer:innenüberlassung
|
||
und das Verbot von Leiharbeit.
|
||
Sozialstandards und Arbeit-
|
||
nehmer:innenrechte müssen überall
|
||
in Sachsen-Anhalt und für jede:n
|
||
gelten, egal, woher sie oder er kommt.
|
||
Betriebliche Mitbestimmung stärken
|
||
Dass nur rund 14 Prozent der Betriebe
|
||
mit mehr als fünf Beschäftigten im
|
||
Land einen Betriebsrat haben, muss
|
||
sich endlich ändern.
|
||
DIE LINKE fordert, über die jährlich
|
||
stattfindende Betriebsrätekonferenz
|
||
hinaus, eine Förderung der
|
||
Anerkennungskultur betrieblicher
|
||
Mitbestimmung, u. a. auch durch
|
||
eine Aufnahme in den Lehrplan an
|
||
berufsbildenden Schulen.
|
||
Unternehmen, Betriebs- und Personal-
|
||
räte wollen wir beim betrieblichen
|
||
Gesundheitsmanagement unter-
|
||
stützen und Weiterbildungsstandards
|
||
etablieren und verbessern.
|
||
Damit Arbeit nicht krank macht
|
||
Die Sicherheit und Gesundheit der
|
||
Beschäftigten am Arbeitsplatz sind
|
||
ein wichtiges Gut. Der Arbeits- und
|
||
Gesundheitsschutz von Menschen
|
||
darf nicht dem Kommerz bzw. dem
|
||
Rotstift geopfert werden. Das Landes-
|
||
amt für Verbraucherschutz, vor allem
|
||
der Fachbereich Arbeitsschutz, war
|
||
jahrelang einem Kürzungs- und
|
||
Spardruck ausgesetzt und ist personell
|
||
unterbesetzt. Schon heute wird ein
|
||
Unternehmen in Sachsen-Anhalt
|
||
durchschnittlich nicht einmal rund alle
|
||
19 Jahre kontrolliert. Eine effektive
|
||
Kontrolltätigkeit sieht anders aus.
|
||
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt setzt sich
|
||
für mehr Personal im Landesamt ein.
|
||
Das Verlangen nach ständiger Erreich-
|
||
barkeit von Arbeitnehmer:innen, die
|
||
beschleunigte digitale Informations-
|
||
flut und Arbeitsverdichtung sowie
|
||
schlechte Arbeitsausstattungen
|
||
gefährden die Gesundheit und führen
|
||
zu einer Zunahme vor allem
|
||
psychischer Erkrankungen. Auf diese
|
||
Veränderungen ist bislang im Arbeits-
|
||
schutzrecht und bei der Prävention
|
||
nicht ausreichend reagiert worden.
|
||
Deswegen brauchen wir eine
|
||
Anti-Stress-Verordnung und eine
|
||
gesetzliche Verpflichtung der
|
||
Arbeitgeber:innen beim betrieblichen
|
||
Gesundheitsmanagement.
|
||
Die Trennung von Arbeit und Privat-
|
||
leben ist ein schützenswertes Gut.
|
||
Die Ausweitung des Homeoffice
|
||
erfordert daher angepasste
|
||
Regelungen für den Arbeits- und
|
||
Gesundheitsschutz. Es sollte einen
|
||
Rechtsanspruch für Beschäftigte
|
||
auf mobiles Arbeiten und Homeoffice
|
||
geben, aber nur auf freiwilliger Basis
|
||
und mit verbindlichem tariflichem
|
||
Schutz vor Überlastung und Stress.
|
||
Mehr Geld für Auszubildende
|
||
Auszubildende sind nicht einfach
|
||
billige Arbeitskräfte, die zu
|
||
ausbildungsfremden Tätigkeiten und
|
||
Überstunden gezwungen werden
|
||
können. Betrieben, die gegen das
|
||
Jugendarbeitsschutzgesetz und das
|
||
Berufsbildungsgesetz verstoßen,
|
||
muss von den zuständigen Stellen die
|
||
Ausbildungsberechtigung entzogen
|
||
werden. Wir fordern eine Mindestaus-
|
||
bildungsvergütung von 1050 Euro.
|
||
Das Schulgeld bei den nichtärztlichen
|
||
Heilberufen und Erziehungsberufen
|
||
|
||
--- PAGE 9 ---
|
||
9
|
||
werden wir abschaffen und eine
|
||
adäquate Ausbildungsvergütung
|
||
für die schulischen Ausbildungen
|
||
einführen.
|
||
Wir wollen ein landesweites
|
||
Azubiticket
|
||
In Sachsen-Anhalt nehmen demogra-
|
||
fisch bedingt auch in den kommenden
|
||
Jahren weniger junge Menschen eine
|
||
Ausbildung auf.
|
||
Dadurch kommt es zwangsläufig zu
|
||
weiten Wegen zur Ausbildungsstätte
|
||
und zur Berufsschule.
|
||
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt setzt sich
|
||
für ein Angebot an Internatsplätzen
|
||
an jedem Berufsschulstandort und
|
||
für ein Azubiticket ein, das den Namen
|
||
auch tatsächlich verdient.
|
||
Der Fachkräftemangel kann
|
||
überwunden werden
|
||
Arbeit in Sachsen-Anhalt muss
|
||
attraktiver werden, sowohl bei der
|
||
Bezahlung als auch bei der Vereinbar-
|
||
keit von Familie, Beruf und Ehrenamt
|
||
sowie den Arbeitsbedingungen.
|
||
Sachsen-Anhalt leidet seit Jahren
|
||
unter dem Weggang von jungen
|
||
Menschen. Schon jetzt fehlen
|
||
Lehrer:innen, Erzieher:innen,
|
||
Richter:innen, Fachkräfte im Indust-
|
||
riebereich, aber auch im Handwerk,
|
||
in der Gastronomie/Hotellerie und im
|
||
Gesundheitswesen. Prekäre Beschäf-
|
||
tigung im Wissenschaftsbereich
|
||
und mehr Solo-Selbstständige
|
||
durch Outsourcing von regulärer
|
||
Beschäftigung, etwa im Bereich
|
||
Webdesign, Netzwerkadministration
|
||
usw. sind für viele keine ausreichenden
|
||
Perspektiven. DIE LINKE will alle
|
||
Möglichkeiten nutzen, Fachkräfte zu
|
||
gewinnen und zu halten. Attraktive
|
||
Arbeits- und Lebensbedingungen
|
||
sollen Fachkräfte halten, das Land
|
||
aber auch interessant für Rückkehrer
|
||
machen. Wir wollen, dass betriebliche
|
||
und überbetriebliche Weiterbildungs-
|
||
maßnahmen auch darauf ausgerichtet
|
||
sind, berufliche Perspektiven von
|
||
Fachkräften zu stärken.
|
||
Berufliche Weiterbildung wird beim
|
||
Voranschreiten von Digitalisierung
|
||
und Strukturwandel eine wichtige
|
||
Rolle einnehmen. Einerseits müssen
|
||
Betriebe es ihren Beschäftigten
|
||
ermöglichen, steigenden
|
||
Anforderungen im digitalen Bereich
|
||
gerecht zu werden, andererseits
|
||
müssen arbeitsuchende Menschen
|
||
auf neue Gegebenheiten im Arbeits-
|
||
alltag vorbereitet werden. Die Band-
|
||
breite von nötigen Qualifizierungs-
|
||
angeboten vom 2-stündigen Kurs zum
|
||
Datenschutz bei Videokonferenzen
|
||
bis zur 2-jährigen Umschulung ist so
|
||
vielfältig wie die Menschen selbst
|
||
und muss ausgeschöpft werden.
|
||
Allerdings muss Arbeitnehmer:innen
|
||
nicht nur berufliche Weiterbildung,
|
||
sondern jegliche Form der Erwachse-
|
||
nenbildung wie z. B. politische,
|
||
kulturelle oder ehrenamtliche Bildung
|
||
während ihrer Arbeitszeit ermöglicht
|
||
werden. Dazu strebt DIE LINKE die
|
||
Änderung des Bildungsfreistellungs-
|
||
gesetzes in ein modernes Bildungs-
|
||
zeitgesetz an. Digitale Formate wie
|
||
Webinare und Livestreams sind
|
||
Bestandteil der Erwachsenenbildungs-
|
||
angebote und gewinnen künftig an
|
||
Bedeutung. Die Träger der Erwachsenen-
|
||
bildung benötigen auf diesem Feld
|
||
Rechtssicherheit. DIE LINKE setzt
|
||
sich dafür ein, dass die Abrechnungs-
|
||
systematik bei den Trägern der
|
||
öffentlich verantworteten
|
||
Erwachsenenbildung diesem Wandel
|
||
angepasst wird. Zahlreiche Studien
|
||
zur demografischen Entwicklung
|
||
zeigen, dass es sich Sachsen-Anhalt
|
||
nicht leisten darf, auch nur einen
|
||
|
||
--- PAGE 10 ---
|
||
10
|
||
Menschen auszugrenzen. Angebote von
|
||
Trägern der öffentlich verantworteten
|
||
Erwachsenenbildung zu
|
||
Alphabetisierung und Grundbildung
|
||
sind zu fördern und auszubauen.
|
||
Sachsen-Anhalt
|
||
braucht Zuwanderung
|
||
Ohne zugewanderte Fachkräfte kann
|
||
unsere Wirtschaft nicht auskommen.
|
||
Und dafür braucht es eine
|
||
Willkommenskultur und die schnelle
|
||
Anerkennung von ausländischen
|
||
Bildungsabschlüssen. Im Ausland
|
||
erworbene Berufsqualifikationen
|
||
müssen schneller als bisher anerkannt
|
||
werden, der Weg zur Anerkennung
|
||
muss übersichtlicher werden, und es
|
||
muss Teilanerkennungen und vor
|
||
allem entsprechende Qualifizierungs-
|
||
angebote geben. Alle damit befassten
|
||
Institutionen auf Landes- und Regional-
|
||
ebene müssen eine umfassende
|
||
Unterstützung erfahren. Das gilt für
|
||
Institutionen wie das Landesschulamt,
|
||
das Landesinstitut für Schulqualität
|
||
und Lehrerbildung oder das Landes-
|
||
prüfungsamt für Gesundheitsberufe
|
||
ebenso wie für die unabhängigen
|
||
Berufskammern. Der Auf- und Ausbau
|
||
der für ihre Arbeit notwendigen Daten-
|
||
banken über ausländische Bildungs-
|
||
systeme soll eine umfassende
|
||
Förderung durch das Land erfahren.
|
||
Die beständige interkulturelle
|
||
Weiterbildung der Mitarbeiter:innen
|
||
ist sicherzustellen. Die wichtige
|
||
Unterstützung von migrantischen
|
||
Arbeitskräften und die Hilfen gegen
|
||
Ausnutzung und Missbrauch müssen
|
||
fortgeführt und das Projekt BemA –
|
||
Beratung migrantischer Arbeitskräfte –
|
||
personell verstärkt werden.
|
||
Die Ausbeutung migrantischer Arbeits-
|
||
kräfte, etwa in Schlachthöfen oder
|
||
Erntebetrieben, ist zu bekämpfen.
|
||
DIE LINKE fordert häufigere und unan-
|
||
gekündigte Kontrollen und dass Ver-
|
||
stöße konsequent geahndet werden.
|
||
Die Zusammenarbeit von Zoll,
|
||
Gewerbeämtern und Landesamt für
|
||
Verbraucherschutz sowie Veteri-
|
||
näramt muss verbessert werden.
|
||
Wir wollen das Landesamt für Ver-
|
||
braucherschutz vor allem im Bereich
|
||
Arbeitsschutz personell verstärken.
|
||
Nicht nur Erwerbsarbeit ist Arbeit
|
||
Erwerbsarbeit, Familienarbeit und
|
||
gesellschaftliches politisches
|
||
Engagement sind gleichermaßen
|
||
wichtige Bereiche gesellschaftlicher
|
||
Arbeit. Wir wollen dafür sorgen,
|
||
dass sie für Männer und Frauen
|
||
gleichermaßen besser miteinander
|
||
vereinbar werden. Heute erbringen
|
||
Frauen mehr als die Hälfte der
|
||
gesellschaftlichen Arbeit. Insbesondere
|
||
die – unbezahlte – Familienarbeit liegt
|
||
zum übergroßen Teil immer noch bei
|
||
den Frauen. Besonders im Bereich
|
||
Gesundheit und Pflege wird Arbeit
|
||
oft freiwillig und unbezahlt geleistet.
|
||
Auch wenn wir auf dieses Engagement
|
||
nicht verzichten wollen und können,
|
||
gilt es doch zu verhindern, dass über
|
||
diesen Weg bezahlte Arbeit verdrängt
|
||
oder ersetzt wird.
|
||
Erwerbsarbeit im Bereich von Gesund-
|
||
heit und Pflege wird nach wie vor
|
||
schlecht bezahlt und überwiegend
|
||
von Frauen geleistet. Wir wollen, dass
|
||
diese Arbeit aufgewertet und besser
|
||
bezahlt wird. Hier braucht es einen
|
||
Systemwechsel zur Arbeitszeitver-
|
||
kürzung mit vollem Lohnausgleich
|
||
und Arbeitsumverteilung. Wir wollen
|
||
dazu Gewerkschaften und Arbeit-
|
||
geberverbände bei der konkreten
|
||
Entwicklung von Modellen der
|
||
Arbeitszeitverkürzung, die sich
|
||
am wirklichen Bedarf der Arbeit-
|
||
nehmer:innen orientieren, unterstützen.
|
||
|
||
--- PAGE 11 ---
|
||
11
|
||
Durch das Ende der ESF-Förderperiode
|
||
2021/22 werden die kaum noch
|
||
zählbaren Arbeitsmarktprogramme
|
||
für einzelne Personengruppen wie
|
||
z. B. Alleinerziehende, ältere Arbeitslo-
|
||
se oder Langzeitarbeitslose auslaufen.
|
||
DIE LINKE will anstatt einer neuen
|
||
unübersichtlichen Förderstruktur
|
||
ein Modellprojekt Grundeinkommen
|
||
in Verbindung mit freiwilliger und
|
||
sozialversicherungspflichtiger
|
||
Gemeinwohlarbeit für arbeitslose
|
||
Menschen etablieren.
|
||
Soziales: Sicher und
|
||
gerecht durch die Krise
|
||
DIE LINKE will den Sozialstaat in
|
||
Deutschland erneuern. Dies ist nötig,
|
||
weil die Armut und die Armutsrisiken
|
||
in unserem Land rapide ansteigen.
|
||
Stimmen aus Union und FDP stellen
|
||
die Finanzierbarkeit des Sozialstaates
|
||
wegen Corona infrage. Jetzt müssen
|
||
unsere sozialen Sicherungssysteme
|
||
vor neuen Angriffen durch diejenigen
|
||
geschützt werden, die die Krise
|
||
skrupellos missbrauchen wollen,
|
||
um nach den Wahlen Leistungen
|
||
zu kürzen. Für die Kosten der Krise
|
||
müssen die großen Vermögen
|
||
herangezogen werden, die
|
||
übrigens auch am stärksten von den
|
||
Konjunkturprogrammen des Bundes
|
||
profitiert haben.
|
||
Ein Schutzschirm gegen Armut:
|
||
Gute Löhne, gute Renten
|
||
Es darf nicht sein, dass Menschen
|
||
mehrere Jobs annehmen müssen,
|
||
weil sie von einem allein nicht leben
|
||
können und dennoch aufstocken
|
||
müssen. Wenn in Sachsen-Anhalt
|
||
immer noch mehr als ein Drittel der
|
||
Menschen für Niedriglöhne arbeitet,
|
||
zeigt das nicht nur, wie in unserem
|
||
Land gegen das Prinzip gleicher Lohn
|
||
für gleichwertige Arbeit verstoßen
|
||
wird, sondern auch die Dimension von
|
||
Altersarmut, die uns droht, wenn nicht
|
||
gegengesteuert wird. Wir setzen
|
||
deshalb auf flächendeckende Tarif-
|
||
verträge mit einer dynamischen
|
||
Lohnentwicklung. Der Mindestlohn
|
||
muss auf 13 Euro pro Stunde
|
||
angehoben werden, damit niemand im
|
||
Alter auf Grundsicherung angewiesen
|
||
ist. Wir wollen die gesetzliche Rente
|
||
stärken und eine Rentenkasse für alle
|
||
Menschen mit Erwerbseinkommen
|
||
einführen. Für einen Ruhestand in
|
||
Würde und für soziale Teilhabe im
|
||
Alter für jede:n brauchen wir einen
|
||
Mindeststandard in der gesetzlichen
|
||
Rente. Deshalb will DIE LINKE eine
|
||
steuerfinanzierte, solidarische
|
||
Mindestrente von 1.200 Euro netto
|
||
einführen. Die Anhebung des Renten-
|
||
eintrittsalters auf 67 Jahre lehnen
|
||
wir ab. Sie ist nichts außer einer
|
||
weiteren Kürzung der Renten.
|
||
Stattdessen wollen wir flexible
|
||
Übergänge in die Rente vor dem
|
||
65. Lebensjahr ermöglichen.
|
||
Für eine solidarische Gesundheits-
|
||
und Pflegeversicherung: Eine für alle
|
||
Die bestehende Gesetzliche Kranken-
|
||
versicherung folgt Grundsätzen, die
|
||
sozial ausgeglichen sind. Gesunde
|
||
zahlen für Kranke und Gutverdienende
|
||
für Geringverdienende. Aber leider
|
||
gibt es von diesen Grundsätzen
|
||
so viele Ausnahmen, dass grobe
|
||
Ungerechtigkeiten die Folge sind.
|
||
Einige Bevölkerungsgruppen können
|
||
sich aus dem Solidarprinzip verab-
|
||
schieden, v.a. Beamt:innen, Selbst-
|
||
ständige und Angestellte mit hohem
|
||
Einkommen. Wer arbeitet, zahlt auf
|
||
sein Gehalt Beiträge, wer Einkommen
|
||
aus Aktien, aus Vermietung u. a. hat,
|
||
zahlt darauf nichts.
|
||
Prozentual sinkt so die Belastung mit
|
||
|
||
--- PAGE 12 ---
|
||
12
|
||
steigendem Einkommen. Damit muss
|
||
Schluss sein. Unser Vorschlag ist klar:
|
||
Wenn sich alle in Deutschland
|
||
lebenden Menschen nach ihrem
|
||
Einkommen an der Finanzierung des
|
||
Gesundheitssystems beteiligen, ist
|
||
das nicht nur gerechter, sondern die
|
||
Beitragssätze könnten auch deutlich
|
||
sinken. Deshalb hat DIE LINKE
|
||
das Konzept der Solidarischen
|
||
Gesundheitsversicherung (Bürger-
|
||
versicherung) entwickelt.
|
||
Der Beitragssatz könnte damit laut
|
||
einer Studie aus dem Jahr 2017 von
|
||
15,7 Prozent auf unter 12 Prozent des
|
||
Einkommens sinken. Auf Löhne und
|
||
Gehälter sowie Renten müssten die
|
||
Versicherten nur noch einen Anteil von
|
||
5,85 Prozent statt derzeit 8,4 Prozent
|
||
zahlen. Wir brauchen eine Gesund-
|
||
heits- und Pflegereform, um die
|
||
Kostenübernahme in den Pflege-
|
||
heimen zu regeln und eine deutlich
|
||
bessere Bezahlung des Personals in
|
||
Pflege und Gesundheit durchzusetzen.
|
||
Eine Grundsicherung,
|
||
die Ihren Namen verdient
|
||
Statt Hartz IV brauchen wir eine
|
||
sanktionsfreie und bedarfsdeckende
|
||
Mindestsicherung, die vor dem
|
||
finanziellen Absturz schützt, und
|
||
eine armutsfeste Grundsicherung
|
||
für Kinder. Hartz IV ist durch eine
|
||
sanktionsfreie Mindestsicherung
|
||
von 1.200 Euro grundlegend zu
|
||
überwinden. Sanktionen müssen
|
||
abgeschafft werden. Die Bedarfs-
|
||
gemeinschaftskonstruktion lehnt
|
||
DIE LINKE ebenso ab wie Zwangs-
|
||
umzüge und Schnüffeleien im Privat-
|
||
leben. In der Krise kämpfen wir für
|
||
Pandemiezuschläge auf Sozialleistun-
|
||
gen und für ein Grundeinkommen
|
||
(Selbstständigengeld), um eine
|
||
Pleitewelle bei kleinen Unternehmen,
|
||
Solo-Selbstständigen, Künstler:innen
|
||
und Dienstleister:innen der Veranstal-
|
||
tungsbranche zu verhindern.
|
||
Kinderarmut überwinden
|
||
Mehr als jedes fünfte Kind in Sachsen-
|
||
Anhalt lebt in Armut oder ist armuts-
|
||
gefährdet. Was ist zu tun? Auf Bundes-
|
||
ebene muss eine eigenständige
|
||
Grundsicherung für Kinder und
|
||
Jugendliche eingeführt werden.
|
||
Die Anhebung des Kindergeldes und
|
||
Kinderfreibetrages wird das aktuelle
|
||
Problem nicht lösen, denn noch
|
||
immer wird das Kindergeld auf die
|
||
Hartz IV-Leistungen angerechnet,
|
||
und bei den Kinderfreibeträgen
|
||
profitieren nur die, die auch eine
|
||
entsprechende Höhe an Steuern
|
||
zahlen – also die Besserverdienenden.
|
||
Wir fordern daher als ersten Schritt
|
||
das Ende der Anrechnung auf
|
||
Transferleistungen. Auf Landesebene
|
||
wollen wir ein Netzwerk früher Hilfen
|
||
entwickeln, das Kinder und Jugendliche
|
||
von der Geburt bis zum Einstieg in das
|
||
Berufsleben begleitet. Ein solches
|
||
Netzwerk bietet Unterstützung für
|
||
Kinder und Eltern gleichermaßen.
|
||
Voraussetzung ist ein wertschätzender,
|
||
vertrauensvoller Umgang aller
|
||
Beteiligten miteinander.
|
||
Die Realisierung dieses Konzeptes
|
||
erfordert einen Dialog mit den
|
||
Kommunen. Als Anreiz zur Umsetzung
|
||
dieses Konzeptes durch die Kommunen
|
||
müssen zusätzliche Landesmittel zur
|
||
Verfügung gestellt werden.
|
||
Rechte der Verbraucherinnen und
|
||
Verbraucher stärken
|
||
Unternehmen, Banken und Konzerne
|
||
setzen ihre Macht regelmäßig zum
|
||
Nachteil der Verbraucher:innen ein.
|
||
Unlautere Werbung, Abzockerei bei
|
||
Telefon- und Internetangeboten, die
|
||
miesen Praktiken der Inkasso- und
|
||
|
||
--- PAGE 13 ---
|
||
13
|
||
Abmahnindustrie müssen wir uns so
|
||
wenig gefallen lassen wie schlechte
|
||
und ungesunde Lebensmittel.
|
||
Es gibt inzwischen kaum einen Raum,
|
||
in dem Menschen keine Werbung
|
||
aufgedrängt wird. Wir wollen eine
|
||
schrittweise Einschränkung von
|
||
Produkt- und Markenwerbung im
|
||
öffentlichen Raum sowie ein voll-
|
||
ständiges Verbot von kommerzieller
|
||
Werbung an Kitas und Schulen.
|
||
Alle Verbraucher:innen müssen das
|
||
Recht haben, selbst zu bestimmen,
|
||
was mit ihren Daten geschieht, ohne
|
||
benachteiligt zu werden.
|
||
Die Verbraucherzentrale Sachsen-
|
||
Anhalt ist mit ihren Beratungsstellen
|
||
eine Säule des Verbraucherschutzes
|
||
in unserem Land. Ihre vielfältigen
|
||
Angebote der Rechtsberatung, der
|
||
Fachberatung Lebensmittel, der
|
||
Energieberatung, der Pflegerechts-
|
||
beratung – um hier nur einige zu
|
||
nennen – helfen alltäglich vielen
|
||
Menschen. Wir wollen dafür sorgen,
|
||
dass diese Arbeit mit einer guten
|
||
Finanz- und Personalausstattung
|
||
durch das Land gewürdigt wird.
|
||
Das betrifft auch die kommunalen
|
||
Schuldnerberatungen und die Insol-
|
||
venzberatung. Denn um Schulden zu
|
||
verhindern, bevor sie entstehen,
|
||
brauchen wir gut ausgestattete
|
||
Schuldnerberatungsstellen. Dazu
|
||
gehört auch eine mobile Verbraucher-
|
||
beratung in den ländlichen Regionen
|
||
Sachsen-Anhalts.
|
||
Gesundheit:
|
||
Gemeinwohl statt Profite
|
||
Einst gab es in Sachsen-Anhalt ein
|
||
dichtes Netz von 70 öffentlichen
|
||
Krankenhäusern. Heute gibt es noch
|
||
11 Krankenhäuser in öffentlicher Hand
|
||
und 18 Häuser, die von frei-gemein-
|
||
nützigen Trägern betrieben werden.
|
||
17 Krankenhäuser sind von privaten
|
||
Krankenhauskonzernen übernommen
|
||
worden, der Rest wurde geschlossen.
|
||
DIE LINKE will kein privatisiertes
|
||
Gesundheitssystem und keine
|
||
Zwei-Klassen-Medizin. Die Beschäf-
|
||
tigten in privatisierten Kliniken wie
|
||
AMEOS streiken gegen miese Arbeits-
|
||
bedingungen und schlechte Löhne.
|
||
Mittlerweile gibt es einen riesigen
|
||
Investitionsstau, auf den die Landes-
|
||
regierung nur unzureichend reagiert.
|
||
Für einen öffentlichen
|
||
Klinikverbund in Sachsen-Anhalt
|
||
DIE LINKE will einen Schutzschirm
|
||
gegen Privatisierung für die verbliebe-
|
||
nen kommunalen Krankenhäuser.
|
||
Dafür müssen wir den überregionalen
|
||
Unternehmensstrukturen der
|
||
privaten Krankenhauskonzerne einen
|
||
eigenen öffentlichen Klinikverbund
|
||
entgegensetzen.
|
||
Über den Klinikverbund soll sich das
|
||
Land an den kommunalen Kliniken
|
||
beteiligen. Außerdem sollte das Land
|
||
die Salus gGmbH in den Verbund
|
||
einbringen. Die Verbundgesellschaft
|
||
wird mit Eigenkapital und Kreditbürg-
|
||
schaften ausgestattet. Damit wird
|
||
die Kapitalbasis der kommunalen
|
||
Krankenhäuser gestärkt. Als zusätz-
|
||
licher Anreiz sollte über die Übernahme
|
||
von Altschulden der Häuser gesprochen
|
||
werden. Aufgabe des Klinikverbundes
|
||
ist es, über Beteiligungen an den
|
||
kommunalen Häusern eine Holding zu
|
||
bilden, welche die wirtschaftliche
|
||
Koordinierung der einzelnen Häuser
|
||
übernimmt. Die ärztliche Leitung der
|
||
Standorte sowie die Verwaltungs-
|
||
leitung verbleiben auf kommunaler
|
||
Ebene. Die wirtschaftliche Gesamt-
|
||
leitung und das Kreditmanagement
|
||
|
||
--- PAGE 14 ---
|
||
14
|
||
liegen beim Klinikverbund. Derartige
|
||
regionale Gesundheitsunternehmen
|
||
gibt es schon in anderen Bundeslän-
|
||
dern. Gelänge es, die verbliebenen
|
||
kommunalen Krankenhäuser unseres
|
||
Landes unter dem Dach einer Holding
|
||
zu vereinen, stünden dort ca. 4.500
|
||
Betten für die Patient:innenversorgung
|
||
zur Verfügung. Wir wollen dafür sorgen,
|
||
dass der Klinikverbund wirtschaftlich
|
||
so aufgestellt wird, dass perspektivisch
|
||
Krankenhäuser aus dem privaten in den
|
||
öffentlichen Bereich zurückgeholt wer-
|
||
den können. Wenn private Betreiber
|
||
die Versorgung nicht mehr sicherstel-
|
||
len, ist ihnen der Versorgungsauftrag
|
||
zu entziehen und das Krankenhaus in
|
||
die öffentliche Hand zurückzuführen.
|
||
Für eine solidarische
|
||
Finanzierung der Krankenhäuser
|
||
und der stationären Pflege
|
||
Das bestehende Fallpauschalensystem
|
||
hat zu Personalmangel, Lohndumping
|
||
und Pflegenotstand geführt. Es ist
|
||
weder pandemiesicher noch gemein-
|
||
wohlorientiert. Die Fallpauschalen
|
||
müssen durch ein neues System der
|
||
kostendeckenden Finanzierung
|
||
abgelöst werden. DIE LINKE fordert
|
||
eine gesetzliche, bedarfsgerechte und
|
||
voll finanzierte Personalbemessung für
|
||
alle Berufsgruppen im Krankenhaus.
|
||
Für die stationäre Pflege müssen die
|
||
Vorschläge von ver.di, vom Deutschen
|
||
Pflegerat (DPR) und von der Deutschen
|
||
Krankenhausgesellschaft (DKG)
|
||
zur Pflegepersonal-Regelung (PPR 2.0)
|
||
umgesetzt werden.
|
||
Das Land muss seiner Verpflichtung
|
||
zur Finanzierung der Krankenhaus-
|
||
investitionen nachkommen.
|
||
Der jährliche Investitionsbedarf aller
|
||
Krankenhäuser liegt bei 150 Millionen
|
||
Euro. Für die kommenden fünf Jahre
|
||
sollte dieser mit 750 Millionen Euro im
|
||
Haushalt festgeschrieben werden.
|
||
Davon sollen 80 Millionen Euro jährlich
|
||
pauschal für Ersatzbeschaffungen und
|
||
kleine Baumaßnahmen ausgereicht
|
||
werden. Die verbleibende Summe soll
|
||
über den Fünfjahreszeitraum als
|
||
Einzelfallförderung zur Umsetzung der
|
||
Strukturveränderungen des Kranken-
|
||
hausplanes verwendet werden.
|
||
Gesundheits- und
|
||
Sozialberufe aufwerten
|
||
Es wird immer wieder beklagt, dass in
|
||
der Kranken- und Altenpflege sowie für
|
||
die Betreuung von Menschen mit Beein-
|
||
trächtigungen zu geringe Löhne gezahlt
|
||
werden und deswegen viele Fachkräfte
|
||
fehlen. Das ist nicht die ganze Wahr-
|
||
heit. Es geht auch darum, dass die
|
||
Überlastung des Personals durch eine
|
||
verfehlte Sparpolitik bewusst in Kauf
|
||
genommen wurde. Deswegen unter-
|
||
stützen wir die Gewerkschaften im
|
||
Kampf um gute und flächendeckende
|
||
Tarifverträge. Es müssen alle Möglich-
|
||
keiten genutzt werden, diese für all-
|
||
gemeinverbindlich zu erklären, um die
|
||
Entlohnung und die Arbeitsbedingungen
|
||
zu verbessern. Zur Aufwertung der
|
||
Gesundheitsberufe gehört aus unserer
|
||
Sicht auch, die Schulgeldfreiheit für
|
||
Gesundheitsberufe, die Vergütung der
|
||
Ausbildung und ihre perspektivische
|
||
Akademisierung durchzusetzen.
|
||
Die Leistungen der Beschäftigten in
|
||
der Gesundheits-, Pflege- und Sozial-
|
||
branche werden am besten gewürdigt,
|
||
indem die bestehenden Missstände
|
||
beseitigt werden und endlich Löhne
|
||
gezahlt werden, die den erbrachten
|
||
Leistungen entsprechen.
|
||
Öffentliche Gesundheitsdienste
|
||
und kommunale Pflegedienste
|
||
Durch die Pandemie ist vielen bewusst
|
||
geworden, wie wichtig der öffentliche
|
||
|
||
--- PAGE 15 ---
|
||
15
|
||
Gesundheitsdienst (ÖGD) und leis-
|
||
tungsfähige Gesundheitsämter sind.
|
||
Dass nun von Bund und Ländern
|
||
beschlossen wurde, Finanzmittel für
|
||
tausende neue Stellen und den
|
||
Ausbau elektronischer Meldewege
|
||
zur Verfügung zu stellen, ist ein
|
||
überfälliger Schritt.
|
||
Der ÖGD sollte befähigt werden,
|
||
auch bei der Infektionsprophylaxe,
|
||
z. B. für Reihenimpfungen in Kitas,
|
||
Schulen und Betrieben, Kapazitäten
|
||
zu entwickeln.
|
||
Ein dynamischer Pandemieplan
|
||
für Sachsen-Anhalt
|
||
Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt,
|
||
dass im Falle einer Pandemie ein
|
||
koordiniertes, zügiges und konse-
|
||
quentes Handeln erforderlich ist.
|
||
Ein dynamischer Pandemieplan ist
|
||
dafür ein unverzichtbares Instrument.
|
||
Der Pandemieplan muss in einem
|
||
Zweijahresrhythmus angepasst
|
||
werden – es sei denn, es ergeben
|
||
sich zwingende Änderungen aus
|
||
aktuellem Anlass. Wir brauchen
|
||
eine eigenständige Bevorratung an
|
||
Schutzausrüstungen, Desinfektions-
|
||
mitteln, Masken, Medikamenten usw.,
|
||
um im Krisenfall die Versorgung der
|
||
Bevölkerung und damit die Sicherheit
|
||
der Bürger:innen gewährleisten zu
|
||
können. Darüber hinaus ist es
|
||
unabdingbar, die Produktion dieser
|
||
lebenswichtigen Produkte im Inland
|
||
sicherzustellen.
|
||
Prävention statt
|
||
Kriminalisierung
|
||
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt steht für
|
||
eine gesundheitsorientierte und
|
||
selbstbestimmte Drogenpolitik
|
||
und Suchtprävention. Statt Drogen-
|
||
konsum zu kriminalisieren, wollen wir
|
||
einen effektiven Jugend-, Gesundheits-
|
||
und Verbraucherschutz ermöglichen
|
||
und Menschen in Abhängigkeit aus
|
||
ihrer Sucht begleiten. Damit gehen
|
||
für uns einher die Legalisierung von
|
||
Cannabis, die kontrollierte Abgabe
|
||
sogenannter harter Drogen an
|
||
Menschen mit Abhängigkeit und die
|
||
Möglichkeit, Drogen zum Eigenbedarf
|
||
auf Verunreinigungen prüfen zu
|
||
lassen sowie die Einrichtung von
|
||
Drogenkonsumräumen.
|
||
Gleichzeitig wollen wir uns den
|
||
gesellschaftlichen Folgewirkungen
|
||
von Drogenmissbrauch stellen.
|
||
Unterstützungsstrukturen für
|
||
suchterkrankte Menschen müssen
|
||
durch eine gute wissenschaftliche
|
||
Begleitung ergänzt werden, um
|
||
passgenaue Hilfen anzubieten.
|
||
Wir werden uns dafür einsetzen,
|
||
sachlichen und wertfreien Präventiv-
|
||
unterricht an Schulen anzubieten,
|
||
der durch geschulte
|
||
Sozialarbeiter:innen erfolgen soll.
|
||
Gerechtigkeit ist weiblich
|
||
Die Corona-Pandemie wirft auch ein
|
||
Schlaglicht darauf, wie Frauen unsere
|
||
Gesellschaft zusammenhalten.
|
||
Der Frauenanteil in den system-
|
||
relevanten Berufen liegt bei 75 Prozent.
|
||
Nach Angaben des deutschen
|
||
Frauenrates haben Frauen in den
|
||
Familien schon vor der Pandemie
|
||
durchschnittlich1,5 Stunden täglich
|
||
mehr mit Sorgearbeit verbracht als
|
||
Männer. Diese Mehrfachbelastung
|
||
(Kinderbetreuung und Pflege von
|
||
Angehörigen, Homeschooling,
|
||
mobiles Arbeiten und Haushalt)
|
||
ist während der Pandemie weiter
|
||
gestiegen. Viele wirtschaftliche
|
||
Hilfsmaßnahmen gehen jedoch an der
|
||
Lebenswirklichkeit von Frauen vorbei.
|
||
Wer einen schlecht bezahlten
|
||
sogenannten Frauenberuf hat oder
|
||
in prekären Teilzeit- bzw. Mini-jobs
|
||
|
||
--- PAGE 16 ---
|
||
16
|
||
arbeitet, ist in Krisenzeiten nicht
|
||
geschützt. Frauen sind aufgrund der
|
||
schlechteren Entlohnung (Gender-
|
||
Pay-Gap und Niedriglohnsektor),
|
||
Kinderbetreuung, Pflege von
|
||
Angehörigen etc. weitaus mehr
|
||
gefährdet als Männer, in die Armuts-
|
||
falle zu geraten. Weibliche Arbeit
|
||
darf nicht länger schlecht bezahlt und
|
||
abgewertet werden. Eine geschlech-
|
||
tergerechte Krisenpolitik muss zu
|
||
besseren Arbeitsbedingungen und
|
||
höheren Gehältern in den system-
|
||
tragenden Berufsgruppen führen.
|
||
Dies setzt für uns voraus, erneut
|
||
die Frage nach einer geschlechter-
|
||
gerechten Verteilung der Mittel in
|
||
den öffentlichen Haushalten auf die
|
||
Tagesordnung zu setzen. Deswegen
|
||
fordern wir in Sachsen-Anhalt das
|
||
Gender-Budgeting-Prinzip in allen
|
||
öffentlichen Haushalten sowie dessen
|
||
Aufnahme in die Landesverfassung.
|
||
DIE LINKE will den internationalen
|
||
Frauentag als gesetzlichen Feiertag in
|
||
Sachsen-Anhalt einführen.
|
||
Frauen verdienen mehr
|
||
DIE LINKE will bessere Löhne und
|
||
mehr Aufstiegsmöglichkeiten für
|
||
Frauen. Die schlechtere Bezahlung
|
||
sogenannter Frauenberufe muss
|
||
überwunden werden.
|
||
Wir wollen den Niedriglohnsektor,
|
||
in dem überwiegend Frauen arbeiten,
|
||
durch einen Mindestlohn von 13 Euro
|
||
abschaffen. Die Arbeit in Kitas,
|
||
Schulen, Krankenhäusern und
|
||
Pflegeheimen muss endlich auf-
|
||
gewertet und besser bezahlt werden.
|
||
Wir wollen Mini- und Midijobs durch
|
||
unbefristete Arbeitsverträge mit
|
||
existenzsichernden Einkommen
|
||
ablösen. Perspektivisch soll keine
|
||
Pflegefachkraft und Erzieher:in unter
|
||
3.000 Euro brutto im Monat verdienen.
|
||
Damit Frauen bestimmen,
|
||
wo es lang geht
|
||
Schon seit 1997 sieht das Frauen-
|
||
fördergesetz von Sachsen-Anhalt vor,
|
||
dass der öffentliche Dienst, die
|
||
Kommunen, die Landesbetriebe sowie
|
||
»alle der Aufsicht des Landes unterste-
|
||
henden Körperschaften, Anstalten und
|
||
Stiftungen des öffentlichen Rechts«
|
||
darauf hinwirken sollen, dass alle
|
||
Gremien zur Hälfte mit Frauen besetzt
|
||
sind. Davon sind wir noch immer weit
|
||
entfernt. Dies liegt nicht nur an der
|
||
frauenpolitisch rückwärtsgewandten
|
||
CDU, die ein modernes Gleichstellungs-
|
||
gesetz blockiert, sondern auch an der
|
||
mangelnden Förderung des weiblichen
|
||
Nachwuchses.
|
||
DIE LINKE will der strukturellen
|
||
Benachteiligung von Frauen
|
||
entschieden entgegenwirken, um
|
||
die beruflichen Chancen sowohl im
|
||
öffentlichen Dienst als auch in der
|
||
Wirtschaft für Frauen erheblich zu
|
||
verbessern. Hierbei sind die unter
|
||
dem Dach des Landesfrauenrates
|
||
entwickelten Empfehlungen für ein
|
||
Gleichstellungsgesetz in Sachsen-
|
||
Anhalt eine geeignete Grundlage.
|
||
Im Jahr 2020 – gut 100 Jahre nach
|
||
Einführung des Frauenwahlrechts –
|
||
gibt es noch immer keine
|
||
Gleichberechtigung bei der Besetzung
|
||
von politischen Führungspositionen.
|
||
Deswegen wollen wir mit einem
|
||
Paritégesetz für Sachsen-Anhalt dafür
|
||
sorgen, dass mindestens die Hälfte
|
||
der Landtagsmandate und der
|
||
Mitglieder der Landesregierung
|
||
weiblich sind. Wir wollen das
|
||
»Landesprogramm für ein geschlech-
|
||
tergerechtes Sachsen-Anhalt«
|
||
unter Beteiligung der gleichstellungs-
|
||
politischen Interessenvertretungen
|
||
fortschreiben und für die
|
||
Landesbehörden verbindlich machen.
|
||
|
||
--- PAGE 17 ---
|
||
17
|
||
Frauenarmut
|
||
verhindern
|
||
Frauen sind einem besonderen
|
||
Armutsrisiko ausgesetzt. Das Armuts-
|
||
risiko bei Alleinerziehenden und ihren
|
||
Kindern, d. h. jeder fünften Familie,
|
||
liegt sogar bei über 40 Prozent.
|
||
Zur finanziellen Absicherung von
|
||
Alleinerziehenden und ihren Kindern
|
||
muss der Unterhaltsvorschuss
|
||
bedingungslos für alle Bedürftigen
|
||
verfügbar sein. Die Anrechnung des
|
||
Kindergeldes auf den Unterhaltsvor-
|
||
schuss muss abgeschafft werden.
|
||
Die Kürzung des Elterngeldes muss
|
||
zurückgenommen werden.
|
||
Es darf nicht auf Transferleistungen
|
||
wie Hartz IV angerechnet werden.
|
||
Alleinerziehende sollen einen
|
||
Anspruch auf 24 Monate Elterngeld
|
||
erhalten. Wir fordern, dass Betriebe
|
||
Alleinerziehenden im Falle einer
|
||
Notfallbetreuung eine Freistellung bei
|
||
Lohnfortzahlung ermöglichen müssen.
|
||
Bund und Länder müssen diese
|
||
Maßnahmen finanziell unterstützen.
|
||
Weibliches Forschen
|
||
und Wissen fördern
|
||
Sachsen-Anhalt muss als Bildungss-
|
||
tandort gerade auch für Frauen
|
||
attraktiv werden. Wir fordern eine
|
||
dauerhaft etablierte Geschlechter-
|
||
forschung an den Universitäten und
|
||
Hochschulen des Landes Sachsen-
|
||
Anhalt. Wir unterstützen die Arbeit
|
||
des Projektes FrauenOrte, das
|
||
Biografien von Frauen für Frauen in
|
||
unterschiedlichen Zeitperioden in
|
||
ganz Sachsen-Anhalt als Erlebnispfad
|
||
vorstellt und Frauengeschichte(n)
|
||
erlebbar macht. Damit erfüllt das
|
||
Projekt einen wichtigen geschlechter-
|
||
gerechten Bildungsauftrag.
