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Dotty Dotter 87874a7a14 Activate LSA: Wahlprogramme + ingest + frontend (#2)
Brings Sachsen-Anhalt online as the second supported Bundesland after
NRW. Closes the gap that issue #2 left open: with the PortalaAdapter
already in place from c7242f8, this commit adds the reference data and
flips the activation switch.

Wahlprogramme (LTW Sachsen-Anhalt 06.06.2021)
- Six PDFs added under app/static/referenzen/{cdu,spd,gruene,fdp,afd,
  linke}-lsa-2021.pdf, plus paged plain-text extractions under
  app/kontext/*.txt for the keyword fallback search.
- Sources verified by hand:
  - CDU "Unsere Heimat. Unsere Verantwortung." (cdulsa.de, 82 pages)
  - SPD "Zusammenhalt und neue Chancen" (FES library, 77 pages)
  - GRÜNE "Verlässlich für Sachsen-Anhalt" (gruene-lsa.de, 164 pages)
  - FDP "Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021" (Naumann-Stiftung, 76 pages)
  - AfD "Alles für unsere Heimat!" (klimawahlen.de mirror, 64 pages)
  - LINKE "Wahlprogramm zur Landtagswahl 2021" (dielinke-sachsen-anhalt.de,
    88 pages)
- The CDU PDF was the trickiest: KAS blocks bot downloads via
  Cloudflare; the cdulsa.de copy was located by an autonomous web
  search and verified to be byte-identical with the official document.

Embeddings indexed (in production container, OpenAI-compatible
DashScope embeddings via the existing index_programm pipeline):
- CDU 134, SPD 145, GRÜNE 183, FDP 100, AfD 64, LINKE 143 chunks
- Total LSA: 769 new chunks alongside the existing 775 NRW chunks
  and 335 federal Grundsatzprogramm chunks.

wahlprogramme.py
- WAHLPROGRAMME["LSA"] populated with all six parties (canonical fraction
  codes, original titles, page counts).

embeddings.py
- PROGRAMME extended with the six new "<partei>-lsa-2021" entries that
  the indexer pipeline expects.

bundeslaender.py
- LSA flipped to aktiv=True. The frontend dropdown will now offer
  Sachsen-Anhalt as a selectable bundesland and analyzer.get_bundesland_
  context() will produce a real LSA prompt block (CDU/SPD/FDP as
  governing fractions, all six landtagsfraktionen).

End-to-end smoke test (live in production container before commit)
- Adapter: PortalaAdapter.search() returned current Anträge of März 2026
  (LINKE + GRÜNE) with correct titles and PDF URLs.
- Semantic search for an LSA "ÖPNV in der Altmark" sample antrag
  matched LINKE S.53, SPD S.68, FDP S.52 — all three with similarity
  > 0.6 and topical hits (Regionalisierungsmittel, ÖPNV-Förderprogramm,
  Wasserstoffnetz).

Resolves issue #2.

Co-Authored-By: Claude Sonnet 4.6 <noreply@anthropic.com>
2026-04-07 22:12:32 +02:00

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1
Wahlprogramm für die Landtagswahl
Solidarität
statt
Ellenbogen.
Besser
in Sachsen-Anhalt am 6.Juni 2021
Wahlprogramm für die Landtagswahl
in Sachsen-Anhalt am 6.Juni 2021
Besser
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Inhalt
Präambel...........................................................................................................3
I.
Gerechtigkeit, die wir meinen.....................................................................6
II.
Fortschritt, den wir meinen......................................................................20
III. Bildungsgerechtigkeit, die wir meinen......................................................39
IV. Zusammenhalt, den wir meinen................................................................50
V.
Vielfalt braucht Solidarität........................................................................60
VI. Demokratie, die wir meinen......................................................................65
VII. Wer bezahlt die Rechnung für die Krise?...................................................81
VIII. Ohne Frieden ist alles andere nichts:
Nein zum Krieg! Nein zur Rüstung!............................................................83
Das Landtagswahlprogramm 2021
wurde vom Landesparteitag der
Partei DIE LINKE.Sachsen-Anhalt
am 19.März 2021 beschlossen.
--- PAGE 3 ---
3
Nur ein starker Sozialstaat
schützt uns vor der Krise
Die Wucht der andauernden Corona-
Pandemie hat Sachsen-Anhalt,
Deutschland und die ganze Welt
hart getroffen. Wir sind am Anfang
der schwersten Wirtschaftskrise seit
Jahrzehnten. Ihre Folgen werden uns
weit über die nächsten Landtags- und
Bundestagswahlen hinaus beschäfti-
gen. Das Corona-Management des
Bundes und des Landes hat bei der
Eindämmung der zweiten Welle der
Pandemie versagt.
Unter der Krise leiden vor allem
diejenigen, die ohnehin schon zu
wenig Geld für sich und ihre Familien
haben. Den deutschen Milliardären
geht es dagegen immer besser.
Ihr Vermögen ist seit einem Jahr um
knapp 100 Milliarden gewachsen.
Dies ist ein Sinnbild für die herrschende
Politik, die das Auseinanderdriften
der Gesellschaft hinnimmt.
Wer DIE LINKE wählt, wählt soziale
Sicherheit und stärkt eine Kraft
gegen die Abwälzung der Krisenlasten
auf Beschäftigte, Versicherte,
Rentner:innen und Patient:innen.
Wer DIE LINKE wählt, stärkt eine
Kraft, die sich gegen sinnlose
Rüstungsausgaben wendet und die
Gelder für eine Bildungsoffensive
einsetzen wird. Schulen und Kitas
statt Panzer und Kriegsschiffe!
Und fast zwei Drittel der Bürger:innen
Sachsen-Anhalts, darunter auch viele
CDU-Anhänger:innen, wollen eine
Vermögensabgabe zur Bewältigung
der Krisenlasten, wie sie DIE LINKE
fordert.
Die wirklichen Leistungsträger dieser
Gesellschaft, die durch ihre tägliche
Arbeit den Reichtum schaffen, müssen
endlich bessere Löhne erhalten. Das
gilt vor allem für die »systemrelevanten
Berufe«, die mehrheitlich von Frauen
ausgeübt werden. Gerade während des
Lockdowns konnten wir sehen, wie sehr
Frauen unsere Gesellschaft mit ihrer
Arbeit zusammenhalten. Genau diese
Tätigkeiten werden aber schlecht oder
gar nicht bezahlt. Gesellschaftlich
notwendige Arbeit muss jetzt und für
die Zukunft neu bewertet werden.
Auch hier hat der Markt versagt.
Nur ein starker Sozialstaat mit einem
hohen Anteil an kommunalem und
gesellschaftlichem Eigentum wird
dafür sorgen können, dass wirkliche
Leistungen, wie sie gerade unter
Coronabedingungen vor allem von
Frauen in der Pflege und in den
Krankenhäusern erbracht werden,
aber auch andere Arbeiten mit hohem
körperlichen Einsatz, so bezahlt und
wertgeschätzt werden, wie sie es
verdienen. Nur ein solcher Sozialstaat
kann zum Rettungsanker für Selbststän-
dige und kleine Unternehmen werden.
Die Stärke der LINKEN wird mit darüber
entscheiden, ob die enormen Möglich-
keiten der öffentlichen Hand in
Sachsen-Anhalt endlich zu einer wirk-
samen Krisenbekämpfung eingesetzt
werden, ob Massenarbeitslosigkeit und
neue Privatisierungen abgewendet
werden können, ob wir künftig bessere
Krankenhäuser und bessere Pflege-
dienste in Sachsen-Anhalt haben
werden, ob der Mangel an den Schulen
beendet wird. Ohne uns wird es keine
Entschuldung der Kommunen geben.
Präambel
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4
Unsere Stärke ist unser Antifaschismus.
Wir kämpfen auf allen Ebenen gegen
Rassismus, Rechtsextremismus,
Antisemitismus, Menschenfeindlich-
keit und Antifeminismus.
Das gesellschaftliche Problem des
rassistischen, menschenfeindlichen
Hasses muss konsequent gelöst wer-
den! Unsere Stärke ist entscheidend,
wenn es um die Bekämpfung alter
und neuer Nazis geht.
Nicht Sachsen-Anhalt ist schwach,
sondern sein Ministerpräsident, seine
Regierung und seine zerstrittene und
verzagte KENIA-Koalition sind es.
Diese Regierung regiert nicht und
diese Koalition gestaltet nicht,
sondern verwaltet den Mangel.
Während andere Landesregierungen
die historisch einmalige Niedrigzins-
phase sowohl für den Ausgleich der
besorgniserregenden Steuerausfälle
nutzen als auch eigene zusätzliche
Hilfs- und Konjunkturprogramme
auflegen, versagt das Kabinett
Haseloff in diesen beiden Punkten.
So werden mitten in der Krise die
Landesfinanzen gegen die Wand
gefahren. Wie sehr wir in Sachsen-
Anhalt eine neue Politik brauchen,
zeigt sich vor allem im ländlichen
Raum. Über viele Jahre hinweg zuerst
unter Böhmer & Bullerjahn, jetzt unter
Haseloff zieht sich der Staat aus
der Fläche zurück. Mit dieser Politik
der stillgelegten Bus- und
Bahnverbindungen, der verkauften
Krankenhäuser muss Schluss sein.
Mit unserem Landtagswahlprogramm
reden wir Klartext über Missstände
und sagen konkret, was sich ändern
muss. Wir sind überzeugt davon, dass
Sachsen-Anhalt gestärkt aus der Krise
hervorgehen kann. Ein Konjunktur-
und Investitionspaket, gezielte Hilfen
für Solo-Selbstständige, die Erhöhung
des Mindestlohnes und die Auswei-
tung der Tarifbindung sind dabei
Punkte, auf die es ankommt.
Im Gesundheitswesen wollen wir neue
Wege gehen: Mit einem Krankenhaus-
verbund wollen wir nicht nur einen
Schutzschirm gegen die Privatisierung
kommunaler Krankenhäuser schaffen,
sondern ein leistungsfähiges, öffent-
liches Krankenhausunternehmen,
das schrittweise Häuser von Privaten
übernehmen kann.
Privaten Krankenhausbetreibern,
die ihren Versorgungsauftrag nicht
erfüllen, muss die Betriebserlaubnis
entzogen werden und die
Krankenhäuser sind in öffentliche
Hand zu überführen.
Der Klimawandel stellt auch Sachsen-
Anhalts Wirtschaft vor enorme
Herausforderungen. Das betrifft
keineswegs nur den Kohleausstieg im
Süden unseres Landes, sondern
ebenso die Automobilzulieferer sowie
die Land- und Forstwirtschaft.
Dass eine Wirtschaft, die auf dem
Verbrennen fossiler Rohstoffe basiert,
keine sicheren Perspektiven mehr
bieten kann, sehen immer mehr
Menschen ein. Deswegen gibt es in
unserem Programm keine wichtige
wirtschaftliche Frage, die nicht auch
einen Klimaschutzaspekt hat.
Wir richten unsere wirtschafts-,
energie- und agrarpolitischen
Konzepte an der Achse des ökologi-
schen Strukturwandels aus.
Doch das, was ökologisch vernünftig
ist, ist deswegen nicht automatisch
sozial gerecht. Grüne Politik erscheint
innovativ, vor allem aber gibt sie
denen, die schon haben, immer noch
etwas mehr dazu. Aber der ökologi-
sche Umbau muss auch im Interesse
derer erfolgen und ausgestaltet
werden, die mit weniger finanziellen
Möglichkeiten ausgestattet sind, hier
--- PAGE 5 ---
5
in Sachsen-Anhalt und weltweit.
DIE LINKE steht wie keine andere
Partei für einen sozial-ökologischen
Wandel.
Vor allem in der Krise wollen die
Menschen Sicherheit und eine
Perspektive für ein besseres Leben
in Gerechtigkeit und Würde.
Diese Hoffnung wird nicht nur durch
wirtschaftliche Verwerfungen
bedroht, sondern auch durch alte
und neue Nazis, Reichsbürger und
andere Feinde einer demokratischen
Gesellschaft. Der antisemitische,
rassistische und frauenfeindliche
Terroranschlag auf die Synagoge in
Halle vom 09. Oktober 2019, der in
einer Reihe mit den Morden des
»NSU«, mit denen an Walter Lübcke,
in Hanau oder in Christchurch steht,
ist Folge der gewaltvollen Ideologie
der völkischen Rechten.
In der gesamten Bundesrepublik
sind verfestigte extrem rechte,
neonazistische und faschistische
Strukturen aktiv, von denen eine
konkrete Gefahr für das Leben und
die Freiheit der Menschen in
Deutschland ausgeht. Wir brauchen
eine Regierung, die endlich
konsequent dagegen vorgeht, mit
Schwerpunktstaatsanwaltschaften,
mit einer konsequenten Entwaffnung,
mit konsequenter Anwendung der
Gesetze. Die AfD ist der parlamentari-
sche Arm des Rechtsextremismus.
Trotzdem sind Teile der CDU nicht
bereit, sich von einer Zusammenarbeit
mit ihr zu distanzieren. DIE LINKE
kämpft gegen jeden Einfluss der
extremen Rechten auf die Regierungs-
politik in Sachsen-Anhalt.
DIE LINKE ist die Partei, die im Bund,
im Land und in den Kommunen auf
einen starken Sozialstaat setzt.
DIE LINKE ist die einzige Partei, die
die Interessen der Menschen in
Ostdeutschland konsequent vertritt.
DIE LINKE ist ihrem sozialistischen
Erbe verpflichtet. Sie steht für den
Bruch mit der SED-Herrschaft.
Die ostdeutsche Revolution von
1989 war ebenso auch
mutige Reformbewegung eines
demokratischen und ökologischen
Sozialismus. Wir wollen die
Gesellschaft demokratisch, sozial und
ökologisch verändern. Wir wollen ein
demokratisch-sozialistisches Ideal,
das das Privateigentum nicht über
alles hebt, das wichtige Bereiche des
öffentlichen Lebens nicht dem Markt
überlassen will. Gleichheit und
Solidarität, Freiheit und Frieden sind
für uns die Vision einer besseren
Gesellschaft.
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6
Gute Arbeit: Sachsen-Anhalt
verdient Besseres
DIE LINKE kämpft für ein neues
Normalarbeitsverhältnis, das für
alle Menschen soziale Sicherheit
ermöglicht und auf individuelle
Lebenslagen Rücksicht nimmt: Arbeit
muss für alle Menschen sicher und
unbefristet, tariflich bezahlt, sozial
abgesichert und demokratisch
mitgestaltet sein. Das gilt, ganz gleich
ob die Arbeit mit Laptop oder Wisch-
mopp, im Pflegekittel oder Blaumann
geleistet wird. In einem reichen
Land wie Deutschland fängt sozial
gerechte Politik damit an, dass Armut
trotz Arbeit, sozialer Abstieg und
permanente Unsicherheit in prekären
Jobs sofort gestoppt werden.
Seitdem in Deutschland, auch auf
Druck der LINKEN, der Mindestlohn
eingeführt wurde, war er vor allem für
viele Geringverdienende in Sachsen-
Anhalt ein Erfolgsmodell. Er führte zu
einer überdurchschnittlichen
Erhöhung des Lohnniveaus und zu
einer erhöhten Binnennachfrage.
Der Mindestlohn ist jedoch kein Ersatz
für gute Löhne, die erst eine aus-
kömmliche Rente ermöglichen.
Und gute Löhne gibt es vor allem dort,
wo nach Tarif bezahlt wird.
Doch nur die Hälfte der Beschäftigten
in Sachsen-Anhalt ist durch einen
Tarifvertrag geschützt. Deswegen
unterstützen wir die Gewerkschaften
in ihrem Kampf um gute Tarifverträge.
In Streiks können Gewerkschaftsmit-
glieder höhere Löhne und bessere
Arbeitsbedingungen erkämpfen.
Und wir haben eine klare und einfache
Botschaft: Öffentliche Aufträge soll
nur bekommen, wer sich an Tarif-
verträge hält bzw. einen Vergabe-
mindestlohn von 13 Euro brutto pro
Stunde bezahlt. Wir setzen uns für ein
Vergabegesetz mit verbindlichen
sozial-ökologischen Kriterien ein.
DIE LINKE tritt dafür ein, Tarifverträge
für allgemeinverbindlich zu erklären,
insbesondere für die Bereiche Handel,
Reinigung und Pflege. Das Vetorecht
der Arbeitgeber bei Allgemeinverbind-
licherklärungen von Tarifverträgen
gehört abgeschafft. Wir unterstützen
die Forderung des DGB nach einem
Kompetenzzentrum für Gute Arbeit.
Geht es nach Ministerpräsident
Haseloff (CDU), bleibt Sachsen-Anhalt
ein Niedriglohnland. Die Menschen
arbeiten länger, verdienen dafür
weniger und haben nicht so
viel Urlaub wie in den alten Bundes-
ländern. Denn die CDU führt in
Sachsen-Anhalt einen rückwärts-
gewandten Kampf gegen den
Mindestlohn, die Tarifbindung und
die Erweiterung von Rechten der
Arbeitnehmer:innen. Das muss sich
ändern. Nicht in 10 oder 20 Jahren,
sondern jetzt.
Existenzsicherung in der
Wirtschaftskrise
Viele Beschäftigte müssen aufgrund
von Kurzarbeit Lohneinbußen hinneh-
men. Das bedeutet, später auch
weniger Rente zu bekommen.
Das Kurzarbeitergeld muss auf
90 Prozent erhöht werden.
Jeglichen Forderungen, den Mindest-
lohn zu senken, erteilt DIE LINKE.
Sachsen-Anhalt eine scharfe Absage.
Wir fordern ein Grundeinkommen für
I. Gerechtigkeit, die wir meinen
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7
Solo-Selbstständige, Künstler:innen
und Dienstleister:innen der
Veranstaltungsbranche von
1.200 Euro im Monat bis zum Ende
der Beschränkungen für ihre Arbeit.
Das Land Sachsen-Anhalt muss
als Arbeitgeber vorbildlich sein
Galt ein Job im öffentlichen Dienst vor
Jahren als sicher bis zur Rente, ist
jetzt dieser Sektor vor allem durch
Überalterung und Befristung geprägt.
Fast die Hälfte der zurzeit im öffent-
lichen Dienst Beschäftigten erreicht
in den kommenden zehn Jahren das
Rentenalter. Dennoch erfolgt mehr als
die Hälfte der Neueinstellungen nur
befristet und nur jede:r vierte befristet
Beschäftigte wird in ein unbefristetes
Arbeitsverhältnis übernommen.
So gewinnt man keinen Nachwuchs,
sondern verprellt ihn. DIE LINKE wird
den öffentlichen Dienst wieder zum
attraktiven Arbeitgeber machen.
Sachgrundlose Befristungen wollen
wir abschaffen, den Nachwuchs
besser ausbilden und durchlässige
Aufstiegskorridore schaffen. Insbe-
sondere für mittlere und gehobene
Laufbahnen wollen wir mehr Entwick-
lungsmöglichkeiten aus dem eigenen
Personalbestand schaffen.
Mehr Frauen in Führungspositionen
fordert DIE LINKE und wird sie aktiv
fördern. Außerdem werden wir uns
für flache Hierarchien und partizipa-
tive Führung einsetzen, sodass alte
Machtstrukturen auch im öffentlichen
Dienst aufgebrochen werden.
Was wir für die Rechte von
Arbeitnehmer:innen tun wollen
Der Aushöhlung von Arbeitsschutz-
rechten unter dem Vorwand der
Digitalisierung oder der Corona-
Pandemie sagen wir den Kampf an.
Arbeit muss flexibler werden, aber für
die Beschäftigten, nicht die Konzerne.
Die Bestimmungen zu Sonn- und
Feiertagsarbeit dürfen nicht aufge-
weicht werden. Dauerhaftes Arbeiten
von zu Hause aus, ob Homeoffice
oder mobiles Arbeiten, kann zu
sozialer Vereinsamung führen und
die ständige Erreichbarkeit durch den
Arbeitgeber belastet die Psyche weiter.
Die Kosten, welche durch mobiles
Arbeiten entstehen, dürfen nicht auf
die Beschäftigten abgewälzt werden.
Wo Gewerkschaftsarbeit behindert
(union busting) und Gewerk-
schafter:innen gemobbt werden,
muss der Staat eingreifen.
Wer die Bildung eines Betriebsrates
oder dessen Arbeit behindert,
macht sich strafbar. Aber nur in
seltenen Fällen kommt es zur Anklage.
Hier muss bei der Ahndung und
Verfolgung von solchen Straftaten
mehr getan, aber auch der öffentliche
Druck auf solche Unternehmen erhöht
werden, auch mittels Einschränkungen
bei der Fördermittelvergabe des
Landes. DIE LINKE fordert die Ein-
führung eines Verbandsklagerechtes
für Gewerkschaften. Wir wollen,
dass gegen Mobbing von Beschäftigten
und Betriebsräten, bei Verstößen
gegen Tarifverträge und Arbeitsrechte
auch die Gewerkschaften Klage
erheben können.
Ausbeuterische Werkverträge
und Leiharbeit abschaffen
Skandalöse Arbeitsbedingungen in
der Fleischindustrie, auf dem Bau
und in der Landwirtschaft gefährden
die öffentliche Gesundheit.
Hohe Infektionszahlen sind dort
deswegen kein Zufall, sondern
Ergebnis unerträglicher Ausbeutungs-
verhältnisse auf der Basis von
Werkverträgen und Leiharbeit.
--- PAGE 8 ---
8
So ziehen sich Unternehmen aus der
Verantwortung für den Schutz von
Arbeitnehmer:innen, kassieren aber
hohe Gewinne durch die Dumping-
angebote von Subunternehmen.
DIE LINKE fordert die Bekämpfung
von Scheinselbstständigkeit, illegaler
Arbeitnehmer:innenüberlassung
und das Verbot von Leiharbeit.
Sozialstandards und Arbeit-
nehmer:innenrechte müssen überall
in Sachsen-Anhalt und für jede:n
gelten, egal, woher sie oder er kommt.
Betriebliche Mitbestimmung stärken
Dass nur rund 14 Prozent der Betriebe
mit mehr als fünf Beschäftigten im
Land einen Betriebsrat haben, muss
sich endlich ändern.
DIE LINKE fordert, über die jährlich
stattfindende Betriebsrätekonferenz
hinaus, eine Förderung der
Anerkennungskultur betrieblicher
Mitbestimmung, u.a. auch durch
eine Aufnahme in den Lehrplan an
berufsbildenden Schulen.
Unternehmen, Betriebs- und Personal-
räte wollen wir beim betrieblichen
Gesundheitsmanagement unter-
stützen und Weiterbildungsstandards
etablieren und verbessern.
Damit Arbeit nicht krank macht
Die Sicherheit und Gesundheit der
Beschäftigten am Arbeitsplatz sind
ein wichtiges Gut. Der Arbeits- und
Gesundheitsschutz von Menschen
darf nicht dem Kommerz bzw. dem
Rotstift geopfert werden. Das Landes-
amt für Verbraucherschutz, vor allem
der Fachbereich Arbeitsschutz, war
jahrelang einem Kürzungs- und
Spardruck ausgesetzt und ist personell
unterbesetzt. Schon heute wird ein
Unternehmen in Sachsen-Anhalt
durchschnittlich nicht einmal rund alle
19 Jahre kontrolliert. Eine effektive
Kontrolltätigkeit sieht anders aus.
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt setzt sich
für mehr Personal im Landesamt ein.
Das Verlangen nach ständiger Erreich-
barkeit von Arbeitnehmer:innen, die
beschleunigte digitale Informations-
flut und Arbeitsverdichtung sowie
schlechte Arbeitsausstattungen
gefährden die Gesundheit und führen
zu einer Zunahme vor allem
psychischer Erkrankungen. Auf diese
Veränderungen ist bislang im Arbeits-
schutzrecht und bei der Prävention
nicht ausreichend reagiert worden.
Deswegen brauchen wir eine
Anti-Stress-Verordnung und eine
gesetzliche Verpflichtung der
Arbeitgeber:innen beim betrieblichen
Gesundheitsmanagement.
Die Trennung von Arbeit und Privat-
leben ist ein schützenswertes Gut.
Die Ausweitung des Homeoffice
erfordert daher angepasste
Regelungen für den Arbeits- und
Gesundheitsschutz. Es sollte einen
Rechtsanspruch für Beschäftigte
auf mobiles Arbeiten und Homeoffice
geben, aber nur auf freiwilliger Basis
und mit verbindlichem tariflichem
Schutz vor Überlastung und Stress.
Mehr Geld für Auszubildende
Auszubildende sind nicht einfach
billige Arbeitskräfte, die zu
ausbildungsfremden Tätigkeiten und
Überstunden gezwungen werden
können. Betrieben, die gegen das
Jugendarbeitsschutzgesetz und das
Berufsbildungsgesetz verstoßen,
muss von den zuständigen Stellen die
Ausbildungsberechtigung entzogen
werden. Wir fordern eine Mindestaus-
bildungsvergütung von 1050 Euro.
Das Schulgeld bei den nichtärztlichen
Heilberufen und Erziehungsberufen
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9
werden wir abschaffen und eine
adäquate Ausbildungsvergütung
für die schulischen Ausbildungen
einführen.
Wir wollen ein landesweites
Azubiticket
In Sachsen-Anhalt nehmen demogra-
fisch bedingt auch in den kommenden
Jahren weniger junge Menschen eine
Ausbildung auf.
Dadurch kommt es zwangsläufig zu
weiten Wegen zur Ausbildungsstätte
und zur Berufsschule.
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt setzt sich
für ein Angebot an Internatsplätzen
an jedem Berufsschulstandort und
für ein Azubiticket ein, das den Namen
auch tatsächlich verdient.
Der Fachkräftemangel kann
überwunden werden
Arbeit in Sachsen-Anhalt muss
attraktiver werden, sowohl bei der
Bezahlung als auch bei der Vereinbar-
keit von Familie, Beruf und Ehrenamt
sowie den Arbeitsbedingungen.
Sachsen-Anhalt leidet seit Jahren
unter dem Weggang von jungen
Menschen. Schon jetzt fehlen
Lehrer:innen, Erzieher:innen,
Richter:innen, Fachkräfte im Indust-
riebereich, aber auch im Handwerk,
in der Gastronomie/Hotellerie und im
Gesundheitswesen. Prekäre Beschäf-
tigung im Wissenschaftsbereich
und mehr Solo-Selbstständige
durch Outsourcing von regulärer
Beschäftigung, etwa im Bereich
Webdesign, Netzwerkadministration
usw. sind für viele keine ausreichenden
Perspektiven. DIE LINKE will alle
Möglichkeiten nutzen, Fachkräfte zu
gewinnen und zu halten. Attraktive
Arbeits- und Lebensbedingungen
sollen Fachkräfte halten, das Land
aber auch interessant für Rückkehrer
machen. Wir wollen, dass betriebliche
und überbetriebliche Weiterbildungs-
maßnahmen auch darauf ausgerichtet
sind, berufliche Perspektiven von
Fachkräften zu stärken.
Berufliche Weiterbildung wird beim
Voranschreiten von Digitalisierung
und Strukturwandel eine wichtige
Rolle einnehmen. Einerseits müssen
Betriebe es ihren Beschäftigten
ermöglichen, steigenden
Anforderungen im digitalen Bereich
gerecht zu werden, andererseits
müssen arbeitsuchende Menschen
auf neue Gegebenheiten im Arbeits-
alltag vorbereitet werden. Die Band-
breite von nötigen Qualifizierungs-
angeboten vom 2-stündigen Kurs zum
Datenschutz bei Videokonferenzen
bis zur 2-jährigen Umschulung ist so
vielfältig wie die Menschen selbst
und muss ausgeschöpft werden.
Allerdings muss Arbeitnehmer:innen
nicht nur berufliche Weiterbildung,
sondern jegliche Form der Erwachse-
nenbildung wie z.B. politische,
kulturelle oder ehrenamtliche Bildung
während ihrer Arbeitszeit ermöglicht
werden. Dazu strebt DIE LINKE die
Änderung des Bildungsfreistellungs-
gesetzes in ein modernes Bildungs-
zeitgesetz an. Digitale Formate wie
Webinare und Livestreams sind
Bestandteil der Erwachsenenbildungs-
angebote und gewinnen künftig an
Bedeutung. Die Träger der Erwachsenen-
bildung benötigen auf diesem Feld
Rechtssicherheit. DIE LINKE setzt
sich dafür ein, dass die Abrechnungs-
systematik bei den Trägern der
öffentlich verantworteten
Erwachsenenbildung diesem Wandel
angepasst wird. Zahlreiche Studien
zur demografischen Entwicklung
zeigen, dass es sich Sachsen-Anhalt
nicht leisten darf, auch nur einen
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10
Menschen auszugrenzen. Angebote von
Trägern der öffentlich verantworteten
Erwachsenenbildung zu
Alphabetisierung und Grundbildung
sind zu fördern und auszubauen.
Sachsen-Anhalt
braucht Zuwanderung
Ohne zugewanderte Fachkräfte kann
unsere Wirtschaft nicht auskommen.
Und dafür braucht es eine
Willkommenskultur und die schnelle
Anerkennung von ausländischen
Bildungsabschlüssen. Im Ausland
erworbene Berufsqualifikationen
müssen schneller als bisher anerkannt
werden, der Weg zur Anerkennung
muss übersichtlicher werden, und es
muss Teilanerkennungen und vor
allem entsprechende Qualifizierungs-
angebote geben. Alle damit befassten
Institutionen auf Landes- und Regional-
ebene müssen eine umfassende
Unterstützung erfahren. Das gilt für
Institutionen wie das Landesschulamt,
das Landesinstitut für Schulqualität
und Lehrerbildung oder das Landes-
prüfungsamt für Gesundheitsberufe
ebenso wie für die unabhängigen
Berufskammern. Der Auf- und Ausbau
der für ihre Arbeit notwendigen Daten-
banken über ausländische Bildungs-
systeme soll eine umfassende
Förderung durch das Land erfahren.
Die beständige interkulturelle
Weiterbildung der Mitarbeiter:innen
ist sicherzustellen. Die wichtige
Unterstützung von migrantischen
Arbeitskräften und die Hilfen gegen
Ausnutzung und Missbrauch müssen
fortgeführt und das Projekt BemA
Beratung migrantischer Arbeitskräfte
personell verstärkt werden.
Die Ausbeutung migrantischer Arbeits-
kräfte, etwa in Schlachthöfen oder
Erntebetrieben, ist zu bekämpfen.
DIE LINKE fordert häufigere und unan-
gekündigte Kontrollen und dass Ver-
stöße konsequent geahndet werden.
Die Zusammenarbeit von Zoll,
Gewerbeämtern und Landesamt für
Verbraucherschutz sowie Veteri-
näramt muss verbessert werden.
Wir wollen das Landesamt für Ver-
braucherschutz vor allem im Bereich
Arbeitsschutz personell verstärken.
Nicht nur Erwerbsarbeit ist Arbeit
Erwerbsarbeit, Familienarbeit und
gesellschaftliches politisches
Engagement sind gleichermaßen
wichtige Bereiche gesellschaftlicher
Arbeit. Wir wollen dafür sorgen,
dass sie für Männer und Frauen
gleichermaßen besser miteinander
vereinbar werden. Heute erbringen
Frauen mehr als die Hälfte der
gesellschaftlichen Arbeit. Insbesondere
dieunbezahlteFamilienarbeit liegt
zum übergroßen Teil immer noch bei
den Frauen. Besonders im Bereich
Gesundheit und Pflege wird Arbeit
oft freiwillig und unbezahlt geleistet.
Auch wenn wir auf dieses Engagement
nicht verzichten wollen und können,
gilt es doch zu verhindern, dass über
diesen Weg bezahlte Arbeit verdrängt
oder ersetzt wird.
Erwerbsarbeit im Bereich von Gesund-
heit und Pflege wird nach wie vor
schlecht bezahlt und überwiegend
von Frauen geleistet. Wir wollen, dass
diese Arbeit aufgewertet und besser
bezahlt wird. Hier braucht es einen
Systemwechsel zur Arbeitszeitver-
kürzung mit vollem Lohnausgleich
und Arbeitsumverteilung. Wir wollen
dazu Gewerkschaften und Arbeit-
geberverbände bei der konkreten
Entwicklung von Modellen der
Arbeitszeitverkürzung, die sich
am wirklichen Bedarf der Arbeit-
nehmer:innen orientieren, unterstützen.
--- PAGE 11 ---
11
Durch das Ende der ESF-Förderperiode
2021/22 werden die kaum noch
zählbaren Arbeitsmarktprogramme
für einzelne Personengruppen wie
z.B. Alleinerziehende, ältere Arbeitslo-
se oder Langzeitarbeitslose auslaufen.
DIE LINKE will anstatt einer neuen
unübersichtlichen Förderstruktur
ein Modellprojekt Grundeinkommen
in Verbindung mit freiwilliger und
sozialversicherungspflichtiger
Gemeinwohlarbeit für arbeitslose
Menschen etablieren.
Soziales: Sicher und
gerecht durch die Krise
DIE LINKE will den Sozialstaat in
Deutschland erneuern. Dies ist nötig,
weil die Armut und die Armutsrisiken
in unserem Land rapide ansteigen.
Stimmen aus Union und FDP stellen
die Finanzierbarkeit des Sozialstaates
wegen Corona infrage. Jetzt müssen
unsere sozialen Sicherungssysteme
vor neuen Angriffen durch diejenigen
geschützt werden, die die Krise
skrupellos missbrauchen wollen,
um nach den Wahlen Leistungen
zu kürzen. Für die Kosten der Krise
müssen die großen Vermögen
herangezogen werden, die
übrigens auch am stärksten von den
Konjunkturprogrammen des Bundes
profitiert haben.
Ein Schutzschirm gegen Armut:
Gute Löhne, gute Renten
Es darf nicht sein, dass Menschen
mehrere Jobs annehmen müssen,
weil sie von einem allein nicht leben
können und dennoch aufstocken
müssen. Wenn in Sachsen-Anhalt
immer noch mehr als ein Drittel der
Menschen für Niedriglöhne arbeitet,
zeigt das nicht nur, wie in unserem
Land gegen das Prinzip gleicher Lohn
für gleichwertige Arbeit verstoßen
wird, sondern auch die Dimension von
Altersarmut, die uns droht, wenn nicht
gegengesteuert wird. Wir setzen
deshalb auf flächendeckende Tarif-
verträge mit einer dynamischen
Lohnentwicklung. Der Mindestlohn
muss auf 13 Euro pro Stunde
angehoben werden, damit niemand im
Alter auf Grundsicherung angewiesen
ist. Wir wollen die gesetzliche Rente
stärken und eine Rentenkasse für alle
Menschen mit Erwerbseinkommen
einführen. Für einen Ruhestand in
Würde und für soziale Teilhabe im
Alter für jede:n brauchen wir einen
Mindeststandard in der gesetzlichen
Rente. Deshalb will DIE LINKE eine
steuerfinanzierte, solidarische
Mindestrente von 1.200 Euro netto
einführen. Die Anhebung des Renten-
eintrittsalters auf 67 Jahre lehnen
wir ab. Sie ist nichts außer einer
weiteren Kürzung der Renten.
Stattdessen wollen wir flexible
Übergänge in die Rente vor dem
65. Lebensjahr ermöglichen.
Für eine solidarische Gesundheits-
und Pflegeversicherung: Eine für alle
Die bestehende Gesetzliche Kranken-
versicherung folgt Grundsätzen, die
sozial ausgeglichen sind. Gesunde
zahlen für Kranke und Gutverdienende
für Geringverdienende. Aber leider
gibt es von diesen Grundsätzen
so viele Ausnahmen, dass grobe
Ungerechtigkeiten die Folge sind.
Einige Bevölkerungsgruppen können
sich aus dem Solidarprinzip verab-
schieden, v.a. Beamt:innen, Selbst-
ständige und Angestellte mit hohem
Einkommen. Wer arbeitet, zahlt auf
sein Gehalt Beiträge, wer Einkommen
aus Aktien, aus Vermietung u.a. hat,
zahlt darauf nichts.
Prozentual sinkt so die Belastung mit
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12
steigendem Einkommen. Damit muss
Schluss sein. Unser Vorschlag ist klar:
Wenn sich alle in Deutschland
lebenden Menschen nach ihrem
Einkommen an der Finanzierung des
Gesundheitssystems beteiligen, ist
das nicht nur gerechter, sondern die
Beitragssätze könnten auch deutlich
sinken. Deshalb hat DIE LINKE
das Konzept der Solidarischen
Gesundheitsversicherung (Bürger-
versicherung) entwickelt.
