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mehr vor. Wir sind überzeugt, dass das Beste noch vor uns liegt: Noch mehr Chancen für alle Menschen
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in Nordrhein-Westfalen. Wir wollen Nordrhein-Westfalen noch freier, fairer und moderner machen. Wir
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wollen unser Land weiter voranbringen – mit unserem Fortschrittsprogramm für NRW!
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Unser Nachwuchs hat alle Chancen dieser Welt verdient. Wir können auf kein unentdecktes Talent
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verzichten. Das geht nur mit bester Bildung. Setzen wir fort, was wir schon erreicht haben. Investieren
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wir noch mehr: in neueste Technik, mehr Lehrerinnen und Lehrer sowie modernste Schulen. Seien wir
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offen für Ideen, die jedes Kind über sich hinauswachsen lassen.
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Chancen wachsen im Kindergarten. Einen Kitaplatz zu finden, muss das Einfachste der Welt sein. Wir
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wollen Familien durch noch mehr beitragsfreie Jahre entlasten. Unser Anspruch: Den Kleinsten einen
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Top-Start mit bester Betreuung geben.
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Bildung muss digital sein. Für jedes Kind muss ein Tablet oder Laptop da sein. Denn Neues kann man
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nur fortschrittlich lernen. Aber es kommt nicht nur auf Geräte, sondern auch auf das Verständnis an. Die
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Vision: alle Schülerinnen und Schüler in NRW sollen am Ende der Schulzeit eine App programmiert
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haben.
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Der Schulweg darf nicht den Lebenslauf bestimmen. Noch mehr beste Schulen dort, wo die sozialen
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Herausforderungen am größten sind. Mit 1.000 Talentschulen im ganzen Land fördern wir alle Talente –
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egal, woher sie kommen und wie sie aufwachsen. Jede Schule braucht auch einen Talentscout. Nur so
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können wir das Potenzial entfalten, das in uns steckt.
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Fürs Leben lernen, nicht nur für Prüfungen. Wirtschaft als neues Fach an allen Schulen hat gezeigt:
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Schule kann auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten. Indem wir künftig noch mehr Praktiker an
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Schulen einladen, vermitteln wir mehr als nur graue Theorie.
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Ein Meister muss so viel wert sein wie ein Master. Schaffen wir Chancen fürs Leben, indem wir jede
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Schulform und jeden Ausbildungsweg fördern.
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Früher hat NRW Bürokratie geschaffen, wir lassen Unternehmen etwas schaffen. Das hat Erfolg: Seit
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2017 ist unsere Wirtschaft stärker gewachsen als im Bund. So haben wir neue Arbeitsplätze, mehr
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Aufstiegschancen und Wohlstand geschaffen. Setzen wir diesen Kurs fort.
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Start-ups sind der Motor des Fortschritts. Das Gründerstipendium hat gezeigt: Aus wirklich guten Ideen
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werden wirklich gute Firmen. Unser Ziel: werden wir als Gründerland Nummer 1 noch erfolgreicher.
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Weniger Emissionen haben mehr Zukunft. Wir wollen neue Technologien wie Wasserstoff noch stärker
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fördern und zum Vorbild für Industrie 4.0 werden. E-Mobilität ist dabei ein Schlüssel für nachhaltiges
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Wachstum. Für unser Land und die Automobilindustrie.
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Zettelwirtschaft schafft keinen Wohlstand. Machen wir es Unternehmen leicht, voranzukommen. Dafür
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braucht es weniger Regeln, fairen Wettbewerb und eine zuverlässige Energieversorgung.
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aus, die zeitgemäß sind und keinen Unterschied zwischen Vätern und Müttern machen – wie Jobsharing
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und Kitas, deren Öffnungszeiten auch zu Schichtdienst passen.
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Digital first. Papier second. Warten wir nicht auf die nächste Pandemie, um Digitalisierung
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voranzutreiben. Bauen wir das Amt der Zukunft weiter wie kein anderes Bundesland. Je mehr
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unbürokratisch online geht, desto schneller bringen wir NRW voran. Deshalb wollen wir ein Recht darauf
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schaffen, jeden Behördengang digital von zu Hause zu erledigen. Das geht nur mit super-schnellem
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Internet, das alle Menschen und Unternehmen in den Städten und auf dem Land bis 2025 vernetzt.
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Willkommen in der Zukunft. Wir wollen digitale Freiheitszonen schaffen und so die Innovationskraft
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NRWs stärken – besonders bei IT, Quantencomputing, Blockchain und künstlicher Intelligenz. Nur so
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spielen wir in der Weltspitze weiter mit.
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Unicorns made in NRW. Wir haben großartige Forscherinnen und Forscher und leistungsstarke
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Unternehmen: Vergrößern wir die Möglichkeiten und bringen beide zusammen. So gelingt uns, dass in
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den nächsten fünf Jahren mindestens 50 Firmen auf Basis hier entwickelter Patente entstehen.
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Klimaschutz mit Ideen. Finden wir neue Wege, mit denen die Natur und wir gut leben können. Ein
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sicheres Leben gibt es nicht nur mit Investitionen in Klimaanpassungen, sondern indem wir das Klima
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mit Innovationen schützen und die Dekarbonisierung schaffen.
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Werden wir ein Volk der Eigentümer. Mit dem Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer werden wir
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jungen Familien den Traum von einem eigenen Zuhause erfüllen. Wir wollen außerdem durch einen
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sozialen Wohnungskauf mehr Mieter zu Eigentümern machen. Der Staat muss Möglichmacher sein,
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nicht Verhinderer. Die Förderung des Wohnungsbaus muss zudem zielgenauer werden, damit mehr
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bezahlbare Wohnungen zur Miete damit gebaut werden.
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Städte können wir umbauen. Unser Plan: Architekten entwerfen Aufstiegschancen. Mit Wohnraum, den
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sich alle leisten können und der die Höhe besser nutzt. Setzen wir neue Standards: Bauen wir
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Hochhinaushäuser! Mit Spitzenarchitektur, nachhaltiger Bauweise und Bildung gleich um die Ecke.
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Mobiler, schneller, weiter. Verkehr muss zu den Menschen passen, nicht andersherum. Alle sollten so
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schnell ans Ziel kommen, wie sie wollen, immer so klimafreundlich wie möglich. Dazu werden wir die
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Infrastruktur stärken: Auto, Bahn, Bus und Rad. Denn auf dem Land kann niemand aufs Auto verzichten.
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Zudem wollen wir dort die Mobilität mit Bussen auf Abruf weiter ausbauen. Bus und Bahn brauchen ein
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einfaches und digitales Ticketsystem – damit alle mit einer Handy-App durch ganz NRW fahren können.
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unabhängig von Herkunft, Glauben oder sexueller Identität. Diese Individualität drückt sich auch in der
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Kultur aus. Machen wir sie wieder lebendig – mit einem Aufbruch in der Kultur nach der schweren
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Lockdown-Zeit.
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Freiheit ist wie die Luft zum Atmen. Freiheit ist nicht selbstverständlich, sondern das Fundament
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unserer demokratischen Gesellschaft. Es reicht nicht, von Weltoffenheit und Toleranz nur zu reden, wir
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müssen diese Werte leben. Dazu gehört auch Vertrauen in den Rechtsstaat. Mit mehr Polizistinnen und
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Polizisten, einer starken Justiz, moderner Feuerwehr, einem handlungsfähigen Katastrophenschutz,
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guten Krankenhäusern und engagiertem Ehrenamt schützen wir Recht und Leben aller Bürgerinnen und
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Bürger. Und das nicht nur auf der Straße, sondern auch im Internet.
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Woher die Idee kommt, ist dem Fortschritt egal. Werden wir das beliebteste Land für qualifizierte
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Einwanderung – nach dem Vorbild Kanada. Heißen wir mehr Talente willkommen, denn Vielfalt und
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Wissen werden unser Land weiter voranbringen. Umgekehrt bleiben wir konsequent: Wer etwa unsere
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offene Gesellschaft bedroht oder ausnutzt, wird abgeschoben.
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Schulden haben keine Zukunft. Kredite haben uns gut durch die Krise gebracht. Gewöhnen wir uns aber
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nicht an geliehenes Geld – unsere Enkel wollen keinen Schuldenberg erben.
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Kurzum: Nordrhein-Westfalen ist ein starkes Land. Wir haben das Land vorangebracht. Jetzt geht es
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weiter: Nordrhein-Westfalen hat noch so viele Chancen. Die wollen wir nutzen. Deswegen wollen wir
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Freie Demokraten am 15. Mai 2022 so stark werden, dass wir unser Land weiter in
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Regierungsverantwortung gestalten können. Dafür werben wir um das Vertrauen der Bürgerinnen und
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Bürger.
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Neigungen bestmöglich entwickeln kann. Dafür braucht es starke Familien, die ihre Kinder von Beginn an
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unterstützen können und Kindertagesbetreuungsangebote, die für alle Kinder die bestmögliche Bildung
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und Förderung bieten. Eine qualitativ hochwertige und an die Bedarfe der Eltern angepasste Betreuung
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und frühkindliche Bildung in Kitas und Kindertagespflegestellen sind für Eltern zudem die zentrale
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Grundlage, um Familie und Beruf vereinbaren zu können.
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Seit 2017 sind in Nordrhein-Westfalen Tausende neue Betreuungsplätze entstanden. Wir haben das
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Versprechen einer Platzausbaugarantie gegeben: Jede Investition vor Ort in einen neuen Betreuungsplatz
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wird vom Land gefördert. Mit der umfassenden Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) stehen jährlich
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zusätzlich 1,3 Milliarden Euro für die frühkindliche Bildung zur Verfügung. So haben wir die Qualität
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nachhaltig gestärkt – ein Meilenstein! Eltern profitieren zudem von einem zweiten beitragsfreien Jahr
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sowie ersten Schritten hin zu flexibleren Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen.
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Diesen Weg wollen wir fortsetzen und konsequent die frühkindliche Bildung in Nordrhein-Westfalen
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ausbauen und stärken. Wir werden die Betreuungsplätze gemeinsam mit den Kommunen und Trägern
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noch stärker ausbauen, um die Betreuungsbedarfe von Eltern abzudecken und ihnen die Vereinbarkeit
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von Familie und Beruf zu erleichtern.
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Bessere, flexiblere und mehr Betreuungsplätze erfordern jedoch auch mehr pädagogisches Personal. Mit
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einer attraktiven, praxisorientierten und bezahlten Ausbildung für künftige Erzieherinnen und Erzieher
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sowie besseren Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb der Kitas und Tagespflegestellen können wir in
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den nächsten Jahren noch mehr Menschen als pädagogische Fachkräfte gewinnen.
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KiTa-Anmeldung neu denken
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Kurzfristig wollen wir die flächendeckende Digitalisierung des Kita-Anmeldeverfahrens vorantreiben.
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Unser Ziel ist, das Verfahren darüber hinaus in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Trägern
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weiterzuentwickeln. Wir wollen, dass der erste Brief an ein Neugeborenes nicht mehr vom Finanzamt,
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sondern vom Jugendamt kommt – mit Unterstützungsangeboten von frühen Hilfen bis zur Kitaplatz-
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Suche. Familien sollen so nicht mehr nervenaufreibend nach einem Kita-Platz suchen müssen, sondern –
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bei entsprechendem Bedarf – koordiniert durch die Kommune in Abstimmung mit den verschiedenen
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Trägern vor Ort einen Platz angeboten bekommen. Auf Basis einer sicheren Platzzusage soll dann ein
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Platztausch in andere KiTas möglich sein.
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Gleiche Chancen für alle Kinder – Talente fördern
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für Erfolg im weiteren Bildungs- und Berufsleben. Die frühe Unterstützung und Förderung der
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Sprachentwicklung von Kindern ist darum ein Schwerpunkt der frühkindlichen Bildung. Etwaige
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Sprachrückstände durch eingeschränkten Zugang zur frühkindlichen Bildung im Zuge der Corona-
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Pandemie wollen wir systematisch erfassen und durch passgenaue Angebote der Sprachförderung
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ausgleichen. Die alltagsintegrierte Sprachbildung wollen wir stärken. Dazu wollen wir ein Landesinstitut
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für frühkindliche Sprachbildung schaffen, das die alltagsintegrierte Sprachbildung weiterentwickelt und
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Angebote zur Fort- und Weiterbildung schafft.
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Insbesondere Kinder aus sozial schwierigem Umfeld haben aufgrund fehlender Unterstützung oft
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schlechtere Bildungschancen. Gerade sie sind durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders
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betroffen. Die plusKITAS sollen die Potenziale dieser Kinder noch gezielter fördern. Wir wollen darum mit
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der deutlichen Stärkung von plusKITAS für mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit für alle Kinder von
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Beginn an sorgen.
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Flexible Öffnungszeiten ausbauen, Beitragsfreiheit als Perspektive
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Wir wollen weiter für mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen sorgen und
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dabei insbesondere die Angebote in den Randzeiten ausbauen. Denn die Kita-Öffnungszeiten müssen
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wirklich flexibel sein, um echte Vereinbarkeit zu gewährleisten. Zudem wollen wir den bedarfsgerechten
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Ausbau von Kindertagesstätten, in denen Kinder insbesondere von Eltern, die im Schichtdienst arbeiten,
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auch über Nacht betreut werden.
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Zur Entlastung der Eltern haben wir ein weiteres Kindergartenjahr beitragsfrei gestellt. Schrittweise
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wollen wir die Angebote der frühkindlichen Bildung auch in den weiteren Kindergartenjahren beitragsfrei
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machen und die Eltern so weiter entlasten.
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Mehr Personal gewinnen
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Wir wollen kurz- und mittelfristig für zusätzliches Personal in der Kinderbetreuung sorgen, um die
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personelle Situation vor Ort weiter zu entspannen und die Qualität der Kinderbetreuung nachhaltig zu
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verbessern. Die vergütete, praxisintegrierte Ausbildung ist aufgrund ihrer attraktiven
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Rahmenbedingungen ein Erfolg und trägt zur Steigerung der Attraktivität des Berufsfeldes bei. Auch die
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Träger der Einrichtungen profitieren davon, frühzeitiger zusätzliches pädagogisches Personal vor Ort
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einsetzen zu können. Wir wollen diese Ausbildungsform darum weiter stärken und perspektivisch zum
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Hauptpfeiler der Ausbildung machen.
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Wir wollen den Einsatz von Hauswirtschafts- und Verwaltungsfachkräften fördern, damit das
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pädagogische Fachpersonal mehr Zeit mit den Kindern statt am Schreibtisch verbringt. Gerade das
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erfolgreiche Kitahelfer-Programm zeigt den Bedarf und den Wunsch nach Entlastung von nicht-
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pädagogischen Aufgaben an. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie haben wir
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den Einsatz von Fachkräften aus der Logopädie, Ergotherapie sowie von ausgebildeten Musik- und
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Theaterpädagoginnen und -pädagogen in Kitas ermöglicht. In Zusammenarbeit mit Trägern und
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Gewerkschaften wollen wir Wege finden, diese Fachkräfte dauerhaft einzusetzen, damit Kinder langfristig
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von einer ganzheitlicheren Kindertagesbetreuung profitieren.
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Der Erzieherinnen- und Erzieherberuf ist nach wie vor stark weiblich geprägt. Männliche pädagogische
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Fachkräfte sind für die Vielfalt und als Bezugsperson für Kinder ein wertvoller Baustein. Insbesondere die
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vergütete praxisintegrierte Ausbildung kann einen attraktiven Zugang zum Erzieherberuf bieten, den wir
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auch bei Männern stärker bewerben wollen.
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Wir haben den Teilnehmenden des Kitahelfer-Programms eine neu geschaffene praxisintegrierte
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Ausbildung zur Kinderpflegerin bzw. zum Kinderpfleger als Anschlussqualifizierung angeboten. Wir wollen
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diese neue Ausbildungsform auf dieser Basis weiterentwickeln und ausbauen.
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Wir wollen die erfolgreichen Familienzentren ausbauen. Die dort möglichen Beratungen sollen erweitert
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werden. Wir werden uns zudem dafür einsetzen, dass die Nutzung solcher Angebote von allen Familien,
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unabhängig von ihren Lebensumständen, noch stärker angenommen wird.
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Mit den Familiengrundschulzentren haben wir ein neues Konzept in Nordrhein-Westfalen geschaffen, das
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an die erfolgreichen Familienzentren im Kita-Bereich anknüpft. Wir wollen damit allen Grundschulkindern
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und ihren Familien eine erfolgreiche Grundschulzeit ermöglichen und sie stark machen für die weiteren
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Herausforderungen auf ihrem Bildungsweg. Wir wollen schnellstmöglich und landesweit 300
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Familiengrundschulzentren neu einrichten und deren Finanzierung dauerhaft sichern. Damit werden zehn
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Prozent unserer Grundschulen in Quartieren mit besonderen Bedarfen für mehr Bildungsgerechtigkeit zu
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Familiengrundschulzentren ausgebaut.
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Kindertagespflege fördern
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Wir werden die Kindertagespflege weiter fördern. Wir begrüßen die stetige pädagogische Weiterbildung
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und möchten den Kindertagespflegepersonen – entsprechend ihrer Vorbildung – Zugang zu
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pädagogischen Fortbildungen verschaffen. Die Umsetzung von Vertretungsregelungen im Krankheitsfall
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sowie während der Urlaubs- und Fortbildungszeit bei Fortzahlung der Geldleistungen wollen wir
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flächendeckend sicherstellen.
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Auch im Bereich der Kindertagespflege wollen wir Randzeitenbetreuungen stärker ins Bewusstsein
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rücken. Wir werden uns für eine weitere Flexibilisierung von Betreuungsverträgen einsetzen.
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Vielfalt der KiTa-Träger stärken
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Verschiedene private Anbieter und Betriebs-Kitas ergänzen das vielfältige Angebot in Nordrhein-
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Westfalen. Auch diese Träger wollen wir gezielt unterstützen und sowohl organisatorisch als auch
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finanziell und stärker an die bisherigen Strukturen anbinden. Bürokratische Hürden, die mit der Gründung
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betrieblicher und betriebsübergreifender Betreuungseinrichtungen verbunden sind, wollen wir abbauen.
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Digitale Bildung und Bildung im MINT-Bereich stärken
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Experimentieren und Erforschen wollen wir fördern und damit frühkindliche Bildung im Bereich der MINT-
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Felder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik stärken. Die „Stiftung Haus der kleinen
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Forscher“ zeigt, welches Potenzial in der frühkindlichen MINT-Bildung steckt. Wir wollen kindgerechte
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Lernangebote ausbauen, die Kinder frühzeitig für mathematisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge
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begeistern und verborgene Talente frühzeitig fördern. Dazu wollen wir ein Fortbildungskonzept für
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Erzieherinnen und Erzieher für die Durchführung niedrigschwelliger, naturwissenschaftlicher Experimente
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entwickeln. Durch die Finanzierung der freiwilligen Fortbildungen sollen möglichst viele Kinder Zugang zu
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frühzeitiger MINT-Bildung erhalten und Interesse an Naturwissenschaft und Technik entwickeln.
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Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien und Unterhaltungsangeboten in Berührung. Sie sollen
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darum im Rahmen der frühkindlichen Bildung frühzeitig erste notwendige Kompetenzen im alters- und
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kindgerechten Umgang mit der Digitalisierung erhalten. Über einen „digitalen Kita-Bonus“ wollen wir die
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Anschaffung von Endgeräten sowie Fortbildungen von pädagogischen Fachkräften fördern. Unser Ziel ist,
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dass in jeder Gruppe pro Erzieherin bzw. Erzieher ein digitales Endgerät zur Verfügung steht.
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Dass Schule viel mehr ist als die Vermittlung von Fachwissen und Kompetenzen, hat die Corona-Pandemie
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deutlich gezeigt. Schulen sind Begegnungsort, Sozialraum und für einige Schülerinnen und Schüler auch
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Zufluchtsort. Sie sind ein Ort, der ganz individuelle Chancen eröffnet und Zutrauen schafft, an dem
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entstehen. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Schulen für alle Schülerinnen und Schüler genau zu
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diesen Orten werden, an denen alle Kinder und Jugendlichen ihre Talente entfalten können und auf den
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eigenen Lebensweg vorbereitet werden. Damit das gelingt, setzen wir uns für mehr Bildungsgerechtigkeit
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ein.
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Bei allen erreichten Fortschritten gelingt sozialer Aufstieg noch immer zu selten – vor allem, weil der
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Bildungserfolg noch immer zu stark an die finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses und an das soziale
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Umfeld der Schulstandorte gekoppelt ist. Wir haben deshalb in ganz Nordrhein-Westfalen 60
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Talentschulen mit sehr guter Ausstattung gezielt dort eingerichtet, wo die Hürden und
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Herausforderungen zur Schaffung von Bildungsgerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler besonders
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groß sind. Außerdem haben wir die Anwendung des Sozialindex bei der Verteilung von Stellen und Mitteln
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ausgeweitet und so Schulen in sozial schwachen Quartieren gezielt mit mehr Personal gestärkt. Die
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Einführung des schulscharfen Sozialindex wird für die Zukunft bei der Verteilung von Ressourcen
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zusätzliche Möglichkeiten schaffen, um das Maß an Bildungsgerechtigkeit weiter zu erhöhen. Wir sind
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damit wichtige Schritte gegangen, um Schulen zu stärken und Talente zu fördern. Diesen Weg wollen wir
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konsequent fortsetzen. Diese ersten wichtigen und wegweisenden Erfolge dürfen durch die Folgen der
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Corona-Pandemie nicht in Gefahr geraten.
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Wir sind überzeugt, dass alle Kinder und Jugendlichen Talente haben. In den Schulen wollen wir den
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Rahmen schaffen, damit diese Talente bestmöglich gefördert werden. Egal, ob eine zukünftige Kfz-
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Mechatronikerin, ein Bäckerei-Fachverkäufer oder der nächste Nobelpreisträger zur Schule gehen: Alle
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Talente und Fähigkeiten sollen zur Entfaltung kommen. Die Verknüpfung zwischen schulischem Lernen
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und außerschulischen Lernangeboten (Museen, Theater u. a.) wollen wir ausbauen. Sie soll in den
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Lehrplänen verstärkt Berücksichtigung finden.
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Talentförderung strukturell stärken: Schülerstipendien und Talentscouts ausbauen
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Um Talente ganz unabhängig von ihrem Hintergrund und ihrer Herkunft zu stärken und zu fördern, wollen
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wir ausgehend von dem Stipendienprogramm für die Ruhr-Talente in den nächsten fünf Jahren ein
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landesweites Schülerstipendium für mindestens 100.000 förderbedürftige und zugleich besonders
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förderwürdige Schülerinnen und Schüler an allen weiterführenden Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen
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auflegen. Das Schülerstipendienprogramm kooperiert mit den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen und
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ihren Talentscouts, die diese Talente im schulischen und außerschulischen Kontext finden, gezielt beraten
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und unterstützend begleiten. Sie sollen – getragen durch Kooperationen mit der Wirtschaft und Stiftungen
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– an Hochschulen heranführen, bei der Vermittlung von Betriebspraktika und Auslandsaufenthalten
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helfen und vor allem Ansprechpartnerin und Ansprechpartner sein. Daneben wollen wir die Talent-Kollegs
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in weitere Regionen des Landes ausweiten. So wollen wir die Talent-Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen
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mit der Verstetigung finanzieller Mittel weiter stärken und dies gesetzlich absichern. Wir wollen
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Aufsteiger-Geschichten als Hoffnungs-Booster bekannt machen, um neben finanziellen und strukturellen
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Hürden auch gesellschaftliche Hindernisse abzubauen. Dazu werden wir eine geeignete Kampagne des
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Landes (z. B. über Social Media) auflegen, in der erfolgreiche Aufsteiger als Vorbild wirksam werden
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können.
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Neben allen Schulen wollen wir konkrete Anlaufstellen schaffen, die Beratung und Unterstützung für die
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eigenen Lebens- und Aufstiegspläne bieten und damit Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen
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Elternhäusern helfen, den eigenen Weg zu Bildungsabschlüssen oder an die Hochschule zu gehen. Das ist
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auch im gesamtgesellschaftlichen Interesse: In (unentdeckte) Talente unabhängig von ihrer Herkunft zu
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investieren ist der einzige Weg, unsere Gesellschaft langfristig zukunftsfähig zu machen, weil wir diese
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Talente in Zukunft noch dringender brauchen werden als jetzt schon. Wir wollen in diesen Treffpunkten
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gezielt die Vermittlung von Teilhabechancen und die Identifikation mit Staat und Gesellschaft in den Fokus
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rücken. Denn wer nicht an Bildung teilhaben kann, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit auch nicht am
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aufsuchend und emotional vermittelt werden, um einen Bezug zu unserer Verfassung in die Quartiere zu
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bringen.
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Talentschulen deutlich ausweiten
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Klar ist für uns: Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern oder dem Stadtviertel abhängen,
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in dem man aufwächst. Der in Nordrhein-Westfalen erfolgreich gestartete Talentschul-Versuch soll auf
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der Grundlage einer wissenschaftlichen Begleitung und in Abstimmung mit der von der neuen
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Bundesregierung vorgesehenen Talentschulförderung außerhalb des Schulversuchs auf 1.000
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Talentschulen im ganzen Land ausgeweitet werden.
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Schulvielfalt als Chance für individuelle Förderung
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Ebenso wie unsere Schülerinnen und Schüler ist auch unser Schulsystem in Nordrhein-Westfalen vielfältig.
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Die unterschiedlichen Schulformen mit ihren eigenen Profilen und Stärken sowie das Nebeneinander von
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Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft bereichern unsere Schullandschaft. Sie stellen zudem die
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Entfaltungsmöglichkeiten jedes einzelnen Kindes in den Vordergrund. Die in Nordrhein-Westfalen
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gewachsene Schulvielfalt sehen wir als eine Chance und Herausforderung zugleich. Ihre Stärken entfaltet
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sie insbesondere dann, wenn eine differenzierte und faire Ressourcensteuerung dauerhaft gelingt. Genau
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darauf ist unser Handeln ausgerichtet. Ideologische Schulstrukturdebatten um die Zukunft einzelner
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Schulformen lehnen wir ab.
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Wir wollen die Vielfalt im mehrgliedrigen Schulsystem sichern, weil sie Kindern und Jugendlichen
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ermöglicht, die für sie individuell bestmögliche Schullaufbahn mit unterschiedlichen Abschluss- und
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Anschlussmöglichkeiten selbst zu gestalten. Noch bestehende Ungleichbehandlungen der Schulformen
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wollen wir beenden und eine hohe Durchlässigkeit gewährleisten. An allen Schulen müssen hohe
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Leistungsstandards gesichert werden. Innerhalb eines so vielfältigen Schulsystems mit unterschiedlichen
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Schulformen und Bildungsgängen hat jede Schülerin und jeder Schüler eine gleichwertige Chance auf
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Bildung und jede Lehrerin und jeder Lehrer einen Anspruch auf eine gleiche Bezahlung. Bildung ist in allen
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Schulen gleich wichtig und gleich wertvoll.
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Stärkung der Grundschulen als Fundamente für Bildungsaufstieg
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Mit dem Masterplan Grundschule setzen wir eine nachhaltige Stärkung unserer Grundschulen um – mit
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einem Fokus auf das Lernen von Lesen, Rechnen und Schreiben. Hierzu sollen die Grundschulen auch
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zukünftig zusätzliche fachliche Unterstützung erhalten. Die begonnene Entlastung der
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Grundschullehrkräfte im Bereich der anrechenbaren Entlastungsstunden wollen wir im Bereich des
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Pflichtstundendeputats fortsetzen. Vor allem durch die Bereitstellung von insgesamt 3.000
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sozialpädagogischen Fachkräften für die Schuleingangsphase wollen wir erreichen, dass jede der fast
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2.900 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen mit einer solchen Fachkraft zusätzlich unterstützt wird. Die
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zusätzlichen sozialpädagogischen Fachkräfte sollen zumindest vorübergehend auch das gemeinsame
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Lernen in der Grundschule stärken. Mittelfristig müssen hierzu zusätzliche Fachlehrkräfte für
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Sonderpädagogik ausgebildet und gewonnen werden. Mit der Schaffung zusätzlicher Studienplätze und
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zusätzlicher Studienorte für angehende Grundschullehrkräfte wollen wir in den kommenden fünf Jahren
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eine dauerhafte Beseitigung des Lehrermangels an unseren Grundschulen ermöglichen.
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Den Offenen Ganztag weiter stärken
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Ganztagsangebote verbessern nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sie sind auch ein
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wesentlicher Beitrag für mehr Bildung und Chancengerechtigkeit. Wir werden daher den Rechtsanspruch
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auf Ganztags- und Betreuungsangebote im Zusammenwirken zwischen Bund, Ländern und Kommunen
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professionell umsetzen und hierzu zusätzlich zum bislang bereits erfolgreich realisierten Platzausbau
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mindestens 200.000 zusätzliche Ganztagsplätze schaffen. Insbesondere der Bund muss hierzu eine
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dauerhafte, verlässliche und angemessene Finanzierung sicherstellen. Das ist die Grundlage für die
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Umsetzung eines Rechtsanspruchs, den wir mit Qualität sowie mehr Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit
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bei der Beitragsgestaltung umsetzen wollen. Wir wollen uns daher für die Verankerung von verbindlichen
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Standards für den Offenen Ganztag einsetzen, um landesweit eine hohe Qualität der Angebote sichern zu
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Ausstattung festlegen.
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Wir wollen für eine bessere Verzahnung des Offenen Ganztags mit der Grundschule sorgen. Die jeweilige
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Schule und der Träger des Offenen Ganztags sollen besser zusammenwachsen und auf Augenhöhe
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miteinander arbeiten. Deswegen wollen wir zum Beispiel, dass die Ganztagsfachkräfte eine ausreichende
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gemeinsame „Teamzeit“ mit den Lehrkräften erhalten, um zum Wohle der Kinder Übergaben gestalten
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sowie gemeinsame Förderentscheidungen und weitere Absprachen treffen zu können.
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Wir wollen im Dialog mit Kommunen, Trägern und Eltern die Ganztagsbetreuung weiterentwickeln und
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dabei auch Wege zum gebundenen Ganztag im Grundschulbereich zur Stärkung von Chancengerechtigkeit
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und bester Bildung einbeziehen.
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Mittlere Schulabschlüsse stärken
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Wir brauchen starke Schulen für den gymnasialen Bildungsgang und für den akademischen Nachwuchs.
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Aber ebenso brauchen wir starke Schulen, die hochwertige mittlere Schulabschlüsse vergeben und
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bestmöglich auf eine berufliche Ausbildung vorbereiten und damit helfen, unseren Fachkräftenachwuchs
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zu sichern. Mit der Agenda für berufliche Bildung haben wir diese in Nordrhein-Westfalen schon
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nachhaltig gestärkt. Auch dafür ist eine Aufwertung der mittleren Schulabschlüsse unumgänglich. Eine
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erhebliche Verbesserung der Berufsorientierung an weiterführenden Schulen wollen wir erreichen, indem
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wir Schülerinnen und Schülern verstärkt die Möglichkeit geben, bereits während ihrer Schulzeit praktische
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Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Bereichen zu sammeln. So sollen auch die beruflichen
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Möglichkeiten und Entwicklungschancen in Ausbildungsberufen bekannter werden. Auch darüber hinaus
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wollen wir im Zuge der Berufsberatung über die Karriere- und Verdienstmöglichkeiten im Handwerk und
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anderen Ausbildungsbranchen informieren, denn die guten Perspektiven, die viele Ausbildungsberufe
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bieten, werden mitunter nicht richtig eingeschätzt. Um ein gesellschaftliches Umdenken hinsichtlich der
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Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung zu erreichen, müssen die Haupt-, Real- und
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Sekundarschulen in einer Qualitätsoffensive und einem Sonderinvestitionsprogramm Starke Mitte
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gestärkt werden. Damit wollen wir konkret sowohl eine Aufstockung von Personal und moderner
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Ausstattung vorantreiben als auch den Ausbau der Vernetzung von Schulen und Ausbildungsbetrieben.
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Wir wollen die Anerkennung für mittlere Bildungsabschlüsse weiter stärken, so wie wir bereits
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Realschülerinnen und Realschülern einen Weg in den Polizeiberuf ermöglicht haben.
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Ökonomische Bildung weiter stärken
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Wir haben bereits die Kernlehrpläne der Klassen 5 bis 10 überarbeitet. Insbesondere die Einführung des
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Schulfachs Wirtschaft an allen Schulformen war ein überfälliger Schritt hin zu mehr ökonomischem
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Wissen als Bestandteil der Allgemeinbildung und mehr Verbraucherbildung, um auf ein selbstbestimmtes
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Leben vorzubereiten. Diesen Weg wollen wir weitergehen und unter anderem auch ein Verständnis der
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Aktienmärkte und der Wege von langfristiger Eigentumsbildung beispielsweise im Rahmen des Schulfachs
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Wirtschaft in allen Schulformen stärken.
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Oberstufe und Abitur auf die Höhe der Zeit bringen
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Wir wollen weitere Reformprozesse von der 10. Klasse bis zum Abitur anstoßen. Das erfolgreich
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eingeführte Schulfach Wirtschaft soll nach dem Vorbild der beruflichen Gymnasien zukünftig
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flächendeckend auch als Leistungskurs in der Oberstufe angeboten werden. Auch die Stärkung der
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Informatik in der Unter- und Mittelstufe soll in der Oberstufe fortgesetzt werden. Dafür wollen wir es
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einfacher machen, Informatik als Abiturfach zu wählen, indem wir sie den anderen Naturwissenschaften
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gleichstellen. Um die Wahlmöglichkeiten im Abitur weiter zu flexibilisieren, setzen wir uns außerdem
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dafür ein, dass künftig auch ein Abitur mit gesellschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt möglich wird.
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Um die Vergleichbarkeit und Qualität der Schulabschlüsse zu sichern, setzen wir uns für ein in den Kern-
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und Hauptfächern bundeseinheitlich- ausgerichtetes und vergleichbares Abitur ein – durch einen
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bundeslandübergreifend eine größtmögliche Vergleichbarkeit hinsichtlich der Qualität der Abschlüsse an.
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Begabte Schülerinnen und Schüler fördern
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Zur Stärkung besonderer Talente wollen wir weitere Angebote für begabte Schülerinnen und Schüler
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schaffen. Das Überspringen einer Klasse in Gruppen wollen wir auf die Gesamtschulen ausweiten und
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erfolgreiche Ansätze zur Förderung begabter Schülerinnen und Schüler unter den Schulen bekannter
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machen. Außerdem wollen wir die Zusammenarbeit von Schulen und Hochschulen verbessern, Angebote
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wie die „Schüler-Uni“ ausweiten, Schülerfirmen fördern und zur Teilnahme an Begabungswettbewerben
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ermuntern.
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Inklusion im Miteinander und ohne Ideologie
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Gelingende Inklusion ist zentral für eine gerechte, faire und offene Gesellschaft. Daher haben wir die so
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wichtige Neuausrichtung der schulischen Inklusion durch eine Bündelung vorhandener Mittel und
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Möglichkeiten und durch zusätzliche Ressourcen vorangetrieben. Wir wollen sicherstellen, dass
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schulische Inklusion nicht mehr mit ideologischen Debatten, der Überlastung von Schulen oder mit
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Frustration verbunden wird, sondern mit der Gewissheit, dass sich alle Schülerinnen und Schüler auf eine
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gelingende Teilhabe durch ein Lernen von- und miteinander verlassen können.
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Wir werden das gemeinsame Lernen durch zusätzliches Fachpersonal unterschiedlicher Professionen,
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durch eine qualitativ und quantitativ weiterentwickelte Schulbegleitung und durch zusätzliche
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Fortbildungsformate nachhaltig unterstützen und Schritt für Schritt bedarfsgerecht ausbauen.
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Zugleich sichern wir nach unserer Rettungsaktion im Jahr 2017 weiterhin unsere leistungsfähige und
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vielfältige Förderschullandschaft, die von der Vorgängerregierung gegen den Willen vieler Eltern
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leichtfertig aufs Spiel gesetzt wurde. Wir bieten den Förderschulen die Chance zur Weiterentwicklung zu
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Kompetenzzentren für sonderpädagogische Unterstützung. Dabei wollen wir regionale Netzwerke
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unterstützen, zu denen neben den Förderschulen und Regelschulen auch die kommunalen Einrichtungen
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und Unterstützungsleistungen gehören wie Kindergärten, Familienzentren, das Jugendamt, die
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Frühförderung, Schulpsychologen oder auch die Schulsozialarbeit. So wollen wir sicherstellen, dass Eltern
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frei von ideologischen Grundsatzdebatten die bestmögliche Förderung für ihr Kind mit
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sonderpädagogischem Förderbedarf auswählen können. Dabei sind die Förderorte gleichwertig und der
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Elternwille entscheidend. Die Eltern wissen, was das Beste für ihr Kind ist. Bei ihren Entscheidungen
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unterstützen wir sie durch professionelle und unabhängige Beratungsangebote, die wir auch im Rahmen
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der Kompetenzzentren ausbauen wollen.
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Beide Systeme, das Gemeinsame Lernen an unseren Regelschulen ebenso wie unsere hochprofessionellen
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Förderschulen, wollen wir gleichberechtigt mit ausreichendem Personal, Sachausstattung und
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Qualitätsstandards für inklusive Bildung stärken. Neben dem kontinuierlichen weiteren Stellenausbau
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wollen wir auch mehr Sonderpädagoginnen und -pädagogen ausbilden und Wechselmöglichkeiten
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zwischen der Förderschule und dem gemeinsamen Lernen in beide Richtungen verbessern. Unser Ziel ist
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es, Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf bestmöglich auf ein
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selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.
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Auswirkungen der Corona-Pandemie nachhaltig aufarbeiten
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Die Pandemie darf nicht zu einer Chancen-Krise werden, in der der Bildungsabschluss noch stärker als
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bisher vom Elternhaus und der eigenen Herkunft abhängt. Gerade für Kinder und Jugendliche waren die
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Kita- und Schulschließungen, eingeschränkte Freizeitangebote sowie die soziale Isolation von anderen
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Kindern, ihren Lehrkräften und dem gewohnten Schulalltag zudem sehr einschneidende Erfahrungen.
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Deshalb werden wir uns weiterhin konsequent für Präsenzunterricht einsetzen und dabei den
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Gesundheitsschutz nicht aus den Augen verlieren. Wir wollen zugleich für die Zukunft unbedingt
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verhindern, dass sich die Schulschließungen der Vergangenheit dauerhaft negativ auf den Lebensweg
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Inhalte mittelfristig aufgearbeitet werden und andererseits auch die mentalen und psychischen Folgen
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bei Kindern und Jugendlichen in den Blick genommen werden. Im Rahmen der Arbeit der
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multiprofessionellen Teams an den Schulen sollen die Aufholbedarfe der Schülerinnen und Schüler in
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den Blick genommen und spezifische fachliche und pädagogische Unterstützungsangebote gemacht
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werden. Aus diesem Aufholprogramm für Schülerinnen und Schüler wollen wir Erkenntnisse für die
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Zukunft gewinnen. Deshalb wollen wir die aktuellen Angebote auf ihre Zukunftsfähigkeit jenseits der
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aktuellen Pandemielage bewerten. Den dabei eingeschlagenen Weg, Bildungsgutscheine einzusetzen
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und damit schrittweise von der objekt- zur subjektbezogenen Finanzierung im Schulbereich zu kommen,
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wollen wir fortsetzen und weiterentwickeln.
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Wir wollen die Corona-bedingte Qualifizierungslücke schnell schließen und insbesondere Schülerinnen
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und Schüler kurz vor dem Schulabschluss gezielt individuell ansprechen, um sie auf berufliche
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Möglichkeiten nach der Schule hinzuweisen. Wir wollen so die Zahl der jungen Menschen, die nach der
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Schule nicht den Weg in eine Ausbildung oder an die Hochschule finden, reduzieren.
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Mobbing die rote Karte zeigen
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Rund jede bzw. jeder sechste 15-jährige in Deutschland wird laut einer PISA-Studie regelmäßig Opfer von
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Mobbing im Schulalltag. Durch Mobbing kann der Schulbesuch insbesondere für junge Menschen täglich
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zu einer großen Last werden. Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der gegenseitiger Respekt und
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die freie Entfaltung jedes und jeder Einzelnen im Mittelpunkt stehen. Wir werden deshalb eine Anti-
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Mobbing-Offensive starten, die Kinder und Jugendliche besser schützt, für das Thema sensibilisiert und
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Betroffenen Anlaufstellen bietet. Wir wollen auch prüfen, ob Selbstbehauptungsstrategien in den
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Unterricht integriert werden können.
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Wir wollen dazu Präventionsschulungen, die den geeigneten Umgang mit Mobbing sowie jeglichen
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Formen psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt thematisieren, zum festen Bestandteil des
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Vorbereitungsdienstes für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter machen. Teil dieser
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Ausbildungsphasen sollen auch der Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Findungsphase ihrer
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sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität sowie die regelmäßige Besprechung des Umgangs
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mit Sozialen Medien im Unterricht sein. Gleichzeitig sollen regelmäßige Fort- und Weiterbildungen für
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Lehrkräfte angeboten werden, in welchen diese sich zum Mobbing- und Konfliktberater weiterbilden
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lassen können. Sie können dann auch Ansprechpersonen innerhalb der jeweiligen Lehrerkollegien sein.
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Um grundsätzlich einen besseren Überblick über die Häufigkeit und Systematik von Mobbing zu
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bekommen, soll hierzu eine Erhebung auf Basis anonymer Befragungen unter wissenschaftlicher
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Begleitung stattfinden.
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Das beste Bildungssystem braucht auch die besten Lehrkräfte – und zwar in ausreichender Zahl. So wie
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wir bei Schülerinnen und Schülern auf individuelle Stärken und Talente setzen und diese fördern wollen,
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so wollen wir auch unsere Lehrerinnen und Lehrer unterstützen und passgenau aus- und fortbilden.
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Bildung braucht zudem eine moderne Infrastruktur mit bestmöglicher Ausstattung.
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Lehrkräftemangel strukturell beheben
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Beste Bildung gelingt nur, wenn Unterricht stattfindet. Wir wollen mehr Bildungsqualität erreichen,
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insbesondere durch eine bessere Schüler-Lehrer-Relation und kleinere Klassen in allen Schulformen. Für
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dieses Ziel muss der Lehrkräftemangel dauerhaft und strukturell behoben werden. Mit insgesamt vier
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wirksamen Maßnahmenpaketen haben wir seit 2017 insgesamt über 5.600 Lehrerstellen an unseren
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Schulen zusätzlich besetzen können. Insgesamt arbeiten heute über 10.000 Menschen mehr an unseren
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Schulen, um den Lehrkräftemangel abzufedern. Diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen.
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Insbesondere an unseren Grundschulen fehlen grundständig ausgebildete Lehrkräfte, gleichzeitig gibt es
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Studienplätze für das Grundschullehramt und die Sonderpädagogik geschaffen. Nun wollen wir im
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Interesse einer stärker regional angelegten Lehrkräfteausbildung im ganzen Land dafür sorgen, dass
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weitere Hochschulen wie zum Beispiel die RWTH Aachen künftig das Grundschullehramtsstudium
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anbieten und die Zahl der Studienplätze weiter erhöhen. Unser Ziel ist es, im Zusammenwirken mit den
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Hochschulen für alle Lehramtsstudiengänge Zulassungsbeschränkungen zu beseitigen. Davon profitiert
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vor allem die Lehramtsausbildung für das Grundschullehramt sowie das Lehramt Sonderpädagogik. Hierzu
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wollen wir entsprechende Vereinbarungen mit den Hochschulen treffen. Mit den Fachhochschulen bzw.
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Hochschulen für angewandte Wissenschaften wollen wir Modelle der Lehrerausbildung für den Bereich
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der beruflichen Bildung entwickeln.
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Digitales Klassenzimmer 5.0
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Digitale Bildung ist eine zentrale Aufgabe für eine zukunftsfähige Schulpolitik. Das gilt sowohl für die
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technische Ausstattung und Infrastruktur als auch für die Anwendung im Unterricht. Wir haben in den
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letzten Jahren die Schulen in Nordrhein-Westfalen bereits digitaler ausgestattet. Die Corona-Pandemie
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hat unseren Schulen einen großen zusätzlichen Digitalisierungsschub gebracht. Sie hat aber auch gezeigt,
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was noch zu tun ist, damit jede Schule in Nordrhein-Westfalen zu einer digitalen Schule wird. Die
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Digitalisierung unserer Schulen ist nun unter pädagogischen Gesichtspunkten modern und nachhaltig zu
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gestalten. Der Prozess muss unumkehrbar angelegt und daher auch dauerhaft finanziert werden. Jenseits
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der Qualifizierung und Fortbildung von Lehrkräften benötigt der Digitalisierungsprozess für die Schulen
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auch eine stabile Finanzierung für die digitale Infrastruktur in allen Schulen. Hierzu wollen wir den
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Digitalpakt 2.0 des Bundes nutzen und gemeinsam mit den Schulträgern umsetzen. Zudem werden wir im
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Rahmen einer Fortbildungsoffensive die Qualifizierung für Schulleitungen und Digitalisierungsexpertinnen
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und Digitalisierungsexperten in den einzelnen Schulen dauerhaft etablieren.
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Zur Unterstützung eines nachhaltigen Digitalisierungsprozesses schaffen wir ein nordrhein-westfälisches
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Kompetenzzentrum für Lehren und Lernen in der digitalen Welt. Dieses wissenschaftlich angebundene
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Kompetenzzentrum soll sich mit allen Bereichen der Digitalisierung unserer Schulen befassen und
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Expertise für Fragen zu pädagogischen und technischen Konzepten zur Verfügung stellen. Wir wollen
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damit eine Institution schaffen, die als Weiterbildungsschmiede weit über Nordrhein-Westfalen hinaus
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strahlt und die besten Dozentinnen und Dozenten nach Nordrhein-Westfalen einlädt. Sie soll Menschen
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mit den Möglichkeiten exponentieller Wissensentstehung und -verarbeitung vertrauter machen. Denn wir
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brauchen eine Pädagogik und Didaktik mit Methoden, die helfen, anders, schneller, individualisierter und
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leichter lernen und verstehen zu können als wir es in der analogen Welt bislang konnten. Um hier schneller
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weiterzukommen, brauchen wir mehr Kreativität und Innovationskraft bei allen Beteiligten. Zugleich soll
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das Zentrum im Zusammenwirken mit anderen Stellen des Landes und mit den Gremien der
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Kultusministerkonferenz alle relevanten Fragen des Datenschutzes behandeln und so an gemeinsam
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weiterentwickelten Standards für den Datenschutz mitwirken.
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Wir wollen sicherstellen, dass jede Schule über eine schnelle Internetverbindung, ein leistungsfähiges W-
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LAN-Netz sowie über die notwendigen Geräte verfügt, die im schulischen Alltag eingesetzt werden. Der
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Digitalpakt des Bundes und die Sofortausstattungsprogramme des Landes haben dafür einen kräftigen
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Anstoß gegeben. Dabei darf es nicht bleiben. Zusammen mit den Schulträgern wollen wir dafür sorgen,
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dass unseren Schulen stets eine einsatzfähige Infrastruktur und aktuelle Soft- und Hardware zur
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Verfügung stehen. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung für unsere Schülerinnen und Schüler und für alle
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Lehrkräfte in unserem Land. Das Sofortausstattungsprogramm für Schülerinnen und Schüler, die sich kein
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eigenes Endgerät leisten können, war ein wichtiger Schritt, um Teilhabe und digitale Bildung unabhängig
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vom Geldbeutel der Eltern zu machen. Unser Ziel ist nun, für Schülerinnen und Schüler sowie für die
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Lehrkräfte eine 1:1 Ausstattung zu erreichen. Alle Schülerinnen und Schüler sollen zukünftig bei einem
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moderaten Eigenanteil ein digitales Endgerät zur Verfügung gestellt bekommen. Schülerinnen und
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Schüler, die sich bisher kein digitales Endgerät leisten konnten, sollen auch weiterhin von einer Zuzahlung
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befreit sein.
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Lehreraus- und -fortbildung werden. Alle Kinder und Jugendlichen sollen durch die Schule frühzeitig und
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kompetent zu einer souveränen und verantwortungsvollen Nutzung digitaler Medien befähigt werden.
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Der Medienkompetenzrahmen NRW sorgt dafür, dass digitale Lerninhalte und Verknüpfungen zur
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digitalisierten Lebenswelt fächerübergreifend in den Klassen 5 bis 10 vermittelt werden. Um frühzeitig
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das Interesse für Berufe der Zukunft zu wecken, haben wir auch Informatik als Pflichtfach in den Klassen
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5 und 6 aller Schulformen eingeführt. Doch wir wollen schon in der Grundschule anfangen und den
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Kindern dort Grundlagen des Codings spielerisch vermitteln. Wir wollen, dass jede Schülerin und jeder
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Schüler am Ende der Schullaufbahn mindestens einmal eine App programmiert hat. Darüber hinaus ist
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auch die Ausstattung der Schulen mit digitalen Lernmitteln elementar für die Weiterentwicklung der
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digitalen Bildung. Die Schulen sollen dazu befähigt werden, passende Lernmittel auszuwählen und diese
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im Schulalltag gleichrangig zu verwenden.
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Lehrkräfte müssen von der Aufgabe entlastet werden, sich neben ihren pädagogischen Aufgaben auch um
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die technischen Voraussetzungen kümmern zu müssen. Wir wollen deshalb die Schulträger dabei
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unterstützen, sogenannte „Digitale Hausmeister“ in den Schulen einzusetzen. Diese IT-Spezialisten sollen
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sich zum Beispiel um die tägliche Einsatzbereitschaft der Geräte, Neuanschaffungen, Wartung oder die
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Verwaltungssoftware der Schulen kümmern.
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Die Vorteile des Distanzlernens wollen wir in die Zukunft überführen. Wenn Schülerinnen und Schüler
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zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung längere Zeit nicht am Unterricht teilnehmen können, darf das mit
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den Möglichkeiten der Digitalisierung nicht länger Einfluss auf den Bildungserfolg haben. Wir setzen uns
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deswegen dafür ein, dass die im Lernplan definierten Lerninhalte ebenso in modernen Online-
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Lernformaten bereitgestellt werden.
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Moderne Schulen brauchen Investitionen
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Modern arbeitende und modern ausgestattete Schulen benötigen nicht nur ausreichend Personal,
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sondern ebenso kraftvolle Investitionen in modernen Schulraum. Die Schulträger haben in diesem Bereich
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eine besondere Verantwortung und profitieren auch in Zukunft weiterhin von der Erhöhung der
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Schulpauschale im Rahmen der Gemeindefinanzierung. Angesichts des großen und noch verbliebenen
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Investitionsstaus wollen wir ein weiteres Investitionsprogramm „Gute Schule 2030“ für einen modernen
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und nachhaltigen Schulbau im Zusammenwirken mit den Schulträgern auflegen und dabei die
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Erfahrungen aus dem letzten Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“ berücksichtigen. Notwendig ist
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ein neues Programm, das den Herausforderungen der Digitalisierung, der Integration und Inklusion
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gerecht wird und eine neue pädagogische Architektur auch unter Berücksichtigung des Klimawandels
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unterstützt.