|
||
Wir fordern die Verstetigung der
|
||
Projektfinanzierung durch das Land.
|
||
Keine Gewalt gegen
|
||
Frauen und Mädchen
|
||
Deutschland hat sich mit der Istanbul-
|
||
Konvention verpflichtet, Gewalt gegen
|
||
Mädchen und Frauen aktiv zu
|
||
bekämpfen. Doch noch immer ist jede
|
||
dritte Frau in Deutschland mindestens
|
||
einmal in ihrem Leben von physischer
|
||
und/oder sexualisierter Gewalt
|
||
betroffen. Jede Vierte wird mindes-
|
||
tens einmal Opfer körperlicher oder
|
||
sexueller Gewalt durch ihren aktuellen
|
||
oder früheren Partner. Physische und
|
||
psychische Gewalt gegen Frauen
|
||
muss entschieden bekämpft werden.
|
||
Wir fordern daher die Einrichtung
|
||
einer Koordinierungsstelle für von
|
||
Gewalt betroffene oder bedrohte
|
||
Mädchen und Frauen im Land
|
||
Sachsen-Anhalt. Mädchen und Frauen
|
||
mit Beeinträchtigungen und Mädchen
|
||
und Frauen mit Migrationshintergrund
|
||
zählen zu den besonders verletzlichen
|
||
Gruppen. Wir wollen die rechtlichen
|
||
Voraussetzungen verbessern, damit
|
||
auch Frauen ohne gesicherten
|
||
Aufenthaltstitel vor geschlechts-
|
||
spezifischer und häuslicher Gewalt
|
||
geschützt sind. Zur Kontrolle der
|
||
Umsetzung der Istanbul-Konvention
|
||
regen wir die Einrichtung einer
|
||
staatlichen unabhängigen Monitoring-
|
||
stelle sowie eines Runden Tisches an,
|
||
an dem Vertreter:innen aller relevanten
|
||
NGOs mitarbeiten.
|
||
Darüber hinaus wollen wir Präventions-
|
||
und Beratungsstellen für Frauen und
|
||
Mädchen anbieten, die Opfer von Hate
|
||
Speech geworden sind.
|
||
Wir brauchen Studien zu geschlechts-
|
||
spezifischer Gewalt im Internet
|
||
sowie die geschlechtsdifferenzierte
|
||
Erfassung von Cybergewalt in der
|
||
polizeilichen Kriminalstatistik.
|
||
Frauenschutzhäuser sind für viele
|
||
Frauen und deren Kinder die Rettung
|
||
|
||
--- PAGE 18 ---
|
||
18
|
||
vor häuslicher Gewalt. Wir stellen uns
|
||
hinter die Forderungen der LAG der
|
||
Frauenhäuser und setzen uns für
|
||
eine bundesweit einheitliche,
|
||
einzelfall- und tagessatzunabhängige,
|
||
bedarfsgerechte Finanzierung der
|
||
Frauenschutzhäuser ein.
|
||
Für alle Gewaltschutzprojekte fordern
|
||
wir eine institutionalisierte Förderung.
|
||
Zudem muss die Eingruppierung der
|
||
Mitarbeiter:innen überprüft werden,
|
||
um eine Schlechterstellung zu
|
||
vermeiden. Wir setzen uns dafür ein,
|
||
dass Gewaltschutzprojekte Angebote
|
||
für Kinder vorhalten, die von Gewalt
|
||
mitbetroffen sind.
|
||
Senior:innen: Für einen guten
|
||
Lebensabend in Sachsen-Anhalt
|
||
Niemand soll seinen Lebensabend in
|
||
Altersarmut und Rentenungerechtig-
|
||
keit verbringen. Die Ost-West-
|
||
Rentenangleichung bis 2025 dauert
|
||
entschieden zu lange. Um die Lebens-
|
||
leistung der Rentner:innen im Osten
|
||
Deutschlands zu würdigen, tritt
|
||
DIE LINKE für eine schnellstmögliche
|
||
Angleichung der Renten an das
|
||
Westniveau ein. Die Doppelbesteue-
|
||
rung von Renten sollte so weit wie
|
||
möglich eingedämmt werden.
|
||
Deshalb fordert DIE LINKE, den
|
||
steuerlichen Grundfreibetrag von
|
||
heute 9.408 Euro sofort auf 12.600
|
||
Euro anzuheben. Das würde viele
|
||
kleine Renten komplett von der
|
||
Steuerpflicht befreien. Zudem fordert
|
||
DIE LINKE eine außerordentliche
|
||
Rentenerhöhung, die zu einem
|
||
lebensstandardsichernden Renten-
|
||
niveau und einer automatischen
|
||
Neuberechnung des individuellen
|
||
Rentenfreibetrags führen soll.
|
||
Damit soll sichergestellt werden,
|
||
dass die Rente auch netto wieder den
|
||
Lebensstandard sichert und alle –
|
||
übers gesamte Leben betrachtet – von
|
||
der nachgelagerten Besteuerung
|
||
profitieren würden.
|
||
Wir wollen das seniorenpolitische
|
||
Programm des Landes weiterentwi-
|
||
ckeln und dabei an die tatsächlichen
|
||
Probleme anknüpfen. Das betrifft
|
||
z. B. aufsuchende Seniorenarbeit im
|
||
ländlichen Raum, die Förderung des
|
||
altersgerechten Wohnens, die Ein-
|
||
führung eines landesweiten Senioren-
|
||
tickets und die Einrichtung eines
|
||
50/50-Taxis für Menschen ab 65 Jahre.
|
||
Die Altenpflege gewinnt für eine älter
|
||
werdende Gesellschaft immer mehr
|
||
an Bedeutung, aber sie muss bezahl-
|
||
bar sein und dem Erhalt und der
|
||
Förderung von Lebensqualität und
|
||
verbliebenen Fähigkeiten der pflege-
|
||
bedürftigen Menschen dienen.
|
||
Jede:r Pflegebedürftige muss die
|
||
freie Wahl zwischen ambulanter und
|
||
stationärer Pflege sowie alternativen
|
||
Wohnformen haben. Die bestehenden
|
||
Zwänge der Pflegeversicherung führen
|
||
viele Pflegebedürftige, die in voll-
|
||
stationären Einrichtungen leben,
|
||
dazu, an ihrem Lebensabend Sozial-
|
||
hilfe beantragen zu müssen, weil sie
|
||
die steigenden Heimkosten nicht
|
||
mehr bezahlen können. Deswegen
|
||
brauchen wir auf Bundesebene eine
|
||
Reform der Pflegeversicherung.
|
||
Bis dahin wollen wir in Sachsen-
|
||
Anhalt ein Landes-Pflegewohngeld für
|
||
die Betroffenen. Dies ist bereits Praxis
|
||
in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-
|
||
Holstein und wird als einkommens-
|
||
und vermögensabhängige Leistung
|
||
gezahlt.
|
||
Es ist nicht hinnehmbar, dass die
|
||
Landesregierung bislang kein
|
||
Geriatrie-Konzept vorgelegt hat.
|
||
Wir wollen eine wohnortnahe,
|
||
intensivierte geriatrische Versorgung
|
||
für ganz Sachsen-Anhalt sicherstellen.
|
||
|
||
--- PAGE 19 ---
|
||
19
|
||
Immer mehr ältere Menschen erkennen
|
||
die Chancen der Nutzung des Internets.
|
||
Sie haben aber Sorgen, dass sie in der
|
||
digitalen Welt in Situationen geraten
|
||
können, denen sie nicht gewachsen
|
||
sind. Wir wollen deswegen senioren-
|
||
spezifische Beratungsangebote
|
||
in Sachsen-Anhalt vernetzen und
|
||
ausbauen.
|
||
Für den gleichberechtigten Zugang zu
|
||
Leistungen für alle Senior:innen, egal
|
||
welcher Herkunft, gilt, Sprachbarrieren
|
||
und kulturelle Hinderungsgründe
|
||
abzubauen, so dass eine kultursensible
|
||
Altenhilfe gewährleistet werden kann.
|
||
DIE LINKE wendet sich auch weiterhin
|
||
konsequent gegen Altersdiskriminie-
|
||
rung und Gewalt an Älteren in der
|
||
Gesellschaft. Die Gewalt gegen ältere
|
||
Menschen, die im häuslichen Bereich
|
||
gepflegt werden, hat aktuellen
|
||
Studien zufolge zugenommen.
|
||
Das ist nicht hinnehmbar. Wir brauchen
|
||
eine Kultur der Achtung und Freund-
|
||
lichkeit im Umgang mit den Senior-
|
||
:innen. Ihnen muss mehr Gehör für
|
||
ihre Belange geschenkt werden.
|
||
Direkte Demokratie mit Rede-,
|
||
Anhörungs- und Antragsrecht auf
|
||
allen politischen Ebenen ist dafür
|
||
notwendig. Dafür wollen wir mit einem
|
||
Seniorenmitwirkungsgesetz sorgen.
|
||
Ostdeutsch: Selbstbewusst
|
||
und selbstbestimmt
|
||
Seit drei Jahrzehnten werden die
|
||
Menschen vertröstet, wenn es um die
|
||
Korrektur von Fehlern und Versäum-
|
||
nissen der deutschen Einheit geht.
|
||
Es ist überfällig, die verschiedenen
|
||
ostdeutschen Perspektiven, die
|
||
Erfahrungen aus zwei politischen
|
||
Systemen anzuerkennen und ernst zu
|
||
nehmen, was dauerhafte Deindustria-
|
||
lisierung, Niedriglohnpolitik, kulturelle
|
||
Ignoranz und Abwanderung für
|
||
Regionen und ihre Menschen bedeuten
|
||
können. DIE LINKE wird auch des-
|
||
wegen die verfehlte Treuhandpolitik
|
||
der 90er Jahre und ihre Folgen für
|
||
Sachsen-Anhalt weiter thematisieren.
|
||
Der wirtschaftliche Kahlschlag in den
|
||
90er Jahren ging Hand in Hand mit
|
||
einem Elitenwechsel in Politik,
|
||
Wirtschaft, Kultur- und Bildungs-
|
||
einrichtungen, der Ostdeutsche von
|
||
Karrierewegen und Spitzenpositionen
|
||
ausschloss. Diese Einstellungspolitik
|
||
hat sich verfestigt und grenzt nun eine
|
||
junge Generation aus, die nicht mehr
|
||
in der DDR aufgewachsen ist.
|
||
Es spricht auch für das persönliche
|
||
Versagen des Ministerpräsidenten
|
||
Haseloff, die Förderung des
|
||
ostdeutschen Nachwuchses in
|
||
den Ministerialverwaltungen,
|
||
Landesämtern und Wissenschafts-
|
||
einrichtungen versäumt zu haben.
|
||
In den meisten Leitungsbereichen
|
||
dieser Institutionen sind Ostdeutsche
|
||
in der Minderheit.
|
||
DIE LINKE setzt sich dafür ein,
|
||
dass endlich mehr Ostdeutsche in
|
||
Schlüsselfunktionen kommen.
|
||
Es muss Schluss sein damit, dass jede
|
||
grundsätzliche Kritik an den Problemen
|
||
mit Verweis auf die DDR diskreditiert
|
||
und abgebügelt wird. Denn wer jetzt in
|
||
den Ruhestand geht, hat 30 Jahre im
|
||
vereinten Deutschland gearbeitet und
|
||
gelebt. Es ist nicht akzeptabel, dass
|
||
bereits heute mehr als 40 Prozent der
|
||
Ostdeutschen nach mindestens
|
||
40 Versicherungsjahren weniger als
|
||
1.000 Euro Rente haben, was genauso
|
||
wenig akzeptabel ist wie Armutsrenten
|
||
im Westen.
|
||
Die bei der Rentenüberleitung
|
||
gemachten Fehler müssen endlich
|
||
behoben werden. Zu viele Gruppen
|
||
|
||
--- PAGE 20 ---
|
||
20
|
||
sind betroffen: die in der DDR geschie-
|
||
denen Frauen, Bergleute der Braun-
|
||
kohleveredlung, Krankenschwestern,
|
||
Tänzer:innen, Angestellte bei der Post
|
||
oder der Eisenbahn und andere mehr.
|
||
Sogar die aus der DDR Geflohenen
|
||
und Ausgereisten wurden nach der
|
||
Wiedervereinigung im Rentenrecht
|
||
wieder nachträglich zu Ostdeutschen
|
||
erklärt. Im 30. Jahr der Einheit
|
||
erwarten sie endlich Gerechtigkeit
|
||
und nicht nur die Behandlung von
|
||
Härtefällen. Im Hinblick auf Renten ist
|
||
auch die Verantwortung für ehemalige
|
||
ausländische Vertragsarbeiter:innen
|
||
in der DDR anzuerkennen.
|
||
Wir setzen uns für die Anerkennung
|
||
ostdeutscher Lebensleistungen
|
||
sowohl vor 1989 als auch in den
|
||
30 Jahren nach der deutschen Einheit
|
||
ein. Die individuelle Bewältigung
|
||
von Umbrüchen, Enttäuschungen,
|
||
Neuanfängen und die Bewahrung
|
||
von Selbstbewusstsein nach vielen
|
||
Erniedrigungen hat gerade in
|
||
Sachsen-Anhalt für sehr viele
|
||
Menschen einen Erfahrungsvorsprung
|
||
im Umgang mit Krisen und Konflikten
|
||
mit sich gebracht.
|
||
Diese zum Teil mit bitteren Erfahrungen
|
||
verbundenen Erkenntnisse wollen wir
|
||
bewahren und weitergeben.
|
||
II. Fortschritt, den wir meinen
|
||
Wirtschaft: Ein Investitionspaket
|
||
für Sachsen-Anhalt schnüren
|
||
Der Corona-Lockdown hat die wirt-
|
||
schaftliche Existenz vieler Betriebe
|
||
und Gewerbetreibender bedroht und
|
||
infrage gestellt. Die Landesregierung
|
||
hält sich dagegen zu Gute, »das größte
|
||
Soforthilfe-Programm für Unter-
|
||
nehmen in der Geschichte Sachsen-
|
||
Anhalts aufgelegt« zu haben.
|
||
Tatsächlich hat sie im Gegensatz zu
|
||
anderen Bundesländern nur wenig Geld
|
||
aus dem Landeshaushalt für finanzielle
|
||
Hilfen und öffentliche Investitionen
|
||
mobilisiert. »Bisher«, so kritisiert der
|
||
DGB, »macht das Land‚ Dienst nach
|
||
Vorschrift‘(…) Fakt ist: Mit dieser
|
||
mutlosen Politik ist kein Aufbruch
|
||
möglich. Vier von fünf Unternehmen in
|
||
Sachsen-Anhalt rechnen mit Umsatz-
|
||
einbußen, dem Bruttoinlandsprodukt
|
||
des Landes wird ein empfindlicher
|
||
Rückgang prognostiziert.« Zu lange
|
||
hat sich die KENIA-Koalition der
|
||
trügerischen Sicherheit hingegeben,
|
||
dass Sachsen-Anhalt besser als andere
|
||
durch die Krise gekommen sei. Dagegen
|
||
haben z. B. Thüringen und Baden-
|
||
Württemberg für Solo-Selbstständige
|
||
einen »Unternehmerlohn« als Zuschuss
|
||
zum Lebensunterhalt aufgelegt.
|
||
Dies wurde von der CDU in Sachsen-
|
||
Anhalt bis November 2020 blockiert.
|
||
Von April 2020 bis Februar 2021 haben
|
||
Betriebe in Sachsen-Anhalt für
|
||
ca. 305.000 Beschäftigte Kurzarbeit in
|
||
Anspruch genommen. Kurzarbeit
|
||
bedeutet in einem Niedriglohnland wie
|
||
Sachsen-Anhalt ein erhöhtes Armuts-
|
||
risiko. Der »Corona-Effekt«, also die
|
||
durch die Pandemie bedingte Arbeits-
|
||
losigkeit lag im letzten Jahr stetig über
|
||
1 Prozent und im Februar 2021 bei
|
||
1,3 Prozentpunkten. Sicherlich gibt es
|
||
in anderen Bundesländern höhere
|
||
Steigerungsraten, jedoch wird man das
|
||
tatsächliche Ausmaß der Pandemie-
|
||
folgen auf dem Arbeitsmarkt erst nach
|
||
dem Aussetzen der Insolvenzantrags-
|
||
pflicht erkennen können.
|
||
|
||
--- PAGE 21 ---
|
||
21
|
||
Ein Konjunktur- und Investitionspaket
|
||
für Sachsen-Anhalt schnüren
|
||
Öffentliche Investitionen sind der
|
||
Schlüssel für die Gestaltung der
|
||
Zukunft nach der Pandemie.
|
||
Das Land Sachsen-Anhalt verfügt
|
||
über enorme Möglichkeiten, gestärkt
|
||
aus der Krise hervorzugehen.
|
||
DIE LINKE fordert ein erweitertes
|
||
Konjunktur- und Investitions-
|
||
programm für Sachsen-Anhalt und
|
||
steht dabei an der Seite des DGB.
|
||
Wir stimmen mit den Gewerkschaften
|
||
überein, dass die historisch
|
||
einmalige Niedrigzinslage an den
|
||
Kapitalmärkten für eine solche
|
||
Investitionsoffensive genutzt werden
|
||
muss. In diesem Sinne sollten wir uns
|
||
für die Umsetzung der Forderung
|
||
des DGB einsetzen, einen
|
||
Sachsen-Anhalt-Fonds als Sonder-
|
||
vermögen einzurichten: Der Fonds
|
||
wird vom Land mit Eigenkapital
|
||
ausgestattet, »das der Fonds durch
|
||
Anleihen vervielfacht.
|
||
Auf dieser Basis kann der Fonds
|
||
die öffentlichen Investitionen massiv
|
||
ausweiten – z. B. für Schulen,
|
||
Straßen, Kitas, Krankenhäuser, den
|
||
öffentlichen Personennahverkehr.
|
||
Obligatorisch ist dabei, dass jede
|
||
Investition mit einem eigenen
|
||
Tilgungsplan versehen wird.
|
||
Wichtige Zukunftsinvestitionen
|
||
können jetzt vorgenommen und
|
||
über die Nutzungsdauer refinanziert
|
||
werden. Der Sachsen-Anhalt-Fonds
|
||
richtet sich dabei explizit auch an
|
||
Kommunen, indem kommunale
|
||
Investitionen durch Öffentlich-
|
||
Öffentliche-Partnerschaften (ÖÖP)
|
||
gemeinsam mit dem Fonds getätigt
|
||
werden können.«
|
||
Aus unserer Sicht wäre dies auch
|
||
für einen Einstieg in die Errichtung
|
||
weiterer kommunaler Pflegebetriebe
|
||
zu nutzen.
|
||
Den Strukturwandel
|
||
erfolgreich gestalten
|
||
Bereits vor der Pandemie sah sich
|
||
Sachsen-Anhalt mit großen Heraus-
|
||
forderungen bei der Umgestaltung
|
||
seiner Wirtschaft konfrontiert.
|
||
Die durch den Klimawandel
|
||
erforderlichen Transformations-
|
||
prozesse betreffen Kernbereiche der
|
||
Wirtschaft wie die Autozulieferer, die
|
||
Energiewirtschaft und das Mitteldeut-
|
||
sche Revier, die Land- und Forstwirt-
|
||
schaft. Viele Menschen haben
|
||
verstanden, dass das auf dem
|
||
Verbrennen fossiler Rohstoffe
|
||
basierende Wirtschaftsmodell
|
||
unumkehrbar zu Ende geht. Mit dem
|
||
Verbrennen von Kohle und Erdöl kann
|
||
keine wirtschaftliche, technologische
|
||
und soziale Zukunft mehr gesichert
|
||
werden. Doch die Unterstützung für
|
||
ökologische Umbauprozesse hängt
|
||
nicht nur entscheidend davon ab, wie
|
||
dieser Prozess sozial abgefedert wird,
|
||
sondern auch davon, wie stark ihn die
|
||
Menschen selbst in ihren Regionen
|
||
mitgestalten können. DIE LINKE will
|
||
die Mittel zur Bewältigung des
|
||
Strukturwandels dazu nutzen, ein
|
||
Landesförderprogramm »Klimaschutz
|
||
in der Industrie« aufzulegen. Dies wird
|
||
Zuschüsse für Klimaschutzprojekte in
|
||
kleinen und mittelständischen
|
||
Betrieben umfassen sowie langfristige
|
||
zinslose Kredite zur klimagerechten
|
||
Umstellung von Produktionsverfah-
|
||
ren. Mit Überleitungsgesellschaften
|
||
setzen wir auf gezielte Weiterbildung
|
||
und Qualifizierung der Beschäftigten.
|
||
Wir müssen den Strukturwandel
|
||
nutzen, um die noch zu schwach
|
||
ausgeprägte industrielle Basis unseres
|
||
Landes zu stärken und vor der Wirt-
|
||
schaftskrise zu schützen. Dabei setzen
|
||
wir auf Schlüsselzweige wie die
|
||
chemische und pharmazeutische
|
||
|
||
--- PAGE 22 ---
|
||
22
|
||
Industrie, den Maschinen- und
|
||
Anlagenbau und die Lebensmittel-
|
||
wirtschaft. Sachsen-Anhalt ist ein
|
||
wichtiger Standort für die Solarstrom-
|
||
produktion. Wir haben damit gute
|
||
Voraussetzungen, um zukunftsfähige
|
||
Strukturen aufzubauen und den
|
||
Zustand einer verlängerten Werkbank
|
||
zu überwinden. Statt vorrangig
|
||
Zulieferer für westdeutsche und
|
||
internationale Konzerne zu sein,
|
||
wollen wir eine Industriepolitik,
|
||
die Wertschöpfung stärker in
|
||
Sachsen-Anhalt verankert.
|
||
Sachsen-Anhalt kann gerade im
|
||
Bereich der erneuerbaren Energien
|
||
neue Arbeitsplätze gewinnen, wenn
|
||
die Weichen jetzt richtig gestellt
|
||
werden und der Strukturwandel für
|
||
eine umfassende Mobilitätswende,
|
||
die Nutzung der Solarenergie, den
|
||
Ausbau der Windkraft unter Berück-
|
||
sichtigung der Naturschutzbelange,
|
||
die Reduzierung des Energie-
|
||
verbrauchs in allen Lebensbereichen
|
||
und die Förderung regionaler
|
||
Wirtschaftskreisläufe genutzt wird.
|
||
DIE LINKE wie auch der DGB fordern
|
||
einen institutionalisierten Strukturwan-
|
||
del-Dialog der Sozialpartner, den wir
|
||
aber noch um Klimabewegung, Umwelt-
|
||
und Sozialverbände ergänzen wollen.
|
||
Wir werden die Regionale Innovations-
|
||
strategie über das Jahr 2021 hinaus
|
||
weiterentwickeln. Dabei stellen wir
|
||
das Wachstum kleiner und mittlerer
|
||
Unternehmen in den Mittelpunkt –
|
||
wichtig ist der dauerhafte Aufbau
|
||
eigener Forschungskapazitäten bei
|
||
den Unternehmen.
|
||
Die Wirtschaftsförderung
|
||
muss dem Gemeinwohl dienen
|
||
Wenn es um Fachkräfte und attraktive
|
||
Arbeitsplätze in der privaten Wirtschaft
|
||
und im öffentlichen Sektor geht, steht
|
||
Sachsen-Anhalt im harten Wett-
|
||
bewerb mit anderen Regionen.
|
||
Das starrsinnige Festhalten an Billig-
|
||
löhnen und schlechten Sozialstandards
|
||
sorgt nicht für mehr Wettbewerbs-
|
||
fähigkeit, sondern für mehr Abwande-
|
||
rung. Es stärkt nicht den Wirtschafts-
|
||
standort, sondern schwächt die
|
||
Kaufkraft. Es vergrault den ostdeut-
|
||
schen Nachwuchs nach Westen.
|
||
Nicht nur in der Krise zeigt die CDU,
|
||
dass sie wenig für die Interessen und
|
||
Notlagen vor allem der kleinen und
|
||
mittleren Betriebe übrig hat.
|
||
Sie fokussiert sich meist auf Groß-
|
||
investitionen und nicht auf die kleinen
|
||
und mittleren Betriebe, die wir im
|
||
Land haben. Während der
|
||
Pandemie hat sie sich kaum um
|
||
Solo-Selbstständige gekümmert.
|
||
DIE LINKE sagt: Unser Land verfügt
|
||
über enorme Einflussmöglichkeiten
|
||
für die Gestaltung einer zukunfts-
|
||
orientierten, sozialen, gerechten und
|
||
innovativen Wirtschaftsstruktur.
|
||
Wirtschaftsförderung muss an
|
||
Tariflöhne, gute Arbeit und Mit-
|
||
bestimmung im Betrieb gekoppelt
|
||
sein. Guter Lohn und gute Arbeit sind
|
||
Standortfaktoren für Fachkräfte.
|
||
Wir werden Subventionen so einsetzen,
|
||
dass Unternehmen nachhaltiger und
|
||
ökologischer wirtschaften.
|
||
Damit Handwerk
|
||
goldenen Boden hat
|
||
Wir wollen das Handwerk und den
|
||
Mittelstand weiter unterstützen, denn
|
||
sie wirtschaften solide und innovativ.
|
||
Unternehmer:innen, die die Risiken
|
||
der Selbstständigkeit tragen und
|
||
in den bei uns überwiegend kleinen
|
||
und mittleren Betrieben wirken,
|
||
ermöglichen Beschäftigung, Ausbildung
|
||
und Innovation. Sie brauchen Unter-
|
||
|
||
--- PAGE 23 ---
|
||
23
|
||
stützung beim Wachstum, weniger
|
||
Bürokratie und Hilfe bei der
|
||
Unternehmensnachfolge. Vor allem
|
||
in den Bereichen Berufsausbildung
|
||
und Unternehmensgründungen und
|
||
-nachfolge wollen wir mit gezielten
|
||
Maßnahmen zur Fachkräftesicherung
|
||
und damit Zukunftssicherung der
|
||
Unternehmen beitragen.
|
||
Regionale Wirtschaftskreisläufe
|
||
sind wichtiger denn je
|
||
Die Lieferengpässe bei medizinischer
|
||
Schutzausrüstung und Medikamenten,
|
||
aber auch bei Lebensmitteln und
|
||
Verbrauchsgütern haben uns die
|
||
Bedeutung einer leistungsfähigen
|
||
Regionalwirtschaft unmissverständlich
|
||
vor Augen geführt. Just-in-time-
|
||
Produktion und die Verlagerung von
|
||
Lagerkapazität auf die Straße in Form
|
||
der Ausweitung des LKW-Verkehrs
|
||
gehören zum Problem und nicht
|
||
zur Lösung. Notwendig sind die
|
||
Diversifizierung der Wirtschafts-
|
||
und Landwirtschaftsstruktur sowie
|
||
die Stärkung der Eigenversorgung,
|
||
insbesondere in den Bereichen
|
||
der Daseinsvorsorge und des Bevölke-
|
||
rungsschutzes durch ausreichende
|
||
Bestände an Schutz- und anderer
|
||
medizinischer Ausrüstung.
|
||
Solidarische und kooperative Wirt-
|
||
schaftsformen wie Genossenschaften,
|
||
Sharing- und Tauschplattformen,
|
||
Sozialunternehmen usw. wollen wir
|
||
systematisch fördern und entwickeln,
|
||
in den Kommunen und im Land.
|
||
Genossenschaften sind eine gute
|
||
Möglichkeit, um kleine Betriebe
|
||
im ländlichen Raum zu erhalten.
|
||
Belegschaften können so gemeinsam
|
||
ihre Betriebe fortführen.
|
||
In Sachsen-Anhalt hat sich außerdem
|
||
Social Entrepreneurship als Teil einer
|
||
solidarischen Ökonomie im Non-Pro-
|
||
fit-Bereich entwickelt. Diese Unter-
|
||
nehmer:innen wollen zur Lösung
|
||
gesellschaftlicher Herausforderungen,
|
||
insbesondere sozialer und ökologischer,
|
||
mit unternehmerischen Mitteln
|
||
beitragen. DIE LINKE erkennt ihre
|
||
wachsende Bedeutung für einen
|
||
systemischen gesellschaftlichen
|
||
Wandel und will sie daher stärker in
|
||
wirtschaftsfördernde Maßnahmen
|
||
einschließen.
|
||
Start-up-Unternehmen,
|
||
Gründerinnen und Gründer fördern
|
||
Ohne neue unternehmerische Ideen
|
||
kann keine Wirtschaft auskommen.
|
||
Start-up-Unternehmen beleben sie
|
||
mit ihren kreativen und innovativen
|
||
Ideen. Damit sie schnell wachsen und
|
||
damit auch an ihrem Gründungsort
|
||
verbleiben können, brauchen sie eine
|
||
breite Unterstützung, u. a. bei der
|
||
Akquirierung von Risikokapital und
|
||
bei der Vernetzung. Wir wollen eine
|
||
Kultur des Ermöglichens schaffen,
|
||
Formate unterstützen, die Vernetzung
|
||
ermöglichen und Hidden Champions
|
||
(unbekannte Marktführer) sichtbar
|
||
machen. Einrichtungen wie der
|
||
Wissenschaftshafen in Magdeburg,
|
||
der Weinberg-Campus und das
|
||
Designhaus in Halle brauchen dabei
|
||
nicht nur die Unterstützung der
|
||
Kommunen, sondern auch vom Land.
|
||
Wir wollen Netzwerke der Kreativ-
|
||
und IT-Branche, der Wissenschaft und
|
||
Unternehmen aus anderen Wirt-
|
||
schaftszweigen fördern.
|
||
Die Schaffung von Coworking Spaces
|
||
soll unterstützt werden. Mit einem
|
||
neuen Förderprogramm »Zweite
|
||
Chance« wollen wir zunächst
|
||
gescheiterten Gründer:innen einen
|
||
neuen Anlauf ermöglichen.
|
||
Das bisher ungenutzte Potential in
|
||
Sachsen-Anhalt wollen wir analysieren
|
||
und in eine neue Existenzgründungs-
|
||
|
||
--- PAGE 24 ---
|
||
24
|
||
strategie einfließen lassen. Die Arbeit
|
||
und Erfolge von Unternehmerinnen
|
||
und Gründerinnen sollen sichtbarer
|
||
werden, um Frauen zur Selbstständig-
|
||
keit zu ermutigen.
|
||
Tourismus – mehr als ein
|
||
Wirtschaftsfaktor
|
||
Touristische Angebote sind nicht nur
|
||
ein Wirtschaftsfaktor, sondern dienen
|
||
auch der Lebensqualität vor Ort.
|
||
Deswegen sprechen wir uns für
|
||
integrierte Entwicklungskonzepte
|
||
in den Kommunen aus, die sich
|
||
sowohl an Einwohner:innen als
|
||
auch an Tourist:innen wenden.
|
||
Die Aufsplittung der Tourismus-
|
||
förderung zwischen verschiedenen
|
||
Ministerien und dem Landestourismus-
|
||
verband muss überwunden werden.
|
||
Wir wollen das integrierte Landes-
|
||
marketing mithilfe der Investitions-
|
||
und Marketinggesellschaft (IMG) aus
|
||
einer Hand entwickeln. Daneben
|
||
brauchen die regionalen Tourismus-
|
||
verbände eine weitere Stärkung durch
|
||
das Land sowohl für ein regionales
|
||
Marketing als auch für die touristische
|
||
Infrastruktur.
|
||
Notwendig sind auch die institutionelle
|
||
Unterstützung von Einrichtungen für
|
||
Kinder und Jugendliche wie Jugend-
|
||
herbergen, Schullandheime bzw.
|
||
von Ferienfreizeitanbietern sowie
|
||
aufgrund der großen Kinderarmut im
|
||
Land der Ausbau von Förderangeboten,
|
||
die sich direkt an die Betroffenen
|
||
wenden. Ziel sind hier nicht vorrangig
|
||
hohe Umsätze, sondern ein breites
|
||
soziales Angebot.
|
||
Sachsen-Anhalt ist reich an Geschichte,
|
||
Kunst und Kultur, Naturschätzen und
|
||
auch Industriedenkmälern.
|
||
Doch aus unserem Bundesland
|
||
kommen auch solche für die Musik-,
|
||
Kunst- und Geistesgeschichte bedeu-
|
||
tende Persönlichkeiten wie z. B.
|
||
Georg-Friedrich Händel und Kurt Weil,
|
||
Friedrich Gottlieb Klopstock,
|
||
Johann Gottlieb Fichte oder
|
||
Friedrich Nietzsche. Mit der Straße
|
||
der Romanik oder den Stätten der
|
||
Reformation ist Sachsen-Anhalt ein
|
||
touristischer Anziehungspunkt.
|
||
Der Kulturtourismus, insbesondere zu
|
||
den sechs UNESCO-Welterbestätten,
|
||
sowie der naturnahe Tourismus, wie
|
||
z. B. die Harzregion, der Elbe-Radweg
|
||
und der Wassertourismus, müssen vor
|
||
allem über das regionale Marketing
|
||
weiterentwickelt werden.
|
||
Vorrangige Aufgabe wird in den Jahren
|
||
2021 und 2022 die Sicherung und
|
||
Unterstützung der durch die Corona-
|
||
Pandemie stark beeinträchtigten
|
||
touristischen Infrastruktur sein.
|
||
Das betrifft die Gastronomie, das
|
||
Beherbergungsgewerbe und die
|
||
Veranstaltungsbranche in ihrer
|
||
Gesamtheit. Dazu sollen eine
|
||
Grundsicherung der Selbstständigen
|
||
in diesem Bereich sowie spezielle
|
||
Programme zur Erleichterung des
|
||
Neustarts von zwischenzeitlich
|
||
geschlossenen oder eingeschränkten
|
||
Angeboten dienen. Eine solche
|
||
Forderung setzt die Einhaltung der
|
||
Standards für gute Arbeit voraus.
|
||
Energiewende: sozial,
|
||
ökologisch und vor Ort
|
||
Die Energiewende muss sozial aus-
|
||
gestaltet werden, damit sie Haushalte
|
||
mit geringen Einkommen nicht zu
|
||
stark belastet. Energiearmut ist die
|
||
soziale Kehrseite der Energiewende.
|
||
Bundesweit wurden 2018 gegen etwa
|
||
300.000 Haushalte Stromsperren
|
||
verhängt. Dass dies viele Hartz-IV-
|
||
Empfänger:innen betrifft, ist nicht
|
||
erstaunlich.
|
||
|
||
--- PAGE 25 ---
|
||
25
|
||
Zwischen 2008 und 2018 stieg der
|
||
Strompreis um rund 40 Prozent,
|
||
während der Anteil für die Stromkos-
|
||
ten im Regelsatz der Grundsicherung
|
||
nur um 27 Prozent erhöht wurde.
|
||
DIE LINKE fordert eine Erhöhung
|
||
der Regelsätze und eine jährliche
|
||
Strompauschale. Wir werden uns
|
||
weiter für ein gesetzliches Verbot
|
||
von Stromsperren einsetzen.
|
||
Darüber hinaus setzen wir uns für
|
||
Sozialtarife für Strom ein, denn wir
|
||
brauchen ein sozial gerechtes Strom-
|
||
preissystem, bei dem Stromsparen
|
||
auch belohnt wird. Die Verbraucher-
|
||
:innen dürfen nicht weiter für die
|
||
enormen Rabatte für energieintensive
|
||
Branchen zu Kasse gebeten werden.
|
||
DIE LINKE fordert, Mittel der EU, des
|
||
Bundes und des Landes in einem
|
||
Strukturfonds zur Bewältigung des
|
||
Klimawandels für die daraus
|
||
resultierenden unterschiedlichen
|
||
Herausforderungen zu bündeln,
|
||
seien es die Verkehrswende, die
|
||
Agrarwende oder jegliche andere
|
||
strukturelle Veränderung.
|
||
Die bevorstehende Stilllegung,
|
||
der Rückbau und die Renaturierung
|
||
der Bergbauanlagen erfordern
|
||
die intensive Unterstützung von
|
||
Bundes- und Landesregierung.
|
||
Wir wissen die Lebensleistung von
|
||
Bergleuten zu schätzen. In den bevor-
|
||
stehenden Umbruchprozessen wollen
|
||
wir ihnen in der nächsten Legislaturpe-
|
||
riode Wegbegleiter für neue Arbeits-
|
||
plätze sein. Die Kumpel haben keinen
|
||
mitleidigen oder gar zynischen Nachruf
|
||
verdient, sondern brauchen vielmehr
|
||
glaubhafte Zukunftsperspektiven. Als
|
||
technische Fachleute sind sie keine
|
||
Bittsteller, sondern werden etwa im
|
||
Bereich der erneuerbaren Energien
|
||
dringend gebraucht. Dafür bedarf es
|
||
geeigneter Fortbildungen.
|
||
Sachsen-Anhalt ist Energieexportland
|
||
und liegt bei der Erzeugung erneuer-
|
||
barer Energien (ohne Offshore-
|
||
Anlagen) im Ländervergleich vorn.
|
||
Energie soll nach unserer
|
||
Auffassung dort verbraucht werden,
|
||
wo sie erzeugt wird!
|
||
Deshalb hält DIE LINKE den Bau der
|
||
Übertragungsleitung SuedOstLink
|
||
für einen strategischen Fehler,
|
||
weil die Energieregion einen
|
||
Standortvorteil verliert.
|
||
Der SuedOstLink ist vor allem
|
||
auf den Nutzen Bayerns und
|
||
Baden-Württembergs ausgelegt,
|
||
die ihren Windenergieausbau vernach-
|
||
lässigt haben.
|
||
Die Zeit des Abschieds von fossiler
|
||
Energieerzeugung ist gekommen.
|
||
Auch wenn viele Menschen sich das
|
||
noch nicht vorstellen können,
|
||
verstehen sie doch, dass dies
|
||
unvermeidbar ist. Denn ohne Klima-
|
||
schutz werden die Felder verdorren,
|
||
die Wälder sterben und die Unwetter
|
||
zunehmen. Eine verantwortungsvolle
|
||
Energiepolitik muss daher den Umbau
|
||
unseres Energiesystems mit dem Ziel
|
||
des vollständigen Ausstiegs aus
|
||
fossilen Brennstoffen vorantreiben.
|
||
Zur Erreichung der Klimaschutzziele
|
||
ist der Ausbau der erneuerbaren
|
||
Energien erforderlich.
|
||
Sachsen-Anhalt kann dabei eine
|
||
Vorreiterrolle einnehmen.
|
||
Dazu braucht es allerdings weitere
|
||
Ansiedlungen von Forschungs- und
|
||
Entwicklungseinrichtungen im Land.
|
||
Über Jahrzehnte haben große Konzerne
|
||
und damit auch bestimmte Regionen
|
||
wirtschaftlich von der Nutzung der
|
||
Kernenergie profitiert.
|
||
Sachsen-Anhalt gehörte definitiv
|
||
nicht dazu. DIE LINKE lehnt auch
|
||
deshalb ein weiteres Endlager für
|
||
Atommüll in Sachsen-Anhalt ab.
|
||
|
||
--- PAGE 26 ---
|
||
26
|
||
Was für den Ausbau der
|
||
erneuerbaren Energien nötig ist
|
||
Die Potentiale für erneuerbare
|
||
Energien sind noch längst nicht
|
||
ausgeschöpft. Bei der Windenergie
|
||
droht durch das Auslaufen der
|
||
Förderung nach dem Erneuerbare-
|
||
Energien-Gesetz (EEG) und die
|
||
Deckelung des Ausbaus ein Rückgang
|
||
der Energieproduktion.
|
||
Bürgerenergieprojekte werden
|
||
benachteiligt, Großinvestoren jedoch
|
||
gefördert. Daher fordern wir eine
|
||
Änderung des EEG auf Bundesebene.
|
||
Gleichzeitig sind die Chancen der
|
||
Kraftwerkserneuerung (Repowering)
|
||
im Einklang mit den Interessen von
|
||
Mensch und Natur zu nutzen. Privat-
|
||
personen soll es in Zukunft leichter
|
||
gemacht werden, selbst Strom zu
|
||
erzeugen und einzuspeisen.
|
||
Wir setzen uns dafür ein, dass das
|
||
EEG entsprechend angepasst wird.
|
||
Die Erzeugung von Strom und Warm-
|
||
wasser durch Sonnenenergie muss
|
||
stärker ausgebaut werden. Dabei
|
||
setzen wir vorrangig auf das Potential
|
||
von Dächern und sehen insbesondere
|
||
die öffentliche Hand in einer Vorbild-
|
||
rolle, die Dächer ihrer Liegenschaften
|
||
zur Energieerzeugung zu nutzen.
|
||
Orientiert an den Ländern Hamburg
|
||
und Berlin wollen wir ein Solargesetz
|
||
verabschieden, das ab 2023 Photovol-
|
||
taikanlagen für Neubauten und im
|
||
Falle von Dachumbauten verpflich-
|
||
tend, aber mit Ausnahmen vorsieht.
|
||
Biogasanlagen verstetigen das
|
||
Angebot an erneuerbaren Energien,
|
||
denn sie können Strom und Wärme
|
||
kontinuierlich produzieren und
|
||
speichern. Dabei ist uns wichtig, dass
|
||
vielfältige Substrate in den Biogasanla-
|
||
gen eingesetzt werden. Unser Haupt-
|
||
augenmerk liegt vorrangig auf der
|
||
Verwertung von Abfall- und Reststoffen
|
||
landwirtschaftlicher Unternehmen.
|
||
Dagegen soll die Produktion
|
||
von Energiepflanzen nur in einem
|
||
ökologisch vertretbaren Maß erfolgen.
|
||
Wie wir die Energieversorgung
|
||
organisieren wollen
|
||
Wir stehen für reale Bürger:innen-
|
||
beteiligung an der Energiewende und
|
||
der Demokratisierung der Energie-
|
||
wirtschaft. Träger einer solchen
|
||
Entwicklung sind aus unserer Sicht
|
||
nicht die großen Energiekonzerne,
|
||
sondern lokale Unternehmen von
|
||
Stadtwerken bis hin zu Energie-
|
||
genossenschaften. DIE LINKE will
|
||
eine dezentrale und digital vernetzte
|
||
Energieversorgung, die sowohl
|
||
wirtschaftlichen und sozialen als auch
|
||
ökologischen Aspekten gerecht wird.
|
||
Dezentrale Modelle zur Energie-
|
||
versorgung in den Städten und
|
||
Dörfern sind nachhaltiger und daher
|
||
vorrangig zu entwickeln.