Der Beitragssatz könnte damit laut
einer Studie aus dem Jahr 2017 von
15,7 Prozent auf unter 12 Prozent des
Einkommens sinken. Auf Löhne und
Gehälter sowie Renten müssten die
Versicherten nur noch einen Anteil von
5,85 Prozent statt derzeit 8,4 Prozent
zahlen. Wir brauchen eine Gesund-
heits- und Pflegereform, um die
Kostenübernahme in den Pflege-
heimen zu regeln und eine deutlich
bessere Bezahlung des Personals in
Pflege und Gesundheit durchzusetzen.
Eine Grundsicherung,
die Ihren Namen verdient
Statt Hartz IV brauchen wir eine
sanktionsfreie und bedarfsdeckende
Mindestsicherung, die vor dem
finanziellen Absturz schützt, und
eine armutsfeste Grundsicherung
für Kinder. Hartz IV ist durch eine
sanktionsfreie Mindestsicherung
von 1.200 Euro grundlegend zu
überwinden. Sanktionen müssen
abgeschafft werden. Die Bedarfs-
gemeinschaftskonstruktion lehnt
DIE LINKE ebenso ab wie Zwangs-
umzüge und Schnüffeleien im Privat-
leben. In der Krise kämpfen wir für
Pandemiezuschläge auf Sozialleistun-
gen und für ein Grundeinkommen
(Selbstständigengeld), um eine
Pleitewelle bei kleinen Unternehmen,
Solo-Selbstständigen, Künstler:innen
und Dienstleister:innen der Veranstal-
tungsbranche zu verhindern.
Kinderarmut überwinden
Mehr als jedes fünfte Kind in Sachsen-
Anhalt lebt in Armut oder ist armuts-
gefährdet. Was ist zu tun? Auf Bundes-
ebene muss eine eigenständige
Grundsicherung für Kinder und
Jugendliche eingeführt werden.
Die Anhebung des Kindergeldes und
Kinderfreibetrages wird das aktuelle
Problem nicht lösen, denn noch
immer wird das Kindergeld auf die
Hartz IV-Leistungen angerechnet,
und bei den Kinderfreibeträgen
profitieren nur die, die auch eine
entsprechende Höhe an Steuern
zahlen also die Besserverdienenden.
Wir fordern daher als ersten Schritt
das Ende der Anrechnung auf
Transferleistungen. Auf Landesebene
wollen wir ein Netzwerk früher Hilfen
entwickeln, das Kinder und Jugendliche
von der Geburt bis zum Einstieg in das
Berufsleben begleitet. Ein solches
Netzwerk bietet Unterstützung für
Kinder und Eltern gleichermaßen.
Voraussetzung ist ein wertschätzender,
vertrauensvoller Umgang aller
Beteiligten miteinander.
Die Realisierung dieses Konzeptes
erfordert einen Dialog mit den
Kommunen. Als Anreiz zur Umsetzung
dieses Konzeptes durch die Kommunen
müssen zusätzliche Landesmittel zur
Verfügung gestellt werden.
Rechte der Verbraucherinnen und
Verbraucher stärken
Unternehmen, Banken und Konzerne
setzen ihre Macht regelmäßig zum
Nachteil der Verbraucher:innen ein.
Unlautere Werbung, Abzockerei bei
Telefon- und Internetangeboten, die
miesen Praktiken der Inkasso- und
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13
Abmahnindustrie müssen wir uns so
wenig gefallen lassen wie schlechte
und ungesunde Lebensmittel.
Es gibt inzwischen kaum einen Raum,
in dem Menschen keine Werbung
aufgedrängt wird. Wir wollen eine
schrittweise Einschränkung von
Produkt- und Markenwerbung im
öffentlichen Raum sowie ein voll-
ständiges Verbot von kommerzieller
Werbung an Kitas und Schulen.
Alle Verbraucher:innen müssen das
Recht haben, selbst zu bestimmen,
was mit ihren Daten geschieht, ohne
benachteiligt zu werden.
Die Verbraucherzentrale Sachsen-
Anhalt ist mit ihren Beratungsstellen
eine Säule des Verbraucherschutzes
in unserem Land. Ihre vielfältigen
Angebote der Rechtsberatung, der
Fachberatung Lebensmittel, der
Energieberatung, der Pflegerechts-
beratungum hier nur einige zu
nennenhelfen alltäglich vielen
Menschen. Wir wollen dafür sorgen,
dass diese Arbeit mit einer guten
Finanz- und Personalausstattung
durch das Land gewürdigt wird.
Das betrifft auch die kommunalen
Schuldnerberatungen und die Insol-
venzberatung. Denn um Schulden zu
verhindern, bevor sie entstehen,
brauchen wir gut ausgestattete
Schuldnerberatungsstellen. Dazu
gehört auch eine mobile Verbraucher-
beratung in den ländlichen Regionen
Sachsen-Anhalts.
Gesundheit:
Gemeinwohl statt Profite
Einst gab es in Sachsen-Anhalt ein
dichtes Netz von 70 öffentlichen
Krankenhäusern. Heute gibt es noch
11 Krankenhäuser in öffentlicher Hand
und 18 Häuser, die von frei-gemein-
nützigen Trägern betrieben werden.
17 Krankenhäuser sind von privaten
Krankenhauskonzernen übernommen
worden, der Rest wurde geschlossen.
DIE LINKE will kein privatisiertes
Gesundheitssystem und keine
Zwei-Klassen-Medizin. Die Beschäf-
tigten in privatisierten Kliniken wie
AMEOS streiken gegen miese Arbeits-
bedingungen und schlechte Löhne.
Mittlerweile gibt es einen riesigen
Investitionsstau, auf den die Landes-
regierung nur unzureichend reagiert.
Für einen öffentlichen
Klinikverbund in Sachsen-Anhalt
DIE LINKE will einen Schutzschirm
gegen Privatisierung für die verbliebe-
nen kommunalen Krankenhäuser.
Dafür müssen wir den überregionalen
Unternehmensstrukturen der
privaten Krankenhauskonzerne einen
eigenen öffentlichen Klinikverbund
entgegensetzen.
Über den Klinikverbund soll sich das
Land an den kommunalen Kliniken
beteiligen. Außerdem sollte das Land
die Salus gGmbH in den Verbund
einbringen. Die Verbundgesellschaft
wird mit Eigenkapital und Kreditbürg-
schaften ausgestattet. Damit wird
die Kapitalbasis der kommunalen
Krankenhäuser gestärkt. Als zusätz-
licher Anreiz sollte über die Übernahme
von Altschulden der Häuser gesprochen
werden. Aufgabe des Klinikverbundes
ist es, über Beteiligungen an den
kommunalen Häusern eine Holding zu
bilden, welche die wirtschaftliche
Koordinierung der einzelnen Häuser
übernimmt. Die ärztliche Leitung der
Standorte sowie die Verwaltungs-
leitung verbleiben auf kommunaler
Ebene. Die wirtschaftliche Gesamt-
leitung und das Kreditmanagement
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14
liegen beim Klinikverbund. Derartige
regionale Gesundheitsunternehmen
gibt es schon in anderen Bundeslän-
dern. Gelänge es, die verbliebenen
kommunalen Krankenhäuser unseres
Landes unter dem Dach einer Holding
zu vereinen, stünden dort ca. 4.500
Betten für die Patient:innenversorgung
zur Verfügung. Wir wollen dafür sorgen,
dass der Klinikverbund wirtschaftlich
so aufgestellt wird, dass perspektivisch
Krankenhäuser aus dem privaten in den
öffentlichen Bereich zurückgeholt wer-
den können. Wenn private Betreiber
die Versorgung nicht mehr sicherstel-
len, ist ihnen der Versorgungsauftrag
zu entziehen und das Krankenhaus in
die öffentliche Hand zurückzuführen.
Für eine solidarische
Finanzierung der Krankenhäuser
und der stationären Pflege
Das bestehende Fallpauschalensystem
hat zu Personalmangel, Lohndumping
und Pflegenotstand geführt. Es ist
weder pandemiesicher noch gemein-
wohlorientiert. Die Fallpauschalen
müssen durch ein neues System der
kostendeckenden Finanzierung
abgelöst werden. DIE LINKE fordert
eine gesetzliche, bedarfsgerechte und
voll finanzierte Personalbemessung für
alle Berufsgruppen im Krankenhaus.
Für die stationäre Pflege müssen die
Vorschläge von ver.di, vom Deutschen
Pflegerat (DPR) und von der Deutschen
Krankenhausgesellschaft (DKG)
zur Pflegepersonal-Regelung (PPR 2.0)
umgesetzt werden.
Das Land muss seiner Verpflichtung
zur Finanzierung der Krankenhaus-
investitionen nachkommen.
Der jährliche Investitionsbedarf aller
Krankenhäuser liegt bei 150 Millionen
Euro. Für die kommenden fünf Jahre
sollte dieser mit 750 Millionen Euro im
Haushalt festgeschrieben werden.
Davon sollen 80 Millionen Euro jährlich
pauschal für Ersatzbeschaffungen und
kleine Baumaßnahmen ausgereicht
werden. Die verbleibende Summe soll
über den Fünfjahreszeitraum als
Einzelfallförderung zur Umsetzung der
Strukturveränderungen des Kranken-
hausplanes verwendet werden.
Gesundheits- und
Sozialberufe aufwerten
Es wird immer wieder beklagt, dass in
der Kranken- und Altenpflege sowie für
die Betreuung von Menschen mit Beein-
trächtigungen zu geringe Löhne gezahlt
werden und deswegen viele Fachkräfte
fehlen. Das ist nicht die ganze Wahr-
heit. Es geht auch darum, dass die
Überlastung des Personals durch eine
verfehlte Sparpolitik bewusst in Kauf
genommen wurde. Deswegen unter-
stützen wir die Gewerkschaften im
Kampf um gute und flächendeckende
Tarifverträge. Es müssen alle Möglich-
keiten genutzt werden, diese für all-
gemeinverbindlich zu erklären, um die
Entlohnung und die Arbeitsbedingungen
zu verbessern. Zur Aufwertung der
Gesundheitsberufe gehört aus unserer
Sicht auch, die Schulgeldfreiheit für
Gesundheitsberufe, die Vergütung der
Ausbildung und ihre perspektivische
Akademisierung durchzusetzen.
Die Leistungen der Beschäftigten in
der Gesundheits-, Pflege- und Sozial-
branche werden am besten gewürdigt,
indem die bestehenden Missstände
beseitigt werden und endlich Löhne
gezahlt werden, die den erbrachten
Leistungen entsprechen.
Öffentliche Gesundheitsdienste
und kommunale Pflegedienste
Durch die Pandemie ist vielen bewusst
geworden, wie wichtig der öffentliche
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15
Gesundheitsdienst (ÖGD) und leis-
tungsfähige Gesundheitsämter sind.
Dass nun von Bund und Ländern
beschlossen wurde, Finanzmittel für
tausende neue Stellen und den
Ausbau elektronischer Meldewege
zur Verfügung zu stellen, ist ein
überfälliger Schritt.
Der ÖGD sollte befähigt werden,
auch bei der Infektionsprophylaxe,
z.B. für Reihenimpfungen in Kitas,
Schulen und Betrieben, Kapazitäten
zu entwickeln.
Ein dynamischer Pandemieplan
für Sachsen-Anhalt
Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt,
dass im Falle einer Pandemie ein
koordiniertes, zügiges und konse-
quentes Handeln erforderlich ist.
Ein dynamischer Pandemieplan ist
dafür ein unverzichtbares Instrument.
Der Pandemieplan muss in einem
Zweijahresrhythmus angepasst
werdenes sei denn, es ergeben
sich zwingende Änderungen aus
aktuellem Anlass. Wir brauchen
eine eigenständige Bevorratung an
Schutzausrüstungen, Desinfektions-
mitteln, Masken, Medikamenten usw.,
um im Krisenfall die Versorgung der
Bevölkerung und damit die Sicherheit
der Bürger:innen gewährleisten zu
können. Darüber hinaus ist es
unabdingbar, die Produktion dieser
lebenswichtigen Produkte im Inland
sicherzustellen.
Prävention statt
Kriminalisierung
DIE LINKE. Sachsen-Anhalt steht für
eine gesundheitsorientierte und
selbstbestimmte Drogenpolitik
und Suchtprävention. Statt Drogen-
konsum zu kriminalisieren, wollen wir
einen effektiven Jugend-, Gesundheits-
und Verbraucherschutz ermöglichen
und Menschen in Abhängigkeit aus
ihrer Sucht begleiten. Damit gehen
für uns einher die Legalisierung von
Cannabis, die kontrollierte Abgabe
sogenannter harter Drogen an
Menschen mit Abhängigkeit und die
Möglichkeit, Drogen zum Eigenbedarf
auf Verunreinigungen prüfen zu
lassen sowie die Einrichtung von
Drogenkonsumräumen.
Gleichzeitig wollen wir uns den
gesellschaftlichen Folgewirkungen
von Drogenmissbrauch stellen.
Unterstützungsstrukturen für
suchterkrankte Menschen müssen
durch eine gute wissenschaftliche
Begleitung ergänzt werden, um
passgenaue Hilfen anzubieten.
Wir werden uns dafür einsetzen,
sachlichen und wertfreien Präventiv-
unterricht an Schulen anzubieten,
der durch geschulte
Sozialarbeiter:innen erfolgen soll.
Gerechtigkeit ist weiblich
Die Corona-Pandemie wirft auch ein
Schlaglicht darauf, wie Frauen unsere
Gesellschaft zusammenhalten.
Der Frauenanteil in den system-
relevanten Berufen liegt bei 75 Prozent.
Nach Angaben des deutschen
Frauenrates haben Frauen in den
Familien schon vor der Pandemie
durchschnittlich1,5 Stunden täglich
mehr mit Sorgearbeit verbracht als
Männer. Diese Mehrfachbelastung
(Kinderbetreuung und Pflege von
Angehörigen, Homeschooling,
mobiles Arbeiten und Haushalt)
ist während der Pandemie weiter
gestiegen. Viele wirtschaftliche
Hilfsmaßnahmen gehen jedoch an der
Lebenswirklichkeit von Frauen vorbei.
Wer einen schlecht bezahlten
sogenannten Frauenberuf hat oder
in prekären Teilzeit- bzw. Mini-jobs
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arbeitet, ist in Krisenzeiten nicht
geschützt. Frauen sind aufgrund der
schlechteren Entlohnung (Gender-
Pay-Gap und Niedriglohnsektor),
Kinderbetreuung, Pflege von
Angehörigen etc. weitaus mehr
gefährdet als Männer, in die Armuts-
falle zu geraten. Weibliche Arbeit
darf nicht länger schlecht bezahlt und
abgewertet werden. Eine geschlech-
tergerechte Krisenpolitik muss zu
besseren Arbeitsbedingungen und
höheren Gehältern in den system-
tragenden Berufsgruppen führen.
Dies setzt für uns voraus, erneut
die Frage nach einer geschlechter-
gerechten Verteilung der Mittel in
den öffentlichen Haushalten auf die
Tagesordnung zu setzen. Deswegen
fordern wir in Sachsen-Anhalt das
Gender-Budgeting-Prinzip in allen
öffentlichen Haushalten sowie dessen
Aufnahme in die Landesverfassung.
DIE LINKE will den internationalen
Frauentag als gesetzlichen Feiertag in
Sachsen-Anhalt einführen.
Frauen verdienen mehr
DIE LINKE will bessere Löhne und
mehr Aufstiegsmöglichkeiten für
Frauen. Die schlechtere Bezahlung
sogenannter Frauenberufe muss
überwunden werden.
Wir wollen den Niedriglohnsektor,
in dem überwiegend Frauen arbeiten,
durch einen Mindestlohn von 13 Euro
abschaffen. Die Arbeit in Kitas,
Schulen, Krankenhäusern und
Pflegeheimen muss endlich auf-
gewertet und besser bezahlt werden.
Wir wollen Mini- und Midijobs durch
unbefristete Arbeitsverträge mit
existenzsichernden Einkommen
ablösen. Perspektivisch soll keine
Pflegefachkraft und Erzieher:in unter
3.000 Euro brutto im Monat verdienen.
Damit Frauen bestimmen,
wo es lang geht
Schon seit 1997 sieht das Frauen-
fördergesetz von Sachsen-Anhalt vor,
dass der öffentliche Dienst, die
Kommunen, die Landesbetriebe sowie
»alle der Aufsicht des Landes unterste-
henden Körperschaften, Anstalten und
Stiftungen des öffentlichen Rechts«
darauf hinwirken sollen, dass alle
Gremien zur Hälfte mit Frauen besetzt
sind. Davon sind wir noch immer weit
entfernt. Dies liegt nicht nur an der
frauenpolitisch rückwärtsgewandten
CDU, die ein modernes Gleichstellungs-
gesetz blockiert, sondern auch an der
mangelnden Förderung des weiblichen
Nachwuchses.
DIE LINKE will der strukturellen
Benachteiligung von Frauen
entschieden entgegenwirken, um
die beruflichen Chancen sowohl im
öffentlichen Dienst als auch in der
Wirtschaft für Frauen erheblich zu
verbessern. Hierbei sind die unter
dem Dach des Landesfrauenrates
entwickelten Empfehlungen für ein
Gleichstellungsgesetz in Sachsen-
Anhalt eine geeignete Grundlage.
Im Jahr 2020gut 100 Jahre nach
Einführung des Frauenwahlrechts
gibt es noch immer keine
Gleichberechtigung bei der Besetzung
von politischen Führungspositionen.
Deswegen wollen wir mit einem
Paritégesetz für Sachsen-Anhalt dafür
sorgen, dass mindestens die Hälfte
der Landtagsmandate und der
Mitglieder der Landesregierung
weiblich sind. Wir wollen das
»Landesprogramm für ein geschlech-
tergerechtes Sachsen-Anhalt«
unter Beteiligung der gleichstellungs-
politischen Interessenvertretungen
fortschreiben und für die
Landesbehörden verbindlich machen.
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17
Frauenarmut
verhindern
Frauen sind einem besonderen
Armutsrisiko ausgesetzt. Das Armuts-
risiko bei Alleinerziehenden und ihren
Kindern, d.h. jeder fünften Familie,
liegt sogar bei über 40 Prozent.
Zur finanziellen Absicherung von
Alleinerziehenden und ihren Kindern
muss der Unterhaltsvorschuss
bedingungslos für alle Bedürftigen
verfügbar sein. Die Anrechnung des
Kindergeldes auf den Unterhaltsvor-
schuss muss abgeschafft werden.
Die Kürzung des Elterngeldes muss
zurückgenommen werden.
Es darf nicht auf Transferleistungen
wie Hartz IV angerechnet werden.
Alleinerziehende sollen einen
Anspruch auf 24 Monate Elterngeld
erhalten. Wir fordern, dass Betriebe
Alleinerziehenden im Falle einer
Notfallbetreuung eine Freistellung bei
Lohnfortzahlung ermöglichen müssen.
Bund und Länder müssen diese
Maßnahmen finanziell unterstützen.
Weibliches Forschen
und Wissen fördern
Sachsen-Anhalt muss als Bildungss-
tandort gerade auch für Frauen
attraktiv werden. Wir fordern eine
dauerhaft etablierte Geschlechter-
forschung an den Universitäten und
Hochschulen des Landes Sachsen-
Anhalt. Wir unterstützen die Arbeit
des Projektes FrauenOrte, das
Biografien von Frauen für Frauen in
unterschiedlichen Zeitperioden in
ganz Sachsen-Anhalt als Erlebnispfad
vorstellt und Frauengeschichte(n)
erlebbar macht. Damit erfüllt das
Projekt einen wichtigen geschlechter-
gerechten Bildungsauftrag.
Wir fordern die Verstetigung der
Projektfinanzierung durch das Land.
Keine Gewalt gegen
Frauen und Mädchen
Deutschland hat sich mit der Istanbul-
Konvention verpflichtet, Gewalt gegen
Mädchen und Frauen aktiv zu
bekämpfen. Doch noch immer ist jede
dritte Frau in Deutschland mindestens
einmal in ihrem Leben von physischer
und/oder sexualisierter Gewalt
betroffen. Jede Vierte wird mindes-
tens einmal Opfer körperlicher oder
sexueller Gewalt durch ihren aktuellen
oder früheren Partner. Physische und
psychische Gewalt gegen Frauen
muss entschieden bekämpft werden.
Wir fordern daher die Einrichtung
einer Koordinierungsstelle für von
Gewalt betroffene oder bedrohte
Mädchen und Frauen im Land
Sachsen-Anhalt. Mädchen und Frauen
mit Beeinträchtigungen und Mädchen
und Frauen mit Migrationshintergrund
zählen zu den besonders verletzlichen
Gruppen. Wir wollen die rechtlichen
Voraussetzungen verbessern, damit
auch Frauen ohne gesicherten
Aufenthaltstitel vor geschlechts-
spezifischer und häuslicher Gewalt
geschützt sind. Zur Kontrolle der
Umsetzung der Istanbul-Konvention
regen wir die Einrichtung einer
staatlichen unabhängigen Monitoring-
stelle sowie eines Runden Tisches an,
an dem Vertreter:innen aller relevanten
NGOs mitarbeiten.
Darüber hinaus wollen wir Präventions-
und Beratungsstellen für Frauen und
Mädchen anbieten, die Opfer von Hate
Speech geworden sind.
Wir brauchen Studien zu geschlechts-
spezifischer Gewalt im Internet
sowie die geschlechtsdifferenzierte
Erfassung von Cybergewalt in der
polizeilichen Kriminalstatistik.
Frauenschutzhäuser sind für viele
Frauen und deren Kinder die Rettung
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vor häuslicher Gewalt. Wir stellen uns
hinter die Forderungen der LAG der
Frauenhäuser und setzen uns für
eine bundesweit einheitliche,
einzelfall- und tagessatzunabhängige,
bedarfsgerechte Finanzierung der
Frauenschutzhäuser ein.
Für alle Gewaltschutzprojekte fordern
wir eine institutionalisierte Förderung.
Zudem muss die Eingruppierung der
Mitarbeiter:innen überprüft werden,
um eine Schlechterstellung zu
vermeiden. Wir setzen uns dafür ein,
dass Gewaltschutzprojekte Angebote
für Kinder vorhalten, die von Gewalt
mitbetroffen sind.
Senior:innen: Für einen guten
Lebensabend in Sachsen-Anhalt
Niemand soll seinen Lebensabend in
Altersarmut und Rentenungerechtig-
keit verbringen. Die Ost-West-
Rentenangleichung bis 2025 dauert
entschieden zu lange. Um die Lebens-
leistung der Rentner:innen im Osten
Deutschlands zu würdigen, tritt
DIE LINKE für eine schnellstmögliche
Angleichung der Renten an das
Westniveau ein. Die Doppelbesteue-
rung von Renten sollte so weit wie
möglich eingedämmt werden.
Deshalb fordert DIE LINKE, den
steuerlichen Grundfreibetrag von
heute 9.408 Euro sofort auf 12.600
Euro anzuheben. Das würde viele
kleine Renten komplett von der
Steuerpflicht befreien. Zudem fordert
DIE LINKE eine außerordentliche
Rentenerhöhung, die zu einem
lebensstandardsichernden Renten-
niveau und einer automatischen
Neuberechnung des individuellen
Rentenfreibetrags führen soll.
Damit soll sichergestellt werden,
dass die Rente auch netto wieder den
Lebensstandard sichert und alle
übers gesamte Leben betrachtetvon
der nachgelagerten Besteuerung
profitieren würden.
Wir wollen das seniorenpolitische
Programm des Landes weiterentwi-
ckeln und dabei an die tatsächlichen
Probleme anknüpfen. Das betrifft
z.B. aufsuchende Seniorenarbeit im
ländlichen Raum, die Förderung des
altersgerechten Wohnens, die Ein-
führung eines landesweiten Senioren-
tickets und die Einrichtung eines
50/50-Taxis für Menschen ab 65 Jahre.
Die Altenpflege gewinnt für eine älter
werdende Gesellschaft immer mehr
an Bedeutung, aber sie muss bezahl-
bar sein und dem Erhalt und der
Förderung von Lebensqualität und
verbliebenen Fähigkeiten der pflege-
bedürftigen Menschen dienen.
Jede:r Pflegebedürftige muss die
freie Wahl zwischen ambulanter und
stationärer Pflege sowie alternativen
Wohnformen haben. Die bestehenden
Zwänge der Pflegeversicherung führen
viele Pflegebedürftige, die in voll-
stationären Einrichtungen leben,
dazu, an ihrem Lebensabend Sozial-
hilfe beantragen zu müssen, weil sie
die steigenden Heimkosten nicht
mehr bezahlen können. Deswegen
brauchen wir auf Bundesebene eine
Reform der Pflegeversicherung.
Bis dahin wollen wir in Sachsen-
Anhalt ein Landes-Pflegewohngeld für
die Betroffenen. Dies ist bereits Praxis
in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-
Holstein und wird als einkommens-
und vermögensabhängige Leistung
gezahlt.
Es ist nicht hinnehmbar, dass die
Landesregierung bislang kein
Geriatrie-Konzept vorgelegt hat.
Wir wollen eine wohnortnahe,
intensivierte geriatrische Versorgung
für ganz Sachsen-Anhalt sicherstellen.
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19
Immer mehr ältere Menschen erkennen
die Chancen der Nutzung des Internets.
Sie haben aber Sorgen, dass sie in der
digitalen Welt in Situationen geraten
können, denen sie nicht gewachsen
sind. Wir wollen deswegen senioren-
spezifische Beratungsangebote
in Sachsen-Anhalt vernetzen und
ausbauen.
Für den gleichberechtigten Zugang zu
Leistungen für alle Senior:innen, egal
welcher Herkunft, gilt, Sprachbarrieren
und kulturelle Hinderungsgründe
abzubauen, so dass eine kultursensible
Altenhilfe gewährleistet werden kann.
DIE LINKE wendet sich auch weiterhin
konsequent gegen Altersdiskriminie-
rung und Gewalt an Älteren in der
Gesellschaft. Die Gewalt gegen ältere
Menschen, die im häuslichen Bereich
gepflegt werden, hat aktuellen
Studien zufolge zugenommen.
Das ist nicht hinnehmbar. Wir brauchen
eine Kultur der Achtung und Freund-
lichkeit im Umgang mit den Senior-
:innen. Ihnen muss mehr Gehör für
ihre Belange geschenkt werden.
Direkte Demokratie mit Rede-,
Anhörungs- und Antragsrecht auf
allen politischen Ebenen ist dafür
notwendig. Dafür wollen wir mit einem
Seniorenmitwirkungsgesetz sorgen.
Ostdeutsch: Selbstbewusst
und selbstbestimmt
Seit drei Jahrzehnten werden die
Menschen vertröstet, wenn es um die
Korrektur von Fehlern und Versäum-
nissen der deutschen Einheit geht.
Es ist überfällig, die verschiedenen
ostdeutschen Perspektiven, die
Erfahrungen aus zwei politischen
Systemen anzuerkennen und ernst zu
nehmen, was dauerhafte Deindustria-
lisierung, Niedriglohnpolitik, kulturelle
Ignoranz und Abwanderung für
Regionen und ihre Menschen bedeuten
können. DIE LINKE wird auch des-
wegen die verfehlte Treuhandpolitik
der 90er Jahre und ihre Folgen für
Sachsen-Anhalt weiter thematisieren.
Der wirtschaftliche Kahlschlag in den
90er Jahren ging Hand in Hand mit
einem Elitenwechsel in Politik,
Wirtschaft, Kultur- und Bildungs-
einrichtungen, der Ostdeutsche von
Karrierewegen und Spitzenpositionen
ausschloss. Diese Einstellungspolitik
hat sich verfestigt und grenzt nun eine
junge Generation aus, die nicht mehr
in der DDR aufgewachsen ist.
Es spricht auch für das persönliche
Versagen des Ministerpräsidenten
Haseloff, die Förderung des
ostdeutschen Nachwuchses in
den Ministerialverwaltungen,
Landesämtern und Wissenschafts-
einrichtungen versäumt zu haben.
In den meisten Leitungsbereichen
dieser Institutionen sind Ostdeutsche
in der Minderheit.
DIE LINKE setzt sich dafür ein,
dass endlich mehr Ostdeutsche in
Schlüsselfunktionen kommen.
Es muss Schluss sein damit, dass jede
grundsätzliche Kritik an den Problemen
mit Verweis auf die DDR diskreditiert
und abgebügelt wird. Denn wer jetzt in
den Ruhestand geht, hat 30 Jahre im
vereinten Deutschland gearbeitet und
gelebt. Es ist nicht akzeptabel, dass
bereits heute mehr als 40 Prozent der
Ostdeutschen nach mindestens
40 Versicherungsjahren weniger als
1.000 Euro Rente haben, was genauso
wenig akzeptabel ist wie Armutsrenten
im Westen.
Die bei der Rentenüberleitung
gemachten Fehler müssen endlich
behoben werden. Zu viele Gruppen
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sind betroffen: die in der DDR geschie-
denen Frauen, Bergleute der Braun-
kohleveredlung, Krankenschwestern,
Tänzer:innen, Angestellte bei der Post
oder der Eisenbahn und andere mehr.
Sogar die aus der DDR Geflohenen
und Ausgereisten wurden nach der
Wiedervereinigung im Rentenrecht
wieder nachträglich zu Ostdeutschen
erklärt. Im 30. Jahr der Einheit
erwarten sie endlich Gerechtigkeit
und nicht nur die Behandlung von
Härtefällen. Im Hinblick auf Renten ist
auch die Verantwortung für ehemalige
ausländische Vertragsarbeiter:innen
in der DDR anzuerkennen.
Wir setzen uns für die Anerkennung
ostdeutscher Lebensleistungen
sowohl vor 1989 als auch in den
30 Jahren nach der deutschen Einheit
ein. Die individuelle Bewältigung
von Umbrüchen, Enttäuschungen,
Neuanfängen und die Bewahrung
von Selbstbewusstsein nach vielen
Erniedrigungen hat gerade in
Sachsen-Anhalt für sehr viele
Menschen einen Erfahrungsvorsprung
im Umgang mit Krisen und Konflikten
mit sich gebracht.
Diese zum Teil mit bitteren Erfahrungen
verbundenen Erkenntnisse wollen wir
bewahren und weitergeben.
II. Fortschritt, den wir meinen
Wirtschaft: Ein Investitionspaket
für Sachsen-Anhalt schnüren
Der Corona-Lockdown hat die wirt-
schaftliche Existenz vieler Betriebe
und Gewerbetreibender bedroht und
infrage gestellt. Die Landesregierung
hält sich dagegen zu Gute, »das größte
Soforthilfe-Programm für Unter-
nehmen in der Geschichte Sachsen-
Anhalts aufgelegt« zu haben.
Tatsächlich hat sie im Gegensatz zu
anderen Bundesländern nur wenig Geld
aus dem Landeshaushalt für finanzielle
Hilfen und öffentliche Investitionen
mobilisiert. »Bisher«, so kritisiert der
DGB, »macht das Land Dienst nach
Vorschrift(…) Fakt ist: Mit dieser
mutlosen Politik ist kein Aufbruch
möglich. Vier von fünf Unternehmen in
Sachsen-Anhalt rechnen mit Umsatz-
einbußen, dem Bruttoinlandsprodukt
des Landes wird ein empfindlicher
Rückgang prognostiziert.« Zu lange
hat sich die KENIA-Koalition der
trügerischen Sicherheit hingegeben,
dass Sachsen-Anhalt besser als andere
durch die Krise gekommen sei. Dagegen
haben z.B. Thüringen und Baden-
Württemberg für Solo-Selbstständige
einen »Unternehmerlohn« als Zuschuss
zum Lebensunterhalt aufgelegt.
Dies wurde von der CDU in Sachsen-
Anhalt bis November 2020 blockiert.
Von April 2020 bis Februar 2021 haben
Betriebe in Sachsen-Anhalt für
ca. 305.000 Beschäftigte Kurzarbeit in
Anspruch genommen. Kurzarbeit
bedeutet in einem Niedriglohnland wie
Sachsen-Anhalt ein erhöhtes Armuts-
risiko. Der »Corona-Effekt«, also die
durch die Pandemie bedingte Arbeits-
losigkeit lag im letzten Jahr stetig über
1 Prozent und im Februar 2021 bei
1,3 Prozentpunkten. Sicherlich gibt es
in anderen Bundesländern höhere
Steigerungsraten, jedoch wird man das
tatsächliche Ausmaß der Pandemie-
folgen auf dem Arbeitsmarkt erst nach
dem Aussetzen der Insolvenzantrags-
pflicht erkennen können.
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21
Ein Konjunktur- und Investitionspaket
für Sachsen-Anhalt schnüren
Öffentliche Investitionen sind der
Schlüssel für die Gestaltung der
Zukunft nach der Pandemie.
Das Land Sachsen-Anhalt verfügt
über enorme Möglichkeiten, gestärkt
aus der Krise hervorzugehen.
DIE LINKE fordert ein erweitertes
Konjunktur- und Investitions-
programm für Sachsen-Anhalt und
steht dabei an der Seite des DGB.
Wir stimmen mit den Gewerkschaften
überein, dass die historisch
einmalige Niedrigzinslage an den
Kapitalmärkten für eine solche
Investitionsoffensive genutzt werden
muss. In diesem Sinne sollten wir uns
für die Umsetzung der Forderung
des DGB einsetzen, einen
Sachsen-Anhalt-Fonds als Sonder-
vermögen einzurichten: Der Fonds
wird vom Land mit Eigenkapital
ausgestattet, »das der Fonds durch
Anleihen vervielfacht.
Auf dieser Basis kann der Fonds
die öffentlichen Investitionen massiv
ausweiten z.B. für Schulen,
Straßen, Kitas, Krankenhäuser, den
öffentlichen Personennahverkehr.
Obligatorisch ist dabei, dass jede
Investition mit einem eigenen
Tilgungsplan versehen wird.
Wichtige Zukunftsinvestitionen
können jetzt vorgenommen und
über die Nutzungsdauer refinanziert
werden. Der Sachsen-Anhalt-Fonds
richtet sich dabei explizit auch an
Kommunen, indem kommunale
Investitionen durch Öffentlich-
Öffentliche-Partnerschaften (ÖÖP)
gemeinsam mit dem Fonds getätigt
werden können.«
Aus unserer Sicht wäre dies auch
für einen Einstieg in die Errichtung
weiterer kommunaler Pflegebetriebe
zu nutzen.
Den Strukturwandel
erfolgreich gestalten
Bereits vor der Pandemie sah sich
Sachsen-Anhalt mit großen Heraus-
forderungen bei der Umgestaltung
seiner Wirtschaft konfrontiert.
Die durch den Klimawandel
erforderlichen Transformations-
prozesse betreffen Kernbereiche der
Wirtschaft wie die Autozulieferer, die
Energiewirtschaft und das Mitteldeut-
sche Revier, die Land- und Forstwirt-
schaft. Viele Menschen haben
verstanden, dass das auf dem
Verbrennen fossiler Rohstoffe
basierende Wirtschaftsmodell
unumkehrbar zu Ende geht. Mit dem
Verbrennen von Kohle und Erdöl kann
keine wirtschaftliche, technologische
und soziale Zukunft mehr gesichert
werden. Doch die Unterstützung für
ökologische Umbauprozesse hängt
nicht nur entscheidend davon ab, wie
dieser Prozess sozial abgefedert wird,
sondern auch davon, wie stark ihn die
Menschen selbst in ihren Regionen
mitgestalten können. DIE LINKE will
die Mittel zur Bewältigung des
Strukturwandels dazu nutzen, ein
Landesförderprogramm »Klimaschutz
in der Industrie« aufzulegen. Dies wird
Zuschüsse für Klimaschutzprojekte in
kleinen und mittelständischen
Betrieben umfassen sowie langfristige
zinslose Kredite zur klimagerechten
Umstellung von Produktionsverfah-
ren. Mit Überleitungsgesellschaften
setzen wir auf gezielte Weiterbildung
und Qualifizierung der Beschäftigten.
Wir müssen den Strukturwandel
nutzen, um die noch zu schwach
ausgeprägte industrielle Basis unseres
Landes zu stärken und vor der Wirt-
schaftskrise zu schützen. Dabei setzen
wir auf Schlüsselzweige wie die
chemische und pharmazeutische
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22
Industrie, den Maschinen- und
Anlagenbau und die Lebensmittel-
wirtschaft. Sachsen-Anhalt ist ein
wichtiger Standort für die Solarstrom-
produktion. Wir haben damit gute
Voraussetzungen, um zukunftsfähige
Strukturen aufzubauen und den
Zustand einer verlängerten Werkbank
zu überwinden. Statt vorrangig
Zulieferer für westdeutsche und
internationale Konzerne zu sein,
wollen wir eine Industriepolitik,
die Wertschöpfung stärker in
Sachsen-Anhalt verankert.