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Die öffentlichen Schulträger werden anlässlich der Rückkehr zu G9 für die Schaffung von zusätzlichem
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Schulraum bis 2026 mit insgesamt 518 Millionen Euro entschädigt. Wir wollen sicherstellen, dass auch die
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Ersatzschulträger bzw. die privaten Schulen eine angemessene und wirkungsgleiche Erstattung der Kosten
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für die Schaffung zusätzlichen Schulraums erhalten. Für uns ist dies eine Selbstverständlichkeit.
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Bildungsfinanzierung neu aufstellen
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Wir wollen ein leistungsfähiges nordrhein-westfälisches Schulsystem sichern. Dazu streben wir eine neue
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und zukunftsweisende Verständigung mit dem Bund und mit den Kommunen an, um Zuständigkeiten neu
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und klar festzuhalten und Bildung in Zeiten der Digitalisierung, der Integration und der Inklusion
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nachhaltig zu finanzieren. Wir wollen, dass sich der Bund als finanzkräftigste Ebene stärker in die
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Finanzierung bester Bildung als Zukunftsaufgabe einbringt.
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Multiprofessionelle Teams fest verankern
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Damit Unterricht in unseren Schulen gelingen kann, brauchen wir nicht nur hervorragende Lehrkräfte.
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Andere Professionen wie Schulsozialarbeit, Sozial- oder Sonderpädagogik, Schulpsychologie und viele
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weitere sind eine nicht mehr wegzudenkende Unterstützung in unseren Schulen. Durch sie entstehen
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und Schüler verbessern. Die Verteilung entsprechender Stellen soll verstärkt auch unter Anwendung eines
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schulscharfen Sozialindex erfolgen.
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In den letzten Jahren haben wir die multiprofessionellen Teams an allen Schulformen gestärkt und weiter
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ausgebaut, zum Beispiel mit über 1.100 zusätzlichen Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte in den
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Grundschulen. Gleichzeitig haben wir die so wichtige Schulsozialarbeit dauerhaft gesichert und weitere
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Stellen für Schulpsychologie geschaffen. Das wird uns maßgeblich helfen, auch die psychischen Folgen der
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Pandemie bei Kindern und Jugendlichen im Lebensraum Schule aufzuarbeiten. Die Schulsozialarbeit und
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Schulpsychologie wollen wir weiter ausbauen und mit Stellen im Landeshaushalt absichern und steuern.
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Auch die sozialpädagogischen Fachkräfte zur Unterstützung der Schuleingangsphase sind ein voller Erfolg
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und eine wertvolle Unterstützung für unsere Grundschulen. Wir wollen daher dafür sorgen, dass in jeder
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Grundschule in Nordrhein-Westfalen mindestens eine sozialpädagogische Fachkraft fest zum Team
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gehört. Wir wissen auch um die immense Bedeutung der nicht-pädagogischen Arbeit in unseren Schulen,
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zum Beispiel der Schulsekretariate und Schulverwaltungsassistenz. Durch ihre organisatorische
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Unterstützung schaffen wir mehr Freiräume für die pädagogisch arbeitenden Kräfte in unseren Schulen –
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sowohl im Kalender als auch in den Köpfen. Diese wichtige Arbeit wollen wir weiter stärken, damit
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insbesondere Lehrkräfte wieder mehr Zeit im Klassenzimmer statt im Büro verbringen können.
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Damit die Arbeit in unseren Schulen für die Beschäftigten in multiprofessionellen Teams noch attraktiver
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wird, wollen wir für diese Beschäftigten Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen.
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Praxisbezug in der Lehramtsausbildung stärken
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Leider schließen nicht alle Lehramtsstudierenden ihr Studium erfolgreich ab. Neben dem Studienabbruch
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ist der Wechsel in andere Fächer oder die freie Wirtschaft der Grund, warum nicht alle
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Lehramtsstudierenden auch in den Schuldienst eintreten. Um das zu ändern, wollen wir den Praxisbezug
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im Lehramtsstudium stärken. So können angehende Lehrkräfte besser auf ihre Tätigkeit in der Schule
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vorbereitet werden und bereits frühzeitig im Studium entscheiden, ob sie sich ein Berufsleben als
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Lehrkraft vorstellen können. Wir wollen auch mehr Praxisphasen im Lehramtsstudium schaffen, damit die
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Studierenden die Theorie schon früh vor der Schulklasse anzuwenden lernen. Dafür wollen wir unter
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anderem ein Praxissemester bereits im Bachelorstudium verankern. Das Praxissemester, auch im
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Masterstudium, darf zudem keine Frage des Geldes sein. Für viele angehende Lehrkräfte stellt das
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unentgeltliche Praxissemester eine große finanzielle Herausforderung dar, weil sie ihren Nebenjobs in
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dieser Zeit nicht nachgehen können. Wir wollen deshalb eine Aufwandsentschädigung in den
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Praxissemestern des Lehramtsstudiums orientiert am BAföG einführen. Mit den Hochschulen streben wir
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einen Pakt für mehr Qualität in der Lehrerausbildung an. Hierbei ist eine bessere Betreuung der
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Studierenden zu vereinbaren und das jeweilige Lehramtsstudium transparenter zu organisieren.
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Die Inhalte der Lehrkräfteausbildung wollen wir auf den Prüfstand stellen. Grundschullehrkräfte
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profitieren zum Beispiel wenig von gemeinsamen Lehrveranstaltungen mit auf Master studierenden
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Mathematikerinnen oder Lehrkräften der Sekundarstufen. Statt höherer Mathematik wäre zum Beispiel
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eine Vertiefung der Mathematik-Didaktik für sie zielführender. Wir wollen die Hochschulen, die Lehrkräfte
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ausbilden, im Rahmen der Hochschulfreiheit von einer Anpassung der Curricula überzeugen, um unsere
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angehenden Lehrkräfte auch in der Theorie besser auf die Schulwirklichkeit vorzubereiten.
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Unser Ziel ist, die Lehrkräfteausbildung in ein berufsintegriertes Studium umzuwandeln.
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Lehrkräftefortbildung reformieren und verbindlicher machen
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Die Unterrichtsqualität hängt sehr davon ab, wie umfassend und aktuell die Fortbildungsangebote sind
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und in welchem Umfang diese von den Lehrkräften aktiv angenommen werden. Deshalb ist es wichtig,
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dass sich die Lehrkräfte regelmäßig fortbilden und ihre Methoden und Inhalte auf den neuesten Stand
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bringen. Wir Freien Demokraten setzen wir uns dafür ein, dass Fortbildungen in einem jährlichen
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fachlichen Anforderungen in den einzelnen Unterrichtsfächern genügen. Der Fokus soll aber auch auf
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überfachlichen Themen liegen, die im Alltag der jeweiligen Schule und Lehrkräfte von besonderer
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Bedeutung sind, wie Digitalisierung, Integration und Inklusion. Das Fortbildungsangebot ist dabei mit
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Schwerpunkten landesweit einheitlich zu steuern und auskömmlich zu finanzieren. Zum Einsatz sollen
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auch neue und moderne digitale Formate kommen, die landesweit zu koordinieren sind. Die individuellen
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Kurse und Fortbildungszeiten sollen die Schulleitungen und Lehrkräfte gemeinsam und verbindlich
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festgelegen. Dabei soll der Fokus auf Themen liegen, die im Alltag der jeweiligen Schule und Lehrkräfte
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von besonderer Bedeutung sind. Auch das Fortbildungsangebot im Bereich der Diagnostik, zum Beispiel
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von Legasthenie und Dyskalkulie, wollen wir ausbauen. Durch Blended-Learning und Online-Learning
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wollen wir die Fortbildungen flexibler und individueller gestalten und auch Fortbildungsangebote nicht-
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staatlicher Träger vermehrt für die Lehrkräftefortbildung zulassen. Im Sinne der Schulfreiheit sollen neue
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Budgets für die Schulen zur eigenverantwortlichen Verwendung geschaffen werden. Jenseits der staatlich
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organisierten Lehrerfortbildung sollen verstärkt auch private Fortbildungsangebote in Anspruch
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genommen werden können. Eine Einbindung der Hochschulen ist anzustreben.
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Unsere Lehrkräfte verdienen eine faire Vergütung
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Wir wollen eine faire Vergütung und Besoldung für alle Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen und nehmen
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dabei beamtete Lehrkräfte und tarifbeschäftigte Lehrkräfte gleichermaßen in den Blick. Zugleich
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berücksichtigen wir dabei die Reform der Lehrerausbildung aus dem Jahr 2009. Unser Ziel ist dabei, dass
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allein aus der Unterschiedlichkeit der Lehramtsausbildung keine unterschiedliche Vergütung und
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Besoldung resultiert. Die Lehrämter sind gleichwertig und erfordern daher auch eine einheitliche
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Einstiegsbesoldung. Bei einer Neuordnung der Lehrkräftebezahlung müssen jenseits der
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Einstiegsbesoldung auch Beförderungsämter und eine faire Lösung für die Bestandslehrkräfte in den Blick
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genommen werden. Für den Schuldienst sind verlässliche und sichere Beschäftigungsverhältnisse auch im
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Tarifbereich von großer Bedeutung für die Personalversorgung an unseren Schulen und zudem für die
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persönliche Situation und berufliche Perspektive der betroffenen Lehrkräfte. Deshalb sollen noch
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vorhandene Kettenbefristungen weiter zurückgeführt und möglichst beendet werden. Hierfür schaffen
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wir die notwendigen Voraussetzungen, damit unbefristete Beschäftigung vor allem auch für
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Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger verstärkt angeboten werden kann.
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„Praxislehrer“ – mehr Flexibilität für Lehrkräfte schaffen
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Die Lehrkräftelaufbahn ist bis heute sehr festgefahren und bietet wenig Flexibilität, um Erfahrungen in
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anderen Tätigkeiten und Berufsfeldern sammeln zu können. Wir wollen deshalb für mehr Flexibilität
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sorgen, um mehr junge Menschen und auch Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger gewinnen zu
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können. Damit können „Praxislehrer“, beispielsweise Führungskräfte und andere Personen mit
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entsprechenden Qualifikationen, an unseren Schulen unterrichten und damit auch dem drohenden
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Lehrkräftemangel an den Berufskollegs entgegenwirken. Gleichzeitig soll es den grundständig
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ausgebildeten Lehrkräften erleichtert werden, befristet eine Auszeit vom Schuldienst zu nehmen, um
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beispielsweise einer anderen Tätigkeit nachzugehen und später wieder in den Schuldienst
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zurückzukehren.
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Bildung zur Aufgabe für die ganze Gesellschaft machen
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Wir wollen darüber hinaus beste Bildung noch mehr zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe machen.
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Initiativen, die einen befristeten Einsatz als Lehrerin oder Lehrer vor dem Berufsleben ermöglichen,
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wollen wir weiterdenken und auch auf das weitere Leben ausweiten. Im Rahmen von „Teach Between“
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soll es möglich werden, für eine Sabbatical-Zeit an eine Schule zu gehen und eigene Erfahrungen
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einzubringen. Ebenso wollen wir Möglichkeiten ausweiten, die eigenen Erfahrungen als Praktikerin oder
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Praktiker regelmäßig vor Ort in Schulen einzubringen – zum Beispiel als Unternehmerin in der
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ökonomischen Bildung oder als IT-Spezialist in Informatik.
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finanzielle Freiheiten geben. So sollen beispielsweise kreative Lernmethoden und die Herausbildung von
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Schwerpunktschulen möglich sein. Wir schaffen so ein neues Verhältnis zwischen notwendigen
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landesweiten Standards zur Sicherung von Qualität und Vergleichbarkeit auf der einen Seite und
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zusätzlicher Freiheit für die Schulen für passgenaue Lösungen vor Ort auf der anderen Seite. Das Land soll
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sich stärker auf die personelle Grundausstattung für die Schulen und Angebote und Unterstützung für
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exzellente Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte konzentrieren. Denn die PISA-Studie zeigt, dass
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Kinder an Schulen mit größerer Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit deutlich bessere Leistungen
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erzielen.
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Die Schulen sollen die Möglichkeit erhalten, eine doppelte Leitung zu etablieren. Im Interesse einer
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effizienten und professionellen Arbeitsteilung soll eine pädagogische Leitung im Zusammenwirken mit
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allen Lehrkräften den jeweiligen Schulentwicklungsprozess vorantreiben. Eine administrative Leitung
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kann dabei im Zusammenwirken mit allen anderen Beschäftigten und im Zusammenwirken mit dem
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Schulträger eine unterstützende Funktion übernehmen.
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Möglichkeiten des Schulsponsorings und des Einwerbens von Drittmitteln durch Schulen sollen bei
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Gewährleistung der Neutralität zukünftig weiter möglich sein.
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Individuelle Schulprofile ermöglichen
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Durch weitere Schritte für mehr Schulfreiheit wollen wir die Innovationskraft an unseren Schulen weiter
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stärken. So können individuelle Schulbudgets insbesondere im Bereich der digitalen Bildung zu einer
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langfristigen Modernisierung des Schulbetriebs führen und die Lehrkräfte und Schulleitungen vor Ort bei
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der Auswahl von digitalen Lernmitteln miteinbeziehen.
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Wir sind überzeugt, dass viele Entscheidungen am besten von den Betroffenen vor Ort getroffen werden.
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Jeden Tag werden so tolle Projekte und neue Ideen entwickelt, die die einzelne Schule voranbringen, aber
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auch für andere Schulen wichtige Anregungen sein können. Wir wollen diese Innovationen und
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praxistauglichen Konzepte, die durch Schulfreiheit entstehen, landesweit bekannt machen und hierdurch
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andere Schulen davon profitieren lassen. Über ein Austauschforum können praxistaugliche Konzepte an
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Schulen in die Breite getragen, exzellente Beispiele hervorgehoben präsentiert und mit Fördermitteln
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prämiert werden. So entsteht ein Wettbewerb an Ideen, der alle Schulen nach vorne bringt.
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Ferienregelungen in der Kultusministerkonferenz (KMK) flexibilisieren
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Die Kultusministerkonferenz (KMK) ist als Zusammenschluss der Schulministerinnen und Schulminister
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innerhalb unserer föderalen Strukturen ein wichtiges Gremium, um schulpolitische Entscheidungen
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länderübergreifend zu koordinieren. Mehr als bislang muss sie zu einem Gremium werden, das mehr
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Vergleichbarkeit, Transparenz und Qualität im deutschen Schul- und Bildungswesen schafft. Hierzu wollen
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wir unter Mitwirkung der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission in der Ländergemeinschaft
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Innovationen im Schul- und Bildungswesen gemeinsam auf den Weg bringen und neue Möglichkeiten der
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Kooperation mit dem Bund nutzen.
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Wir wollen die Ferienregelungen innerhalb der KMK flexibilisieren und den Bundesländern mehr
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Freiheiten in der Schuljahresgestaltung geben. Änderungsinitiativen aus und für Nordrhein-Westfalen zu
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Ferienaufteilungen und -zeiten sind bislang an der fehlenden Kompromissbereitschaft von Bayern und
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Baden-Württemberg gescheitert. Wir wollen eine Ferienregelung im rollierenden Verfahren erreichen,
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um die Benachteiligung von Nordrhein-Westfalen zu beenden. Auch in Nordrhein-Westfalen sollen die
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Sommerferien später beginnen können und dadurch Pfingstferien dauerhaft möglich werden. Sollte die
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Benachteiligung nicht aufgehoben werden, ist zu erwägen, aus den gemeinsamen Ferienfestlegungen
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auszuscheiden.
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Schüleraustausche und Schulpartnerschaften ausbauen
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internationale Schüleraustausche und Schulpartnerschaften werden Sprachkenntnisse vertieft,
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Fertigkeiten erweitert und die Persönlichkeit weiterentwickelt. Wir wollen diese oftmals auf
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ehrenamtlichem Engagement beruhenden Programme und Initiativen weiter unterstützen. Da eine
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Teilnahme nicht am Geldbeutel der Eltern scheitern darf, werden wir einen Wettbewerb für Stipendien
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ausloben. Zudem werden wir weitere Schulen aller Schularten ermuntern, sich zu Europaschulen
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weiterzuentwickeln.
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Der Beruf nimmt im Leben eine wichtige Rolle ein. Er beeinflusst nicht nur die Lebenszufriedenheit,
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sondern auch die Möglichkeiten, eigene Talente und Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. Die Chancen für
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sozialen Aufstieg sind am größten, wenn jede und jeder Zugang zu Ausbildung und Qualifizierung hat und
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dabei seine Talente nutzen kann – unabhängig von den Vorstellungen der Eltern, der Schule oder der
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Gesellschaft. Für uns ist dabei klar: Unsere Gesellschaft braucht nicht nur Master, sondern auch Meister
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– beide sind gleich wichtig. Für uns ist die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung und
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Laufbahnen eine Selbstverständlichkeit. Wir wollen deswegen in eine exzellente berufliche Bildung in
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Nordrhein-Westfalen investieren, um sie so dauerhaft weiter zu stärken.
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Einstieg in den Aufstieg erleichtern
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Die Landesinitiative zur Berufsorientierung „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) ist noch nicht so gut,
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wie sie sein muss. Wir wollen sie praxis- und jugendgerecht weiterentwickeln. Berufsorientierung muss
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zunächst motivieren und Lust machen und darf nicht primär aus reiner Analyse aus Erwachsenensicht
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bestehen. Mit dem Ausbau von modularen Ausbildungen und zertifizierten Teilqualifikationen sowie
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einem vermehrten Angebot an Teilzeitausbildungen wollen wir den Einstieg in eine Ausbildung
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erleichtern. Mit dem Ausbildungsprogramm NRW haben wir für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf in
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benachteiligten Regionen Nordrhein-Westfalens rund 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze jährlich
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bezuschusst. Dies wollen wir fortsetzen und zudem Matchingprozesse verbessern.
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Wir wollen ein Verfahren zur zusätzlichen Erschließung von Fachkräften etablieren, das eine
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Kompetenzfeststellung von non-formalen Fähigkeiten unterhalb des vollwertigen Berufsabschlusses
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umfasst. Ziel dabei ist, vorhandene Kompetenzen festzustellen und über Zertifizierungen die
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Weiterentwicklung zur Fachkraft zu ermöglichen. Dabei sollen bereits bestehende Strukturen
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qualitätssichernd zusammengeführt werden. So sollen auch die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung
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ausländischer Abschlüsse und ein passgenauerer Zugang zur beruflichen Bildung für
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Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher geschaffen werden. Die Verfahren zur Anerkennung von
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im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen wollen wir weiter verbessern. Mit der Landesinitiative
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"Durchstarten in Ausbildung und Arbeit!" unterstützen wir junge Geflüchtete bei ihrem Weg in Ausbildung
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und Arbeit mit speziellen Förderangeboten.
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Eine besondere Hürde für den Einstieg in eine qualifizierte Ausbildung gerade in Berufen mit
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Fachkräftemangel stellt die Erhebung von Schulgeld dar. Wir haben die Schulgeldfreiheit für eine
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Ausbildung in den Gesundheitsberufen (Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Podologie, PTA)
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eingeführt. Als nächstes wollen wir auch für alle anderen Ausbildungsberufe das Schulgeld abschaffen.
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Jede Erstausbildung soll ohne finanzielle Belastungen aufgenommen werden können. Die Möglichkeiten
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zur Förderung der beruflichen Weiterbildung und der Meister-Qualifikation wollen wir ausweiten, indem
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wir Instrumente wie Stipendienprogramme, Aufstiegs-BAföG sowie Bildungsschecks ausbauen und ein
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Midlife-BAföG ganz neu schaffen. Die entsprechenden Ziele der neuen Bundesregierung unterstützen wir
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hierbei nachdrücklich.
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Neben dem bereits bestehenden einjährigen Bildungsgang der Ausbildungsvorbereitung, der weiterhin
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die Regel sein soll, wollen wir Schülerinnen und Schülern als Ausnahmefall die Option eröffnen, den
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Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erst nach zwei Schulbesuchsjahren am Berufskolleg zu erwerben.
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einer Teilzeit-Ausbildung ein. Analog zum Erasmus-Studienaufenthalt soll für Ausbildungen mit
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blockweisen Berufsschulphasen die Option geschaffen werden, einen Teil der Schulphase an einer
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Partnerschule im Ausland zu absolvieren.
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Die Vermittlung von Ausbildungsplätzen nach Corona wieder hochfahren
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Durch die Corona-Pandemie hat sich die Problematik auf dem Ausbildungsmarkt verschärft. Durch Lernen
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auf Distanz ist für viele Jugendliche der Zugang zu Ausbildungsplatzvermittlung und Praktika weggefallen.
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Deshalb wollen wir über eine verstärkte Zusammenarbeit von Unternehmen, Arbeitsagenturen und
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Schulen bei der Vermittlung und Ausbildungsmotivation sowie mit der Unterstützung von
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Ausbildungsbetrieben ein bedarfsgerechtes Angebot an Ausbildungsstellen sichern. Mit der Erhöhung der
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Fördermittel des Landes für die rund 120 überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) von Handwerk und
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Industrie von zwei auf acht Millionen Euro haben wir bereits die Infrastruktur für berufliche Bildung,
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Qualifizierung und Meisterschulen verbessert.
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Zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit und den Kammern wollen wir zukünftig das
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Zusammenführen von unbesetzten beruflichen Ausbildungsstellen und unversorgten Bewerberinnen und
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Bewerbern verstärkt koordinieren. Dazu zählt auch eine stärkere überregionale Vermittlung, die wir zum
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Beispiel durch ein Angebot von Azubi-Wohnheimen unterstützen wollen.
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Digitales Fernausbildungszentrum schaffen
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Was im universitären Bereich schon lange möglich ist, wollen wir auch für Auszubildende und berufliche
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Weiterbildungen schaffen. Wir wollen deswegen das erste rein digitale Fern-Ausbildungszentrum in
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Nordrhein-Westfalen schaffen. Der berufsschulische Teil der Ausbildung soll so ortsunabhängig absolviert
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werden können. Damit können für Auszubildende im ländlichen Raum lange Fahrtwege gespart werden.
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Auch für seltene Ausbildungsberufe oder bei einer lokal geringen Nachfrage kann so der schulische Teil
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der Ausbildung auf hohem Niveau gewährleistet werden.
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Werdegänge abseits von Rollenbildern fördern
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Wir machen uns für die Umgestaltung von Karrieremustern von Jungen und Männern beziehungsweise
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Mädchen und Frauen sowie eine Ausbildung abseits der klassischen Rollenbilder stark. Das betrifft
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insbesondere Berufe und Werdegänge im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und
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Technik) sowie soziale Berufe wie etwa Erzieher oder Krankenpfleger. Auch Quereinsteigerinnen und
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Quereinsteigern wollen wir den Weg erleichtern und ihnen durch abgekürzte Ausbildungswege eine
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zweite Chance eröffnen, sich ihren Berufswunsch zu erfüllen.
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Beste berufliche Bildung für jedes Talent
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Den mit der Agenda zur Stärkung der Beruflichen Bildung eingeschlagenen Weg wollen wir weiter gehen.
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Mit einer Exzellenzinitiative Berufliche Bildung, dem Ausbau digitaler Ausbildungsangebote und der
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Öffnung der Begabtenförderung wollen wir in der beruflichen Bildung beste Rahmenbedingungen
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schaffen, damit jede und jeder die eigenen Talente entfalten und die eigenen Begabungen bestmöglich
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einsetzen kann. Denn wir wollen jedes Talent fördern – egal ob in der Schule, in der Ausbildung oder im
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Studium.
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Unsere Berufskollegs leisten in unserem Schulsystem eine wichtige Funktion. Wir setzen uns dafür ein,
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dass unsere Berufskollegs ihre Angebote im Rahmen von allgemeinen Informationsveranstaltungen an
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allen abgebenden Schulen vorstellen können, um jedem Talent die Chancen und Möglichkeiten der
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beruflichen Bildung zu eröffnen.
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Wir wollen die Abschlüsse der höheren Berufsbildung stärker in den Fokus nehmen und gezielt auf eine
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Gleichwertigkeit der hier zu erwerbenden Abschlüsse hinwirken. Die Höhere Berufsbildung ist eine echte
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Alternative zu Abschlüssen an Universitäten und Hochschulen.
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Professional-Absolventinnen und -Absolventen sollen mit zusätzlich zwei Semestern theoretischen
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Grundlagen und wissenschaftlichem Arbeiten den Zugang zum Masterprogramm erhalten. Andersherum
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sollen auch Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen einer Hochschule nach einer zusätzlichen,
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kompakten Berufsbildungszeit einen Berufsabschluss erlangen können. Parallel zum Meisterabschluss im
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Handwerk sollen Abschlüsse der Höheren Berufsbildung durch die Industrie- und Handelskammern, wie
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unter anderem der Fachwirt, als Master-Professional-Abschluss mit einem akademischen
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Masterprogramm ebenfalls wechselseitig verknüpft werden. Hauptansprechpartner für die Wirtschaft
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sollen hierbei insbesondere die Hochschulen für angewandte Forschung sein. Um diesen Weg gehen zu
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können, wollen wir die Qualität in der Beruflichen Bildung weiter deutlich stärken, unter anderem durch
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Exzellenz-Berufskollegs und Exzellenz-Weiterbildungsakademien für die berufliche Bildung.
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Zur Verwirklichung bester beruflicher Bildung ist für uns auch die Stärkung der schulischen
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Berufsausbildung im theoretischen Bereich unabdingbar. Wir wollen daher eine umfassende Evaluation
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und Aktualisierung der Lehrpläne hinsichtlich vermittelter Methoden und Kompetenzen auf den Weg
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bringen.
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Zu häufig widerspricht der Zustand unserer berufsbildenden Schulen dem Vorhaben einer Offensive für
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die berufliche Bildung – dabei muss sich die Wertschätzung für unsere Auszubildenden zuallererst an den
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Gebäuden zeigen. Wie die NRW-Koalition es bereits für Studierendenwerke beschlossen hat, soll daher
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der Sanierungsbedarf unserer Einrichtungen der berufsschulischen Bildung ermittelt werden. Wir setzen
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uns dafür ein, dass dieser anschließend aus Bundesmitteln, nachrangig aus Landesmitteln, bspw. im
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Rahmen der Schulpauschale, gedeckt wird.
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Wissenschaft und Forschung sind gemeinsam mit Unternehmen die größten Treiber für Innovation und
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Fortschritt. Hochschulen sind seit jeher Orte des Experimentierens und des Erkenntnisgewinns. Dafür
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braucht es Offenheit, Meinungs- und Forschungsfreiheit und Neugier auf die Chancen des Fortschritts.
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Wir wollen deswegen die Bedingungen für Forschung und Lehre an allen Hochschulen für angehende wie
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etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenso wie für die Studierenden weiter verbessern.
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Dazu zählen für uns insbesondere die Digitalisierung, die Stärkung der Forschung, die Unterstützung von
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Ausgründungen und der Zugang für mehr Menschen unabhängig von ihrer individuellen Lebenssituation.
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Digitalisierungsschub für eine optimale Ergänzung von Präsenz und digitaler Lehre
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Die Pandemie hat an den Hochschulen zu einem Digitalisierungsschub in der Lehre, der (Selbst-)
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Verwaltung und der Organisation geführt. Wir wollen die Hochschulen dabei unterstützen, die
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Veränderungen, die sich in der Pandemie bewährt haben, zu Dauerlösungen zu machen.
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Präsenzveranstaltungen und der kreative persönliche Austausch sollen dabei zugleich weiterhin auch
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fester Bestandteil des Hochschullebens bleiben. Erforderlich ist das hochschul- und fachspezifische
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Austarieren des optimalen Verhältnisses zwischen digitalen Lehr- und Lernformaten sowie
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Präsenzformaten. Wir wollen daher im Dialog mit den Studierenden sowie den Hochschulen Erfahrungen
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auswerten und dann Strukturen fördern, Vernetzung beziehungsweise Skalierung unterstützen und
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dauerhaft rechtssichere Grundlagen schaffen, beispielsweise für digitale Lehr- und
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Prüfungsveranstaltungen, Wahlen und Sitzungen von Hochschulgremien. Dem Hochschulfreiheitsgesetz
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wollen wir hierfür ein Update geben. Wir wollen auch ermöglichen, dass in Modellen ein
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Baukastenstudium, bei dem (digitale) Studienleistungen in begrenztem Umfang an anderen Hochschulen
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in Nordrhein-Westfalen absolviert werden können, erprobt werden kann.
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Den Weg der „Digitalen Hochschule NRW“ als kooperative Plattform wollen wir konsequent weitergehen
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und die Zusammenarbeit der Hochschulen vereinfachen, damit die Hochschulen hiervon noch stärker
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profitieren.
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Beispiel das Jura-Studium oder Lehramtsstudiengänge modernisieren. Durch die Chancen und
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Veränderungen durch die Digitalisierung wird eine stetige Bewertung möglicher Veränderungen
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notwendig.
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Digitaluniversität einrichten
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Wir wollen Menschen unabhängig von ihrer persönlichen Lebenssituation, ihrer sozialen und
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geografischen Lage die Teilnahme an weltbester Lehre und akademischer Weiterbildung ermöglichen.
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Deshalb setzen wir uns für eine Digitaluniversität ein, die in Ergänzung zum vielfältigen und umfassenden
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Angebot der Hochschulen in Nordrhein-Westfalen insbesondere nicht-traditionelle Studierende bzw.
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Personen mit beruflicher Qualifikation noch besser erreicht. Nach dem Vorbild des Promotionskollegs
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NRW wollen wir ein Digitalkolleg NRW einrichten, damit Lehrende von unterschiedlichen Hochschulen im
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Sinne einer Best-Practice ihre Expertise in eine einzigartige Plattform für Lehrende und Lernende
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einbringen können. Die digitalen Erfahrungen aus der Pandemie wollen wir bei der Entwicklung
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einbeziehen.
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Start ins Studium erleichtern
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Zur besseren Unterstützung beim Start ins Studium wollen wir neue Konzepte gemeinsam mit den
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Hochschulen erarbeiten, um den Übergang von Schule zum Studium zu erleichtern. Hierbei sollen
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insbesondere Formate wie „Sommerkollegs“ entwickelt werden.
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Wir unterstützen die Pläne der neuen Bundesregierung zur Reform des BAföG. Die Digitalisierung des
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BAföG-Antragsverfahrens wollen wir auf Basis des aktuell erprobten Verfahrens vorantreiben. Unser Ziel
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ist eine vollständig digitale und medienbruchfreie BAföG-Beantragung und Bearbeitung. Dazu wollen wir
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in den BAföG-Ämtern flächendeckend digitale Strukturen etablieren.
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Wir wollen finanzielle und psychologische Hürden für die Aufnahme eines Studiums beseitigen und dazu
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auch die Zusammenarbeit mit nach Kriterien ausgewählten Portalen, die über
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Studienfinanzierungsmöglichkeiten informieren, ausbauen.
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Politische Partizipation an Hochschulen neu denken
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Zur Stärkung der politischen Partizipation und Selbstbestimmtheit über die Kosten ihres Studiums
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entwickeln wir die bisher bestehende verfasste Studierendenschaft zu einer selbstbestimmten
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Studierendenschaft. Künftig werden Studierende so nicht bei der Immatrikulation an der Universität
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Zwangsmitglied, sondern über ein souveränes Opt-In-Verfahren Mitglied der Studierendenschaft.
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Wissenstransfer fördern
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Wir wollen die Grundlagenforschung an unseren (außer-)universitären Forschungseinrichtungen, die
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angewandte Forschung an unseren Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie den Transfer in
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die Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen. Neben dem Erhalt bestehender Instrumente wie den Start-
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Up Exzellenzzentren, dem Gründerstipendium oder Urlaubssemestern für Gründerinnen und Gründer
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wollen wir zusätzlich eine systematische Förderung des Wissenstransfers unterstützen. Eine
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entsprechende Institution soll unabhängig agieren und als Selbstverwaltungseinrichtung sowohl
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technologische als auch soziale Innovationen unterstützen.
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Mit einer Austauschoffensive wollen wir den internationalen Austausch von Studierenden und
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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nach der Pandemie wiederbeleben.
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Erforschen von Schlüsseltechnologien fördern
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Unser Ziel ist, dass Nordrhein-Westfalen als Forschungsstandort internationale Spitze ist – mit
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entsprechend herausragenden Hochschulen, die in wichtigen Fachgebieten die globale akademische
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Führung beanspruchen kann. Dies gilt insbesondere auch für die Schlüsseltechnologien der Zukunft. Wir
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setzen uns deswegen für mehr Professuren zur Erforschung von Schlüsseltechnologien wie Künstliche
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Blockchain und Cybersicherheit ein.
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Faire Arbeitsbedingungen in Forschung und Lehre
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Um mehr Menschen für eine Karriere in der Wissenschaft zu gewinnen, wollen wir für Daueraufgaben
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mehr unbefristete Stellen schaffen. Gleichzeitig sind für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
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in der Phase der Qualifizierung befristete Arbeitsverhältnisse sinnvoll und notwendig, um durch Rotation
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der nachrückenden Generationen den Zugang zu wissenschaftlichen Tätigkeiten zu ermöglichen.
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Wir wollen geschlechterspezifische Aufstiegsbarrieren sowie diskriminierende Vergaben von
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Leistungsbezügen weiter konsequent abbauen. Anstatt weiterer Quoten brauchen wir einen
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kontinuierlichen Kulturwandel, der durch mehr weibliche Role Models, Netzwerkmöglichkeiten und
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Mentoring ebenso unterstützt werden soll wie durch transparentes Controlling von Mitarbeitenden- und
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Gehaltsstrukturen.
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Vereinbarkeit von Hochschule und Familie
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Um für Studierende sowie Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher attraktiver zu sein, setzen wir uns
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für den Ausbau von Kinderbetreuung für Studierende, Lehrende und Beschäftigte ein. Um Karrierewege
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in der akademischen Welt planbarer und transparenter zu machen, wollen wir das Tenure-Track-
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Programm weiter ausbauen.
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Lebensbegleitendes Lernen fördern – Wissenschaftliche Weiterbildung ausbauen
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Wir setzen uns zur Verbesserung der Durchlässigkeit des Bildungssystems sowie zur Stärkung des
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lebensbegleitenden Lernens für die Anerkennung und den Ausbau von digitalen Lehrformaten wie zum
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Beispiel Massive Online Open Courses ein. Zudem wollen wir durch eine Imagekampagne sowie
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Aufklärung mehr Personen mit beruflicher Qualifikation für hochschulische Angebote gewinnen sowie
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akademische Weiterbildungsangebote an unseren Hochschulen ausbauen. Um die wissenschaftliche
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Weiterbildung auf eine stabile Basis zu stellen, wollen wir einen Weiterbildungsfonds erproben.
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Wir wollen die Hochschulen unseres Landes unter anderem mit Blick auf die Veränderungen durch den
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digitalen Wandel auch zu Orten für Weiterbildung für Berufstätige machen. Gerade weil die Hochschulen
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die Umstellung auf digitale Lehre in der Pandemie flächendeckend sichergestellt haben, gibt es jetzt eine
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Infrastruktur, die die Einrichtung eines digitalen Weiterbildungs-Campus an jeder Hochschule möglich
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macht. Langfristig unterstützen wir die Ausgründung von Fortbildungs-Akademien, die fortlaufend
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Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung entwickeln. Zudem werben wir dafür, dass unsere Hochschulen in
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Nordrhein-Westfalen in den Semesterferien ihre Räumlichkeiten für Weiter- und Fortbildungskurse im
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Sinne des lebenslangen Lernens zur Verfügung stellen.
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Wissenschaftsfreiheit sichern
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Die Wissenschaftsfreiheit ist für uns ein Fundament unserer Demokratie. Wenn im Rahmen externer
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Kooperationen die Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt wird, sollen diese Kooperationen zukünftig
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beendet werden müssen. Die in Nordrhein-Westfalen existierenden Kooperationen mit den chinesischen
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Konfuzius-Instituten wollen wir unter dieser Maßgabe kritisch überprüfen.
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Studieren für Menschen mit Beeinträchtigung erleichtern
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Wir wollen die Chancengerechtigkeit für Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung
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verbessern, indem wir Hürden abbauen. Neben der Unterstützung der Hochschulen durch die Fortführung
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des Programms „Inklusive Hochschule NRW“ wollen wir mit Blick auf den zunehmenden Anteil digitaler
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Lehr- und Lernformate auch digitale Assistenzsysteme sowie die digitale Aufarbeitung von Lehr- und
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Klausurmaterialien bzw. deren Umwandlung in Brailleschrift ausbauen.
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Zum Abbau des seit Jahren bestehenden Sanierungsstaus wollen wir Investitionen im Hochschulbereich
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erleichtern. Das Optionenmodell Bau im Hochschulfreiheitsgesetz war ein guter erster Schritt, den
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Hochschulen beim Bauen mehr Freiheiten zu geben und Bauvorhaben zu beschleunigen. Wir wollen eine
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„Agenda Hochschulbau“, in der die investitionshemmende Aufgabenverteilung zwischen
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unterschiedlichen Behörden, Ministerien sowie den Hochschulen neu strukturiert wird. Ziel soll sein, nicht
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nur zügiger den Sanierungsstau abzubauen, sondern auch veränderte Nutzungsanforderungen durch
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Digitalisierung in diese Betrachtungen einfließen zu lassen. Wir wollen, wo dies räumlich möglich und
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durch die Hochschulen gewollt ist, leerstehende Gebäude in Innenstädten bei der baulichen Entwicklung
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von Hochschulen einbeziehen. Für den Hochschulausbau zur praxisorientierten Forschung und zur
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Ausbildung von Fachkräften zur Gestaltung des Strukturwandels sollen auch Mittel des
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Strukturstärkungsfonds eingesetzt werden können.
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Statt Abbrechen: Durchstarten
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Ein Studienabbruch ist kein Makel. Viele Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher bringen bereits
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durch das Studium erlangte Kenntnisse und Lebenserfahrung mit, die für Handwerk und Industrie von
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großer Bedeutung sind. Die bereits bestehenden Projekte wollen wir regional mit allen beteiligten
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Akteuren weiterentwickeln und noch stärker mit der Wirtschaft vernetzen. Auch auf jede Beendigung
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eines Studiums ohne Abschluss soll eine berufliche Perspektive folgen.
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Wir wollen, dass jede und jeder Pilot und nicht nur Passagier des eigenen Lebens sein kann. Neugierde,
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Innovationsfreude und lebenslanges Lernen sowie der Wille, durch eigene Leistung voranzukommen,
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ermöglichen Fortschritt. Auch Zick-Zack-Biographien und ungewöhnliche Lebenswege müssen dabei
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möglich sein, weil nur die Suche nach dem eigenen Weg und dem eigenen Glück zählt.
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Arbeit ist die Grundlage für Wohlstand. Lebenslange Qualifizierung und Weiterbildung sorgen für
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Aufstiegschancen. Die freie Wahl der Berufstätigkeit, nicht nur am Start, sondern auch während des
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gesamten Lebens, ist Ausdruck von Freiheit. Die Teilhabe am Erwerbsleben ist aber mehr als nur die
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Sicherung des Einkommens. Wer die für sich richtige berufliche Tätigkeit gefunden hat, der kann seine
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Talente entfalten und sich selbst verwirklichen.
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Wir wollen die Rahmenbedingungen für den Standort Nordrhein-Westfalen so gestalten, dass
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Arbeitsplätze gesichert werden und neue entstehen. Der Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen entwickelt
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sich seit 2017 besser als im Bund. Unser Ziel ist es, die Arbeitslosigkeit weiter zu reduzieren – und besser
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als der Bundesdurchschnitt zu werden.
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Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern
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Die Möglichkeit zum Einstieg in den Arbeitsmarkt ist eine zentrale Gerechtigkeitsfrage. Nur wer diesen
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schafft, kann durch fortlaufende Qualifikation auch aufsteigen und vorankommen. Wir wollen für
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Menschen mit Beeinträchtigungen, Fluchterfahrung und Einwanderungsgeschichte passgenaue
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Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration stärken. Wir wollen zudem Menschen ohne Schulabschluss und
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langzeitarbeitslosen Menschen mehr Chancen geben, um den gleitenden und schrittweisen Ein- und
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Aufstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Wir wollen den Wechsel vom Mini- über den Midijob in eine
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reguläre Vollzeitstelle erleichtern, indem wir die Übergänge attraktiver gestalten.
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Auf dem Weg zum Bürgergeld – Kommunen die Pauschalierung von Leistungen ermöglichen
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genutzt werden kann. Deshalb treten wir dafür ein, dass das Land Nordrhein-Westfalen die bestehenden
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und künftigen bundesrechtlichen Möglichkeiten dazu ausschöpft. Insbesondere muss es auch in Nordrein-
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Westfalen für Kreise und kreisfreie Städte möglich werden, vor Ort in eigener Verantwortung die Kosten
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der Unterkunft und Heizung durch eine monatliche, kommunal differenzierte Pauschale an die
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Leistungsempfänger zu berücksichtigen.
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New Work und digitale Arbeitswelt gestalten
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Die Digitalisierung verändert alles: unser Leben, unser Lernen, unser Wirtschaften und auch unser
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Arbeiten. In der digitalisierten Arbeitswelt entstehen permanent neue Tätigkeitsfelder und neue
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Berufsfelder werden hinzukommen. Präsenz an einem festen Arbeitsplatz verliert in vielen Branchen an
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Bedeutung. Eine digitale Arbeitswelt braucht deshalb andere Regeln. Wir wollen, anknüpfend an die Ziele
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der neuen Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz flexibler gestalten und die Möglichkeiten für mobiles
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Arbeiten, auch nach der Pandemie, ausbauen und nicht durch komplizierte Vorgaben für Home-Office
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einengen. Niemand soll weniger Pausen machen oder mehr arbeiten als bisher, aber die Einteilung der
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Arbeitszeit muss flexibler möglich sein. Mehr Flexibilität kann für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf
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und Familie bzw. Freizeit sorgen und gleichzeitig auch die Umweltbelastung reduzieren.
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Analog zu den Angeboten für Unternehmen im Bereich Wissenstransfer und Vernetzung, zum Beispiel in
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der Kompetenzplattform KI.NRW oder dem Spitzencluster It´s OWL, wollen wir ein Labor „Arbeit 4.0“
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gründen, um Austausch, Wissenstransfer und Modelllernen bei Themen der Arbeitswelt der Zukunft zu
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befördern. Wir wollen die Initiativen des Landes zur Fachkräftesicherung angesichts der Transformation
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der Arbeitswelt gemeinsam mit Kammern, Verbänden, Tarifpartnern und der Bundesagentur für Arbeit
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weiterentwickeln und dabei insbesondere branchen- und berufsspezifische Bedarfe (Leitbild für „Future
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Skills“), Best-Practice-Beispiele zum Wissenstransfer und eine Steigerung der Attraktivität
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tarifvertraglicher Ansätze in den Fokus nehmen.
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Mehr Frauen in Führungspositionen
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Wir setzen uns für mehr Vielfalt in Unternehmen und im öffentlichen Dienst ein und wollen mehr Frauen
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den Weg in Führungspositionen ermöglichen. Arbeitsmodelle wie geteilte Führung („Jobsharing“ und
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„Topsharing“) müssen selbstverständlich werden. Wir setzen uns dafür ein, dass weibliche wie männliche
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Beschäftigte bei gleichen Funktionen auch gleichermaßen für Weiterbildungen berücksichtigt werden.
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Wir wollen die Voraussetzungen für späte Berufskarrieren verbessern und die Möglichkeiten, auch in
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späteren Lebensphasen Ausbildungen und Abschlüsse nachzuholen, ausweiten.
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Anerkennung für Familienzeit verbessern
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Familienarbeit und insbesondere die Betreuung und Erziehung von Kindern ist eine wichtige Phase der
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Persönlichkeitsentwicklung. Verantwortung für Kinder und Familie zu übernehmen, stärkt auch die
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Bereitschaft und die Fähigkeit im beruflichen Kontext Führungsrollen einzunehmen. Deswegen wollen wir
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bessere Voraussetzungen für die Vereinbarung von Weiterbildung und Familie schaffen.
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Familienfreundliche Weiterbildungen steigern die Karrierechancen von Menschen, die auch zu Hause
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Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig wollen wir auch die Chancen für den Wiedereinstieg nach
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Elternzeit oder einer familiären Pause erhöhen, indem wir das Steigern von Stundenzahlen in einer
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Teilzeitbeschäftigung und den Wechsel von einem Mini-Job bis hin zu einer regulären Beschäftigung
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attraktiver machen.
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Zweites Bildungssystem für lebensbegleitendes Lernen
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Lebenslange Weiterbildung hat in einer Welt im Wandel zentrale Bedeutung. Die Anforderungen der
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modernen Arbeitswelt in der Aus- und Weiterbildung sind groß, Zick-Zack-Lebensläufe und
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Erwerbsbiographien werden immer vielfältiger. Aus-, Fort- und Weiterbildung bleiben das ganze Leben
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Grundlage für sozialen Aufstieg und beruflichen Erfolg. Die Entscheidung für Weiterbildung darf nicht
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finanziell erschwert werden. Wir unterstützen deswegen die umfassenden Vorhaben der neuen
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Bundesregierung in diesem Bereich, vor allem die Schaffung ganz neuer Gamechanger-Instrumente wie
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beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen bereits verbessert und deren
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Förderung ausgeweitet. Wir wollen zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit und den Sozialpartnern
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Information und Beratung ausbauen, um eine stärkere Inanspruchnahme dieser Möglichkeiten zu
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erreichen.
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Wir wollen bei der Etablierung eines einheitlichen Zertifizierungsrahmens für Weiterbildungen
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vorangehen, um Qualität und Vergleichbarkeit zu sichern. Auch über die Kammern angebotene
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Fortbildungen sowie Angebote private Anbieter sollen einbezogen werden. Wir setzen uns zudem für
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einen aktiven Ausbau von modularen, digital gestützten und damit zeit- und ortsunabhängigen
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Weiterbildungsangeboten in Nordrhein-Westfalen ein, gerade auch durch die Hochschulen. Wir wollen
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eine Struktur des lebenslangen Lernens schaffen, die Angebote bestehender Bildungseinrichtungen
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zusammenführt, öffnet und erweitert. Beginnen wollen wir mit der Vernetzung bestehender Angebote,
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die die verschiedenen Träger – zum Beispiel VHS, IHK, Berufsschulen, Hochschulen – bereits vorhalten
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und die wir auf einer einfachen und übersichtlichen Online-Präsenz zusammenführen und „buchbar“
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machen. Angebote des digitalen Fernausbildungszentrums werden hier integriert.
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Weiterbildung ist Demokratiebildung
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In unserer wissensbasierten Gesellschaft ist Bildung ein unverzichtbarer Schlüssel zu einem
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selbstbestimmten Leben. Für uns steht der mündige Mensch im Mittelpunkt und deshalb ist
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lebensbegleitendes Lernen für uns auch eine wichtige Voraussetzung für freie Meinungsbildung in unserer
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offenen Gesellschaft. Wir wollen die Einrichtungen der gemeinwohlorientierten Weiterbildung – in der
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politischen Bildung, kulturellen Bildung und Familienbildung – deswegen weiter stärken.
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Klimaschutz, Digitalisierung und nicht zuletzt die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer
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Eindämmung wirken sich spürbar auf viele Wirtschaftszweige aus. Um die Wirtschaft erfolgreich weiter
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voranzutreiben, wollen wir neue Kräfte freisetzen. Gründerinnen und Gründer ebenso wie innovative
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Unternehmerinnen und Unternehmer sind die besten Zukunftsmacher. Ihnen wollen wir den Rücken
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freihalten und mit der Kraft der Marktwirtschaft dynamisch wachsen.
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Die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 durch ein deutsches Forscherpaar zeigt: Harte
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unternehmerische Arbeit, Entschlossenheit und Erfindergeist können Großes bewirken. Davon brauchen
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wir mehr in Europa, Deutschland und in Nordrhein-Westfalen. Denn nicht der Staat hat die Ideen, die uns
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weiterbringen, sondern Menschen. Ihnen wollen wir eine innovative Umgebung für neue Ideen und
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unkonventionelle Ansätze schaffen. Wir wollen den Blickwinkel verändern, Chancen eröffnen und
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Risikobereitschaft belohnen. Etwas zu unternehmen und dann zu scheitern ist für uns kein Makel, sondern
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eine Chance, zu lernen. Wir setzen auf diejenigen, die Mut für Neues haben, und unterstützen sie –
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unabhängig von Alter und Lebensphase und unabhängig davon, ob sie in Ballungsräumen oder ländlichen
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Regionen wohnen.
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Start-ups und Gründerkultur stärken
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Nordrhein-Westfalen hat sich in den letzten Jahren mit starken Netzwerkpartnern unter dem Dach
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„Gründen.nrw“ zum Gründerland Nummer 1 entwickelt. Mit neuen Instrumenten wie dem
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Gründerstipendium und den Exzellenz-Start-up-Centern an führenden Universitäten des Landes setzt
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Nordrhein-Westfalen bundesweit neue Maßstäbe bei der Verwirklichung innovativer Ideen. Das NRW-
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Gründerstipendium hat sich mit nahezu dreitausend Stipendiatinnen und Stipendiaten zu einer
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Erfolgsgeschichte entwickelt, die wir fortschreiben wollen. Diese Gründerinnen und Gründer konnten
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durch das Gründerstipendium neue Unternehmer werden und bereichern mit ihren Ideen so heute unsere
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Gesellschaft. Unser Ziel bleibt nicht nur, pro Jahr auch künftig mindestens 1.000 Gründerinnen und
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Gründer mit ihren innovativen Vorhaben finanziell und ideell zu unterstützen. Diesen Weg wollen wir auch
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konsequent ausbauen und weitergehen.
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den regionalen Ökosystemen zu. Gleichzeitig fördern wir die DigitalHubs zum schnellen Austausch
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zwischen Gründern und Mittelstand. Wir wollen diese Start-up-Politik weiter ausbauen und ihre
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internationale Sichtbarkeit erhöhen.
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Hierbei wollen wir auch ganz junge Gründerinnen und Gründer noch stärker fördern. Andere Länder sind
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uns bei Gründungen von Menschen unter 25 Jahren voraus – hier wollen wir dringend aufholen und
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Schülerinnen und Schüler bereits frühzeitig an Unternehmertum heranführen. Initiativen wie StartUp
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Teens und IW Schülerfirmen sind der richtige Weg dafür. Gründen ab 16 Jahren muss leichter möglich
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werden. Darüber hinaus ermutigen wir Gründungen im Handwerk mit der Meistergründerprämie, deren
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Bereitstellung wir deutlich vereinfacht und im Umfang erhöht haben.