|
||
Produktion und Verteilung von Energie
|
||
gehören als Teil der Daseinsvorsorge
|
||
in öffentliche Hand. Dazu wollen wir
|
||
kommunale Eigentumsformen und
|
||
Genossenschaften fördern, da sie
|
||
die Möglichkeit einer demokratischen
|
||
Mitsprache durch die Verbraucher-
|
||
:innen sichern. Initiativen, die sich für
|
||
eine weitgehende Selbstversorgung
|
||
mit Energie in ihren Regionen und
|
||
Kommunen engagieren, sollen vom
|
||
Land unterstützt werden.
|
||
Neben der Erzeugung von erneuer-
|
||
barer Energie sind aus unserer Sicht
|
||
vor allem auch deren effiziente
|
||
Nutzung und Einsparung stärker
|
||
in den Mittelpunkt der Energiepolitik
|
||
zu stellen, denn es geht um
|
||
Ressourcenschonung. Energetische
|
||
Gebäudesanierung, insbesondere
|
||
landeseigener Gebäude, muss weiter
|
||
vorangetrieben werden. Neubauten
|
||
sollen Passivhausstandard haben.
|
||
|
||
--- PAGE 27 ---
|
||
27
|
||
Gleichzeitig gewinnt die Energie-
|
||
speicherung an Bedeutung. Speicher-
|
||
möglichkeiten und auch stoffliche
|
||
Nutzung, z. B. mit grünem Wasser-
|
||
stoff, sind wegweisend für die Dekar-
|
||
bonisierung der Industrie, machen
|
||
erneuerbare Energien kontinuierlich
|
||
verfügbar und dienen der regionalen
|
||
Wertschöpfung. Deshalb wollen
|
||
wir diese Projekte im Zuge des
|
||
Strukturwandels weiter fördern.
|
||
Klimaschutz:
|
||
CO2-Ausstoß reduzieren,
|
||
Naturschutz verbessern
|
||
Klimawandel und Umweltzerstörung
|
||
nehmen weltweit ein immer
|
||
gefährlicheres Ausmaß an.
|
||
Die Verschmutzung der Gewässer,
|
||
das Insektensterben und riesige
|
||
Plastikstrudel im Ozean zeigen,
|
||
wie weit die Zerstörung unserer
|
||
natürlichen Lebensgrundlagen schon
|
||
vorangeschritten ist. Die Folgen des
|
||
Klimawandels sind auch in Sachsen-
|
||
Anhalt unübersehbar und bedrohlich.
|
||
Die andauernden internationalen
|
||
Proteste gegen die Klima- und
|
||
Umweltzerstörung sind dagegen ein
|
||
Zeichen der Hoffnung.
|
||
Die Fridays For Future-Bewegung
|
||
unterstützen wir wegen ihres mutigen
|
||
Kampfes für eine neue Klimapolitik.
|
||
Die Klimaschutzbewegung erinnert
|
||
immer wieder daran, dass der
|
||
Klimawandel die Armen als Erste
|
||
betrifft und wie die Reichen von der
|
||
Zerstörung und Verschmutzung
|
||
unserer Lebensgrundlagen profitieren.
|
||
DIE LINKE will deshalb im Land
|
||
Sachsen-Anhalt ein Klimagesetz auf
|
||
den Weg bringen, in dem klare Ziele
|
||
und zugehörige Maßnahmen zur
|
||
CO2-Reduktion in den Sektoren
|
||
Energiewirtschaft und Wirtschaft,
|
||
Gebäude, Landwirtschaft und Verkehr
|
||
verbindlich festgeschrieben sind.
|
||
Damit sollen alle Potentiale des
|
||
Landes gehoben werden, die
|
||
Klimakrise weitestgehend aufzuhalten
|
||
und das 1,5°-C-Ziel zu erreichen.
|
||
Wir wollen einen Nachhaltigkeitsbeirat
|
||
berufen, der mit einem Sozial- und
|
||
Klimacheck die Auswirkungen
|
||
politischer Entscheidungen und
|
||
staatlichen Handelns prüft.
|
||
Energieverbrauch
|
||
senken
|
||
Zur Reduzierung des CO2–Ausstoßes
|
||
muss der Energieverbrauch drastisch
|
||
reduziert werden. Moderne Anlagen
|
||
zur Kraft-Wärme-Kopplung sollen
|
||
nicht nur im Kraftwerksbau berück-
|
||
sichtigt werden, sondern auch dort,
|
||
wo Wärme entsteht (z. B. große
|
||
Rechenzentren). Die Ausgaben für
|
||
die energetische Sanierung von
|
||
Gebäuden sollen nicht auf die Mieten
|
||
umgelegt werden. Wir fordern ein
|
||
Förderprogramm zur Unterstützung
|
||
der Kommunen bei der Umrüstung
|
||
auf energiesparende Straßenbeleuch-
|
||
tung. Landesliegenschaften werden
|
||
nach Möglichkeit mit Solaranlagen
|
||
ausgestattet und auf den energetisch
|
||
neuesten Stand gebracht.
|
||
Was wir zur Verringerung der
|
||
Kohlendioxidemissionen tun können
|
||
Wir wollen Anreize für eine erhebliche
|
||
Reduzierung des Energieverbrauchs
|
||
im produzierenden Gewerbe schaffen.
|
||
Deswegen müssen hier auch gezielt
|
||
die Fördermittel zur Bewältigung des
|
||
Kohleausstiegs eingesetzt werden,
|
||
um von der fossilen Energieerzeugung
|
||
in der Industrie auf alternative
|
||
Energie umzustellen. Der Verkehr mit
|
||
Verbrennungsmotoren ist eine der
|
||
Hauptursachen für den Anstieg von
|
||
|
||
--- PAGE 28 ---
|
||
28
|
||
CO2 in der Atmosphäre. Deshalb muss
|
||
die Verkehrswende kommen und ist
|
||
daher ein Hauptpfeiler zur Reduzierung
|
||
des CO2-Ausstoßes. Aber Mobilität ist
|
||
ein Grundbedürfnis des Menschen,
|
||
weshalb die Verkehrswende sozial
|
||
und für jede:n akzeptabel gestaltet
|
||
werden muss.
|
||
Gerade in den ländlichen Räumen
|
||
Sachsen-Anhalts sind jedoch viele
|
||
auf das Auto angewiesen, um ihrer
|
||
Arbeit nachgehen zu können.
|
||
Deshalb brauchen wir einen gut
|
||
ausgebauten öffentlichen Personen-
|
||
nahverkehr, der für alle bezahlbar ist,
|
||
um die Verkehrswende und einen
|
||
reduzierten Individualverkehr zu
|
||
erreichen.
|
||
Attraktiv ist der ÖPNV aber erst dann,
|
||
wenn auch Dörfer angefahren und in
|
||
akzeptabler Zeit erreicht werden, und
|
||
zwar früh, mittags, abends und auch
|
||
in der Nacht.
|
||
Der Verlagerung des Verkehrs auf die
|
||
Schiene kommt eine große Bedeutung
|
||
zu. Dafür muss das Schienennetz
|
||
massiv ausgebaut werden, was viele
|
||
Arbeitsplätze schafft. Gleiches gilt für
|
||
die Herstellung und den Einsatz
|
||
schienengebundener Fahrzeuge.
|
||
Auch der überregionale LKW-Verkehr
|
||
soll auf die Schiene verlagert und der
|
||
Transport zu regionalen Umschlag-
|
||
zentren ermöglicht werden. Von dort
|
||
transportieren kleinere, CO2-neutrale
|
||
Transporter die Waren vor Ort.
|
||
CO2-Bremse statt
|
||
Schuldenbremse
|
||
Um das 1,5°C-Ziel noch zu erreichen
|
||
ist es unerlässlich, den Klimaschutz
|
||
auch Teil des Gesetzgebungs- und
|
||
Implementierungsprozesses werden zu
|
||
lassen. Deshalb setzen wir uns für die
|
||
Aufnahme einer sogenannten CO2-
|
||
Bremse in die Landesverfassung ein.
|
||
Damit sollen die erwarteten Treibhaus-
|
||
gasemissionen der beschlossenen
|
||
Gesetze, Novellen und Richtlinien
|
||
transparenter gemacht werden.
|
||
So sollen neben anderen Parametern,
|
||
wie geschätzten Kosten und Personal-
|
||
aufwand, auch die geschätzten
|
||
Treibhausgasemissionen Bestandteil
|
||
von Gesetzen, Novellen oder Richt-
|
||
linien sein. Die entsprechenden
|
||
Berechnungsgrundlagen sollen
|
||
in den ersten sechs Monaten nach
|
||
Regierungsvereidigung durch das
|
||
Ministerium für Umwelt, Landwirt-
|
||
schaft und Energie des Landes
|
||
Sachsen-Anhalt vorgestellt werden.
|
||
E-Mobilität ist eine
|
||
notwendige Brückentechnologie
|
||
Die batteriebetriebene E-Mobilität
|
||
ist mehr als eine notwendige
|
||
Brückentechnologie, auch wenn
|
||
Elektroautos auf Dauer nicht die
|
||
alleinige Lösung für eine umfassende
|
||
sozial-ökologische Verkehrswende
|
||
sein können. Auch wenn DIE LINKE
|
||
auf den konsequenten Ausbau des
|
||
ÖPNV setzt, wird bei einer realisti-
|
||
schen Betrachtung der motorisierte
|
||
Individualverkehr in den nächsten
|
||
Jahren eine Säule der Mobilitäts-
|
||
infrastruktur in ländlichen Räumen
|
||
bleiben. Deshalb ist die (möglichst)
|
||
zügige Elektrifizierung ein wichtiger
|
||
Baustein innerhalb der Verkehrswende,
|
||
um die Klimaziele zu erreichen.
|
||
Im Osten Deutschlands ist die
|
||
Versorgung mit der notwendigen
|
||
Ladeinfrastruktur bisher noch
|
||
schlechter als anderswo. Hier sehen
|
||
wir neben dem Bund auch das Land in
|
||
der Pflicht, den zügigen Ausbau
|
||
finanziell zu fördern.
|
||
Insgesamt müssen wir aber mehr und
|
||
mehr vom Individualverkehr wegkom-
|
||
|
||
--- PAGE 29 ---
|
||
29
|
||
men, was nur mit einer umfassenden
|
||
Verkehrswende erreicht werden kann.
|
||
Ziel muss ein intelligent vernetztes
|
||
System der verschiedenen
|
||
Fortbewegungsmöglichkeiten sein.
|
||
Wasserstoff ist wegen seiner Energie-
|
||
bilanz momentan noch zu wertvoll,
|
||
um in Autos verbrannt zu werden.
|
||
Er hat aber als Energiespeicher,
|
||
mobiler Energieträger und Grundstoff
|
||
für die Industrie ein großes Potential.
|
||
Die grüne Wasserstofftechnologie zu
|
||
erforschen und zu entwickeln ist eine
|
||
Zukunftsaufgabe, der man sich in
|
||
unserer Forschungs- und Wissen-
|
||
schaftslandschaft bereits stellt.
|
||
Wir werden diese Entwicklung gezielt
|
||
fördern und damit aktive Wirtschafts-
|
||
politik betreiben.
|
||
Um die Verkehrswende im Land mit
|
||
konkreten Maßnahmen zu unterstüt-
|
||
zen und dabei auch die Bürger:innen
|
||
einzubeziehen, will DIE LINKE ein
|
||
landesweites Förderprogramm zur
|
||
Erstellung und Umsetzung von
|
||
integrierten Mobilitätskonzepten
|
||
in den Kommunen. Bürger:innen-
|
||
beteiligung soll dabei Pflicht sein.
|
||
CO2-sparende
|
||
Lieferketten
|
||
Regionalen Wirtschaftskreisläufen
|
||
kommt zukünftig noch größere
|
||
Bedeutung zu. Kurze, CO2-sparende
|
||
Lieferketten sind nicht nur für das
|
||
Klima günstig, sie stärken auch die
|
||
Region und die Innenstädte.
|
||
Die pure Bepreisung von CO2 ist zu
|
||
kurz gedacht. Vielmehr muss der
|
||
gesamte soziale und ökologische
|
||
Abdruck, den ein Produkt hinterlässt,
|
||
berechnet und eingepreist werden.
|
||
Es ist bequem und viel zu einseitig,
|
||
darauf zu verweisen, dass die
|
||
Verbraucher:innen durch ihr Konsum-
|
||
verhalten steuernd eingreifen können.
|
||
Handel und Produzenten müssen viel
|
||
mehr in die Verantwortung genommen
|
||
werden und ihren Beitrag dafür leisten.
|
||
Das gilt auch bei der Müllvermeidung.
|
||
Die Entsorgung von Einwegverpackun-
|
||
gen ist für Land und Kommunen teuer.
|
||
An diesen Kosten muss sich der
|
||
Handel beteiligen.
|
||
Müllimporte stoppen, Recycling
|
||
und Müllvermeidung fördern
|
||
Die Menschen vor Ort sind es leid,
|
||
dass ihnen eine Deponie nach der
|
||
anderen vor die Nase gesetzt wird.
|
||
Verantwortungsloses Handeln wie in
|
||
der Grube Teutschenthal hat zu Recht
|
||
große Proteste hervorgerufen.
|
||
Deponien auf geologisch ungeeigneten
|
||
Flächen wie in Roitzsch, oder
|
||
Deponien, die Orte mit Staub
|
||
bedrohen wie in Grossörner, haben
|
||
Bürgerinitiativen gegen Mülldeponien
|
||
entstehen lassen. Die Betroffenen
|
||
nehmen es nicht mehr hin, dass ihnen
|
||
der Müll aus ganz Europa vor die Füße
|
||
gekippt wird. Daher kämpft DIE LINKE
|
||
gegen Müllimporte, wo sie kann.
|
||
Müllentsorgung muss öffentlicher
|
||
Auftrag sein und gehört nicht in die
|
||
Hand privater Geschäftemacher.
|
||
Daher muss im Abfallentsorgungsplan
|
||
klar festgelegt werden, wo welcher
|
||
Müll zu entsorgen ist, und dem
|
||
Wildwuchs privater Mülldeponien
|
||
muss Einhalt geboten werden. Beim
|
||
Verbrennen von Müll in Betonwerken
|
||
müssen die gleichen Anforderungen
|
||
zum Immissionsrecht gelten wie in
|
||
Müllverbrennungsanlagen.
|
||
Der beste Müll ist der, der gar nicht
|
||
erst entsteht. Schon bei der
|
||
Herstellung neuer Materialien muss
|
||
deren Entsorgung bzw. Wiederver-
|
||
wertbarkeit mitgeplant werden.
|
||
Eine Kreislaufwirtschaft, die ihren
|
||
|
||
--- PAGE 30 ---
|
||
30
|
||
Namen verdient, darf daher nicht die
|
||
Deponierung von Müll als »Baustoff«
|
||
tarnen oder die Verbrennung in
|
||
Verbrennungsanlagen und Beton-
|
||
werken als »Brennstoff« deklarieren,
|
||
sondern muss die Stoffe wieder in den
|
||
wirtschaftlichen Kreislauf einbringen.
|
||
Insbesondere Forschungsprojekte
|
||
zum Kohlenstoffkreislauf wie »Carbon-
|
||
Trans« möchten wir fördern, damit
|
||
zukünftig aus Kohlenstoff im Müll
|
||
wieder hochwertige Produkte oder
|
||
Synthesestoffe für die chemische
|
||
Industrie entstehen können.
|
||
Bauten der öffentlichen Hand sollen
|
||
zukünftig einen Mindestanteil an
|
||
Recycling-Baustoffen haben.
|
||
Gewässerschutz
|
||
Die Umsetzung der Wasserrahmen-
|
||
richtlinie(WRRL) tritt weitgehend auf
|
||
der Stelle. Das Land muss endlich
|
||
auch mit eigenem Geld die Umsetzung
|
||
der WRRL vorantreiben.
|
||
Die Durchgängigkeit der Fließgewässer
|
||
ist Voraussetzung für eine naturnahe
|
||
Entwicklung und die Wanderung von
|
||
Fischarten. Dabei ist auch eine Kombi-
|
||
nation mit dem Tourismus reizvoll.
|
||
Der Stoffeintrag in die Gewässer, z. B.
|
||
Nitrate und Phosphate, muss weiter
|
||
reduziert werden. Der Nitrateintrag ist
|
||
durch strenge Anwendung der Dünge-
|
||
verordnung, durch Blühstreifen an
|
||
Gewässerrändern und durch staat-
|
||
liche Kontrollen weiter zu verringern.
|
||
Nutzungskonflikte um Wasser müssen
|
||
vor Ort moderiert werden. Dabei
|
||
haben die Trinkwasserversorgung und
|
||
die Versorgung der Natur Vorrang.
|
||
Natur- und Artenschutz
|
||
Der Rückgang der Tier- und Pflanzen-
|
||
arten hat weltweit ein bedrohliches
|
||
Ausmaß angenommen, sodass in der
|
||
Wissenschaft bereits von einem Aus-
|
||
löschungsereignis gesprochen wird.
|
||
Als Land können wir direkt auf den
|
||
Schutz von Ökosystemen und von
|
||
einzelnen Arten Einfluss nehmen.
|
||
Dabei unterstützen Umweltverbände,
|
||
Vereine vor Ort sowie die Land-
|
||
schaftspflegeverbände die zuständi-
|
||
gen staatlichen Stellen. Sie sollten
|
||
deswegen vertrauensvoll als Partner
|
||
auf Augenhöhe behandelt werden.
|
||
Die Naturschutzbehörden sollen
|
||
finanziell und personell in die Lage
|
||
versetzt werden, ihre Aufgaben
|
||
umfassend zu erfüllen.
|
||
Die Naturparks wollen wir stärker
|
||
unterstützen und die umwelt-
|
||
pädagogischen Angebote ausweiten.
|
||
Gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten
|
||
müssen mit mehr staatlichem Geld
|
||
bekämpft werden, wenn sie einheimi-
|
||
sche Arten bedrohen. Insbesondere in
|
||
der Krefeldstudie wird auf einen nicht
|
||
mehr hinnehmbaren Rückgang der
|
||
Insektenpopulation verwiesen.
|
||
Insekten sind nicht nur als Bestäuber
|
||
unersetzlich, sie sind auch ein
|
||
bedeutender Teil der Nahrungskette
|
||
für Vögel und andere Tiere.
|
||
Die Ursachen des Insektensterbens
|
||
sind konsequent zu bekämpfen, wozu
|
||
die deutliche Reduktion des Einsatzes
|
||
von Pestiziden, die Wiedergewinnung
|
||
von Lebensräumen für bedrohte Tier-
|
||
und Pflanzenarten und Konzepte gegen
|
||
die Lichtverschmutzung gehören.
|
||
Bestehende Moore sind zu schützten,
|
||
denn sie speichern große Mengen an
|
||
CO2 durch den Aufbau und die
|
||
Ansammlung von Torf. Moore sind zu
|
||
wertvoll, um als Blumenerde zu enden.
|
||
Biotopverbünde und Alleen
|
||
Biotopverbünde haben eine wichtige
|
||
ökologische Funktion, da Arten darin
|
||
wandern können. Mit dem Grünen Band
|
||
|
||
--- PAGE 31 ---
|
||
31
|
||
haben wir einen großen Biotopver-
|
||
bund, der weiter ausgebaut werden
|
||
muss. Aber auch Alleen und Baumrei-
|
||
hen sind für unsere Kulturlandschaft
|
||
unerlässlich. Daher möchte DIE LINKE
|
||
einen Alleenfonds nach dem Vorbild
|
||
von Mecklenburg-Vorpommern ein-
|
||
richten, um den Erhalt, vor allem aber
|
||
die Neuerschaffung von Alleen und
|
||
Baumreihen zu finanzieren.
|
||
In einem Baumkataster soll zukünftig
|
||
baumgenau der Zustand unserer Alleen
|
||
dargestellt werden und so eine Grund-
|
||
lage für Entscheidungen bezüglich
|
||
notwendiger Nachpflanzungen oder
|
||
der Neuanlage von Alleen werden.
|
||
Land- und Forstwirtschaft:
|
||
Ausverkauf stoppen,
|
||
Wälder retten
|
||
Die Landwirtschaft hat für Sachsen-
|
||
Anhalt als Arbeitgeberin, Investorin,
|
||
soziale Akteurin und Gestalterin der
|
||
Kulturlandschaft eine herausragende
|
||
Bedeutung.
|
||
Der beste Garant für eine verant-
|
||
wortungsvolle und nachhaltige
|
||
Bewirtschaftung der Agrarflächen
|
||
in Sachsen-Anhalt ist eine vielfältige
|
||
Agrarstruktur mit einer breiten
|
||
Eigentumsstreuung, vielfältigen
|
||
Betriebsgrößen und regionaler
|
||
Verankerung.
|
||
Wir wollen die Stellung der Landwirt-
|
||
:innen in der Gesellschaft und die
|
||
Wertschöpfungskette durch die
|
||
Orientierung auf den Ausbau
|
||
regionaler Kreisläufe für Verarbeitung
|
||
und Vermarktung stärken.
|
||
Eine tiergerechte, flächenangepasste
|
||
Nutztierhaltung ist wichtiger Teil der
|
||
Landwirtschaft. Wir setzen uns schon
|
||
lange und auch weiterhin für Chancen-
|
||
gleichheit ostdeutscher Agrarunter-
|
||
nehmen ein. Sie dürfen nicht wegen
|
||
ihrer Größe und Leistungsfähigkeit
|
||
benachteiligt werden.
|
||
Eine Bodenpreisbremse
|
||
für Sachsen-Anhalt
|
||
Die Privatisierung ehemals volks-
|
||
eigenen Bodens durch die bundes-
|
||
eigene BVVG wurde zum
|
||
maßgeblichen Türöffner für
|
||
landwirtschaftsfremdes Kapital zum
|
||
Bodenmarkt. Diese landwirtschafts-
|
||
fremden Investoren sind eine
|
||
existenzbedrohende Gefahr für die
|
||
ortsansässigen Agrarbetriebe
|
||
geworden, direkt durch den Aufkauf
|
||
ganzer oder den Erwerb von Anteilen
|
||
an Agrarbetrieben und indirekt durch
|
||
explodierende Bodenkauf- und
|
||
Pachtpreise. Denn ihnen geht es nur
|
||
um Maximalprofit – ohne Rücksicht
|
||
auf örtliche Strukturen, Umwelt oder
|
||
Arbeitsplätze. Es muss alles dafür
|
||
getan werden, um dem einen Riegel
|
||
vorzuschieben. Dazu gehört auch,
|
||
den Druck auf den Bund zu erhöhen,
|
||
die Privatisierung ehemals
|
||
volkseigener Flächen zu beenden und
|
||
diese in einem öffentlichen Boden-
|
||
fonds auf Bundes- oder Landesebene
|
||
für langfristige Verpachtung an
|
||
ortsansässige Agrarbetriebe im
|
||
Interesse nachhaltiger Landnutzungs-
|
||
konzepte zu sichern.
|
||
Wir wollen den Zugang zu Grund
|
||
und Boden denen ermöglichen,
|
||
die ihn auch bearbeiten, und wollen
|
||
deshalb das landwirtschaftliche
|
||
Vorkaufsrecht stärken und
|
||
Bodenverkäufe zur Sicherung der
|
||
Agrarstruktur im Land regeln.
|
||
Eine bundeseinheitliche Regulierung
|
||
von Anteilsverkäufen und bei der
|
||
Besteuerung von Verkäufen landwirt-
|
||
schaftlicher Flächen ist unabdingbar.
|
||
Bei der Verpachtung landeseigener
|
||
Flächen sollen
|
||
ortsansässige Betriebe vorrangig
|
||
berücksichtigt sowie eine besonders
|
||
umweltgerechte Bewirtschaftung
|
||
angestrebt werden.
|
||
|
||
--- PAGE 32 ---
|
||
32
|
||
Unser Agrarleitbild
|
||
Für die Zukunft der Landwirtschaft
|
||
ist die Fortsetzung der Agrar-Leitbild-
|
||
diskussion unter Beteiligung des
|
||
Berufsstandes und der Zivilgesell-
|
||
schaft unerlässlich.
|
||
DIE LINKE will eine am Gemeinwohl
|
||
orientierte, sozial gerechte und
|
||
ökologische Landwirtschaft mit
|
||
dem Schwerpunkt auf regionaler
|
||
Erzeugung, Verarbeitung und
|
||
Vermarktung. Dabei richtet sich
|
||
DIE LINKE an einem Dreiklang von
|
||
Ökonomie, Ökologie und sozialer
|
||
Verantwortung aus, wofür die
|
||
Landwirtschaft verlässliche Rahmen-
|
||
bedingungen braucht.
|
||
Wir wollen einen leichteren Zugang
|
||
zu gesunden, regional produzierten
|
||
Lebensmitteln für öffentliche
|
||
Einrichtungen und ihre Küchen und
|
||
Kantinen ermöglichen.
|
||
DIE LINKE will die Agrarförderung an
|
||
Tier-, Umwelt- und Klimaschutz sowie
|
||
hohe soziale Standards binden.
|
||
Dieser Einsatz soll sich für die Betriebe
|
||
auch wirtschaftlich lohnen, und zwar
|
||
sowohl bei der Flächenförderung als
|
||
auch bei freiwilligen Programmen.
|
||
Innovative Klimaanpassung, CO2-
|
||
Reduzierung, Wassermanagement,
|
||
Humusaufbau, extensive Bewirtschaf-
|
||
tungsformen und Agroforstsysteme
|
||
sollen unsere Landwirtschaft
|
||
zukunftsfest machen. Dabei geht es
|
||
uns um ein Dünge- und Boden-
|
||
management, das den Erfordernissen
|
||
des Natur- und Klimaschutzes sowie
|
||
dem Erhalt der Biodiversität, dem
|
||
Gewässer-, Boden- (Wasser- und
|
||
Winderosion) und Immissionsschutz
|
||
gerecht wird. Wir setzen uns für ein
|
||
EU-weites Verbot von Totalherbiziden
|
||
wie Glyphosat ein und wollen den
|
||
Einsatz von Pestiziden und schädlichen
|
||
Düngeverfahren zurückdrängen.
|
||
Der Landtag soll bei der Ausrichtung
|
||
und Schwerpunktsetzung der
|
||
Agrarförderung in der nächsten
|
||
EU-Förderperiode mitwirken, um den
|
||
bürokratischen Aufwand im Antrags-
|
||
verfahren zu reduzieren.
|
||
Die EU-Förderung muss schlechter-
|
||
gestellte Betriebe, insbesondere in
|
||
weniger ertragreichen Gebieten, im
|
||
Sinne einer flächendeckenden
|
||
Landwirtschaft angemessen berück-
|
||
sichtigen. Wir wollen eine Bundesrats-
|
||
initiative auf den Weg bringen, die –
|
||
abhängig von der regionalen Futter-
|
||
mittelproduktion, den verfügbaren
|
||
Flächen und den Möglichkeiten der
|
||
Verwertung von Abfallprodukten –
|
||
regionale Obergrenzen für
|
||
Tierhaltungsanlagen festschreibt.
|
||
Mit dem Tierschutzplan sollen die
|
||
nötigen Ressourcen für die
|
||
Umsetzung des Verbots der
|
||
betäubungslosen Ferkelkastration,
|
||
die Abkehr von engen Kastenständen
|
||
für Sauen und den Verzicht auf das
|
||
Kupieren von Schwänzen bereit-
|
||
gestellt werden.
|
||
Der Einsatz von Antibiotika zu Mast-
|
||
zwecken muss verboten werden.
|
||
Insbesondere dürfen Reserveantibioti-
|
||
ka nicht in der Tierzucht eingesetzt
|
||
werden. Tierhalter:innen sowie
|
||
Kontrollbehörden zur Prävention und
|
||
Bewältigung von Seuchensituationen
|
||
sind langfristig bei der Umsetzung
|
||
von Biosicherheitsmaßnahmen zu
|
||
unterstützen. Wir brauchen eine
|
||
Eiweißpflanzenstrategie für
|
||
Sachsen-Anhalt im Sinne von
|
||
Nachhaltigkeit, CO2-Reduzierung
|
||
durch Futterimporte, Reduzierung von
|
||
mineralischem Dünger, Artenvielfalt
|
||
auf Äckern. Der Energiepflanzenanbau
|
||
ist auf ein ökologisch verträgliches
|
||
Maß zu beschränken.
|
||
DIE LINKE setzt bei Biogasanlagen
|
||
in erster Linie auf den Einsatz von
|
||
Abfall- und Reststoffen.
|
||
|
||
--- PAGE 33 ---
|
||
33
|
||
Wie der Ökolandbau
|
||
gefördert werden soll
|
||
Bestehende Betriebe und Neuein-
|
||
steiger:innen im Ökolandbau sind zu
|
||
unterstützen, insbesondere bei der
|
||
Verarbeitung und Vermarktung ihrer
|
||
Produkte. Damit wollen wir einerseits
|
||
den Aufbau regionaler Verarbeitungs-
|
||
und Vermarktungsstrukturen fördern,
|
||
um den Bedarf an regional und
|
||
ökologisch erzeugten Produkten in
|
||
den Regionen zu decken und die
|
||
Erzeuger:innen vor dem Druck der
|
||
Handelsketten zu schützen.
|
||
Andererseits geht es dabei auch um
|
||
mehr regionale Wertschöpfung und
|
||
die Sicherung landwirtschaftlicher
|
||
Einkommen sowie eine bessere
|
||
Umwelt- und Klimabilanz der
|
||
Produktion. Bewirtschaftungs-
|
||
und Umstellungsprämien sind so
|
||
auszurichten, dass das Mindestziel
|
||
eines 20-prozentigen Anteils an der
|
||
Gesamtanbaufläche erreicht wird.
|
||
Den Anbau von transgenen
|
||
Organismen lehnen wir ab. Modernen
|
||
Methoden, bei denen Pflanzen mittels
|
||
einer Genschere (Crispr/Cas9)
|
||
innerhalb des eigenen Genoms in
|
||
einer Weise verändert werden, wie es
|
||
auch durch Züchtung oder natürliche
|
||
Mutation geschehen kann, stehen wir
|
||
offen gegenüber.
|
||
Wie wir die Weidetierhaltung
|
||
voranbringen wollen
|
||
Die Haltung von Weidetieren, wie
|
||
Schafe, Mutterkühe und Ziegen,
|
||
bewahrt unsere Kulturlandschaft und
|
||
trägt zur biologischen Vielfalt bei.
|
||
Sie hilft auch beim Hochwasser-
|
||
schutz. Wir wollen deswegen eine
|
||
Weidetierprämie einführen.
|
||
Konflikte im Zusammenleben mit
|
||
geschützten tierischen Rückkehrern
|
||
wie dem Wolf müssen wir durch
|
||
Aufklärung der Bevölkerung auszuhal-
|
||
ten lernen, längst vergessene und
|
||
wiederentdeckte Kulturtechniken zum
|
||
wirksamen Schutz von Weidetieren
|
||
praktizieren, aber Nutztierhalter:innen
|
||
auch durch einen finanziellen Aus-
|
||
gleich für Mehraufwand und Schäden
|
||
entlasten. Auf Bundesebene setzen
|
||
wir uns weiter für einen einheitlichen
|
||
Rechtsanspruch der Weidetier-
|
||
halter:innen auf finanzielle und
|
||
rechtliche Unterstützung und
|
||
Beratung beim Herdenschutz ein.
|
||
Das wissenschaftliche Monitoring der
|
||
Wolfspopulation im Land soll mittel-
|
||
fristig ausgebaut und langfristig
|
||
gesichert werden.
|
||
Gut für Sachsen-Anhalt:
|
||
Der Weinbau
|
||
Der Weinbau an Saale und Unstrut,
|
||
der in den vergangenen 30 Jahren
|
||
regelrecht aufgeblüht ist, gehört zu
|
||
den erfolgreichsten Zweigen unserer
|
||
Landwirtschaft. Seit der deutschen
|
||
Einheit hat sich die Zahl der Betriebe
|
||
vervielfacht. Wir wollen dieses
|
||
prägende Merkmal für die Kulturland-
|
||
schaft erhalten, indem wir z. B. die
|
||
Instandhaltung von Trockenmauern in
|
||
den Weinbergen unterstützen.
|
||
Die Förderung des Weinbaus ist für
|
||
uns auch ein Beitrag zur Pflege der
|
||
historischen Kulturlandschaft im
|
||
Saale-Unstrut-Gebiet. Das Landes-
|
||
weingut wollen wir erhalten.
|
||
Für ein bienenfreundliches
|
||
Sachsen-Anhalt
|
||
Wir freuen uns über gute Standort-
|
||
bedingungen für die Bienenzucht,
|
||
die Zunahme der Bienenvölker um
|
||
30 Prozent und einen Zuwachs bei
|
||
den Imker:innen. Im Moment haben
|
||
wir eine Bienendichte von etwa
|
||
1,14 Völkern je Quadratkilometer.
|
||
|
||
--- PAGE 34 ---
|
||
34
|
||
Für optimale Bestäubungsleistungen
|
||
werden jedoch zwei bis vier Bienen-
|
||
völker je Quadratkilometer benötigt.
|
||
Die Förderung der fachlichen
|
||
Ausbildung von Imker:innen sowie der
|
||
Zuschüsse für Geräte und Ausstat-
|
||
tungsgegenstände zur Nutzung für
|
||
die Imkerei soll fortgesetzt werden.
|
||
Das Schulimkerprojekt im Land
|
||
Sachsen-Anhalt wollen wir als
|
||
gelungenes Beispiel für Nachwuchs-
|
||
arbeit verstetigen, bei dem Schul-
|
||
bildung und Praxis gut miteinander
|
||
verbunden werden.
|
||
Die Förderung der Bienenzucht und
|
||
Imkerei darf aber nicht darüber
|
||
hinwegtäuschen, dass natürlich
|
||
vorkommende Bestäuber zunehmend
|
||
durch ausgeräumte und durchstruktu-
|
||
rierte landwirtschaftliche Flächen
|
||
verdrängt werden. Neben dem Ausbau
|
||
der Imkerei ist es mindestens genauso
|
||
wichtig, geeignete Biotope für
|
||
Wildbienen und andere Insekten zu
|
||
schützen und zu schaffen.
|
||
Wertschätzung für Angler
|
||
Angler:innen sind das gute Gewissen
|
||
der Gewässer. Sie hegen und pflegen
|
||
ehrenamtlich die Fischbestände
|
||
Sachsen-Anhalts, denn mit dem
|
||
Fischereiausübungsrecht ist auch
|
||
untrennbar die Verpflichtung zum
|
||
Aufbau und Erhalt naturnaher Fisch-
|
||
bestände verbunden. In den letzten
|
||
Jahren mussten auch die Anglervereine
|
||
schmerzlich erleben, welche
|
||
Auswirkungen Hitze und Trockenheit
|
||
infolge des Klimawandels auf die
|
||
Fischbestände im Land haben.
|
||
Damit sie auch zukünftig arbeitsfähig
|
||
sind, ist es im gesamtgesellschaftli-
|
||
chen Interesse, sie für Besatzmaß-
|
||
nahmen von standorttypischen
|
||
Fischarten finanziell zu unterstützen
|
||
und ihre wertvolle Arbeit im Ehrenamt
|
||
anzuerkennen. Wenn Fischereiwirt-
|
||
schaft und Ökologie Hand in Hand
|
||
gehen, können Angler:innen ihren
|
||
eigenen Anspruch auch erfüllen.
|
||
Sachsen-Anhalts Wälder brauchen
|
||
dringend Hilfe
|
||
Unsere Wälder sind natürliche
|
||
CO2-Senken. Die Bäume speichern
|
||
den Kohlenstoff im Holz und setzen
|
||
wertvollen Sauerstoff frei.
|
||
Doch unsere wunderschönen Wald-
|
||
landschaften sind so bedroht wie nie.
|
||
Naturschützer:innen und Verbände
|
||
warnen: Unser Land wird zum Epizent-
|
||
rum des Waldsterbens. Seit Sommer
|
||
2017 haben die Folgen des Klima-
|
||
wandels, wie Stürme und Dürren,
|
||
aber auch Brände und Schädlinge
|
||
die größten Verwüstungen seit
|
||
200 Jahren hervorgerufen.
|
||
Ohne das Zusammenwirken von Land,
|
||
Bund, EU und den körperschaftlichen
|
||
Waldeigentümern mit den 50.000
|
||
privaten Waldbesitzer:innen,
|
||
meistenteils Klein- und Kleinstwald-
|
||
besitzer:innen, wird es keine
|
||
wirksame Strategie gegen dieses
|
||
neue Waldsterben geben.
|
||
Was wir zum Schutz
|
||
unserer bedrohten Wälder
|
||
tun müssen
|
||
Die durch ökologische Überforderung
|
||
und die Dürrejahre zerstörten Wälder
|
||
müssen schnellstens und standortge-
|
||
recht wieder aufgeforstet werden.
|
||
Monokulturen haben dabei ausge-
|
||
dient. Vielmehr muss bei Aufforstung
|
||
und Waldumbau darauf geachtet
|
||
werden, dass naturnahe Mischwälder
|
||
entstehen, die sich den veränderten
|
||
Klimabedingungen anpassen.
|
||
Damit im Landesforstbetrieb und im
|
||
Landeszentrum Wald genügend
|
||
|
||
--- PAGE 35 ---
|
||
35
|
||
Stellen neu besetzt werden können,
|
||
braucht es sowohl eine bessere
|
||
Bezahlung des Personals als auch eine
|
||
Stärkung der Forstausbildung in
|
||
Magdeburgerforth.
|
||
Die Landesforstverwaltung muss
|
||
in die Lage versetzt werden, die
|
||
Bestimmungen des Landeswald-
|
||
gesetzes durch- und umzusetzen.
|
||
Waldbrandschutzkonzepte müssen
|
||
entwickelt und die notwendige
|
||
Infrastruktur (Wege, Löschwasser)
|
||
ausgebaut werden.
|
||
Waldbesitzer:innen und Forstbetriebe
|
||
sollen dabei unterstützt werden,
|
||
die großen Mengen an Schadholz
|
||
nach den Dürresommern und nach
|
||
dem Befall mit Borkenkäfern und
|
||
anderen Schädlingen zu beseitigen.
|
||
Dazu sind viele Unternehmen wegen
|
||
der niedrigen Holzpreise derzeit nicht
|
||
in der Lage.
|
||
Zur Wiederaufforstung wollen wir
|
||
die bestehende Förderpraxis
|
||
verein-fachen und entbürokratisieren.
|
||
Besitzer:innen von kleinen Privatwäl-
|
||
dern und forstliche Zusammenschlüsse
|
||
wie Forstbetriebsgemeinschaften
|
||
müssen künftig besser unterstützt
|
||
werden, z. B. durch eine Erleichterung
|
||
der Fördermittelbeantragung.
|
||
Gut fürs Klima:
|
||
nachhaltige Holznutzung
|
||
Durch eine nachhaltige Holznutzung
|
||
kann der im Holz gespeicherte
|
||
Kohlenstoff konserviert und somit
|
||
das verbrauchte CO2 dauerhaft aus
|
||
der Atmosphäre entfernt werden.
|
||
Holz als Baumaterial sowie als
|
||
Rohstoff für innovative Technologien,
|
||
wie die Kunststoffgewinnung,
|
||
birgt ein großes Potential.
|
||
Den Vorschlag des Waldbesitzer-
|
||
verbandes für eine Holzbauquote für
|
||
die öffentliche Hand halten wir für
|
||
ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.
|
||
Waldbesitz bedeutet, dem
|
||
Gemeinwohl zu dienen – Eigentum
|
||
verpflichtet
|
||
Wir wollen den Verkauf von
|
||
Waldflächen aus öffentlichem Besitz
|
||
stoppen. Öffentliche Waldflächen sind
|
||
für das Gemeinwohl unverzichtbar.
|
||
Wir plädieren für ein Vorkaufsrecht für
|
||
regional ansässige Betriebe der
|
||
Land- und Forstwirtschaft.
|
||
Wald darf nicht als reine Kapitalanlage
|
||
missbraucht werden. Ein Vorkaufs-
|
||
recht würde zudem langfristig die
|
||
Betriebsstrukturen der Forstbetriebe
|
||
verbessern.
|
||
Außerdem plädieren wir für eine
|
||
schrittweise Ausdehnung der Flächen,
|
||
die nach den Maßstäben der Zertifizie-
|
||
rungsorganisationen bewirtschaftet
|
||
werden. Wir wollen den Anteil der
|
||
Waldflächen weiter ausbauen sowie
|
||
zur natürlichen Entwicklung Flächen
|
||
aus der kommerziellen Waldbewirt-
|
||
schaftung herausnehmen.
|
||
Hierbei kommt der Stiftung Natur-,
|
||
Umwelt- und Klimaschutz (SUNK) eine
|
||
besondere Bedeutung zu.
|
||
Der Wald ist ein wichtiger Ort für
|
||
Umweltbildung.
|
||
Wir stehen deshalb zu den Jugend-
|
||
waldheimen des Landeszentrums
|
||
Wald und wollen diese finanziell und
|
||
personell für die Bildungsarbeit
|
||
besser ausstatten.
|
||
Die Nutzung der Waldwege muss
|
||
neu geregelt werden, wobei die
|
||
Interessen der Waldbesitzer:innen
|
||
ebenso zu berücksichtigen sind wie
|
||
unvermeidbare Nutzungen mit
|
||
Kraftfahrzeugen durch Landwirtschaft
|
||
und Fischerei.
|
||
Auch touristische Ansprüche und die
|
||
Bedürfnisse von Anlieger:innen
|
||
müssen einbezogen werden.
|
||
|
||
--- PAGE 36 ---
|
||
36
|
||
Tierschutz geht mit links
|
||
Seit 2019 ist der Tierschutz ein
|
||
Staatsziel der Landesverfassung.
|
||
Für dessen Umsetzung kommt es auf
|
||
die Arbeit einer Vielzahl von im
|
||
Ehrenamt Tätigen an. Die Arbeit von
|
||
Tierheimen und Tierschutzvereinen
|
||
muss gewährleistet werden, wobei die
|
||
kommunale Pflichtaufgabe der
|
||
Unterbringung von Fundtieren nicht
|
||
zulasten ehrenamtlicher Tierschutzar-
|
||
beit gehen darf. Wir wollen das Amt
|
||
der/des Tierschutzbeauftragten
|
||
weiterführen und ein Verbandsklage-
|
||
recht für Tierschutzverbände einfüh-
|
||
ren. DIE LINKE will weg vom Prinzip
|
||
Rasseliste bei Hunden. Die Nachteile
|
||
für die Tierhalter:innen und der
|
||
Nutzen für die Sicherheit müssen neu
|
||
abgewogen werden. Die Kennzeich-
|
||
nungs- und Registrierungspflicht für
|
||
Hunde muss konsequent umgesetzt
|
||
werden, um die Arbeit der Tierheime
|
||
zu erleichtern. Wir befürworten eine
|
||
Regelung für Katzen, um aufgefunde-
|
||
ne Tiere ihren Halter:innen schnellst-
|
||
möglich zurückgeben zu können.