Sachsen-Anhalt kann gerade im
Bereich der erneuerbaren Energien
neue Arbeitsplätze gewinnen, wenn
die Weichen jetzt richtig gestellt
werden und der Strukturwandel für
eine umfassende Mobilitätswende,
die Nutzung der Solarenergie, den
Ausbau der Windkraft unter Berück-
sichtigung der Naturschutzbelange,
die Reduzierung des Energie-
verbrauchs in allen Lebensbereichen
und die Förderung regionaler
Wirtschaftskreisläufe genutzt wird.
DIE LINKE wie auch der DGB fordern
einen institutionalisierten Strukturwan-
del-Dialog der Sozialpartner, den wir
aber noch um Klimabewegung, Umwelt-
und Sozialverbände ergänzen wollen.
Wir werden die Regionale Innovations-
strategie über das Jahr 2021 hinaus
weiterentwickeln. Dabei stellen wir
das Wachstum kleiner und mittlerer
Unternehmen in den Mittelpunkt
wichtig ist der dauerhafte Aufbau
eigener Forschungskapazitäten bei
den Unternehmen.
Die Wirtschaftsförderung
muss dem Gemeinwohl dienen
Wenn es um Fachkräfte und attraktive
Arbeitsplätze in der privaten Wirtschaft
und im öffentlichen Sektor geht, steht
Sachsen-Anhalt im harten Wett-
bewerb mit anderen Regionen.
Das starrsinnige Festhalten an Billig-
löhnen und schlechten Sozialstandards
sorgt nicht für mehr Wettbewerbs-
fähigkeit, sondern für mehr Abwande-
rung. Es stärkt nicht den Wirtschafts-
standort, sondern schwächt die
Kaufkraft. Es vergrault den ostdeut-
schen Nachwuchs nach Westen.
Nicht nur in der Krise zeigt die CDU,
dass sie wenig für die Interessen und
Notlagen vor allem der kleinen und
mittleren Betriebe übrig hat.
Sie fokussiert sich meist auf Groß-
investitionen und nicht auf die kleinen
und mittleren Betriebe, die wir im
Land haben. Während der
Pandemie hat sie sich kaum um
Solo-Selbstständige gekümmert.
DIE LINKE sagt: Unser Land verfügt
über enorme Einflussmöglichkeiten
für die Gestaltung einer zukunfts-
orientierten, sozialen, gerechten und
innovativen Wirtschaftsstruktur.
Wirtschaftsförderung muss an
Tariflöhne, gute Arbeit und Mit-
bestimmung im Betrieb gekoppelt
sein. Guter Lohn und gute Arbeit sind
Standortfaktoren für Fachkräfte.
Wir werden Subventionen so einsetzen,
dass Unternehmen nachhaltiger und
ökologischer wirtschaften.
Damit Handwerk
goldenen Boden hat
Wir wollen das Handwerk und den
Mittelstand weiter unterstützen, denn
sie wirtschaften solide und innovativ.
Unternehmer:innen, die die Risiken
der Selbstständigkeit tragen und
in den bei uns überwiegend kleinen
und mittleren Betrieben wirken,
ermöglichen Beschäftigung, Ausbildung
und Innovation. Sie brauchen Unter-
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23
stützung beim Wachstum, weniger
Bürokratie und Hilfe bei der
Unternehmensnachfolge. Vor allem
in den Bereichen Berufsausbildung
und Unternehmensgründungen und
-nachfolge wollen wir mit gezielten
Maßnahmen zur Fachkräftesicherung
und damit Zukunftssicherung der
Unternehmen beitragen.
Regionale Wirtschaftskreisläufe
sind wichtiger denn je
Die Lieferengpässe bei medizinischer
Schutzausrüstung und Medikamenten,
aber auch bei Lebensmitteln und
Verbrauchsgütern haben uns die
Bedeutung einer leistungsfähigen
Regionalwirtschaft unmissverständlich
vor Augen geführt. Just-in-time-
Produktion und die Verlagerung von
Lagerkapazität auf die Straße in Form
der Ausweitung des LKW-Verkehrs
gehören zum Problem und nicht
zur Lösung. Notwendig sind die
Diversifizierung der Wirtschafts-
und Landwirtschaftsstruktur sowie
die Stärkung der Eigenversorgung,
insbesondere in den Bereichen
der Daseinsvorsorge und des Bevölke-
rungsschutzes durch ausreichende
Bestände an Schutz- und anderer
medizinischer Ausrüstung.
Solidarische und kooperative Wirt-
schaftsformen wie Genossenschaften,
Sharing- und Tauschplattformen,
Sozialunternehmen usw. wollen wir
systematisch fördern und entwickeln,
in den Kommunen und im Land.
Genossenschaften sind eine gute
Möglichkeit, um kleine Betriebe
im ländlichen Raum zu erhalten.
Belegschaften können so gemeinsam
ihre Betriebe fortführen.
In Sachsen-Anhalt hat sich außerdem
Social Entrepreneurship als Teil einer
solidarischen Ökonomie im Non-Pro-
fit-Bereich entwickelt. Diese Unter-
nehmer:innen wollen zur Lösung
gesellschaftlicher Herausforderungen,
insbesondere sozialer und ökologischer,
mit unternehmerischen Mitteln
beitragen. DIE LINKE erkennt ihre
wachsende Bedeutung für einen
systemischen gesellschaftlichen
Wandel und will sie daher stärker in
wirtschaftsfördernde Maßnahmen
einschließen.
Start-up-Unternehmen,
Gründerinnen und Gründer fördern
Ohne neue unternehmerische Ideen
kann keine Wirtschaft auskommen.
Start-up-Unternehmen beleben sie
mit ihren kreativen und innovativen
Ideen. Damit sie schnell wachsen und
damit auch an ihrem Gründungsort
verbleiben können, brauchen sie eine
breite Unterstützung, u.a. bei der
Akquirierung von Risikokapital und
bei der Vernetzung. Wir wollen eine
Kultur des Ermöglichens schaffen,
Formate unterstützen, die Vernetzung
ermöglichen und Hidden Champions
(unbekannte Marktführer) sichtbar
machen. Einrichtungen wie der
Wissenschaftshafen in Magdeburg,
der Weinberg-Campus und das
Designhaus in Halle brauchen dabei
nicht nur die Unterstützung der
Kommunen, sondern auch vom Land.
Wir wollen Netzwerke der Kreativ-
und IT-Branche, der Wissenschaft und
Unternehmen aus anderen Wirt-
schaftszweigen fördern.
Die Schaffung von Coworking Spaces
soll unterstützt werden. Mit einem
neuen Förderprogramm »Zweite
Chance« wollen wir zunächst
gescheiterten Gründer:innen einen
neuen Anlauf ermöglichen.
Das bisher ungenutzte Potential in
Sachsen-Anhalt wollen wir analysieren
und in eine neue Existenzgründungs-
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strategie einfließen lassen. Die Arbeit
und Erfolge von Unternehmerinnen
und Gründerinnen sollen sichtbarer
werden, um Frauen zur Selbstständig-
keit zu ermutigen.
Tourismusmehr als ein
Wirtschaftsfaktor
Touristische Angebote sind nicht nur
ein Wirtschaftsfaktor, sondern dienen
auch der Lebensqualität vor Ort.
Deswegen sprechen wir uns für
integrierte Entwicklungskonzepte
in den Kommunen aus, die sich
sowohl an Einwohner:innen als
auch an Tourist:innen wenden.
Die Aufsplittung der Tourismus-
förderung zwischen verschiedenen
Ministerien und dem Landestourismus-
verband muss überwunden werden.
Wir wollen das integrierte Landes-
marketing mithilfe der Investitions-
und Marketinggesellschaft (IMG) aus
einer Hand entwickeln. Daneben
brauchen die regionalen Tourismus-
verbände eine weitere Stärkung durch
das Land sowohl für ein regionales
Marketing als auch für die touristische
Infrastruktur.
Notwendig sind auch die institutionelle
Unterstützung von Einrichtungen für
Kinder und Jugendliche wie Jugend-
herbergen, Schullandheime bzw.
von Ferienfreizeitanbietern sowie
aufgrund der großen Kinderarmut im
Land der Ausbau von Förderangeboten,
die sich direkt an die Betroffenen
wenden. Ziel sind hier nicht vorrangig
hohe Umsätze, sondern ein breites
soziales Angebot.
Sachsen-Anhalt ist reich an Geschichte,
Kunst und Kultur, Naturschätzen und
auch Industriedenkmälern.
Doch aus unserem Bundesland
kommen auch solche für die Musik-,
Kunst- und Geistesgeschichte bedeu-
tende Persönlichkeiten wie z.B.
Georg-Friedrich Händel und Kurt Weil,
Friedrich Gottlieb Klopstock,
Johann Gottlieb Fichte oder
Friedrich Nietzsche. Mit der Straße
der Romanik oder den Stätten der
Reformation ist Sachsen-Anhalt ein
touristischer Anziehungspunkt.
Der Kulturtourismus, insbesondere zu
den sechs UNESCO-Welterbestätten,
sowie der naturnahe Tourismus, wie
z.B. die Harzregion, der Elbe-Radweg
und der Wassertourismus, müssen vor
allem über das regionale Marketing
weiterentwickelt werden.
Vorrangige Aufgabe wird in den Jahren
2021 und 2022 die Sicherung und
Unterstützung der durch die Corona-
Pandemie stark beeinträchtigten
touristischen Infrastruktur sein.
Das betrifft die Gastronomie, das
Beherbergungsgewerbe und die
Veranstaltungsbranche in ihrer
Gesamtheit. Dazu sollen eine
Grundsicherung der Selbstständigen
in diesem Bereich sowie spezielle
Programme zur Erleichterung des
Neustarts von zwischenzeitlich
geschlossenen oder eingeschränkten
Angeboten dienen. Eine solche
Forderung setzt die Einhaltung der
Standards für gute Arbeit voraus.
Energiewende: sozial,
ökologisch und vor Ort
Die Energiewende muss sozial aus-
gestaltet werden, damit sie Haushalte
mit geringen Einkommen nicht zu
stark belastet. Energiearmut ist die
soziale Kehrseite der Energiewende.
Bundesweit wurden 2018 gegen etwa
300.000 Haushalte Stromsperren
verhängt. Dass dies viele Hartz-IV-
Empfänger:innen betrifft, ist nicht
erstaunlich.
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Zwischen 2008 und 2018 stieg der
Strompreis um rund 40 Prozent,
während der Anteil für die Stromkos-
ten im Regelsatz der Grundsicherung
nur um 27 Prozent erhöht wurde.
DIE LINKE fordert eine Erhöhung
der Regelsätze und eine jährliche
Strompauschale. Wir werden uns
weiter für ein gesetzliches Verbot
von Stromsperren einsetzen.
Darüber hinaus setzen wir uns für
Sozialtarife für Strom ein, denn wir
brauchen ein sozial gerechtes Strom-
preissystem, bei dem Stromsparen
auch belohnt wird. Die Verbraucher-
:innen dürfen nicht weiter für die
enormen Rabatte für energieintensive
Branchen zu Kasse gebeten werden.
DIE LINKE fordert, Mittel der EU, des
Bundes und des Landes in einem
Strukturfonds zur Bewältigung des
Klimawandels für die daraus
resultierenden unterschiedlichen
Herausforderungen zu bündeln,
seien es die Verkehrswende, die
Agrarwende oder jegliche andere
strukturelle Veränderung.
Die bevorstehende Stilllegung,
der Rückbau und die Renaturierung
der Bergbauanlagen erfordern
die intensive Unterstützung von
Bundes- und Landesregierung.
Wir wissen die Lebensleistung von
Bergleuten zu schätzen. In den bevor-
stehenden Umbruchprozessen wollen
wir ihnen in der nächsten Legislaturpe-
riode Wegbegleiter für neue Arbeits-
plätze sein. Die Kumpel haben keinen
mitleidigen oder gar zynischen Nachruf
verdient, sondern brauchen vielmehr
glaubhafte Zukunftsperspektiven. Als
technische Fachleute sind sie keine
Bittsteller, sondern werden etwa im
Bereich der erneuerbaren Energien
dringend gebraucht. Dafür bedarf es
geeigneter Fortbildungen.
Sachsen-Anhalt ist Energieexportland
und liegt bei der Erzeugung erneuer-
barer Energien (ohne Offshore-
Anlagen) im Ländervergleich vorn.
Energie soll nach unserer
Auffassung dort verbraucht werden,
wo sie erzeugt wird!
Deshalb hält DIE LINKE den Bau der
Übertragungsleitung SuedOstLink
für einen strategischen Fehler,
weil die Energieregion einen
Standortvorteil verliert.
Der SuedOstLink ist vor allem
auf den Nutzen Bayerns und
Baden-Württembergs ausgelegt,
die ihren Windenergieausbau vernach-
lässigt haben.
Die Zeit des Abschieds von fossiler
Energieerzeugung ist gekommen.
Auch wenn viele Menschen sich das
noch nicht vorstellen können,
verstehen sie doch, dass dies
unvermeidbar ist. Denn ohne Klima-
schutz werden die Felder verdorren,
die Wälder sterben und die Unwetter
zunehmen. Eine verantwortungsvolle
Energiepolitik muss daher den Umbau
unseres Energiesystems mit dem Ziel
des vollständigen Ausstiegs aus
fossilen Brennstoffen vorantreiben.
Zur Erreichung der Klimaschutzziele
ist der Ausbau der erneuerbaren
Energien erforderlich.
Sachsen-Anhalt kann dabei eine
Vorreiterrolle einnehmen.
Dazu braucht es allerdings weitere
Ansiedlungen von Forschungs- und
Entwicklungseinrichtungen im Land.
Über Jahrzehnte haben große Konzerne
und damit auch bestimmte Regionen
wirtschaftlich von der Nutzung der
Kernenergie profitiert.
Sachsen-Anhalt gehörte definitiv
nicht dazu. DIE LINKE lehnt auch
deshalb ein weiteres Endlager für
Atommüll in Sachsen-Anhalt ab.
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Was für den Ausbau der
erneuerbaren Energien nötig ist
Die Potentiale für erneuerbare
Energien sind noch längst nicht
ausgeschöpft. Bei der Windenergie
droht durch das Auslaufen der
Förderung nach dem Erneuerbare-
Energien-Gesetz (EEG) und die
Deckelung des Ausbaus ein Rückgang
der Energieproduktion.
Bürgerenergieprojekte werden
benachteiligt, Großinvestoren jedoch
gefördert. Daher fordern wir eine
Änderung des EEG auf Bundesebene.
Gleichzeitig sind die Chancen der
Kraftwerkserneuerung (Repowering)
im Einklang mit den Interessen von
Mensch und Natur zu nutzen. Privat-
personen soll es in Zukunft leichter
gemacht werden, selbst Strom zu
erzeugen und einzuspeisen.
Wir setzen uns dafür ein, dass das
EEG entsprechend angepasst wird.
Die Erzeugung von Strom und Warm-
wasser durch Sonnenenergie muss
stärker ausgebaut werden. Dabei
setzen wir vorrangig auf das Potential
von Dächern und sehen insbesondere
die öffentliche Hand in einer Vorbild-
rolle, die Dächer ihrer Liegenschaften
zur Energieerzeugung zu nutzen.
Orientiert an den Ländern Hamburg
und Berlin wollen wir ein Solargesetz
verabschieden, das ab 2023 Photovol-
taikanlagen für Neubauten und im
Falle von Dachumbauten verpflich-
tend, aber mit Ausnahmen vorsieht.
Biogasanlagen verstetigen das
Angebot an erneuerbaren Energien,
denn sie können Strom und Wärme
kontinuierlich produzieren und
speichern. Dabei ist uns wichtig, dass
vielfältige Substrate in den Biogasanla-
gen eingesetzt werden. Unser Haupt-
augenmerk liegt vorrangig auf der
Verwertung von Abfall- und Reststoffen
landwirtschaftlicher Unternehmen.
Dagegen soll die Produktion
von Energiepflanzen nur in einem
ökologisch vertretbaren Maß erfolgen.
Wie wir die Energieversorgung
organisieren wollen
Wir stehen für reale Bürger:innen-
beteiligung an der Energiewende und
der Demokratisierung der Energie-
wirtschaft. Träger einer solchen
Entwicklung sind aus unserer Sicht
nicht die großen Energiekonzerne,
sondern lokale Unternehmen von
Stadtwerken bis hin zu Energie-
genossenschaften. DIE LINKE will
eine dezentrale und digital vernetzte
Energieversorgung, die sowohl
wirtschaftlichen und sozialen als auch
ökologischen Aspekten gerecht wird.
Dezentrale Modelle zur Energie-
versorgung in den Städten und
Dörfern sind nachhaltiger und daher
vorrangig zu entwickeln.
Produktion und Verteilung von Energie
gehören als Teil der Daseinsvorsorge
in öffentliche Hand. Dazu wollen wir
kommunale Eigentumsformen und
Genossenschaften fördern, da sie
die Möglichkeit einer demokratischen
Mitsprache durch die Verbraucher-
:innen sichern. Initiativen, die sich für
eine weitgehende Selbstversorgung
mit Energie in ihren Regionen und
Kommunen engagieren, sollen vom
Land unterstützt werden.
Neben der Erzeugung von erneuer-
barer Energie sind aus unserer Sicht
vor allem auch deren effiziente
Nutzung und Einsparung stärker
in den Mittelpunkt der Energiepolitik
zu stellen, denn es geht um
Ressourcenschonung. Energetische
Gebäudesanierung, insbesondere
landeseigener Gebäude, muss weiter
vorangetrieben werden. Neubauten
sollen Passivhausstandard haben.
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Gleichzeitig gewinnt die Energie-
speicherung an Bedeutung. Speicher-
möglichkeiten und auch stoffliche
Nutzung, z.B. mit grünem Wasser-
stoff, sind wegweisend für die Dekar-
bonisierung der Industrie, machen
erneuerbare Energien kontinuierlich
verfügbar und dienen der regionalen
Wertschöpfung. Deshalb wollen
wir diese Projekte im Zuge des
Strukturwandels weiter fördern.
Klimaschutz:
CO2-Ausstoß reduzieren,
Naturschutz verbessern
Klimawandel und Umweltzerstörung
nehmen weltweit ein immer
gefährlicheres Ausmaß an.
Die Verschmutzung der Gewässer,
das Insektensterben und riesige
Plastikstrudel im Ozean zeigen,
wie weit die Zerstörung unserer
natürlichen Lebensgrundlagen schon
vorangeschritten ist. Die Folgen des
Klimawandels sind auch in Sachsen-
Anhalt unübersehbar und bedrohlich.
Die andauernden internationalen
Proteste gegen die Klima- und
Umweltzerstörung sind dagegen ein
Zeichen der Hoffnung.
Die Fridays For Future-Bewegung
unterstützen wir wegen ihres mutigen
Kampfes für eine neue Klimapolitik.
Die Klimaschutzbewegung erinnert
immer wieder daran, dass der
Klimawandel die Armen als Erste
betrifft und wie die Reichen von der
Zerstörung und Verschmutzung
unserer Lebensgrundlagen profitieren.
DIE LINKE will deshalb im Land
Sachsen-Anhalt ein Klimagesetz auf
den Weg bringen, in dem klare Ziele
und zugehörige Maßnahmen zur
CO2-Reduktion in den Sektoren
Energiewirtschaft und Wirtschaft,
Gebäude, Landwirtschaft und Verkehr
verbindlich festgeschrieben sind.
Damit sollen alle Potentiale des
Landes gehoben werden, die
Klimakrise weitestgehend aufzuhalten
und das 1,5°-C-Ziel zu erreichen.
Wir wollen einen Nachhaltigkeitsbeirat
berufen, der mit einem Sozial- und
Klimacheck die Auswirkungen
politischer Entscheidungen und
staatlichen Handelns prüft.
Energieverbrauch
senken
Zur Reduzierung des CO2Ausstoßes
muss der Energieverbrauch drastisch
reduziert werden. Moderne Anlagen
zur Kraft-Wärme-Kopplung sollen
nicht nur im Kraftwerksbau berück-
sichtigt werden, sondern auch dort,
wo Wärme entsteht (z.B. große
Rechenzentren). Die Ausgaben für
die energetische Sanierung von
Gebäuden sollen nicht auf die Mieten
umgelegt werden. Wir fordern ein
Förderprogramm zur Unterstützung
der Kommunen bei der Umrüstung
auf energiesparende Straßenbeleuch-
tung. Landesliegenschaften werden
nach Möglichkeit mit Solaranlagen
ausgestattet und auf den energetisch
neuesten Stand gebracht.
Was wir zur Verringerung der
Kohlendioxidemissionen tun können
Wir wollen Anreize für eine erhebliche
Reduzierung des Energieverbrauchs
im produzierenden Gewerbe schaffen.
Deswegen müssen hier auch gezielt
die Fördermittel zur Bewältigung des
Kohleausstiegs eingesetzt werden,
um von der fossilen Energieerzeugung
in der Industrie auf alternative
Energie umzustellen. Der Verkehr mit
Verbrennungsmotoren ist eine der
Hauptursachen für den Anstieg von
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CO2 in der Atmosphäre. Deshalb muss
die Verkehrswende kommen und ist
daher ein Hauptpfeiler zur Reduzierung
des CO2-Ausstoßes. Aber Mobilität ist
ein Grundbedürfnis des Menschen,
weshalb die Verkehrswende sozial
und für jede:n akzeptabel gestaltet
werden muss.
Gerade in den ländlichen Räumen
Sachsen-Anhalts sind jedoch viele
auf das Auto angewiesen, um ihrer
Arbeit nachgehen zu können.
Deshalb brauchen wir einen gut
ausgebauten öffentlichen Personen-
nahverkehr, der für alle bezahlbar ist,
um die Verkehrswende und einen
reduzierten Individualverkehr zu
erreichen.
Attraktiv ist der ÖPNV aber erst dann,
wenn auch Dörfer angefahren und in
akzeptabler Zeit erreicht werden, und
zwar früh, mittags, abends und auch
in der Nacht.
Der Verlagerung des Verkehrs auf die
Schiene kommt eine große Bedeutung
zu. Dafür muss das Schienennetz
massiv ausgebaut werden, was viele
Arbeitsplätze schafft. Gleiches gilt für
die Herstellung und den Einsatz
schienengebundener Fahrzeuge.
Auch der überregionale LKW-Verkehr
soll auf die Schiene verlagert und der
Transport zu regionalen Umschlag-
zentren ermöglicht werden. Von dort
transportieren kleinere, CO2-neutrale
Transporter die Waren vor Ort.
CO2-Bremse statt
Schuldenbremse
Um das 1,5°C-Ziel noch zu erreichen
ist es unerlässlich, den Klimaschutz
auch Teil des Gesetzgebungs- und
Implementierungsprozesses werden zu
lassen. Deshalb setzen wir uns für die
Aufnahme einer sogenannten CO2-
Bremse in die Landesverfassung ein.
Damit sollen die erwarteten Treibhaus-
gasemissionen der beschlossenen
Gesetze, Novellen und Richtlinien
transparenter gemacht werden.
So sollen neben anderen Parametern,
wie geschätzten Kosten und Personal-
aufwand, auch die geschätzten
Treibhausgasemissionen Bestandteil
von Gesetzen, Novellen oder Richt-
linien sein. Die entsprechenden
Berechnungsgrundlagen sollen
in den ersten sechs Monaten nach
Regierungsvereidigung durch das
Ministerium für Umwelt, Landwirt-
schaft und Energie des Landes
Sachsen-Anhalt vorgestellt werden.
E-Mobilität ist eine
notwendige Brückentechnologie
Die batteriebetriebene E-Mobilität
ist mehr als eine notwendige
Brückentechnologie, auch wenn
Elektroautos auf Dauer nicht die
alleinige Lösung für eine umfassende
sozial-ökologische Verkehrswende
sein können. Auch wenn DIE LINKE
auf den konsequenten Ausbau des
ÖPNV setzt, wird bei einer realisti-
schen Betrachtung der motorisierte
Individualverkehr in den nächsten
Jahren eine Säule der Mobilitäts-
infrastruktur in ländlichen Räumen
bleiben. Deshalb ist die (möglichst)
zügige Elektrifizierung ein wichtiger
Baustein innerhalb der Verkehrswende,
um die Klimaziele zu erreichen.
Im Osten Deutschlands ist die
Versorgung mit der notwendigen
Ladeinfrastruktur bisher noch
schlechter als anderswo. Hier sehen
wir neben dem Bund auch das Land in
der Pflicht, den zügigen Ausbau
finanziell zu fördern.
Insgesamt müssen wir aber mehr und
mehr vom Individualverkehr wegkom-
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men, was nur mit einer umfassenden
Verkehrswende erreicht werden kann.
Ziel muss ein intelligent vernetztes
System der verschiedenen
Fortbewegungsmöglichkeiten sein.
Wasserstoff ist wegen seiner Energie-
bilanz momentan noch zu wertvoll,
um in Autos verbrannt zu werden.
Er hat aber als Energiespeicher,
mobiler Energieträger und Grundstoff
für die Industrie ein großes Potential.
Die grüne Wasserstofftechnologie zu
erforschen und zu entwickeln ist eine
Zukunftsaufgabe, der man sich in
unserer Forschungs- und Wissen-
schaftslandschaft bereits stellt.
Wir werden diese Entwicklung gezielt
fördern und damit aktive Wirtschafts-
politik betreiben.
Um die Verkehrswende im Land mit
konkreten Maßnahmen zu unterstüt-
zen und dabei auch die Bürger:innen
einzubeziehen, will DIE LINKE ein
landesweites Förderprogramm zur
Erstellung und Umsetzung von
integrierten Mobilitätskonzepten
in den Kommunen. Bürger:innen-
beteiligung soll dabei Pflicht sein.
CO2-sparende
Lieferketten
Regionalen Wirtschaftskreisläufen
kommt zukünftig noch größere
Bedeutung zu. Kurze, CO2-sparende
Lieferketten sind nicht nur für das
Klima günstig, sie stärken auch die
Region und die Innenstädte.
Die pure Bepreisung von CO2 ist zu
kurz gedacht. Vielmehr muss der
gesamte soziale und ökologische
Abdruck, den ein Produkt hinterlässt,
berechnet und eingepreist werden.
Es ist bequem und viel zu einseitig,
darauf zu verweisen, dass die
Verbraucher:innen durch ihr Konsum-
verhalten steuernd eingreifen können.
Handel und Produzenten müssen viel
mehr in die Verantwortung genommen
werden und ihren Beitrag dafür leisten.
Das gilt auch bei der Müllvermeidung.
Die Entsorgung von Einwegverpackun-
gen ist für Land und Kommunen teuer.
An diesen Kosten muss sich der
Handel beteiligen.
Müllimporte stoppen, Recycling
und Müllvermeidung fördern
Die Menschen vor Ort sind es leid,
dass ihnen eine Deponie nach der
anderen vor die Nase gesetzt wird.
Verantwortungsloses Handeln wie in
der Grube Teutschenthal hat zu Recht
große Proteste hervorgerufen.
Deponien auf geologisch ungeeigneten
Flächen wie in Roitzsch, oder
Deponien, die Orte mit Staub
bedrohen wie in Grossörner, haben
Bürgerinitiativen gegen Mülldeponien
entstehen lassen. Die Betroffenen
nehmen es nicht mehr hin, dass ihnen
der Müll aus ganz Europa vor die Füße
gekippt wird. Daher kämpft DIE LINKE
gegen Müllimporte, wo sie kann.
Müllentsorgung muss öffentlicher
Auftrag sein und gehört nicht in die
Hand privater Geschäftemacher.
Daher muss im Abfallentsorgungsplan
klar festgelegt werden, wo welcher
Müll zu entsorgen ist, und dem
Wildwuchs privater Mülldeponien
muss Einhalt geboten werden. Beim
Verbrennen von Müll in Betonwerken
müssen die gleichen Anforderungen
zum Immissionsrecht gelten wie in
Müllverbrennungsanlagen.
Der beste Müll ist der, der gar nicht
erst entsteht. Schon bei der
Herstellung neuer Materialien muss
deren Entsorgung bzw. Wiederver-
wertbarkeit mitgeplant werden.
Eine Kreislaufwirtschaft, die ihren
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30
Namen verdient, darf daher nicht die
Deponierung von Müll als »Baustoff«
tarnen oder die Verbrennung in
Verbrennungsanlagen und Beton-
werken als »Brennstoff« deklarieren,
sondern muss die Stoffe wieder in den
wirtschaftlichen Kreislauf einbringen.
Insbesondere Forschungsprojekte
zum Kohlenstoffkreislauf wie »Carbon-
Trans« möchten wir fördern, damit
zukünftig aus Kohlenstoff im Müll
wieder hochwertige Produkte oder
Synthesestoffe für die chemische
Industrie entstehen können.
Bauten der öffentlichen Hand sollen
zukünftig einen Mindestanteil an
Recycling-Baustoffen haben.
Gewässerschutz
Die Umsetzung der Wasserrahmen-
richtlinie(WRRL) tritt weitgehend auf
der Stelle. Das Land muss endlich
auch mit eigenem Geld die Umsetzung
der WRRL vorantreiben.
Die Durchgängigkeit der Fließgewässer
ist Voraussetzung für eine naturnahe
Entwicklung und die Wanderung von
Fischarten. Dabei ist auch eine Kombi-
nation mit dem Tourismus reizvoll.
Der Stoffeintrag in die Gewässer, z.B.
Nitrate und Phosphate, muss weiter
reduziert werden. Der Nitrateintrag ist
durch strenge Anwendung der Dünge-
verordnung, durch Blühstreifen an
Gewässerrändern und durch staat-
liche Kontrollen weiter zu verringern.
Nutzungskonflikte um Wasser müssen
vor Ort moderiert werden. Dabei
haben die Trinkwasserversorgung und
die Versorgung der Natur Vorrang.
Natur- und Artenschutz
Der Rückgang der Tier- und Pflanzen-
arten hat weltweit ein bedrohliches
Ausmaß angenommen, sodass in der
Wissenschaft bereits von einem Aus-
löschungsereignis gesprochen wird.
Als Land können wir direkt auf den
Schutz von Ökosystemen und von
einzelnen Arten Einfluss nehmen.
Dabei unterstützen Umweltverbände,
Vereine vor Ort sowie die Land-
schaftspflegeverbände die zuständi-
gen staatlichen Stellen. Sie sollten
deswegen vertrauensvoll als Partner
auf Augenhöhe behandelt werden.
Die Naturschutzbehörden sollen
finanziell und personell in die Lage
versetzt werden, ihre Aufgaben
umfassend zu erfüllen.
Die Naturparks wollen wir stärker
unterstützen und die umwelt-
pädagogischen Angebote ausweiten.
Gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten
müssen mit mehr staatlichem Geld
bekämpft werden, wenn sie einheimi-
sche Arten bedrohen. Insbesondere in
der Krefeldstudie wird auf einen nicht
mehr hinnehmbaren Rückgang der
Insektenpopulation verwiesen.
Insekten sind nicht nur als Bestäuber
unersetzlich, sie sind auch ein
bedeutender Teil der Nahrungskette
für Vögel und andere Tiere.
Die Ursachen des Insektensterbens
sind konsequent zu bekämpfen, wozu
die deutliche Reduktion des Einsatzes
von Pestiziden, die Wiedergewinnung
von Lebensräumen für bedrohte Tier-
und Pflanzenarten und Konzepte gegen
die Lichtverschmutzung gehören.
Bestehende Moore sind zu schützten,
denn sie speichern große Mengen an
CO2 durch den Aufbau und die
Ansammlung von Torf. Moore sind zu
wertvoll, um als Blumenerde zu enden.
Biotopverbünde und Alleen
Biotopverbünde haben eine wichtige
ökologische Funktion, da Arten darin
wandern können. Mit dem Grünen Band
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31
haben wir einen großen Biotopver-
bund, der weiter ausgebaut werden
muss. Aber auch Alleen und Baumrei-
hen sind für unsere Kulturlandschaft
unerlässlich. Daher möchte DIE LINKE
einen Alleenfonds nach dem Vorbild
von Mecklenburg-Vorpommern ein-
richten, um den Erhalt, vor allem aber
die Neuerschaffung von Alleen und
Baumreihen zu finanzieren.
In einem Baumkataster soll zukünftig
baumgenau der Zustand unserer Alleen
dargestellt werden und so eine Grund-
lage für Entscheidungen bezüglich
notwendiger Nachpflanzungen oder
der Neuanlage von Alleen werden.
Land- und Forstwirtschaft:
Ausverkauf stoppen,
Wälder retten
Die Landwirtschaft hat für Sachsen-
Anhalt als Arbeitgeberin, Investorin,
soziale Akteurin und Gestalterin der
Kulturlandschaft eine herausragende
Bedeutung.
Der beste Garant für eine verant-
wortungsvolle und nachhaltige
Bewirtschaftung der Agrarflächen
in Sachsen-Anhalt ist eine vielfältige
Agrarstruktur mit einer breiten
Eigentumsstreuung, vielfältigen
Betriebsgrößen und regionaler
Verankerung.
Wir wollen die Stellung der Landwirt-
:innen in der Gesellschaft und die
Wertschöpfungskette durch die
Orientierung auf den Ausbau
regionaler Kreisläufe für Verarbeitung
und Vermarktung stärken.
Eine tiergerechte, flächenangepasste
Nutztierhaltung ist wichtiger Teil der
Landwirtschaft. Wir setzen uns schon
lange und auch weiterhin für Chancen-
gleichheit ostdeutscher Agrarunter-
nehmen ein. Sie dürfen nicht wegen
ihrer Größe und Leistungsfähigkeit
benachteiligt werden.
Eine Bodenpreisbremse
für Sachsen-Anhalt
Die Privatisierung ehemals volks-
eigenen Bodens durch die bundes-
eigene BVVG wurde zum
maßgeblichen Türöffner für
landwirtschaftsfremdes Kapital zum
Bodenmarkt. Diese landwirtschafts-
fremden Investoren sind eine
existenzbedrohende Gefahr für die
ortsansässigen Agrarbetriebe
geworden, direkt durch den Aufkauf
ganzer oder den Erwerb von Anteilen
an Agrarbetrieben und indirekt durch
explodierende Bodenkauf- und
Pachtpreise. Denn ihnen geht es nur
um Maximalprofitohne Rücksicht
auf örtliche Strukturen, Umwelt oder
Arbeitsplätze. Es muss alles dafür
getan werden, um dem einen Riegel
vorzuschieben. Dazu gehört auch,
den Druck auf den Bund zu erhöhen,
die Privatisierung ehemals
volkseigener Flächen zu beenden und
diese in einem öffentlichen Boden-
fonds auf Bundes- oder Landesebene
für langfristige Verpachtung an
ortsansässige Agrarbetriebe im
Interesse nachhaltiger Landnutzungs-
konzepte zu sichern.
Wir wollen den Zugang zu Grund
und Boden denen ermöglichen,
die ihn auch bearbeiten, und wollen
deshalb das landwirtschaftliche
Vorkaufsrecht stärken und
Bodenverkäufe zur Sicherung der
Agrarstruktur im Land regeln.
Eine bundeseinheitliche Regulierung
von Anteilsverkäufen und bei der
Besteuerung von Verkäufen landwirt-
schaftlicher Flächen ist unabdingbar.
Bei der Verpachtung landeseigener
Flächen sollen
ortsansässige Betriebe vorrangig
berücksichtigt sowie eine besonders
umweltgerechte Bewirtschaftung
angestrebt werden.
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32
Unser Agrarleitbild
Für die Zukunft der Landwirtschaft
ist die Fortsetzung der Agrar-Leitbild-
diskussion unter Beteiligung des
Berufsstandes und der Zivilgesell-
schaft unerlässlich.
DIE LINKE will eine am Gemeinwohl
orientierte, sozial gerechte und
ökologische Landwirtschaft mit
dem Schwerpunkt auf regionaler
Erzeugung, Verarbeitung und
Vermarktung. Dabei richtet sich
DIE LINKE an einem Dreiklang von
Ökonomie, Ökologie und sozialer
Verantwortung aus, wofür die
Landwirtschaft verlässliche Rahmen-
bedingungen braucht.
Wir wollen einen leichteren Zugang
zu gesunden, regional produzierten
Lebensmitteln für öffentliche
Einrichtungen und ihre Küchen und
Kantinen ermöglichen.
DIE LINKE will die Agrarförderung an
Tier-, Umwelt- und Klimaschutz sowie
hohe soziale Standards binden.
Dieser Einsatz soll sich für die Betriebe
auch wirtschaftlich lohnen, und zwar
sowohl bei der Flächenförderung als
auch bei freiwilligen Programmen.