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Im Bereich des Social Entrepreneurship (Soziales Unternehmertum) tragen Unternehmen konkret dazu
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bei, mehr Chancengerechtigkeit für Menschen in allen Lebensphasen zu ermöglichen. Hier werden die
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Chancen unternehmerischer Freiheit in besonderer Weise mit gesellschaftlicher Verantwortung
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verbunden. Deswegen wollen wir Social Entrepreneurship in Nordrhein-Westfalen weiter stärken, indem
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wir spezifische Fortbildungen in der Gründungsberatung ausbauen und Gründerinnen und Gründern in
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diesem Bereich helfen, sich besser zu vernetzen.
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Zudem werden wir uns dafür einsetzen, in den ersten beiden Gründungsjahren Beitragsfreiheit in den
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Kammern einzuführen. Eine Pflicht zur Mehrfach-Kammerzugehörigkeit soll es nicht geben.
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Chancenkapital weiter ausbauen
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Wir wollen die Bedingungen für Akzeleratoren, Business Angels und Wagniskapital-Fonds weiter
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verbessern, um Start-ups in der Gründungs- und Wachstumsphase Entwicklungsmöglichkeiten jenseits
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staatlicher Finanzierungswege zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass Nordrhein-Westfalen attraktiver
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für Venture Capital Investoren wird. Hier konnten wir die Investitionen gegenüber 2017 bereits mehr als
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verdoppeln – ein wichtiger Fortschritt, der jedoch nicht ausreicht. Wir wollen den Standort und seine
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Start-ups auch international noch attraktiver machen und haben dafür das Scale-Up Programm.NRW
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angestoßen und begrüßen die Verstärkung der Venture Capital-Aktivitäten der NRW-Bank unter der
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neuen Dachmarke NRW.Venture.
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Wir wollen es darüber hinaus Start-ups erleichtern, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen.
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Grundsätzlich soll die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Start-ups – wo immer möglich –
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weiter verbessert werden.
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Mehr Gründerinnen für Nordrhein-Westfalen
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Wir streben einen weiteren Ausbau der Gründerinnenstruktur an. Wir wollen bundesweit führend beim
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weiblichen Unternehmertum werden. Das vom Land geförderte Projekt „Women Entrepreneurs in
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Science“ (WES) an der Bergischen Universität Wuppertal wollen wir weiterhin dabei unterstützen, ein
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landesweites Netzwerk gemeinsam mit den NRW-Hochschulen aufzubauen. Durch neue
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Veranstaltungsformate wollen wir landesweit noch mehr Gründerinnen und Gründungsinteressierte
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erreichen und motivieren, ihre innovativen Ideen umzusetzen. Wir setzen uns auch dafür ein, mehr
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Investierende zu gewinnen, die Gründerinnen mit dem notwendigen Startkapital ausstatten.
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Nordrhein-Westfalen ist ein starker Wirtschaftsstandort im Herzen von Europa. Unsere hier ansässigen
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Unternehmen und die dort Beschäftigten sorgen dafür, dass wir eine prosperierende Region sind und
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bleiben. Unsere Unternehmen sind es, die Arbeitsplätze, Aufstiegschancen und Karrieremöglichkeiten für
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die Menschen bieten. Aufgabe der Politik ist es, die richtigen Rahmenbedingungen dafür zu setzen und
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den Strukturwandel, insbesondere im Ruhrgebiet und im Rheinischen Revier, erfolgreich zu gestalten. Wir
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als Chance verstanden und ergriffen werden. Die Jahrhundertaufgabe einer Transformation des
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Rheinischen Reviers wollen wir zu einer Jahrhundertchance machen und dafür sorgen, dass sich in der
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Region der erfolgreichste Strukturwandelprozess Europas vollzieht.
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Nordrhein-Westfalen hat in den letzten Jahren durch mutige Reformen bei Wachstum und Beschäftigung
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kräftig aufgeholt. Blieb das größte Industrieland Deutschlands beim Wachstum zwischen 2011 bis 2016
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um jährlich 0,6 Prozent gegenüber dem Bundesdurchschnitt zurück, läuft die Wirtschaft seit 2018 um
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durchschnittlich 0,2 Prozent besser als im Bund. Die Überwindung der Wachstumslücke hat einen starken
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positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt. So sank die Arbeitslosigkeit schneller als im Bund und seit 2018
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entstanden insgesamt mehr als 400.000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.
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Diesen Weg neuer Chancen wollen wir beherzt fortsetzen und den Vorsprung ausbauen. Auch bei den
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Investitionen haben wir aufgeholt. Nordrhein-Westfalen ist wieder attraktiver Investitionsstandort – und
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auch hier wollen wir in die Spitzengruppe. Denn Nordrhein-Westfalen ist Heimat global erfolgreicher
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Großunternehmen in der Industrie, hochinnovativer mittelständischer Familienunternehmen teils seit
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Hunderten von Jahren und ist in den letzten Jahren Spitzen-Gründerland geworden – alles in einem
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Bundesland. Was haben wir für Möglichkeiten, wenn wir alle drei Stärken kombinieren und durch bessere
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Rahmenbedingungen noch weiter ausbauen.
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Innovation als Schlüssel nutzen
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Auch bei Forschung und Entwicklung wollen wir noch stärker aufholen. Die privaten und staatlichen
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Ausgaben für Forschung und Entwicklung konnten bereits leicht erhöht werden, sollen bis 2030 aber einen
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Anteil von 3,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt erreichen. Dieses ambitionierte Ziel der neuen
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Innovationsstrategie des Landes wollen wir erreichen und die konkret aufgezeigten Maßnahmen für den
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Weg dorthin umsetzen. Als Land exzellenter Hochschulen und Forschungseinrichtungen, zahlreicher
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Weltmarktführer im Mittelstand, weltweit agierender Konzerne und innovativer Start-ups haben wir
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beste Chancen, zum Innovationsführer zu werden. Der Innovationsbericht und die Innovationsstrategie
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zeigen, in welchen Themen und Handlungsfeldern wir noch besser werden können, um dieses Potenzial
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zu erschließen: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Resilienz und innovative
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Geschäftsmodelle wollen wir stärken und nutzen, um in den Bereichen, in denen wir bereits große
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Kompetenz im Land haben, voranzukommen.
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Wir wollen die Wirtschaftskraft des Landes als Kraft der Erneuerung nutzen, für individuelle
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Zukunftschancen, nachhaltiges und generationengerechtes Wachstum und als Motor des Fortschritts –
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gerade nach der Pandemie und ihren Folgen. Dies erfordert eine Finanzpolitik, die steuerliche Belastungen
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für die Menschen und Betriebe im Land so gering wie möglich hält und, wo möglich, senkt. Nur so können
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in den Betrieben Innovationen vorangetrieben und neue innovative Unternehmen für den Standort
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gewonnen werden.
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Industrie ist Zukunft
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Die Industrie ist ein wesentlicher Grundpfeiler für Wertschöpfung und Innovation. Sie verfügt über beste
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Zukunftschancen. Um diese freizusetzen und auch zukünftig Industriestandort Nr. 1 zu bleiben, braucht
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es eine Transformation hin zu einer klimafreundlichen Industrie. Dabei ist es unser Anspruch, Vorreiter
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und Vorbild für andere zu sein. Nordrhein-Westfalen wollen wir zum modernsten, klima- und
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umweltfreundlichsten Industriestandort Europas machen.
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Mit dem Industriepolitischen Leitbild haben wir gemeinsam mit der Wirtschaft und den Sozialpartnern
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ein starkes und zukunftsorientiertes Bekenntnis zum Industriestandort Nordrhein-Westfalen vorgelegt.
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Die Rahmenbedingungen für Akzeptanz und Entwicklung der Industrie wollen wir künftig verbessern,
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indem wir an den Schlüsselthemen des Industriepolitischen Leitbildes weiterarbeiten: digitale
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Infrastruktur, Innovations- und Forschungsförderung, Investitionsklima, Flächenentwicklung, Klima- und
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Umweltfreundlichkeit, Circular Economy und Transfer von Wissenschaftsfortschritt in Unternehmen.
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Vorreiter der industriellen Transformation zu machen. Entscheidende Grundlage dafür ist, dass sich die
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Landesregierung, Kammern, Unternehmens- und Wirtschaftsverbände wie auch Gewerkschaften in der
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„Düsseldorfer Erklärung“ zur Umsetzung des Industriepolitischen Leitbildes und zur chancenorientierten
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Transformation der nordrhein-westfälischen Industrie bekannt haben. Die herausragenden Kompetenzen
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der Industrie als „Ermöglicherin“ von Klimaneutralität und Innovation wollen wir daher noch sichtbarer
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machen und unterstützen. So wollen wir eine gesteigerte gesellschaftliche Akzeptanz und Transparenz
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der Zukunfts- und Innovationsfähigkeit der Industrie erreichen und die Standortqualität des
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Industrielandes Nordrhein-Westfalen steigern.
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Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen
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Durch die feste Verankerung des Klimaschutzes im Wirtschafts-, Digitalisierungs-, Innovations- und
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Energieministerium haben wir gezeigt, dass Klimaschutz und Wirtschaft kein Widerspruch sind – sondern
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sich vielmehr bestens ergänzen. Wir haben die Investitionen in Klimaschutz mehr als versiebenfacht, weil
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wir die Treibhausgasemissionen schneller senken müssen und uns damit zugleich wichtige
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Zukunftschancen für die Industrie der Zukunft erschließen. Wir setzen auf die Entwicklung und
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Implementierung modernster Technologien und Prozesse sowie neuester Produkte. Wir sehen in der
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nordrhein-westfälischen Industrie dafür einen starken Motor und Problemlöser. Die steigenden Preise für
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viele Materialien und Vorprodukte gerade in jüngster Zeit unterstreichen die wachsende Bedeutung von
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Sekundärrohstoffen sowohl für den Klimaschutz als auch für die Ressourcensicherheit und -bezahlbarkeit.
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Über das bisherige Recycling deutlich hinaus unterstützen wir die Entwicklung einer zirkulären Wirtschaft,
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die das Wiederverwerten bereits beim Produktdesign zu Beginn der Wertschöpfungskette mitdenkt. Wir
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wollen das Circular Valley in Wuppertal und vielen Unternehmensinitiativen unter dem Dach des NRW-
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Thinktanks IN4climate als Kerne für den weiteren landesweiten Ausbau nutzen.
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Beste Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb schaffen
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Wir wollen günstige Rahmenbedingungen schaffen, damit die handelnden Akteure eigenständig den
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Transformationsprozess der Industrie gestalten können und über beste Wettbewerbsbedingungen
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verfügen. Ziel muss dabei sein, dass die Industrie umfassende Investitionen tätigen kann und mit ihren
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innovativen Produkten, Verfahren und Prozessen weltweiter Impulsgeber ist. Hierfür setzen wir auf
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gezielte Initiativen und Maßnahmen wie den Abbau überflüssiger bürokratischer Vorgaben und
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beschleunigte Genehmigungs- und Planungsverfahren. Darüber hinaus wollen wir die Voraussetzungen
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für ein verbessertes Fachkräfteangebot, insbesondere durch gezielte Einwanderung, und eine verlässliche
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und wettbewerbsfähige Energieversorgung schaffen.
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Innovative Industriepolitik und Technologieführerschaft
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Die große Innovationsstärke des Industriestandorts Nordrhein-Westfalen wollen wir weiter ausbauen.
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Dafür setzen wir auf Schlüsseltechnologien sowie Basisinnovationen und wollen die dichte
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Forschungslandschaft in Nordrhein-Westfalen hierfür nutzen. Beim Transformationsprozess hin zur
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klimaneutralen Industrie wollen wir alle neuen Technologien gleichermaßen fördern und keine einseitig
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bevorzugen. Technologieoffenheit ist die Voraussetzung, um die besten Lösungen zu finden.
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Transformation finanzieren
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Die digitale und klimaneutrale Transformation erfordert Investitionen in hohen Milliardenbeträgen, die
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vor allem von der Wirtschaft gestemmt werden müssen. Kluge Ideen, zukunftsträchtige Geschäftsmodelle
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und nachhaltig wirkende Investitionen benötigen eine erfolgreiche Finanzierung, vor allem in der
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Energiewirtschaft, der Industrie, der Verkehrs- und der Wohnungswirtschaft. Die 2020 ins Leben gerufene
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Finanzplatzinitiative Fin.Connect.NRW bringt Betriebe, Kreditwirtschaft, Versicherungen und andere
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Investoren zusammen, um Impulse zu setzen, Projekte anzustoßen und Chancenkapital zu mobilisieren.
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Damit die Transformationsfinanzierung gelingt, wollen wir diese Initiative weiter stärken.
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Automobil- und Automobilzulieferindustrie stärken
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wachsenden Produktion von Elektroantrieben hat Nordrhein-Westfalen gute Chancen, ein Gewinner
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dieser Entwicklung zu werden. Nordrhein-Westfalen ist als Standort vieler Zuliefererunternehmen, die
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eng in automobile Wertschöpfungsketten eingebunden sind, sowie etablierter und neuer
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Fahrzeughersteller besonders von den aktuellen Entwicklungen betroffen. Wir wollen die Chancen des
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Wandels hin zu emissionsarmer Mobilität nutzen und setzen dabei sowohl auf den Anspruch eines
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Vorreiterlandes für batterieelektrische Mobilität als auch auf wasserstoffbasierte Antriebe und die
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Entwicklung und Herstellung synthetischer Kraftstoffe, die vielfach bereits heute ohne technische
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Umrüstung in herkömmlichen Verbrennungsmotoren verwendet werden können. Innovationen wollen
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wir technologieoffen fördern. Unser Ziel ist, eine nachhaltig erfolgreiche Industrie für die Mobilität der
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Zukunft am Standort zu entwickeln und die damit verbundenen hochwertigen Arbeitsplätze langfristig zu
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sichern.
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Logistikstandort Nordrhein-Westfalen stärken
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Wir wollen, dass Nordrhein-Westfalen Logistikstandort Nr. 1 in Deutschland bleibt. Die
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Versorgungssicherheit der Industrie soll dabei gewährleistet werden. Wir setzen dabei auf eine
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funktionierende Wettbewerbslandschaft von Häfen, Operatoren und Logistikern. Das Hafengesetz ist ein
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zentrales Instrument, um den Güterverkehr zu sichern und dessen Leistungsfähigkeit auszubauen. Wir
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wollen die Häfen als Drehkreuz für Wasser, Schiene und Straße mit einzelnen weiteren Hafenplätzen
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einfach und zügig ausbauen. Durch die Entwicklung einer Logistikstrategie NRW, die Infrastrukturfragen,
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die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie die Interessen der verschiedenen beteiligten Akteure
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verbindet, wollen wir Lieferketten stärken. Die Anwendung der Blockchain-Technologie soll hierbei
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umfassend einbezogen werden.
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Internationaler Wirtschaftsstandort bleiben
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Nordrhein-Westfalens Wirtschaft ist exportstark und lebt von der internationalen Vernetzung. Im Herzen
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Europas wollen wir auch der international führende Wirtschaftsstandort sein. Wir werden über
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NRW.Global Business unsere Standortförderung und -werbung ausbauen und das internationale Netz
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weiterspannen. Mit einer konsequenten Einbindung der Standortvorteile des grenzüberschreitenden
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Großraums Belgien-Niederlande-Nordrhein-Westfalen werden wir die Attraktivität des
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Investitionsstandorts Nordrhein-Westfalen weiter erhöhen. Auf der Grundlage der neuen
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Außenwirtschaftsstrategie wollen wir die Investorenanwerbung und -pflege stärker auf die
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Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Klimaschutz, Energiewende, Innovationsmärkte und Start-up-Kultur
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ausrichten. Wir werden uns auf Bundes- und europäischer Ebene für eine multilaterale, regelbasierte
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Wirtschafts- und Handelsordnung stark machen, die sich an der Offenheit von Märkten und dem freien
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Handel auch mit problematischen Partnern auf Gegenseitigkeit orientiert.
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Heute die Fachkräfte von morgen gewinnen
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Die Sicherung der Fachkräftebasis ist für die Wirtschaft die größte Herausforderung der nächsten Jahre
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und Jahrzehnte. Auch die digitale und klimaneutrale Transformation gelingt nur, wenn qualifizierte und
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kreative Köpfe daran arbeiten können, Lösungen zu entwickeln, zu planen und umzusetzen. Damit die
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Betriebe auch in den kommenden Jahren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen finden, wollen wir alle Kräfte
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mobilisieren. Wir setzen auf Bildung, auf Integration, auf Teilhabe und auch auf qualifizierte
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Zuwanderinnen und Zuwanderer. Die MINT-Fächer und digitale Kompetenzen wollen wir weiter stärken.
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Nachdem wir durch das Azubi-Ticket bereits junge Menschen im ganzen Land mobil gemacht haben,
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wollen wir im nächsten Schritt mehr Wohnraum für Azubis schaffen.
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Kleine und mittelständische Betriebe leben eine hohe soziale Verantwortung. Gerade in der Krise haben
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sie dies, vor allem auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gezeigt. Deswegen wollen wir alles
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daransetzen, es diesen Unternehmerinnen und Unternehmern mit ihren Mitarbeiterinnen und
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Mitarbeitern so einfach wie möglich zu machen. Damit sie voll durchstarten können, brauchen sie vor
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Spielraum für Investitionen.
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Die Corona-Krise hat etablierte wirtschaftliche Strukturen vor enorme Herausforderungen gestellt. Die
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während der vergangenen Monate gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse wollen wir nutzen, um
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unsere Wirtschaft krisenfester zu machen und eine insgesamt bessere Krisenresilienz zu verankern. Wir
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wollen eine Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft, bei der sich der Staat wieder darauf konzentriert,
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Rahmenbedingungen vorzugeben, statt alle Lebensbereiche im Detail zu steuern.
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Die Zukunft der mittelständischen Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft sind, wird
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wesentlich von diesen Rahmenbedingungen abhängen. Dabei wird es nicht zuletzt darauf ankommen, die
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richtigen politischen Maßnahmen zu treffen, damit die vielen anstehenden Unternehmensnachfolgen
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erfolgreich gestaltet werden können.
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Digitalisierung des Mittelstands fördern
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Wohlstand kann nur dann gesichert werden, wenn Unternehmen innovative Produkte und
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Dienstleistungen entwickeln. Dies setzt voraus, dass der Mittelstand die Potenziale der Digitalisierung
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umfassend nutzt. Zur Förderung der Digitalisierung des Mittelstands haben wir das Förderprogramm
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Mittelstand Innovativ & Digital (MID) ins Leben gerufen. Dieses Programm wollen wir weiterführen und
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ausbauen.
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Entfesselungsoffensive fortsetzen
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In Regierungsverantwortung haben wir bereits neun ambitionierte Entfesselungspakete auf den Weg
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gebracht, die Bürgerinnen und Bürger, Betriebe und Beschäftigte von unnötiger Bürokratie befreien und
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verbesserte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen schaffen. Diesen Weg wollen wir konsequent
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fortsetzen und für einen echten Bürokratiedeckel sorgen. Mit dem Entfesselungspaket IX haben wir die
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Grundlage dafür geschaffen, dass zukünftig neue zusätzliche Bürokratiebelastung erst gar nicht entstehen
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kann. Dafür führen wir als erstes Bundesland das verpflichtende One-in-One-out-Prinzip ein. Das
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bedeutet, dass für jede neue Regelung eine alte, nicht mehr notwendige Regelung wegfallen muss. Wir
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sichern, dass europäische Regulierungsvorgaben nur noch 1:1 umgesetzt und nicht mit weiteren
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landesrechtlichen Regulierungen verschärft werden. Zudem führen wir den „Best-Practice“-Grundsatz
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ein, der die Landesregierung verpflichtet, sich bei allen Maßnahmen an den einfachsten und effizientesten
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Beispielen anderer Länder zu orientieren. Wir werden zudem eine Verpflichtung zu einheitlichen und
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bürgerfreundlichen Rechtstexten verankern. Damit schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass
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Verwaltungsleistungen auch unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz besser digitalisiert werden können.
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Diese wollen wir nutzen. Wir wollen zudem Genehmigungsprozesse auch durch größere
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Handlungsspielräume für Wirtschaftsakteure vereinfachen. So werden wir die verantwortungsvolle
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Einführung einer „kleinen Bauvorlageberechtigung“ für Maurer, Zimmerer und Metallbauer im Sinne der
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Baubeschleunigung nutzen. Eine solche Bauvorlageberechtigung könnte gerade bei akuten Bedarfen wie
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dem Wiederaufbau spürbare Entlastung schaffen. Wir wollen außerdem den Arbeitsschutz stärker an der
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betrieblichen Praxis ausrichten. Wir haben Entfesselungsimpulse auf Bundesebene angestoßen wie ein
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Belastungsmoratorium für die Wirtschaft, die Anhebung der Zuverdienstgrenzen und die Vereinfachung
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von Dokumentationspflichten und unterstützen die Umsetzung auf Bundesebene.
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Landesentwicklungsplanung für ein Land auf Wachstumskurs
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Wir haben den Landesentwicklungsplan (LEP) weiterentwickelt, um ihn von einem
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Verhinderungsinstrument zu einem Ermöglichungsinstrument zu machen und haben Fesseln vor allem für
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die Verwirklichung von Gewerbegebieten gelöst. Wir wollen nun konsequent weitere Schritte gehen und
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den LEP deutlich entschlacken. Ziel ist, die immer noch kleinteiligen Vorgaben zu beseitigen und mehr
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Verantwortung auf die regionale und kommunale Ebene zu verlagern. Vor allem im Standortwettbewerb
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auch zu benachbarten Ländern enthält der LEP für die Entwicklung von Gewerbeflächen immer noch zu
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viele Restriktionen. So gibt die Flächenbedarfsberechnung eine Bedarfsberechnungsgrundlage vor, die für
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eine angebotsorientierte Planung nicht ausreicht. Der LEP beinhaltet nach wie vor
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industrielle Nutzung nicht entsprechen. Daher wollen wir einen investitionsfreundlichen Flächenpool, der
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bedarfsgerecht für attraktive Flächen eingesetzt werden kann. Zudem soll der LEP der Vielschichtigkeit
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und Unterschiedlichkeit des großen Flächenlandes Nordrhein-Westfalen Rechnung tragen.
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Anforderungen des Natur- und Artenschutzes sowie des Freiflächenschutzes sind in den verschiedenen
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Teilregionen des Landes sehr unterschiedlich. Hier wollen wir größere Spielräume für die Regionen. Wo
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das Raumordnungsgesetz des Bundes Fesseln anlegt, wollen wir konkrete Vorschläge machen, um diese
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zu lösen.
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Das Handwerk stärken
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Wir wollen den „Innovationsdialog Handwerk NRW“ weiter vorantreiben. Das Projekt strukturiert die
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Rahmenbedingungen im Dialog für die wichtigen Zukunftsthemen des Handwerks, wie Technologie,
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Innovationstätigkeit und Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung, und bringt konkrete
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Verbesserungen voran. Der „Innovationsdialog Handwerk“ soll dazu beitragen, die Zukunftspotenziale des
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Handwerks zu identifizieren, sichtbar zu machen und daraus möglichst konkrete Handlungsalternativen
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abzuleiten. Damit wollen wir das Handwerk bei seinen Transformationsprozessen gezielt unterstützen
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und die im Prozess eingebundenen Handwerksorganisationen, Forschungseinrichtungen, Betriebe und
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ausgewählte Arbeitsmarktakteure intensiv begleiten und stärken.
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Lokale Wirtschaft und Mittelstand stärken
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Kleine und mittelständische Betriebe, das Handwerk und die Freien Berufe sind das wirtschaftliche
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Rückgrat vieler Gemeinden und Kommunen. Sie sind lokal verwurzelt, erhalten und schaffen
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Arbeitsplätze, leisten einen erheblichen Beitrag zur Gemeindefinanzierung und fördern Kultur und Sport.
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Viel mehr noch sind viele dieser Betriebe Keimzelle für neue Ideen und Innovationen. Dafür brauchen sie
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die Kommunalverwaltungen vor Ort als Partner, die ihre Entwicklung unterstützen und nicht behindern.
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Rechtsunsicherheiten und neuen Bürokratieaufwand für Unternehmen, z.B. infolge von abweichenden
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Überprüfungs-, Genehmigungs- und Servicepraktiken kommunaler Behörden, wollen wir durch
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einheitliche, unbürokratische Vorgaben bzw. einen mittelstandsorientierten Best-Practice-Vollzug, ggf.
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zunächst erprobt in kommunalen „Reallaboren“, wo immer möglich vermeiden.
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Stationären Handel stärken
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Der Einzelhandel ist nach wie vor prägend für das Bild unserer Städte und ein Anker für die lokale
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Wertschöpfung. Damit der traditionelle Handel im Wettbewerb mit den großen Digitalplattformen
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bestehen kann, wollen wir uns für die Flexibilisierung und Entbürokratisierung städtebaurechtlicher und
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verwaltungstechnischer Vorgaben einsetzen. Außerdem werden wir den Einzelhandel dabei unterstützen,
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die Transformation zu gestalten und hybride Vertriebswege – analog und digital – zu erschließen. So
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lassen sich Synergien zwischen Einkaufserlebnis, stationärer Beratung und bequemer digitaler Bestellung
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nutzen.
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Sonntagsöffnungen ermöglichen
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Im Gegensatz zum Einzelhandel hat der Online-Handel 24 Stunden und 7 Tage die Woche geöffnet. Wir
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wollen die stationären Ladengeschäfte stärken, indem wir im Rahmen der verfassungsrechtlichen
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Grenzen mehr Sonntagsöffnungen ermöglichen. Wir wollen den Kommunen ermöglichen, pro Monat
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einen verkaufsoffenen Sonntag auszuweisen. An diesem können Kommunen leichter Veranstaltungen in
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der Innenstadt durchführen, Innenstädte durch Sonderkapazitäten des Öffentlichen
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Personennahverkehrs besser erreichbar machen und zusätzliche Parkflächen ausweisen.
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Tourismus in Nordrhein-Westfalen stärken
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Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nordrhein-Westfalen mit mehreren hunderttausend
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Beschäftigten. Wir wollen die Tourismuswirtschaft nachhaltig stärken. Dafür setzen wir auf
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Zukunftskonzepte für die gesamte touristische Wertschöpfungskette – vom Gastgewerbe über den
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Einzelhandel bis hin zu weiteren Dienstleistungen. Motor des Tourismus ist auch der Ausbau der digitalen
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kreativer und innovativer Reisedienstleistungen ermöglicht.
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Freie Berufe fördern
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Die Freien Berufe sind eine der tragenden Säulen einer qualitativ hochwertigen Dienstleistungsbranche
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sowie eines starken und innovativen Mittelstands. Sie tragen erheblich zur nordrhein-westfälischen
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Wertschöpfung bei. Wir wollen die Freien Berufe weiter stärken, unter anderem durch spürbare
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Bürokratieentlastungen sowie die weitere Unterstützung des Instituts der Freien Berufe. Die hohe
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Qualität der Freien Berufe wollen wir dabei schützen und das Berufsrecht so ausgestalten, dass sie leichter
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innovative Produkte entwickeln können.
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Uns treibt an, jede und jedem die Chance zu geben, die eigenen individuellen Träume zu verwirklichen.
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Dazu gehört auch das eigene Zuhause. 80 Prozent der Menschen möchten am liebsten Eigentümerin und
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Eigentümer sein, allerdings kann sich nicht einmal die Hälfte derzeit diesen Wunsch erfüllen. Wir wollen
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Nordrhein-Westfalen deswegen zum Land der Eigentümerinnen und Eigentümer machen. Durch eigene
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Leistung voranzukommen bedeutet für uns auch, mit dem Ertrag dieser Leistung den eigenen
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Lebensstandard gestalten und wesentlich zur eigenen Altersvorsorge durch Wohneigentum beitragen zu
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können. Insgesamt wollen wir den Wohnungsbau in allen Formen – freifinanziert, gefördert und
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selbstgenutzt – sowohl durch Neubau als auch durch Wohnraumschaffung im Bestand vorantreiben. Das
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hilft auch denjenigen, die lieber zur Miete wohnen möchten – mit einem breiteren Angebot und
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entsprechend günstigeren Mietpreisen. Wir wollen das Bauen weiter erleichtern und beschleunigen,
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insbesondere in stark nachgefragten, urbanen Gebieten. Wir setzen aber auch auf neue Modelle, um die
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Eigentumsquote und gerade auch die Vermietungsquote zu steigern.
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Der schonende Gebrauch von Flächen und die Rücksicht auf ökologisch wichtige Grünstreifen in unseren
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Städten ist für uns selbstverständlich, auch mit Blick auf die Herausforderungen bei Starkregenereignissen
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und Hochwasser. Eine der Umgebung angepasste Nachverdichtung in urbanen und stark nachgefragten
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Gebieten ist dafür ein wichtiges Instrument, für das wir Anreize verstärken wollen. Innovative und
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nachhaltige Bauprodukte und -methoden leisten ebenfalls einen Beitrag zum Umweltschutz. Statt auf
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Verbote setzen wir auf intelligente und innovative Lösungen, die alle berechtigten Interessen verbinden
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statt sie gegeneinander auszuspielen.
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Nordrhein-Westfalen ist geprägt von ganz verschiedenen Regionen. Wir wollen das ganze Land
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entwickeln. Der ländliche Raum muss attraktiv fürs Wohnen und auch die Ansiedlung von Gewerbe sein
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und bleiben – mit einer Infrastruktur, die eine adäquate Versorgung ermöglicht. Gleichzeitig wollen wir
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unsere Städte als moderne Zentren weiterentwickeln und lebenswert halten.
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Mehr Wohneigentum ermöglichen
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Wir wollen, dass sich mehr Menschen den Traum vom Eigenheim verwirklichen können. Die niedrige
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Eigentumsquote liegt auch an steigenden Bau- und Grundstückskosten und einer hohen
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Grunderwerbsteuer. Wir wollen deshalb die Baunebenkosten für selbstgenutztes Wohneigentum senken.
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Das Landesprogramm über 400 Millionen Euro zur Entlastung beim Kauf von selbstgenutztem
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Wohneigentum ist deswegen ein wichtiger Schritt. Wir begrüßen, dass die neue Bundesregierung für die
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Länder endlich die rechtliche Möglichkeit zur Einführung eines Freibetrags schaffen will. Wir werden diese
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Möglichkeit dann unverzüglich für Nordrhein-Westfalen nutzen und schnellstmöglich einen Freibetrag für
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den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum einführen, um so insbesondere auch junge Familien
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beim Eigentumserwerb zu entlasten und dafür zu sorgen, dass so beim Traum der selbstgenutzten
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Immobilie in den meisten Fällen gar keine Grunderwerbsteuer mehr anfällt. Neben dem priorisierten
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Grunderwerbsteuer und damit für eine allgemeine Entlastung ein.
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Wir wollen durch einen sozialen Wohnungskauf mehr Mieter zu Eigentümern machen. Wir setzen hierbei
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auf verschiedene Modelle, die auch Menschen, die es sich bisher nicht leisten können, den Erwerb von
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Wohneigentum ermöglichen. Eigenkapitalersetzende Darlehen, Tilgungszuschüsse und Zinsverbilligungen
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sind hierfür Ansatzpunkte, für die wir uns auch auf Bundesebene weiterhin einsetzen. Ziel hierbei ist nicht,
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privates Wohneigentum staatlich zu finanzieren, es soll vielmehr ein Rahmen geschaffen werden, in dem
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eine Finanzierung aus eigener Kraft möglich wird. Wir unterstützen zudem die Weiterentwicklung und
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Erprobung von Mietkauf-Ansätzen, die aus Käufer- wie Verkäufersicht ökonomisch sinnvoll sind.
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Wir wollen eine Offensive für mehr Bauland. Neben der Initiative Bau.Land.Leben und der Verdoppelung
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des Finanzrahmens für die kooperative Baulandentwicklung wollen wir landeseigene Flächen, wo immer
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möglich und sinnvoll, zusätzlich als Bauland mobilisieren. Weitere Baumöglichkeiten sollen durch
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Baulückenkataster und eine systematische Erfassung von Nachverdichtungspotenzialen erkannt werden.
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Aber auch das Wachstum von Städten und Gemeinden durch Arrondierung von Wohnbauflächen oder im
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Einzelfall durch Bau neuer Stadtteile unterstützen wir. Bei der Entwicklung knapper innerstädtischer
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Flächen wollen wir sicherstellen, dass neben freier Bebauung auch ein Anteil für sozialen Wohnungsbau
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vorgesehen wird.
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Die Fesseln im Landesentwicklungsplan, die neues Bauland verhindert haben, haben wir gelöst. Die
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Regionalpläne können jetzt mehr Flächen für den Wohnungsbau ausweisen. Wir setzen uns dafür ein,
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dass diese neuen Freiheiten jetzt genutzt werden, um auch für junge und wachsende Familien
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angemessenen Wohnraum im Eigentum oder zu erschwinglichen Mieten anbieten zu können.
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Hochhinaushäuser bauen
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In angespannten Wohnungsmärkten und Stadtteilen mit besonderen Herausforderungen wollen wir
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Leuchttürme für neuen Wohnraum und Aufstiegschancen schaffen. Hierzu sollen Hochhäuser nach
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höchsten ökologischen und städtebaulichen Standards in innovativer Bauweise entwickelt werden. Über
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Vereinbarungen mit Investoren sollen konkrete Anteile für mietpreisgebremsten und
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mietpreisgebundenen Wohnraum festgelegt werden. Die Abweichung von der Begrenzung auf sieben
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Geschosse soll für innovative und architektonisch ansprechende Mehrzweck-Hochhäuser genutzt werden
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– das Gegenteil von neuem Plattenbau. Unser Ziel dabei ist eine vertikale Quartiersentwicklung durch die
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Verknüpfung des Wohnraums mit Bildungs- und Teilhabeangeboten wie einer Kita im Haus, einem
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Quartiersmanager und kleinem Einzelhandel. Auch innovative Versorgungsansätze wie „Vertical Farming“
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sollen integriert werden können. Wir sind überzeugt, dass in Deutschland die Möglichkeiten vom Bauen
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in die Höhe bei weitem nicht ausgeschöpft werden – und dass diese, maßvoll eingesetzt, eine Chance für
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faszinierende Stadtentwicklung sein können. Zudem waren bereits im letzten Jahrhundert
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„Arbeitersiedlungen“ etwa im Rahmen des „Neues Bauen“ begeisternde Vorbilder der Stadtentwicklung,
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an denen sich die besten Architekten beteiligten und die oft heute noch als Architekturdenkmäler
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strahlen. Laden wir doch auch im 21. Jahrhundert wieder die besten Architekten der Welt ein, soziale
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Transformation und Aufstiegschancen auch durch Architektur zu befördern, statt sich vor allem außerhalb
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Europas zu verwirklichen.
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Innovatives Bauen stärken
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Um günstiger und ressourcenschonender bauen zu können, setzen wir auf neue Entwicklungen in der
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Baubranche. Moderne Bautechnologien wie den 3D-Druck und BIM-Systeme (Building Information
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Modeling) zur digitalen Planung, zum Bau und zur Instandhaltung von Gebäuden haben wir in den letzten
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Jahren bereits stark gefördert und ausgebaut. In den nächsten Jahren wollen wir innovatives und
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nachhaltiges Bauen zusätzlich befördern. Wir wollen die Entwicklung und Nutzung neuer Baustoffe
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vorantreiben und zukunftsfähige Konzepte wie etwa „Cradle to Cradle“ nutzen. Bei diesem ökoeffizienten
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Lösungsansatz werden die genutzten Ressourcen am Ende ihrer Lebensdauer wieder dem Stoff- und
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Materialkreislauf zugeführt. Dieses Verfahren wollen wir zukünftig auch für Bauprojekte des
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Handreichungen erarbeiten, damit auch sie das Konzept „Cradle to Cradle“ einfacher umsetzen können.
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Gleichzeitig erleben wir eine völlig neue Entwicklung bei den Baumaterialien. Wir wollen die Marktreifung
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von Innovationen in diesem Bereich vorantreiben mit passgenauen Förderprojekten und Möglichkeiten
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der verbesserten Erprobung, etwa durch eine bauordnungsrechtliche Experimentierklausel.
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Planung beschleunigen
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Wir brauchen schnellere Baugenehmigungen – durch Digitalisierung der Bauanträge, Verkürzung der
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Vollständigkeitsprüfung auf zehn Tage, mehr Wettbewerb zwischen den Kommunen. Durch konkrete Ziele
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für Genehmigungen für neuen Wohnraum wollen wir einen Anreiz für schnellere Verfahren schaffen.
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Durch durchgehend digitalisierte Prozesse – vom Bauantrag bis zur Weiterbearbeitung – wollen wir für
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eine zusätzliche Beschleunigung sorgen.
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Wir wollen landesseitig personelle Kapazitäten aufbauen, die durch einzelne Kommunen gezielt
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abgerufen werden können, wenn unvorhergesehene personelle Engpässe in Bauämtern vor Ort zu
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massiven Genehmigungsverzögerungen führen. Mit dieser unkomplizierten Task-Force sollen weder
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Doppelstrukturen aufgebaut noch Personal von den Kommunen abgezogen werden. Sie wird aber zum
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Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen und damit zu viel Beschleunigung beitragen.
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Wohnungsmärkte entspannen
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Wir haben den Rahmen dafür geschaffen, dass sich die örtlichen Wohnungsmärkte zunehmend
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entspannen. Wir wollen Mieterschutz-Bestimmungen wie die Mietpreisbremse, die Kappungsgrenze und
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die Kündigungssperrfrist bedarfsgerecht weiterentwickeln, evaluieren und nicht notwendige
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Reglementierungen abbauen.
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Die öffentliche Förderung zum Bau und zur Modernisierung von mietpreisgebundenem und
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mietpreisgebremstem Wohnraum ist nach wie vor die wichtigste Säule der NRW-Wohnraumförderung.
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Wir wollen die Förderung des Wohnungsbaus zielgenauer machen. Denn obwohl kein Bundesland so viel
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Geld für den geförderten Wohnungsbau zur Verfügung stellt wie Nordrhein-Westfalen, werden immer
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noch zu wenige Wohnungen damit gebaut. Wir wollen deshalb alle etwaigen Hürden identifizieren und
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beseitigen, damit auch alle Fördermittel wirklich für neue Wohnungen genutzt werden. Zudem wollen wir
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Anreize für weitere Investitionen in den sozialen Wohnungsbau verbessern, beispielsweise durch
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Pensionsfonds.
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Wir werden weiter dafür sorgen, den Bau von Wohnungen attraktiver zu machen und setzen dabei auf
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eine echte Um- und Ausbaukultur. Wir haben bereits zahlreiche bauordnungsrechtliche Hindernisse
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beiseite geräumt, um weitere Potenziale für Dachausbau und Nachverdichtung zu realisieren. Diesen Weg
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wollen wir fortsetzen und auch die Schaffung von neuem Wohnraum durch die Teilung von Wohnungen
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stärker einbeziehen, um insbesondere den Bedarf an kleinen Wohnungen besser decken zu können.
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Weitere Hindernisse in der Bauordnung, wie zum Beispiel die Regelungen zur Dachaufstockung und
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Abstandsflächen, wollen wir durch eine entsprechende Überarbeitung beseitigen. Das heißt, einerseits
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die Quartiere dichter zu planen und andererseits völlig neue Räume für Erholung und Begegnung zu
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schaffen. Sofern eine Baunorm die Schaffung von Wohnraum aufhält, muss ein Bauprojekt dennoch
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genehmigt werden können, wenn der Schutzstandard auf andere Weise realisiert werden kann.
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Die Modernisierungsoffensive als Teil der Wohnraumförderung wollen wir fortsetzen. Damit mobilisieren
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wir Investitionen in Wohnraum und in die generationengerechte und energetische Sanierung von
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Bestandsgebäuden.
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Um Wohnen in ländlichen Regionen ohne Pendel-Notwendigkeiten zu stärken, wollen wir auch die
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Einrichtung von Co-Working-Spaces forcieren. Denn Co-Working-Spaces sind für Freiberufler, Freelancer
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öffentliche Hand sind sie ein gutes Instrument für weiter entfernt wohnende Beschäftigte.
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Wohnraum für Azubis und Studierende schaffen
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Sowohl Studierende als auch Auszubildende sind vielfach auf preisgünstige Wohnungsangebote
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angewiesen. Der Ausbau der preisgünstigen Wohnheimplätze ist hinter der steigenden Nachfrage
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zurückgeblieben. Es besteht auch bei den Bestandsbauten ein hoher Sanierungsbedarf. Wir wollen
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deshalb die öffentliche Förderung für die Modernisierung und den Neubau von Wohnheimen ausbauen.
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Das Land garantiert Tilgung und Zinsen für die Finanzierungen und stellt selbst Flächen in Campusnähe
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und, wo möglich, in der Nähe von Berufsschulen zur Verfügung.
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Neue Chancen für Innenstädte und Zentren durch Stadtentwicklung nutzen
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Wir wollen Stadtmitte und Dorfzentrum wiederbeleben und zu echten Erlebnis- und Begegnungsräumen
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der Bürgerschaft machen. Das Herz unserer Städte und Dörfer soll wie ein zweites Wohnzimmer sein, in
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dem wir uns rundum wohl fühlen. Wir wollen Treffpunkte mit hoher Aufenthaltsqualität und einem
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Mischnutzen. In der „neuen Mitte“ findet alles organisch zueinander, der Handel, das Wohnen, die
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Gastronomie und die Kultur. Grünflächen sollen aufgewertet werden.
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Aufgabe der Städtebauförderung ist es, qualitativ hochwertige und funktionale öffentliche Räume für alle
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Altersgruppen zu schaffen. Dafür vereinfachen wir das Bau- und Planungsrecht weiter: Bei
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Baumaßnahmen im Bestand von der Kernsanierung über die Aufstockung bis zum Abriss samt Neubau
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müssen noch einfachere Bestimmungen gelten als bisher.
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Gerade die Zentren sind von den Folgen der Pandemie besonders betroffen. Mit einer weiteren
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Innenstadtoffensive werden wir Pilotprojekte zur Zwischennutzung wie etwa Popup-Stores und
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Showrooms fördern. Zudem werden wir den analogen Einzelhandel weiter dabei unterstützen, ein
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eigenes digitales Angebot zu schaffen; weitere Digital-Coaches sollen die jeweiligen Geschäfte passgenau
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und kostenlos beraten.
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Während der Pandemie haben viele Unternehmen die Möglichkeit geschaffen, dass ihre Beschäftigten
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von zu Hause aus arbeiten. Das wollen wir als Chance für Mittel- und Kleinstädte nutzen. Der suburbane
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Raum sowie kleinere Städte und Gemeinden im Umfeld der Ballungszentren brauchen eine aktive
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Stadtentwicklungspolitik. Wir wollen schon frühzeitig die Weichen für diese relevante Entwicklung stellen
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und die entsprechenden Kommunen, das Land und weitere Akteure an einen Tisch bringen.
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Die im Rahmen der Novelle der Landesbauordnung geschaffenen Möglichkeiten, leergefallene
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innerstädtische Einzelhandels- oder Büroimmobilien auch für Zwecke der Wohnnutzung zu verwenden,
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wollen wir unterstützen, um ressourcenschonend Wohnraum zu schaffen und durch neues
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innerstädtisches Wohnen zur Revitalisierung von Innenstädten beizutragen.
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Baukosten weiter senken
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Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Ein relevanter Anteil wird durch
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immer mehr und immer höhere Standards und DIN-Normen verursacht: Seit 1990 hat sich deren Anzahl
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vervierfacht, bis zu 24.000 Normen gibt es allein im Baubereich. Wir wollen uns über die
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Landesbauministerkonferenz dafür einsetzen, den Vertrag mit dem „Deutschen Institut für Normung“
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(DIN) zu überarbeiten. Dabei sollen die Zahl und das Niveau der Standards auf das Ziel des Vertrags
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überprüft werden, Baumaßnahmen zu vereinheitlichen und zu verbilligen. Zudem werden wir
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Änderungen an der Musterbauordnung (MBO) der Länder, wann immer möglich, in Landesrecht
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übertragen, sofern sich daraus kostensenkende Effekte ergeben.
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Nutzungsänderungen weiter erleichtern
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geschaffen, Räumlichkeiten schneller und einfacher einer anderen Nutzung zuzuführen. Eine neue
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Nutzung im Innenbereich wird bei der Kommune angemeldet und gilt, sofern die Kommune nicht binnen
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eines Monats widerspricht, für die Dauer von zwölf Monaten als genehmigt. Wir wollen nun einen Schritt
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weitergehen. Zunächst soll die bisherige Innovationsklausel auch für den Außenbereich aktiviert werden.
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In einem zweiten Schritt wollen wir die Dauer der Genehmigung von zwölf Monaten auf 24 Monate
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ausweiten.
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Wir stehen für eine offene Gesellschaft. Jede und jeder soll sich selbstbestimmt frei entfalten können.
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Vielfalt und Weltoffenheit erweitern den Horizont und bereichern unser Zusammenleben. Die offene
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Gesellschaft lebt von größtmöglicher Freiheit, ist zugleich aber untrennbar mit einer Verantwortung dafür
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verbunden. Auch der Staat gibt nicht vor, welche Lebensziele besonders wertvoll sind. In einer offenen
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Gesellschaft ist der Staat neutral und wertet nicht zwischen verschiedenen Lebensentwürfen.
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Damit die offene Gesellschaft gelebt werden kann, braucht es einen Rahmen. Wer der eigenen Meinung,
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Religion oder Lebensweise einen Absolutheitsanspruch gibt und damit andere Meinungen, Religionen
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oder Lebensweisen abwertet, kann sich nicht auf die offene Gesellschaft berufen, die er damit aufs Spiel
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setzt. Toleranz und Respekt zeigen sich im Handeln. Antisemitismus, Rassismus, Sexismus,
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Diskriminierung oder anderen Formen von Intoleranz treten wir entschieden und konsequent entgegen.
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Wir grenzen uns scharf zu jeder Form von rechtem, linkem und religiösem Extremismus ab – sie alle
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werden von uns bekämpft.
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Toleranz und Vielfalt in der Schule stärken
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Ausgrenzung, Intoleranz und Hass dürfen keinen Platz in den nordrhein-westfälischen Schulen haben. Aus
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diesem Grund ist es wichtig, dass diese Themen nicht nur an besonderen Aktionstagen aufgearbeitet
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werden, sondern als dauerhaftes Konzept bereits von der Grundschule an im Unterricht verankert sind.
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Dabei muss auch die Schulsozialarbeit vor Ort in die Konzepte integriert werden.
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Werteorientierter Religionsunterricht und Praktische Philosophie
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Das Verständnis und die Toleranz gegenüber anderen Religionsgemeinschaften, Weltanschauungen und
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Lebensentwürfen ist Basis für unser friedliches Zusammenleben. Um das Verständnis für andere
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Religionen, Weltanschauungen und Lebensweisen zu stärken, wollen wir deshalb in allen Kernlehrplänen
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für das Fach Religion den Bereich der vergleichenden Religionswissenschaften und die Werteorientierung
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stärken. Neben den vielfältigen Angeboten des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts müssen
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gleichberechtigt auch nicht-religiöse Überzeugungen berücksichtigt werden. Daher setzen wir uns dafür
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ein, dass langfristig an allen öffentlichen Schulen das Fach Praktische Philosophie als Wahlalternative zum
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bekenntnisorientierten Religionsunterricht angeboten wird. Zahlreiche Schulen in Nordrhein-Westfalen
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bieten zudem schon den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht an, in dem katholische und
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evangelische Inhalte zusammen unterrichtet werden. Auch dieses Angebot wollen wir weiter ausweiten.
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Am Ende der Sekundarstufe I soll außerdem jede Schülerin und jeder Schüler mindestens einmal eine
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Synagoge, eine Moschee und eine christliche Kirche besucht haben.
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Säkularer Staat
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Die im Rahmen der Feiertagsgesetzgebung während sogenannter „stiller Feiertage“ verhängten
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Einschränkungen unter dem Oberbegriff des „Tanzverbots“ wollen wir deutlich lockern.
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Bearbeitung der Kirchenein- und -austritte. Die zunehmende Zahl an Kirchenaustritten stellt eine
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Belastung für die Verwaltung dar und führt zu langen Wartezeiten für Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen
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deshalb diesen Bereich digitalisieren und damit beschleunigen. Die Kirchenaustrittsgebühr wollen wir
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abschaffen.
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Wir sprechen uns zudem, aus Gründen der Bürgerfreundlichkeit und des Schutzes des Einzelnen, für eine
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Beweislastumkehr fünf Jahre nach dem Kirchenaustritt zugunsten der Austretenden aus. Die
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Beweispflicht der unterstellten, noch andauernden Mitgliedschaft soll dann nicht mehr beim
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Ausgetretenen, sondern bei der Kirche liegen.
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Schüleraustausch mit Israel intensivieren
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Wir wollen den Schüleraustausch mit Israel intensivieren, unter anderem durch den Ausbau des
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bestehenden Projekts „Workshop Schulpartnerschaften Israel und Palästina – Nordrhein-Westfalen“ und
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die Wiederbelebung des Deutsch-Israelischen Wissenschaftscamps.
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Gleichstellungspolitik für alle Geschlechter machen
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Wir gestalten eine neue Gleichstellungspolitik für alle. Dort, wo Benachteiligungen vorliegen, wollen wir
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politisch agieren, unabhängig, ob es sich um eine Benachteiligung von Frauen, Männern oder diversen
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Personen handelt. Wir unterscheiden dabei nicht, welches Geschlecht benachteiligt wird, sondern
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wenden uns gegen die Benachteiligung an sich, ungeachtet dessen, wen es trifft. Es gilt, die im Einzelfall
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Benachteiligten oder Schwächeren zu schützen. Das Landesgleichstellungsgesetz muss daher zu einem
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Landesdiversitätsgesetz weiterentwickelt und den heutigen Lebensverhältnissen angepasst werden. Im
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Rahmen der Neufassung werden wir klarstellen, dass unter Gleichstellung die Gewährleistung von
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Gleichberechtigung für alle Geschlechter zu verstehen ist. Das Landesdiversitätsgesetz wird deshalb unter
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anderem auch die Belange von Männern und Diversen aufnehmen und sie als Bewerbende für das Amt
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des/der Diversitätsbeauftragten zulassen. Wir wollen zudem die bisherige starre Quotenregelung durch
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verbindliche Selbstverpflichtungen hinsichtlich der Diversität innerhalb der Organisation ersetzen, ohne
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dabei bei Personalauswahlverfahren das Leistungsprinzip außer Kraft zu setzen.
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Um insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken, unterstützen wir Jobsharing- und
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Topsharing-Modelle. Wir wollen Unternehmen zur Unterstützung bei der Einführung geeignete
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Beratungsangebote zugänglich machen.
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Wir wollen das Modell „Girls‘ und Boys‘ Day Academies“ auswerten und für ganz Nordrhein-Westfalen
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weiterentwickeln.
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Vielfalt durch Diversity Management als Chance nutzen
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Personelle und kulturelle Vielfalt in Unternehmen ist ein Erfolgsfaktor. Setzen Unternehmen auf
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Akzeptanz, freie Entfaltung und Chancengerechtigkeit zwischen ihren Mitarbeitenden, kann dies zu einem
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produktiveren Miteinander führen. Wir wollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen über die
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von uns eingerichtete Netzwerkstelle „UNTERNEHMEN VIELFALT“ bei der Planung und Umsetzung von
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Diversity-Management-Maßnahmen beraten, damit Chancen der Vielfalt in Nordrhein-Westfalen noch
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stärker genutzt werden.