|
||
Digitalisierung: Teilhabe statt
|
||
digitaler Spaltung
|
||
Die Digitalisierung ist im privaten und
|
||
beruflichen Alltag inzwischen allge-
|
||
genwärtig. In der Pandemie zeigt sich
|
||
aber besonders deutlich, dass von
|
||
gesellschaftlicher Teilhabe ausge-
|
||
schlossen ist, - ob in Bildung, Arbeit,
|
||
Kultur oder Freizeit -, wer keinen
|
||
digitalen Zugang hat. Die Corona-
|
||
Krise hat die digitale Spaltung der
|
||
Gesellschaft und die damit einher-
|
||
gehende soziale Spaltung dramatisch
|
||
offengelegt, denn wer arm ist, der ist
|
||
zweifach abgemeldet – digital und
|
||
sozial. Die digitale Spaltung unserer
|
||
Gesellschaft muss überwunden
|
||
werden, ist sie doch ein Anachronis-
|
||
mus in einer Zeit, in der die Digitalisie-
|
||
rung die Produktions- und Arbeitswelt
|
||
komplett verändert hat und kontinu-
|
||
ierlich weiter verändern wird.
|
||
Datensouveränität und digitaler
|
||
Zugang müssen deshalb heutzutage
|
||
soziale Grundrechte sein als
|
||
Bedingungen für demokratische
|
||
Teilhabe, und zwar unabhängig vom
|
||
Wohn- und/oder Arbeitsort, ob in der
|
||
Stadt oder im ländlichen Raum.
|
||
Digitaler Zugang ist zugleich auch eine
|
||
Grundbedingung moderner Produktion
|
||
und erfolgreicher Wirtschaftsstandorte.
|
||
Auch hier gilt:
|
||
Digitale Gleichberechtigung in Ost
|
||
und West, zwischen Stadt und Land,
|
||
weltweit - für ein echtes World Wide
|
||
Web. Anspruch linker Politik muss es
|
||
sein, Digitalisierungs- und Arbeitszeit-
|
||
gewinne gerecht zu verteilen. Risiken
|
||
müssen durch klare gesetzliche
|
||
Regelungen beschränkt werden.
|
||
Auch das Recht auf Datenschutz ist im
|
||
21. Jahrhundert ein Grundrecht und
|
||
hat zahlreiche Facetten – von behörd-
|
||
lichem Handeln bis in den privaten
|
||
Alltag. Datensouveränität, d. h. Schutz
|
||
der Daten und Persönlichkeitsrechte,
|
||
hat für uns Priorität, nicht die
|
||
Aus- und Verwertung von Daten als
|
||
Geschäftsmodell. Unternehmen,
|
||
die gegen Datenschutzauflagen
|
||
verstoßen, müssen konsequent
|
||
sanktioniert werden. Dazu gehört eine
|
||
Stärkung der Amtsausstattung der/
|
||
des Datenschutzbeauftragten.
|
||
Wir wenden uns gegen jede Sperr- und
|
||
Überwachungsinfrastruktur, denn das
|
||
Netz soll ein freier gesellschaftlicher
|
||
Diskursraum sein. Netzsperren
|
||
und Haftungsverschärfungen bei
|
||
Verweisen/Links für Provider und
|
||
Verbote, auf andere Webseiten zu
|
||
verlinken, lehnen wir ab.
|
||
Das Recht auf Privatsphäre und
|
||
informationelle Selbstbestimmung gilt
|
||
|
||
--- PAGE 37 ---
|
||
37
|
||
auch für Beschäftigte.
|
||
Eine Überwachung von Beschäftigten
|
||
durch Video, Detektive oder des
|
||
E-Mail-Verkehrs ist zu bekämpfen.
|
||
Die Chancen der Digitalisierung
|
||
Die Digitalisierung bietet vor allem
|
||
durch intelligente Mess-, Auswer-
|
||
tungs- und Berechnungssysteme
|
||
enorme Chancen im Bereich der
|
||
Energie- und Ressourceneinsparung.
|
||
Sie besitzt einen wichtigen Stellen-
|
||
wert bei der Bewältigung des Klima-
|
||
wandels, sowohl bei der Modell-
|
||
berechnung als auch bei der
|
||
Möglichkeit, Treibhausgase und
|
||
Energie einzusparen.
|
||
Der ökologische Fußabdruck der
|
||
Digitalisierung durch die Verwendung
|
||
von seltenen Erden für die Hardware
|
||
oder auch Serverfarmen drohen diese
|
||
Chancen zunichte zu machen.
|
||
Auch bei den digitalen Endgeräten
|
||
selbst muss deshalb auf Nachhaltig-
|
||
keit und Energiesparsamkeit geachtet
|
||
werden. Hier ist politische
|
||
Regulierung notwendig, z. B. für eine
|
||
Mindesthaltbarkeitsdauer für Geräte.
|
||
Digitale Mitbestimmung
|
||
am Arbeitsplatz
|
||
Intelligente Systeme/Assistenzsysteme
|
||
bieten viel Potential, um Arbeit
|
||
sicherer, effizienter und gesundheits-
|
||
schonender zu machen. Die Befreiung
|
||
von körperlich schwerer oder
|
||
monotoner Arbeit durch zum Beispiel
|
||
Pflegeroboter oder unterstützende
|
||
Roboter (die helfen, schwere und
|
||
gesundheitlich bedenkliche Tätig-
|
||
keiten zu minimieren oder ganz zu
|
||
verhindern), wollen wir vorantreiben.
|
||
Die durch Digitalisierung und
|
||
künstliche Intelligenz (KI) entstehen-
|
||
den Produktivitätspotentiale wollen
|
||
wir zum Nutzen aller freisetzen.
|
||
DIE LINKE hält eine generelle Arbeits-
|
||
zeitverkürzung auf 30 Stunden für
|
||
möglich. Gleichzeitig treten wir
|
||
Bestrebungen entgegen, die neuen
|
||
Technologien zur Arbeitsverdichtung,
|
||
Stresserhöhung und für verstärkte
|
||
Kontrolle nutzen. Mit der Digitalisie-
|
||
rung gehen auch Veränderung von
|
||
Geschäftsmodellen und damit auch
|
||
der Beschäftigtenstruktur und
|
||
Veränderungen im Arbeitsprozess
|
||
einher. Plattformarbeitsmodelle
|
||
(Crowdworking) bewegen sich in
|
||
rechtlichen Grauzonen.
|
||
Sie schaffen durch Deregulierung
|
||
neue prekäre Arbeitsformen und
|
||
soziale Entsicherung.
|
||
DIE LINKE Sachsen-Anhalt will ein
|
||
Verbot oder enge Begrenzung der
|
||
Verlagerung von Tätigkeiten auf
|
||
Subunternehmen oder neue Formen
|
||
der Scheinselbstständigkeit (Plattform-
|
||
ökonomie). Die Mitbestimmungsrechte
|
||
der Belegschaften und Betriebsräte
|
||
müssen dagegen erweitert und gemein-
|
||
sam mit Gewerkschaften, Expert:innen
|
||
im Bereich Arbeitsrecht und Arbeits-
|
||
medizin für den Bereich der Plattform-
|
||
ökonomie neu formuliert werden.
|
||
Digitale Infrastruktur für Unternehmen,
|
||
Verwaltung und Bildung ausbauen
|
||
Der Markt hat beim Ausbau des
|
||
schnellen Internets in Sachsen-Anhalt
|
||
versagt. Die Landesregierung hat ihr
|
||
Ziel, alle Schulen bis Ende 2020 ans
|
||
Glasfasernetz anzuschließen, verfehlt.
|
||
Viele Länder sind beim Anschluss an
|
||
schnelles Internet, vor allem an
|
||
Glasfaser deutlich weiter als Sachsen-
|
||
Anhalt. Was wir vor allem im ländli-
|
||
chen Raum brauchen, sind Lösungen
|
||
wie der Zweckverband Altmark und/
|
||
oder staatlich geförderte Glasfaser-
|
||
netze im öffentlichen oder genossen-
|
||
schaftlichen Eigentum.
|
||
Jeder Haushalt muss ein Anrecht auf
|
||
|
||
--- PAGE 38 ---
|
||
38
|
||
einen bezahlbaren, schnellen Internet-
|
||
anschluss haben.
|
||
Schnelles Internet ist für DIE LINKE
|
||
Bestandteil der Daseinsvorsorge,
|
||
d. h. digitaler Zugang muss soziales
|
||
Grundrecht sein und darf nicht nach
|
||
wirtschaftlichen Renditeerwägungen
|
||
punktuell erfolgen.
|
||
Der Einsatz einer durchgehenden
|
||
Glasfasertechnologie muss Ziel des
|
||
Landes sein, da nur diese in der Lage
|
||
ist, die permanent steigenden Bedarfe
|
||
an symmetrischen Down- und
|
||
Upstreambandbreiten zu bewältigen.
|
||
Für die Digitalisierung in den Kommu-
|
||
nen fordern wir eine Kommission
|
||
aus Vertreter:innen von Land und
|
||
Kommunen, welche die Standards
|
||
und Ziele verbindlich formuliert und
|
||
die Verteilung der notwendigen Mittel
|
||
vornimmt.
|
||
Mobilfunk – 5G-Ausbau
|
||
Wir wollen in Sachsen-Anhalt bei der
|
||
Einführung der Mobilfunktechnologie
|
||
der 5. Generation (5G) vorangehen,
|
||
denn schnelles Internet wollen wir an
|
||
jeder Milchkanne. Denn davon sollen
|
||
nicht nur städtische, sondern auch
|
||
ländliche Räume rasch profitieren.
|
||
Wir werden weiterhin für eine
|
||
umfassende Netzneutralität streiten,
|
||
damit der Zugang zu schnellen
|
||
Datenwegen nicht vom Geldbeutel
|
||
abhängt. Wir unterstützen Initiativen,
|
||
die Breitbandversorgung aus der Hand
|
||
weniger Telekommunikationskonzerne
|
||
in öffentliches Eigentum zu
|
||
überführen oder genossenschaftlich
|
||
zu organisieren.
|
||
Unterstützung von
|
||
Freifunkinitiativen
|
||
Die Schaffung von freien Internet-
|
||
zugängen ist in der durch Digitali-
|
||
sierung geprägten Welt ein wichtiges
|
||
gesellschaftliches Anliegen.
|
||
Die zumeist ehrenamtlichen Freifunk-
|
||
initiativen leisten dazu einen anerken-
|
||
nenswerten Beitrag. DIE LINKE will
|
||
das gemeinnützige Engagement für
|
||
die digitale Gesellschaft anerkennen
|
||
und sich auf Bundesebene aktiv dafür
|
||
einsetzen, dass Freifunkinitiativen in
|
||
der Abgabenordnung als gemeinnützig
|
||
anerkannt werden.
|
||
Die Landesförderung für Freifunknetze
|
||
und WLAN wollen wir fortführen und
|
||
weiter ausbauen. Für den weiteren
|
||
Ausbau von Freifunkinfrastruktur
|
||
wollen wir, dass auch die landes-
|
||
eigenen Behörden ihre Gebäude zur
|
||
Verfügung stellen.
|
||
Entwicklungspolitik: Globale
|
||
Gerechtigkeit, die wir meinen
|
||
Entwicklungspolitik lebt auch von
|
||
Veränderung. Deshalb war es wichtig,
|
||
dass DIE LINKE auf eine Überarbei-
|
||
tung und Aktualisierung der Entwick-
|
||
lungspolitischen Leitlinien (EPL) unter
|
||
Mitwirkung von zivilgesellschaftlichen
|
||
Akteur:innen hingewirkt hat. Aspekte
|
||
wie lebenslanges Lernen, weltweite
|
||
soziale Gerechtigkeit, Demokratiebil-
|
||
dung und Friedenspolitik sind dabei
|
||
für uns von zentraler Bedeutung.
|
||
Die Stellen für das Eine-Welt-
|
||
Promotor:innen-Programm sind
|
||
weiter zu finanzieren. Die Unterstüt-
|
||
zung des fairen Handels, der nachhal-
|
||
tigen Beschaffung von Gütern und
|
||
Lebensmitteln und von nachhaltigem
|
||
Konsum können zur Armutsbekämp-
|
||
fung im globalen Süden beitragen.
|
||
Ein erster richtiger Schritt wäre, das
|
||
Vergabegesetz in Sachsen-Anhalt zu
|
||
ändern, denn die Einhaltung von
|
||
Menschenrechten und verbindlichen
|
||
Umwelt- und Sozialstandards (ILO-
|
||
Kernarbeitsnormen) in den Lieferketten
|
||
sowie entsprechende Offenlegungs-
|
||
|
||
--- PAGE 39 ---
|
||
39
|
||
Schule: Wir werden den
|
||
Mangel beenden!
|
||
Der massive Lehrkräftemangel,
|
||
der Rückstand in der digitalen Aus-
|
||
stattung der Schulen, der Stillstand
|
||
auf dem Weg zu einer inklusiven
|
||
Schule und die mangelnde Integration
|
||
von Schüler:innen mit Migrationser-
|
||
fahrungen sind die schlimmsten
|
||
Defizite in unserem Schulsystem.
|
||
Die soziale Schere beim Bildungszu-
|
||
gang wird nicht geschlossen, und die
|
||
große Zahl von Schüler:innen, die die
|
||
Schulen ohne Abschluss verlassen,
|
||
steigt weiter. Das ist die Bilanz von
|
||
fast zwei Jahrzehnten CDU-Regierun-
|
||
gen in Sachsen-Anhalt.
|
||
Diesem Absinken der Qualität von
|
||
schulischer Bildung stellt sich DIE
|
||
LINKE entgegen. Durch während der
|
||
Pandemie zeitweilig geschlossene
|
||
Schulen und die damit verbundene
|
||
Aussetzung des Präsenzunterrichts
|
||
wurden und werden viele Schüler:in-
|
||
nen in ihrer Entwicklung zusätzlich
|
||
benachteiligt.
|
||
DIE LINKE tritt dafür ein, die erforder-
|
||
lichen Ressourcen zu mobilisieren,
|
||
um diese Nachteile auszugleichen und
|
||
Bildungsgerechtigkeit herzustellen,
|
||
damit alle Schüler:innen, unabhängig
|
||
von Geschlecht, familiärem Hinter-
|
||
grund oder sozialökonomischem
|
||
Status, die gleichen Bildungschancen
|
||
und -möglichkeiten haben.
|
||
Digitales Lernen voranbringen –
|
||
Netzzugang für alle Kinder!
|
||
In der Pandemie wurden durch das
|
||
Engagement und die Kreativität von
|
||
Pädagog:innen und Schüler:innen,
|
||
aber auch von Eltern an vielen
|
||
Schulen in kurzer Zeit neue, medien-
|
||
gestützte Kommunikationsformen
|
||
erprobt. Dennoch ist Deutschland ein
|
||
Entwicklungsland in Sachen digitalen
|
||
Lernens. Um digitale Lernformen
|
||
künftig für alle nutzbar zu machen,
|
||
müssen die Schulen schneller
|
||
Glasfaseranschlüsse für leistungs-
|
||
fähiges Internet erhalten.
|
||
DIE LINKE will außerdem sicher-
|
||
stellen, dass jede:r Schüler:in über
|
||
ein internetfähiges Gerät und einen
|
||
Internetzugang verfügt. Für die
|
||
Verbesserung des Bildungserfolgs
|
||
gilt es, sich neben der technischen
|
||
Ausstattung aber auch mit gesell-
|
||
schaftlichen Grundfragen der
|
||
Digitalisierung auseinanderzusetzen,
|
||
III. Bildungsgerechtigkeit,
|
||
die wir meinen
|
||
pflichten dürfen nicht freiwillig sein,
|
||
sondern ein Muss.
|
||
Grundsätzlich wollen wir die Bildungs-
|
||
arbeit für nachhaltige Entwicklung
|
||
mehr fördern, das heißt globalem
|
||
Lernen mehr Raum geben.
|
||
Eine intensive Kooperation von
|
||
Hochschulen und Universitäten des
|
||
globalen Südens mit dem globalen
|
||
Norden wird für alle Beteiligten vor-
|
||
teilhaft sein. Wir können und müssen
|
||
Wissen austauschen und voneinander
|
||
lernen. Um auf Landesebene
|
||
erfolgreiche entwicklungspolitische
|
||
Arbeit zu leisten, wollen wir den
|
||
Runden Tisch Entwicklungspolitik
|
||
weiter institutionalisieren.
|
||
|
||
--- PAGE 40 ---
|
||
40
|
||
die kompetente Nutzung moderner
|
||
Medien für die Gestaltung von
|
||
Lernprozessen durch Lehrer:innen
|
||
und die digitale Mündigkeit der
|
||
Schüler:innen zu entwickeln sowie
|
||
einen effektiven Datenschutz zu
|
||
gewährleisten. Die Schulen brauchen
|
||
IT-Systeme, die die Arbeit mit frei
|
||
zugänglichen Bildungsmaterialen
|
||
uneingeschränkt ermöglichen.
|
||
Volksbegehren umsetzen –
|
||
unser Programm gegen den
|
||
Personalmangel
|
||
Fast zwanzig Jahre lang haben es
|
||
Landesregierungen zugelassen,
|
||
dass viel zu wenige Lehrkräfte
|
||
ausgebildet wurden, die jetzt an allen
|
||
Schulen fehlen. Es wird deutlich mehr
|
||
pädagogisches Personal benötigt, um
|
||
die Lehr- und Lernbedingungen für
|
||
Lehrer:innen und Schüler:innen
|
||
zu verbessern. Um erfolgreich zu
|
||
lernen, sind mehr Zeit und kleinere
|
||
Lerngruppen erforderlich.
|
||
Als Ziel für eine ausreichende Personal-
|
||
ausstattung macht sich Die LINKE
|
||
die Forderungen des Volksbegehrens
|
||
»Den Mangel beenden! Unseren
|
||
Kindern Zukunft geben!« zu eigen
|
||
und wird dafür streiten, die dort
|
||
geforderten Personalschlüssel im
|
||
Schulgesetz zu verankern.
|
||
Unser Ziel ist es, den aktuellen
|
||
Personalbestand um mindestens
|
||
2.000 Lehrkräfte, 400 pädagogische
|
||
Mitarbeiter:innen und 600 Schul-
|
||
sozialarbeiter:innen zu erweitern.
|
||
Da in den kommenden Jahren sehr
|
||
viele Lehrkräfte altersbedingt aus-
|
||
scheiden werden, müssen jährlich bis
|
||
zu 1.500 neue Lehrkräfte für den
|
||
Schuldienst des Landes gewonnen
|
||
werden. DIE LINKE strebt deshalb mit
|
||
beiden Universitäten des Landes
|
||
Ergänzungszielvereinbarungen an,
|
||
um die Lehrerausbildung von derzeit
|
||
1.000 auf 1.500 Erstsemesterplätze
|
||
auszubauen, die tatsächliche Studien-
|
||
dauer zu verkürzen und mehr erfolg-
|
||
reiche Abschlüsse zu ermöglichen.
|
||
Außerdem muss gemeinsam mit den
|
||
Universitäten eine stärkere Ausrich-
|
||
tung bei der Fächerwahl von Lehr-
|
||
amtsstudierenden am Bedarf des
|
||
Landes erreicht werden.
|
||
Um die Ausbildung und den Einsatz
|
||
der neuen Lehrkräfte effizienter zu
|
||
gestalten, soll die universitäre
|
||
Ausbildung für die allgemeinbildenden
|
||
Schulen nur noch in zwei Lehramts-
|
||
laufbahnen stattfinden – eine Lauf-
|
||
bahn für die Primarstufe einschließlich
|
||
der sonderpädagogischen Fachrich-
|
||
tungen und eine Laufbahn gemeinsam
|
||
für die Sekundarstufen I und II.
|
||
Inklusions- und Medienpädagogik
|
||
müssen Bestandteil aller Lehramts-
|
||
studiengänge sein.
|
||
Für den Vorbereitungsdienst sollen
|
||
weitere Seminare für Lehrämter in
|
||
der Fläche des Landes (Dessau,
|
||
Gardelegen oder Stendal, Halber-
|
||
stadt) eingerichtet werden.
|
||
Schulträger sollen mehr Zuständigkeit
|
||
bei der Gewinnung von Lehrkräften
|
||
bekommen. Außerdem sollen im
|
||
Vorbereitungsdienst bei besonderen
|
||
regionalen Bedarfssituationen
|
||
zusätzliche Bewerber:innen durch die
|
||
Zahlung von Anwärtersonderbezügen
|
||
gewonnen werden.
|
||
Die gerechte Eingruppierung aller
|
||
Lehrkräfte und gute Arbeitsbedingun-
|
||
gen sind wichtige Voraussetzungen,
|
||
damit Sachsen-Anhalt konkurrenz-
|
||
fähig bleibt und erfolgreich Lehrkräfte
|
||
ausbilden und einstellen kann.
|
||
Wir werden die Vergütung der
|
||
Grundschullehrkräfte auf das Niveau
|
||
der anderen Lehrkräfte in die A13/E13
|
||
|
||
--- PAGE 41 ---
|
||
41
|
||
anheben und die Altersermäßigungen
|
||
für alle Lehrkräfte wieder ab dem
|
||
60. Lebensjahr gewähren.
|
||
Wir wollen zu jeder Zeit Einstellungen
|
||
ermöglichen und auch die Rückkehr
|
||
aus anderen Bundesländern fördern.
|
||
Durch schnelle Entscheidungen
|
||
vor Ort wollen wir die Einstellungs-
|
||
verfahren verkürzen und den Schulen
|
||
mehr Verantwortung und Einfluss
|
||
einräumen. Durch frühzeitige Ein-
|
||
stellungszusagen sollen Gemeinden
|
||
und Landkreise motiviert werden,
|
||
für Studierende und Lehrkräfte
|
||
im Vorbereitungsdienst gute
|
||
Bedingungen für sie und ihre Familien
|
||
zu schaffen und sie so an die Region
|
||
zu binden. Die Universitäten und die
|
||
Seminare für Lehrämter sollen die
|
||
Kommunen dabei durch Kooperationen
|
||
unterstützen.
|
||
Um die regionalen Kenntnisse für einen
|
||
effizienten Einsatz der Lehrkräfte zu
|
||
nutzen und die Verantwortung der
|
||
Kommunen als Schulträger zu stärken,
|
||
werden wir für Gemeinden und
|
||
Landkreise durch Modellversuche die
|
||
Möglichkeit eröffnen, im Rahmen
|
||
vorgegebener Stellenkontingente den
|
||
Lehrkräftebedarf für ihre Schulen
|
||
selbst zu planen.
|
||
Der Schuldienst des Landes wird
|
||
noch über lange Zeit auf Seitenein-
|
||
steiger:innen angewiesen sein.
|
||
DIE LINKE wird dafür Sorge tragen,
|
||
dass diese Lehrkräfte berufsbegleitend
|
||
eine vollwertige pädagogische
|
||
Ausbildung erhalten, unabhängig
|
||
von der Zahl der Unterrichtsfächer.
|
||
Auch wer sich ohne zusätzliche
|
||
Ausbildung im Unterrichtseinsatz
|
||
über längere Zeit bewährt, soll eine
|
||
Laufbahnbefähigung erhalten und
|
||
somit auf Dauer nicht schlechter
|
||
bezahlt werden als Kolleg:innen mit
|
||
grundständiger Lehrerausbildung.
|
||
Lehrkräfte sind Fachleute für das
|
||
Lernen im Unterricht und benötigen
|
||
für die Bewältigung der vielfältigen
|
||
Aufgaben im Schulalltag Unterstützung
|
||
anderer pädagogischer Professionen.
|
||
Langfristig orientieren wir uns an den
|
||
Empfehlungen des Bundesverbandes
|
||
für Schulsozialarbeit, der pro
|
||
150 Schüler:innen eine Schulsozial-
|
||
arbeitsstelle für nötig erachtet.
|
||
Die Schulsozialarbeit soll weiterhin in
|
||
Kooperation mit Trägern der freien
|
||
Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt
|
||
und durch die etablierten Netzwerk-
|
||
stellen koordiniert und unterstützt
|
||
werden. Außerdem werden wir den
|
||
schulpsychologischen Dienst und die
|
||
schulfachliche Evaluation und
|
||
Beratung der Schulen im Landes-
|
||
sschulamt personell verstärken.
|
||
Schule als ganztägigen
|
||
Lern- und Lebensort gestalten –
|
||
Horte ins Schulgesetz
|
||
Gute Bildung für alle ist eine wichtige
|
||
Voraussetzung für gesellschaftliche
|
||
Teilhabe, wirtschaftlichen Erfolg und
|
||
einen verantwortungsbewussten
|
||
Umgang mit unserer Umwelt.
|
||
Darum kommen der Ausweitung der
|
||
Lernzeit, dem längeren gemeinsamen
|
||
Lernen in Gemeinschaftsschulen, der
|
||
Entwicklung von inklusiv arbeitenden
|
||
Regelschulen, der Erweiterung von
|
||
Ganztagsangeboten und der flächen-
|
||
deckenden Etablierung von Schulsozi-
|
||
alarbeit und praxisorientiertem
|
||
Lernen entscheidende Bedeutung zu.
|
||
Gute Bildung braucht ausreichend
|
||
Zeit. Deshalb will DIE LINKE eine
|
||
10-jährige Vollzeitschulpflicht für alle
|
||
Schüler:innen. Ziel ist es, dass alle
|
||
mindestens den mittleren Schulab-
|
||
|
||
--- PAGE 42 ---
|
||
42
|
||
schluss (Realschulabschluss) nach
|
||
10 Schuljahren erreichen können.
|
||
Dabei kann das 10. Schuljahr auch an
|
||
einer berufsbildenden Schule in der
|
||
dualen Ausbildung absolviert werden.
|
||
Statt Schüler:innen bei Leistungs-
|
||
schwächen die Versetzung zur
|
||
verweigern, wollen wir die Förderung
|
||
verstärken, damit der Anschluss
|
||
wieder geschafft werden kann.
|
||
Das »Sitzenbleiben« als untaugliche
|
||
Maßnahme muss beendet werden, die
|
||
freiwillige Wiederholung der Klassen-
|
||
stufe soll aber möglich bleiben.
|
||
Für die ganztägige Bildung und
|
||
Erziehung im Primarbereich sollen
|
||
die Horte mit ihren spezifischen
|
||
Angeboten einen größeren Beitrag
|
||
leisten, Freiräume für Kreativität
|
||
und Gemeinschaftsarbeit schaffen
|
||
sowie Raum für Sport, Erholung und
|
||
Besinnung bieten. Die notwendige
|
||
enge Kooperation von Grundschulen
|
||
und Horten soll durch die Verankerung
|
||
der Horte im Schulgesetz gewährleistet
|
||
werden, wobei die bisherige Träger-
|
||
vielfalt erhalten bleiben soll. Außer-
|
||
dem wollen wir die personellen und
|
||
finanziellen Voraussetzungen schaf-
|
||
fen, um Ganztagsangebote an allen
|
||
weiterführenden allgemeinbildenden
|
||
Schulen bedarfsgerecht auszubauen.
|
||
Inklusion an den
|
||
Schulen voranbringen –
|
||
kein Kind zurücklassen
|
||
Für uns ist der Anspruch auf eine
|
||
erfolgreiche Bildung im Regelschul-
|
||
system für alle Schüler:innen verbind-
|
||
lich und eine gesellschaftliche
|
||
Notwendigkeit zur Gewährleistung des
|
||
sozialen Zusammenhalts. Inklusion
|
||
kann und muss besser gelingen.
|
||
Um dieses Ziel zu erreichen, werden
|
||
wir die Rahmenbedingungen für die
|
||
Förderung von Kindern mit festgestell-
|
||
tem Förderbedarf in Regelschulen
|
||
strukturell verbessern und vor
|
||
allem deutlich mehr qualifizierte
|
||
Pädagog:innen einsetzen.
|
||
In den Landkreisen und kreisfreien
|
||
Städten werden wir regionale
|
||
Förderzentren ermöglichen, um so
|
||
einen Übergang vom bisherigen
|
||
Förderschulsystem zu einem
|
||
inklusiven Schulsystem zu erreichen.
|
||
Die erhebliche Anzahl von Schüler:in-
|
||
nen, die ohne regulären Schul-
|
||
abschluss die allgemeinbildenden
|
||
Schulen verlassen, ist eine große
|
||
Herausforderung. Wir wollen die
|
||
Möglichkeiten der Förderung zur
|
||
Erlangung eines Schulabschlusses
|
||
verbessern und erweitern. Dazu zählt
|
||
u. a. die bedarfsgerechte Fortführung
|
||
des »Produktiven Lernens«.
|
||
Kindern und Jugendlichen, die kurz
|
||
oder langfristig der Schule fernbleiben,
|
||
muss durch mehr sozialpädagogische
|
||
Unterstützung, ggf. auch durch
|
||
Angebote an außerschulischen
|
||
Lernorten, der Weg zurück zur Fortfüh-
|
||
rung der schulischen Bildung geebnet
|
||
werden. Bestrafen ist keine Hilfe.
|
||
Deshalb werden wir die Schulverwei-
|
||
gerung als Ordnungswidrigkeit aus
|
||
dem Schulgesetz streichen und dafür
|
||
keinen Jugendarrest mehr zulassen.
|
||
Länger gemeinsam Lernen –
|
||
eine Erfolgsgeschichte
|
||
Die Gemeinschaftsschulen haben
|
||
sich in der letzten Wahlperiode gegen
|
||
Widerstände aus der CDU als erfolg-
|
||
reiche Schulform für längeres gemein-
|
||
sames Lernen etabliert. Sie sind bei
|
||
immer mehr Schüler:innen und ihren
|
||
Eltern beliebt, weil die Entscheidung
|
||
über den weiteren Bildungsweg länger
|
||
offengehalten wird. Diesen Weg
|
||
wollen wir konsequent fortsetzen.
|
||
|
||
--- PAGE 43 ---
|
||
43
|
||
Gemeinschaftsschulen sollen künftig
|
||
neben dem mittleren Schulabschluss
|
||
(MSA) auch einen gleichwertigen Weg
|
||
bis zum Abitur anbieten. Dafür wollen
|
||
wir die Einrichtung kleiner gymnasialer
|
||
Oberstufen und die Bildung von Ober-
|
||
stufenzentren als Kooperation mehrerer
|
||
Gemeinschafts- und Gesamtschulen
|
||
ermöglichen. Darüber hinaus sollen
|
||
alle Gemeinschaftsschulen eine Fach-
|
||
oberstufe einrichten können, um in
|
||
Kooperation mit berufsbildenden
|
||
Schulen die Fachhochschulreife anzu-
|
||
bieten. Sie sollen dafür ein attraktives
|
||
polytechnisches Profil entwickeln, bei
|
||
dem praxisorientiertes Lernen von An-
|
||
fang an und verstärkt ab dem 7. Schul-
|
||
jahrgang einen festen Platz hat.
|
||
Für Sekundarschulen soll es attraktiv
|
||
werden, sich in Gemeinschaftsschulen
|
||
umzuwandeln. Wir streben auf der Basis
|
||
freiwilliger Entscheidungen von Schulen
|
||
und Schulträgern einen vollständigen
|
||
Übergang zu einem Schulsystem
|
||
aus zwei Säulen im Bereich der
|
||
Sekundarstufe I an, bestehend aus
|
||
Gemeinschaftsschulen und Gymnasien.
|
||
Berufsbildende Schulen
|
||
DIE LINKE will sich dafür einsetzen,
|
||
die berufsbildenden Schulen zu stärken
|
||
und die Rahmenbedingungen für die
|
||
berufliche Ausbildung zu verbessern.
|
||
Die Konzentration der Ausbildung in
|
||
Landesfach- und Regionalklassen an zu
|
||
wenigen Standorten ist dabei kontra-
|
||
produktiv. Für eine moderne technische
|
||
Ausstattung der berufsbildenden
|
||
Schulen sollen den Schulträgern über
|
||
ein Landesprogramm finanzielle Mittel
|
||
bereitgestellt werden. Die Entscheidung
|
||
für eine vollzeitschulische Ausbildung,
|
||
z. B. zur Erzieher:in, darf nicht vom
|
||
Geldbeutel der Familie abhängen.
|
||
Deshalb fordern wir die Übernahme
|
||
des Schulgeldes durch das Land.
|
||
Alle Auszubildenden müssen wissen,
|
||
wie sie ihre Rechte geltend machen
|
||
können und was Ausbilder:innen
|
||
dürfen und was nicht. Darum wollen
|
||
wir, dass Gewerkschaften in den
|
||
Berufsschulen über Arbeitnehmer:in-
|
||
nenrechte aufklären. Alle Auszubilden-
|
||
den sollen zur Vorbereitung ihrer
|
||
Abschlussprüfungen zwei Wochen
|
||
vorher vollständig freigestellt werden.
|
||
Eigenverantwortung
|
||
und Schuldemokratie
|
||
Schulen müssen Orte gelebter Demo-
|
||
kratie sein. DIE LINKE setzt sich
|
||
deshalb für die Erweiterung der
|
||
Mitbestimmungsrechte von Schüler:in-
|
||
nen ein. Dabei soll es auch möglich
|
||
sein, für die Gesamtkonferenz einer
|
||
weiterführenden Schule die Drittel-
|
||
parität einzuführen. Damit Schulen
|
||
Motoren ihrer eigenen Entwicklung
|
||
werden, müssen sie selbst mehr über
|
||
organisatorische, finanzielle und
|
||
pädagogische Fragen entscheiden
|
||
können. DIE LINKE wird den Gesamt-
|
||
konferenzen zusätzliche Entschei-
|
||
dungsbefugnisse übertragen.
|
||
Außerdem sollen die Schulträger
|
||
aufgefordert werden, den Schulen
|
||
möglichst große Teile ihres Schulhaus-
|
||
haltes als Budget zur eigenen Bewirt-
|
||
schaftung zur Verfügung zu stellen.
|
||
Die Bewertung des Verhaltens durch
|
||
»Kopfnoten« werden wir aufheben und
|
||
durch individuelle Rückmeldungen
|
||
ersetzen.
|
||
Was wir gegen Schulschließungen und
|
||
für Neu- oder Erweiterungsbauten tun
|
||
wollen
|
||
In Sachsen-Anhalt sind in 30 Jahren
|
||
mehr als die Hälfte aller staatlichen
|
||
Schulen geschlossen worden. Gleich-
|
||
zeitig füllen immer mehr Privatschulen
|
||
|
||
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|
||
44
|
||
Lücken im staatlichen Schulnetz.
|
||
DIE LINKE wird entsprechend dem
|
||
Verfassungsauftrag das öffentliche
|
||
Schulwesen stärken. Die Vorgaben
|
||
für Schulgrößen und Klassenstärken
|
||
an den staatlichen Schulen in der
|
||
Verordnung zur Schulentwicklungs-
|
||
planung werden aufgehoben und
|
||
durch globale Personalzuweisungen
|
||
ersetzt. Die Entscheidungen über den
|
||
Erhalt und die Neuerrichtung von
|
||
Schulstandorten wird so vollständig
|
||
an die Schulträger übertragen.
|
||
Schulstandorte stehen dann nicht
|
||
mehr zur Disposition, weil durch
|
||
schwankende Schülerzahlen starre
|
||
Grenzwerte unterschritten werden.
|
||
Wir setzen uns ebenso für faire
|
||
Entwicklungsbedingungen der
|
||
bestehenden Schulen in freier
|
||
Trägerschaft ein.
|
||
Jeder Schule sollen ausreichend
|
||
Räume zur Verfügung stehen. Schulen
|
||
sollen nicht mehr überfüllt werden.
|
||
Bei der rechtzeitigen Planung und
|
||
Errichtung von Neu- oder Erweite-
|
||
rungsbauten müssen die Schulträger
|
||
durch ein Schulbauprogramm des
|
||
Landes unterstützt werden.
|
||
Wir werden verbindliche Vorgaben
|
||
für den Neu-, Aus- und Umbau von
|
||
Schulgebäuden schaffen.
|
||
Dabei orientieren wir uns an den
|
||
Anforderungen für die Arbeit in
|
||
inklusiven Schulen, die u. a. Räume für
|
||
Teilungsunterricht, Schulsozialarbeit
|
||
und Ganztagsarbeit einschließen.
|
||
Barrierefreiheit aller Schulgebäude
|
||
ist eine unabdingbare Voraussetzung
|
||
für eine inklusive Schule. Auch die
|
||
Arbeitsbedingungen für Lehrer:innen
|
||
müssen verbessert werden.
|
||
Außerdem sollen die Kommunen
|
||
durch eine deutliche Erhöhung
|
||
der Finanzzuweisungen in die Lage
|
||
versetzt werden, den Bau- und
|
||
Sanierungsbedarf an Schulgebäuden
|
||
zu bewältigen.
|
||
Bei Neubauten und Grundsanierungen
|
||
müssen Pädagog:innen,
|
||
Schüler:innen, Eltern und weitere
|
||
Partner:innen der Schulen verbindlich
|
||
Mitsprache erhalten.
|
||
Kinder und Jugend – besser
|
||
fördern, schützen und beteiligen
|
||
Bildung von Anfang an
|
||
Kinder lernen am besten und am
|
||
liebsten gemeinsam mit anderen
|
||
Kindern. Darum sind für uns Kinderta-
|
||
geseinrichtungen Orte frühkindlicher
|
||
Bildung, denn dort können Kinder in
|
||
der Gemeinschaft aufwachsen, sich
|
||
entwickeln und lernen. Um diesem
|
||
Verständnis Rechnung zu tragen, soll
|
||
die Übertragung der Verantwortung
|
||
für die frühkindliche Bildung und für
|
||
die Kinder- und Jugendhilfe an ein
|
||
Ministerium für Bildung und Jugend
|
||
intensiv geprüft werden.
|
||
Das Programm »Bildung elementar –
|
||
Bildung von Anfang an« werden wir
|
||
überarbeiten, um den Bereich der
|
||
Medienpädagogik erweitern und
|
||
seine Umsetzung in den Einrichtungen
|
||
durch einen größeren Stellenwert in
|
||
der Aus-, Fort- und Weiterbildung der
|
||
Erzieher:innen und durch Zeit für
|
||
die Vor- und Nachbereitung der
|
||
pädagogischen Arbeit qualifizieren.
|
||
Ganztagsanspruch,
|
||
Beitragsfreiheit und bessere
|
||
Betreuungsqualität in Kitas
|
||
DIE LINKE will einen uneingeschränkten
|
||
Rechtsanspruch auf eine ganztägige
|
||
Betreuung in Kindertageseinrichtungen
|
||
für alle Kinder, unabhängig von ihrer
|
||
familiären oder sozialen Situation.
|
||
Die Planung und Finanzierung der
|
||
|
||
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|
||
45
|
||
Kindertageseinrichtungen sollen in
|
||
einer Hand bei den Landkreisen und
|
||
kreisfreien Städten liegen.
|
||
Dafür haben wir ein transparentes
|
||
Finanzierungssystem erarbeitet,
|
||
das sich an den tatsächlichen
|
||
Personalkosten orientiert, den
|
||
Finanzierungsanteil der Gemeinden
|
||
aufhebt und schrittweise zur Beitrags-
|
||
freiheit für die Eltern führt. Zur
|
||
Verbesserung der Betreuungsqualität
|
||
wollen wir die Personalschlüssel
|
||
schrittweise absenken.
|
||
Wir werden eine kostenlose Mittags-
|
||
versorgung für alle Kinder in Kitas
|
||
und Tagespflege schaffen und Trink-
|
||
brunnen fördern. Die Finanzierung
|
||
aller Maßnahmen erfolgt durch
|
||
eine entsprechende Erhöhung des
|
||
Landesanteils.
|
||
Auch für die Kindertagespflege müssen
|
||
vernünftige Arbeitsbedingungen
|
||
geschaffen werden. Dazu zählt vor
|
||
allem, dass die Kindertagespflege
|
||
Leistungs-, Entgelt- und Qualitäts-
|
||
vereinbarungen mit den Jugendämtern
|
||
abschließen kann. Dies hilft, die
|
||
tatsächlichen Kosten transparent
|
||
zu machen und die Einkommen
|
||
der Tagespflegepersonen anzuheben.
|
||
Tagespflegepersonen müssen
|
||
gesicherte Beschäftigungsperspek-
|
||
tiven erhalten.
|
||
Junge Menschen schützen,
|
||
Jugendhilfe stärken
|
||
In vielen Bereichen befinden sich
|
||
unsere Jugendämter in einer schwieri-
|
||
gen Lage. DIE LINKE wird für einen
|
||
Qualitätsdialog des Landes mit
|
||
den Kommunen eintreten, um die
|
||
personelle Ausstattung der Jugend-
|
||
ämter zu verbessern. Dazu gehören
|
||
der Ausbau und die Weiterentwicklung
|
||
der Netzwerke Früher Hilfen und
|
||
Kinderschutz sowie die Förderung
|
||
präventiver und niedrigschwelliger
|
||
Angebote insbesondere im ländlichen
|
||
Raum.
|
||
Im Bereich Hilfen zur Erziehung
|
||
müssen Voraussetzungen geschaffen
|
||
werden, um die Hilfen zielgenauer zu
|
||
gestalten und problematischen
|
||
Kindheitsverläufen möglichst frühzeitig
|
||
präventiv zu begegnen. Zwischen den
|
||
Hilfen zur Erziehung, den Kinder- und
|
||
Jugendpsychiatrien und den Gesund-
|
||
heitsämtern braucht es ein transpa-
|
||
rentes Übergangsmanagement und
|
||
verbindliche Kooperationsstrukturen,
|
||
um die Hilfen passgenau für jeden
|
||
jungen Menschen anzubieten.
|
||
Kinder, Jugendliche und ihre Familien
|
||
müssen in ihrem Rechtsanspruch auf
|
||
Jugendhilfe stärker unterstützt
|
||
werden. Deswegen will DIE LINKE die
|
||
flächendeckende Einführung von
|
||
Ombudsstellen in allen Landkreisen
|
||
und kreisfreien Städten.
|
||
Wir werden dafür Sorge tragen, dass
|
||
die Jugendhilfeplanungen der Land-
|
||
kreise und kreisfreien Städte nach
|
||
quantitativen und qualitativen Mindest-
|
||
standards erfolgen und mit einer durch
|
||
das Land zu erarbeitenden landeswei-
|
||
ten Jugendhilfeplanung abgestimmt
|
||
wird, um ein Aufwachsen in gleichen
|
||
Lebensverhältnissen zu sichern.