Innovative Klimaanpassung, CO2-
Reduzierung, Wassermanagement,
Humusaufbau, extensive Bewirtschaf-
tungsformen und Agroforstsysteme
sollen unsere Landwirtschaft
zukunftsfest machen. Dabei geht es
uns um ein Dünge- und Boden-
management, das den Erfordernissen
des Natur- und Klimaschutzes sowie
dem Erhalt der Biodiversität, dem
Gewässer-, Boden- (Wasser- und
Winderosion) und Immissionsschutz
gerecht wird. Wir setzen uns für ein
EU-weites Verbot von Totalherbiziden
wie Glyphosat ein und wollen den
Einsatz von Pestiziden und schädlichen
Düngeverfahren zurückdrängen.
Der Landtag soll bei der Ausrichtung
und Schwerpunktsetzung der
Agrarförderung in der nächsten
EU-Förderperiode mitwirken, um den
bürokratischen Aufwand im Antrags-
verfahren zu reduzieren.
Die EU-Förderung muss schlechter-
gestellte Betriebe, insbesondere in
weniger ertragreichen Gebieten, im
Sinne einer flächendeckenden
Landwirtschaft angemessen berück-
sichtigen. Wir wollen eine Bundesrats-
initiative auf den Weg bringen, die
abhängig von der regionalen Futter-
mittelproduktion, den verfügbaren
Flächen und den Möglichkeiten der
Verwertung von Abfallprodukten
regionale Obergrenzen für
Tierhaltungsanlagen festschreibt.
Mit dem Tierschutzplan sollen die
nötigen Ressourcen für die
Umsetzung des Verbots der
betäubungslosen Ferkelkastration,
die Abkehr von engen Kastenständen
für Sauen und den Verzicht auf das
Kupieren von Schwänzen bereit-
gestellt werden.
Der Einsatz von Antibiotika zu Mast-
zwecken muss verboten werden.
Insbesondere dürfen Reserveantibioti-
ka nicht in der Tierzucht eingesetzt
werden. Tierhalter:innen sowie
Kontrollbehörden zur Prävention und
Bewältigung von Seuchensituationen
sind langfristig bei der Umsetzung
von Biosicherheitsmaßnahmen zu
unterstützen. Wir brauchen eine
Eiweißpflanzenstrategie für
Sachsen-Anhalt im Sinne von
Nachhaltigkeit, CO2-Reduzierung
durch Futterimporte, Reduzierung von
mineralischem Dünger, Artenvielfalt
auf Äckern. Der Energiepflanzenanbau
ist auf ein ökologisch verträgliches
Maß zu beschränken.
DIE LINKE setzt bei Biogasanlagen
in erster Linie auf den Einsatz von
Abfall- und Reststoffen.
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33
Wie der Ökolandbau
gefördert werden soll
Bestehende Betriebe und Neuein-
steiger:innen im Ökolandbau sind zu
unterstützen, insbesondere bei der
Verarbeitung und Vermarktung ihrer
Produkte. Damit wollen wir einerseits
den Aufbau regionaler Verarbeitungs-
und Vermarktungsstrukturen fördern,
um den Bedarf an regional und
ökologisch erzeugten Produkten in
den Regionen zu decken und die
Erzeuger:innen vor dem Druck der
Handelsketten zu schützen.
Andererseits geht es dabei auch um
mehr regionale Wertschöpfung und
die Sicherung landwirtschaftlicher
Einkommen sowie eine bessere
Umwelt- und Klimabilanz der
Produktion. Bewirtschaftungs-
und Umstellungsprämien sind so
auszurichten, dass das Mindestziel
eines 20-prozentigen Anteils an der
Gesamtanbaufläche erreicht wird.
Den Anbau von transgenen
Organismen lehnen wir ab. Modernen
Methoden, bei denen Pflanzen mittels
einer Genschere (Crispr/Cas9)
innerhalb des eigenen Genoms in
einer Weise verändert werden, wie es
auch durch Züchtung oder natürliche
Mutation geschehen kann, stehen wir
offen gegenüber.
Wie wir die Weidetierhaltung
voranbringen wollen
Die Haltung von Weidetieren, wie
Schafe, Mutterkühe und Ziegen,
bewahrt unsere Kulturlandschaft und
trägt zur biologischen Vielfalt bei.
Sie hilft auch beim Hochwasser-
schutz. Wir wollen deswegen eine
Weidetierprämie einführen.
Konflikte im Zusammenleben mit
geschützten tierischen Rückkehrern
wie dem Wolf müssen wir durch
Aufklärung der Bevölkerung auszuhal-
ten lernen, längst vergessene und
wiederentdeckte Kulturtechniken zum
wirksamen Schutz von Weidetieren
praktizieren, aber Nutztierhalter:innen
auch durch einen finanziellen Aus-
gleich für Mehraufwand und Schäden
entlasten. Auf Bundesebene setzen
wir uns weiter für einen einheitlichen
Rechtsanspruch der Weidetier-
halter:innen auf finanzielle und
rechtliche Unterstützung und
Beratung beim Herdenschutz ein.
Das wissenschaftliche Monitoring der
Wolfspopulation im Land soll mittel-
fristig ausgebaut und langfristig
gesichert werden.
Gut für Sachsen-Anhalt:
Der Weinbau
Der Weinbau an Saale und Unstrut,
der in den vergangenen 30 Jahren
regelrecht aufgeblüht ist, gehört zu
den erfolgreichsten Zweigen unserer
Landwirtschaft. Seit der deutschen
Einheit hat sich die Zahl der Betriebe
vervielfacht. Wir wollen dieses
prägende Merkmal für die Kulturland-
schaft erhalten, indem wir z.B. die
Instandhaltung von Trockenmauern in
den Weinbergen unterstützen.
Die Förderung des Weinbaus ist für
uns auch ein Beitrag zur Pflege der
historischen Kulturlandschaft im
Saale-Unstrut-Gebiet. Das Landes-
weingut wollen wir erhalten.
Für ein bienenfreundliches
Sachsen-Anhalt
Wir freuen uns über gute Standort-
bedingungen für die Bienenzucht,
die Zunahme der Bienenvölker um
30 Prozent und einen Zuwachs bei
den Imker:innen. Im Moment haben
wir eine Bienendichte von etwa
1,14 Völkern je Quadratkilometer.
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34
Für optimale Bestäubungsleistungen
werden jedoch zwei bis vier Bienen-
völker je Quadratkilometer benötigt.
Die Förderung der fachlichen
Ausbildung von Imker:innen sowie der
Zuschüsse für Geräte und Ausstat-
tungsgegenstände zur Nutzung für
die Imkerei soll fortgesetzt werden.
Das Schulimkerprojekt im Land
Sachsen-Anhalt wollen wir als
gelungenes Beispiel für Nachwuchs-
arbeit verstetigen, bei dem Schul-
bildung und Praxis gut miteinander
verbunden werden.
Die Förderung der Bienenzucht und
Imkerei darf aber nicht darüber
hinwegtäuschen, dass natürlich
vorkommende Bestäuber zunehmend
durch ausgeräumte und durchstruktu-
rierte landwirtschaftliche Flächen
verdrängt werden. Neben dem Ausbau
der Imkerei ist es mindestens genauso
wichtig, geeignete Biotope für
Wildbienen und andere Insekten zu
schützen und zu schaffen.
Wertschätzung für Angler
Angler:innen sind das gute Gewissen
der Gewässer. Sie hegen und pflegen
ehrenamtlich die Fischbestände
Sachsen-Anhalts, denn mit dem
Fischereiausübungsrecht ist auch
untrennbar die Verpflichtung zum
Aufbau und Erhalt naturnaher Fisch-
bestände verbunden. In den letzten
Jahren mussten auch die Anglervereine
schmerzlich erleben, welche
Auswirkungen Hitze und Trockenheit
infolge des Klimawandels auf die
Fischbestände im Land haben.
Damit sie auch zukünftig arbeitsfähig
sind, ist es im gesamtgesellschaftli-
chen Interesse, sie für Besatzmaß-
nahmen von standorttypischen
Fischarten finanziell zu unterstützen
und ihre wertvolle Arbeit im Ehrenamt
anzuerkennen. Wenn Fischereiwirt-
schaft und Ökologie Hand in Hand
gehen, können Angler:innen ihren
eigenen Anspruch auch erfüllen.
Sachsen-Anhalts Wälder brauchen
dringend Hilfe
Unsere Wälder sind natürliche
CO2-Senken. Die Bäume speichern
den Kohlenstoff im Holz und setzen
wertvollen Sauerstoff frei.
Doch unsere wunderschönen Wald-
landschaften sind so bedroht wie nie.
Naturschützer:innen und Verbände
warnen: Unser Land wird zum Epizent-
rum des Waldsterbens. Seit Sommer
2017 haben die Folgen des Klima-
wandels, wie Stürme und Dürren,
aber auch Brände und Schädlinge
die größten Verwüstungen seit
200 Jahren hervorgerufen.
Ohne das Zusammenwirken von Land,
Bund, EU und den körperschaftlichen
Waldeigentümern mit den 50.000
privaten Waldbesitzer:innen,
meistenteils Klein- und Kleinstwald-
besitzer:innen, wird es keine
wirksame Strategie gegen dieses
neue Waldsterben geben.
Was wir zum Schutz
unserer bedrohten Wälder
tun müssen
Die durch ökologische Überforderung
und die Dürrejahre zerstörten Wälder
müssen schnellstens und standortge-
recht wieder aufgeforstet werden.
Monokulturen haben dabei ausge-
dient. Vielmehr muss bei Aufforstung
und Waldumbau darauf geachtet
werden, dass naturnahe Mischwälder
entstehen, die sich den veränderten
Klimabedingungen anpassen.
Damit im Landesforstbetrieb und im
Landeszentrum Wald genügend
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35
Stellen neu besetzt werden können,
braucht es sowohl eine bessere
Bezahlung des Personals als auch eine
Stärkung der Forstausbildung in
Magdeburgerforth.
Die Landesforstverwaltung muss
in die Lage versetzt werden, die
Bestimmungen des Landeswald-
gesetzes durch- und umzusetzen.
Waldbrandschutzkonzepte müssen
entwickelt und die notwendige
Infrastruktur (Wege, Löschwasser)
ausgebaut werden.
Waldbesitzer:innen und Forstbetriebe
sollen dabei unterstützt werden,
die großen Mengen an Schadholz
nach den Dürresommern und nach
dem Befall mit Borkenkäfern und
anderen Schädlingen zu beseitigen.
Dazu sind viele Unternehmen wegen
der niedrigen Holzpreise derzeit nicht
in der Lage.
Zur Wiederaufforstung wollen wir
die bestehende Förderpraxis
verein-fachen und entbürokratisieren.
Besitzer:innen von kleinen Privatwäl-
dern und forstliche Zusammenschlüsse
wie Forstbetriebsgemeinschaften
müssen künftig besser unterstützt
werden, z.B. durch eine Erleichterung
der Fördermittelbeantragung.
Gut fürs Klima:
nachhaltige Holznutzung
Durch eine nachhaltige Holznutzung
kann der im Holz gespeicherte
Kohlenstoff konserviert und somit
das verbrauchte CO2 dauerhaft aus
der Atmosphäre entfernt werden.
Holz als Baumaterial sowie als
Rohstoff für innovative Technologien,
wie die Kunststoffgewinnung,
birgt ein großes Potential.
Den Vorschlag des Waldbesitzer-
verbandes für eine Holzbauquote für
die öffentliche Hand halten wir für
ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.
Waldbesitz bedeutet, dem
Gemeinwohl zu dienenEigentum
verpflichtet
Wir wollen den Verkauf von
Waldflächen aus öffentlichem Besitz
stoppen. Öffentliche Waldflächen sind
für das Gemeinwohl unverzichtbar.
Wir plädieren für ein Vorkaufsrecht für
regional ansässige Betriebe der
Land- und Forstwirtschaft.
Wald darf nicht als reine Kapitalanlage
missbraucht werden. Ein Vorkaufs-
recht würde zudem langfristig die
Betriebsstrukturen der Forstbetriebe
verbessern.
Außerdem plädieren wir für eine
schrittweise Ausdehnung der Flächen,
die nach den Maßstäben der Zertifizie-
rungsorganisationen bewirtschaftet
werden. Wir wollen den Anteil der
Waldflächen weiter ausbauen sowie
zur natürlichen Entwicklung Flächen
aus der kommerziellen Waldbewirt-
schaftung herausnehmen.
Hierbei kommt der Stiftung Natur-,
Umwelt- und Klimaschutz (SUNK) eine
besondere Bedeutung zu.
Der Wald ist ein wichtiger Ort für
Umweltbildung.
Wir stehen deshalb zu den Jugend-
waldheimen des Landeszentrums
Wald und wollen diese finanziell und
personell für die Bildungsarbeit
besser ausstatten.
Die Nutzung der Waldwege muss
neu geregelt werden, wobei die
Interessen der Waldbesitzer:innen
ebenso zu berücksichtigen sind wie
unvermeidbare Nutzungen mit
Kraftfahrzeugen durch Landwirtschaft
und Fischerei.
Auch touristische Ansprüche und die
Bedürfnisse von Anlieger:innen
müssen einbezogen werden.
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Tierschutz geht mit links
Seit 2019 ist der Tierschutz ein
Staatsziel der Landesverfassung.
Für dessen Umsetzung kommt es auf
die Arbeit einer Vielzahl von im
Ehrenamt Tätigen an. Die Arbeit von
Tierheimen und Tierschutzvereinen
muss gewährleistet werden, wobei die
kommunale Pflichtaufgabe der
Unterbringung von Fundtieren nicht
zulasten ehrenamtlicher Tierschutzar-
beit gehen darf. Wir wollen das Amt
der/des Tierschutzbeauftragten
weiterführen und ein Verbandsklage-
recht für Tierschutzverbände einfüh-
ren. DIE LINKE will weg vom Prinzip
Rasseliste bei Hunden. Die Nachteile
für die Tierhalter:innen und der
Nutzen für die Sicherheit müssen neu
abgewogen werden. Die Kennzeich-
nungs- und Registrierungspflicht für
Hunde muss konsequent umgesetzt
werden, um die Arbeit der Tierheime
zu erleichtern. Wir befürworten eine
Regelung für Katzen, um aufgefunde-
ne Tiere ihren Halter:innen schnellst-
möglich zurückgeben zu können.
Digitalisierung: Teilhabe statt
digitaler Spaltung
Die Digitalisierung ist im privaten und
beruflichen Alltag inzwischen allge-
genwärtig. In der Pandemie zeigt sich
aber besonders deutlich, dass von
gesellschaftlicher Teilhabe ausge-
schlossen ist, - ob in Bildung, Arbeit,
Kultur oder Freizeit -, wer keinen
digitalen Zugang hat. Die Corona-
Krise hat die digitale Spaltung der
Gesellschaft und die damit einher-
gehende soziale Spaltung dramatisch
offengelegt, denn wer arm ist, der ist
zweifach abgemeldet digital und
sozial. Die digitale Spaltung unserer
Gesellschaft muss überwunden
werden, ist sie doch ein Anachronis-
mus in einer Zeit, in der die Digitalisie-
rung die Produktions- und Arbeitswelt
komplett verändert hat und kontinu-
ierlich weiter verändern wird.
Datensouveränität und digitaler
Zugang müssen deshalb heutzutage
soziale Grundrechte sein als
Bedingungen für demokratische
Teilhabe, und zwar unabhängig vom
Wohn- und/oder Arbeitsort, ob in der
Stadt oder im ländlichen Raum.
Digitaler Zugang ist zugleich auch eine
Grundbedingung moderner Produktion
und erfolgreicher Wirtschaftsstandorte.
Auch hier gilt:
Digitale Gleichberechtigung in Ost
und West, zwischen Stadt und Land,
weltweit - für ein echtes World Wide
Web. Anspruch linker Politik muss es
sein, Digitalisierungs- und Arbeitszeit-
gewinne gerecht zu verteilen. Risiken
müssen durch klare gesetzliche
Regelungen beschränkt werden.
Auch das Recht auf Datenschutz ist im
21. Jahrhundert ein Grundrecht und
hat zahlreiche Facetten von behörd-
lichem Handeln bis in den privaten
Alltag. Datensouveränität, d.h. Schutz
der Daten und Persönlichkeitsrechte,
hat für uns Priorität, nicht die
Aus- und Verwertung von Daten als
Geschäftsmodell. Unternehmen,
die gegen Datenschutzauflagen
verstoßen, müssen konsequent
sanktioniert werden. Dazu gehört eine
Stärkung der Amtsausstattung der/
des Datenschutzbeauftragten.
Wir wenden uns gegen jede Sperr- und
Überwachungsinfrastruktur, denn das
Netz soll ein freier gesellschaftlicher
Diskursraum sein. Netzsperren
und Haftungsverschärfungen bei
Verweisen/Links für Provider und
Verbote, auf andere Webseiten zu
verlinken, lehnen wir ab.
Das Recht auf Privatsphäre und
informationelle Selbstbestimmung gilt
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37
auch für Beschäftigte.
Eine Überwachung von Beschäftigten
durch Video, Detektive oder des
E-Mail-Verkehrs ist zu bekämpfen.
Die Chancen der Digitalisierung
Die Digitalisierung bietet vor allem
durch intelligente Mess-, Auswer-
tungs- und Berechnungssysteme
enorme Chancen im Bereich der
Energie- und Ressourceneinsparung.
Sie besitzt einen wichtigen Stellen-
wert bei der Bewältigung des Klima-
wandels, sowohl bei der Modell-
berechnung als auch bei der
Möglichkeit, Treibhausgase und
Energie einzusparen.
Der ökologische Fußabdruck der
Digitalisierung durch die Verwendung
von seltenen Erden für die Hardware
oder auch Serverfarmen drohen diese
Chancen zunichte zu machen.
Auch bei den digitalen Endgeräten
selbst muss deshalb auf Nachhaltig-
keit und Energiesparsamkeit geachtet
werden. Hier ist politische
Regulierung notwendig, z.B. für eine
Mindesthaltbarkeitsdauer für Geräte.
Digitale Mitbestimmung
am Arbeitsplatz
Intelligente Systeme/Assistenzsysteme
bieten viel Potential, um Arbeit
sicherer, effizienter und gesundheits-
schonender zu machen. Die Befreiung
von körperlich schwerer oder
monotoner Arbeit durch zum Beispiel
Pflegeroboter oder unterstützende
Roboter (die helfen, schwere und
gesundheitlich bedenkliche Tätig-
keiten zu minimieren oder ganz zu
verhindern), wollen wir vorantreiben.
Die durch Digitalisierung und
künstliche Intelligenz (KI) entstehen-
den Produktivitätspotentiale wollen
wir zum Nutzen aller freisetzen.
DIE LINKE hält eine generelle Arbeits-
zeitverkürzung auf 30 Stunden für
möglich. Gleichzeitig treten wir
Bestrebungen entgegen, die neuen
Technologien zur Arbeitsverdichtung,
Stresserhöhung und für verstärkte
Kontrolle nutzen. Mit der Digitalisie-
rung gehen auch Veränderung von
Geschäftsmodellen und damit auch
der Beschäftigtenstruktur und
Veränderungen im Arbeitsprozess
einher. Plattformarbeitsmodelle
(Crowdworking) bewegen sich in
rechtlichen Grauzonen.
Sie schaffen durch Deregulierung
neue prekäre Arbeitsformen und
soziale Entsicherung.
DIE LINKE Sachsen-Anhalt will ein
Verbot oder enge Begrenzung der
Verlagerung von Tätigkeiten auf
Subunternehmen oder neue Formen
der Scheinselbstständigkeit (Plattform-
ökonomie). Die Mitbestimmungsrechte
der Belegschaften und Betriebsräte
müssen dagegen erweitert und gemein-
sam mit Gewerkschaften, Expert:innen
im Bereich Arbeitsrecht und Arbeits-
medizin für den Bereich der Plattform-
ökonomie neu formuliert werden.
Digitale Infrastruktur für Unternehmen,
Verwaltung und Bildung ausbauen
Der Markt hat beim Ausbau des
schnellen Internets in Sachsen-Anhalt
versagt. Die Landesregierung hat ihr
Ziel, alle Schulen bis Ende 2020 ans
Glasfasernetz anzuschließen, verfehlt.
Viele Länder sind beim Anschluss an
schnelles Internet, vor allem an
Glasfaser deutlich weiter als Sachsen-
Anhalt. Was wir vor allem im ländli-
chen Raum brauchen, sind Lösungen
wie der Zweckverband Altmark und/
oder staatlich geförderte Glasfaser-
netze im öffentlichen oder genossen-
schaftlichen Eigentum.
Jeder Haushalt muss ein Anrecht auf
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38
einen bezahlbaren, schnellen Internet-
anschluss haben.
Schnelles Internet ist für DIE LINKE
Bestandteil der Daseinsvorsorge,
d.h. digitaler Zugang muss soziales
Grundrecht sein und darf nicht nach
wirtschaftlichen Renditeerwägungen
punktuell erfolgen.
Der Einsatz einer durchgehenden
Glasfasertechnologie muss Ziel des
Landes sein, da nur diese in der Lage
ist, die permanent steigenden Bedarfe
an symmetrischen Down- und
Upstreambandbreiten zu bewältigen.
Für die Digitalisierung in den Kommu-
nen fordern wir eine Kommission
aus Vertreter:innen von Land und
Kommunen, welche die Standards
und Ziele verbindlich formuliert und
die Verteilung der notwendigen Mittel
vornimmt.
Mobilfunk5G-Ausbau
Wir wollen in Sachsen-Anhalt bei der
Einführung der Mobilfunktechnologie
der 5. Generation (5G) vorangehen,
denn schnelles Internet wollen wir an
jeder Milchkanne. Denn davon sollen
nicht nur städtische, sondern auch
ländliche Räume rasch profitieren.
Wir werden weiterhin für eine
umfassende Netzneutralität streiten,
damit der Zugang zu schnellen
Datenwegen nicht vom Geldbeutel
abhängt. Wir unterstützen Initiativen,
die Breitbandversorgung aus der Hand
weniger Telekommunikationskonzerne
in öffentliches Eigentum zu
überführen oder genossenschaftlich
zu organisieren.
Unterstützung von
Freifunkinitiativen
Die Schaffung von freien Internet-
zugängen ist in der durch Digitali-
sierung geprägten Welt ein wichtiges
gesellschaftliches Anliegen.
Die zumeist ehrenamtlichen Freifunk-
initiativen leisten dazu einen anerken-
nenswerten Beitrag. DIE LINKE will
das gemeinnützige Engagement für
die digitale Gesellschaft anerkennen
und sich auf Bundesebene aktiv dafür
einsetzen, dass Freifunkinitiativen in
der Abgabenordnung als gemeinnützig
anerkannt werden.
Die Landesförderung für Freifunknetze
und WLAN wollen wir fortführen und
weiter ausbauen. Für den weiteren
Ausbau von Freifunkinfrastruktur
wollen wir, dass auch die landes-
eigenen Behörden ihre Gebäude zur
Verfügung stellen.
Entwicklungspolitik: Globale
Gerechtigkeit, die wir meinen
Entwicklungspolitik lebt auch von
Veränderung. Deshalb war es wichtig,
dass DIE LINKE auf eine Überarbei-
tung und Aktualisierung der Entwick-
lungspolitischen Leitlinien (EPL) unter
Mitwirkung von zivilgesellschaftlichen
Akteur:innen hingewirkt hat. Aspekte
wie lebenslanges Lernen, weltweite
soziale Gerechtigkeit, Demokratiebil-
dung und Friedenspolitik sind dabei
für uns von zentraler Bedeutung.
Die Stellen für das Eine-Welt-
Promotor:innen-Programm sind
weiter zu finanzieren. Die Unterstüt-
zung des fairen Handels, der nachhal-
tigen Beschaffung von Gütern und
Lebensmitteln und von nachhaltigem
Konsum können zur Armutsbekämp-
fung im globalen Süden beitragen.
Ein erster richtiger Schritt wäre, das
Vergabegesetz in Sachsen-Anhalt zu
ändern, denn die Einhaltung von
Menschenrechten und verbindlichen
Umwelt- und Sozialstandards (ILO-
Kernarbeitsnormen) in den Lieferketten
sowie entsprechende Offenlegungs-
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Schule: Wir werden den
Mangel beenden!
Der massive Lehrkräftemangel,
der Rückstand in der digitalen Aus-
stattung der Schulen, der Stillstand
auf dem Weg zu einer inklusiven
Schule und die mangelnde Integration
von Schüler:innen mit Migrationser-
fahrungen sind die schlimmsten
Defizite in unserem Schulsystem.
Die soziale Schere beim Bildungszu-
gang wird nicht geschlossen, und die
große Zahl von Schüler:innen, die die
Schulen ohne Abschluss verlassen,
steigt weiter. Das ist die Bilanz von
fast zwei Jahrzehnten CDU-Regierun-
gen in Sachsen-Anhalt.
Diesem Absinken der Qualität von
schulischer Bildung stellt sich DIE
LINKE entgegen. Durch während der
Pandemie zeitweilig geschlossene
Schulen und die damit verbundene
Aussetzung des Präsenzunterrichts
wurden und werden viele Schüler:in-
nen in ihrer Entwicklung zusätzlich
benachteiligt.
DIE LINKE tritt dafür ein, die erforder-
lichen Ressourcen zu mobilisieren,
um diese Nachteile auszugleichen und
Bildungsgerechtigkeit herzustellen,
damit alle Schüler:innen, unabhängig
von Geschlecht, familiärem Hinter-
grund oder sozialökonomischem
Status, die gleichen Bildungschancen
und -möglichkeiten haben.
Digitales Lernen voranbringen
Netzzugang für alle Kinder!
In der Pandemie wurden durch das
Engagement und die Kreativität von
Pädagog:innen und Schüler:innen,
aber auch von Eltern an vielen
Schulen in kurzer Zeit neue, medien-
gestützte Kommunikationsformen
erprobt. Dennoch ist Deutschland ein
Entwicklungsland in Sachen digitalen
Lernens. Um digitale Lernformen
künftig für alle nutzbar zu machen,
müssen die Schulen schneller
Glasfaseranschlüsse für leistungs-
fähiges Internet erhalten.
DIE LINKE will außerdem sicher-
stellen, dass jede:r Schüler:in über
ein internetfähiges Gerät und einen
Internetzugang verfügt. Für die
Verbesserung des Bildungserfolgs
gilt es, sich neben der technischen
Ausstattung aber auch mit gesell-
schaftlichen Grundfragen der
Digitalisierung auseinanderzusetzen,
III. Bildungsgerechtigkeit,
die wir meinen
pflichten dürfen nicht freiwillig sein,
sondern ein Muss.
Grundsätzlich wollen wir die Bildungs-
arbeit für nachhaltige Entwicklung
mehr fördern, das heißt globalem
Lernen mehr Raum geben.
Eine intensive Kooperation von
Hochschulen und Universitäten des
globalen Südens mit dem globalen
Norden wird für alle Beteiligten vor-
teilhaft sein. Wir können und müssen
Wissen austauschen und voneinander
lernen. Um auf Landesebene
erfolgreiche entwicklungspolitische
Arbeit zu leisten, wollen wir den
Runden Tisch Entwicklungspolitik
weiter institutionalisieren.
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die kompetente Nutzung moderner
Medien für die Gestaltung von
Lernprozessen durch Lehrer:innen
und die digitale Mündigkeit der
Schüler:innen zu entwickeln sowie
einen effektiven Datenschutz zu
gewährleisten. Die Schulen brauchen
IT-Systeme, die die Arbeit mit frei
zugänglichen Bildungsmaterialen
uneingeschränkt ermöglichen.
Volksbegehren umsetzen
unser Programm gegen den
Personalmangel
Fast zwanzig Jahre lang haben es
Landesregierungen zugelassen,
dass viel zu wenige Lehrkräfte
ausgebildet wurden, die jetzt an allen
Schulen fehlen. Es wird deutlich mehr
pädagogisches Personal benötigt, um
die Lehr- und Lernbedingungen für
Lehrer:innen und Schüler:innen
zu verbessern. Um erfolgreich zu
lernen, sind mehr Zeit und kleinere
Lerngruppen erforderlich.
Als Ziel für eine ausreichende Personal-
ausstattung macht sich Die LINKE
die Forderungen des Volksbegehrens
»Den Mangel beenden! Unseren
Kindern Zukunft geben!« zu eigen
und wird dafür streiten, die dort
geforderten Personalschlüssel im
Schulgesetz zu verankern.
Unser Ziel ist es, den aktuellen
Personalbestand um mindestens
2.000 Lehrkräfte, 400 pädagogische
Mitarbeiter:innen und 600 Schul-
sozialarbeiter:innen zu erweitern.
Da in den kommenden Jahren sehr
viele Lehrkräfte altersbedingt aus-
scheiden werden, müssen jährlich bis
zu 1.500 neue Lehrkräfte für den
Schuldienst des Landes gewonnen
werden. DIE LINKE strebt deshalb mit
beiden Universitäten des Landes
Ergänzungszielvereinbarungen an,
um die Lehrerausbildung von derzeit
1.000 auf 1.500 Erstsemesterplätze
auszubauen, die tatsächliche Studien-
dauer zu verkürzen und mehr erfolg-
reiche Abschlüsse zu ermöglichen.
Außerdem muss gemeinsam mit den
Universitäten eine stärkere Ausrich-
tung bei der Fächerwahl von Lehr-
amtsstudierenden am Bedarf des
Landes erreicht werden.
Um die Ausbildung und den Einsatz
der neuen Lehrkräfte effizienter zu
gestalten, soll die universitäre
Ausbildung für die allgemeinbildenden
Schulen nur noch in zwei Lehramts-
laufbahnen stattfinden eine Lauf-
bahn für die Primarstufe einschließlich
der sonderpädagogischen Fachrich-
tungen und eine Laufbahn gemeinsam
für die Sekundarstufen I und II.
Inklusions- und Medienpädagogik
müssen Bestandteil aller Lehramts-
studiengänge sein.
Für den Vorbereitungsdienst sollen
weitere Seminare für Lehrämter in
der Fläche des Landes (Dessau,
Gardelegen oder Stendal, Halber-
stadt) eingerichtet werden.
Schulträger sollen mehr Zuständigkeit
bei der Gewinnung von Lehrkräften
bekommen. Außerdem sollen im
Vorbereitungsdienst bei besonderen
regionalen Bedarfssituationen
zusätzliche Bewerber:innen durch die
Zahlung von Anwärtersonderbezügen
gewonnen werden.
Die gerechte Eingruppierung aller
Lehrkräfte und gute Arbeitsbedingun-
gen sind wichtige Voraussetzungen,
damit Sachsen-Anhalt konkurrenz-
fähig bleibt und erfolgreich Lehrkräfte
ausbilden und einstellen kann.
Wir werden die Vergütung der
Grundschullehrkräfte auf das Niveau
der anderen Lehrkräfte in die A13/E13
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anheben und die Altersermäßigungen
für alle Lehrkräfte wieder ab dem
60. Lebensjahr gewähren.
Wir wollen zu jeder Zeit Einstellungen
ermöglichen und auch die Rückkehr
aus anderen Bundesländern fördern.
Durch schnelle Entscheidungen
vor Ort wollen wir die Einstellungs-
verfahren verkürzen und den Schulen
mehr Verantwortung und Einfluss
einräumen. Durch frühzeitige Ein-
stellungszusagen sollen Gemeinden
und Landkreise motiviert werden,
für Studierende und Lehrkräfte
im Vorbereitungsdienst gute
Bedingungen für sie und ihre Familien
zu schaffen und sie so an die Region
zu binden. Die Universitäten und die
Seminare für Lehrämter sollen die
Kommunen dabei durch Kooperationen
unterstützen.
Um die regionalen Kenntnisse für einen
effizienten Einsatz der Lehrkräfte zu
nutzen und die Verantwortung der
Kommunen als Schulträger zu stärken,
werden wir für Gemeinden und
Landkreise durch Modellversuche die
Möglichkeit eröffnen, im Rahmen
vorgegebener Stellenkontingente den
Lehrkräftebedarf für ihre Schulen
selbst zu planen.
Der Schuldienst des Landes wird
noch über lange Zeit auf Seitenein-
steiger:innen angewiesen sein.
DIE LINKE wird dafür Sorge tragen,
dass diese Lehrkräfte berufsbegleitend
eine vollwertige pädagogische
Ausbildung erhalten, unabhängig
von der Zahl der Unterrichtsfächer.
Auch wer sich ohne zusätzliche
Ausbildung im Unterrichtseinsatz
über längere Zeit bewährt, soll eine
Laufbahnbefähigung erhalten und
somit auf Dauer nicht schlechter
bezahlt werden als Kolleg:innen mit
grundständiger Lehrerausbildung.
Lehrkräfte sind Fachleute für das
Lernen im Unterricht und benötigen
für die Bewältigung der vielfältigen
Aufgaben im Schulalltag Unterstützung
anderer pädagogischer Professionen.
Langfristig orientieren wir uns an den
Empfehlungen des Bundesverbandes
für Schulsozialarbeit, der pro
150 Schüler:innen eine Schulsozial-
arbeitsstelle für nötig erachtet.
Die Schulsozialarbeit soll weiterhin in
Kooperation mit Trägern der freien
Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt
und durch die etablierten Netzwerk-
stellen koordiniert und unterstützt
werden. Außerdem werden wir den
schulpsychologischen Dienst und die
schulfachliche Evaluation und
Beratung der Schulen im Landes-
sschulamt personell verstärken.
Schule als ganztägigen
Lern- und Lebensort gestalten
Horte ins Schulgesetz
Gute Bildung für alle ist eine wichtige
Voraussetzung für gesellschaftliche
Teilhabe, wirtschaftlichen Erfolg und
einen verantwortungsbewussten
Umgang mit unserer Umwelt.
Darum kommen der Ausweitung der
Lernzeit, dem längeren gemeinsamen
Lernen in Gemeinschaftsschulen, der
Entwicklung von inklusiv arbeitenden
Regelschulen, der Erweiterung von
Ganztagsangeboten und der flächen-
deckenden Etablierung von Schulsozi-
alarbeit und praxisorientiertem
Lernen entscheidende Bedeutung zu.
Gute Bildung braucht ausreichend
Zeit. Deshalb will DIE LINKE eine
10-jährige Vollzeitschulpflicht für alle
Schüler:innen. Ziel ist es, dass alle
mindestens den mittleren Schulab-
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schluss (Realschulabschluss) nach
10 Schuljahren erreichen können.
Dabei kann das 10. Schuljahr auch an
einer berufsbildenden Schule in der
dualen Ausbildung absolviert werden.
Statt Schüler:innen bei Leistungs-
schwächen die Versetzung zur
verweigern, wollen wir die Förderung
verstärken, damit der Anschluss
wieder geschafft werden kann.
Das »Sitzenbleiben« als untaugliche
Maßnahme muss beendet werden, die
freiwillige Wiederholung der Klassen-
stufe soll aber möglich bleiben.
Für die ganztägige Bildung und
Erziehung im Primarbereich sollen
die Horte mit ihren spezifischen
Angeboten einen größeren Beitrag
leisten, Freiräume für Kreativität
und Gemeinschaftsarbeit schaffen
sowie Raum für Sport, Erholung und
Besinnung bieten. Die notwendige
enge Kooperation von Grundschulen
und Horten soll durch die Verankerung
der Horte im Schulgesetz gewährleistet
werden, wobei die bisherige Träger-
vielfalt erhalten bleiben soll. Außer-
dem wollen wir die personellen und
finanziellen Voraussetzungen schaf-
fen, um Ganztagsangebote an allen
weiterführenden allgemeinbildenden
Schulen bedarfsgerecht auszubauen.
Inklusion an den
Schulen voranbringen
kein Kind zurücklassen
Für uns ist der Anspruch auf eine
erfolgreiche Bildung im Regelschul-
system für alle Schüler:innen verbind-
lich und eine gesellschaftliche
Notwendigkeit zur Gewährleistung des
sozialen Zusammenhalts. Inklusion
kann und muss besser gelingen.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden
wir die Rahmenbedingungen für die
Förderung von Kindern mit festgestell-
tem Förderbedarf in Regelschulen
strukturell verbessern und vor
allem deutlich mehr qualifizierte
Pädagog:innen einsetzen.
In den Landkreisen und kreisfreien
Städten werden wir regionale
Förderzentren ermöglichen, um so
einen Übergang vom bisherigen
Förderschulsystem zu einem
inklusiven Schulsystem zu erreichen.
Die erhebliche Anzahl von Schüler:in-
nen, die ohne regulären Schul-
abschluss die allgemeinbildenden
Schulen verlassen, ist eine große
Herausforderung. Wir wollen die
Möglichkeiten der Förderung zur
Erlangung eines Schulabschlusses
verbessern und erweitern. Dazu zählt
u.a. die bedarfsgerechte Fortführung
des »Produktiven Lernens«.
Kindern und Jugendlichen, die kurz
oder langfristig der Schule fernbleiben,
muss durch mehr sozialpädagogische
Unterstützung, ggf. auch durch
Angebote an außerschulischen
Lernorten, der Weg zurück zur Fortfüh-
rung der schulischen Bildung geebnet
werden. Bestrafen ist keine Hilfe.