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Aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus vorgehen
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Für uns ist klar: Für Rassismus und Diskriminierung ist in unserem Land kein Platz. Wir stellen uns gegen
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gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung. Wir wollen die Förderung von Projekten
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weiter ausbauen, die aktiv gegen Diskriminierung jeder Art vorgehen, beispielsweise von LSBTIQ*. Dazu
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zählen unter anderem Aufklärungs- und Toleranzprojekte in Schulen und Jugendarbeit, aber auch Projekte
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für Senioren durch Peer-to-peer-Beratung. Insbesondere diese Altersgruppe war noch von der
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Unterdrückung und Verfolgung unter dem alten § 175 StGB betroffen und benötigt in Folge von
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Geheimhaltung ihrer sexuellen Orientierung oder traumatischer Erfahrungen aufgrund von sozialer
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die kultursensible Altenpflege und regional verteilte, strukturell verankerte Piloteinrichtungen ein.
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Sichtbarkeit und Respekt für LSBTIQ*
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Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität treten wir entschieden
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entgegen. Wir setzen uns seit Jahren für die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung von LSBTIQ*,
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für Sichtbarkeit und Respekt sowie für den konsequenten Abbau von Diskriminierung und Gewalt ein. Wir
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haben darum die Haushaltsmittel für LSBTIQ*-Politik auf ein Rekordniveau angehoben. Wir haben unter
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anderem psychosoziale Beratungsangebote deutlich ausgebaut, um ihre wichtige Aufklärungs- und
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Beratungsarbeit zu unterstützen. Zukünftig werden wir vor allem im ländlichen Raum die Beratung
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ausbauen und hier vermehrt Projekte fördern. Wir werden die Förderung von Selbsthilfe und Beratung
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sowie der Koordinierungsstelle Trans fortführen und weiterentwickeln. Wir wollen zudem die
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Haushaltsmittelförderung für die Träger von der Projekt- in eine dauerhafte Strukturmittelförderung
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überführen, damit deren Arbeit nachhaltig gesichert wird.
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Trotz des jahrelangen Einsatzes für gleichberechtigtes und respektvolles Miteinander ist die Lage für
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LSBTIQ*-Menschen nach wie vor nicht zufriedenstellend. Diskriminierung und Gewalt aufgrund der
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sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität prägen nach wie vor die Lebensrealität von
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LSBTIQ*-Menschen. Sicherheitsbehörden, polizeiliche Ermittlungsdienste und Justiz wollen wir deswegen
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im Rahmen von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für die Erkennung und Verfolgung homo- und
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transfeindlich motivierter Hasskriminalität besonders sensibilisieren. Wir wollen dafür sorgen, dass
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Straftaten aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung entsprechend benannt sowie
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zeitnah verfolgt und angeklagt werden.
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Wir wollen darum den eingeschlagenen Weg fortsetzen und uns für die vollständige Gleichstellung von
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LSBTIQ*-Personen und Regenbogenfamilien einsetzen. Die entsprechenden Ziele der neuen
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Bundesregierung, unter anderem den Gruppenausschluss bei der Blutspende zu beenden, unterstützen
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wir dabei. LSBTIQ*-Feindlichkeit und -Stigmatisierung wollen wir konsequent entgegentreten,
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beispielsweise durch Beiträge zur Aufdeckung und Widerlegung von Verschwörungstheorien und eine
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stärkere Aufklärungsarbeit in der Schule, für die das Lehrpersonal weiter qualifiziert werden soll.
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Vergangenes Unrecht an LSBTIQ*-Personen anerkennen, zukünftiges Unrecht verhindern
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Wir haben die Wanderausstellung zur historischen Aufarbeitung des damaligen § 175 Strafgesetzbuch
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(StGB), der jahrzehntelang Grundlage für die Unterdrückung und Verfolgung von LSBTIQ*-Personen
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gewesen ist, aktiv und finanziell unterstützt. In seiner Funktion als stellvertretender Ministerpräsident des
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Landes Nordrhein-Westfalen hat Dr. Joachim Stamp die Opfer dieser Verfolgung öffentlich um Vergebung
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gebeten. Erfahrenes Leid und Unrecht, das auch über den damaligen §175 StGB hinausging, darf nicht in
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Vergessenheit geraten, auch damit in Zukunft der Schutz vor Übergriffen und ein respektvoller und
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toleranter Umgang Normalität wird. Deshalb werden wir weiterhin Projekte zur historischen Aufarbeitung
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fördern und unterstützen das Ziel der neuen Bundesregierung, das Merkmal „sexuelle Identität“ in Art. 3
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(3) GG aufzunehmen.
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Der Landtagsbeschluss zum Verbot medizinisch nicht gebotener Geschlechtsangleichungen war ein
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Meilenstein für den Schutz intergeschlechtlicher Menschen. Über das bundesweit einmalige Portal inter-
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nrw.de haben wir darüber hinaus das Informations- und Beratungsangebot deutlich gestärkt und wollen
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die Strukturen für intergeschlechtliche Menschen weiter ausbauen. Die Absicht der neuen
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Bundesregierung, das Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen,
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unterstützen wir ausdrücklich.
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Antisemitismus hat keinen Platz in Nordrhein-Westfalen
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Gewalttätige Angriffe auf Jüdinnen und Juden sowie auf Synagogen und Gemeindeeinrichtungen
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verurteilen wir. Wir wollen ein gesellschaftliches Klima fördern, in dem Judenhass endgültig keinen Platz
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mehr in unserem Land hat. Hierzu wollen wir die politische Bildung zu Judentum und Antisemitismus
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begrenzen. Auch Antisemitismus weit vor dem 20. Jahrhundert und in der Gegenwart sollen thematisiert
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werden. Ebenso soll aber auch jüdisches Leben in Deutschland insgesamt mehr thematisiert werden, um
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die Diversität und Vielfalt des modernen Judentums aufzuzeigen. Dazu ist es auch nötig, insbesondere
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Bildungseinrichtungen für dieses Thema zu sensibilisieren und entsprechende Kooperationen und
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Veranstaltungen jüdischer Begegnungs- und Kennenlernprojekte auszubauen. Wir werden die
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europäische Strategie zum Kampf gegen Antisemitismus aktiv mitgestalten und entschlossen umsetzen.
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Wir sprechen uns zudem dafür aus, die erfolgreiche Arbeit der derzeitigen Antisemitismusbeauftragten
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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger fortzusetzen und dauerhaft eine Antisemitismusbeauftragte bzw.
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einen Antisemitismusbeauftragten in Nordrein-Westfalen einzusetzen. Die Sicherheitsmaßnahmen rund
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um Einrichtungen der jüdischen Gemeinden werden wir fortsetzen und notwendigenfalls verstärken.
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Niemals wieder: Gedenkstättenbesuche fest verankern
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Antisemitismus ist in vielen Fällen ein konkretes Bildungsproblem. In den letzten Jahren haben wir durch
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das Landesförderprogramm „Gedenkstättenfahrten“ viel mehr Schülerinnen und Schülern ermöglicht,
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Gedenkstätten zu besuchen. Diese erfolgreichen außerschulischen Bildungsangebote wollen wir weiter
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ausbauen. Unser Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer schulischen Laufbahn
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verpflichtend mindestens eine NS-Gedenkstätte sowie eine Gedenkstätte des DDR-Unrechts besucht
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haben. Denn kein Buch, kein Film und keine Unterrichtsstunde kann Antisemitismus, Intoleranz, Hass und
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Unrecht so nahbar machen wie der Besuch einer Gedenkstätte.
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Nordrhein-Westfalen hat eine lange Tradition als Einwanderungsland. Viele Menschen mit
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Einwanderungsgeschichte haben sich in unsere Gesellschaft integriert und tragen ihren Anteil an der
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erfolgreichen Entwicklung unseres Landes. Dazu zählen nicht nur Prominente, wie die Impfstoffentwickler
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Sahin und Türeci, sondern ganz viele individuelle Biographien, die mit Leistungsbereitschaft und Fleiß
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selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft geworden sind. Nordrhein-Westfalen braucht eine
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geordnete Einwanderung, um Wohlstand und Wirtschaftsstandort zu erhalten. Einwanderung hat die
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Gesellschaft auch kulturell vielfältiger gemacht. Neben vielen Innovationen und positiven Impulsen sind
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damit auch Reibungen und Konflikte verbunden. Umso wichtiger ist eine aktive Migrations- und
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Integrationspolitik, die sich an Einwanderer und aufnehmende Gesellschaft gleichermaßen richtet. Die
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offene Gesellschaft braucht für ihr Gelingen Regeln des gegenseitigen Respekts. So wie wir Freie
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Demokraten von Eingewanderten die Achtung von Rechtsstaat und demokratischer Kultur erwarten,
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setzen wir uns für gleichberechtigte Teilhabe und den konsequenten Schutz vor Rassismus und
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Diskriminierung ein. Wir wollen allen, die zum Gelingen unserer Gesellschaft beitragen wollen, faire
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Chancen zu sozialem Aufstieg ermöglichen. Für Freie Demokraten zählt nicht Herkunft, sondern
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Charakter.
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Humanität und Ordnung
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Wir haben in Nordrhein-Westfalen einen klaren Kurs: Kein anderes Bundesland schiebt so konsequent
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insbesondere Straftäter und Gefährder ab wie Nordrhein-Westfalen. Wer keinen Schutzgrund hat und
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unsere Gesellschaft belastet oder gar bedroht, muss in sein Heimatland zurückgeführt werden.
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Gleichzeitig haben wir mit Erlassen das deutschlandweit liberalste Bleiberecht für gut integrierte
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Geduldete geschaffen. Wer sich integriert hat, straffrei lebt, arbeitet und die Werte unserer Gesellschaft
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akzeptiert, soll dauerhaft in Nordrhein-Westfalen leben können. Leider gab es unter der alten
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Bundesregierung nur mangelhafte Unterstützung sowohl bei der Realisierung notwendiger
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Abschiebungen als auch bei Bleiberechten. Dies wollen wir gemeinsam mit der neuen Bundesregierung
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ändern. Wir wollen Ordnung in der Einwanderungspolitik schaffen, legale Einwanderungswege eröffnen
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und irreguläre Migration unterbinden. Es darf keine Toleranz für Straftäter und Gefährder geben, aber
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auch keine Abschiebung gut integrierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihrer Familien.
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Darum werden wir mit der neuen Bundesregierung einerseits eine Rückführungsoffensive starten, bei der
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Unterstützung durch die Bundespolizei nutzen. Über den Bundesrat werden wir andererseits Druck
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ausüben, die notwendigen gesetzlichen Veränderungen herbeizuführen, um gut Integrierten dauerhafte
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Rechtssicherheit zu ermöglichen. Unser Asylstufenplan hat die Kommunen durch eine schrittweise
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Zentralisierung der Zuständigkeit für die Rückkehr auf Landesebene spürbar entlastet, damit sie sich ganz
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auf die Integration der Menschen vor Ort konzentrieren können. Wir schaffen Wertevermittlung und
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Sprachförderung bei Geflüchteten von Anfang an. In den Landesunterkünften haben wir ein schulnahes
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Angebot auf den Weg gebracht, welches wir in allen Einrichtungen zum Standard weiterentwickeln.
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Darüber hinaus setzen wir uns für einen Erhalt und die Stärkung queerer Flüchtlingsarbeit ein, um jenen
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Geflüchteten sichere Schutzräume in Nordrhein-Westfalen zu bieten.
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Fachkräfteeinwanderung ausbauen
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Der Fachkräftemangel ist eine der großen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-
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Westfalen. Wir unterstützen Handwerk, Mittelstand und Industrie bereits bei der Fachkräftegewinnung
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durch die neue Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung in Bonn. Den Wirkungsgrad der Fachstelle werden
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wir vorantreiben und sie zu einer echten Serviceagentur zur Fachkräftegewinnung für die NRW-Wirtschaft
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etablieren. Wir unterstützen die Pläne der neuen Bundesregierung, Fachkräfteeinwanderung zu
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vereinfachen. Wer einen regulären, branchenüblichen Arbeitsvertrag mit einem deutschen Unternehmen
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hat, soll auch als nicht-akademische Fachkraft mit der Blue Card legal nach Deutschland kommen können.
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Dazu wollen wir mit Handwerk, Mittelstand und Industrie gezielte Jobbörsen in verschiedenen Ländern
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durchführen. Zudem werden wir nach kanadischem Vorbild Hochqualifizierte im Rahmen eines
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Punktesystems über eine Chancenkarte in unseren Arbeitsmarkt einladen. Mit entsprechenden
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Migrationsabkommen sollen zudem Einwanderer bereits im Herkunftsland Deutsch lernen und gezielt für
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unseren Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Die Verfahren zur Anerkennung von ausländischen
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Berufsabschlüssen werden wir weiter verbessern, damit jeder entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt
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und weiterqualifiziert werden kann. Wir müssen zudem als Einwanderungsland attraktiver werden, indem
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wir gemeinsam mit der neuen Bundesregierung Einwandernden durch vereinfachte Einbürgerung und die
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Ermöglichung von Mehrstaatlichkeit eine realistische Chance geben, vollwertiges Mitglied unserer
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Gemeinschaft zu werden, mit allen Rechten und Pflichten.
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Vorreiterrolle in Integrationspolitik
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Nordrhein-Westfalen ist wieder Motor der Integrationspolitik in Deutschland. Mit der Teilhabe- und
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Integrationsstrategie 2030 haben wir die Weiterentwicklung unserer ineinandergreifenden
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Integrationsangebote systematisiert. Im Teilhabe- und Integrationsgesetz wurde eine dynamisierte
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Mindestsumme zur Förderung der integrationspolitischen Infrastruktur in Höhe von 130 Millionen Euro
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festgeschrieben. Mit der Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ haben wir die Qualifikation
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insbesondere junger Migrantinnen und Migranten für unseren Arbeitsmarkt vorangetrieben. Wir haben
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Geschichten erfolgreicher Integration sichtbar und Integrationsvorbilder bekannter gemacht. Diesen Weg
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werden wir konsequent fortsetzen und Vorreiter in Deutschland bleiben. Dazu zählt insbesondere das
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deutschlandweit einzigartige Konzept des Kommunalen Integrationsmanagements, mit dem wir den
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Kommunen rechtskreisübergreifend verlässliche, verbindliche und nachhaltige Integrationsstrukturen
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garantieren. Durch die Vernetzung von Ausländer- und Jugendämtern, Einbürgerungsbehörden,
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Schulamt, Kommunalem Integrationszentrum, Arbeitsagenturen und Jobcenter, Strukturen der
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Familienbildung- und Familienberatung sowie gesellschaftlichen Akteuren und der Freien
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Wohlfahrtspflege vor Ort schaffen wir die Voraussetzung, um jedem Menschen mit
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Einwanderungsgeschichte passgenaue, seinen individuellen Potenzialen und Bedarfen entsprechende
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Integrationsangebote zu machen.
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Bereits in der Schule fördern wir durch Talentscouts motivierte und leistungsstarke junge Menschen. Wir
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werden maßgeschneiderte Angebote für die Erwerbsbeteiligung von Frauen und für
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Unternehmensgründer schaffen. Zugleich wollen wir echte Teilhabe ermöglichen, etwa durch die
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interkulturelle Öffnung des Öffentlichen Dienstes, kultursensibler Altenpflege und weiterer Bereiche
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unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Mit dem „Haus der Einwanderungsgesellschaft“ in Köln
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heutige und zukünftige Gesellschaft aufzeigen.
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Die konsequente Vermittlung der Werte, die unsere Gesellschaft prägen, ist Aufgabe aller am
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Integrationsprozess Beteiligten. Die Grundlage dafür bildet unser Grundgesetz. Diese Vermittlung soll mit
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der Einreise beginnen und sich durch den Alltag ziehen. Sie sind für jeden mit und ohne
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Einwanderungsgeschichte verbindlich. In dieser pluralen und diversen Gesellschaft müssen die Spielregeln
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für alle verbindlich sein. Wir wenden uns deswegen gegen jede Form von Diskriminierung, Rassismus und
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gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Wir setzen uns für mehr demokratische Bildung für alle in
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unserem Land Lebenden ein und werden mit einer neuen Antidiskriminierungsstrategie das bisherige
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Engagement unseres Landes systematisieren und verstärken.
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In einer Demokratie sind freie und unabhängige Medien unverzichtbar. Private und öffentlich-rechtliche
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Medien sichern Pluralität und Vielfalt. Zentraler Baustein einer funktionierenden und lebendigen
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Demokratie ist deshalb die Meinungs- und Pressefreiheit. Ohne sie kann es keinen Pluralismus geben,
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ohne Pluralismus keine offene Gesellschaft und keine Demokratie. Die Aufgabe der Medien ist eine
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überparteiliche Information als Grundlage für eine unabhängige Meinungsbildung.
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Medienvielfalt sichert Meinungsvielfalt – auch lokal
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Wir stehen für Medienvielfalt und bekennen uns zum dualen Rundfunksystem. Wir wollen die
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Rahmenbedingungen an das digitale Zeitalter anpassen. Die aus anlogen Zeiten stammenden
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Bestimmungen des §§ 33a ff im Landesmediengesetz wollen wir mit Blick auf die Zweckmäßigkeit im
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digitalen Zeitalter weiterentwickeln. In einer modernen digitalen Branche ist es nicht mehr zielführend,
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Zeitungsverlagen, die sich in Nordrhein-Westfalen zu Medienhäusern gewandelt haben, lineare Audio-
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und Videorundfunkangebote nur stark eingeschränkt zu erlauben. Die Rahmenbedingungen sollen
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privaten Verlagen eine Finanzierungsgrundlage für lokalen und regionalen Journalismus in der
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konvergenten Medienwelt ermöglichen. Ausufernden lokale Print- und Medienangebote durch Städte
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und Kreise oder über kommunale Unternehmen lehnen wir ab.
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Wir wollen die Möglichkeiten für ein vielfältiges und zukunftsfähiges privates Radio und einen
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wirtschaftlich tragfähigen Lokalfunk im digitalen Zeitalter verbessern. Die Regulierung des
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Landesmediengesetzes für den Lokalfunk wollen wir in diesem Sinne anpassen. Wir wollen
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staatsvertraglich sicherstellen, dass auch die privaten lokalen Radioangebote auf den digitalen
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Plattformen bevorzugt auffindbar sind, wie es bei den regionalen WDR-Angeboten vorgesehen ist (Public
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Value-Privileg).
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Die Flutkatstrophe im Sommer 2021 hat die Bedeutung der Lokalstationen als Informations- und vor allem
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Warnmedium gezeigt. Die Defizite bei der Integration der Lokalradios in die Meldeketten bei
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Katastrophenfällen wollen wir deshalb beseitigen.
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Eine Zwangsabschaltung von UKW lehnen wir ab. Der Ende 2021 gestartete Sendebetrieb des ersten
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privaten landesweiten DAB+-Multiplex in Nordrhein-Westfalen mit 16 neuen Programmen und
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zahlreichen regionalen Inhalten schafft zusätzlich mehr Vielfalt. Wir wollen die Bedingungen für weitere
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Marktteilnehmer schaffen.
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Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorantreiben
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Wir setzen uns für eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und für ein schlankes,
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modernes und informatives Rundfunkangebot ein. Unser Ziel ist ein Rundfunk, der seine Mittel effizient
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einsetzt, um seinem Informationsauftrag nachzukommen. Dafür müssen Strukturen erheblich entschlackt
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und Doppelstrukturen vermieden werden. Die Zahl der Fernseh- und Hörfunkkanäle wollen wir auf wenige
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rechtlichen Rundfunkanstalten wird sich dämpfend auf die Beitragshöhe auswirken.
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Angebote aus den Bereichen Information, Bildung und Kultur (auch Fiktion und Dokumentation) müssen
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gestützt werden, teure Unterhaltungssendungen und teure Spielshows sollen im Gegenzug reduziert
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werden. Nordrhein-Westfalen soll in dieser Hinsicht auf den im Länderkreis zu vereinbarenden
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Medienänderungsstaatsvertrag hinwirken und auch entsprechende Stellschrauben im WDR-Gesetz
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ändern. Parallel zum Medienstaatsvertrag sollte auch auf Ebene des WDR-Gesetzes die
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Auftragsbeschreibung eine schlankere Struktur zum Ziel haben.
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Das WDR-Gesetz wollen wir novellieren und so den WDR-Rundfunkrat von jetzt 55 auf 40 Mitglieder
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reduzieren. Perspektivisch streben wir eine externe Aufsicht nach dem BBC-Modell an. Wir setzen uns für
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Transparenz bei der Beauftragung von Produktionsfirmen und der Struktur der Beauftragung ein. Bei der
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Vergabe dieser Formate ist eine faire und kostengünstige Balance zu finden.
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Private Angebote und die Entwicklung neuer Medienformen dürfen nicht durch die beitragsfinanzierte
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Konkurrenz beeinträchtigt werden. Durch die ungebremste Expansion im Online-Bereich entsteht eine
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Unwucht, die sich auch regional und lokal negativ auf die Medienvielfalt auswirkt. Bestehende Regelungen
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zum Schutz der digitalen freien Presse und ihrer Finanzierbarkeit wollen wir verschärfen und uns dafür
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aus Nordrhein-Westfalen heraus einsetzen. Auch die regionalen Fensterprogramme der privaten
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Fernsehsender leisten einen wichtigen Informationsbeitrag. Wir setzen uns dafür ein, dass ihre
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Auffindbarkeit auf den Plattformen durchgesetzt wird.
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Presse- und Mediennutzung stärken, Informieren erleichtern
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Wir wollen privates Engagement und Refinanzierungsmöglichkeiten von Presse- und Medienangeboten
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stärken. Wir wollen, dass journalistische Arbeit als Kernbestandteil der Pressefreiheit als gemeinnützig
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anerkannt wird. Non-Profit Rechercheprojekten oder lokalen Presseangeboten ohne
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Gewinnerzielungsabsicht sollen so neue Finanzierungsmöglichkeiten über Spenden eröffnet werden. Die
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von uns initiierte Bundesrats-Initiative dazu muss weitergeführt werden. Das entsprechende Vorhaben
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der neuen Bundesregierung unterstützten wir.
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Qualitätsjournalismus fördern
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Wir wollen Ausbildung und Vernetzung von insbesondere jungen Journalistinnen und Journalisten
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unterstützen. Dabei kommt auch Qualifizierungsangeboten eine besondere Bedeutung zu. Wir wollen
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entsprechende Angebote, wie das Cashcamp der Landesanstalt für Medien NRW, gezielt fördern und
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ausbauen. Die Gründer- und Start-Up- Beratung für Journalisten wollen wir forcieren. Die internationale
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filmschule köln, das Mediennetzwerk, das Mediengründerzentrum und die berufsfortführenden
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Angebote der Filmwerkstätten sollen als etablierte Partner eingebunden werden. Das geplante
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bundesweit einmalige Journalismus-Institut in Bonn unterstützen wir. Es soll die Bedürfnisse der
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Mediennutzenden sowie die Marktbedürfnisse der Anbieter mit redaktionellen Experimenten erforschen
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und der Fortbildung und Vernetzung von Journalisten dienen.
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Desinformation begegnen, Medienkompetenz ausweiten
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Wir werden die Stärkung der Medienkompetenz für alle Altersklassen angesichts einer wachsenden Zahl
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digitaler Medienangebote und der zunehmenden Verbreitung von FakeNews, Hassmails und
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Verschwörungstheorien weiter fördern. Projekte wie #DigitalCheckNRW wollen wir weiterentwickeln und
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ausbauen. „Faktenchecker“, die aufklären und präventive Arbeit leisten, sollen ebenso weiter gefördert
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werden wie die bewährten Präventiv-Projekte „Medienscout NRW“ und „ZEBRA“ der LfM. Ein besonderes
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Augenmerk richten wir dabei auf die Schulen. Wir wollen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen,
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Schülerzeitungen und Schülerblogs zu entwickeln und so eigene journalistische Erfahrungen zu sammeln.
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Medienschaffende schützen
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Dabei handelt es sich nicht nur um eine Bedrohung der unabhängigen Berichterstattung, sondern um
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Straftaten, die konsequent verfolgt werden müssen. Wir werden auch hier eine Null-Toleranz-Strategie
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verfolgen und Gesetzesbrüche nicht dulden. Wir setzen uns für eine Stärkung des Austausches zwischen
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Polizei und journalistischen Berufsverbänden mit dem Ziel ein, die Beamtinnen und Beamten für die
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Gefährdung von Journalistinnen und Journalisten zu sensibilisieren sowie gemeinsam Schutzstrategien zu
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entwickeln.
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Filmförderinstrumente neu ordnen, Games-Entwicklung stärken
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Die Film- und Medienstiftung NRW gehört mit ihrem Engagement zu den wichtigsten Förderhäusern
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Deutschlands. Mit der anstehenden FFG-Novelle des Bundes wollen wir auch die Filmförderinstrumente
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des Landes und die Rahmenbedingungen in Abstimmung mit der Filmbranche neu ordnen, vereinfachen
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und transparenter machen. Auch im Bereich Games ist Nordrhein-Westfalen mit der Film- und
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Medienstiftung NRW im Bundesvergleich Spitzenreiter. Wir wollen die Zahl der Games-Entwicklungen aus
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Nordrhein-Westfalen durch verstärkte Aus- und Fortbildung von Fachkräften stärken. Durch gezielte
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Anschubfinanzierungen von Projekten mit einer wirtschaftlichen Perspektive wollen wir
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Dauersubventionen beenden.
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Kultur und Kulturfreiheit sind wichtige Grundlagen für eine liberale Gesellschaft. Demokratie als
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Ermöglichungsrahmen für Freiheit braucht Kultur, so wie Kultur selbst von dieser Freiheit lebt. Jeder
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Bedrohung dieses Wechselverhältnisses stellen wir uns entschlossen entgegen. Kultur ist Identität und
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Bildung. Sie ist Kritik und gesellschaftliches Korrektiv. Kultur ermöglicht das Einnehmen neuer
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Perspektiven und erweitert unseren Horizont. Verstörendes wie Begeisterndes lassen uns unsere Haltung
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und Erfahrungen hinterfragen und öffnen den Blick für Neues, in Vergessenheit Geratenes und
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Ungewöhnliches.
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Unsere Kulturpolitik ist daher geprägt von der gleichmäßigen Wertschätzung der verschiedensten
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Erscheinungsformen von Kunst und Kultur. Aus dieser Haltung wollen wir Breite und Vielfalt der
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Kulturszene unseres Landes stärken. Dies gilt für die institutionelle Kultur wie unsere einzigartige Vielfalt
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der Theater, Opern, Museen, die verschiedenen Sparten der freien Szene sowie die Breitenkultur. Wir
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wollen den Akteurinnen und Akteuren bestmögliche Bedingungen für die qualitative Weiterentwicklung
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ihres Programms bieten und ihre Angebote für ein möglichst großes und vielfältiges Publikum erschließen.
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Wir stehen für gesellschaftliche Offenheit und Pluralität und deswegen auch für die Freiheit und
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Eigensinnigkeit von Kunst.
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Wir haben für einen deutlichen Aufwuchs der Kulturförderung des Landes um 50 Prozent gesorgt. Damit
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konnten wir für eine spürbare Stärkung der Kulturszene in Nordrhein-Westfalen sorgen. Wir wollen diesen
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Weg fortsetzen und auch zukünftig den Kulturetat steigern, mit einem jährlichen Zuwachs von 20
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Millionen Euro.
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Kulturgarantie für Kinder: kulturelle Bildung systematisch ausbauen
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Auch weiterhin wollen wir das Thema kulturelle Bildung verstärkt in den Blick nehmen. Sie ist
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Zukunftsaufgabe und Bildungsziel für unsere vielfältige Gesellschaft. Über alle Altersgrenzen hinweg und
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unabhängig von Herkunft und Bildungshintergrund soll für jede und jeden ein passendes Angebot für
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kulturelle Bildung zur Verfügung stehen. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich wollen wir jedem Kind
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Begegnungen mit Kunst und Kultur ermöglichen. Bereits bestehende Projekte wie „JeKits“ wollen wir
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weiter etablieren, stärken und zu einem 3K-Programm als echte Kulturgarantie ausbauen. Unabhängig
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von der Schulform soll darüber jedes Kind mindestens drei verschiedene, altersgerechte Kulturangebote
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besuchen, in der dritten, siebten und zehnten beziehungsweise Abschlussklasse. Kulturelle Bildung hat
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für uns als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe einen besonderen Stellenwert.
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Kulturelle Infrastruktur im ländlichen Raum stärken
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Ort nötig. Viele Kulturstätten sind in schlechtem baulichen Zustand, entsprechen nicht dem neuesten
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Stand der Technik, sind vielerorts nicht barrierefrei und nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht
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im erforderlichen Rahmen. Insbesondere bereitet die inhaltliche Neuausrichtung auf die veränderten
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Anforderungen des Publikums Probleme. Hier ist das Land gefordert, Kommunen und
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Landschaftsverbände bei dieser überregionalen Aufgabe zu unterstützen. Eine stärkere Vernetzung der
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Kultureinrichtungen im ländlichen Raum untereinander und mit anderen Institutionen ist die Basis dafür.
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Wir setzen uns für die Stärkung des Programms „Dritte Orte“ ein und wollen einen Landesfonds für die
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Stärkung kultureller Infrastruktur im ländlichen Raum entwickeln. Ein solches Förderprogramm soll lokale
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Initiativen unterstützen, die Kultureinrichtungen wie zum Beispiel kleine Bühnen oder Programm-Kinos
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wieder in Betrieb nehmen, sanieren oder den Weiterbetrieb sichern. Dafür setzen wir weiter auf die enge
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Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Landschaftsverbänden, die wesentliche Träger der Kultur
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im ganzen Land sind.
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Förderung von Spitzenkultur ausbauen
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Die Breite und Vielfalt unserer Kulturlandschaft erfährt wesentliche Impulse von künstlerischer
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Spitzenleistung. Mit einer Förderung, die Stärken stärkt, wollen wir sowohl Ausstrahlung und Austausch
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in nationale und internationale Kulturszenen erhöhen, als auch die Orientierung an Professionalität und
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die damit verbundene Inspiration für den künstlerischen Nachwuchs ermöglichen. Die gleichzeitige
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Förderung von Spitze und Breite ist für uns kein Widerspruch, sondern Anerkennung eines integralen
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Zusammenhangs.
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Diversität in der Kultur stärken
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Unsere Gesellschaft ist vielfältiger – und damit auch die kulturellen Hintergründe der Menschen in
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unserem Land. Wir begreifen diese Vielfältigkeit als Chance und Bereicherung. Unsere Kulturinstitutionen
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haben begonnen, diese Einflüsse aufzunehmen und zu repräsentieren. Dies muss sich über thematische
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Öffnungen der Programme und Produktionen, aber auch in der Integration von Künstlerinnen und
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Künstlern bis hin zur Besetzung von Leitungspositionen zeigen. Wir wollen diese Prozesse noch stärker
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unterstützen. Kunst sollte nicht exklusiv oder gar elitär ausschließen, sondern die offene und integrative
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Gesellschaft leben und damit fördern.
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Faire Honorare im Kulturbetrieb
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In der Freien Szene wird mit viel Engagement, aber auch häufig unter fragwürdigen finanziellen
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Bedingungen gearbeitet. Neben der individuellen Eigenverantwortung sehen wir auch
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Kulturveranstaltende und öffentliche Fördergeber in der Pflicht, Mindeststandards zu gewährleisten. Wir
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streben deshalb an, in der Ausbildung an Kunst- und Musikhochschulen das unternehmerische
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Selbstverständnis von Künstlerinnen und Künstlern zu stärken. Darüber hinaus wollen wir
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Fördersystematiken so ausrichten, dass faire Honorierung in Projekten Fördervoraussetzung wird und
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Strukturkosten als Voraussetzung für künstlerische Produktionen besser berücksichtigt werden. Wir
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halten darüber hinaus die Frage einer verlässlichen Absicherung von soloselbstständigen Künstlerinnen
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und Künstlern für eine der drängendsten Aufgaben und wir unterstützen die entsprechenden
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Bemühungen auf Bundesebene.
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Digitalisierung in und für die Kunst
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Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle in der Kunst – als Element künstlerischer Praxis, als Medium
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der Vermittlung oder unterschiedlichster Formen der Rezeption. Sie ist integraler Bestandteil des
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Kulturbetriebs und muss so behandelt werden. Wir setzen uns für den Aufbau entsprechender
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Infrastrukturen, die stärkere Berücksichtigung digitaler Herausforderungen für Produktion und
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Distribution von Kunst in den Förderprogrammen und die Verstärkung digitaler Strategien für die
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Vermittlung von Kunst in der kulturellen Bildung ein.
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Kreativwirtschaft: Experimentier- und Freiräume ausbauen, neue Märkte und Kunden erschließen
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zweiten Platz hinter der Metallindustrie ein. Wir wollen Produktions- und Experimentierräume über alle
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Sparten und Grenzen hinweg ausbauen und so Nordrhein-Westfalen als attraktiven Standort für Kreative
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sowie Künstlerinnen und Künstler weiter stärken, insbesondere für Soloselbständige. Die digitale
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Sichtbarkeit gerade der kleinen und mittleren Betriebe der Kreativwirtschaft, um neue Kunden zu
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gewinnen, wollen wir unterstützen. Das Wachstum von kreativwirtschaftlichen Unternehmen in
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regionalen Märkten und im ländlichen Raum soll durch strukturelle Impulse gefördert werden. Die Stärke
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der Kreativwirtschaft beim Erschließen internationaler Märke durch Innovationen wollen wir sichern. Wir
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wollen die Kreativwirtschaft attraktiver für ausländische Firmen und Venture Capital Investoren und dazu
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auch im europäischen Standortwettbewerb sichtbarer machen. Integrativer Bestandteil der
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Kreativwirtschaft ist die Musik- und Filmkultur, die durch insbesondere Netzwerkaktivitäten,
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internationale Kooperationen sowie Nachwuchsförderung gestärkt werden soll. Die Digitale
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Kreativwirtschaft wollen wir als Motor von neuem Wachstum stärken. Innovationen in digitalen
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Produkten und Plattformen sollen dazu vorangetrieben werden.
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Denkmalschutz
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Denkmäler, besonders Baudenkmäler, schaffen Identifikation, ziehen Touristen und historisch
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Interessierte an, bewahren Erinnerung. Die Aufgabe der Erhaltung und Nutzung nehmen
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Denkmaleigentümer für die Allgemeinheit wahr. Das wird, auch finanziell, immer noch zu wenig
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gewürdigt. Denkmaleigentümer brauchen nicht nur mehr finanzielle Unterstützung, sie benötigen auch
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kompetente Ansprechpartner, die in der Lage sind, schnell die notwendige Beratung und Genehmigung
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auf den Weg zu bringen und erklären können, wo finanzielle Unterstützung zu erhalten ist. Ebenso ist
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fachliche Expertise in und für die Denkmalbehörden vorzuhalten.
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Auch wer den eigenen Lebensweg selbstbestimmt geht und seine Talente entfaltet, erlebt Rückschläge
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und manchmal auch Schicksalsschläge. In solchen schwierigen Phasen des Lebens braucht es eine starke
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Gemeinschaft, die Unterstützung bietet. Das zeichnet unseren Sozialstaat aus. Ziel staatlicher Hilfe muss
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dabei sein, aus der Stabilisierung heraus den eigenen Lebensweg wieder selbstständig gehen zu können.
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Dazu wollen wir Unterstützungsleistungen treffsicherer machen.
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Für uns heißt dies auch, dass Menschen eine zweite und dritte Chance bekommen. Wir geben Menschen
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nicht auf. Zugleich setzen wir auf eigene Anstrengung und auch Eigeninitiative. Wir wollen dazu das
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Unterstützungsnetzwerk um Menschen herum stärken, etwa Familien, aber auch ehrenamtliche und
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nachbarschaftliche Strukturen.
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Wir wollen zudem die Idee einer „One-Stop-Agency“ für Unterstützungsleistungen als zentralem Anlauf-
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und Lotsenpunkt umsetzen. Wir wollen es den Menschen einfacher machen, Hilfsangebote zu erkennen
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und in Anspruch zu nehmen. Als Ansprechpartner setzen wir hier zunächst auf Generalisten wie
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Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die niedrigschwellig, zum Beispiel im Stadtteil-Café, ansprechbar
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sind. Spezifische weiterführende Hilfsangebote können vermittelt und eingebunden werden.
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Möglichst langes Wohnen in den eigenen vier Wänden
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Wir Freien Demokraten wollen eine selbstbewusste und selbstbestimmte Lebensführung für alle
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Menschen – ein gutes Miteinander von Jung und Alt. Deshalb setzen wir uns für ein möglichst langes
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Wohnen in den eigenen vier Wänden ein. Dazu wollen wir generationsübergreifende Wohnmodelle mit
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bezahlbarem Wohnraum und die Entwicklung technischer Assistenzsysteme (auch Robotik) vorantreiben.
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig eine krisenfeste Hilfeinfrastruktur ist.
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Diese werden wir weiterentwickeln. Wir wollen eine Koordinierungsstelle schaffen, die in Abstimmung
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mit Bund und Ländern eine wirksame und nachhaltige Gesamtstrategie zur Prävention und Bekämpfung
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von häuslicher Gewalt gegen Frauen und Männer entwickelt.
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Wir setzen uns für die Einführung eines länderübergreifenden Online-Registers zur Registrierung und
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Abfrage von freien Frauenhausplätzen sowie einen weiteren Ausbau der Frauenhausinfrastruktur ein. Wir
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wollen zudem eine Hilfeinfrastruktur mit Akutschutzplätzen für Männer schaffen und zwischen den
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Ländern vernetzen.
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Wohnungslosigkeit bekämpfen
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Mit der Landesinitiative „Endlich ein ZUHAUSE!“ und der deutlichen Steigerung der finanziellen Mittel
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werden durch eine Vernetzung und Kooperation von Sozialarbeit, Suchtberatung und
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Wohnungswirtschaft wohnungslose Menschen besser in dauerhafte Wohnverhältnisse vermittelt bzw.
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vor einem drohenden Wohnungsverlust bewahrt. Wir wollen die entsprechenden Projekte
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flächendeckend auf alle Kreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen ausweiten und dabei die
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zielgruppenspezifischen Bedürfnisse von wohnungslosen Frauen, Jugendlichen beziehungsweise jungen
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Erwachsenen sowie Menschen mit Einwanderungsgeschichte verstärkt berücksichtigen.
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Aussteigerprogramme ausbauen
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Manche Lebenswege führen aus unterschiedlichen Gründen in teilweise extremistische Strukturen, aus
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denen ein Ausstieg nicht einfach ist. Das Programm „Spurwechsel“, das sich aus der Mitte der Gesellschaft
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an Personen aus einem rechtsextremen Umfeld richtet, ist ein Beispiel für ein entsprechendes
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Hilfsangebot in einer solchen Situation. Wir wollen die bestehenden Aussteigerprogramme, insbesondere
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auch zur Extremismus-Prävention, stärken und weiterentwickeln. Gerade in dem Bereich der Clan-
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Kriminalität und in der Querdenker-Szene können Beratungs- und Hilfsangebote dazu beitragen,
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Menschen zu erreichen, die bislang für staatliche Stellen nicht ansprechbar waren. Wir sind überzeugt:
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Die Stärke einer liberalen Gesellschaft zeigt sich auch in Angeboten für diejenigen, die in sie zurückkehren
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wollen.
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Ehrenamt stärken
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Grundlage für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist bürgerschaftliches Engagement. Viele
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Hilfsangebote für Menschen in schwierigen Lebensphasen werden vom Ehrenamt getragen. Das
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Engagement von Ehrenamtlichen erstreckt sich weit darüber hinaus. Deswegen werden wir
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zivilgesellschaftliches Engagement in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens weiter
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stärken und bestehende Konzepte und Strategien dafür fortschreiben. Wir wollen die Leistungen der
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Engagierten noch stärker würdigen und in das öffentliche Bewusstsein bringen. Die jeweiligen Vereine
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und Verbände wollen wir bei Qualifizierungsangeboten unterstützen. Zudem werden wir Ehrenamtliche
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mit dem Ausbau des Versicherungsschutzes besser absichern.
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Unsere Freiheits- und Bürgerrechte sind die Grundpfeiler einer starken Demokratie. Die Ausübung der
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Grundrechte in der Bundesrepublik Deutschland war noch nie so eingeengt wie seit dem Beginn der
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Corona-Pandemie. Für uns ist klar: Notwendige Eingriffe in die Grundrechte müssen stets verhältnismäßig
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und in Dauer und Tragweite auf das Nötigste beschränkt sein. Nicht die Ausübung von Grundrechten ist
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rechtfertigungsbedürftig, sondern ihre Beschränkung.
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Wir setzen uns für eine wehrhafte, starke Demokratie mit einer offenen Debattenkultur ein. Gleichzeitig
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dürfen wir nicht zulassen, dass sie von antidemokratischen Kräften ausgehöhlt wird. Auch auf gezielte
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Desinformation, Politikverdrossenheit und sinkendes Vertrauen in Regierungen, Parteien und Parlamente
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damit mehr Menschen unser Gemeinwesen mitgestalten und es so tragen. Zudem wollen wir staatliche
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Strukturen auf den Prüfstand stellen, ob sie den Anforderungen der Zeit gerecht werden. Denn wenn der
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Staat seine Aufgaben gerade im Krisenfall nicht umfassend erfüllen kann, erschüttert dies Vertrauen.
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Zudem muss unser Rechtsstaat so aufgestellt sein, dass er unsere Demokratie und unsere Bürgerrechte
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wirksam schützen kann. Außerdem werden wir die Themen Offene Gesellschaft und Demokratie stärker
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in der Bildung verankern.
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Junge Menschen stärker in politische Entscheidungen und Wahlen einbinden
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Junge Menschen tragen Verantwortung für ihre Entscheidungen, können ihre Religion frei wählen,
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arbeiten, zahlen Steuern und sind Teil des Wirtschaftslebens. Viele junge Menschen unter 18 engagieren
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sich politisch und sind kommunalpolitisch aktiv. Aus diesem Grund wollen wir das passive Wahlrecht bei
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Kommunalwahlen sowie das aktive Wahlrecht bei Landtagswahlen auf 16 Jahre herabsetzen.
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Kurzfristig wollen wir die Gemeindeordnung dahingehend ändern, dass Jugendliche ab 16 Jahren als
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sachkundige Einwohnerinnen und Einwohner Ausschüssen auf der kommunalen Ebene angehören dürfen.
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Wir wollen darüber hinaus kommunalen Kinder- und Jugendparlamenten ermöglichen, ein Mitglied in den
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Jugendhilfeausschuss zu entsenden, das dort über ein Vorschlags- und Beteiligungsrecht verfügt.
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Wir wollen die Kommunen außerdem beim Auf- und Ausbau von kommunaler Jugendpartizipation
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unterstützen. Kinder und Jugendliche sollen das verbindliche Recht erhalten, an Planungen und Vorhaben
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mitzuwirken, die deren Interessen berühren. Kommunen und Gemeinden, die Interesse an der
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Einrichtung eines Kinder- oder Jugendparlaments haben, wollen wir über die Servicestelle für Kinder- und
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Jugendbeteiligung NRW stärker durch Beratung unterstützen. Wir erwarten von allen Kommunen, dass
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sie Strukturen der dauerhaften und verbindlichen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen etablieren,
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wie sie insbesondere auch Kinder- und Jugendräte darstellen. Dies gilt auch für die Ebene der Landkreise
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mit einer Anbindung an Kreistage. Bereits bestehende kommunale Strukturen, bei denen das
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Jugendgremium den Status eines offiziellen Gremiums der Stadt hat und mit denen die Beteiligung an
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politischen Prozessen verbindlich verankert ist, weisen den Weg.
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Kinder und Jugendliche haben sich während der Pandemie in der Debatte um Einschränkungen und
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Öffnungen des öffentlichen Lebens oft zu wenig berücksichtigt und gehört gefühlt. Wir haben darum
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bereits die Weichen für das deutschlandweit erste direkt und frei gewählte Landesjugendparlament
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gestellt. Es soll dauerhafte, krisenfeste Strukturen für Jugendbeteiligung gegenüber der (Landes-)Politik
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schaffen.
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Digitale Volksinitiativen ermöglichen
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Digitale Beteiligungsformen bieten die Chance, mehr Menschen in demokratische Prozesse einzubinden.
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Neue Möglichkeiten wollen wir deswegen nutzen. Orientiert an Beispielen aus anderen Bundesländern
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wollen wir ermöglichen, dass Bürgerinnen und Bürger Volksinitiativen und Bürgerbegehren künftig auch
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in einem sicheren, digitalen Verfahren mit ihrer Unterschrift unterstützen können.
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Staatliche Strukturen auf den Prüfstand stellen
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Verschiedene Krisensituationen haben gezeigt, dass der Staat in verschiedenen Bereichen nicht immer
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ausreichend handlungs- und leistungsfähig ist. Das Fax-Gerät in der Pandemie ist hierfür zum Sinnbild
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geworden. Wir wollen deswegen „den Staat“ auf den Prüfstand stellen, ob er auf der Höhe der Zeit ist –
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vom Schutz der kritischen Infrastruktur über Herausforderungen durch den Klimawandel bis zu
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Anforderungen durch die Digitalisierung. Hierzu werden wir die Einsetzung einer beim Landtag
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angesiedelten, überparteilichen Kommission vorschlagen. Unser Ziel ist eine umfassende
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Verwaltungsmodernisierung. Im Zuge dieser Verwaltungsmodernisierung wollen wir ebenfalls eine
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Föderalismusreform mit der Überarbeitung der Zuständigkeiten unter anderem von Kommunen, Kreisen,
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Aufgaben im Ernstfall auch gerecht wird, wird dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger gerecht.
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Landtagswahlkreise reduzieren
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Ein arbeitsfähiges Parlament hat für uns eine zentrale Bedeutung. Bedingt durch die vielen
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Landtagswahlkreise (127 Wahlkreise auf 181 Sitze) ist die Wahrscheinlichkeit für Überhang- und
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Ausgleichsmandate relativ groß. Wir setzen uns deswegen dafür ein, dass sich der nächste Landtag
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zeitnah nach der Wahl mit einer Reduzierung der Wahlkreise auf 90 bzw. 91 Wahlkreise befasst.
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Karenzzeit für Richterwahlen einführen
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Um die richterliche Unabhängigkeit zu stärken, wollen wir eine Karenzzeit für Abgeordnete,
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Staatssekretäre und Minister schaffen, die als Richterin oder Richter an den Verfassungsgerichtshof für
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das Land Nordrhein-Westfalen berufen werden sollen. Es soll ausgeschlossen werden, dass sie über
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Sachverhalte zu entscheiden haben, an denen sie in vorheriger Funktion mitgewirkt haben. Eine solche
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Trennung dient nicht nur der richterlichen Unabhängigkeit, sondern sichert auch die Gewaltenteilung
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ab.
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Teilhabe bedeutet für uns mehr als nur dabei zu sein. Es ist die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten und
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gemeinsam etwas aufzubauen. Jede und jeder Einzelne ist wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft
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und soll eine echte Chance auf Teilhabe in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens
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haben. Wir wollen deswegen Barrieren für Teilhabe abbauen. Das umfasst nicht nur physische
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Barrierefreiheit, sondern auch Hürden für Teilhabe darüber hinaus.
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Teilhabe im Alter
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Wir wollen, dass unsere Gesellschaft von der Lebenserfahrung älterer Menschen profitieren kann. Dazu
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wollen wir mehr Selbstbestimmung und Flexibilität beim Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand.
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Wir wollen gesetzliche Höchstaltersgrenzen auch außerhalb des Berufslebens abbauen. Ehrenamtliches
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Engagement von Senioren wollen wir mit Hilfe von passgenauen Angeboten auch unterhalb des zeitlichen
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Aufwandes der Freiwilligendienste fördern.
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Zur Stärkung der Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben zählen die Versorgung mit
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Waren und Dienstleistungen in erreichbarer Nähe, Mobilitätsangebote, haushaltsnahe und pflegerische
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Dienstleistungen, Freizeitangebote und soziale Begegnungsmöglichkeiten. Wir wollen den Zugang zu
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entsprechenden Angeboten sowie zu präventiven und vorpflegerischen Dienstleistungen erleichtern und
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die professionellen Anbieter in Pflege und Altenhilfe in ihrem räumlichen Umfeld besser vernetzen.
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Wir wollen eine Ansprechperson für die Belange von Seniorinnen und Senioren auf Landesebene
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etablieren, die jährlich dem Landtag einen Bericht vorlegen soll. An sie sollen sich sowohl alle
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Seniorenvertretungen als auch grundsätzlich alle älteren Menschen in Nordrhein-Westfalen mit
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Anregungen, Einwendungen und Hinweisen wenden können.
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Einsamkeit und sozialer Isolation begegnen
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Ein Gefühl von dauerhafter Einsamkeit stellt ein erhebliches Risiko für die Gesundheit der betroffenen
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Person dar. Dabei handelt es sich längst um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das diverse
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Lebensbereiche berührt und damit auch Auswirkungen auf das Gesundheits- und Sozialsystem hat. Wir
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wollen das Bewusstsein hierfür erhöhen, die Erforschung fördern und die Anerkennung des Phänomens
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Einsamkeit und seiner Folgen steigern. Wir setzen uns dafür ein, dass Maßnahmen gegen Einsamkeit
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und ihrer Folgen zentral organisiert werden und diesem Phänomen damit umfassend begegnet wird. Wir
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wollen die Vernetzung aller beteiligten Akteure fördern und setzen uns dafür ein, dass das Thema
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Beachtung erfährt.
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Digitale Teilhabe
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Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen. Digitale Technologien bieten Menschen mit
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Beeinträchtigungen neue Möglichkeiten, Barrieren zu überwinden und am gesellschaftlichen Leben
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teilzuhaben. Wir wollen die Potenziale der Digitalisierung für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung
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weiter erschließen und dabei die Entwicklung spezieller digitaler Hilfsmittel und assistiver Technologien
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unter Einbeziehung von künstlicher Intelligenz, Robotik und Augmented Reality unterstützen. Wir wollen
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die Entwicklung und den Einsatz digitaler Assistenz bei der Inklusion im Arbeitsmarkt und bei der
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Gestaltung von Arbeitsplätzen voranbringen. Wir setzen uns für die verstärkte Schulung von älteren
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Menschen zur Nutzung der digitalen Systeme ein.
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Teilhabe am Arbeitsleben
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Zur Stärkung der Teilhabe an Arbeit setzen wir auf innovative, praktikable und betriebsnahe Lösungen.