|
||
Rechtsanspruch auf Jugendarbeit für
|
||
junge Menschen umsetzen und
|
||
sichern
|
||
Wir werden die Jugendarbeit als
|
||
Rechtsanspruch für junge Menschen
|
||
im Kinder- und Jugendhilfegesetz des
|
||
Landes festschreiben. Die Förderung
|
||
von Maßnahmen der kommunalen
|
||
Jugendarbeit (ehemals Jugend-
|
||
pauschale und Fachkräfteprogramm)
|
||
werden wir um mindestens eine
|
||
halbe Million Euro erhöhen und eine
|
||
|
||
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|
||
46
|
||
Dynamisierung von mindestens
|
||
2,5 Prozent pro Jahr gesetzlich ver-
|
||
ankern. Wir werden einen Flächen-
|
||
faktor bei der Förderung einführen,
|
||
um Benachteiligungen im ländlichen
|
||
Raum zu überwinden.
|
||
Die Beschäftigten in der Jugendarbeit
|
||
und in den Jugendverbänden
|
||
befinden sich oft in einer prekären
|
||
Beschäftigungs- und Einkommens-
|
||
situation, weil es dafür bisher keine
|
||
ausreichend gesicherte und aus-
|
||
kömmliche Finanzierungsgrundlage
|
||
gibt. Wir werden in der Jugendarbeit,
|
||
der Jugendverbandsarbeit, bei
|
||
institutionell geförderten Trägern
|
||
und Beratungsstellen eine Bezahlung
|
||
nach dem öffentlichen Tarifrecht zur
|
||
Grundlage machen und mehrjährige
|
||
Zuwendungsverträge abschließen.
|
||
Wir setzen uns ein für die Entwicklung
|
||
von personellen Mindeststandards
|
||
beim erzieherischen Kinder- und
|
||
Jugendschutz in den Landkreisen
|
||
und kreisfreien Städten.
|
||
Der Jugend(medien)schutz muss
|
||
verbindlicher Bestandteil der Jugend-
|
||
hilfeplanungen werden.
|
||
Frühe Beteiligung von Kindern und
|
||
Jugendlichen stärkt Demokratie
|
||
Demokratie muss so früh wie möglich
|
||
erlebbar sein. Kinder und Jugendliche
|
||
sollen lernen, Meinungen fair auszu-
|
||
tauschen, sich zu engagieren,
|
||
Verantwortung zu übernehmen und
|
||
Wertschätzung für andere Positionen
|
||
zu entwickeln. Damit sich Kinder- und
|
||
Jugendbeteiligung entwickeln kann,
|
||
ist es erforderlich, Angebote für eine
|
||
altersgemäße politische Bildung
|
||
auf- und auszubauen.
|
||
Mit dieser Zielstellung wurde bereits
|
||
2014 ein Kinder- und Jugendteilhabe-
|
||
gesetz erarbeitet. Kinderrechte in die
|
||
Landesverfassung aufnehmen,
|
||
Wählen ab 14 Jahren, mehr Mitspra-
|
||
che und Partizipation auf der Ebene
|
||
der Kommunen und des Landes, das
|
||
Setzen von Standards für kommunale
|
||
Kinder- und Jugendbeteiligung und
|
||
Unterstützung von entsprechenden
|
||
Servicestellen, mehr Rechte für
|
||
Schüler:innen – das wollen wir auch
|
||
weiterhin erreichen. In einem Online-
|
||
Verfahren sollen in den Kommunen
|
||
Jugendparlamente gewählt werden,
|
||
die über ein eigenes Budget für
|
||
Projekte verfügen und in den Stadt-
|
||
und Gemeinderäten sowie den
|
||
Kreistagen bei Kinder- und Jugend-
|
||
belangen ein Antrags-, Rede- und
|
||
Vetorecht haben und personell
|
||
angemessen unterstützt werden.
|
||
Beim Landtag soll eine Kinder-
|
||
kommission als parlamentarischer
|
||
Unterausschuss eingerichtet werden,
|
||
die die Interessen von Kindern und
|
||
Jugendlichen im Parlament vertritt.
|
||
Im regelmäßigen Austausch mit
|
||
Vertreter:innen u. a. des Netzwerkes
|
||
gegen Kinderarmut, dem Kinder- und
|
||
Jugendring und der Landesvereinigung
|
||
für kulturelle Jugendbildung soll sie
|
||
dazu beitragen, auftretende Probleme
|
||
schneller zu erkennen und entspre-
|
||
chende Lösungen zu entwickeln.
|
||
Der/die Kinderbeauftragte des
|
||
Landes Sachsen-Anhalt soll
|
||
ständiges beratendes Mitglied der
|
||
Kinderkommission sein.
|
||
Angebote für queere
|
||
junge Menschen
|
||
Der 7. Kinder- und Jugendbericht
|
||
Sachsen-Anhalts konstatiert ein zu
|
||
geringes Angebot für junge queere,
|
||
inter* und trans* Menschen.
|
||
Dabei gab gerade diese Gruppe am
|
||
häufigsten an, Opfer von Gewalt ge-
|
||
worden zu sein. Das jugendpolitische
|
||
|
||
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|
||
47
|
||
Programm des Landes und die ört-
|
||
lichen und überörtlichen Jugendhilfe-
|
||
planungen müssen daher im Hinblick
|
||
auf queere Lebensweisen angepasst
|
||
und die im Landesjugendhilfeaus-
|
||
schuss beschlossenen Leitsätze für
|
||
Diversität umgesetzt werden.
|
||
Dazu gehört, dass es in allen Land-
|
||
kreisen und kreisfreien Städten
|
||
zentrale Anlaufstellen gibt, die für
|
||
junge queere, inter* und trans*
|
||
Menschen Beratungen sowie für
|
||
deren Familien und pädagogische
|
||
Fachkräfte Fortbildungen anbieten.
|
||
Studium und
|
||
Wissenschaft fördern
|
||
Grundlegende Ziele unserer
|
||
Wissenschaftspolitik
|
||
Wie sehr unsere Hochschulen und Uni-
|
||
versitäten gebraucht werden, zeigt sich
|
||
heute mehr denn je bei der Bewältigung
|
||
der Pandemie und deren Folgen für
|
||
die Menschen, das Gesundheits- und
|
||
Sozialsystem und die Wirtschaft. Aber
|
||
auch der Klimawandel und der Struktur-
|
||
wandel bleiben aktuelle Themen für
|
||
Forschung und Entwicklung.
|
||
Die Hochschulen und wissenschaft-
|
||
lichen Institute sind entscheidende
|
||
Motoren für Innovationen und
|
||
willkommene Partner, um die
|
||
wirtschaftliche Entwicklung voranzu-
|
||
treiben. Dabei geht es aber nicht nur
|
||
um hochinnovative Ausgründungen,
|
||
sondern auch um ökonomische,
|
||
psychologische und soziologische
|
||
Begleitforschung. Die wirtschaftliche
|
||
Verwertbarkeit von Forschungs-
|
||
ergebnissen ist für uns kein alleiniges
|
||
Kriterium einer zukunftsfähigen
|
||
Wissenschaftslandschaft.
|
||
Grundlagenforschung ist die tragende
|
||
Säule, ohne die keine anwendungs-
|
||
orientierte Forschung möglich ist.
|
||
Beides muss in einem ausgewogenen
|
||
Verhältnis stehen. Gestärkt werden
|
||
müssen Grundlagenforschung auf
|
||
entscheidenden Gebieten, Risiko-
|
||
forschung und die geistes- und
|
||
sozialwissenschaftliche Forschung.
|
||
Besonderen Wert legen wir darauf, die
|
||
Bewertung sozialer und ökologischer
|
||
Risiken von neuen Technologien
|
||
kritisch zu begleiten. Und wir wollen
|
||
kein öffentliches Geld mehr für
|
||
Forschung zu militärischen Zwecken
|
||
einsetzen; das werden wir mit einer
|
||
Zivilklausel im Landeshochschul-
|
||
gesetz sicherstellen.
|
||
Bei allem gesellschaftlichen Anspruch
|
||
an die Hochschulen bleiben
|
||
Forschung und Lehre ihre Hauptauf-
|
||
gaben. DIE LINKE steht zur Freiheit
|
||
von Forschung und Lehre und deren
|
||
Einheit, zum Prinzip Bildung durch
|
||
Wissenschaft und zur Autonomie der
|
||
Hochschulen.
|
||
Wie DIE LINKE
|
||
die Hochschulen fördern will
|
||
Um unsere Hochschullandschaft
|
||
kontinuierlich zu entwickeln, werden
|
||
wir die Hochschulbudgets jährlich um
|
||
3 Prozent erhöhen und Tariferhöhungen
|
||
in vollem Umfang ausgleichen.
|
||
Die zunehmende Abhängigkeit der
|
||
Hochschulen von befristeten Projekt-
|
||
finanzierungen werden wir korrigieren.
|
||
Zusätzliche Bundesmittel werden wir
|
||
den Hochschulen auch zusätzlich zur
|
||
Verfügung stellen. Den von den
|
||
Hochschulen abgeforderten Corona-
|
||
Solidarbeitrag werden wir streichen.
|
||
Die Hochschulen spielen für die
|
||
Bekämpfung des Fachkräftemangels
|
||
eine zentrale Rolle.
|
||
Ein Schwerpunkt muss dabei auf die
|
||
MINT-Fächer – Mathematik, Ingenieurs-
|
||
|
||
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|
||
48
|
||
wissenschaften, Naturwissenschaften
|
||
und Technik – gelegt werden.
|
||
Für die Akademisierung weiterer
|
||
Berufe, z. B. bei Hebammen, Pflege-
|
||
berufen oder Physiotherapeut:innen,
|
||
werden wir den Hochschulen
|
||
zusätzliche Mittel zur Verfügung
|
||
stellen, damit das Studienplatz-
|
||
angebot erweitert werden kann.
|
||
DIE LINKE hält an den beiden Stand-
|
||
orten für Hochschulmedizin Halle
|
||
und Magdeburg fest, verschließt sich
|
||
jedoch nicht einer stärkeren Ver-
|
||
zahnung und fairen Abstimmung
|
||
darüber, welches Profil am jeweiligen
|
||
Standort angeboten wird.
|
||
Um ein dauerhaftes Defizit der
|
||
Universitätsklinika zu vermeiden,
|
||
wollen wir einen Systemzuschlag und
|
||
die Ausfinanzierung der Hochschulam-
|
||
bulanzen durch die Krankenkassen.
|
||
Damit dem drohenden Ärztemangel
|
||
entgegengewirkt werden kann,
|
||
müssen an den beiden medizinischen
|
||
Fakultäten jeweils 75 zusätzliche
|
||
Studienplätze geschaffen werden.
|
||
Für Zahnärzt:innen und
|
||
Kieferorthopäd:innen müssen darüber
|
||
hinaus an der MLU unverzüglich
|
||
20 Studienplätze zusätzlich eingerichtet
|
||
werden. Mit der Universität, den
|
||
Kammern und den Krankenkassen
|
||
muss das Land eine Vereinbarung
|
||
zum zukünftigen Bedarf, den erforder-
|
||
lichen Studienplatzkapazitäten und
|
||
deren Finanzierung abschließen.
|
||
DIE LINKE bekennt sich zu allen
|
||
Hochschulstandorten. Sollten die
|
||
Studierendenzahlen sinken, wird
|
||
die Ausstattung der Hochschulen
|
||
beibehalten. Freiwerdende
|
||
Kapazitäten sind dann zur Qualitäts-
|
||
entwicklung zu nutzen.
|
||
Die Hochschulen für angewandte
|
||
Wissenschaften sollen das Promotions-
|
||
recht erhalten und ihre Kooperationen
|
||
mit den Universitäten intensivieren.
|
||
Der Erhalt der Vielfalt von Fächern,
|
||
die unsere Hochschulen attraktiv
|
||
machen, ist dabei ein wichtiges Ziel.
|
||
Das gilt auch für die sogenannten
|
||
kleinen Fächer.
|
||
Dafür muss über echte Kooperations-
|
||
plattformen mehr Kraft in einzelnen
|
||
Disziplinen entwickelt werden.
|
||
DIE LINKE garantiert die Weiterführung
|
||
des staatlichen Studienkollegs mit
|
||
einer angemessenen Ausstattung an
|
||
den Standorten Halle und Köthen.
|
||
Den existierenden privaten Kollegs
|
||
stehen wir offen gegenüber, fordern
|
||
aber die Einhaltung von Qualitätsstan-
|
||
dards, um Wildwuchs zu verhindern.
|
||
Auch die außeruniversitären
|
||
Forschungsinstitute werden wir weiter
|
||
unterstützen, ebenso die nationale
|
||
Akademie Leopoldina und die
|
||
Global Young Acadeny, die in
|
||
Sachsen-Anhalt ihren Sitz haben.
|
||
Was DIE LINKE
|
||
für die Studierenden tun will
|
||
DIE LINKE steht ohne Wenn und Aber
|
||
für ein gebührenfreies Studium.
|
||
Nach dem Fall der Langzeitstudien-
|
||
gebühren werden wir auch die
|
||
Gebühren für ein Zweitstudium und
|
||
für Lehr- und Lernmittel abschaffen.
|
||
Niemand soll dafür bezahlen müssen,
|
||
bestimmte Fächer z. B. in den Natur-
|
||
wissenschaften zu studieren oder
|
||
dem gesellschaftlichen Ruf nach
|
||
lebensbegleitendem Lernen zu folgen.
|
||
Wer in Sachsen-Anhalt sein Bachelor-
|
||
studium erfolgreich absolviert,
|
||
soll eine Garantie erhalten,
|
||
hier auch ein Masterstudium
|
||
absolvieren zu können. Deshalb soll
|
||
die Regelstudienzeit kurzfristig
|
||
verlängert und mittelfristig durch
|
||
andere Modelle ersetzt werden.
|
||
|
||
--- PAGE 49 ---
|
||
49
|
||
Die Studentenwerke werden wir
|
||
finanziell besser ausstatten, damit
|
||
die Beiträge nicht weiter steigen.
|
||
Dem Hochschulpakt muss ein Hoch-
|
||
schulsozialpakt folgen, mit dem Wohn-
|
||
heimbau und -sanierung und eine
|
||
bessere Mensaversorgung gewähr-
|
||
leistet werden. Das Bafög muss
|
||
endlich elternunabhängig, auf einem
|
||
grundsichernden Niveau und für die
|
||
gesamte Dauer des Studiums gezahlt
|
||
werden. Wir wollen ein kostengünsti-
|
||
ges landesweites Studierendenticket
|
||
für den ÖPNV einführen.
|
||
Was DIE LINKE für die
|
||
Hochschulbeschäftigten tun will
|
||
DIE LINKE wird einen Kodex für gute
|
||
Beschäftigung im Hochschulgesetz
|
||
verankern und die Forderungen nach
|
||
guter Arbeit in der Wissenschaft,
|
||
dauerhaften Arbeitsperspektiven im
|
||
wissenschaftlichen Mittelbau und
|
||
fairen Karrierechancen durch Tenure
|
||
Track (Verfahren zur Festanstellung)
|
||
erfüllen. Alle Arbeiten, die dauerhaft
|
||
anfallen, sollen durch unbefristet
|
||
angestellte Mitarbeiter:innen
|
||
erledigt werden. Teilzeitjobs oder
|
||
befristete Arbeitsverträge wollen wir
|
||
zurückdrängen.
|
||
Der Abbau von Barrieren endet für uns
|
||
nicht bei der Gestaltung von Räumen,
|
||
Wegen und Gebäuden.
|
||
Auch unterschiedliche Zugänge zu
|
||
wissenschaftlicher Arbeit durch
|
||
Hilfs- und Unterstützungssysteme
|
||
müssen an den Hochschulen
|
||
ermöglicht und Barrieren für
|
||
Studierende oder Beschäftigte mit
|
||
Beeinträchtigungen und chronischen
|
||
Erkrankungen abgebaut werden.
|
||
Dazu gehören unter anderem flexible
|
||
Studienzeiten, frühzeitige Beratung
|
||
und Studienplatzzusagen sowie
|
||
wirksamer Nachteilsausgleich.
|
||
Wie wir Frauen an den
|
||
Hochschulen fördern wollen
|
||
Der Frauenanteil an den Berufungen
|
||
muss erhöht werden. In den Zielver-
|
||
einbarungen mit den Hochschulen
|
||
sollen dazu verbindliche Quoten im
|
||
Sinne des »Kaskadenmodells plus«
|
||
vereinbart werden. Danach ergeben
|
||
sich die Ziele für den Frauenanteil
|
||
einer jeden wissenschaftlichen
|
||
Karrierestufe durch eine Steigerung
|
||
des tatsächlichen Anteils der Frauen
|
||
auf der direkt darunterliegenden Quali-
|
||
fizierungsstufe. Die Berufungsgremien
|
||
müssen mindestens zu 50 Prozent mit
|
||
Frauen besetzt werden.
|
||
Das Leben mit Kindern oder die Verant-
|
||
wortung für familiäre Aufgaben darf
|
||
kein Hinderungsgrund für ein erfolg-
|
||
reiches Studium sein, nicht für Frauen
|
||
und nicht für Männer. Geflüchteten soll
|
||
der Zugang zu den Hochschulen
|
||
unabhängig vom Aufenthaltsstatus
|
||
gewährt werden. Wir unterstützen
|
||
Initiativen der Hochschulen, statt
|
||
formaler Nachweise der Studierfähig-
|
||
keit Geflüchteter durch Prüfungen den
|
||
Hochschulzugang zu ermöglichen.
|
||
Was wir für die
|
||
Hochschuldemokratie tun wollen
|
||
Wir treten für eine paritätische Beset-
|
||
zung der Hochschulgremien ein. Gleich-
|
||
stellungsbeauftragte und Schwerbehin-
|
||
dertenvertretung sollen mit Sitz und
|
||
Stimme vertreten sein. Gewählte
|
||
Gremien wie Studierenden- und Fach-
|
||
schaftsräte sollen zur Erfüllung ihrer
|
||
gesetzlichen Aufgaben finanziell und
|
||
mehr verbrieften Rechten ausgestattet
|
||
werden. Dies schließt insbesondere
|
||
Informationspflichten der Hochschullei-
|
||
tung gegenüber den studentischen
|
||
Gremien bei die Studierendenschaft
|
||
direkt betreffenden Themen ein.
|
||
|
||
--- PAGE 50 ---
|
||
50
|
||
Ländliche Räume,
|
||
Kommunen und Verwaltung
|
||
CDU und SPD haben den Staat jahre-
|
||
lang aus der Fläche zurückgezogen
|
||
und damit selbst die Perspektiv-
|
||
losigkeit herbeigeführt und die
|
||
Abwanderung befördert, die sie nun
|
||
so wortreich beklagen. Wer heute
|
||
über die Stärkung der Kommunen
|
||
spricht, muss diesen Worten Taten
|
||
in den ländlichen Räumen folgen
|
||
lassen. Das Land muss sich seine
|
||
Versprechen etwas kosten lassen.
|
||
Schulstandorte im ländlichen Raum
|
||
dürfen nicht aus finanziellen Gründen
|
||
geschlossen werden. Die Stilllegung
|
||
von Bahnstrecken ist rechtlich zu
|
||
untersagen; die Bahn muss mehr im
|
||
ländlichen Raum investieren.
|
||
Auch wenn wir auf die Verbesserung
|
||
des ÖPNV setzen, erkennen wir an,
|
||
dass das Auto für viele
|
||
Arbeitnehmer:innen, Familien und
|
||
Senioren:innen unverzichtbar ist.
|
||
Dorfgemeinschaftshäuser, Vereine,
|
||
Freizeit- und Erholungsangebote im
|
||
ländlichen Raum sind stärker finanziell
|
||
zu unterstützen.
|
||
Mit Dorferneuerungsprogrammen
|
||
können Veränderungsprozesse
|
||
gesteuert und der Ausbau von
|
||
Angeboten der Daseinsvorsorge oder
|
||
die Schaffung bzw. Erhaltung von
|
||
Gemeinschaftseinrichtungen
|
||
gefördert werden. Der wachsende
|
||
Leerstand in den Dörfern ist nicht
|
||
zuletzt für die besorgniserregend,
|
||
denen diese Häuser ursprünglich
|
||
auch zur Altersvorsorge dienten.
|
||
Wir brauchen eine Förderung des
|
||
ländlichen Raums, damit dieser
|
||
wieder attraktiv für junge Familien
|
||
wird. Dazu gehören eine erreichbare
|
||
Grundversorgung und attraktive
|
||
lebendige Ortskerne.
|
||
Hierzu ist ein Umsteuern der Politik
|
||
zugunsten des ländlichen Raums
|
||
erforderlich. Die Wohnungsknappheit
|
||
in den Ballungsgebieten und die
|
||
Digitalisierung bieten Chancen für
|
||
ländliche Räume als neue Wohn- und
|
||
Arbeitsorte. Aber dafür muss der
|
||
ländliche Raum attraktive Lebens-
|
||
bedingungen für junge Menschen,
|
||
Familien und die ältere Generation
|
||
bieten. Und das Internet muss im
|
||
kleinsten Dorf verfügbar sein.
|
||
Privat und beruflich sind Funklöcher
|
||
in der heutigen Zeit absolut
|
||
inakzeptabel. Telemedizin und die
|
||
digitale Vernetzung in allen Bereichen
|
||
des Lebens, wie zum Beispiel
|
||
Mitfahr-Apps, sind nur so umsetzbar.
|
||
Dafür müssen regionalpolitisch die
|
||
finanziellen Weichen gestellt werden.
|
||
Strukturschwache Regionen
|
||
müssen durch entsprechende
|
||
Förderprogramme bedacht werden.
|
||
Mittelzentren in
|
||
Sachsen-Anhalt
|
||
Das Rückgrat der öffentlichen
|
||
Daseinsvorsorge sollen nach unseren
|
||
Vorstellungen 24 Mittelzentren in
|
||
Sachsen-Anhalt sein. Diese müssen
|
||
in jeder Region wichtige soziale,
|
||
kulturelle und infrastrukturelle
|
||
Angebote vorhalten und vom Umland
|
||
mit öffentlichen Verkehrsmitteln
|
||
problemlos mindestens zweimal am
|
||
Tag erreichbar sein.
|
||
Sie sollen gerade in den Teilen
|
||
des Landes Sachsen-Anhalt, die
|
||
besonders stark von Bevölkerungs-
|
||
verlust betroffen sind, als verlässliche
|
||
IV. Zusammenhalt, den wir meinen
|
||
|
||
--- PAGE 51 ---
|
||
51
|
||
Zentren landesplanerisch gefördert
|
||
werden. Keine Region darf von der
|
||
gesellschaftlichen Entwicklung
|
||
abgeschnitten sein. Deshalb ist es
|
||
wichtig, die Planungsregionen des
|
||
Landes (Altmark, Harz, Anhalt,
|
||
Magdeburg und Halle) zu stärken und
|
||
ihnen die Möglichkeit zu geben,
|
||
eigene Entwicklungspotentiale zu
|
||
entfalten. Die Einheits- oder Verbands-
|
||
gemeinden müssen größere Hand-
|
||
lungsspielräume erhalten. Sie sollen
|
||
darüber entscheiden können, welche,
|
||
wo und wie viel Infrastruktur vorgehal-
|
||
ten wird.
|
||
Wir wollen die Regionalbudgets weiter
|
||
stärken. Diese müssen der regionalen
|
||
Entwicklung dienen.
|
||
Kommunale
|
||
Unternehmen
|
||
Für DIE LINKE gilt: Wenn es um eine
|
||
gesicherte Grundversorgung
|
||
geht, muss die öffentliche Hand
|
||
verantwortlich sein, damit nicht der
|
||
Profit für Einzelne im Mittelpunkt
|
||
steht. DIE LINKE möchte die
|
||
wirtschaftliche Betätigung der
|
||
Kommunen auf die Bereiche
|
||
Gesundheit und Pflege sowie die
|
||
Beteiligung im Bereich erneuerbarer
|
||
Energien ausweiten.
|
||
Die wirtschaftliche Betätigung einer
|
||
Kommune im Bereich des Gesund-
|
||
heits- und Sozialwesens dient immer
|
||
dem öffentlichen Zweck und sollte
|
||
daher in unseren Augen nicht
|
||
ausschließlich auf das Gebiet der
|
||
Kommune begrenzt werden, soweit
|
||
nicht mit benachbarten Kommunen
|
||
konkurriert wird. Besonders die
|
||
wirtschaftliche Betätigung einer
|
||
Kommune im Bereich erneuerbarer
|
||
Energien soll den Kommunen die
|
||
Möglichkeit geben, ihre Strom- und
|
||
Energieversorgung klimafreundlich
|
||
umzustellen.
|
||
Bürgernahe Verwaltung
|
||
garantieren
|
||
Bürgeranliegen gehören in die
|
||
Rathäuser. Dazu müssen
|
||
Verwaltungen orts- und bürgernah
|
||
aufgestellt sein und sich als
|
||
Eingangsportal zum Dialog mit den
|
||
Einwohner:innen verstehen.
|
||
Die Kommunen brauchen insgesamt
|
||
mehr Personal in den Umweltämtern,
|
||
bei den Kfz-Zulassungen, bei den
|
||
Gesundheits- und Jugendämtern.
|
||
Die LINKE tritt für entsprechende
|
||
Aufstockungen der Zuweisungen an
|
||
die Kommunen ein.
|
||
Wir wollen außerdem, dass die Auf-
|
||
gabenverteilung zwischen dem
|
||
Landesverwaltungsamt und den
|
||
Kommunen mit dem Ziel der
|
||
Erweiterung der Gestaltungsspiel-
|
||
räume für die Kommunale Selbst-
|
||
verwaltung evaluiert wird.
|
||
Nach dem Onlinezugangsgesetz (OZG)
|
||
müssen alle Verwaltungsleistungen
|
||
bis spätestens 31.12.2022 seitens des
|
||
Bundes und der Länder auch digital
|
||
angeboten werden. Dieses Vorhaben
|
||
wurde von Beginn an vernachlässigt
|
||
und muss nun zügig und flächen-
|
||
deckend umgesetzt werden.
|
||
Mobilität:
|
||
Angebote für Stadt und Land
|
||
Mobilität ist für uns die Grundvoraus-
|
||
setzung für soziale und kulturelle
|
||
Teilhabe und ein entscheidender
|
||
Baustein im Kampf gegen den
|
||
Klimawandel. Der Ausbau des
|
||
Öffentlichen Personennahverkehrs
|
||
als Teil der Daseinsvorsorge hat
|
||
deshalb unsere besondere
|
||
Aufmerksamkeit. Rückgrat einer
|
||
neuen Mobilitätskultur in Sachsen-
|
||
Anhalt ist dabei ein vernetzter
|
||
Umweltverbund – zu Fuß, per Rad, mit
|
||
Carsharing, mit Bus und Bahn.
|
||
|
||
--- PAGE 52 ---
|
||
52
|
||
Wir plädieren für eine Verkehrsver-
|
||
lagerung auf Schienenwege und
|
||
Wasserstraßen und setzen uns für
|
||
barrierefreie und kostengünstige
|
||
Mobilitätsangebote für alle ein.
|
||
DIE LINKE will dem Ausbau dieser
|
||
Infrastruktur beim Mitteleinsatz, der
|
||
planerischen Gestaltung und bei der
|
||
personellen Ausstattung innerhalb
|
||
der Landesverwaltung höhere
|
||
Priorität einräumen. Mit hohen
|
||
Qualitätsstandards wollen wir den
|
||
ÖPNV gegenüber dem motorisierten
|
||
Individualverkehr aufwerten.
|
||
Daher soll guter Nahverkehr nicht nur
|
||
als Pflicht zur Daseinsvorsorge
|
||
laut ÖPNV-Gesetz, sondern auch als
|
||
kommunale Pflichtaufgabe festge-
|
||
schrieben und finanziert werden.
|
||
Das Landesprogramm zur Barriere-
|
||
freiheit muss deshalb verlängert und
|
||
finanziell erweitert werden, um die
|
||
Anforderungen des ÖPNV-Gesetzes
|
||
zeitnah erfüllen zu können.
|
||
Dafür müssen die ÖPNV–Mittel des
|
||
Landes schrittweise erhöht werden.
|
||
Jede Gemeinde muss an den
|
||
öffentlichen Personennahverkehr
|
||
angeschlossen sein, wobei Erreichbar-
|
||
keit und Verknüpfungen von Bus und
|
||
Bahn mit den Kommunalvertretungen
|
||
vor Ort entschieden werden sollen.
|
||
Attraktiver ÖPNV
|
||
zum Nulltarif
|
||
Die Kosten für den Einzelnen sind
|
||
ein entscheidender Faktor
|
||
bei der Nutzung des Öffentlichen
|
||
Nahverkehrs.
|
||
Wir wollen ihn deshalb mittelfristig
|
||
landesweit zum Nulltarif anbieten.
|
||
Dafür muss er im Rahmen der
|
||
Verkehrs– und Energiewende seitens
|
||
des Bundes finanziell besser unter-
|
||
stützt werden, und wir werden
|
||
alternative Finanzierungskonzepte
|
||
durch Anpassungen in der
|
||
Landesgesetzgebung ermöglichen
|
||
(Stichwort Jobabgabe).
|
||
In einem ersten Schritt werden wir
|
||
kostengünstige und ganzjährig
|
||
geltende Schüler-, Azubi, Studierenden-
|
||
und Sozialtickets durchsetzen und
|
||
Eigenbeteiligungen streichen,
|
||
da sie gerade Familien mit geringen
|
||
Einkommen benachteiligen.
|
||
Tarifverbünde auch über die Landes-
|
||
grenze hinaus sind sinnvoll und
|
||
weiterzuentwickeln, gegebenenfalls
|
||
zu einem landesweiten Tarifverbund.
|
||
Der Nahverkehr muss daher kosten-
|
||
frei nutzbar sein, besonders für Kinder
|
||
und Jugendliche, Schüler:innen,
|
||
Auszubildende, Studierende und
|
||
Freiwilligendienstleistende.
|
||
Wir setzen auf Bahnen
|
||
und Busse
|
||
Wir setzen auf Bahnen und Busse und
|
||
wollen die Verkehrsunternehmen der
|
||
Landkreise und Städte stärken, indem
|
||
wir sie weiterhin bei der Bus- und
|
||
Straßenbahnanschaffung finanziell
|
||
unterstützen. Um Güterverkehr von
|
||
LKWs auf alternative Transportmög-
|
||
lichkeiten und die Schiene zu
|
||
verlagern, bedarf es einer großen
|
||
Kraftanstrengung und innovativer
|
||
Projekte. Die Bahninfrastruktur und
|
||
das Schienennetz werden wir aktiv
|
||
sichern. DIE LINKE setzt sich dafür
|
||
ein, eine Trassensicherung still-
|
||
gelegter Strecken landesplanerisch
|
||
festzuschreiben, um sie bei Bedarf
|
||
später reaktivieren zu können.
|
||
Stillgelegte Haltepunkte wollen wir
|
||
reaktivieren. Das geht einher mit
|
||
der Unterstützung der neuen S-Bahn-
|
||
verbindung von Merseburg nach
|
||
Leipzig und führt gleichzeitig zur Not-
|
||
wendigkeit von Nachverhandlungen
|
||
|
||
--- PAGE 53 ---
|
||
53
|
||
zur Verteilung der Regionalisierungs-
|
||
mittel des Bundes für eine auskömmli-
|
||
che Finanzierung der vom Land
|
||
bestellten Beförderungsleistungen.
|
||
Im überregionalen Nahverkehr
|
||
setzen wir auf eine Stärkung landes-
|
||
bedeutsamer Buslinien mit einer
|
||
engeren Taktung zum Schienen-
|
||
personennahverkehr, wobei hier nicht
|
||
nur die Pendler:innenströme in die
|
||
Zentren zu beachten sind.
|
||
Zwischen den kleinen Orten im
|
||
ländlich geprägten Raum müssen
|
||
unabhängig von der Schüler:innen-
|
||
beförderung mehr Busse fahren.
|
||
Auch beim Transport von Gütern
|
||
wollen wir neue Wege gehen. Für die
|
||
»letzte Meile« beim Lastverkehr sollen
|
||
anbieterneutrale Logistik-Hubs zur
|
||
stadtverträglichen Feinverteilung, zum
|
||
Beispiel mit Lastenrädern, geschaffen
|
||
werden. Das muss ein verbindliches
|
||
Ziel kommunaler Mobilitätsplanung
|
||
und förderfähig sein. Auch den
|
||
Nahverkehr im ländlichen Raum wollen
|
||
wir für den Güterverkehr nutzen.
|
||
Das hilft Leerfahrten zu verhindern
|
||
und sorgt dafür, dass viele Ortschaften
|
||
auch mit regulären Fahrten angesteuert
|
||
werden können.
|
||
Das Pilotprojekt »Busschnellgut« in
|
||
Salzwedel/Arendsee ist für uns dabei
|
||
ein wichtiger Ansatz, ÖPNV im
|
||
ländlichen Raum zu stärken.
|
||
Ein Bus bringt dort in Kooperation
|
||
mit Bäckereien die Waren zu den
|
||
Haltestellen, an denen die Menschen
|
||
ihre bestellten Alltagswaren abholen
|
||
können. Auch Erfahrungen aus der
|
||
Vergangenheit, wie die Nutzung von
|
||
Straßenbahnen für den Gütertransport
|
||
in den Nachtstunden, wollen wir prüfen.
|
||
DIE LINKE will mit Straßeninvestitionen
|
||
vorrangig die Infrastruktur erhalten
|
||
und den Rad- und Fußverkehr stärken.
|
||
Neubau soll es nur da geben, wo
|
||
dadurch nachweisbare Verbesserungen
|
||
entstehen, wo Umfahrungen aus
|
||
Gründen der Verkehrssicherheit
|
||
oder zur Verbesserung der Lebens-
|
||
bedingungen in den Orten dringend
|
||
erforderlich sind oder eine Verkehrs-
|
||
anbindung im ländlichen Raum
|
||
verbessert werden muss. Rufbusse
|
||
und Anrufbusse, die wie ein Taxi
|
||
fungieren, müssen als weiterer
|
||
Baustein einer Mobilität ohne eigenes
|
||
Auto gesetzlich ermöglicht werden.
|
||
DIE LINKE bekennt sich zu den
|
||
landesbedeutsamen Fähren und will
|
||
die Kommunen bei Betrieb und
|
||
Unterhalt unterstützen. Hierzu ist eine
|
||
Änderung des Landesstraßengesetzes
|
||
samt Mittelbereitstellung im
|
||
Landeshaushalt unumgänglich.
|
||
Ausbau von
|
||
Rad- und Fußwegen
|
||
Die notwendige ökologische
|
||
Verkehrswende beinhaltet neben der
|
||
Stärkung des ÖPNV auch die des
|
||
Rad- und Fußverkehrs. Radwegebau
|
||
zwischen den Gemeinden und
|
||
überregionale Verbindungen sollen
|
||
deshalb Landesaufgabe werden.
|
||
Die Bewilligung von Fördermitteln
|
||
für den Straßenbau wollen
|
||
wir an die Bedingung knüpfen,
|
||
Rad- und Fußwege auszubauen.
|
||
Im Frühjahr 2021 hat das Land einen
|
||
Radwegeplan vorgelegt, der schnelles
|
||
und sicheres Radfahren in und
|
||
zwischen den Gemeinden
|
||
ermöglichen und das Umland mit
|
||
den Städten verbinden soll.
|
||
Er ist Grundlage für Planung und Bau
|
||
der Radwege und soll bis spätestens
|
||
2030 umgesetzt werden. Dies wollen
|
||
wir durch eine Erhöhung der Landes-
|
||
fördermittel und zusätzliche Planungs-
|
||
stellen beschleunigen. Radschnellwege
|
||
|
||
--- PAGE 54 ---
|
||
54
|
||
und Fahrradstraßen wollen wir dadurch
|
||
systematisch ausbauen.
|
||
Das Förderprogramm für Lastenräder
|
||
wird ausgebaut und Stellplatzsatzungen
|
||
werden zukünftig sichere Fahrrad-
|
||
abstellplätze berücksichtigen.
|
||
Carsharing soll erleichtert und
|
||
gefördert werden, wobei das
|
||
stationsgebundene Carsharing
|
||
bevorzugt wird.
|
||
Keine neuen Autobahnen
|
||
Sachsen-Anhalt ist durch seine
|
||
zentrale Lage Transitland. Der damit
|
||
verbundene Ausbau immer neuer
|
||
Verkehrsadern führt zu erheblichen
|
||
Einschnitten in das Landschaftsbild
|
||
und zu Eingriffen in die natürliche
|
||
Umwelt. DIE LINKE respektiert
|
||
getroffene Entscheidungen zum
|
||
Ausbau zentraler Verkehrswege, setzt
|
||
aber in der Verkehrspolitik andere
|
||
Prioritäten. Wir setzen uns dafür ein,
|
||
Transparenz und
|
||
Bürger:innenbeteiligung bei allen
|
||
Bauprojekten von Landes-, Bundes-
|
||
und Kommunalstraßen deutlich
|
||
zu verbessern. Dazu ist es auch
|
||
erforderlich, den Landesstraßen-
|
||
baubetrieb nach der Ausgliederung
|
||
der Bundesauftragsverwaltung in die
|
||
Infrastrukturgesellschaft des Bundes
|
||
finanziell und personell zu stärken.
|
||
Bisher fehlen die Planungskapazitäten
|
||
für den nötigen Ausbau und die
|
||
Sanierung der Rad- und Fußwege.
|
||
DIE LINKE wird bei der planerischen
|
||
Gestaltung der Verkehrswege den
|
||
gewachsenen Mobilitätsbedürfnissen
|
||
Rechnung tragen.
|
||
Flughafenpolitik
|
||
Das Nacht-Logistikdrehkreuz am
|
||
Flughafen Leipzig/Halle erfüllt wegen
|
||
extrem belastender Arbeitsbedingungen
|
||
und gesundheitsschädigendem Nacht-
|
||
fluglärm nicht unsere Anforderungen
|
||
an gute Arbeit und an ökologische und
|
||
volkswirtschaftliche Nachhaltigkeit.
|
||
Deshalb fordert DIE LINKE Sachsen-
|
||
Anhalt ein Nachtflugverbot und spricht
|
||
sich gegen weitere Pläne zum Ausbau
|
||
des Flughafens aus. Zudem setzen wir
|
||
uns für bessere Arbeitsbedingungen
|
||
am Flughafen und für mehr Lärm-
|
||
schutzmaßnahmen zugunsten der
|
||
betroffenen Anwohner:innen ein.
|
||
Eine militärische Nutzung des Flug-
|
||
hafens lehnen wir nachdrücklich ab.
|
||
Für die Entwicklung regionaler
|
||
Verkehrsflughäfen mit Landesmitteln
|
||
sehen wir keine Notwendigkeit.
|
||
Stadtentwicklung und Wohnen:
|
||
Bezahlbar, familienfreundlich
|
||
und altersgerecht
|
||
Beim Stadtumbau haben wir schon
|
||
viel erreicht, aber wir dürfen da nicht
|
||
stehen bleiben. Das Erreichte ist zu
|
||
sichern und wo es noch Investitions-
|
||
bedarf gibt, muss der Weg fortgesetzt
|
||
werden. Die Erhaltung der erreichten
|
||
Standards im Wohnungsbau,
|
||
die technischen Ausstattungen und
|
||
die zugehörigen Ver- und Entsorgungs-
|
||
leistungen sind dauerhaft für alle
|
||
bezahlbar zu garantieren.
|
||
Eine hohe Wohnqualität darf für
|
||
Mieter:innen oder Genossen-
|
||
schaftler:innen nicht zu sozialen
|
||
Härten führen. Spekulanten dürfen
|
||
hier nicht weiter die Preise treiben.
|
||
Das gilt auch für Grundstücks-
|
||
eigner:innen, bei denen Grund-
|
||
steuern, Beiträge, Energie, Wasser
|
||
und Entsorgungsleistungen nicht zur
|
||
Armutsfalle werden dürfen.
|
||
Wir wollen vor allem innovative und
|
||
alternative Wohnkonzepte fördern.
|
||
Dazu zählen zum Beispiel Mehr-
|
||
generationenhäuser, gemeinnützige
|
||
|
||
--- PAGE 55 ---
|
||
55
|
||
Wohngemeinschaften oder Formen
|
||
betreuten Wohnens, in denen die
|
||
Generationen voneinander lernen und
|
||
sich gegenseitig helfen können. Auch
|
||
notwendige Umzugsassistenz könnte
|
||
solche Wohnformen unterstützen und
|
||
eine Belebung des ländlichen Raumes
|
||
fördern. Plattenbauten aus DDR-Zeiten
|
||
sollen durch Aufwertung und
|
||
Geschossrückbau attraktiver werden.
|
||
DIE LINKE will eine Wohnungsbau-
|
||
förderung, die vorrangig auf
|
||
energetische Sanierung, bedarfsge-
|
||
rechte Ertüchtigung, Barrierefreiheit
|
||
sowie auf Ausbau statt Neubau setzt.
|
||
Lediglich in großen Städten sehen wir
|
||
einen Bedarf für moderaten Neubau
|
||
und Verdichtung. Eine Zersiedelung
|
||
durch Neubauten am Stadtrand und
|
||
auf der grünen Wiese lehnen wir ab.
|
||
Wir fordern und unterstützen das
|
||
Bauen mit alternativen Baustoffen
|
||
wie Holz, Stroh oder Lehm.
|
||
Gegen steigende Mieten,
|
||
für sozialen Wohnungsbau
|
||
In Städten wie Halle und Magdeburg
|
||
gibt es eine Verdrängung einkommens-
|
||
schwacher Haushalte aus guten Wohn-
|
||
lagen in weniger attraktive Wohn-
|
||
gebiete. Die schmale Rente älterer
|
||
Menschen kann immer weniger mit
|
||
steigenden Mieten mithalten.
|
||
Es werden mehr altersgerechte
|
||
Wohnungen gebraucht. Wenn das
|
||
bestehende Mietrecht nicht ausreicht,
|
||
um steigende Mieten zu dämpfen, sind
|
||
regionale Mietendeckel zu erproben.
|
||
Wir wollen gutes und energiesparen-
|
||
des Wohnen auch für Menschen mit
|
||
geringen finanziellen Ressourcen
|
||
gewährleisten, modern und inmitten
|
||
des gemeindlichen Lebens.
|
||
DIE LINKE fordert daher die unbefristete
|
||
Fortsetzung von Städtebau- und sozialer
|
||
Wohnraumförderung im bisherigen
|
||
Umfang. Damit Kommunen hier
|
||
angemessen mitwirken können, ist
|
||
deren Finanzausstattung dauerhaft zu
|
||
sichern. In Verantwortung der CDU
|
||
bleibt der soziale Wohnungsbau in
|
||
Sachsen-Anhalt weiterhin auf der
|
||
Strecke, obwohl der Bund dafür
|
||
30 Millionen Euro zur Verfügung
|
||
gestellt hat. Die zur Verfügung
|
||
stehenden Mittel verfallen jedoch,
|
||
weil die Landesregierung die Fertig-
|
||
stellung der zwingend erforderlichen
|
||
Richtlinie bisher nicht zustande
|
||
gebracht hat. Die Haseloff-Regierung
|
||
verkennt das Problem von fehlendem
|
||
bezahlbarem Wohnraum im Land,
|
||
besonders in den Zentren.