Deshalb werden wir die Schulverwei-
gerung als Ordnungswidrigkeit aus
dem Schulgesetz streichen und dafür
keinen Jugendarrest mehr zulassen.
Länger gemeinsam Lernen
eine Erfolgsgeschichte
Die Gemeinschaftsschulen haben
sich in der letzten Wahlperiode gegen
Widerstände aus der CDU als erfolg-
reiche Schulform für längeres gemein-
sames Lernen etabliert. Sie sind bei
immer mehr Schüler:innen und ihren
Eltern beliebt, weil die Entscheidung
über den weiteren Bildungsweg länger
offengehalten wird. Diesen Weg
wollen wir konsequent fortsetzen.
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Gemeinschaftsschulen sollen künftig
neben dem mittleren Schulabschluss
(MSA) auch einen gleichwertigen Weg
bis zum Abitur anbieten. Dafür wollen
wir die Einrichtung kleiner gymnasialer
Oberstufen und die Bildung von Ober-
stufenzentren als Kooperation mehrerer
Gemeinschafts- und Gesamtschulen
ermöglichen. Darüber hinaus sollen
alle Gemeinschaftsschulen eine Fach-
oberstufe einrichten können, um in
Kooperation mit berufsbildenden
Schulen die Fachhochschulreife anzu-
bieten. Sie sollen dafür ein attraktives
polytechnisches Profil entwickeln, bei
dem praxisorientiertes Lernen von An-
fang an und verstärkt ab dem 7. Schul-
jahrgang einen festen Platz hat.
Für Sekundarschulen soll es attraktiv
werden, sich in Gemeinschaftsschulen
umzuwandeln. Wir streben auf der Basis
freiwilliger Entscheidungen von Schulen
und Schulträgern einen vollständigen
Übergang zu einem Schulsystem
aus zwei Säulen im Bereich der
Sekundarstufe I an, bestehend aus
Gemeinschaftsschulen und Gymnasien.
Berufsbildende Schulen
DIE LINKE will sich dafür einsetzen,
die berufsbildenden Schulen zu stärken
und die Rahmenbedingungen für die
berufliche Ausbildung zu verbessern.
Die Konzentration der Ausbildung in
Landesfach- und Regionalklassen an zu
wenigen Standorten ist dabei kontra-
produktiv. Für eine moderne technische
Ausstattung der berufsbildenden
Schulen sollen den Schulträgern über
ein Landesprogramm finanzielle Mittel
bereitgestellt werden. Die Entscheidung
für eine vollzeitschulische Ausbildung,
z.B. zur Erzieher:in, darf nicht vom
Geldbeutel der Familie abhängen.
Deshalb fordern wir die Übernahme
des Schulgeldes durch das Land.
Alle Auszubildenden müssen wissen,
wie sie ihre Rechte geltend machen
können und was Ausbilder:innen
dürfen und was nicht. Darum wollen
wir, dass Gewerkschaften in den
Berufsschulen über Arbeitnehmer:in-
nenrechte aufklären. Alle Auszubilden-
den sollen zur Vorbereitung ihrer
Abschlussprüfungen zwei Wochen
vorher vollständig freigestellt werden.
Eigenverantwortung
und Schuldemokratie
Schulen müssen Orte gelebter Demo-
kratie sein. DIE LINKE setzt sich
deshalb für die Erweiterung der
Mitbestimmungsrechte von Schüler:in-
nen ein. Dabei soll es auch möglich
sein, für die Gesamtkonferenz einer
weiterführenden Schule die Drittel-
parität einzuführen. Damit Schulen
Motoren ihrer eigenen Entwicklung
werden, müssen sie selbst mehr über
organisatorische, finanzielle und
pädagogische Fragen entscheiden
können. DIE LINKE wird den Gesamt-
konferenzen zusätzliche Entschei-
dungsbefugnisse übertragen.
Außerdem sollen die Schulträger
aufgefordert werden, den Schulen
möglichst große Teile ihres Schulhaus-
haltes als Budget zur eigenen Bewirt-
schaftung zur Verfügung zu stellen.
Die Bewertung des Verhaltens durch
»Kopfnoten« werden wir aufheben und
durch individuelle Rückmeldungen
ersetzen.
Was wir gegen Schulschließungen und
für Neu- oder Erweiterungsbauten tun
wollen
In Sachsen-Anhalt sind in 30 Jahren
mehr als die Hälfte aller staatlichen
Schulen geschlossen worden. Gleich-
zeitig füllen immer mehr Privatschulen
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Lücken im staatlichen Schulnetz.
DIE LINKE wird entsprechend dem
Verfassungsauftrag das öffentliche
Schulwesen stärken. Die Vorgaben
für Schulgrößen und Klassenstärken
an den staatlichen Schulen in der
Verordnung zur Schulentwicklungs-
planung werden aufgehoben und
durch globale Personalzuweisungen
ersetzt. Die Entscheidungen über den
Erhalt und die Neuerrichtung von
Schulstandorten wird so vollständig
an die Schulträger übertragen.
Schulstandorte stehen dann nicht
mehr zur Disposition, weil durch
schwankende Schülerzahlen starre
Grenzwerte unterschritten werden.
Wir setzen uns ebenso für faire
Entwicklungsbedingungen der
bestehenden Schulen in freier
Trägerschaft ein.
Jeder Schule sollen ausreichend
Räume zur Verfügung stehen. Schulen
sollen nicht mehr überfüllt werden.
Bei der rechtzeitigen Planung und
Errichtung von Neu- oder Erweite-
rungsbauten müssen die Schulträger
durch ein Schulbauprogramm des
Landes unterstützt werden.
Wir werden verbindliche Vorgaben
für den Neu-, Aus- und Umbau von
Schulgebäuden schaffen.
Dabei orientieren wir uns an den
Anforderungen für die Arbeit in
inklusiven Schulen, die u.a. Räume für
Teilungsunterricht, Schulsozialarbeit
und Ganztagsarbeit einschließen.
Barrierefreiheit aller Schulgebäude
ist eine unabdingbare Voraussetzung
für eine inklusive Schule. Auch die
Arbeitsbedingungen für Lehrer:innen
müssen verbessert werden.
Außerdem sollen die Kommunen
durch eine deutliche Erhöhung
der Finanzzuweisungen in die Lage
versetzt werden, den Bau- und
Sanierungsbedarf an Schulgebäuden
zu bewältigen.
Bei Neubauten und Grundsanierungen
müssen Pädagog:innen,
Schüler:innen, Eltern und weitere
Partner:innen der Schulen verbindlich
Mitsprache erhalten.
Kinder und Jugend besser
fördern, schützen und beteiligen
Bildung von Anfang an
Kinder lernen am besten und am
liebsten gemeinsam mit anderen
Kindern. Darum sind für uns Kinderta-
geseinrichtungen Orte frühkindlicher
Bildung, denn dort können Kinder in
der Gemeinschaft aufwachsen, sich
entwickeln und lernen. Um diesem
Verständnis Rechnung zu tragen, soll
die Übertragung der Verantwortung
für die frühkindliche Bildung und für
die Kinder- und Jugendhilfe an ein
Ministerium für Bildung und Jugend
intensiv geprüft werden.
Das Programm »Bildung elementar
Bildung von Anfang an« werden wir
überarbeiten, um den Bereich der
Medienpädagogik erweitern und
seine Umsetzung in den Einrichtungen
durch einen größeren Stellenwert in
der Aus-, Fort- und Weiterbildung der
Erzieher:innen und durch Zeit für
die Vor- und Nachbereitung der
pädagogischen Arbeit qualifizieren.
Ganztagsanspruch,
Beitragsfreiheit und bessere
Betreuungsqualität in Kitas
DIE LINKE will einen uneingeschränkten
Rechtsanspruch auf eine ganztägige
Betreuung in Kindertageseinrichtungen
für alle Kinder, unabhängig von ihrer
familiären oder sozialen Situation.
Die Planung und Finanzierung der
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45
Kindertageseinrichtungen sollen in
einer Hand bei den Landkreisen und
kreisfreien Städten liegen.
Dafür haben wir ein transparentes
Finanzierungssystem erarbeitet,
das sich an den tatsächlichen
Personalkosten orientiert, den
Finanzierungsanteil der Gemeinden
aufhebt und schrittweise zur Beitrags-
freiheit für die Eltern führt. Zur
Verbesserung der Betreuungsqualität
wollen wir die Personalschlüssel
schrittweise absenken.
Wir werden eine kostenlose Mittags-
versorgung für alle Kinder in Kitas
und Tagespflege schaffen und Trink-
brunnen fördern. Die Finanzierung
aller Maßnahmen erfolgt durch
eine entsprechende Erhöhung des
Landesanteils.
Auch für die Kindertagespflege müssen
vernünftige Arbeitsbedingungen
geschaffen werden. Dazu zählt vor
allem, dass die Kindertagespflege
Leistungs-, Entgelt- und Qualitäts-
vereinbarungen mit den Jugendämtern
abschließen kann. Dies hilft, die
tatsächlichen Kosten transparent
zu machen und die Einkommen
der Tagespflegepersonen anzuheben.
Tagespflegepersonen müssen
gesicherte Beschäftigungsperspek-
tiven erhalten.
Junge Menschen schützen,
Jugendhilfe stärken
In vielen Bereichen befinden sich
unsere Jugendämter in einer schwieri-
gen Lage. DIE LINKE wird für einen
Qualitätsdialog des Landes mit
den Kommunen eintreten, um die
personelle Ausstattung der Jugend-
ämter zu verbessern. Dazu gehören
der Ausbau und die Weiterentwicklung
der Netzwerke Früher Hilfen und
Kinderschutz sowie die Förderung
präventiver und niedrigschwelliger
Angebote insbesondere im ländlichen
Raum.
Im Bereich Hilfen zur Erziehung
müssen Voraussetzungen geschaffen
werden, um die Hilfen zielgenauer zu
gestalten und problematischen
Kindheitsverläufen möglichst frühzeitig
präventiv zu begegnen. Zwischen den
Hilfen zur Erziehung, den Kinder- und
Jugendpsychiatrien und den Gesund-
heitsämtern braucht es ein transpa-
rentes Übergangsmanagement und
verbindliche Kooperationsstrukturen,
um die Hilfen passgenau für jeden
jungen Menschen anzubieten.
Kinder, Jugendliche und ihre Familien
müssen in ihrem Rechtsanspruch auf
Jugendhilfe stärker unterstützt
werden. Deswegen will DIE LINKE die
flächendeckende Einführung von
Ombudsstellen in allen Landkreisen
und kreisfreien Städten.
Wir werden dafür Sorge tragen, dass
die Jugendhilfeplanungen der Land-
kreise und kreisfreien Städte nach
quantitativen und qualitativen Mindest-
standards erfolgen und mit einer durch
das Land zu erarbeitenden landeswei-
ten Jugendhilfeplanung abgestimmt
wird, um ein Aufwachsen in gleichen
Lebensverhältnissen zu sichern.
Rechtsanspruch auf Jugendarbeit für
junge Menschen umsetzen und
sichern
Wir werden die Jugendarbeit als
Rechtsanspruch für junge Menschen
im Kinder- und Jugendhilfegesetz des
Landes festschreiben. Die Förderung
von Maßnahmen der kommunalen
Jugendarbeit (ehemals Jugend-
pauschale und Fachkräfteprogramm)
werden wir um mindestens eine
halbe Million Euro erhöhen und eine
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Dynamisierung von mindestens
2,5 Prozent pro Jahr gesetzlich ver-
ankern. Wir werden einen Flächen-
faktor bei der Förderung einführen,
um Benachteiligungen im ländlichen
Raum zu überwinden.
Die Beschäftigten in der Jugendarbeit
und in den Jugendverbänden
befinden sich oft in einer prekären
Beschäftigungs- und Einkommens-
situation, weil es dafür bisher keine
ausreichend gesicherte und aus-
kömmliche Finanzierungsgrundlage
gibt. Wir werden in der Jugendarbeit,
der Jugendverbandsarbeit, bei
institutionell geförderten Trägern
und Beratungsstellen eine Bezahlung
nach dem öffentlichen Tarifrecht zur
Grundlage machen und mehrjährige
Zuwendungsverträge abschließen.
Wir setzen uns ein für die Entwicklung
von personellen Mindeststandards
beim erzieherischen Kinder- und
Jugendschutz in den Landkreisen
und kreisfreien Städten.
Der Jugend(medien)schutz muss
verbindlicher Bestandteil der Jugend-
hilfeplanungen werden.
Frühe Beteiligung von Kindern und
Jugendlichen stärkt Demokratie
Demokratie muss so früh wie möglich
erlebbar sein. Kinder und Jugendliche
sollen lernen, Meinungen fair auszu-
tauschen, sich zu engagieren,
Verantwortung zu übernehmen und
Wertschätzung für andere Positionen
zu entwickeln. Damit sich Kinder- und
Jugendbeteiligung entwickeln kann,
ist es erforderlich, Angebote für eine
altersgemäße politische Bildung
auf- und auszubauen.
Mit dieser Zielstellung wurde bereits
2014 ein Kinder- und Jugendteilhabe-
gesetz erarbeitet. Kinderrechte in die
Landesverfassung aufnehmen,
Wählen ab 14 Jahren, mehr Mitspra-
che und Partizipation auf der Ebene
der Kommunen und des Landes, das
Setzen von Standards für kommunale
Kinder- und Jugendbeteiligung und
Unterstützung von entsprechenden
Servicestellen, mehr Rechte für
Schüler:innen das wollen wir auch
weiterhin erreichen. In einem Online-
Verfahren sollen in den Kommunen
Jugendparlamente gewählt werden,
die über ein eigenes Budget für
Projekte verfügen und in den Stadt-
und Gemeinderäten sowie den
Kreistagen bei Kinder- und Jugend-
belangen ein Antrags-, Rede- und
Vetorecht haben und personell
angemessen unterstützt werden.
Beim Landtag soll eine Kinder-
kommission als parlamentarischer
Unterausschuss eingerichtet werden,
die die Interessen von Kindern und
Jugendlichen im Parlament vertritt.
Im regelmäßigen Austausch mit
Vertreter:innen u.a. des Netzwerkes
gegen Kinderarmut, dem Kinder- und
Jugendring und der Landesvereinigung
für kulturelle Jugendbildung soll sie
dazu beitragen, auftretende Probleme
schneller zu erkennen und entspre-
chende Lösungen zu entwickeln.
Der/die Kinderbeauftragte des
Landes Sachsen-Anhalt soll
ständiges beratendes Mitglied der
Kinderkommission sein.
Angebote für queere
junge Menschen
Der 7. Kinder- und Jugendbericht
Sachsen-Anhalts konstatiert ein zu
geringes Angebot für junge queere,
inter* und trans* Menschen.
Dabei gab gerade diese Gruppe am
häufigsten an, Opfer von Gewalt ge-
worden zu sein. Das jugendpolitische
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47
Programm des Landes und die ört-
lichen und überörtlichen Jugendhilfe-
planungen müssen daher im Hinblick
auf queere Lebensweisen angepasst
und die im Landesjugendhilfeaus-
schuss beschlossenen Leitsätze für
Diversität umgesetzt werden.
Dazu gehört, dass es in allen Land-
kreisen und kreisfreien Städten
zentrale Anlaufstellen gibt, die für
junge queere, inter* und trans*
Menschen Beratungen sowie für
deren Familien und pädagogische
Fachkräfte Fortbildungen anbieten.
Studium und
Wissenschaft fördern
Grundlegende Ziele unserer
Wissenschaftspolitik
Wie sehr unsere Hochschulen und Uni-
versitäten gebraucht werden, zeigt sich
heute mehr denn je bei der Bewältigung
der Pandemie und deren Folgen für
die Menschen, das Gesundheits- und
Sozialsystem und die Wirtschaft. Aber
auch der Klimawandel und der Struktur-
wandel bleiben aktuelle Themen für
Forschung und Entwicklung.
Die Hochschulen und wissenschaft-
lichen Institute sind entscheidende
Motoren für Innovationen und
willkommene Partner, um die
wirtschaftliche Entwicklung voranzu-
treiben. Dabei geht es aber nicht nur
um hochinnovative Ausgründungen,
sondern auch um ökonomische,
psychologische und soziologische
Begleitforschung. Die wirtschaftliche
Verwertbarkeit von Forschungs-
ergebnissen ist für uns kein alleiniges
Kriterium einer zukunftsfähigen
Wissenschaftslandschaft.
Grundlagenforschung ist die tragende
Säule, ohne die keine anwendungs-
orientierte Forschung möglich ist.
Beides muss in einem ausgewogenen
Verhältnis stehen. Gestärkt werden
müssen Grundlagenforschung auf
entscheidenden Gebieten, Risiko-
forschung und die geistes- und
sozialwissenschaftliche Forschung.
Besonderen Wert legen wir darauf, die
Bewertung sozialer und ökologischer
Risiken von neuen Technologien
kritisch zu begleiten. Und wir wollen
kein öffentliches Geld mehr für
Forschung zu militärischen Zwecken
einsetzen; das werden wir mit einer
Zivilklausel im Landeshochschul-
gesetz sicherstellen.
Bei allem gesellschaftlichen Anspruch
an die Hochschulen bleiben
Forschung und Lehre ihre Hauptauf-
gaben. DIE LINKE steht zur Freiheit
von Forschung und Lehre und deren
Einheit, zum Prinzip Bildung durch
Wissenschaft und zur Autonomie der
Hochschulen.
Wie DIE LINKE
die Hochschulen fördern will
Um unsere Hochschullandschaft
kontinuierlich zu entwickeln, werden
wir die Hochschulbudgets jährlich um
3 Prozent erhöhen und Tariferhöhungen
in vollem Umfang ausgleichen.
Die zunehmende Abhängigkeit der
Hochschulen von befristeten Projekt-
finanzierungen werden wir korrigieren.
Zusätzliche Bundesmittel werden wir
den Hochschulen auch zusätzlich zur
Verfügung stellen. Den von den
Hochschulen abgeforderten Corona-
Solidarbeitrag werden wir streichen.
Die Hochschulen spielen für die
Bekämpfung des Fachkräftemangels
eine zentrale Rolle.
Ein Schwerpunkt muss dabei auf die
MINT-FächerMathematik, Ingenieurs-
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48
wissenschaften, Naturwissenschaften
und Technikgelegt werden.
Für die Akademisierung weiterer
Berufe, z.B. bei Hebammen, Pflege-
berufen oder Physiotherapeut:innen,
werden wir den Hochschulen
zusätzliche Mittel zur Verfügung
stellen, damit das Studienplatz-
angebot erweitert werden kann.
DIE LINKE hält an den beiden Stand-
orten für Hochschulmedizin Halle
und Magdeburg fest, verschließt sich
jedoch nicht einer stärkeren Ver-
zahnung und fairen Abstimmung
darüber, welches Profil am jeweiligen
Standort angeboten wird.
Um ein dauerhaftes Defizit der
Universitätsklinika zu vermeiden,
wollen wir einen Systemzuschlag und
die Ausfinanzierung der Hochschulam-
bulanzen durch die Krankenkassen.
Damit dem drohenden Ärztemangel
entgegengewirkt werden kann,
müssen an den beiden medizinischen
Fakultäten jeweils 75 zusätzliche
Studienplätze geschaffen werden.
Für Zahnärzt:innen und
Kieferorthopäd:innen müssen darüber
hinaus an der MLU unverzüglich
20 Studienplätze zusätzlich eingerichtet
werden. Mit der Universität, den
Kammern und den Krankenkassen
muss das Land eine Vereinbarung
zum zukünftigen Bedarf, den erforder-
lichen Studienplatzkapazitäten und
deren Finanzierung abschließen.
DIE LINKE bekennt sich zu allen
Hochschulstandorten. Sollten die
Studierendenzahlen sinken, wird
die Ausstattung der Hochschulen
beibehalten. Freiwerdende
Kapazitäten sind dann zur Qualitäts-
entwicklung zu nutzen.
Die Hochschulen für angewandte
Wissenschaften sollen das Promotions-
recht erhalten und ihre Kooperationen
mit den Universitäten intensivieren.
Der Erhalt der Vielfalt von Fächern,
die unsere Hochschulen attraktiv
machen, ist dabei ein wichtiges Ziel.
Das gilt auch für die sogenannten
kleinen Fächer.
Dafür muss über echte Kooperations-
plattformen mehr Kraft in einzelnen
Disziplinen entwickelt werden.
DIE LINKE garantiert die Weiterführung
des staatlichen Studienkollegs mit
einer angemessenen Ausstattung an
den Standorten Halle und Köthen.
Den existierenden privaten Kollegs
stehen wir offen gegenüber, fordern
aber die Einhaltung von Qualitätsstan-
dards, um Wildwuchs zu verhindern.
Auch die außeruniversitären
Forschungsinstitute werden wir weiter
unterstützen, ebenso die nationale
Akademie Leopoldina und die
Global Young Acadeny, die in
Sachsen-Anhalt ihren Sitz haben.
Was DIE LINKE
für die Studierenden tun will
DIE LINKE steht ohne Wenn und Aber
für ein gebührenfreies Studium.
Nach dem Fall der Langzeitstudien-
gebühren werden wir auch die
Gebühren für ein Zweitstudium und
für Lehr- und Lernmittel abschaffen.
Niemand soll dafür bezahlen müssen,
bestimmte Fächer z.B. in den Natur-
wissenschaften zu studieren oder
dem gesellschaftlichen Ruf nach
lebensbegleitendem Lernen zu folgen.
Wer in Sachsen-Anhalt sein Bachelor-
studium erfolgreich absolviert,
soll eine Garantie erhalten,
hier auch ein Masterstudium
absolvieren zu können. Deshalb soll
die Regelstudienzeit kurzfristig
verlängert und mittelfristig durch
andere Modelle ersetzt werden.
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Die Studentenwerke werden wir
finanziell besser ausstatten, damit
die Beiträge nicht weiter steigen.
Dem Hochschulpakt muss ein Hoch-
schulsozialpakt folgen, mit dem Wohn-
heimbau und -sanierung und eine
bessere Mensaversorgung gewähr-
leistet werden. Das Bafög muss
endlich elternunabhängig, auf einem
grundsichernden Niveau und für die
gesamte Dauer des Studiums gezahlt
werden. Wir wollen ein kostengünsti-
ges landesweites Studierendenticket
für den ÖPNV einführen.
Was DIE LINKE für die
Hochschulbeschäftigten tun will
DIE LINKE wird einen Kodex für gute
Beschäftigung im Hochschulgesetz
verankern und die Forderungen nach
guter Arbeit in der Wissenschaft,
dauerhaften Arbeitsperspektiven im
wissenschaftlichen Mittelbau und
fairen Karrierechancen durch Tenure
Track (Verfahren zur Festanstellung)
erfüllen. Alle Arbeiten, die dauerhaft
anfallen, sollen durch unbefristet
angestellte Mitarbeiter:innen
erledigt werden. Teilzeitjobs oder
befristete Arbeitsverträge wollen wir
zurückdrängen.
Der Abbau von Barrieren endet für uns
nicht bei der Gestaltung von Räumen,
Wegen und Gebäuden.
Auch unterschiedliche Zugänge zu
wissenschaftlicher Arbeit durch
Hilfs- und Unterstützungssysteme
müssen an den Hochschulen
ermöglicht und Barrieren für
Studierende oder Beschäftigte mit
Beeinträchtigungen und chronischen
Erkrankungen abgebaut werden.
Dazu gehören unter anderem flexible
Studienzeiten, frühzeitige Beratung
und Studienplatzzusagen sowie
wirksamer Nachteilsausgleich.
Wie wir Frauen an den
Hochschulen fördern wollen
Der Frauenanteil an den Berufungen
muss erhöht werden. In den Zielver-
einbarungen mit den Hochschulen
sollen dazu verbindliche Quoten im
Sinne des »Kaskadenmodells plus«
vereinbart werden. Danach ergeben
sich die Ziele für den Frauenanteil
einer jeden wissenschaftlichen
Karrierestufe durch eine Steigerung
des tatsächlichen Anteils der Frauen
auf der direkt darunterliegenden Quali-
fizierungsstufe. Die Berufungsgremien
müssen mindestens zu 50 Prozent mit
Frauen besetzt werden.
Das Leben mit Kindern oder die Verant-
wortung für familiäre Aufgaben darf
kein Hinderungsgrund für ein erfolg-
reiches Studium sein, nicht für Frauen
und nicht für Männer. Geflüchteten soll
der Zugang zu den Hochschulen
unabhängig vom Aufenthaltsstatus
gewährt werden. Wir unterstützen
Initiativen der Hochschulen, statt
formaler Nachweise der Studierfähig-
keit Geflüchteter durch Prüfungen den
Hochschulzugang zu ermöglichen.
Was wir für die
Hochschuldemokratie tun wollen
Wir treten für eine paritätische Beset-
zung der Hochschulgremien ein. Gleich-
stellungsbeauftragte und Schwerbehin-
dertenvertretung sollen mit Sitz und
Stimme vertreten sein. Gewählte
Gremien wie Studierenden- und Fach-
schaftsräte sollen zur Erfüllung ihrer
gesetzlichen Aufgaben finanziell und
mehr verbrieften Rechten ausgestattet
werden. Dies schließt insbesondere
Informationspflichten der Hochschullei-
tung gegenüber den studentischen
Gremien bei die Studierendenschaft
direkt betreffenden Themen ein.
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Ländliche Räume,
Kommunen und Verwaltung
CDU und SPD haben den Staat jahre-
lang aus der Fläche zurückgezogen
und damit selbst die Perspektiv-
losigkeit herbeigeführt und die
Abwanderung befördert, die sie nun
so wortreich beklagen. Wer heute
über die Stärkung der Kommunen
spricht, muss diesen Worten Taten
in den ländlichen Räumen folgen
lassen. Das Land muss sich seine
Versprechen etwas kosten lassen.
Schulstandorte im ländlichen Raum
dürfen nicht aus finanziellen Gründen
geschlossen werden. Die Stilllegung
von Bahnstrecken ist rechtlich zu
untersagen; die Bahn muss mehr im
ländlichen Raum investieren.
Auch wenn wir auf die Verbesserung
des ÖPNV setzen, erkennen wir an,
dass das Auto für viele
Arbeitnehmer:innen, Familien und
Senioren:innen unverzichtbar ist.
Dorfgemeinschaftshäuser, Vereine,
Freizeit- und Erholungsangebote im
ländlichen Raum sind stärker finanziell
zu unterstützen.
Mit Dorferneuerungsprogrammen
können Veränderungsprozesse
gesteuert und der Ausbau von
Angeboten der Daseinsvorsorge oder
die Schaffung bzw. Erhaltung von
Gemeinschaftseinrichtungen
gefördert werden. Der wachsende
Leerstand in den Dörfern ist nicht
zuletzt für die besorgniserregend,
denen diese Häuser ursprünglich
auch zur Altersvorsorge dienten.
Wir brauchen eine Förderung des
ländlichen Raums, damit dieser
wieder attraktiv für junge Familien
wird. Dazu gehören eine erreichbare
Grundversorgung und attraktive
lebendige Ortskerne.
Hierzu ist ein Umsteuern der Politik
zugunsten des ländlichen Raums
erforderlich. Die Wohnungsknappheit
in den Ballungsgebieten und die
Digitalisierung bieten Chancen für
ländliche Räume als neue Wohn- und
Arbeitsorte. Aber dafür muss der
ländliche Raum attraktive Lebens-
bedingungen für junge Menschen,
Familien und die ältere Generation
bieten. Und das Internet muss im
kleinsten Dorf verfügbar sein.
Privat und beruflich sind Funklöcher
in der heutigen Zeit absolut
inakzeptabel. Telemedizin und die
digitale Vernetzung in allen Bereichen
des Lebens, wie zum Beispiel
Mitfahr-Apps, sind nur so umsetzbar.
Dafür müssen regionalpolitisch die
finanziellen Weichen gestellt werden.
Strukturschwache Regionen
müssen durch entsprechende
Förderprogramme bedacht werden.
Mittelzentren in
Sachsen-Anhalt
Das Rückgrat der öffentlichen
Daseinsvorsorge sollen nach unseren
Vorstellungen 24 Mittelzentren in
Sachsen-Anhalt sein. Diese müssen
in jeder Region wichtige soziale,
kulturelle und infrastrukturelle
Angebote vorhalten und vom Umland
mit öffentlichen Verkehrsmitteln
problemlos mindestens zweimal am
Tag erreichbar sein.
Sie sollen gerade in den Teilen
des Landes Sachsen-Anhalt, die
besonders stark von Bevölkerungs-
verlust betroffen sind, als verlässliche
IV. Zusammenhalt, den wir meinen
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Zentren landesplanerisch gefördert
werden. Keine Region darf von der
gesellschaftlichen Entwicklung
abgeschnitten sein. Deshalb ist es
wichtig, die Planungsregionen des
Landes (Altmark, Harz, Anhalt,
Magdeburg und Halle) zu stärken und
ihnen die Möglichkeit zu geben,
eigene Entwicklungspotentiale zu
entfalten. Die Einheits- oder Verbands-
gemeinden müssen größere Hand-
lungsspielräume erhalten. Sie sollen
darüber entscheiden können, welche,
wo und wie viel Infrastruktur vorgehal-
ten wird.
Wir wollen die Regionalbudgets weiter
stärken. Diese müssen der regionalen
Entwicklung dienen.
Kommunale
Unternehmen
Für DIE LINKE gilt: Wenn es um eine
gesicherte Grundversorgung
geht, muss die öffentliche Hand
verantwortlich sein, damit nicht der
Profit für Einzelne im Mittelpunkt
steht. DIE LINKE möchte die
wirtschaftliche Betätigung der
Kommunen auf die Bereiche
Gesundheit und Pflege sowie die
Beteiligung im Bereich erneuerbarer
Energien ausweiten.
Die wirtschaftliche Betätigung einer
Kommune im Bereich des Gesund-
heits- und Sozialwesens dient immer
dem öffentlichen Zweck und sollte
daher in unseren Augen nicht
ausschließlich auf das Gebiet der
Kommune begrenzt werden, soweit
nicht mit benachbarten Kommunen
konkurriert wird. Besonders die
wirtschaftliche Betätigung einer
Kommune im Bereich erneuerbarer
Energien soll den Kommunen die
Möglichkeit geben, ihre Strom- und
Energieversorgung klimafreundlich
umzustellen.
Bürgernahe Verwaltung
garantieren
Bürgeranliegen gehören in die
Rathäuser. Dazu müssen
Verwaltungen orts- und bürgernah
aufgestellt sein und sich als
Eingangsportal zum Dialog mit den
Einwohner:innen verstehen.
Die Kommunen brauchen insgesamt
mehr Personal in den Umweltämtern,
bei den Kfz-Zulassungen, bei den
Gesundheits- und Jugendämtern.
Die LINKE tritt für entsprechende
Aufstockungen der Zuweisungen an
die Kommunen ein.
Wir wollen außerdem, dass die Auf-
gabenverteilung zwischen dem
Landesverwaltungsamt und den
Kommunen mit dem Ziel der
Erweiterung der Gestaltungsspiel-
räume für die Kommunale Selbst-
verwaltung evaluiert wird.
Nach dem Onlinezugangsgesetz (OZG)
müssen alle Verwaltungsleistungen
bis spätestens 31.12.2022 seitens des
Bundes und der Länder auch digital
angeboten werden. Dieses Vorhaben
wurde von Beginn an vernachlässigt
und muss nun zügig und flächen-
deckend umgesetzt werden.
Mobilität:
Angebote für Stadt und Land
Mobilität ist für uns die Grundvoraus-
setzung für soziale und kulturelle
Teilhabe und ein entscheidender
Baustein im Kampf gegen den
Klimawandel. Der Ausbau des
Öffentlichen Personennahverkehrs
als Teil der Daseinsvorsorge hat
deshalb unsere besondere
Aufmerksamkeit. Rückgrat einer
neuen Mobilitätskultur in Sachsen-
Anhalt ist dabei ein vernetzter
Umweltverbund zu Fuß, per Rad, mit
Carsharing, mit Bus und Bahn.
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Wir plädieren für eine Verkehrsver-
lagerung auf Schienenwege und
Wasserstraßen und setzen uns für
barrierefreie und kostengünstige
Mobilitätsangebote für alle ein.
DIE LINKE will dem Ausbau dieser
Infrastruktur beim Mitteleinsatz, der
planerischen Gestaltung und bei der
personellen Ausstattung innerhalb
der Landesverwaltung höhere
Priorität einräumen. Mit hohen
Qualitätsstandards wollen wir den
ÖPNV gegenüber dem motorisierten
Individualverkehr aufwerten.
Daher soll guter Nahverkehr nicht nur
als Pflicht zur Daseinsvorsorge
laut ÖPNV-Gesetz, sondern auch als
kommunale Pflichtaufgabe festge-
schrieben und finanziert werden.
Das Landesprogramm zur Barriere-
freiheit muss deshalb verlängert und
finanziell erweitert werden, um die
Anforderungen des ÖPNV-Gesetzes
zeitnah erfüllen zu können.
Dafür müssen die ÖPNVMittel des
Landes schrittweise erhöht werden.
Jede Gemeinde muss an den
öffentlichen Personennahverkehr
angeschlossen sein, wobei Erreichbar-
keit und Verknüpfungen von Bus und
Bahn mit den Kommunalvertretungen
vor Ort entschieden werden sollen.
Attraktiver ÖPNV
zum Nulltarif
Die Kosten für den Einzelnen sind
ein entscheidender Faktor
bei der Nutzung des Öffentlichen
Nahverkehrs.
Wir wollen ihn deshalb mittelfristig
landesweit zum Nulltarif anbieten.
Dafür muss er im Rahmen der
Verkehrs und Energiewende seitens
des Bundes finanziell besser unter-
stützt werden, und wir werden
alternative Finanzierungskonzepte
durch Anpassungen in der
Landesgesetzgebung ermöglichen
(Stichwort Jobabgabe).
In einem ersten Schritt werden wir
kostengünstige und ganzjährig
geltende Schüler-, Azubi, Studierenden-
und Sozialtickets durchsetzen und
Eigenbeteiligungen streichen,
da sie gerade Familien mit geringen
Einkommen benachteiligen.
Tarifverbünde auch über die Landes-
grenze hinaus sind sinnvoll und
weiterzuentwickeln, gegebenenfalls
zu einem landesweiten Tarifverbund.
Der Nahverkehr muss daher kosten-
frei nutzbar sein, besonders für Kinder
und Jugendliche, Schüler:innen,
Auszubildende, Studierende und
Freiwilligendienstleistende.
Wir setzen auf Bahnen
und Busse
Wir setzen auf Bahnen und Busse und
wollen die Verkehrsunternehmen der
Landkreise und Städte stärken, indem
wir sie weiterhin bei der Bus- und
Straßenbahnanschaffung finanziell
unterstützen. Um Güterverkehr von
LKWs auf alternative Transportmög-
lichkeiten und die Schiene zu
verlagern, bedarf es einer großen
Kraftanstrengung und innovativer
Projekte. Die Bahninfrastruktur und
das Schienennetz werden wir aktiv
sichern. DIE LINKE setzt sich dafür
ein, eine Trassensicherung still-
gelegter Strecken landesplanerisch
festzuschreiben, um sie bei Bedarf
später reaktivieren zu können.
Stillgelegte Haltepunkte wollen wir
reaktivieren. Das geht einher mit
der Unterstützung der neuen S-Bahn-
verbindung von Merseburg nach
Leipzig und führt gleichzeitig zur Not-
wendigkeit von Nachverhandlungen
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zur Verteilung der Regionalisierungs-
mittel des Bundes für eine auskömmli-
che Finanzierung der vom Land
bestellten Beförderungsleistungen.
Im überregionalen Nahverkehr
setzen wir auf eine Stärkung landes-
bedeutsamer Buslinien mit einer
engeren Taktung zum Schienen-
personennahverkehr, wobei hier nicht
nur die Pendler:innenströme in die
Zentren zu beachten sind.
Zwischen den kleinen Orten im
ländlich geprägten Raum müssen
unabhängig von der Schüler:innen-
beförderung mehr Busse fahren.
Auch beim Transport von Gütern
wollen wir neue Wege gehen. Für die
»letzte Meile« beim Lastverkehr sollen
anbieterneutrale Logistik-Hubs zur
stadtverträglichen Feinverteilung, zum
Beispiel mit Lastenrädern, geschaffen
werden. Das muss ein verbindliches
Ziel kommunaler Mobilitätsplanung
und förderfähig sein. Auch den
Nahverkehr im ländlichen Raum wollen
wir für den Güterverkehr nutzen.