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Der Erfolg bei der Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt ist stark abhängig
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von handelnden Personen und existierenden regionalen Netzwerken. Deshalb wollen wir die
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Aufklärungsarbeit bei den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern intensivieren und dabei die
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Fachberaterinnen und Fachberater Inklusion bei den Kammern noch stärker einbinden. Wir wollen dabei
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auch das Budget für Arbeit verstärkt nutzen und zudem die bestehenden Angebote für Arbeitsassistenzen
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erweitern. Wir wollen die erfolgreiche Arbeit der Inklusionsunternehmen fortsetzen und die Arbeit der
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Werkstätten (WfbM) weiterentwickeln. Werkstätten, die mit Unternehmen kooperieren und somit einen
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fließenden Übergang von der Werkstatt in den Arbeitsmarkt ermöglichen, haben für uns Modellcharakter.
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Persönliches Budget ausbauen
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Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt ihr Leben gestalten können und die
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Chance auf gesellschaftliche Teilhabe in allen Lebensbereichen erhalten. Wir wollen deshalb die
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Inanspruchnahme des persönlichen Budgets ausbauen. So können hilfebedürftige Menschen statt der
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Sachleistung eine Geldleistung in Anspruch nehmen. Sie sind Kundinnen und Kunden, die selbst
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entscheiden, welcher Anbieter oder welche Person die jeweilige Hilfe erbringen soll. Dazu sind
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insbesondere verstärkte Informationen und vereinfachte Verfahren erforderlich.
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Sport stärkt Körper, Geist und Seele – unter anderem durch das gemeinsame Überwinden von Grenzen.
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Breiten‐, Freizeit‐ oder Profisport prägen viele Grundlagen für den eigenen Lebensweg: Fairness, Respekt,
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Leistungsbereitschaft, Disziplin, Teamgeist und mentale Stärke. Der organisierte Sport mit all seinen
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Vereinen trägt eine große Verantwortung, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Im Sportverein
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werden das Miteinander gefördert und der faire Umgang gefordert. Sport ist integrativ, inklusiv und
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verbindet Generationen. Auch mit Blick auf den Gesundheitsschutz hat der Sport eine bedeutende Rolle.
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Zudem ist der Sport einer der größten Wirtschaftsfaktoren im Sportland NRW.
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Zum Sport gehören gesundes Trainieren und Ernähren, das Stärken des Gesundheitsbewusstseins und die
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Prävention von Verletzungen genauso wie der Schutz vor Missbrauch und Doping. Insbesondere im
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Leistungssport kommt der verantwortungsvolle Umgang mit den Talenten und Zukunftschancen junger
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Menschen hinzu.
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Nordrhein-Westfalen als Sportland stärken
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Nordrhein-Westfalen versteht sich als großes Sportland und wirbt mit dem Slogan „Sportland Nr. 1“. Um
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diesem Anspruch gerecht zu werden, setzen wir auf hervorragende Spitzensportlerinnen und -sportler
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sowie einen starken Nachwuchs. Wir wollen ein ausgewogenes Förderverhältnis von Leistungs- und
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Breitensport, denn beide Bereiche ergänzen sich. Nordrhein-Westfalen braucht starke Partner im Sport,
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um seine Ziele zu erreichen. Den Plan „Nr. 1 Sportland NRW“ wollen wir als wichtiges Instrument zur
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Landespartner sichern.
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Großsportveranstaltungen unterstützen
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Unser Sportland zeichnet sich durch die Ausrichtung nationaler und internationaler
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Sportgroßveranstaltungen aus. Wir wollen, dass unser Land auch künftig Gastgeber von herausragenden
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Sportereignissen ist. Sportgroßveranstaltungen haben in Nordrhein-Westfalen ein Heimspiel. Wir
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unterstützen daher neben vielen Großsportveranstaltungen zum Beispiel die FISU World University
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Games – die Sommer-Universiade 2025 – in der Rhein-Ruhr-Region. Auch einer Bewerbung für die
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Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Nordrhein-Westfalen, die durch die Initiative „Rhein
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Ruhr City 2032“ für einen späteren Zeitpunkt angestrebt wird, stehen wir positiv gegenüber.
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Olympischen Gedanken und Nachwuchssportler fördern
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Für hochklassigen Leistungssport brauchen wir eine sehr gute Förderung und eine ausreichende Breite
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von talentierten Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportlern. Hierfür wollen wir eine attraktive,
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ausgewogene und bedarfsorientierte Infrastruktur sicherstellen. Wir wollen, dass junge
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Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler ihre Chancen und Talente für eine Karriere im Sport
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bestmöglich nutzen können, gleichzeitig aber auch durch schulische Bildung und berufliche Ausbildung
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für die Zeit nach ihrer Karriere oder ein frühzeitiges, sportliches Aus abgesichert sind.
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Fair Play im Sport – gegen Diskriminierung und Missbrauch
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Sport bringt Menschen zusammen und lehrt das Fair Play, also Fairness, Akzeptanz von Regeln und die
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Achtung des sportlichen Gegners. Durch die Förderung von gegenseitigem Vertrauen und Teamgeist ist
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der Sport daher Türöffner zur gesellschaftlichen Integration. Dennoch kommt es sowohl im Profi- und
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Leistungssport wie auch im Amateursport immer wieder zu ausgrenzenden, rassistischen oder
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diskriminierenden Vorfällen und leider vereinzelt auch zu sexuellem Missbrauch von Kindern und
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Jugendlichen. Uns ist der Schutz vor physischer und psychischer Gewalt im Sport ein wichtiges Anliegen.
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In Nordrhein-Westfalen wird seit Jahren Präventionsarbeit im Sport durch den Landessportbund mit
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Unterstützung durch das Land betrieben. Mit der Fortschreibung des Plans „Nr. 1 Sportland NRW“ werden
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wir konkrete Maßnahmen zur Prävention sexualisierter Gewalt und zum entschlossenen Entgegentreten
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bei Mobbing, Diskriminierung und Rassismus auch zukünftig sicherstellen und flächendeckend eine
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achtsame Vereinskultur fördern.
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Motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Kindern und Jugendlichen fördern
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Sport ist wichtig für die Gesundheitsförderung und ganz besonders auch für die Entwicklung von Kindern,
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die ihre Umwelt auch durch Bewegung erschließen. Den frühkindlichen Mängeln in Form von
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Haltungsschäden, unzureichender Koordinationsfähigkeit, Defizite bei körperlichen Ausdauerleistungen
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und Übergewicht wollen wir begegnen, indem wir das Programm „Sportplatz Kommune“ auf ganz
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Nordrhein-Westfalen ausrollen. Wir setzen uns dafür ein, dass vor Ort Grün- und Freiflächen für
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Bewegung erhalten bzw. geschaffen werden.
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Schwimmfähigkeit von Kindern stärken
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Schwimmen zu können ist nicht nur eine sportliche Frage, es kann das Leben retten. Die zunehmende
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mangelnde Schwimmfähigkeit insbesondere von Kindern und Jugendlichen ist seit Jahren
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besorgniserregend. Die Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben unsere Kinder und
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Jugendliche stark belastet, der Landesaktionsplan „Schwimmen lernen in NRW 2019 – 2022“ ist deutlich
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ins Stocken geraten. Diesen Trend wollen wir umkehren. Wir wollen ein „Jahr des Schwimmens“ ausrufen
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und mehrgleisige Möglichkeiten zur Vermittlung der lebenswichtigen Schwimmfähigkeit nutzen, damit
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alle Kinder und Jugendlichen dies erlernen können. Für uns beginnt sicheres Schwimmen mit dem Erwerb
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des Bronze‐Schwimmabzeichens. Es bleibt unser Ziel, dass jedes Kind am Ende der Grundschulzeit sicher
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schwimmen kann.
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Das 300 Millionen Euro umfassende Landessportstätteninvestitionsprogramm hat die lang
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herbeigesehnte Wende eingeleitet und den zunehmenden Verfall unserer fast 38.000 Sportstätten in
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Nordrhein-Westfalen beendet. Wir wollen das Landesprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ auswerten
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und die Sportstätteninfrastruktur bedarfsorientiert weiter sanieren, modernisieren und zukunftsweisend
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ausbauen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Modernisierung und dem Ausbau der
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Schwimmbadinfrastruktur.
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Digitalisierung im Sport vorantreiben
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Die Digitalisierung im Sport muss auf allen Ebenen vorangetrieben werden. Wir wollen den Vereinen und
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Ehrenamtlichen helfen, die Chancen der Digitalisierung für eine unbürokratischere und einfachere
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Vereinsführung zu nutzen. Digitalisierung im Sport bedeutet aber auch die vollumfängliche Anerkennung
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des E-Sports. Hierzu wollen wir die rechtlichen Grundlagen für die Anerkennung des E-Sports als
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gemeinnütziger Zweck schaffen. Auch Sportvereine sollen partizipieren können. In Nordrhein-Westfalen
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wollen wir den Aufbau von Verbands- und Ligastrukturen vorantreiben und den begonnenen Aufbau von
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E-Sport-Zentren einschließlich einer professionell organisierten E-Sportausbildung unterstützen.
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Die Herausforderungen unserer Zeit können nicht mehr nur national gelöst werden, sondern nur mit
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internationaler Zusammenarbeit. Nordrhein-Westfalen übernimmt darum auch als Bundesland
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internationale Verantwortung in Europa und der Welt. Wir wollen die europäische und internationale
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Zusammenarbeit gezielt ausbauen, um aus den großen Herausforderungen die großen Chancen unserer
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Zeit zu machen.
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Nordrhein-Westfalen liegt im Herzen Europas. Für uns ist europäische Zusammenarbeit deswegen
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selbstverständlich. Unter anderem über den Ausschuss der Regionen wollen wir Nordrhein-Westfalen als
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Stimme der regionalen und lokalen Ebene in der regionalen europäischen Zusammenarbeit stärken.
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Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit Nordrhein-Westfalens soll darüber hinaus nicht an den
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Grenzen der Europäischen Union Halt machen. Als bevölkerungsreichstes Bundesland mit vielfältigen
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Erfahrungen in den Bereichen Strukturwandel und Industrie wollen wir auch Verantwortung in der
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internationalen Zusammenarbeit übernehmen. Entwicklungszusammenarbeit umfasst für uns auch die
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Stärkung des grenzüberschreitenden Handels und internationaler Messen. Gemeinsam mit der nordrhein-
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westfälischen Investitionsagentur NRW.Global Business wollen wir auf den weiteren Abbau
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internationaler Handelshürden und Beschränkungen hinwirken.
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Einfluss in der EU nutzen und ausbauen
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Wir wollen die Rolle Nordrhein-Westfalens in der Europäischen Union weiter stärken und über die
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Kontakte mit und in den EU-Institutionen unsere weitreichenden Erfahrungen mit dem Strukturwandel
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einbringen, um beispielsweise einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels zu leisten. Dabei soll auch
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der Austausch zwischen Forschenden zum Strukturwandel und der betroffenen Akteure in der Region
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weiter gestärkt werden.
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Grenzübergreifende Task Forces etablieren
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Nordrhein-Westfalen, Belgien und die Niederlande haben zu Beginn der Corona-Pandemie eine „Cross-
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Border Task Force Corona“ geschaffen. Durch regelmäßigen und schnellen Informationsaustausch wurden
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Kräfte so gebündelt, Maßnahmen abgestimmt und vor allem die Grenzen offengehalten, um
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Grenzpendlern die Arbeit im Nachbarland zu ermöglichen und Lieferketten aufrechtzuerhalten. Die
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Aufnahme und Versorgung belgischer und niederländischer Covid-19-Patienten mit schweren
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Krankheitsverläufen war ein Akt gelebter europäischer Solidarität.
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und ihre Handlungsfelder ausweiten. Die Task Force soll in enger Zusammenarbeit mit den Euregios und
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weiteren Kooperationspartnern grenzüberschreitende Hindernisse identifizieren und im Rahmen einer
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jährlich stattfindenden trilateralen Regierungskonsultation Handlungsmaßnahmen zu ihrem Abbau
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vorschlagen. Darüber hinaus soll sie verstärkt potenzielle grenzüberschreitende Projektkooperationen
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identifizieren und die Möglichkeiten einer gezielten EU-Förderung ausloten. Auf diese Weise wollen wir
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die Zusammenarbeit mit Belgien und den Niederlanden auf eine neue Stufe heben. Sie soll eine
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Vorreiterrolle für grenzüberschreitende, regionale Kooperation einnehmen und eine Vorbildfunktion für
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ganz Europa entfalten. Beispiele für eine engere Zusammenarbeit sind die Förderung der EUREGIO-
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Profilschulen, die Stärkung der Grenz-Info-Punkte, die grenzüberschreitende feuerwehrdienstliche
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Versorgung und medizinische Notfallhilfe sowie ein grenzüberschreitender Katastrophenschutz und die
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Weiterentwicklung bi-nationaler Polizeieinsatzteams. Darüber hinaus setzen wir uns weiter dafür ein, die
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Anerkennung von Berufsausbildungen in Grenzregionen zu verbessern und so auch grenzübergreifende
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Ausbildungen zu ermöglichen.
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Zur Entlastung von Unternehmen in Grenzregionen wollen wir die tagesaktuell vorzuweisenden A1-
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Entsendebescheinigungen zum Nachweis der Sozialversicherung digitalisieren.
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Deutsch-Niederländischen Austausch fördern
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Seit 2019 fördert Nordrhein-Westfalen das Deutsch-Niederländische Jugendwerk und unterstützt damit
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Schüleraustausche, Ausflüge ins Nachbarland oder gemeinsame Veranstaltungsbesuche in den
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Niederlanden und Deutschland. Wir wollen diese finanzielle Förderung ausbauen und verstetigen, damit
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noch mehr junge Menschen zu überzeugten Europäerinnen und Europäern von morgen werden.
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In der Grenzregion liegen zahlreiche Hochschulen und Universitäten, die bereits heute im Vorlauf des EU-
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Projekts des Einsteinteleskops eng zusammenarbeiten. Wir unterstützen Initiativen zur Förderung einer
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engeren grenzüberschreitenden Hochschulzusammenarbeit.
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Freundschaftliche Beziehungen zu Großbritannien vertiefen
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Wir bedauern den EU-Austritt Großbritanniens zutiefst. Nordrhein-Westfalen hat besondere historische
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Beziehungen zum Vereinigten Königreich. Die Briten haben unser Bundesland vor rund 75 Jahren
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gegründet, in der Folgezeit geprägt und beim Aufbau der jungen deutschen Demokratie unterstützt. Wir
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wollen unsere engen und freundschaftlichen Beziehungen zu Großbritannien trotz erfolgtem Brexit
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vertiefen. Wir wollen uns darum auf Bundesebene für die Schaffung eines deutsch-britischen
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Jugendwerks einsetzen, um den Austausch zwischen jungen Menschen zu fördern. Auslandssemester und
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-aufenthalte von Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Azubis wollen wir über das nordrhein-
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westfälisch-britische Stipendienprogramm, das wir bereits in Regierungsverantwortung angestoßen
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haben, weiterhin ermöglichen und finanziell fördern.
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Partnerschaft mit Ghana mit Leben füllen
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Wir wollen die seit 2007 bestehende Partnerschaft mit Ghana weiter voranbringen. Ein jährlich
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stattfindender, institutionalisierter Austausch auf Regierungs- und Parlamentsebene soll künftig dafür
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sorgen, dass die Zusammenarbeit mit Ghana in den Feldern Wirtschaft, Gesundheit, Ressourcenschutz,
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Bildung und Hochschule verstetigt sowie bedarfs- und zielorientiert vertieft wird. Unterstützungsbedarf
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besteht unter anderem auch bei der Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung vor Ort. Weitere Ziele
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sind die Kooperation im Bereich des Migrationsmanagements sowie die Verbesserung der Lebens- und
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Beschäftigungssituation in Ghana.
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Zusammenarbeit mit Israel intensivieren
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Nordrhein-Westfalen ist seit Jahrzehnten Israel besonders verbunden. Anfang 2020 hat das Land in Tel
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Aviv ein Verbindungsbüro für Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Jugend und Kultur eröffnet. Wir wollen
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die vielfältigen Aktivitäten Nordrhein-Westfalens in Israel bündeln, vor Ort präsenter sein und neue
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digitalen Agenda und der Start-up-Entwicklung bestehen zahlreichen Chancen für gemeinsame Projekte,
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die wir nutzen wollen.
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Impulse setzen durch multilaterale Partnerschaften
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Nordrhein-Westfalen verbinden gute Beziehungen zu vielen europäischen Staaten. Mit der französischen
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Region Hauts-de-France und der polnischen Woiwodschaft Schlesien bildet es das Regionale Weimarer
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Dreieck. Wir wollen diese trilaterale Zusammenarbeit in Folge des Frankreich/Polen-Jahres 2021/22
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ausbauen. Wir wollen mit unseren Partnern besprechen, ob wir die Partnerschaft um weitere bestehende
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oder künftige Partnerregionen, wie z.B. das italienische Piemont, erweitern können – auch für neue
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Impulse für europäische Zusammenarbeit.
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Rechtsstaatlichkeit in Europa stärken und einfordern
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Wir stehen für Rechtsstaatlichkeit in ganz Europa ein. Der Rechtsstaatsmechanismus ist ein Schritt in die
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richtige Richtung. Wir setzen uns auf Bundes- und EU-Ebene dafür ein, dass EU-Mitgliedstaaten, die
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massiv gegen das Rechtsstaatsprinzip verstoßen, automatisch EU-Gelder gekürzt werden. Denn wer von
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einer EU-Mitgliedschaft profitieren möchte, muss auch ihre Grundprinzipien teilen und schützen.
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Globaler Klimaschutz durch Technologietransfer und Wissensaustausch
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Umwelt- und Klimaschutz sind eine globale Herausforderung. Als Industrieland Nr. 1 mit weitreichenden
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Erfahrungen im Strukturwandel wollen wir Entwicklungs- und Schwellenländer bei ihren Bemühungen im
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Klima- und Umweltschutz unterstützen, unter anderem durch einen verstärkten Technologietransfer. Die
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Universitäten und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen wollen wir dabei eng einbinden.
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Internationale Zusammenarbeit lokal verankern
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Verständnis für andere Kulturen und Nationen entsteht und wächst am besten durch persönliches
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Kennenlernen, den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen und das Arbeiten an gemeinsamen
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Projekten. Ein wichtiger Eckpfeiler sind die zahlreichen Partnerschaften, die Städte und Gemeinden mit
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Partnern in Europa und weltweit geschlossen haben. Wir wertschätzen das hohe, meist ehrenamtliche
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Engagement und wollen diese Initiativen nachhaltig mit Beratung und Projektförderungen unterstützen.
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Landesstiftung für politisch verfolgte Studierende
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Diktatoren und Despoten weltweit nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, um unliebsame
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politische Meinungen zu unterdrücken. Viele dieser Instrumente betreffen junge Menschen, die ihre
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politische Meinung im Kampf für Freiheit und Grundrechte zum Ausdruck bringen. Studierende werden
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vom Studium ausgeschlossen oder ihre akademische Laufbahn wird auf anderem Wege in Gänze
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gefährdet. Wir verurteilen diese Repressionen ausdrücklich. In Nordrhein-Westfalen möchten wir mit
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einer Landesstiftung für politisch verfolgte Studierende konkrete Hilfe bieten. Ziel der Stiftung soll sein,
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jungen Menschen, denen eine akademische Laufbahn in ihrem Heimatland verwehrt bleibt, durch ein
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vollumfängliches Stipendienangebot ein Studium an einer Hochschule Nordrhein-Westfalens zu
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ermöglichen.
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Als Anwalt für Generationengerechtigkeit sehen wir es als unsere Verantwortung an, nachfolgenden
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Generationen einen intakten Planeten zu hinterlassen und deshalb Umwelt und Natur vor irreversiblen
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Schäden zu bewahren. Eine zentrale Menschheitsaufgabe in diesem Jahrhundert ist daher der
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Klimaschutz. Wir bekennen uns auf Grundlage der Pariser Klimaschutzziele zum Ziel der
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Treibhausgasneutralität in Nordrhein-Westfalen bis 2045. Dieses ambitionierte Ziel haben wir als erstes
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die richtigen Maßnahmen stehen, um dieses Ziel ideologiefrei mit den wirksamsten Lösungen zu
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erreichen. Denn Klimaschutz auf der Grundlage von Verzicht wird weltweit keine Nachahmer finden.
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Vielmehr müssen Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte
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werden. Dass dies möglich ist, zeigen die Emissions-Reduktion in Nordrhein-Westfalen von 45 Prozent im
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Jahr 2020 im Vergleich zu 1990. Dafür setzen wir auf Forschung, Innovationen und kluge Ideen. Neue
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Technologien sind dabei die Lösung für komplexe Umweltprobleme und zugleich der Schlüssel,
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erneuerbare Energien zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten und dabei das Klima zu schützen.
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Nordrhein-Westfalen verfügt hier bereits über ein breites Know-how, das es klug zu fördern und in die
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Praxis umzusetzen gilt. Dies wollen wir unter anderem durch praxisorientierte Studiengänge zu Klima- und
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Strukturwandel sowie eine Unterstützung wirtschaftlich unabhängiger Hochschul-Ausgründungen weiter
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ausbauen. Wir verstehen Klimaschutz als Querschnittsaufgabe, die nur unter Einbindung aller beteiligten
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Akteure gelingen kann.
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Nordrhein-Westfalen zum innovativen Klimaschutzstandort machen
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Bereits heute bieten viele nordrhein-westfälische Unternehmen innovative und zugleich
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ressourcenschonende Produkte und Lösungen an, die damit Arbeitsplätze erhalten und schaffen. Aufgabe
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der Politik ist es, diesen Prozess konsequent durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zu
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unterstützen. Dafür wollen wir geeignete Anreizstrukturen schaffen, die Mittel aus dem
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Strukturstärkungsfonds für klimaschonende Strukturpolitik nutzbar machen und einen Wettbewerb um
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beste Ideen fördern.
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Technologieoffene Forschung und Investitionen
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Mit seiner hervorragenden Forschungslandschaft verfügt Nordrhein-Westfalen über die beste
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Ausgangslage, um einen zukunftsweisenden Technologiemix zu entwickeln. Dabei wollen wir
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technologieoffen handeln – nicht nur im Bereich alternativer Antriebe, sondern auch bei erneuerbaren
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Energien und Produktionsprozessen. Damit die Forschungskompetenzen auf diesen Feldern weiter
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wachsen, braucht es verstärkte und breiter aufgestellte Investitionen. Wir wollen Nordrhein-Westfalen
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im globalen Wettrennen um Zukunftstechnologien in die Spitzengruppe führen.
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CO2 einen Preis geben – Emissionshandel ausweiten
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Für die notwendige Begrenzung des CO2-Ausstoßes muss auf Bundesebene und international das stärkste
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und sinnvollste Instrument Anwendung finden: die Ausweitung des Emissionshandels auf alle Sektoren.
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Seine Ausweitung über alle Sektoren und idealerweise auch über alle Staaten dieser Erde garantiert das
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Einhalten des Ziels der Klimaneutralität sowie die Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf
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maximal 1,5 Grad. Gleichzeitig sorgt der Emissionshandel für die Suche nach den besten Lösungen zum
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geringsten Preis und ist damit effizient und fair. Bei der Ausweitung des Emissionshandels sind zunächst
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der Bund und die EU gefordert – langfristig ist jedoch klar, dass ein konsequenter Emissionshandel einer
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internationalen Ausweitung bedarf. Denn eine effiziente Klimapolitik gelingt nur dann, wenn global
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gehandelt wird. Klimaschutz ist und bleibt eine internationale Aufgabe und kann nur durch eine weltweite
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Zusammenarbeit vollständig erreicht werden. Sonst sind Unternehmen mit Wettbewerbsnachteilen
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konfrontiert oder werden zu Auslandsverlagerungen gedrängt, was Klima und Standort schadet. Daher
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begrüßen wir die Absicht der neuen Bundesregierung, mit Instrumenten wie einem wirksamen Carbon-
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Leakage-Schutz eine erfolgreiche Transformation zu begleiten. Eine Weiterführung der freien Zuteilung
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von Emissionszertifikaten insbesondere für CO2-intensive Branchen bleibt ein wichtiger Baustein zur
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Vermeidung von Carbon Leakage.
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„Low Carbon Industry“ für Nordrhein-Westfalen
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Wir haben in Regierungsverantwortung eine „Carbon Management Strategie“ vorgelegt. Ziel ist es, die
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Transformation der nordrhein-westfälischen Industrie hin zu einer „Low Carbon Industry“ zu begleiten
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und zu beschleunigen. Die hierzu notwendigen Initiativen werden wir verstärken. Um die Klimaschutzziele
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zu erreichen und unser Land als Industriestandort weiterzuentwickeln, zielen wir nicht ausschließlich auf
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eine Vermeidung der Nutzung von Kohlenstoff (Dekarbonisierung). Es geht vielmehr um innovative und
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zu managen. Wir streben eine zukunftsfähige Kohlenstoffwirtschaft an, die sich zunehmend von der
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Ausbeutung fossiler Quellen löst (Defossilisierung), Kreisläufe durch Nutzung von Sekundärrohstoffen
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schafft und Kohlenstoff klimaunschädlich abscheidet und nutzt oder speichert.
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Soziale Härten vermeiden
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Damit Klimaschutz keine soziale Frage wird, muss es einen Ausgleich für Mehrbelastungen geben. Wir
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wollen die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß senken und die für Endverbraucher belastenden
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Subventionen im Erneuerbare-Energien-Gesetz durch ein marktwirtschaftliches Modell ablösen. Denn die
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Energiewende darf nicht dazu führen, dass Menschen mit geringem Einkommen durch hohe und
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unverhältnismäßige finanzielle Belastungen eingeschränkt werden. Die Lenkungswirkung hin zu klima-
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und umweltverträglicheren Produkten ist aber eine wichtige Säule in einer sozialen und ökologischen
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Marktwirtschaft. Wir begrüßen daher, dass die neue Bundesregierung unter anderem die Abschaffung
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der EEG-Umlage beabsichtigt.
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Schutz vor Hochwasser und Starkregen verbessern
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Die Folgen des Klimawandels sind im Alltag bereits spürbar. Starkregenereignisse können in Katastrophen
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münden und erhebliche Personen- und Sachschäden verursachen. Wir wollen deswegen den technischen
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Hochwasserschutz auf den Prüfstand stellen. Talsperren und Regenrückhaltebecken kommen in
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Extremwettersituationen an ihre Grenzen. Auch die kleineren Flüsse wurden in der Vergangenheit zu
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wenig beachtet. Durch Starkregen können kleine Bäche und Flüsse zu meterhohen Strömen werden. Wir
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setzen uns deswegen für mehr Überschwemmungsräume für Breit- statt Hochwasser ein. Ufersäume
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sollen von Bewirtschaftung freigehalten werden. Rückhalteflächen müssen ertüchtigt oder neu angelegt
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sowie Auenlebensräume aktiviert werden, um weitere Rückhaltevermögen zu schaffen. Einen vermehrten
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Humusaufbau in der Land- und Forstwirtschaft wollen wir nutzen, um die Wasserspeicherfähigkeit des
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Bodens zu steigern. Wasserrückhaltegebiete sollen neu geschaffen und dauerhaft erhalten werden.
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Daneben wollen wir die Hochwassergefahrenkarten und Risikokarten auf den Prüfstand stellen und
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überarbeiten.
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Weiterhin setzen wir uns für die Erarbeitung von Notfall- und Informationssystemen ein, die eine
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Informationsweitergabe auch bei Stromausfall bzw. Ausfall einzelner Glieder der Meldekette
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gewährleisten. Bund und Länder müssen zudem die bestehenden Kooperationsmodelle ausbauen. Dann
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können sie im Fall von massiven Überschwemmungen unkompliziert und ohne langwierige
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Verwaltungshürden oder Kompetenzstreitigkeiten auf Unterstützungsmöglichkeiten von Maschinen und
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Fachkräften zurückgreifen, zum Beispiel zur Schadensanalyse, zur Schadensbeseitigung, zum
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Wiederaufbau sowie zur gesundheitlichen Versorgung.
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Umwelt- und Naturschutz sind integraler Bestandteil nachhaltiger und generationengerechter Politik. Eine
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intakte Umwelt, sauberes Wasser und saubere Luft sind Grundlage für ein gesundes Leben. Wir setzen
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uns für Lösungen ein, die möglichst effizient und wirksam sind und Ziele möglichst passgenau erreichen.
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Dies gelingt am besten gemeinsam mit den Menschen, nicht gegen sie. Wir begreifen den Schutz unserer
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natürlichen Lebensgrundlagen nicht als Gegensatz zur Bewirtschaftung, sondern als notwendige
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Voraussetzung und wollen den Vertragsnaturschutz stärken. Wir setzen nicht auf Verbote, sondern auf
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innovative Lösungen.
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Wir stehen für marktwirtschaftliche Ansätze im Umweltschutz – gerade weil uns Umwelt und Klima am
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Herzen liegen und es notwendig ist, schnell zu handeln. Nur mit Innovation und Forschung, nur durch
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marktwirtschaftliche Anreize für Investitionen und praktische Lösungen, nur durch Ausgleich zwischen
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Natur schützen und Natur nutzen werden wir Umweltprobleme schnell genug, effizient genug und mit
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ausreichend großer Akzeptanz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe lösen können.
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und recyceln zu CO2-reduziertem Zement und Ruß, aus dem die Chemieindustrie Metalle rückgewinnt.
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Flächengebrauch neu denken
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Werden Flächen in Anspruch genommen, muss hierfür in der Regel ein Ausgleich an anderer Stelle
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erfolgen. Auch in einem Flächenland wie Nordrhein-Westfalen sind Grund und Boden begrenzt, geeignete
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Flächen sind jedoch für viele Zukunftsprojekte wichtig, etwa Infrastrukturvorhaben, den Wohnungsbau
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und die Landwirtschaft sowie für Industrie und Gewerbe. Für die begrenzte Flächenverfügbarkeit setzen
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wir auf innovative und sachgerechte Lösungen, die unversiegelte Flächen weitestmöglich erhalten und
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gleichzeitig Fortschritt und Entwicklung ermöglichen. Wir werden dafür sorgen, Ausgleichsmaßnahmen
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effektiver umzusetzen, indem wir dafür zentrale Koordinierungsstellen schaffen. Für bestimmte
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ökologisch besonders sinnvolle Projekte, wie beispielsweise den Ausbau von Radwegen, werden wir eine
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Befreiung von der Ausgleichsverpflichtung anstreben. Hierzu wollen wir das Bau- und Naturschutzrecht
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weiterentwickeln. Wir wollen insbesondere Innovationspotenziale heben. Neben der Altlastensanierung
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wollen wir dabei auch Möglichkeiten zur Entsiegelung bzw. zum Rückbau nicht mehr der ursprünglichen
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Nutzung unterliegender Flächen einbeziehen. Durch Flächenrecycling wollen wir insbesondere auch
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Flächen für die Industrie nutzbar machen. Auch in Zukunft wollen wir dazu ehemalige Bergbauflächen,
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Industriebrachen und Konversionsflächen entwickeln und vermarkten.
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Handel von Kompensationsflächen modernisieren und Flächenzertifikate einführen
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Der Boden unserer Erde ist ein entscheidender CO2-Speicher. Uns ist es deswegen wichtig, unversiegelte
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Flächen zu erhalten und aufzuwerten. Der Handel mit Kompensationsflächen kann zu einer enormen
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Beschleunigung von Vorhaben führen, von dem Natur und Vorhabenträger gleichermaßen profitieren, da
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die Kompensationsflächen bereits vor Maßnahmenbeginn existieren. Hier haben wir bereits erste Erfolge
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erzielen können, wollen durch eine Weiterentwicklung aber weiteres Potenzial nutzen. Wir setzen uns für
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die Einführung eines Flächenzertifikatehandels ein, mit dem Kommunen Flächen untereinander handeln
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können,. Die Zertifikate sollen für Kommunen dann erforderlich sein, wenn Außenbereiche in Bauland
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umgewandelt werden sollen. Gleichzeitig sollen für die Rücknahme von bereits ausgewiesenem Bauland
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sogenannte „weiße Zertifikate“ geschaffen werden.
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Luftverschmutzung reduzieren
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Zur Verringerung der Luftverschmutzung setzen wir auf innovative Verkehrsantriebe, eine verstärkte
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Begrünung und intelligente Verkehrssysteme. Bestehende Grenzwerte müssen regelmäßig
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wissenschaftlich neu bewertet werden. Darüber hinaus müssen Messstationen für die Erfassung von
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Emissionen realistische, zuverlässige und belastbare Werte liefern. Wir wollen innovative Lösungen für
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den Verkehr von morgen mit einem Mix aus verschiedenen emissionsarmen Technologien. Hier wollen
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wir Potenziale insbesondere im Bereich der „grünen“ Wasserstofftechnologie stärker nutzen. Die
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öffentliche Hand soll hier als Vorbild vorangehen und bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen auf
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innovative Antriebe setzen.
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Wälder und Moore für bessere Luft und Klimaschutz nutzen
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Wir wollen mehr Aufforstungen und den Schutz bestehender Wälder bei uns und weltweit durch den
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Erhalt von Regenwäldern vorantreiben. Dafür sollen negative Waldbilanzen global geächtet werden.
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Wälder und Moore sind Hüter von Biodiversität und wirksame Kohlenstoffspeicher. Neben
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Emissionsminderungen sind Aufforstungen, Agroforstwirtschaft und die Wiedervernässung von Mooren
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ein Weg, die Erwärmung des Planeten zu begrenzen. Diese CO2-Senken sollen in den Emissionshandel
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einbezogen werden, um entsprechende Anreize zu setzen.
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Artenschutz bei uns und weltweit stärken
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Wir wollen das Artensterben verhindern. Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine Menschheitsaufgabe und
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ethische Verpflichtung. Er ist zugleich wissenschaftlich, wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll. Denn
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unzählige wichtige Errungenschaften in Technik und Medizin kommen aus der Natur. Allein durch die
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Ausweisung zusätzlicher Naturschutzgebiete kann kein Artenschutz betrieben werden. Wir wollen daher
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Potenzial für Artenschutz. Die Aufwertung von Naturschutzflächen soll der Ausweisung weiterer
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Naturschutzflächen vorgehen. So wollen wir unternehmerische Investitionen und Artenschutz
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zusammenbringen. Wir wollen das Monitoring der Biodiversität ausbauen, um eine zielgerichtete
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Naturschutzpolitik zu betreiben. Hier setzen wir auf digitale Lösungen zur Datenerfassung und weiterhin
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auf die erwiesene Kompetenz und Unterstützung unserer Jägerinnen und Jäger.
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Ideologisch betriebene Prestigeprojekte wie die Ausweisung von Nationalparks gegen die Interessen der
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Bürgerinnen und Bürger vor Ort lehnen wir ab. Gerade die Ausweisung eines Nationalparks in der Senne
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führt nicht zum besseren Schutz der Kulturlandschaften in der Senne, sondern aufgrund der
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einschränkenden Vorgaben in Bezug auf Nutzung und Bewirtschaftung zu deren Gefährdung. Wir machen
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uns stattdessen für ein gemeinschaftliches Nutzungskonzept stark, dass wirksamen Naturschutz
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bestmöglich mit den Interessen von Bürgern, betroffenen Kommunen und Britischen Streitkräften
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zugleich mit einer Förderung des Tourismus und dem Erhalt und Übungsmöglichkeiten des
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Bundeswehrstandortes Augustdorf in Einklang bringt.
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Zukunft des Waldes
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Der Wald ist einer der wichtigsten Faktoren für Klimaschutz und Artenvielfalt. In den letzten Jahren haben
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Dürre, Sturm und der Befall des Borkenkäfers den Wäldern stark zugesetzt. Die Aufforstung und
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Schädlingsbekämpfung sind deshalb zentral, um heimische Wälder zu schützen und sie zukunftsfest zu
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machen. Wir wollen deshalb Waldbauern und Forstwirtschaft unterstützen, damit unsere Wälder sich
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schnell wieder erholen können. Gleichzeitig wollen wir neue Anreize schaffen, um Waldflächen als
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Lebensräume und Klimaschützer zu stärken und Aufforstungspotenziale zu nutzen. Dazu wollen wir die
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Land- und Forstwirtschaft in das europäische Emissionshandelssystem (ETS) aufnehmen und Anreize und
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Beteiligungsmöglichkeiten auch für Bürgerinnen und Bürger schaffen, etwa durch sogenannte
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Bürgerwälder.
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Schützen durch Nützen
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Die Arbeit in und mit der Natur ist für viele Menschen Lebensgrundlage. Sie nutzen Produkte aus der Natur
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und haben deshalb auch ein besonderes Interesse an ihrem Erhalt und Schutz. Das bewährte Prinzip
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„Schützen durch Nützen“ hat sich bewährt: Landwirtinnen und Landwirte, Waldbesitzerinnen und
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Waldbesitzer, Jägerinnen und Jäger, Imkerinnen und Imker und Anglerinnen und Angler leben und
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arbeiten in einer besonderen Symbiose mit der Natur. Durch die Bewirtschaftung leisten sie einen
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wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaften, zum Arten- und Tierschutz, zur touristischen
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Nutzung und Bildung, aber auch für die Lebensmittelversorgung und -sicherheit. Insbesondere im
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ländlichen Raum ist die Anerkennung dieser Leistungen für Natur und Gesellschaft von großer Bedeutung.
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Das Prinzip „Schützen durch Nützen“ hat sich dabei stets weiterentwickelt, um beide Aspekte
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gleichermaßen zu verbessern. Wir unterstützen Innovationen in Züchtung, Pflanzenschutz, Digitalisierung
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und anderen Bereichen, die dazu beitragen, den Umweltschutz zu stärken und die Erträge zu verbessern.
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Wohlstand und Nachhaltigkeit zusammenbringen
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Wir wollen mit der Bioökonomie Antworten auf globale Herausforderungen unserer Zeit finden:
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Klimawandel, Schutz natürlicher Lebensgrundlagen, Sicherstellung der Welternährung und die Endlichkeit
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fossiler Rohstoffe. Bioökonomie ist die nachhaltige und innovative Nutzung biologischer Ressourcen und
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die Weiterentwicklung biologischer Prozesse. Klebstoff aus Pflanzen, Smartphone-Displays aus Zucker
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oder T-Shirts aus Kaffeesatz – das alles ist möglich. Wir wollen innovative Forschung zur effizienteren
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Nutzung von Ressourcen voranbringen, die Produktion in innovativen Bioraffinerien etablieren und einen
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Beitrag für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Wirtschaft leisten. Damit verbinden wir Ökologie und
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Ökonomie.
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Überhitzung in Städten durch blaue und grüne Infrastruktur verhindern
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Wir wollen dafür sorgen, dass die Großstädte auch in Zukunft in den Sommermonaten bei größerer Hitze
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lebenswert sind. Wir setzen uns für einen Ausbau blauer und grüner Infrastruktur ein. Neben
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Wasserspeicherung „Schwammstadt“ ein wichtiger Baustein. Wir wollen auch Anreize für private
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Wasserspeicher schaffen. Grünflächen leisten nicht nur einen positiven Beitrag für das Stadtbild, sondern
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sorgen auch im Hochsommer für Abkühlung. Neben zusätzlichen Grünflächen setzen wir uns für die
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Aufwertung und Weiterentwicklung von bestehenden Flächen sowie Fassaden- und Dachbegrünungen
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ein. Wir wollen die Kommunen bei dieser Herausforderung insgesamt unterstützen.
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Wertschätzung für Lebensmittel steigern
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Jährlich werden in Deutschland etwa zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll geworfen. Mehr
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als die Hälfte der Lebensmittelverschwendung wird durch private Haushalte verursacht. Die Hauptgründe
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hierfür sind falsche Lagerung und schlechte Einkaufsplanung. Ein weiterer Grund ist der falsche Umgang
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mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Zu oft wird das MHD als Datum für Genussuntauglichkeit
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interpretiert. Hier müssen Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel mittels
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Informationskampagnen stärker sensibilisiert werden. Zusätzliche Anreize für Supermärkte und
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Restaurants können auch hier die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Dies führt gleichzeitig zu
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Müllvermeidung und Ressourcenschonung.
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Recycling verbessern: recyceln statt wegwerfen
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Neben der Müllvermeidung ist die Mülltrennung und Wiederverwertung von Wertstoffen ein wichtiges
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Instrument für mehr Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Wir setzen uns für modernes Recycling als
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Alternative zu Produktverboten ein. Wir wollen, dass aus Abfällen neue Rohstoffe werden. Für die
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Erreichung der Klimaziele des Pariser Klimaabkommens müssen wir ressourceneffizienter wirtschaften
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und die Kreislaufwirtschaft stärken. Innovative Wiederverwertungstechnologien wie das chemische
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Recyceln im Verpackungsbereich helfen, die Mengen an recyceltem Material zu erhöhen. Das Recycling
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von Kunststoffen wollen wir ausweiten. Bislang werden die Sammlung und Nutzung von Wertstoffen
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regional sehr unterschiedlich gehandhabt. Wir wollen zu einem System kommen, das effizienter und
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besser für die Umwelt und die Verbraucherinnen und Verbraucher ist. Dazu wollen wir in ganz Nordrhein-
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Westfalen Wertstoffcontainer einführen, die so funktionieren wie Glascontainer und bei denen
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Wertstoffe wie Elektrokleingeräte und Metalle abgegeben werden können zum Recycling.
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Nordrhein-Westfalen ist das Energieland Nr. 1: Mit den hier ansässigen Unternehmen der
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Energiewirtschaft sowie der energieintensiven Industrie kommt unserem Land eine Schlüsselrolle im
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Energiesystem zu. Für uns ist klar: Wir brauchen eine jederzeit verlässliche, aber gleichzeitig auch
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umweltfreundliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Wir wollen den Umstieg auf
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erneuerbare Energien mit innovativen Technologien und den Chancen der Digitalisierung und Vernetzung
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vorantreiben. Zudem wollen wir die Energiewende stärker innovativ, international und als Gesamtsystem
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denken und die Bereiche Wärme und Kälte für Gebäude, Industrieprozesse sowie Kraftstoffe ebenso
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einbeziehen. Unser Ziel ist ein kosteneffizientes, sicheres und weltweit vernetztes europäisches
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Gesamtsystem „Energieversorgung“. Wir wollen unsere Hochschullandschaft nutzen, um die für einen
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erfolgreichen Transformationsprozess notwendigen Weichenstellungen wissenschaftlich und
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technologieoffen zu begleiten und durch innovative Studiengänge Fachkräfte zur Gestaltung des
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Strukturwandels auszubilden.
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Zieldreieck von Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und wettbewerbsfähigen Preisen
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Um eine zukunftsfähige und sichere Energieversorgung zu gewährleisten, braucht es neben der
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steigenden Nutzung von erneuerbaren Energien weitere Technologien wie einen kurzfristigen Wechsel
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des Brennstoffs von Kohle auf Gas bei konventionellen Großkraftwerken, den perspektivischen Einsatz
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von grünem Wasserstoff in der Strom- und Wärmeerzeugung sowie einen Markthochlauf weiterer Power-
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to-X-Technologien. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass die Netzinfrastrukturen für Strom, Gas und
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Wärme zügig aus- und umgebaut werden, damit die erneuerbaren Energien erfolgreich integriert werden
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können. So wollen wir etwa die Vorteile des Wasserstoffs bei der Speicherung nutzen und vermehrt
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Säule des Energiesystems neben Produzenten, Netzen und Verbrauchern rechtlich definieren will. Dabei
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ist entscheidend, dass wettbewerbsfähige Preise als Ziel mitberücksichtigt werden – vor allem mit Blick
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auf die internationale Ausrichtung der energieintensiven Industrie. Die 2019 in Münster angesiedelte,
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deutschlandweit einzigartige Forschungsfabrik für Batteriezellproduktion werden wir weiter stärken.
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Fahrplan für Klimaneutralität
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Nordrhein-Westfalen hat eine besondere Verantwortung übernommen und schreitet beim Ausstieg aus
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Braun- und Steinkohle voran. Zur Einhaltung der Klimaschutzziele ist ein beschleunigter Ausstieg aus der
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Kohleverstromung nötig. Idealerweise gelingt das schon bis 2030. Die Klimaziele für 2020 hatte Nordrhein-
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Westfalen bereits 2018 erfüllt. Damit kommt das Land deutlich schneller voran als der Bund. Wir setzen
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weiterhin auf wettbewerbliche Lösungen und vermeiden Zwangsmaßnahmen. Wir wollen die Wirtschaft
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unterstützen, in Nordrhein-Westfalen Lösungen zu entwickeln, die hierzulande, in Deutschland und der
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ganzen Welt angewendet werden können. Wir diskutieren ambitionierte Klimaziele nicht nur, sondern
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wollen die Klimaneutralität auch tatsächlich erreichen. Landeseigene Betriebe sollen daher als Vorbilder
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für die NRW-Kommunen vorangehen und sich an den deutschen Nachhaltigkeitskodex halten. Unsere
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Energieversorgungsstrategie haben wir 2021 fortgeschrieben und damit einen konkreten Fahrplan, der
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alle Beteiligten einbezieht und mitnimmt. Damit sichern wir eine bezahlbare Energieversorgung und den
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Industrie- und Wirtschaftsstandort. Diesen Weg wollen wir weiter gehen.
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Erneuerbare Energien massiv ausbauen
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Schon jetzt belegt Nordrhein-Westfalen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien Spitzenplätze. 2020 lag
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der Nettozubau bei 280 Megawatt. Das ist mehr als in jedem anderen Bundesland, obwohl die
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Standortvoraussetzung nicht optimal und das Land besonders dicht besiedelt ist. Unsere Ambitionen
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bleiben hoch – bis 2030 wollen wir mehr als 55 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien erzeugen.
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Wir machen den Bau von Windkraft- und Solaranlagen attraktiver, beschleunigen
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Genehmigungsverfahren und schaffen neue Möglichkeiten der Flächennutzung. Die Akzeptanz von
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erneuerbaren Energien kann nicht nur durch regelmäßigen und verständlichen Informationsfluss, sondern
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auch durch eine wirtschaftliche Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Bauprojekten für regenerative
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Energien steigen. Insgesamt werden wir den Windenergieausbau verdoppeln und die Photovoltaik sogar
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mindestens verdreifachen, indem wir das Potenzial bisher ungenutzter Flächen ausschöpfen. Dazu wollen
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wir Photovoltaik-Anlagen nicht nur auf, sondern auch an Gebäuden als Bestandteil der Fassaden
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ermöglichen. Wir wollen mehr Tempo beim Mieterstrom. Die Anforderungen für die Nutzung sind zu
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hoch. Sie bremsen einen nachhaltigen Ausbau der Photovoltaik auf Dachflächen. So wollen wir auch als
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erstes Bundesland unsere Autobahnfläche für nachhaltige Energieerzeugung gewinnen, indem wir sie
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dort, wo es wirtschaftlich und sachlich möglich ist, mit Solarmodulen überdachen. Auch die Potenziale der
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Kraft-Wärme-Kopplung wollen wir noch besser nutzen. Wir haben als erstes Bundesland ein breites
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Förderprogramm für private und betriebliche Ladepunkte aufgelegt. Ziel waren 20.000 Ladepunkte bis
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2022 – und dieses Ziel haben wir sogar weit übertroffen.
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Ganze Bandbreite Erneuerbarer Energien ausschöpfen
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Für den schrittweisen Umstieg auf Erneuerbare Energien ist entscheidend, dass kein einseitiger Fokus
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gesetzt wird. In der Energieversorgungsstrategie greifen wir die komplette Brandbreite auf: Wir wollen
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die Potenziale auch von Wasserkraft, Biomasse aus Abfall- und Reststoffen, Geothermie, Wärme aus Ab-
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und Grubenwässern sowie Grubengas gleichermaßen nutzen und vereinfachte Rahmenbedingungen für
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den Ausbau und die Nutzung Erneuerbarer Energien schaffen. Die technologieoffene
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Energieforschungsoffensive.NRW kann auch anderen Ländern als Vorbild dienen. Zudem wollen wir
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innovative Konzepte fördern, wie etwa parallele Photovoltaik-Nutzung (z. B. Floating-, Agri-PV) und
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hierfür bestehende Hürden im Planungs- und Genehmigungsrecht beseitigen. Teil der Lösung sind
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hochmoderne Gaskraftwerke, die weiterhin die Stromversorgung sicherstellen und die auf klimaneutrale
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Stromproduktion mit Wasserstoff umgerüstet werden können. Die von der neuen Bundesregierung
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angekündigte Abschaffung der EEG-Umlage setzt die richtigen technologischen Anreize, sorgt für fairen
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Wettbewerb und entlastet gerade einkommensschwache Haushalte sowie Unternehmen.
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Sanierung, der Installation und Nachrüstung von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern zu haben,
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wollen wir eine Ausbildungs- und Weiterbildungsoffensive im Handwerk initiieren. Zudem unterstützen
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wir den geplanten Campus-Rhein-Erft der Technischen Hochschule Köln, der sich dem Ausbildungsziel von
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jährlich mehreren hundert Absolventinnen und Absolventen zur Gestaltung von Energiewende und
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Strukturwandel verschrieben hat.
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Nordrhein-Westfalen als Wasserstoffmodellregion stärken
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Wasserstoff kommt eine Schlüsselrolle für die Industrie, insbesondere für eine zukünftig grüne
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Stahlherstellung, in Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu, er ist zudem eine wichtige
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Säule des künftigen Energiesystems. Wir wollen den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft vorantreiben und
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die gute Ausgangslage und das Potenzial nutzen, um Nordrhein-Westfalen zu der Modellregion für
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Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa zu machen. Perspektivisch klimaneutraler Wasserstoff
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und synthetische Kraftstoffe werden fossile Brennstoffe in der Industrie ersetzen, Autos, Schiffe, Züge und
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Flugzeuge antreiben oder Gebäude heizen. Der Strom aus Sonne und Wind, der unregelmäßig erzeugt
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wird, wird durch chemische Umwandlung in Wasserstoff speicherbar. Für den Hochlauf ist es notwendig,
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Wasserstoff unabhängig von seiner „Farbe“ einzusetzen und zunächst Infrastrukturen auszubauen und
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technologische Innovationen im praktischen Einsatz zu ermöglichen. Perspektivisch wird primär „grüner“
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Wasserstoff aus erneuerbaren Energien eingesetzt, der sicher zu wesentlichen Teilen importiert werden
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muss. Bis dahin setzen wir auch auf klimaneutralen „blauen“ und „türkisen“ Wasserstoff aus Erdgas, bei
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dessen Herstellung der enthaltene Kohlenstoff gespeichert wird und nicht in die Atmosphäre gelangt. Nur
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so erreichen wir kurzfristig die notwendigen großen Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen und
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unterstützen die schnelle Transformation sowohl des Industrie- als auch des Verkehrs- und
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Gebäudesektors. Wir setzen uns zudem für eine Europäische Wasserstoffunion ein, die Klimaschutz mit
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einer zukunftsfähigen Industrie und sicherer Energieversorgung verbindet.
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Wie die Wasserstoffwirtschaft mit Elektrolyseuren, Brennstoffzellen und notwendiger Infrastruktur in
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Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden kann, hierdurch CO2-Emissionen verringert und gleichzeitig die
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wirtschaftlichen Chancen für unser Bundesland genutzt werden können, haben wir bereits Ende 2020 mit
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der „Wasserstoff Roadmap“ der Landesregierung beschrieben. Die hierzu notwendigen Maßnahmen
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werden wir weiterverfolgen und ausbauen.