|
||
Die bisherige Wohnungsbauförderung
|
||
ist nicht geeignet, bezahlbares
|
||
Wohnen auch in attraktiven Lagen für
|
||
Geringverdienende abzusichern.
|
||
Zugleich soll neben der Schaffung
|
||
bedarfsgerechter, energieeffizienter
|
||
und bezahlbarer Wohnungen auch
|
||
eine vom Land (zwischen)finanzierte
|
||
Anschlusslösung für Altschulden
|
||
geleistet werden.
|
||
Förderung der kommunalen
|
||
und genossenschaftlichen
|
||
Wohnungswirtschaft
|
||
Die kommunalen und genossenschaft-
|
||
lichen Wohnungsunternehmen müssen
|
||
die Möglichkeit haben, ihre finanzielle
|
||
Situation verlässlich und stabil zu
|
||
gestalten. Dazu ist u. a. der bisherige
|
||
zielgenaue und bedarfs-gerechte
|
||
Einsatz von rückzahlbaren Förder-
|
||
mitteln für die Schaffung von alters-
|
||
gerechtem, barrierefreiem und
|
||
energieeffizientem Wohnraum zu
|
||
überprüfen.
|
||
Die Rückläufe aus dem Landesanteil
|
||
früherer Förderungen sollen weiterhin
|
||
zweckgebunden dem Wohnraum-
|
||
|
||
--- PAGE 56 ---
|
||
56
|
||
förderfonds und der Förderung
|
||
für Umbaumaßnahmen, Schulden-
|
||
entlastung, Wiederertüchtigung von
|
||
Leerstand zufließen. Die Finanzhilfen
|
||
des Bundes für die bestehenden
|
||
Wohnungsbauförderprogramme sind
|
||
langfristig zu vereinbaren, um
|
||
Planungssicherheit zu gewährleisten.
|
||
Die Rahmenbedingungen für eine
|
||
erfolgreiche Fortführung des Stadt-
|
||
umbaus gilt es zu verbessern. Die
|
||
neuen Förderziele sollen klimaneutra-
|
||
le und barrierefreie Quartiere fördern.
|
||
Der Stadtumbau mit öffentlicher
|
||
Beteiligung zur Quartiersentwicklung
|
||
ist gemeinsam mit starken kommunalen
|
||
und genossenschaftlichen sowie
|
||
privaten Wohnungseigentümer:innen
|
||
und öffentlichen Verwaltungen
|
||
fortzuführen. Damit können teurer
|
||
Wohnungsleerstand und Schrott-
|
||
immobilien verringert oder bedarfs-
|
||
gerecht ertüchtigt werden und sozial
|
||
verträgliche Miet- und Wohnkosten
|
||
erhalten bleiben.
|
||
Wie wir den Erhalt
|
||
von Kleingärten fördern wollen
|
||
Kleingärten sind unverzichtbar für das
|
||
soziale Miteinander und als kosten-
|
||
günstige Erholungsmöglichkeit.
|
||
In der Corona-Pandemie haben sich
|
||
die Kleingärten als perfekter
|
||
Rückzugs- und Ausgleichsort bewährt.
|
||
Auch unter dem Aspekt des Klima-
|
||
wandels verdienen Kleingärtner:innen
|
||
mehr Wertschätzung für ihre vielfälti-
|
||
gen Beiträge zur Reduzierung von
|
||
CO2. Kleingärten binden Schadstoffe,
|
||
sorgen für Verschattung, Abkühlung
|
||
und dienen als Wasserspeicher sowie
|
||
Rückzugsort für zahlreiche Arten.
|
||
Leerstand und Umnutzungen zu
|
||
Bauland bedrohen jedoch den Bestand.
|
||
Im Jahre 2018 waren von den 110.000
|
||
Kleingärten in Sachsen-Anhalt über
|
||
20.000 ungenutzt. Wir wollen den
|
||
Bestand der Kleingartenanlagen
|
||
erhalten, wofür es jedoch notwendig
|
||
ist, dass Land und Kommunen den
|
||
Generationswechsel in den Klein-
|
||
gartenanlagen aktiv befördern.
|
||
Kultur: Kreativ und
|
||
solidarisch
|
||
Kunst und Kultur sind fundamental
|
||
für den Zusammenhalt unserer
|
||
Gesellschaft, denn sie befähigen zu
|
||
Empathie, Toleranz und kritischem
|
||
Denken. Linke Kulturpolitik will
|
||
Wegbereiterin einer emanzipierten
|
||
Kunst- und Kulturszene sein.
|
||
Sachsen-Anhalt braucht die
|
||
Künstler:innen und Kreativen in
|
||
Theatern, Museen, Galerien,
|
||
Bibliotheken, Soziokulturellen
|
||
Zentren, in Clubs und Projekten als
|
||
Vermittler zwischen den Generationen,
|
||
zwischen Vergangenem und Gegen-
|
||
wärtigem, als Korrektiv und als
|
||
Unterhaltungsfaktor. Denn nur Kunst
|
||
und Kultur vermögen Antworten auf
|
||
die Fragen, wo wir herkommen und
|
||
wie wir leben wollen, auf eine Weise zu
|
||
geben, die unser Innerstes berühren.
|
||
Der Bedrohung der Corona-Folgen für
|
||
Kunst und Kultur begegnen
|
||
Die aktuelle Krise zeigt die Anfälligkeit
|
||
des Kulturfördersystems in drastischer
|
||
Weise, potenziert bereits vorhandene
|
||
Probleme und reißt neue Lücken.
|
||
Die Soforthilfeprogramme müssen
|
||
deutlich aufgestockt und von
|
||
unsinnigen bürokratischen Hürden
|
||
befreit werden. Nur so können die
|
||
Betroffenen auch tatsächlich erreicht
|
||
und auskömmlich unterstützt und
|
||
der ansonsten drohende Verlust
|
||
künstlerischer und kultureller Vielfalt
|
||
in Sachsen-Anhalt verhindert werden.
|
||
Dazu zählt auch, die Kommunen in der
|
||
|
||
--- PAGE 57 ---
|
||
57
|
||
Krise finanziell so zu stärken, dass
|
||
die kommunale Kulturförderung nicht
|
||
der Konsolidierung der Haushalte
|
||
geopfert wird.
|
||
Warum sich die staatliche
|
||
Kulturförderung ändern muss
|
||
Die Praxis der staatlichen Kultur-
|
||
förderung in Sachsen-Anhalt fällt
|
||
durch Bevormundung, Inkompetenz
|
||
und Desinteresse an künstlerischen
|
||
Produktionsweisen auf. Im 30. Jahr
|
||
der deutschen Einheit werden in
|
||
Sachsen-Anhalt Künstler:innen
|
||
gegängelt und öffentlich bloßgestellt.
|
||
Das Landesverwaltungsamt behindert
|
||
durch eine engstirnige Förderpraxis
|
||
Vielfalt und Kreativität. Wir wollen
|
||
die Kulturförderung grundlegend
|
||
reformieren. Dazu gehören eine
|
||
ausgewogene Förderung zwischen
|
||
Freier Szene und Kulturinstitutionen,
|
||
die Etablierung von überjährigen
|
||
Förderungen, Konzeptförderungen,
|
||
Vollfinanzierungen, die Flexibilisierung
|
||
der Förderung sowie die Vereinfa-
|
||
chung der Rahmenbedingungen für
|
||
Zuwendungen. Die Kulturförderung
|
||
des Landes braucht einen transparent
|
||
arbeitenden künstlerischen Beirat, der
|
||
über inhaltliche Schwerpunkte der
|
||
Förderung mitbestimmt und bei
|
||
Personalentscheidungen berät.
|
||
Für Vielfalt und Freiheit
|
||
der Kunst- und Kulturszene
|
||
Die kontroverse Auseinandersetzung
|
||
mit dem Publikum wohnt
|
||
künstlerischem Handeln inne.
|
||
Kulturelle Angebote, ästhetische
|
||
Experimente, ein Mehr an Kunst und
|
||
offene Räume sind in der Lage,
|
||
»Filterblasen« zu durchdringen und
|
||
Empathie herzustellen. Der direkte
|
||
Kontakt mit Kunst und Kultur, das
|
||
Erleben und die Auseinandersetzung
|
||
damit können einen schrittweisen
|
||
Wandel im Denken erreichen und
|
||
so auf der Ebene des Erlebten der
|
||
zunehmenden Spaltung der
|
||
Gesellschaft entgegenwirken.
|
||
Das passiert nicht von heute auf
|
||
morgen. Deshalb geht eine
|
||
nachhaltige kulturelle Infrastruktur
|
||
vor reine Projektarbeit und
|
||
aktionistischen Formate.
|
||
DIE LINKE unterstützt Kunst- und
|
||
Kulturschaffende in und abseits der
|
||
Städte dabei, in den Dialog mit
|
||
Bürger:innen zu treten, indem wir
|
||
Soziokulturelle Zentren stärken und
|
||
Kunst und Kulturschaffen auch im
|
||
ländlichen Raum ermöglichen wollen.
|
||
Tarifgerechte Entlohnung
|
||
im Kulturbereich
|
||
DIE LINKE setzt sich für gute,
|
||
existenzsichernde Arbeit im Kultur-
|
||
bereich ein. Künstler:innen sollen von
|
||
ihrer Arbeit leben können und müssen
|
||
sozial abgesichert sein. Eine flächen-
|
||
deckende Tarifausstattung der im
|
||
Landesauftrag tätigen Einrichtungen
|
||
sowie die Einhaltung von Honorar-
|
||
untergrenzen sind Bestandteil linker
|
||
Kulturpolitik.
|
||
Kunst und Kultur gegen rechten
|
||
Populismus verteidigen
|
||
Rechter Populismus polemisiert gegen
|
||
die Freiheit und Vielfalt der Kunst.
|
||
Museen, Theater, Literaturhäuser,
|
||
Gedenkstätten und Kultureinrichtungen
|
||
stehen als Bastionen gegen die
|
||
rechte Umdeutung und Vereinnah-
|
||
mung von Geschichte und Kultur
|
||
in Sachsen-Anhalt.
|
||
DIE LINKE unterstützt die Kunst-
|
||
und Kulturschaffenden und
|
||
Kulturinstitutionen gegen Angriffe
|
||
von rechts und fördert deren
|
||
Solidarisierung untereinander.
|
||
|
||
--- PAGE 58 ---
|
||
58
|
||
Kulturelle Bildung ist mehr
|
||
Die Vermittlung, die Schaffung von
|
||
Zugängen und die damit verbundene
|
||
frühzeitige Heranführung an Kunst
|
||
und Kultur sind Auftrag für alle
|
||
Kultureinrichtungen im Land und
|
||
wesentliche Bestandteile der Förder-
|
||
maßnahmen. Alle Menschen müssen
|
||
die Möglichkeit zur Teilhabe am
|
||
kulturellen Leben und dem kulturellen
|
||
Reichtum dieser Gesellschaft haben,
|
||
um einen kontinuierlichen, lebenslan-
|
||
gen Lernprozess und eine umfassende
|
||
Persönlichkeitsentwicklung zu
|
||
ermöglichen.
|
||
Schule muss sich weiter öffnen.
|
||
DIE LINKE will non-formale und
|
||
informelle Bildung besser mit dem
|
||
formalen Bildungssystem verbinden.
|
||
Wir wollen deshalb Kooperationen
|
||
von Kultureinrichtungen
|
||
unterschiedlichster Sparten sowie den
|
||
Austausch von Kultureinrichtungen
|
||
mit den Schulen befördern.
|
||
Um diese Verzahnung langfristig zu
|
||
sichern, muss kulturelle Bildung
|
||
grundsätzlich als Querschnittsaufgabe
|
||
zwischen Kultur-, Bildungs- und
|
||
Sozialministerium verstanden werden.
|
||
Darüber hinaus wollen wir Konzepte
|
||
zur Digitalisierung in der kulturellen
|
||
Bildung befördern und die Kulturein-
|
||
richtungen bei Angeboten kultureller
|
||
Bildung unterstützen.
|
||
Musikschulen sind ein Herzstück des
|
||
Musiklandes Sachsen-Anhalt
|
||
Musikschulen sind wichtige Partner
|
||
für die Gestaltung kultureller
|
||
Infrastruktur. Die 20 staatlich
|
||
anerkannten Musikschulen mit ihren
|
||
landesweit 231 Unterrichtsorten
|
||
gehören zur kulturellen Daseinsvor-
|
||
sorge. Die Qualitäts- und Leistungs-
|
||
standards, festgeschrieben im Musik-
|
||
schulgesetz, welches von uns bereits
|
||
in den 90er Jahren erfolgreich initiiert
|
||
wurde, gelten bundesweit als muster-
|
||
haft und ermöglichen jedem Bürger
|
||
und jeder Bürgerin unabhängig vom
|
||
Geldbeutel eine musikalische
|
||
Ausbildung. DIE LINKE wird aber die
|
||
seit über 20 Jahren stagnierende
|
||
Landesförderung deutlich erhöhen
|
||
und das Land stärker an der Finanzie-
|
||
rung der Musikschulen beteiligen und
|
||
so die Angebote öffentlicher Musik-
|
||
schulen dauerhaft für die gesamte
|
||
Bevölkerung zugänglich erhalten.
|
||
Novellierung des
|
||
Bibliotheksgesetzes
|
||
Öffentliche Bibliotheken sind Orte
|
||
lebenslangen Lernens, der kulturellen
|
||
Betätigung, der Kommunikation und
|
||
des interkulturellen Austausches. Sie
|
||
sind darüber hinaus zentrale Bildungs-
|
||
partner formaler, non-formaler und
|
||
informeller Bildungsangebote sowie
|
||
von Einrichtungen der Kultur und
|
||
Wissenschaft in Sachsen-Anhalt.
|
||
Öffentliche Bibliotheken müssen
|
||
langfristig gestärkt werden, um ein
|
||
weiteres Bibliothekssterben, dem seit
|
||
1991 drei Viertel aller öffentlichen
|
||
Bibliotheken zum Opfer gefallen sind,
|
||
zu stoppen. DIE LINKE hat bereits eine
|
||
Novellierung des Bibliotheksgesetzes
|
||
vorgelegt, die auf eine grundsätzlich
|
||
kostenfreie Nutzung des Bücher- und
|
||
Medienbestandes durch Kinder und
|
||
Jugendliche und auf eine langfristige
|
||
Bestands- und Qualitätssicherung,
|
||
u. a. durch eine angemessene sächliche
|
||
und Personalausstattung sowie
|
||
ausreichende Medienetats abzielt.
|
||
Theater muss sein –
|
||
Theater und Orchester stärken
|
||
Die Stadttheater in Sachsen-Anhalt
|
||
wirken in den urbanen und sozialen
|
||
|
||
--- PAGE 59 ---
|
||
59
|
||
Raum. Unsere Theaterlandschaft
|
||
werden wir durch eine verlässliche
|
||
und ausreichende Landesförderung
|
||
im Rahmen der Theatervertrags-
|
||
verhandlungen sichern.
|
||
Ein Sparzwang geht immer auf Kosten
|
||
künstlerischer Qualität und zulasten
|
||
der Arbeitsbedingungen an den
|
||
Bühnen. Wir wollen weg von der
|
||
Selbstausbeutung insbesondere beim
|
||
künstlerischen Personal. Neben der
|
||
Bestärkung des Auftrages an die
|
||
Theater, junges Publikum durch
|
||
theaterpädagogische Angebote zu
|
||
erreichen, möchte DIE LINKE ver-
|
||
stärkt Netzwerke und Kooperationen
|
||
von Theaterhäusern unterstützen.
|
||
Museen und Sammlungen –
|
||
Stärkung regionaler
|
||
Herzstücke
|
||
DIE LINKE setzt sich dafür ein, die
|
||
Museumslandschaft inhaltlich zu
|
||
entwickeln, nachhaltig zu stabilisieren
|
||
und langfristig zu professionalisieren.
|
||
Für DIE LINKE sind Museen und
|
||
Sammlungen, unabhängig ihrer
|
||
Trägerschaft, von besonderem
|
||
Landesinteresse, die die für Sachsen-
|
||
Anhalt prägenden Entwicklungen
|
||
aufarbeiten und von hoher regionaler
|
||
Bedeutung sind. Diese wollen wir mit
|
||
Landes-mitteln unterstützen.
|
||
Verlässliche Förderung
|
||
des Sports
|
||
Regelmäßige Bewegung ist für eine
|
||
altersgerechte Entwicklung von
|
||
Kindern und Jugendlichen eine
|
||
unabdingbare Voraussetzung.
|
||
Hier haben die Maßnahmen zur
|
||
Eindämmung der Corona-Pandemie
|
||
und der damit über Monate ausfallende
|
||
regelmäßige Sportunterricht zu
|
||
gravierenden Einschnitten geführt.
|
||
Aber auch die Vereinsstrukturen und
|
||
die Mitgliederentwicklung sind davon
|
||
betroffen. Gemeinsam mit dem
|
||
Landessportbund werden wir die
|
||
Folgen analysieren und nach
|
||
wirksamen Lösungen suchen.
|
||
Der Breiten-, Behinderten- und
|
||
Leistungssport braucht zur Umsetzung
|
||
seiner Aufgaben eine kontinuierliche
|
||
und verlässliche Finanzierung.
|
||
Die unentgeltliche Nutzung der
|
||
Sportstätten wollen wir beibehalten.
|
||
Die pauschale Sportförderung für
|
||
Vereine, Kreis- und Stadtsportbünde
|
||
sowie für Landesfachverbände
|
||
werden wir fortführen,
|
||
ihren Umfang erweitern und ihre
|
||
Umsetzung in die Verantwortung des
|
||
Landessportbundes geben.
|
||
Wir setzen uns für den Erhalt und den
|
||
Ausbau der Sportinfrastruktur des
|
||
Landes und der Kommunen ein.
|
||
Der Zugang zum Sport soll für jede
|
||
und jeden möglich sein.
|
||
Mit einem »Haus des Sports« in Halle
|
||
soll der Vereinsservice eine solide
|
||
Basis erhalten.
|
||
Erfolgreiche Projekte, wie z. B.
|
||
die Talentsichtung und -förderung,
|
||
werden fortgeführt.
|
||
Die Vereine werden wir in ihrem
|
||
Digitalisierungsprozess und beim
|
||
Aufbau von e-Sport-Gruppen unter-
|
||
stützen.
|
||
Damit Themen wie Inklusion,
|
||
Integration, Projekte gegen extreme
|
||
Rechte und Gleichstellung im Sport,
|
||
aber auch die Aufarbeitung von Fällen
|
||
sexuellen Missbrauchs angemessen
|
||
bearbeitet werden können, sind die
|
||
Voraussetzungen für den Einsatz dafür
|
||
qualifizierter Mitarbeiter:innen zu
|
||
schaffen. Ebenso werden wir die
|
||
Aus- und Fortbildung von Übungs-
|
||
leiter:innen und Trainer:innen fördern.
|
||
|
||
--- PAGE 60 ---
|
||
60
|
||
Queeres Sachsen-Anhalt:
|
||
Diskriminierung überwinden
|
||
Wir wollen, dass die Diskriminierung
|
||
von Menschen aufgrund ihrer
|
||
sexuellen Identität überwunden wird
|
||
und wollen deswegen auf Bundesebene
|
||
auf eine entsprechende Änderung des
|
||
Grundgesetzes hinwirken.
|
||
Der Diskriminierungsschutz für
|
||
Lesben, Schwule, Bisexuelle, transge-
|
||
schlechtliche und intergeschlechtli-
|
||
che Menschen (LSBTI*) soll im
|
||
Allgemeinen Gleichbehandlungs-
|
||
gesetz (AGG) verankert werden.
|
||
Wir unterstützen die Forderung des
|
||
LSVD nach einem Verbandsklagerecht
|
||
für Antidiskriminierungsverbände.
|
||
Geschlechtsangleichende Operationen
|
||
bei intergeschlechtlichen Kindern
|
||
sollten gesetzlich verboten werden.
|
||
Das Transsexuellengesetz wollen wir
|
||
durch ein modernes Geschlechtsiden-
|
||
titätsgesetz ersetzen, damit die
|
||
Änderung des Vornamens sowie des
|
||
rechtlichen Geschlechts problemlos
|
||
beim Standesamt möglich ist.
|
||
Wir werden die Umsetzung des neuen
|
||
Adoptionshilfegesetzes kritisch
|
||
begleiten und prüfen, inwiefern im
|
||
Zuge dessen Diskriminierungstat-
|
||
bestände gegenüber Regenbogen-
|
||
familien erfüllt sind.
|
||
Auf Landesebene muss das »Aktions-
|
||
programm für die Akzeptanz von
|
||
LSBTI*« in einem Dialogprozess mit
|
||
den im Land aktiven Verbänden, die
|
||
sich für deren Interessen einsetzen,
|
||
fortgeschrieben und an die aktuellen
|
||
Entwicklungen angepasst werden.
|
||
Die Förderung der LSBTI*-Landes-
|
||
koordinierungsstellen ist fortzusetzen
|
||
sowie die sich ergänzende fachliche
|
||
Profilierung und deren Weiterentwick-
|
||
lung zu stärken. Der Lockdown hat
|
||
auch die Beratungs- und Szenestruk-
|
||
turen von LSBTI* getroffen. Wir setzen
|
||
uns dafür ein, den Beratungsstellen
|
||
auch unter Pandemiebedingungen
|
||
eine niedrigschwellige und sichere
|
||
Arbeit zu ermöglichen.
|
||
Hierbei dürfen der ländliche Raum und
|
||
auch die Situation von Senior:innen
|
||
nicht vergessen werden.
|
||
Gewalt gegen LSBTI*
|
||
Noch immer werden nicht alle
|
||
Straftaten von Opfern sexualisierter
|
||
Gewalt angezeigt – aus Scham, Angst
|
||
oder anderen Gründen. Zugleich gibt
|
||
es Probleme bei der Erfassung ent-
|
||
sprechender Delikte durch die Polizei.
|
||
Wir fordern ein Bund-Länderprogramm
|
||
gegen homo- und transphobe Gewalt,
|
||
das zum einen Präventionsstrategien
|
||
beinhaltet und zum anderen eine
|
||
Reform des polizeilichen Erfassungs-
|
||
systems, um Straftaten klar zuordnen
|
||
zu können, sowie eine jährliche
|
||
Berichtspflicht. Es bedarf einer
|
||
gesetzlichen Regelung im SOG LSA
|
||
zum Wahlrecht von Trans* und Inter*
|
||
bei polizeilichen körperlichen
|
||
Durchsuchungsmaßnahmen.
|
||
Der Titel der Ansprechperson bei
|
||
Polizeidienststellen in Sachsen-Anhalt
|
||
muss in »LSBTI*« geändert werden.
|
||
Asylsuchende LSBTI*
|
||
Wir setzen uns dafür ein, dass Basis-
|
||
informationen über die Situation und
|
||
Probleme von asylsuchenden
|
||
LSBTI* für die Behörden bereitgestellt
|
||
werden. Ferner fordern wir die Schaf-
|
||
V. Vielfalt braucht Solidarität
|
||
|
||
--- PAGE 61 ---
|
||
61
|
||
fung von sozialpädagogisch betreuten
|
||
Schutzräumen für LSBTI* ab Beginn
|
||
der Anerkennungsphase als Flüchtling
|
||
und die Etablierung einer queeren
|
||
Geflüchtetenhilfe.
|
||
Geschlechtergerechte Bildung weiter
|
||
voranbringen
|
||
Queere Lebensweisen müssen
|
||
verbindlich in die Curricula der
|
||
Erzieherinnen- und Lehrkräfte-
|
||
ausbildung aufgenommen werden,
|
||
um diese als verbindlichen Bestandteil
|
||
des Unterrichts zu verankern.
|
||
Darüber hinaus muss die geschlecht-
|
||
liche Vielfalt in Fachlehrplänen und
|
||
Unterrichtsmaterialien berücksichtigt
|
||
werden. Das Kompetenzzentrum
|
||
geschlechtergerechte Kinder- und
|
||
Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e. V. soll
|
||
weiterhin institutionell gefördert
|
||
werden. Die Entwicklung eines
|
||
Medienkoffers für Kitas und Grund-
|
||
schulen in Sachsen-Anhalt ist ein
|
||
guter und richtiger Schritt hin zu einer
|
||
geschlechtergerechten Bildung,
|
||
jedoch kann dies nur der Anfang sein.
|
||
Die Finanzierung des Medienkoffers
|
||
muss daher verstetigt werden.
|
||
Auch für die weiterführende Bildung
|
||
zu geschlechtlicher und sexueller
|
||
Vielfalt sollen bedarfsgerechte
|
||
fachliche Angebote vom Land
|
||
gefördert werden.
|
||
Integration statt
|
||
Abschottung
|
||
Wir leben in einer Welt, in der nach
|
||
Angaben der UN 80 Millionen Men-
|
||
schen auf der Flucht sind.
|
||
Ohne die Überwindung der wichtigsten
|
||
Fluchtursachen, die in einer ausbeute-
|
||
rischen und ungerechten Weltwirt-
|
||
schaftsordnung, Umweltzerstörung,
|
||
völkerrechtswidrigen Angriffskriegen
|
||
und politischer, sexistischer und
|
||
rassistischer Unterdrückung
|
||
bestehen, wird es weiter Flucht und
|
||
Vertreibung geben.
|
||
Die Notwendigkeit der Bekämpfung
|
||
von Fluchtursachen darf niemals
|
||
Ausrede dafür sein, Menschen in Not
|
||
Hilfe zu verweigern. Obwohl nur ein
|
||
Bruchteil der Geflüchteten nach
|
||
Europa gelangt, setzt die EU auf
|
||
Abschottung ohne Erbarmen.
|
||
Seit 2014 sind nach Schätzungen von
|
||
Hilfsorganisationen mehr als 20.000
|
||
Menschen im Mittelmeer ertrunken.
|
||
Ungezählt bleiben diejenigen, die
|
||
auf den Fluchtrouten verhungert,
|
||
verdurstet oder aus anderen Gründen
|
||
zu Tode gekommen sind. In dieser
|
||
Situation setzt die EU auf Tränengas,
|
||
Gewalt gegen Kinder, Knüppeleinsätze
|
||
und Schüsse an der griechisch-
|
||
türkischen Grenze, duldet Überfälle
|
||
und das Ausrauben von Geflüchteten
|
||
auf den Fluchtrouten. Die Brände im
|
||
Lager Moria auf Lesbos im September
|
||
2020 hätte es ohne diese absichtliche
|
||
europäische Hilfsverweigerung nicht
|
||
gegeben. Wir setzen uns aus den
|
||
genannten Gründen für einen
|
||
Paradigmenwechsel in der deutschen
|
||
und europäischen Asyl- und Flücht-
|
||
lingspolitik ein, um den Bedürfnissen
|
||
von Schutzsuchenden endlich
|
||
Rechnung zu tragen. Die illegale
|
||
Zurückführung von Geflüchteten
|
||
hinter die EU-Außengrenzen werden
|
||
wir bekämpfen.
|
||
Im Unterschied zu zahlreichen
|
||
EU-Staaten hat sich Deutschland
|
||
2015 seiner humanitären
|
||
Verantwortung, in großem Umfang
|
||
Menschen in Not aufzunehmen,
|
||
gestellt.
|
||
Dies sollte jedoch den Blick auf
|
||
zahlreiche Missstände im Umgang mit
|
||
den Geflüchteten nicht verstellen.
|
||
|
||
--- PAGE 62 ---
|
||
62
|
||
DIE LINKE begreift es als ihre Aufgabe,
|
||
diesen Missständen entgegenzutreten.
|
||
Menschenrechte sind universell; für
|
||
ihre Einhaltung wollen wir Verantwor-
|
||
tung übernehmen. Mit der Pandemie
|
||
hat sich die Situation der Geflüchteten
|
||
noch einmal verschärft. Geflüchtete
|
||
haben sich in hoher Zahl infiziert, weil
|
||
sie in zentralen Unterbringungsein-
|
||
richtungen keine Möglichkeit hatten,
|
||
die Sicherheitsabstände einzuhalten.
|
||
Wie wir die
|
||
Lage von Geflüchteten
|
||
verbessern wollen
|
||
Wir fordern ein Landesaufnahme-
|
||
programm für aus Seenot Gerettete,
|
||
das das Anliegen der »Sichere-Häfen-
|
||
Beschlüsse« der Städte Halle und
|
||
Magdeburg aufgreift.
|
||
Sachsen-Anhalt soll eine Vorbildrolle
|
||
bei der Aufnahme von Geflüchteten
|
||
einnehmen, was sich insbesondere
|
||
in dem Aufnahmekontingent sowie
|
||
einer hohen Integrationsleistung
|
||
widerspiegeln soll. Mit diesem guten
|
||
Beispiel wollen wir sowohl im Bund als
|
||
auch in der EU ein Zeichen der
|
||
Solidarität setzen.
|
||
Wir halten eine dezentrale Unterbrin-
|
||
gung in Wohnungen als Regelaufnahme
|
||
für den besten Weg der Integration.
|
||
Soweit eine vorläufige Unterbringung
|
||
in größeren Wohneinheiten unver-
|
||
meidlich ist, wollen wir verbindliche
|
||
Standards festschreiben. Kindern und
|
||
Jugendlichen muss so umgehend wie
|
||
möglich der Regelunterricht an
|
||
Schulen ermöglicht werden.
|
||
Wir begrüßen es, dass endlich erste
|
||
Verbesserungen bei der Aufnahme
|
||
sogenannter vulnerabler Personen-
|
||
gruppen gemäß EU-Recht eingeleitet
|
||
wurden. Denn von sexueller Gewalt
|
||
betroffene Mädchen und Frauen,
|
||
Opfer von Menschenhandel,
|
||
Schwangere, LSBTI-Personen, allein
|
||
reisende Minderjährige, Menschen
|
||
mit Beeinträchtigungen sowie Kranke
|
||
brauchen unseren besonderen Schutz,
|
||
doch mangelt es noch immer sowohl
|
||
an der praktischen Umsetzung als
|
||
auch an ausreichenden Kapazitäten
|
||
(Beratungsangebote, Gewaltschutz-
|
||
räume u. a.). Wir wollen
|
||
Asylsuchenden ermöglichen,
|
||
ihren Wohnsitz innerhalb Sachsen-
|
||
Anhalts frei zu wählen.
|
||
Wir wollen eine elektronische
|
||
Gesundheitskarte zur Gesundheits-
|
||
versorgung von Geflüchteten mittels
|
||
Rahmenvertrag zwischen Land und
|
||
Krankenkassen einführen. Dies dient
|
||
dem Abbau von Diskriminierung beim
|
||
Zugang zur ärztlichen Versorgung und
|
||
entlastet zudem die Behörden, in
|
||
denen bislang nicht-medizinisches
|
||
Personal Entscheidungen über die
|
||
Notwendigkeit der Versorgung fällt.
|
||
Ferner treten wir für anonymisierte
|
||
Krankenscheine analog der Regelun-
|
||
gen in Thüringen oder Hessen ein.
|
||
Damit sorgen wir für eine Gesund-
|
||
heitsversorgung illegalisierter Personen
|
||
und für Menschen ohne gesetzlichen
|
||
Krankenversicherungsschutz.
|
||
Unter den Bedingungen der Pandemie
|
||
ist dies ein Gebot der Stunde.
|
||
Wie wir die Integration
|
||
verbessern wollen
|
||
Aufbau eines neuen Integrationskon-
|
||
zeptes. Integrationspolitik begreifen
|
||
wir nicht als Ordnungspolitik, sondern
|
||
als zentrale Frage gesellschaftlicher
|
||
Entwicklung. Wir wollen hierfür die
|
||
Funktion der/des Integrationsbeauf-
|
||
tragten ausbauen und all jene in der
|
||
Zivilgesellschaft stärken, die sich
|
||
couragiert für eine Willkommenskultur
|
||
im Land einsetzen. Das Landesnetz-
|
||
werk der Migrantenorganisationen
|
||
|
||
--- PAGE 63 ---
|
||
63
|
||
(LAMSA) und der Flüchtlingsrat, die
|
||
Kirchen, antirassistische Initiativen,
|
||
Bürgervereine und Einzelpersonen
|
||
leisten eine unverzichtbare Arbeit;
|
||
oftmals in einem rechtlichen und
|
||
bürokratischen Spannungsfeld.
|
||
Gemeinsam mit Gemeinden, Städten
|
||
und Landkreisen, Flüchtlings- und
|
||
Wohlfahrtsverbänden wollen wir ein
|
||
Aufnahme- und Integrationskonzept
|
||
entwickeln. Sowohl der Flüchtlingsrat
|
||
als auch die LAMSA brauchen eine
|
||
angemessene institutionelle
|
||
Grund-förderung, um unabhängig von
|
||
Projektförderung zu sein, die diese
|
||
wichtige Arbeit dann nur noch
|
||
ergänzend unterstützen soll.
|
||
Änderung des Landesaufnahme-
|
||
gesetzes: Wir wollen die fachlich
|
||
zuständigen Verwaltungsstellen in
|
||
den Kommunen in einer Servicestelle
|
||
Einwanderung zusammenfassen.
|
||
Interkulturelle Fachkompetenzen,
|
||
behördliche Zuständigkeiten und
|
||
Informationen über Beratungs- und
|
||
Unterstützungsangebote sollen
|
||
gebündelt und Migrant:innen der
|
||
Behördenmarathon erspart werden.
|
||
Eine zweite Clearingstelle zusätzlich
|
||
zu der in Magdeburg wollen wir im
|
||
Süden des Landes einrichten,
|
||
denn unbegleitete minderjährige
|
||
Geflüchtete brauchen unseren
|
||
besonderen Schutz.
|
||
Wir treten für Erleichterungen bei der
|
||
Einbürgerung ein. Dazu gehört
|
||
einerseits, sich auf Ebene des
|
||
Bundes für eine Reform des
|
||
Staatsangehörigkeitsgesetzes
|
||
einzusetzen. Andererseits sollten auf
|
||
Landesebene eine spielraumnutzende
|
||
Durchführungsverordnung und
|
||
entsprechende Weiterbildungs-
|
||
angebote die Entscheidungspraxis in
|
||
den Kommunen verbessern und
|
||
vereinheitlichen.
|
||
Was für die schulische Förderung von
|
||
Migrant:innen zu tun ist
|
||
Wir wollen das in der 6. Wahlperiode
|
||
erfolgreich eingeführte System von
|
||
Sprachlehrkräften wiederbeleben und
|
||
bedarfsgerecht ausbauen, um
|
||
Schulen besser zu befähigen, die
|
||
kulturelle Vielfalt, die Schüler:innen
|
||
mit Migrationserfahrungen in die
|
||
Bildungseinrichtungen einbringen,
|
||
verstehen und wertschätzen zu
|
||
lernen. Das kann auch durch Lehr-
|
||
kräfte mit Migrationserfahrung
|
||
geschehen. Wir werden die Hürden für
|
||
ihre Einstellung senken und für eine
|
||
bessere Bezahlung sorgen.
|
||
Abschiebung und soziale
|
||
Diskriminierung überwinden
|
||
Viele weitere zentrale Weichen der
|
||
Asyl- und Zuwanderungspolitik
|
||
werden bundespolitisch gestellt.
|
||
Die kritischen Forderungen der
|
||
Länder an die Migrations- und
|
||
Asylpolitik des Bundes, die sie in den
|
||
letzten Jahren im Bundesrat gestellt
|
||
haben, wurden durch den Bund
|
||
ignoriert. Wir wissen uns in Überein-
|
||
stimmung mit PRO ASYL und anderen
|
||
Menschenrechtsorganisationen, wenn
|
||
wir uns für die Abschaffung des
|
||
diskriminierenden Asylbewerberleis-
|
||
tungsgesetzes einsetzen.
|
||
Wir kritisieren die Abschiebungspraxis
|
||
und die Abschiebedebatten in
|
||
unserem Land. Abschiebung ist weder
|
||
eine Strafe noch ein Instrument der
|
||
Integrationspolitik. Notwendig sind
|
||
Winterabschiebestopps, Abschiebe-
|
||
stopp in (Bürger-)Kriegsländer, der
|
||
gänzliche Verzicht auf Abschiebehaft,
|
||
umfassende Einzelfallprüfung von
|
||
Abschiebehindernissen, die Öffnung
|
||
der Härtefallkommission auch für
|
||
Menschen im Dublin-Verfahren, die
|
||
Orientierung am Kindeswohl und die
|
||
|
||
--- PAGE 64 ---
|
||
64
|
||
Verhinderung der Familientrennung
|
||
oder auch die Geltendmachung von
|
||
Landesinteressen, z. B. in Fällen von in
|
||
Ausbildung bzw. Arbeit befindlichen
|
||
Personen.
|
||
Sachsen-Anhalt barrierefrei
|
||
Niemand darf wegen seiner Behinde-
|
||
rung benachteiligt werden – so will es
|
||
das Grundgesetz. Und Menschen mit
|
||
Behinderungen wollen selbstbestimmt
|
||
leben wie nichtbehinderte Menschen
|
||
auch. Inklusion heißt die gleichberech-
|
||
tigte Teilhabe von Menschen mit Beein-
|
||
trächtigungen in den Schulen, Kitas, in
|
||
Beruf und Studium, in Politik, Kunst,
|
||
Kultur, Freizeit und Sport, im ÖPNV
|
||
und beim Wohnen. Alle Barrieren, die
|
||
die Teilhabe verhindern, müssen fallen.
|
||
Für DIE LINKE ist die UN-Behinderten-
|
||
rechtskonvention hierbei das Leitbild.
|
||
Deswegen sollte die Förderung von
|
||
Investitionen verbindlich an Barriere-
|
||
freiheit gebunden werden.
|
||
Solidarität in der Pandemie
|
||
Die Versorgung und Teilhabe von
|
||
Menschen mit Beeinträchtigungen
|
||
muss auch in Zeiten von Pandemien
|
||
gesichert sein – unabhängig von der
|
||
Hilfe durch Familie und Freunde.
|
||
Auch Beschäftigte in geschützten
|
||
Werkstätten sind im Falle eines
|
||
Lockdowns von Verdienstausfällen
|
||
betroffen. Menschen mit Erwerbs-
|
||
minderungsrenten, für die der Verdienst
|
||
in der Werkstatt anrechnungsfrei ist,
|
||
sind auf diesen unbedingt angewiesen.
|
||
Für Werkstattbeschäftigte müssen
|
||
Ersatzleistungen geschaffen werden.
|
||
Interessenvertretungen in
|
||
Gesetzgebung einbinden
|
||
Durch eine Änderung des Behinderten-
|
||
gleichstellungsgesetzes Sachsen-Anhalt
|
||
sollen mindestens zwei Drittel der
|
||
Mitglieder des Landesbehinderten-
|
||
beirates ein Spektrum von Menschen
|
||
mit unterschiedlichen Behinderungen
|
||
in einem ausgewogenen Verhältnis
|
||
von Frauen und Männern zueinander
|
||
abbilden. Im Hinblick auf die Umset-
|
||
zung des Bundesteilhabegesetzes
|
||
wollen wir die Rechte der kommunalen
|
||
Behindertenbeauftragten, des/der
|
||
Landesbehindertenbeauftragten
|
||
sowie der Betroffenenverbände
|
||
stärken. Bei Gesetzgebungs- und
|
||
Verordnungsvorhaben sowie bei
|
||
Verwaltungsvorschriften sollen die/
|
||
der Beauftragte und der Beirat einge-
|
||
bunden werden. Ihnen müssen die
|
||
Mitarbeit sowie eine umfassende
|
||
Stellungnahme ermöglicht werden.
|
||
Wir fordern hauptamtliche kommunale
|
||
Behindertenbeauftragte für Landkreise
|
||
und kreisfreie Städte. Kostenträger ist
|
||
das Land. Das gilt ebenso im Hinblick
|
||
auf Schulungen und Weiterbildungs-
|
||
maßnahmen.
|
||
Das Blinden- und
|
||
Gehörlosengeld erhöhen
|
||
Die besonderen Aufwendungen, die
|
||
den Betroffenen entstehen, können
|
||
mit den derzeitigen Beträgen (360 Euro
|
||
Blindengeld und 52 Euro Gehörlosen-
|
||
geld) kaum gedeckt werden.
|
||
Allein die Kosten von Gebärdensprach-
|
||
dolmetscher:innen sind mit diesem
|
||
Betrag nicht zu stemmen.
|
||
Barrierefreiheit
|
||
Barrierefreiheit betrifft alle Lebensbe-
|
||
reiche: von der baulichen Gestaltung
|
||
von Straßen und Wohnungen bis zu
|
||
Wegweisern in leichter Sprache. Wir
|
||
wollen flächendeckend einen barriere-
|
||
freien ÖPNV und ein bedarfsgerechtes
|
||
und bezahlbares Wohnungsangebot
|
||
ohne Barrieren. Die Arbeit der Landes-
|
||
|
||
--- PAGE 65 ---
|
||
65
|
||
fachstelle für Barrierefreiheit verdient
|
||
hohe Wertschätzung und wird von uns
|
||
auch künftig unterstützt.
|
||
Teilhabe am
|
||
Arbeitsmarkt
|
||
Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt 17
|
||
Inklusionsbetriebe, also Einrichtungen,
|
||
in denen mindestens 30 Prozent
|
||
der Mitarbeiter:innen eine geistige
|
||
und/oder körperliche Beeinträchtigung
|
||
aufweisen. Inklusionsbetriebe
|
||
sind wichtig für den Übergang von
|
||
Menschen mit Beeinträchtigungen aus
|
||
den geschützten Werkstätten auf den
|
||
allgemeinen Arbeitsmarkt. Deswegen
|
||
muss das Land diese Betriebsmodelle
|
||
unterstützen, z. B. durch die Vergabe
|
||
von Aufträgen der öffentlichen Hand.
|
||
VI. Demokratie, die wir meinen
|
||
Bürger:innenbeteiligung
|
||
und Volksgesetzgebung in
|
||
Schwung bringen
|
||
Beteiligung und Mitarbeit der Menschen
|
||
an den politischen Gestaltungsprozes-
|
||
sen sind im Land bisher nur schwach
|
||
entwickelt, weil die rechtlichen
|
||
Grundlagen für eine aktive Mitwirkung
|
||
nicht ausreichen. Die bestehenden
|
||
Regelungen, um sich außerhalb von
|
||
Wahlen einbringen zu können, sind für
|
||
die Initiatoren oft entmutigend – das
|
||
zuletzt gescheiterte Volksbegehren,
|
||
aber auch die Fülle an erfolglosen
|
||
Bürgerbegehren sind nachdrückliche
|
||
Belege dafür. Das wollen wir ändern.