Das hilft Leerfahrten zu verhindern
und sorgt dafür, dass viele Ortschaften
auch mit regulären Fahrten angesteuert
werden können.
Das Pilotprojekt »Busschnellgut« in
Salzwedel/Arendsee ist für uns dabei
ein wichtiger Ansatz, ÖPNV im
ländlichen Raum zu stärken.
Ein Bus bringt dort in Kooperation
mit Bäckereien die Waren zu den
Haltestellen, an denen die Menschen
ihre bestellten Alltagswaren abholen
können. Auch Erfahrungen aus der
Vergangenheit, wie die Nutzung von
Straßenbahnen für den Gütertransport
in den Nachtstunden, wollen wir prüfen.
DIE LINKE will mit Straßeninvestitionen
vorrangig die Infrastruktur erhalten
und den Rad- und Fußverkehr stärken.
Neubau soll es nur da geben, wo
dadurch nachweisbare Verbesserungen
entstehen, wo Umfahrungen aus
Gründen der Verkehrssicherheit
oder zur Verbesserung der Lebens-
bedingungen in den Orten dringend
erforderlich sind oder eine Verkehrs-
anbindung im ländlichen Raum
verbessert werden muss. Rufbusse
und Anrufbusse, die wie ein Taxi
fungieren, müssen als weiterer
Baustein einer Mobilität ohne eigenes
Auto gesetzlich ermöglicht werden.
DIE LINKE bekennt sich zu den
landesbedeutsamen Fähren und will
die Kommunen bei Betrieb und
Unterhalt unterstützen. Hierzu ist eine
Änderung des Landesstraßengesetzes
samt Mittelbereitstellung im
Landeshaushalt unumgänglich.
Ausbau von
Rad- und Fußwegen
Die notwendige ökologische
Verkehrswende beinhaltet neben der
Stärkung des ÖPNV auch die des
Rad- und Fußverkehrs. Radwegebau
zwischen den Gemeinden und
überregionale Verbindungen sollen
deshalb Landesaufgabe werden.
Die Bewilligung von Fördermitteln
für den Straßenbau wollen
wir an die Bedingung knüpfen,
Rad- und Fußwege auszubauen.
Im Frühjahr 2021 hat das Land einen
Radwegeplan vorgelegt, der schnelles
und sicheres Radfahren in und
zwischen den Gemeinden
ermöglichen und das Umland mit
den Städten verbinden soll.
Er ist Grundlage für Planung und Bau
der Radwege und soll bis spätestens
2030 umgesetzt werden. Dies wollen
wir durch eine Erhöhung der Landes-
fördermittel und zusätzliche Planungs-
stellen beschleunigen. Radschnellwege
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und Fahrradstraßen wollen wir dadurch
systematisch ausbauen.
Das Förderprogramm für Lastenräder
wird ausgebaut und Stellplatzsatzungen
werden zukünftig sichere Fahrrad-
abstellplätze berücksichtigen.
Carsharing soll erleichtert und
gefördert werden, wobei das
stationsgebundene Carsharing
bevorzugt wird.
Keine neuen Autobahnen
Sachsen-Anhalt ist durch seine
zentrale Lage Transitland. Der damit
verbundene Ausbau immer neuer
Verkehrsadern führt zu erheblichen
Einschnitten in das Landschaftsbild
und zu Eingriffen in die natürliche
Umwelt. DIE LINKE respektiert
getroffene Entscheidungen zum
Ausbau zentraler Verkehrswege, setzt
aber in der Verkehrspolitik andere
Prioritäten. Wir setzen uns dafür ein,
Transparenz und
Bürger:innenbeteiligung bei allen
Bauprojekten von Landes-, Bundes-
und Kommunalstraßen deutlich
zu verbessern. Dazu ist es auch
erforderlich, den Landesstraßen-
baubetrieb nach der Ausgliederung
der Bundesauftragsverwaltung in die
Infrastrukturgesellschaft des Bundes
finanziell und personell zu stärken.
Bisher fehlen die Planungskapazitäten
für den nötigen Ausbau und die
Sanierung der Rad- und Fußwege.
DIE LINKE wird bei der planerischen
Gestaltung der Verkehrswege den
gewachsenen Mobilitätsbedürfnissen
Rechnung tragen.
Flughafenpolitik
Das Nacht-Logistikdrehkreuz am
Flughafen Leipzig/Halle erfüllt wegen
extrem belastender Arbeitsbedingungen
und gesundheitsschädigendem Nacht-
fluglärm nicht unsere Anforderungen
an gute Arbeit und an ökologische und
volkswirtschaftliche Nachhaltigkeit.
Deshalb fordert DIE LINKE Sachsen-
Anhalt ein Nachtflugverbot und spricht
sich gegen weitere Pläne zum Ausbau
des Flughafens aus. Zudem setzen wir
uns für bessere Arbeitsbedingungen
am Flughafen und für mehr Lärm-
schutzmaßnahmen zugunsten der
betroffenen Anwohner:innen ein.
Eine militärische Nutzung des Flug-
hafens lehnen wir nachdrücklich ab.
Für die Entwicklung regionaler
Verkehrsflughäfen mit Landesmitteln
sehen wir keine Notwendigkeit.
Stadtentwicklung und Wohnen:
Bezahlbar, familienfreundlich
und altersgerecht
Beim Stadtumbau haben wir schon
viel erreicht, aber wir dürfen da nicht
stehen bleiben. Das Erreichte ist zu
sichern und wo es noch Investitions-
bedarf gibt, muss der Weg fortgesetzt
werden. Die Erhaltung der erreichten
Standards im Wohnungsbau,
die technischen Ausstattungen und
die zugehörigen Ver- und Entsorgungs-
leistungen sind dauerhaft für alle
bezahlbar zu garantieren.
Eine hohe Wohnqualität darf für
Mieter:innen oder Genossen-
schaftler:innen nicht zu sozialen
Härten führen. Spekulanten dürfen
hier nicht weiter die Preise treiben.
Das gilt auch für Grundstücks-
eigner:innen, bei denen Grund-
steuern, Beiträge, Energie, Wasser
und Entsorgungsleistungen nicht zur
Armutsfalle werden dürfen.
Wir wollen vor allem innovative und
alternative Wohnkonzepte fördern.
Dazu zählen zum Beispiel Mehr-
generationenhäuser, gemeinnützige
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Wohngemeinschaften oder Formen
betreuten Wohnens, in denen die
Generationen voneinander lernen und
sich gegenseitig helfen können. Auch
notwendige Umzugsassistenz könnte
solche Wohnformen unterstützen und
eine Belebung des ländlichen Raumes
fördern. Plattenbauten aus DDR-Zeiten
sollen durch Aufwertung und
Geschossrückbau attraktiver werden.
DIE LINKE will eine Wohnungsbau-
förderung, die vorrangig auf
energetische Sanierung, bedarfsge-
rechte Ertüchtigung, Barrierefreiheit
sowie auf Ausbau statt Neubau setzt.
Lediglich in großen Städten sehen wir
einen Bedarf für moderaten Neubau
und Verdichtung. Eine Zersiedelung
durch Neubauten am Stadtrand und
auf der grünen Wiese lehnen wir ab.
Wir fordern und unterstützen das
Bauen mit alternativen Baustoffen
wie Holz, Stroh oder Lehm.
Gegen steigende Mieten,
für sozialen Wohnungsbau
In Städten wie Halle und Magdeburg
gibt es eine Verdrängung einkommens-
schwacher Haushalte aus guten Wohn-
lagen in weniger attraktive Wohn-
gebiete. Die schmale Rente älterer
Menschen kann immer weniger mit
steigenden Mieten mithalten.
Es werden mehr altersgerechte
Wohnungen gebraucht. Wenn das
bestehende Mietrecht nicht ausreicht,
um steigende Mieten zu dämpfen, sind
regionale Mietendeckel zu erproben.
Wir wollen gutes und energiesparen-
des Wohnen auch für Menschen mit
geringen finanziellen Ressourcen
gewährleisten, modern und inmitten
des gemeindlichen Lebens.
DIE LINKE fordert daher die unbefristete
Fortsetzung von Städtebau- und sozialer
Wohnraumförderung im bisherigen
Umfang. Damit Kommunen hier
angemessen mitwirken können, ist
deren Finanzausstattung dauerhaft zu
sichern. In Verantwortung der CDU
bleibt der soziale Wohnungsbau in
Sachsen-Anhalt weiterhin auf der
Strecke, obwohl der Bund dafür
30 Millionen Euro zur Verfügung
gestellt hat. Die zur Verfügung
stehenden Mittel verfallen jedoch,
weil die Landesregierung die Fertig-
stellung der zwingend erforderlichen
Richtlinie bisher nicht zustande
gebracht hat. Die Haseloff-Regierung
verkennt das Problem von fehlendem
bezahlbarem Wohnraum im Land,
besonders in den Zentren.
Die bisherige Wohnungsbauförderung
ist nicht geeignet, bezahlbares
Wohnen auch in attraktiven Lagen für
Geringverdienende abzusichern.
Zugleich soll neben der Schaffung
bedarfsgerechter, energieeffizienter
und bezahlbarer Wohnungen auch
eine vom Land (zwischen)finanzierte
Anschlusslösung für Altschulden
geleistet werden.
Förderung der kommunalen
und genossenschaftlichen
Wohnungswirtschaft
Die kommunalen und genossenschaft-
lichen Wohnungsunternehmen müssen
die Möglichkeit haben, ihre finanzielle
Situation verlässlich und stabil zu
gestalten. Dazu ist u.a. der bisherige
zielgenaue und bedarfs-gerechte
Einsatz von rückzahlbaren Förder-
mitteln für die Schaffung von alters-
gerechtem, barrierefreiem und
energieeffizientem Wohnraum zu
überprüfen.
Die Rückläufe aus dem Landesanteil
früherer Förderungen sollen weiterhin
zweckgebunden dem Wohnraum-
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förderfonds und der Förderung
für Umbaumaßnahmen, Schulden-
entlastung, Wiederertüchtigung von
Leerstand zufließen. Die Finanzhilfen
des Bundes für die bestehenden
Wohnungsbauförderprogramme sind
langfristig zu vereinbaren, um
Planungssicherheit zu gewährleisten.
Die Rahmenbedingungen für eine
erfolgreiche Fortführung des Stadt-
umbaus gilt es zu verbessern. Die
neuen Förderziele sollen klimaneutra-
le und barrierefreie Quartiere fördern.
Der Stadtumbau mit öffentlicher
Beteiligung zur Quartiersentwicklung
ist gemeinsam mit starken kommunalen
und genossenschaftlichen sowie
privaten Wohnungseigentümer:innen
und öffentlichen Verwaltungen
fortzuführen. Damit können teurer
Wohnungsleerstand und Schrott-
immobilien verringert oder bedarfs-
gerecht ertüchtigt werden und sozial
verträgliche Miet- und Wohnkosten
erhalten bleiben.
Wie wir den Erhalt
von Kleingärten fördern wollen
Kleingärten sind unverzichtbar für das
soziale Miteinander und als kosten-
günstige Erholungsmöglichkeit.
In der Corona-Pandemie haben sich
die Kleingärten als perfekter
Rückzugs- und Ausgleichsort bewährt.
Auch unter dem Aspekt des Klima-
wandels verdienen Kleingärtner:innen
mehr Wertschätzung für ihre vielfälti-
gen Beiträge zur Reduzierung von
CO2. Kleingärten binden Schadstoffe,
sorgen für Verschattung, Abkühlung
und dienen als Wasserspeicher sowie
Rückzugsort für zahlreiche Arten.
Leerstand und Umnutzungen zu
Bauland bedrohen jedoch den Bestand.
Im Jahre 2018 waren von den 110.000
Kleingärten in Sachsen-Anhalt über
20.000 ungenutzt. Wir wollen den
Bestand der Kleingartenanlagen
erhalten, wofür es jedoch notwendig
ist, dass Land und Kommunen den
Generationswechsel in den Klein-
gartenanlagen aktiv befördern.
Kultur: Kreativ und
solidarisch
Kunst und Kultur sind fundamental
für den Zusammenhalt unserer
Gesellschaft, denn sie befähigen zu
Empathie, Toleranz und kritischem
Denken. Linke Kulturpolitik will
Wegbereiterin einer emanzipierten
Kunst- und Kulturszene sein.
Sachsen-Anhalt braucht die
Künstler:innen und Kreativen in
Theatern, Museen, Galerien,
Bibliotheken, Soziokulturellen
Zentren, in Clubs und Projekten als
Vermittler zwischen den Generationen,
zwischen Vergangenem und Gegen-
wärtigem, als Korrektiv und als
Unterhaltungsfaktor. Denn nur Kunst
und Kultur vermögen Antworten auf
die Fragen, wo wir herkommen und
wie wir leben wollen, auf eine Weise zu
geben, die unser Innerstes berühren.
Der Bedrohung der Corona-Folgen für
Kunst und Kultur begegnen
Die aktuelle Krise zeigt die Anfälligkeit
des Kulturfördersystems in drastischer
Weise, potenziert bereits vorhandene
Probleme und reißt neue Lücken.
Die Soforthilfeprogramme müssen
deutlich aufgestockt und von
unsinnigen bürokratischen Hürden
befreit werden. Nur so können die
Betroffenen auch tatsächlich erreicht
und auskömmlich unterstützt und
der ansonsten drohende Verlust
künstlerischer und kultureller Vielfalt
in Sachsen-Anhalt verhindert werden.
Dazu zählt auch, die Kommunen in der
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Krise finanziell so zu stärken, dass
die kommunale Kulturförderung nicht
der Konsolidierung der Haushalte
geopfert wird.
Warum sich die staatliche
Kulturförderung ändern muss
Die Praxis der staatlichen Kultur-
förderung in Sachsen-Anhalt fällt
durch Bevormundung, Inkompetenz
und Desinteresse an künstlerischen
Produktionsweisen auf. Im 30. Jahr
der deutschen Einheit werden in
Sachsen-Anhalt Künstler:innen
gegängelt und öffentlich bloßgestellt.
Das Landesverwaltungsamt behindert
durch eine engstirnige Förderpraxis
Vielfalt und Kreativität. Wir wollen
die Kulturförderung grundlegend
reformieren. Dazu gehören eine
ausgewogene Förderung zwischen
Freier Szene und Kulturinstitutionen,
die Etablierung von überjährigen
Förderungen, Konzeptförderungen,
Vollfinanzierungen, die Flexibilisierung
der Förderung sowie die Vereinfa-
chung der Rahmenbedingungen für
Zuwendungen. Die Kulturförderung
des Landes braucht einen transparent
arbeitenden künstlerischen Beirat, der
über inhaltliche Schwerpunkte der
Förderung mitbestimmt und bei
Personalentscheidungen berät.
Für Vielfalt und Freiheit
der Kunst- und Kulturszene
Die kontroverse Auseinandersetzung
mit dem Publikum wohnt
künstlerischem Handeln inne.
Kulturelle Angebote, ästhetische
Experimente, ein Mehr an Kunst und
offene Räume sind in der Lage,
»Filterblasen« zu durchdringen und
Empathie herzustellen. Der direkte
Kontakt mit Kunst und Kultur, das
Erleben und die Auseinandersetzung
damit können einen schrittweisen
Wandel im Denken erreichen und
so auf der Ebene des Erlebten der
zunehmenden Spaltung der
Gesellschaft entgegenwirken.
Das passiert nicht von heute auf
morgen. Deshalb geht eine
nachhaltige kulturelle Infrastruktur
vor reine Projektarbeit und
aktionistischen Formate.
DIE LINKE unterstützt Kunst- und
Kulturschaffende in und abseits der
Städte dabei, in den Dialog mit
Bürger:innen zu treten, indem wir
Soziokulturelle Zentren stärken und
Kunst und Kulturschaffen auch im
ländlichen Raum ermöglichen wollen.
Tarifgerechte Entlohnung
im Kulturbereich
DIE LINKE setzt sich für gute,
existenzsichernde Arbeit im Kultur-
bereich ein. Künstler:innen sollen von
ihrer Arbeit leben können und müssen
sozial abgesichert sein. Eine flächen-
deckende Tarifausstattung der im
Landesauftrag tätigen Einrichtungen
sowie die Einhaltung von Honorar-
untergrenzen sind Bestandteil linker
Kulturpolitik.
Kunst und Kultur gegen rechten
Populismus verteidigen
Rechter Populismus polemisiert gegen
die Freiheit und Vielfalt der Kunst.
Museen, Theater, Literaturhäuser,
Gedenkstätten und Kultureinrichtungen
stehen als Bastionen gegen die
rechte Umdeutung und Vereinnah-
mung von Geschichte und Kultur
in Sachsen-Anhalt.
DIE LINKE unterstützt die Kunst-
und Kulturschaffenden und
Kulturinstitutionen gegen Angriffe
von rechts und fördert deren
Solidarisierung untereinander.
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Kulturelle Bildung ist mehr
Die Vermittlung, die Schaffung von
Zugängen und die damit verbundene
frühzeitige Heranführung an Kunst
und Kultur sind Auftrag für alle
Kultureinrichtungen im Land und
wesentliche Bestandteile der Förder-
maßnahmen. Alle Menschen müssen
die Möglichkeit zur Teilhabe am
kulturellen Leben und dem kulturellen
Reichtum dieser Gesellschaft haben,
um einen kontinuierlichen, lebenslan-
gen Lernprozess und eine umfassende
Persönlichkeitsentwicklung zu
ermöglichen.
Schule muss sich weiter öffnen.
DIE LINKE will non-formale und
informelle Bildung besser mit dem
formalen Bildungssystem verbinden.
Wir wollen deshalb Kooperationen
von Kultureinrichtungen
unterschiedlichster Sparten sowie den
Austausch von Kultureinrichtungen
mit den Schulen befördern.
Um diese Verzahnung langfristig zu
sichern, muss kulturelle Bildung
grundsätzlich als Querschnittsaufgabe
zwischen Kultur-, Bildungs- und
Sozialministerium verstanden werden.
Darüber hinaus wollen wir Konzepte
zur Digitalisierung in der kulturellen
Bildung befördern und die Kulturein-
richtungen bei Angeboten kultureller
Bildung unterstützen.
Musikschulen sind ein Herzstück des
Musiklandes Sachsen-Anhalt
Musikschulen sind wichtige Partner
für die Gestaltung kultureller
Infrastruktur. Die 20 staatlich
anerkannten Musikschulen mit ihren
landesweit 231 Unterrichtsorten
gehören zur kulturellen Daseinsvor-
sorge. Die Qualitäts- und Leistungs-
standards, festgeschrieben im Musik-
schulgesetz, welches von uns bereits
in den 90er Jahren erfolgreich initiiert
wurde, gelten bundesweit als muster-
haft und ermöglichen jedem Bürger
und jeder Bürgerin unabhängig vom
Geldbeutel eine musikalische
Ausbildung. DIE LINKE wird aber die
seit über 20 Jahren stagnierende
Landesförderung deutlich erhöhen
und das Land stärker an der Finanzie-
rung der Musikschulen beteiligen und
so die Angebote öffentlicher Musik-
schulen dauerhaft für die gesamte
Bevölkerung zugänglich erhalten.
Novellierung des
Bibliotheksgesetzes
Öffentliche Bibliotheken sind Orte
lebenslangen Lernens, der kulturellen
Betätigung, der Kommunikation und
des interkulturellen Austausches. Sie
sind darüber hinaus zentrale Bildungs-
partner formaler, non-formaler und
informeller Bildungsangebote sowie
von Einrichtungen der Kultur und
Wissenschaft in Sachsen-Anhalt.
Öffentliche Bibliotheken müssen
langfristig gestärkt werden, um ein
weiteres Bibliothekssterben, dem seit
1991 drei Viertel aller öffentlichen
Bibliotheken zum Opfer gefallen sind,
zu stoppen. DIE LINKE hat bereits eine
Novellierung des Bibliotheksgesetzes
vorgelegt, die auf eine grundsätzlich
kostenfreie Nutzung des Bücher- und
Medienbestandes durch Kinder und
Jugendliche und auf eine langfristige
Bestands- und Qualitätssicherung,
u.a. durch eine angemessene sächliche
und Personalausstattung sowie
ausreichende Medienetats abzielt.
Theater muss sein
Theater und Orchester stärken
Die Stadttheater in Sachsen-Anhalt
wirken in den urbanen und sozialen
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Raum. Unsere Theaterlandschaft
werden wir durch eine verlässliche
und ausreichende Landesförderung
im Rahmen der Theatervertrags-
verhandlungen sichern.
Ein Sparzwang geht immer auf Kosten
künstlerischer Qualität und zulasten
der Arbeitsbedingungen an den
Bühnen. Wir wollen weg von der
Selbstausbeutung insbesondere beim
künstlerischen Personal. Neben der
Bestärkung des Auftrages an die
Theater, junges Publikum durch
theaterpädagogische Angebote zu
erreichen, möchte DIE LINKE ver-
stärkt Netzwerke und Kooperationen
von Theaterhäusern unterstützen.
Museen und Sammlungen
Stärkung regionaler
Herzstücke
DIE LINKE setzt sich dafür ein, die
Museumslandschaft inhaltlich zu
entwickeln, nachhaltig zu stabilisieren
und langfristig zu professionalisieren.
Für DIE LINKE sind Museen und
Sammlungen, unabhängig ihrer
Trägerschaft, von besonderem
Landesinteresse, die die für Sachsen-
Anhalt prägenden Entwicklungen
aufarbeiten und von hoher regionaler
Bedeutung sind. Diese wollen wir mit
Landes-mitteln unterstützen.
Verlässliche Förderung
des Sports
Regelmäßige Bewegung ist für eine
altersgerechte Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen eine
unabdingbare Voraussetzung.
Hier haben die Maßnahmen zur
Eindämmung der Corona-Pandemie
und der damit über Monate ausfallende
regelmäßige Sportunterricht zu
gravierenden Einschnitten geführt.
Aber auch die Vereinsstrukturen und
die Mitgliederentwicklung sind davon
betroffen. Gemeinsam mit dem
Landessportbund werden wir die
Folgen analysieren und nach
wirksamen Lösungen suchen.
Der Breiten-, Behinderten- und
Leistungssport braucht zur Umsetzung
seiner Aufgaben eine kontinuierliche
und verlässliche Finanzierung.
Die unentgeltliche Nutzung der
Sportstätten wollen wir beibehalten.
Die pauschale Sportförderung für
Vereine, Kreis- und Stadtsportbünde
sowie für Landesfachverbände
werden wir fortführen,
ihren Umfang erweitern und ihre
Umsetzung in die Verantwortung des
Landessportbundes geben.
Wir setzen uns für den Erhalt und den
Ausbau der Sportinfrastruktur des
Landes und der Kommunen ein.
Der Zugang zum Sport soll für jede
und jeden möglich sein.
Mit einem »Haus des Sports« in Halle
soll der Vereinsservice eine solide
Basis erhalten.
Erfolgreiche Projekte, wie z.B.
die Talentsichtung und -förderung,
werden fortgeführt.
Die Vereine werden wir in ihrem
Digitalisierungsprozess und beim
Aufbau von e-Sport-Gruppen unter-
stützen.
Damit Themen wie Inklusion,
Integration, Projekte gegen extreme
Rechte und Gleichstellung im Sport,
aber auch die Aufarbeitung von Fällen
sexuellen Missbrauchs angemessen
bearbeitet werden können, sind die
Voraussetzungen für den Einsatz dafür
qualifizierter Mitarbeiter:innen zu
schaffen. Ebenso werden wir die
Aus- und Fortbildung von Übungs-
leiter:innen und Trainer:innen fördern.
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Queeres Sachsen-Anhalt:
Diskriminierung überwinden
Wir wollen, dass die Diskriminierung
von Menschen aufgrund ihrer
sexuellen Identität überwunden wird
und wollen deswegen auf Bundesebene
auf eine entsprechende Änderung des
Grundgesetzes hinwirken.
Der Diskriminierungsschutz für
Lesben, Schwule, Bisexuelle, transge-
schlechtliche und intergeschlechtli-
che Menschen (LSBTI*) soll im
Allgemeinen Gleichbehandlungs-
gesetz (AGG) verankert werden.
Wir unterstützen die Forderung des
LSVD nach einem Verbandsklagerecht
für Antidiskriminierungsverbände.
Geschlechtsangleichende Operationen
bei intergeschlechtlichen Kindern
sollten gesetzlich verboten werden.
Das Transsexuellengesetz wollen wir
durch ein modernes Geschlechtsiden-
titätsgesetz ersetzen, damit die
Änderung des Vornamens sowie des
rechtlichen Geschlechts problemlos
beim Standesamt möglich ist.
Wir werden die Umsetzung des neuen
Adoptionshilfegesetzes kritisch
begleiten und prüfen, inwiefern im
Zuge dessen Diskriminierungstat-
bestände gegenüber Regenbogen-
familien erfüllt sind.
Auf Landesebene muss das »Aktions-
programm für die Akzeptanz von
LSBTI*« in einem Dialogprozess mit
den im Land aktiven Verbänden, die
sich für deren Interessen einsetzen,
fortgeschrieben und an die aktuellen
Entwicklungen angepasst werden.
Die Förderung der LSBTI*-Landes-
koordinierungsstellen ist fortzusetzen
sowie die sich ergänzende fachliche
Profilierung und deren Weiterentwick-
lung zu stärken. Der Lockdown hat
auch die Beratungs- und Szenestruk-
turen von LSBTI* getroffen. Wir setzen
uns dafür ein, den Beratungsstellen
auch unter Pandemiebedingungen
eine niedrigschwellige und sichere
Arbeit zu ermöglichen.
Hierbei dürfen der ländliche Raum und
auch die Situation von Senior:innen
nicht vergessen werden.
Gewalt gegen LSBTI*
Noch immer werden nicht alle
Straftaten von Opfern sexualisierter
Gewalt angezeigt aus Scham, Angst
oder anderen Gründen. Zugleich gibt
es Probleme bei der Erfassung ent-
sprechender Delikte durch die Polizei.
Wir fordern ein Bund-Länderprogramm
gegen homo- und transphobe Gewalt,
das zum einen Präventionsstrategien
beinhaltet und zum anderen eine
Reform des polizeilichen Erfassungs-
systems, um Straftaten klar zuordnen
zu können, sowie eine jährliche
Berichtspflicht. Es bedarf einer
gesetzlichen Regelung im SOG LSA
zum Wahlrecht von Trans* und Inter*
bei polizeilichen körperlichen
Durchsuchungsmaßnahmen.
Der Titel der Ansprechperson bei
Polizeidienststellen in Sachsen-Anhalt
muss in »LSBTI*« geändert werden.
Asylsuchende LSBTI*
Wir setzen uns dafür ein, dass Basis-
informationen über die Situation und
Probleme von asylsuchenden
LSBTI* für die Behörden bereitgestellt
werden. Ferner fordern wir die Schaf-
V. Vielfalt braucht Solidarität
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fung von sozialpädagogisch betreuten
Schutzräumen für LSBTI* ab Beginn
der Anerkennungsphase als Flüchtling
und die Etablierung einer queeren
Geflüchtetenhilfe.
Geschlechtergerechte Bildung weiter
voranbringen
Queere Lebensweisen müssen
verbindlich in die Curricula der
Erzieherinnen- und Lehrkräfte-
ausbildung aufgenommen werden,
um diese als verbindlichen Bestandteil
des Unterrichts zu verankern.
Darüber hinaus muss die geschlecht-
liche Vielfalt in Fachlehrplänen und
Unterrichtsmaterialien berücksichtigt
werden. Das Kompetenzzentrum
geschlechtergerechte Kinder- und
Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V. soll
weiterhin institutionell gefördert
werden. Die Entwicklung eines
Medienkoffers für Kitas und Grund-
schulen in Sachsen-Anhalt ist ein
guter und richtiger Schritt hin zu einer
geschlechtergerechten Bildung,
jedoch kann dies nur der Anfang sein.
Die Finanzierung des Medienkoffers
muss daher verstetigt werden.
Auch für die weiterführende Bildung
zu geschlechtlicher und sexueller
Vielfalt sollen bedarfsgerechte
fachliche Angebote vom Land
gefördert werden.
Integration statt
Abschottung
Wir leben in einer Welt, in der nach
Angaben der UN 80 Millionen Men-
schen auf der Flucht sind.
Ohne die Überwindung der wichtigsten
Fluchtursachen, die in einer ausbeute-
rischen und ungerechten Weltwirt-
schaftsordnung, Umweltzerstörung,
völkerrechtswidrigen Angriffskriegen
und politischer, sexistischer und
rassistischer Unterdrückung
bestehen, wird es weiter Flucht und
Vertreibung geben.
Die Notwendigkeit der Bekämpfung
von Fluchtursachen darf niemals
Ausrede dafür sein, Menschen in Not
Hilfe zu verweigern. Obwohl nur ein
Bruchteil der Geflüchteten nach
Europa gelangt, setzt die EU auf
Abschottung ohne Erbarmen.
Seit 2014 sind nach Schätzungen von
Hilfsorganisationen mehr als 20.000
Menschen im Mittelmeer ertrunken.
Ungezählt bleiben diejenigen, die
auf den Fluchtrouten verhungert,
verdurstet oder aus anderen Gründen
zu Tode gekommen sind. In dieser
Situation setzt die EU auf Tränengas,
Gewalt gegen Kinder, Knüppeleinsätze
und Schüsse an der griechisch-
türkischen Grenze, duldet Überfälle
und das Ausrauben von Geflüchteten
auf den Fluchtrouten. Die Brände im
Lager Moria auf Lesbos im September
2020 hätte es ohne diese absichtliche
europäische Hilfsverweigerung nicht
gegeben. Wir setzen uns aus den
genannten Gründen für einen
Paradigmenwechsel in der deutschen
und europäischen Asyl- und Flücht-
lingspolitik ein, um den Bedürfnissen
von Schutzsuchenden endlich
Rechnung zu tragen. Die illegale
Zurückführung von Geflüchteten
hinter die EU-Außengrenzen werden
wir bekämpfen.
Im Unterschied zu zahlreichen
EU-Staaten hat sich Deutschland
2015 seiner humanitären
Verantwortung, in großem Umfang
Menschen in Not aufzunehmen,
gestellt.
Dies sollte jedoch den Blick auf
zahlreiche Missstände im Umgang mit
den Geflüchteten nicht verstellen.
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DIE LINKE begreift es als ihre Aufgabe,
diesen Missständen entgegenzutreten.
Menschenrechte sind universell; für
ihre Einhaltung wollen wir Verantwor-
tung übernehmen. Mit der Pandemie
hat sich die Situation der Geflüchteten
noch einmal verschärft. Geflüchtete
haben sich in hoher Zahl infiziert, weil
sie in zentralen Unterbringungsein-
richtungen keine Möglichkeit hatten,
die Sicherheitsabstände einzuhalten.
Wie wir die
Lage von Geflüchteten
verbessern wollen
Wir fordern ein Landesaufnahme-
programm für aus Seenot Gerettete,
das das Anliegen der »Sichere-Häfen-
Beschlüsse« der Städte Halle und
Magdeburg aufgreift.
Sachsen-Anhalt soll eine Vorbildrolle
bei der Aufnahme von Geflüchteten
einnehmen, was sich insbesondere
in dem Aufnahmekontingent sowie
einer hohen Integrationsleistung
widerspiegeln soll. Mit diesem guten
Beispiel wollen wir sowohl im Bund als
auch in der EU ein Zeichen der
Solidarität setzen.
Wir halten eine dezentrale Unterbrin-
gung in Wohnungen als Regelaufnahme
für den besten Weg der Integration.
Soweit eine vorläufige Unterbringung
in größeren Wohneinheiten unver-
meidlich ist, wollen wir verbindliche
Standards festschreiben. Kindern und
Jugendlichen muss so umgehend wie
möglich der Regelunterricht an
Schulen ermöglicht werden.
Wir begrüßen es, dass endlich erste
Verbesserungen bei der Aufnahme
sogenannter vulnerabler Personen-
gruppen gemäß EU-Recht eingeleitet
wurden. Denn von sexueller Gewalt
betroffene Mädchen und Frauen,
Opfer von Menschenhandel,
Schwangere, LSBTI-Personen, allein
reisende Minderjährige, Menschen
mit Beeinträchtigungen sowie Kranke
brauchen unseren besonderen Schutz,
doch mangelt es noch immer sowohl
an der praktischen Umsetzung als
auch an ausreichenden Kapazitäten
(Beratungsangebote, Gewaltschutz-
räume u.a.). Wir wollen
Asylsuchenden ermöglichen,
ihren Wohnsitz innerhalb Sachsen-
Anhalts frei zu wählen.
Wir wollen eine elektronische
Gesundheitskarte zur Gesundheits-
versorgung von Geflüchteten mittels
Rahmenvertrag zwischen Land und
Krankenkassen einführen. Dies dient
dem Abbau von Diskriminierung beim
Zugang zur ärztlichen Versorgung und
entlastet zudem die Behörden, in
denen bislang nicht-medizinisches
Personal Entscheidungen über die
Notwendigkeit der Versorgung fällt.
Ferner treten wir für anonymisierte
Krankenscheine analog der Regelun-
gen in Thüringen oder Hessen ein.
Damit sorgen wir für eine Gesund-
heitsversorgung illegalisierter Personen
und für Menschen ohne gesetzlichen
Krankenversicherungsschutz.
Unter den Bedingungen der Pandemie
ist dies ein Gebot der Stunde.
Wie wir die Integration
verbessern wollen
Aufbau eines neuen Integrationskon-
zeptes. Integrationspolitik begreifen
wir nicht als Ordnungspolitik, sondern
als zentrale Frage gesellschaftlicher
Entwicklung. Wir wollen hierfür die
Funktion der/des Integrationsbeauf-
tragten ausbauen und all jene in der
Zivilgesellschaft stärken, die sich
couragiert für eine Willkommenskultur
im Land einsetzen. Das Landesnetz-
werk der Migrantenorganisationen
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63
(LAMSA) und der Flüchtlingsrat, die
Kirchen, antirassistische Initiativen,
Bürgervereine und Einzelpersonen
leisten eine unverzichtbare Arbeit;
oftmals in einem rechtlichen und
bürokratischen Spannungsfeld.
Gemeinsam mit Gemeinden, Städten
und Landkreisen, Flüchtlings- und
Wohlfahrtsverbänden wollen wir ein
Aufnahme- und Integrationskonzept
entwickeln. Sowohl der Flüchtlingsrat
als auch die LAMSA brauchen eine
angemessene institutionelle
Grund-förderung, um unabhängig von
Projektförderung zu sein, die diese
wichtige Arbeit dann nur noch
ergänzend unterstützen soll.
Änderung des Landesaufnahme-
gesetzes: Wir wollen die fachlich
zuständigen Verwaltungsstellen in
den Kommunen in einer Servicestelle
Einwanderung zusammenfassen.
Interkulturelle Fachkompetenzen,
behördliche Zuständigkeiten und
Informationen über Beratungs- und
Unterstützungsangebote sollen
gebündelt und Migrant:innen der
Behördenmarathon erspart werden.
Eine zweite Clearingstelle zusätzlich
zu der in Magdeburg wollen wir im
Süden des Landes einrichten,
denn unbegleitete minderjährige
Geflüchtete brauchen unseren
besonderen Schutz.
Wir treten für Erleichterungen bei der
Einbürgerung ein. Dazu gehört
einerseits, sich auf Ebene des
Bundes für eine Reform des
Staatsangehörigkeitsgesetzes
einzusetzen. Andererseits sollten auf
Landesebene eine spielraumnutzende
Durchführungsverordnung und
entsprechende Weiterbildungs-
angebote die Entscheidungspraxis in
den Kommunen verbessern und
vereinheitlichen.
Was für die schulische Förderung von
Migrant:innen zu tun ist
Wir wollen das in der 6. Wahlperiode
erfolgreich eingeführte System von
Sprachlehrkräften wiederbeleben und
bedarfsgerecht ausbauen, um
Schulen besser zu befähigen, die
kulturelle Vielfalt, die Schüler:innen
mit Migrationserfahrungen in die
Bildungseinrichtungen einbringen,
verstehen und wertschätzen zu
lernen. Das kann auch durch Lehr-
kräfte mit Migrationserfahrung
geschehen. Wir werden die Hürden für
ihre Einstellung senken und für eine
bessere Bezahlung sorgen.
Abschiebung und soziale
Diskriminierung überwinden
Viele weitere zentrale Weichen der
Asyl- und Zuwanderungspolitik
werden bundespolitisch gestellt.
Die kritischen Forderungen der
Länder an die Migrations- und
Asylpolitik des Bundes, die sie in den
letzten Jahren im Bundesrat gestellt
haben, wurden durch den Bund
ignoriert. Wir wissen uns in Überein-
stimmung mit PRO ASYL und anderen
Menschenrechtsorganisationen, wenn
wir uns für die Abschaffung des
diskriminierenden Asylbewerberleis-
tungsgesetzes einsetzen.