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Chancen der Digitalisierung nutzen
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Neben einem funktionierenden Wettbewerb, stabilen und leistungsfähigen Netzen muss das
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Energiesystem der Zukunft eine neue, digitale Struktur umfassen. Hierfür wollen wir die Digitalisierung
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der Energiewende aktiv vorantreiben und dafür bürokratische Hindernisse abbauen. Eine konsequente
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Digitalisierung ist ausschlaggebend für eine verbesserte Energieeffizienz, einen flexiblen Verbrauch und
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flexible Tarife sowie für System- und Versorgungssicherheit. „Smarte“ Energie nutzt zudem die Vorteile
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der Sektorenkopplung für effektiven Klimaschutz. Denn durch ein intelligentes Zusammenspiel von Strom,
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Wärme und Mobilität kann auch die CO2-Einsparung vorangetrieben werden. Konkret wollen wir
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beispielsweise mithilfe von Digitalisierung den klassischen Ein-Wege-Fluss aufbrechen und Verbraucher
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zu „Prosumern“ machen, die Erzeuger und Nutzer gleichzeitig sind. Ein Beispiel ist die Nutzung von
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Elektrofahrzeugen als lokale Zwischenspeicher durch bidirektionales „Laden“, um die Netzstabilität und
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Versorgungssicherheit zu unterstützen. Auch Investitionen in „smarte“ Netze wollen wir forcieren, damit
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der Bedarf des Energiesektors zukünftig noch effizienter gesteuert werden kann und eine optimierte
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Auslastung ermöglicht wird.
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Wir wollen den Rollout intelligenter Messsysteme (Smart Meter) vereinfachen als Voraussetzung für
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Smart Grids und Automatisierung durch Künstliche Intelligenz. Dabei müssen IT- und Datensicherheit ein
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Grundpfeiler zum Schutz dieser kritischen Infrastruktur sein.
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Innovationen machen in den meisten Fällen das Leben und den Alltag der Menschen besser und einfacher,
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sie sind Voraussetzung für Wohlstand, Wachstum und die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen.
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Wir werden uns deshalb auch weiterhin nachdrücklich für eine Innovations-Kultur in unserem Land
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einsetzen – eine Kultur, die offen ist für Neues und nicht im Status Quo oder in Vergangenheitsromantik
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verharrt. Unser Ziel ist, dass Nordrhein-Westfalen als Innovationsstandort weltspitze ist. Der
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Strukturwandel bietet dabei eine echte Chance zum innovationsgetriebenen Aufbruch in eine nachhaltige
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Zukunft.
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Innovationskultur breit verankern – mindestens 50 Gründungen aus IPs in 5 Jahren
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Wir sind überzeugt, dass unser Land eine neue Innovationskultur braucht. Wir werben dafür, Forschung
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und neue Technologien als Chancen zu sehen sowie für ein Klima der Offenheit. Den Wissenstransfer in
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und zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen wollen wir weiter stärken. Wir wollen
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Nordrhein-Westfalen zum Innovationsland machen, das den Weg in eine klimaneutrale Zukunft geht und
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dazu notwendige Technologien nutzt. Rechtliche Hürden vor allem durch bremsende Regulierung wollen
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wir abbauen. Unser Ziel ist, Investitionen gerade in Innovationen zu fördern.
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Wir wollen, dass in den kommenden fünf Jahren aus mindestens 50 IPs (Intellectual Property) aus der
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Forschung in Nordrhein-Westfalen Firmengründungen werden. Dafür wollen wir die notwendigen
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Rahmenbedingungen verbessern. Unser Ziel: Next Unicorns made in NRW.
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Technologie- und Innovationsförderung ausbauen
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Dem technischen Fortschritt kommt bei der Lösung zentraler sozialer, ökologischer und gesellschaftlicher
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Herausforderungen eine Schlüsselrolle zu. Die vom deutschen Start-up BioNTech entscheidend voran
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gebrachte mRNA-Technologie stellt durch den Covid-Impfstoff die enorme Kraft von Innovationen unter
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Beweis. Wir wollen disruptive Technologien in Feldern wie Digitale Transformation, Mobilität,
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Energiekonversion und Biotechnologie in Universitäten, NRW-Forschungsinstituten und der Industrie
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gezielt finanziell anstoßen und politische Rahmenbedingungen für die Umsetzung in neuartigen
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Unternehmungen sicherstellen. Wir wollen daher zusätzliche Professuren für zentrale
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Zukunftstechnologien wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Biotechnologie,
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Quantentechnologie, Blockchain und Cybersicherheit einrichten. Wir wollen einen
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Transformationsprozess in eine Bioökonomie durch kluge Rahmensetzungen unterstützen und die
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Entwicklung der Biotechnologie als Schlüsseltechnologie und Innovationsmotor fördern. Auch in der
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Gentechnikforschung wollen wir bewusst vorangehen und die Chancen der Gentechnik 4.0 breit nutzen.
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Damit schaffen wir die Voraussetzungen für technischen und gesellschaftlichen Fortschritt zur Lösung von
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Herausforderungen des Klimawandels, des Weges in die individualisierte Medizin bis hin zur
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Datensicherheit.
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Innovations-Landschaft in Nordrhein-Westfalen stärken – digitale Freiheitszonen schaffen
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Neben der Förderung von Start-ups sowie von Technologie- und Innovationsvorhaben sind auch regionale
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und thematische Innovationscluster wichtige Instrumente zur Schaffung von Zukunftsprojekten sowie zur
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Stärkung der Wirtschaftskraft. Ziel dieser Cluster ist auch eine stärkere Vernetzung von Wirtschaft und
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Forschung. Um die Entstehung von neuen Clustern insbesondere bei IT-Schlüsseltechnologien wie
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Künstliche Intelligenz und Blockchain zu begünstigen, wollen wir bestimmte Regionen zu digitalen
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Freiheitszonen machen. In diesen Regionen sollen besonders günstige Rahmenbedingungen einen
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umfassenden Schub der Digitalisierung aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche ermöglichen. Das soll die
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Grundlage für digitale und disruptive Innovationen schaffen. Bestehende Cluster sowie Projekte wie Ruhr
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Valley und Circular Valley in Wuppertal stärken die Innovationslandschaft. Wir wollen derartige Ansätze
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daher ausbauen und insbesondere für aktuelle Herausforderungen und globale Trends erweitern. Dazu
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Transformationsagentur.
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Nordrhein-Westfalen braucht auch in der Zukunft eine starke heimische Landwirtschaft. Zentrale
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Voraussetzungen dafür sind optimale Rahmenbedingungen für moderne, nachhaltige, wirtschaftlich
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erfolgreiche, umweltverträgliche und verantwortungsvolle Betriebe, wie sie unser Land seit jeher
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kennzeichnen: Von traditionsreichen, zumeist in Familienhand geführten Unternehmen bis zu innovativen
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Startups. Hiermit hat sich die von uns initiierte Enquete-Kommission im Landtag bereits intensiv befasst.
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Immer mehr Menschen achten auf eine gesunde und umweltbewusste Ernährung. Unsere
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Landwirtinnen und Landwirte sorgen dafür, dass eine zuverlässige Versorgung mit regionalen und
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saisonalen Produkten sichergestellt ist. Als Unternehmerinnen und Unternehmer stehen Landwirtinnen
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und Landwirte vor der Herausforderung, auskömmlich wirtschaften zu können, das Wohl ihrer Tiere in
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der Nutztierhaltung im Blick zu haben und gleichzeitig im Wettbewerb zu bestehen. Damit das gelingt,
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brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens zur Zukunft der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.
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Innovative Lösungen können dazu beitragen, die unterschiedlichen Anforderungen an Landwirtschaft
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noch besser in Einklang zu bringen: eine für die Betreiber auskömmliche Landwirtschaft, der Umwelt- und
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Tierschutz, eine hohe Qualität für die Verbraucherinnen und Verbraucher und erschwingliche Preise für
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gesunde Produkte. Wir wollen zukünftig noch stärker Projekte vorantreiben, die in der Forschung, vor
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allem aber in der Praxis, diese Innovationen schaffen. Gleichzeitig wollen wir mehr Spielräume für die
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Unternehmerinnen und Unternehmer in der Landwirtschaft schaffen, damit sie in solche Neuerungen
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investieren können.
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Planungssicherheit für Betriebe schaffen
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Landwirtschaft denkt und wirtschaftet in Generationen und ist deshalb ganz besonders auf verlässliche
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Rahmenbedingungen angewiesen. Wir wollen landwirtschaftliche Betriebe in ihrer wirtschaftlichen
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Autonomie stärken und ihnen langfristige Planungssicherheit in Eigenverantwortung geben.
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Landwirtinnen und Landwirte wollen in ihre Betriebe investieren und sie weiter optimieren. Dazu
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brauchen sie aber die richtigen Bedingungen. Wir setzen uns deswegen dafür ein,
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Abschreibungszeiträume für Investitionen zu verkürzen, um die Investitions- und Zukunftsfähigkeit der
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landwirtschaftlichen Betriebe sicherzustellen.
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Ausbau Landwirtschaft 4.0
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Digitalisierung und Forschung eröffnen verbesserte Möglichkeiten für die Verknüpfung von
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Landwirtschaft und Umweltschutz. Mit Hilfe eines Förderprogramms des Landes werden nun etwa
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Drohnen eingesetzt, die Rehkitze im hohen Gras vor dem Tod durch Mäharbeiten schützen.
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Landwirtschaft 4.0 bietet aber auch den Landwirtinnen und Landwirten neue Möglichkeiten, ihre Erträge
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zu steigern, zeitökonomischer zu arbeiten und damit die Rentabilität ihres Betriebs zu sichern. Wir wollen
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deshalb verbesserte Rahmenbedingungen für Forschung und Anwendung schaffen, um die Digitalisierung
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der Landwirtschaft voranzubringen. Eine digitalisierte Landwirtschaft wird einen wesentlichen Beitrag zu
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einem klimafreundlicheren und ressourcensparenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen Boden,
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Wasser, Luft leisten und sie verspricht beispielsweise Effizienzsteigerungen bei gleichzeitiger Reduzierung
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von Einträgen wie Pflanzenschutzmitteln.
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Klimaschutz betreiben
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Steigende Temperaturen, Dürre sowie Wetterextreme als Folgen des Klimawandels machen Anpassungen
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auch in der Landwirtschaft notwendig. Wir wollen die Erforschung der Möglichkeiten des Sojaanbaus in
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Deutschland intensivieren, um den Betrieben einen neuen Markt zu erschließen und die wachsende
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Nachfrage nach veganen und vegetarischen Produkten bedienen zu können. Gleichzeitig kann der Anbau
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Regenwälder für den Sojaanbau in Südamerika zu verhindern.
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Auch bei Emissionsminderung wollen wir Erkenntnisse aus der Forschung zur Marktreife bringen, um
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deren Chancen, etwa bei der Verfütterung von Insektenproteinen oder dem Zusetzen von Algen zur
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Senkung der Emissionen in der Rinderhaltung, zu nutzen. Wir wollen zudem die Landwirtschaft in den
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CO2-Zertifikatehandel einbinden, um die Landwirtschaft noch klimafester werden zu lassen. Dazu sind
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unter anderem auch Carbon Farming und der Einsatz von Pflanzenkohlen und Bio-Pyrolyse geeignet.
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Unterstützung für die Weidetierhaltung – aktives Wolfsmanagement einführen
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Die Verbreitung von Wölfen stellt die Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter in Nordrhein-Westfalen
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vor große Herausforderungen. Immer mehr Weidetiere werden durch Wölfe gerissen. Die bisherige
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Strategie des strengsten Schutzes ohne eine besondere Betrachtung von Problemwölfen, welche für einen
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Großteil der Risse verantwortlich sind, halten wir für falsch. Wir fordern die Einführung von
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Länderkompetenzen zur Schaffung eines regional differenzierten Bestandsmanagements und der
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Möglichkeit zur zügigen und rechtssicheren Entnahme von Problemwölfen.
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Agrarwissenschaften ausbauen und Agrar-Start-Ups fördern
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Forschung und Lehre in Agrarwissenschaften sind für eine nachhaltige Zukunft der Landwirtschaft
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unverzichtbar. Steigende Studierendenzahlen machen einen Ausbau der Kapazitäten erforderlich. Wir
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wollen Ausbildung und Forschung auf höchstem Niveau und deshalb die Agrar- und Umweltfakultäten
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stärken. Gerade im Bereich Ernährung und Landwirtschaft gibt es viele Gründerinnen und Gründer, die
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Ideen für nachhaltige und innovative Konzepte verfolgen. Wir wollen sie dabei unterstützen.
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Ernährungsbildung fördern, verantwortungsbewusstes Konsumieren stärken
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Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich bei Lebensmitteln einen besseren Überblick, um
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souverän mit Fragen der gesunden Ernährung umgehen zu können. Wir setzen uns deshalb für ein
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umfassendes Angebot von öffentlich zugänglichen Informationen ein. Ernährungsbildung soll Wissen über
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gesunde Ernährung vermitteln, auch um die Wertschätzung für gute Lebensmittel zu steigern. Hiermit
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wollen wir bereits in der frühkindlichen Bildung beginnen.
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EU-weites Tierwohllabel für Transparenz und Tierschutz
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Wir setzen uns dafür ein, dass Nahrungsmittel übersichtlich gekennzeichnet sind. Viele verschiedene
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Labels führen nicht zu Transparenz, sondern stiften Verwirrung. Wir wollen deshalb ein EU-weit
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einheitliches Tierwohllabel als Beitrag zur Transparenz über die Haltung der Tiere. Bei tierischen
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Primärprodukten wie Fleisch oder Milch soll es eine europaweite Herkunftskennzeichnung geben, die
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sich an der bestehenden Kennzeichnung für Eier orientiert. In Deutschland haben wir bereits hohe
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Standards, eine europaweit einheitliche Vorgabe bedeutet daher auch, dass sich unsere Betriebe besser
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auf dem Markt etablieren können und wettbewerbsfähiger sind. Wir wollen zudem, dass EU-Vorgaben
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einheitlich angewendet werden und unsere Landwirte nicht einseitig durch zusätzliche nationale
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Regulierungen und Bürokratie belastet werden.
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Steigerung des Tierwohls erleichtern
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Tierschutz und Tierwohl sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Gleichwohl sind weder Stallgröße noch
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das Etikett der Haltungsform allein ausreichende Maßstäbe für das Tierwohl, sondern der Zustand des
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einzelnen Tieres. Wir wollen die Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung von tierwohlfördernden
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Maßnahmen unterstützen, beispielsweise durch beschleunigte Genehmigungsverfahren für den Bau von
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offenen Stallsystemen. Umweltschutz und Tierwohl dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
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Daher wollen wir auch Technik wie verbesserte Abluftanlagen in Ställen fördern. Zudem wollen wir den
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Lebensmitteleinzelhandel bei der Umsetzung von transparenten Kriterien für tierwohlgerechte Produkte
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unterstützen, und einen Dialog zwischen Landwirtschaft, Handel und den Verbraucherinnen und
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Verbrauchern fördern.
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Sicherheit dient der Freiheit. Um unsere Freiheit zu schützen, brauchen wir eine funktionierende
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Sicherheitsstruktur und Vertrauen in den Rechtsstaat. Bürgerinnen und Bürger müssen sich darauf
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verlassen können, dass ihre Freiheits- und Bürgerrechte gewahrt und geschützt werden.
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Extremismus, Terrorismus und organisierte Kriminalität sind eine Bedrohung für unsere Demokratie und
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unsere offene und freie Gesellschaft. Wir wollen, dass der Rechtsstaat besser organisiert ist als das
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Verbrechen. Wir brauchen einen handlungs- und durchsetzungsstarken Rechtsstaat, der Sicherheit und
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Freiheit gleichermaßen sichert. Dazu wollen wir Polizei und Justiz weiter bestmöglich ausstatten, unsere
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Sicherheitsarchitektur verbessern und den Feinden des Rechtsstaats entschieden entgegentreten.
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Sicherheit darf nicht zulasten der Grundrechte unbescholtener Bürgerinnen und Bürger gehen.
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Fragwürdige Durchsuchungsinstrumente wie den Staatstrojaner lehnen wir deswegen ab. Wir wollen die
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Schlagkraft gegen Kriminalität erhöhen und unseren Polizistinnen und Polizisten mit mehr Personal und
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moderner Ausrüstung weiter spürbar den Rücken stärken. Unsere Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr
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oder Rettungsdienst, die täglich ausrücken, um unser Leben und unsere Freiheit zu schützen, verdienen
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große Wertschätzung und verlässliche Unterstützung.
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Opfer von Gewalt und weiteren Straftaten wollen wir bestmöglich unterstützen. Daher werden wir den
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Opferschutz weiter stärken, konkrete Schutzangebote weiter ausbauen und insbesondere auch
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Zufluchtsmöglichkeiten für Betroffene schaffen und unterstützen.
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Die rechtsprechende Gewalt ist für das Funktionieren der Gesellschaft von essenzieller Bedeutung. Das
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Strafmonopol des Staates muss in den Händen einer gut ausgestatteten Justiz liegen. Wir wollen, dass die
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Strafe der Tat stets auf dem Fuße folgt. Wir wollen dafür die Justiz weiter stärken und personell
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unterstützen. Das Land Nordrhein-Westfalen als Arbeitgeber muss sich dabei anstrengen, gut
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ausgebildeten Nachwuchskräften ein attraktives Arbeitsumfeld und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu
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bieten.
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Einstellungszahlen weiter hochhalten
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Wir stehen fest an der Seite unserer Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Um unsere Freiheits- und
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Bürgerrechte bestmöglich zu schützen, braucht unsere Polizei verlässliche Unterstützung. Daher haben
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wir die nordrhein-westfälische Polizei in den vergangenen Jahren materiell, finanziell und personell besser
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aufgestellt: Neue, funktionalere Streifenwagen, endlich dienstliche Smartphones, moderne IT, bessere
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Schutzausstattung sowie Rekord-Einstellungszahlen. Dennoch ist die Belastungssituation nach wie vor
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hoch. Falls ausreichend geeignete Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen, wollen wir daher
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die Einstellungszahlen bei der Polizei auf 3.000 Neueinstellungen pro Jahr steigern. Denn nur genug
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Personal schafft Entlastung und sichert verlässliche polizeiliche Arbeit auch in Zukunft. Der hohen
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Abbrecherquote im Polizeistudium wollen wir mit verbesserten individuellen Beratungs- und
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Unterstützungsangeboten noch stärker entgegentreten. Zudem setzen wir uns ein für die Einführung
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einer Lehrzulage für Beamtinnen und Beamte, die junge Kolleginnen und Kollegen im Wach- und
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Wechseldienst ausbilden. Wir wollen weiterhin junge Menschen für die Berufung Polizei begeistern.
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Mehr Menschen für Polizeidienst gewinnen
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Polizeilaufbahn einzuschlagen. In einem zweijährigen Bildungsgang erlangen die Schülerinnen und Schüler
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nicht nur ein Fachabitur, sondern auch spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten in Vorbereitung auf den
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Polizeivollzugsdienst. Wir wollen auch zukünftig Maßnahmen unter Beibehaltung der zweigeteilten
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Laufbahn ergreifen, um die Anwärterzahlen hochzuhalten und noch mehr Personen mit ungewöhnlichen
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Profilen für den Polizeidienst zu gewinnen. Darüber hinaus steigen die fachlichen Anforderungen an die
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Polizei stetig. Daher wollen wir das Programm „Spezialisten zu Polizisten“ weiter ausbauen und gezielt für
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dieses Programm werben. Zusätzlich wollen wir weitere Wege ausloten, wie wir Seiteneinsteigerinnen
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und Seiteneinsteigern sowie Spezialistinnen und Spezialisten den Weg zur Polizei ermöglichen. Eine
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moderne Polizei muss in der Lage sein, neuen Herausforderungen effektiv zu begegnen.
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Möglichkeiten der Spezialisierung verbessern und attraktiver machen
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Kommissaranwärterinnen und Kommissaranwärter wollen wir nach dem Bachelorstudium noch gezielter
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fördern, attraktive Angebote der Spezialisierung bieten sowie auch einen schnelleren Weg zur
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Kriminalpolizei erleichtern. Erfahrenen und gut qualifizierten Beamtinnen und Beamten wollen wir den
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Aufstieg in höhere Besoldungsstufen nach Abschluss weiterführender Lehrgänge vereinfachen. Durch
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finanzielle Anreize und bessere Aufstiegsmöglichkeiten in jeweils allen Bereichen wollen wir neue
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Perspektiven schaffen. Gleichzeitig wollen wir überprüfen, inwiefern bestimmte Tätigkeiten der
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Landesoberbehörden, insbesondere des Landesamtes für zentrale polizeiliche Dienste (LZPD),
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notwendigerweise durch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten verübt werden müssen.
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Verlässliche Wertschätzung für unsere Einsatzkräfte
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Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten gebühren mehr Respekt, Wertschätzung und Schutz. Wer für die
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Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sorgt, muss auch selbst geschützt werden. Beleidigungen und
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Angriffe wollen wir konsequent und schnell verfolgen.
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In Zeiten steigender Gewalt und massiven Respektsverlusts gegenüber der Polizei brauchen unsere
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Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten politische Rückendeckung statt Misstrauen. Zugleich muss
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polizeiliches Handeln im Rechtsstaat stets überprüfbar sein. Für eine randomisierte, bei jedem Einsatz
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wechselnde Kennzeichnung von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in geschlossenen Formationen
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werden wir uns daher nur dann aussprechen, wenn erkennbar wird, dass Ermittlungsverfahren gegen
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Beamtinnen und Beamten in Nordrhein-Westfalen deswegen eingestellt wurden, weil die konkret
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handelnde Person nicht ermittelt werden konnte.
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Wir haben erstmals einen Polizeibeauftragten ernannt, der – ohne an Weisungen gebunden zu sein – im
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Innenministerium direkt beim Minister angesiedelt ist. Alle Angehörigen der Polizei in Nordrhein-
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Westfalen können sich mit Anregungen, Einwendungen und Hinweisen an ihn wenden. Wir wollen die
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Stellung der bzw. des Polizeibeauftragten als Ansprechperson für Polizei-Angehörige weiter stärken und
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unabhängiger machen. Dazu soll die Polizeibeauftragte bzw. der Polizeibeauftragte zukünftig durch den
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Landtag gewählt werden.
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Wertschätzung für unsere Einsatzkräfte drückt sich auch in einem modernen Personalmanagement und
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finanzieller Anerkennung aus. Wir setzen uns für eine verbesserte Umsetzung von attraktiv ausgestalteten
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Lebensarbeitszeitkonten für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst ein. Hiermit können nicht nur die
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Überstunden gesichert, sondern auch die Qualität der Arbeit sichergestellt und die Attraktivität des
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öffentlichen Dienstes dauerhaft gesteigert werden.
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Wir haben eine Erschwerniszulage für Kindesmissbrauchsermittelnde umgesetzt. Wir wollen darüber
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hinaus das gesamte Zulagenwesen reformieren und modernisieren, die Zulagensystematik insgesamt
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verbessern und für zeitgemäß ausgestaltete Zulagen bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sorgen.
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Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in polizeiliches Handeln ist für unseren Rechtsstaat elementar.
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Wir wollen uns daher zum Ziel nehmen, das existierende qualifizierte Beschwerdemanagement der Polizei
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Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern wollen wir technisch zentralisieren sowie Transparenz und
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Unabhängigkeit von Überprüfungsprozessen weiter stärken.
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Aufgabenbündelung mit Augenmaß
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Wir wollen die Bündelung von Aufgaben der Kreispolizeibehörden für eine größere Schlagkraft in den
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Bereichen, in denen dies sinnvoll ist, mit Augenmaß prüfen. Nicht nur die Aufarbeitung der
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Kindesmissbrauchsvorfälle in Lügde hat gezeigt, dass die Verlegung der Bearbeitung bestimmter
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Verbrechen auf die Kriminalhauptstellen und damit verbundener Bündelung von Expertise sinnvoll sein
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kann. Eine zentrale Bearbeitung von Aufgaben darf aber nicht zu weniger Polizei vor Ort führen. Wir
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brauchen eine sichtbare Präsenz und verlässliche Einsatzstärken nicht nur in den Brennpunkten, sondern
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gerade auch im ländlichen Raum. Wir wollen dazu auch die aktuell im Rahmen der Kräfteverteilung
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vorgesehene Mindestdichte von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in den Landkreisen weiter
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erhöhen. Einer Ausdünnung der Polizei sowie einer einseitigen Verlagerung in die großen Städte wirken
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wir entschieden entgegen.
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Digitalisierung der Polizeiarbeit vorantreiben
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Wer für unsere Sicherheit auf der Straße ist, verdient die bestmöglichen Rahmenbedingungen. Wir wollen
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deshalb die Digitalisierung der Polizeiarbeit mit Hochdruck weiter vorantreiben und dies mit einer breiten
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Qualifizierungsoffensive verbinden. Dafür setzen wir auf modernste IT-Ausstattungen in allen
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Kreispolizeibehörden sowie digitale Einsatzmittel in den Streifenwagen. Digitalisierung ist dabei kein
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Selbstzweck: Digitalisierte Prozesse lösen den Papierstau auf und sorgen für Entlastung – so werden
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wichtige Kapazitäten frei für die Polizeiarbeit vor Ort.
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Schlagkraft im digitalen Raum erhöhen
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Zahlreiche Straftaten und kriminelle Aktivitäten finden heutzutage im Digitalen statt. Wir setzen uns daher
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entschieden für modernste Technik und zusätzliches Personal ein. Als zentralen Baustein für Effizienz und
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Kompetenz in der digitalen Strafverfolgung wollen wir das Cybercrimekompetenzzentrum NRW weiter
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stärken.
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Distanzelektroimpulsgeräte (Taser) flächendeckend einführen
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Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen gehören
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Distanzelektroimpulsgeräte (kurz DEIG oder Taser) nun in mehreren Behörden bereits zur
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Grundausstattung der Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Die bisherigen Einsätze haben gezeigt, dass
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Angriffe auf Polizeibeamte allein durch die präventive Wirkung des Tasers bereits um über 80 Prozent
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zurückgehen. Wir machen uns daher für eine sofortige und flächendeckende Ausstattung aller
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Kreispolizeibehörden in ganz Nordrhein-Westfalen stark. Hierdurch kann der Schutz unserer
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Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten deutlich erhöht werden.
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Organisierte Kriminalität konsequent bekämpfen
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Wir wollen weiter entschlossen gegen organisierte Kriminalität und kriminelle Clans vorgehen. Dafür
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werden wir die behördenübergreifende Strategie, bei der nicht nur die Sicherheits- und
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Ordnungsbehörden tätig werden, sondern auch weitere staatliche Stellen, zum Beispiel der Zoll, in die
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Planung und Durchsetzung von Maßnahmen miteinbezogen werden, weiterführen. Auch in Zukunft
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werden wir, wo möglich, gegen kriminelle Clanmitglieder mit ausländerrechtlichen Maßnahmen
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vorgehen. Bei der Bekämpfung von Clankriminalität und sonstiger organisierter Kriminalität werden wir
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einerseits mit der ganzen Härte des Rechtsstaats gegen kriminelle Strukturen vorgehen und andererseits
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innovative Präventionskonzepte etablieren, um die Nachwuchsgewinnung krimineller Clans nachhaltig zu
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stören und Kinder und Ausstiegswillige besser vor diesen Strukturen zu schützen.
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Finanzermittlungen stärken
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Finanzermittlungen können erheblich dazu beitragen, kriminelle Strukturen auszuheben. Dem Prinzip
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„Follow the Money“ folgend soll auch zukünftig noch genauer auf Finanzströme geschaut werden. Wir
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Ländern rechtssicher ermöglicht, Vermögen unklarer Herkunft unter bestimmten Voraussetzungen
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abzuschöpfen.
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Wir wollen, dass alle Bürgerinnen und Bürger in unserem Land friedlich, frei und ohne Angst leben können.
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Wir treten daher jeder Form von Extremismus, Terrorismus, menschenverachtendem Gedankengut und
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politisch motivierter Gewalt entschieden entgegen. Wir wollen und werden nicht zuschauen, wenn Hass
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und Gewalt in unsere Gesellschaft einzusickern drohen. Prävention und Repression werden wir daher
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gleichsam gezielt verstärken.
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Um politisch motivierte Straftaten besser im Themenkomplex Extremismus, Rassismus und
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Antisemitismus zu erfassen und hieraus präventive Maßnahmen zu erarbeiten, setzten wir uns für die
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Erstellung von Dunkelfeldstudien ein. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien legt zudem nahe, dass die
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Tatmotive vieler rechtsextremer Täter internalisierter Frauenhass sind. Wir werden daher auch das
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Thema „Frauenhass“ verstärkt in den Blick nehmen und die Gesellschaft mit konkreten
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Präventionsangeboten sensibilisieren. Die Arbeit der Antisemitismusbeauftragten wollen wir noch stärker
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unterstützen. Angebote im Bereich der Aus- und Fortbildung für den öffentlichen Dienst, insbesondere
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Polizei und Justiz, wollen wir so überarbeiten, dass zielgerichtet Wissen und Kenntnisse über
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Antisemitismus in seiner historischen Entwicklung sowie in seiner modernen Ausprägung vermittelt
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werden, damit Stereotype, Codes und Vorfälle als Straftaten besser eingeordnet werden können.
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Fälle von Extremismus und Rassismus im Öffentlichen Dienst nehmen wir sehr ernst. Rechtsextremes
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Gedankengut von Polizeibeamtinnen oder Polizeibeamten sind mit besonderer Sensibilität zu erkennen
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und ausnahmslos und konsequent zu verfolgen. Die große Mehrheit unserer Polizeibeamtinnen und
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Polizeibeamten leisten eine hervorragende Arbeit. Es darf daher keinen Generalverdacht gegenüber
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unserer Polizei geben. Die Arbeit der Extremismusbeauftragten für die Polizeibehörden werden wir weiter
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gezielt stärken. Im Kampf gegen Rechtsextremismus im Öffentlichen Dienst unterstützen wir
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wissenschaftliche Untersuchungen, um mögliche Ursachen besser zu erkennen und zu verhindern.
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Sicherheitsarchitektur im Kampf gegen Terror und Extremismus verbessern
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Wir wollen das Zusammenspiel von Bund und Ländern bei der Bekämpfung von Terror und Extremismus
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verbessern. Spätestens der NSU-Skandal sowie der Fall „Anis Amri“ haben gezeigt, dass das Verhältnis der
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bis zu 40 Sicherheitsbehörden in Deutschland grundsätzlich überprüft werden muss. Insbesondere die
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Arbeit der drei Gemeinsamen Sicherheitszentren von Bund und Ländern gegen islamistischen
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Terrorismus, Links- und Rechtsterrorismus sowie digitale Propaganda, wollen wir überprüfen. Bei diesen
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Organisationen handelt es sich um Austauschnetzwerke zwischen den Polizeien und Nachrichtendiensten.
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Wir wollen zukünftig eine bessere Vernetzung sicherstellen, den konstruktiven Informationsaustausch
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gewährleisten und die Extremismus- und Terrorabwehr stärken. Gleichzeitig muss die Einhaltung
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rechtlicher Grundlagen, insbesondere die Wahrung von Bürgerrechten, stetig geprüft und garantiert
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werden. Gemeinsam mit den anderen Ländern wollen wir auch auf die Abschaltung der nicht
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erfolgreichen und verzichtbaren Anti-Terrordatei hinwirken.
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Wir setzen uns für die Gründung einer Föderalismuskommission III ein, um die bisherige Aufstellung der
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Sicherheitsarchitektur in Deutschland auf den Prüfstand zu stellen, und unterstützen Vorhaben der neuen
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Bundesregierung in diesem Bereich. Im Zuge dieser Beratungen müssen die Gemeinsamen
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Sicherheitszentren auf eine eigene Rechtsgrundlage gestellt werden. Das Trennungsgebot von Polizei und
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Nachrichtendiensten muss dabei gewahrt bleiben.
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Verfassungsschutz optimal aufstellen
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Der Verfassungsschutz leistet in Nordrhein-Westfalen einen unverzichtbaren Beitrag im Kampf gegen
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Extremismus. Daher wollen wir ihn weiter stärken, insbesondere die Aus- und Weiterbildung der
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Verfassungsschützerinnen und Verfassungsschützer neu aufstellen und auch verstärkt Expertinnen und
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Experten anderer Fachrichtungen für den Dienst im Verfassungsschutz gewinnen. Darüber hinaus setzen
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wir uns für die Einführung eines „dualen Verfassungsstudiums“ mit Studieninhalten wie beispielsweise
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Extremismusforschung, Soziologie, Psychologie, Informationstechnologie, Geschichte, Politik und Recht
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ein. Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen soll so zu einer Schmiede von Expertinnen und
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Experten für die verschiedenen Phänomenbereiche werden und auch für junge Absolventinnen und
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Absolventen offener und nahbarer werden. So kann besser gewährleistet werden, dass der nordrhein-
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westfälische Verfassungsschutz auch in Zukunft zielgerichtet, effizient und nachhaltig gegen rechte, linke,
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islamistische oder religiöse Extremisten vorgehen kann.
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Parlamentarische Kontrollmöglichkeiten verbessern
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Wir wollen Parlament und Verfassungsschutz enger verzahnen, Misstrauen und Unwissen über die
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wichtige Tätigkeit der Verfassungsschützerinnen und Verfassungsschützer keinen Raum geben und die
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parlamentarische Kontrolle so stärken, dass die Arbeitsfähigkeit des Verfassungsschutzes unberührt
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bleibt. Durch die Einsetzung eines parlamentarischen Verfassungsschutzbeauftragten mit vollem Zugang
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zu Abläufen und Informationen soll eine bessere Information des parlamentarischen Kontrollgremiums
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gewährleistet werden. Die oder der Verfassungsschutzbeauftragte soll darüber mitentscheiden, welche
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Vorgänge und Inhalte dem Parlamentarischen Kontrollgremium vorzulegen sind. Die oder der
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Verfassungsschutzbeauftragte soll auch an der Vorbereitung und an den Sitzungen der G-10-Kommission
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teilnehmen. § 30 des Verfassungsschutzgesetzes NRW ist entsprechend anzupassen. Fraktionen soll es
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ermöglicht werden, an Sitzungen des parlamentarischen Kontrollgremiums mit einer entsprechend
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sicherheitsüberprüften Fachreferentin oder einem Fachreferenten teilzunehmen.
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Ausgewogenes Waffenrecht umsetzen
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Wir stehen für ein Waffenrecht mit Augenmaß und Konsequenz. Dabei muss zwischen den Besitzerinnen
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und Besitzern von Legalwaffen wie Sportschützen und Jägern und zwischen dem illegalen Waffenbesitz
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sowie dem Waffenbesitz durch gefährliche Personen strikt unterschieden werden. Die jüngsten
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Verschärfungen des Waffenrechts haben die Besitzer von Legalwaffen wie Sportschützen und Jäger mit
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zusätzlicher unnützer Bürokratie überzogen. Der Bund sollte eine Generalrevision des Waffenrechts
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unternehmen, um Praktikabilität und Praxisnähe zu verbessern. Wir wollen die Waffenbehörden bei der
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Aus- und Weiterbildung der zuständigen Sachbearbeitenden besser unterstützen. Gefährder und
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Extremisten dürfen keine Waffen besitzen. Dazu muss der Datenaustausch der beteiligten Behörden
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verbessert und der illegale Waffenhandel auf europäischer Ebene stärker bekämpft werden.
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Kommunale Sicherheit stärken
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Die Kommunen bilden eine unverzichtbare Stütze bei der Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung mit
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ihrer Zuständigkeit für die allgemeine Gefahrenabwehr. Die Vernachlässigung einzelner Stadtgebiete
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wirkt sich auf die Kriminalitätsentwicklung und somit auch auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus.
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Nicht zuletzt die Pandemie hat vor Augen geführt, wie notwendig handlungsfähige kommunale
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Ordnungsdienste sind. Sie müssen vor allem aber auch dann verfügbar sein, wenn sie dringend gebraucht
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werden – also zur Nachtzeit und auch an Wochenenden, sowohl in kreisfreien Städten wie in
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Flächenkreisen.
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Ein wirksames Mittel, um dabei Kräfte zu bündeln, sind die sogenannten Ordnungspartnerschaften,
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bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von Polizei und Ordnungsamt. Wir wollen Partnerschaften
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stärken und flächendeckend ausweiten. Gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden wollen wir
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landesweite Standards für die Aus- und Fortbildung der kommunalen Ordnungsdienste erarbeiten und
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festschreiben. Hierbei soll die Polizei mit ihrer Erfahrung unterstützen. Neben einer besseren Ausstattung
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für die Beschäftigten sollen die kommunalen Ordnungsdienste zukünftig auch am BOS-Funknetz
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zudem der Sicherheit der Beschäftigten.
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Feuerwehr und Katastrophenschutz zukunftsfest machen – Ehrenamt stärken
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Umweltkatastrophen wie Hochwasserfluten oder großflächige Waldbrände werden auch in Zukunft nicht
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ausbleiben. Aber auch Szenarien, in denen gefährliche biologische, radioaktive oder chemische Stoffe
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freigesetzt werden sowie Angriffe auf kritische Infrastrukturen müssen im Katastrophenschutz künftig
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verstärkt mitgedacht werden. Daher wollen wir den Katastrophenschutz umfassend und interdisziplinär
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anlegen. Das kann nur funktionieren, wenn Schutzziele konkret vorgegeben und mögliche Szenarien
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regelmäßig durchgespielt und trainiert werden. Der Ausbau geländegängiger Fahrzeugflotten, die
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Verbesserung der Frühwarnung der Bevölkerung, die Entwicklung digitaler Echtzeit-Lagebilder sowie die
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Stärkung der Fortbildung auf diverse mögliche Katastrophenfälle haben für uns hohe Priorität. Bei
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Beschaffungen, die für Bereiche des Katastrophenschutzes im Pool durch Bundesministerien oder
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Bundesbehörden getätigt werden, wollen wir auf eine zügigere und zuverlässigere Bereitstellung
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hinwirken. Die Durchführung des nächsten bundesweiten Warntages, der nach Beschluss der
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Innenministerkonferenz im September 2022 stattfinden soll, werden wir eng begleiten. Soweit erneut
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Schwierigkeiten auftreten, werden wir uns aus Nordrhein-Westfalen heraus für eine umgehende
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zielgerichtete Analyse einsetzen, um die daraus gewonnenen Ergebnisse für eine schnellstmögliche
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Behebung von Lücken und Problemen der Frühwarnsysteme zu nutzen. Außerdem soll der Landtag einmal
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jährlich über neue Entwicklungen im Katastrophenschutz informiert werden.
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Der nordrhein-westfälische Katastrophenschutz steht im Wesentlichen auf der tragenden Säule der vielen
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Ehrenamtlichen in den Freiwilligen Feuerwehren, dem THW und den weiteren Hilfsorganisationen. Wir
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setzen uns dafür ein, dass ihr bürgerschaftliches Engagement auch in Zukunft gewürdigt, gestärkt und
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gefördert wird. Die freiwilligen und hauptamtlichen Feuerwehren leisten einen wichtigen Beitrag zum
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Schutz der Bevölkerung. Daher verdienen sie nicht nur unseren besonderen Respekt, sondern auch, dass
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wir bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen. Daher wollen wir neben der Erleichterung einer
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ehrenamtlichen Tätigkeit – beispielsweise durch Vorschläge zur Vereinbarkeit von Familie, Beruf und
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Ehrenamt – auch die Feuerwehren insgesamt stärken.
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Gleichzeitig sehen sich unsere Einsatzkräfte zunehmend Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt.
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Dabei handelt es sich nicht nur um die Behinderungen von Rettungseinsätzen, sondern um Straftaten, die
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konsequent verfolgt werden müssen. Wir werden auch hier die Null-Toleranz-Strategie verfolgen und
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Gesetzesbrüche nicht dulden.
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Personelle und materielle Ausstattung der Justiz
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Bereits in der laufenden Legislaturperiode haben wir die Justiz signifikant gestärkt und ihr zusätzliche
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Ressourcen für ein effektives Handeln zur Verfügung gestellt. Diesen Weg wollen wir auch in Zukunft
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weiterverfolgen. Deshalb wollen wir die Justiz durch weitere personelle Verstärkungen demographiefest
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machen und die Justizbauten modernisieren, indem wir den Pakt für den Rechtsstaat zwischen Bund und
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Ländern fortsetzen. Hierbei soll der Fokus auf mehr Personal, eine konsequente Digitalisierung und eine
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Sanierung der Gebäude gerichtet werden.
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Attraktivität der Justizberufe steigern
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Wir wollen, auch zur kontinuierlichen Gewinnung von Nachwuchskräften, die Attraktivität der
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Justizberufe stärken. Hierzu soll die Besoldung marktgerecht und attraktiv ausgestaltet werden. Wir
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wollen Rechtsreferendare wieder verbeamten. Zudem wollen wir den Justizbeschäftigten eine E-Learning-
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Bibliothek zu Aus- und Weiterbildungszwecken zur Verfügung stellen.
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Mit der JAG-Reform haben wir den ersten Schritt zu einer zukunftsorientierten Juristenausbildung
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gemacht. Wir wollen das Jura-Studium attraktiver gestalten, ergänzen und für eine geringere Quote von
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Nordrhein-Westfalen der attraktivste Studien- und Ausbildungsort für angehende Juristinnen und Juristen
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werden. Nach dem Vorbild erfolgreicher Law Schools in Deutschland sollen Studierende der
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Rechtswissenschaften in Nordrhein-Westfalen künftig die Möglichkeit erhalten, sowohl den Bachelor of
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Laws als auch das erste Staatsexamen absolvieren zu können. Das bewährte und international anerkannte
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System des ersten und zweiten Staatsexamens in der deutschen juristischen Ausbildung soll dabei auch
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in Nordrhein-Westfalen bestehen bleiben und auch in Zukunft Voraussetzung für die Befähigung zum
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Richteramt bleiben.
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Digitalisierung in der Justiz voranbringen
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Wir wollen die Digitalisierung der Justiz weiter forcieren. Die Finanzgerichtsbarkeit und die
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Verwaltungsgerichtsbarkeit arbeiten bereits vollständig elektronisch. Die E-Akte muss nun auch
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flächendeckend an allen ordentlichen Gerichten, den weiteren Fachgerichten sowie den
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Staatsanwaltschaften umgesetzt werden. Auch die digitale Ausstattung der Richterinnen und Richter, der
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Staatsanwältinnen und Staatsanwälte und allen weiteren Justizbeschäftigten wollen wir gewährleisten.
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Den Zugang zur Justiz für die Bürgerinnen und Bürger wollen wir durch einen weiteren Ausbau der
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Videokonferenztechnik verbessern. Hier soll die Möglichkeit eröffnet werden, dass bei
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übereinstimmender Parteiantragstellung grundsätzlich eine Videoverhandlung verbindlich durchs Gericht
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anzuordnen ist. Um die Arbeitsabläufe der Justiz effizienter zu machen, setzen wir auf
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länderübergreifende Kooperation. Deshalb engagieren wir uns für den Aufbau einer
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länderübergreifenden Justiz-Cloud sowie die Entwicklung des Gemeinsamen Fachverfahrens („gefa“).
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Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Legal Tech ausbauen
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Wir wollen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Legal Tech die Tätigkeiten der
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Justizbehörden sinnvoll unterstützen. Einsatzbereiche sehen wir zum Beispiel bei der Vereinfachung von
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Datenerfassung und Verfahrensschritten im Ermittlungsverfahren durch robotergesteuerte
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Prozessautomatisierung. Auch die digitale Aufzeichnung und Hilfestellung bei der anschließenden
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Auswertung von Vernehmungen und der Hauptverhandlung durch KI sowie die Einrichtung sogenannter
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„Chatbots“ für die Rechtsantragstellenden sollen ausgebaut werden. Endgültige Entscheidungen sollen
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weiterhin nur von Menschen getroffen werden.
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Schutz im Internet und vor Cyber Crime
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Die Europäische Union ist bestrebt, zwanzig Jahre nach Inkrafttreten der E-Commerce-Richtlinie mit dem
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Digital Services Act (DAS) einen zukunftsfähigen Rechtsrahmen für neue und innovative Dienste zu
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schaffen. Wir begrüßen dieses Vorhaben, weil dadurch ein zukunftsorientierter Rahmen für gewerbliche
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Nutzer digitaler Dienste geschaffen wird. Darüber hinaus setzen wir uns für die Stärkung der
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Verbraucherrechte im Internet ein. Für die quantitative und qualitative Zunahme von Cyberangriffen in
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allen Bereichen wollen wir die Justiz für die Durchführung von Ermittlungsverfahren gut aufstellen.
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Verfahrenslaufzeiten senken
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Verfahrenslaufzeiten wollen wir gerade in Straf- und Zivilverfahren weiter verkürzen. Wir wollen dafür die
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Justiz so ausstatten, dass Richterinnen und Richter Verfahren unter Beibehaltung der hohen rechtlichen
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Standards schneller führen und somit unter Wahrung der richterlichen Unabhängigkeit die
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durchschnittliche Verfahrensdauer deutlich senken können. Insbesondere im Bereich der insgesamt
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rückläufigen Jugendkriminalität setzen wir uns für kurze Verfahrensdauern ein, um Jugendlichen und
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Heranwachsenden den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Tat und Strafe aufzeigen zu können und
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sie damit dabei zu unterstützen, künftig ein straffreies Leben zu führen.
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Behandlungsvollzug verbessern
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Um Rückfallquoten zu senken, wollen wir den Behandlungsvollzug weiter ausbauen. Dadurch soll es
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besser gelingen, mit der individuellen Situation einzelner Straftäterinnen und Straftäter wirksam
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umzugehen.
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Wir wollen die Möglichkeiten der Justiz, von EU-Fördermitteln zu profitieren, besser nutzen. Um das
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Projektmanagement innerhalb der Justiz zu verbessern, wollen wir ein beim Ministerium der Justiz
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angesiedeltes EU-Kompetenzzentrum einrichten. Dieses soll die Bewerbungen auf EU-Ausschreibungen
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koordinieren, den administrativen Aufwand senken und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass
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das Land EU-Fördermittel für Modernisierungen erhält.
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Kinder sind unsere Zukunft. Ihre Chancen wollen wir von klein auf fördern. Zugleich sind sie die
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schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, die unsere Hilfe und unseren Schutz benötigen. Während
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der große Teil der Kinder in liebevoller Umgebung ihrer Familien aufwächst, erleben einige Kinder Gewalt,
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Missbrauch und Vernachlässigung. Die erschütternden Missbrauchsfälle in der zurückliegenden Zeit
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haben uns deutlich vor Augen geführt, dass wir noch deutlich stärkere Anstrengungen brauchen, um die
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Kleinsten in unserer Gesellschaft besser zu beschützen. Wir sind deswegen mit weitreichenden Maßnahmen
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deutschlandweit vorangegangen: Wir haben ein Kinderschutzgesetz auf den Weg gebracht, das
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deutschlandweit neue Maßstäbe setzt. Wir haben ein ambitioniertes und umfassendes Handlungs- und
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Maßnahmenkonzept zur Verbesserung des Kinderschutzes vorgelegt, das unter anderem die erfolgreiche
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Einrichtung der Landesfachstelle „Prävention sexualisierter Gewalt“ umfasst. Bestandteil des Konzepts ist
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zudem die substanzielle Erhöhung der Mittel für Beratungsstellen. Wir haben über den Bundesrat für die
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Anhebung des Mindeststrafmaßes bei Sexualdelikten zu Lasten von Kindern gesorgt.
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Führende Expertinnen und Experten haben Nordrhein-Westfalen angesichts dessen sowie weiterer
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parlamentarischer Initiativen als „Avantgarde“ im Kampf gegen Kindesmissbrauch bezeichnet und uns
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Pionierarbeit in vorbildlicher Weise bescheinigt. Wir wollen uns darauf jedoch nicht ausruhen, sondern
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vielmehr den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen, um den Schutz der Kleinsten unserer
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Gesellschaft weiter zu verbessern. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat für uns höchste Priorität.
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Kinderschutz auf eine neue Stufe heben
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Mit dem Landeskinderschutzgesetz haben wir einen wichtigen Einstieg in einen umfassenden,
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landesrechtlich verankerten Kinderschutz vollzogen. Wir wollen den intensiven Austausch mit
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Wissenschaft, Kommunen, Trägern, Verbänden sowie mit Kindern und Jugendlichen fortsetzen, um
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vorhandene Verbesserungsmöglichkeiten im Sinne eines umfassenden Kinderschutzes zu erkennen und
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umzusetzen. Wir werden dies als einen dauerhaften und fortlaufenden Prozess anlegen. Aufbauend auf
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dem Handlungs- und Maßnahmenkonzept im Bereich „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und
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Jugendliche“ wollen wir Prävention, Intervention und Hilfen deutlich verbessern.
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Hochwertige Qualifizierungen weiter ausbauen – frühzeitiges Erkennen und Einschreiten ermöglichen
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Bei vielen Akteuren, die mit oder im Umfeld von Kindern und Jugendlichen arbeiten, besteht weiterer
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Qualifizierungsbedarf im Bereich des Kinderschutzes. Wir wollen darum auch künftig mit der
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Weiterentwicklung des Landeskinderschutzgesetzes möglichst sämtliche Personen, die mit
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Minderjährigen arbeiten oder deren Tätigkeit Bezüge zur Arbeit mit Minderjährigen aufweist, durch
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regelmäßige Fortbildungen für Anzeichen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche oder von
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anderen Kindeswohlgefährdungen sensibilisieren. Die Durchführung interdisziplinärer Fortbildungen wird
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durch eine landesseitige Finanzierung unterstützt. Zusätzlich wollen wir Mindeststandards für
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themenspezifische Fortbildungen im Bereich des Kinderschutzes definieren und die erforderlichen
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Fortbildungsinhalte nach den unterschiedlichen Arbeitsfeldern differenzieren.
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Einrichtungen, in denen sich regelmäßig Kinder und Jugendliche aufhalten, verfügen nach dem
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Landeskinderschutzgesetz über verpflichtende Schutzkonzepte. Wir wollen darüber hinaus
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niedrigschwellige Beratungsangebote flächendeckend ausbauen und miteinander vernetzen. Gemeinsam
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mit den kommunalen Spitzenverbänden wollen wir die derzeitigen Finanzierungsstrukturen nochmals
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überprüfen und verbessern.
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Wir wollen Kinder und Jugendliche verstärkt über ihre persönlichen Rechte und Grenzen im persönlichen
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Umgang informieren. Kinder und Jugendliche sollen gestärkt werden, (Verdachts-)Fälle und
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Grenzverletzungen klar zu benennen. Dafür müssen unter anderem Ansprechpersonen und
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niedrigschwellige Beratungsangebote bekannter und konkrete Handlungsmöglichkeiten zugänglich
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gemacht werden („Wegweiser“) – vor allem auch im Schulbereich. Lehrkräfte müssen über die Aus- und
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Fortbildung sowie die Zusammenarbeit mit oder Einbeziehung von Beratungsstellen in die Lage versetzt
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werden, die Themen Sexualität und sexualisierte Gewalt im Unterricht anzusprechen.