|
||
Demokratie stärken
|
||
Wahlen sind wichtiger Bestandteil
|
||
unserer repräsentativen Demokratie,
|
||
für die die verbreitete Parteien- und
|
||
Politikverdrossenheit ein großes
|
||
Problem darstellt. Ursachen dafür
|
||
sind in der Enttäuschung vieler
|
||
Menschen über nicht eingehaltene
|
||
Versprechen zu sehen und in einer
|
||
Politik, die sich immer mehr vom
|
||
Leben der Menschen entfernt und
|
||
vorrangig auf die großen Lobbygruppen
|
||
hört, welche das Handeln der Regie-
|
||
renden bestimmen. Auf der anderen
|
||
Seite aber wächst durchaus auch
|
||
die Bereitschaft, sich politisch zu
|
||
engagieren. Nicht zuletzt zeigt die
|
||
Fridays For Future-Bewegung, dass
|
||
junge Menschen sehr wohl/durchaus
|
||
auf Politik Einfluss nehmen wollen,
|
||
geht es doch schließlich um ihre
|
||
Zukunft. Wir wollen durch eigenes
|
||
Handeln und durch staatliche Initiati-
|
||
ven das Vertrauen der Menschen in
|
||
die Politik wieder stärken. Durch ein
|
||
Herabsetzen des aktiven Wahlalters
|
||
auf 14 Jahre und ein kommunales
|
||
aktives Wahlrecht für Migrant:innen
|
||
wollen wir mehr Menschen an der
|
||
Demokratie beteiligen und ihnen er-
|
||
möglichen, ihr Umfeld mitzugestalten.
|
||
Direkte Demokratie beleben
|
||
DIE LINKE will die Anwendung aller
|
||
Formen direkter Demokratie außer-
|
||
halb von Wahlen deutlich erleichtern
|
||
und erweitern. Dafür hatten wir in der
|
||
zurückliegenden Legislaturperiode
|
||
bereits umfassende Änderungen
|
||
zum Volksabstimmungsgesetz und
|
||
zum Kommunalverfassungsgesetz
|
||
eingebracht. Einige Teile davon
|
||
wurden umgesetzt, aber nur sehr
|
||
verzagt.Das reicht uns nicht.
|
||
|
||
--- PAGE 66 ---
|
||
66
|
||
Bei Volksinitiativen, Volksbegehren
|
||
und Volksentscheiden wollen wir,
|
||
dass die Quoren zum Teil weiter
|
||
abgesenkt werden. Vor allem aber
|
||
wollen wir die Bedingungen für die
|
||
Initiator:innen, diese Quoren auch
|
||
erreichen zu können, durchgreifend
|
||
verbessern. Darüber hinaus sollen
|
||
sich künftig Fachausschüsse des
|
||
Landtages mit Anliegen befassen,
|
||
wenn dies mindestens 1.000
|
||
Einwohner:innen fordern (neues
|
||
Element: die Einwohnerinitiative).
|
||
Wir wollen die Zustimmungsquoren
|
||
für Einwohneranträge auf maximal ein
|
||
Prozent der stimmberechtigten
|
||
Einwohner:innen, für Bürgerbegehren
|
||
auf maximal fünf Prozent der wahl-
|
||
berechtigten Bürger:innen senken.
|
||
Auch das Quorum für den Bürger-
|
||
entscheid ist zukünftig abzusenken.
|
||
Petitionsrecht
|
||
im Landtag stärken
|
||
Petitionen sind ein praktischer Beweis
|
||
dafür, dass Menschen mitreden und
|
||
mitentscheiden wollen. Deshalb
|
||
wollen wir das Petitionsrecht stärken.
|
||
Petitionen an den Landtag sollen
|
||
künftig auch online als Öffentliche
|
||
Petitionen gestellt und mitgezeichnet
|
||
werden können. Der Petitionsaus-
|
||
schuss soll in den Regionen Bürger-
|
||
sprechstunden anbieten, und über
|
||
eine öffentliche Petitionsplattform
|
||
sollen Austausch und Diskussion
|
||
sowie die Mitzeichnung von Bitten und
|
||
Beschwerden ermöglicht werden.
|
||
Entscheidungen
|
||
auf Kommunen verlagern
|
||
DIE LINKE setzt sich für eine Stärkung
|
||
der lokalen Gemeinwesen ein.
|
||
Deshalb müssen die Gebietsreformen
|
||
seit 2007 (Landkreise und Gemeinden)
|
||
evaluiert werden. Die Funktional-
|
||
reform muss erneut angepackt
|
||
werden, denn das Versprechen,
|
||
mit den Gebietsreformen den
|
||
Kommunen mehr Entscheidungs-
|
||
befugnisse zu geben, blieb unerfüllt.
|
||
Ehrenamt wertschätzen und
|
||
systematisch unterstützen
|
||
Bürgerschaftliches Engagement ist
|
||
eine tragende Säule unseres Gemein-
|
||
wesens, das als individueller Beitrag
|
||
oder organisiert in zahlreichen
|
||
Vereinen und Initiativen, Freiwilligen-
|
||
agenturen, Nachbarschaftshilfen,
|
||
Verbänden in Sport, Kultur, Land-
|
||
schaftspflege usw. einen unschätz-
|
||
baren Beitrag für den kulturellen
|
||
Reichtum und den sozialen Zusam-
|
||
menhalt in unserem Land leistet.
|
||
Die Ehrenamtler:innen machen das
|
||
meist unentgeltlich oder erhalten
|
||
geringe Aufwandsentschädigungen.
|
||
Sie können diese Arbeit aber nur
|
||
leisten, wenn ihnen nicht nur die
|
||
Auslagen für ihre Arbeit ersetzt
|
||
werden, sondern sie auch die Unter-
|
||
stützung des Gemeinwesens durch
|
||
hauptamtliche Mitarbeiter:innen
|
||
haben. Die spezifischen Herausforde-
|
||
rungen und Barrieren für Frauen in
|
||
Ehrenämtern sind uns bewusst und
|
||
wir setzen uns auf allen Ebenen für
|
||
eine Verbesserung ihrer Beteiligungs-
|
||
möglichkeiten ein.
|
||
DIE LINKE hat sich zum Ziel gesetzt,
|
||
das Ehrenamt und damit bürger-
|
||
schaftliches Engagement insgesamt
|
||
zu stärken und weiter-zuentwickeln.
|
||
Mit unserem »Gesetz zur Stärkung des
|
||
Ehrenamtes« fordern wir einen
|
||
Ehrenamtsfonds zur
|
||
Förderung einzelner Maßnahmen und
|
||
Projekte sowie ein Kommunalbudget
|
||
zur Schaffung von kommunalen
|
||
Strukturen zur Unterstützung des
|
||
bürgerschaftlichen Engagements.
|
||
|
||
--- PAGE 67 ---
|
||
67
|
||
Ehrenamtliche Mitglieder der
|
||
Vertretung (Fraktionen) sollen zudem
|
||
aus Haushaltsmitteln Zuwendungen
|
||
erhalten sowie eine angemessene
|
||
sächliche als auch personelle
|
||
Ausstattung.
|
||
Politische Bildung ausbauen
|
||
Die politische Bildungsarbeit in
|
||
Sachsen-Anhalt steht vor großen
|
||
Herausforderungen. Neben einer
|
||
grundlegenden Demokratiebildung
|
||
gewinnt die Auseinandersetzung
|
||
mit Rechtsextremismus und
|
||
Anti-semitismus, alten und neuen
|
||
Verschwörungstheorien an Bedeutung.
|
||
Veränderungen globalen, gesamt-
|
||
gesellschaftlichen oder lokalen
|
||
Ausmaßes wie der Klimawandel,
|
||
die Digitalisierung oder der Struktur-
|
||
wandel erfordern die Begleitung durch
|
||
die Institutionen der politischen
|
||
Bildung. Der ländliche Raum darf bei
|
||
politischen Bildungsangeboten nicht
|
||
vernachlässigt werden, und es sind
|
||
zugleich verstärkt Online-Angebote zu
|
||
entwickeln, um mehr junge Leute zu
|
||
erreichen. DIE LINKE hält vor dem
|
||
Hintergrund dieser Bedarfe eine
|
||
deutliche Erhöhung der Mittel für die
|
||
politische Bildungsarbeit für nötig.
|
||
Dies betrifft sowohl die Landes-
|
||
zentrale für politische Bildung als auch
|
||
die demokratischen politischen
|
||
Landesstiftungen in Sachsen-Anhalt
|
||
und die freien Träger zur Stärkung der
|
||
Zivilgesellschaft und der Demokratie.
|
||
Justiz: Bürgernah und gerecht
|
||
Die Leistungsfähigkeit der Gerichte
|
||
und Staatsanwaltschaften ist maßgeb-
|
||
lich für das Vertrauen der Menschen
|
||
in den Rechtsstaat. Doch in Sachsen-
|
||
Anhalts Gerichten stauen sich die
|
||
Verfahren. Die Neuzugänge steigen,
|
||
während die Abarbeitung von Altbe-
|
||
ständen nur schleppend vorangeht.
|
||
So betrug beispielsweise die durch-
|
||
schnittliche Verfahrensdauer erledigter
|
||
Klagen bei den Sozialgerichten im
|
||
Jahr 2019 ca. 17 bis 19 Monate. Beim
|
||
Landessozialgericht lag die durch-
|
||
schnittliche Verfahrenslaufzeit
|
||
erledigter Berufungen bei 21 Monaten.
|
||
Im Zeitraum von 2018 bis zum Stichtag
|
||
31.08.2020 sind noch immer
|
||
insgesamt 30.960 Verfahren anhängig.
|
||
An den Verwaltungsgerichten des
|
||
Landes liegt die durchschnittliche
|
||
Dauer der Verfahren mit 14,4 Monaten
|
||
erheblich über dem Bundesdurch-
|
||
schnitt von 2,8 Monaten. Mehrere
|
||
hundert Verfahren sind älter als zwei
|
||
oder drei Jahre. Insgesamt sind mehr
|
||
als 5.200 Verfahren anhängig, etwa
|
||
40 Prozent mehr als vor 2015.
|
||
Eine hohe Arbeitsbelastung mit vielen
|
||
Überstunden geht einher mit einem
|
||
hohen Krankenstand, der zudem seit
|
||
Jahren ansteigt, was eine Ursache für
|
||
überlange Verfahren ist. Gerade für
|
||
Menschen mit wenig Geld, die vor
|
||
Sozial- und Verwaltungsgerichten ihre
|
||
Ansprüche durchsetzen wollen, ist
|
||
dies sehr bedrückend. Für DIE LINKE
|
||
ist besonders wichtig: Rechtsschutz
|
||
darf nicht vom Geldbeutel abhängen.
|
||
Die Menschen müssen darauf vertrauen
|
||
können, dass der Zugang zur Recht-
|
||
sprechung nicht infolge fiskalischer
|
||
Barrieren und Sparmaßnahmen
|
||
begrenzt wird. Deshalb wenden wir
|
||
uns gegen Beschränkungen der
|
||
Beratungs-, Prozess- und Verfahrens-
|
||
kostenbeihilfen für die Bürger:innen.
|
||
Bürgernahe Justiz – Erhalt von
|
||
bürgernahen Gerichtsstandorten
|
||
Wir stehen für den Erhalt einer bürger-
|
||
nahen Gerichtsstandortstruktur sowie
|
||
einer bürgerfreundlichen Justiz.
|
||
|
||
--- PAGE 68 ---
|
||
68
|
||
Wir werden uns deshalb für den Ausbau
|
||
von bürgerorientierten Justizzentren
|
||
einsetzen. Die Grundversorgung der
|
||
Bürger:innen mit Justizdienstleistungen
|
||
über einen möglichst wohnortnahen
|
||
Zugang mittels Einzelgericht soll
|
||
verbessert werden. Wir unterstützen
|
||
die Erhaltung und Sanierung des
|
||
Landesgrundbucharchivs in Barby.
|
||
Was wir für mehr Richter:innen und
|
||
Staatsanwält:innen tun wollen
|
||
Sachsen-Anhalt hat eine ausreichende
|
||
Stellenausstattung mit Richter:innen
|
||
und Staatsanwält:innen, doch leider
|
||
nur auf dem Papier, denn das CDU-
|
||
Justizministerium betreibt die Neube-
|
||
setzung frei werdender Stellen nicht
|
||
im erforderlichen Maße. Gerichte und
|
||
Staatsanwaltschaften sind somit
|
||
gravierend personell unterausgestat-
|
||
tet. Um dem entgegenzutreten hat
|
||
DIE LINKE eine Personalstrategie für
|
||
ausreichende Neueinstellungen
|
||
erarbeitet, um aktuelle und künftige
|
||
Altersabgänge langfristig zu kompen-
|
||
sieren. Das Land muss für den
|
||
juristischen Nachwuchs attraktiver
|
||
werden und sich mehr um Arbeits-
|
||
zufriedenheit und die Bedingungen für
|
||
eine zuverlässige Lebens- und
|
||
Familienplanung kümmern.
|
||
Das beginnt mit einer konkurrenzfähi-
|
||
gen Werbung und guten Bedingungen
|
||
für die Richter:innen auf Probe.
|
||
Wir wollen eine Evaluation und
|
||
Modernisierung der Fort- und Weiter-
|
||
bildungen in der Justiz, darin einge-
|
||
schlossen eine partielle Fortbildungs-
|
||
pflicht unter Wahrung des Grundsatzes
|
||
der richterlichen Unabhängigkeit.
|
||
Nur eine digitalisierte Justiz
|
||
ist auch eine bürgernahe Justiz
|
||
Die Digitalisierung der Justiz ist unum-
|
||
kehrbar, denn bis 2026 sind in allen
|
||
Verfahrensarten elektronische Akten
|
||
einzuführen. Wir sehen darin eine
|
||
große Chance, Arbeitszeit einzusparen
|
||
und Verfahren zu beschleunigen.
|
||
Wir setzen uns dafür ein, dass die
|
||
Gerichte künftig Schriftsätze,
|
||
Unterlagen, Akten, Dokumente
|
||
elektronisch versenden und Video-
|
||
konferenzen noch häufiger als bisher
|
||
im Gerichtssaal abgehalten werden
|
||
können. Richter:innen müssen die
|
||
Möglichkeit erhalten, auch im Home-
|
||
office Zugriff auf benötigte Fach-
|
||
programme zu haben. Wir wollen
|
||
dafür sorgen, dass die Justiz ein
|
||
leistungsstarkes Datennetz sowie eine
|
||
moderne digitale Ausstattung erhält.
|
||
Wir wollen neue Schwerpunkt-
|
||
staatsanwaltschaften einrichten
|
||
Für die Verfolgung bestimmter schwer-
|
||
wiegender Strafsachen, einschließlich
|
||
deren Strafvollstreckung, wollen wir
|
||
Schwerpunktstaatsanwaltschaften mit
|
||
landesweiter Ermittlungsbefugnis
|
||
einrichten. Dies ist vor allem in den
|
||
Bereichen Rechtsextremismus und
|
||
Gewalt gegen Frauen nötig.
|
||
Sozial verträgliche Gerichts- und
|
||
Rechtsanwaltsgebühren
|
||
Der Zugang zu Gerichten und Einrich-
|
||
tungen der Justiz darf nicht durch
|
||
finanzielle Hürden erschwert oder
|
||
sogar unmöglich gemacht werden.
|
||
Im Bundesrat muss sich unser Land
|
||
für sozial verträgliche Gerichts- und
|
||
Rechtsanwaltsgebühren einsetzen.
|
||
Warum wir das Strafrecht
|
||
reformieren wollen
|
||
Die Handlungsfähigkeit des Rechts-
|
||
staates wird nicht durch eine stetige
|
||
Verschärfung des Strafrechts garan-
|
||
tiert. Sie darf nur dann zur Anwendung
|
||
|
||
--- PAGE 69 ---
|
||
69
|
||
kommen, wenn es unweigerlich er-
|
||
forderlich ist. Deswegen wollen wir
|
||
Straftatbestände wie das »Containern«
|
||
oder das »Schwarzfahren« abschaffen.
|
||
Auch der Gebrauch von Drogen
|
||
wie Cannabis sollte nicht weiter
|
||
kriminalisiert werden. Die zutiefst
|
||
frauenfeindliche Kriminalisierung der
|
||
Information über die Möglichkeit zu
|
||
Schwangerschaftsabbrüchen muss
|
||
schleunigst beendet werden.
|
||
All das würde zu einer Entlastung
|
||
bei Polizei, Staatsanwaltschaften
|
||
und Gerichten, die für die Verfolgung
|
||
schwerer Straftaten benötigt werden,
|
||
führen.
|
||
Was wir für die Entlastung der
|
||
Haftanstalten fordern
|
||
Wer eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzt,
|
||
tut dies in der Regel, weil er seine
|
||
Geldstrafe nicht bezahlen kann.
|
||
Mittels Bundesratsinitiative werden
|
||
wir uns für die Abschaffung der
|
||
Ersatzfreiheitsstrafe einsetzen.
|
||
Auf Landesebene wollen wir gemein-
|
||
nützige Projekte wie »Arbeit statt
|
||
Strafe« ausbauen, in denen die
|
||
Betroffenen ihre Geldstrafen abarbei-
|
||
ten können.
|
||
Mediation statt langer
|
||
Gerichtsverfahren
|
||
Bei Nachbarschaftskonflikten und
|
||
anderen Streitigkeiten plädieren
|
||
wir für Mediation als ein immer
|
||
häufiger eingesetztes Verfahren zur
|
||
einvernehmlichen Schlichtung von
|
||
Konflikten, womit auch Anwalts- und
|
||
Gerichtskosten gespart werden.
|
||
Wir setzen uns deshalb dafür ein,
|
||
dass im Bundesrat die Einführung
|
||
einer finanziellen Unterstützung für
|
||
Mediationen (Mediationshilfe)
|
||
vorangebracht wird.
|
||
Opferschutz und
|
||
Opferhilfe verbessern
|
||
Opfer einer Straftat zu werden ist ein
|
||
so erschütternder Einschnitt in das
|
||
persönliche Leben, dass oftmals noch
|
||
sehr lange danach Hilfen benötigt
|
||
werden, finanzieller, medizinischer
|
||
und/oder psychologischer Art.
|
||
Daher setzen wir uns für einen
|
||
Opferhilfefonds in Sachsen-Anhalt
|
||
ein. Es geht um unbürokratische Hilfe,
|
||
vor allem dann, wenn kein Geld aus
|
||
dem bundesweiten Opferentschädi-
|
||
gungsgesetz beansprucht werden
|
||
kann und der Anspruch gegenüber
|
||
dem Täter nicht durchsetzbar ist.
|
||
Die Landesregierung hat im Sommer
|
||
dieses Jahres die Stelle einer ehren-
|
||
amtlichen Opferbeauftragten einge-
|
||
richtet. Wir fordern jedoch die
|
||
Einrichtung einer Stelle eines:r
|
||
hauptamtlichen Landesopfer-
|
||
beauftragten, um die Unterstützung
|
||
von Opfern und deren Angehörigen
|
||
bestmöglich zu koordinieren sowie
|
||
die Akteure des Hilfesystems zu
|
||
vernetzen. Wir schlagen vor, dass die
|
||
Einnahmen aus Geldauflagen im
|
||
Rahmen von Strafverfahren stärker
|
||
Einrichtungen zugutekommen,
|
||
die Opferschutzarbeit leisten.
|
||
Opfer von Straftaten sollen kostenlose
|
||
Untersuchungen in den Opferschutz-
|
||
ambulanzen erhalten, weil sie eine
|
||
gerichtsverwertbare Dokumentation
|
||
ihrer Verletzungen benötigen.
|
||
Die in Halle und Magdeburg
|
||
bestehenden Opferschutzambulanzen
|
||
sind zu erhalten und auszubauen.
|
||
Haftvermeidung und
|
||
Täter-Opfer-Ausgleich
|
||
DIE LINKE unterstützt Projekte zur
|
||
Haftvermeidung durch frühzeitige
|
||
ambulante sozialpädagogische
|
||
Maßnahmen und Konfliktlösungen
|
||
|
||
--- PAGE 70 ---
|
||
70
|
||
außerhalb der Gerichte, wie den Täter-
|
||
Opfer-Ausgleich, der ein wichtiger
|
||
Baustein bei der Bewältigung der
|
||
Auswirkungen von Straftaten und für
|
||
eine langfristig wirksame Resozialisie-
|
||
rung von Straftäter:innen ist.
|
||
Im Mittelpunkt steht dabei die
|
||
Wiedergutmachung eines durch eine
|
||
Straftat entstandenen materiellen
|
||
und immateriellen Schadens.
|
||
Gerichte und Staatsanwaltschaften
|
||
sind in Sachsen-Anhalt dafür zu
|
||
sensibilisieren, alle Möglichkeiten des
|
||
Täter-Opfer-Ausgleichs in vollem
|
||
Umfang - vor allem im Jugendbereich
|
||
- zu nutzen. Weiterbildungen für
|
||
Richter:innen, Staatsanwält:innen
|
||
sowie Justizbedienstete sollen dieses
|
||
Vorhaben unterstützen.
|
||
Was getan werden muss, damit
|
||
Jugendliche nicht weiter auf die
|
||
schiefe Bahn geraten
|
||
Es gibt gute Gründe dafür, dass das
|
||
Jugendstrafrecht in wesentlichen
|
||
Grundsätzen vom allgemeinen
|
||
Strafrecht abweicht. Eine Jugend-
|
||
straftat soll in erster Linie durch
|
||
Erziehungsmaßregeln geahndet
|
||
werden. Im Bereich des Jugendstraf-
|
||
vollzugs lehnen wir kriminalpolitische
|
||
ad hoc-Entscheidungen und unver-
|
||
hältnismäßige, freiheitsentziehende
|
||
Maßnahmen, wie etwa den sogenann-
|
||
ten Warnschussarrest für Jugendliche
|
||
und heranwachsende
|
||
Straftäter:innen, kategorisch ab.
|
||
Wir sehen vielmehr Handlungsbedarf
|
||
an anderen Punkten. Um Chancen auf
|
||
ein zukünftiges straffreies Leben zu
|
||
erhöhen, muss der Jugendstrafvollzug
|
||
die Jugendlichen aus den Gefängnis-
|
||
strukturen und den dort herrschenden
|
||
Subkulturen herauslösen. Deshalb
|
||
wollen wir eine Modelleinrichtung
|
||
»Strafvollzug in freien Formen«.
|
||
Straffällige Jugendliche sollen in
|
||
Wohngruppen an alltäglichen Problem-
|
||
lösungen beteiligt werden, um die
|
||
soziale Verantwortung zu stärken.
|
||
Um schneller auf Jugendkriminalität
|
||
reagieren zu können, streben wir die
|
||
Errichtung von Häusern des Jugend-
|
||
rechts an. Sie dienen der behörden-
|
||
übergreifenden Zusammenarbeit bei
|
||
Straftaten von Kindern, Jugendlichen
|
||
und Heranwachsenden. Die Häuser
|
||
sollen kurze Informationswege
|
||
zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft,
|
||
Jugendgerichtshilfe, Gerichten sowie
|
||
freien Trägern unter einem Dach
|
||
bieten. Damit soll eine schnelle und
|
||
individuell zugeschnittene Reaktion
|
||
auf straffälliges Verhalten erfolgen.
|
||
Dagegen sprechen wir dem Jugendar-
|
||
rest eine überzeugende erzieherische
|
||
Wirkung ab. Zwischen Tat und
|
||
Ahndung liegen regelmäßig längere
|
||
Zeiträume und die Rückfallquote ist
|
||
relativ hoch. Die erforderliche
|
||
intensive Betreuung durch Fach-
|
||
personal kann nicht ausreichend
|
||
gewährleistet werden. Solange jedoch
|
||
für die Abschaffung des Jugendarrests
|
||
keine rechtlichen Grundlagen auf
|
||
Bundesebene existieren, hat der
|
||
Vollzug des Jugendarrests mit einem
|
||
reformierten Landesgesetz in einer
|
||
modernen Jugendarrestanstalt in
|
||
Sachsen-Anhalt zu erfolgen. Auch
|
||
Schulschwänzer:innen gehören nicht
|
||
in den Jugendarrest. Wegsperren ist
|
||
aus erzieherischer Sicht ungeeignet,
|
||
nicht zielführend und untauglich.
|
||
Straftäter:innen
|
||
resozialisieren
|
||
Strafvollzug heißt resozialisieren und
|
||
nicht einfach wegsperren. Nur wer
|
||
eine positive Perspektive für die
|
||
Zeit nach der Haftentlassung hat,
|
||
hat einen Anreiz, dauerhaft ein
|
||
straffreies Leben zu führen.
|
||
Daher ist ein professionelles Über-
|
||
|
||
--- PAGE 71 ---
|
||
71
|
||
gangsmanagement einzuführen.
|
||
Damit sollen Gefangene und Haftent-
|
||
lassene individuell begleitet und
|
||
betreut werden. Für erfolgreiche
|
||
Resozialisierungsmaßnahmen bedarf
|
||
es einer ausreichenden Finanzierung,
|
||
aber vor allem muss der personellen
|
||
Unterbesetzung im Justizvollzug
|
||
entgegengewirkt werden.
|
||
DIE LINKE wird sich dafür einsetzen,
|
||
dass für die Gefangenen ausreichende
|
||
und gute Bildungs- und Qualifizierungs-
|
||
angebote sowie Arbeitsangebote im
|
||
Strafvollzug zur Verfügung gestellt
|
||
werden. Zu einem menschenwürdigen
|
||
Strafvollzug gehört außerdem,
|
||
dass die Arbeitsleistungen der Straf-
|
||
gefangenen in die gesetzliche Renten-
|
||
versicherung einbezogen werden.
|
||
Justizvollzugsstandorte
|
||
in Sachsen-Anhalt
|
||
DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass
|
||
die ab dem Jahr 2025 vorgeschriebene
|
||
Einzelunterbringung von Gefangenen
|
||
flächendeckend sichergestellt wird.
|
||
Die dafür notwendige Erweiterung der
|
||
Justizvollzugsanstalt Halle (Dessauer
|
||
Straße), deren bauliche Umsetzung
|
||
sowie die Finanzierung werden wir
|
||
kritisch begleiten. Eine Privatisierung
|
||
von Teilen des Strafvollzugs lehnen
|
||
wir strikt ab, ebenso die Privatisierung
|
||
von Tätigkeiten im Strafvollzug.
|
||
Unser Anspruch ist es, den offenen
|
||
Vollzug zu stärken und künftig zum
|
||
Regelvollzug auszugestalten.
|
||
Für eine effektive Arbeit der Ermitt-
|
||
lungsbehörden müssen die beiden
|
||
rechtsmedizinischen Standorte in
|
||
Magdeburg und Halle erhalten
|
||
bleiben. Ihr Erhalt ist ebenfalls
|
||
Voraussetzung dafür, eine generell
|
||
verpflichtende zweite Leichenschau
|
||
bei Erd- und Feuerbestattungen
|
||
realisieren zu können. Dazu bedarf es
|
||
einer generellen Reformierung des
|
||
Bestattungsrechts.
|
||
Inneres, Feuerwehren und
|
||
Bevölkerungsschutz
|
||
Eines der Grundbedürfnisse des Men-
|
||
schen ist es, sicher leben und arbeiten
|
||
zu wollen. Das heißt vor allem, vor
|
||
Kriminalität geschützt zu werden
|
||
sowie vor Armut und Ausgrenzung,
|
||
aber auch vor unverhältnismäßigen
|
||
Eingriffen des Staates in das eigene
|
||
Leben. Wir wollen weg von einem auf
|
||
Law & Order reduzierten Sicherheits-
|
||
begriff, der vor allem auf Restriktion,
|
||
Abschreckung und Überwachung
|
||
setzt, hin zu einem umfassenden
|
||
Begriff von öffentlicher Sicherheit.
|
||
Wir stehen für eine Sicherheitspolitik,
|
||
die dort ansetzt, wo Menschen in
|
||
ihrem täglichen Erleben tatsächlich
|
||
mit Unsicherheiten zu kämpfen
|
||
haben. Der populistische Ruf nach
|
||
dem starken Staat kommt zwar im
|
||
Bereich der Sicherheit sehr laut aus
|
||
der CDU, zugleich wird der Staat da,
|
||
wo er konkret erlebbar ist, aber immer
|
||
weiter geschwächt. Wenn es um den
|
||
Schutz vor rassistischem und rechts-
|
||
extremem Terror geht, haben die
|
||
Sicherheitsbehörden regelmäßig
|
||
versagt. Zunehmende Cyberkriminalität,
|
||
internationaler Terrorismus und
|
||
Neonaziterror sowie eine zunehmende
|
||
Verrohung der Gesellschaft im
|
||
sozialen Nahbereich – das alles zählt
|
||
zu den zentralen innenpolitischen
|
||
Herausforderungen.
|
||
Polizei besser
|
||
aufstellen
|
||
Sachsen-Anhalt benötigt motivierte
|
||
und bürgernah agierende Polizist:in-
|
||
nen, die flächendeckend präsent
|
||
und einsatzbereit sind. CDU und SPD
|
||
haben in den letzten Jahren einen
|
||
|
||
--- PAGE 72 ---
|
||
72
|
||
unverantwortlichen Personalabbau
|
||
betrieben, der mittlerweile zu einem
|
||
Personalnotstand führt, der sowohl
|
||
zu Lasten von Polizist:innen als auch
|
||
eindeutig zu Lasten der Öffentlichen
|
||
Sicherheit geht.
|
||
Was DIE LINKE für Personal,
|
||
Bezahlung und Ausstattung
|
||
der Polizei tun will
|
||
Für DIE LINKE steht die Nachwuchs-
|
||
gewinnung bei der Polizei im Vorder-
|
||
grund. Die hohe Zahl von Altersab-
|
||
gängen bei der Polizei muss
|
||
kompensiert werden. Aus diesem
|
||
Grund sind die Anzahl von Neueinstel-
|
||
lungen, die Ausbildungskapazitäten
|
||
und -inhalte konsequent an künftige
|
||
Herausforderungen anzupassen.
|
||
Wir fordern eine vorausschauende
|
||
Personalplanung bei der Polizei, die
|
||
verlässlich und motivierend für die
|
||
Lebensplanung der Beamten:innen ist,
|
||
was eine moderne Polizeiausbildung,
|
||
die Reduzierung von Mehrarbeit und
|
||
Überstunden, gute Bezahlung und ein
|
||
wirksames Gesundheitsmanagement
|
||
einschließt.
|
||
Beförderungsstau
|
||
auflösen
|
||
Seit vielen Jahren warten Polizei-
|
||
beamt:innen in Sachsen-Anhalt
|
||
vergeblich auf ihre Beförderung,
|
||
obwohl sie beförderungsfähig sind.
|
||
DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass
|
||
dieser Beförderungsstau unverzüglich
|
||
abgearbeitet wird.
|
||
Hierzu bedarf es eines langfristigen,
|
||
jährlich fortzuschreibenden,
|
||
verlässlichen Beförderungskonzeptes.
|
||
Das Budget zur Finanzierung
|
||
muss so ausgestaltet sein, dass
|
||
es für alle beförderungsreifen Polizei-
|
||
beamt:innen hinreichend ist.
|
||
Polizeigebäude
|
||
sanieren
|
||
Marode polizeiliche Gebäude müssen
|
||
schnellstens saniert werden, um die
|
||
örtliche Unterbringungssituation und
|
||
infolgedessen die Arbeitsbedingungen
|
||
der Polizist:innen zu verbessern.
|
||
Die bauliche Situation der Polizei-
|
||
gebäude muss zur »Chefsache« in
|
||
der Landesregierung erklärt und
|
||
die diesbezüglichen Kompetenz-
|
||
schiebereien zwischen dem
|
||
Ministerium für Finanzen und dem
|
||
Ministerium für Inneres und Sport des
|
||
Landes müssen beendet werden.
|
||
Ausbildung, Fortbildung und
|
||
Qualitätssicherung
|
||
Eine Grundlage dafür, dass die Polizei
|
||
ihre Aufgaben verantwortungsvoll
|
||
erfüllen kann, ist eine fundierte
|
||
Ausbildung. Die polizeiliche Aus-
|
||
und Fortbildung muss deshalb in
|
||
hoher Qualität und mit ausreichend
|
||
personellen, räumlichen und
|
||
sächlichen Kapazitäten sichergestellt
|
||
werden. Um diskriminierende
|
||
polizeiliche Maßnahmen zu
|
||
verhindern, müssen Polizist:innen
|
||
bereits während der Ausbildung
|
||
entsprechend sensibilisiert und
|
||
Fortbildungen zu interkultureller
|
||
Kompetenz verbindlich werden.
|
||
Wir setzen uns dafür ein, dass die
|
||
Ausbildung für den Kriminalpolizei-
|
||
dienst über einen eigenständigen
|
||
Studiengang »Kriminalistik«
|
||
qualifiziert wird.
|
||
Sicherheit ist eine
|
||
öffentliche Aufgabe
|
||
Eine Verlagerung des staatlichen
|
||
Gewaltmonopols auf kommunale
|
||
Vollzugsbedienstete lehnen wir ab.
|
||
Erst recht lehnen wir die Übertragung
|
||
|
||
--- PAGE 73 ---
|
||
73
|
||
hoheitlicher Aufgaben auf private
|
||
Sicherheitsunternehmen vehement
|
||
ab. Ermittlungs- und Strafverfolgungs-
|
||
aufgaben gehören ausschließlich
|
||
in die Hände von öffentlichen
|
||
Bediensteten. Bürgerwehren oder
|
||
andere vergleichbare Strukturen, die
|
||
das Gewaltmonopol des Staates
|
||
infrage stellen, lehnen wir ab.
|
||
Aufklärung und Untersuchung
|
||
rechtsextremer und antisemitischer
|
||
Vorfälle in den Sicherheitsbehörden
|
||
In den letzten Jahren sorgten immer
|
||
wieder Enthüllungen über rechte
|
||
Netzwerke in Polizei und Bundeswehr,
|
||
unerlaubte Informationsweitergabe an
|
||
rechtsextreme Gruppen, Berichte
|
||
über Polizeigewalt und rechtswidrige
|
||
Maßnahmen aus rassistischen
|
||
Motiven für Erschütterung.
|
||
Auch in Sachsen-Anhalt wurden
|
||
antisemitische und rechtsextreme
|
||
Vorfälle in der Bereitschaftspolizei
|
||
bekannt, die aufgeklärt werden
|
||
müssen.
|
||
Wer Sicherheit will, muss auch eine
|
||
kritische Überprüfung polizeilichen
|
||
Handelns garantieren.
|
||
Der Aktionismus des Innenministers
|
||
kann die Versäumnisse der letzten
|
||
Jahre nicht aufwiegen.
|
||
Offensichtlich haben wir es mit einem
|
||
strukturellen Problem zu tun, das einer
|
||
unabhängigen Beschwerdestelle,
|
||
externer Ermittlungen und der
|
||
Zusammenarbeit mit nicht-staatlichen
|
||
Fachstellen bedarf, aber auch
|
||
einer anderen Haltung, mit der das
|
||
Innenministerium und damit die
|
||
Landespolizei geführt werden.
|
||
Hierfür bedarf es einer funktionieren-
|
||
den Fehlerkultur, wirksamer Strukturen
|
||
des Beschwerdemanagements, einer
|
||
kritischen Überprüfung der Verfasst-
|
||
heit der Sicherheits-behörden und
|
||
dienstrechtlicher Konsequenzen.
|
||
Diskriminierende
|
||
Strukturen abbauen
|
||
Strukturen, die zu diskriminierendem
|
||
Handeln der Sicherheitsbehörden
|
||
führen, müssen abgebaut werden.
|
||
Neben der verstärkten Sensibilisie-
|
||
rung und verbindlichen Aus- und
|
||
Fortbildungsmaßnahmen brauchen
|
||
wir auch eindeutige gesetzliche
|
||
Regelungen, die diskriminierende
|
||
Maßnahmen nicht nur (wie bisher)
|
||
abstrakt verbieten, sondern sie auch
|
||
effektiv verhindern.
|
||
Racial Profiling bei der Polizei muss
|
||
unterbunden werden. DIE LINKE wird
|
||
sich für die Erarbeitung einer umfas-
|
||
senden wissenschaftlichen Studie zu
|
||
Racial Profiling einsetzen, um auf
|
||
deren Grundlage strukturellen
|
||
Rassismus in der Polizei zu erkennen
|
||
und abzustellen.
|
||
Ein Versagen wie im Umgang mit den
|
||
Überlebenden des Anschlags vom
|
||
9. Oktober 2019 darf sich nicht
|
||
wiederholen. Betroffene rechter
|
||
Gewalt und rechten Terrors dürfen
|
||
nicht wie Verdächtige behandelt
|
||
werden, sondern müssen von den
|
||
involvierten staatlichen Stellen Schutz
|
||
und Unterstützung erfahren.
|
||
Demokratische Kontrolle der
|
||
Sicherheitsbehörden
|
||
Polizeiliches Handeln ist hoheitliches
|
||
Handeln. Das Gewaltmonopol des
|
||
Staates legitimiert sich nur durch die
|
||
besondere Bindung an Recht und
|
||
Gesetz und muss deshalb auch
|
||
besonderer Kontrolle unterliegen.
|
||
Die bereits eingeführte Kennzeich-
|
||
nungspflicht von uniformierten
|
||
Polizeibeamt:innen wollen wir beibe-
|
||
halten. Wir wollen sie mittels der
|
||
Einrichtung einer unabhängigen
|
||
|
||
--- PAGE 74 ---
|
||
74
|
||
Anlauf- und Beschwerdestelle sowohl
|
||
für Betroffene als auch für Angehörige
|
||
der Polizei zur Untersuchung
|
||
polizeilichen Fehlverhaltens – faktisch
|
||
losgelöst und unabhängig vom
|
||
Ministerium für Inneres und Sport –
|
||
stärken. Die parlamentarischen
|
||
Kontrollbefugnisse gegenüber den
|
||
Sicherheitsbehörden müssen deutlich
|
||
erweitert werden. Nazis, Rassisten
|
||
und Antisemiten müssen aus dem
|
||
Polizeidienst entfernt werden.
|
||
Wir wollen die
|
||
Verfassung schützen
|
||
Die Abteilung für Verfassungsschutz
|
||
im Ministerium für Inneres und Sport
|
||
hat nicht den Nachweis erbracht,
|
||
dass eine nachrichtendienstliche
|
||
Behörde ein geeignetes Frühwarn-
|
||
system vor Gefahren für unsere
|
||
Demokratie und unsere freie
|
||
Gesellschaft ist. Zudem entzieht
|
||
sie sich weitestgehend einer
|
||
parlamentarischen und vollständig
|
||
einer öffentlichen Kontrolle.
|
||
Daher bleiben wir bei unserer
|
||
Auffassung, dass die Abteilung für
|
||
Verfassungsschutz aufzulösen ist.
|
||
Zur Stärkung der demokratischen
|
||
Kultur wollen wir einerseits
|
||
Wissenschaft und Zivilgesellschaft
|
||
und andererseits die Polizei zur
|
||
Gefahrenabwehr weiter stärken und
|
||
unterstützen. Es soll wissenschaftlich
|
||
erforscht werden, was zur Förderung
|
||
einer demokratischen Kultur
|
||
erforderlich ist, und ein Erkenntnis-
|
||
transfer zwischen Wissenschaft,
|
||
Politik, Verwaltung und Zivilgesell-
|
||
schaft hergestellt werden.
|
||
Wir wollen langfristig Informations-
|
||
und Dokumentationsstellen in Bund
|
||
und Ländern etablieren, die neonazis-
|
||
tische, rassistische, antisemitische
|
||
und demokratiefeindliche Aktivitäten
|
||
und Einstellungen erfassen und
|
||
dokumentieren – wissenschaftlich
|
||
und transparent.
|
||
Für eine wirksame Terrorismus-
|
||
bekämpfung und Spionageabwehr
|
||
wollen wir das Personal beim Landes-
|
||
kriminalamt stärken, statt den
|
||
Geheimdienst mit zusätzlichem
|
||
Personal aufzublähen.
|
||
Eine der wichtigsten Aufgaben in den
|
||
nächsten Jahren wird es sein, den
|
||
Anschlag von Halle umfassend
|
||
aufzuarbeiten. Eine kritische Überprü-
|
||
fung polizeilichen Handelns und der
|
||
diesem zugrunde liegenden Gefähr-
|
||
dungsanalysen ist dafür unverzichtbar.
|
||
Versammlungsrecht
|
||
Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes
|
||
Verfassungsgut. Wir setzen uns deshalb
|
||
für ein demokratieförderndes und
|
||
grundrechtsbezogenes Versammlungs-
|
||
recht ein. Versammlungsbehörden
|
||
und Polizei haben zuallererst die
|
||
Pflicht, dieses verfassungsmäßige
|
||
Recht auf Versammlungsfreiheit zu
|
||
garantieren. Dieser Verantwortung
|
||
müssen die Versammlungsbehörden
|
||
und die Polizei gerecht werden und
|
||
Strategien der Deeskalation erarbeiten.
|
||
Staatliche Beschränkungen und
|
||
Auflagen für Versammlungen dürfen
|
||
nicht dazu führen, dass Versammlungen
|
||
erschwert und das Versammlungs-
|
||
recht willkürlich eingeschränkt wird.
|
||
Zugleich sehen wir, dass bei
|
||
Versammlungen zu rechten und
|
||
verschwörungstheoretischen Inhalten
|
||
immer wieder Auflagen verletzt
|
||
werden, Beobachtende und
|
||
Journalist:innen angegriffen und
|
||
strafrechtlich relevante Aussagen
|
||
getätigt werden können. Das ist
|
||
nicht hinnehmbar. Hier haben wir es
|
||
allerdings nicht mit einem Problem in
|
||
|
||
--- PAGE 75 ---
|
||
75
|
||
der Rechtslage zu tun, sondern mit
|
||
der fehlenden Durchsetzung geltenden
|
||
Rechts. Wir wollen dafür sorgen, dass
|
||
Versammlungsbehörden und Polizei
|
||
ihren Auftrag erfüllen und die Presse-
|
||
freiheit schützen, Straftaten, Übergriffe
|
||
und Auflagenverstöße als solche
|
||
erkennen und konsequent ahnden,
|
||
diese vollumfänglich dokumentieren,
|
||
rechtlich zutreffend analysieren und
|
||
vor allem: eingreifen, ahnden und
|
||
sanktionieren. Denn der Staat und
|
||
seine Behörden sind nicht neutral.
|
||
Sie sind der Demokratie verpflichtet.