Wir kritisieren die Abschiebungspraxis
und die Abschiebedebatten in
unserem Land. Abschiebung ist weder
eine Strafe noch ein Instrument der
Integrationspolitik. Notwendig sind
Winterabschiebestopps, Abschiebe-
stopp in (Bürger-)Kriegsländer, der
gänzliche Verzicht auf Abschiebehaft,
umfassende Einzelfallprüfung von
Abschiebehindernissen, die Öffnung
der Härtefallkommission auch für
Menschen im Dublin-Verfahren, die
Orientierung am Kindeswohl und die
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Verhinderung der Familientrennung
oder auch die Geltendmachung von
Landesinteressen, z.B. in Fällen von in
Ausbildung bzw. Arbeit befindlichen
Personen.
Sachsen-Anhalt barrierefrei
Niemand darf wegen seiner Behinde-
rung benachteiligt werden so will es
das Grundgesetz. Und Menschen mit
Behinderungen wollen selbstbestimmt
leben wie nichtbehinderte Menschen
auch. Inklusion heißt die gleichberech-
tigte Teilhabe von Menschen mit Beein-
trächtigungen in den Schulen, Kitas, in
Beruf und Studium, in Politik, Kunst,
Kultur, Freizeit und Sport, im ÖPNV
und beim Wohnen. Alle Barrieren, die
die Teilhabe verhindern, müssen fallen.
Für DIE LINKE ist die UN-Behinderten-
rechtskonvention hierbei das Leitbild.
Deswegen sollte die Förderung von
Investitionen verbindlich an Barriere-
freiheit gebunden werden.
Solidarität in der Pandemie
Die Versorgung und Teilhabe von
Menschen mit Beeinträchtigungen
muss auch in Zeiten von Pandemien
gesichert sein unabhängig von der
Hilfe durch Familie und Freunde.
Auch Beschäftigte in geschützten
Werkstätten sind im Falle eines
Lockdowns von Verdienstausfällen
betroffen. Menschen mit Erwerbs-
minderungsrenten, für die der Verdienst
in der Werkstatt anrechnungsfrei ist,
sind auf diesen unbedingt angewiesen.
Für Werkstattbeschäftigte müssen
Ersatzleistungen geschaffen werden.
Interessenvertretungen in
Gesetzgebung einbinden
Durch eine Änderung des Behinderten-
gleichstellungsgesetzes Sachsen-Anhalt
sollen mindestens zwei Drittel der
Mitglieder des Landesbehinderten-
beirates ein Spektrum von Menschen
mit unterschiedlichen Behinderungen
in einem ausgewogenen Verhältnis
von Frauen und Männern zueinander
abbilden. Im Hinblick auf die Umset-
zung des Bundesteilhabegesetzes
wollen wir die Rechte der kommunalen
Behindertenbeauftragten, des/der
Landesbehindertenbeauftragten
sowie der Betroffenenverbände
stärken. Bei Gesetzgebungs- und
Verordnungsvorhaben sowie bei
Verwaltungsvorschriften sollen die/
der Beauftragte und der Beirat einge-
bunden werden. Ihnen müssen die
Mitarbeit sowie eine umfassende
Stellungnahme ermöglicht werden.
Wir fordern hauptamtliche kommunale
Behindertenbeauftragte für Landkreise
und kreisfreie Städte. Kostenträger ist
das Land. Das gilt ebenso im Hinblick
auf Schulungen und Weiterbildungs-
maßnahmen.
Das Blinden- und
Gehörlosengeld erhöhen
Die besonderen Aufwendungen, die
den Betroffenen entstehen, können
mit den derzeitigen Beträgen (360 Euro
Blindengeld und 52 Euro Gehörlosen-
geld) kaum gedeckt werden.
Allein die Kosten von Gebärdensprach-
dolmetscher:innen sind mit diesem
Betrag nicht zu stemmen.
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit betrifft alle Lebensbe-
reiche: von der baulichen Gestaltung
von Straßen und Wohnungen bis zu
Wegweisern in leichter Sprache. Wir
wollen flächendeckend einen barriere-
freien ÖPNV und ein bedarfsgerechtes
und bezahlbares Wohnungsangebot
ohne Barrieren. Die Arbeit der Landes-
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fachstelle für Barrierefreiheit verdient
hohe Wertschätzung und wird von uns
auch künftig unterstützt.
Teilhabe am
Arbeitsmarkt
Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt 17
Inklusionsbetriebe, also Einrichtungen,
in denen mindestens 30 Prozent
der Mitarbeiter:innen eine geistige
und/oder körperliche Beeinträchtigung
aufweisen. Inklusionsbetriebe
sind wichtig für den Übergang von
Menschen mit Beeinträchtigungen aus
den geschützten Werkstätten auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt. Deswegen
muss das Land diese Betriebsmodelle
unterstützen, z.B. durch die Vergabe
von Aufträgen der öffentlichen Hand.
VI. Demokratie, die wir meinen
Bürger:innenbeteiligung
und Volksgesetzgebung in
Schwung bringen
Beteiligung und Mitarbeit der Menschen
an den politischen Gestaltungsprozes-
sen sind im Land bisher nur schwach
entwickelt, weil die rechtlichen
Grundlagen für eine aktive Mitwirkung
nicht ausreichen. Die bestehenden
Regelungen, um sich außerhalb von
Wahlen einbringen zu können, sind für
die Initiatoren oft entmutigenddas
zuletzt gescheiterte Volksbegehren,
aber auch die Fülle an erfolglosen
Bürgerbegehren sind nachdrückliche
Belege dafür. Das wollen wir ändern.
Demokratie stärken
Wahlen sind wichtiger Bestandteil
unserer repräsentativen Demokratie,
für die die verbreitete Parteien- und
Politikverdrossenheit ein großes
Problem darstellt. Ursachen dafür
sind in der Enttäuschung vieler
Menschen über nicht eingehaltene
Versprechen zu sehen und in einer
Politik, die sich immer mehr vom
Leben der Menschen entfernt und
vorrangig auf die großen Lobbygruppen
hört, welche das Handeln der Regie-
renden bestimmen. Auf der anderen
Seite aber wächst durchaus auch
die Bereitschaft, sich politisch zu
engagieren. Nicht zuletzt zeigt die
Fridays For Future-Bewegung, dass
junge Menschen sehr wohl/durchaus
auf Politik Einfluss nehmen wollen,
geht es doch schließlich um ihre
Zukunft. Wir wollen durch eigenes
Handeln und durch staatliche Initiati-
ven das Vertrauen der Menschen in
die Politik wieder stärken. Durch ein
Herabsetzen des aktiven Wahlalters
auf 14 Jahre und ein kommunales
aktives Wahlrecht für Migrant:innen
wollen wir mehr Menschen an der
Demokratie beteiligen und ihnen er-
möglichen, ihr Umfeld mitzugestalten.
Direkte Demokratie beleben
DIE LINKE will die Anwendung aller
Formen direkter Demokratie außer-
halb von Wahlen deutlich erleichtern
und erweitern. Dafür hatten wir in der
zurückliegenden Legislaturperiode
bereits umfassende Änderungen
zum Volksabstimmungsgesetz und
zum Kommunalverfassungsgesetz
eingebracht. Einige Teile davon
wurden umgesetzt, aber nur sehr
verzagt.Das reicht uns nicht.
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Bei Volksinitiativen, Volksbegehren
und Volksentscheiden wollen wir,
dass die Quoren zum Teil weiter
abgesenkt werden. Vor allem aber
wollen wir die Bedingungen für die
Initiator:innen, diese Quoren auch
erreichen zu können, durchgreifend
verbessern. Darüber hinaus sollen
sich künftig Fachausschüsse des
Landtages mit Anliegen befassen,
wenn dies mindestens 1.000
Einwohner:innen fordern (neues
Element: die Einwohnerinitiative).
Wir wollen die Zustimmungsquoren
für Einwohneranträge auf maximal ein
Prozent der stimmberechtigten
Einwohner:innen, für Bürgerbegehren
auf maximal fünf Prozent der wahl-
berechtigten Bürger:innen senken.
Auch das Quorum für den Bürger-
entscheid ist zukünftig abzusenken.
Petitionsrecht
im Landtag stärken
Petitionen sind ein praktischer Beweis
dafür, dass Menschen mitreden und
mitentscheiden wollen. Deshalb
wollen wir das Petitionsrecht stärken.
Petitionen an den Landtag sollen
künftig auch online als Öffentliche
Petitionen gestellt und mitgezeichnet
werden können. Der Petitionsaus-
schuss soll in den Regionen Bürger-
sprechstunden anbieten, und über
eine öffentliche Petitionsplattform
sollen Austausch und Diskussion
sowie die Mitzeichnung von Bitten und
Beschwerden ermöglicht werden.
Entscheidungen
auf Kommunen verlagern
DIE LINKE setzt sich für eine Stärkung
der lokalen Gemeinwesen ein.
Deshalb müssen die Gebietsreformen
seit 2007 (Landkreise und Gemeinden)
evaluiert werden. Die Funktional-
reform muss erneut angepackt
werden, denn das Versprechen,
mit den Gebietsreformen den
Kommunen mehr Entscheidungs-
befugnisse zu geben, blieb unerfüllt.
Ehrenamt wertschätzen und
systematisch unterstützen
Bürgerschaftliches Engagement ist
eine tragende Säule unseres Gemein-
wesens, das als individueller Beitrag
oder organisiert in zahlreichen
Vereinen und Initiativen, Freiwilligen-
agenturen, Nachbarschaftshilfen,
Verbänden in Sport, Kultur, Land-
schaftspflege usw. einen unschätz-
baren Beitrag für den kulturellen
Reichtum und den sozialen Zusam-
menhalt in unserem Land leistet.
Die Ehrenamtler:innen machen das
meist unentgeltlich oder erhalten
geringe Aufwandsentschädigungen.
Sie können diese Arbeit aber nur
leisten, wenn ihnen nicht nur die
Auslagen für ihre Arbeit ersetzt
werden, sondern sie auch die Unter-
stützung des Gemeinwesens durch
hauptamtliche Mitarbeiter:innen
haben. Die spezifischen Herausforde-
rungen und Barrieren für Frauen in
Ehrenämtern sind uns bewusst und
wir setzen uns auf allen Ebenen für
eine Verbesserung ihrer Beteiligungs-
möglichkeiten ein.
DIE LINKE hat sich zum Ziel gesetzt,
das Ehrenamt und damit bürger-
schaftliches Engagement insgesamt
zu stärken und weiter-zuentwickeln.
Mit unserem »Gesetz zur Stärkung des
Ehrenamtes« fordern wir einen
Ehrenamtsfonds zur
Förderung einzelner Maßnahmen und
Projekte sowie ein Kommunalbudget
zur Schaffung von kommunalen
Strukturen zur Unterstützung des
bürgerschaftlichen Engagements.
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Ehrenamtliche Mitglieder der
Vertretung (Fraktionen) sollen zudem
aus Haushaltsmitteln Zuwendungen
erhalten sowie eine angemessene
sächliche als auch personelle
Ausstattung.
Politische Bildung ausbauen
Die politische Bildungsarbeit in
Sachsen-Anhalt steht vor großen
Herausforderungen. Neben einer
grundlegenden Demokratiebildung
gewinnt die Auseinandersetzung
mit Rechtsextremismus und
Anti-semitismus, alten und neuen
Verschwörungstheorien an Bedeutung.
Veränderungen globalen, gesamt-
gesellschaftlichen oder lokalen
Ausmaßes wie der Klimawandel,
die Digitalisierung oder der Struktur-
wandel erfordern die Begleitung durch
die Institutionen der politischen
Bildung. Der ländliche Raum darf bei
politischen Bildungsangeboten nicht
vernachlässigt werden, und es sind
zugleich verstärkt Online-Angebote zu
entwickeln, um mehr junge Leute zu
erreichen. DIE LINKE hält vor dem
Hintergrund dieser Bedarfe eine
deutliche Erhöhung der Mittel für die
politische Bildungsarbeit für nötig.
Dies betrifft sowohl die Landes-
zentrale für politische Bildung als auch
die demokratischen politischen
Landesstiftungen in Sachsen-Anhalt
und die freien Träger zur Stärkung der
Zivilgesellschaft und der Demokratie.
Justiz: Bürgernah und gerecht
Die Leistungsfähigkeit der Gerichte
und Staatsanwaltschaften ist maßgeb-
lich für das Vertrauen der Menschen
in den Rechtsstaat. Doch in Sachsen-
Anhalts Gerichten stauen sich die
Verfahren. Die Neuzugänge steigen,
während die Abarbeitung von Altbe-
ständen nur schleppend vorangeht.
So betrug beispielsweise die durch-
schnittliche Verfahrensdauer erledigter
Klagen bei den Sozialgerichten im
Jahr 2019 ca. 17 bis 19 Monate. Beim
Landessozialgericht lag die durch-
schnittliche Verfahrenslaufzeit
erledigter Berufungen bei 21 Monaten.
Im Zeitraum von 2018 bis zum Stichtag
31.08.2020 sind noch immer
insgesamt 30.960 Verfahren anhängig.
An den Verwaltungsgerichten des
Landes liegt die durchschnittliche
Dauer der Verfahren mit 14,4 Monaten
erheblich über dem Bundesdurch-
schnitt von 2,8 Monaten. Mehrere
hundert Verfahren sind älter als zwei
oder drei Jahre. Insgesamt sind mehr
als 5.200 Verfahren anhängig, etwa
40 Prozent mehr als vor 2015.
Eine hohe Arbeitsbelastung mit vielen
Überstunden geht einher mit einem
hohen Krankenstand, der zudem seit
Jahren ansteigt, was eine Ursache für
überlange Verfahren ist. Gerade für
Menschen mit wenig Geld, die vor
Sozial- und Verwaltungsgerichten ihre
Ansprüche durchsetzen wollen, ist
dies sehr bedrückend. Für DIE LINKE
ist besonders wichtig: Rechtsschutz
darf nicht vom Geldbeutel abhängen.
Die Menschen müssen darauf vertrauen
können, dass der Zugang zur Recht-
sprechung nicht infolge fiskalischer
Barrieren und Sparmaßnahmen
begrenzt wird. Deshalb wenden wir
uns gegen Beschränkungen der
Beratungs-, Prozess- und Verfahrens-
kostenbeihilfen für die Bürger:innen.
Bürgernahe Justiz Erhalt von
bürgernahen Gerichtsstandorten
Wir stehen für den Erhalt einer bürger-
nahen Gerichtsstandortstruktur sowie
einer bürgerfreundlichen Justiz.
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68
Wir werden uns deshalb für den Ausbau
von bürgerorientierten Justizzentren
einsetzen. Die Grundversorgung der
Bürger:innen mit Justizdienstleistungen
über einen möglichst wohnortnahen
Zugang mittels Einzelgericht soll
verbessert werden. Wir unterstützen
die Erhaltung und Sanierung des
Landesgrundbucharchivs in Barby.
Was wir für mehr Richter:innen und
Staatsanwält:innen tun wollen
Sachsen-Anhalt hat eine ausreichende
Stellenausstattung mit Richter:innen
und Staatsanwält:innen, doch leider
nur auf dem Papier, denn das CDU-
Justizministerium betreibt die Neube-
setzung frei werdender Stellen nicht
im erforderlichen Maße. Gerichte und
Staatsanwaltschaften sind somit
gravierend personell unterausgestat-
tet. Um dem entgegenzutreten hat
DIE LINKE eine Personalstrategie für
ausreichende Neueinstellungen
erarbeitet, um aktuelle und künftige
Altersabgänge langfristig zu kompen-
sieren. Das Land muss für den
juristischen Nachwuchs attraktiver
werden und sich mehr um Arbeits-
zufriedenheit und die Bedingungen für
eine zuverlässige Lebens- und
Familienplanung kümmern.
Das beginnt mit einer konkurrenzfähi-
gen Werbung und guten Bedingungen
für die Richter:innen auf Probe.
Wir wollen eine Evaluation und
Modernisierung der Fort- und Weiter-
bildungen in der Justiz, darin einge-
schlossen eine partielle Fortbildungs-
pflicht unter Wahrung des Grundsatzes
der richterlichen Unabhängigkeit.
Nur eine digitalisierte Justiz
ist auch eine bürgernahe Justiz
Die Digitalisierung der Justiz ist unum-
kehrbar, denn bis 2026 sind in allen
Verfahrensarten elektronische Akten
einzuführen. Wir sehen darin eine
große Chance, Arbeitszeit einzusparen
und Verfahren zu beschleunigen.
Wir setzen uns dafür ein, dass die
Gerichte künftig Schriftsätze,
Unterlagen, Akten, Dokumente
elektronisch versenden und Video-
konferenzen noch häufiger als bisher
im Gerichtssaal abgehalten werden
können. Richter:innen müssen die
Möglichkeit erhalten, auch im Home-
office Zugriff auf benötigte Fach-
programme zu haben. Wir wollen
dafür sorgen, dass die Justiz ein
leistungsstarkes Datennetz sowie eine
moderne digitale Ausstattung erhält.
Wir wollen neue Schwerpunkt-
staatsanwaltschaften einrichten
Für die Verfolgung bestimmter schwer-
wiegender Strafsachen, einschließlich
deren Strafvollstreckung, wollen wir
Schwerpunktstaatsanwaltschaften mit
landesweiter Ermittlungsbefugnis
einrichten. Dies ist vor allem in den
Bereichen Rechtsextremismus und
Gewalt gegen Frauen nötig.
Sozial verträgliche Gerichts- und
Rechtsanwaltsgebühren
Der Zugang zu Gerichten und Einrich-
tungen der Justiz darf nicht durch
finanzielle Hürden erschwert oder
sogar unmöglich gemacht werden.
Im Bundesrat muss sich unser Land
für sozial verträgliche Gerichts- und
Rechtsanwaltsgebühren einsetzen.
Warum wir das Strafrecht
reformieren wollen
Die Handlungsfähigkeit des Rechts-
staates wird nicht durch eine stetige
Verschärfung des Strafrechts garan-
tiert. Sie darf nur dann zur Anwendung
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kommen, wenn es unweigerlich er-
forderlich ist. Deswegen wollen wir
Straftatbestände wie das »Containern«
oder das »Schwarzfahren« abschaffen.
Auch der Gebrauch von Drogen
wie Cannabis sollte nicht weiter
kriminalisiert werden. Die zutiefst
frauenfeindliche Kriminalisierung der
Information über die Möglichkeit zu
Schwangerschaftsabbrüchen muss
schleunigst beendet werden.
All das würde zu einer Entlastung
bei Polizei, Staatsanwaltschaften
und Gerichten, die für die Verfolgung
schwerer Straftaten benötigt werden,
führen.
Was wir für die Entlastung der
Haftanstalten fordern
Wer eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzt,
tut dies in der Regel, weil er seine
Geldstrafe nicht bezahlen kann.
Mittels Bundesratsinitiative werden
wir uns für die Abschaffung der
Ersatzfreiheitsstrafe einsetzen.
Auf Landesebene wollen wir gemein-
nützige Projekte wie »Arbeit statt
Strafe« ausbauen, in denen die
Betroffenen ihre Geldstrafen abarbei-
ten können.
Mediation statt langer
Gerichtsverfahren
Bei Nachbarschaftskonflikten und
anderen Streitigkeiten plädieren
wir für Mediation als ein immer
häufiger eingesetztes Verfahren zur
einvernehmlichen Schlichtung von
Konflikten, womit auch Anwalts- und
Gerichtskosten gespart werden.
Wir setzen uns deshalb dafür ein,
dass im Bundesrat die Einführung
einer finanziellen Unterstützung für
Mediationen (Mediationshilfe)
vorangebracht wird.
Opferschutz und
Opferhilfe verbessern
Opfer einer Straftat zu werden ist ein
so erschütternder Einschnitt in das
persönliche Leben, dass oftmals noch
sehr lange danach Hilfen benötigt
werden, finanzieller, medizinischer
und/oder psychologischer Art.
Daher setzen wir uns für einen
Opferhilfefonds in Sachsen-Anhalt
ein. Es geht um unbürokratische Hilfe,
vor allem dann, wenn kein Geld aus
dem bundesweiten Opferentschädi-
gungsgesetz beansprucht werden
kann und der Anspruch gegenüber
dem Täter nicht durchsetzbar ist.
Die Landesregierung hat im Sommer
dieses Jahres die Stelle einer ehren-
amtlichen Opferbeauftragten einge-
richtet. Wir fordern jedoch die
Einrichtung einer Stelle eines:r
hauptamtlichen Landesopfer-
beauftragten, um die Unterstützung
von Opfern und deren Angehörigen
bestmöglich zu koordinieren sowie
die Akteure des Hilfesystems zu
vernetzen. Wir schlagen vor, dass die
Einnahmen aus Geldauflagen im
Rahmen von Strafverfahren stärker
Einrichtungen zugutekommen,
die Opferschutzarbeit leisten.
Opfer von Straftaten sollen kostenlose
Untersuchungen in den Opferschutz-
ambulanzen erhalten, weil sie eine
gerichtsverwertbare Dokumentation
ihrer Verletzungen benötigen.
Die in Halle und Magdeburg
bestehenden Opferschutzambulanzen
sind zu erhalten und auszubauen.
Haftvermeidung und
Täter-Opfer-Ausgleich
DIE LINKE unterstützt Projekte zur
Haftvermeidung durch frühzeitige
ambulante sozialpädagogische
Maßnahmen und Konfliktlösungen
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70
außerhalb der Gerichte, wie den Täter-
Opfer-Ausgleich, der ein wichtiger
Baustein bei der Bewältigung der
Auswirkungen von Straftaten und für
eine langfristig wirksame Resozialisie-
rung von Straftäter:innen ist.
Im Mittelpunkt steht dabei die
Wiedergutmachung eines durch eine
Straftat entstandenen materiellen
und immateriellen Schadens.
Gerichte und Staatsanwaltschaften
sind in Sachsen-Anhalt dafür zu
sensibilisieren, alle Möglichkeiten des
Täter-Opfer-Ausgleichs in vollem
Umfang - vor allem im Jugendbereich
- zu nutzen. Weiterbildungen für
Richter:innen, Staatsanwält:innen
sowie Justizbedienstete sollen dieses
Vorhaben unterstützen.
Was getan werden muss, damit
Jugendliche nicht weiter auf die
schiefe Bahn geraten
Es gibt gute Gründe dafür, dass das
Jugendstrafrecht in wesentlichen
Grundsätzen vom allgemeinen
Strafrecht abweicht. Eine Jugend-
straftat soll in erster Linie durch
Erziehungsmaßregeln geahndet
werden. Im Bereich des Jugendstraf-
vollzugs lehnen wir kriminalpolitische
ad hoc-Entscheidungen und unver-
hältnismäßige, freiheitsentziehende
Maßnahmen, wie etwa den sogenann-
ten Warnschussarrest für Jugendliche
und heranwachsende
Straftäter:innen, kategorisch ab.
Wir sehen vielmehr Handlungsbedarf
an anderen Punkten. Um Chancen auf
ein zukünftiges straffreies Leben zu
erhöhen, muss der Jugendstrafvollzug
die Jugendlichen aus den Gefängnis-
strukturen und den dort herrschenden
Subkulturen herauslösen. Deshalb
wollen wir eine Modelleinrichtung
»Strafvollzug in freien Formen«.
Straffällige Jugendliche sollen in
Wohngruppen an alltäglichen Problem-
lösungen beteiligt werden, um die
soziale Verantwortung zu stärken.
Um schneller auf Jugendkriminalität
reagieren zu können, streben wir die
Errichtung von Häusern des Jugend-
rechts an. Sie dienen der behörden-
übergreifenden Zusammenarbeit bei
Straftaten von Kindern, Jugendlichen
und Heranwachsenden. Die Häuser
sollen kurze Informationswege
zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft,
Jugendgerichtshilfe, Gerichten sowie
freien Trägern unter einem Dach
bieten. Damit soll eine schnelle und
individuell zugeschnittene Reaktion
auf straffälliges Verhalten erfolgen.
Dagegen sprechen wir dem Jugendar-
rest eine überzeugende erzieherische
Wirkung ab. Zwischen Tat und
Ahndung liegen regelmäßig längere
Zeiträume und die Rückfallquote ist
relativ hoch. Die erforderliche
intensive Betreuung durch Fach-
personal kann nicht ausreichend
gewährleistet werden. Solange jedoch
für die Abschaffung des Jugendarrests
keine rechtlichen Grundlagen auf
Bundesebene existieren, hat der
Vollzug des Jugendarrests mit einem
reformierten Landesgesetz in einer
modernen Jugendarrestanstalt in
Sachsen-Anhalt zu erfolgen. Auch
Schulschwänzer:innen gehören nicht
in den Jugendarrest. Wegsperren ist
aus erzieherischer Sicht ungeeignet,
nicht zielführend und untauglich.
Straftäter:innen
resozialisieren
Strafvollzug heißt resozialisieren und
nicht einfach wegsperren. Nur wer
eine positive Perspektive für die
Zeit nach der Haftentlassung hat,
hat einen Anreiz, dauerhaft ein
straffreies Leben zu führen.
Daher ist ein professionelles Über-
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71
gangsmanagement einzuführen.
Damit sollen Gefangene und Haftent-
lassene individuell begleitet und
betreut werden. Für erfolgreiche
Resozialisierungsmaßnahmen bedarf
es einer ausreichenden Finanzierung,
aber vor allem muss der personellen
Unterbesetzung im Justizvollzug
entgegengewirkt werden.
DIE LINKE wird sich dafür einsetzen,
dass für die Gefangenen ausreichende
und gute Bildungs- und Qualifizierungs-
angebote sowie Arbeitsangebote im
Strafvollzug zur Verfügung gestellt
werden. Zu einem menschenwürdigen
Strafvollzug gehört außerdem,
dass die Arbeitsleistungen der Straf-
gefangenen in die gesetzliche Renten-
versicherung einbezogen werden.
Justizvollzugsstandorte
in Sachsen-Anhalt
DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass
die ab dem Jahr 2025 vorgeschriebene
Einzelunterbringung von Gefangenen
flächendeckend sichergestellt wird.
Die dafür notwendige Erweiterung der
Justizvollzugsanstalt Halle (Dessauer
Straße), deren bauliche Umsetzung
sowie die Finanzierung werden wir
kritisch begleiten. Eine Privatisierung
von Teilen des Strafvollzugs lehnen
wir strikt ab, ebenso die Privatisierung
von Tätigkeiten im Strafvollzug.
Unser Anspruch ist es, den offenen
Vollzug zu stärken und künftig zum
Regelvollzug auszugestalten.
Für eine effektive Arbeit der Ermitt-
lungsbehörden müssen die beiden
rechtsmedizinischen Standorte in
Magdeburg und Halle erhalten
bleiben. Ihr Erhalt ist ebenfalls
Voraussetzung dafür, eine generell
verpflichtende zweite Leichenschau
bei Erd- und Feuerbestattungen
realisieren zu können. Dazu bedarf es
einer generellen Reformierung des
Bestattungsrechts.
Inneres, Feuerwehren und
Bevölkerungsschutz
Eines der Grundbedürfnisse des Men-
schen ist es, sicher leben und arbeiten
zu wollen. Das heißt vor allem, vor
Kriminalität geschützt zu werden
sowie vor Armut und Ausgrenzung,
aber auch vor unverhältnismäßigen
Eingriffen des Staates in das eigene
Leben. Wir wollen weg von einem auf
Law & Order reduzierten Sicherheits-
begriff, der vor allem auf Restriktion,
Abschreckung und Überwachung
setzt, hin zu einem umfassenden
Begriff von öffentlicher Sicherheit.
Wir stehen für eine Sicherheitspolitik,
die dort ansetzt, wo Menschen in
ihrem täglichen Erleben tatsächlich
mit Unsicherheiten zu kämpfen
haben. Der populistische Ruf nach
dem starken Staat kommt zwar im
Bereich der Sicherheit sehr laut aus
der CDU, zugleich wird der Staat da,
wo er konkret erlebbar ist, aber immer
weiter geschwächt. Wenn es um den
Schutz vor rassistischem und rechts-
extremem Terror geht, haben die
Sicherheitsbehörden regelmäßig
versagt. Zunehmende Cyberkriminalität,
internationaler Terrorismus und
Neonaziterror sowie eine zunehmende
Verrohung der Gesellschaft im
sozialen Nahbereich das alles zählt
zu den zentralen innenpolitischen
Herausforderungen.
Polizei besser
aufstellen
Sachsen-Anhalt benötigt motivierte
und bürgernah agierende Polizist:in-
nen, die flächendeckend präsent
und einsatzbereit sind. CDU und SPD
haben in den letzten Jahren einen
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unverantwortlichen Personalabbau
betrieben, der mittlerweile zu einem
Personalnotstand führt, der sowohl
zu Lasten von Polizist:innen als auch
eindeutig zu Lasten der Öffentlichen
Sicherheit geht.
Was DIE LINKE für Personal,
Bezahlung und Ausstattung
der Polizei tun will
Für DIE LINKE steht die Nachwuchs-
gewinnung bei der Polizei im Vorder-
grund. Die hohe Zahl von Altersab-
gängen bei der Polizei muss
kompensiert werden. Aus diesem
Grund sind die Anzahl von Neueinstel-
lungen, die Ausbildungskapazitäten
und -inhalte konsequent an künftige
Herausforderungen anzupassen.
Wir fordern eine vorausschauende
Personalplanung bei der Polizei, die
verlässlich und motivierend für die
Lebensplanung der Beamten:innen ist,
was eine moderne Polizeiausbildung,
die Reduzierung von Mehrarbeit und
Überstunden, gute Bezahlung und ein
wirksames Gesundheitsmanagement
einschließt.
Beförderungsstau
auflösen
Seit vielen Jahren warten Polizei-
beamt:innen in Sachsen-Anhalt
vergeblich auf ihre Beförderung,
obwohl sie beförderungsfähig sind.
DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass
dieser Beförderungsstau unverzüglich
abgearbeitet wird.
Hierzu bedarf es eines langfristigen,
jährlich fortzuschreibenden,
verlässlichen Beförderungskonzeptes.
Das Budget zur Finanzierung
muss so ausgestaltet sein, dass
es für alle beförderungsreifen Polizei-
beamt:innen hinreichend ist.
Polizeigebäude
sanieren
Marode polizeiliche Gebäude müssen
schnellstens saniert werden, um die
örtliche Unterbringungssituation und
infolgedessen die Arbeitsbedingungen
der Polizist:innen zu verbessern.
Die bauliche Situation der Polizei-
gebäude muss zur »Chefsache« in
der Landesregierung erklärt und
die diesbezüglichen Kompetenz-
schiebereien zwischen dem
Ministerium für Finanzen und dem
Ministerium für Inneres und Sport des
Landes müssen beendet werden.
Ausbildung, Fortbildung und
Qualitätssicherung
Eine Grundlage dafür, dass die Polizei
ihre Aufgaben verantwortungsvoll
erfüllen kann, ist eine fundierte
Ausbildung. Die polizeiliche Aus-
und Fortbildung muss deshalb in
hoher Qualität und mit ausreichend
personellen, räumlichen und
sächlichen Kapazitäten sichergestellt
werden. Um diskriminierende
polizeiliche Maßnahmen zu
verhindern, müssen Polizist:innen
bereits während der Ausbildung
entsprechend sensibilisiert und
Fortbildungen zu interkultureller
Kompetenz verbindlich werden.
Wir setzen uns dafür ein, dass die
Ausbildung für den Kriminalpolizei-
dienst über einen eigenständigen
Studiengang »Kriminalistik«
qualifiziert wird.
Sicherheit ist eine
öffentliche Aufgabe
Eine Verlagerung des staatlichen
Gewaltmonopols auf kommunale
Vollzugsbedienstete lehnen wir ab.
Erst recht lehnen wir die Übertragung
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73
hoheitlicher Aufgaben auf private
Sicherheitsunternehmen vehement
ab. Ermittlungs- und Strafverfolgungs-
aufgaben gehören ausschließlich
in die Hände von öffentlichen
Bediensteten. Bürgerwehren oder
andere vergleichbare Strukturen, die
das Gewaltmonopol des Staates
infrage stellen, lehnen wir ab.
Aufklärung und Untersuchung
rechtsextremer und antisemitischer
Vorfälle in den Sicherheitsbehörden
In den letzten Jahren sorgten immer
wieder Enthüllungen über rechte
Netzwerke in Polizei und Bundeswehr,
unerlaubte Informationsweitergabe an
rechtsextreme Gruppen, Berichte
über Polizeigewalt und rechtswidrige
Maßnahmen aus rassistischen
Motiven für Erschütterung.
Auch in Sachsen-Anhalt wurden
antisemitische und rechtsextreme
Vorfälle in der Bereitschaftspolizei
bekannt, die aufgeklärt werden
müssen.
Wer Sicherheit will, muss auch eine
kritische Überprüfung polizeilichen
Handelns garantieren.
Der Aktionismus des Innenministers
kann die Versäumnisse der letzten
Jahre nicht aufwiegen.
Offensichtlich haben wir es mit einem
strukturellen Problem zu tun, das einer
unabhängigen Beschwerdestelle,
externer Ermittlungen und der
Zusammenarbeit mit nicht-staatlichen
Fachstellen bedarf, aber auch
einer anderen Haltung, mit der das
Innenministerium und damit die
Landespolizei geführt werden.
Hierfür bedarf es einer funktionieren-
den Fehlerkultur, wirksamer Strukturen
des Beschwerdemanagements, einer
kritischen Überprüfung der Verfasst-
heit der Sicherheits-behörden und
dienstrechtlicher Konsequenzen.
Diskriminierende
Strukturen abbauen
Strukturen, die zu diskriminierendem
Handeln der Sicherheitsbehörden
führen, müssen abgebaut werden.
Neben der verstärkten Sensibilisie-
rung und verbindlichen Aus- und
Fortbildungsmaßnahmen brauchen
wir auch eindeutige gesetzliche
Regelungen, die diskriminierende
Maßnahmen nicht nur (wie bisher)
abstrakt verbieten, sondern sie auch
effektiv verhindern.
Racial Profiling bei der Polizei muss
unterbunden werden. DIE LINKE wird
sich für die Erarbeitung einer umfas-
senden wissenschaftlichen Studie zu
Racial Profiling einsetzen, um auf
deren Grundlage strukturellen
Rassismus in der Polizei zu erkennen
und abzustellen.
Ein Versagen wie im Umgang mit den
Überlebenden des Anschlags vom
9.Oktober 2019 darf sich nicht
wiederholen. Betroffene rechter
Gewalt und rechten Terrors dürfen
nicht wie Verdächtige behandelt
werden, sondern müssen von den
involvierten staatlichen Stellen Schutz
und Unterstützung erfahren.
Demokratische Kontrolle der
Sicherheitsbehörden
Polizeiliches Handeln ist hoheitliches
Handeln. Das Gewaltmonopol des
Staates legitimiert sich nur durch die
besondere Bindung an Recht und
Gesetz und muss deshalb auch
besonderer Kontrolle unterliegen.
Die bereits eingeführte Kennzeich-
nungspflicht von uniformierten
Polizeibeamt:innen wollen wir beibe-
halten. Wir wollen sie mittels der
Einrichtung einer unabhängigen
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74
Anlauf- und Beschwerdestelle sowohl
für Betroffene als auch für Angehörige
der Polizei zur Untersuchung
polizeilichen Fehlverhaltensfaktisch
losgelöst und unabhängig vom
Ministerium für Inneres und Sport
stärken. Die parlamentarischen
Kontrollbefugnisse gegenüber den
Sicherheitsbehörden müssen deutlich
erweitert werden. Nazis, Rassisten
und Antisemiten müssen aus dem
Polizeidienst entfernt werden.
Wir wollen die
Verfassung schützen
Die Abteilung für Verfassungsschutz
im Ministerium für Inneres und Sport
hat nicht den Nachweis erbracht,
dass eine nachrichtendienstliche
Behörde ein geeignetes Frühwarn-
system vor Gefahren für unsere
Demokratie und unsere freie
Gesellschaft ist. Zudem entzieht
sie sich weitestgehend einer
parlamentarischen und vollständig
einer öffentlichen Kontrolle.
Daher bleiben wir bei unserer
Auffassung, dass die Abteilung für
Verfassungsschutz aufzulösen ist.
Zur Stärkung der demokratischen
Kultur wollen wir einerseits
Wissenschaft und Zivilgesellschaft
und andererseits die Polizei zur
Gefahrenabwehr weiter stärken und
unterstützen. Es soll wissenschaftlich
erforscht werden, was zur Förderung
einer demokratischen Kultur
erforderlich ist, und ein Erkenntnis-
transfer zwischen Wissenschaft,
Politik, Verwaltung und Zivilgesell-
schaft hergestellt werden.