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Aktive Öffentlichkeitsarbeit
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Die Themen Kindeswohlgefährdung und sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche müssen über
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eine aktive Öffentlichkeitsarbeit weiter enttabuisiert werden. Bürgerinnen und Bürgern soll Mut gemacht
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werden, bei Auffälligkeiten, Verdachtsfällen und Problemen Hilfe aufzusuchen. Dafür wollen wir
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niedrigschwellige Beratungs- und Informationsangebote bekannter machen.
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Engmaschiges Schutznetzwerk
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Wir wollen die Vorgaben und Rahmenbedingungen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen
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den verschiedenen Akteuren über das Landeskinderschutzgesetz hinaus weiter verbessern, um ein
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engmaschiges Netz für Kinder- und Jugendschutz zu weben. Insbesondere auf Bundesebene werden wir
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uns für die Schaffung und finanzielle Förderung von Kinderschutz-Netzwerken nach dem Vorbild der
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Netzwerke Kinderschutz und Frühe Hilfen auf Landesebene zur strukturellen Vernetzung vor Ort
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einsetzen.
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Soziales Sicherungsnetz darf nicht zum Tatort werden
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Bildungsorte wie Schulen und Hochschulen sind ebenso wie Sportvereine Teil des sozialen
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Sicherungsnetzes. Bezugs- und Vertrauenspersonen können hier Zeuge von Verhaltensauffälligkeiten von
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Kindern und Jugendlichen werden, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Schulen und Hochschulen
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sowie Sportvereine können jedoch zugleich auch Tatort sein. Wir setzen uns darum für eine
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wissenschaftliche Untersuchung des Umgangs von Schulaufsichten und Sportinstitutionen mit (Verdachts-
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)Fällen sexualisierter Gewalt ein. Das verpflichtende erweiterte Führungszeugnis soll für Ehrenamtliche
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zukünftig gebührenfrei werden.
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Betroffenen Kindern und Jugendlichen schnellstmöglich helfen
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In Fällen sexualisierter Gewalt und weiterer Formen von Kindeswohlgefährdung ist es besonders wichtig,
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die betroffenen Kinder und Jugendlichen schnellstmöglich durch Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.
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Traumafolgenbehandlungen und psychiatrische sowie psychotherapeutische Unterstützung müssen
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flächendeckend und zeitnah verfügbar sein. Hier wollen wir insbesondere die therapeutischen Angebote
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im ländlichen Raum ausbauen.
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Kindgerechte Justiz
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Betroffene Kinder und Jugendliche stellen insbesondere auch Vernehmungen und Aussagen zu dem
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Erlebten unter hohen psychischen Stress, schlimmstenfalls kommt es zu Retraumatisierungen.
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Frühzeitige, kindgerechte (Video-)Vernehmungen, psychosoziale Prozessbegleitung, eine frühzeitige
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therapeutische Betreuung sowie die Verhinderung von mehrfachen Zeugenaussagen sollen die
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Justizverfahren darum kindgerechter machen. Wir setzen uns deswegen für ein Aus- und
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Fortbildungsangebot im Bereich „kindgerechter Justiz“ ein.
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Zudem wollen wir den Ausbau von Anlaufstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs sowie der sogenannten
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Childhood-Häuser weiter stärken.
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erhalten, sich niedrigschwellig über ihr Krankheitsbild und Hilfsangebote informieren zu können.
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Angebote wie „Kein Täter werden“ wollen wir daher ausbauen, um möglichst wohnortnah Anlaufstellen
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für Präventionsprogramme zu schaffen.
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Missbrauch und Vergewaltigung klar benennen
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Wenn über die Darstellung von Kindesmissbrauch berichtet wird, ist oft die Rede von „Kinderpornografie“.
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Es handelt sich hier jedoch nicht um Aufnahmen, die freiwillig entstehen und deren Herstellung erlaubt
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ist, sondern es handelt sich um Bilder und Videos von sexuellem, psychischen und physischem Missbrauch
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sowie der Vergewaltigung von Kindern. Wir halten diesen Begriff darum für grob verharmlosend und
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wollen ihn im Strafgesetzbuch ersetzen.
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Klassische Familie, unverheiratetes Paar, Regenbogen- oder Patchworkfamilie oder alleinerziehend:
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Familien sind vielfältig, Familien sind bunt. Wir setzen uns für Toleranz und Offenheit für diese Vielfalt von
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Rollen- und Lebensentwürfen ein und unterstützen deswegen die Vorhaben der Bundesregierung hierzu
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ausdrücklich.
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Familie ist auch das Miteinander mehrerer Generationen. Im besten Fall ist die Familie der starke
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Ausgangspunkt für einen selbstbestimmten Lebensweg. Wir wollen Familien deswegen weiter stärken
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und setzen uns ein für mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche, eine bessere
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Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine selbstbestimmte Rollenverteilung sowie Unterstützung im Falle
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der Pflege von Angehörigen.
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Die Corona-Pandemie hat Familien, Kinder und Jugendliche besonders getroffen. Wir wollen darum den
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vielfältigen Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf Kinder, Jugendliche und Familien mit
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einem Maßnahmenbündel begegnen. Gerade Familien mit jüngeren Kindern leisten mit solidarischem
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Handeln unter teilweise großer Belastung einen wichtigen Beitrag. Dafür sind wir den Familien in
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Nordrhein-Westfalen dankbar.
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Familien stark machen
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Beste Bildung für Kinder und Jugendliche heißt auch, dass die Eltern dazu beitragen können. Deswegen
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hat die Familienbildung und -beratung für uns eine ganz besondere Bedeutung. Wir wollen die Angebote
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der Familienbildung – also die Vermittlung von Erziehungskompetenzen – und die Familienberatung von
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Familien in Problemsituationen weiter stärken. Das Thema Mental Health bei Kindern und Jugendlichen
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wollen wir unter anderem im Bereich der Familienbildung, aber auch darüber hinaus noch viel stärker
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verankern. Wir wollen zudem zusätzliche Werbemaßnahmen für diese Beratungs- und Bildungsangebote
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initiieren.
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Wir wollen die von den Einschränkungen zur Pandemieeindämmung besonders betroffenen Familien als
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Zeichen der Wertschätzung für ihren Einsatz und Verzicht durch gezielte Angebote der Familienerholung
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eine Atempause verschaffen und sie entlasten.
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Alleinerziehende und Getrennterziehende stehen auch unabhängig von der Corona-Pandemie häufig vor
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großen finanziellen Problemen. Das wirkt sich auf die Chancen der Kinder aus. Deswegen wollen wir
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Allein- und Getrennterziehende stärken: durch einen flächendeckenden Ausbau der Betreuungsangebote
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insbesondere auch in Randzeiten, eine Vereinfachung der Unterstützungsleistungen durch das
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Kinderchancengeld, mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung, mehr Möglichkeiten zur Ausbildung in
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Teilzeit, Unterstützung beim Kindesunterhalt und nicht zuletzt eine wirksamere finanzielle Entlastung.
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Kinder und Jugendliche mit Kinderchancengeld unterstützen
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entgegenwirken. Wir unterstützen die Absicht der neuen Bundesregierung, familienpolitische Leistungen
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zu bündeln. Unser Ziel bleibt ein Kinderchancengeld – eine einfache und zusammengefasste
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Unterstützung. Insbesondere die Angebote für bessere Chancen, Bildung und Teilhabe sollen ausgeweitet
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und von Kindern und Jugendlichen selbstständig abgerufen werden können.
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Passgenaue Angebote für Kinder und Jugendliche umsetzen
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Wir wollen die außerschulischen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit als demokratische Bildungsorte
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und freiwillige Lernorte weiter stärken. Kinder und Jugendliche sollen flächendeckend Zugang zu den
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vielfältigen Möglichkeiten der Bildung erhalten und allgemeine, soziale, kulturelle und persönliche
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Kompetenzen erwerben können. Mentoring-Programme sollen eine weitere wertvolle Unterstützung für
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Kinder und Jugendliche sein und ihnen Perspektiven für die Zukunft aufzeigen. Eltern werden durch die
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Angebote der Kinder- und Jugendarbeit zudem entlastet.
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Vor allem benachteiligte Kinder und Jugendliche benötigen umfassende Ferien- und
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Unterstützungsprogramme. Wir wollen darum Ferienfreizeiten, Bildungsprogramme in den Schulferien
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sowie Mitgliedschaften in gemeinnützigen Vereinen finanziell stärker fördern und unterstützen.
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Zugang zu Bildung ermöglichen und vor allem Neugier für Forschung und den MINT-Bereich wecken – das
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leisten auch außerschulische Bildungseinrichtungen, wie Junior Universitäten und Museen. Wir wollen
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solche Initiativen weiter unterstützen und bessere Rahmenbedingungen für deren Arbeit schaffen, damit
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sie mehr Talente gerade auch aus bildungsferneren Haushalten erreichen.
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Die Corona-Pandemie hat auch psychosoziale und entwicklungspsychologische Auswirkungen auf Kinder
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und Jugendliche. Wir wollen den bereits eingeleiteten Ausbau der Schulpsychologie fortsetzen und den
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Schülerinnen und Schülern vor Ort passgenaue Beratungs- und Unterstützungsangebote unterbreiten.
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Digitales Familienportal als unbürokratische Anlaufstelle schaffen
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Hindernisse bei der Terminvereinbarung, die Pflicht persönlichen Erscheinens bei Behörden, Wartezeiten
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vor Ort und unverständliche Bürokratie sind für Eltern oft Wegbegleiter bei der Beantragung
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familienbezogener Leistungen. Wir wollen darum mit dem „Digitalen Familienportal NRW“ eine zentrale,
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digitale Anlaufstelle schaffen. Das Portal soll als „One-Stop-Shop“ den Zugang zu allen wichtigen
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Informationen eröffnen und alle Leistungen rund um das Familienleben gebündelt zugänglich machen.
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Gegliedert nach relevanten Lebenslagen, sollen Familien dann mit wenigen Klicks alle kind- und
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familienbezogenen Leistungen finden und beantragen können – von Elterngeld über Unterhaltsvorschuss
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bis zur Unterstützung bei einer Kinderwunschbehandlung. Die Möglichkeit zum persönlichen Kontakt soll
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es grundsätzlich weiterhin geben.
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Wenn es Menschen gut geht, stärkt das ihre Möglichkeiten, sich selbst zu entfalten. Wir wollen
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Gesundheit im größtmöglichen Umfang erhalten und das Wohlbefinden stärken. Erreicht werden kann
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dies durch eine regional vernetzte, patientenorientierte und integrierte Versorgung, in der Prävention,
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Notfallversorgung, Kuration, Rehabilitation und Pflege gleichwertig sind sowie interprofessionell und
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integrativ gesteuert werden. Wichtig ist auch eine breit angelegte Hilfsstruktur zum psychischen
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Wohlergehen. Eine Erkrankung erschwert oftmals das Verfolgen eigener Lebensziele oder hindert im
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schlimmsten Fall sogar daran.
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Damit sich Erkrankte bestenfalls vollständig und möglichst schnell erholen können, braucht es ein
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leistungsfähiges Gesundheitssystem, das allen Menschen eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige
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medizinische Versorgung sichert. Zugleich wollen wir die Chancen des medizinischen und digitalen
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Fortschritts nutzen und das Gesundheitssystem an die demografische Entwicklung und mögliche
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Pandemien in der Zukunft anpassen. Erkrankten, auch chronisch Kranken und Menschen mit bleibenden
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leben zu können. Für den Gesundheitsschutz, das Bekämpfen von Krankheiten und ein selbstbestimmtes
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Leben mit Unfall- oder Krankheitsfolgen spielen Innovationen eine zentrale Rolle. Die Entwicklung neuer
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Behandlungsmethoden und Medikamente gibt Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
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Wir unterstützen das Vorhaben der neuen Bundesregierung, die kontrollierte Abgabe von Cannabis an
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Erwachsene in lizenzierten Geschäften einzuführen.
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Zukunftsfähige Versorgungsstrukturen schaffen
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Wir wollen die Reform der Krankenhausrahmenplanung vor Ort konkret umsetzen und zukunftsfähige
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Krankenhausstrukturen schaffen. Mit einer entsprechenden zielgerichteten Investitionsförderung wollen
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wir den Strukturwandel unterstützen und gleichzeitig die Erreichbarkeit und Versorgung in der Fläche
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sichern. Dabei wollen wir die Behandlungsqualität verbessern, indem wir komplexe Leistungen an
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besonders geeigneten Standorten konzentrieren, ineffiziente Doppelstrukturen in Ballungszentren
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reduzieren sowie Kooperationen von Krankenhäusern sowohl mit Krankenhäusern als auch mit
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niedergelassenen Ärzten und Rehabilitationskliniken fördern. Darüber hinaus sollen die
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Versorgungsstrukturen und -kompetenzen der Rehabilitationskliniken stärker als bisher berücksichtigt
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werden. Zahlreiche Rehabilitationskliniken standen zur Bewältigung der Pandemie als Hilfskrankenhäuser
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zur Verfügung. Diese Strukturen und Kompetenzen müssen gesichert und weiterentwickelt werden.
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In unter- und schlechtversorgten Gebieten soll die Gründung von MVZs für Kommunen flexibler werden.
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Eine Beschränkung auf Fachgruppen oder Rechtsformen sehen wir kritisch. Wir setzen uns dafür ein, dass
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die Gründung von Zweigpraxen und ausgelagerten Praxisräumen, sowohl für Vertragsärzte als auch für
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MVZ gerade in diesen Regionen flexibilisiert und entbürokratisiert wird.
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Wohnortnahe gesundheitliche Versorgung sichern
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Wir stehen für eine qualitativ hochwertige, flächendeckende und wohnortnahe Gesundheitsversorgung,
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gerade auch im ländlichen Raum. Dabei spielt die hausärztliche Versorgung eine zentrale Rolle. Wir wollen
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über die bestehende Landesförderung für Niederlassungen mit dem Hausarztaktionsprogramm hinaus
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gemeinsam mit den Körperschaften die Rahmenbedingungen für innovative Versorgungsangebote und
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ortsnahe Kooperationsformen verbessern. Um mehr ärztlichen Nachwuchs gerade für ländliche Regionen
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zu gewinnen, wollen wir mehr Studienplätze an der Universität Witten-Herdecke schaffen und die
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medizinische Fakultät Ostwestfalen-Lippe weiter ausbauen, unter anderem durch die Schaffung eines
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Instituts für Pharmazie und die Einrichtung eines Studienangebots für Pharmazie als Ergänzung des
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Forschungs- und Lehrangebots an der Universität Bielefeld, um so das Innovations- und
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Gründungspotenzial in der gesamten Region weiter zu erhöhen sowie dem Apothekermangel vor allem
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im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Zudem setzen wir uns dafür ein, Landarzt-Förderprogramme zu
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verstärken und den Quereinstieg in die Hausarzttätigkeit weiter zu unterstützen. Auch im Bereich der
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anderen Gesundheitsberufe sind die Ausbildungsangebote zu erweitern und Weiterbildung zu fördern.
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Digitalisierung und Innovationen zum Wohl der Patientinnen und Patienten voranbringen
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Wir wollen die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen und von Telematik-
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Anwendungen noch besser nutzen, um Patientinnen und Patienten effizienter versorgen zu können. Dazu
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zählen die verstärkte Nutzung mobiler Endgeräte insbesondere bei niedergelassenen Ärzten, der weitere
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Ausbau des Erfolgsmodells Virtuelles Krankenhaus zur fachlichen Unterstützung der Kliniken vor Ort, der
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Ausbau Künstlicher Intelligenz zur Diagnose von Erkrankungen, die Nutzung robotischer Assistenzsysteme
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sowie die übergreifende digitale Vernetzung der gesamten Versorgungsstruktur von den
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niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und ambulanten Diensten über die Krankenhäuser bis hin zur
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Rehabilitation und Pflege. Dabei sind der medizinische Nutzen digitaler Anwendungen zu prüfen, die
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technische Funktionsfähigkeit durch ausgedehnte Feldtests sicherzustellen, die Sicherheit der Daten zu
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gewährleisten und hierdurch die Anreize für die freiwillige Nutzung digitaler Infrastrukturen zu verstärken.
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Unabdingbar ist jedoch eine gute und sichere Datenqualität. In Zusammenarbeit mit den medizinischen
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und technischen Fachgesellschaften werden Standards zur Datengewinnung und -qualität entwickelt. Wir
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Dokumentationsmöglichkeiten und Gesundheitszeugnissen ein und wollen Innovationen in diesem
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Bereich fördern.
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Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken
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Wir setzen uns dafür ein, den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu digitalisieren und zu stärken.
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Intelligente Schnittstellen und eine digitale Vernetzung zwischen allen Standorten des ÖGD sollen
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flächendecken genutzt werden. Wir wollen den ÖGD zudem attraktiver machen für ärztlichen
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Fachkräftenachwuchs. Dazu zählen verlängerte Einstellungsfristen, ein eigenständiger Tarifvertrag,
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attraktive Arbeitszeitmodelle und mehr Weiterbildungsstellen. Außerdem wollen wir es ermöglichen,
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Famulaturen wie auch das Wahlfach des Praktischen Jahres (PJ) während des Medizinstudiums im
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Gesundheitsamt zu absolvieren.
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Das Landeszentrum für Gesundheit soll als Landesgesundheitsamt mit erweiterten Kompetenzen
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ausgestattet werden und eine „Rapid Response Force“ auf Landesebene enthalten, die im Bedarfsfall
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kurzfristig die örtlichen Gesundheitsämter unterstützen kann.
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Den Öffentlichen Gesundheitsdienst möchten wir entlasten. Bislang ist er auch für die
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Verbeamtungsuntersuchungen zuständig. In der Pandemie brachte dies Gesundheitsämter an ihre
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Grenze, so dass teilweise unter Vorbehalt und mit Rechtsunsicherheit für alle Seiten verbeamtet werden
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musste. Andere Bundesländer beauftragen für diese Untersuchungen besonders ausgewählte
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niedergelassene Vertragsärzte. Dadurch können sich die Gesundheitsämter auf ihre Kernaufgaben
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konzentrieren.
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Prävention und Gesundheitsförderung ausbauen
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Der Prävention, Krankheitsfrüherkennung, Gesundheitsförderung und Rehabilitation kommen eine
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wichtige Bedeutung zu, die nicht nur das Gesundheitswesen umfasst, sondern altersunabhängig die
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gesamte Gesellschaft. Daher ist die Präventionsmedizin in allen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken.
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Wir wollen die Gesundheitsvorsorge verbessern und es den Menschen ermöglichen, Erkrankungen zu
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vermeiden oder zumindest frühzeitig zu erkennen. Dafür wollen wir die Angebote zur Prävention und
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Gesundheitsförderung ab dem Kindesalter für alle Altersgruppen ausbauen und setzen uns unter anderem
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für ergänzende Voruntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen (U10/U11/J2) ein. Hierzu ist es auch
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notwendig, Zahnärzte und pädagogische Einrichtungen in die Präventionsarbeit einzubeziehen, um
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möglichst alle Kinder niedrigschwellig zu erreichen. Wir wollen bereits Kindern und Jugendlichen in
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Kindergärten, Schulen und in der Ausbildung einen eigenverantwortlichen, gesunden Lebensstil
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vermitteln und damit Erkrankungen vorbeugen. Wir setzen uns für eine umfassende gesundheitliche
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Bildung in den Schulen ein. Gesundheitliche Bildung soll in geeigneter Weise in den entsprechenden
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Lehrplänen gestärkt werden – auch im Hinblick auf mentale Gesundheit. Im Sinne eines lebenslangen
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Gesundheitslernens sollen auch Erwachsene entsprechende Informationen erhalten und alle zwei Jahre
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evidenzbasierte Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Den Leitgedanken von Vorsorge und Prävention
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wollen wir auch auf gender- und geschlechtsspezifische Gesundheitssituationen ausweiten.
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Neben einer modernen Drogenprävention und -beratung sind insbesondere nicht-stoffgebundene Süchte
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(z. B. Internet- oder Spielsucht) stärker in den Fokus zu nehmen.
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Männer und Frauen erkranken aufgrund biologischer Unterschiede verschieden. Dem sollten auch
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Medizin und Forschung Rechnung tragen. Wir setzen uns deswegen für konkrete Forschungsprojekte zu
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geschlechtsspezifischer Medizin und Pharmazie in Nordrhein-Westfalen ein.
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Notfallversorgung und Rettungsdienst
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Eine gute Versorgung im Notfall gehört für uns zur Daseinsvorsorge. Die Menschen, die im Rettungsdienst
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aktiv sind, verdienen für ihr Engagement jeden Tag unseren Dank, daher wollen wir ihre
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Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern.
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auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
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Digitale Anwendungen, digitale Dokumentation und beste Ausbildung werden in NRW dringend benötigt.
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Zusätzlich setzen wir uns für ein NRW-weites webbasiertes Onlinemeldesystem ein, in dem in Echtzeit
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freie Versorgungskapazitäten in den Krankenhäusern einsehbar sind. Daneben wollen wir ambulante
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Notpraxen an die Notaufnahmen im Krankenhaus anbinden, um diese zu entlasten.
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Rehabilitation stärken
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Die ambulanten und stationären Rehabilitationseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, die heimischen
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Kurorte und Heilbäder sind ein bedeutender Faktor und wichtiger Dienstleister in der
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Gesundheitswirtschaft. In den nächsten Jahren ist ein veränderter und vermehrter Bedarf an
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Rehabilitation zu erwarten. Wir wollen den Ausbau der Standorte für Rehabilitation zu modernen
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Kompetenzzentren für Gesundheit und Prävention unterstützen. Zudem wollen wir uns auf Bundesebene
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dafür einsetzen, die Verfahren zur Genehmigung von Rehabilitationsleistungen durch die Krankenkassen
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zu vereinfachen, eine Länderöffnungsklausel der bundesweiten Rahmenverträge zur besseren
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Berücksichtigung regionaler Besonderheiten einzuführen sowie Rehabilitationseinrichtungen bei der
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Ausbildung aller Gesundheitsfachberufe beteiligen zu können.
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Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen
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Psychische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und
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soziale Teilhabe. Durch die Förderung von psychischer Gesundheit und der Prävention wird die
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Gesellschaft sensibilisiert und Einzelnen kann schnell geholfen werden. Viele Erkrankungsverläufe sind
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durch die Psyche mitbestimmt und können durch die frühzeitige Einbindung von Psychotherapeuten
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positiv beeinflusst werden. Wir wollen daher die Wartezeiten auf eine ambulante wie stationäre
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Therapiemöglichkeit reduzieren, Prävention und Aufklärung stärken sowie die Ausbildung der
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psychologischen Psychotherapeuten ausbauen und weiterentwickeln.
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Selbstbestimmung am Lebensende
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Wir wollen die Selbstbestimmung auch am Lebensende erleichtern und ein würdevolles Sterben
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ermöglichen. Dazu wollen wir die Hospiz- und Palliativversorgung weiter verbessern. Die Vernetzung von
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Hausärztinnen und Hausärzten mit der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung soll noch weiter
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gestärkt werden. Eine Strafandrohung gegen ärztliche Sterbebegleitung lehnen wir ab.
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Selbstbestimmung auch über den Tod hinaus
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Wir setzen uns für eine Liberalisierung des Bestattungsgesetzes ein. So soll geprüft werden, ob künftig
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eine Urnenbestattung auch auf privatem Grund erfolgen kann.
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Außerdem soll auch die Trägerschaft von Friedhöfen durch Dritte, wie z. B. private Unternehmen
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ermöglicht werden.
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Jede und jeder kann – nicht nur im Alter – durch eine Krankheit in die Situation geraten, den eigenen
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Alltag nicht mehr allein bewältigen zu können. Wir setzen uns für eine qualitativ hochwertige Pflege ein,
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um bei Krankheit, Behinderung oder im Alter ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Wo
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Eigenverantwortung zunehmend schwieriger wird, gilt es Gesamtverantwortung zu entwickeln und
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Hilfsangebote so zu verzahnen, dass ein Umfeld aus Betreuung und Versorgung dem Einzelnen
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Wahlfreiheit lässt, wie sie oder er leben möchte: ob ambulante Betreuung in der häuslichen Umgebung,
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Pflege-Wohngruppen oder stationäres Pflegeheim. Einseitige Bevorzugungen oder Benachteiligungen
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einzelner Angebotsformen lehnen wir ab. Pflegende Angehörige sowie Nahestehende sind stärker in ihrer
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strukturierte Berücksichtigung der Rehabilitation, um Pflegebedürftigkeit wirkungsvoll zu vermeiden.
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Zentral für eine gute Pflege sind ausreichend, gut ausgebildete Pflegende. Ihre Arbeit verdient sowohl
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große Wertschätzung, vor allem aber auch gute Arbeitsbedingungen, die wir weiter verbessern wollen.
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Wir wollen zudem mit allen beteiligten Akteuren eine Initiative entwickeln, um ausgeschiedene
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Pflegefachkräfte zurückzugewinnen.
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Pflegefachkräfte entlasten, Digitalisierung nutzen
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Wir wollen bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege erreichen. Darum wollen wir von der Bildung über
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eine bedarfsgerechte Personalbemessung, dem Abbau von Bürokratie, leistungsgerechte Vergütungen bis
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hin zu mehr Karrierechancen durch Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten dafür sorgen, dass der
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Beruf wieder attraktiver wird. So soll dem Personalmangel begegnet und die Versorgung verbessert
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werden.
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Wir wollen die Arbeit in der Pflege durch digitale Anwendungen, Automatisierung sowie Robotik
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unterstützen und Pflegende dadurch entlasten. Wir wollen so mehr Zeit für Zuwendung ermöglichen und
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zur Erleichterung des Arbeitsalltags Pflegender beitragen – unter anderem durch eine elektronische
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Patientenkurve, eine automatisierte Medikamentenausgabe und robotische Lagerungshilfen. Dies
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reduziert auch Risiken für die Pflegebedürftigen, zum Beispiel bei Medikationsänderungen.
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Wir wollen den Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, ein selbstbestimmtes und sorgenfreies Leben
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so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden ermöglichen. Wohnungen und Häuser können bereits
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heute mit digitalen Systemen und elektronischen Assistenzsystemen ausgestattet werden. Hier wollen
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wir prüfen, inwiefern ein Modellprojekt in einzelnen Quartieren mit finanzieller Unterstützung durch
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Kranken- und Pflegeversicherung möglich sein kann und inwieweit der Leistungskatalog der
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Pflegeversicherung ausgebaut werden kann. Denn die Technik und die Ideen sind in Deutschland bereits
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vorhanden. Die Umsetzung und die Einbringung in den Alltag der Betroffenen ist bis heute nicht
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umfassend erfolgt.
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Ebenso setzen wir uns für verlässliche Dienstpläne, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und
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eine gezielte betriebliche Gesundheitsförderung zum Abbau von physischen und psychischen Belastungen
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ein. Wir unterstützen die Anwerbung von Pflegekräften aus der Europäischen Union und Drittstaaten mit
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Hilfe unbürokratischer Anerkennungsverfahren und fachbezogener Sprachkurse.
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Weiterentwicklung der Pflegeausbildung
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Wir setzen uns für eine Weiterentwicklung der Pflegeausbildung ein. Wir wollen mehr digitale Inhalte,
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eine Stärkung der pflegerischen Kompetenzen und eine leistungsgerechte Durchlässigkeit in
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Pflegeberufen. Wir wollen auch für Haupt- und Gesamtschülerinnen und -schüler die Ausbildungsplätze
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in der Pflegeassistenz weiter ausbauen mit dem Ziel, den Zugang zur Pflegefachkraft-Ausbildung nach
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einer erfolgreichen Ausbildung in der Pflegeassistenz zu eröffnen. Zusätzlich soll die Zahl der
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Ausbildungsplätze durch den Einbezug der Kapazitäten der Rehabilitationsklinken als Ausbildungsstätten
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deutlich erhöht werden. Daneben wollen wir die primärqualifizierenden Studiengänge im Bereich der
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Pflegewissenschaft flächendeckend ausbauen.
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Die Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie und ihre Auswirkungen haben zusammen mit
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Steuermindereinnahmen die Verschuldung auf allen staatlichen Ebenen sprunghaft ansteigen lassen.
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– fast 300 Milliarden Euro mehr als noch im Jahr 2019. Durch weitsichtige Politik und die richtigen
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Schwerpunktsetzungen bei eigenen Corona-Hilfsmaßnamen und flankierenden Konjunkturimpulsen ist
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Nordrhein-Westfalen im direkten Vergleich mit der großen Koalition im Bund mit deutlich weniger neuen
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Schulden durch die Krise gekommen. Dennoch hat die Bewältigung der direkten und indirekten Folgen
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der Pandemie auch in Nordrhein-Westfalen kreditfinanzierte Mittel in erheblichem Umfang erfordert.
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Solide Finanzen in einem Staat, der rechnen kann, waren, sind und bleiben unser Ziel. Sie sind
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Voraussetzung für Hilfen im Krisenfall. Nach der Krise dürfen die zusätzlichen Schulden aus der Krise junge
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Generationen nicht länger als notwendig belasten. Einem Aufweichen der Schuldenbremse treten wir
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deswegen entschieden entgegen.
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Die Mittelverwendung aus dem Sondervermögen „Corona Rettungsschirm“ – auf Basis der bereits
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gemachten ersten Schritte – soll transparenter nachvollziehbar werden. Im Sinne der
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Generationengerechtigkeit wollen wir auch zukünftige Ausgaben im Landeshaushalt, zum Beispiel für die
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Versorgungsansprüche der Beamtinnen und Beamten, besser abbilden.
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Corona-Schulden schnellstmöglich abbauen
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Unser Anspruch an generationengerechte Politik ist es, den rechtlich möglichen Tilgungszeitraum von 50
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Jahren für die aufgenommenen Corona-Schulden nach Möglichkeit nicht auszureizen. Angesichts des
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prognostizierten Anstiegs der Steuereinnahmen soll die Schuldenlast schneller abgebaut werden. Wir
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wollen so auch auf mögliche weitere Ereignisse, die die volle finanzielle Handlungsfähigkeit des Landes
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erforderlich machen, vorbereitet sein. Wie schnell weitere finanzielle Herausforderungen auf den
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Landeshaushalt zukommen können, zeigen die Rettungspakete zu den Flutfolgeschäden.
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Soweit im Interesse der Wirtschaftsbelebung und der Beschäftigungssicherung Investitionen, die bereits
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für die folgenden Jahre geplant waren, vorgezogen und mit Mitteln des Sondervermögens finanziert sind,
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sollen die entsprechenden Ausgaben für das empfangende Ressort mit einer Sparverpflichtung verbunden
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werden.
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Schuldenabbau und Investitionen ermöglichen durch wirtschaftliche Belebung
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Durch eine weitsichtige Wirtschaftspolitik wollen wir die Rahmenbedingungen für eine schnelle
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wirtschaftliche Belebung nach der Pandemie schaffen, damit das Land zeitnah wieder auf eine breite
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Steuerbasis zurückgreifen kann. Wir lehnen Steuererhöhungen entschieden ab, weil sie diese dringend
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erforderliche Erholung gefährden und daher der falsche Ansatz sind, um Wachstum und Staatseinnahmen
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zu generieren und damit schnellstmöglich wieder Spielraum für Investitionen in die Zukunft und Abbau
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der Schuldenquote zu ermöglichen. Für Subventionen wollen wir zudem eine Befristung (Sunset-Klausel)
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einführen. Dadurch laufen Subventionen zu festen Zeitpunkten automatisch aus. Bevor sie weiterlaufen,
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muss die Landesregierung sie dann regelmäßig kritisch überprüfen.
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Ausgabenkritik und Abkehr von Kleinstprogrammen
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Zur Bewältigung der aktuellen finanziellen Sondersituation in Bund, Länder und Kommunen sind in den
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nächsten Jahren erhebliche Konsolidierungsbeiträge im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten zu leisten.
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Wir werden die kommenden Landeshaushalte daher einer konsequenten Ausgabenkritik hinsichtlich
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zwingender und nicht zwingend notwendiger Ausgaben unterziehen.
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Bei jedem Förderprogramm soll verbindlicher geregelt werden, welches Ziel warum mit welchem
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Instrument verfolgt wird – und anhand welcher Kriterien die Zielerreichung während und nach dem
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Programm gemessen werden soll. Insbesondere bei der regelmäßigen Bewertung der Programme braucht
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es eine noch bessere Fehlerkultur, um aus rückblickend wenig treffsicher verausgabten öffentlichen
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Mitteln die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.
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Plattform nach gesellschaftlichen Bereichen und mit Hinweis auf die jeweiligen Förderkriterien und das
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Beantragungsverfahren aufführen. Dies soll den Zugang zu Fördermöglichkeiten durch Information
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verbessern, zugleich aber auch für mehr Transparenz über die Verwendung von Landesmitteln sorgen. -
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Gleichzeitig ermöglicht dies eine weiterhin fortlaufende kritische Überprüfung der vielen
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Förderprogramme des Landes. Daneben sprechen wir uns für die Erstellung eines Begleitberichts
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„Generationengerechte Finanzen” in einem einjährigen Rhythmus aus. Einer strukturellen Überschuldung
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zulasten der jungen Generation wollen wir so vorbeugen und Fehlentscheidungen transparent sichtbar
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machen.
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Staatliche Beteiligungen weiter reduzieren
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Mit der Veräußerung der seit Jahren defizitären staatlichen Spielbanken ist in Nordrhein-Westfalen der
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Anfang zur Privatisierung von Landesbeteiligungen gelungen. Wir wollen alle Landesbetriebe und
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Landesbeteiligungen auf den Prüfstand stellen:
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Beteiligungen des Landes an privaten Unternehmen wollen wir von der Erfüllung verbindlicher Kriterien
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abhängig machen.
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Eine Unternehmensbeteiligung kann zum Beispiel gerechtfertigt sein, wenn das Landesinteresse in einem
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klar definierten landespolitischen Ziel zum Ausdruck kommt, von überragender öffentlicher Bedeutung ist
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und ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Landesbeteiligung und der Zielerreichung zu
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erwarten ist. Unternehmensbeteiligungen dürfen dabei den Wettbewerb zwischen konkurrierenden
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Unternehmen nicht verfälschen, sollen grundsätzlich als zeitlich befristete Engagements verstanden und
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so ausgestaltet werden, dass das Land im Sinne der landespolitischen Ziele auf die
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Unternehmensentwicklung Einfluss nehmen kann.
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Überall dort, wo die Beteiligungen und Betriebe nicht von überragender öffentlicher Bedeutung sind,
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wollen wir den eingeschlagenen Weg der Veräußerung nicht zwingend erforderlicher Beteiligungen und
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Unternehmungen konsequent weitergehen.
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Wir wollen die Landesbeteiligungen an den Messen Düsseldorf und Köln nach wirtschaftlicher
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Überwindung der Pandemie im Einvernehmen mit den beiden Messestädten veräußern.
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Beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB NRW) zeigen die strukturellen Verbesserungen der letzten Jahre
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noch zu wenig Wirkung. Wir sind überzeugt, dass bei Projektentwicklung und Betrieb von Immobilien
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grundsätzlich mehr private Beteiligung anzustreben ist. Daher wollen wir im BLB Privatisierungspotenziale
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heben und das Büroflächenmanagement und die Gebäudebeschaffung des Landes neu aufstellen.
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Gezielte öffentliche Investitionen
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Das Land hat zur Bewältigung der Folgen der Pandemie ein eigenes Konjunkturpaket im Umfang von
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mehreren Milliarden Euro aufgelegt. Um im Interesse der Wirtschaftsbelebung mit der gebotenen
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Geschwindigkeit nachhaltig sinnvolle Maßnahmen auf den Weg zu bringen, wurden viele Investitionen
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vorgezogen, die ursprünglich verteilt über die kommenden Jahre ohnehin eingeplant waren, zum Beispiel
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Investitionen in die Krankenhaus- und Gesundheitsinfrastrukturen. Im Aufschwung nach der Pandemie
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wollen wir die allerorts wieder anziehenden privaten Investitionen mit gezielten ergänzenden
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öffentlichen Investitionen und geeigneten Rahmenbedingungen flankieren. Wir setzen hierbei weiterhin
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auf Zukunftsinvestitionen.
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Die öffentliche Hand soll dabei in den Aufschwung hinein nicht massiv und pauschal als zusätzlicher
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Auftraggeber auftreten. Denn durch unüberlegte öffentliche Investitionen nach dem Gießkannenprinzip
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könnten sonst bestehende Herausforderungen wie die angespannte Situation im Bausektor aufgrund von
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Materialknappheit zusätzlich verschärft, die Preise in die Höhe getrieben und private Investitionen
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werden. Das würde im Ergebnis kaum zu positiven Effekten führen.
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Die Grundsteuer darf nicht als Vermögensteuer missverstanden werden. Mit ihr werden diejenigen, die
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Grund und Boden nutzen, angemessenen an der Finanzierung von kommunalen Leistungen beteiligt, die
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nicht durch besondere Entgelte finanziert werden.
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Faire, verlässliche und transparente Steuern kommen ohne automatische Erhöhungen durch die Hintertür
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aus. Sowohl bei der Grundsteuer als auch bei der Grunderwerbsteuer führen die Preissprünge bei
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Immobilien durch immer höhere Bemessungsgrundlagen zu einer fortlaufend steigenden Steuerlast für
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die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen. Durch die richtigen Weichenstellungen werden wir
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diese Steuerspirale durchbrechen. Anstelle immer neuer Belastungen setzen wir uns weiterhin für
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zielgerichtete Entlastungen ein.
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Grundsteuerbremse umsetzen
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Wir wollen unverändert ein faires, transparentes und bürokratiearmes Grundsteuermodell für Nordrhein-
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Westfalen. Diese Ziele sehen wir am besten in einem flächenbasierten Grundsteuermodell mit
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Lagefaktoren verwirklicht, wie es viele andere Bundesländer unter Nutzung der Länderöffnungsklausel
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bereits eingeführt haben. Für uns ist klar, dass die Grundsteuer nicht als Vermögenssteuer wirken darf.
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Bisher gibt es in Nordrhein-Westfalen keine politische Mehrheit für die Nutzung der
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Länderöffnungsklausel. Ohne einen aktiven Beschluss für ein eigenes Modell wird die Grundsteuer ab dem
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Jahr 2025 automatisch nach dem Bundesmodell erhoben. Dieses Modell sehen wir insbesondere wegen
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der großen Bürokratie äußerst kritisch: Alle sieben Jahre sollen die Verkehrswerte von Grundstücken und
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Gebäuden als zentrale Bemessungsgrundlage in einer aufwändigen Hauptfeststellung neu bewertet
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werden. Ohne aktive Hebesatzsenkungen durch die Kommunen wird das Bundesmodell aufgrund dieser
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inneren Wertdynamik in vielen Gegenden zu fortlaufenden, automatischen Steuererhöhungen im Zuge
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der turnusmäßigen Neubewertungen führen. Das wollen wir verhindern.
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Mieterinnen und Mieter ebenso wie Eigentümerinnen und Eigentümer haben auf die lokale
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Wertentwicklung kaum Einfluss und profitieren – abgesehen vom Verkaufsfall – kaum von immer höheren
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Immobilienbewertungen. Die absehbar immer weiter steigende Grundsteuer müssen sie aber trotzdem
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zahlen. Einen dauerhaften Ausweg aus dieser Steuerspirale bietet nur ein eigenes flächenbasiertes
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Grundsteuermodell, bei dem sich der Grundsteuerwert hauptsächlich über konstante Grund- und
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Gebäudeflächen und nicht über fortlaufend steigende lokale Bodenwerte und Mietpreisniveaus
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bestimmt.
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Das Bundesrecht erlaubt den Kommunen aktuell, vor Ort einen eigenen Hebesatz für unbebaute
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Grundstücke, für die aber Baurecht besteht, festzulegen (sogenannte Grundsteuer C). Diejenigen, die ein
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Baugrundstück unbebaut lassen, werden dann mit einem besonderen Hebesatz an der
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Grundsteuerzahlung beteiligt.
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Im Rahmen kommunaler Autonomie wollen wir den Gemeinden überlassen, ob sie zum
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Flächenmanagement vor Ort auf das Instrument der Grundsteuer C zurückgreifen, sofern sie im Umfang
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der dadurch erzielten Einnahmen die Belastung bei der Grundsteuer B reduzieren. Durch die zusätzlichen
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Einnahmen durch die Grundsteuer C sollen so alle Bewohner und Betriebe bei der Grundsteuer B entlastet
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werden.
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Steuergerechtigkeit ist unabhängig von der Unternehmensgröße
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In Nordrhein-Westfalen leisten hunderttausende Unternehmen unterschiedlichster Größe einen
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zentralen Beitrag für unseren Wohlstand und sorgen für viele gute Arbeitsplätze im ganzen Land. Darüber
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Gemeinschaft sowohl in den Kommunen vor Ort als auch im ganzen Land bei. Wer einerseits vor Ort
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Infrastrukturen nutzt, auf unseren funktionierenden Rechtsstaat und gut ausgebildete Fachkräfte
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zurückgreift, der darf sich anderseits nicht durch aggressive Steuervermeidungstricks der gemeinsamen
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Finanzierung entziehen. Wir wollen uns deswegen weiterhin auf allen Ebenen für eine faire
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Lastenverteilung zwischen den vielen lokalen kleinen und mittleren Unternehmen und großen
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multinationalen Konzernen einsetzen.
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Steuerfahndung stärken
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Zu einer fairen Lastenverteilung gehört auch, dass sich alle Mitglieder unserer Gemeinschaft an geltendes
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Recht halten. Wir haben den Kampf gegen Steuerhinterziehung deutlich intensiviert und personell
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verstärkt. Durch die Bündelung von IT-Spezialisten, Polizei, Staatsanwaltschaften und Steuerfahndung in
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einer neu geschaffenen, ressortübergreifenden Task Force haben wir ein bundesweit einmaliges,
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schlagkräftiges Instrument zur Aufklärung von internationaler Finanzkriminalität geschaffen. Zur
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Bekämpfung von organisierter Kriminalität setzen wir uns für den Vermögensentzug von offensichtlich
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nicht nachvollziehbarer Vermögensbildung ein. Im Zusammenhang mit dem Betrug bei Cum-Ex-
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Geschäften sorgen wir mit deutlich erhöhtem Personalaufwand dafür, dass möglichst keines dieser
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Vergehen straffrei bleibt. Diesen Kampf gegen Steuerbetrug werden wir fortsetzen. Denn eine möglichst
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geringe Steuerlast für alle ist nur dann erreichbar, wenn sich eine Minderheit nicht durch strafbewährtes
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Verhalten der Besteuerung entzieht.
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Wir wollen einen unkomplizierten Staat. Er soll es den Bürgerinnen und Bürgern einfach machen und
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keine zusätzlichen Hürden aufbauen. Viele bürokratische Fesseln haben wir durch unsere
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Entfesselungsoffensive bereits gelöst und Bürokratie abgebaut. Diesen Weg wollen wir fortsetzen mit
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dem Ziel, dass nicht notwendige Gesetze, Verbote und Vorschriften entfallen. Die Pandemie hat zudem
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gezeigt, was alles digital möglich ist.
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Ein umfassender Modernisierungs- und Entfesselungskurs hilft nicht nur Bürgerinnen und Bürgern sowie
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Unternehmen. Er sichert auch die Handlungsfähigkeit unseres Staates. Auch das hat die Pandemie gezeigt:
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Wir brauchen einen schlanken und agilen Staat, der, wenn es notwendig ist, schnell handeln kann.
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Recht auf digitale Erledigung
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Es soll zukünftig für alle Verwaltungsangebote ein Digitalisierungs-Grundsatz gelten. Jeder Kontakt mit
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der Verwaltung soll auch digital möglich sein – wenn gewünscht, vom heimischen Sofa statt im
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Bürgerbüro. Wir wollen so ein Recht auf digitale Erledigung umsetzen. Rechtliche Hürden für eine
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elektronische Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen müssen systematisch weiter abgebaut
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werden. Die Vorgänge, die aus rechtlichen Gründen ein persönliches Erscheinen zwingend machen,
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wollen wir auf ein Minimum reduzieren.
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Once-Only-Garantie für umfassenden Bürokratieabbau einführen
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Wir setzen uns dafür ein, digitale Prozesse landesweit so zu gestalten, dass Digitalisierung nicht zur
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Belastung wird, weil sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Unternehmen beispielsweise Daten für ganz
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verschiedene Vorgänge immer wieder neu eingeben müssen. Um das zu verhindern, wollen wir eine Once-
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Only-Garantie einführen. Wenn Personen und Unternehmen bestimmte Standardinformationen und
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Daten an Behörden nur noch einmal übermitteln müssen, kann ein umfassender Bürokratieabbau durch
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Digitalisierung auch wirklich gelingen. Konkret gilt das zum Beispiel für die Digitalisierung im Bereich des
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Datenaustauschs zwischen der Finanzverwaltung und den Gewerbebehörden oder bei der Einrichtung
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Wirtschaftsnummer.
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Einfachen Zugang für Gewerbe wie Private sicherstellen
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Der Aufbau des Wirtschafts-Service-Portal.NRW (WSP) ist ein großer Fortschritt: Mit diesem zentralen
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digitalen Zugangstor für alle wirtschaftsbezogenen Verwaltungsleistungen geht Nordrhein-Westfalen als
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Pionier voran. Wir haben damit möglich gemacht, vom eigenen Sofa aus ein Gewerbe anzumelden. Mit
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klarer Nutzerorientierung und ganzheitlichem Ansatz wird das WSP umfassend intelligente Onlinedienste
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zur Verfügung stellen, als Datencockpit fungieren und mit KI gestütztem Wirtschaftsassistent unter
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anderem das Once-Only-Prinzip ermöglichen. Bis Ende 2021 haben wir rund 250 Verwaltungsleistungen
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in das WSP integriert und damit in weitem Umfang Behördengänge erspart. Im Jahr 2022 folgen weitere
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250 Verwaltungsleistungen. Noch bis Ende 2022 sollen auch Bürgerinnen und Bürger über ein digitales
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Bürgerportal einen einfachen und digitalen Zugang zu Dienstleistungen der Verwaltung bekommen. Das
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digitale Bürgeramt wird so Realität.
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Bürokratie-Lasten weiter reduzieren
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Weil gerade kleine und mittlere Unternehmen besonders unter übermäßigen bürokratischen Vorgaben
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leiden, wollen wir neue Bürokratie-Lasten verhindern und bestehende Pflichten für sie befristen oder
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regelmäßig auf den Prüfstand stellen. Wenn sie nicht mehr notwendig sind, schaffen wir sie ab oder
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machen sie unkomplizierter. Allen voran wollen wir die Melde- und Statistikpflichten radikal reduzieren.
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Künstliche Intelligenz, Open Data und radikaler Einsatz digitaler Werkzeuge wollen wir dazu nutzen, viele
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Arbeitsstunden bei kleinen und mittleren Unternehmen überflüssig zu machen. Dazu gehört etwa die
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Einführung des One-in-One-out-Prinzips.
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Wir wollen für einen weiteren Abbau von Bürokratie auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes
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stärker einbeziehen. Für sie soll ein Prämiensystem eingeführt werden, das konkrete Vorschläge zum
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Bürokratieabbau in angemessener Höhe vergütet.
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Als Ausdruck überbordender Bürokratie nehmen Betroffene die vielfältigen Dokumentationspflichten
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wahr – zumal, wenn sich deren Notwendigkeit nicht erschließt. Wir wollen deswegen
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Dokumentationspflichten regelmäßig auf den Prüfstand stellen. Ebenso wollen wir den Kontakt mit
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Verwaltungen nach dem One-Stop-Shop-Prinzip so vereinfachen, dass Bürgerinnen und Bürger in einer
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Angelegenheit nicht verschiedene Verwaltungsstellen selbst kontaktieren müssen, sondern
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Abstimmungen zwischen beteiligten Behörden durch eine Ansprechperson in der Verwaltung koordiniert
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werden.
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Zudem ist unser Bestreben, dass, wo kein Bürokratieabbau stattfinden kann, zumindest Erleichterungen
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erzielt werden. Dies kann zum Beispiel durch einfachere Formulierungen, Standardisierungen, technische
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Vereinfachungen und andere praxisorientiertere Ausgestaltung der betroffenen Regelung geschehen, die
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Regeln leichter anwendbar machen und Zeit sparen.
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Europa- oder bundesrechtliche Vorgaben sollen weiterhin höchstens 1:1 umgesetzt und nicht
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verkompliziert werden. Unser Anspruch ist, die unkomplizierteste Regelung aller Bundesländer zu haben.
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Bürokratieabbau automatisieren
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Wir wollen die Anwendbarkeit neuer Technologien für digitale Prozesse und Dienstleistungen öffentlicher
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Verwaltungen weiter vorantreiben. Die Blockchain-Technologie macht es möglich, dass
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Verwaltungsvorgänge, Dokumente sowie die verschiedensten Bürger- und Registerdaten
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behördenübergreifend koordiniert und datenschutzkonform digital verwaltet werden können. In
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Verbindung mit KI-Anwendungen lassen sich ganze Verwaltungsvorgänge und Bürokratieabbau
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automatisieren. Das führt nachhaltig zu erheblichen Erleichterungen für Bürgerinnen und Bürger sowie
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Unternehmen.
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Verwaltung müssen sich in der gleichen Geschwindigkeit technisch weiterentwickeln, wie die
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Digitalisierung außerhalb der Verwaltung schon vorangeschritten ist. Wir wollen, dass die öffentlichen IT-
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Dienstleister Partnerschaften mit der IT-Wirtschaft eingehen, die einen Know-How-Transfer garantieren.
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Auch IT-Cloud-Angebote, die Hyperscaler schon heute hoch automatisiert zur parallelen Nutzung
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anbieten, wollen wir noch stärker in den Blick nehmen. Nur so ist das für eine umfängliche digitale
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Transformation erforderliche Tempo erreichbar, das auch den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger
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sowie den Unternehmen in NRW entspricht. Wir setzen uns zudem für die Ansiedlung eines Hyperscaler-
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Rechenzentrums als Datendrehkreuz ein. Wir forcieren die räumliche und technische Integration eines
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souveränen Hyperscalers für die digitale Verwaltung. Damit geht Nordrhein-Westfalen einen
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entscheidenden Schritt voran: Wir schaffen den zentralen Knoten in der bundesweiten Verwaltungscloud.
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Die in einem Hyperscaler betriebene ‚Private Cloud‘, die hohen Datenschutz- und
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Datensouveränitätsanforderungen gerecht wird, ermöglicht zudem eine weitreichende und schnelle
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Konsolidierung der heterogenen IT-Landschaft der Landesverwaltung und damit eine Kostenreduktion.