|
||
Feuerwehr,
|
||
Rettungsdienst,
|
||
Katastrophenschutz
|
||
DIE LINKE bringt den Beschäftigten
|
||
der Feuerwehr, der Rettungsdienste
|
||
und des Katastrophenschutzes große
|
||
Wertschätzung entgegen. Wir fordern
|
||
mehr Anerkennung ihrer Leistungen
|
||
für unser aller Wohl im Haupt- und
|
||
Ehrenamt und finden, dass für
|
||
ehrenamtliche Tätigkeit Rentenpunkte
|
||
zur gesetzlichen Rente für die Teil-
|
||
nahme am aktiven Einsatzdienst bei
|
||
den freiwilligen Feuerwehren als
|
||
Anerkennung des Ehrenamtes wichtig
|
||
sind. Eine gute Jugendarbeit mit der
|
||
Nachwuchsförderung in Kinder- und
|
||
Jugendfeuerwehren und der Ausbau
|
||
von Entschädigungsmöglichkeiten
|
||
der freiwilligen Feuerwehren bilden
|
||
die Grundlage dafür. Die Forderung
|
||
nach dem Erlass einer Feuerwehr-
|
||
Entschädigungsverordnung, orientiert
|
||
am Thüringer Modell, unterstützen wir
|
||
ausdrücklich.
|
||
Wir fordern mehr Personal für das
|
||
Institut für Brand- und Katastrophen-
|
||
schutz Heyrothsberge und die
|
||
Förderung der Landesrettungs-
|
||
schule zur Gewährleistung einer
|
||
hochwertigen Ausbildung.
|
||
Für eine gute ehrenamtliche Arbeit ist
|
||
die Kommunikation auf allen Ebenen
|
||
wichtig, die ist jedoch oftmals nicht
|
||
gegeben. Daher beantragten wir
|
||
bereits die Einrichtung eines Landes-
|
||
beirates für Brandschutz, Hilfeleistung
|
||
und Katastrophenschutz.
|
||
Leider wurde dieser bis heute nicht
|
||
eingerichtet, wir bleiben dran.
|
||
Gesundheit ist auch bei den ehren-
|
||
amtlichen Helfer:innen ein hohes Gut.
|
||
Daher ist es uns wichtig, einen
|
||
verbesserten Schutz der
|
||
Kamerad:innen bei Einsätzen zu
|
||
gewährleisten. Eine Reform der
|
||
Feuerwehrunfallkasse in Sachsen-
|
||
Anhalt ist unbedingt notwendig.
|
||
Im Vordergrund stehen hierbei die
|
||
Anpassung an aktuelle Anforderun-
|
||
gen, eine verbesserte Anerkennung
|
||
von Unfällen im aktiven Einsatzdienst
|
||
der Feuerwehren und eine Verbesse-
|
||
rung bei der Traumabewältigung
|
||
(Krisenintervention) für schwere
|
||
Einsätze der freiwilligen Feuerwehren
|
||
und des Rettungsdienstes.
|
||
Finanziell ist dies durch die Auszahlung
|
||
von 90 Prozent der Einnahmen der
|
||
Feuerschutzsteuer an die Städte und
|
||
Gemeinden zweckgebunden für den
|
||
Brandschutz abzusichern. Eine aus
|
||
Spargesichtspunkten betriebene
|
||
Zentralisierung der Rettungsleitstellen
|
||
im Land lehnen wir ab.
|
||
Das Kostenerstattungssystem für
|
||
Feuerwehren und Rettungsdienste
|
||
muss vereinfacht werden.
|
||
Antifaschistische Politik
|
||
Seit dem Frühjahr 2020 hat unsere
|
||
Landesverfassung eine Antifaschis-
|
||
musklausel.
|
||
Gemäß Artikel 37a ist es »Verpflichtung
|
||
aller staatlichen Gewalt und Verant-
|
||
wortung jedes Einzelnen, eine Wieder-
|
||
|
||
--- PAGE 76 ---
|
||
76
|
||
belebung oder Verherrlichung des
|
||
Nationalsozialismus sowie rassisti-
|
||
sche und antisemitische Aktivitäten
|
||
nicht zuzulassen«.
|
||
Das ist ein wichtiges Signal, für das
|
||
DIE LINKE gekämpft hat.
|
||
Sachsen-Anhalt zählt zu den Bundes-
|
||
ländern mit den meisten rechtsextre-
|
||
men, rassistisch und antisemitisch
|
||
motivierten Straftaten pro 100.000
|
||
Einwohner:innen. Die extreme Rechte
|
||
verschiebt den Diskurs, befeuert
|
||
rechten Terror und treibt zugleich
|
||
Regierungen vor sich her. In Sachsen-
|
||
Anhalt sympathisieren Teile der CDU
|
||
offen mit einer Zusammenarbeit mit
|
||
der AfD. Wir kämpfen gegen jeden
|
||
Einfluss der extremen Rechten auf die
|
||
Regierungspolitik.
|
||
Für DIE LINKE ist klar: Sachsen-Anhalt
|
||
braucht antifaschistische Politik mehr
|
||
denn je, symbolisch und konkret.
|
||
Antifaschistische Kämpfe
|
||
gemeinsam führen
|
||
Antifaschistische Politik findet an
|
||
vielen Orten statt – in Anwohner:in-
|
||
neninitativen, Bildungsprojekten,
|
||
Bündnissen, Vereinen wie der Vereini-
|
||
gung der Verfolgten des Naziregimes
|
||
– bis hin zum Engagement Einzelner.
|
||
Sie alle mussten in den letzten Jahren
|
||
zunehmend Abwehrkämpfe führen.
|
||
DIE LINKE steht für die Verbindung
|
||
dieser antifaschistischen Kämpfe im
|
||
Parlament und in der Gesellschaft,
|
||
für Solidarität und für antifaschistisches
|
||
Selbstbewusstsein, an der Seite der
|
||
Betroffenen, solidarisch mit sozialen
|
||
Bewegungen und außerparlamentari-
|
||
schen Gruppen. Wir nehmen nicht
|
||
hin, wenn Gewerkschafter:innen,
|
||
Schüler:innen von Fridays for Future
|
||
und Antifaschist:innen als linksextrem
|
||
diskreditiert werden. Den unwissen-
|
||
schaftlichen Extremismusbegriff, der
|
||
auf der Totalitarismustheorie aufbaut,
|
||
wollen wir als Grundlage staatlichen
|
||
Handelns streichen.
|
||
Wir blockieren weiterhin gemeinsam
|
||
in breiten Bündnissen Naziaufmärsche
|
||
und kämpfen gegen rassistische
|
||
Angriffe. Ziviler Ungehorsam gehört
|
||
zum demokratischen Protest.
|
||
Einsatz für
|
||
Demokratie stärken
|
||
Wir wollen den Einsatz für Demokratie
|
||
stärken und die Förderung zivilgesell-
|
||
schaftlichen Engagements verlässlich
|
||
finanzieren. Dazu werden wir das
|
||
Landesprogramm für Demokratie,
|
||
Vielfalt und Weltoffenheit aufstocken,
|
||
die Antragstellung vereinfachen und
|
||
das Programm hinsichtlich der
|
||
förderbaren Aktivitäten überarbeiten.
|
||
Für die Demokratieförderung in
|
||
Sachsen-Anhalt wollen wir eine
|
||
eigenständige gesetzliche Grundlage
|
||
schaffen, die den Trägern Rechts-
|
||
sicherheit und Verlässlichkeit garan-
|
||
tiert und dauerhafte Förderung
|
||
ermöglicht.
|
||
Betroffene schützen
|
||
und Beratung stärken
|
||
Wir wollen das Monitoring politisch
|
||
motivierter Straftaten in Zusammen-
|
||
arbeit mit den Opferberatungsstellen
|
||
verbessern und die Mobile Opferbera-
|
||
tung dauerhaft besser finanzieren.
|
||
Eine Meldestelle für antisemitische
|
||
Vorfälle soll eingerichtet werden.
|
||
Für Opfer rechtsextremer Gewalt
|
||
fordern wir ein Bleiberecht, um der
|
||
auf Vertreibung gerichteten Ideologie
|
||
der Täter entgegenzutreten und die
|
||
Betroffenen zu schützen. Den Schutz
|
||
von Synagogen, Moscheen und
|
||
anderen bedrohten sakralen Orten
|
||
wollen wir ausbauen. Analyse, Auf-
|
||
klärung und Beratung sind entschei-
|
||
|
||
--- PAGE 77 ---
|
||
77
|
||
dend für den gesellschaftlichen
|
||
Einsatz gegen die extreme Rechte.
|
||
Wir werden die Förderung von Trägern
|
||
wie z. B. der Regionalen Beratungs-
|
||
teams und der Arbeitsstelle Rechts-
|
||
extremismus sowie lokaler Bündnisse
|
||
ausbauen. Die Versuche von AfD und
|
||
CDU, die Arbeit dieser Einrichtungen
|
||
zu delegitimieren, weisen wir zurück,
|
||
ebenso den Versuch, über eine
|
||
falsche Auslegung des Neutralitäts-
|
||
gebots die Arbeit freier Träger zu
|
||
entpolitisieren und ihr Eintreten für
|
||
Menschenrechte und die Verfassung
|
||
zu diskreditieren.
|
||
Konsequente Strafverfolgung
|
||
und Entwaffnung
|
||
Ohne ein Ende des gesellschaftlichen
|
||
Rechtsrucks wird auch keine sicher-
|
||
heitspolitische Maßnahme das
|
||
Erstarken der extremen Rechten
|
||
stoppen. Und doch ist der Staat
|
||
gefragt, denn das Agieren von Polizei
|
||
und Justiz hat entscheidenden
|
||
Einfluss auf Täter wie auf Betroffene
|
||
rechter Gewalt. Hier besteht dringen-
|
||
der Handlungsbedarf, wie nicht zuletzt
|
||
auch der Prozess zum Anschlag in
|
||
Halle-gezeigt hat. Polizeikräfte und
|
||
die Staatsanwaltschaften müssen
|
||
Formen, Strukturen und Realität des
|
||
Rechtsextremismus kennen und
|
||
zutreffend analysieren können, um
|
||
effektive Strafverfolgung sicherzu-
|
||
stellen und Ermittlungen umfassend
|
||
betreiben zu können. Die Richtlinien
|
||
zur Verfolgung politisch motivierter
|
||
Straftaten und deren Umsetzung
|
||
wollen wir extern wissenschaftlich
|
||
untersuchen lassen und anhand der
|
||
Ergebnisse anpassen. Die Praxis der
|
||
Einstellung von Strafverfahren bei
|
||
rechter, rassistischer und antisemiti-
|
||
scher Gewalt werden wir überprüfen.
|
||
Dass regelmäßig von rechter Hetze
|
||
und Gewalt Betroffene Straftaten
|
||
nicht mehr anzeigen, weil nach ihrer
|
||
Erfahrung von den zuständigen
|
||
staatlichen Stellen sowieso nichts
|
||
unternommen wird, können und
|
||
wollen wir nicht hinnehmen. In einem
|
||
Lagebild »offene Haftbefehle« wollen
|
||
wir den Vollzug von Haftbefehlen
|
||
gegen Neonazis und andere extrem
|
||
Rechte untersuchen und verbessern.
|
||
DIE LINKE steht für deutlich weniger
|
||
Waffen im privaten Besitz. Die Waffen-
|
||
behörden müssen die Einhaltung der
|
||
entsprechenden Gesetze kontrollieren
|
||
und umsetzen. Waffenrechtliche
|
||
gesetzliche Regelungen gehören
|
||
auf den Prüfstand und individuelle
|
||
Waffenverbote und Kontrollen müssen
|
||
stärker zum Tragen kommen.
|
||
Wir wollen die Entwaffnung der
|
||
extremen Rechten und besonders
|
||
der sogenannten Reichsbürger:innen
|
||
vorantreiben.
|
||
Bildung und Gedenken
|
||
Wir wollen Beratungsangebote zum
|
||
Umgang mit rechtsextremer, rassisti-
|
||
scher und antisemitischer Gewalt
|
||
für Schulen schaffen und die Ausein-
|
||
andersetzung mit rechtem Terror in
|
||
den Lehrplänen verankern. Wir setzen
|
||
uns für eine antifaschistische Erinne-
|
||
rungskultur und den 8. Mai als Tag
|
||
der Befreiung vom Faschismus als
|
||
Feiertag ein. Wir werden Stätten
|
||
der Erinnerung unterstützen, ihre
|
||
Finanzierung ausbauen und sichern.
|
||
Für Religionsfreiheit und die
|
||
Trennung von Kirche und Staat
|
||
Für DIE LINKE bleiben die christlichen
|
||
Kirchen ein wichtiger zivilgesellschaft-
|
||
licher Partner im humanistischen
|
||
Dialog, auch wenn die Mehrheit der
|
||
Menschen in Sachsen-Anhalt ohne
|
||
religiöses Bekenntnis lebt.
|
||
|
||
--- PAGE 78 ---
|
||
78
|
||
Wir empfinden Hochachtung für das
|
||
Engagement von Christ:innen für die
|
||
Integration von Migrant:innen und in
|
||
der Auseinandersetzung mit Rechts-
|
||
extremisten. Darüber hinaus wollen
|
||
wir die Kontakte zu den jüdischen und
|
||
muslimischen Gemeinden im Land
|
||
intensivieren und sie bei ihrem Recht
|
||
auf Religionsausübung unterstützen.
|
||
Wir wollen die Beziehung zwischen
|
||
dem Land Sachsen-Anhalt und dem
|
||
Landesverband der muslimischen
|
||
Gemeinden institutionalisieren und
|
||
rechtlich absichern.
|
||
Dass Jüdinnen und Juden und Muslima
|
||
und Muslime immer wieder bedroht,
|
||
beleidigt und angegriffen werden,
|
||
verlangt nach einer höheren Sensibili-
|
||
tät der Verfolgung solcher Straftaten
|
||
genauso wie nach einer gesellschaftli-
|
||
chen Ächtung von Antisemitismus und
|
||
Muslimfeindlichkeit. Der schreckliche
|
||
Anschlag auf die jüdische Gemeinde
|
||
in Halle unterstreicht die Notwendig-
|
||
keit eines kompromisslosen Kampfes
|
||
gegen alle Formen des Antisemitis-
|
||
mus in Deutschland.
|
||
Das im Grundgesetz festgeschriebene
|
||
Recht auf einen fakultativen Religions-
|
||
unterricht steht einem verbindlichen
|
||
Angebot eines Werteunterrichtes, der
|
||
Grundverständnis der Weltreligionen
|
||
vermittelt, nicht entgegen.
|
||
Die beiden christlichen Großkirchen
|
||
verfügen über zahlreiche finanzielle
|
||
Privilegien, die für ein finanzschwa-
|
||
ches Land wie Sachsen-Anhalt nicht
|
||
mehr zeitgemäß sind. Das Land
|
||
Sachsen-Anhalt zahlt wegen der
|
||
bislang geltenden Verträge die mit
|
||
Abstand höchsten Pro-Kopf-Leistun-
|
||
gen an die Kirchen und es gibt auch
|
||
keine zeitliche Begrenzung dieser
|
||
dynamisch steigenden Kosten. Auch
|
||
nach über 100 Jahren ist somit der
|
||
Verfassungsauftrag zur Ablösung
|
||
sämtlicher Staatsleistungen an die
|
||
evangelische und katholische Kirche
|
||
nicht eingelöst. Wir werden uns dafür
|
||
einsetzen, dass dieser verfassungs-
|
||
widrige Zustand beendet wird.
|
||
Entweder über eine Abgeltung dieser
|
||
Ansprüche durch eine Übernahme der
|
||
Baulast von besonders kulturhisto-
|
||
risch bedeutenden Kirchen und
|
||
Gebäuden oder eine Einmalzahlung
|
||
aus dem Landeshaushalt.
|
||
Bundes- und
|
||
Europapolitik
|
||
Als Internationalist:innen wissen wir,
|
||
dass die Zukunft Sachsen-Anhalts
|
||
nicht nur Teil der Entwicklung
|
||
Deutschlands ist, sondern untrennbar
|
||
in europäische und globale Zusam-
|
||
menhänge eingebettet ist. Der Weg
|
||
unseres Landes kann nur erfolgreich
|
||
sein, wenn unsere Nachbarländer, die
|
||
gesamte Europäische Union und
|
||
Europa als Ganzes seine Integration
|
||
vertieft.
|
||
Wir haben gesehen, wie während der
|
||
Corona-Pandemie nationale Abschot-
|
||
tung Probleme verschärft, statt sie zu
|
||
lösen. Deswegen kämpfen wir für
|
||
einen grundlegenden Wandel der
|
||
Europäischen Union von einem
|
||
marktorientierten Staatenbund hin zu
|
||
einer echten Solidargemeinschaft, die
|
||
den Menschen in den Mitgliedslän-
|
||
dern soziale Sicherheit gibt, die reale
|
||
Schritte hin zu einer C02-neutralen
|
||
Wirtschaft einleitet und als stabilisie-
|
||
render Friedensfaktor weltweit wirkt.
|
||
Wir streiten für die Durchsetzung
|
||
grundsätzlicher Werte wie Rechts-
|
||
staatlichkeit, gegen die Diskriminie-
|
||
rung von Minderheiten und für die
|
||
humanistische Aufnahme von Flücht-
|
||
lingen als verbindende Grundlage der
|
||
Europäischen Union. Sachsen-Anhalt
|
||
|
||
--- PAGE 79 ---
|
||
79
|
||
hat in den vergangenen Jahren sehr
|
||
viel von Strukturfördermitteln der
|
||
Europäischen Union profitiert. Wir
|
||
wollen diese Mittel auch in Zukunft für
|
||
die Entwicklung der Infrastruktur und
|
||
für sozialpolitische Projekte in
|
||
Sachsen-Anhalt einsetzen und wollen
|
||
uns für eine verbesserte Zugänglich-
|
||
keit und Abrechnung dieser Gelder
|
||
starkmachen. Wir beteiligen uns nicht
|
||
an der engstirnigen Diskussion über
|
||
Nettozahlungen an den EU-Haushalt,
|
||
weil wir wissen, dass die Strukturför-
|
||
derung, insbesondere bei unseren
|
||
osteuropäischen Nachbarn, die
|
||
Entwicklung voranbringen kann und
|
||
damit auch bessere Rahmenbedingun-
|
||
gen für Sachsen-Anhalt geschaffen
|
||
werden.
|
||
Wirtschaftliche Sanktionen gegen
|
||
Russland schaden nicht nur der
|
||
russischen Wirtschaft, sondern auch
|
||
der ostdeutschen wirtschaftlichen
|
||
Entwicklung, dies außerdem über-
|
||
durchschnittlich stark im Vergleich zu
|
||
den alten Bundesländern. Auch wenn
|
||
wir für den Wegfall der Wirtschafts-
|
||
sanktionen der Europäischen Union
|
||
gegen Russland eintreten und eine
|
||
Phase der Kooperation und Zusam-
|
||
menarbeit einleiten wollen, setzen wir
|
||
uns für Rechtsstaatlichkeit und
|
||
Demokratie in Russland ein.
|
||
In Sachsen-Anhalt leben etwa 34.000
|
||
nichtdeutsche EU-Bürger:innen. Sie
|
||
arbeiten in der Landwirtschaft, der
|
||
Lebensmittelindustrie, der Gastrono-
|
||
mie und im Tourismus. Ohne sie
|
||
würde auch in der Pflege nichts mehr
|
||
laufen. Darüber hinaus gibt es eine
|
||
hohe Zahl von
|
||
Werkvertragsarbeiter:innen. Leider
|
||
hat Sachsen-Anhalt im Vergleich zu
|
||
westlichen Bundesländern eine
|
||
geringere Attraktivität für den Zuzug
|
||
von EU-Bürger:innen. DIE LINKE setzt
|
||
sich dafür ein, dass das Land Sach-
|
||
sen-Anhalt mehr für den Arbeits-
|
||
schutz und zur sozialen Absicherung
|
||
von im Land lebenden EU-
|
||
Bürger:innen tut. Zoll und Landes-
|
||
behörden müssen hier zusammenwir-
|
||
ken. Auf der Bundesebene geht es um
|
||
das Verbot von Werkverträgen und
|
||
den Anspruch auf SGB II-Leistungen
|
||
ohne Fristen für den Zugang von
|
||
Menschen aus Osteuropa, die Stär-
|
||
kung der Beratungsstrukturen und
|
||
den Zugang zu Sprachkursen für
|
||
EU-Bürger:innen. Wir werden weiter
|
||
für eine interkulturelle Öffnung in
|
||
Verwaltung und Zivilgesellschaft
|
||
streiten.
|
||
Für eine plurale
|
||
Medienlandschaft
|
||
DIE LINKE setzt sich für Qualität,
|
||
Medienvielfalt und Transparenz als
|
||
wichtiges Instrument demokratischer
|
||
Willensbildung und Teilhabe, für eine
|
||
kritische Öffentlichkeit und für einen
|
||
allgemeinen, freien und sozial glei-
|
||
chen Zugang zu den Medien ein.
|
||
Veränderte Nutzungsgewohnheiten
|
||
und -angebote in Zeiten der Digitali-
|
||
sierung bedeuten einen radikalen
|
||
Umbruch in der Medienlandschaft.
|
||
Dieser Umbruch geht einher mit
|
||
einem zunehmenden Legitimations-
|
||
druck öffentlich-rechtlicher Medien
|
||
und mit sich verschlechternden
|
||
Rahmen- und Arbeitsbedingungen,
|
||
der Prekarisierung von Arbeitsverhält-
|
||
nissen und einer zunehmenden
|
||
Kommerzialisierung von journalisti-
|
||
schen Angeboten, u. a. durch die
|
||
sinkenden Printauflagen und Konzent-
|
||
rationsprozesse bei Zeitungen und
|
||
Redaktionen.
|
||
DIE LINKE setzt sich für eine plurale
|
||
Medienlandschaft ein. Dazu gehören
|
||
die Regionalstudios des öffentlich-
|
||
|
||
--- PAGE 80 ---
|
||
80
|
||
rechtlichen Rundfunks, die Bürger-
|
||
medien mit den sieben Offenen
|
||
Kanälen und den zwei nichtkommer-
|
||
ziellen Radiosendern sowie die
|
||
privaten Radiosender und regionalen
|
||
Fernsehsender.
|
||
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
|
||
Grundauftrag der öffentlich-rechtlichen
|
||
Medien ist es, mittels Information,
|
||
Bildung, Beratung, Kultur und Unter-
|
||
haltung einen Beitrag zur Meinungs-
|
||
vielfalt und somit zur öffentlichen
|
||
Meinungsbildung zu leisten. Für ein
|
||
unabhängiges Programm, das frei von
|
||
den Interessen Dritter gestaltet
|
||
werden kann, brauchen öffentlich-
|
||
rechtliche Sender eine bedarfsgerechte
|
||
Finanzierung. DIE LINKE setzt sich für
|
||
die Ausweitung der Beitragsbefreiung
|
||
u. a. auf soziale Einrichtungen und
|
||
Menschen mit Beeinträchtigungen
|
||
ein. Eine Kompensation der Beitrags-
|
||
befreiungen aus Steuermitteln würde
|
||
einen erheblichen Beitrag zum
|
||
Bürokratieabbau leisten, ist mit der
|
||
gebotenen Staatsferne vereinbar und
|
||
würde den Rundfunkbeitrag länger-
|
||
fristig stabil halten.
|
||
Der Kultur- und Bildungsauftrag im
|
||
öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist
|
||
unumstritten und gerade in der
|
||
Pandemie ist die Bedeutung dieses
|
||
Auftrages umso deutlicher geworden.
|
||
Er muss weiter ausdifferenziert und
|
||
gestärkt werden. DIE LINKE lehnt
|
||
Programmkürzungen und Kürzungen
|
||
bei den festen und freien Mitarbei-
|
||
ter:innen im ÖRR ab und fordert mehr
|
||
journalistische Berichterstattung und
|
||
mehr Programmvielfalt.
|
||
Die Bestrebungen von CDU/CSU, ARD
|
||
und ZDF fusionieren zu lassen,
|
||
werden von uns konsequent abge-
|
||
lehnt. Stattdessen wollen wir eine
|
||
Reform des öffentlich-rechtlichen
|
||
Rundfunks und setzen dabei auf
|
||
Qualität statt Quote. Nicht der
|
||
Marktanteil entscheidet über den
|
||
Erfolg, sondern die Vielzahl qualitativ
|
||
hochwertiger Angebote und deren
|
||
gesellschaftliche Reichweite.
|
||
Darüber hinaus fordert DIE LINKE eine
|
||
umfassende Transparenz der Gehalts-
|
||
strukturen. Dazu gehört, dass sich
|
||
Intendant:innengehälter an der
|
||
Besoldung von Ministerpräsident:in-
|
||
nen orientieren und auch außer- und
|
||
übertarifliche Gehälter in einer
|
||
strukturierten Darstellung öffentlich
|
||
zugänglich gemacht werden.
|
||
Bürgermedien
|
||
Bürgermedien mit ihren lokalen und
|
||
regionalen Bezügen sind Teil der
|
||
demokratischen Willensbildung,
|
||
sie sind Orte der Integration und
|
||
Koordination aller gesellschaftlichen
|
||
Gruppen und Instrumente politischer
|
||
Bildung und Medienkompetenz.
|
||
DIE LINKE will diese Funktionen stärken
|
||
und gemeinsam mit den Bürgermedien
|
||
im Land weiterentwickeln.
|
||
|
||
--- PAGE 81 ---
|
||
81
|
||
DIE LINKE steht dafür, dass Super-
|
||
reiche zur Finanzierung der Krise
|
||
herangezogen und Geringverdienende
|
||
und Angehörige der Mittelschicht vor
|
||
den Krisenkosten geschützt werden.
|
||
Wir brauchen einen fairen Lastenaus-
|
||
gleich, wie ihn das Grundgesetz für
|
||
solche Fälle vorsieht. Wir wollen eine
|
||
einmalige Vermögensabgabe für
|
||
Multimillionäre und Milliardäre
|
||
einführen. Jetzt ist die Solidarität
|
||
derer gefordert, denen es sehr gut
|
||
geht. Nach der Krise braucht es eine
|
||
große Steuerreform, die Gering-
|
||
verdiener:innen und die Mittelschicht
|
||
entlastet. Wir wollen eine progressive
|
||
Vermögenssteuer für Multimillionäre
|
||
und Milliardäre, die im Jahr rund
|
||
100 Mrd. Euro einbringt und dauerhaft
|
||
Zukunftsinvestitionen in Bildung,
|
||
Sozialstaat, Energiewende und
|
||
Infrastruktur ermöglicht. Auch auf
|
||
EU-Ebene brauchen wir eine Abgabe
|
||
auf Vermögen von Milliardären,
|
||
um die Mittel des Wiederaufbaufonds
|
||
refinanzieren zu können.
|
||
Für uns gilt: Weder die deutsche
|
||
Verkäuferin noch der italienische
|
||
Krankenpfleger sollen für diese Krise
|
||
bezahlen müssen.
|
||
Wie es um den
|
||
Landeshaushalt bestellt ist
|
||
Im laufenden Doppelhaushalt Sachsen-
|
||
Anhalts werden derzeit Einnahme-
|
||
ausfälle von 1,75 Mrd. Euro erwartet.
|
||
Wir rechnen damit, dass dieses
|
||
Haushaltsloch bis 2024 auf 5 Mrd.
|
||
Euro anwächst. Dagegen hat die
|
||
Haseloff-Regierung einen Nachtrags-
|
||
haushalt von lediglich 500 Mio. gesetzt.
|
||
Sachsen-Anhalt muss endlich seine
|
||
Notkreditermächtigungen nutzen, um
|
||
die Steuerausfälle der Jahre 2020/21
|
||
sowie krisenbedingte Mehrbedarfe
|
||
durch eine entsprechende Erhöhung
|
||
der Nettokreditaufnahme auszu-
|
||
gleichen. Wir teilen die Auffassung
|
||
des DGB, dass für diese Kredite ein
|
||
Tilgungszeitraum von 30 Jahren
|
||
festzulegen ist. Die mittelfristige
|
||
Finanzplanung ist mit dem Ziel zu
|
||
überarbeiten, dass die Fehlbeträge
|
||
der Jahre 2022 bis 2024 durch eine
|
||
entsprechende Kreditaufnahme
|
||
ausgeglichen werden.
|
||
Dabei ist der Landtag darüber in
|
||
Kenntnis zu setzen, welche Kosten
|
||
unter den Bedingungen des
|
||
gegenwärtigen Niedrigzinsumfeldes
|
||
bzw. der Emission von Nullzins-
|
||
anleihen dafür entstehen.
|
||
Die Landesregierung muss sich
|
||
gegenüber dem Bund für einen
|
||
gesetzlichen Lastenausgleich zum
|
||
Abbau der notlagebedingten Schulden
|
||
einsetzen.
|
||
Die Kreditaufnahme ist deswegen
|
||
ein strategisches Finanzierungs-
|
||
instrument, weil derzeit kaum Zinsen
|
||
für deutsche Staatsanleihen auf den
|
||
internationalen Finanzmärkten
|
||
anfallen. Vor allem aber wird immer
|
||
mehr deutlich, dass die Notlage für die
|
||
öffentlichen Haushalte nicht allein auf
|
||
die Pandemie zurückzuführen ist,
|
||
sondern auf die komplexen Verflech-
|
||
tungen verschiedener Krisenprozesse,
|
||
die nicht nur eine temporäre Schock-,
|
||
sondern eine langfristige Erosions-
|
||
wirkung auf die Wirtschaftsabläufe
|
||
entfalten.
|
||
VII. Wer bezahlt die Rechnung
|
||
für die Krise?
|
||
|
||
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|
||
82
|
||
Bedarfsgerechte Kommunalfinanzen
|
||
Kernproblem der kommunalen
|
||
Finanzausstattung bleibt die weit
|
||
hinter dem Bundesdurchschnitt
|
||
zurückbleibende Steuerkraft der
|
||
Städte und Gemeinden Sachsen-
|
||
Anhalts. DIE LINKE fordert mit ihrem
|
||
Konzept »Steuergerechtigkeit für
|
||
Kommunen« eine Umverteilung
|
||
zugunsten der Städte und Gemeinden.
|
||
Pro 10.000 Einwohner:innen würden
|
||
damit ca. 2,5 Mio. Euro jährlich
|
||
Mehreinnahmen entstehen.
|
||
Unsere Anforderungen an das Land
|
||
Mit mehr als 3 Mrd. Euro ist die
|
||
Kommunalquote im Landeshaushalt
|
||
zwar hoch, jedoch erfolgt die Vertei-
|
||
lung der Mittel in einer Vielzahl von
|
||
Programmen und Fördertöpfen.
|
||
Das führt zu Verteilungsungerechtig-
|
||
keit und hohem bürokratischem
|
||
Aufwand. Diese Zustände stehen für
|
||
das Misstrauen der Landespolitik in
|
||
die Kommunen.
|
||
DIE LINKE vertraut auf kommunale
|
||
Selbstverwaltung. Wir werden die
|
||
Vielzahl der Fördertöpfe durch klare
|
||
Strukturen im Finanzausgleich
|
||
ersetzen. Der seit 2016 geltende
|
||
Festbetragsfinanzausgleich von
|
||
1,6 Mrd. Euro hat zwar den Sparkurs
|
||
auf Kosten der Kommunen beendet,
|
||
jedoch reicht das nicht aus. Deswe-
|
||
gen werden wir das Finanzausgleichs-
|
||
gesetz ändern, damit es sich besser
|
||
am kommunalen Finanzbedarf
|
||
orientiert. Wir wollen auch für die
|
||
kreisangehörigen Gemeinden Ergän-
|
||
zungszuweisungen zum Belastungs-
|
||
ausgleich einführen. Dieser Ausgleich
|
||
von 30 Mio. Euro für die Abschaffung
|
||
der Straßenausbaubeiträge und die
|
||
Kosten für die Unterhaltung der
|
||
Gemeindestraßen soll künftig als
|
||
Ergänzungszuweisung im Finanzaus-
|
||
gleich verankert und nach Länge der
|
||
Gemeindestraßen verteilt werden.
|
||
Die Investitionspauschale wollen wir
|
||
beibehalten und in sie auch die
|
||
anteilige Finanzierung des Landes an
|
||
den kommunalen Aufwendungen für
|
||
die Abschreibungen integrieren.
|
||
Der Städte- und Gemeindebund hat
|
||
nach einer Umfrage, an der sich
|
||
77 Städte und Gemeinden beteiligt
|
||
haben, einen Sanierungsbedarf an
|
||
kommunalen Schwimmbädern von
|
||
rund 147 Mio. Euro ermittelt. Wir
|
||
wollen einen Schwimmbadfonds
|
||
auflegen, damit die Kommunen
|
||
diese Aufgabe stemmen können.
|
||
Für die Kommunen wollen wir verbind-
|
||
liche Regelungen bei der Erstattung
|
||
von tatsächlich anfallenden Kosten
|
||
in Verbindung mit zu erfüllenden
|
||
Qualitätsstandards für die
|
||
Unterbringung und Betreuung von
|
||
Asylsuchenden und Flüchtlingen.
|
||
Mit Blick auf die Finanzbeziehungen
|
||
von Bund und Ländern tritt DIE LINKE
|
||
hierbei für eine deutlich stärkere
|
||
Bundesbeteiligung ein.
|
||
Mit der Ermittlung des kommunalen
|
||
Finanzbedarfes soll sich künftig eine
|
||
vom Landtag eingesetzte Gemeinde-
|
||
finanzkommission befassen.
|
||
Die Verteilung der Finanzausgleichsmit-
|
||
tel muss den tatsächlichen Aufgaben
|
||
und Belastungen folgen. Die Kommu-
|
||
nen müssen von restriktiven Regeln
|
||
der Haushaltsaufstellung und Haus-
|
||
haltskonsolidierung befreit werden.
|
||
Die Vorschrift, wonach bei fehlendem
|
||
Ausgleich des Finanzhaushaltes bereits
|
||
ein Haushaltskonsolidierungskonzept
|
||
aufzustellen ist, muss abgeschafft
|
||
werden. Die unzureichende Finanz-
|
||
ausstattung der Kommunen hat dazu
|
||
geführt, dass die Kommunen erhebliche
|
||
|
||
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|
||
83
|
||
Defizite vor sich herschieben. Deshalb
|
||
sollten sie von ihren Altschulden
|
||
entlastet werden. In der Haushalts-
|
||
konsolidierung sind nur gegenwärtige
|
||
strukturelle Defizite und die Fehlbe-
|
||
träge der vergangenen drei Jahre
|
||
anzurechnen. Für die verbleibenden
|
||
Altfehlbeträge wollen wir die Möglich-
|
||
keit der Umschuldung in einen Landes-
|
||
fonds anbieten, in welchem diese auf
|
||
eine Frist von 30 bis 50 Jahren zurück-
|
||
gezahlt werden sollen.
|
||
Dabei wollen wir mit Zins- und Tilgungs-
|
||
hilfen zusätzliche Anreize setzen.
|
||
Unsere Anforderungen an den Bund
|
||
DIE LINKE fordert eine Gemeinde-
|
||
finanzreform, die eine Neuausrichtung
|
||
der Steuerverteilung zwischen Bund,
|
||
Ländern und Gemeinden entsprechend
|
||
der gesamtstaatlichen Aufgabenver-
|
||
teilung zum Gegenstand hat.
|
||
Die Gewerbesteuer muss dringend
|
||
reformiert und als Gemeindewirt-
|
||
schaftssteuer gestaltet werden.
|
||
Für die Landkreise fordern wir eigene
|
||
Anteile an den Gemeinschaftssteuern,
|
||
zum Beispiel der Umsatzsteuer.
|
||
Sachsen-Anhalt sollte bei der Grund-
|
||
steuer keinen Sonderweg gehen,
|
||
sondern die Voraussetzungen für die
|
||
Umsetzung des reformierten Bundes-
|
||
gesetzes schaffen. Die »Aufkommens-
|
||
neutralität« kann vor dem Hintergrund
|
||
des grundgesetzlich gesicherten
|
||
Hebesatzrechtes der Gemeinden
|
||
nicht durch landesrechtliche Bevor-
|
||
mundung, sondern nur durch eine
|
||
angemessene Finanzausstattung
|
||
erreicht werden.
|
||
Steuergerechtigkeit, die wir meinen
|
||
Wir wollen das Einkommensteuerrecht
|
||
umgestalten.
|
||
Wer weniger als 5.600 Euro pro Monat
|
||
zu versteuern hat, wird entlastet. Wer
|
||
mehr versteuern muss, wird belastet.
|
||
Dies erreichen wir durch eine Änderung
|
||
des Steuertarifs. Der Grundfreibetrag
|
||
wird auf 9.300 Euro erhöht, sodass
|
||
mindestens ein Bruttolohn in Höhe von
|
||
12.000 Euro im Jahr steuerfrei bleibt.
|
||
Der Spitzensteuersatz wird auf
|
||
53 Prozent (ab einem zu versteuernden
|
||
Jahreseinkommen in Höhe von
|
||
65.001 Euro) angehoben.
|
||
Der sogenannte Mittelstandsbauch
|
||
wird beseitigt, indem die Steuerbelas-
|
||
tung bis zum Spitzensteuersatz linear
|
||
ansteigt. Letzteres senkt nicht nur die
|
||
Steuerbelastung von mittleren Einkom-
|
||
men, sondern schwächt zugleich die
|
||
sogenannte kalte Progression ab.
|
||
VIII. Ohne Frieden ist alles andere nichts:
|
||
Nein zum Krieg! Nein zur Rüstung!
|
||
In einer Zeit wachsender Kriegsgefahren
|
||
ist DIE LINKE die Partei des Friedens.
|
||
Seit dem Ende der Blockkonfrontation
|
||
vor 30 Jahren ist die Welt nicht fried-
|
||
licher geworden. Militärische Aggres-
|
||
sionen des Westens und Russlands,
|
||
aber auch von Regionalmächten wie
|
||
der Türkei, Saudi-Arabien und Iran
|
||
wurden mit der Durchsetzung von
|
||
Völker- oder Menschenrecht begrün-
|
||
det, dienten aber letztlich nur dazu,
|
||
eigene Interessen im regionalen oder
|
||
globalen Maßstab mit dem Mittel des
|
||
Krieges umzusetzen. Die Ergebnisse
|
||
waren jedes Mal mehr Not, Elend und
|
||
|
||
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|
||
84
|
||
noch größere Flüchtlingsströme.
|
||
Sie haben friedliche Konfliktlösungen
|
||
verhindert und Kriege ausgedehnt.
|
||
Unsere Botschaft bleibt deswegen:
|
||
Krieg und die Androhung militärischer
|
||
Gewalt können keine Mittel einer
|
||
friedensstiftenden Politik sein.
|
||
Die Aussetzung der Umsetzung des
|
||
Vertrages über Konventionelle
|
||
Streitkräfte in Europa durch Russland
|
||
im Jahre 2007, die Außerkraftsetzung
|
||
des Vertrags über nukleare Mittel-
|
||
streckensysteme durch die USA
|
||
stehen ebenso für eine Rückkehr zum
|
||
Wettrüsten wie auch das NATO-Ziel,
|
||
zwei Prozent des Bruttoinlands-
|
||
produktes für Militärausgaben zu
|
||
verschwenden. DIE LINKE lehnt eine
|
||
Steigerung der Rüstungsausgaben wie
|
||
auch eine weitere Ausdehnung der
|
||
NATO nach Osten ab. Sachsen-Anhalt
|
||
muss im Bundesrat eine deutliche
|
||
Stimme für Entspannung und
|
||
friedliche Kooperation mit Russland
|
||
sein. Die Bundesregierung muss
|
||
endlich den Atomwaffenverbots-
|
||
vertrag unterzeichnen. Das bedeutet
|
||
auch, dass die US-Atomwaffen aus
|
||
Deutschland abgezogen werden.
|
||
Bundeswehr in
|
||
Sachsen-Anhalt reduzieren
|
||
Dass die Bundeswehr in Sachsen-
|
||
Anhalt wieder die Truppenstärke wie
|
||
vor der Bundeswehrreform 2011 hat,
|
||
ist für uns kein Grund zur Freude.
|
||
Die Standorte sind Teil der Militarisie-
|
||
rung der deutschen Außenpolitik.
|
||
Sie sind damit auch Teil eines
|
||
gefährlichen Bedrohungsszenariums,
|
||
vor allem gegenüber Russland.
|
||
1991 beschloss der junge Landtag von
|
||
Sachsen-Anhalt die zivile Nutzung der
|
||
Colbitz-Letzlinger Heide.
|
||
Nach Jahrzehnten des militärischen
|
||
Missbrauchs sollte dieses Gebiet mit
|
||
einem Naturpark eine Zukunft
|
||
bekommen. Es wurde aber ein
|
||
Militärpark, der Truppenübungsplatz
|
||
Altmark mit dem Gefechtsübungs-
|
||
zentrum und der Kriegsübungsstadt
|
||
Schnöggersburg als zentrale Orte
|
||
der Ausbildung der Bundeswehr für
|
||
Auslandseinsätze und Aufstands-
|
||
bekämpfung.
|
||
DIE LINKE setzt sich für die Schließung
|
||
der Truppenübungsplätze Altmark und
|
||
Zeitzer Forst u. a. ein. Sie unterstützt
|
||
die Proteste der Friedensbewegung
|
||
und friedliche Aktionen zivilen
|
||
Ungehorsams. Eine militärische
|
||
Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle
|
||
wird abgelehnt.
|
||
Solidarität statt
|
||
Ellenbogen
|
||
Gerade die Corona-Krise hat vor Augen
|
||
geführt, dass wir uns für gesellschaftli-
|
||
chen Zusammenhalt oder für den Sieg
|
||
des Egoismus zu entscheiden haben.
|
||
Niemand lebt ohne Eigeninteresse,
|
||
aber auch keiner nur für sich allein.
|
||
Die mentale Verfasstheit unserer
|
||
Gesellschaft wird maßgeblich davon
|
||
geprägt sein, wie zukünftig die Kosten
|
||
der Krise verteilt werden.
|
||
DIE LINKE will eine gerechte Lasten-
|
||
verteilung. Wer Millionen hat, kann
|
||
Tausende zahlen. Wer wenig hat,
|
||
darf nach der Krise nicht noch
|
||
weniger haben. Diese Forderung
|
||
vertreten wir schon lange, nicht erst
|
||
seit Corona. Jetzt aber haben wir
|
||
die Chance, die sozialen Ungerechtig-
|
||
keiten zu überwinden.
|
||
Wir wollen das Land verändern.
|
||
Gegen soziale Ungerechtigkeit können
|
||
wir gemeinsam vieles tun.
|
||
Deshalb werben wir für Solidarität
|
||
statt Ellenbogen.
|
||
|
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Impressum
|
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Herausgeber:
|
||
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt
|
||
Ebendorfer Straße 3
|
||
39108 Magdeburg
|
||
Telefon: 0391/732 48 40
|
||
Fax: 0391/732 48 48
|
||
lgst@dielinke-lsa.de
|
||
V.i.S.d.P.: Sabine Krems-Jany
|
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www.dielinke-sachsen-anhalt.de
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www.dielinke-sachsen-anhalt.de
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