Wir wollen langfristig Informations-
und Dokumentationsstellen in Bund
und Ländern etablieren, die neonazis-
tische, rassistische, antisemitische
und demokratiefeindliche Aktivitäten
und Einstellungen erfassen und
dokumentieren wissenschaftlich
und transparent.
Für eine wirksame Terrorismus-
bekämpfung und Spionageabwehr
wollen wir das Personal beim Landes-
kriminalamt stärken, statt den
Geheimdienst mit zusätzlichem
Personal aufzublähen.
Eine der wichtigsten Aufgaben in den
nächsten Jahren wird es sein, den
Anschlag von Halle umfassend
aufzuarbeiten. Eine kritische Überprü-
fung polizeilichen Handelns und der
diesem zugrunde liegenden Gefähr-
dungsanalysen ist dafür unverzichtbar.
Versammlungsrecht
Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes
Verfassungsgut. Wir setzen uns deshalb
für ein demokratieförderndes und
grundrechtsbezogenes Versammlungs-
recht ein. Versammlungsbehörden
und Polizei haben zuallererst die
Pflicht, dieses verfassungsmäßige
Recht auf Versammlungsfreiheit zu
garantieren. Dieser Verantwortung
müssen die Versammlungsbehörden
und die Polizei gerecht werden und
Strategien der Deeskalation erarbeiten.
Staatliche Beschränkungen und
Auflagen für Versammlungen dürfen
nicht dazu führen, dass Versammlungen
erschwert und das Versammlungs-
recht willkürlich eingeschränkt wird.
Zugleich sehen wir, dass bei
Versammlungen zu rechten und
verschwörungstheoretischen Inhalten
immer wieder Auflagen verletzt
werden, Beobachtende und
Journalist:innen angegriffen und
strafrechtlich relevante Aussagen
getätigt werden können. Das ist
nicht hinnehmbar. Hier haben wir es
allerdings nicht mit einem Problem in
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75
der Rechtslage zu tun, sondern mit
der fehlenden Durchsetzung geltenden
Rechts. Wir wollen dafür sorgen, dass
Versammlungsbehörden und Polizei
ihren Auftrag erfüllen und die Presse-
freiheit schützen, Straftaten, Übergriffe
und Auflagenverstöße als solche
erkennen und konsequent ahnden,
diese vollumfänglich dokumentieren,
rechtlich zutreffend analysieren und
vor allem: eingreifen, ahnden und
sanktionieren. Denn der Staat und
seine Behörden sind nicht neutral.
Sie sind der Demokratie verpflichtet.
Feuerwehr,
Rettungsdienst,
Katastrophenschutz
DIE LINKE bringt den Beschäftigten
der Feuerwehr, der Rettungsdienste
und des Katastrophenschutzes große
Wertschätzung entgegen. Wir fordern
mehr Anerkennung ihrer Leistungen
für unser aller Wohl im Haupt- und
Ehrenamt und finden, dass für
ehrenamtliche Tätigkeit Rentenpunkte
zur gesetzlichen Rente für die Teil-
nahme am aktiven Einsatzdienst bei
den freiwilligen Feuerwehren als
Anerkennung des Ehrenamtes wichtig
sind. Eine gute Jugendarbeit mit der
Nachwuchsförderung in Kinder- und
Jugendfeuerwehren und der Ausbau
von Entschädigungsmöglichkeiten
der freiwilligen Feuerwehren bilden
die Grundlage dafür. Die Forderung
nach dem Erlass einer Feuerwehr-
Entschädigungsverordnung, orientiert
am Thüringer Modell, unterstützen wir
ausdrücklich.
Wir fordern mehr Personal für das
Institut für Brand- und Katastrophen-
schutz Heyrothsberge und die
Förderung der Landesrettungs-
schule zur Gewährleistung einer
hochwertigen Ausbildung.
Für eine gute ehrenamtliche Arbeit ist
die Kommunikation auf allen Ebenen
wichtig, die ist jedoch oftmals nicht
gegeben. Daher beantragten wir
bereits die Einrichtung eines Landes-
beirates für Brandschutz, Hilfeleistung
und Katastrophenschutz.
Leider wurde dieser bis heute nicht
eingerichtet, wir bleiben dran.
Gesundheit ist auch bei den ehren-
amtlichen Helfer:innen ein hohes Gut.
Daher ist es uns wichtig, einen
verbesserten Schutz der
Kamerad:innen bei Einsätzen zu
gewährleisten. Eine Reform der
Feuerwehrunfallkasse in Sachsen-
Anhalt ist unbedingt notwendig.
Im Vordergrund stehen hierbei die
Anpassung an aktuelle Anforderun-
gen, eine verbesserte Anerkennung
von Unfällen im aktiven Einsatzdienst
der Feuerwehren und eine Verbesse-
rung bei der Traumabewältigung
(Krisenintervention) für schwere
Einsätze der freiwilligen Feuerwehren
und des Rettungsdienstes.
Finanziell ist dies durch die Auszahlung
von 90 Prozent der Einnahmen der
Feuerschutzsteuer an die Städte und
Gemeinden zweckgebunden für den
Brandschutz abzusichern. Eine aus
Spargesichtspunkten betriebene
Zentralisierung der Rettungsleitstellen
im Land lehnen wir ab.
Das Kostenerstattungssystem für
Feuerwehren und Rettungsdienste
muss vereinfacht werden.
Antifaschistische Politik
Seit dem Frühjahr 2020 hat unsere
Landesverfassung eine Antifaschis-
musklausel.
Gemäß Artikel 37a ist es »Verpflichtung
aller staatlichen Gewalt und Verant-
wortung jedes Einzelnen, eine Wieder-
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76
belebung oder Verherrlichung des
Nationalsozialismus sowie rassisti-
sche und antisemitische Aktivitäten
nicht zuzulassen«.
Das ist ein wichtiges Signal, für das
DIE LINKE gekämpft hat.
Sachsen-Anhalt zählt zu den Bundes-
ländern mit den meisten rechtsextre-
men, rassistisch und antisemitisch
motivierten Straftaten pro 100.000
Einwohner:innen. Die extreme Rechte
verschiebt den Diskurs, befeuert
rechten Terror und treibt zugleich
Regierungen vor sich her. In Sachsen-
Anhalt sympathisieren Teile der CDU
offen mit einer Zusammenarbeit mit
der AfD. Wir kämpfen gegen jeden
Einfluss der extremen Rechten auf die
Regierungspolitik.
Für DIE LINKE ist klar: Sachsen-Anhalt
braucht antifaschistische Politik mehr
denn je, symbolisch und konkret.
Antifaschistische Kämpfe
gemeinsam führen
Antifaschistische Politik findet an
vielen Orten statt in Anwohner:in-
neninitativen, Bildungsprojekten,
Bündnissen, Vereinen wie der Vereini-
gung der Verfolgten des Naziregimes
bis hin zum Engagement Einzelner.
Sie alle mussten in den letzten Jahren
zunehmend Abwehrkämpfe führen.
DIE LINKE steht für die Verbindung
dieser antifaschistischen Kämpfe im
Parlament und in der Gesellschaft,
für Solidarität und für antifaschistisches
Selbstbewusstsein, an der Seite der
Betroffenen, solidarisch mit sozialen
Bewegungen und außerparlamentari-
schen Gruppen. Wir nehmen nicht
hin, wenn Gewerkschafter:innen,
Schüler:innen von Fridays for Future
und Antifaschist:innen als linksextrem
diskreditiert werden. Den unwissen-
schaftlichen Extremismusbegriff, der
auf der Totalitarismustheorie aufbaut,
wollen wir als Grundlage staatlichen
Handelns streichen.
Wir blockieren weiterhin gemeinsam
in breiten Bündnissen Naziaufmärsche
und kämpfen gegen rassistische
Angriffe. Ziviler Ungehorsam gehört
zum demokratischen Protest.
Einsatz für
Demokratie stärken
Wir wollen den Einsatz für Demokratie
stärken und die Förderung zivilgesell-
schaftlichen Engagements verlässlich
finanzieren. Dazu werden wir das
Landesprogramm für Demokratie,
Vielfalt und Weltoffenheit aufstocken,
die Antragstellung vereinfachen und
das Programm hinsichtlich der
förderbaren Aktivitäten überarbeiten.
Für die Demokratieförderung in
Sachsen-Anhalt wollen wir eine
eigenständige gesetzliche Grundlage
schaffen, die den Trägern Rechts-
sicherheit und Verlässlichkeit garan-
tiert und dauerhafte Förderung
ermöglicht.
Betroffene schützen
und Beratung stärken
Wir wollen das Monitoring politisch
motivierter Straftaten in Zusammen-
arbeit mit den Opferberatungsstellen
verbessern und die Mobile Opferbera-
tung dauerhaft besser finanzieren.
Eine Meldestelle für antisemitische
Vorfälle soll eingerichtet werden.
Für Opfer rechtsextremer Gewalt
fordern wir ein Bleiberecht, um der
auf Vertreibung gerichteten Ideologie
der Täter entgegenzutreten und die
Betroffenen zu schützen. Den Schutz
von Synagogen, Moscheen und
anderen bedrohten sakralen Orten
wollen wir ausbauen. Analyse, Auf-
klärung und Beratung sind entschei-
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77
dend für den gesellschaftlichen
Einsatz gegen die extreme Rechte.
Wir werden die Förderung von Trägern
wie z.B. der Regionalen Beratungs-
teams und der Arbeitsstelle Rechts-
extremismus sowie lokaler Bündnisse
ausbauen. Die Versuche von AfD und
CDU, die Arbeit dieser Einrichtungen
zu delegitimieren, weisen wir zurück,
ebenso den Versuch, über eine
falsche Auslegung des Neutralitäts-
gebots die Arbeit freier Träger zu
entpolitisieren und ihr Eintreten für
Menschenrechte und die Verfassung
zu diskreditieren.
Konsequente Strafverfolgung
und Entwaffnung
Ohne ein Ende des gesellschaftlichen
Rechtsrucks wird auch keine sicher-
heitspolitische Maßnahme das
Erstarken der extremen Rechten
stoppen. Und doch ist der Staat
gefragt, denn das Agieren von Polizei
und Justiz hat entscheidenden
Einfluss auf Täter wie auf Betroffene
rechter Gewalt. Hier besteht dringen-
der Handlungsbedarf, wie nicht zuletzt
auch der Prozess zum Anschlag in
Halle-gezeigt hat. Polizeikräfte und
die Staatsanwaltschaften müssen
Formen, Strukturen und Realität des
Rechtsextremismus kennen und
zutreffend analysieren können, um
effektive Strafverfolgung sicherzu-
stellen und Ermittlungen umfassend
betreiben zu können. Die Richtlinien
zur Verfolgung politisch motivierter
Straftaten und deren Umsetzung
wollen wir extern wissenschaftlich
untersuchen lassen und anhand der
Ergebnisse anpassen. Die Praxis der
Einstellung von Strafverfahren bei
rechter, rassistischer und antisemiti-
scher Gewalt werden wir überprüfen.
Dass regelmäßig von rechter Hetze
und Gewalt Betroffene Straftaten
nicht mehr anzeigen, weil nach ihrer
Erfahrung von den zuständigen
staatlichen Stellen sowieso nichts
unternommen wird, können und
wollen wir nicht hinnehmen. In einem
Lagebild »offene Haftbefehle« wollen
wir den Vollzug von Haftbefehlen
gegen Neonazis und andere extrem
Rechte untersuchen und verbessern.
DIE LINKE steht für deutlich weniger
Waffen im privaten Besitz. Die Waffen-
behörden müssen die Einhaltung der
entsprechenden Gesetze kontrollieren
und umsetzen. Waffenrechtliche
gesetzliche Regelungen gehören
auf den Prüfstand und individuelle
Waffenverbote und Kontrollen müssen
stärker zum Tragen kommen.
Wir wollen die Entwaffnung der
extremen Rechten und besonders
der sogenannten Reichsbürger:innen
vorantreiben.
Bildung und Gedenken
Wir wollen Beratungsangebote zum
Umgang mit rechtsextremer, rassisti-
scher und antisemitischer Gewalt
für Schulen schaffen und die Ausein-
andersetzung mit rechtem Terror in
den Lehrplänen verankern. Wir setzen
uns für eine antifaschistische Erinne-
rungskultur und den 8. Mai als Tag
der Befreiung vom Faschismus als
Feiertag ein. Wir werden Stätten
der Erinnerung unterstützen, ihre
Finanzierung ausbauen und sichern.
Für Religionsfreiheit und die
Trennung von Kirche und Staat
Für DIE LINKE bleiben die christlichen
Kirchen ein wichtiger zivilgesellschaft-
licher Partner im humanistischen
Dialog, auch wenn die Mehrheit der
Menschen in Sachsen-Anhalt ohne
religiöses Bekenntnis lebt.
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78
Wir empfinden Hochachtung für das
Engagement von Christ:innen für die
Integration von Migrant:innen und in
der Auseinandersetzung mit Rechts-
extremisten. Darüber hinaus wollen
wir die Kontakte zu den jüdischen und
muslimischen Gemeinden im Land
intensivieren und sie bei ihrem Recht
auf Religionsausübung unterstützen.
Wir wollen die Beziehung zwischen
dem Land Sachsen-Anhalt und dem
Landesverband der muslimischen
Gemeinden institutionalisieren und
rechtlich absichern.
Dass Jüdinnen und Juden und Muslima
und Muslime immer wieder bedroht,
beleidigt und angegriffen werden,
verlangt nach einer höheren Sensibili-
tät der Verfolgung solcher Straftaten
genauso wie nach einer gesellschaftli-
chen Ächtung von Antisemitismus und
Muslimfeindlichkeit. Der schreckliche
Anschlag auf die jüdische Gemeinde
in Halle unterstreicht die Notwendig-
keit eines kompromisslosen Kampfes
gegen alle Formen des Antisemitis-
mus in Deutschland.
Das im Grundgesetz festgeschriebene
Recht auf einen fakultativen Religions-
unterricht steht einem verbindlichen
Angebot eines Werteunterrichtes, der
Grundverständnis der Weltreligionen
vermittelt, nicht entgegen.
Die beiden christlichen Großkirchen
verfügen über zahlreiche finanzielle
Privilegien, die für ein finanzschwa-
ches Land wie Sachsen-Anhalt nicht
mehr zeitgemäß sind. Das Land
Sachsen-Anhalt zahlt wegen der
bislang geltenden Verträge die mit
Abstand höchsten Pro-Kopf-Leistun-
gen an die Kirchen und es gibt auch
keine zeitliche Begrenzung dieser
dynamisch steigenden Kosten. Auch
nach über 100 Jahren ist somit der
Verfassungsauftrag zur Ablösung
sämtlicher Staatsleistungen an die
evangelische und katholische Kirche
nicht eingelöst. Wir werden uns dafür
einsetzen, dass dieser verfassungs-
widrige Zustand beendet wird.
Entweder über eine Abgeltung dieser
Ansprüche durch eine Übernahme der
Baulast von besonders kulturhisto-
risch bedeutenden Kirchen und
Gebäuden oder eine Einmalzahlung
aus dem Landeshaushalt.
Bundes- und
Europapolitik
Als Internationalist:innen wissen wir,
dass die Zukunft Sachsen-Anhalts
nicht nur Teil der Entwicklung
Deutschlands ist, sondern untrennbar
in europäische und globale Zusam-
menhänge eingebettet ist. Der Weg
unseres Landes kann nur erfolgreich
sein, wenn unsere Nachbarländer, die
gesamte Europäische Union und
Europa als Ganzes seine Integration
vertieft.
Wir haben gesehen, wie während der
Corona-Pandemie nationale Abschot-
tung Probleme verschärft, statt sie zu
lösen. Deswegen kämpfen wir für
einen grundlegenden Wandel der
Europäischen Union von einem
marktorientierten Staatenbund hin zu
einer echten Solidargemeinschaft, die
den Menschen in den Mitgliedslän-
dern soziale Sicherheit gibt, die reale
Schritte hin zu einer C02-neutralen
Wirtschaft einleitet und als stabilisie-
render Friedensfaktor weltweit wirkt.
Wir streiten für die Durchsetzung
grundsätzlicher Werte wie Rechts-
staatlichkeit, gegen die Diskriminie-
rung von Minderheiten und für die
humanistische Aufnahme von Flücht-
lingen als verbindende Grundlage der
Europäischen Union. Sachsen-Anhalt
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79
hat in den vergangenen Jahren sehr
viel von Strukturfördermitteln der
Europäischen Union profitiert. Wir
wollen diese Mittel auch in Zukunft für
die Entwicklung der Infrastruktur und
für sozialpolitische Projekte in
Sachsen-Anhalt einsetzen und wollen
uns für eine verbesserte Zugänglich-
keit und Abrechnung dieser Gelder
starkmachen. Wir beteiligen uns nicht
an der engstirnigen Diskussion über
Nettozahlungen an den EU-Haushalt,
weil wir wissen, dass die Strukturför-
derung, insbesondere bei unseren
osteuropäischen Nachbarn, die
Entwicklung voranbringen kann und
damit auch bessere Rahmenbedingun-
gen für Sachsen-Anhalt geschaffen
werden.
Wirtschaftliche Sanktionen gegen
Russland schaden nicht nur der
russischen Wirtschaft, sondern auch
der ostdeutschen wirtschaftlichen
Entwicklung, dies außerdem über-
durchschnittlich stark im Vergleich zu
den alten Bundesländern. Auch wenn
wir für den Wegfall der Wirtschafts-
sanktionen der Europäischen Union
gegen Russland eintreten und eine
Phase der Kooperation und Zusam-
menarbeit einleiten wollen, setzen wir
uns für Rechtsstaatlichkeit und
Demokratie in Russland ein.
In Sachsen-Anhalt leben etwa 34.000
nichtdeutsche EU-Bürger:innen. Sie
arbeiten in der Landwirtschaft, der
Lebensmittelindustrie, der Gastrono-
mie und im Tourismus. Ohne sie
würde auch in der Pflege nichts mehr
laufen. Darüber hinaus gibt es eine
hohe Zahl von
Werkvertragsarbeiter:innen. Leider
hat Sachsen-Anhalt im Vergleich zu
westlichen Bundesländern eine
geringere Attraktivität für den Zuzug
von EU-Bürger:innen. DIE LINKE setzt
sich dafür ein, dass das Land Sach-
sen-Anhalt mehr für den Arbeits-
schutz und zur sozialen Absicherung
von im Land lebenden EU-
Bürger:innen tut. Zoll und Landes-
behörden müssen hier zusammenwir-
ken. Auf der Bundesebene geht es um
das Verbot von Werkverträgen und
den Anspruch auf SGB II-Leistungen
ohne Fristen für den Zugang von
Menschen aus Osteuropa, die Stär-
kung der Beratungsstrukturen und
den Zugang zu Sprachkursen für
EU-Bürger:innen. Wir werden weiter
für eine interkulturelle Öffnung in
Verwaltung und Zivilgesellschaft
streiten.
Für eine plurale
Medienlandschaft
DIE LINKE setzt sich für Qualität,
Medienvielfalt und Transparenz als
wichtiges Instrument demokratischer
Willensbildung und Teilhabe, für eine
kritische Öffentlichkeit und für einen
allgemeinen, freien und sozial glei-
chen Zugang zu den Medien ein.
Veränderte Nutzungsgewohnheiten
und -angebote in Zeiten der Digitali-
sierung bedeuten einen radikalen
Umbruch in der Medienlandschaft.
Dieser Umbruch geht einher mit
einem zunehmenden Legitimations-
druck öffentlich-rechtlicher Medien
und mit sich verschlechternden
Rahmen- und Arbeitsbedingungen,
der Prekarisierung von Arbeitsverhält-
nissen und einer zunehmenden
Kommerzialisierung von journalisti-
schen Angeboten, u.a. durch die
sinkenden Printauflagen und Konzent-
rationsprozesse bei Zeitungen und
Redaktionen.
DIE LINKE setzt sich für eine plurale
Medienlandschaft ein. Dazu gehören
die Regionalstudios des öffentlich-
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rechtlichen Rundfunks, die Bürger-
medien mit den sieben Offenen
Kanälen und den zwei nichtkommer-
ziellen Radiosendern sowie die
privaten Radiosender und regionalen
Fernsehsender.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Grundauftrag der öffentlich-rechtlichen
Medien ist es, mittels Information,
Bildung, Beratung, Kultur und Unter-
haltung einen Beitrag zur Meinungs-
vielfalt und somit zur öffentlichen
Meinungsbildung zu leisten. Für ein
unabhängiges Programm, das frei von
den Interessen Dritter gestaltet
werden kann, brauchen öffentlich-
rechtliche Sender eine bedarfsgerechte
Finanzierung. DIE LINKE setzt sich für
die Ausweitung der Beitragsbefreiung
u.a. auf soziale Einrichtungen und
Menschen mit Beeinträchtigungen
ein. Eine Kompensation der Beitrags-
befreiungen aus Steuermitteln würde
einen erheblichen Beitrag zum
Bürokratieabbau leisten, ist mit der
gebotenen Staatsferne vereinbar und
würde den Rundfunkbeitrag länger-
fristig stabil halten.
Der Kultur- und Bildungsauftrag im
öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist
unumstritten und gerade in der
Pandemie ist die Bedeutung dieses
Auftrages umso deutlicher geworden.
Er muss weiter ausdifferenziert und
gestärkt werden. DIE LINKE lehnt
Programmkürzungen und Kürzungen
bei den festen und freien Mitarbei-
ter:innen im ÖRR ab und fordert mehr
journalistische Berichterstattung und
mehr Programmvielfalt.
Die Bestrebungen von CDU/CSU, ARD
und ZDF fusionieren zu lassen,
werden von uns konsequent abge-
lehnt. Stattdessen wollen wir eine
Reform des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks und setzen dabei auf
Qualität statt Quote. Nicht der
Marktanteil entscheidet über den
Erfolg, sondern die Vielzahl qualitativ
hochwertiger Angebote und deren
gesellschaftliche Reichweite.
Darüber hinaus fordert DIE LINKE eine
umfassende Transparenz der Gehalts-
strukturen. Dazu gehört, dass sich
Intendant:innengehälter an der
Besoldung von Ministerpräsident:in-
nen orientieren und auch außer- und
übertarifliche Gehälter in einer
strukturierten Darstellung öffentlich
zugänglich gemacht werden.
Bürgermedien
Bürgermedien mit ihren lokalen und
regionalen Bezügen sind Teil der
demokratischen Willensbildung,
sie sind Orte der Integration und
Koordination aller gesellschaftlichen
Gruppen und Instrumente politischer
Bildung und Medienkompetenz.
DIE LINKE will diese Funktionen stärken
und gemeinsam mit den Bürgermedien
im Land weiterentwickeln.
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81
DIE LINKE steht dafür, dass Super-
reiche zur Finanzierung der Krise
herangezogen und Geringverdienende
und Angehörige der Mittelschicht vor
den Krisenkosten geschützt werden.
Wir brauchen einen fairen Lastenaus-
gleich, wie ihn das Grundgesetz für
solche Fälle vorsieht. Wir wollen eine
einmalige Vermögensabgabe für
Multimillionäre und Milliardäre
einführen. Jetzt ist die Solidarität
derer gefordert, denen es sehr gut
geht. Nach der Krise braucht es eine
große Steuerreform, die Gering-
verdiener:innen und die Mittelschicht
entlastet. Wir wollen eine progressive
Vermögenssteuer für Multimillionäre
und Milliardäre, die im Jahr rund
100 Mrd. Euro einbringt und dauerhaft
Zukunftsinvestitionen in Bildung,
Sozialstaat, Energiewende und
Infrastruktur ermöglicht. Auch auf
EU-Ebene brauchen wir eine Abgabe
auf Vermögen von Milliardären,
um die Mittel des Wiederaufbaufonds
refinanzieren zu können.
Für uns gilt: Weder die deutsche
Verkäuferin noch der italienische
Krankenpfleger sollen für diese Krise
bezahlen müssen.
Wie es um den
Landeshaushalt bestellt ist
Im laufenden Doppelhaushalt Sachsen-
Anhalts werden derzeit Einnahme-
ausfälle von 1,75 Mrd. Euro erwartet.
Wir rechnen damit, dass dieses
Haushaltsloch bis 2024 auf 5 Mrd.
Euro anwächst. Dagegen hat die
Haseloff-Regierung einen Nachtrags-
haushalt von lediglich 500 Mio. gesetzt.
Sachsen-Anhalt muss endlich seine
Notkreditermächtigungen nutzen, um
die Steuerausfälle der Jahre 2020/21
sowie krisenbedingte Mehrbedarfe
durch eine entsprechende Erhöhung
der Nettokreditaufnahme auszu-
gleichen. Wir teilen die Auffassung
des DGB, dass für diese Kredite ein
Tilgungszeitraum von 30 Jahren
festzulegen ist. Die mittelfristige
Finanzplanung ist mit dem Ziel zu
überarbeiten, dass die Fehlbeträge
der Jahre 2022 bis 2024 durch eine
entsprechende Kreditaufnahme
ausgeglichen werden.
Dabei ist der Landtag darüber in
Kenntnis zu setzen, welche Kosten
unter den Bedingungen des
gegenwärtigen Niedrigzinsumfeldes
bzw. der Emission von Nullzins-
anleihen dafür entstehen.
Die Landesregierung muss sich
gegenüber dem Bund für einen
gesetzlichen Lastenausgleich zum
Abbau der notlagebedingten Schulden
einsetzen.
Die Kreditaufnahme ist deswegen
ein strategisches Finanzierungs-
instrument, weil derzeit kaum Zinsen
für deutsche Staatsanleihen auf den
internationalen Finanzmärkten
anfallen. Vor allem aber wird immer
mehr deutlich, dass die Notlage für die
öffentlichen Haushalte nicht allein auf
die Pandemie zurückzuführen ist,
sondern auf die komplexen Verflech-
tungen verschiedener Krisenprozesse,
die nicht nur eine temporäre Schock-,
sondern eine langfristige Erosions-
wirkung auf die Wirtschaftsabläufe
entfalten.
VII. Wer bezahlt die Rechnung
für die Krise?
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82
Bedarfsgerechte Kommunalfinanzen
Kernproblem der kommunalen
Finanzausstattung bleibt die weit
hinter dem Bundesdurchschnitt
zurückbleibende Steuerkraft der
Städte und Gemeinden Sachsen-
Anhalts. DIE LINKE fordert mit ihrem
Konzept »Steuergerechtigkeit für
Kommunen« eine Umverteilung
zugunsten der Städte und Gemeinden.
Pro 10.000 Einwohner:innen würden
damit ca. 2,5 Mio. Euro jährlich
Mehreinnahmen entstehen.
Unsere Anforderungen an das Land
Mit mehr als 3 Mrd. Euro ist die
Kommunalquote im Landeshaushalt
zwar hoch, jedoch erfolgt die Vertei-
lung der Mittel in einer Vielzahl von
Programmen und Fördertöpfen.
Das führt zu Verteilungsungerechtig-
keit und hohem bürokratischem
Aufwand. Diese Zustände stehen für
das Misstrauen der Landespolitik in
die Kommunen.
DIE LINKE vertraut auf kommunale
Selbstverwaltung. Wir werden die
Vielzahl der Fördertöpfe durch klare
Strukturen im Finanzausgleich
ersetzen. Der seit 2016 geltende
Festbetragsfinanzausgleich von
1,6 Mrd. Euro hat zwar den Sparkurs
auf Kosten der Kommunen beendet,
jedoch reicht das nicht aus. Deswe-
gen werden wir das Finanzausgleichs-
gesetz ändern, damit es sich besser
am kommunalen Finanzbedarf
orientiert. Wir wollen auch für die
kreisangehörigen Gemeinden Ergän-
zungszuweisungen zum Belastungs-
ausgleich einführen. Dieser Ausgleich
von 30 Mio. Euro für die Abschaffung
der Straßenausbaubeiträge und die
Kosten für die Unterhaltung der
Gemeindestraßen soll künftig als
Ergänzungszuweisung im Finanzaus-
gleich verankert und nach Länge der
Gemeindestraßen verteilt werden.
Die Investitionspauschale wollen wir
beibehalten und in sie auch die
anteilige Finanzierung des Landes an
den kommunalen Aufwendungen für
die Abschreibungen integrieren.
Der Städte- und Gemeindebund hat
nach einer Umfrage, an der sich
77 Städte und Gemeinden beteiligt
haben, einen Sanierungsbedarf an
kommunalen Schwimmbädern von
rund 147 Mio. Euro ermittelt. Wir
wollen einen Schwimmbadfonds
auflegen, damit die Kommunen
diese Aufgabe stemmen können.
Für die Kommunen wollen wir verbind-
liche Regelungen bei der Erstattung
von tatsächlich anfallenden Kosten
in Verbindung mit zu erfüllenden
Qualitätsstandards für die
Unterbringung und Betreuung von
Asylsuchenden und Flüchtlingen.
Mit Blick auf die Finanzbeziehungen
von Bund und Ländern tritt DIE LINKE
hierbei für eine deutlich stärkere
Bundesbeteiligung ein.
Mit der Ermittlung des kommunalen
Finanzbedarfes soll sich künftig eine
vom Landtag eingesetzte Gemeinde-
finanzkommission befassen.
Die Verteilung der Finanzausgleichsmit-
tel muss den tatsächlichen Aufgaben
und Belastungen folgen. Die Kommu-
nen müssen von restriktiven Regeln
der Haushaltsaufstellung und Haus-
haltskonsolidierung befreit werden.
Die Vorschrift, wonach bei fehlendem
Ausgleich des Finanzhaushaltes bereits
ein Haushaltskonsolidierungskonzept
aufzustellen ist, muss abgeschafft
werden. Die unzureichende Finanz-
ausstattung der Kommunen hat dazu
geführt, dass die Kommunen erhebliche
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Defizite vor sich herschieben. Deshalb
sollten sie von ihren Altschulden
entlastet werden. In der Haushalts-
konsolidierung sind nur gegenwärtige
strukturelle Defizite und die Fehlbe-
träge der vergangenen drei Jahre
anzurechnen. Für die verbleibenden
Altfehlbeträge wollen wir die Möglich-
keit der Umschuldung in einen Landes-
fonds anbieten, in welchem diese auf
eine Frist von 30 bis 50 Jahren zurück-
gezahlt werden sollen.
Dabei wollen wir mit Zins- und Tilgungs-
hilfen zusätzliche Anreize setzen.
Unsere Anforderungen an den Bund
DIE LINKE fordert eine Gemeinde-
finanzreform, die eine Neuausrichtung
der Steuerverteilung zwischen Bund,
Ländern und Gemeinden entsprechend
der gesamtstaatlichen Aufgabenver-
teilung zum Gegenstand hat.
Die Gewerbesteuer muss dringend
reformiert und als Gemeindewirt-
schaftssteuer gestaltet werden.
Für die Landkreise fordern wir eigene
Anteile an den Gemeinschaftssteuern,
zum Beispiel der Umsatzsteuer.
Sachsen-Anhalt sollte bei der Grund-
steuer keinen Sonderweg gehen,
sondern die Voraussetzungen für die
Umsetzung des reformierten Bundes-
gesetzes schaffen. Die »Aufkommens-
neutralität« kann vor dem Hintergrund
des grundgesetzlich gesicherten
Hebesatzrechtes der Gemeinden
nicht durch landesrechtliche Bevor-
mundung, sondern nur durch eine
angemessene Finanzausstattung
erreicht werden.
Steuergerechtigkeit, die wir meinen
Wir wollen das Einkommensteuerrecht
umgestalten.
Wer weniger als 5.600 Euro pro Monat
zu versteuern hat, wird entlastet. Wer
mehr versteuern muss, wird belastet.
Dies erreichen wir durch eine Änderung
des Steuertarifs. Der Grundfreibetrag
wird auf 9.300 Euro erhöht, sodass
mindestens ein Bruttolohn in Höhe von
12.000 Euro im Jahr steuerfrei bleibt.
Der Spitzensteuersatz wird auf
53 Prozent (ab einem zu versteuernden
Jahreseinkommen in Höhe von
65.001 Euro) angehoben.
Der sogenannte Mittelstandsbauch
wird beseitigt, indem die Steuerbelas-
tung bis zum Spitzensteuersatz linear
ansteigt. Letzteres senkt nicht nur die
Steuerbelastung von mittleren Einkom-
men, sondern schwächt zugleich die
sogenannte kalte Progression ab.
VIII. Ohne Frieden ist alles andere nichts:
Nein zum Krieg! Nein zur Rüstung!
In einer Zeit wachsender Kriegsgefahren
ist DIE LINKE die Partei des Friedens.
Seit dem Ende der Blockkonfrontation
vor 30 Jahren ist die Welt nicht fried-
licher geworden. Militärische Aggres-
sionen des Westens und Russlands,
aber auch von Regionalmächten wie
der Türkei, Saudi-Arabien und Iran
wurden mit der Durchsetzung von
Völker- oder Menschenrecht begrün-
det, dienten aber letztlich nur dazu,
eigene Interessen im regionalen oder
globalen Maßstab mit dem Mittel des
Krieges umzusetzen. Die Ergebnisse
waren jedes Mal mehr Not, Elend und
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noch größere Flüchtlingsströme.
Sie haben friedliche Konfliktlösungen
verhindert und Kriege ausgedehnt.
Unsere Botschaft bleibt deswegen:
Krieg und die Androhung militärischer
Gewalt können keine Mittel einer
friedensstiftenden Politik sein.
Die Aussetzung der Umsetzung des
Vertrages über Konventionelle
Streitkräfte in Europa durch Russland
im Jahre 2007, die Außerkraftsetzung
des Vertrags über nukleare Mittel-
streckensysteme durch die USA
stehen ebenso für eine Rückkehr zum
Wettrüsten wie auch das NATO-Ziel,
zwei Prozent des Bruttoinlands-
produktes für Militärausgaben zu
verschwenden. DIE LINKE lehnt eine
Steigerung der Rüstungsausgaben wie
auch eine weitere Ausdehnung der
NATO nach Osten ab. Sachsen-Anhalt
muss im Bundesrat eine deutliche
Stimme für Entspannung und
friedliche Kooperation mit Russland
sein. Die Bundesregierung muss
endlich den Atomwaffenverbots-
vertrag unterzeichnen. Das bedeutet
auch, dass die US-Atomwaffen aus
Deutschland abgezogen werden.
Bundeswehr in
Sachsen-Anhalt reduzieren
Dass die Bundeswehr in Sachsen-
Anhalt wieder die Truppenstärke wie
vor der Bundeswehrreform 2011 hat,
ist für uns kein Grund zur Freude.
Die Standorte sind Teil der Militarisie-
rung der deutschen Außenpolitik.
Sie sind damit auch Teil eines
gefährlichen Bedrohungsszenariums,
vor allem gegenüber Russland.
1991 beschloss der junge Landtag von
Sachsen-Anhalt die zivile Nutzung der
Colbitz-Letzlinger Heide.
Nach Jahrzehnten des militärischen
Missbrauchs sollte dieses Gebiet mit
einem Naturpark eine Zukunft
bekommen. Es wurde aber ein
Militärpark, der Truppenübungsplatz
Altmark mit dem Gefechtsübungs-
zentrum und der Kriegsübungsstadt
Schnöggersburg als zentrale Orte
der Ausbildung der Bundeswehr für
Auslandseinsätze und Aufstands-
bekämpfung.
DIE LINKE setzt sich für die Schließung
der Truppenübungsplätze Altmark und
Zeitzer Forst u.a. ein. Sie unterstützt
die Proteste der Friedensbewegung
und friedliche Aktionen zivilen
Ungehorsams. Eine militärische
Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle
wird abgelehnt.
Solidarität statt
Ellenbogen
Gerade die Corona-Krise hat vor Augen
geführt, dass wir uns für gesellschaftli-
chen Zusammenhalt oder für den Sieg
des Egoismus zu entscheiden haben.
Niemand lebt ohne Eigeninteresse,
aber auch keiner nur für sich allein.
Die mentale Verfasstheit unserer
Gesellschaft wird maßgeblich davon
geprägt sein, wie zukünftig die Kosten
der Krise verteilt werden.
DIE LINKE will eine gerechte Lasten-
verteilung. Wer Millionen hat, kann
Tausende zahlen. Wer wenig hat,
darf nach der Krise nicht noch
weniger haben. Diese Forderung
vertreten wir schon lange, nicht erst
seit Corona. Jetzt aber haben wir
die Chance, die sozialen Ungerechtig-
keiten zu überwinden.
Wir wollen das Land verändern.
Gegen soziale Ungerechtigkeit können
wir gemeinsam vieles tun.
Deshalb werben wir für Solidarität
statt Ellenbogen.
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Impressum
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DIE LINKE.Sachsen-Anhalt
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V.i.S.d.P.: Sabine Krems-Jany
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