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Damit wird durch Reduktion der Aufgaben dem spürbaren Fachkräftemangel im IT-Bereich
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entgegengetreten. Ziel all dieser strategischen Neuausrichtungen ist es, dass NRW seine Vorreiterrolle im
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Bereich der digitalen Transformation der Verwaltungen weiter ausbaut.
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Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Drohnenanwendung zur „behördlichen Aufgabenerfüllung“
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Behörden können Drohnen zum Beispiel zur Suche von Vermissten, zum Aufspüren von Bränden und zur
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Feststellung von Umweltverschmutzungen einsetzen. Der Einsatz von Drohnen und der Umgang mit den
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gewonnenen Daten durch die Behörden ist derzeit noch weitgehend ungeregelt. Da fast alle Drohnen mit
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einer hochauflösenden Kamera ausgestattet sind bzw. werden können, können auch leicht
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personenbezogene Daten erfasst oder die Privatsphäre beeinträchtigt werden. Wir wollen deshalb
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Regelungen zur Speicherung und Löschung erhobener Daten durch Behörden mittels Drohnen treffen, um
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die persönlichen Daten zu schützen.
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Wir wollen mündige Verbraucherinnen und Verbraucher stärken. Sie müssen ihre Entscheidungen frei
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und unabhängig treffen können. Wir wollen Rahmenbedingungen so setzen, dass Verbraucherinnen und
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Verbraucher vor Zwängen und Ausbeutung geschützt werden. Wir setzen auf Information und moderne
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Beratungsangebote. Eine Bevormundung lehnen wir ab, wir setzen vielmehr auf Selbstbestimmung und
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eigenverantwortliche Entscheidungen.
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Digitale Verbraucherberatung ausweiten
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Wir wollen die digitale Verbraucherberatung ausweiten und damit das Angebot der Verbraucherzentralen
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umfänglicher, schneller und kostengünstig zugänglich machen. Bereits heute gibt es zu einzelnen Themen
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digitale Angebote. Diese wollen wir ausweiten. Alles, was offline angeboten wird, sollte auch online
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verfügbar sein, entweder als Beratungstermin oder als Informationsangebot on demand. Wir wollen
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damit eine schnellere Terminvergabe ermöglichen und zugleich ein größeres Themenspektrum abdecken.
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Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenzberatung
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Wir wollen eine zweite Chance ermöglichen, wenn im Leben einmal nicht alles geradlinig verläuft. Gerade
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dann, wenn jemand durch äußere Einflüsse oder private Probleme in eine finanzielle Schieflage gerät, ist
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Hilfe notwendig. Aus diesem Grund wollen wir die Schuldnerberatungen in den Kommunen stärken und
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parallele Strukturen für eine bessere Beratung zusammenführen.
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Datenschutz stärken
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Wir setzen uns für einen wirksamen Datenschutz ein, der die Privatsphäre von Einzelpersonen ebenso
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schützt wie sensible Daten von Unternehmen. Wir wollen das Bewusstsein für den Datenschutz in allen
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gesellschaftlichen Bereichen stärken. Zugleich dürfen analoge Datenschutzregeln nicht zu bürokratischen
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Hürden für digitale Dienste werden, die so die Entstehung von Neuem verhindern. Datensouveränität der
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Behörden und der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit fördern, um
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Fortentwicklungsmöglichkeiten bei rechtlichen Vorgaben zu identifizieren und umzusetzen.
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Eine moderne Verwaltung ist entscheidend für das Funktionieren unseres Staates. Sie steht in
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unmittelbarem Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern und prägt damit das Bild eben jenes Staates. Die
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Verwaltung muss deswegen agil bleiben, damit sie mit der Lebenswirklichkeit Schritt hält. Wir wollen
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einen Paradigmenwechsel hin zu einer bürgerzentrierten Verwaltung, die die Menschen abholt und alle
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Angebote und Dienstleistungen aus der Sicht von Bürgerinnen und Bürgern Bürger betrachtet. Wir wollen
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Verwaltung neu denken und neu machen, indem wir perspektivisch alle Verwaltungsleistungen digital
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beantragbar machen und sie nach Lebenslagen gliedern, nicht nach Verwaltungslogik, internen
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Zuständigkeiten oder Kompetenzzuordnungen. Verwaltung muss als Service für die Bürgerinnen und
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Bürger auf Augenhöhe begriffen werden. Deshalb wollen wir mehr Flexibilität und mehr Agilität in den
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Verwaltungen unseres Landes und der Kommunen, um auch auf Krisen gut und schnell reagieren zu
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können. Die letzten Jahre haben uns eindrücklich gezeigt, dass durchnummerierte Vordrucke keine
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Antwort auf besondere Herausforderungen sind.
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Eine moderne Verwaltung kommt nicht nur allen Bürgerinnen und Bürgern, sondern in gleichem Maße
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auch den Beschäftigten im öffentlichen Dienst zugute – davon sind wir überzeugt. Weniger
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Arbeitsüberlastung und Stress, Konflikte mit lange wartenden Bürgerinnen und Bürgern entfallen. Zudem
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wird die Verwaltung als moderner Arbeitgeber für Bewerberinnen und Bewerber attraktiver. Zufriedene
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Kundinnen und Kunden, zeitlich flexibleres Arbeiten durch digitalisierte Prozesse und das Vermeiden
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hoher Aktenberge sorgen für ein besseres Arbeitsklima und sind auch ein wichtiger Beitrag zum
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Gesundheitsschutz im öffentlichen Dienst.
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Wir wollen, dass in einer Welt im Wandel auch die Verwaltung agil bleibt. Deswegen wollen wir die
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Möglichkeit schaffen, dass Beschäftigte in den Bereichen der öffentlichen Verwaltung, in denen dies
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sinnvoll ist, mindestens alle zehn Jahre für acht Wochen ein Praktikum in einem Unternehmen außerhalb
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der öffentlichen Hand machen können. Die konkrete Umsetzung wollen wir zunächst modellhaft erproben
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und dann landesweit ausrollen. Durch neue Perspektiven und den Blick von außen wollen wir den
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Modernisierungsantrieb aus der Verwaltung heraus stärken. Gerade der digitale Staat profitiert durch
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Seiteneinsteiger wie durch Seiteneinblicke und kann so ein besserer Dienstleister für die Bürgerinnen und
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Bürger sein.
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Um Nordrhein-Westfalen als Wirtschaftsstandort unter anderem für Gründerinnen und Gründer und die
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Ansiedlung international agierender Unternehmen noch attraktiver zu machen, soll der Kontakt zur
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Verwaltung für internationale Akteure so einfach wie möglich sein. Für dieses Ziel soll auch Englisch zweite
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Verwaltungssprache in den Behörden werden.
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Digitale Verwaltung ausbauen
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Der Weg zu einer bürgerfreundlichen – weil transparenten und zeitsparenden – Verwaltung führt über
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die möglichst medienbruchfreie und vollständige Digitalisierung auf und zwischen allen
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Verwaltungsebenen von Bund, Ländern und Kommunen. Die Digitalisierung der Landesverwaltung haben
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wir in der zurückliegenden Legislaturperiode deutlich beschleunigt – bis 2025 wollen wir dies auch
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flächendeckend für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie unsere Unternehmen erfahrbar machen.
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Für die kommunale Ebene wollen wir die Ergebnisse aus den digitalen Modellregionen für alle Kommunen
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nutzbar machen und innovative Lösungen flächendeckend ausrollen – zum Beispiel die Smart-City-App.
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Dies gilt auch für digitale Lösungen, die das Land zentral bereitstellt (wie unser Kommunal- oder das
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Beteiligungsportal) oder im Rahmen der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes entwickelt hat. Wir
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profitieren kann.
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Mit Blick auf den Digitalisierungsprozess im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes steht für uns das ‚Einer
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für Alle‘-Prinzip im Vordergrund. Es beinhaltet, dass Länder und Kommunen für die Digitalisierung von
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Verwaltungsleistungen nicht jeweils eigenständige Lösungen entwickeln, sondern von einer
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Gebietskörperschaft entwickelte Services auch von anderen nachgenutzt werden. Das Land hat für den
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vom Onlinezugangsgesetz gezogenen Zeitrahmen bis Ende 2022 eine umfassende Anschubfinanzierung
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nicht nur im Rahmen der ‚Digitalen Modellregionen‘ bereitgestellt. Wir wollen, dass für ein nachhaltiges
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Angebot digitalisierter Verwaltungsleistungen die Nutzung der Online-Services, die auf zentralen Portalen
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des Landes betrieben werden, für die Kommunen auch nach 2022 kostenfrei möglich ist. In diesem
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Rahmen streben wir einen Konsens an, der die Fragen der kostenfreien freiwilligen kommunalen
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Nachnutzung regelt. Wir werden versuchen, die kommunale Ebene über die Kommunalen
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Spitzenverbände für ein solches gemeinsames Vorgehen zu gewinnen.
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Auf Bundesebene ist Nordrhein-Westfalen Treiber der Digitalisierung. Dazu gehört, dass wir hier
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erfolgreich eingeführte Lösungen anderen Bundesländern zur Verfügung stellen, wie zum Beispiel das
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Wirtschafts-Service-Portal.NRW oder Fachportale, die bereits eine Vielzahl digitalisierter
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Verwaltungsverfahren bündeln. Wir setzen uns weiter für die Weiterentwicklung des reinen
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Onlinezugangs zu einer wirklichen Online-Abwicklung ein.
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Online-Abwicklung von Verwaltungsleistungen („OZG 2.0“)
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Die Kommunen sind die Hauptakteure der Verwaltung. Sie erbringen mit Abstand die meisten Leistungen
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für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen. Sie handeln jedoch in der überwiegenden Zahl der Fälle
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auf Grund von bundes- und teilweise auch von landesgesetzlichen Vorgaben. Wir setzen uns dafür ein,
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dass der Bund die Erfordernisse einer einfachen digitalen Verwaltung schon bei der Gesetzgebung
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berücksichtigt und komplizierte Umsetzungspflichten auf kommunaler Ebene möglichst vermeidet. Für
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die Landesgesetzgebung verpflichten wir uns entsprechend.
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Das OZG (Onlinezugangsgesetz) setzen wir entsprechend der gesetzlichen Vorgaben bis Ende 2022 um. Es
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fordert jedoch lediglich den digitalen Zugang zu Verwaltungsleistungen. Den vollständigen Nutzen haben
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Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen jedoch erst dann, wenn sie Verwaltungsleistungen
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tatsächlich nicht nur 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche beantragen können, sondern diese auch
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medienbruchfrei und möglichst automatisiert abgewickelt werden. Wir unterstützen daher auf der
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Bundesebene alle Bestrebungen zur Schaffung eines Gesetzes zur tatsächlichen Online-Abwicklung dieser
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Leistungen. Digitalisierung geht weit über digitale Abbildung analoger Prozesse hinaus. Digitale
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Verwaltung ist eine Verwaltung, die anders organisiert ist, anders denkt und andere
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Entscheidungsprozesse gestaltet. Das wollen wir erreichen. Wir werden zu diesem Zweck die Beratung
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der öffentlichen Stellen im Land zur Umsetzung dieser Ziele ausbauen und konkrete Hilfen und
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Schulungen vor Ort anbieten. Hierfür können bestehende Einrichtungen, wie beispielsweise
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Partnerschaften Deutschland, genutzt und professionalisiert werden.
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Wir wollen No-Stop-Agencies entwickeln. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wollen wir in Nordrhein-
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Westfalen bei der vollständigen Automatisierung von Verwaltungsleistungen vorangehen. Dies ist
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einerseits im Kundensinne. Es hebt andererseits eine erhebliche Digitalisierungsdividende. Die durch die
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Automatisierung entlasteten Beschäftigten können sich dann anderen Aufgaben der Verwaltung widmen,
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die nicht automatisiert werden können oder aus sozialen Gründen nicht sollen. Somit leisten wir mit den
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No-Stop-Agencies neben der Entlastung insbesondere der Kommunen auch einen erheblichen Beitrag im
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Kampf gegen den Fachkräftemangel.
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Länder ergänzen wir mit einem Alle-für-Einen-Ansatz (AfE). Hierunter verstehen wir die Bestrebungen, die
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zur länderübergreifenden Standardisierung bei IT-Vorgaben (Interoperabilität, Schnittstellen) führen.
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Öffentliche IT-Strukturen verbessern
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Die hochdynamische Entwicklung zu heute vernetzten Verwaltungsabläufen und -leistungen unter
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Einbindung dezentraler Register im Rahmen des Once-only-Prinzips hat mittlerweile auch Auswirkungen
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auf die Landschaft öffentlicher IT-Dienstleister. Die Anforderungen der Verwaltungen werden immer
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komplexer. Mit Ergänzung des Grundgesetzes wurden die rechtlichen Voraussetzungen für eine
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lückenlose und medienbruchfreie digitale Kommunikation zwischen Behörden von Bund, Ländern und
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Kommunen geschaffen. Darauf aufbauend wollen wir die Zersplitterung der nordrhein-westfälischen IT-
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Dienstleiter-Landschaft zu Gunsten einer effizienten, verfassungskonformen Gesamtlösung für
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Nordrhein-Westfalen beenden. Dies gilt sowohl für die Landesverwaltung selbst als auch mit Blick auf die
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kommunale Familie. Wir wollen mit einer umfassenden strategischen Neuausrichtung der zentralen IT-
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Dienstleister des Landes eine nachhaltige Partnerschaft zu Dienstleistern der Kommunen und öffentlichen
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IT-Betrieben außerhalb von NRW begründen. Damit leisten wir nicht zuletzt einen erheblichen Beitrag
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zur Entlastung der Kommunen und zur Lösung der Fachkräfteproblematik.
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Neue Impulse für Verwaltungsdigitalisierung
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Wir fördern nordrhein-westfälische Start-ups und wollen gerade die eGov-Tec-Szene unterstützen, also
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Dienstleister, die sich auf die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen spezialisiert haben. Hierzu wollen
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wir geeignete Formate etablieren, mit denen die Anforderungen der Verwaltung und die Kompetenzen
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der Start-ups zueinander geführt werden. Nicht zuletzt erschließen wir der Öffentlichen Verwaltung damit
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neue personelle Ressourcen. So wollen wir IT-Fachkräfte gewinnen.
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Digitalchecks und Digitalagentur stärken
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Nach der Geschäftsordnung der Landesregierung werden alle rechtssetzenden Beschlussvorlagen einem
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Digital-Check unterzogen. Dieses Instrument werden wir weiter ausbauen. Hierzu wollen wir eine
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ressortübergreifende Digitalagentur (z. B. beim CIO), deren Beratungsleistung verpflichtend in Anspruch
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genommen werden muss, einrichten. Denn die wirkliche Digitalisierung einer (Verwaltungs-)Leistung ist
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mehr als nur deren Elektrifizierung. Oftmals ist die Neuorganisation des ihr zugrundeliegenden
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(Verwaltungs-)Ablaufes wesentlich entscheidender für den Gesamterfolg als die alleinige
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Programmierung. Daher wollen wir soweit möglich die Anbindung entsprechender Kompetenzen an diese
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noch zu schaffende Digitalagentur.
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Leistungsverbesserung durch datenbasierte Verwaltung
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Nordrhein-Westfalen ist schon heute Vorreiter, wenn es darum geht, Offene Daten zur Verfügung zu
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stellen. Dies gilt sowohl für das Land als auch die kommunale Familie. Wir wollen dies auch mit Blick auf
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Verwaltungsleistungen werden. Der Staat verfügt auf allen Ebenen (Bund/Länder/Kommunen) über
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Daten, die aktuell nicht im Sinne der Verwaltungskunden genutzt werden. Unter Wahrung der
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individuellen Schutzrechte wollen wir Modelle entwickeln und diskutieren, die einen derartigen Nutzen
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ermöglichen. Eine Vielzahl von Verwaltungsleistungen wäre damit möglich, ohne dass es eines konkreten
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Handlungsanstoßes bedürfte.
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Aufstiegsversprechen für den öffentlichen Dienst stärken
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Wir möchten den öffentlichen Dienst durch Förderung und Vergütung wieder attraktiver für
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aufstiegsorientierte junge Einsteigerinnen und Einsteiger machen. Nur mit motivierten,
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serviceorientierten und gut ausgebildeten Beschäftigen entwickeln wir Verwaltung zu einer
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bürgerfreundlichen Anlaufstelle. Um die besten Beschäftigten für unsere Verwaltung zu gewinnen, wollen
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wir das Aufstiegsversprechen erneuern. Dazu braucht es Chancengerechtigkeit für alle Leistungswilligen.
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Wir wollen eine Aufstiegskultur statt Laufbahndenken. Das Vorankommen durch eigene Leistung darf
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nicht durch statische Strukturen behindert werden. Wenn die digitale Transformation auch in der
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Landesverwaltung gelingen soll, braucht es kreative Köpfe jeden Alters. Gestaltungskompetenz und
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zur Fortbildung und zum Karrieresprung müssen leistungsbezogen bestehen. Das Besoldungssystem und
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auch das Dienstrecht wollen wir so reformieren, dass es den strukturellen Anforderungen an einen
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zukunftsorientierten öffentlichen Dienst gerecht wird.
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Ein wichtiger Faktor ist die Durchlässigkeit zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft. In der
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Privatwirtschaft sind Arbeitsplatzwechsel zwischen Unternehmen selbstverständlich. Das soll auch – in
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beiden Richtungen – für Wechsel zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft möglich sein. Der
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Verlust erworbener Ansprüche darf hier nicht zum Hindernis werden.
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Nicht der Beamtenstatus soll die Attraktivität des öffentlichen Dienstes ausmachen, sondern all das, was
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auch private Arbeitgeber für sich in die Waagschale werfen: attraktive Arbeitsbedingungen, eine
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hochwertige Aus- und Fortbildung, transparente und anspruchsvolle Aufstiegsmöglichkeiten,
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immaterielle Wertschätzung sowie eine Bezahlung, die individuelles Engagement belohnt.
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Digitalisierungsdividende heben
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Die Digitalisierung der Verwaltung wollen wir nutzen, um überkommene Strukturen zu verändern. Das
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Land hat in den vergangenen Jahren dazu bereits erhebliche Anstrengungen bei der Digitalisierung der
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Landesverwaltung unternommen. So haben wir beispielsweise im Jahr 2017 mit einer europaweiten
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Ausschreibung die verbindliche Einführung der vollständig elektronischen Akte in der gesamten
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Landesverwaltung angestoßen. Bis zum Jahresende 2022 schließen wir dieses Projekt vollständig ab. Die
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Corona-Pandemie hat den Digitalisierungsprozess nochmals deutlich beschleunigt und gezeigt, wo
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Digitalisierungspotenziale liegen. Nach diesen umfangreichen Anfangsinvestitionen in die Digitalisierung
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wollen wir im zweiten Schritt eine Digitalisierungsdividende heben, die durch vereinfachte und
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verschlankte Arbeitsabläufe sowie Prozessoptimierungen entsteht.
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Schutz der Bediensteten und Gewaltprävention verbessern
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Landesweit nimmt die Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst zu. Neben Beleidigungen und
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Bedrohungen kommt es dabei teilweise sogar zu körperlichen Übergriffen. Grundvoraussetzung für mehr
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Schutz und Sicherheit für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ist Rückendeckung durch den
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Arbeitgeber bzw. Dienstherrn. Wir setzen uns dafür ein, dass in jeder Dienststelle Gewalt gegen
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Beschäftigte im Dienst konsequent strafrechtlich verfolgt wird. Betroffene sollen einen Anspruch
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bekommen, dass der Dienstherr auf Wunsch jedes nicht offensichtlich aussichtlose Verfahren
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stellvertretend zur Strafanzeige bringt. Sofern Betroffene im Strafverfahren als Zeugin oder Zeuge gehört
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werden müssen, sollen diese keine privaten Daten offenlegen müssen (z.B. Angabe der dienstlichen
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Adresse im Falle einer Anzeige, Dienstnummer anstelle eines Klarnamens). Betroffene sollen darüber
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hinaus den Dienstherrn auch mit der Durchsetzung von nicht offensichtlich aussichtslosen zivilrechtlichen
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Ansprüchen betrauen können.
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Eine moderne digitale Infrastruktur ist für Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen von
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herausragender Bedeutung. Länder wie Schweden zeigen, welches Innovationspotenzial eine gute digitale
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Infrastruktur freisetzen kann. Wir wollen den flächendeckenden Anschluss an das schnelle Internet in ganz
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Nordrhein-Westfalen schnellstmöglich vervollständigen. Die digitale Infrastruktur ist auch wesentlicher
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Bestandteil der Digitalstrategie.NRW, die wir weiterentwickeln und fortschreiben wollen.
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Digitalstrategie.NRW weiterdenken
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Mit der 2019 vorgelegten und 2021 fortgeschriebenen Digitalstrategie.NRW haben wir den digitalen
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Projekten und Initiativen ressortübergreifend Orientierung und ein strategisches Dach gegeben. Die
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Dynamik der Digitalisierung erfordert es, die Digitalstrategie.NRW auch in Zukunft regelmäßig
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weiterzuentwickeln. Dabei werden wir die Chancen der Digitalisierung im Blick behalten und mit
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konkreten und messbaren Zielen die Aktivitäten der Landesregierung steuern und miteinander
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Digitalstrategie ist auch Zeichen unserer neuen und dialogorientierten Digitalpolitik. Daher werden wir
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auch diesen Dialog mit Stakeholderinnen und Stakeholdern, Expertinnen und Experten,
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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der interessierten Öffentlichkeit fortsetzen.
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Gigabit-Ausbau bis 2025 abschließen
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Um den Bürgerinnen und Bürgern in allen Landesteilen gleiche Zugangschancen zu ermöglichen und
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Standortnachteile für Unternehmen bzw. bisher nicht vollständig angeschlossene ländliche Gebiete zu
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beseitigen, wollen wir den Gigabitausbau bis an jede Milchkanne bis 2025 abschließen. Dazu wollen wir
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die Anbieter in einen Wettbewerb um die günstigste Abdeckung bringen.
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Schnelles Mobilfunknetz und 5G weiter vorantreiben
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Die Schließung der letzten verbleibenden weißen Flecken im Mobilfunknetz sowie den Ausbau von 5G
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wollen wir entschieden vorantreiben. Ein flächendeckendes, stabiles und schnelles Mobilfunknetz ist für
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bereits heute verbreitete Anwendungen erforderlich und Voraussetzung für die Marktreife von
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Innovationen wie z. B. dem selbstfahrenden Auto.
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Außerdem wollen wir eine Praxiserprobung und weitere Erforschung der 6G-Technologie fördern.
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Mobilität ist Voraussetzung für Teilhabe. Funktionierende Verkehrsadern sind zugleich Grundlage für
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einen starken Wirtschaftsstandort. Um Mobilität zu ermöglichen, um Wege- und Lieferketten
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sicherzustellen, müssen alle Verkehrsträger leistungsfähig und gut verknüpft sein. Wir setzen weder
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einseitig auf einzelne Verkehrsmittel noch auf bestimmte Antriebstechnologien. Wir schreiben auch
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niemandem vor, wie sie oder er sich fortbewegen soll. Auch in der Verkehrspolitik setzen wir auf
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Innovationen und Technologieoffenheit statt auf Verbote. Wir wollen in Nordrhein-Westfalen die
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Mobilität der Zukunft gestalten und dafür die Chancen der Digitalisierung ebenso nutzen wie die
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vielfältigen technologischen Entwicklungen im Verkehrsbereich. Um Wahlmöglichkeiten und
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Umstiegsoptionen für die individuelle Fortbewegung zu schaffen, wollen wir alle Verkehrsträger stärken.
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Wir wollen darüber hinaus die Weichen stellen für die Entwicklung, Erprobung und Anwendung
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innovativer Mobilitätsangebote. Das gilt etwa für die Implementierung neuer Antriebstechnologien, für
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autonome Fahrsysteme, für smarte Lösungen im Bereich der Logistik, für Sharing-Lösungen und vor allem
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für den ÖPNV.
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Alle Verkehrsträger gleichberechtigt ausbauen
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Durch eine substanzielle Steigerung der Investitionen in das Landesstraßennetz haben wir einen
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Kurswechsel eingeleitet. Sowohl den Erhalt als auch den bedarfsgerechten Ausbau der
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Straßeninfrastruktur wollen wir weiter stärken, damit der Verkehr auf intakten Straßen fließen kann. Um
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die Verkehrsbelastungen durch Bautätigkeiten zu verringern, wollen wir die bereits unternommenen
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Anstrengungen zur Verbesserung des Baustellen-Managements weiterführen. Hierzu wollen wir
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insbesondere auch die Möglichkeiten der Digitalisierung noch viel stärker nutzen, um so das Tempo des
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Infrastrukturausbaus insgesamt zu erhöhen. Den Einsatz innovativer Instrumente zur Optimierung der
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Verkehrsströme und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, beispielsweise durch digitale
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Verkehrsleitsysteme, wollen wir weiter ausbauen. Den Landesbetrieb Straßen.NRW wollen wir
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kundenfreundlicher machen.
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Zukünftig klimaneutrale Mobilität auf der Straße wollen wir technologieoffen gestalten. Wir wollen
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deswegen die Rahmenbedingungen für einen schnellen Ausbau von Ladeinfrastrukturen weiter
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verbessern – insbesondere auch in ländlichen Regionen. Denn gerade dort ist die Individualmobilität
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durch das Auto oft unverzichtbar – und muss deshalb klimaneutral werden. Wir unterstützen außerdem
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in Ostwestfalen-Lippe.
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Gemeinsam mit dem Bund wollen wir die Sanierung der Fernverkehrsinfrastruktur, insbesondere der
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Brückenbauwerke, voranbringen. Wir wollen die Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter
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beschleunigen. Hierbei wollen wir gemeinsam mit dem Bund neue Wege gehen und zum Beispiel die
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Erfahrungen anderer schneller Brückenneubau-Vorhaben nutzen und beim Neubau der A45-Brücke
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erproben, um dieses Konzept dann landes- und bundesweit ausrollen zu können. Für die Umsetzung eines
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schnellen A45-Brückenneubaus wollen wir alle irgend nötigen und möglichen Register ziehen und
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geeignete Strukturen, zum Beispiel durch einen Sonderbeauftragten, schaffen. Wenn temporäre
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Streckensperrungen wie bei der A 45 bei Lüdenscheid unvermeidbar sind, wollen wir gemeinsam mit den
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Akteuren der Region für bestmögliche Lösungen suchen, damit die Belastungen für Anwohnerinnen und
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Anwohner sowie ansässige Unternehmen so gering wie möglich bleiben.
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Die Zuverlässigkeit des Schienen-Personennahverkehrs (SPNV) muss weiter verbessert werden, weil das
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ein zentrales Kriterium für die Attraktivität des Bahnverkehrs ist. Die Weichenstellung des Landes, in den
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kommenden zehn Jahren eine Milliarde Euro in die grundlegende Sanierung der Stadtbahnsysteme zu
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investieren, ist hierfür ein Grundstein. Kapazitäten auf der Schiene wollen wir insgesamt für Pendler- und
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Güterverkehre bedarfsgerecht weiterentwickeln. Das gilt unter anderem auch für den RRX sowie den
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„Eisernen Rhein“ beziehungsweise den 3RX als temporären Ersatz und die Betuweroute. Wir setzen uns
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außerdem für eine kundenorientierte Entwicklung der Haltepunkte insbesondere in ländlicheren
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Regionen und eine bessere Verknüpfung mit anderen Verkehrsträgern ein. Streckenreaktivierungen
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werden wir prüfen. Zusätzlich wollen wir die im Ruhrgebiet vorhandenen Werksbahntrassen reaktivieren,
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an die vorhandenen Schienenwege anschließen und zu einem neuen System des Gütertransports im
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Regional- und Lokalbereich ausbauen. Innovationsprojekte wie wasserstoffbetriebene
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Streckenabschnitte im Bahn- oder ÖPNV-Verkehr unterstützen wir ebenso wie die Initiative der
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Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe für einen Rail Campus in Minden, um Ostwestfalen-Lippe zu einem
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Schwerpunkt für die Bahntechnologie der Zukunft zu entwickeln.
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Wir unterstützen die Planungen für den Deutschlandtakt und werden unseren Beitrag für eine schnelle
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und transparente Umsetzung leisten, zum Beispiel auf der Bahnstrecke Hamm-Hannover-Berlin. Darüber
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hinaus werden wir uns auch auf anderen Fern- und Nahverkehrsstrecken, wie zum Beispiel Lünen -
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Münster, für eine zügige Umsetzung von Streckenausbaumaßnahmen einsetzen.
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Mit der Eifelstrecke von Köln nach Trier wurde eine wichtige Lebensader im südlichen Nordrhein-
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Westfalen durch die Flutkatstrophe stark getroffen. Wir wollen den Wiederaufbau der Strecke priorisieren
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und die Strecke zugleich modernisieren und komplett elektrifizieren. Zusätzlich wollen wir die Möglichkeit
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eines zweigleisigen Ausbaus prüfen, um die Region entlang der Strecke und ihre Wirtschaft für die
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Schienenlogistik zu erschließen.
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Für einen wirksamen Klimaschutz und die Vermeidung von Stau auf den Straßen benötigen wir dringend
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Verkehrsverlagerungen im Güterverkehr. Direkt wirksam und am schnellsten umsetzbar ist eine
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Verlagerung auf Wasserstraßen. Diese wollen wir für eine stärkere Nutzung im Güterverkehr ertüchtigen.
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Wir wollen deswegen eine Landeswasserstraßenstrategie erarbeiten. Eine solche Strategie muss die
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Gewährleistung einer sicheren Wassertiefe, die Sanierung der Kanäle, Schleusen und Brücken und den
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Ausbau der autonomen Binnenschifffahrt umfassen. Nordrhein-Westfalen hat bereits eine große Zahl
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trimodaler Häfen, die wir mit einzelnen weiteren Hafenplätzen einfach und zügig weiter stärken wollen.
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Chancen durch die zunehmende Automatisierung der Häfen und eine autonome Binnenschifffahrt wollen
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wir nutzen.
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Wir wollen den Radverkehr stärken und in den Gesamtverkehr einbinden durch einen sachgerechten
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Ausbau der erforderlichen Infrastruktur. Mit dem Fahrradgesetz haben wir eine Grundlage geschaffen
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und zudem seit unserer Regierungsübernahme weit mehr in die Radinfrastruktur investiert als zuvor
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investiert wurde. Dies wollen wir verstetigen. Wir werden damit in den folgenden Jahren in ein
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Radvorrangrouten bis zu einfachen Radwegen auf Feldwegen investieren. Zentral ist dabei, dass
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tatsächlich ein Verkehrswegenetz gespannt wird, das alle größeren Städte mit sinnvollen Routen
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verbindet und überörtliche mit kommunalen Radwegen verknüpft. Durch den Aufbau von
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Radabstellanlagen und von Mobilstationen, die die unterschiedlichen Verkehrsträger miteinander
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vernetzen, wird das Fahrrad noch flexibler und besser nutzbar. Für die Flexibilität auf der sogenannten
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‚letzten Meile‘ auf dem Weg zur Arbeit, in die Stadt oder nach Hause sorgen auch E-Scooter. Wir
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begrüßen, wenn sie in weiteren Städten verfügbar sind.
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Reisende, vor allem aber auch die Wirtschaft ist auf funktionstüchtige, weltweite Verbindungen
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angewiesen. Der Luftverkehr ist hierbei von zentraler Bedeutung. Es gilt, Mobilitätsanforderungen,
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Anwohnerinteressen und Klimaschutzziele in Einklang zu bringen. Wir setzen uns dafür ein, mit
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innovativen technischen und organisatorischen Maßnahmen permanent für eine Reduktion der Belastung
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der Anwohnerinnen und Anwohner, insbesondere durch Fluglärmemissionen, zu sorgen. Neben dem
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aktiven soll der passive Lärmschutz weiter ausgebaut werden. Die Nachtflugmöglichkeit in Köln wollen wir
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erhalten, soweit die Möglichkeiten der Lärmreduzierung fortlaufend weiterentwickelt und nach dem
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neuesten Stand umgesetzt werden. Die dezentrale Luftverkehrsstruktur des Landes wollen wir durch
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Rahmenbedingungen, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Regionalflughäfen ermöglichen, erhalten.
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Wettbewerbsverzerrungen zum Nachteil einiger Regionalflughäfen wie bei der Berechnung der
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Luftsicherungskosten müssen dauerhaft beendet werden. Wir wollen, dass künftig Entlastungen durch
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Bund und Land gleichermaßen und fair für alle Verkehrsflughäfen in Nordrhein-Westfalen umgesetzt
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werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Regionalflughäfen zu sichern und Bedarfe passgenauer
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entwickeln zu können, setzen wir uns für eine verbindlichere Einbindung der regionalen Wirtschaft, zum
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Beispiel durch Mitarbeit in Aufsichtsgremien der Flughäfen mit Landesbeteiligung, ein.
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Ein wichtiges Entwicklungspotenzial hierfür sind Flugtaxen, die in den kommenden fünf Jahren zu einem
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regulären Verkehrsangebot zwischen den Regionalflughäfen werden sollen. Da insbesondere im Bereich
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Logistik zukünftig auch mit einem verstärkten Drohneneinsatz insbesondere auch zur Entlastung der
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Innenstädte zu rechnen ist, wollen wir den Luftraum der Zukunft mit allen beteiligten Akteuren neu
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vermessen und vorausschauend gestalten.
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Modernen Öffentlicher Personennahverkehr stärken
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Wir wollen die öffentlichen Verkehre neu aufstellen und dafür konsequent von den Kunden aus denken.
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Wir wollen den Menschen ein Angebot machen, sich auch jenseits des eigenen Autos komfortabel
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fortbewegen zu können – wenn sie dies wollen. Dazu nehmen wir die gesamte Wegekette in den Blick.
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Entscheidend für die individuelle Auswahl des Verkehrsmittels ist die Gewähr, zu jeder Zeit und an jedem
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Ort planbar, sicher und komfortabel von A nach B zu kommen. Wir wollen dazu die technologischen
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Möglichkeiten systematisch nutzen und neue Angebote einführen. Verschiedene Verkehrsträger für
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unterschiedliche Einsatzarten wollen wir dabei bestmöglich miteinander verknüpfen.
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Gut, schnell und zu fairen Preisen vom Start zum Ziel zu kommen, darf keine Frage von Verbundgrenzen
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sein. Den mit „Eezy“ begonnenen Weg zu einem einfachen und einheitlichen Tarifsystem, das in ganz
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Nordrhein-Westfalen gilt, wollen wir konsequent weitergehen. Damit wollen wir die Chancen eines
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vereinheitlichten Tarifsystems sowohl für Pendelnde als auch Gelegenheitsfahrende nutzen. Die Hürden
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für die Nutzung des ÖPNV wollen wir durch die Einführung einfacher, digitaler Registrierungs- und
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Abrechnungssysteme weiter reduzieren. Wir wollen, dass der Zustieg zum ÖPNV an jedem Ort in
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Nordrhein-Westfalen per Handy-App möglich wird.
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Die Verkehrsverbünde-Struktur wollen wir auf den Prüfstand stellen. Um die ÖPNV-Angebote zukünftig
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noch kundenfreundlicher zu gestalten und die Umsetzung neuer Angebote zu ermöglichen, wollen wir
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den Einsatz der finanziellen Mittel durch die Verbünde noch besser steuern. Ziel ist die Umsetzung
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einheitlicher Tarife und Tickets, einfacherer Zugangssysteme, einheitliche Verkaufsinformationen und
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insbesondere der konsequente Ausbau von On-Demand-Angeboten.
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schaffen, an denen verschiedene Verkehrsmittel sinnvoll miteinander vernetzt werden. Wir setzen uns
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zudem für eine weitere Reformierung des Personenbeförderungsgesetzes ein, um mehr Wettbewerb bei
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innovativen Beförderungsmöglichkeiten insbesondere auf dem Taxi-Markt zu schaffen. Dazu gehört für
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uns auch die Abschaffung der Rückkehrpflicht bei Poolingverkehren.
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Durch eine flächendeckende Ausweitung von On-Demand-Systemen wollen wir die Erreichbarkeit des
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ländlichen Raums durch ein öffentliches Verkehrsangebot massiv verbessern. Dabei geht es uns um ein
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kundenorientiertes und zugleich effizientes Angebot, das die starren Angebote, die an der Lebensrealität
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vieler Menschen vorbeigehen, an vielen Stellen ablösen soll. Mit autonomen Systemen, die derzeit bereits
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erprobt werden, kann der ÖPNV in Zukunft noch kostengünstiger und flexibler werden.
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Effizienzsteigerungen wollen wir für Investitionen nutzen. Unser Ziel ist, dass es überall in Nordrhein-
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Westfalen echte Verkehrsmittelalternativen gibt.
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Schneller planen, besser bauen
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Wir wollen Planungs- und Genehmigungsprozesse für Infrastrukturvorhaben weiter beschleunigen und
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dazu Bürokratie abbauen, die Verwaltung als Ermöglicherin stärken sowie dem Fachkräftemangel im
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Planungsbereich ebenso entgegenwirken wie Missmanagement. Bei europäischen Infrastrukturprojekten
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wollen wir uns an einem europäischen Planungsstandard orientieren, damit die Abschnitte in unserem
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Land nicht mehr am Ende des Ausbaus, sondern möglichst früh fertig werden.
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Die Planungs- und Genehmigungszeiten insbesondere bei den großen Bahnprojekten müssen deutlich
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beschleunigt werden. Auch der Ausbau des Lärmschutzes muss mit der Entwicklung Schritt halten. Um
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die Akzeptanz des Verkehrsträgers Schiene zu erhalten, muss steigenden Belastungen mit
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entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen begegnet werden. Wir werden uns beim Bund dafür einsetzen,
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dass der Schienenausbau schneller geplant und gebaut wird und gleichzeitig objektive Kriterien für den
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Lärmschutz verbindlich festgelegt werden, um Anwohnerinnen und Anwohner zu schützen. Um
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Planungsverfahren zu beschleunigen, wollen wir rechtliche Möglichkeiten prüfen, um Klagerechte an eine
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Einbringung von Einwendungen bereits zu Beginn von Planungsprozessen zu knüpfen.
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Seit Übernahme der Regierungsverantwortung haben wir beim Abruf von Bundesmitteln für den
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Straßenbau eine Trendwende eingeleitet. Durch eine aufgebaute Planungsreserve soll auch zukünftig
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sichergestellt werden, dass Mittel des Bundes nicht zurückgegeben werden müssen, sondern zusätzlich
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abgerufen werden können.
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Wir vertrauen auf die kommunale Selbstverwaltung und haben deshalb die Rahmenbedingungen der
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Kommunen kontinuierlich verbessert. Wir wollen gemeinsam mit der kommunalen Familie dafür sorgen,
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dass unsere Kommunen für die Zukunft lebenswert und handlungsfähig bleiben. Dafür sind vor Ort
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Spielräume und Entscheidungsfreiräume ebenso notwendig wie eine Verbesserung der
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Einkommensmöglichkeiten der Kommunen. Wir setzen uns zudem für ein starkes kommunales Ehrenamt
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mit modernen und inklusiven Strukturen ein.
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Die Corona-Pandemie hat die ohnehin angespannte, finanzielle Situation vieler Kommunen weiter
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zugespitzt. Wir haben die Städte und Gemeinden nicht alleine gelassen, sondern ihnen trotz
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wegbrechender Steuereinnahmen Planungssicherheit und eine finanzielle Absicherung gegeben. Wir
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haben unabhängig von der Pandemie dafür gesorgt, dass die Kommunen wieder „echte 23 Prozent“ und
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damit anteilig mehr Geld aus dem Steuerverbund erhalten – ohne Verrechnungen und Abzüge zu Lasten
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der Kommunen. Diesen kommunalfreundlichen Kurs werden wir fortsetzen.
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Kommunen müssen in der Lage sein, aus eigener Kraft ihre Aufgaben zu bewältigen und Schwerpunkte zu
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setzen. Was vor Ort in Eigenregie gut und effektiv erledigt werden kann, muss von Seiten des Landes
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weder selbst ausgeführt noch vorgeschrieben werden. Grundvoraussetzung hierfür ist eine transparente
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und verlässliche sowie auskömmliche Finanzausstattung unserer Kommunen.
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Die Finanzbeziehungen zwischen Kommunen und Land werden wir weiter anpassen. Perspektivisch
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wollen wir den Finanzanteil der Kommunen an dem Einnahmeaufkommen des Landes (sogenannte
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Verbundmasse) von derzeit 23 Prozent auf 25 Prozent erhöhen. Wir setzen dabei vermehrt auf
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Pauschalen, besonders im Schul- und Bildungsbereich, um den Kommunen eigene Handlungsspielräume
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zu ermöglichen. Im Gegenzug wollen wir die unzähligen Förderprogramme, mit denen Geld nach
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langwierigen Vergabeverfahren für vom Land gewünschte Zwecke vor Ort eingesetzt wird, kritisch
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überprüfen. Die Schulfinanzierung zwischen Land und Kommunen wollen wir im engen Dialog mit den
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Kommunalen Spitzenverbänden fit machen für das 21. Jahrhundert und die Herausforderungen der
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Digitalisierung.
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Das Gemeindefinanzierungsgesetz muss regelmäßig auf seine Treffsicherheit überprüft werden. Unser
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Ziel ist es, die Finanzkraft der Kommunen in Nordrhein-Westfalen möglichst realitätsnah abzubilden. Die
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von uns lange geforderte, mit dem Gemeindefinanzierungsgesetz 2022 eingeführte Differenzierung der
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fiktiven Hebesätze trägt dazu bei.
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Finanzautonomie stärken: Schuldenbremse und eigene Steuermittel
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Der wichtigste Teil der kommunalen Einnahmen ist derzeit die Gewerbesteuer. Sie ist im Vergleich zu den
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übrigen Einnahmearten jedoch auch die volatilste: In Boom-Zeiten sprudeln die Einnahmen, eine
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Rezession reißt große Löcher in den Haushalt. Deswegen wollen wir die Gewerbesteuer langfristig durch
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einen höheren, kommunalen Anteil an der Mehrwertsteuer ersetzen. Das würde die Kommunen von
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konjunkturellen Schwankungen unabhängiger machen.
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Zudem wollen wir den Kommunen das Recht geben, eigene Hebesätze auf die Körperschafts-, die Lohn-
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und die Einkommensteuer zu beschließen. Das stärkt einerseits die kommunale Selbstverwaltung,
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anderseits wird die Transparenz für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen erhöht, die wissen,
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wofür sie jeweils ihre Steuern zahlen müssen. Im Gegenzug wollen wir eine kommunale Schuldenbremse
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einführen, die langfristig zu nachhaltigen Haushalten auch bei den Kommunen führt und damit
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Generationengerechtigkeit sichert.
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Altschulden abbauen, Investitionen ermöglichen
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Um finanziell notleidenden Städten und Gemeinden aus dem Schuldensumpf zu helfen, hat der
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„Stärkungspakt Stadtfinanzen“ wichtige Impulse gesetzt. Auf diesem Weg werden wir – im
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Zusammenwirken mit den Vorhaben der neuen Bundesregierung – weitergehen und bekennen uns daher
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zu einer kommunalen Kredithilfe mit dem Leitsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das Land gewährt ein
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professionelles Schuldenmanagement, gleichzeitig bleibt jede Kommune für ihre Schulden
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verantwortlich. Eine Vergemeinschaftung von Verbindlichkeiten lehnen wir ab. Weiterhin muss
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verhindert werden, dass Kommunen, die sich an einer Lösung beteiligen, sich erneut mit unechten
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Kassenkrediten in die Vergeblichkeitsfalle begeben. Wir wollen deshalb gleichzeitig die Kommunalaufsicht
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stärken, damit sie als eine Art Frühwarnsystem aktiv werden kann.
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Wirtschaftliche Betätigung von Kommunen
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In den letzten Jahren haben Kommunen in einigen Fällen hochriskante Investitionen getätigt, etwa bei der
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Rekommunalisierung von Energieversorgern wie der Steag. Im Ergebnis haben sich Kommunen
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verschuldet, ohne langfristig die erhofften Gewinne zu erzielen. Den Schaden tragen die Steuerzahler. Wir
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wollen die Schranken für privatwirtschaftliche Betätigungen der Kommunen erhöhen und die Kompetenz
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der Räte stärken. Wir wollen das Gemeindewirtschaftsrecht so anpassen, dass eine Kommune nur dann
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wirtschaftlicher zur Verfügung stellen kann. Zudem sollen für eine fundierte Entscheidung durch die
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Ratsmitglieder die meist umfangreichen Dokumente bei der Akquise um ein zusätzliches,
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zusammenfassendes Gutachten von unabhängiger Stelle ergänzt werden. Für Mitglieder von
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Aufsichtsgremien in Unternehmen, an denen Kommunen beteiligt sind, wollen wir im Interesse der
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Steuerzahler einen Sachkundenachweis einführen.
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Gebühren und Beiträge fair gestalten
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Wenn Städte und Gemeinden für die Bürgerinnen und Bürger öffentliche Einrichtungen zur Verfügung
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stellen, können sie dafür Gebühren und Beiträge erheben. Bei diesen Tätigkeiten nehmen sie oft eine
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monopolartige Stellung ein, etwa bei der Beseitigung von Abwasser. Die Unterschiede bei den
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Gebührenbelastungen sind in Nordrhein-Westfalen zum Teil erheblich. Eine stärkere interkommunale
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Zusammenarbeit kann dabei helfen, Kosten im Sinne der Gebührenzahler zu senken. Mit dem verstärkten
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Einsatz von Benchmarks und einem Schwerpunkt der Kommunalaufsicht und der
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Gemeindeprüfungsanstalt wollen wir für mehr Vergleichbarkeit sorgen.
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Wir haben die Straßenausbaubeiträge bereits halbiert und die Bürgerinnen und Bürger spürbar entlastet
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– erstmals seit Jahrzehnten. Das wollen wir konsequent fortsetzen und Straßenausbaubeiträge endgültig
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abschaffen. Dadurch befreien wir Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Käuferinnen und Käufer von
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Immobilien von einem erheblichen Kostenrisiko und bauen konkret Bürokratie ab. Weiterhin gilt für uns
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im Straßenbau das Prinzip Instandhaltung vor nachmaligem Ausbau. Dazu müssen die Finanzen der
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Kommunen durch Land und Bund auf ein solides Fundament gestellt werden. Die Ausbaustandards für
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Straßen müssen zudem einer Prüfung unterzogen werden, um den Kommunen mehr Freiheiten zu geben.
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Bei den Beiträgen für die Ersterschließung von Beiträgen wollen wir eine bürgerfreundliche und
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rechtssichere Verjährungsfrist einführen.
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Starke Fraktionen in den Räten, Kreistagen und Verbandsversammlungen
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Wir wollen Hürden für das kommunale Ehrenamt abbauen. Dazu gehören die Flexibilisierung und
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Digitalisierung als Arbeitserleichterung. Unter Pandemiebedingungen haben viele Ratsleute ihre
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Fraktionsarbeit mit innovativen und digitalen Ansätzen erweitert. Wir wollen diesen Erfolg verstetigen.
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Die Möglichkeit zu digitalen Fraktionssitzungen soll bestehen bleiben. Aus digitalen Pilotprojekten werden
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wir erste Erkenntnisse noch in dieser Legislaturperiode umsetzen: In Katastrophenfällen dürfen Räte und
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Kreistage rechtssicher digital tagen. Freiwillige Ausschüsse können – wenn der Rat es wünscht – ebenfalls
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digital tagen. Wir stehen weiterhin für die Präsenzsitzung als Regelfall. Dafür spricht aus der juristischen
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Perspektive der Öffentlichkeitsgrundsatz. Politisch sprechen für die Präsenzsitzung u. a. die
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Debattenkultur und das sachorientierte, konstruktive Miteinander über die Parteigrenzen hinweg.
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Für uns ist aber auch klar: Oft ist es nicht der Weg ins Rathaus, der die Menschen davon abhält, sich aktiv
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in die Ratsarbeit einzubringen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Sitzungen vor Ort in kommunaler
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Selbstverantwortung noch stärker auf Ehrenamtliche zugeschnitten und besser organisiert werden. Für
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eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit dem kommunalen Ehrenamt müssen Sitzungen und
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deren Ende planbar sein und zu realistischen Uhrzeiten beginnen. Zudem braucht es eine Konzentration
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auf die kommunalen Kernaufgaben und den Verzicht auf umfassende Debatten zu Resolutionen ohne
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Zuständigkeit.
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Kommunale Demokratie stärken
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Die kommunale Demokratie lebt von unterschiedlichen Formen der Bürgerbeteiligung. Wir haben eine
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gute Balance zwischen der repräsentativen Demokratie und direktdemokratischen Elementen gefunden.
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Initiatorinnen und Initiatoren von Bürgerbegehren haben wir durch die Einführung der Vorprüfung zur
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Zulässigkeit des Begehrens gestärkt.
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Stadt- und Gemeinderäte einführen. Dieses Wahlrecht ist aus der Bundestags- und Landtagswahl bekannt
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und bildet das Parteiensystem in Deutschland gut ab.
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Wir sind zudem überzeugt, dass (Ober-)Bürgermeister/Landräte eine starke Legitimation brauchen. Die
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niedrige Wahlbeteiligung in Stichwahlen gefährdet diese Legitimation ebenso wie sehr knappe Ergebnisse
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im ersten Wahlgang. Wir wollen deswegen ein Präferenzwahlsystem mit integrierter Stichwahl einführen.
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Das heißt, dass die Wählerinnen und Wähler mehrere Präferenzstimmen abgeben und die Kandidatinnen
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und Kandidaten somit in eine persönliche Reihung bringen. Das verschafft Wählerinnen und Wählern
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Auswahl und hält Kandidierende kleinerer Parteien nicht aus taktischen Gründen davon ab, anzutreten.
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Durch das Gesetz zur Stärkung des Kreistags wurden auf Kreisebene Verwaltungsvorstände (wie zuvor
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schon in Städten und Gemeinden) eingerichtet, die die Meinungsbildung in der Verwaltungsspitze auch
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institutionell verbreitern. Damit verbunden ist das Recht der Wahlbeamten, abweichende Ansichten den
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Gremien des Kreises mitzuteilen. Wir werden einen Verwaltungsvorstand auch bei den
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Landschaftsverbänden sowie dem Regionalverband Ruhr jeweils bestehend aus den Direktoren der
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Landschaftsverbände und den Landesräten bzw. dem Regionaldirektor und den Wahlbeamten einrichten.
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IT-Ausbildung für kommunale Fachkräfte an Berufskollegs stärken
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Durch Schaffung einer Spezialisierung zur IT-Expertin bzw. zum IT-Experten in der öffentlichen Verwaltung
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sollen zukünftige Fachkräfte der Kommunen gezielt ausgebildet werden. Dadurch werden der Übergang
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in den kommunalen Dienst erleichtert und zukünftig ausreichend Fachkräfte für diesen Bereich
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ausgebildet.
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Herausgeber
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FDP Landesverband NRW
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Sternstr. 44
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D-40479 Düsseldorf
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Verantwortlich
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Johannes Vogel
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Generalsekretär der FDP-NRW
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Telefon: 0211 - 497090
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nrw@fdp.de
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